Voller Begeisterung referierte Daniela Gentz in einem Onlineseminar der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) über die Fütterung von Zuchtstuten und Fohlen. Die Diplom-Agraringenieurin hat sich auf Tierhaltung und Fütterung spezialisiert. Ausführlich erklärte sie, was vor, während und nach der Trächtigkeit zu beachten ist.
Mit dem Thema Fütterung sollte man sich bereits vor der Besamung der Stute beschäftigen, denn eine bedarfsgerechte Fütterung kann die Fruchtbarkeit optimieren. Saisonal-polyöstrisch bedingt sind Stuten zwischen März und September in der Lage, tragend zu werden. Oftmals werden sie jedoch schon ab Januar besamt oder bekommen ihre Fohlen im Winter. Naturgemäß ist die Fütterung in dieser Jahreszeit ohne Weidegang eine andere als im Frühjahr und Sommer. Doch gerade über die Fütterung lässt sich viel steuern und ausgleichen.
Grundlage der Futterplanung ist der Ernährungszustand der Stute, der auf dem sogenannten Body Condition Score (BCS), einer Skala von eins bis neun, abgebildet wird. Bei einer Stute, die tragend werden soll, ist ein Wert zwischen fünf und sechs absolut optimal. „Früher dachte man, Fett ist einfach nur Fett. Doch hormonelle Leistung korreliert mit dem Körperfettbestandteil“, erklärt Daniela Gentz, die seit Kurzem nicht nur Reiterin und Pferdebesitzerin ist, sondern auch Züchterin. Mit der Geburt eines gesunden Fohlens aus ihrer eigenen Stute ging für sie ein Traum in Erfüllung.
Ist das Pferd zu dünn, sind ein verzögerter Eintritt in die Rosse, eine schlechte Follikelausreifung sowie eine geminderte Befruchtungs- und hohe Resorptionsrate die Folge. „Der Körper schützt sich aufgrund einer zu geringen Energiezufuhr vor einer Trächtigkeit“, erklärt die Expertin. Bei zu dicken Pferden hingegen gebe es in den ersten vier Wochen hohe Verlustraten. Zu viel Fett verändert den Uterus, wodurch eine normale Aufnahme verhindert wird.
Mangelernährung erschwert die Aufnahme
Bei einem zu niedrigen BCS kann die Stute meist durch rechtzeitige Auffütterung auf einen Wert von mindestens fünf gebracht werden. Deutlich schwieriger und mit mehr Vorlaufzeit verbunden ist hingegen die Diät bei zu dicken Pferden. Es sei dringend davon abzuraten, die Dauerfresser einfach fasten zu lassen oder auf „Friss die Hälfte“ zu setzen. Die Stute während der Diät zu besamen ist sehr problematisch, da der Körper wie beim mageren Pferd aus Selbstschutz das Fohlen entweder resorbiert oder gar nicht erst aufnimmt.
Gentz weist darauf hin, dass auch ein Mangel an Vitamin A und E die Befruchtungsaussicht vermindert. In der Weidesaison wird der Bedarf in der Regel über das Gras gedeckt. Steht die Stute noch im Stall, ist eine Vitaminzufuhr über Mineralfutter, Spezialergänzer, Möhren und Luzerne notwendig.
Futterumstellungen im Zusammenhang mit dem Aufenthalt auf der Deckstation seien zu vermeiden. „Ich habe meinen eigenen Sack Futter mitgenommen und ihn vor die Box gestellt“, erzählt die Futterexpertin von der Besamung ihrer Stute. Auch in den darauffolgenden ersten acht Trächtigkeitswochen sollte sich die Nährstoffzufuhr nicht ändern, denn dann ist der Embryo noch nicht mit dem Uterus verbunden und wird über Sekretion der Gebärmutter ernährt.
Zuchtstuten werden nicht ab dem Tag der Besamung anders gefüttert, sondern erst ab dem siebten bis achten Trächtigkeitsmonat. „Viel Futter hilft aber nicht viel“, betont Gentz. „Es kommt auf die Qualität an.“
Hoher Bedarf während der Laktation
In der Regel reichen Heu und Hafer allein nicht aus, um die Stute mit genügend Eiweiß, Kalzium und Phosphor, Aminosäuren, den Spurenelementen Kupfer, Selen und Jod sowie adäquaten Mengen an Vitamin A und E zu versorgen. Ein besonderer Fokus muss auf hochwertigen Proteinen liegen, deren Bedarf bis auf das 1,8-Fache ansteigt. Leinsamen, Soja, Bierhefe und Luzerne sind gute Lieferanten von präcaecal (im Dünndarm) verdaulichen Proteinen.
Im elften Monat steigt der Energiebedarf der Zuchtstute auf ein Niveau wie beim stark gearbeiteten Sportpferd. Während der Laktation ist der Proteinbedarf sogar noch höher, erst ab dem zweiten Laktationsmonat sinkt er langsam wieder ab. Damit die Stute genügend Milch produzieren kann und das Fohlen sie nicht förmlich aussaugt, wird in den Wintermonaten idealerweise hochwertiges Heu oder Heulage ad libitum gefüttert – eine Überversorgung ist naturgemäß ausgeschlossen – und durch ein spezielles Krippenfutter ergänzt.
Kommt die Stute zum Zeitpunkt der Geburt bereits auf die Weide, ist zwar die Versorgung mit Eiweiß, Karotin und Phosphor gesichert, nicht aber der Energiehaushalt und der Bedarf an Kalzium, Spurenelementen und Natrium, was eine Zufütterung von Mineralien notwendig macht. Im Fall einer Unterversorgung fährt die Stute die Milchproduktion langsam zurück und mobilisiert ihre Körperreserven, sie magert also ab. Ein Mangel in der Milch hat zwangsläufig negative Auswirkungen auf das Wachstum des Fohlens.
Muttermilch ist das Beste fürs Fohlen
Das Beste in der Fohlenfütterung ist und bleibt die Muttermilch. In den ersten drei Stunden nach der Geburt ist es die Biestmilch (Kolostrum), mit der das Fohlen die darin enthaltenen Immunglobuline aufnimmt. Anschließend saugen Fohlen etwa 50 Mal am Tag bei ihrer Mutter. Nach vier bis acht Wochen reicht die Milch als alleinige Nahrungsquelle nicht mehr aus, um das Fohlen mit genügend Energie und Nährstoffen zu versorgen. Mit der Gabe spezieller Ergänzungsmittel, beispielsweise über eine Paste, werden Mängel ausgeglichen.
In diesem Zusammenhang weist Daniela Gentz auf das Thema Koprophagie hin. „Fohlen fressen in den ersten fünf Lebenswochen mit großer Genüsslichkeit den Kot ihrer Mutter“, erzählt sie. „Das mögen manche eklig finden, aber gönnen Sie ihrem Fohlen den warmen Happen, denn er ist ungeheuer wichtig für das Immunsystem.“
Um das Fohlen optimal auf das Absetzen vorzubereiten, sollte es ab dem zweiten Monat langsam an das Krippenfutter gewöhnt werden, und sei es nur eine Handvoll, um Stress, Durchfall und Kotwasser zu vermeiden. Generell sind Fohlendurchfälle sehr ernst zu nehmen. Sie können auch durch Salzlecksteine entstehen, weshalb diese außer Reichweite des Fohlens angebracht werden sollten.
Die Futterration der Mutterstute sollte nach dem Absetzen für ein paar Tage reduziert werden, um die Energie und damit gleichzeitig die Milchleistung zu drosseln. Stattdessen Mash zu füttern, reduziert den Stress für Magen und Darm. „Auch eine Zuchtstute muss gut gemanagt werden, damit sie selbst gesund bleibt und starke Fohlen zur Welt bringt“, so das Schlusswort von Daniela Gentz. „Doch das macht unheimlich viel Spaß.“




