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Wenn du immer nur träumst …

Finanzielle Absicherung von Frauen
Von Dr. Claudia Kleimann-Balke

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„Die Rente ist sicher!“ Viele werden sich noch an dieses berühmte Zitat des damaligen Bundesarbeitsministers Norbert Blüm (CDU) erinnern. 40 Jahre später stellt sich die Frage, wie dieses Versprechen angesichts des demografischen Wandels und steigender Kosten auch in Zukunft erfüllt werden kann. Fakt ist, dass sich das Verhältnis von Rentenempfängern zu Beitragszahlern dramatisch verändert hat.

Michael Herte, Heidi Thamsen und Sylke Messer-Radtke (v. li.) begrüßten die Teilnehmerinnen zum Seminar „Absicherung für Frauen“ im Lebensmittelinstitut KIN in Neumünster. Fotos: lfv

Kamen 1962 auf jeden Rentner sechs Beitragszahler, sind es heute noch zwei – um genau zu sein 2,1. Die Vorschläge aus der Politik reichen von längeren Lebensarbeitszeiten über stärkere private Vorsorge bis hin zu Reformen bei Rentenniveau und Beiträgen. Für den LandFrauenverband Schleswig-Holstein war die politische Diskussion der Auslöser dafür, auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Denn besonders Frauen in der Landwirtschaft sind in Bezug auf finanzielle Absicherung und Rente unterversorgt.

Michael Herte ist Bankkaufmann und Volljurist. Seit 2025 leitet er die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Er ist Fachmann für Markt, Rente und Finanzdienstleistungen.

„Wenn du immer nur träumst, wachst du irgendwann arm auf.“ Diesen Satz würde Michael Herte, Vorstand der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, gern allen jungen Menschen mit auf den Weg geben. „Ich kann gut verstehen, dass man sein Geld in jungen Jahren für andere Dinge ausgibt, aber das dicke Ende kommt irgendwann.“ Michael Herte ist kein Schwarzmaler, sondern Realist. Der Volljurist blickt auf langjährige Erfahrungen im Bereich Markt, Recht und Finanzdienstleistungen zurück. Zu seinem Alltag gehört die Beratung von Menschen, die nicht ausreichend für das Alter abgesichert sind. Häufig sind das noch immer Frauen – insbesondere auch im Bereich der Landwirtschaft. Sie versorgen Kinder, pflegen Eltern oder Schwiegereltern und arbeiten auf dem Hof mit – oft als mitarbeitendes Familienmitglied, ohne eigenes Einkommen. „Dieses Thema bewegt uns sehr“, erklärt Heidi Thamsen, die als Vertreterin des Präsidiums des LandFrauenverbandes das Seminar begleitete. „Wir möchten unsere LandFrauen für dieses Thema sensibilisieren und ihnen Möglichkeiten für ihre persönliche Altersvorsorge aufzeigen.“

Im Seminar gab Michael Herte einen Überblick über gesetzliche Altersvorsorge, zeigte Möglichkeiten der privaten Geldanlage auf und gab den Teilnehmerinnen ein paar wertvolle Tipps an die Hand. Natürlich ging es ihm dabei um sichere, umsetzbare Lösungen. Wichtig sei es, zuerst zu prüfen, wie viel Geld man tatsächlich zur Verfügung habe. Bevor man beispielsweise in eine Geldanlage investiere, sollte man für einen Notgroschen gesorgt und teure Kredite abgebaut haben.

Das Thema Rente und Altersvorsorge ist breit und sehr individuell. „Und leider gibt es auch kein Geheimrezept, das alles regelt“, betont Herte. „In jedem Fall sind aber die Verbraucherzentrale und die Rentenberatungsstellen die richtigen Ansprechpartner.“

Hinweis

Voraussichtlich im Herbst wird es eine kürzere Online-Version des Seminars geben. Termin und Informationen folgen auf der Webseite des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein.

Vier praktische Tipps vom Fachmann

1. Digitale Rentenübersicht: Dieses Online-Portal bündelt alle Informationen über die erworbenen Ansprüche aus gesetzlichen, privaten und betrieblichen Altersvorsorgen. Die Nutzung ist freiwillig, kostenlos und über jeden gängigen Internetbrowser auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung verfügbar.

2. Kontenklärung: Fehler können überall passieren, und es kann vorkommen, dass der Deutschen Rentenversicherung nicht alle relevanten Daten vorliegen. Sind beispielsweise alle Kinder berücksichtigt? Und sind auch die Berücksichtigungszeiten (für Kinder bis zum 10. Lebensjahr) eingetragen? Einen finanziellen Effekt hat das zwar nicht, aber es ist strategisch relevant: Andere Versicherungszeiten werden unter Umständen besser bewertet – vor allem bei unterbrochenen Erwerbsbiografien ist das wichtig.

3. Fallen vermeiden: „Wilde Ehe“, finanzielle Abhängigkeit, langfristige Beschäftigung in Teilzeit oder als Minijobber wirken sich massiv auf die Höhe der Rente aus. Wem Beitragsjahre fehlen, der kann bis zum 45. Lebensjahr auch nachträglich Geld in die Rentenkasse einzahlen. Das kann sogar steuerlich geltend gemacht werden und lohnt sich meist mehr als eine private Rentenversicherung.

4. Bei Geldanlagen auf die Kosten achten: Man muss kein Betriebswirt sein, um Geld anzulegen. Aber man sollte die Kosten im Blick haben. Denn egal, für welche Form der Anlage man sich entscheidet: Die Kosten, beispielsweise für Makler oder Gebühren, mindern die Rendite. Außerdem gilt: Keine Angst vor ETF! Mit einem kostenlosen Konto bei einer Direktbank und einem breit gefächerten Wertpapierdepot, in das monatlich ein geringer Betrag (zum Beispiel bereits 25 € pro Monat) fließt, kann man ein gutes Gefühl für den Markt entwickeln.

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