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LKSH: Besuch der neuen Geschäftsführerin in Dithmarschen

Auf Einladung der Repräsentantin der Landwirtschaftskammer für den Kreis Dithmarschen, Eike Brandt, des Leiters des Agrarzentrums Heide, Sönke Harders, sowie des Leiters der Versuchsstation Barlt, Joachim Zwank, besuchte die neue Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH), Stephanie Wetekam, Ende Februar den Kreis Dithmarschen.

Stephanie Wetekam, eingerahmt von Sönke Harders und Eike Brandt, bekam einen Korb mit Informationen und Spezialitäten aus Dithmarschen. Foto: LKSH

Der Besuch begann im Agrarzentrum Heide. Nach der offiziellen Begrüßung stellte Eike Brandt in einem Vortrag die landwirtschaftlichen Strukturen und Besonderheiten des Kreises Dithmarschen vor. Dabei wurden sowohl die Bedeutung des Ackerbaus und der Tierhaltung als auch die Herausforderungen durch Marktveränderungen, Klimaanpassung und gesellschaftliche Erwartungen thematisiert. Der Kreis Dithmarschen wurde dabei als vielseitig aufgestellte Agrarregion mit hoher Innovationskraft und ausgeprägter Praxisorientierung dargestellt.

Im Anschluss nutzte Stephanie Wetekam die Gelegenheit zu einer persönlichen Vorstellung. Sie skizzierte ihren beruflichen Werdegang sowie ihre Motivation für die neue Aufgabe an der Spitze der Kammerverwaltung. In ihrem Ausblick betonte sie die Bedeutung einer engen Verzahnung zwischen Praxis, Beratung, Versuchswesen und Verwaltung. Ziel sei es, die Landwirtschaft im Land zukunftsfähig weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Betriebe in einem zunehmend komplexen politischen und wirtschaftlichen Umfeld wirksam zu unterstützen.

Es folgte eine Vorstellungsrunde der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Heide. In offener Atmosphäre entwickelte sich ein reger Austausch über bestehende Arbeitsstrukturen, aktuelle Projekte sowie Wünsche und Anregungen für die zukünftige Zusammenarbeit. Die Geschäftsführerin zeigte großes Interesse an den vielfältigen Aufgabenfeldern vor Ort und nahm Impulse aus den Fachbereichen aufmerksam auf.

Besichtigung der Spezialtechnik wie dieses Parzellenmähdreschers für die Landessortenversuche. Foto: LKSH

Im weiteren Verlauf des Tages wechselte die Delegation zur Versuchsstation Barlt. Auch dort stellte sich Stephanie Wetekam zunächst persönlich vor, bevor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre jeweiligen Tätigkeitsbereiche präsentierten. Die Versuchsstation gab einen Überblick über ihre Arbeitsfelder, insbesondere im Bereich pflanzenbaulicher Versuche, Sortenprüfungen sowie praxisnaher Forschung zur Weiterentwicklung nachhaltiger Anbausysteme.

Den Abschluss bildete ein Rundgang durch die Versuchsstation. Die Geschäftsführerin nahm sich während des gesamten Besuchs bewusst Zeit für Gespräche und signalisierte mit einem offenen Ohr für die Anliegen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Wertschätzung für die Arbeit vor Ort.

Der Besuch unterstrich die Bedeutung des direkten Austauschs zwischen Geschäftsführung, Beratung und Versuchswesen. Gleichzeitig setzte er ein deutliches Signal für eine enge Zusammenarbeit und eine weiterhin praxisnahe Ausrichtung der Landwirtschaftskammer im Kreis Dithmarschen.

Freiwillige Feuerwehr Ladelund übt Tierrettung

Ein brennender Pferdestall, ein im Anhänger feststeckendes Pferd, ein gestürztes Pferd im Graben oder eine ausgebrochene Pferdeherde, das sind alles mögliche Szenarien, die Einsatzkräfte im Ernstfall vor große Herausforderungen stellen.

Nach einem Tierrettungseinsatz hatte Gruppenführer Timo Christophersen die Idee, seine Feuerwehrkameraden im Rahmen der turnusmäßig durchgeführten Feuerwehrübungen besser auf solche Situationen vorzubereiten. Auf Anfrage waren Familie Tuschke vom Wilhelminenhof und der Reit- und Fahrverein Wilhelminenhof Ladelund sowie der Tierarzt Dr. Thomas Montag sofort bereit, ihre Anlagen, ihr Know-how und die Pferde zur Verfügung zu stellen. An dieser Übung nahmen 21 Feuerwehrleute teil. Es wurde in drei rotierenden Gruppen trainiert.

Lena Tuschke befasste sich in ihrer Gruppe mit dem Aufhalftern der Pferde und dem Retten der Tiere bei einem Stallbrand. Dann ging es um das praktische Verladen und die Notbefreiung auf beziehungsweise von dem Pferdeanhänger und Lkw.

Nächste Station war die Reithalle. Grundsätzliches Verhalten von Pferden, wie Herdentrieb, Fluchttierverhalten sowie das Verhalten in Stresssituationen, war das Thema von Rita Cordsen-Tuschke. Auch der Umgang mit den Emotionen betroffener Reiter und Pferdebesitzer wurde thematisiert. Darüber hinaus wurden das praktische Annähern an das Pferd und das Führen trainiert.

Die dritte Station wurde von Dr. Thomas Montag geleitet. Hier ging es explizit um die schonende Pferderettung, auch mit technischen Hilfsmitteln, und um die Sicherheit der Helfer, also um die Einhaltung der sogenannten Kickzone.

Am Ende wurde sehr deutlich, wie wichtig solche Übungen für den Ernstfall sind, um die Gefahren für Einsatzkräfte und Tiere zu minimieren. Es wurden viele Fragen gestellt und auch einige Hemmschwellen überwunden. In der Manöverkritik bedankte sich Timo Christophersen für die Vorbereitung und Durchführung der Übung bei allen Akteuren. Es wurde klar, dass die Thematik sehr herausfordernd ist und dass bei einigen Einsatzkräften das Interesse an einer Spezialausbildung zum Thema Großtierrettung besteht. Wieder einmal hat sich gezeigt, wie produktiv und unkompliziert die Vereine und Verbände in der Gemeinde Ladelund mit gegenseitiger Wertschätzung zusammenarbeiten.

Zwiebelblumen und Blütenstauden

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Arrangements aus Zwiebelblumen und Blütenstauden bereichern nicht nur den Frühlingsgarten. Auch sommerliche Zwiebelblüher beeindrucken mit tollen Akzenten im Beet. Bei der richtigen Wahl der Pflanzpartner setzen sie sich gegenseitig in Szene.

Die locker aufgebauten, violetten Blüten von Allium atropurpureum schweben über den weißen Blüten der Akelei. Foto: Karin Stern

Die meisten Zwiebelblumen kommen erst mit den richtigen Nachbarn perfekt zur Geltung. Als schöner Nebeneffekt kaschieren diese zudem die früh vergilbenden Blätter der Zwiebelblüher. Tulpen fügen sich besonders harmonisch ins Gartenbild ein, wenn ihre langen Stiele von niedrigeren Blütenpflanzen umspielt werden. Ganz klassisch kommt das Arrangement mit Zweijährigen wie Stiefmütterchen (Viola), Goldlack (Erysimum cheiri) oder Maßliebchen (Bellis perennis) daher. Arbeitssparender und pflegeleichter fällt die Kombination mit niedrigen, früh austreibenden Stauden aus, da sie nicht alljährlich neu gepflanzt werden müssen. Infrage kommen hier die Gold-Wolfsmilch (Euphorbia polychroma) oder Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla). Sehr elegant wirken Tulpen und Narzissen mit dezenten, weißen Blüten zwischen graulaubigen Stauden wie Woll-Ziest (Stachys byzantina) oder der Polster-Silberraute ‚Nana‘ (Artemisia schmidtiana). Diese dekorative Staude wächst im Gegensatz zur Verwandtschaft nur etwa 25 cm hoch und punktet mit filigranen, silbergrauen Blättern. Gesellt sich dazu noch die Viridiflora-Tulpe ‚Spring Queen Green‘ mit ihren weiß-grün geflammten Blütenblättern, ist das Arrangement nahezu perfekt. Tipp: Diese Tulpe passt auch prima zwischen die ähnlich gezeichneten Blätter vieler Funkien-Sorten.

Tulpen und Vergissmeinnicht sind eine zeitlos schöne Kombination. Foto: Karin Stern
Walzenwolfsmilch und Traubenhyazinthe setzen beizeiten im Frühjahr einen kontrastreichen Akzent. Foto: Karin Stern

Bei der Farbzusammenstellung der auffälligen, großblütigen Tulpen und zeitgleich blühender Stauden hält man sich besser etwas zurück. Ein kunterbunter Mix verfehlt hier meist seine Wirkung. Harmonischer ist das Gartenbild bei der Wahl von Ton-in-Ton-Kombinationen. So gefallen die goldgelben Blüten der Gämswurz (Doronicum orientale) mit gelben Tulpen oder Narzissen. Geeignete Pflanzpartner für das Tränende Herz (Dicentra spectabilis) sind spät blühende Tulpen in Rosa oder Pink. Bunte Farbkombinationen machen im Steingarten jedoch eine gute Figur und sind durchaus erwünscht. Ohnehin zeigen hier im Frühjahr Blaukissen (Aubrieta-Hybriden), Gänsekresse (Arabis), Polsterphlox (Phlox subulata) und Steinkraut (Alyssum) ein farbliches Spektakel. Als hübsche Ergänzung dafür bieten sich Krokus (Crocus), Netzblatt-Iris (Iris reticulata), Traubenhyazinthen (Muscari) und farbstarke Wildtulpen wie ‚Lilac Wonder‘, ‚Lizzy‘ oder ‚Tubergen‘s Gem‘ an. Ab Juni sorgt der anspruchslose Gold-Lauch (Allium moly) für frischen gelben Farbwind.

Hasenglöckchen sind wunderbare Begleiter zu austreibenden Funkien. Foto: Karin Stern

Eher selten zu sehen ist die Forellen-Lilie ‚Pagoda‘ (Erythronium-Hybride). Sie benötigt unbedingt einen halbschattigen bis schattigen Standort. Daher empfiehlt sie sich vor allem als Ergänzung zu Funkien (Hosta), Leberblümchen (Hepatica nobilis) und Lungenkraut (Pulmonaria). Einen lichten Halbschatten bevorzugt zudem das aparte Hasenglöckchen (Hyacinthoides his­panica). Je nach Sorte setzt dieser Zwiebelblüher von Mai bis Juni in Rosa, Weiß oder Blau wunderbare Akzente zwischen Kleinem Frauenmantel (Alchemilla erythropoda) und niedrigem Cambridge-Storchschnabel (Geranium cantabrigiense). Diese Kreuzung aus Geranium macrorrhizum und Geranium dalmaticum überzeugt mit zierlichem Habitus und einem lockeren Wuchs von etwa 30 cm Höhe.

Wie bei den Stauden sollte man auch bei Zwiebelblühern die Standortwünsche beachten. Eher trockenen Boden bevorzugen Steppenkerze (Eremurus) und die meisten Zierlauch-Arten (Allium). Sie werden gern in sonnig gelegene Rabatten oder Kiesbeete gepflanzt. Mit ihren prächtigen Blüten(bällen) auf hohen Stielen behaupten sie sich problemlos gegen höhere Stauden wie Schafgarbe (Achillea) oder Spornblume (Centran­thus). Für etwas feuchtere Standorte bieten sich nur einige wenige Kandidaten an. Dazu gehören die Sommer-Knotenblume (Leucojum aestivum), Schachbrettblume (Fritillaria meleagris) und die prächtige Blaue Prärielilie ‚Caerulea‘ (Camassia leichtlinii). Sie wirkt am Teichrand in der Gruppe imposant und macht sich hier gut in Begleitung von Trollblume (Trollius x cultorum), Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris) oder Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris).

Farbstarke Lilien brauchen filigrane Pflanzpartner wie Blauraute und Mannstreu. Foto: Karin Stern
Kugellauch und Storchschnabel Ton-in-Ton. Foto: Karin Stern
Es darf auch mal gerne farblich knallen, wie hier bei Schaublatt und Zierlauch. Foto: Karin Stern


Zu den Zwiebelblühern zählen auch die farbenprächtigen Lilien. Der Handel bietet sie in einer großen Vielfalt an. Ähnlich wie bei großblütigen Tulpen empfiehlt sich jedoch Fingerspitzengefühl für die Kombination mit Stauden. Die farbstarken Lilienblüten wirken sehr dominant und dulden keine ähnlich prächtigen Partner neben sich. Man kombiniert sie am besten mit Stauden mit lockeren Blütenkerzen, beispielsweise Katzenminze (Nepeta), Sommersalbei (Salvia nemorosa) oder Ehrenpreis (Veronica).

Die Gelbe Riesenflockenblume ist ein toller Begleiter zur Steppenkerze. Foto: Karin Stern
Wildgladiolen bringen von Mai bis Juli ein kräftiges Pink in den Garten. Foto: Karin Stern


Vorläufige Anwendung kommt

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Die EU-Kommission bringt die vorläufige Anwendung des Handelsabkommens mit den Mercosur-Staaten auf den Weg. Das hat Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) bekannt gegeben. Dies war nun möglich, da Argentinien und Uruguay die Freihandelsvereinbarung ratifiziert haben. Dass dieses Abkommen jetzt provisorisch umgesetzt wird, belegt nach Ansicht der Behördenchefin die wachsende Handelsmacht der Europäischen Union. Von der Leyen hat den Schritt nach eigenen Angaben zuvor mit den Mitgliedstaaten und dem Europaparlament „diskutiert“.

Eine vorläufige Anwendung ist auch ohne grünes Licht aus dem Europa-Parlament möglich. Eine knappe Mehrheit der EU-Abgeordneten hatte vor Kurzem für eine Prüfung des Handelsvertrages durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) votiert und dadurch die endgültige Ratifizierung verzögert.

Argentinien und Uruguay machen den Weg frei

Die EU-Kommission konnte die vorläufige Anwendung erst ermöglichen, nachdem mindestens eines der Mercosur-Länder – Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay – den Vertrag ratifiziert hatte. Eine knappe Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten hatte Anfang Januar schon grünes Licht gegeben.

In Argentinien votierte der Senat mit 69 Ja- und drei Neinstimmen für das Abkommen. Die Abgeordnetenkammer hatte bereits zuvor zugestimmt. Das Rennen um den ersten Platz bei der Ratifizierung gewann allerdings Uruguay. Das Abgeordnetenhaus in Montevideo billigte das Abkommen mit 92 zu zwei Stimmen.

Positive Reaktionen und Proteste

Im landwirtschaftlichen Berufsstand in Argentinien und Uruguay wurde daraufhin gefeiert. Damit sei man einen Schritt weiter in Richtung der Öffnung eines wichtigen Absatzmarktes für die südamerikanische Landwirtschaft, erklärte zum Beispiel der argentinische Bauernverband SRA.

Auch in Europa gab es positive Reaktionen auf die Ratifizierung durch die südamerikanischen Parlamente, etwa vom deutschen Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), vom Europäischen Verband der Milchindustrie (EDA) und aus der Politik, beispielsweise von Bayerns Europaminister Eric Beißwenger (CSU). „Das ist in diesen geopolitisch schwierigen Zeiten ein wichtiges Zeichen des Vertrauens unserer südamerikanischen Partner in die EU“, erklärte der CSU-Politiker. Das Abkommen biete laut Beißwenger auch der europäischen Landwirtschaft wichtige Exportchancen. Durch die vereinbarten Schutzmechanismen sei nicht mit einem Schaden für die Branche zu rechnen.

Die Bauernproteste gegen das Abkommen sind allerdings noch nicht überall abgeebbt. So protestierten in Spanien Hunderte Landwirte in Madrid gegen das Abkommen, weil es die ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen für die heimische Landwirtschaft verschlechtere. age

Größere Weizenexporte der Ukraine erwartet

Die Ukraine dürfte im laufenden Wirtschaftsjahr 2025/2026 ihre Weizenexporte steigern. Davon geht das Kiewer Landwirtschaftsministerium in seinem Agricultural Outlook aus. Das Ministerium erwartet eine Exportmenge von 17,64 Mio. t Weizen; das wären 11,5 % mehr als im Vorjahr. Das Weizenaufkommen aus der Ernte 2025 wird vom Agrarressort auf 23,1 Mio. t beziffert. Damit würde das 2024 erzielte Ergebnis um 2,9 % übertroffen, der Fünfjahresdurchschnitt aber um 6,2 % verfehlt.

Steigen werden nach Einschätzung des Ministeriums auch die Ausfuhren von Mais, und zwar um 8,3 % auf 23,8 Mio. t. Kräftig um 20 % sollen die Exporte von Gerste zulegen; hier wird mit einer Ausfuhrmenge von 2,8 Mio. t gerechnet. Zurückgehen dürften hingegen die Lieferungen von Sonnenblumensaat. Mit geschätzten 10,0 Mio. t würde die Vorjahresmenge um 13,9 % unterschritten. Ebenfalls sinken werden voraussichtlich die Exporte an Sonnenblumenöl; erwartet wird ein Minus von 14 % auf 4,1 Mio. t.

Auswirken wird sich 2025/2026 dem Bericht zufolge die im September 2025 eingeführte Zollabgabe auf Exporte von Raps und Soja. Sie muss entrichtet werden, wenn der Export über einen Zwischenhändler abgewickelt wird. Für Raps wird mit einem Rückgang der Exporte um 43,2 % auf 1,79 Mio. t gerechnet. Halbieren wird sich nach Einschätzung des Ministeriums die Ausfuhr von Sojabohnen; hier wird eine Exportmenge von 2,1 Mio. t erwartet.

Unter Vorjahresniveau werden auch die Zuckerexporte liegen. Hier bekommt die Ukraine die Einführung von Quoten für Lieferungen in EU-Länder zu spüren, verbunden mit erheblichen Schwierigkeiten, die frei gewordenen Mengen auf andere Märkte zu verlagern. Während im Wirtschaftsjahr 2024/2025 noch 629.000 t Zucker ausgeführt wurden, werden es 2025/2026 wohl nur 505.000 t sein; ein Rückgang um etwa 20 %.

Rückblickend auf 2025 stellt das Ministerium fest, dass erneut Sonnenblumenöl die meisten Devisen in die Kassen der Exporteure spülte; eingenommen wurden 4,43 Mrd. €. Damit platzierte sich die Ukraine im Welthandel mit Sonnenblumenöl auf Platz zwei.

Mit deutlichem Abstand folgte Mais mit Exporterlösen von insgesamt 3,31 Mrd. €. Platz drei belegte Weizen mit 2,54 Mrd. €. Dahinter folgten Sojabohnen mit 1,13 Mrd. €. An der Ausfuhr von Raps verdiente die Ukraine 752 Mio. €. age

Wachstum, Wandel und Vergänglichkeit

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Getreidehalme, die von oben nach unten wachsen, Abertausende getrockneter Blüten, Samenkapseln und Pflanzenteile, die, in Kupferdraht verwoben, teppichartig schwebend an und von der Decke hängen – das sind prägende Elemente der Installationen der britischen Künstlerin Rebecca Louise Law. An vier Standorten der Landesmuseen Schleswig-Holstein sind diese einzigartigen „Naturschauspiele“ in diesem Jahr zu bewundern. Den Anfang machen „The Field“ im Jahr100Haus Molfsee und „Grain“ im Betsaal des Jüdischen Museums in Rendsburg, Anfang April geht es weiter in der Reithalle Schloss Gottorf und im Globushaus im Barockgarten der Museumsinsel in Schleswig.

Ergreifend, faszinierend, emotional bewegend, überwältigend, beeindruckend – das sind die wohl am häufigsten genutzten Worte beim Betreten der Ausstellungsräume, wenn der Blick auf die Installationen der international anerkannten Künstlerin fällt. Unter dem Gesamttitel „State of Nature“ laden Rebecca Louise Law und die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen an gleich vier Standorten dazu ein, Natur neu wahrzunehmen.

Rebecca Louise Law, State of Nature, Jahr100Haus Molfsee, Betsaal Jüdisches Museum Rendsburg, The Field und Grain, Installation, Hafer, Getreide, Blüten
Fotos: Iris Jaeger

Die raumgreifenden Installationen aus getrockneten Pflanzen und Blüten lassen sich unmittelbar erleben, Duft, Material und dessen Vergänglichkeit sprechen die Sinne an, verzaubern, stimmen nachdenklich oder lassen einen einfach nur in Ruhe den Anblick genießen. Jeder der vier Ausstellungsorte entfaltet dabei seine eigenen Facetten und Wirkungen. Aber alle Orte verbindet eine Frage: „Wie sollen wir der Natur heute und künftig begegnen?“ Jede einzelne Blüte und jede Pflanze steht dabei für die immer wiederkehrende Geschichte aus Wachstum, Wandel und Vergänglichkeit.

Gut zwei Jahre dauerte es von ersten Ideen und Gesprächen bis hin zur Eröffnung der ersten zwei von vier Ausstellungen in Molfsee und in Rendsburg. „Der Grundgedanke war dabei, eine künstlerische Position zu finden, die die verschiedenen Eigenschaften der Museumsstandorte verbindet und Bezugspunkte zwischen den Museen herstellen kann“, erläutert Dr. Thorsten Sadowsky, Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Da sei das Freilichtmuseum Molfsee, das das ländliche Leben widerspiegele und wo ein Teil der Pflanzen, vor allem Hafer, für die Ausstellung angebaut wurde, das Jüdische Museum in Rendsburg, das das Verhältnis zur und den Umgang mit der Natur in der jüdischen Kultur reflektiere, der rekonstruierte Barockgarten in Schleswig, der als Kernidee beinhalte, viele verschiedene Pflanzen aus der Welt an einem Ort zusammenzutragen.

Der Hafer für die Ausstellung stammt auch von Flächen im Freilichtmuseum Molfsee
Foto: Iris Jaeger

Das Besondere an diesem Ausstellungsprojekt ist die Beteiligung von Bürgern und Ehrenamtlichen an dem Enstehungsprozess. Im Blomentüddel-Club nahmen mehr als 300 Menschen teil und haben nach Anleitung der Künstlerin, gemeinsam bei Treffen in Schleswig, Rendsburg und Molfsee, sowohl die archivierten Pflanzen der Künstlerin als auch die in Molfsee und im Land angebauten Getreidehalme und Ähren in filigraner Handarbeit zu Girlanden gebunden. Einige brachten noch Pflanzen aus ihren Gärten mit, Institutionen stellten Saatgut-Tüten zur Verfügung, sodass im Juli 2025 gemeinsam Wildblumen geerntet werden konnten. Auch am Aufbau der Installationen in Molfsee und Rendsburg waren Freiwillige beteiligt. Allein im Betsaal des Jüdischen Museums Rendsburg dauerte das Anbringen der 100.000 Blüten und Halme gut fünf Tage, in Molfsee sind es gut 15.000 Halme, Ähren und Pflanzen, die verarbeitet wurden. „Durch diese Workshops sind Freundschaften und Gemeinschaften entstanden, die über die Ausstellung hinaus Bestand haben“, erzählt die Ehrenamtskoordinatorin Nina Batram.

Es sei diese stille, unaufdringliche, diplomatische Überzeugungskraft, das Suggestive, was die Kunst von Rebecca Louise Law ausmache, so Dr. Kerstin Poehls, Leiterin des Frelichtmuseums Molfsee. Es gehe um die Frage, wie ländliche Räume global verflochten sind, darum, wie Menschen sich ernähren, wie Nahrung produziert wird, um Aspekte der Landwirtschaft, um den Umgang mit Ressourcen, um den Wandel im Umgang mit Nahrung und Konsum. „Noch immer werden zu viel produzierte Lebensmittel weggeworfen, gleichzeitig leiden Millionen von Menschen weltweit an Hunger. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, ist ein Aspekt der Ausstellung“, so die Künstlerin selbst. Gleichzeitig freue es sie, wenn sie die Menschen mit der Schönheit der Natur und den Installationen überwältigen und ins Staunen versetzen könne, wenn sie sich auf Entdeckungsreise begäben und sich auf diese Form der Naturerkundung und des Naturerlebens einließen. Ursprünglich komme sie aus der Malerei, bis sie 2003 begonnen habe, mit natürlichen Materialien zu arbeiten. Bereits in ihrer Kindheit wurde sie durch das ländliche Leben, durch den elterlichen Garten und das spielerische Entdecken der Natur geprägt. „Die Räume sind meine Leinwand, und das Pflanzenmaterial ist meine Farbe“, erklärt sie.

Das Geflecht aus gut 100.000 Ähren, Halmen und Blüten verändert die Raumwahrnehmung des Betsaals im Jüdischen Museum enorm.
Foto: Iris Jaeger

Überwältigt zeigt sich auch Mirjam Gläser, zuständig für Bildung und Vermittlung im Jüdischen Museum Rendsburg, von der schwebenden Konstruktion aus Weizenähren und Blumen im Betsaal des Museums. Die Installation dort lässt sich aus zwei Perspektiven von unten und von der Galerie oben betrachten und verändert die Wahrnehmung des Raumes enorm. Viele jüdische Feste seien neben der religiösen Bedeutung auch eng mit Erntezeiten und landwirtschaftlichen Zyklen verbunden, so Gläser. „Grain“ stehe für Dankbarkeit, Fürsorge und das Verbindende zwischen Kulturen und Zeiten.

Freuen dürfen sich die Besuchenden ab Anfang April auf „Florilegia“ mit fast einer Million getrockneter Blumen in der Reithalle auf der Museumsinsel Schloss Gottorf und auf „Honesty“ mit 1.000 schimmernden Lunariablättern der Silberblattpflanze im Globushaus. Weitere Informationen unter www.landesmuseen.sh 

Blick von oben auf die Installation „Grain“ im Betsaal des Jüdischen Museums Rendsburg. Auch von oberhalb aus betrachtet, überwältigt das Werk mit einer stillen, kraftvollen Ausstrahlung.
Foto: Iris Jaeger
Jede Blüte ein Kunstwerk, mit Kupferdraht verwoben zu einer einzigartigen, raumgreifenden Installation
Foto: Iris Jaeger
Getreide, das von oben nach unten wächst
Foto: Iris Jaeger
Detailaufnahme von der Installation „Grain“ in Rendsburg
Foto: Iris Jaeger
Rebecca Louise Law
Foto: Iris Jaeger
Ilona Peters, langjährige Ehrenamtliche im Freilichtmuseum, tüddelte in den Treffen an den Pflanzengirlanden mit. Das Besondere an der Ausstellung ist, dass Freiwillige und Ehrenamtliche in den Herstellungsprozess mit einbezogen wurden.
Foto: Nina Batram, FLM Molfsee


Biogas: Höheres Ausschreibungsvolumen als dringlichstes Ziel

Das kurz zuvor bekannt gewordene neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) der Bundesregierung und ein geleakter Entwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab 2027 sorgten beim Flex-Tag auf dem Gelände des Unternehmens Agrarservice Lass (ASL) in Tüttendorf bei Kiel für Kopfschütteln in der Branche. Über politische Rahmenbedingungen und die Möglichkeiten moderner Biogasanlagenflexibilisierung informierten sich am vorigen Freitag rund 130 Gäste.

„Jetzt ist es Zeit zu kämpfen, und ich bin optimistisch, dass uns das gelingen wird“, unterstrich Martin Laß, Geschäftsführer der Bioenergie Gettorf und Vorstandsmitglied des Landesverbandes Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein. Die 100 €/kW Flexzuschlag aus dem Energiepaket des vorigen Jahres seien auch Bestandteil des geleakten EEG-Entwurfs: „Die 100 € stehen drin und bleiben, aber heute würden wir sie nicht wieder bekommen“, hielt Laß fest. Das Hauptaugenmerk liege nun auf der Umsetzung. Zwar sorgten die 726 MW Ausschreibungsmenge im April wieder für etwas Luft, doch bestehe das Hauptproblem weiter im Netzzugang. Laß stellte in Aussicht, dass die Branche im nächsten Quartal von der SH Netz in der Fläche nutzbare Netzanschlussverträge bekommen werde. Mehr Informationen gebe es dazu beim Biogas-Branchentreff Ende Mai. „Wir haben in Schleswig-Holstein 15 GW Einspeisenetz, vorwiegend ausgelegt auf Wind. Der Netzbetreiber baut es Richtung 30 GW bis 2040 aus“, gab Laß einen Ausblick. In Schleswig-Holstein gebe es eine tägliche Last von knapp 2 GW, was bedeute, dass es „relativ viel Platz im Netz gibt, wenn der Wind nicht gerade auf Dreiviertellast“ laufe. „Für unsere Branche mit 500 bis 600 MW Bemessungsleistung auf 800 bis 900 Anlagen ist da ziemlich viel Luft“, unterstrich er. Derzeit lägen bereits Einspeiseanfragen für erfreuliche rund 400 MW vor.

Martin Laß, Vorstandsmitglied des Landesverbands Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein und Geschäftsführer der Bioenergie Gettorf, ordnete die aktuelle energiepolitische Lage ein. Foto: jh

„Flexzuschlag ist Versorgungssicherheit“

„Um die Ausschreibungsmenge zu bekommen, müssen wir kämpfen“, bekräftigte Laß. Das Gebäudemodernisierungsgesetz und das EEG gäben jetzt Anlass, aktiv zu werden. Man konkurriere mit denjenigen, die nun versuchten, die Kraftwerksstrategie mit Gaskraftwerken praktisch umzusetzen. „Der Flexzuschlag für unsere flexibel betriebenen Biogasanlagen ist nichts anderes als Versorgungssicherheit, und die kann man in Zukunft über den Kapazitätsmarkt finanzieren“, erläuterte Laß. Dies bedeute nicht, mit Gaskraftwerken in die Ausschreibung gehen zu müssen, aber die Betreiber von Biogasanlagen kämpften nun dafür, fair behandelt zu werden: „Wir wollen in den gleichen Topf, was die Refinanzierung angeht. Es kann nicht sein, dass wir im EEG nach Hause geschickt werden mit der Begründung, es sei nicht genug Geld da und daher könne nicht überbaut werden, während die anderen für 16 Mrd. ​€ Gaskraftwerke bauen“, hob Laß hervor. Konkret gehe es um zusätzliche etwa 1,5 bis 2 GW pro Jahr mehr als die bisher ausgeschriebene Menge. „Es geht um 10 GW bis 2032, die wir mindestens mehr brauchen, um einigermaßen mit dem Korsett klarzukommen. Anderenfalls werden wir Biogasmenge verlieren.“

Gesetzgebung des Bundes wirft Fragen auf

Zu den Plänen einer Biotreppe im GMG erklärte Martin Laß, dass es nicht das deutsche Biogas sein werde, das ab 2029 zur Erfüllung dieser Treppe genutzt werde. Gebe es keinen Quotenmindestpreis für Biogas aus Deutschland, funktioniere das Modell nicht, da die Investitionen nicht finanziert werden könnten. Ohnehin, so Laß‘ Prognose, werde das Gesetz in seiner jetzigen Formulierung noch vor 2030 vom Verfassungsgericht gekippt werden. Darüber hinaus bestehe bei einer zehnjährigen Kündigungsfrist für den – aktuell schwierigen – Netzzugang „überhaupt keine Option“, einen Investitionszeitraum von 20 Jahren abzudecken. Aktuell spielten die Pläne zum Einsatz Grüner Gase im GMG und die zu geringe Ausschreibungsmenge für Biomasseanlagen die Branche gegeneinander aus.

Flexibilisierung und Sektorenkopplung zum Anfassen gab es für die Teilnehmer während der Führung über das Gelände. Foto: jh
Die Anlage in Tüttendorf verfügt über 4,3 MWel, einen 1.500-m2-Wärmespeicher und einen 44.000-m3-Gasspeicher. Foto: jh


Der Flex-Tag bot Betreibern von Biogasanlagen die Möglichkeit, sich bei zehn teilnehmenden Unternehmen aus Gewerken rund um den Umbau zu Regenerativen Speicherkraftwerken zu informieren. Zu den Entwicklungen für die Biogasbranche wird auf den ASL-Praktikertag am 27. Mai auf der Biogasanlage von Philip Klagges bei Eckernförde und auf den Biogas-Branchentreff am 28. Mai in Rendsburg hingewiesen.


Biogas 2.0

Unter Verweis auf den Erfolg der Kampagne „Biogas ist Zukunft“ aus dem Sommer 2024, mit der man gezielt das Bioenergiepaket begleitet habe, rief Martin Laß dazu auf, die Initiative zu reaktivieren, sie aus der Branche heraus mit Ressourcen auszustatten und zu unterstützen. Das Gebäudemodernisierungsgesetz und der geleakte EEG-Entwurf seien Anlass zu handeln.

Mehr Informationen zur Kampagne und zu Möglichkeiten der Unterstützung unter biogas-ist-zukunft.de

Bekämpfung des Rapsglanzkäfers

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In den vergangenen Jahren blieben, bis auf wenige Ausnahmen, größere Knospenschäden durch den Rapsglanzkäfer (RGK) aus, da oft die Überwinterungs- und Zuflugsbedingungen für ihn nicht optimal waren. In diesem Winter scheinen die Bedingungen in den Winterquartieren auf den ersten Blick deutlich besser, und somit bleibt abzuwarten, ob sich dies auch in einem stärkeren Zuflug äußert.

Der Rapsglanzkäfer wird ab 8 °C in seinem Winterquartier aktiv und verlässt sie bei Temperaturen ab zirka 12 °C. Im Gegensatz zu den Männchen, die sofort geschlechtsreif sind, führen die Weibchen erst noch einen notwendigen Reifungsfraß an Frühlingsblumen durch. Ab Temperaturen von zirka 15 °C beginnt dann die Besiedlung der Rapsfelder. Sicherlich wünschenswert wäre eine einmalige Zuflugsphase, denn dies würde eine mögliche Bekämpfung für die Praxis erleichtern, aber die Realität ist häufig eine andere. Wechselhafte Witterung mit kühlen Temperaturabschnitten oder starken Winden verlängert oft den Zeitraum eines möglichen Zuflugs und erschwert damit auch die Wahl des optimalen Behandlungstermins. Das Auszählen der Käfer pro Pflanze, auch in der Fläche und nicht nur am Vorgewende, entscheidet dann über die Notwendigkeit einer Maßnahme. Also heißt es, Bekämpfungsschwellen zu ermitteln, den Zustand des Rapses einzuschätzen und vor allem die Folgewitterung in die Entscheidung mit einzubeziehen.

In Schleswig-Holstein prägt der Raps das Landschaftsbild.

Der Rapsglanzkäfer fällt optisch sehr ins Auge, sodass er in der Wahrnehmung häufig überbewertet wird. Das Entwicklungsstadium der Knospe spielt eine weitere wichtige Rolle für die Beurteilung des möglichen Schadens. Das eigentliche Ziel des Käfers ist der Pollen. Somit ist der Schaden umso größer, je kleiner die Knospen zu dem Zeitpunkt sind. Sind hingegen die Knospen geöffnet, kann der Käfer sich frei am Blütenpollen bedienen, und die Schadwirkung ist gering.

Ist nach dem Zuflug der Käfer eine Ostwetterlage mit kaltem Wind vorherrschend, wandern diese oft in die tiefer gelegenen Seitenknospen ab, wo es geschützter und somit wärmer ist. Dort können sie dann unbemerkt Schadpotenzial entwickeln. Unter diesen Bedingungen sollten auch die Seitenknospen in die Kontrolle mit einbezogen werden. Ein solcher Fraßschaden wird immer dann besonders zum Problem, wenn der Raps aufgrund der Witterung oder anderer Stressfaktoren in seiner Entwicklung förmlich stehen bleibt.

Beim Rapsglanzkäfer hat die metabolische Resistenz gegen Pyrethroide in den vergangenen Jahren weiterhin zugenommen. Zusätzlich muss man auch von einer Resistenz gegen den Wirkstoff Acetamiprid (Mospilan SG, Danjiri) ausgehen.

Abiotischer Stress kann ebenfalls zu Knospenverlusten führen und leicht mit einem Rapsglanzkäferschaden verwechselt werden.

Nützlinge schonen

Nützliche Insekten tragen ebenfalls zur Bekämpfung von Rapsschädlingen bei. Bodenräuber wie räuberische Laufkäfer, Kurzflügler und Spinnen ernähren sich von zur Verpuppung abwandernden Larven. In der Blüte sind Schlupfwespenarten (Tersilochus ssp., Phradis ssp.) aktiv, die die Larven des Rapsglanzkäfers besiedeln und dort ihre Eier ablegen. Somit beeinflusst jeder Insektizideinsatz nicht nur das eigentliche Zielobjekt. Bei der geringen Anzahl von verfügbaren Wirkstoffen/Produkten kann man aktuell nicht mehr wirklich von einer Bekämpfungsstrategie sprechen.

Erfolgt noch bekämpfungsrelevanter Zuflug der Stängelschädlinge und treten gleichzeitig Rapsglanzkäfer in bekämpfungswürdigem Umfang auf, sollte Trebon 30 EC (B2; Pyrethroid Typ I) zum Einsatz kommen. Mavrik Vita/Evure (B4; auch Typ I) haben gegen die Stängelschädlinge keine Zulassung. Hier liegt der Fokus damit ganz klar auf der Rapsglanzkäferbekämpfung. Die Produkte Mos­pilan SG und Danjiri (B4; Neonicotinoid) als Möglichkeit zum Wirkstoffwechsel dürfen nur bis ES 59 (erste Blütenblätter im Bestand sichtbar, Blüten noch geschlossen) zum Einsatz kommen. Der Wirkungsgrad dieser Produkte ist allerdings schlechter, vor allem dann, wenn – wie so häufig im April – die Temperaturen plötzlich in den einstelligen Bereich absinken.

In geöffneten Blüten kommt der Rapsglanzkäfer ungehindert an den Pollen.

Tipps

1. Grundvoraussetzung ist die Ermittlung der Bekämpfungsschwelle durch Auszählen der Käfer auf der Pflanze. Eine Vielzahl von schwarzen Käfern erzeugt oft Irritationen und suggeriert sofort nötiges Handeln. Bei genauer Auszählung relativiert sich häufig der Befall. In Knicknähe ist der Besatz oft deutlich stärker als im Schlag. Eventuell reicht dann auch eine Randbehandlung.

2. In die Wahl des Behandlungszeitpunkts ist die anschließende Folgewitterung einzubeziehen. Der Spritzzeitpunkt entscheidet besonders bei den Pyrethroiden über Erfolg oder Misserfolg. Hier gilt es, die Nerven zu bewahren. Der Zuflug muss erst zugelassen werden, um die direkte Kontaktwirkung der Insektizide zu nutzen. Wenn zum Beispiel drei Tage warmes Wetter angekündigt sind und danach kühle Witterung einsetzt, ist die Spritzung zum Ende des dritten Tages zu terminieren. Die nachfolgenden niedrigeren Temperaturen sorgen oft dafür, dass kein neuer Zuflug von Käfern in den Bestand erfolgt. Hinzu kommt, dass niedrigere Temperaturen den Abbau der Pyrethroide auf der Pflanze verlangsamen und so die Wirkungsdauer verlängern. 

Fazit

Da ein Wirkstoffwechsel kaum noch möglich ist, verschärft sich die Resistenzsituation bei den Pyrethroiden immer mehr. Je nach Auftreten sind auch weitere Schädlinge davon betroffen. Ein Pyrethroideinsatz gegen den Rapsglanzkäfer betrifft einerseits auch spät zufliegende Kohltriebrüssler und andererseits eventuell schon vorhandene Kohlschotenrüssler. Zusätzlich befinden sich ganzjährig Rapserdflöhe in den Rapsbeständen. Auch diese Tiere sind dann alle als Nebeneffekt von der eigentlichen Maßnahme betroffen. Das fördert aufgrund der Selektion auch deren Resistenzen gegenüber den Insektiziden.


Bekämpfungsschwelle

Die Bekämpfungsschwelle des Rapsglanzkäfers richtet sich nach dem Entwicklungsstand des Rapses. Je kleiner die Knospe, desto größer der Schaden. Vorschädigungen des Rapses sollten in die Beurteilung mit einfließen.

• Ermittlung der Bekämpfungsschwelle durch Ausklopfen des Haupttriebes (ab Knospenbildung bis Blühbeginn)

• Behandlung bei mehr als zehn Käfern pro Haupttrieb (in schwachen Beständen mehr als fünf Käfer pro Haupttrieb)


Bienenschutz

B1: kein Einsatz in blühenden oder von Bienen beflogenen Pflanzen (das gilt auch für blühende Unkräuter)

B2: In blühenden oder von Bienen beflogenen Pflanzen ist der Einsatz nur nach dem täglichen Bienenflug bis 23 Uhr erlaubt.

Bei Kombination mit Ergosterol-Biosynthese-Hemmern kommt es zur Veränderung der Bienengefährlichkeit (B2 oder B1).

Nach guter fachlicher Praxis sollte die Kombination zweier B4-Insektizide unterbleiben, da diese in puncto Bienengefährlichkeit als B1 betrachtet werden.

NN410 bedeutet, dass zum Schutz von Bestäuberinsekten ein Einsatz von B4-Insektiziden in den Abendstunden erfolgen sollte, die Anwendung ist die ganze Nacht möglich.

Laut Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung dürfen in Naturschutzgebieten keine Insektizide (B1, B2, NN410) ausgebracht werden.


Eutergesundheit und Milchqualität im Blick behalten

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Wird die Nutzungsdauer von Holsteinkühen betrachtet, so treten die Problemzonen der Milchviehhaltung offen zutage. Sie lag 2019 bei zirka 37 Monaten. Die hohen Remontierungsraten mit daraus resultierenden sehr hohen Bestandsergänzungskosten bereiten nicht nur betriebswirtschaftlich große Sorgen, sondern schmälern auch die Selektionsbasis. Das Management muss stär­ker in Richtung Verbesserung der Herdengesundheit optimiert werden. Eine bedeutende Rolle spielt dabei die Eutergesundheit, da Eutererkrankungen an zweiter Stelle der Abgangsursachen in den Milchviehbetrieben liegen. Die wirtschaftlichen Verluste durch Euterentzündungen für die deutschen Milchbauern betra­gen zirka 1,4 Mrd. € pro Jahr. Ein wichtiger Indikator für den Euter­gesundheitszustand ist der Milchzellgehalt. Bei Gehalten von 200.000 Zellen je Milliliter ist mit einem Milchertragsverlust von zirka 6 % zu rechnen.

Liegt eine Reizung beziehungsweise Erkrankung der Milchdrüse beziehungsweise eine Stresssituation vor, steigt der Zellgehalt der Milch, insbesondere der Anteil der Leukozyten deutlich an. Zu berücksichtigen ist aber, dass es physiologische Schwankungen der Milchzellzahlen geben kann.

Milchzellgehalt als guter Maßstab

So können in der Biestmilchperiode sowie zum Laktationsende erhöhte Zellzahl (ZZ)-Werte vorkommen. Individuelle Schwankungen in der Milchzellzahl eutergesunder Tiere zwischen 20.000 und 300.000 Zellen je Milliliter (Z/ml) können auftreten. Auch das Alter der Tiere und die Milchleistung haben Einfluss. Erfahrungsgemäß ist der Zellgehalt in der Milch ab der vierten Laktation deutlich höher als in der ersten Laktation. Kühe mit hoher Milchleistung haben normalerweise aufgrund des Verdünnungseffektes einen niedrigeren Zellgehalt als Kühe mit geringer Milchleistung. Liegt der Milchzellgehalt der Milchkuhherde im Mittel unter 100.000 Z/ml, ist der Eutergesundheitszustand der Herde in der Regel als sehr gut einzuschätzen.

Die Zellgehalte können durch Haltung, Fütterung, Melkarbeit einschließlich fehlender Stimulation und Blindmelken, Funktionsstörungen der Melkanlage und mangelhaftes Stallklima beeinflusst werden. Aber auch die Genetik kann einen gewissen Einfluss ausüben. Erhöhte Zellgehalte beeinflussen nicht nur die Milchqualität, sondern haben auch Minderleistungen zur Folge. Liegt die Anzahl bei der Einzelkuh über 500.000 Z/ml, kann von einer Mastitis ausgegangen werden. Die Mastitis ist in der Praxis der Milchviehhaltung die am weitesten verbreitete infektiöse Erkrankung. Pro Kuh und Jahr werden betriebswirtschaftliche Verluste von etwa 200 € kalkuliert. Schwere klinische Mastitisfälle kosten die Landwirte bis über 500 € je Kuh und Laktation.

Helle, gut durchlüftete Melkstände verringern Stress.

Verbesserungen durch veränderte Haltung

Die Haltungsbedingungen im Stall beziehungsweise die Aufstallungsform gehören zu den umweltbedingten Faktoren, die Einfluss auf den Zellgehalt haben und damit prädisponierend für Euterge- sundheitsstörungen sind. Durch schlechte Haltungsbedingungen kann der Keimdruck im Stall stark ansteigen. Dadurch wird das Abwehrsystem des Euters überlastet. Außerdem erhöhen schlechte Haltungsbedingungen die Gefahr von Euterverletzungen. Aber auch Verletzungen in anderen Körperbereichen können durch die Streuung euterpathogener Keime zu einer Beeinträchtigung der Eutergesundheit führen. Ungünstige Haltungsbedingungen können auch durch die Auslösung von Stress das Abwehrsystem der Kuh schwächen. Bei der Haltung der Milchkühe ist zur Senkung der Zellzahlen und zur Verbesserung der Herdengesundheit Folgendes zu beachten:

Senken des Infektionsdrucks im Stall durch ausreichend hohe Luftwechselraten. Dadurch werden zugleich eine Erhöhung des Sauerstoffangebotes, eine ausreichende Abfuhr der Luftfeuchte und der Schadgase erreicht.

Durch Schaffung ausreichend dimensionierter und sauberer Liegeflächen wird das Abliegen der Kühe auf den Laufgängen minimiert. Die Euter werden sauberer gehalten.

Trittsichere, saubere und ausreichend breite Laufgänge (über 3 m) und Vorwartehöfe (1,5 bis 2 m2 pro Tier) verringern die Verletzungsgefahr durch Ausrutschen beziehungsweise soziale Auseinandersetzungen und Minimierung von Stress.

Die Stallreinigung und -desinfektion ist zur Senkung der Keimbelastung regelmäßig durchzuführen (zweimal jährlich). Besondere Aufmerksamkeit gilt den euterkranken, trockenstehenden und frisch abkalbenden Kühen.

trockenstehende und laktierende Kühe nicht in einer Gruppe halten; Milch von euterkranken Kühen nicht an die Nachzucht vertränken

Vermeiden zu hoher Belegdichten in den Ställen

Minimieren der Verletzungsgefahr durch Beseitigung schadhafter beziehungsweise scharfkantiger Stallausrüstungen

regelmäßige Klauenpflege und Scheren der Kühe im Euterbereich

In den Sommermonaten ist im Allgemeinen mit höheren Zellzahlen zu rechnen, besonders durch Temperaturstress, aber auch Fütterungseinflüsse wie erhöhten Mykotoxingehalt in Silagen.

Einflussfaktoren auf die Eutergesundheit

Die Melktechnik und die Melkarbeit einschließlich der Melkhygiene können wesentlichen Einfluss auf die Zellzahl und damit die Eutergesundheit ausüben. Die Auswahl betriebsspezifisch angepasster teilautomatisierter oder vollautomatischer Melktechnik, deren fachgerechte Installation, die ständige Wartung und Pflege der Melkanlage einschließlich der Kontrolle der technischen Parameter sind Grundlage der Erzeugung von Qualitätsmilch. Zu hohes Melkvakuum beziehungsweise Vakuumschwankungen, Störungen der Pulsatortätigkeit und der Stimulationsautomatik, überalterte beziehungsweise nicht an die Zitzen angepasste Zitzengummis, zu später Umschaltzeitpunkt der Nachmelk­automatik beziehungsweise zu später Abschaltzeitpunkt der Abnahmeautomatik können zu erhöhter Zellzahl führen und euterschädigend sowie mastitisprädisponierend wirken. Mindestens einmal im Jahr sollte der Landwirt die Melkanlage durch unabhängige Fachleute überprüfen lassen.

Ein Beispiel für ungenügende Melkhygiene

Zusammenhänge geben Aufschluss

Der Einfluss des Menschen auf den Melkvorgang wird angesichts zunehmender Automatisierung der Milchgewinnung oftmals unterschätzt. Zwischen der Qualität der Arbeitsausführung des Melkers, der Milchhergabe und der Eutergesundheit gibt es eine Vielzahl von Zusammenhängen. Voraussetzungen für den optimalen Ablauf des Milchejektionsreflexes und damit einer ungestörten Milchhergabe sowie zur Wahrung der Eutergesundheit sind:

ruhiger Umgang und tiergerechte Behandlung der Kühe vor und während des Melkens (Stressminimierung)

Melkreihenfolge: Bildung von Melkgruppen. Eutergesunde Kühe sind immer vor den infektionsverdächtigen und euterkranken Kühen zu melken.

Durchführen der Routinearbeiten in der Reihenfolge Vormelkprobe (nicht auf den Fußboden melken) – Euterreinigung – Ansetzen

ausreichendes Anrüsten

Euterreinigung (trocken) mit Einwegpapiertüchern

Vermeidung zu langer Wartezeiten für die Kühe zwischen Anrüsten und Ansetzen der Melkzeuge

Verwendung weicher, hochelastischer Zitzengummis

Melkzeuge nicht verdreht ansetzen (Dreh- und Hebelkräfte führen zu Blindmelken und Schmerzen bei den Kühen)

Minimierung von Blindmelkzeiten, Nachgemelken und Lufteinbrüchen

Zwischendesinfektion der Melkbecher mit DLG-zugelassenen Peressigsäurepräparaten. Benutzung von Latexhandschuhen während des Melkens

Nachkontrolle des Euters nach Abnahme des Melkzeugs

Durchführung des ­Zitzendippens beziehungsweise -sprühens mit desinfizierenden Mitteln zur Vorbeugung gegen Streptokokken

Vermeiden von schmerzhaften Behandlungen im Melkstand (Stressminimierung), Minimieren von Nebenarbeiten im Melkstand. Diese führen zu Störungen im Melkablauf.

schnelle Behandlung klinischer Fälle

Ungenügender Abstand zwischen Melkzeug und Melkstandboden

Praxisbezogene Untersuchungen

Untersuchungen der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft ergaben beim Vergleich von Nass- und Trockenreinigung vor dem Melken einen deutlich höheren Anteil bakteriologisch positiver Tiere sowie einen höheren Anteil euterassoziierter Erreger und somit deutlich höhere Zellzahlen aufgrund der Nassreinigung.

Ungenügendes Anrüsten (Tabelle 1), Wartezeiten für die Kühe zwischen Anrüsten und Ansetzen des Melkzeuges und verdrehtes Ansetzen von Melkzeugen führen zur Verringerung des Milchflusses und der Milchmenge, zum Auftreten von Bimodalitäten (Zweigipfeligkeit) der Milchflusskurve einschließlich Blindmelken. Außerdem kann es zur Erhöhung der Nachgemelksmenge und damit zur Erhöhung der Gesamtdauer je Gemelk sowie zum Anstieg der Zellzahl kommen. Aufgrund der verlängerten Vakuumeinwirkung auf Zitzenkanalöffnung, Zitzenkanal und Innenauskleidung der Zitzenspitze sowie Blindmelken kommt es zu Durchblutungsstörungen und zum Entstehen des „Residualvakuums“, wodurch das Eindringen von Krankheitserregern begünstigt wird. Auch wird das Schließen des Zitzenkanals nach dem Melken verzögert und damit eine Neuinfektion gefördert.

In Praxisuntersuchungen wurden Zusammenhänge zwischen Milchflusskurvenverlauf und Zellzahlwerten ermittelt (Tabelle 2). Dabei konnte festgestellt werden, dass zwar optimale Milchflusskurven bei allen Zellzahlwerten auftraten, häufiger aber in Betrieben mit guter Eutergesundheit.

Analyse weiterer Einflussfaktoren

Mit Zunahme der Melkfrequenz (drei- oder sogar viermaliges Melken) steigen die Anforderungen an ein qualitätsgerechtes, zügiges und euterschonendes Melken. Mehrmaliges Melken erhöht die Maschinenhaftzeit und damit die mechanische Beanspruchung der Zitzen. Verhärtete Zitzenspitzen können die Folge sein. Deshalb ist einerseits auf eine kurze Melkdauer zu achten, da dadurch die Gewebebelastung reduziert wird. Eine kurze Melkdauer ist aber nur zu erreichen, wenn die Tiere stressarm gehalten und gemolken werden. Außerdem müssen Schwermelker vor einer Erhöhung der Melkfrequenz unbedingt aus dem Bestand selektiert werden.

Der Stellenwert des Anrüstens, das heißt die Herstellung der Melkbereitschaft, steigt mit Zunahme der Melkfrequenz. Nicht vollwertig angerüstete Kühe zeigen häufiger Bimodalitäten im Milchfluss, die absolute Länge der Blindmelkzeiten steigt und damit das Risiko von Eutergewebeentzündungen, auch durch die Zunahme der Maschinenhaftzeit. Mit Zunahme der Melkfrequenz gewinnt das Dippen mit desinfizierenden beziehungsweise pflegenden Dippmitteln aufgrund der insgesamt längeren Offenstehzeiten der Strichkanäle nach dem Melken (höheres Risiko des Eindringens von Mastitiserregern) sowie der mechanischen Beanspruchung der Zitzen an Bedeutung.

Die Euterform hat Einfluss auf die Eutergesundheit.

Schlecht haftende Melkzeuge, bedingt durch feuchte Zitzen bei feuchten Liegeboxen, nach Nassreinigung und unterlassener Abtrocknung der Zitzen sowie durch schwere Sammelstücke, können durch das Einsaugen von Luft und damit verbunden das Schleudern von Milchpartikeln mit Krankheitserregern auf und in die anderen Zitzen zur Beeinträchtigung der Eutergesundheit beitragen.

Zu alte und zu harte Zitzengummis fördern die Infektion und belasten das Zitzengewebe insbesondere im Zitzenspitzenbereich. Die in den vergangenen Jahren aufgrund der Umzüchtung zu beobachtende Verringerung der Länge und des Durchmessers der Zitzen ist aus Sicht der Technikanwendung und des Infektionsrisikos als problematisch anzusehen. Zu kurze und zu dünne Zitzen können zu zunehmenden Lufteinbrüchen und Rückspray beim Melken führen und damit das Infektionsrisiko erhöhen. Eine Auswahl der Zitzengummis nach Größe und Form in Anpassung an die durchschnittlich in der vorhandenen Milchkuhherde vorkommenden Zitzen- und Euterformen ist ratsam.

Das Zitzendippen sofort nach dem Abnehmen des Melkzeugs mit einer dafür zugelassenen Desinfektionsmittellösung ist nicht nur in Mastitisproblembetrieben eine sehr wichtige Maßnahme. Damit wird erreicht, dass die an der Strichkanalmündung und auf der Zitzenkuppe befindlichen Krankheitserreger abgetötet werden. Die Infektionsrate und die Zellzahlen sinken. Gibt es Probleme mit dem Milchzellgehalt im Betrieb, sollten die Kühe nach dem Melken nicht sofort zum Liegen in die Liegebox gelangen, da die Zitzenkanalöffnungen noch nicht genügend geschlossen sind und beim Liegen insbesondere im Stroh Erreger (zum Beispiel Streptococcus uberis) in die Euter gelangen können. Eine gezielte Führung zum Futtertisch mit der Darbietung von Futter sowie die Möglichkeit des Saufens nach dem Melken durch gezielte Anordnung von Trogtränken bringen eine Verzögerung, sodass sich die Zitzenkanalöffnungen in dieser Zeit größtenteils wieder schließen. Die Liegeboxen sollten in Problembetrieben bis zu dreimal am Tag gesäubert werden.

Einen sehr großen Einfluss auf die Eutergesundheit und damit auf den Milchzellgehalt hat außerdem die Fütterung.

Fazit

Das Management der Milchviehhaltung einschließlich des Melkens hat großen Einfluss auf die Zellzahlen in der Milch. Optimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen, richtig installierte und kontinuierlich gewartete Melktechnik sowie eine fachgerechte Melkarbeit und Melkhygiene sind grundlegende Voraussetzungen für niedrige Zellzahlen und gute Eutergesundheit. Nur mit fachlich gut qualifizierten und motivierten Arbeitskräften kann Qualitätsmilch erzeugt werden. Eine gut ausgefeilte Arbeitsorganisation, die die betrieblichen Besonderheiten berücksichtigt, gewinnt dabei ständig an Bedeutung.

Blattläuse biologisch regulieren

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Im Herbst 2024 startete das ­Projekt „Nützlingszelte“, das die Blattlausbesiedlung im Feld durch den frühen Einsatz ­eines Nützlingszeltes effektiv ­reduzieren sollte.

In diesem kleinen, vliesbedeckten Zelt (siehe Foto) wurde blattlausbesetzter Ampfer gepflanzt. Die Blattlausart auf dem Ampfer war Aphis rumicis, die nur diese Wirtspflanze hat und in ihrer Neigung zur Massenvermehrung sowohl als Futter als auch eventuell als Lockmittel für Nützlinge fungieren kann. Blühpflanzen, die ebenfalls unter das Zelt gepflanzt wurden, sollten Nützlingen als weitere Nahrungsquelle dienen. Die Vliesabdeckung hebt die gegebene Temperatur im Frühjahr so weit, dass die Aktivitätsuntergrenze der Nützlinge überschritten wird und sie so schon im Feld aktiv sind, wenn die Besiedlung der Kultur durch Blattläuse erfolgt.

Versuchsaufbau im Feld

Nun liegen erste Ergebnisse aus den Testkulturen Salat, Dill und Ackerbohne in biologischer Produktion sowie Ackerbohnen und Erbsen mit chemischem Pflanzenschutz vor. Aus der Fülle der Daten soll hier insbesondere auf den Biobetrieb Rabberg in Rügge eingegangen werden.

Zum Auflauf der Kultur, Vicia fabae, wurde das Nützlingszelt in der Mitte des etwa 7 ha großen Feldes aufgestellt. Mitte Mai wurde das Vlies vom Zelt entfernt, sodass Nützlinge, die sich dort entwickelt hatten, in das Feld abwandern konnten. Die Kontrollfläche ohne Zelt war etwa 1,5 ha groß und lag abseits der Versuchsfläche.

Bonitur und Methodik

Auf zwei Diagonalen, die sich in der Mitte bei dem Zelt kreuzten, wurde auf jeweils einer Fläche von 0,2 m² im Frühjahr wöchentlich und im Sommer 14-täglich bonitiert. In Abbildung 1 sind gelb die Bonitierpunkte zu sehen. Es wurden Blattläuse nach Größe der Kolonie in sieben Gruppen eingeteilt und als Größengruppe notiert. Blattlausgegenspieler wurden ausgezählt. Immer wurde auch geschaut, ob die Ampferpflanzen noch blattlausbesetzt waren und welche Nützlinge sich dort einfanden. Zur Auswertung wurden die Mediane der Blattlausgruppen herangezogen, um eine Vorstellung von der tatsächlichen Blattlausdichte zu bekommen.

Blattlausentwicklung

Wie auch in den anderen Betrieben, in denen eine Kontrolle realisiert werden konnte, zeigte sich der Anstieg der Blattlauspopulation in der Kontrollfläche aggressiver, während in der Versuchsfläche die Zahlen der Blattläuse geringer ausfielen (Abbildung 2). Wichtig erschien auch die Information, wie lange sich die Ampferblattläuse auf dem Ampfer hielten, bevor auch sie von Nützlingen vernichtet wurden. Sie konnten sich bis Mitte Juni halten (schwarzer Balken in oberer Grafik in Abbildung 2).

Nützlingsspektrum

Das Spektrum der Nützlinge war sehr artenreich. Von den eingesetzten Schwebfliegen wurden später allerdings keine wiedergefunden. Auch in anderen Betrieben konnte kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen ausgebrachten und wiedergefundenen Nützlingen gesehen werden. Allerdings war im Falle der Rabberg-Versuchsfläche die Lockwirkung der Ampferblattläuse, die die Gegenspieler in die Mitte des Feldes führten, deutlich.

Ökonomische Bewertung

Das Aufstellen des Zeltes und begleitende Maßnahmen führten nicht zur Anbaubehinderung. Ein ökonomischer Unterschied zwischen Versuch und Kontrolle in Form der Hülsenzahl pro Meter konnte nicht nachgewiesen werden. Das im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-Agri) Schleswig-Holstein geförderte Projekt läuft noch bis Ende 2027 und wird von dem Ökoring ökologischer Landbau GmbH und BorbyControl, Spezialberatung Nützlingseinsatz, geleitet.

Arbeitszeiterfassung in landwirtschaftlichen Betrieben

Die Einführung von Zeiterfassungssystemen gewinnt auch in landwirt­schaftlichen Betrieben zunehmend an Bedeutung. Sie dient einerseits der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, andererseits kann sie zur besseren Organisation betrieblicher Abläufe beitragen. Die Zeiten, in denen Arbeitsstunden nebenbei im Notizbuch notiert oder gar nicht festgehalten wurden, sollten daher der Vergangenheit angehören.

Spätestens seit dem viel beachteten Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Mai 2019 und der anschließenden Bestätigung durch das Bundesarbeitsgericht (BAG) im Jahr 2022 steht fest: Auch landwirtschaftliche Betriebe müssen ein zuverlässiges und objektives System zur Arbeitszeiterfassung einführen.

Wichtig für die Praxis ist jedoch: Eine elektronische oder digitale Form ist (noch) nicht vorgeschrieben. Auch analoge Methoden wie Stundenzettel oder handschriftliche Aufzeichnungen bleiben zulässig, sofern sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.

Was in vielen Branchen längst Alltag ist, stellt landwirtschaftliche Betriebe dennoch vor besondere Herausforderungen. Flexible Arbeitszeiten, Saisonarbeitskräfte und wetterabhängige Einsätze lassen sich nicht immer problemlos in starre Systeme integrieren. Umso wichtiger ist die Frage, wie sich die gesetzlichen Vorgaben praxistauglich auf Hof und Feld umsetzen lassen.

Arbeitszeiterfassung bedeutet die systematische Dokumentation von Beginn, Ende, Dauer und Pausen der täglichen Arbeitszeit aller Beschäftigten. Zentrales Ziel ist dabei der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Durch die Erfassung soll sichergestellt werden, dass gesetzliche Höchstarbeitszeiten sowie Pausen- und Ruhezeiten eingehalten werden. Gleichzeitig ermöglicht eine lückenlose Dokumentation den Sozialversicherungsträgern, insbesondere der Deutschen Rentenversicherung, im Rahmen von Betriebsprüfungen nachzuvollziehen, ob alle geleisteten Arbeitsstunden korrekt verbeitragt wurden. Darüber hinaus erleichtert die Zeiterfassung den Abgleich von Soll- und Ist-Arbeitszeit, die Dokumentation von Überstunden sowie den Nachweis der Mindestlohnzahlung. Moderne Zeiterfassungssysteme können damit Transparenz und Planungssicherheit im Betrieb unterstützen.

Mehrere Gesetze betreffen landwirtschaftliche Betriebe unmittelbar. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) regelt Höchstarbeitszeiten, Pausen und Ruhezeiten. Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) schützt Beschäftigte unter 18 Jahren. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet Arbeitgeber, für Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu sorgen. Das Mindestlohngesetz (MiLoG) schreibt insbesondere bei geringfügig Beschäftigten und Saisonarbeitskräften eine lückenlose Dokumentation der Arbeitszeiten vor.

Sonderregelung für Leitende

Ein Sonderfall ist § 18 Absatz 1 ArbZG: Von bestimmten Arbeitszeitvorgaben sind leitende Angestellte ausgenommen. Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter können je nach tatsächlichen Befugnissen und Verantwortlichkeiten unter Umständen als leitende Angestellte eingestuft werden. Eine ausdrückliche gesetzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung für leitende Angestellte besteht derzeit nicht. Aus Gründen des Arbeitsschutzes und der Dokumentationssicherheit wird jedoch empfohlen, auch deren Arbeitszeiten zumindest in vereinfachter Form festzuhalten. So kann der Betrieb im Zweifel nachweisen, dass Fürsorge- und Arbeitsschutzpflichten eingehalten wurden.

Die Auswahl an Zeiterfassungssystemen ist groß und reicht von analogen Varianten wie Stundenzetteln oder Stempeluhren bis zu digitalen Lösungen. Dazu zählen einfache Apps wie WorkingHours oder Work Counter, professionelle Softwarelösungen wie Clockodo, Frag Paul oder Planday sowie individuell erstellte Excel-Dateien. Kombinierte Systeme mit RFID-Chips, biometrischer Erfassung oder Fahrerkarten bieten zusätzlichen Komfort und Kontrollmöglichkeiten. Für landwirtschaftliche Betriebe existieren zudem branchenspezifische Lösungen wie Agrarmonitor, Agrarproject-SoF.HiE oder FarmAct, die Zeiterfassung mit Flottenmanagement, Auftragsplanung oder Buchhaltung verbinden und eine mobile Datenerfassung direkt auf Feld und Maschine ermöglichen.

Herausforderung in Spitzenzeiten

Eine besondere Herausforderung stellt die Arbeitszeitgestaltung während Ernte- und Aussaatzeiten dar. Während Jugendarbeitsschutzgesetz und Arbeitszeitgesetz klare Grenzen setzen, verlangt der betriebliche Alltag in diesen Phasen häufig ein hohes Maß an Flexibilität. Digitale Systeme ändern jedoch nichts an diesem grundlegenden Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Vorgaben und betrieblicher Realität. Ihr Nutzen liegt vielmehr darin, Arbeitszeiten einfacher zu erfassen, auszuwerten und transparent darzustellen. Sie verbessern die Dokumentations- und Planungsgrundlage, lösen jedoch nicht grundsätzlich das Problem erhöhter Arbeitsbelastung in arbeitsintensiven Phasen.

Datenschutz und Praxistauglichkeit

Eine moderne Arbeitszeiterfassung bietet Betrieben zusätzliche Chancen. Sie schafft Transparenz, verbessert die Planbarkeit des Personaleinsatzes und erleichtert den Nachweis der Gesetzeskonformität gegenüber Behörden und Sozialversicherungsträgern. Ein besonders wichtiger Aspekt ist der Datenschutz, denn Arbeitszeitdaten sind personenbezogene Daten und unterliegen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Betriebe müssen daher sicherstellen, dass diese Informationen vor unbefugtem Zugriff geschützt und datenschutzkonform verarbeitet werden. Dies kann durch passwortgeschützte Systeme, rollenbasierte Zugriffsrechte oder die Speicherung der Daten auf Servern in der Europäischen Union erfolgen.

Papierbasierte Lösungen bleiben zulässig, können aber bei zunehmendem Dokumentationsaufwand, häufigeren Betriebsprüfungen und dem Einsatz von Saisonarbeitskräften mit größerem organisatorischen Aufwand verbunden sein. Digitale Systeme werden daher in vielen Betrieben eingesetzt, da sie Auswertungen automatisieren, Prüfungen erleichtern und administrative Abläufe strukturieren können. Entscheidend bleibt, dass das gewählte System zum jeweiligen Betrieb passt und im Arbeitsalltag praktikabel ist.


Hinweis zur Umsetzung im Betrieb:

Die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung liegt grundsätzlich beim Arbeitgeber. Die praktische Erfassung der Arbeitszeiten kann jedoch an die Beschäftigten delegiert werden, beispielsweise über Apps oder digitale Systeme. Der Arbeitgeber bleibt dennoch dafür verantwortlich, dass die Arbeitszeiten vollständig dokumentiert und aufbewahrt werden.

Bei der Auswahl eines Zeiterfassungssystems sollten Betriebe außerdem darauf achten, dass dieses mit der Lohnbuchhaltung kompatibel ist. Eine direkte Schnittstelle erleichtert die Entgeltabrechnung und sorgt für eine durchgängige und synchrone Dokumentation der Arbeitszeiten.