Start Blog

Sommerblumen mit langer Vorkultur

0

Auch wenn der Winter uns noch im Haus hält, kribbelt es so ­langsam schon wieder in den ­Fingern. Warum also nicht mit der Vorkultur von Sommer­blumen starten, die einen etwas längeren Anlauf nehmen? Wer den Aufwand nicht scheut, ­bekommt für wenig Geld schöne Pflanzen.

Allerdings ist die frühe Aussaat wegen der Lichtverhältnisse in unseren Breiten durchaus knifflig. Im beheizten Profi-Gewächshaus ist das Verhältnis von Temperatur und Lichtstärke gegen Ende Januar bereits ausreichend. Wer jedoch mit der Fensterbank vorliebnehmen muss, benötigt eine Pflanzenleuchte. Gab es früher noch Pflanzenleuchten in Form von Leuchtstoffröhren, so finden man heute vorwiegend LED-Leuchten im Angebot. Eine einzelne Pflanzenleuchte kostet mittlerweile 50 €, zusammen mit dem Zimmergewächshaus knapp 70 €. Das lohnt sich vor allem dann, wenn über zwei, drei Jahre die Ausgabe über gesparten Pflanzenkauf wieder hereinkommt. Ansonsten wartet man besser bis Ende Februar. Dann genügen auf einer nach Süden ausgerichteten Fensterbank die natürlichen Lichtverhältnisse für eine Vorkultur ohne technische Hilfsmittel.

Bei zeitigen Aussaaten auf der Fensterbank ist eine Pflanzenleuchte notwendig. Foto: Karin Stern

Nach der Keimung sind die jungen Pflanzen auf einen ausreichend hellen Standort angewiesen. Tipp: Besser an einem helleren und dafür etwas kühleren Platz weiterkultivieren. Stehen die Pflanzen zu warm und erhalten sie zu wenig Licht, bilden sie lange, dünne Stängel. Gärtner bezeichnen dies als Geilwuchs. Der Stängel knickt schnell um und die Pflanze stirbt ab. Entgegenwirken kann man diesem Prozess nur, indem man entweder für mehr Licht sorgt oder die Temperatur senkt. Für die Aussaat empfiehlt sich die Verwendung einer speziellen Anzuchterde aus dem Gartenhandel. Sie enthält im Gegensatz zu herkömmlicher Blumenerde kaum Nährstoffe. Die im Dünger enthaltenen Salze können die jungen Keimlinge so schädigen, dass sie absterben. Die meisten Aussaaterden werden bei der Herstellung mit Wasserdampf sterilisiert, um Pilzsporen und Krankheitserreger abzutöten. Schimmel tritt jedoch hin und wieder in torffreien Aussaaterden auf.

Feine Samen lassen sich nur schwer gleichmäßig verteilen. Mit Sand vermischt geht es viel leichter. Foto: Karin Stern

Feines Saatgut wie das der Löwenmäulchen wird am besten in Schalen ausgesät. Kleine Samen lassen sich besser verteilen, wenn sie mit trockenem Quarzsand gemischt auf dem Saatbett ausgestreut werden. Bei grobkörnigen Samen sät man jeweils drei oder vier Korn in ein vorbereitetes Töpfchen. Beste Startbedingungen erhalten die Pflanzen, wenn tiefere Töpfchen zur Hälfte mit normaler Blumenerde gefüllt werden und darauf die Aussaaterde verteilt wird. So keimen die Samen in der düngerfreien Erde und die Wurzeln finden nach der ersten Entwicklungsphase die nährstoffreiche Blumenerde unten im Topf vor. Hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme begünstigen eine zügige Keimung. Spezielle Anzuchtkisten oder Zimmergewächshäuser verfügen daher meist über Abdeckhauben aus Kunststoff. Die Abdeckung muss allerdings täglich für einige Zeit gelüftet werden. Damit vermeidet man Pilzerkrankungen und sorgt für einen Luftaustausch.

Nach einiger Zeit wird es für die jungen Keimlinge in den Schalen zu eng. Sie werden nun in kleine, mit Blumenerde gefüllte Töpfe pikiert. Der richtige Zeitpunkt dafür ist gekommen, wenn sich nach den Keimblättern die ersten Laubblätter entfalten. Bei manchen Pflanzen sind keine speziellen Keimblätter zu erkennen. Sie werden pikiert, sobald sich das vierte Laubblatt zeigt. Wertvolle Hilfe leistet dabei in spezielles Pikierbesteck, dass aus Spatel und Pikierstab besteht. Wer zum optimalen Zeitpunkt pikiert, mindert den Umpflanzschock und damit die Wachstumsunterbrechung.

Bei größeren Samen empfiehlt sich die Aussaat in kleinen Töpfen. Foto: Karin Stern

Der geeignete Termin für die Auspflanzung ins Freiland ist abhängig von der Witterung. Die mit viel Liebe und Aufwand großgezogenen Pflanzen sollten vor Frost geschützt werden. Mancher wartet daher mit dem Auspflanzen bis nach den Eisheiligen. Wer es eiliger hat, sollte ein Vlies bereithalten und es bei Bedarf in kalten Nächten auflegen. Tipp: Die Setzlinge vorher unbedingt stundenweise ans Freiland gewöhnen. Außerdem frisch bepflanzte Balkonkästen und Töpfe sowie ausgeräumte Kübelpflanzen nicht gleich in die pralle Sonne stellen, sondern ebenfalls eingewöhnen.

Quelle: Karin Stern
Üppige Blütenpracht benötigt etwas Vorlauf. Foto: Karin Stern
Der Dauerblüher Schwarzäugige Susanne braucht in unseren Breiten eine lange Vorkultur. Foto: Karin Stern
Die reiche Blüte des Eisenkrauts Anfang Juli ist der Lohn für die frühe Vorkultur. Foto: Karin Stern
Löwenmäulchen kommen umso früher in die Blüte, je eher sie ausgesät werden. Foto: Karin Stern
Die winzigen Samen der Petunien werden als Lichtkeimer nur auf der Aussaaterde angedrückt. Foto: Karin Stern
Spinnenblumen begeistern mit ihrer einzigartigen Blüte. Foto: Karin Stern
Die Vanilleblume verströmt einen angenehm süßen Duft. Foto: Karin Stern


„Extrem besorgniserregende“ Lage

0

Der Preisverfall auf dem weltweiten Zuckermarkt setzt europäische Erzeuger und Verarbeiter zunehmend unter Druck. Innerhalb der Branche wird von einer „extrem besorgniserregenden“ Situation gesprochen, mehrere Zuckerfabriken hätten bereits schließen müssen oder stünden vor dem Aus. Die Südzucker AG rechnet mit einem langfristig angespannten Marktumfeld. Europäische Zuckererzeuger und -verarbeiter appellieren nun an die EU, in den Markt einzugreifen.

Einer der Gründe für die Preiskrise ist eine erhöhte globale Produktion, insbesondere in Brasilien, Indien und Thailand. Im jüngsten Zuckermarktbericht des agrardiplomatischen Dienstes (FAS) des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wird die weltweite Zuckerproduktion für das Wirtschaftsjahr 2025/2026 auf 189,3 Mio. t veranschlagt. Im Vorjahresvergleich wäre das ein Zuwachs von 8,3 Mio. t.

Laut dem FAS-Report kompensiert die höhere Produktion in Brasilien und Indien eine wiederum gesunkene Erzeugung in der Europäischen Union über.

EU-Produktion schrumpft

Konkret erwarten die Analysten in Washington eine um 5 % niedrigere Zuckerproduktion in der EU. Für 2025/2026 ist demnach nur noch mit 15,5 Mio. t zu rechnen, maßgeblich wegen einer um 8 % schrumpfenden Anbaufläche in den wichtigsten Erzeugerländern, darunter Frankreich und Deutschland. Der Verbrauch und die Endbestände für die EU sollen dabei weitgehend unverändert bleiben; Importe würden damit entsprechend zulegen und Exporte sinken.

Die brasilianische Zuckerproduktion soll im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 700.000 t auf 44,4 Mio. t steigen. Auch in Indien wird eine deutliche Ausweitung der Produktion erwartet: Dort soll die Zuckererzeugung laut FAS um 26 % auf 35,3 Mio. t zulegen. In Thailand fällt das Wachstum hingegen moderater aus. In dem südostasiatischen Land wird die Produktion voraussichtlich um 2 % auf 10,3 Mio. t zulegen.

„Untragbares“ Preisniveau

Von einer „exzessiven Produk­tion“ in Brasilien, Indien und Thailand sprachen die Vereinigung der europäischen Rübenanbauer (CIBE) und der Verband der Europäischen Zuckerindustrie (CEFS) in einem gemeinsamen Statement. „Die durchschnittlichen Zuckerpreise in Europa sind seit ihrem Höchststand im Dezember 2023 um 38 Prozent gefallen und haben ein untragbares Niveau erreicht“, heißt es darin.

Infolge des Preisverfalls hätten allein in diesem Jahr fünf Zuckerfabriken schließen müssen, warnen die Verbände. Auch ist die Anbaufläche in der EU im Wirtschaftsjahr 2025/2026 laut den Erhebungen von CIBE und CEFS um 11 % verkleinert worden; wegen günstiger Anbaubedingungen wird zumindest die erwartete Zuckerproduktion nicht ganz so stark einbrechen.

Die Verbände fordern die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, den Import von Rohzucker über die als Inward Processing Procedure (IPP) bekannte Zollregelung unverzüglich zu stoppen. Diese Sonderregelung erlaubt es, Zucker zollfrei zur Verarbeitung in die EU zu bringen. Zudem müsse über weitere preisstabilisierende Maßnahmen, etwa mittels der Gemeinsamen Marktorganisation, geredet werden.

Südzucker-Prognose

Die Südzucker AG geht derweil in einer ersten Prognose für das Geschäftsjahr 2026/2027, das am 1. März 2026 startet, von einem leichten Rückgang des Konzernumsatzes aus. Wie das Unternehmen kürzlich mitteilte, wird das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebeitda) in einer im Vergleich zum laufenden Geschäftsjahr 2025/2026 „moderat gesteigerten Bandbreite“ zwischen 480 und 680 Mio. € gesehen.

Der Prognose für 2026/2027 liegt laut Südzucker die Annahme zugrunde, dass der Zuckermarkt weiterhin sehr „herausfordernd bleibt und keine signifikante Ergebniserholung im Segment Zucker erwartet wird“. Die geopolitische Lage mache es zudem schwierig, den Geschäftsverlauf präzise zu prognostizieren. age

Zusatzzölle

auf Rindfleischimporte

China

China hat Zusatzzölle in Höhe von 55 % auf Rindfleischimporte verhängt, die länderspezifisch festgelegte Liefermengen übersteigen. Damit will die Pekinger Staatsregierung die eigene Rindfleischwirtschaft schützen. Eine nun abgeschlossene Untersuchung habe gezeigt, dass diese in den zurückliegenden Monaten unter gestiegenen Importen gelitten habe, begründet China die Zusatzzölle.

Wie das dortige Handelsministerium weiter mitteilte, betrifft die auf drei Jahre bis Ende 2028 befristete Regelung alle Länder – mit Ausnahme einiger Entwicklungsländer. Die aufgeführten Staaten dürfen im Jahr 2026 zusammen knapp 2,7 Mio. t Rindfleisch zum üblichen Zollsatz in die Volksrepublik liefern. Für darüber hinausgehende Mengen werde dem Ministerium zufolge der Zusatzzoll erhoben. Nicht ausgeschöpfte Kontingentsmengen seien nicht auf Folgejahre übertragbar.

Die Neuregelung dürfte wichtige Lieferländer durchaus hart treffen. Beispielsweise wurde für Brasilien ein Lieferkontingent von 1,1 Mio. t festgelegt. Für das Gesamtjahr 2024 weist der Verband der brasilianischen Rindfleischexporteure eine Liefermenge von 1,3 Mio. t aus, für die ersten elf Monate 2025 von 1,5 Mio. t. age

Geschichte eines Heilbades

0

Der Kurpark in Bad Oldesloe war wichtiger Bestandteil des 1813 gegründeten Sole-, Moor- und Schwefelbades, das die Geschichte der Stadt maßgeblich mit beeinflusste. Heute gibt es keine Kuranlagen mehr. Lediglich einige wenige Relikte wie der Kurpark, ein wild-romantisches, waldreiches Areal in einer Schleife des Flusses Beste, ein Salzteich und ein Salzpfad erinnern noch an die Zeiten als Heilbad.

Die Geschichte des Bades in Oldesloe begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem der Salineninspektor Dr. Friedrich August Lorentzen bei Bohrungen auf eine schwefelhaltige Quelle gestoßen war und als Apotheker und Arzt sogleich die Heilmöglichkeiten erkannte. 1813 wurde das Sol-, Moor- und Schwefelbad mit Lorentzen als Badedirektor gegründet. Ein Badepavillon, dem bald ein zweiter folgte, wurde ebenso eingerichtet wie Parkanlagen, ein Kurhaus und ein Logierhaus. Das mondäne Bad erfreute sich großer Beliebtheit bei Lübecker und Hamburger Bürgern sowie beim holsteinischen Adel. Selbst der Landesherr König Friedrich VI. begab sich zur Kur nach Oldesloe.

Im Zentrum des Kurparks liegt der früher als Badesee genutzte Salzteich – auch eine Station des Salzpfades.

Um 1830 verlor das Kurbad allerdings durch die Gründung der Seebäder in Travemünde, Helgoland, Wyk auf Föhr und an anderen Orten an Anziehungskraft. Es begann ein allmählicher Rückgang der Gästezahlen, auch wenn durch Spielcasino, Pferderennbahn und andere Attraktionen versucht wurde, die Attraktivität zu steigern. In der Zeit von 1840 bis 1898 betrieb eine Aktiengesellschaft das Bad, das auf niedrigerem Niveau weiterbetrieben wurde.

30-Die Beste: Der Fluss Beste durchfließt ebenso wie die Trave den Innenstadtbereich von Bad Oldesloe.

Zweite Blüte

Eine zweite Blüte erlebte das Bad, als der finanzkräftige Fabrikant Nikolaus Dürkopp es übernahm und mit dem Neubau des Kurhauses, einem eigenen Kurorchester, Badekabinen am Salzteich und Neuanlage und Neupflanzungen im Kurpark und anderen Maßnahmen die Badegäste anzulocken versuchte. Oldesloe sollte laut Dürkopp „wieder zu den ersten Bädern Deutschlands zählen“. Ab 1910 durfte Oldesloe in der Tat auch den Namenszusatz „Bad“, den es bis heute beibehalten hat, tragen. Allerdings wurde das kaum Gewinn abwerfende Badegeschehen mit dem Ersten Weltkrieg endgültig unrentabel und die Stadt kaufte das Bad, um dessen endgültige Auflösung zu verhindern.

Nach einigen Besitzerwechseln kaufte die Holländerin Nelly Victorine Samuels das Bad und setzte ihren Bruder, den Arzt Dr. Jules Samuels, als Direktor ein. Wie mit jedem neuen Besitzer und Investor waren die Hoffnungen auf einen Aufschwung des Bades in Bad Oldesloe wieder groß. Samuels investierte auch und engagierte sich, allerdings fehlte in der Stadtverwaltung vor allem durch den damaligen Bürgermeister die Unterstützung. Es gab sogar heftigen Widerstand gegen seine Planungen.

Die Beste begrenzt den Kurparkbereich in drei Richtungen.

Dass er Jude und Niederländer (und damit Ausländer) war, spielte neben den persönlichen Animositäten mit dem Bürgermeister wohl eine Rolle. Auch ein neuer Pächter konnte nicht mehr viel erreichen. Weitere Bemühungen, einen Kurbetrieb zu etablieren, scheiterten. 1928 wurde der Kurbetrieb endgültig eingestellt. Die Stadt kaufte das Areal abermals und bis 1938 wurden alle inzwischen verfallenen Gebäude abgerissen; als Letztes folgte im Jahr 1950 der Abriss der Ruine des Großen Logierhauses. Insgesamt war die Entwicklung des Bades in Bad Oldesloe mit ihren vielen Höhen und Tiefen im 19. und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts prägend für die Stadtgeschichte, wie es auch die ehemalige Stadtarchivarin Sylvina Zander in ihrem Buch „Oldesloe und sein Bad 1813-1938“ treffend zusammenfasst: „Oldesloe und sein Bad: Das ist eine Geschichte von unternehmerischer Tatkraft und visionärer Begeisterung, von Verfall und Resignation, aber vor allem von nicht nachlassender Hoffnung.“

Geblieben ist von den eindrucksvollen Kurgebäuden und dem Aussichtsturm im Kurpark und am Salzteich nichts. Der Kurpark weist zwar noch Reste alter Eichen- und Lindenalleen und einiger Solitäre entlang der Wege auf, aber ansonsten ist das heutige, etwa 3 ha große Kurparkareal als Wald- und Wildnisareal weitgehend sich selbst überlassen – mit natürlich schönen Möglichkeiten für erholsame und ruhige Spaziergänge abseits vom Verkehrslärm der Stadt.

Neben der Windenergie und der Muskelkraft von Tieren wurde auch die Wasserkraft für die Salinen genutzt, wie das alte Salinenrad an der Trave als Station des Salzpfades demonstriert.Fotos: Hans-Dieter Reinke

Es ist ein Forst und Landschaftsschutzgebiet. Ein vielfältiges Wegenetz durchzieht den heutigen Kurpark, der durch die Mäander und Steilufer in einer Flussschleife der Beste begrenzt wird. In dieser kleinen, etwas verwilderten, naturnahen grünen Oase der Stadt finden sich ausgedehnte Waldareale, Vernässungsbereiche mit Schilfröhricht, Hochstaudenfluren, Schwarzerlen- und Weidengebüschen, Salzwiesen, einem Salzmoor und einem Salzteich. Das kleine Moor im Kurpark wird noch heute durch eine salzhaltige Quelle gespeist und salzliebende Pflanzen wie Salzbunge, Strand-Dreizack, Salzschuppenmiere, ­Salzaster, Strandsimse und Milchkraut konnten im Gebiet nachgewiesen werden, ebenso auch andere gefährdete Pflanzenarten wie die Breitblättrige Glockenblume, der Sumpf-Pippau, der Gold-Hahnenfuß und die Hohe Primel.

Im Eingangsbereich des Kurparks prägen Einzelbäume und Liegewiesenbereiche die Grünanlage. Zwei Gedenksteine zum 100-jährigen Bestehen des Kurbades von 1913 und zum 200-jährigen im Jahr 2013 stehen auf der Grünfläche. Hinzu kommen ein Grillpavillon, ein Spielplatz, ein Areal mit Outdoor-Trainingsgeräten und Bänken sowie einigen Tennisplätzen im Übergangsbereich zur Beste-Schleife. Im Jahr 2005 wurde eine Freilichtbühne für bis zu 400 Zuschauer errichtet. Alljährlich finden das Kurparkfest und eine Osterveranstaltung im Kurpark statt.

Im Kurpark steht für das 100jährige und das 200jährige Jubiläum des Kurbads jeweils ein Gedenkstein.

Eine denkmalgeschützte Granit-Solebadewanne aus einem der beiden Badepavillons der Anfangszeit des Sol-, Moor- und Schwefelbades ist auf dem Eingangsgrün aufgestellt. In einer solchen soll auch König Friedrich VI. sein Bad in Bad Oldesloe genommen haben.

Der Salzpfad

Salz spielt in der Geschichte Oldesloes eine wichtige Rolle. Die Stadt lag im Mittelalter an einer wichtigen Handelsroute zwischen Hamburg und Lübeck, auf der auch Salz gehandelt wurde. Zudem besaß die Stadt selbst eine Saline, in der das Salz aus salzhaltigen Quellen gewonnen wurde. Im 18. Jahrhundert prägte die Saline das Stadtbild und beschäftigte viele Menschen. Sie war damit der größte frühindustrielle Betrieb in Oldesloe. Zudem waren die salz- und schwefelhaltigen Quellen bedeutsam für die Einrichtung des Heilbades. So ist es nicht erstaunlich, dass die Stadt einen Salzpfad angelegt hat, auf dessen Spuren man nicht nur den Kurpark, sondern auch die Geschichte der Stadt erkunden kann. Fünf der sieben Stationen liegen im Kurparkbereich, zwei befinden sich in der Innenstadt.

Eine alte Kirsche im Kurpark.

Die erste Station an der Liegewiese des Kurparks beschäftigt sich mit den Salzvorkommen in Oldesloe und Umgebung, wo die Salinenbesitzer immer wieder versuchten, ergiebigere Quellen für ihre Salzgewinnung zu finden – ohne großen Erfolg, da alle Bemühungen in diesem Bereich nur zu schwach salzhaltigen Quellen führten. Immerhin war die Entdeckung einer salz- und schwefelhaltigen Quelle der Anstoß zur Einrichtung eines Heilbades. Die Station 5 des Salzpfades erzählt die Geschichte des Kurbades und auch über das Zusammenwirken von Bad und Stadt, wozu auch das von einem Bürgermeister propagierte Leitbild der Oldesloer Villenstadt gehörte, die zum Teil heute noch an der Kurparkallee zu bewundern ist.

Beim Weg in die Beste-Schleife befindet sich die Station 4 mit den Ausführungen zu den mehrere Meter hohen Gradierwerken, die einst das Stadtbild mit prägten. 1750 wurden auf der Oldesloer Saline die ersten eingerichtet, die dazu dienten, durch natürliche Verdunstung die Konzentration der Sole zu erhöhen. Sie bestanden aus einem frei aufgestellten Holzgerüst, das mit Schlehenreisigbündeln (Schwarzdorn) durchsetzt war. Das Wasser rieselte verdunstend herab und zurück blieb einerseits das höher konzentrierte Salzwasser. Gleichzeitig wurden unerwünschte Begleitmaterialien wie Kalk, Gips, Kaliumsalze und anderes entfernt und auf dem Schlehenreisig abgelagert, das deswegen auch gelegentlich ausgewechselt werden musste. Neben der Nutzung des höher konzentrierten Salzes auch in den Badestuben diente das Umfeld der Gradierwerke mit der salzhaltigen Luft zu Kur- und Heilzwecken bei Atemwegserkrankungen als sogenanntes Freiluftinhalorium.

31-33-Trave: Die Trave durchfließt Bad Oldesloe auf ihrem Weg in Richtung Lübeck, wo sie bei Travemünde in die Ostsee mündet.

Die Stationen 2 (Salzquelle an der Beste) und 3 mit dem Salzteich finden sich im Zentrum des Kurparkareals in der Flussschleife. Binnenländische Salzquellen sind in Schleswig-Holstein sehr selten. Die Quellen um Bad Oldesloe, die hier an der Oberfläche austreten, kommen aus einer Tiefe von 500 m. Der von der Saline angelegte Salzteich wurde auch frühzeitig vom Oldesloer Bad genutzt, und zwar vor allem für Kaltbäder. Zunächst mit Badekarren und Badefloß versehen, wurden später am Ufer aufgestellte Badekabinen und ein schwimmendes Badehaus eingerichtet. Außerdem gab es einen Aussichtspavillon am Ufer. Heute ist es ein verträumter Waldteich, den man umwandern kann.

In der Innenstadt befinden sich die beiden letzten Stationen mit dem ehemaligen Salinenrad in der Trave (Station 6) und dem Kranhafen (Nummer 7) an der Lübecker Straße. Der Energiebedarf in den Salinen, um das Wasser in den Siedepfannen zu verdunsten, war hoch. Neben dem Holz aus den umliegenden Wäldern war auch der Torf aus den Mooren wichtiges Brennmaterial. Mit der Einrichtung der Gradierwerke nahm der Energiebedarf für das Hinaufpumpen des Wassers nochmals deutlich zu. Neben der Windkraft der drei Windmühlen des Ortes und von Pferden angetriebenen Göpelwerken wurde auch die Wasserkraft genutzt. Zu besichtigen ist ein altes Salinenrad an der ehemaligen Graupenmühle. Früher gab es auch ein zweites Salinenrad, das sich seit 1711 in der Beste befand. Der ehemalige Kranhafen zum Umladen schwerer Lasten befand sich seit dem 17. Jahrhundert an einer breiten Travebucht in der Nähe der nach Lübeck führenden Landstraße. Die Trave war ab hier bis nach Lübeck schiffbar. Salz war ein wichtiges Handelsgut. Die Oldesloer Saline unterhielt sowohl in Lübeck an den Salzspeichern nahe dem Holstentor als auch in Altona Lagerhäuser.

Eine der alten Steinbadewannen aus einem der ersten Badepavillons des Kurbades

Aus Holstein in die internationale Welt des Springsports

Während der Holsteiner Hengsttage wird traditionell auch der Züchter des Jahres geehrt. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Timm Peters. Gemeinsam mit seiner Frau Nicole Peters hat der Dithmarscher schon viele Erfolgspferde gezüchtet. Zurzeit ist es der Uriko-Sohn Bull Run’s Jireh, der den Namen Peters aus Bargenstedt in die ganze Welt trägt.

„Schon als Kind war mir klar, dass ich den Hof und die Pferdezucht übernehmen wollte“, erinnert sich Timm Peters. Sein Vater Otto Peters hatte in Bargenstedt einen Hof. Unter anderem hielt er Milchvieh, baute Kohl an, und wie viele damals züchtete er Holsteiner. Reiten war allerdings nicht die erste Wahl des ambitionierten Sohns. Der wollte lieber Fußball spielen. „Mit dem Erfolg kam dann auch der Spaß“, sagt Timm Peters heute.

Im Jahr 2000 übernahm er den Hof des Vaters und stellte komplett auf Pferdezucht um. Neben seinen eigenen Stuten bietet er auch Platz für fremde Stuten und Jungpferde. So leben zurzeit etwa 60 Pferde bei Timm und Nicole Peters. Letztere kennt das mit den Pferden auch schon aus der Kindheit, denn sie ist eine geborene Pahl. In Dägeling, Kreis Steinburg, züchten ihre Eltern noch immer Holsteiner.

Die beiden Fachleute bieten heute von der Besamung bis zur Stuten- oder Hengstvorstellung das ganze Programm der Aufzucht an. Doch ihre große Leidenschaft ist nach wie vor die eigene Zucht. Etwa zehn Fohlen kommen jedes Jahr aus der Zucht von Familie Peters, und das aus vielen verschiedenen Stämmen. „Wir kaufen immer mal ein Stutfohlen dazu, wenn es interessant ist“, erklärt Timm Peters und fügt hinzu: „Wir wollen uns für die Zukunft weiter positionieren.“

Eine dieser Stuten kaufte Peters vor Jahren bei Elfriede Bornholdt in Moorrege, Kreis Pinneberg. „Uns war gleich klar, dass Conella eine ganz besondere Stute ist“, erinnert er sich. Und richtig, die Stute sollte seine Zucht nachhaltig beeinflussen.

Nachzucht aus einer besonderen Stute

Wiederholt paarte er die Braune von Colman-Contender aus dem Stamm 890 mit Uriko an. Das stellte sich als eine sehr gute Entscheidung heraus. Gleich im ersten Jahr kam ein Hengstfohlen zur Welt, das heute zu den besten Springpferden der Welt zählt: Bull Run’s Jireh, der unter der US-Amerikanerin Kristen Vanderveen von Erfolg zu Erfolg springt. Das Paar qualifizierte sich in diesem Jahr für das Weltcupfinale und reiste nach Basel, ist siegreich in Konkurrenzen bis 1,60 m und rangiert bei der World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH) in diesem Jahr auf einem hervorragenden zweiten Platz. Damit trägt der elfjährige Wallach einen erheblichen Teil zu Holsteins Spitzenposition bei der WBFSH bei.

Neben Jireh ist unter anderem sein Vollbruder Uno I, einstiger Reservesieger der Holsteiner Körung und Beschäler im Landgestüt Marbach, ein außergewöhnliches Pferd. Außerdem schenkte Conella Timm Peters unter anderem den gekörten und über 1,50 m erfolgreichen Quabri von Quibery sowie die beiden dreijährigen gekörten Hengste Bambam du Rouet von Baloubet du Rouet und Here I am von Heartbreaker.

Darüber hinaus tragen Töchter von Cornet Obolensky und ­Heartbreaker Conellas Gene in der Peters‘schen Zucht in die nächsten Generationen. Denn die Stute selbst ging vor einigen Jahren ein. „Das war ein harter Schlag“, sagt Peters, und man kann hören, dass ihn der Verlust noch heute schmerzt. Die weiblichen Nachkommen trösten ihn ein wenig über den Verlust hinweg. Vor allem die Tochter des Cornet Obolensky, die auch schon Siegerfohlen war, „wird sicher ihren züchterischen Weg gehen“.

Züchterischer Durchbruch mit Quick Nick

Beim diesjährigen Weltcupfinale traf Timm Peters seinen aktuellen Superstar, Bull Run’s Jireh. Foto: Stefan Lafrentz

Doch in Bargenstedt wird nicht nur der Stamm 890 gepflegt. Denn Timm Peters‘ großer züchterischer Durchbruch gelang ihm eigentlich mit einem Vertreter des Stamms 390. Quick Nick I von Quinar-Concerto II sorgte auf der Holsteiner Körung 2003 für Furore. Der Prämienhengst begeisterte im Freispringen die Körkommission und das Publikum gleichermaßen und wurde anschließend in der Auktion für die bis dahin nie da gewesene Summe von 400.000 € zugeschlagen.

Aus dieser Stutenfamilie, die Peters einst von seinem Vater übernommen hatte, entspringen ebenfalls zahlreiche Spitzenpferde. Soccero von Singulord Joter (Janne Friederike Meyer-Zimmermann/Khaled Al-Mobty) und Davis von Diarado (Rolf-Göran Bengtsson) sind nur zwei Beispiele. Ganz aktuell sorgte der siebenjährige Mané P von Million Dollar anlässlich der Jungpferdeweltmeisterschaft in Lanaken mit Bart van der Maat für Aufmerksamkeit.

Timm Peters und seine Familie haben eine Springpferdezucht gepflegt und entwickelt, die den modernen Holsteiner Verband spiegelt. Aus bewährten und durchgezüchteten Mutterstämmen gehen mithilfe durchdachter Anpaarungen Pferde hervor, die das Zuchtgeschehen in Holstein und weit darüber hinaus prägen. Das wird hoffentlich auch in der dritten Generation weitergehen, denn Sohn Luca interessiert sich zwar mehr für Trecker, hilft aber bei landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Hof, und Tochter Mia reitet und ist sehr pferdebegeistert. pm

Wichtiger Beitrag zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum

Es war spannend bis zum Schluss. Nachdem der dritte und zweite Platz vergeben worden waren, verkündete Dr. Michael Hempel, Leiter der Abteilung Soziales, Pflege und Inklusion, den Sieger: „Der erste Platz des diesjährigen Pflegeleuchtturmpreises geht an das Projekt ,Green Care – Landwirtschaft trifft Seniorenpflege‘ der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein“, woraufhin jubelnder Applaus losbrach.

„Ich bin überwältigt“, sagte die verantwortliche Kammermitarbeiterin Maria Nielsen im Anschluss an die Verleihung. „Für mich ist der Preis die Bestätigung dafür, dass die Landwirtschaft einen wichtigen Teil für die Daseinsvorsorge der Senioren im ländlichen Bereich darstellt und konkrete Lösungsangebote für die aktuellen Herausforderungen im sozialen Bereich bietet.“ Kammerpräsidentin Ute Volquardsen freute ich ebenfalls über diese Auszeichnung: „Für uns ist es besonders wichtig zu zeigen, wie viele Facetten die Landwirtschaft bieten kann.“

Stellvertretend für zehn landwirtschaftliche Projektbetriebe nahmen Charlotte Schlichting vom Spargelbetrieb Vorwiesenhof in Lübeck und Bernd Gawrisch, der in Bargenstedt eine Rindermast betreibt, ebenfalls an der feierlichen Verleihung im Landeshaus in Kiel teil. Der Vorwiesenhof bietet stundenweise Betreuung für pflegebedürftige Menschen an. Für Gäste mit einem Pflegegrad tragen die Pflegekassen die Betreuungskosten. Hof Gawrisch plant in einem ehemaligen Stall eine ambulant betreute Hausgemeinschaft für acht Menschen mit Behinderungen, die dort in einer Gemeinschaft leben und alt werden können und dadurch nicht auf ein klassisches Seniorenheim angewiesen sind. Für dieses Vorhaben werden noch interessierte Betroffene und Unterstützende gesucht.

Neben Wohn- und Betreuungsangeboten beschäftigen sich die Projekthöfe mit der Gründung von Tagespflegeeinrichtungen auf landwirtschaftlichen Betrieben und mit Urlaub auf dem Bauernhof für Menschen mit Demenzerkrankungen. In Schleswig-Holstein gibt es bereits zirka 30 Höfe, die Angebote dieser Art haben. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein führt für interessierte Betriebe einmal im Jahr einen Lehrgang zum Thema Green Care durch.

Den zweiten Preis erhielt das Projekt „Diversität in der Pflegeausbildung: Was uns verbindet, ist stärker als das, was uns trennt“. Das Bildungszentrum Malepartus in Bargteheide ist Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und bildet rund 200 Pflegefachkräfte und Altenpflegerinnen und -helfer aus. Etwa 95 % der Auszubildenden stammen aus dem Ausland. Durch das Netzwerk sollen der Zusammenhalt und die Wertschätzung kultureller Vielfalt gefördert sowie eine respektvolle und integrative Lernumgebung geschaffen werden.

Über den dritten Preis freute sich das Friederica-von-Ellendsheim-Haus, das zusammen mit der Abteilung Ausbildung der Stiftung Kieler Stadtkloster das Projekt „Lerninsel“ vorstellte. Auszubildende in der Langzeitpflege können in einem geschützten Raum unter Anleitung Verantwortung für eigene Pflegebedürftige übernehmen und dort ihre praktischen Fähigkeiten vertiefen. Grundlage ist das Konzept der Bezugspflege, bei dem Auszubildende für ein bis zwei Pflegebedürftige verantwortlich sind.

Mit den Preisen wurde das besondere Engagement der Projektbeteiligten ausgezeichnet.

Zuvor hatten im Rahmen der Verleihung elf nominierte Institutionen ihre Projekte vorgestellt. Die Beteiligten zeigten diese auf sehr verschiedene Art und Weise – von der Power-Point-Präsentation über mündliche Vorträge bis hin zu Foto- und Filmbeiträgen. Maria Nielsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein spielte einen Film unter dem Stichwort „Soziale Landwirtschaft“ ab, der auch auf dem YouTube-Kanal der Kammer zu sehen ist.

Das Land vergibt den schleswig-holsteinischen Pflegeleuchtturm (ehemals Altenpflegepreis) seit 2004 in enger Kooperation mit dem Landespflegeausschuss. Finanziell unterstützt wird die Auszeichnung durch das Forum Pflegegesellschaft, die Landesverbände der Pflegekassen und den Verband der privaten Krankenversicherung.

Anlässlich des 20. Jubiläums der Auszeichnung wurde in diesem Jahr zusätzlich ein Sonderpreis verliehen unter dem Titel „Starke Angehörige – starke Pflege“. Er ging an das Projekt „bewegt und belebt“ in Lübeck. Dort kommen Senioren und ihre Angehörigen zusammen, um sich zu unterhalten und gemeinsam zu bewegen.

Feste To-do-Liste bei Unwetterwarnungen

0

Zehntausende Haushalte in Berlin ohne Strom: Am Wochenende schreckte diese Nachricht die Bundesrepublik auf. Vor 20 Jahren, am ersten Adventswochenende 2005, versank das Münsterland im Schneechaos. Ein halber Meter Neuschnee, Eislasten auf Stromleitungen und stürmische Winde ließen Hochspannungsmasten umknicken. In großen Teilen der Region fiel tagelang der Strom aus. Thomas Ostendorf, Sauenhalter aus Ochtrup im Kreis Steinfurt, erlebte den Ausnahmezustand hautnah. Im Bauernblatt-Interview berichtet er.

Wie haben Sie den großflächigen Stromausfall und die massiven Verkehrseinschränkungen damals erlebt?

Wir hatten im Sommer 2005 – ohne zu ahnen, was kommen würde – in ein Notstromaggregat investiert. Rückblickend war das die beste Investition des Jahres. Was wirklich kurios war: Das Notstromaggregat lief gerade testweise, als der Strom ausfiel. Ein Zufall, wie es ihn manchmal im Leben gibt. Wir haben also vor 20 Jahren zunächst gar nichts gemerkt. Erst als die Nachbarn kamen und erzählten, dass Mobilfunk und Strom komplett zusammengebrochen waren, wurde uns klar, was eigentlich los war. Während andere bei Kerzenschein saßen, hatten wir ganz normal Strom. Sehr eindrücklich war auch die Situation unseres Auszubildenden aus Münster. Morgens war er noch in Sommerschuhen zur Schule los, abends kam er im tiefsten Winter unter erschwerten Bedingungen wieder bei uns an. Da wurde einem bewusst, wie chaotisch die Lage war.

Als Tierhalter kommt man ohne Strom schnell an Grenzen. Wo lagen für Sie die größten Herausforderungen?

Man denkt bei Stromausfall sofort an die Lüftung, Schweineställe sind zwangsbelüftet. Kritischer war allerdings die Heizung. Schweine tragen ja keine Pullover. Gerade in Sauenbetrieben gab es viele Erdrückungsverluste, weil sich die Ferkel eng an die Sau drängten, um Wärme zu bekommen. Ein weiterer Punkt war die Versorgungstechnik: Futter, Wasser – alles hängt am Strom. Zum Glück hatte das Wasserwerk im Nachbarort Strom, sodass der Leitungsdruck erhalten blieb. Unsere Hauswasserversorgung war dadurch gesichert. Ohne Strom hätten wir das Futter händisch mit der Futterkarre verteilen können, denn wir haben Schieber an den Silos. Breite Stallgänge sind für diesen Fall Gold wert.

Wie haben Sie sich in der Region gegenseitig geholfen?

Die Nachbarschaftshilfe hat hervorragend funktioniert – so, wie man es vom ländlichen Raum kennt. Das Technische Hilfswerk hat mit Trafos Strom für mehrere Betriebe erzeugt. Teilweise kamen Notstromaggregate aus ganz Deutschland. Krankenhäuser und Dialysezentren hatten natürlich höchste Priorität – da war jeder froh, wenn die Technik lief. In Ochtrup wurden die Außenbereiche Tage vor dem Zentrum ans Netz genommen, weil die Milchkühe gemolken werden mussten.

2005 wurde mancher Landwirt im Münsterland vom Schneechaos überrascht, Thomas Ostendorf nicht.

Welche Lehren haben Sie aus dem Schneechaos 2005 gezogen?

Seitdem gibt es bei Unwetterwarnungen eine feste To-do-Liste: Traktoren volltanken, Dieselvorräte prüfen, Aggregat testen. Denn ein Notstromaggregat nützt nichts, wenn man den Diesel nur über eine elektrisch betriebene Hoftankstelle bekommt. Handpumpen sind Pflicht. Wir haben heute einen festen Standort für das Aggregat: Klappe auf, rückwärts dran, anschließen, fertig. Eine Anleitung mit klaren Schritten hängt direkt daneben. Innerhalb von zehn Minuten sind wir betriebsbereit. Eine Frequenzüberwachung zwischen 48 und 52 Hertz ist extrem wichtig, sonst nimmt die Lüftung Schaden. Das ist heute Standard, damals war es das nicht.

Was raten Sie anderen Landwirten ganz konkret?

Erstens: Eine Notstromversorgung gehört zur Betriebssicherheit. Wer eine Zwangslüftung hat, muss sie absichern, das steht in jeder Baugenehmigung. Es muss zudem die Möglichkeit bestehen, den Betrieb vom öffentlichen Stromnetz zu trennen. Zweitens: Aggregate sind regelmäßig zu testen, mindestens einmal im Jahr. Viele Stadtwerke nutzen den Jahrestag des Stromausfalls inzwischen als Anlass dafür. Drittens: Das „Drehbuch für den Stromausfall“ sollte bekannt sein. Viertens: Welches Aggregat ist das richtige? Wir haben 400 Sauen mit Nachzucht, da reichen 100 PS. Aber welcher Schlepper kann das Aggregat bedienen: Schafft es auch der Hofschlepper? Begrenzende Faktoren sind der Diesel im Fass und das Schrot im Futtersilo. Hier sollte man nie auf Kante fahren.

Das Notstromaggregat hat einen festen Platz im Haus, der Schlepper muss nur angeschlossen werden.

Hat der Stromausfall Ihren Blick auf unsere heutige Gesellschaft verändert?

Definitiv. Wenn Strom und Internet weg sind, sind wir sehr schnell wieder in der Steinzeit. Kein Supermarkt, keine funktionierende Tür, keine Kommunikation. Wir haben deshalb einen Gasherd. Den kann man notfalls mit einem Streichholz anzünden. 2005 ist zum Glück weder Menschen noch Tieren etwas passiert. Im Nachhinein war es ein riesiges Abenteuer, aber eines, das man kein zweites Mal braucht. Das Münsterländer Schneechaos hat uns gezeigt, wie verletzlich unsere hoch technisierte Landwirtschaft ist. Man darf sich nichts vormachen: Bei einem flächendeckenden Blackout hat jeder genug Probleme. Deshalb muss jeder auch selbst vorsorgen.

Mit Vollkasko gegen die Wand

0

Jean-Claude Juncker, ehemaliger EU-Kommissionspräsident, sagte einmal: „Wir alle wissen, was zu tun ist – aber wir wissen nicht, wie wir dann die Wahlen gewinnen sollen.“ Der deutsche Sozialstaat wächst stärker als die Wirtschaft. Die Sozialabgaben liegen mit 42 % so hoch wie nie zuvor. Am Ende der Legislaturperiode drohen 45 %. Das sind keine Nebenkosten mehr, das ist ein zweiter Lohn.

Doch nicht nur die Unersättlichkeit des Wohlfahrtsstaates macht dem Wirtschaftsstandort den Garaus. Manche Sozialleistung ist direkt leistungsfeindlich. Welcher Jugendliche lernt einen Beruf, wenn kurzfristig der Mindestlohn lockt? Wer tauscht für wenige Hundert Euro mehr die Grundsicherung gegen einen 40-Stunden-Job?

Arbeitgebervertreter Steffen Kampeter warnt, diese Regierung betreibe in dritter Generation Insolvenzverschleppung. Da ist etwas dran. Der „Reformherbst“ zementierte das Rentenniveau bei 48 % des Bruttolohns, dazu kam die volle Mütterrente. An die Versorgung der Beamten – mehr als 70 % der Dienstbezüge – geht keiner heran. Es droht das französische Szenario: Die Sozialausgaben verschlingen fast die Hälfte des Pariser Staatshaushaltes. Nach dem Scheitern der Haushaltsverhandlungen läuft Frankreich nur noch per Notgesetz. Die kollektive Realitätsverweigerung unserer Nachbarn hat Suchtcharakter: mit Vollkasko gegen die Wand.

Das Volk hat die Regierung, die es verdient. Doch es verdient nicht mehr genug. „Einer der großen Irrtümer unserer Tage liegt darin zu glauben, dass die Millionen von Wanderarbeitern in China und die Tarifangestellten in Wolfsburg und Detroit nichts miteinander zu schaffen hätten“, schreibt der Journalist Gabor Steingart. Arbeitslöhne spiegeln keine Wertschätzung wider. Es sind Produktionskosten. Hohe Sozialabgaben hierzulande machen Jobs in China attraktiv. Noch kleistert Berlin diesen Bruch mit Geld zu. Doch notwendig wären schmerzhafte strukturelle Reformen.

Politiker schwören, dem Wohl des Volkes zu dienen und Schaden von ihm abzuwenden. Die Menschen wissen längst, dass es so nicht weitergeht. Deshalb muss Berlin zwischen den Zeilen des Bürgerwillens lesen und entsprechend handeln. Der legendäre Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) hat das Ziel einer soliden Sozialpolitik so beschrieben: „Ich will mich aus eigener Kraft bewähren. Ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein. Sorge du, Staat, dafür, dass ich dazu in der Lage bin.“ Das muss reichen. Das „Wall Street Journal“ nannte kürzlich einen weiteren Politiker, der das Unaussprechliche aussprach: „Friedrich Merz sagt, dass der gegenwärtige Wohlfahrtsstaat nicht mehr finanzierbar ist.“ Wie man aber mit harten Einschnitten Wahlen gewinnt, weiß offenbar auch der Bundeskanzler nicht. Doch diese Berliner Sozialpolitik bedroht die Glaubwürdigkeit der politischen Mitte.

Die Alterssicherung der Landwirte ist nur eine Teilsicherung. Altenteiler arbeiten auch als Rentner weiter. So ähnlich wird es dann wohl auch für alle anderen kommen. Die gewaltigen Sozialversprechen sind nicht zu halten – aber wer sagt‘s dem Bürger?

Sönke Hauschild, Foto: bb

Zum Rapsgespräch auf dem Lindenhof

0

Um über das Sorgenkind in der Fruchtfolge landwirtschaftlicher Betriebe Schleswig-Holsteins zu sprechen, besuchte das Bauernblatt Ute Kropf, Pflanzenbau-Professorin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel, Aaron Heppe, Versuchstechniker des Standortes, und Rene Brand, der bis zum Jahreswechsel bei der Norddeutschen Pflanzenzucht (NPZ) tätig war, auf dem Lindenhof bei Rendsburg. Dort begleiten sie Versuche, deren Ergebnisse im besten Fall zur Stabilisierung der Rapsertäge Schleswig-Holsteins beitragen können.

Dass der Rapsanbau in Schleswig-Holstein zunehmend herausfordernd wird und pflanzenbauliches Verständnis und Gefühl gefragt sind, ist keine Frage. Antworten auf die veränderten Witterungs- und Wachstumsbedingungen braucht es trotzdem, gibt es bisher jedoch nur wenige. Daher forschen die NPZ und die HAW Kiel gemeinsam an Lösungen für bessere Rapsertäge. Drei entsprechende Versuche stellten Brand und Kropf dem Bauernblatt vor.

Der Lindenhof

Die Versuchsfelder der HAW Kiel befinden sich in Ostenfeld, südlich des Nord-Ostsee-Kanals in der Nähe von Rendsburg. Sie umfassen 23 ha Versuchsfläche, auf denen jährlich etwa 4.000 bis 5.000 Parzellen angelegt sind. Die Böden sind durchschnittlich mit 45 Bodenpunkten bewertet, eher leicht und sehr schluffhaltig. Während der Jahresniederschlag mit etwa 850 bis 870 mm jährlich konstant bleibt, hat sich die Jahresdurchschnittstemperatur die letzten Jahre von 8,8 auf 10 °C erhöht. Besonders die Winter seien sehr mild, was Kropf zufolge neben dem massiven Rapserdflohbefall ein wesentlicher Grund für die schlechten Rapserträge ist.

Während die Versuche auf dem Lindenhof in erster Linie Lehre und Forschung dienen, finden auch Versuche mit Kooperationspartnern aus Züchtung, Pflanzenschutz oder der Landwirtschaftskammer statt. Der Versuchsstandort ist GEP-zertifiziert, also amtlich und international anerkannt als Standort mit „guter experimenteller Praxis“. Das Qualitätszertifikat wird benötigt, um Versuche mit Produkten durchzuführen, die noch nicht zugelassen sind, deren Ergebnisse aber für eine Zulassung benötigt werden.

Um Probleme im Rapsanbau zu lösen, braucht es zunächst Erkenntnisse zu Ursachen und Lösungen. Die pflanzenbauliche Ursache liegt für Kropf auf der Hand: Um Erdfloh und Regenrisiko aus dem Weg zu gehen, drillen Landwirte immer früher. Das sei jedoch aufgrund der veränderten Tageslängenreaktion der aktuellen Sorten ein echtes Problem. Zu hohe Temperatursummen führten dazu, dass der Raps zu früh in die Streckung gehe und damit Triebe und Knospen reduziert würden. Das optimale Saatzeitfenster sei deutlich verengt. Eine technische Lösung sei mehr Schlagkraft beim Drillen. Um pflanzenbauliche Lösungen zu finden, stellten Kropf und Brand drei Versuche auf dem Lindenhof vor.

Bohne sticht Gerste

„Weite Fruchtfolgen sind kein Allheilmittel, aber auf jeden Fall sinnvoll,“ findet Kropf. Der Rapsanteil in der Fruchtfolge sollte ihr zufolge 20 % nicht überschreiten. Doch welche Vorfrucht ist am geeignetsten? Ein Fruchtfolgeversuch im zweiten Versuchsjahr soll Aufschluss geben. Verglichen wird der Einfluss von Gerste und Ackerbohne als Vorfrucht, mit fünf verschiedenen N-Stufen. Schon im ersten Jahr hat der Bohnen-Raps trotz einer Woche späterer Aussaat als der Gersten-Raps um 0,8 t besser gedroschen. Auch mit 60 kg/ha weniger mineralischem Stickstoff zum Bohnen-Raps hatte dieser den gleichen Ertrag wie der Raps nach Gerste. Die Bohnen hinterlassen etwa 60 bis 80 kg N/ha. Und der Raps kann es gebrauchen. Während sich 30 kg N/ha im Herbst früher selten gerechnet hätten, brauche er den Stickstoff nun, um im Winter nicht auszuhungern.

Wurzel sticht Spross

In einem weiteren Versuch geht es um den Effekt auf Entwicklung und Ertragsbildung von verschiedenen Wachstumsreglerintensitäten zu unterschiedlichen Aussaatterminen. Während Brand das Kosten-Nutzen-Verhältnis für gering hält, müsste man laut Kropf ab dem Vier- bis Sechsblattstdium gezielt zu jedem Blattpaar einkürzen. Brand erzählte von einem Versuch im vergangenen Jahr, bei dem es zwischen einer minimalen und einer maximalen Wachstumsreglerintensität im Januar keine Unterschiede in der Sprosslänge gegeben habe. Bei einer Frühsaat mit sehr intensiver Führung habe es jedoch Effekte gegeben. Dort sei unterm Strich sogar monetär etwas hängen geblieben. Da die Erfahrungen und Meinungen auseinander gehen, sich die Wachstumsbedingungen verändert haben und geprüft werden muss, ob die alten Mittel auch mit neuen Sorten funktionieren, sind die Versuche auf dem Lindenhof von großer Bedeutung. Bei der Führung durch die Versuchsflächen waren im Dezember erste Unterschiede in Blattgröße und Blattstiellänge sichtbar. Der Blick auf das unterirdische Wurzelwachstum war jedoch beeindruckender. Während auf den intensiv geführten Parzellen mit 0,6 l/ ha Carax und 1,6 l/ha Architect mit Turbo in jeweils einer Maßnahme die Pfahlwurzel kürzer, kräftiger und mit vielen Seiten- und Haarwurzeln ausgestattet war, hatten die Pflanzen ohne Wachstumsregler längere, dünnere Pfahlwurzeln, die kaum Feinwurzeln ausgebildet hatten. Ob sich der Effekt später auch im Ertrag widerspiegelt und sich der hohe Kostenaufwand lohnt, bleibt abzuwarten.

Der intensive Wachstumsreglereinsatz hat einen deutlichen Effekt auf die Wurzelbildung der Rapspflanze. Foto: Levke Kempe

Mit Schwefel zum Meister

Auch die Düngung müsse an die veränderten Wachstumsbedingungen angepasst werden. Die N- und S-Aufnahme im Winter zeige laut Kropf, dass der Raps nicht ruhe und entsprechend versorgt werden müsse. Bei den Rapsmeisterschaften 2023/2024 in Schweden sei zudem aufgefallen, dass die Teams mit Schwefeleinsatz im Herbst am besten abschnitten. Daher ist in Ostenfeld ein weiterer Versuch zur S-Düngung angelegt, der den Einfluss von Schwefel und stabilisiertem Stickstoff im Herbst und Schwefel im Frühjahr auf Ertrag, Qualität und Gesundheit zeigen soll. Verglichen wird zudem Sulfat mit Schwefellinsen. Der Versuch läuft im Rahmen einer Bachelorarbeit, auf deren Ergebnisse gespannt gewartet werden darf. Denn die Rapspflanzen im Dezember zeigten schon sichtbare Unterschiede. Kropf geht von einem Bedarf von 100 kg N/ha und  25 kg S/ ha bis zum Winter aus.

Der Raps-Salat

Die schleswig-holsteinischen Landwirte reagierten laut Kropf je nach Region unterschiedlich auf die Herausforderungen im Rapsanbau. „Im Lauenburgischen sind sie ziemlich angefressen, weil der massive und anhaltende Zuflug des Rapserdflohs im Herbst die Bestände nicht selten umbruchreif macht.“ An der Westküste habe man das Problem der nassen Winter, die die Rapsentwicklung stark beeinträchtigten, während hier im Hügelland zur vergangenen Ernte einige von guten Erträgen überrascht worden seien. Doch um die hohe Volatilität der Erträge wüssten alle. Nicht ohne Grund nehme die Rapsanbaufläche ab, was nicht zuletzt natürlich auch an den aktuellen Preisen liege. Die Australier und Kanadier hätten gut gedroschen. In Kanada liege der GVO-Anteil bei 100 % und in Australien nehme er auch weiter zu, da dort immer mehr Resistenzprobleme aufträten. Als Biodiesel dürfe das Rapsöl dann auch in Europa auf den Markt. „Wir dürfen GVO-Raps im Auto fahren, nicht aber im Salat haben“, stellte Kropf fest.

Auch aus Ländern, in denen noch Neonicotinoide angewendet würden, werde importiert, während uns die Optionen gegen den Erdfloh ausgingen. Kropf ist der Meinung, dass sich durch die langfristige Wirkung der Neonicotinoide die Insektenpopulationen gar nicht erst so hätten aufbauen können, wie man es jetzt erlebe. Dazu komme die Lebend­überwinterung, forciert durch den Klimawandel. Bei Läusen gebe es das gleiche Problem. Während die milden Winter den Pflanzen physiologische Nachteile bescherten, verschafften sie den Insekten und Krankheiten Entwicklungsvorteile. Kropf wünscht sich daher mehr Pragmatismus von der Politik und eine ergebnisoffene Forschung, die in Politik und Praxis Gehör findet. Letzteres kann Kropf auf dem Lindenhof in kleinem, aber beachtlichen Maßstab beeinflussen. Für die Zukunft des Rapsanbaus in Schleswig-Holstein ist dieser Beitrag von hohem Wert. Denn eine echte Alternative zum Raps als Blattfrucht gebe es laut Kropf nicht.


Der Aussaattermin als wichtigste Stellschraube

Rene Brand über die Herausforderungen des heutigen Rapsanbaus

„Mit dem traditionellen Anbau werden wir im Raps keinen Schritt vorwärtskommen“, ist Rene Brand überzeugt, der die Versuche in Ostenfeld mit Prof. Ute Kropf und Versuchstechniker Aaron Heppe begleitet. Der Agrarwissenschaftler war lange Zeit im internationalen Vertrieb für die Norddeutsche Pflanzenzucht (NPZ) tätig. Er geht für die Zukunft fest davon aus, „dass wir den Raps im Herbst ohne Stickstoff fahren müssen“. Vielmehr müsse dieser von seinem eigenen Potenzial her an genug Stickstoff kommen, ohne dass er zusätzlich gefüttert werde. Die Versuche in Ostenfeld zeigten, dass die Pflanzen diese Fütterung nicht genügend umsetzten.

Nach anfänglichen Erprobungen zur Begleitsaat und einer 30-kg-Stickstoffgabe im Herbst sei man zu Versuchen mit Wachstumsreglern und Vorfrucht übergegangen, um Effekte in Kombination mit einer Früh- und Spätsaat sowie einer Normal- und Spätsaat zu untersuchen. Neben einem, wie Brand sagt, „neu gedachten“ Anbau wäre es ihm zufolge wünschenswert, wenn diese Versuchsergebnisse in die Züchtung einflössen. „Doch dafür sind nicht alle offen genug, um zu erkennen, dass der Raps von heute und der Raps von vor fünf Jahren schon zwei Paar Schuhe sind,“ ist sein Eindruck. Heute habe es die Branche mit Sorten zu tun, die unmittelbar auf den ersten Erkenntnissen nach dem Verlust der neonicotinoiden Beize basierten. „Die Anpassungen, die damals gemacht wurden, sehen wir jetzt in den Sorten“, erklärt der gebürtige Thüringer.

Nach niederschlagsarmen Jahren und einem extrem trockenen Jahr 2018 hätten die Züchter auf Sorten gesetzt, „die richtig Gas geben“. Nun gebe es das besonders frohwüchsige Material, jedoch massive Probleme mit dem Erdfloh. Hierauf werde entweder mit einer frühen Aussaat reagiert – mit negativen Effekten aufgrund des Wuchses im Herbst – oder aber mit einer späteren Saat. „Wir zählen uns eher zu den Befürwortern eines späteren Aussaattermins. Der Punkt, dass wir mit Wachstumsreglern so richtig eingreifen, ist eigentlich überholt“, sagt Rene Brand. Dies sei einer der Gründe, warum die Versuche in Ostenfeld in dieser Form stattfänden.

„Alles, was ich von der Pflanzenschutzmittelindustrie, aber auch von der Beratung an Informationen bekomme, ist häufig uralt und mit Sorten gemacht, die wir heute gar nicht mehr haben“, so Brand. Das Klima werde milder und feuchter, die Temperaturen stiegen: „Wir haben diese neuen Sorten, aber teilweise noch die gleichen Aussaattermine.“ Dabei würden die Umstände extremer, doch blieben die Mittel noch immer die Gleichen: „Wie soll ich mit einem Mittel, das das Gleiche ist wie vor 15 Jahren, wenn die Genetik sich komplett verändert hat, noch den gleichen Effekt haben?“

Brand spricht sich dafür aus, die Bestandesführung mit Wachstumsregler anders zu denken. „Ich glaube, wenn man das zweite Mal spritzt, hat man schon den ersten Fehler gemacht. Mit dem Aussaattermin hat man die erste und wahrscheinlich auch stärkste Stellschraube, wie der Raps im Herbst zu führen ist.“ Dies hängt für ihn jedoch auch mit einer großen Schlagkraft der Betriebe zusammen, um gegebenenfalls ein paar Tage später säen zu können. 

Von Pauschalaussagen, nach denen der Raps bis zu einem bestimmten Tag in der Erde zu sein habe, müsse man sich lösen. Vielmehr sollten Landwirte in eine Wetterstation investieren und sich fragen, wie hoch die Temperatursumme am eigenen Standort sei. Mit einer guten Sortenwahl und einer angepassten Bestandesführung sei man dann auf einem guten Weg. „Wir kommen wieder zurück zu den Basics“, resümiert er. Gute Betriebe zeichneten sich heute dadurch aus, dass sie „wirklich Fingerspitzengefühl für einen guten Acker- und Pflanzenbau haben. Darüber müssen wir den Erfolg steuern“. Probleme kämen Brand zufolge dagegen heute umso deutlicher zum Vorschein: „Betriebe, die ihre pflanzenbaulichen Fehler früher mit 50 Kilogramm Stickstoff oder einer weiteren Fungizidspritzung überdeckt haben, können heute so nicht mehr arbeiten.“

Strukturversorgung richtig bewerten

0

Das Kotbild der Kühe verrät viel über die Strukturversorgung im Pansen. Idealerweise sollte ­dies regelmäßig mit einem Kotsieb überprüft werden, um frühzeitig zu erkennen, ob die Ration genügend physikalische Struktur enthält und das Futter ausreichend verdaut wird. Üblicherweise wird die Strukturmenge über Futtermittelanalysen und ein Rationsberechnungsprogramm bestimmt. Doch was passiert, wenn die Berechnung ausreichende Werte liefert, dass Kotbild der Kühe aber nicht stimmt und das Futter nur unzureichend verdaut wird?

Gerade bei Stroh aus der Ernte 2025 zeigt sich, dass die berechnete Struktur oft nicht mit der Realität übereinstimmt. Deutlich wird dies beim Trennen der Einzelkomponenten in der Schüttelbox: Häufig landen 15 % oder mehr der Partikel in der Auffangschale und weisen somit eine Länge von unter 4 mm auf.

Wie kommt es dazu? Das wechselhafte Wetter im Sommer hat das Stroh teilweise nass werden und wieder trocknen lassen, wodurch es mürbe geworden ist. Beim Mahlen auf die gewünschte Länge kommt es deshalb zu höheren Bröckelverlusten, und das Stroh liefert nicht mehr die strukturwirksamen Fasern, die die Kühe für ein gesundes Pansenmilieu benötigen. Anders als für Total-Mischrationen gibt es für Stroh als Einzelkomponente keine offiziellen Normen oder Parameter zur optimalen Partikelverteilung in der Schüttelbox. Deshalb muss hier auf praxisbasierte Zielkorridore zurückgegriffen werden, die immer im Zusammenhang mit der Gesamtration gesehen werden müssen. Fakt ist: Der Anteil in der Auffangschale sollte so klein wie möglich sein, idealerweise unter 5 %.

Strohbestandteile im dritten Sieb (Partikellänge 4 mm) helfen zwar bei der Bildung einer Pansenmatte und sind damit grundsätzlich strukturwirksam, sie regen jedoch nicht zum Wiederkauen an. Dadurch kann es trotz theoretisch ausreichender Struktur zu einer Pansenübersäuerung kommen. Erst Partikel ab 8 mm Länge regen die Wiederkauaktivität zuverlässig an.

Wie reagiert man nun auf diese Erkenntnis? Der erste Gedanke ist oft, das Stroh gröber zu mahlen – doch auch das kann kontraproduktiv sein: Längere Strohpartikel lassen sich leichter selektieren und werden dann möglicherweise gar nicht gefressen. Der Optimalbereich liegt bei einer Strohlänge zwischen 1,5 und 4 cm.

Es empfiehlt sich daher, einen Kompromiss einzugehen: Die Partikel sollten lang genug sein, um die Wiederkauaktivität anzuregen, dürfen aber nicht so lang sein, dass sie leicht selektiert und ungenutzt bleiben. Ziel ist eine optimale Partikelverteilung, bei der möglichst wenige Partikel im Boden der Schüttelbox landen, während gleichzeitig die strukturwirksame Wirkung für den Pansen erhalten bleibt.

Fazit

Die Berechnung der Strukturversorgung allein reicht nicht aus – das Kotbild und die Kontrolle mit der Schüttelbox geben wichtige Hinweise auf die tatsächliche Wirksamkeit des Strohs. Bei mürbem Stroh aus wechselhaften Erntejahren ist die Partikellänge oft zu gering, wodurch die Wiederkauaktivität nicht ausreichend angeregt wird. Ein Kompromiss zwischen zu kurzen und zu langen Partikeln (1,5-4 cm) sowie einer höheren Einsatzmenge sorgt dafür, dass die Kühe ausreichend strukturwirksames Futter aufnehmen, die Pansengesundheit gefördert wird und Verluste durch Selektion minimiert werden.


Ein Praxisbeispiel verdeutlicht die strukturellen Unterschiede.
Foto: Annine Voss

Ein Praxisbeispiel

Nach dem Schütteln von Häckselstroh findet sich ein Anteil von 27 % in der Auffangschale der Schüttelbox wieder. Berücksichtigt man den akzeptierten Strohanteil von 5 % in der Auffangschale, empfiehlt es sich, die Strohmenge um zirka 20 % zu erhöhen, damit ausreichend Struktur für die Kühe vorhanden ist. Bei einer Einsatzmenge von 500 g Stroh pro Kuh und Tag würde sich folglich die Menge um 100 g pro Kuh und Tag erhöhen. Dieser Kompromiss führt mit kalkulierbarem Einsatz zum gewünschten Erfolg.


Wenn die Silage warm und bunt wird

0

Viele Gras- und Maissilagen der vergangenen Siliersaison befinden sich bereits in der Verfütterung oder wurden zumindest schon beprobt, um eine Datenbasis für die Rationsplanung zu haben. Leider gibt es immer wieder böse Überraschungen, wenn die Silage im Silo oder auf dem Futtertisch warm wird oder in den buntesten Farben blüht. Dann besteht Handlungsbedarf.

Im Allgemeinen liegt die Kerntemperatur, gemessen in der Mitte des Fahrsilos in etwa 1 m Tiefe, nach sechs Monaten Lagerdauer bei etwa 15 bis 20 °C. Das heißt, Grassilagen des ersten und zweiten Schnitts sind mittlerweile abgekühlt. Niedrige Umgebungstemperaturen bewirken eine stärkere Abkühlung in den Randschichten, diese passen sich deutlich schneller an die Außentemperatur an. Bei Frost bildet sich auf bereits aufgedeckter Silooberfläche Raureif (siehe Foto oben), eventuell aber nicht überall, und dann lässt sich die Nacherwärmung bereits beim bloßen Hinsehen erkennen. Oder sie lässt sich beim Aufdecken fühlen: Die Silage ist angenehm warm, im Extremfall sogar heiß.

Hefen als Verursacher der Nacherwärmung

Nacherwärmung entsteht unter aeroben Bedingungen, also wenn Sauerstoff verfügbar ist, durch die Stoffwechselaktivität der Hefen, die zunächst Restzucker und später auch Milchsäure „verspeisen“, was sich im Anstieg des pH-Wertes widerspiegelt. Temperaturunterschiede von fünf Grad im Vergleich zur Kerntemperatur beziehungsweise zwischen Silobereichen mit vergleichbaren Umweltbedingungen gelten als Indikator für Nacherwärmung. Über den pH-Wert-Anstieg sind die Hefen „Türöffner“ für andere, weniger säuretolerante Schadkeime, die nun ebenfalls wieder aktiv werden, Stoffwechsel betreiben und sich vermehren. Nacherwärmte Silage weist eine erhöhte Keimbelastung auf und gehört deshalb nicht auf den Futtertisch.

Eine durchgängige Querbarriere aus sich dachziegelartig überlappenden Kiessäcken drückt die Folie am Anschnitt eng an die Silooberfläche, sodass dort keine Luft in das Silo eindringen kann. Eine nicht auflockernde Entnahmetechnik, beispielsweise mittels Fräse, hinterlässt eine relativ ebene Anschnittfläche.

Sofortmaßnahmen gegen Lufteintrag

Nacherwärmung tritt in der Regel nach der Siloöffnung auf, wenn offene Silobereiche wie der Anschnitt wieder in Kontakt mit Luft kommen. Insofern gilt es, die dem Sauerstoff ausgesetzte Fläche zu minimieren. Die Größe der Anschnittsfläche ist über die Silogeometrie vorgegeben und lässt sich ausschließlich bei der Ernte über die Füllhöhe beeinflussen. Je kürzer die Abstände für das Aufdecken gewählt werden, optimalerweise alle zwei bis drei Tage, desto geringer ist die offene Silooberfläche. Als positiver Nebeneffekt wird die Auswaschung von Gärsäuren und weiterer löslicher Verbindungen bei Regen vermindert.

Eine durchgängige Querbarriere aus sich dachziegelartig überlappenden Kiessäcken auf der Folie am Anschnitt verhindert das Eindringen von Luft zwischen der Silooberfläche und der Folie. Bei Verwendung einer Doppelreihe kann beim Aufdecken zunächst eine Reihe nach hinten gezogen und wieder perfekt verlegt werden, bevor die vorderen Säcke bewegt werden. So wird auch ein kurzfristiges Flattern der Folie am Anschnitt unterbunden. Weitere Querbarrieren in 5 und 10 m Abstand bieten zusätzliche Sicherheit. Verschiedene Hilfsmittel (Gurte zum Einhängen, Schläuche aus Nicosilgewebe zum Einschieben) verhindern das Abrutschen der Säcke an steilen Flanken.

Weitere Maßnahmen zur Begrenzung des Lufteintrages sind die Verwendung einer nicht auflockernden Entnahmetechnik und die Erhöhung des Vorschubs. Wenn die Nacherwärmung erst auf dem Futtertisch einsetzt, kann der Einsatz von TMR-Stabilisatoren im Futtermischwagen einen Zeitpuffer schaffen.

Bei fehlendem Vogelschutz kann bereits ein Vogel mit Krallen und Schnabel massiven Schaden an der Silage verursachen. Bleibt die Beschädigung unentdeckt, zieht fortwährend Luft in das Silo und kann sich bei lückig verlegten Reifen über die gesamte Silolänge und -breite zwischen Silage und Folie verteilen.
Einigen Schimmelpilzen genügt sehr wenig Sauerstoff in ihrer Umgebung zum Wachsen. Besonders eindrucksvoll sind die Schimmelpilznester von Monascus ruber (rot) und Penicillium roqueforti (blau).
Verdorbene Silage, egal ob nacherwärmt oder verschimmelt, gehört nicht auf den Futtertisch. Betroffene Bereiche müssen vor der Entnahme mit dem Futtermischwagen gründlich abgeforkt werden.

Risikofaktoren für aeroben Verderb

Die erreichte Verdichtung spielt eine essenzielle Rolle für die Eindringtiefe der Luft. Je besser die Silage verdichtet ist, desto geringer ist die Größe der Poren zwischen den Partikeln. Besonders an den Flanken und in den oberen Schichten werden die Zielwerte häufig nicht erreicht. Hier kann die Luft tiefer in das Silo eindringen, bei starkem Wind auch bis zu 3 m weit. Die Verdichtung lässt sich im Nachhinein nicht mehr korrigieren. Verbesserungen sind in der nächsten Siliersaison unbedingt vorzunehmen, zum Beispiel eine Erhöhung des Walzgewichtes oder der Anzahl der Walzfahrzeuge, paralleles Befüllen mehrerer Silos, geringere Schichtdicken sowie langsamere und häufigere Überfahrten.

Zu langes Nachwalzen oder ein falscher Zeitpunkt können negative Auswirkungen haben. Die empfohlene Dauer liegt bei maximal 30 min, und zwar direkt nach Ende der Silobefüllung. Anderenfalls wird bereits gebildetes Kohlendioxid aus dem Silo gedrückt, beim Nachfedern füllen sich die Poren erneut mit Sauerstoff und Schadkeime (wie Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) können sich weiter vermehren. Auch bei der Produktion von Sandwichsilagen darf das Walzfahrzeug erst auf das Silo fahren, wenn neues Erntegut aufgetragen wird.

Ein verzögerter Luftabschluss, beispielsweise am nächsten Morgen, ermöglicht über Nacht ebenfalls die Vermehrung aerober Schadkeime, sodass mit einer größeren Konkurrenz für die Milchsäurebakterien (MSB) in die Silierung gestartet wird. Eine Einsparung von Silofolie und Arbeitszeit durch den Verzicht auf die Unterziehfolie wirkt sich mit Ausnahme der Verwendung von speziellen Sauerstoffbarrierefolien negativ auf den Luftabschluss aus, da sich die normalen PE-Folien aufgrund ihrer Dicke und Beschaffenheit nicht gut an die Silooberfläche anpassen. Zudem kann über die Zeit Sauerstoff durch die Folie diffundieren.

Eine zu kurze Lagerdauer unter Luftabschluss von weniger als acht Wochen ist in vielen Fällen für aeroben Verderb verantwortlich. Ursachen können Beschädigungen durch Vögel (Schnäbel, Krallen) bei fehlendem Schutzgewebe oder eine zu frühe Siloöffnung sein. In solchen Fällen wird die noch nicht fertig fermentierte Silage erneut der Luft ausgesetzt und die noch nicht ausreichend unterdrückten Schadkeime können sich wieder vermehren. So reichen einigen Schimmelpilzarten sogar Sauerstoffgehalte von unter 1 % in der Umgebung zum Wachstum aus.

Gezielter Siliermitteleinsatz

Hefen sind sehr säuretolerant und können auch unter anaeroben Bedingungen Stoffwechsel betreiben (alkoholische Gärung mit dem Produkt Ethanol), sie werden erst nach langer Lagerdauer bei niedrigen pH-Werten unterdrückt. Ein wirksamer Hemmstoff gegen Hefen stellt die von heterofermentativen MSB gebildete Essigsäure dar, allerdings sind Gehalte von 2 bis 3 % erforderlich. Biologische Siliermittel der DLG-Wirkungsrichtung 2 enthalten entweder ausschließlich heterofermentative MSB oder Kombinationen aus homo- und heterofermentativen. Eine höhere Wirkungssicherheit bieten chemische Siliermittel (Salzlösungen oder Säuren), allerdings nur bei Einhaltung der Dosierung. Eine Unterdosierung kann gegebenenfalls eine partielle Hemmung der empfindlicheren Schadkeime bewirken, wodurch die unempfindlicheren aufgrund geringerer Konkurrenz erst recht Oberwasser gewinnen.

Biologische Siliermittel, die ausschließlich homofermentative MSB enthalten, bewirken eine schnelle pH-Wert-Absenkung im Silo, was grundsätzlich positiv zu bewerten ist. Da das Hauptgärprodukt jedoch Milchsäure ist, weisen mit diesen Mitteln behandelte Silagen nahezu keine Essigsäure auf, enthalten also keinen wirksamen Schutz gegen Hefen. Insofern ist von einem Einsatz in Silomais abzuraten. Auch bei den Grassilagen des ersten Aufwuchses 2025 führte der Einsatz dieser Siliermittel möglicherweise zu aerob instabilen Silagen. Aufgrund der über Wochen vorherrschenden Witterung (trocken, viel Sonne, kalte Nächte) enthielten die Gräser teilweise extrem viel Zucker (Beispiel Ernte am 13. Mai 2025 in Futterkamp für Versuche: 21 % Zucker, insgesamt 33 % wasserlösliche Kohlenhydrate). Häufig weist so erzeugte Silage nicht nur einen hohen Milchsäuregehalt auf, sondern enthält auch eine größere Menge Restzucker, also eine optimale Lebensgrundlage für Hefen.

Beratungs- und Fortbildungsangebote

Betroffene Betriebe, die ihr Ernte- und Silomanagement zukünftig verbessern wollen, können neben der telefonischen Beratung der Landwirtschaftskammer die Möglichkeit der Eler-Grünlandberatung nutzen (https://www.lksh.de/beratung/eler-gruenlandberatung).

Darüber hinaus werden auch 2026 wieder verschiedene Seminare angeboten, in denen mehr oder weniger intensiv auf verschiedene Aspekte der Futterkonservierung eingegangen wird (siehe „Seminarangebote mit Schwerpunkt Futterkonservierung“ unten).

Fazit

Da die Grobfutterqualität maßgeblich die Rationsgestaltung und die Futteraufnahme beeinflusst, ist aerober Verderb im Silo, der sich in Form von Nacherwärmung oder Schimmelpilzwachstum zeigt, ein Problem, das nicht ignoriert werden darf. Die Sofortmaßnahmen zielen darauf ab, den Lufteintrag so gering wie möglich zu halten. Für die kommende Siliersaison empfiehlt es sich schon jetzt, über Änderungen im Ernte- und Silomanagement nachzudenken und sich gegebenenfalls Hilfe in Form von Beratung oder Fortbildungen zu suchen.


Seminarangebote mit Schwerpunkt Futterkonservierung

Es gibt noch freie Plätze, Anmeldung über Agrarterminkalender: https://www.lksh.de/aktuelles/agrarterminkalender

• Fütterung beginnt nicht erst am Futtertisch, jeweils 9 bis 13 Uhr,
3. Feb.: Schleswig; 5. Feb.: Sprakebüll, 10. Feb.: Rendsburg

• Workshop Futterkonservierung, jeweils 9 bis 16 Uhr, 12. Feb.: Ellerhoop, 24. März: Rendsburg

• DLG-Seminar „Der Siloprofi“ – Anmeldung über DLG-Akademie: https://www.dlg-akademie-agrar.de/de/veranstaltungen/der-siloprofi-futterkamp, drei Tage, 28. bis 30. Jan. in Futterkamp