Sie werden bei Login in den Shop auch automatisch auf der Bauernblatt-Website eingeloggt und können sich dann zukünftig mit dem gleichen Passwort auf beiden Websites anmelden.
Die 40. Dithmarscher Kohltage auf dem Hof Hagge in Zennhusen (Gemeinde Hemme), Kreis Dithmarschen, werden im September dieses Jahres nicht nur als Traditionsfest gefeiert, sondern als öffentliches Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft. Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs und Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU) waren sich einig darüber, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft stärker anerkannt werden sollte.
Auf dem Hof der Familie von Thies Hagge-Kern und Andrea Hagge wurde am Dienstag der traditionelle Kohlanschnitt begangen. Für die Auftaktveranstaltung der 40. Dithmarscher Kohltage reiste erstmalig auch Ministerpräsident Daniel Günther an, um gemeinsam mit Landrat Thorben Schütt (CDU) und Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs das Kohlmesser des Kreises Dithmarschen am grünen Blattgemüse anzusetzen.
Für Borwieck-Dethlefs und Günther stand eine Zielbotschaft im Vordergrund: Schleswig-Holsteins Landwirtinnen und Landwirte sollten und müssten mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren – sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft. „Die Kohltage machen Dithmarschen und seinen Kohl sichtbar, aber sie machen vor allen Dingen die harte und anstregende Arbeit unserer Landwirtinnen und Landwirte sichtbar“, so Borwieck-Dethlefs. „Ich würde mir sehr wünschen, dass durch das Offenlegen dieser Arbeit mehr Respekt und mehr Wertschätzung für die Branche entstehen.“
Gleichzeitig appellierte sie an die Gesellschaft, diese müsse tiefer in die Tasche greifen, damit Qualität, Wertschöpfung und Nachhaltigkeit in Schleswig-Holstein erhalten bleiben könnten. Die Kohltage stünden für sie auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demonstrierten, was möglich sei, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen zusammenarbeiteten, statt sich in Negativem zu verlieren. Von Günther wünschte sie sich eine Politik, die der Landwirtschaft mehr Gehör schenke, sodass gemeinsame Lösungen möglich seien.
Eindrücke des ersten Tages der 40. Dithmarscher Kohltage Fotos: Patrick Mühling
Den Kohlanbau in Dithmarschen und die Veranschaulichung durch die Kohltage würdigte auch der Ministerpräsident. Auf den fruchtbaren Marschböden Dithmarschens werden jedes Jahr etwa 90 Millionen Kohlköpfe geerntet. „Ich glaube, es ist gut, dass wir in Schleswig-Holstein mal ein bisschen angeben und zeigen, was wir haben“, sagte Günther. Mit dem größten zusammenhängenden Kohlanbaugebiet Europas müsse man sich nicht verstecken. „Vor 40 Jahren wurde einmal gesagt, die Bayern feiern immer ihr Bier. Da können wir in Schleswig-Holstein auch unser Nationalgemüse ordentlich vermarkten“, betonte der Ministerpräsident.
Auf die Worte seiner Vorrednerin Borwieck-Dethlefs ging er ebenfalls ein. Angesichts globaler Unsicherheiten und unterbrochener Lieferketten müsse bei der Gesellschaft stärker ins Bewusstsein rücken, dass die heimische Landwirtschaft die Versorgung mit Lebensmitteln sicherstelle. Besonders der Kohlanbau sei trotz zunehmender Mechanisierung weiterhin mit erheblicher körperlicher Arbeit verbunden, weshalb Günther ebenfalls eine höhere Würdigung von Erntehelferinnen und -helfern forderte.
Der Ministerpräsident sprach auch die Themen Vertrauen und Freiräume an: „Immer, wenn ein Problem besteht, wird man darauf angesprochen mit: ,Das muss die Politik regeln.’“, verriet er. Politik solle, so Günther, jedoch nicht jedes Problem durch neue Gesetze und Regulierungen lösen. „Ich glaube, dass wir das Ganze umkehren müssen. Dafür brauchen wir uns aber gegenseitig“, erklärte er. Günther appellierte eindrücklich, dass ein Bürokratieabbau nur funktionieren könne, wenn Politik und Gesellschaft akzeptierten, dass es danach auch Menschen geben könnte, welche die neugewonnenen Freiheiten nicht zum Positiven einsetzten.
Der Ministerpräsident durfte dieses Jahr selbst den Kohlanschnitt durchführen. Foto: Patrick Mühling
Sätze wie „Warum habt ihr denn hiergegen kein Gesetz erlassen?“ wolle er dann nicht hören. Freiräume bedeuteten damit gleichzeitig Verantwortung. Und diese wolle er den Landwirtinnen und Landwirten geben. „Wir haben in Schleswig-Holstein bewiesen, dass man nicht nur durch Verordnungen Umweltschutz schafft“, so der Ministerpräsident. Stattdessen setze man in vielen Bereichen bereits auf freiwillige Vereinbarungen.
Er habe viele Landwirtinnen und Landwirte erlebt, die Nachhaltigkeit lebten, weil sie einen gesunden Boden und gesunde Tiere haben wollten. Für diese Menschen müsse man es umso mehr schaffen, dass sie am Ende von ihrer Arbeit leben könnten. „Man kann sich immer herunterziehen lassen und über Dinge aufregen, aber in unserem Land läuft auch verdammt viel gut. Das sehen wir an den Dithmarscher Kohltagen“, betonte Günther. Dieses Engagement zeige, dass es viele optimistische Leute gebe, die anpackten. „Und ich finde, genau die sollten wir viel mehr in den Mittelpunkt stellen.“
Lange Zeit diente das lang gezogene Gebäude der Reeperbahn Glückstadt im Freilichtmuseum Molfsee als Materiallager und schlummerte in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin. Doch damit ist es vorbei: Wiederhergestellt und herausgeputzt erstrahlt das historische Gebäude in neuem Glanz und wurde zudem Mitte September offiziell in einer kleinen Feierstunde zum ersten Haus des Jahres im Freilichtmuseum gekürt.
Mit diesem neuen Format „Haus des Jahres“ rückt künftig jährlich eines der historischen Gebäude in den Mittelpunkt des musealen und öffentlichen Interesses. Die ausgewählten Häuser werden dafür jeweils überarbeitet, neu erschlossen und als besonderer Ort erlebbar gemacht. Den Anfang macht dieses Jahr die Reeperbahn Glückstadt. Mit viel Engagement und Manpower wurden das Maschinenhäuschen und die sich daran anschließende überdachte Reepschlägerei von Bewuchs und Unrat befreit, der Lehmboden wiederhergestellt. Neben der Präsentation von Ausstellungsobjekten rund um das Seilereihandwerk wurden Verweil- und Aufenthaltsorte geschaffen, die das Gebäude und seine einstige Funktion direkt erlebbar machen.
Blick ins Haus, in dem unter anderem die Frankfurter Spinnmaschine zu sehen ist Foto: Iris Jaeger
Die Reeperbahn beschreibt den Arbeitsplatz eines Reepschlägers, der auf langen Bahnen Seile hergestellt oder „geschlagen“ hat. „Reep“ ist dabei das niederdeutsche Wort für Seil oder Tau. Wer also bei „Reeperbahn“ in erster Linie an die Vergnügungsmeile und an das Nachtleben in Hamburg-St. Pauli denkt, liegt nicht ganz richtig. Ursprünglich wurden auch da Seile in erster Linie für die Schifffahrt hergestellt. „Die Reeperbahn erzählt von einem alten Handwerk, von Material und Geschick, von körperlicher Arbeit und überliefertem Wissen. Aber sie erzählt ebenso von wirtschaftlichem Wandel, von Familiengeschichte und davon, wie sehr sich unsere Lebens- und Arbeitswelten verändert haben“, sagte Dr. Thorsten Sadowsky, Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, im Rahmen der Feier zur ersten Vorstellung eines Hauses des Jahres. Von 1812 bis 1969 habe sich die Glückstädter Reeperbahn im Besitz der Familie Reinhardt befunden. Als sie dem Straßenbau weichen musste, wurde sie zunächst eingelagert und schließlich nach Molfsee versetzt.
„Seit 1985 gehört sie zu diesem Museum. Und doch beginnt diese Geschichte heute in gewisser Weise noch einmal neu. Denn genau das ist die Idee des Hauses des Jahres. Wir wollen unsere historischen Gebäude nicht nur bewahren, wir wollen sie immer wieder neu erschließen, neue Perspektiven auf sie eröffnen und ihre Geschichte mit unserer Gegenwart in Beziehung setzen“, betonte Sadowsky. Dem pflichtete Museumsdirektorin Prof. Kerstin Poehls bei. Ein Freilichtmuseum sei schließlich kein Archiv abgestellter Häuser. „Es ist ein lebendiger Ort. Seine Gebäude sind historische Zeugnisse, aber sie entfalten ihre Bedeutung erst dann vollständig, wenn Menschen sie betreten, ihre Geschichten entdecken, miteinander ins Gespräch kommen und eigene Erfahrungen mit ihnen verbinden.“
Kuratorin Astrid Paulsen erinnerte zusammen mit Vincent Lühr, einem Nachfahren der einstigen Glückstädter Reepschlägerfamilie, an die Geschichte des Gebäudes und des Handwerks. So seien Reeperbahnen im Wesentlichen zur Zeit der Hanse und des wachsenden Seehandels entstanden. Erstmals schriftlich belegt sind Reepschläger in Norddeutschland in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Seit dem 14. Jahrhundert schlossen sie sich in den Hafenstädten zu Handwerksverbänden, den sogenannten Reepschlägerämtern zusammen. Diese legten die Regeln für Rohstoffe, Herstellung, Ausbildung und Handel fest. „Das Ursprungsmaterial der Taue und Seile war Hanf, und das wurde auch genauso festgelegt. Da durfte kein anderes, billigeres Material verwendet werden“, so Astrid Paulsen. Mit der Industrialisierung und der Verbreitung von Dampfschiffen verlor das Handwerk seit dem späten 19. Jahrundert schrittweise an Bedeutung.
Mit dem Austreibewagen wurden Stränge, sogenannte Duchten, geschlagen – Grundlage für jedes Tau. Foto: Iris Jaeger
Glückstadt wurde 1617 vom dänischen König Christian IV. gegründet. Hafen und Festung sollten sein Reich stärken und gleichzeitig Hamburg Konkurrenz machen. Um 1800 erlebte Glückstadt seine Blütezeit. Handels-, Robben- und Walfangschiffe liefen den Hafen an und benötigten große Mengen an Tauwerk. Diese lieferten vor Ort gleich vier Reepschlägereien. In einer davon machte Andreas Reinhardt (1785-1867) seine Lehre. 1812 übernahm er als Meister den Betrieb. „50 Jahre lang hat er dann im Freien die Seile auf einer Länge von 220 m geschlagen, bei Wind und Wetter. Das war ein echter Knochenjob“, erinnerte Vincent Lühr an die Arbeit seiner Vorfahren. 1852 übernimmt Jakob Reinhardt (1817-1882) den väterlichen Betrieb und überdacht die Bahn 1863 auf einer Länge von 75 m. Die Bretter der Längswand sollen dabei von Transportkisten der örtlichen Zuckerfabrik stammen, andere Bauteile von einem gestrandeten Walfangschiff. 1867 geht der Betrieb an Sohn Andreas (1841-1931) und bleibt bis 1969 in Familienhand, zuletzt geführt von Reepschlägermeisterin Magdalene Reinhardt. Dann musste die Reeperbahn dem Straßenbau weichen und wurde 1985 im Freilichtmuseum wieder aufgebaut.
Vincent Lühr ist der Urgroßneffe von Magdalene Reinhardt und entwickelt aktuell in seiner Examensarbeit an der Uni Flensburg Ideen, wie Grundschüler diesen besonderen Ort künftig spielerisch und altersgerecht entdecken können. Wie mit einem Seil werden auf diese Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft – das entspricht dem Konzept vom Haus des Jahres.
Und wer immer schon wissen wollte, was es mit dem „roten Faden“ auf sich hat, wird auch in der Seilerei fündig: Das teure Tauwerk der britischen Marine wurde häufig gestohlen und zu Geld gemacht. Daraufhin wurde das sogenannte Gaunergarn erfunden: Man zog durch sämtliche Seile einen roten Faden, der sich nicht mehr entfernen ließ, und Johann Wolfgang von Goethe griff dieses Bild in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ auf. Er machte es zur Metapher für ein Motiv, das sich erkennbar durch einen Text oder ein Leben zieht.
Der Arbeitsausschuss Walderschließung des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) bringt regelmäßig die für den forstlichen Wegebau verantwortlichen Fachleute aus den Bundesländern und den Bundesforsten zusammen. Auf seiner jüngsten Sitzung in Sachsen standen neben den aktuellen Entwicklungen in den Ländern insbesondere die Wegeunterhaltung, die Grabenpflege und der Rückbau alter Asphaltdecken im Mittelpunkt.
Nach einem fachlichen Austausch am ersten Tag führte eine Exkursion in den Forstbezirk Neudorf zu verschiedenen Praxisbeispielen.
Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. ist eine bundesweit tätige Einrichtung, die sich mit Fragen der Waldarbeit, der Forsttechnik und der Organisation forstlicher Arbeitsverfahren befasst. Als Bindeglied zwischen Wissenschaft, Praxis, Verwaltung und Herstellern begleitet es technische Entwicklungen, prüft Forsttechnik und fördert den Wissenstransfer innerhalb der Branche. Die fachliche Arbeit wird unter anderem durch verschiedene Arbeitsausschüsse unterstützt, in denen Fachleute aus Forstbetrieben, Verwaltungen und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Das KWF finanziert sich vorrangig aus festen Zuschüssen des Bundes und der Länder.
Sachsenforst stellt sich vor
Ein Anbaugrader am Schlepper beseitigt Aufwuchs im Grabenbereich eines Waldweges.
Der Sitzungsteil begann mit einer Vorstellung des gastgebenden Staatsbetriebes Sachsenforst. Rund 28 % der Fläche Sachsens sind bewaldet, wobei der Privatwald mit einem Anteil von 44,5 % die größte Eigentumsart darstellt. Der Staatsbetrieb bewirtschaftet etwa 208.000 ha Staatswald. Insbesondere das Erzgebirge ist forstgeschichtlich durch große herrschaftliche Waldbesitzungen geprägt.
Der Waldumbau gehört zu den zentralen Aufgaben im sächsischen Staatswald. Der jährliche Holzeinschlag liegt bei rund 1,6 Mio. fm und besteht weit überwiegend aus Nadelholz. Aufgrund vergleichsweise hoher Nutzungspotenziale im stärkeren Nadelholz und der derzeit guten Holzpreise ist eine hohe Einschlagsaktivität geplant. Die größten Potenziale liegen dabei vor allem in den Gebirgsregionen.
Zur Erschließung des Staatswaldes unterhält Sachsenforst rund 3.330 km Waldwege. Dies entspricht einer Wegedichte von etwa 17 laufenden Metern je Hektar. Rund 2.788 km sind in ungebundener Bauweise ausgeführt; davon gelten etwa 2.249 km als regelmäßig pflegefähig.
Jährlich werden gut 11,3 Mio. € für die Walderschließung aufgewendet. Der Schwerpunkt liegt auf der Instandsetzung und Pflege vorhandener Wege, während Neubauten nur auf einzelnen kurzen Abschnitten erfolgen. Rund 20 % der Ausgaben entfallen auf Maschinen- und Rückewege, der überwiegende Teil auf die Haupterschließung durch mit Lkw befahrbare Waldwege.
Sachsenforst verfolgt das Ziel einer intensiven und regelmäßigen Wegepflege mit bis zu vier Pflegedurchgängen pro Jahr. Etwa 95 % der Arbeiten werden durch Unternehmen ausgeführt. Erschwert wird die Unterhaltung durch stark gestiegene Materialpreise und längere Trockenperioden. Ist die Deckschicht zu trocken, lässt sich das Material nur unzureichend bearbeiten und wieder in das Wegeprofil einbauen.
Gemeinsame Themen der Bundesländer
An die Vorstellung des Gastbetriebes schlossen sich Berichte aus den Bundesländern und von den Bundesforsten an. Dabei zeigte sich, dass viele Verantwortliche vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Ein wichtiges Thema ist die systematische Erfassung und Prüfung von Ingenieurbauwerken, insbesondere von Brücken und größeren Durchlässen. Angesichts des Alters vieler Bauwerke müssen deren Zustand, Tragfähigkeit und notwendiger Unterhalt zunehmend dokumentiert und bewertet werden.
Auch der Wasserrückhalt im Wald unter Einbeziehung der vorhandenen Wegeinfrastruktur gewinnt bundesweit an Bedeutung. Die Bemühungen werden in mehreren Ländern durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet. Ziel ist es, Niederschlagswasser länger in den Waldflächen zu halten. Neben möglichen positiven Wirkungen auf den Wasserhaushalt im Wald sollen vor allem Abflussspitzen nach Starkregen verzögert und unterhalb liegende Gewässer, Siedlungen und Entwässerungssysteme entlastet werden.
Kostbares Wegematerial wird durch die erste Pflegeüberfahrt aus den Randbereichen auf die Fahrbahn zurückgeführt.
Diskutiert wurden außerdem unterschiedliche Verfahren zur Erhebung des Wegezustandes. Dies reicht von der fachlichen Bewertung einzelner Wegeabschnitte bis zur sensorgestützten Erfassung mit automatisierter Auswertung. Das KWF stellte hierzu das neue Projekt „BioTura“ vor. Dabei sollen neben technischen Merkmalen wie Lichtraumprofil, Schlaglochbildung und Grabenzustand auch biologische Werte im Sinne der Biodiversität erfasst werden. Verschiedene Sensoren und Kamerasysteme sollen auf einem Trägerfahrzeug gemeinsam Daten aufnehmen und in standardisierte Formate übertragen. Der gewählte Ansatz soll es ermöglichen, später weitere Sensoren einzubinden oder nur einzelne Wegeattribute zu erfassen und trotzdem eine einheitliche Datengrundlage zu erhalten.
In allen Ländern belasten hohe Preise für Naturstein und andere Baustoffe die verfügbaren Budgets. Dadurch können vielfach weniger Wegestrecken als geplant ertüchtigt werden. Gleichzeitig nimmt der Aufwand für das Freihalten des Lichtraumprofils zu. Besonders Laubgehölze wachsen von den Seiten in den Verkehrsraum und teilweise sogar in den Wegekörper ein.
Eine zunehmende Bedeutung haben Waldwege außerdem für die Waldbrandbekämpfung. Nach den Waldbränden der vergangenen Jahre werden wieder verstärkt Fragen zur Erreichbarkeit gefährdeter Waldgebiete, zur Anlage von Brandschutzschneisen und zur Löschwasserversorgung diskutiert. Dazu gehört auch der Bau von Brunnen, um Feuerwehren in abgelegenen Bereichen mit Wasser versorgen zu können.
Zugenommen hat auch der Abstimmungsbedarf mit dem Naturschutz. Die rechtliche und fachliche Einordnung von Wegebaumaßnahmen unterscheidet sich zwischen den Ländern teilweise deutlich. Während in einigen Bundesländern bereits klare Abgrenzungen und Vorgaben für Eingriffe in Natur und Landschaft bestehen, gibt es andernorts ausgeprägte regionale Unterschiede.
Ein besonderes Praxisbeispiel stellte der Vertreter Brandenburgs vor. Im Spreewald wurde auf einer Länge von gut 400 m ein Knüppeldamm angelegt. Bei dieser früher verbreiteten Technik entsteht aus Schwachholz der umliegenden Bestände ein befahrbarer Untergrund. Da auf eine Abdeckung mit Erd- oder Mineralmaterial verzichtet wurde, dient die Anlage lediglich als temporäre Erschließung für eine einzelne forstliche Maßnahme. Der hohe Aufwand und die erheblichen Kosten verdeutlichen zugleich das Bekenntnis des Landesbetriebes zur weiteren Bewirtschaftung der Spreewaldflächen.
Von den Bundesforsten wurde über deutlich gestiegene Aktivitäten auf einzelnen Truppenübungsplätzen berichtet. In deren Folge werden vermehrt kurzfristige Reparaturen an Wegen erforderlich, die auch für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, die sogenannten BOS, genutzt werden. Eine Schwierigkeit liegt dabei in der kurzfristigen Verfügbarkeit geeigneter und entsprechend zertifizierter Dienstleistungsunternehmen.
Fachexkursion in den Forstbezirk Neudorf
Der zweite Sitzungstag stand im Zeichen einer umfangreichen Fachexkursion zum forstlichen Wegebau im Forstbezirk Neudorf. An vier Stationen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Nutzung regionaler Baustoffe, moderne Verfahren der Grabenpflege, unterschiedliche Wegepflegegeräte und den Rückbau alter Asphaltdecken.
Haldenmaterial als regionale Ressource
Blick auf eine Haldenfläche mit vorsortiertem Material Fotos: Dr. Jörg Hittenbeck
Der erste Exkursionspunkt führte zu einer alten Halde aus dem früheren Uranbergbau. In enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Bodenschutzbehörde sowie auf Grundlage entsprechender Materialuntersuchungen konnte das grobe Steinmaterial für Wegebaumaßnahmen nutzbar gemacht werden.
Der Schwerpunkt lag auf der Befestigung und Ertüchtigung von Maschinenwegen sowie einzelnen Rückegasseneinfahrten. Teile des Haldenmaterials wurden mit einer gemieteten Siebanlage aufbereitet und anschließend mit Dreiachs-Lkw in die Reviere transportiert. Auf diese Weise konnten die Materialkosten für den Forstbezirk etwa halbiert und zugleich eine bereits vorhandene regionale Ressource sinnvoll genutzt werden.
Effiziente Grabenpflege
Mit den Scharen des Wegepflegegeräts wird Material in die Fahrspuren zurückbefördert.
An der zweiten Station wurde die Grabenpflege mithilfe eines Anbaugraders und eines Mobilbaggers mit Variolöffel demonstriert. Zunächst schälte der Grader das abgelagerte Material vom Bankett. Anschließend nahm der Bagger das Material mit seinem verstellbaren Grabenlöffel auf und verteilte es im Wegeseitenraum.
Durch den 3D-Rotator lässt sich der Graben während der Rückwärtsfahrt präzise bearbeiten. Die Vorführung machte deutlich, dass mit dieser Technik lange Wegestrecken in vergleichsweise kurzer Zeit gepflegt werden können. Gegenüber herkömmlich aufgehängten Grabenlöffeln ermöglicht die bewegliche Anbauausrüstung ein deutlich flexibleres und schnelleres Arbeiten.
Regelmäßige Pflege erhält die Wege
Am dritten Exkursionspunkt wurden drei unterschiedliche Wegepflegegeräte vorgestellt und miteinander verglichen. Wesentliche Unterschiede zeigten sich in der Fähigkeit, seitlich ausgetragenes Material aus dem Wegesrand zurückzugewinnen. Je weiter das Gerät in den Randbereich eingreifen und je mehr Material es aufnehmen soll, desto stabiler und aufwendiger muss seine Bauweise sein.
Grundsätzlich besteht das Ziel der Wegepflege darin, ausgestaubtes oder durch den Verkehr verlagertes Deckschichtmaterial wieder in die Fahrspuren zurückzuführen und ein funktionsfähiges Wegeprofil herzustellen. Voraussetzung dafür ist eine ausreichend mächtige Deckschicht. Nach Einschätzung der Teilnehmenden muss diese etwa alle sechs bis zehn Jahre ergänzt werden, damit die Wege langfristig pflegefähig bleiben.
Das betriebliche Ziel von Sachsenforst sind vier Pflegedurchgänge pro Jahr auf allen pflegefähigen Wegen. Dafür werden jedoch geeignete Witterungs- und Feuchtigkeitsverhältnisse benötigt. In den trockenen Sommern der vergangenen Jahre war das angestrebte Pflegeintervall teilweise nicht zu erreichen, weil sich das ausgetrocknete Wegebaumaterial nur schwer bearbeiten ließ.
In der Diskussion wurden zugleich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern sichtbar. Während einige Betriebe ihre Wege intensiv und regelmäßig pflegen, setzen andere auf kombinierte Trag-Deck-Schichten, die nicht für eine fortlaufende Pflege vorgesehen sind. Dort erfolgt nach längeren Nutzungsphasen eine umfangreichere Instandsetzung, sobald der Zustand des Weges dies insbesondere infolge des Holztransportes erforderlich macht.
Alte Asphaltdecken fachgerecht zurückbauen
Der aufgefräste Asphaltweg wird wieder verdichtet und ist so ein guter Untergrund für den weiteren Wegeaufbau.
Der letzte Exkursionspunkt befasste sich mit dem Rückbau sogenannter Schwarzdecken. Solche gebundenen Wegedecken kommen in unterschiedlichem Umfang in den Forstbetrieben aller Bundesländer vor. Aufgrund ihres häufig hohen Alters bereiten sie zunehmend Probleme in der Pflege und Unterhaltung.
Vor Beginn einer Maßnahme muss das Material auf problematische Inhaltsstoffe untersucht werden. Dies betrifft insbesondere teerhaltige Bestandteile, aber auch andere chemische Verbindungen. Auf Grundlage der Untersuchung wird entschieden, ob das Material ausgebaut und entsorgt werden muss oder im Wegekörper verbleiben kann.
Handelt es sich um unproblematischen Asphalt, kann die vorhandene Decke aufgefräst und als unterste Tragschicht weiterverwendet werden. Der aufbereitete Wegekörper wird anschließend durch zusätzliches Material verstärkt und mit einer neuen Deckschicht versehen. So lassen sich Entsorgungsmengen und der Bedarf an neuem Baustoff verringern.
Für einige Teilnehmende besonders interessant war die Möglichkeit, für die Entsiegelung alter Asphaltwege Ökopunkte zu erhalten. Diese können als Ausgleich für Eingriffe an anderer Stelle dienen. Vor allem beim Neubau und bei der Verbreiterung öffentlicher Straßen werden geeignete Entsiegelungsflächen gesucht. Da sich die Nachfrage regional unterscheidet, kann eine alte Schwarzdecke für Forstbetriebe mitunter einen unvermuteten Wert darstellen und zumindest einen Teil der Rückbaukosten ausgleichen.
Fazit
Die Sitzung des Arbeitsausschusses zeigte, dass der forstliche Wegebau bundesweit vor ähnlichen Herausforderungen steht. Steigende Baustoffpreise, Trockenperioden, Naturschutzanforderungen, Waldbrandvorsorge und der Wasserrückhalt im Wald erhöhen die Ansprüche an Planung und Unterhaltung. Gleichzeitig verdeutlichte die Exkursion, dass sich durch regelmäßige Pflege, geeignete Technik, regionale Baustoffe und abgestimmte Lösungen wirtschaftliche und praxistaugliche Wege finden lassen. Der bundesweite Erfahrungsaustausch im KWF leistet dazu einen wichtigen Beitrag.
Ein Tisch, zwei Mikrofone, Kopfhörer und ein leuchtendes Aufnahmesignal: Auf den ersten Blick wirkt das Setting eines Podcasts überschaubar. Doch damit aus einem Gespräch ein echtes Hörerlebnis wird, braucht es mehr.
Die Mikrofone fangen jede Nuance der Stimmen ein, ein Mischpult sorgt für den richtigen Klang, und die Aufnahmesoftware hält jedes Wort fest. Neben der richtigen Technik braucht es eine Atmosphäre, die Menschen veranlasst, offen zu erzählen, aufmerksam zuzuhören und Gedanken Raum zu lassen. Genau diesen Raum schafft der Podcast des Deutschen LandFrauenVerbandes – für Themen, die Frauen auf dem Land bewegen, und für Stimmen, die gehört werden sollten.
Altersvorsorge für Frauen, Mobilität im ländlichen Raum, digitale Gewalt im Netz, häusliche Gewalt, Demokratie, Wechseljahre – das sind nur einige Themen, denen sich der Podcast „zukunft_Land – Wer die ländlichen Räume bewegt“ in bisher 17 Folgen gewidmet hat. Seit 2023 erscheint er etwa alle zwei Monate.
Relevante Themen
Petra Bentkämper, Präsidentin des dlv (vorn), im Gespräch mit Moderatorin Jessica Witte-Winter
Einen Podcast zu produzieren ist eine komplexe Angelegenheit. Die Vorbereitungen sind umfangreich, die Produktion aufwendig. Dennoch hat sich der dlv dafür entschieden, diesen Weg zu gehen. „Wir wollten gern unsere politische Arbeit, unsere Positionspapiere und die Inhalte der zahlreichen Gespräche, die unser Präsidium führt, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen“, erzählt Anja Goetz, Leitung Presse und Kommunikation beim dlv. „Wichtig war uns, die Themen nicht zu wissenschaftlich anzugehen, sondern sie auf eine verständliche Art und Weise aufzubereiten, die Spaß macht und gleichzeitig zeigt, welche Meinung LandFrauen dazu haben.“
Auf der Suche nach passenden Themen muss das Team um Anja Goetz nicht weit suchen. „Einige ergeben sich durch Beratungen und Diskussionen der Delegierten in den Fachausschüssen. Andere ploppen in Gesprächen innerhalb unseres Netzwerks auf, und natürlich reagieren wir auch auf aktuelle Entwicklungen und Tendenzen, die gesellschaftlich relevant sind, und ordnen sie ein“, erklärt sie.
Das Format ist immer gleich aufgebaut: Eine LandFrau, die in der Regel aus dem Präsidium des dlv kommt, und eine externe Expertin oder ein externer Experte sprechen über ein Thema. O-Töne und Kurzinterviews ergänzen das Setting. Die Folgen sollen nicht länger als 40 min dauern. „Wenn man sehr wortgewandte Gesprächspartner hat, wird das schon mal eng“, schmunzelt Anja Goetz. „Manchmal ist es dann meine Aufgabe, zu winken und zu sagen, dass man langsam zum Ende kommen muss. Das ist nicht immer ganz einfach, denn viele Themen verdienen einfach Aufmerksamkeit.“
Intensive Vorbereitung
Die Podcast-Welt ist riesengroß und voller Konkurrenz. Wie kann man da mithalten? „Die Antwort ist ziemlich einfach – man muss das sehr professionell umsetzen“, betont Anja Goetz. Das beginnt mit den technischen Voraussetzungen und endet in der Begleitung durch eine professionelle Moderatorin. Seit Folge 1 ist Jessica Witte-Winter mit im Boot, gibt den LandFrauen eine Stimme und ordnet Themen und Meinungen ein.
Dr. Linn Selle, Alfred-von-Oppenheim-Leiterin Europa-Zentrum, war als Expertin zum Thema „Neuwahlen“ eingeladen.
Nach der Aufnahme geht es an den Feinschliff. „Die Agentur, die unseren Podcast begleitet, schneidet zum Beispiel jedes ,Äh‘ und jedes ,Hm‘ heraus und fügt dann die einzelnen Elemente der jeweiligen Sendung zusammen“, erklärt Goetz. Mit der Recherchearbeit im Vorfeld, der Suche nach der passenden Expertise, der eigentlichen Aufnahme und der abschließenden Produktion gehen einige Stunden ins Land. „Bei den ersten Folgen waren das rund 14 Stunden – ohne die Arbeit der Agentur. Heute sind wir deutlich schneller. Und wir haben gelernt: Je intensiver wir die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner thematisch vorbereiten und briefen, desto weniger natürlich entwickelt sich das Gespräch. Statt so miteinander in einen echten Austausch zu kommen, stand der Leitfaden eher im Weg. Deshalb haben wir ihn deutlich gekürzt – eine wichtige Erkenntnis.“
Die Resonanz auf den Podcast zeigt, dass Konzept und Umsetzung ankommen. Die Zahl der Hörerinnen ist stabil – sie dürfte aber gern steigen. „Wir möchten unsere Themen möglichst weit in die Gesellschaft tragen. Mehr Hörerinnen wären da natürlich hilfreich“, betont Anja Goetz. „Uns ist wichtig, den Werten, Ansichten und Meinungen der LandFrauen eine Stimme zu geben, die weit gehört wird – also hören Sie mal rein!“
Info
Die nächste Folge erscheint am 1. Oktober und heißt „Keinen Bock auf Sexismus: Weinmajestäten und kommunalpolitische Kämpferinnen“.Siehe hier https://t1p.de/Podcast_sexismus
Die trockene und heiße Witterung 2026 sowie Krankheitsdruck reduzieren die Ertragsaussichten der diesjährigen Zuckerrübenernte, zusätzlich muss mit niedrigen Preisen gerechnet werden. In den Werken von Nordzucker begann die Rübenkampagne 2026/2027 Anfang September. In Uelzen, wo die Rüben aus Schleswig-Holstein verarbeitet werden, werden aktuell Zuckergehalte zwischen 16 und 17 % gemessen. Für das weitere Rübenwachstum und den Zuckergehalt ist die Witterung der kommenden Wochen entscheidend. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) hat eine erste deutschlandweite Ernteschätzung für diese Kampagne vorgelegt. Der erwartete Rübenertrag liegt mit 71,3 t/ha rund 15 % unter dem Vorjahresniveau. Die Rübenfläche wurde von fast 350.000 ha auf 300.000 ha zurückgenommen. Der Zuckergehalt wird aktuell auf 17,8 % geschätzt und liegt damit etwas über dem Wert der vorigen Kampagne. Insgesamt wird die Zuckererzeugung mit 3,4 Mio. t Zucker aber um 1 Mio. t geringer ausfallen als im Vorjahr.
Preis- und Kostendruck belasten
Nach einer Überversorgung am Weltmarkt und im EU-Binnenmarkt befand sich der Zuckerpreis, der den Zuckerrübenpreis bestimmt, lange auf Talfahrt. In dieser Kampagne werde der Preisverfall bei den Landwirten ankommen, so der Vorsitzende des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ), Eckhard Hinrichs. Gleichzeitig steigen die Kosten, sowohl bei den Landwirten für Treibstoffe und Düngemittel als auch in den Fabriken für Energie und Transporte. Hinzu kommen politische Unsicherheiten wie die Diskussion über die Zuckersteuer in Deutschland. Der Verband kritisiert außerdem zunehmende Zuckerimporte infolge neuer Freihandelsabkommen. Zusätzlich nimmt der Krankheitsdruck zu wegen der Ausbreitung von SBR & Stolbur, die mit der Schilf-Glasflügelzikade als Vektor verbunden sind. Trockenstress reduziert die Widerstandskraft der Pflanzen zusätzlich. Die aktuellen Niederschläge fördern vor allem das Blattwachstum und senken damit den Zuckergehalt.
Option Bioethanol?
2025 wurden übrigens fast 160.000 t Bioethanol aus 1,8 Mio. t Zuckerrüben (inklusive Melasse) hergestellt, das entspricht 5,6 % der gesamten deutschen Rübenernte. 84 % davon wurden Kraftstoffen beigemischt. Warum die Beimischungsquote in der derzeit prekären Lage bezüglich fossiler Kraftstoffe nicht erhöht wird, bleibt das Geheimnis der politischen Entscheider.
Zuckerproduktion sinkt deutlich
Der französische Zuckergigant Tereos rechnet in diesem Jahr damit, dass der Ertrag im Jahresvergleich um 20 % geringer ausfällt. Aufgrund der Bedeutung Frankreichs für den EU-Zuckermarkt wird prognostiziert, dass die EU-Zuckerproduktion auf ein 38-Jahres-Tief sinkt. Nach zwei Jahren stetig sinkender Zuckerpreise sei damit zu rechnen, dass sich die Preise wieder erholen würden, so Tereos. Weltweit wird auch wegen El Niño ein Rückgang bei den wichtigen Produzenten Brasilien, Indien und Thailand erwartet. In Brasilien, dem größten Zuckerproduzenten und -exporteur, wird außerdem wegen der Preisexplosion beim Rohöl ein immer größerer Teil des Zuckerrohrs zu Ethanol statt Zucker verarbeitet.
Angebot von Nordzucker: Mengenerhöhung 2027
Nordzucker bietet aktuell an, für 2027 weitere Rübenmengen unter Vertrag zu nehmen. Die Bewerbung dafür beziehungsweise Zeichnung ist ab sofort möglich. ein vertraglich abgesicherter Mindestpreis von 31 €/t (all in bei 18,0 % Zuckergehalt) wird angeboten, unabhängig vom Zuckerverkaufspreis. Diese Möglichkeit endet am 27. September. Aufgrund der gerade beschriebenen möglichen Verknappung des Zuckerangebots und dann eventuell steigender Preise ist die Wahrnehmung dieses Angebots durchaus überlegenswert.
Während die CDU bei den jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin massive Verluste hinnehmen musste und sich in Mecklenburg-Vorpommern sogar ganz aus dem Landtag verabschiedet, bläst Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zur Attacke und will sich gegen den Trend stemmen. Auf der Klausurtagung der Landes-CDU rief er selbstbewusst das Ziel aus, bei der Landtagswahl im April 2027 wieder die „mit Abstand stärkste Kraft“ zu werden. Doch auch im nördlichsten Bundesland drohen den Christdemokraten laut Umfragen große Stimmenverluste – zumindest Stand jetzt. Entscheidend wird in den kommenden Monaten sein, ob die CDU die richtigen Schlüsse zieht und Maßnahmen trifft, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Denn ganz offenbar fruchtet derzeit die Taktik der extremen politischen Ränder, Schlechtmacherei zu betreiben und den regierenden Parteien den Schwarzen Peter zuzuschieben. Einfache Lösungen gibt es aber nicht – vor allem in Zeiten großer globaler Herausforderungen. Bei aller berechtigten Kritik an Bürokratie und starren Strukturen gibt es zudem auch viele Alltagssituationen, in denen Beamte und Bürger sehr gut zusammenarbeiten.
Klar ist, dass mit den neuen Machtverhältnissen umgegangen werden muss. In Mecklenburg-Vorpommern läuft wohl alles auf eine rot-rot-grüne Landesregierung unter der Führung der bisherigen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hinaus. Auch Dr. Till Backhaus (SPD) hat sein Direktmandat verteidigt. Ob er weiterhin das gemeinsame Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Schwerin leiten wird, ist jedoch mehr als fraglich. Naturgemäß werden die Grünen Anspruch auf den Umweltbereich erheben. Droht hier eine Trennung des Ressorts, wie wir es in Schleswig-Holstein erlebt haben? Karsten Trunk, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern (BVMV), forderte die Parteien auf, schnell Klarheit zu schaffen, wie es politisch weitergeht. Das Land brauche zügig eine stabile und handlungsfähige Regierung. Er bedauere das Ausscheiden der CDU. Die im Landtag vertretenen Parteien stünden nun umso mehr in der Verantwortung, die Anliegen des ländlichen Raumes in die parlamentarische Arbeit einzubringen. Für den BVMV gebe es hier keine Brandmauer. Der Verband wolle mit allen Parteien reden.
Auch Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), hat angekündigt, im Vorfeld der Landtagswahl im April mit allen Parteien reden zu wollen, wobei er stets anzweifelt, dass aus extremen Positionen Konstruktives entstehen könne. Ein wichtiges Anliegen des BVSH mit Blick auf die Landtagswahl ist, die Agrar- und die Umweltpolitik wieder besser zu verzahnen. Vielleicht wieder in einem gemeisamen Ministerium?
Einen zweifelhaften Fürsprecher hat der BVSH im Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein. Dessen neuer Vorsitzender Jörg Sibbel mahnte gegenüber den Kieler Nachrichten drastische Kürzungen im Landeshaushalt an – zum Beispiel durch die Auflösung des Landwirtschaftsministeriums. Das klingt aber doch eher wie eine einfache Lösung.
Drei Betriebe, unterschiedliche Lebenswege und viele persönliche Gespräche: Die Bustour der Landwirtschaftskammer durch den Westen Schleswig-Holsteins brachte Landwirtinnen zusammen und zeigte, wie vielfältig Frauen Landwirtschaft gestalten. Auf dem Hof Hadenfeldt in Wrohm, dem Hof Hansen in Hemmingstedt und dem Meves-Hofin Eddelak standen die Frauen und ihre Erfahrungen im Mittelpunkt.
Es ging um den eigenen Platz im Familienbetrieb, die Zusammenarbeit zwischen den Generationen, aber auch um Einkommenskombinationen wie Green Care und Bauernhofpädagogik. Besonders wertvoll war die Vernetzung untereinander. Auch zwischen den Stationen wurde im Bus intensiv diskutiert, Erfahrungen wurden geteilt und neue Kontakte geknüpft. Unterschiedliche Perspektiven und gegenseitige Impulse prägten so den Tag – auf den Höfen ebenso wie während der gemeinsamen Fahrt.
Auf geht’s: Nach der Begrüßung durch Kammerpräsidentin Ute Volquardsen starteten die Teilnehmerinnen in Rendsburg zur gemeinsamen Bustour durch Dithmarschen.Hella Hadenfeldt gab auf dem Hof Hadenfeldt Einblicke in ihren Weg im Familienbetrieb und zeigte, wie auch mit kleinen Schritten neue Ideen umgesetzt werden können.Auf dem Hof Hansen berichtete Alina Hansen-Bock (Mitte) von ihrem Weg in den Familienbetrieb und davon, die eigene Rolle im Unternehmen zu finden. Kammerpräsidentin Ute Volquardsen (r.) bedankte sich für die Einblicke.Wiedersehen inklusive: Teilnehmerinnen des Unternehmerinnen-Coachings der Landwirtschaftskammer nutzten die Bustour, um bestehende Kontakte aufzufrischen und sich weiterzuvernetzen.Landwirtschaftsministerin und Schirmherrin Cornelia Schmachtenberg (CDU; r.) begleitete die Tour bis zum Mittag und nutzte die Betriebsbesuche für den direkten Austausch mit den Landwirtinnen.Mit dabei waren auch Kammer-Geschäftsführerin Stephanie Wetekam (li.) und Ideengeberin Rixa Kleinschmit. Im Mittelpunkt des Tages standen der persönliche Austausch und die Vernetzung der Frauen untereinander.Auf dem Meves-Hof entdeckten die Teilnehmerinnen auch selbst gemachte Filzarbeiten.
Rollt die Maiskette, ist auch die Polizei verstärkt im Einsatz. Schon jetzt führt der Fachdienst beim Polizei-Autobahn- und Bezirksrevier Nord (PABR Nord) vermehrte Schwerpunktkontrollen durch. Das Bauernblatt hat Anna Karamoor und Heiko Lührs, Spezialkräfte für den landwirtschaftlichen Verkehr, begleitet.
Zu einer ersten Begegnung kommt es in der schönen Knicklandschaft zwischen Eggebek und Bollingstedt. Lührs und Karamoor stoppen auf dem Feldweg einen älteren Schlepper mit Güllefass. Lührs hat „im ersten Leben“ seinen Landwirtschaftsmeister absolviert und bringt den Blick für technische Details mit. Schnell stellt der Beamte einen Masse-Fehler in der Lichtanlage und eine festgerostete Handbremse am Fass fest, auch das 25-km-Schild ist altersbedingt nur noch zu erahnen. Dafür ist das Geschütz sauber, die vorgeschriebenen Keile und seitlichen Reflektoren sind vorhanden.
„Ein Klassiker“, bemerkt Lührs. Wegen der technischen Mängel stellen die Beamten einen Kontrollbericht mit 14 Tagen Frist zur Reparatur aus. Wird das Fahrzeug in der Zeit vorgeführt, ist die Sache erledigt. Bleibt die Rückmeldung aus, geht ein Bericht an die Zulassungsstelle, die das Fahrzeug dann stilllegen kann. Bei gravierenden Mängeln erfolgt eine Meldung an die Berufsgenossenschaft.
Bis zur Stilllegung
Ist das Fahrzeug bei der Kontrolle nicht verkehrssicher, wird es sofort stillgelegt und muss abtransportiert werden. Auch fehlende Sondergenehmigungen, etwa für den Transport von Kettenbaggern zur Knickpflege, führen zur Stilllegung.
Weiter geht es auf die Langstedter Straße Richtung Bollingstedt. Hier stoppt Lührs einen Unimog mit Anhänger der Landhandelsfirma J. Stöven. Man sieht dem Gerät die Arbeit an, doch es gibt nichts zu beanstanden, Papiere sind ebenso vorhanden.
Moderne Fahrzeuge haben eine automatische lastabhängige Bremse, erklärt der Polizist. Bei älteren Anhängern werde die Bremskraft dagegen manuell über einen Hebel eingestellt – häufig stehe dieser auf „halb“, was bei vollem Wagen nicht ausreicht. Einkreisbremsanlagen seien generell verboten, auch wenn die Kupplung an älteren Schleppern oft noch vorhanden sei.
Auch bei der betrieblichen Kontrolle der Bremsbeläge fielen ältere Anhänger oft durchs Raster. Bremsen würden am ehesten beim Trecker kontrolliert, weil dieser im Rahmen der Hauptuntersuchung in die Werkstatt komme, weiß die „Landmaschinen-Streife“. Bei kleineren Gespannen komme es häufiger vor, dass ein nur für 25 km/h zugelassener Anhänger hinter einem 40-km/h-Zugfahrzeug hänge.
Der Führerschein der Klasse T berechtigt nur zur Fahrzeugführung für rein landwirtschaftliche Zwecke. Wer gewerblich fährt, etwa für ein Lohnunternehmen, braucht eine Lkw-Fahrerlaubnis. Fährt ein Landwirt mit T-Führerschein im Auftrag eines Nachbarn, bewegt er sich schnell in einer Grauzone. Karamoor, die vor ihrer Laufbahn bei der Polizei ein Grundstudium der Rechtswissenschaften absolviert hat, hält die Regelung für wenig praxisnah.
Reaktion meist entspannt
Wie Karamoor berichtet, sind die Reaktionen der Kontrollierten meist norddeutsch-entspannt. Der Versuch einer Ausrede gehöre zwar dazu, echten Unmut gebe es aber selten. Auch bei den Betroffenen an diesem Tag fallen die Rückmeldungen einsichtig aus.
Johannes Peters ist seit 33 Jahren bei Bunde Wischen angestellt und im Nebenerwerb Landwirt. Die Kontrolle ergibt, dass der Auffangbehälter für Lecköl der Heckhydraulik bei seinem Same nicht angeschlossen ist. Beim Ankuppeln der Hydraulikleitungen kann technisch bedingt Öl austreten. Wird der Behälter nicht geleert, läuft er über.
Daneben mahnen die Beamten den Fahrer, Warntafeln am Mulcher anzubringen, da dieser über die Schlepperbreite hinaus in die Fahrbahn rage. Peters weiß: Kleinigkeiten fallen immer einmal auf, das gehört dazu. Es hilft seiner Ansicht nach, wenn die Polizei darauf aufmerksam macht.
Ähnlich sieht es Tobias Petersen vom Hof Neue Erde aus Jerrishoe. Beanstandet wird ein Gegenstand im Fußraum, der unter das Gaspedal des John Deere rutschen könnte. Dazu ein ungesicherter Frontbolzen und etwas viel Dreck auf dem Heckmulcher. Petersen hält die Kontrollen für richtig, schließlich fahre „genug Schrott“ auf den Straßen herum. An der gleichen Stelle stoppt Karamoor dann noch zwei junge Mitarbeiter der Firma Hand Landtechnik aus Bollingstedt auf dem Weg zum Mittagsimbiss. Jim Pröpper aus Espelkamp mit seiner Simson Schwalbe darf dank Sonderregelung mit seiner AM-Fahrerlaubnis 60 km/h fahren, bei der Kontrolle gibt es nichts zu beanstanden. Er selbst findet die Aktion völlig in Ordnung. Auch bei seinem Kollegen Jonas Michelsen, mit einem deutlich neueren Kraftrad unterwegs, läuft alles reibungslos.
Cross-Compliance-relevant
Die Bandbreite der Sanktionen ist groß, berichtet Lührs: Ein fehlender Bremskeil kostet 5 €, ein Verstoß gegen die Anschnallpflicht auf dem Trecker, sofern ein Gurt vorhanden ist, 30 €. Häufig wird die Handynutzung am Steuer geahndet – auf dem Schlepper ist diese Verfehlung gut sichtbar. Sie schlägt mit rund 100 bis 125 € sowie einem Punkt beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg zu Buche. Über die reine Fahrzeugkontrolle hinaus achten die Beamten auch auf Cross-Compliance-Verstöße: Wird etwa beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln das Gestänge nicht sauber geführt und ragt über den Feldrand hinaus, kann auch das gemeldet werden. Am Ende formulieren die Polizisten einen klaren Appell: „Handy weg, Gurt anlegen und mit gesundem Menschenverstand agieren!“
Straße sauber halten
Wer sieht, dass sein Fahrzeug die Straße verschmutzt, sollte diese regelmäßig säubern. „Es ist immer noch Motorradsaison“, warnt Lührs. Eine durch Erde oder Erntereste verschmutzte Fahrbahn stellt im Dunkeln eine erhebliche Gefahr dar. Wer hier nachlässig ist, muss mit bis zu 500 € Bußgeld rechnen. Karamoor abschließend: „Es geht nicht darum, Landwirte zu ärgern, sondern Unfälle zu verhindern. Diese sind im landwirtschaftlichen Verkehr zwar selten, aber sie verlaufen besonders schwer.“
Hilfreich: Warnschilder für den BegegnungsverkehrBremsen müssen bremsen.Landtechniker mit Mittagshunger
Im Lehr- und Versuchszentrum (LVZ) Futterkamp der Landwirtschaftskammer fand, wie auch in den vergangenen Jahren, im Rahmen der Fortbildungsreihe „KuhProfis“ ein Seminartag statt. Die Reihe umfasst insgesamt zehn Termine, bei denen sich die Teilnehmenden umfassend mit Fütterung, Tiergesundheit, Klauengesundheit, rechtlichen Rahmenbedingungen und Arbeitsorganisation in Theorie und Praxis befassen. Als Veranstalter kooperieren die Agrarberatung Mitte, die Vereinigung für Rinderspezialberatung (VRS) Steinburg, VRS Dithmarschen, VRS Nordfriesland und das Tierärzteteam Nord.
Besprechung der Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane beim Rind
Der fachliche Teil begann mit einem Vortrag zum Thema Geburtshilfe von Dr. Simone Janzen-Schieferdecker und Jan-Oke Sacht (Tierärzteteam Nord).
Am Simulator konnten die Teilnehmenden verschiedene Trächtigkeitsstadien ertasten.
Daraufhin folgte eine Praxisphase im AgriSkillsLab, für die die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt wurden, die im Wechsel zwei Stationen durchliefen. An der ersten Station wurden unter Anleitung Übungen am Dummy für Geburtshilfe absolviert. Die Arbeit mit dem Dummy diente dazu, Griffe bei erschwerten Geburtslagen beim Rind zu trainieren. Parallel dazu wurden an der zweiten Station Übungen zur rektalen Trächtigkeitsuntersuchung beim Rind durchgeführt. Dabei konnten die Teilnehmenden anhand der verschiedenen Modelle unterschiedliche Trächtigkeitsstadien ertasten und vergleichen.
Am Nachmittag wurden in der Bau- und Energielehrschau tierwohlgerechte Stalleinrichtungen besichtigt und Merkmale der Tiergerechtheit diskutiert. Hier stand insbesondere die Beurteilung von Liegeboxen und Fressgittern im Fokus.
Unterschiedliche Liegeboxen in der Bau- und EnergielehrschauDie Kuhbrille zeigt, wie Kühe ihre Umgebung wahrnehmen.
Anschließend wurde mithilfe des Tieraugensimulators, der sogenannten Kuhbrille, unter der Fragestellung „Wie guckt die Kuh?“ die visuelle Wahrnehmung der Rinder demonstriert, um bauliche Stallkomponenten gezielt aus der Tierperspektive bewerten zu können.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Rundgang durch den Rinderstall des LVZ Futterkamp.
Das Seminarkonzept basiert auf dem Transfer von theoretischen Grundlagen in praktische Fertigkeiten durch die Nutzung von Simulationstechnik und Lehrschauen in Kleingruppen. Für Betriebe und Institutionen, die an einer Nutzung des AgriSkillsLab interessiert sind, ist Kim-Juelie Sonn die Ansprechpartnerin.
Die Umsetzung erfolgte mit finanzieller und fachlicher Unterstützung durch Boehringer Ingelheim. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, Fachwissen aus der landwirtschaftlichen Beratung und der Tiermedizin für die landwirtschaftliche Praxis zu bündeln.
Der Seminartag am LVZ Futterkamp wurde durch Eler gefördert und in Zusammenarbeit des Fachbereichs Rind und des Tierärzteteams Nord durchgeführt.
Auch für das Jahr 2027 ist eine Seminarreihe „KuhProfis“ unter Beteiligung des LVZ Futterkamp der Landwirtschaftskammer geplant. Die Veranstaltung richtet sich an Herdenmanager und alle Interessierten.
Frühe, ertragsstarke Körnermaissorten erweitern die Anbaumöglichkeiten in Norddeutschland. Damit wird Körnermais für viele Betriebe zur wirtschaftlich und ackerbaulich interessanten Marktfrucht. Über den Erfolg entscheidet jedoch nicht allein der Ertrag. Sortentyp, Erntefeuchte, Trocknungstechnik und Energieträger müssen zusammenpassen. Wer heute eine Anlage plant, sollte deshalb nicht mehr nur Tonnenleistung einkaufen, sondern ein langfristig tragfähiges Energie- und Logistikkonzept.
Körnermais war in Norddeutschland lange eine Kultur für günstige Standorte und mutige Betriebsleiter. Das hat sich verändert. Die Züchtung stellt heute frühe Sorten mit niedriger Körnerreifezahl bereit, die auch unter norddeutschen Bedingungen sicher abreifen und stabile Erträge erreichen können. Der Standort bleibt entscheidend. Auf warmen Böden, bei passender Wasserversorgung und mit einer konsequent auf Frühreife ausgerichteten Sortenwahl ist Körnermais inzwischen deutlich besser kalkulierbar als noch vor wenigen Jahren.
Auch die Marktleistung spricht für eine erneute Prüfung. Körnermais erzielt als standardisierte Handelsware eine andere Wertschöpfung als Silomais und erweitert die Vermarktungsmöglichkeiten viehloser Betriebe. Hinzu kommen ackerbauliche Vorteile. Als Sommerung unterbricht Mais getreidebetonte Fruchtfolgen. Die späte Aussaat schafft Zeit, bereits vor der Maissaat eine erste Welle auflaufender Ungräser mechanisch oder chemisch zu beseitigen. Gerade auf Flächen mit Ackerfuchsschwanz- oder Weidelgrasproblemen kann dieser Fruchtwechsel wertvoll sein. Er ersetzt allerdings kein Resistenzmanagement und verlangt wegen der späten Bodenbedeckung einen sorgfältigen Erosions- und Bodenschutz.
Körnermais gehört nicht in Feuchtgetreidezellen. Langtrichtergossen erfüllen alle Voraussetzungen zur kontinuierlichen Beschickung der Maistrocknung, ohne permanent Personal dafür bereitstellen zu müssen. Foto: Cay-Henning Hastedt
Zusätzliche Flächen könnten aus dem Strukturwandel im Biogasbereich kommen. Anlagen, die nach dem Ende ihrer bisherigen EEG-Vergütung kein tragfähiges Anschlusskonzept, keine Flexibilisierung und keine gesicherte Wärmenutzung aufgebaut haben, geraten wirtschaftlich unter Druck. Wo dadurch der Bedarf an Silomais sinkt, werden etablierte Maisstandorte frei. Ein Teil davon kann künftig Körnermais als druschfähige Marktfrucht tragen. Das ist kein Automatismus: Boden, Fruchtfolge, Erntelogistik und vor allem die Trocknungskapazität müssen passen.
Mais ist nicht gleich Körnermais
Für die Trocknung ist der Korntyp von großer Bedeutung. Zahnmais, international als Dentmais bezeichnet, besitzt im Korninneren einen größeren Anteil mehligen Endosperms; an den Seiten liegt härteres, glasiges Endosperm. Beim Abreifen schrumpft der weichere Bereich stärker, wodurch die typische Einbuchtung an der Kornkrone entsteht. Hartmaisähnliche Typen weisen dagegen einen höheren Anteil dichten, glasigen Endosperms auf. Stärkegranulate sind dort enger in eine Proteinmatrix eingebettet. Entscheidend ist daher weniger eine pauschale Gegenüberstellung des Amylose- und Amylopektingehalts als die Struktur des Endosperms, seine Glasigkeit und die Einbettung der Stärke.
Diese Unterschiede in der Kornstruktur wirken sich unmittelbar auf das Trocknungsverhalten aus. Zahnmais gibt das Wasser in der Regel leichter ab als hartmaisbetonte Typen. Vergleichsuntersuchungen lassen unter ähnlichen Ausgangsbedingungen einen um etwa 10 bis 20 % geringeren spezifischen Trocknungsenergiebedarf erwarten. In einzelnen Praxisvergleichen lag der Gasverbrauch je Dezitonne sogar bis zu 23 % niedriger. Je nach Energiepreis, Ertrag und Abrechnungsmodell kann sich daraus ein wirtschaftlicher Vorteil von etwa 50 bis 90 €/ha ergeben. Die Wahl der richtigen Genetik entscheidet damit nicht nur über Ertrag und Abreife auf dem Feld, sondern auch über die Kosten nach dem Drusch.
Die Größenordnung macht deutlich, warum der Korntyp bei der Sortenwahl und in der wirtschaftlichen Bewertung stärker berücksichtigt werden sollte. Bisher werden Körnermaispartien in der Regel nur nach Gewicht und Feuchte abgerechnet. Zwei Partien mit gleichem Wassergehalt können den Trockner jedoch unterschiedlich lange belegen und deutlich unterschiedliche Energiemengen benötigen.
Silomais- und Biogassorten lassen sich grundsätzlich dreschen. Daraus folgt noch nicht, dass sie für die Körnernutzung geeignet sind. Häufig fehlen die schnelle Abreife, ein ausgeprägter Dry-down und die gute Lösbarkeit des Korns von der Spindel. Hartmaisbetonte Körner können außerdem langsamer Wasser abgeben. Wer Silomaissorten nur wegen ihres hohen Gesamtmasseertrags als Körnermais nutzt, kann den vermeintlichen Ertragsvorteil durch höhere Erntefeuchten, geringere Druschleistung und zusätzliche Trocknungskosten wieder verlieren.
Ertragssichere, früh abreifende Zahnmaistypen mit guten Trocknungseigenschaften können die Trocknungskosten deutlich senken. Foto: Olaf Stammer
Die Trocknung bestimmt die Erntekette
Feuchter Körnermais ist nur sehr begrenzt lagerfähig. Nach dem Drusch muss er ohne längere Wartezeit konserviert oder getrocknet werden. Die Trocknung ist deshalb kein nachgelagerter Nebenprozess, sondern der Taktgeber der gesamten Ernte. Mähdrescherleistung, Transport, Annahme, Vorreinigung, Nasszellen, Trockner und Kühllager müssen aufeinander abgestimmt sein. Fehlt Pufferraum, steht im Zweifel der Mähdrescher, obwohl die Feldbedingungen gut sind.
Die physikalische Aufgabe bleibt unverändert: Warme Luft führt dem Korn Verdampfungsenergie zu, nimmt Wasser auf und transportiert es aus der Trocknungszone. Die Effizienz hängt unter anderem von Eingangswassergehalt, Außenluftzustand, Trocknungstemperatur, Luftmenge, Schütthöhe, Gleichmäßigkeit der Luftverteilung, Abluftnutzung und Kühlung ab. Eine alte, aber noch immer lehrreiche Untersuchung der Technischen Universität München zeigt zudem den Zielkonflikt: Höhere Trocknungslufttemperaturen verkürzen die Trocknungszeit und können Energie- und Kapitalkosten senken. Sie werden jedoch durch Bauart, Verweilzeit und mögliche Qualitätsschäden begrenzt. Saatmais, Lebensmittelware und Futtermais stellen unterschiedliche Anforderungen.
Für neue Projekte folgt daraus eine klare Reihenfolge. Zuerst werden Erntemenge, Erntefenster, realistische Anfangsfeuchten und die gewünschte Zielfeuchte festgelegt. Danach folgen Stundenleistung, Puffervolumen und das Betriebsregime. Erst anschließend lässt sich der Wärmeerzeuger sinnvoll dimensionieren. Eine Anlage, die nur nach Nennleistung ausgewählt wird, kann in der Praxis an zu kleiner Annahme, fehlender elektrischer Anschlussleistung oder unzureichender Brennstofflogistik scheitern.
Fossile Wärme wird zum Kostenrisiko
Die Landwirtschaft befindet sich bereits in der dritten Energiepreiskrise dieses Jahrzehnts. Zunächst sorgten die Folgen der Pandemie für Verwerfungen, anschließend der russische Angriff auf die Ukraine. Inzwischen kommen neue geopolitische Unsicherheiten und eine steigende CO2-Bepreisung zusammen. Für Betriebe mit öl- oder gasbefeuerten Trocknungsanlagen bedeutet das: Die Wärmekosten werden nicht nur vom Weltmarkt bestimmt, sondern zunehmend auch durch politische Vorgaben.
Im deutschen Brennstoffemissionshandel liegt der CO2-Preis 2026 zwischen 55 und 65 €/t. Ab 2028 soll dieses nationale System durch den europäischen ETS 2 abgelöst werden. Dann wird der Preis für CO2-Zertifikate grundsätzlich am Markt gebildet. Bezahlen müssen die Zertifikate zunächst die Unternehmen, die Heizöl und Erdgas in Verkehr bringen. Sie werden diese Kosten jedoch über den Brennstoffpreis an ihre Kunden weiterreichen. Damit erreicht der CO2-Preis auch landwirtschaftliche Betriebe, die fossile Energie für die Getreide- und Körnermaistrocknung einsetzen.
Legt man für 2026 als Ausgangswert durchschnittlich 60 €/t zugrunde, sind die bisherigen CO2-Kosten bereits im Heizölpreis enthalten. Entscheidend für künftige Investitionen ist deshalb die zusätzliche Belastung: Steigt der CO2-Preis auf 150 €/t, würde sich Heizöl gegenüber dem heutigen Niveau um knapp 24 ct/l netto verteuern. Bei 300 € wären es rund 64 ct/l. Für eine Trocknungsanlage mit einem Verbrauch von beispielsweise 500.000 l Heizöl im Jahr entspräche das zusätzlichen Kosten von rund 120.000 beziehungsweise 320.000 € je Trocknungssaison.
Wie hoch der Preis im ETS 2 tatsächlich steigen wird, ist offen. Die derzeitigen Prognosen reichen von deutlich unter 100 € bis zu mehr als 200 €/t CO2. In einzelnen Hochpreisszenarien werden auch Werte um 300 € genannt. Einen festen Preisdeckel gibt es nicht. Überschreitet der Marktpreis eine bestimmte Schwelle, können zusätzliche Zertifikate freigegeben werden. Das soll extreme Preissprünge abmildern, garantiert aber keinen bestimmten Höchstpreis.
Für eine Investition mit 15 oder 20 Jahren Nutzungsdauer reicht es deshalb nicht mehr, mit dem heutigen Öl- oder Gaspreis zu rechnen. Die Kalkulation muss verschiedene Energie- und CO2-Preise abbilden. Ebenso wichtig ist der tatsächliche Wärmebedarf je Tonne Feuchtmais und je entzogenem Prozentpunkt Wasser. Erst damit lassen sich Trockner, Korntypen und alternative Wärmekonzepte sinnvoll vergleichen.
Biomasse verfügbar, aber nicht automatisch einfach
Deutlich näher an der Praxis liegen feste biogene Brennstoffe. Hackschnitzel, Landschaftspflegeholz, Miscanthus oder Material aus Kurzumtriebsplantagen können Warmluft über einen Wärmetauscher bereitstellen. Marktgängige Warmluftöfen und größere Anlagenkonzepte, etwa von Mavum oder ICS, zeigen, dass die Technik grundsätzlich verfügbar ist. Unter günstigen Brennstoff- und Auslastungsbedingungen kann die thermische Kilowattstunde nach bisherigen Projektkalkulationen um 30 bis 70 % günstiger ausfallen als Wärme aus Heizöl oder Erdgas.
Diese Spanne ist kein allgemeiner Marktpreis. Sie hängt von Brennstoffqualität, Wassergehalt, Lagerung, Personalaufwand, Ascheentsorgung, Wirkungsgrad, Wartung, Investition und Finanzierung ab. Auch die Genehmigung ist früh zu klären. Nicht jeder agrarische Reststoff ist in jeder Feuerungsanlage ein zulässiger Regelbrennstoff. Miscanthus und andere halmgutartige Brennstoffe stellen wegen Aschegehalt, Verschlackung und Emissionen andere Anforderungen als saubere Holzhackschnitzel. Wer hier nur den Brennstoffpreis vergleicht, rechnet an der Anlage vorbei.
In der Praxis kann auch bei Biomasse eine Kaskade sinnvoll sein. Die biogene Anlage trägt die planbare Grundlast; ein vorhandener fossiler Brenner sichert Leistungsspitzen und Redundanz. Damit sinkt der fossile Anteil, ohne die Ernte an einen einzigen Wärmeerzeuger zu binden. Voraussetzung ist, dass beide Systeme regelungstechnisch sauber zusammenspielen und die Brennstoffversorgung auch in einer nassen Erntewoche funktioniert.
Erst rechnen, dann bauen
Körnermais hat in Norddeutschland eine realistische Wachstumsperspektive. Frühe Genetik, gute Marktchancen, ackerbauliche Vorteile und frei werdende Maisstandorte sprechen dafür. Die Kultur wird aber nur dann dauerhaft wirtschaftlich, wenn Sortenwahl und Trocknung als ein System geplant werden. Zahnmaisbetonte, früh abreifende Typen können die Wasserabgabe und damit die Energiekosten verbessern. Sie ersetzen keine effiziente Anlage, verstärken deren Vorteil aber.
Für Investoren bedeutet das: Erntefeuchten und Korntypen aus der Region erfassen, Stoff- und Energieströme sauber bilanzieren, mehrere CO2– und Energiepreisszenarien rechnen und Alternativen technisch wie genehmigungsrechtlich prüfen. Besonders wertvoll sind Konzepte, die sich später erweitern oder kaskadieren lassen. Der billigste Brenner in der Anschaffung ist unter diesen Bedingungen selten die günstigste Lösung über 15 oder 20 Jahre.