Im Frühjahr müssen Pferde mit mehreren Umstellungen gleichzeitig zurechtkommen. Es wird wärmer, der erste Weidegang steht bevor. Zusätzlich befinden sie sich im Fellwechsel. Damit die Tiere diese Phase gut überstehen, kann man einiges tun.
Das Frühjahr auf dem Pferdebetrieb ist arbeitsintensiv. Schon vor dem ersten Weidegang gibt es einiges zu tun, um Gesundheitsrisiken zu minimieren. Zunächst einmal muss die Weide auf ihre Hütesicherheit hin überprüft werden. Über den Winter haben Schnee, Nässe und Stürme den Zäunen zugesetzt. Abgebrochene Isolatoren und morsche Pfähle müssen ersetzt, durchhängende Litzen nachgespannt, abstehende Latten wieder angeschraubt werden. Außerdem sollte man den Bewuchs genau anschauen und unerwünschte oder giftige Pflanzen ausreißen oder abmähen.
Das Pferd ist ein Gewohnheitstier. Veränderungen mag es nicht. Das betrifft sowohl die Psyche als auch den Körper. Aus diesem Grund sollten alle Umstellungen behutsam durchgeführt werden. Das gilt insbesondere für die Futterumstellung von Heu auf Weidegras. Eine zu plötzliche Umstellung kann zu gesundheitlichen Problemen führen, darunter harmlosere wie Durchfall oder Kotwasser, aber auch potenziell lebensgefährliche wie Kolik oder Hufrehe.
Nur eine Umstellung
Pferde müssen langsam über mehrere Wochen angeweidet werden, damit das Milieu im Darm die Möglichkeit hat, sich an die veränderte Futterzusammensetzung zu gewöhnen. Im „Praxisratgeber Pferdefütterung“ der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) wird empfohlen, sie über mindestens eine Woche täglich nur 10 min ans Gras zu lassen, bevor die Zeit langsam gesteigert wird, am besten um jeweils 15 min.
Während der Anweidezeit sollte nicht zusätzlich ein anderes Futter umgestellt werden, zum Beispiel das Kraftfutter. Das könnte den Verdauungstrakt überfordern.
Eine besondere Gefahr stellen die Fruktane im Gras dar. Wie man heute weiß, spielen sie eine große Rolle bei der Entstehung von Hufrehe. Fruktane sind langkettige Zucker, die die Pflanzen für das Wachstum brauchen. Je mehr Sonneneinstrahlung es gibt, desto mehr Fruktane werden gebildet. Wenn aber gleichzeitig die Temperaturen niedrig sind, kann die Pflanze nicht wachsen. In diesem Fall werden die Fruktane im Stängel gespeichert.
Manfred Coenen und Ingrid Vervuert raten daher in dem Buch „Pferdefütterung“, hufrehegefährdete Pferde an sonnigen Vormittagen nach kalten Nächten (Temperaturen unter 10 °C) gar nicht auf die Weide zu lassen. Für betroffene Pferde empfiehlt es sich sogar manchmal, sie erst später im Jahr anzuweiden, da die Fruktangehalte sich im Verlauf des Frühjahrs verringern. Auch Maßnahmen, die die Grasaufnahme reduzieren, wie Fressbremsen, kann man einsetzen.
Kurz gefressenes oder gemähtes Gras enthält besonders viele Fruktane. Es ist daher besser, mit dem ersten Weidegang zu warten, bis das Gras mindestens 20 cm Höhe erreicht hat.
Neben den Fruktanen, die im Dickdarm verdaut werden, spielen bei der Entstehung von Verdauungsstörungen und Hufrehe aber auch Einfachzucker eine Rolle, die bereits im Dünndarm verdaut werden können. Der Grasbestand auf der Pferdeweide sollte einen eher niedrigen Gesamtzuckergehalt aufweisen, was sich durch die Ansaat geeigneter Grasmischungen beeinflussen lässt.
Ausreichend Bewegung
Die meisten Pferde sind beim ersten Weidegang außer sich vor Freude. Sie beginnen zu galoppieren und machen wilde Bocksprünge. So schön das anzusehen ist, so birgt es auch Verletzungspotenzial. Darum ist es wichtig, den Tieren den Winter über Möglichkeiten zur freien Bewegung zu geben. Pferde, die in der kalten Jahreszeit ausreichend Auslauf auf einem wetterfesten Paddock genossen haben, sind beim Weideauftrieb ruhiger. Außerdem ist ihr Bewegungsapparat trainierter, sodass sie auf die Eskapaden vorbereitet sind und sich nicht so schnell verletzen.
Zu Beginn der Weidesaison sollten Pferde nur gemeinsam mit Artgenossen weiden, die sie bereits kennen, damit zu der allgemeinen Aufregung nicht noch Auseinandersetzungen hinzukommen.
Rechtzeitig vor dem ersten Weidegang steht je nach Entwurmungsstrategie auch eine Wurmkur oder eine Kotprobe an, damit die Pferde wurmfrei auf die Koppel gehen und ihre Darmparasiten nicht gleich auf der Weide verteilen.
Manchen Pferden, vor allem den älteren, machen im Frühjahr die Wetterumschwünge zu schaffen. Wechselt das Wetter abrupt von kalt auf warm, kommt es mitunter zu Kreislaufkoliken. Die Ursache liegt hier nicht im Magen-Darm-Trakt, sondern im Herz-Kreislauf-System. Die Symptome können aber dieselben sein. Eine Kreislaufkolik wird mit kreislaufstabilisierenden Medikamenten und Infusionen behandelt. Um sie zu vermeiden, sollte man Pferde im Frühjahr bestmöglich vor Überhitzung schützen. Sie haben in der Regel das Winterfell noch nicht abgeworfen und schwitzen daher bei wärmeren Temperaturen leichter. Gerade für ältere Pferde muss darum das Training an warmen Frühlingstagen angepasst oder pausiert werden. Bei sehr dichtem Winterfell kann manchmal eine Teilschur Erleichterung bringen.




