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Forstliche Bildung: Austausch in Bad Segeberg

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Anfang März besuchten fünf junge Schweden die Lehranstalt für Forstwirtschaft in Bad Segeberg, um die deutsche Forstwirtschaft kennenzulernen und praktische Erfahrungen – insbesondere in der Starkholzernte – zu sammeln.

Drei Wochen lang arbeiteten sie gemeinsam mit den Forstwirtauszubildenden, lebten im Internat und nahmen an einem vielseitigen Programm aus Unterricht, Exkursionen und Praxis teil. Neben fachlichem Wissen entstanden dabei auch zahlreiche persönliche Kontakte und Freundschaften.

Austausch mit langer Tradition

Der Austausch mit schwedischen Forstschulen hat an der Lehranstalt eine lange Tradition. Seit Anfang der 2000er Jahre reisen jährlich Auszubildende aus Bad Segeberg nach Schweden, um dort unter anderem an Maschinenführerlehrgängen teilzunehmen und Land sowie Leute kennenzulernen. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist dies eine besondere Möglichkeit, die nicht allen offensteht. Aktuell besteht eine enge Partnerschaft mit der Naturbruksskolan in Svenljunga. Seit 2018 kommen im Gegenzug auch regelmäßig schwedische Schüler nach Deutschland. Der Austausch ist inzwischen etabliert und wird finanziell durch das Erasmus-Programm unterstützt. Lediglich in den Pandemiejahren musste der Austausch pausieren. In diesem Jahr wurden die schwedischen Gäste von zwei Lehrerinnen begleitet, die nach kurzer Zeit wieder abreisten. Zuvor nutzten sie die Gelegenheit, den Unterricht zu begleiten und selbst eine englischsprachige Unterrichtseinheit für die deutschen Auszubildenden zu gestalten. Für beide Seiten war dies eine besondere Herausforderung, da ausschließlich auf Englisch kommuniziert wurde. Am Ende zeigte sich, dass die Verständigung besser gelang als zunächst angenommen und dass es vor allem Mut braucht, eine Fremdsprache aktiv zu nutzen.

Besuch der Abteilung Arbeitswissenschaft und Verfahrenstechnologie der Universität Göttingen

Einblicke in die Waldbewirtschaftung und Praxis

Der Austausch begann mit einer Einführung in die Arbeit der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer sowie einer gemeinsamen Stadtrallye durch Bad Segeberg. In gemischten Gruppen wurden Aufgaben und Rätsel gelöst, nachdem die Teilnehmenden an verschiedenen Punkten der Stadt gestartet waren. Neben Teamarbeit stand dabei vor allem die sprachliche Verständigung im Vordergrund.

Ein zentraler Bestandteil des Programms waren fachliche Exkursionen. So erhielten die Gäste in einem größeren Privatforstbetrieb einen vertieften Einblick in die deutsche Waldbewirtschaftung. Dabei wurden grundlegende Unterschiede zur schwedischen Praxis deutlich: Während dort häufig die produzierte Holzmenge im Vordergrund steht, legt man in Deutschland großen Wert auf die Qualität und Wertentwicklung einzelner Bäume. Entsprechend investieren Forstbetriebe viel Zeit und Pflege in hochwertige Einzelstämme. Dieser Ansatz war für die schwedischen Gäste zunächst ungewohnt.

Ein Besuch des Submissionsplatzes in Daldorf rundete diesen Eindruck ab. Die dort erzielten Spitzenpreise von teilweise über 10.000 € für einzelne Stämme verdeutlichten die wirtschaftliche Bedeutung hochwertiger Holzqualitäten.

Weitere Stationen führten unter anderem ins Kloster Preetz, wo die Bewirtschaftung laubholzdominierter Bestände sowie die Pflege von Jungbeständen im Fokus standen. Gleichzeitig bot sich hier die Gelegenheit, das duale Ausbildungssystem in Deutschland kennenzulernen, das sich deutlich von der stärker schulisch organisierten Ausbildung in Schweden unterscheidet. Ergänzt wurde das Programm durch Einblicke in den forstlichen Wegebau und die Bedeutung einer guten Erschließung für alle Phasen der Waldbewirtschaftung.

Schwedische Austauschschüler vor einem Starkholz-Harvester

Verarbeitung, Technik und Exkursion

Auch die Verarbeitung des Rohstoffs Holz wurde thematisiert: Ein regionales Sägewerk, das vor allem hochwertige Eichenstämme aus einem Umkreis von rund 200 km verarbeitet, zeigte die Weiterverarbeitung und Vermarktung des Holzes. Die Produkte gehen überwiegend an Fußbodenhersteller in ganz Europa. Zudem wurde deutlich, wie wichtig Nebenprodukte wie Hackschnitzel für die Energiegewinnung, insbesondere für den Export nach Dänemark sind.

Ein weiterer Programmpunkt war der Einsatz eines Seilschleppers in der Lang- und Starkholzernte. Diese Technik ist in Schweden kaum verbreitet, da dort überwiegend mit Harvester und Forwarder im Kurzholzverfahren gearbeitet wird. Umgekehrt sorgte auch ein speziell für die Starkholzernte ausgerüsteter Harvester für großes Interesse. Trotz bekannter Technik zeigte sich, dass Anpassungen an größere Stammdimensionen und vielfältigere Bestände neue Anforderungen mit sich bringen.

Einen bleibenden Eindruck hinterließ zudem eine Exkursion in den Harz. Die Folgen der Trockenzeiten und der massiven Borkenkäferkalamitäten der vergangenen Jahre waren für die schwedischen Gäste deutlich sichtbar: großflächig abgestorbene Wälder und weit reichende Kahlflächen. Angesichts ähnlicher Herausforderungen durch den Klimawandel auch in Schweden wurde diese Erfahrung besonders intensiv wahrgenommen.

Gruppenbild mit dem dritten Ausbildungsjahr der Forstwirte vor der Abreise

Praxis, Abschluss und Ausblick

Neben dem fachlichen Programm kam auch das gemeinsame Erleben nicht zu kurz. Ob beim Sportunterricht, beim Bouldern in Lübeck oder während eines Aufenthalts im Harz, die Zeit wurde intensiv genutzt. Aktionen wie eine nächtliche Brocken-Besteigung oder ein winterliches Bad in einem teilweise zugefrorenen Bergsee werden den Beteiligten sicherlich lange in Erinnerung bleiben.

Dass der Austausch nicht nur aus Zuschauen bestand, zeigte sich in den praktischen Arbeitsphasen: Zwei Wochen lang arbeiteten die schwedischen Gäste gemeinsam mit den deutschen Auszubildenden in den Wäldern rund um Bad Segeberg. Neben der Starkholzernte standen dabei weitere forstliche Tätigkeiten auf dem Programm.

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Grillabend an der Lehranstalt. Anschließend traten die schwedischen Gäste ihre Rückreise per Fähre von Kiel nach Göteborg an. Der Gegenbesuch der deutschen Auszubildenden begann bereits zu Ostern und wird mit einer kleineren Gruppe bis Ende Mai fortgesetzt.

Der deutsch-schwedische Austausch bleibt damit ein fester und wertvoller Bestandteil der forstlichen Ausbildung. Er verbindet fachliche Qualifizierung mit praktischen Erfahrungen und internationalem Austausch.

Gleichstellung stärker in die Köpfe bringen

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Die Vereinten Nationen haben 2026 erstmals das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Soweit der Anspruch. Wie es in der Praxis in Schleswig-Holstein wirklich zugeht, hat der Bioland-Anbauverband am vergangenen Sonntag in der Friesischen Schafskäserei in Tetenbüll, Kreis Nordfriesland, erkundet und dafür den schleswig-holsteinischen LandFrauenverband sowie die Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein, Nora Steen, als Mitveranstalterinnen gewonnen.

In einer ersten Gesprächsrunde diskutierten das Thema Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU), LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen und Nora Steen. Die Bischöfin wünscht sich, dass gar nicht mehr diskutiert werde, ob Mann oder Frau einen Betrieb führen.

Eheverträge prüfen

Doch die Ministerin berichtete, Familien seien nach wie vor froh, wenn nach Töchtern „endlich“ ein Sohn zur Welt komme, als ob nur er der natürliche Betriebsnachfolger sein könne. Jungen Frauen wünsche sie daher mehr Selbstbewusstsein nach dem Motto: „Das kann ich genauso gut wie mein Bruder oder der Nachbar“. Jede Frau müsse auf ihr Leben schauen und entscheiden, was sie daraus machen wolle. Sie erlebe, wie Männer die Rolle ihrer Frauen auf den Höfen lobten, doch frage sie dann, wie die Frauen wirtschaftlich abgesichert seien, blieben sie lange still.

Ins gleiche Horn stieß Jürgensen. Sie erzählte, dass die von mittlerweile 1.000 Frauen genutzte Fortbildung zur Büroagrarfachfrau dazu geführt habe, dass Teilnehmerinnen auf ihren Hof zurückkehrten und ihre Männer um ein ernstes Gespräch gebeten hätten – der Ehevertrag zwischen ihnen müsse neu überdacht werden. „Das gab dann drei Tage schlechte Stimmung im Haus, aber wir müssen Frauen in diesen Fragen einfach mehr stärken.“ Stichpunkte könnten die finanzielle Versorgung sein, die Alterssicherung für sie selbst oder die Frage, wer für die Pflege der Eltern und Schwiegereltern zuständig sei. Jürgensen erklärte: „Ich möchte auch, dass Gremien paritätisch besetzt sind, beispielsweise die, die über Förderprogramme entscheiden.“

Mitarbeiterinnen von Bioland bewirteten die Gäste (v. li.): Maraike Peters, Maike Arnolds, Ida Mommsen und Biobauer Gunnar Söth aus Ahrenviöl (Nordfriesland).

Gestandene Bäuerinnen

Klare Kante gab es auch in dem von Bioland-Geschäftsführerin Annette Stünke moderierten „Hofgespräch“. LandFrauen erzählten, wie sie ihre Betriebe allein oder partnerschaftlich mitführten. Gastgeberin Monika Volquardsen sagte: „Wir machen alles gemeinsam.“ Jeden Morgen würden die Aufgaben des Tages besprochen. Nicht erst in ihrer aktuellen Phase der Genesung nach schwerer Krankheit setze sie voll auf die tollen Mitarbeiter. Als die von ihr vorgeschlagenen Neuerungen im Betrieb nennt sie die Akupunktur und Homöopathie bei den Schafen, die Heutrocknung und den Aufbau der Besichtigungen der Hofkäserei. Dann öffnete sie ihre Jacke und zeigte das Shirt darunter: „Komme, was da Wolle, ich Schaf das“. Beifall für das Selbstbewusstsein war ihr sicher.

Doris Thees besitzt eine Gemüsegärtnerei in Mildstedt bei Husum, setzt sich leidenschaftlich für gesunde Böden und kurze Wege ein, verkauft auf Wochenmärkten – und hat vier Kinder großgezogen. Kein Wunder, dass sie die Frage nach der Aufgabenverteilung in Betrieb und Familie zwischen Mann und Frau in den Mittelpunkt stellte. Ihr Credo: „Jeder muss einen Zuständigkeitsbereich finden – und andere machen lassen.“

Anne Wienke vom Hof Koxbüll, Kreis Schleswig-Flensburg, schließlich fühlte sich anfangs „als Mutter ausgefüllt und zufrieden“. Zu den „drei K“ Kinder, Küche, Kirche seien plötzlich als „viertes K“ die Kälber gekommen. Seit 2012 führt sie den Betrieb allein. Auf 130 ha setzt sie auf die drei Beine Landwirtschaft, Naturschutz und soziale Arbeit, bindet dabei junge Menschen mit Unterstützungsbedarf ein. Sie sprach einen für die weitere Diskussion womöglich entscheidenden Punkt an: „Frauen funktionieren anders als Männer, sie suchen Gemeinschaft und wollen Entscheidungen auf eine breite Basis stellen – wie ein Kapitän, damit es allen gut geht und keiner meutert.“

Insgesamt waren sich alle an der Veranstaltung Beteiligten einig, dass es wichtig sei, dass die UN dieses Jahr zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen hat, jedoch noch viel getan werden müsse, um eine Gleichstellung der Frauen in den Köpfen der Menschen zu erreichen.

Bänke gab es auch, aber viele Gäste bevorzugten die Strohballen als Sitzplätze.
Fotos: Birger Bahlo

Sicher auftreten – auch ohne perfekten Plan

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Sicher auftreten, spontan überzeugen und auch in ungewohnten Situationen die richtigen Worte finden: Im Rhetorikseminar der Landjugend Schleswig-Holstein in Rendsburg stellten sich rund 20 Teilnehmende genau diesen Herausforderungen – mit viel Praxis, überraschenden Rollenwechseln und der Erkenntnis, dass ein starker erster Eindruck oft entscheidend ist.

Das Detlef-Struve-Haus in Rendsburg wurde im März zum Schauplatz eines besonderen Seminars: Unter dem Motto „Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“ trafen sich rund 20 engagierte Landjugendliche, um ihre rhetorischen Fähigkeiten zu stärken und mehr Sicherheit im Auftreten zu gewinnen. Als Referent führte Rhetoriktrainer Dr. Thorben Prenzel durch einen abwechslungsreichen und praxisnahen Seminartag.

Keine zweite Chance für den ersten Eindruck

Bereits die Begrüßung und Vorstellungsrunde gestalteten sich alles andere als gewöhnlich. Statt klassischer Einführungen wurde direkt ein zentrales Element des Seminars aufgegriffen: der erste Eindruck. Wie tritt man seinem Gegenüber richtig entgegen? Welche Rolle spielen Mimik, Gestik, Körperhaltung und ein angemessener Händedruck? Immer wieder betonte Prenzel dabei einen zentralen Leitsatz, der vielen Teilnehmenden besonders im Gedächtnis blieb: „Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.“ In kurzen Übungen konnten die Teilnehmenden unmittelbar ausprobieren, wie viel Wirkung bereits in den ersten Sekunden eines Gesprächs steckt.

Nach einer kompakten theoretischen Einführung ging es in die nächste Herausforderung: den sogenannten Elevator Pitch. In dieser Übung sollten die Teilnehmenden innerhalb kürzester Zeit eine Idee überzeugend an eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister herantragen. Dabei schlüpften die Teilnehmenden abwechselnd in beide Rollen. Für zusätzliche Dynamik sorgte der Rhetoriktrainer, indem er die „Bürgermeister“ im Vorfeld unterschiedlich instruierte – mal freundlich und interessiert, mal hektisch und unter Zeitdruck oder auch bewusst abweisend. Diese wechselnden Rahmenbedingungen stellten die Teilnehmenden zunächst vor Herausforderungen, sorgten aber auch für viele lehrreiche Momente. Versprecher und falsch genannte Namen lockerten die Situation immer wieder auf und zeigten: Perfektion ist nicht entscheidend – sondern der Umgang mit solchen Momenten.

Feedback zu Körpersprache und Ausdrucksweise

Nach einer gemeinsamen Mittagspause mit Pizza und einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft ging es gestärkt in den zweiten Teil des Seminars. Nun war Eigeninitiative gefragt: Jede und jeder Teilnehmende bereitete ein kurzes Statement zu einem frei gewählten Thema vor, das anschließend vor der Gruppe präsentiert wurde. Um die eigene Wirkung besser reflektieren zu können, wurden die Beiträge gefilmt. Im Anschluss folgte eine ausführliche Feedbackrunde, in der jede Präsentation gemeinsam besprochen wurde. Dabei standen sowohl Stärken als auch Entwicklungsmöglichkeiten im Fokus. Die Teilnehmenden erhielten wertvolle Hinweise zu ihrem Auftreten, ihrer Körpersprache und ihrer Ausdrucksweise – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Sicherheit beim freien Sprechen.

Zum Abschluss des Seminars bedankten sich Sören Schatt, stellvertretender Vorsitzender der Landjugend Schleswig-Holstein, sowie Jaenne Albert, Bildungsreferentin des Verbandes, herzlich bei Thorben Prenzel für die engagierte und praxisnahe Durchführung. Gleichzeitig wurde deutlich: Dieses Seminar war sicherlich nicht das letzte seiner Art. Auch im kommenden Jahr könnte es erneut ein vergleichbares Angebot geben.

Angrillen 2026, neue Trends

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Aktuell ist immer wieder von erhofften und wichtigen Impulsen durch die Grillsaison für einen besseren Schweinefleischabsatz die Rede. Im „Grillkompass 2025“ wurde ermittelt, was genau wann und wo auf dem Grillrost landet. Schweinefleisch (Nackensteaks und Bratwurst) liegt mit 57 % knapp an erster Stelle der beliebtesten Grillprodukte, doch Geflügel ist mit 56 % praktisch gleichauf und insbesondere bei jüngeren Konsumenten mit 70 % die klare Nummer eins. Das klassische Grillgut von Schwein und Rind wird durch Fisch, Gemüse, Grillkäse und eine wachsende Vielfalt vegetarischer und veganer Alternativen ergänzt, was für mehr Vielfalt auf dem Rost sorgt.

Grillen als ganzjähriger Genuss

Grillen ist längst mehr als nur ein saisonaler Sommerspaß, rund 90 % der Befragten geben an, zumindest gelegentlich zu grillen, gut jeder Fünfte sogar sehr oft. Für die Mehrheit liegt die Grillsaison immer noch in den Sommermonaten Mai bis September. Doch immerhin 14 % der Befragten grillen das ganze Jahr über, unabhängig von Wetter, Jahreszeit oder Temperatur. Rund ein Fünftel grillt einmal pro Woche, ein weiteres Drittel mehrmals im Monat – ein klares Signal für die Stabilität des Marktes. Grillen entwickelt sich so immer mehr von einer saisonalen Aktivität zu einem ganzjährigen Genuss. Regional zeigt sich ein klares Bild: Im Norden Deutschlands glühen die Grills besonders häufig: 92 % der Norddeutschen geben an, mindestens gelegentlich zu grillen.

Bratwurst ist Spitzenreiter

Pro Jahr und Kopf werden in Deutschland knapp 3 kg Bratwurst konsumiert, deutlich mehr als die Hälfte, knapp 100.000 t, wird auf dem Grill zubereitet. Die Bratwurst ist damit immer noch Spitzenreiter und mit etwa 870 Mio. € Umsatz Rückgrat des Grillgeschäfts. Zugleich deutet die anhaltend stabile beziehungsweise leicht ansteigende Nachfrage darauf hin, dass Verbraucher selbst in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ungern auf kleine Alltagsgenüsse wie das Grillen und das damit verbundene gemeinsame Lagerfeuererlebnis verzichten. Für den Handel eröffnen sich durch neue Varianten, Verpackungsgrößen oder saisonale Artikel zusätzliche Chancen.

Für die große Mehrheit der Verbraucher ist der Geschmack das Wichtigste am Grillgut. Auch die artgerechte Haltungsform soll für knapp drei Viertel der Käufer wichtig sein. Gut die Hälfte der Befragten hält den Preis beim Grillen für wichtig oder sehr wichtig, doch wird nicht am Genuss gespart, sondern es wird bewusster ausgewählt. Grillwürste werden auch in Bundesligastadien verkauft. Hier verhindert beispielsweise beim HSV die Kombination aus hohem Preis (5 € pro Stadionwurst) und maximal mittlerer Qualität höhere Absätze.

Handel: Ausbau des Grillgeschäfts

Im Handel hat sich die Grillsaison von einem kurzfristigen Sommergeschäft zu einem strategischen Sortimentsfeld entwickelt. Vor allem bei über 30-jährigen Kunden wird eine stärkere Ausrichtung auf Qualität und Haltungsformen beobachtet: „Eher weniger, dafür aber hochwertiger.“ Auch Saisonartikel wie eine hausgemachte Rostbratwurst tragen zum Geschäft durch Wiederholungskäufe bei. Gutes Grillwetter ist immer noch wichtig, besonders für Spontankäufe. Es bleibt, dass das Grillen im Handel immer mehr ganzjährig gedacht wird, mit allerdings saisonalen Spitzen.

Warum Zahlen allein kein Moor vernässen

Mit der Palu-Förderrichtlinie setzt die Bundesregierung ein wichtiges Signal: Moorbodenschutz soll nicht gegen, sondern mit der Landwirtschaft gelingen. Der freiwillige Ansatz, kombiniert mit einer breiten und stufenweisen Förderstruktur, ist ausdrücklich zu begrüßen. Von der Beratung über Planung und Umsetzung bis zur Bewirtschaftung entsteht erstmals ein durchgängiges Instrumentarium. Vieles davon greift langjährige Forderungen des Berufsstandes auf – insbesondere die Erkenntnis, dass Klimaschutz nur dann funktioniert, wenn er sich auch betriebswirtschaftlich trägt.

Die Landwirtschaft befindet sich dabei in einer besonderen Rolle: Sie ist zugleich betroffen, mitverantwortlich und Teil der Lösung. Genau deshalb ist der gewählte Ansatz richtig, auf Freiwilligkeit und Kooperation zu setzen, statt Ordnungsrecht zu verschärfen. Moorschutz ist kein Einzelbetriebsprojekt, sondern ein komplexer Prozess, der ganze Regionen umfasst. Er funktioniert nur im Zusammenspiel mit Wasser- und Bodenverbänden sowie benachbarten Flächeneigentümern.

Positiv hervorzuheben ist auch die Idee der Leuchtturmprojekte. Sie können wichtige Impulse liefern und zeigen, was technisch und organisatorisch möglich ist. Gleichzeitig muss klar sein: Solche Projekte stehen unter besonderen Rahmenbedingungen. Ihre Daten müssen ergebnisoffen ausgewertet und mit Blick auf die Praxis vorsichtig eingeordnet werden. Was im Modell funktioniert, ist nicht automatisch flächendeckend übertragbar. Gut beraten ist, wer die betroffenen Akteure über ihre Verbände auf EU-, Bundes- und Landesebene (zum Beispiel im Beirat zur Niederungsstrategie) rechtzeitig und effektiv in die Erarbeitung von Förder- und Projektgrundlagen einbezieht.

Die politischen Zielmarken, die für die Palu-Richtlinie gelten, sind ambitioniert. Der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz empfiehlt, bis 2045 rund 80 % der landwirtschaftlich genutzten Moorflächen – etwa 1 Mio. ha – wiederzuvernässen. Dafür wären jährlich rund 50.000 ha umzustellen. Ob dieses Flächenziel tatsächlich erreicht wird, erscheint zumindest fraglich. Vor allem aber greift die Debatte zu kurz: Entscheidend ist nicht, ob eine Zielzahl erfüllt wird, sondern wie der Weg dorthin gestaltet wird.

Hier zeigt die Erfahrung, dass Programme ohne tragfähige Einbindung der Landwirtschaft an ihre Grenzen stoßen. Das Beispiel des Programms Biologischer Klimaschutz in Schleswig-Holstein mit angestrebten 715.000 t CO2-Einsparung pro Jahr verdeutlicht, wie groß die Lücke zwischen politischem Anspruch und praktischer Umsetzung sein kann. Ohne einen funktionierenden kooperativen Ansatz bleibt man weit hinter den eigenen Zielen zurück.

Der Schlüssel liegt daher in regionalen Lösungen: Niederungsbeiräte, abgestimmtes Wassermanagement und funktionierende Flächentauschmodelle sind zentrale Bausteine. Nur so lassen sich Zielkonflikte auflösen und großflächige Maßnahmen umsetzen, ohne einzelne Betriebe wirtschaftlich zu überfordern. Das Projekt „UMZOG“ im Oldenburger Graben zeigt, wie man sich gemeinsam auf den Weg machen kann, um ihn erfolgreich beschreiten zu können. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Unsicherheiten über die Nutzungsperspektiven. Paludikulturen werden politisch als Zukunftsmodell dargestellt, sind aber in der Praxis bislang oft noch keine tragfähige wirtschaftliche Alternative. Hohe Kosten, fehlende Märkte und unklare Vermarktungswege bremsen die Entwicklung. Hier braucht es Zeit, Forschung und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen.

Umso wichtiger ist es, dass die Entwicklung solcher Wertschöpfungsketten gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Praxis vorangetrieben wird und die Erfahrungen aus bestehenden Kooperationen und Netzwerken konsequent gebündelt werden. Diesen Ansatz wählt das Verbundprojekt „PaludiAllianz“, in das unter anderem der Bauernverband Schleswig-Holstein und der Deutsche Bauernverband die fachliche landwirtschaftliche Expertise einfließen lassen – und auch einmal für die notwendige Bodenhaftung sorgen.

Ein zentraler Punkt ist zudem die Frage des Erhalts der Wertschöpfung in den Moorregionen, in Schleswig-Holstein besonders in der Eider-Treene-Sorge-Region. Für viele Betriebe, insbesondere in der Milchviehhaltung, ist entscheidend, dass Wiedervernässung so gestaltet wird, dass eine Nutzung weiterhin möglich bleibt. Es geht darum, Wasserstände zu finden, die sowohl Emissionsminderungen ermöglichen als auch eine wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftung sichern. Offene Fragen zu Futterqualität, Befahrbarkeit oder Tiergesundheit zeigen, dass hier noch erheblicher Klärungsbedarf besteht.

Nicht zuletzt ist Moorschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wenn landwirtschaftliche Nutzung eingeschränkt oder verändert wird, muss das dauerhaft und verlässlich kompensiert werden. Zugleich erfordert der Umbau erhebliche Investitionen in die wasserwirtschaftliche Infrastruktur nebst Neuverteilung der Kosten.

Die Palu-Richtlinie ist in der Gesamtschau ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Sie zeigt, dass Politik bereit ist, den Wandel nicht nur einzufordern, sondern auch zu begleiten und finanziell auszustatten. Entscheidend wird jedoch sein, die Programme konsequent an der Praxis auszurichten, wissenschaftlich zu begleiten und gemeinsam mit den Betrieben weiterzuentwickeln.

Denn eines bleibt klar: Erfolgreicher Moorschutz entsteht nicht durch Zielzahlen oder Modellprojekte allein – sondern durch tragfähige Lösungen vor Ort, die von den Betrieben mitgetragen werden.

Dr. Lennart Schmitt Foto: privat

Milliardenprogramm zur Moorwiedervernässung

Für die Wiedervernässung von Mooren stellt die Bundesregierung bis Ende 2029 insgesamt 1,75 Mrd. € bereit. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) stellte am Freitag voriger Woche ein neues Förderprogramm vor, das Land- und Forstwirtschaft dabei unterstützen soll, auf eine nasse Bewirtschaftung umzustellen. Nach Schneiders Angaben sollen bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 90.000 ha trockengelegte Moorflächen wiedervernässt werden. Die Fläche intakter Moore in Deutschland, derzeit rund 100.000 ha, könnte damit nahezu verdoppelt werden.

Wie der Bundesumweltminister bei der Vorstellung des Programms erklärte, seien Moore in Deutschland über Jahrhunderte hinweg entwässert worden. Nun leite man im Sinne des Klima- und Artenschutzes eine „echte Trendwende“ ein. Naturschutzverbände begrüßten die neue Förderrichtlinie in einer ersten Reaktion. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sprach von einer „riesigen Chance“ für die Land- und Forstwirtschaft. „Moorböden wiederzuvernässen ist Klimaschutz als Geschäftsmodell“, sagte Rainer. Vorangegangen war bereits eine Genehmigung des Programms durch die EU-Kommission.

Schneider setzt auf Freiwilligkeit

Wie Schneider betonte, setze das Programm auf Freiwilligkeit. Ziel sei es zudem nicht, Flächen stillzulegen, sondern neue Formen der nassen Bewirtschaftung für Land- und Forstwirte zu entwickeln. Dazu zählen Paludikulturen, etwa der Anbau von Schilf und Röhricht zur Biomassegewinnung oder die Haltung von Wasserbüffeln.

Dass Moore nur mit Einverständnis der wirtschaftlich Betroffenen renaturiert werden dürfen, ist auch Position des Deutschen Bauerverbandes (DBV). „Eine Wiedervernässung von Mooren kann nur dann erfolgreich sein, wenn dies freiwillig und im Einvernehmen mit den Landwirten und Grund­eigentümern erfolgt und die Betriebe über den anvisierten Förderzeitraum bis 2030 hinaus wirtschaftliche Perspektiven mit marktbasierten Ansätzen für die dauerhafte Nutzung der Flächen erhalten“, kommentierte DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet die neue Förderrichtlinie.

Vier vorgesehene Fördermodule

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums (BMUKN) sind in dem Programm vier Fördermodule vorgesehen. Sie decken die Wiedervernässung und Bewirtschaftung von Flächen ab einer Größe von 5 ha ab, von der Beratung bis zur praktischen Umsetzung. Antragsteller, berechtigt sind unter anderem Landeigentümer und -bewirtschafter sowie Wasser- und Bodenverbände, können sich bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank um Förderungen bewerben (siehe weiter unten).

Starten soll das Förderprogramm laut BMUKN zudem mit einigen großflächigen modellhaften Vorhaben ab mindestens 5.000 ha Moorbodenfläche.


Beantragen der Förderung erst nach Förderaufruf durch die Rentenbank möglich

Mit der Palu-Förderrichtlinie wird ein umfassendes Förderangebot für die dauerhafte und weitgehende Wiedervernässung von Moorböden geschaffen. Ziel ist es, Moorböden wieder als natürliche Kohlenstoffsenken zu etablieren und Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren. Die Maßnahmen zur Wiedervernässung erfolgen freiwillig und bie-ten land- und forstwirtschaftlichen Betrieben neue Perspektiven durch eine angepasste nasse Bewirtschaftung, unter anderem über Paludikulturen. Der Deutsche Bauernverband hatte sich intensiv in die Erarbeitung der von der EU-Kommission genehmigten Förderrichtlinie eingebracht.

Für die Förderrichtlinie werden 1,75 Mrd. € bis 2030 zur Verfügung gestellt, auch darüber hinaus soll die Förderung aus dem Klima- und Transformationsfonds finanziert werden. Eine Beantragung der Förderung ist erst nach einem Förderaufruf durch die Landwirtschaftliche Rentenbank möglich.

Zielgruppe und Förderansatz

Die Förderung richtet sich an alle Akteure, die für eine erfolgreiche Wiedervernässung zusammenarbeiten:

– Eigentümer und Bewirtschafter von Moorbodenflächen

– Wasser- und Bodenverbände

– Gebietskörperschaften und deren Einrichtungen

– gewerbliche Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette von Paludikulturen

Gefördert werden sowohl Einzelflächen ab 5 ha als auch großflächige Projekte zur Entwicklung ganzer Moorregionen.

Förderinhalte (Module)

Gefördert werden insbesondere Kosten für vorbereitende Beratungsdienste, technische Investitionen, Ausgleichszahlungen für wirtschaftliche Schäden infolge der Wiedervernässung und Beihilfen für die Schaffung von Paludikulturen. Wer sich innerhalb eines Jahres für den Zuschuss entscheidet, kann einen Bonus von 20 % erhalten.

Die Förderrichtlinie Palu umfasst vier zentrale Module:

1. Beratung zur Wiedervernässung und Nutzung

a) Zuschuss: 100 %

b) Mindestgröße: ab 5 ha

2. Planung und technische Umsetzung der Wiedervernässung

a) Zuschuss: 100 %

b) für Eigentümer, Verbände und Gebietskörperschaften

c) Mindestgröße: ab 5 ha

3. Kompensation von Wert- und Ertragsverlusten

a) Zuschusshöhe nach Kompensationsrechner

b) Mindestgröße: ab 50 m² je Flurstück

4. Umstellung auf angepasste Bewirtschaftung/Paludikultur

a) Zuschuss: 80 % beziehungsweise 70 % (je nach Vernässungsstufe)

b) für Bewirtschafter, Unternehmen, Lohnunternehmen und Maschinenringe

Leuchtturmregionen

Für große, zusammenhängende Moorgebiete besteht die Möglichkeit einer Förderung als Leuchtturmregion. Hier werden auch die Bundesländer mit eingebunden.

modulübergreifende Förderung ab 5.000 ha

Umsetzung verschiedener Maßnahmen parallel

maximale Laufzeit: 13 Jahre

Abwicklung der Förderung

Die Förderung der Leuchtturmregionen soll voraussichtlich im Mai mit der Einreichung von Skizzen als Erstes starten.

Zu jedem Modul wird es seitens der Landwirtschaftlichen Rentenbank Förderaufrufe geben, für die Module 1 und 2 werden Interessenbekundungen durchgeführt, während das Modul 3 in einem offenen Verfahren abgewickelt werden soll. Als Startziel gibt die Rentenbank dieses Jahr an, es sind aber noch keine festen Zeitpunkte definiert.

Der Deutsche Bauernverband plant zusammen mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank ein Online-Seminar für Flächeneigentümer und Flächenbewirtschafter, voraussichtlich wird es am 6. Mai stattfinden.

Informationen zur Förderrichtlinie Palu sind auf der Internetseite der Landwirtschaftlichen Rentenbank unter dem Reiter „Zuschussprogramme – BMUKN: Moorwiedervernässung“ verfügbar.

Eine erfolgreiche Bekämpfung ist schwierig

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Im Frühjahr 2025 kam es zu einem außergewöhnlich starken Auftreten des Kohlschotenrüsslers, größere Schäden blieben jedoch aus. ­Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke treten nicht jedes Jahr in großem Umfang auf, da sonst bestehende Bekämpfungslücken ­stärker sichtbar würden. Besonders für den Zuflug der Kohlschoten­mücke ist die Witterung der ­entscheidende Faktor.

Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke waren lange Zeit unzertrennlich, jedenfalls ist das so in älteren Veröffentlichungen nachzulesen. Tatsächlich können beide Arten jedoch unabhängig voneinander auftreten. Zwar erleichtern die Eiablage-Löcher des Kohlschotenrüsslers in den Schoten die Eiablage der Mücke, aber das schafft sie, solange das Schotengewebe noch weich ist, auch ganz gut allein. Jahre mit stärkerem Auftreten der Mücke und damit verbundenen Schotenschäden ohne das Zutun des Rüsslers zeigen dies.

Biologie und Schadwirkung

Der Kohlschotenrüssler legt pro Schote ein Ei ab, und seine Larve frisst nur drei bis fünf Samenkörner, sodass das Schadpotenzial erst bei stärkerem Befall relevant wird. Der Kohlschotenrüssler fällt durch seine Größe in einem blühenden Raps durchaus optisch ins Auge, aber die genaue Zahl der Käfer lässt sich nur schwer feststellen, da sie sich bei Bewegungen im Bestand sehr schnell fallen lassen.

Die Pyrethroid-Resistenz der Kohlschotenrüssler ist mittlerweile weit verbreitet. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Typ-I- (Mavrik Vita/Evure) oder Typ-II-Pyrethroide (zum Beispiel Karate Zeon) verwendet werden. Historisch gesehen ist dies leicht erklärbar. Ein zeitlich frühes Auftreten des Kohlschotenrüsslers bedeutet zwangsläufig auch einen unfreiwilligen Pyrethroid-Einfluss aufgrund der bis dato durchgeführten Stängelrüssler- beziehungsweise Rapsglanzkäferbehandlungen. Mit zunehmender Anwendungshäufigkeit steigen Selektionsdruck und damit auch Resistenzgefahr. Zusätzlich war in der Vergangenheit die Blütenbehandlung eine kombinierte Maßnahme aus Fungizid und Insektizid, begünstigt durch praktische Packlösungen.

Die Kohlschotenmücke in der typischen Ansitzhaltung zur Eiablage
An dieser Pflanze sind einzelne Schoten von der Kohlschotenmücke betroffen.
Aufhellungen an der Schote deuten auf Larven der Kohlschotenmücke hin. Diese saugen an der Innenwand der Schote, Körner werden kaum ausgebildet.

Nach mehreren Jahren mit durchaus stärkerem Auftreten der Kohlschotenmücke war in den letzten Jahren, mit Ausnahme einzelner Schläge im südlichen Dienstgebiet Schleswig-Holsteins, ein etwas geringerer Zuflug zu beobachten. Nur ganz selten wurde im Nachhinein von größeren Schäden und nachfolgenden Ertragseinbußen berichtet. Die Kohlschotenmücke kann ein oder zwei Jahre auf ehemaligen Befallsflächen im Boden als Kokon überdauern. Für den Schlupf benötigt sie feuchten Boden und fliegt erst bei warmem, windstillem Wetter in die Rapsbestände ein. Je näher der aktuelle Raps an solchen Überdauerungsflächen liegt, umso größer ist die Gefahr. Die Zuflugsbedingungen sind vorhersagbar, welche tatsächliche Befallstärke daraus resultiert, aber nicht. Der Zuflug kann auch nur einige Stunden andauern, dafür aber in mehreren Wellen (Generationen) erfolgen. Die Schlagränder sind am stärksten betroffen, da die Mücke nur selten weit in die Fläche vordringt. Das Schadpotenzial der Mücke ist deutlich höher als beim Rüssler, da pro Schote mehrere Eier abgelegt werden können. Die sich im Inneren entwickelnden Larven saugen an der Innenwand der Schote und der Körner, was häufig zum Totalausfall der gesamten Schote führt.

Bedeutung der Nützlinge

Nützliche Insekten tragen zur Bekämpfung von Rapsschädlingen bei. Bodenräuber, wie räuberische Laufkäfer, Kurzflügler und Spinnen, ernähren sich von zur Verpuppung abwandernden Larven. In der Blüte sind Schlupfwespen-Arten (Tersilochus ssp., Phradis ssp.) aktiv, die die Larven des Rapsglanzkäfers besiedeln und dort ihrerseits ihre Eier ablegen. Hier haben Insektizidspritzungen direkten Einfluss auf die Population der Schlupfwespen. Mavrik Vita/Evure würde diese Schlupfwespen teilweise schonen, andere Pyrethroide aber nicht.

Bienenschutz ist oberstes Gebot – blühender Raps, Honigbienen und Imkerei prägen die Landschaft Schleswig-Holsteins.

Bekämpfungsstrategie

Eine zuverlässige Bekämpfung beider Schädlinge ist nicht mehr möglich. Die zugelassenen Pyrethroide wirken auf Kohlschotenrüssler aufgrund der Pyrethroid-Resistenz (kdr) nur noch sehr eingeschränkt. Eine genaue Vorhersage, auf welchen Flächen mit welcher Intensität die Pyrethroid-Resistenz auftritt, ist nicht möglich. Gegen die Kohlschotenmücke sind die Pyrethroide zwar theoretisch voll wirksam, allerdings stellt sich die Frage nach dem praktischen Erfolg der Kontaktmittel. Es drängt sich zum einen die Frage auf, inwieweit die Kohlschotenmücke möglichst viel Wirkstoff aufnehmen kann. Zum anderen sind die mehreren Zuflugswellen problematisch. Da die Mücke nur bei warmem, windstillem Wetter fliegt, kann der Zuflug auch phasenweise über nur wenige Stunden erfolgen. Dann ist eine optimale Terminierung der Behandlung unmöglich. Versuchsergebnisse aus vergangenen Jahren haben den Pyrethroiden nur geringe Wirkungsgrade beschieden. Zusätzlich hat ein Pyrethroid-Einsatz negative Auswirkungen auf die die Rapsglanzkäfer parasitierenden Schlupfwespen. Eine gewisse Ausnahme bietet Mavrik Vita/Evure (Pyrethroid Typ I), das einige Schlupfwespen-Arten schont.

So gesehen besteht bei starkem Zuflug zur Schadensbegrenzung die einzige vertretbare Möglichkeit im Einsatz von Mavrik Vita/Evure als Randbehandlung zum Hauptzuflug der Mücke.

Pyrethroid-Typ-II-Produkte (Karate Zeon und Co.) werden nicht empfohlen. Aufgrund der NT-Auflage ergibt es besonders in kleinräumigen Strukturen keinerlei Sinn, da 5 m Abstand zu Wäldern und Saumstrukturen, die breiter sind als 3 m, eingehalten werden müssen. Andere Produkte haben keine Zulassung. Mospilan SG/Danjiri als Neonicotinoid darf nur gegen Rapsglanzkäfer bis zum Stadium 59 eingesetzt werden.

Im Zeitraum der Blüte findet auch die Begattung der Rapsglanzkäfer statt. Schlupfwespen parasitieren die Larven
der Rapsglanzkäfer und nehmen so auf natürliche Weise Einfluss auf die Population der Tiere – vorausgesetzt, sie
werden nicht durch Pyrethroide in Mitleidenschaft gezogen.

Fazit

Das Schadpotenzial der Kohlschotenmücke ist stark abhängig von den jährlichen Bedingungen – Lage der Fläche und Witterung. Kleinräumige Strukturen, aktuelle Rapsschläge in der Nähe zu Flächen mit Vorjahresbefall sowie günstige Schlupf- und Zuflugsbedingungen sind dafür ausschlaggebend. Da die Mücke erst in die Bestände einfliegen muss und dabei keine weiten Strecken zurücklegt, sind klein strukturierte Schläge besonders stark gefährdet. Bei großen, windoffenen Flächen beschränkt sich die Gefährdung auf die Randbereiche. Mit Wegfall von Wirkstoffen und weiterer Zunahme von Resistenzen treten Bekämpfungslücken zutage. Tritt der selten gewordene Fall ein, dass Rüssler und Mücke in bekämpfungswürdigem Umfang zum Zeitpunkt der Blüte auftreten, ist der Bienenschutz dringend zu berücksichtigen.

Folgen der Blauzungenkrankheit weiter spürbar

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Die Blauzungenkrankheit (BT) hat im Herbst 2024 zahlreiche Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein stark belastet – und ihre Folgen sind bis heute spürbar. Auswertungen des Landeskontrollverbandes (LKV) sowie Daten einer größeren Tierarztpraxis im nördlichen Schleswig-Holstein geben auf Basis der Milchleistungsprüfung und praxisnaher Beobachtungen Einblicke in die Auswirkungen auf Tiergesundheit, Leistung und Arbeitswirtschaft. Der Zusammenhang mit der Blauzungeninfektion wurde dabei überwiegend aus dem zeitlichen Auftreten abgeleitet.

In der öffentlichen Diskussion wird häufig pauschal von „der“ Blauzungenkrankheit gesprochen. Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren verschiedene Serotypen aufgetreten:

BTV-8 wurde bereits 2007/2008 in Deutschland nachgewiesen und zeigte damals teils deutliche klinische Symptome. In Schleswig-Holstein verlief die Erkrankung vergleichsweise mild.

BTV-3 wurde Ende 2023 zunächst in den Niederlanden festgestellt und breitete sich 2024 rasch über Nordrhein-Westfalen in ganz Deutschland aus. Bei Rindern verläuft die Erkrankung meist weniger dramatisch als bei Schafen, dennoch treten typische Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Atemwegserkrankungen auf.

BTV-12 wurde 2024 in den Niederlanden nachgewiesen, bislang jedoch ohne weitere Verbreitung.

Nach der dynamischen Ausbreitung von BTV-3 im Jahr 2024 mit teils schweren Verläufen und erheblichen Tierverlusten hat sich die Situation im Jahr 2025 durch natürliche Durchseuchung und umfangreiche Impfmaßnahmen deutlich entspannt. Im aktuellen Gnitzenjahr 2025/2026 (bis Ende April 2026) werden weiterhin einzelne Ausbrüche registriert, jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau.

In Schleswig-Holstein wurden 2024 insgesamt 2.212 Fälle beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gemeldet, im Jahr 2025 hingegen nur noch 245. Auffällig ist die stärkere Betroffenheit der nördlichen Kreise (Abbildung 1). Trotz rückläufiger Fallzahlen wirken die Folgen der starken Ausbreitung im Jahr 2024 bis heute nach und betreffen nahezu alle Produktionsbereiche.

Milchleistung stark gesunken

Mit dem Auftreten der ersten Seuchennachweise Anfang August 2024 kam es zu einem deutlichen Einbruch der Milchleistung. Nach zuvor sehr guten Leistungen von durchschnittlich rund 31 kg Milch pro Kuh und Prüftag (Mai bis Juli) sank die Leistung im August unter 30 kg und im September auf etwa 29 kg.

Im Durchschnitt aller Kühe in der Milchleistungsprüfung ergibt sich ein Rückgang von rund 2 kg Milch je Kuh und Tag (Abbildung 2). In besonders stark betroffenen Regionen lag der Rückgang sogar bei über 2,5 kg. Die Inhaltsstoffe Fett und Eiweiß folgten weiterhin dem üblichen saisonalen Verlauf.

Im Prüfjahr 2025 stabilisierte sich die Milchleistung wieder, da ein erneuter Einbruch im Spätsommer ausblieb.

Eutergesundheit weitgehend stabil

Die Auswirkungen auf die Eutergesundheit waren weniger eindeutig. Die Zellzahlen stiegen wie saisonal üblich in den Sommermonaten an. Im Jahr 2024 zog sich dieser Anstieg bis in den September, während in anderen Jahren bereits wieder ein Rückgang zu verzeichnen ist. Die Auswertung der in der Tierarztpraxis eingesetzten Eutermedikamente zeigte keinen klaren Anstieg im Zusammenhang mit der Blauzungenkrankheit. Die Entwicklung war stark betriebsspezifisch. Dennoch ist bekannt, dass Infektionen als Stressfaktor indirekt negative Effekte auf die Eutergesundheit haben können.

Mehr Erkrankungen und Klauenprobleme

In der tierärztlichen Praxis zeigte sich im Spätsommer 2024 ein deutlich erhöhtes Krankheitsaufkommen, was sich unter anderem in einem gestiegenen Medikamenteneinsatz widerspiegelte. Am Beispiel der eingesetzten Schmerzmittel (Abbildung 3) wird im Zeitraum des Ausbruchs eine teils bis zur Verdopplung reichende Steigerung deutlich. Neben Allgemeinsymptomen traten vermehrt Atemwegserkrankungen auf. Gerade in der Phase nach den ersten klinischen Anzeichen kam es zu einer Häufung behandlungsbedürftiger Tiere.

Erfahrungsberichte von Tierärzten und staatlich geprüften Klauenpflegern zeigen, dass die Klauengesundheit besonders stark betroffen war. Beobachtet wurden vermehrt diffuse Sohlenblutungen sowie ein gehäuftes Auftreten von Dermatitis interdigitalis und Mortellaro (DD). Auf einigen Betrieben entwickelten sich routinemäßige Klauenpflege-Termine zeitweise zu reinen Behandlungseinsätzen.

Fruchtbarkeit deutlich beeinträchtigt

Die Blauzungeninfektion wirkte sich deutlich auf die Fruchtbarkeit aus. Beobachtet wurden schwächere Brunstsymptome, reduzierte Konzeptionsraten sowie frühembryonale Verluste und Aborte. Als Ursachen gelten:

Fieber (Störung der Follikelreifung)

Gefäßschäden (Beeinträchtigung der uterinen Durchblutung)

hormonelle Dysregulation durch Entzündungsprozesse und Stress

Die Folgen zeigen sich in verlängerten Zwischenkalbezeiten und einer verzögerten Reproduktion. Besonders deutlich wurde dies in einer geringeren Zahl an Kal­bungen in der ersten Jahreshälfte 2025, insbesondere zwischen April und Juni (Abbildung 4). Die durchschnittliche Zwischenkalbezeit lag 2025 über dem Vorjahresniveau. Dabei ist jedoch auch ein Managementeffekt zu berücksichtigen, da der Trend zu längeren Zwischenkalbezeiten im Zuge verlängerter freiwilliger Wartezeiten bereits länger besteht.

Auch bundesweit lassen sich Effekte erkennen: Laut Bundesverband Rind und Schwein (BRS) blieb der übliche Rückgang der Kuhzahlen zum Stichtag 30. September nahezu aus (−0,3 % gegenüber −3,3 % im Vorjahr). Gleichzeitig sank die durchschnittlich geprüfte Kuhzahl um 2,5 %. Dies deutet darauf hin, dass viele Milchviehhalter den Abgang einzelner Kühe erst zeitversetzt durch frisch abgekalbte Färsen ausgleichen konnten, da diese offenbar nicht in dem Zeitraum abgekalbt haben, der für einen unmittelbaren Bestandsausgleich erforderlich gewesen wäre.

Bei Kälbern wurden nach der Akutphase vereinzelt Frühgeburten sowie lebensschwache Tiere beobachtet. In Einzelfällen traten schwere Missbildungen wie Blindheit oder das teilweise Fehlen des Großhirns auf.

Arbeitsbelastung steigt

Ein deutlicher Anstieg der direkten Tierverluste ließ sich in den Auswertungen nicht feststellen. Allerdings nahmen die Abgangsgründe Unfruchtbarkeit, Klauenerkrankungen und sonstige Ursachen im Vergleich zum Vorjahr zu. Neben direkten Tierverlusten belastete vor allem der zusätzliche Arbeitsaufwand die Betriebe. Die Betreuungszeit pro Tier stieg deutlich, ebenso die Medikamenten- und Materialkosten.

Ausblick 2026: Impfung zentral

Mit Blick auf das Jahr 2026 stellt sich für viele Betriebe erneut die Frage nach der Impfstrategie. Die fachliche Empfehlung ist klar: Impfung, insbesondere gegen BTV-3. Empfohlen wird, alle Tiere mit geplanter Besamung einzubeziehen sowie bereits geimpfte Tiere konsequent nachzuimpfen.

Zudem weist das Friedrich-Loeffler-Institut auf einen neuen genetisch differenzierten BTV-8-Stamm (BTV-8 FRA2023) hin, der sich bereits von Südfrankreich über mehrere Länder bis nach Süddeutschland ausgebreitet hat. Eine weitere Ausbreitung nach Norden im Verlauf des Jahres 2026 ist wahrscheinlich, Zeitpunkt und Ausmaß sind jedoch derzeit nicht abschätzbar. Eine Gefährdung der Wiederkäuerpopulation kann nicht ausgeschlossen werden.

Fazit

Die Blauzungeninfektionen im Herbst 2024 hatten auch in Schleswig-Holstein erhebliche Auswirkungen. Während die akuten Krankheitsverläufe bei Rindern häufig moderat erschienen, waren die indirekten Folgen deutlich:

spürbare Leistungseinbußen

Fruchtbarkeitsstörungen

zunehmende Klauenerkrankungen

erheblicher Mehraufwand in der Bestandsbetreuung

Die Erfahrungen zeigen, dass die Blauzungenkrankheit weit über das akute Krankheitsgeschehen hinausgeht und erhebliche betriebswirtschaftliche Konsequenzen haben kann. Eine konsequente Impfstrategie und eine enge tierärztliche Begleitung bleiben daher zentrale Bausteine für ein stabiles Herdenmanagement.

Der Ertrag als zentraler Parameter

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Stickstoffeinträge in das Grundwasser sowie Phosphoreinträge in Fließ- und Oberflächengewässer aus der Landwirtschaft stellen in Schleswig-Holstein ein anhaltendes Problem dar und verdeutlichen den fortbestehenden Handlungsbedarf. Bei der Grünlandbewirtschaftung von Milchviehbetrieben gibt es oftmals Potenziale zur Steigerung der Nährstoffeffizienz. Ein entscheidender Faktor hierfür ist die Kenntnis über die tatsächlich realisierten Erträge.

Für eine bedarfsangepasste Nährstoffzufuhr und die Ermittlung realistischer Flächenbilanzen ist die exakte Bezifferung der Nährstoffabfuhr von der Fläche erforderlich. Diese als Ernteertrag bezeichnete Menge resultiert aus dem Bruttoertrag der Fläche abzüglich der Feldverluste. In der Beratung der norddeutschen Landwirtschaftskammern werden zur Schätzung der Grünlanderträge zumeist Verfahren wie das Vermessen von Einlagerungsmengen, Handschnittmethoden oder Rückrechnungen über die Futteraufnahme herangezogen. Diese Methoden bieten zwar Richtwerte, sind jedoch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Von den Versuchsstationen der Kammern liegen diverse Ertragsdaten aus Exaktversuchen vor, die jedoch unter idealisierten Bedingungen entstehen, da praxisübliche Einflüsse wie etwa Bodenverdichtung durch Überfahrten oder höhere Futterverluste ausbleiben. Ernteertragsdaten aus der Praxis auf Schlagebene sind hingegen bislang nur in sehr geringem Umfang verfügbar.

Ist auf dem Betrieb oder in der Nachbarschaft eine Biogasanlage, findet sich häufig eine Fuhrwerkswaage. Hier muss das Gespann halten, damit das Gewicht erfasst werden kann. Teilweise werden die Einzelgewichte automatisch gespeichert, alternativ können die Daten mithilfe einer großen Anzeige auch direkt von der fahrenden Person notiert werden.
Wenn für die Ertragserhebung keine Fuhrwerkswaage genutzt werden konnte, wurden die Erntemengen mit einer mobilen Achslastwaage erfasst. Diese lässt sich leicht in den Ernteablauf integrieren und einfach während der Überfahrt verwenden. Dabei ist es wichtig, dass die Geschwindigkeit langsam und gleichmäßig gehalten wird. 

Erfassung von Praxiserträgen im Grünland

Daher war es Ziel einer fünfjährigen Untersuchung, die Ernteerträge auf intensiv genutzten Grünlandschlägen in Norddeutschland systematisch zu erfassen. Im Rahmen der Projekte der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) „Nährstoffmanagement im Grünland“ und „Flächenkonzepte Grünland“ (www.eip-agrar-sh.de) wurden sechs intensiv wirtschaftende Milchviehbetriebe anhand ihrer räumlichen Lage ausgewählt, um für die relevanten Naturräume im Land annähernd repräsentative Ertragsdaten zu ermitteln. 

Die Untersuchungen wurden von 2016 bis 2020 auf jeweils zwei Dauergrünlandflächen je Milchviehbetrieb durchgeführt. Die Standortdaten sowie die Ergebnisse sind in der Tabelle dargestellt.

Die Niederschläge liegen im Durchschnitt der Standorte im langjährigen Mittel (1991 bis 2020) bei 854,0 mm (DWD, 2026). In den fünf Untersuchungsjahren betrug der Mittelwert 842,2 mm, wobei eine sehr hohe jährliche Variabilität festgestellt wurde (zum Beispiel 2018: Wilstermarsch 539,1 mm; 2017: Bredstedt-Husumer Geest 1.144,7 mm). Die Lufttemperatur lag im langjährigen Mittel (1991 bis 2020) zwischen 8,9 und 9,4 °C und war in den Untersuchungsjahren mit durchschnittlich 9,9 °C leicht erhöht (DWD, 2026).

Die untersuchten Flächen wurden vorwiegend für reine Schnittnutzung und in einem Fall als Mähweide genutzt. Die durchschnittliche Schlaggröße belief sich auf 3,25 ha und schwankte zwischen 1,92 und 7,00 ha. Die Flächen wurden im Jahr zwei- bis fünfmal genutzt. Das Mittel lag bei 3,67 Nutzungen. Insgesamt wurden auf den zwölf Schlägen 209 Einzelertragswerte erfasst.

Auf allen Flächen wurde jedes Jahr unmittelbar vor dem ersten Schnitt eine Ertragsanteilschätzung nach Klapp und Stählin (Vogtländer und Voss, 1979) durchgeführt. Die Erträge wurden per Fuhrwerkswaage oder mobiler Achslastwaage erfasst. Dabei wurde das Leergewicht der Fahrzeuge mehrfach bestimmt und gemittelt, um eine möglichst präzise Erhebung der Erntemasse zu gewährleisten.

Für die Ermittlung der Futterqualität wurden für jeden Schlag und Schnitt während des Ernteprozesses beim Abladen vier Teilproben des Häckselgutes für eine Mischprobe gezogen. Die Analyse wurde an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel per NIRS und die Energieberechnung nach Formeln der GfE (1998) durchgeführt. Darüber hinaus wurde die Trockensubstanz zur Ermittlung des Trockenmasseertrages bestimmt.

Grünland ist nicht gleich Grünland

Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass die beteiligten Betriebe im Durchschnitt sehr hohe Trockenmasse-Ernteerträge und Energiedichten vom Grünlandland realisieren konnten. Allerdings wird auch deutlich, dass es große Schwankungen zwischen den erzielten Trockenmasseerträgen gibt. Innerhalb der Dreischnittnutzungen schwanken die Erträge zwischen den Flächen und Jahren von 75 dt TM/ha bis 135 dt TM/ha. Bei den Vierschnittnutzungen liegen sie zwischen 79 dt TM/ha und 147 dt TM/ha, und für die Fünfschnittnutzungen rangieren die Trockenmasseerträge zwischen 92 dt TM/ha und 171 dt TM/ha. Diese Spannweiten verdeutlichen, dass pauschale Schätzwerte für unterschiedliche Standorte nicht ausreichend belastbar sind.

Die Höhen der Rohprotein- und Phosphorgehalte im Erntegut weisen teilweise darauf hin, dass die Nährstoffzufuhr und die tatsächlich realisierte Nährstoffabfuhr nicht immer übereinstimmen. Daraus lassen sich potenzielle Nährstoffverluste ableiten. Weitere Möglichkeiten zur Ertragserfassung mittels Feldhäcksler und Abfahrwagen sowie die Relevanz der Kenntnis des realisierten Ertrages für den adäquaten Einsatz von Siliermitteln wurden bereits im Bauernblatt 15/2026 erläutert.

Fazit

Die enge Zusammenarbeit zwischen angewandter Forschung, Beratung und Praxis im Rahmen der Projekte verdeutlicht, dass eine Sensibilisierung für den Parameter Trockenmasseertrag und eine realistische Beurteilung der betriebseigenen Grünlanderträge dringend nötig sind. Nur dann ist es möglich, eine wirklich bedarfsgerechte Düngung durchzuführen, die tatsächlichen Nährstoffabfuhren von der Fläche zu ermitteln und Stickstoff- und Phosphorverluste zu reduzieren.

Zeitreise in 130 Fotos

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In 45 Jahren Pressefotografie kommen so einige Bilder und noch mehr Erlebnisse zusammen. So um die eine Million Fotos, schätzt der Hamburger Pressefotograf Andreas Laible. Zusammen mit seinen Kollegen Jürgen Joost und Ronald Sawatzki hat er das Kunststück vollbracht, aus diesen 45 Jahren Pressefotografie 130 Bilder für die Ausstellung in der Hauptverwaltung der Itzehoer Versicherungen in Itzehoe auszuwählen. Eindrucksvolle Porträts von Künstlern und Politikern, Stadtansichten Hamburgs, politische und geschichtliche Ereignisse, Konzerte, Theateraufführungen, Demos, jüdisches und muslimisches Alltagsleben, festgehalten mit der Kamera. Und allesamt erzählen sie eine Geschichte.

Andreas Laible (li.) und Ronald Sawatzki vor von ihnen fotografierten Porträts.
Foto: Iris Jaeger

Erstflug des Airbus A380 über Hamburg: Pressefotograf Andreas Laible sitzt in einem Hubschrauber, der bereits seit einer halben Stunde über dem Hamburger Hafen „steht“ und auf die Ankunft des Flugzeuges wartet. Der Hubschrauber-Pilot steht im ständigen Kontakt mit dem Tower, unsicher, ob seine Position geeignet ist oder sich die Luftverwirbelungen durch die Rotoren negativ auf den Airbus-Flug auswirken könnten. Plötzlich zieht das Flugzeug vorbei, Laible schafft es, im richtigen Moment den Auslöser seiner Kamera zu drücken. Es entsteht eine einzigartige Aufnahme des A380 über dem Hafen.

Pressefotograf Jürgen Joost hat einen Termin mit Leonard Cohen im Hotel. Doch der kanadische Sänger und Schriftsteller liegt mit einer Erkältung im Bett und kann nicht kommen. Joost fragt nach, ob es nicht möglich wäre, ihn am Bett zu treffen. Es gelingt. Cohen setzt sich die Mütze auf und lässt sich im Bett sitzend fotografieren. Bei der HSV-Meisterfeier 1979 im Hamburger Volksparkstadion durchbrechen Fans den Zaun der Westkurve, es herrscht ein einziges Chaos. Es gibt zahlreiche Verletzte, Helfer kümmern sich um die zum Teil bewusstlosen Anhänger des Vereins. Joost wird mit seiner Kamera Zeitzeuge dieser Eskalation. Eines der Schwarz-Weiß-Fotos schafft es auf den Titel des Magazins „Stern“, allerdings koloriert und per Fotomontage nachbearbeitet, um es aggressiver wirken zu lassen.

Boris Füting setzt mit seiner akkuraten Hängung die Bilder perfekt in Szene. 
Foto: Iris Jaeger

Es sind diese und unzählige weitere Geschichten, die die drei renommierten Hamburger Fotografen bei ihrer Arbeit erlebten und die hinter den gezeigten Fotografien stecken. „Es ist wie eine Zeitreise durch die vergangenen Jahrzehnte“, fasst Ronald Sawatzki die Ausstellung zusammen. Bereits bei einer vorangegangenen Ausstellung habe man erlebt, wie beeindruckt die Besuchenden jedes Mal waren und beim Betrachten der Fotos in Erinnerungen schwelgten. „Geld damit zu verdienen ist das eine. Aber uns ist es wichtig, diesen Nachlass der vergangenen 45 Jahre allen zugänglich zu machen, denn wie in allen Bereichen der Kunst haben Menschen ein Anrecht darauf, das hier zu sehen“, so Sawatzki. Und so erzählen die Fotos von bewegenden Ereignissen, leisen Momenten und großen gesellschaftlichen Umbrüchen.

Sie zeigen Persönlichkeiten aus Politik und öffentlichem Leben auch einmal in unerwarteten Momenten: zum Beispiel einen meist hanseatisch steif wirkenden Helmut Schmidt, herzhaft lachend mit seiner Frau Loki, einen verschmitzt lächelnden Olaf Scholz. Ein Wiedersehen gibt es mit Jan Fedder, Harald Junke oder Götz George. Udo Lindenberg wird zu seinem 80. Geburtstag eine Hommage gewidmet, in großformatigen Porträts sind internationale Stars wie Clint Eastwood, Morgan Freeman oder John Malkowich zu sehen. Erinnert wird an Ereignisse wie den G20-Gipfel in Hamurg, den bereits genannten Airbus-Erstflug oder die besagte Meisterfeier des HSV. Ergänzt wird der Bilderreigen durch Konzertfotos von beispielsweise Bruce Springsteen, Carlos Santana, Tokio Hotel oder Peter Maffay. Wer sich auf diese fotografische Reise begeben will, kann das während der regulären Öffnungszeiten der Itzehoer Versicherungen montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr tun. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist ab dem 24. April bis Februar 2027 zu sehen.

Jürgen Joost, Andreas Laible und Ronald Sawatzki zeigen an die 130 Pressefotos in den Räumen der Itzehoer Versicherungen in Itzehoe.
Foto: Romanus Fuhrmann

Foto: Ronald Sawatzki
Foto: Andreas Laible
Foto: Jürgen Joost
Foto: Jürgen Joost
Foto: Ronald Sawatzki
Foto: Ronald Sawatzki

Foto: Ronald Sawatzki

Foto: Ronald Sawatzki

Foto: Ronald Sawatzki

Foto: Ronald Sawatzki
Foto: Iris Jaeger