Sechs Tage lang stand Warendorf ganz im Zeichen des deutschen Pferdenachwuchses. Bei den Bundeschampionaten präsentierten sich rund 930 junge Pferde und Ponys aus deutscher Zucht in 56 Prüfungen der Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Knapp 40.000 Besucher erlebten auf dem Gelände des Bundesstützpunkts Reiten hochklassigen Sport und vielversprechende Nachwuchspferde.
Im Bundeschampionat der dreijährigen Hengste hatte Nicole Derlin aus Travenbrück, Kreis Stormarn, ihren Hannu Haakon ins Rennen geschickt. Der zweite Reservesieger der Trakehner Hengstkörung kam auf den vierten Platz. Teile des Publikums waren mit der Bewertung, insbesondere für den Schritt, nicht einverstanden und taten dies auch mit Pfiffen kund. Sie hatten ihn weiter vorn gesehen.
Dressur- und Reitponys überzeugen
Im Championat der sechsjährigen Dressurponys siegten Dating’s Smiley A von Dating AT-Mad Max und seine Reiterin Catharina Sophie Dirksen. Der erste Reservesieger seiner Körung beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg überzeugte Richter und Publikum gleichermaßen. Züchter und Besitzer kommen aus Nordrhein-Westfalen.
Die Silbermedaille verdienten sich Proud Day Max von Dreidimensional I AT NRW-Rocketti und Lilli von Helldorff. Der Hengst wurde gezüchtet von Karin Stolz aus Hitzhusen, Kreis Segeberg, und ebenfalls in Neumünster gekört. „Bereits seine Urgroßmutter ist bei uns geboren“, berichtete seine begeisterte Züchterin und verrät, dass die Eltern der Reiterin ihre besten Freunde sind. „Als Lilli ihn direkt nach der Geburt sah, kündigte sie gleich an, ihn übernehmen zu wollen“, erzählte Stolz.
Auf Rang drei platzierte sich ebenfalls ein Hengst aus Schleswig-Holstein, Champagner zum Frühstück von HJK Crazy Dream-Coldplay mit seiner Reiterin Lynn Sophie Soddemann. Der Hengst stammt aus der Zucht von Kristin Rosenbaum aus Malente, Kreis Ostholstein. Sie hatte schon den Vater als Fohlen gekauft und die Mutter selbst gezogen. „Er ist ein sehr sympathischer und freundlicher Hengst“, erzählte sie und freut sich, dass er es mit seiner neuen Besitzerin Kerstin Klose so gut getroffen hat.
Für das Finale der fünfjährigen Dressurponys hatten sich auch Amy Carlotta Reinfandt und Steendieks Douglas Deluxe von Steendieks Morgensterns Dalai-FS Chambertin qualifiziert. Der Hengst stammt aus der Zucht und dem Besitz von Peter Böge aus Schönhorst, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Reiterin vom Reit- und Fahrverein Höllnhof Schülp hatte schon im vergangenen Jahr einen Tierschutzpreis des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erhalten und bekam ihn auch in diesem Jahr. Dieser Sonderehrenpreis wird Reiterinnen und Reitern verliehen, die sich während der gesamten Vorbereitungszeit sowohl im Umgang als auch beim Reiten besonders pferdefreundlich verhalten.
Der beste vierjährige Reitponyhengst der Qualifikation schaffte es auch im Finale ganz nach vorn: Danny deVito holte Gold für das Zuchtgebiet Schleswig-Holstein und verwies alle auf die Plätze. „Danny deVito ist ein kompletter Hengst, der sehr gut mitmacht und sich auf seine Reiterin konzentriert“, so der Richterspruch zum neuen Bundeschampion von FS Daddy Cool-Quaterback’s Junior aus der Zucht von Besitzerin Julia Voigt aus Löptin, Kreis Plön. Der Fuchsfalbe wurde von Nazila Natasha Lotz vorgestellt und siegte in der Dressurponyprüfung der Klasse A mit einer Gesamtnote von 8,34. Für seine „fleißige und taktsichere Trabtour mit viel Schwungentfaltung“ gab es die 8,3 und für den „sicher balancierten Galopp mit viel Abdruck“ die Wertnote 8,5. Auch für den Gesamteindruck sprang eine 8,5 für den neuen Bundeschampion heraus. Julia Voigt wurde für diesen Erfolg außerdem mit dem BMLEH-Ehrenpreis für Züchter geehrt.
Medaillensegen in der Vielseitigkeit
Bei den fünfjährigen Vielseitigkeitspferden holten Holsteiner alle Medaillen, allen voran Chesalico von Chezarro-Colman aus der Zucht von Anneliese Siebert aus Hamdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Der Wallach aus dem Stamm 242 überzeugte über alle drei Teilprüfungen hinweg und holte den Titel. Im Sattel des jungen Talents saß die frischgebackene Mannschaftsweltmeisterin Malin Hansen-Hotopp, die auch den Tierschutzpreis erhielt. Sie wuchs in Maasbüll, Kreis Schleswig-Flensburg, auf und lebt mit ihrer Familie in Mecklenburg-Vorpommern. Richterin Monika Schnepper fand für den Sieger besondere Worte: „Er ist der Prototyp eines Vielseitigkeitspferdes. Immer konzentriert, mit viel Übersicht und dynamischem Abfußen.“
Die Silbermedaille ging an Carbolin von Clarimo-Quinar aus dem Stamm 2543, gezogen von Klaus Thiedemann aus Oesterwurth, Kreis Dithmarschen. Carbolin war schon früh Julia Krajewski ins Auge gefallen. Die Olympiasiegerin entdeckte den Nachwuchssportler auf einer Holsteiner Auktion. Auch über die Bronzemedaille durfte sich Krajewski freuen. Sie saß im Sattel eines weiteren ehemaligen Holsteiner Auktionspferdes, ChrisTonic von Crack-Dinken. Der Schimmel wurde von Manfred Johannsen aus Tornesch, Kreis Pinneberg, gezogen und gehört zum Stamm 569.
Für noch eine Medaille aus Holsteiner Sicht sorgte Luci von Clarimo-Lord Z aus der Zucht von Max-Hermann Johannsen aus Hörup, Kreis Schleswig-Flensburg. Im Sattel saß Carlota Jade Korang Seitz. Die Reiterin vom Thomsen-Team aus Großenwiehe, Kreis Schleswig-Flensburg, pilotierte die Stute auf den Silberrang bei den sechsjährigen Vielseitigkeitspferden. „Ein Pferd, das seine Aufgabe heute sehr gut angenommen und gelöst hat. Ein wirklich interessantes Pferd – leichtfüßig, gleichmäßig und energisch“, kommentierte Thies Kaspareit. Mit einer 8,5 für das Springen konnte Luci in der Holsteiner-Kernkompetenz besonders überzeugen.
Zweimal Gold, einmal Silber im Parcours
Cadoc von Casall-Diamant de Semilly, vorgestellt von Sophie Hinners, war in beiden Umläufen der Beste der fünfjährigen Springpferde. Mit der Note 9,3 beendete der Holsteiner Wallach den ersten Umlauf, in dem Cadoc mit „einer tollen Runde in hohem Gleichmaß seine Aufgabe absolvierte“, so der Kommentator Peter Teeuwen. Er erläuterte die Richterurteile. Im zweiten Umlauf wurde Cadoc noch besser: „Dieses Pferd will alles richtig machen, besticht durch seine Springmanier, seine Rittigkeit“, schwärmte Teeuwen. Eine 9,5 gab es für den zweiten Umlauf, insgesamt also ein überzeugender neuer Bundeschampion. Sein Züchter Klaus-Jürgen Pöhlmann aus Owschlag, Kreis Rendsburg-Eckernförde, konnte den Sieg vor Ort miterleben und nahm vor Freude strahlend die Glückwünsche entgegen.
Bei den siebenjährigen Springpferden zogen acht Paare in das Stechen um den Sieg ein. Der Holsteiner Wallach Clarimero und sein Ausbilder Alexander Schill waren das schnellste fehlerfreie Paar in der Springprüfung der Klasse S**. Clarimero ist ein Sohn von Clarimo-Catoki, in seinen Adern fließt bestes Holsteiner-Springblut. Gezogen wurde er in Niedersachsen. „Ich bin unglaublich dankbar für die Saison, die wir bisher hatten, und für diesen unglaublichen Erfolg – das Sahnehäubchen auf einer Menge harter Arbeit, Hingabe und Unterstützung von so vielen Menschen hinter den Kulissen“, sagte Schill.
Sechs Paare erreichten das Stechen im Finale der achtjährigen und älteren Springpferde. Dort sicherte sich Hendrik Dowe mit dem Westfälischen Hengst Unglaublich den Sieg. Zweitschnellster Bewerber im Stechen war Paul FB, ein neunjähriger Wallach von Perigueux-Grey Top. Im Sattel des braunen Hannoveraners saß Luisa Himmelreich aus Neumünster. „Er hat mega gekämpft, und ich bin superhappy, dass wir uns so weit nach vorn gekämpft haben“, freute sich Himmelreich über ihren Paul. Dass die beiden ganz vorn mitmischen können, kam für sie nicht überraschend: „Paul ist immer gut. Er will eigentlich immer null springen, wenn ich gut reite.“ pm



