Die Milchanlieferung bewegt sich weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Die Milchspitze ist zwar erreicht, aber ein richtiger Rückgang der angelieferten Milchmenge ist noch nicht zu erkennen. Die meisten Meiereien haben ihre Auszahlungspreise für den Monat Mai leicht angehoben, bei sechs Meiereien blieb der Auszahlungspreis unverändert.
Die Preise wurden in einer Spanne zwischen 1 und 2 ct/kg angehoben. Der Durchschnittspreis liegt nun bei 35,74 ct/kg und damit 0,79 ct über dem Vormonatsniveau. Die Spanne bewegt sich aber immer noch zwischen 30,20 und 40,00 ct/kg und bleibt damit unverändert zum Vormonat. In Süddeutschland ist die Spanne etwas kleiner geworden. Hier werden zwischen 31,46 und 40,40 ct/kg gezahlt. In Ostdeutschland liegt der Auszahlungsgrundpreis zwischen 31,50 und 37,50 ct/kg. Hier hat sich die Spanne somit nach oben ausgedehnt. Bei den westdeutschen Meiereien reicht die Spanne von 31,68 bis 38,65 ct/ kg und hat sich somit insgesamt leicht nach oben verschoben.
Impulslose Teilmärkte
Die Geschäftstätigkeiten auf den einzelnen Teilmärkten haben aktuell deutlich nachgelassen. Meist werden derzeit bestehende Kontrakte bedient. Das ist vor allem bei Butter und Käse der Fall. In diesen Bereichen gibt es aktuell auch entsprechend wenige Veränderungen der Preisniveaus. Diese liegen in beiden Fällen nach wie vor sehr niedrig. Im Sahnebereich kommt es aufgrund der guten Verfügbarkeit zu weiteren Preisabschlägen. Leider schwächelt auch das bisherige Zugpferd, der Milchpulverbereich. Die Schokoladenindustrie hat ihren Bedarf vorerst kontrahiert, weshalb aktuell kaum zusätzlicher Bedarf besteht. Die Preise pendeln daher deutlich zurück. Nachdem in den vergangenen Wochen erhebliche Mengen an Magermilchpulver auf dem Weltmarkt umgesetzt wurden, hat sich die Nachfrage aus dieser Richtung inzwischen auch wieder beruhigt. Einzig Süßmolkenpulver weist nach wie vor eine positive Tendenz auf. Mit steigendem Preisniveau mehren sich aber in diesem Bereich auch innereuropäische Konkurrenten mit günstigeren Offerten.
Weltweit sehr hohes Milchaufkommen
Nicht nur in Deutschland lag das Milchaufkommen in den ersten vier Monaten, für die weltweit gesehen bisher Daten zur Verfügung stehen, deutlich über dem Vorjahreszeitraum. In nahezu allen exportorientierten Milchviehregionen der Welt war dies ebenfalls der Fall. In den USA zum Beispiel lag die Milchanlieferung im April um rund 2,7 % über dem Vorjahresmonat. Als Gründe für diesen relativ deutlichen Anstieg werden eine sehr gute Futtergrundlage, eine noch nie da gewesene Gesamtzahl an Milchkühen und eine gegenüber dem Vorjahr um 0,7 % gesteigerte Milchleistung genannt. Die EU hat dieses Milchaufkommen prozentual gesehen noch übertroffen. Hier lag das Milchaufkommen im gleichen Zeitraum um 4,6 % über dem Vorjahreszeitraum. Hier stechen besonders Deutschland, Frankreich und die Niederlande mit deutlichen Zuwächsen heraus, während es im Osten und Südosten Europas eher zu rückläufigen Entwicklungen kam. In Südamerika, allen voran in Argentinien, lag das Milchaufkommen in den ersten vier Monaten um satte 7,1 % über dem Vorjahresniveau. Die Kurve hat sich allerdings deutlich abgeflacht, sodass sie im April wieder nahezu der Vorjahreslinie entsprach. Genau umgekehrt verhält es sich in Australien. Hier ist man unter den Vorjahreszahlen gestartet und im April aufgrund deutlicher Produktionssteigerungen bei 4,1 % über der Vorjahreslinie angekommen. Und auch in Neuseeland liegt man um fast 6 % über dem Vorjahresniveau.
Zwar steht diesen weltweit hohen Milchmengen auch eine höhere Aufnahmebereitschaft des weltweiten Milchsektors gegenüber, es verdeutlicht aber auch den extrem engen Verhandlungsspielraum für Preiserhöhungen gerade im Bereich der standardisierten Handelswaren (Commodities), solange das Damoklesschwert der hohen Milchmengen über dem Milchsektor hängt.




