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Zum 100. Geburtstag der Internationalen Grünen Woche präsentiert sich Schleswig-Holstein erstmals seit 2020 wieder mit einem Gemeinschaftsstand in Berlin.
Mit dem neuen, kompakten Auftritt zeigen sich neben den Brauereien Dithmarscher und Flensburger auch viele Gütezeichen-Betriebe, allen voran die Meierei Sarzbüttel mit eigener neuer Standfläche. An den Ständen des Gütezeichens Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein und von Gutes vom Hof.SH stellen in wechselnder Besetzung zwölf direkt vermarktende Betriebe ein vielseitiges Sortiment vor.
Bereits 1926 öffnete die Grüne Woche auf dem Berliner Messegelände ihre Tore. Foto: Grüne Woche
Vom 16. bis 25. Januar lädt die Grüne Woche in die traditionsreichen Messehallen in Berlin ein. Wie schon im Jahr 2020 zeigt sich Schleswig-Holstein in der Halle 5.2a und teilt damit die Halle mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Das benachbarte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern schließt in der Halle 5.2b an. Am Schleswig-Holstein-Stand stellen an den Marktständen des Landwirtschaftsministeriums folgende Gütezeichen-Betriebe jeweils für einige Tage ihre ausgezeichneten Produkte vor: Hof Bannick, Hinrichsens Farm, Meierei Horst, Kohlosseum, Obst- und Weingut Ingenhof, Feddersens Farm, Obstquelle und Urthel. Alfred Urthel bietet die leckeren Krabben- und Fischdelikatessen von der Westküste während der gesamten Messelaufzeit an und ergänzt damit das Angebot der Standgastronomie um die beliebten Fischbrötchen. Weitere landestypische Gerichte aus schleswig-holsteinischen Zutaten bereitet Michael Stöcken mit seinem Team in der zentralen Standgastronomie zu. Am Biomarktstand informiert die Meierei Hamfelde über ihr aktuelles Sortiment. Auch im neuen Standkonzept laden zahlreiche Sitzplätze die Besucher zum Verweilen im „Echten Norden“ ein. Auf den Social-Media-Kanälen des Gütezeichens Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein werden noch bis zum 22. Januar Freikarten für die Grüne Woche verlost.
Neustart am Schleswig-Holstein-Stand mit einem kompakten Messeauftritt. Foto: Michael Hahne, Capital Services
Berghuis aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen ist als Kälberhändler auch in Schleswig-Holstein kein Unbekannter. Seit Juni 2025 ist er Präsident des Deutschen Vieh- und Fleischhandelsbundes. Als stellvertretender Sprecher der German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) ist er Ansprechpartner der Bundesregierung in Fragen der Exportförderung. Das Bauernblatt hat Berghuis zum Mercosur-Abkommen und zur Exportstrategie der Bundesregierung interviewt.
Das Mercosur-Abkommen wurde nach 25 Jahren Diskussion gegen den Widerstand von Frankreich, Polen und Ungarn abgeschlossen. Wie ist Ihre Position dazu?
Paul Berghuis: Ich finde es gut, dass jetzt nach 25 Jahren endlich ein Ergebnis erreicht wurde. Wenn man sich einmal überlegt, was in der Zeit schon alles passiert ist – was soll dann in Zukunft noch kommen, damit es besser oder notwendiger wird? Wir brauchen den erweiterten Warenaustausch, damit haben wir auf allen Seiten Vorteile. Guter Handel und Warenaustausch sind gewünscht und haben immer positive Auswirkungen, wenn die Risiken mitgedacht werden. Ein wirtschaftlicher Erfolg wird uns allen, auch in der Landwirtschaft und der Lebensmittelbranche, unterm Strich gewiss sein.
Sie sprechen auch für den deutschen Vieh- und Fleischhandelsbund. Welche Rolle nehmen Ihre Mitglieder in dieser Debatte ein?
Wir vertreten unsere Mitglieder, die innerhalb des Livestock-Bereichs als wesentliche Händler und Transporteure agieren. Alle Nutztiere werden von landwirtschaftlichen Betrieben zu anderen oder zum Schlachthof gefahren. Diese Tätigkeiten geschehen auf Basis von in Jahrzehnten aufgebauten gesetzlichen Regelungen und freiwillig errichteten Qualitätsstufen. Für den Tiertransport gibt es da etwa die EU-Tierschutztransportverordnung 1/2005, die in Deutschland an verschiedenen Punkten noch verschärft wurde. Für den Handel gibt es die QS, Haltungsstufen, regionale Label und so weiter. Damit haben wir eine wertvolle Qualität und sehr hohe Sicherheit erreicht. Dies kostet Geld, da haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel investiert.
Was bedeutet der Marktzugang für Mercosur-Produkte für diese mühsam aufgebauten Standards?
Wenn aus den Mercosur-Staaten Produkte hereinkommen dürfen, die diese Standards nicht erfüllen, dann müssen wir uns überlegen, wie wir damit umgehen wollen. Wir müssen ganz klar die auf uns zukommenden Probleme benennen und aktiv im Vornherein um Lösungen ringen. Das ist ein normaler demokratischer Prozess. Somit ist dieser Streit in Ordnung.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass wir uns in Europa unserer Qualität bewusst sind. Diese müssen wir klar und deutlich benennen, kennzeichnen und auch mit unseren Regeln verteidigen. Dann können auch wir unsere Existenz im Markt behalten.
Sie fordern also harte Kriterien für den Import?
Frankreich macht da klare Schritte und verbietet zum Beispiel den Import von Agrarprodukten, die mit in der EU verbotenen Pestiziden behandelt wurden. So etwas stelle ich mir auch für unsere Branche vor: Wenn die Tiere nicht nach unseren EU-Standards plus unseren deutschen Verschärfungen behandelt und transportiert werden, dann sollten wir den Import in die EU oder nach Deutschland verbieten.
Denn wenn wir die ausländischen Waren, die nicht unseren Standards entsprechen, so nur mit einer Kennzeichnung versehen würden und somit den Zugang dieser Produkte akzeptieren würden, dann müssten wir diese Standards im Umkehrschluss auch für unsere eigene Produktionen ermöglichen und würden damit dann unsere bisher erreichten Umwelt- und Tierschutzstandards verringern …
Viele NGO fordern eine stärkere Konzentration auf den heimischen Markt. Warum halten Sie am Export fest?
Ich frage einmal umgekehrt, was wir ohne einen Import von Lebensmitteln wären: Früchte, Gemüse, Fisch … Und was wären wir, wenn wir unsere hiesigen Produkte nur hier vermarkten dürften? Dann wären die Preise bei kleinen Angebotsschwankungen direkt massiv tangiert. Wir brauchen den überregionalen Austausch von Produkten, um auch eine gewisse Kontinuität und Versorgungssicherheit zu haben.
Was mich umtreibt, sind die Wellen der internationalen Aggression, die im Moment auf uns einwirken. Wir sollten sehen, dass wir innerhalb Europas eine gewisse Versorgungssicherheit sicherstellen. Dazu gehören eine florierende Landwirtschaft und eine stabile und finanziell gesunde Livestock-Branche. Wenn dies von der Politik als notwendige Basis erkannt und aktiv unterstützt wird, dann wird ein Handelsabkommen positiv für alle Beteiligten sein.
Kann der Export auch ein Mittel gegen niedrige Erzeugerpreise und harte Discount-Konkurrenz in Deutschland sein?
Na klar! Konkurrenz belebt das Geschäft, das kann einmal für uns sein, kann auch einmal für uns herausfordernd sein.
Wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähigkeit von „made in Germany“?
Wir sollten nicht versuchen, die „billigsten“ Produzenten zu sein. Da wird es immer wieder andere geben, die das noch günstiger können oder auch müssen – siehe Pkw aus China. Wir können mit genauer und zielgerichteter Innovation, Qualität oder auch Historie punkten. Produkte mit der Aussage „made in Germany“ haben immer noch eine positive Bedeutung. Das können wir mit Stolz vertreten. Aber Achtung: An diesem Qualitätsversprechen hängen natürlich auch Verpflichtungen.
Wie bewerten Sie die Exportstrategie von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU)?
Ich begrüße die Aktivitäten ausdrücklich! Mit der stolzen Aussage „made in Germany“ eines ranghohen Politikers zeigt er jedem im In- und Ausland, dass wir auch gemessen an unseren eigenen Ansprüchen tolle Produkte anbieten. Das ist Landwirtschaftsförderung pur! Ich erlebe unseren Landwirtschaftsminister, der die Exportförderung zur Chefsache erklärt hat, als sehr offen und gesprächsbereit. Er hat uns als Unternehmer gefragt: Wo braucht ihr Unterstützung? Und was braucht‘s? Er muss jetzt die Umsetzung des Mercosur-Abkommens eng begleiten, damit wir unsere Qualität und Wertschöpfung langfristig erhalten.
Die Mercosur-Staaten sind als Handelspartner ein Teil des gesamten Spektrums. Der Markt für unsere Produkte in diesen Regionen wird sich in den kommenden Jahren weiter entfalten, da bin ich mir sicher. Was es jetzt braucht, ist positives Anpacken. Das können wir hervorragend, also los!
Der Name Thormählen ist unter Reitern und Züchtern der Holsteiner Pferde ein fester Begriff, denn von diesem Gestüt stammen Reitpferde, die bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften erfolgreich abgeschnitten haben. Harm Thormählen gehört zu den erfolgreichsten Springpferdezüchtern Deutschlands. Gemeinsam mit einer Fachjournalistin hat der 80-Jährige jetzt seine Erinnerungen als Reiter, Züchter und Pferdehändler zu Papier gebracht.
Bereits seit 1973 ist Harm Thormählen das Gesicht der Springpferdezucht in der Kollmarer Marsch, Kreis Steinburg. Zusammen mit seinem Vater Rheder Thormählen hat er über Jahrzehnte die Weiterentwicklung des Holsteiner Pferdes durch Blutlinien geprägt, die auf dem familieneigenen Hof entstanden sind.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Hof Thormählen (Altdeutsch: „zur Mühle“) bereits 1561. Er gehört damit zu den ältesten noch bewirtschafteten Familienhöfen in Kollmar. Die Familie kam aus den Niederlanden, um mit ihren Erfahrungen im Wasserbau beim Deichbau und bei der Urbarmachung der Marsch zu helfen. Der Hof liegt nur 3 km von der Elbe entfernt mitten im historischen Zentrum der Holsteiner Zucht.
Das Hofgebäude wurde 1920 durch einen großen Brand fast vollständig zerstört und 1921 neu aufgebaut. Über dem Haupttor der Stallungen wurde der noch heute gut sichtbare Spruch angebracht: „Wer auf Gott vertraut, der hat gut gebaut!“
Harm Thormählen wurde hier 1945 geboren und ist mit den Pferden groß geworden: „Als ich 14 Jahre alt war, ritten wir alle 14 Tage sechs Pferde zum Bahnhof nach Siethwende, von wo sie mit dem Zug nach Süddeutschland, in die Schweiz oder nach Italien gebracht wurden.“ Aber erst als Weltklassereiter wie Alwin Schockemöhle, Fritz Thiedemann, Hans Günter Winkler oder Hartwig Steenken auf den Hof kamen, wurde ihm bewusst: „Mein Vater Rheder Thormählen war einer der besten internationalen Pferdehändler.“
Anfänge im Springsattel
Waren die Pferde in der schweren Elbmarsch stets als kräftige Arbeitspferde für die Feldbestellung erforderlich gewesen, so setzten sich in den 1950er bis 1970er Jahren die Traktoren durch. Viele Pferde wurden in dieser Zeit zum Schlachter gebracht, aber Rheder Thormählen begann mit der Zucht von Sportpferden. Aus den Stämmen von Retina (Stamm 104a), Vase (Stamm 173) und Fein Cera (Stamm 3615) sowie mit dem Stempelhengst Capitol (Stamm 173) sind international erfolgreiche Springpferde gezogen worden.
Der erfolgreiche Zuchthengst Capitol steht als Statue im Garten des Gestüts. Foto: Herbert Frauen
Für Harm Thormählen begann das Leben mit den Pferden als Springreiter. In der Zeit von 1960 bis 2004 nahm er erfolgreich an mehr als 400 Turnieren teil. Mit Gera (Stamm 3615) ritt er 1964 im Nationenpreis in den Niederlanden. Und er lernte dabei, dass es in der Springpferdezucht nicht nur auf gute Hengste ankommt, sondern noch mehr auf die Stuten.
Nach dem Besuch der Mittelschule in Glückstadt besuchte Harm Thormählen zunächst die Landwirtschaftsschule in Elmshorn und absolvierte danach eine landwirtschaftliche Ausbildung mit einem Fremdjahr. Dann war er auf dem elterlichen Hof eingebunden und absolvierte noch ein Praktikum bei Alwin Schockemöhle.
Mit Gera war Harm Thormählen, hier als 19-Jähriger, hocherfolgreich im Sport. Die Stute kam nach ihrer Sportkarriere zurück in die Zucht. Foto: privat
Neben dem Reiten wurde die Pferdezucht immer mehr zu seiner Leidenschaft. Durch die Zusammenarbeit mit seinem Vater entwickelte sich seine züchterische Kompetenz. „Mein Vater war vor und nach dem Weltkrieg selbst im Springsattel bis zur internationalen Klasse erfolgreich und hatte eine große Leidenschaft für Springpferde. Früh erkannte er, dass die Zucht von Wirtschaftspferden keine Zukunft mehr hatte“, blickt Harm Thormählen zurück.
Spezialisierung auf Pferde
1973 übernahm er dann den Betrieb seines Vaters. Der Hof war damals noch ein klassischer Bauernhof mit Viehhaltung und Getreide, aber Harm Thormählen spezialisierte sich schrittweise auf die reine Pferdezucht. Seit 1980 teilt er seine Leidenschaft mit seiner Frau Ingela, die als Apothekerin in Halstenbek tätig war.
Die meisten der etwa 25 jährlich geborenen Fohlen werden heute auf dem Betrieb selbst großgezogen und zu Springpferden ausgebildet. Der Verkauf erfolgt dann im Alter ab fünf Jahren. Schnell erkannte Harm Thormählen während seiner Selbstständigkeit, dass die wirtschaftliche Lage des Pferdezuchtbetriebes kein Selbstläufer ist: „Von zehn geborenen Fohlen entsprechen vielleicht ein oder zwei den Vorstellungen des Züchters. Diese wenigen erfolgreichen Züchtungen müssen dann so gut verkauft werden, dass sie die vielen mittelmäßigen mitfinanzieren.“ Der Betrieb wurde 2021 von Philipp Baumgart übernommen. Er ist Ingela Thormählens Neffe und hat noch einen Pferdezuchtbetrieb im niedersächsischen Verden an der Aller. Baumgart möchte, dass einmal eine seiner vier Töchter den Betrieb in Kollmar übernimmt. Deshalb plant er bereits, einige Gebäudeteile zu modernisieren oder zu erneuern. Dabei will er behutsam vorgehen und das Hauptgebäude erhalten, denn „die Ausstrahlung des geschichtsträchtigen Hofes soll weiter bestehen bleiben“.
Erinnerung in Buchform
Harm Thormählen hat nun im Alter von 80 Jahren seine Lebensstationen und Erinnerungen in einem Buch dokumentiert: „2002 war Capitol der weltweit beste Hengst und Fein Cera war erfolgreich bei den Weltreiterspielen. Im Rückblick auf diese großen Erfolge wollte ich meine Erinnerungen daran in Buchform festhalten.“ Bereits 2005 hatte der Fernsehsender Arte das Leben auf dem Pferdehof mit der Dokumentation „Das Gestüt“ aufgezeichnet. Daraus entstand eine 15-teilige Serie in deutscher und französischer Sprache, die noch heute als Ausbildungsmittel für die Pferdezucht genutzt wird.
Bei Olympia in Athen 2004 gewannen Fein Cera und Peter Wylde (USA) Mannschaftsgold. Foto: Stefan Lafrentz/Imago
Die Fachjournalistin Adriana van Tilburg, die selbst ein Pferd von ihm gekauft hatte, interviewte den Züchter über drei Jahre hinweg immer wieder. Aus dieser Zusammenarbeit entstand das Buch „Harm Thormählen: Ein Leben für die Springpferdezucht“. Es ist im Asmussen Verlag aus Gelting erschienen und im Buchhandel erhältlich. Es erzählt auf 160 Seiten die Geschichte des Hofes und Harm Thormählens Entwicklung vom erfolgreichen Reiter zum weltweit agierenden Pferdehändler und Züchter zusammen mit seiner Frau Ingela.
Bei der Buchpräsentation freute sich Harm Thormählen (v. li.) über den Besuch von Adriana van Tilburg und Philipp Baumgart. Foto: Herbert Frauen
Die besondere Note entsteht durch die Darstellung der Begegnungen mit Züchtern und Käufern auf dem Hof. So entwickelten sich oft Freundschaften oder ein wertschätzendes Verhältnis zu den Kunden, darunter Prominente wie Prinzessin Haya von Jordanien, EU-Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU), Schauspielerin Claudia Rieschel oder der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust.
Auch wenn der Winter uns noch im Haus hält, kribbelt es so langsam schon wieder in den Fingern. Warum also nicht mit der Vorkultur von Sommerblumen starten, die einen etwas längeren Anlauf nehmen? Wer den Aufwand nicht scheut, bekommt für wenig Geld schöne Pflanzen.
Allerdings ist die frühe Aussaat wegen der Lichtverhältnisse in unseren Breiten durchaus knifflig. Im beheizten Profi-Gewächshaus ist das Verhältnis von Temperatur und Lichtstärke gegen Ende Januar bereits ausreichend. Wer jedoch mit der Fensterbank vorliebnehmen muss, benötigt eine Pflanzenleuchte. Gab es früher noch Pflanzenleuchten in Form von Leuchtstoffröhren, so finden man heute vorwiegend LED-Leuchten im Angebot. Eine einzelne Pflanzenleuchte kostet mittlerweile 50 €, zusammen mit dem Zimmergewächshaus knapp 70 €. Das lohnt sich vor allem dann, wenn über zwei, drei Jahre die Ausgabe über gesparten Pflanzenkauf wieder hereinkommt. Ansonsten wartet man besser bis Ende Februar. Dann genügen auf einer nach Süden ausgerichteten Fensterbank die natürlichen Lichtverhältnisse für eine Vorkultur ohne technische Hilfsmittel.
Bei zeitigen Aussaaten auf der Fensterbank ist eine Pflanzenleuchte notwendig. Foto: Karin Stern
Nach der Keimung sind die jungen Pflanzen auf einen ausreichend hellen Standort angewiesen. Tipp: Besser an einem helleren und dafür etwas kühleren Platz weiterkultivieren. Stehen die Pflanzen zu warm und erhalten sie zu wenig Licht, bilden sie lange, dünne Stängel. Gärtner bezeichnen dies als Geilwuchs. Der Stängel knickt schnell um und die Pflanze stirbt ab. Entgegenwirken kann man diesem Prozess nur, indem man entweder für mehr Licht sorgt oder die Temperatur senkt. Für die Aussaat empfiehlt sich die Verwendung einer speziellen Anzuchterde aus dem Gartenhandel. Sie enthält im Gegensatz zu herkömmlicher Blumenerde kaum Nährstoffe. Die im Dünger enthaltenen Salze können die jungen Keimlinge so schädigen, dass sie absterben. Die meisten Aussaaterden werden bei der Herstellung mit Wasserdampf sterilisiert, um Pilzsporen und Krankheitserreger abzutöten. Schimmel tritt jedoch hin und wieder in torffreien Aussaaterden auf.
Feine Samen lassen sich nur schwer gleichmäßig verteilen. Mit Sand vermischt geht es viel leichter. Foto: Karin Stern
Feines Saatgut wie das der Löwenmäulchen wird am besten in Schalen ausgesät. Kleine Samen lassen sich besser verteilen, wenn sie mit trockenem Quarzsand gemischt auf dem Saatbett ausgestreut werden. Bei grobkörnigen Samen sät man jeweils drei oder vier Korn in ein vorbereitetes Töpfchen. Beste Startbedingungen erhalten die Pflanzen, wenn tiefere Töpfchen zur Hälfte mit normaler Blumenerde gefüllt werden und darauf die Aussaaterde verteilt wird. So keimen die Samen in der düngerfreien Erde und die Wurzeln finden nach der ersten Entwicklungsphase die nährstoffreiche Blumenerde unten im Topf vor. Hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme begünstigen eine zügige Keimung. Spezielle Anzuchtkisten oder Zimmergewächshäuser verfügen daher meist über Abdeckhauben aus Kunststoff. Die Abdeckung muss allerdings täglich für einige Zeit gelüftet werden. Damit vermeidet man Pilzerkrankungen und sorgt für einen Luftaustausch.
Nach einiger Zeit wird es für die jungen Keimlinge in den Schalen zu eng. Sie werden nun in kleine, mit Blumenerde gefüllte Töpfe pikiert. Der richtige Zeitpunkt dafür ist gekommen, wenn sich nach den Keimblättern die ersten Laubblätter entfalten. Bei manchen Pflanzen sind keine speziellen Keimblätter zu erkennen. Sie werden pikiert, sobald sich das vierte Laubblatt zeigt. Wertvolle Hilfe leistet dabei in spezielles Pikierbesteck, dass aus Spatel und Pikierstab besteht. Wer zum optimalen Zeitpunkt pikiert, mindert den Umpflanzschock und damit die Wachstumsunterbrechung.
Bei größeren Samen empfiehlt sich die Aussaat in kleinen Töpfen. Foto: Karin Stern
Der geeignete Termin für die Auspflanzung ins Freiland ist abhängig von der Witterung. Die mit viel Liebe und Aufwand großgezogenen Pflanzen sollten vor Frost geschützt werden. Mancher wartet daher mit dem Auspflanzen bis nach den Eisheiligen. Wer es eiliger hat, sollte ein Vlies bereithalten und es bei Bedarf in kalten Nächten auflegen. Tipp: Die Setzlinge vorher unbedingt stundenweise ans Freiland gewöhnen. Außerdem frisch bepflanzte Balkonkästen und Töpfe sowie ausgeräumte Kübelpflanzen nicht gleich in die pralle Sonne stellen, sondern ebenfalls eingewöhnen.
Quelle: Karin Stern
Üppige Blütenpracht benötigt etwas Vorlauf.Foto: Karin SternDer Dauerblüher Schwarzäugige Susanne braucht in unseren Breiten eine lange Vorkultur. Foto: Karin SternDie reiche Blüte des Eisenkrauts Anfang Juli ist der Lohn für die frühe Vorkultur. Foto: Karin SternLöwenmäulchen kommen umso früher in die Blüte, je eher sie ausgesät werden. Foto: Karin SternDie winzigen Samen der Petunien werden als Lichtkeimer nur auf der Aussaaterde angedrückt. Foto: Karin SternSpinnenblumen begeistern mit ihrer einzigartigen Blüte. Foto: Karin SternDie Vanilleblume verströmt einen angenehm süßen Duft. Foto: Karin Stern
Der Preisverfall auf dem weltweiten Zuckermarkt setzt europäische Erzeuger und Verarbeiter zunehmend unter Druck. Innerhalb der Branche wird von einer „extrem besorgniserregenden“ Situation gesprochen, mehrere Zuckerfabriken hätten bereits schließen müssen oder stünden vor dem Aus. Die Südzucker AG rechnet mit einem langfristig angespannten Marktumfeld. Europäische Zuckererzeuger und -verarbeiter appellieren nun an die EU, in den Markt einzugreifen.
Einer der Gründe für die Preiskrise ist eine erhöhte globale Produktion, insbesondere in Brasilien, Indien und Thailand. Im jüngsten Zuckermarktbericht des agrardiplomatischen Dienstes (FAS) des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wird die weltweite Zuckerproduktion für das Wirtschaftsjahr 2025/2026 auf 189,3 Mio. t veranschlagt. Im Vorjahresvergleich wäre das ein Zuwachs von 8,3 Mio. t.
Laut dem FAS-Report kompensiert die höhere Produktion in Brasilien und Indien eine wiederum gesunkene Erzeugung in der Europäischen Union über.
EU-Produktion schrumpft
Konkret erwarten die Analysten in Washington eine um 5 % niedrigere Zuckerproduktion in der EU. Für 2025/2026 ist demnach nur noch mit 15,5 Mio. t zu rechnen, maßgeblich wegen einer um 8 % schrumpfenden Anbaufläche in den wichtigsten Erzeugerländern, darunter Frankreich und Deutschland. Der Verbrauch und die Endbestände für die EU sollen dabei weitgehend unverändert bleiben; Importe würden damit entsprechend zulegen und Exporte sinken.
Die brasilianische Zuckerproduktion soll im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 700.000 t auf 44,4 Mio. t steigen. Auch in Indien wird eine deutliche Ausweitung der Produktion erwartet: Dort soll die Zuckererzeugung laut FAS um 26 % auf 35,3 Mio. t zulegen. In Thailand fällt das Wachstum hingegen moderater aus. In dem südostasiatischen Land wird die Produktion voraussichtlich um 2 % auf 10,3 Mio. t zulegen.
„Untragbares“ Preisniveau
Von einer „exzessiven Produktion“ in Brasilien, Indien und Thailand sprachen die Vereinigung der europäischen Rübenanbauer (CIBE) und der Verband der Europäischen Zuckerindustrie (CEFS) in einem gemeinsamen Statement. „Die durchschnittlichen Zuckerpreise in Europa sind seit ihrem Höchststand im Dezember 2023 um 38 Prozent gefallen und haben ein untragbares Niveau erreicht“, heißt es darin.
Infolge des Preisverfalls hätten allein in diesem Jahr fünf Zuckerfabriken schließen müssen, warnen die Verbände. Auch ist die Anbaufläche in der EU im Wirtschaftsjahr 2025/2026 laut den Erhebungen von CIBE und CEFS um 11 % verkleinert worden; wegen günstiger Anbaubedingungen wird zumindest die erwartete Zuckerproduktion nicht ganz so stark einbrechen.
Die Verbände fordern die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, den Import von Rohzucker über die als Inward Processing Procedure (IPP) bekannte Zollregelung unverzüglich zu stoppen. Diese Sonderregelung erlaubt es, Zucker zollfrei zur Verarbeitung in die EU zu bringen. Zudem müsse über weitere preisstabilisierende Maßnahmen, etwa mittels der Gemeinsamen Marktorganisation, geredet werden.
Südzucker-Prognose
Die Südzucker AG geht derweil in einer ersten Prognose für das Geschäftsjahr 2026/2027, das am 1. März 2026 startet, von einem leichten Rückgang des Konzernumsatzes aus. Wie das Unternehmen kürzlich mitteilte, wird das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebeitda) in einer im Vergleich zum laufenden Geschäftsjahr 2025/2026 „moderat gesteigerten Bandbreite“ zwischen 480 und 680 Mio. € gesehen.
Der Prognose für 2026/2027 liegt laut Südzucker die Annahme zugrunde, dass der Zuckermarkt weiterhin sehr „herausfordernd bleibt und keine signifikante Ergebniserholung im Segment Zucker erwartet wird“. Die geopolitische Lage mache es zudem schwierig, den Geschäftsverlauf präzise zu prognostizieren. age
Zusatzzölle
auf Rindfleischimporte
China
China hat Zusatzzölle in Höhe von 55 % auf Rindfleischimporte verhängt, die länderspezifisch festgelegte Liefermengen übersteigen. Damit will die Pekinger Staatsregierung die eigene Rindfleischwirtschaft schützen. Eine nun abgeschlossene Untersuchung habe gezeigt, dass diese in den zurückliegenden Monaten unter gestiegenen Importen gelitten habe, begründet China die Zusatzzölle.
Wie das dortige Handelsministerium weiter mitteilte, betrifft die auf drei Jahre bis Ende 2028 befristete Regelung alle Länder – mit Ausnahme einiger Entwicklungsländer. Die aufgeführten Staaten dürfen im Jahr 2026 zusammen knapp 2,7 Mio. t Rindfleisch zum üblichen Zollsatz in die Volksrepublik liefern. Für darüber hinausgehende Mengen werde dem Ministerium zufolge der Zusatzzoll erhoben. Nicht ausgeschöpfte Kontingentsmengen seien nicht auf Folgejahre übertragbar.
Die Neuregelung dürfte wichtige Lieferländer durchaus hart treffen. Beispielsweise wurde für Brasilien ein Lieferkontingent von 1,1 Mio. t festgelegt. Für das Gesamtjahr 2024 weist der Verband der brasilianischen Rindfleischexporteure eine Liefermenge von 1,3 Mio. t aus, für die ersten elf Monate 2025 von 1,5 Mio. t. age
Der Kurpark in Bad Oldesloe war wichtiger Bestandteil des 1813 gegründeten Sole-, Moor- und Schwefelbades, das die Geschichte der Stadt maßgeblich mit beeinflusste. Heute gibt es keine Kuranlagen mehr. Lediglich einige wenige Relikte wie der Kurpark, ein wild-romantisches, waldreiches Areal in einer Schleife des Flusses Beste, ein Salzteich und ein Salzpfad erinnern noch an die Zeiten als Heilbad.
Die Geschichte des Bades in Oldesloe begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem der Salineninspektor Dr. Friedrich August Lorentzen bei Bohrungen auf eine schwefelhaltige Quelle gestoßen war und als Apotheker und Arzt sogleich die Heilmöglichkeiten erkannte. 1813 wurde das Sol-, Moor- und Schwefelbad mit Lorentzen als Badedirektor gegründet. Ein Badepavillon, dem bald ein zweiter folgte, wurde ebenso eingerichtet wie Parkanlagen, ein Kurhaus und ein Logierhaus. Das mondäne Bad erfreute sich großer Beliebtheit bei Lübecker und Hamburger Bürgern sowie beim holsteinischen Adel. Selbst der Landesherr König Friedrich VI. begab sich zur Kur nach Oldesloe.
Im Zentrum des Kurparks liegt der früher als Badesee genutzte Salzteich – auch eine Station des Salzpfades.
Um 1830 verlor das Kurbad allerdings durch die Gründung der Seebäder in Travemünde, Helgoland, Wyk auf Föhr und an anderen Orten an Anziehungskraft. Es begann ein allmählicher Rückgang der Gästezahlen, auch wenn durch Spielcasino, Pferderennbahn und andere Attraktionen versucht wurde, die Attraktivität zu steigern. In der Zeit von 1840 bis 1898 betrieb eine Aktiengesellschaft das Bad, das auf niedrigerem Niveau weiterbetrieben wurde.
30-Die Beste: Der Fluss Beste durchfließt ebenso wie die Trave den Innenstadtbereich von Bad Oldesloe.
Zweite Blüte
Eine zweite Blüte erlebte das Bad, als der finanzkräftige Fabrikant Nikolaus Dürkopp es übernahm und mit dem Neubau des Kurhauses, einem eigenen Kurorchester, Badekabinen am Salzteich und Neuanlage und Neupflanzungen im Kurpark und anderen Maßnahmen die Badegäste anzulocken versuchte. Oldesloe sollte laut Dürkopp „wieder zu den ersten Bädern Deutschlands zählen“. Ab 1910 durfte Oldesloe in der Tat auch den Namenszusatz „Bad“, den es bis heute beibehalten hat, tragen. Allerdings wurde das kaum Gewinn abwerfende Badegeschehen mit dem Ersten Weltkrieg endgültig unrentabel und die Stadt kaufte das Bad, um dessen endgültige Auflösung zu verhindern.
Nach einigen Besitzerwechseln kaufte die Holländerin Nelly Victorine Samuels das Bad und setzte ihren Bruder, den Arzt Dr. Jules Samuels, als Direktor ein. Wie mit jedem neuen Besitzer und Investor waren die Hoffnungen auf einen Aufschwung des Bades in Bad Oldesloe wieder groß. Samuels investierte auch und engagierte sich, allerdings fehlte in der Stadtverwaltung vor allem durch den damaligen Bürgermeister die Unterstützung. Es gab sogar heftigen Widerstand gegen seine Planungen.
Die Beste begrenzt den Kurparkbereich in drei Richtungen.
Dass er Jude und Niederländer (und damit Ausländer) war, spielte neben den persönlichen Animositäten mit dem Bürgermeister wohl eine Rolle. Auch ein neuer Pächter konnte nicht mehr viel erreichen. Weitere Bemühungen, einen Kurbetrieb zu etablieren, scheiterten. 1928 wurde der Kurbetrieb endgültig eingestellt. Die Stadt kaufte das Areal abermals und bis 1938 wurden alle inzwischen verfallenen Gebäude abgerissen; als Letztes folgte im Jahr 1950 der Abriss der Ruine des Großen Logierhauses. Insgesamt war die Entwicklung des Bades in Bad Oldesloe mit ihren vielen Höhen und Tiefen im 19. und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts prägend für die Stadtgeschichte, wie es auch die ehemalige Stadtarchivarin Sylvina Zander in ihrem Buch „Oldesloe und sein Bad 1813-1938“ treffend zusammenfasst: „Oldesloe und sein Bad: Das ist eine Geschichte von unternehmerischer Tatkraft und visionärer Begeisterung, von Verfall und Resignation, aber vor allem von nicht nachlassender Hoffnung.“
Geblieben ist von den eindrucksvollen Kurgebäuden und dem Aussichtsturm im Kurpark und am Salzteich nichts. Der Kurpark weist zwar noch Reste alter Eichen- und Lindenalleen und einiger Solitäre entlang der Wege auf, aber ansonsten ist das heutige, etwa 3 ha große Kurparkareal als Wald- und Wildnisareal weitgehend sich selbst überlassen – mit natürlich schönen Möglichkeiten für erholsame und ruhige Spaziergänge abseits vom Verkehrslärm der Stadt.
Neben der Windenergie und der Muskelkraft von Tieren wurde auch die Wasserkraft für die Salinen genutzt, wie das alte Salinenrad an der Trave als Station des Salzpfades demonstriert.Fotos: Hans-Dieter Reinke
Es ist ein Forst und Landschaftsschutzgebiet. Ein vielfältiges Wegenetz durchzieht den heutigen Kurpark, der durch die Mäander und Steilufer in einer Flussschleife der Beste begrenzt wird. In dieser kleinen, etwas verwilderten, naturnahen grünen Oase der Stadt finden sich ausgedehnte Waldareale, Vernässungsbereiche mit Schilfröhricht, Hochstaudenfluren, Schwarzerlen- und Weidengebüschen, Salzwiesen, einem Salzmoor und einem Salzteich. Das kleine Moor im Kurpark wird noch heute durch eine salzhaltige Quelle gespeist und salzliebende Pflanzen wie Salzbunge, Strand-Dreizack, Salzschuppenmiere, Salzaster, Strandsimse und Milchkraut konnten im Gebiet nachgewiesen werden, ebenso auch andere gefährdete Pflanzenarten wie die Breitblättrige Glockenblume, der Sumpf-Pippau, der Gold-Hahnenfuß und die Hohe Primel.
Im Eingangsbereich des Kurparks prägen Einzelbäume und Liegewiesenbereiche die Grünanlage. Zwei Gedenksteine zum 100-jährigen Bestehen des Kurbades von 1913 und zum 200-jährigen im Jahr 2013 stehen auf der Grünfläche. Hinzu kommen ein Grillpavillon, ein Spielplatz, ein Areal mit Outdoor-Trainingsgeräten und Bänken sowie einigen Tennisplätzen im Übergangsbereich zur Beste-Schleife. Im Jahr 2005 wurde eine Freilichtbühne für bis zu 400 Zuschauer errichtet. Alljährlich finden das Kurparkfest und eine Osterveranstaltung im Kurpark statt.
Im Kurpark steht für das 100jährige und das 200jährige Jubiläum des Kurbads jeweils ein Gedenkstein.
Eine denkmalgeschützte Granit-Solebadewanne aus einem der beiden Badepavillons der Anfangszeit des Sol-, Moor- und Schwefelbades ist auf dem Eingangsgrün aufgestellt. In einer solchen soll auch König Friedrich VI. sein Bad in Bad Oldesloe genommen haben.
Der Salzpfad
Salz spielt in der Geschichte Oldesloes eine wichtige Rolle. Die Stadt lag im Mittelalter an einer wichtigen Handelsroute zwischen Hamburg und Lübeck, auf der auch Salz gehandelt wurde. Zudem besaß die Stadt selbst eine Saline, in der das Salz aus salzhaltigen Quellen gewonnen wurde. Im 18. Jahrhundert prägte die Saline das Stadtbild und beschäftigte viele Menschen. Sie war damit der größte frühindustrielle Betrieb in Oldesloe. Zudem waren die salz- und schwefelhaltigen Quellen bedeutsam für die Einrichtung des Heilbades. So ist es nicht erstaunlich, dass die Stadt einen Salzpfad angelegt hat, auf dessen Spuren man nicht nur den Kurpark, sondern auch die Geschichte der Stadt erkunden kann. Fünf der sieben Stationen liegen im Kurparkbereich, zwei befinden sich in der Innenstadt.
Eine alte Kirsche im Kurpark.
Die erste Station an der Liegewiese des Kurparks beschäftigt sich mit den Salzvorkommen in Oldesloe und Umgebung, wo die Salinenbesitzer immer wieder versuchten, ergiebigere Quellen für ihre Salzgewinnung zu finden – ohne großen Erfolg, da alle Bemühungen in diesem Bereich nur zu schwach salzhaltigen Quellen führten. Immerhin war die Entdeckung einer salz- und schwefelhaltigen Quelle der Anstoß zur Einrichtung eines Heilbades. Die Station 5 des Salzpfades erzählt die Geschichte des Kurbades und auch über das Zusammenwirken von Bad und Stadt, wozu auch das von einem Bürgermeister propagierte Leitbild der Oldesloer Villenstadt gehörte, die zum Teil heute noch an der Kurparkallee zu bewundern ist.
Beim Weg in die Beste-Schleife befindet sich die Station 4 mit den Ausführungen zu den mehrere Meter hohen Gradierwerken, die einst das Stadtbild mit prägten. 1750 wurden auf der Oldesloer Saline die ersten eingerichtet, die dazu dienten, durch natürliche Verdunstung die Konzentration der Sole zu erhöhen. Sie bestanden aus einem frei aufgestellten Holzgerüst, das mit Schlehenreisigbündeln (Schwarzdorn) durchsetzt war. Das Wasser rieselte verdunstend herab und zurück blieb einerseits das höher konzentrierte Salzwasser. Gleichzeitig wurden unerwünschte Begleitmaterialien wie Kalk, Gips, Kaliumsalze und anderes entfernt und auf dem Schlehenreisig abgelagert, das deswegen auch gelegentlich ausgewechselt werden musste. Neben der Nutzung des höher konzentrierten Salzes auch in den Badestuben diente das Umfeld der Gradierwerke mit der salzhaltigen Luft zu Kur- und Heilzwecken bei Atemwegserkrankungen als sogenanntes Freiluftinhalorium.
31-33-Trave: Die Trave durchfließt Bad Oldesloe auf ihrem Weg in Richtung Lübeck, wo sie bei Travemünde in die Ostsee mündet.
Die Stationen 2 (Salzquelle an der Beste) und 3 mit dem Salzteich finden sich im Zentrum des Kurparkareals in der Flussschleife. Binnenländische Salzquellen sind in Schleswig-Holstein sehr selten. Die Quellen um Bad Oldesloe, die hier an der Oberfläche austreten, kommen aus einer Tiefe von 500 m. Der von der Saline angelegte Salzteich wurde auch frühzeitig vom Oldesloer Bad genutzt, und zwar vor allem für Kaltbäder. Zunächst mit Badekarren und Badefloß versehen, wurden später am Ufer aufgestellte Badekabinen und ein schwimmendes Badehaus eingerichtet. Außerdem gab es einen Aussichtspavillon am Ufer. Heute ist es ein verträumter Waldteich, den man umwandern kann.
In der Innenstadt befinden sich die beiden letzten Stationen mit dem ehemaligen Salinenrad in der Trave (Station 6) und dem Kranhafen (Nummer 7) an der Lübecker Straße. Der Energiebedarf in den Salinen, um das Wasser in den Siedepfannen zu verdunsten, war hoch. Neben dem Holz aus den umliegenden Wäldern war auch der Torf aus den Mooren wichtiges Brennmaterial. Mit der Einrichtung der Gradierwerke nahm der Energiebedarf für das Hinaufpumpen des Wassers nochmals deutlich zu. Neben der Windkraft der drei Windmühlen des Ortes und von Pferden angetriebenen Göpelwerken wurde auch die Wasserkraft genutzt. Zu besichtigen ist ein altes Salinenrad an der ehemaligen Graupenmühle. Früher gab es auch ein zweites Salinenrad, das sich seit 1711 in der Beste befand. Der ehemalige Kranhafen zum Umladen schwerer Lasten befand sich seit dem 17. Jahrhundert an einer breiten Travebucht in der Nähe der nach Lübeck führenden Landstraße. Die Trave war ab hier bis nach Lübeck schiffbar. Salz war ein wichtiges Handelsgut. Die Oldesloer Saline unterhielt sowohl in Lübeck an den Salzspeichern nahe dem Holstentor als auch in Altona Lagerhäuser.
Eine der alten Steinbadewannen aus einem der ersten Badepavillons des Kurbades
Während der Holsteiner Hengsttage wird traditionell auch der Züchter des Jahres geehrt. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Timm Peters. Gemeinsam mit seiner Frau Nicole Peters hat der Dithmarscher schon viele Erfolgspferde gezüchtet. Zurzeit ist es der Uriko-Sohn Bull Run’s Jireh, der den Namen Peters aus Bargenstedt in die ganze Welt trägt.
„Schon als Kind war mir klar, dass ich den Hof und die Pferdezucht übernehmen wollte“, erinnert sich Timm Peters. Sein Vater Otto Peters hatte in Bargenstedt einen Hof. Unter anderem hielt er Milchvieh, baute Kohl an, und wie viele damals züchtete er Holsteiner. Reiten war allerdings nicht die erste Wahl des ambitionierten Sohns. Der wollte lieber Fußball spielen. „Mit dem Erfolg kam dann auch der Spaß“, sagt Timm Peters heute.
Im Jahr 2000 übernahm er den Hof des Vaters und stellte komplett auf Pferdezucht um. Neben seinen eigenen Stuten bietet er auch Platz für fremde Stuten und Jungpferde. So leben zurzeit etwa 60 Pferde bei Timm und Nicole Peters. Letztere kennt das mit den Pferden auch schon aus der Kindheit, denn sie ist eine geborene Pahl. In Dägeling, Kreis Steinburg, züchten ihre Eltern noch immer Holsteiner.
Die beiden Fachleute bieten heute von der Besamung bis zur Stuten- oder Hengstvorstellung das ganze Programm der Aufzucht an. Doch ihre große Leidenschaft ist nach wie vor die eigene Zucht. Etwa zehn Fohlen kommen jedes Jahr aus der Zucht von Familie Peters, und das aus vielen verschiedenen Stämmen. „Wir kaufen immer mal ein Stutfohlen dazu, wenn es interessant ist“, erklärt Timm Peters und fügt hinzu: „Wir wollen uns für die Zukunft weiter positionieren.“
Eine dieser Stuten kaufte Peters vor Jahren bei Elfriede Bornholdt in Moorrege, Kreis Pinneberg. „Uns war gleich klar, dass Conella eine ganz besondere Stute ist“, erinnert er sich. Und richtig, die Stute sollte seine Zucht nachhaltig beeinflussen.
Nachzucht aus einer besonderen Stute
Wiederholt paarte er die Braune von Colman-Contender aus dem Stamm 890 mit Uriko an. Das stellte sich als eine sehr gute Entscheidung heraus. Gleich im ersten Jahr kam ein Hengstfohlen zur Welt, das heute zu den besten Springpferden der Welt zählt: Bull Run’s Jireh, der unter der US-Amerikanerin Kristen Vanderveen von Erfolg zu Erfolg springt. Das Paar qualifizierte sich in diesem Jahr für das Weltcupfinale und reiste nach Basel, ist siegreich in Konkurrenzen bis 1,60 m und rangiert bei der World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH) in diesem Jahr auf einem hervorragenden zweiten Platz. Damit trägt der elfjährige Wallach einen erheblichen Teil zu Holsteins Spitzenposition bei der WBFSH bei.
Neben Jireh ist unter anderem sein Vollbruder Uno I, einstiger Reservesieger der Holsteiner Körung und Beschäler im Landgestüt Marbach, ein außergewöhnliches Pferd. Außerdem schenkte Conella Timm Peters unter anderem den gekörten und über 1,50 m erfolgreichen Quabri von Quibery sowie die beiden dreijährigen gekörten Hengste Bambam du Rouet von Baloubet du Rouet und Here I am von Heartbreaker.
Darüber hinaus tragen Töchter von Cornet Obolensky und Heartbreaker Conellas Gene in der Peters‘schen Zucht in die nächsten Generationen. Denn die Stute selbst ging vor einigen Jahren ein. „Das war ein harter Schlag“, sagt Peters, und man kann hören, dass ihn der Verlust noch heute schmerzt. Die weiblichen Nachkommen trösten ihn ein wenig über den Verlust hinweg. Vor allem die Tochter des Cornet Obolensky, die auch schon Siegerfohlen war, „wird sicher ihren züchterischen Weg gehen“.
Züchterischer Durchbruch mit Quick Nick
Beim diesjährigen Weltcupfinale traf Timm Peters seinen aktuellen Superstar, Bull Run’s Jireh. Foto: Stefan Lafrentz
Doch in Bargenstedt wird nicht nur der Stamm 890 gepflegt. Denn Timm Peters‘ großer züchterischer Durchbruch gelang ihm eigentlich mit einem Vertreter des Stamms 390. Quick Nick I von Quinar-Concerto II sorgte auf der Holsteiner Körung 2003 für Furore. Der Prämienhengst begeisterte im Freispringen die Körkommission und das Publikum gleichermaßen und wurde anschließend in der Auktion für die bis dahin nie da gewesene Summe von 400.000 € zugeschlagen.
Aus dieser Stutenfamilie, die Peters einst von seinem Vater übernommen hatte, entspringen ebenfalls zahlreiche Spitzenpferde. Soccero von Singulord Joter (Janne Friederike Meyer-Zimmermann/Khaled Al-Mobty) und Davis von Diarado (Rolf-Göran Bengtsson) sind nur zwei Beispiele. Ganz aktuell sorgte der siebenjährige Mané P von Million Dollar anlässlich der Jungpferdeweltmeisterschaft in Lanaken mit Bart van der Maat für Aufmerksamkeit.
Timm Peters und seine Familie haben eine Springpferdezucht gepflegt und entwickelt, die den modernen Holsteiner Verband spiegelt. Aus bewährten und durchgezüchteten Mutterstämmen gehen mithilfe durchdachter Anpaarungen Pferde hervor, die das Zuchtgeschehen in Holstein und weit darüber hinaus prägen. Das wird hoffentlich auch in der dritten Generation weitergehen, denn Sohn Luca interessiert sich zwar mehr für Trecker, hilft aber bei landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Hof, und Tochter Mia reitet und ist sehr pferdebegeistert. pm
Es war spannend bis zum Schluss. Nachdem der dritte und zweite Platz vergeben worden waren, verkündete Dr. Michael Hempel, Leiter der Abteilung Soziales, Pflege und Inklusion, den Sieger: „Der erste Platz des diesjährigen Pflegeleuchtturmpreises geht an das Projekt ,Green Care – Landwirtschaft trifft Seniorenpflege‘ der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein“, woraufhin jubelnder Applaus losbrach.
„Ich bin überwältigt“, sagte die verantwortliche Kammermitarbeiterin Maria Nielsen im Anschluss an die Verleihung. „Für mich ist der Preis die Bestätigung dafür, dass die Landwirtschaft einen wichtigen Teil für die Daseinsvorsorge der Senioren im ländlichen Bereich darstellt und konkrete Lösungsangebote für die aktuellen Herausforderungen im sozialen Bereich bietet.“ Kammerpräsidentin Ute Volquardsen freute ich ebenfalls über diese Auszeichnung: „Für uns ist es besonders wichtig zu zeigen, wie viele Facetten die Landwirtschaft bieten kann.“
Stellvertretend für zehn landwirtschaftliche Projektbetriebe nahmen Charlotte Schlichting vom Spargelbetrieb Vorwiesenhof in Lübeck und Bernd Gawrisch, der in Bargenstedt eine Rindermast betreibt, ebenfalls an der feierlichen Verleihung im Landeshaus in Kiel teil. Der Vorwiesenhof bietet stundenweise Betreuung für pflegebedürftige Menschen an. Für Gäste mit einem Pflegegrad tragen die Pflegekassen die Betreuungskosten. Hof Gawrisch plant in einem ehemaligen Stall eine ambulant betreute Hausgemeinschaft für acht Menschen mit Behinderungen, die dort in einer Gemeinschaft leben und alt werden können und dadurch nicht auf ein klassisches Seniorenheim angewiesen sind. Für dieses Vorhaben werden noch interessierte Betroffene und Unterstützende gesucht.
Neben Wohn- und Betreuungsangeboten beschäftigen sich die Projekthöfe mit der Gründung von Tagespflegeeinrichtungen auf landwirtschaftlichen Betrieben und mit Urlaub auf dem Bauernhof für Menschen mit Demenzerkrankungen. In Schleswig-Holstein gibt es bereits zirka 30 Höfe, die Angebote dieser Art haben. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein führt für interessierte Betriebe einmal im Jahr einen Lehrgang zum Thema Green Care durch.
Den zweiten Preis erhielt das Projekt „Diversität in der Pflegeausbildung: Was uns verbindet, ist stärker als das, was uns trennt“. Das Bildungszentrum Malepartus in Bargteheide ist Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und bildet rund 200 Pflegefachkräfte und Altenpflegerinnen und -helfer aus. Etwa 95 % der Auszubildenden stammen aus dem Ausland. Durch das Netzwerk sollen der Zusammenhalt und die Wertschätzung kultureller Vielfalt gefördert sowie eine respektvolle und integrative Lernumgebung geschaffen werden.
Über den dritten Preis freute sich das Friederica-von-Ellendsheim-Haus, das zusammen mit der Abteilung Ausbildung der Stiftung Kieler Stadtkloster das Projekt „Lerninsel“ vorstellte. Auszubildende in der Langzeitpflege können in einem geschützten Raum unter Anleitung Verantwortung für eigene Pflegebedürftige übernehmen und dort ihre praktischen Fähigkeiten vertiefen. Grundlage ist das Konzept der Bezugspflege, bei dem Auszubildende für ein bis zwei Pflegebedürftige verantwortlich sind.
Mit den Preisen wurde das besondere Engagement der Projektbeteiligten ausgezeichnet.
Zuvor hatten im Rahmen der Verleihung elf nominierte Institutionen ihre Projekte vorgestellt. Die Beteiligten zeigten diese auf sehr verschiedene Art und Weise – von der Power-Point-Präsentation über mündliche Vorträge bis hin zu Foto- und Filmbeiträgen. Maria Nielsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein spielte einen Film unter dem Stichwort „Soziale Landwirtschaft“ ab, der auch auf dem YouTube-Kanal der Kammer zu sehen ist.
Das Land vergibt den schleswig-holsteinischen Pflegeleuchtturm (ehemals Altenpflegepreis) seit 2004 in enger Kooperation mit dem Landespflegeausschuss. Finanziell unterstützt wird die Auszeichnung durch das Forum Pflegegesellschaft, die Landesverbände der Pflegekassen und den Verband der privaten Krankenversicherung.
Anlässlich des 20. Jubiläums der Auszeichnung wurde in diesem Jahr zusätzlich ein Sonderpreis verliehen unter dem Titel „Starke Angehörige – starke Pflege“. Er ging an das Projekt „bewegt und belebt“ in Lübeck. Dort kommen Senioren und ihre Angehörigen zusammen, um sich zu unterhalten und gemeinsam zu bewegen.
Zehntausende Haushalte in Berlin ohne Strom: Am Wochenende schreckte diese Nachricht die Bundesrepublik auf. Vor 20 Jahren, am ersten Adventswochenende 2005, versank das Münsterland im Schneechaos. Ein halber Meter Neuschnee, Eislasten auf Stromleitungen und stürmische Winde ließen Hochspannungsmasten umknicken. In großen Teilen der Region fiel tagelang der Strom aus. Thomas Ostendorf, Sauenhalter aus Ochtrup im Kreis Steinfurt, erlebte den Ausnahmezustand hautnah. Im Bauernblatt-Interview berichtet er.
Wie haben Sie den großflächigen Stromausfall und die massiven Verkehrseinschränkungen damals erlebt?
Wir hatten im Sommer 2005 – ohne zu ahnen, was kommen würde – in ein Notstromaggregat investiert. Rückblickend war das die beste Investition des Jahres. Was wirklich kurios war: Das Notstromaggregat lief gerade testweise, als der Strom ausfiel. Ein Zufall, wie es ihn manchmal im Leben gibt. Wir haben also vor 20 Jahren zunächst gar nichts gemerkt. Erst als die Nachbarn kamen und erzählten, dass Mobilfunk und Strom komplett zusammengebrochen waren, wurde uns klar, was eigentlich los war. Während andere bei Kerzenschein saßen, hatten wir ganz normal Strom. Sehr eindrücklich war auch die Situation unseres Auszubildenden aus Münster. Morgens war er noch in Sommerschuhen zur Schule los, abends kam er im tiefsten Winter unter erschwerten Bedingungen wieder bei uns an. Da wurde einem bewusst, wie chaotisch die Lage war.
Als Tierhalter kommt man ohne Strom schnell an Grenzen. Wo lagen für Sie die größten Herausforderungen?
Man denkt bei Stromausfall sofort an die Lüftung, Schweineställe sind zwangsbelüftet. Kritischer war allerdings die Heizung. Schweine tragen ja keine Pullover. Gerade in Sauenbetrieben gab es viele Erdrückungsverluste, weil sich die Ferkel eng an die Sau drängten, um Wärme zu bekommen. Ein weiterer Punkt war die Versorgungstechnik: Futter, Wasser – alles hängt am Strom. Zum Glück hatte das Wasserwerk im Nachbarort Strom, sodass der Leitungsdruck erhalten blieb. Unsere Hauswasserversorgung war dadurch gesichert. Ohne Strom hätten wir das Futter händisch mit der Futterkarre verteilen können, denn wir haben Schieber an den Silos. Breite Stallgänge sind für diesen Fall Gold wert.
Wie haben Sie sich in der Region gegenseitig geholfen?
Die Nachbarschaftshilfe hat hervorragend funktioniert – so, wie man es vom ländlichen Raum kennt. Das Technische Hilfswerk hat mit Trafos Strom für mehrere Betriebe erzeugt. Teilweise kamen Notstromaggregate aus ganz Deutschland. Krankenhäuser und Dialysezentren hatten natürlich höchste Priorität – da war jeder froh, wenn die Technik lief. In Ochtrup wurden die Außenbereiche Tage vor dem Zentrum ans Netz genommen, weil die Milchkühe gemolken werden mussten.
2005 wurde mancher Landwirt im Münsterland vom Schneechaos überrascht, Thomas Ostendorf nicht.
Welche Lehren haben Sie aus dem Schneechaos 2005 gezogen?
Seitdem gibt es bei Unwetterwarnungen eine feste To-do-Liste: Traktoren volltanken, Dieselvorräte prüfen, Aggregat testen. Denn ein Notstromaggregat nützt nichts, wenn man den Diesel nur über eine elektrisch betriebene Hoftankstelle bekommt. Handpumpen sind Pflicht. Wir haben heute einen festen Standort für das Aggregat: Klappe auf, rückwärts dran, anschließen, fertig. Eine Anleitung mit klaren Schritten hängt direkt daneben. Innerhalb von zehn Minuten sind wir betriebsbereit. Eine Frequenzüberwachung zwischen 48 und 52 Hertz ist extrem wichtig, sonst nimmt die Lüftung Schaden. Das ist heute Standard, damals war es das nicht.
Was raten Sie anderen Landwirten ganz konkret?
Erstens: Eine Notstromversorgung gehört zur Betriebssicherheit. Wer eine Zwangslüftung hat, muss sie absichern, das steht in jeder Baugenehmigung. Es muss zudem die Möglichkeit bestehen, den Betrieb vom öffentlichen Stromnetz zu trennen. Zweitens: Aggregate sind regelmäßig zu testen, mindestens einmal im Jahr. Viele Stadtwerke nutzen den Jahrestag des Stromausfalls inzwischen als Anlass dafür. Drittens: Das „Drehbuch für den Stromausfall“ sollte bekannt sein. Viertens: Welches Aggregat ist das richtige? Wir haben 400 Sauen mit Nachzucht, da reichen 100 PS. Aber welcher Schlepper kann das Aggregat bedienen: Schafft es auch der Hofschlepper? Begrenzende Faktoren sind der Diesel im Fass und das Schrot im Futtersilo. Hier sollte man nie auf Kante fahren.
Das Notstromaggregat hat einen festen Platz im Haus, der Schlepper muss nur angeschlossen werden.
Hat der Stromausfall Ihren Blick auf unsere heutige Gesellschaft verändert?
Definitiv. Wenn Strom und Internet weg sind, sind wir sehr schnell wieder in der Steinzeit. Kein Supermarkt, keine funktionierende Tür, keine Kommunikation. Wir haben deshalb einen Gasherd. Den kann man notfalls mit einem Streichholz anzünden. 2005 ist zum Glück weder Menschen noch Tieren etwas passiert. Im Nachhinein war es ein riesiges Abenteuer, aber eines, das man kein zweites Mal braucht. Das Münsterländer Schneechaos hat uns gezeigt, wie verletzlich unsere hoch technisierte Landwirtschaft ist. Man darf sich nichts vormachen: Bei einem flächendeckenden Blackout hat jeder genug Probleme. Deshalb muss jeder auch selbst vorsorgen.
Jean-Claude Juncker, ehemaliger EU-Kommissionspräsident, sagte einmal: „Wir alle wissen, was zu tun ist – aber wir wissen nicht, wie wir dann die Wahlen gewinnen sollen.“ Der deutsche Sozialstaat wächst stärker als die Wirtschaft. Die Sozialabgaben liegen mit 42 % so hoch wie nie zuvor. Am Ende der Legislaturperiode drohen 45 %. Das sind keine Nebenkosten mehr, das ist ein zweiter Lohn.
Doch nicht nur die Unersättlichkeit des Wohlfahrtsstaates macht dem Wirtschaftsstandort den Garaus. Manche Sozialleistung ist direkt leistungsfeindlich. Welcher Jugendliche lernt einen Beruf, wenn kurzfristig der Mindestlohn lockt? Wer tauscht für wenige Hundert Euro mehr die Grundsicherung gegen einen 40-Stunden-Job?
Arbeitgebervertreter Steffen Kampeter warnt, diese Regierung betreibe in dritter Generation Insolvenzverschleppung. Da ist etwas dran. Der „Reformherbst“ zementierte das Rentenniveau bei 48 % des Bruttolohns, dazu kam die volle Mütterrente. An die Versorgung der Beamten – mehr als 70 % der Dienstbezüge – geht keiner heran. Es droht das französische Szenario: Die Sozialausgaben verschlingen fast die Hälfte des Pariser Staatshaushaltes. Nach dem Scheitern der Haushaltsverhandlungen läuft Frankreich nur noch per Notgesetz. Die kollektive Realitätsverweigerung unserer Nachbarn hat Suchtcharakter: mit Vollkasko gegen die Wand.
Das Volk hat die Regierung, die es verdient. Doch es verdient nicht mehr genug. „Einer der großen Irrtümer unserer Tage liegt darin zu glauben, dass die Millionen von Wanderarbeitern in China und die Tarifangestellten in Wolfsburg und Detroit nichts miteinander zu schaffen hätten“, schreibt der Journalist Gabor Steingart. Arbeitslöhne spiegeln keine Wertschätzung wider. Es sind Produktionskosten. Hohe Sozialabgaben hierzulande machen Jobs in China attraktiv. Noch kleistert Berlin diesen Bruch mit Geld zu. Doch notwendig wären schmerzhafte strukturelle Reformen.
Politiker schwören, dem Wohl des Volkes zu dienen und Schaden von ihm abzuwenden. Die Menschen wissen längst, dass es so nicht weitergeht. Deshalb muss Berlin zwischen den Zeilen des Bürgerwillens lesen und entsprechend handeln. Der legendäre Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) hat das Ziel einer soliden Sozialpolitik so beschrieben: „Ich will mich aus eigener Kraft bewähren. Ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein. Sorge du, Staat, dafür, dass ich dazu in der Lage bin.“ Das muss reichen. Das „Wall Street Journal“ nannte kürzlich einen weiteren Politiker, der das Unaussprechliche aussprach: „Friedrich Merz sagt, dass der gegenwärtige Wohlfahrtsstaat nicht mehr finanzierbar ist.“ Wie man aber mit harten Einschnitten Wahlen gewinnt, weiß offenbar auch der Bundeskanzler nicht. Doch diese Berliner Sozialpolitik bedroht die Glaubwürdigkeit der politischen Mitte.
Die Alterssicherung der Landwirte ist nur eine Teilsicherung. Altenteiler arbeiten auch als Rentner weiter. So ähnlich wird es dann wohl auch für alle anderen kommen. Die gewaltigen Sozialversprechen sind nicht zu halten – aber wer sagt‘s dem Bürger?