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Freiheit mit Meerblick

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Wenn Noah aus dem Fenster seines Klassenzimmers guckt, dann schaut er auf das Meer, auf die Nordsee. Heute, an diesem sonnigen, fast windstillen Herbsttag, blinzelt das glatte Meer im Sonnenschein um die Wette. Noahs Blick reicht bis zum weiten Horizont. Kein Haus, keine Straße, keine Leute, rein gar nichts versperrt ihm die Sicht.

„Letzte Woche hatten wir den ersten Herbststurm, und da überschwemmte das Nordseewasser das Land“, erzählt Noah. Nur noch die zehn Hügel, auf denen die Häuser der Halligbewohner stehen, die sogenannten Warften, ragten aus der Nordsee heraus“, erzählt der zwölfjährige Schüler.

Schule in mini: Auf der Hallig ist die Anzahl der Schüler überschaubar.
Foto: Jörg Böthling

Ob er dann Angst hat? „Nö, eigentlich nicht“, antwortet der Siebtklässler im kleinen Kreis der Schüler, die auf die Schule der Hallig Hooge gehen. Insgesamt vier Mädchen, vier Jungen, vier Geschwisterpaare, fünf Klassen, ein großer Unterrichtsraum – mehr nicht, eine Schule in mini. Überschaubar, jeder kennt jeden ziemlich genau auf diesem Fleckchen Land inmitten der Nordsee. „Wir sind nie genug“, umschreibt Noah den einfachen Umstand, dass nicht viele Kinder auf dem Eiland leben. Viel zu wenige, um beispielsweise eine Fußballmannschaft zu bilden auf der Hallig, wie die Nordseeinseln ohne Seedeich heißen, nur 1 km breit und 4 km lang, größer nicht. Obwohl es an Mitspielern mangele, seien die Halligkinder allesamt sehr sportlich, so Lehrerin Franziska Dost, hätten sie doch auf dem Eiland mit 100 Einwohnern viel Freiraum, um sich ungehindert zu bewegen.

Nach der Schule, am frühen Nachmittag, fährt Noah mit seinem E-Fahrrad gen Westen. Es gibt nur eine einzige Straße, kein Auto kommt ihm entgegen, auch keine Fußgänger, keine Fahrradfahrer. Noah ist allein. Nur ein paar Austernfischer singen ihr Lied: „Liep, liep, liep.“ Ein Reiher steht regungslos im Wassergraben, der entlang der Straße führt. Schon nach ein paar Minuten hat Noah sein Ziel erreicht – dort, wo die Hallig endet, wo eine Steinkante das flache Land vor dem Meer schützt.

Freier Blick von der Schule auf das Wattenmeer
Foto: Jörg Böthling

Von Weitem ist der Leuchtturm auf der Nachbarinsel Amrum zu erkennen. In der Nacht sendet er für die Seefahrer Leuchtsignale. Noah steigt von seinem Rad und zeigt auf den kleinen Strandsteifen, der im Sommer eine der beliebten Badestellen ist. „Jetzt im Herbst sammele ich hier meine Muscheln“, sagt der Junge von Hooge mit strahlendem Gesicht. Herzmuscheln, Plattmuscheln, Miesmuscheln, Austern und die schönen Wellhornschnecken. Das Nordseewasser plätschert sanft am Strand. „Heute Nachmittag haben wir Hochwasser (Flut), hätten wir jetzt Niedrigwasser (Ebbe), würde der Meeresboden trockenliegen“, erklärt Noah, „dann ist hier Watt.“ Ob er sich mit Ebbe und Flut gut auskennt? Der Zwölfjährige gibt eine ehrliche Antwort. „Das Wasser kommt und geht. Das reicht mir zu wissen. Alles andere rund um dieses Thema ist ziemlich schwer zu erklären.“

Da hat Noah vollkommen recht. Daher sei kurz erwähnt, dass Mond und Sonne dafür sorgen, dass das Wasser alle sechs Stunden kommt und geht. Überall auf der Welt ist dies in Küstenregionen zu beobachten. Auf Hooge ist dieses Naturphänomen besonders eindrucksvoll zu erfahren, ist doch auf diesem Eiland in der Nordsee an jedem Punkt das Kommen und Gehen der Nordsee zu beobachten. Und: Je mehr Wind, je mehr Sturm, desto höher läuft das Meer auf. Und manchmal ist die gesamte Hallig unter Wasser, und dann lugen nur noch die Warften aus den Fluten. In solchen Momenten, die mehrmals im Jahr auftreten können, müssen auch die Rinder, Schafe und Pferde von den Weiden rechtzeitig auf die höher gelegenen Stellen gebracht werden. Aber zurück zum bunten Muschelsortiment von Noah. Er lagert es in einem kleinen Schuppen auf der Hanswarft, wo er mit seinen Eltern Frederike und Kai und seinen beiden Brüdern lebt. Würden wir Noah in den Sommerferien besuchen, dann könnten wir ihn als Muschelverkäufer am kleinen Hafen von Hooge erleben.

Noah hat einen kleinen Verkaufsstand, an dem er seine Muscheln an Touristen verkauft.
Foto: Jörg Böthling

Mit seinem kleinen Verkaufsstand bietet er dann den Touristen, charmant und wahrlich nicht auf dem Mund gefallen, seine Funde an. Mit viel Erfolg, wie sein Vater Kai verrät. Sein Sohn lächelt schelmisch. Kein Wunder, dass Noah als Wahlfach gern Wirtschaft gewählt hätte. Aber nicht nur Muscheln spielen eine große Rolle bei Noah, sondern auch die Haustiere der Familie. Während der Hund Mailo, ein Australian-Shepherd-Bordercollie, in der Wohnung der Hillmanns lebt, sind die beide Kaninchen Tofi und Schnuffel im Stall eines Nachbarhauses untergebracht. Genauso wie die beiden Pferde seiner Mama: Monti, eine sehr hübsche Stute der Rasse Tinker sowie ein süßes Shetland-Pony mit dem Namen Ikarus. Wer Tiere hat, muss auf sie achtgeben, muss sie pflegen, muss sie ausmisten und regelmäßig füttern und tränken.

Lehrer Fabian Lunkeit musiziert mit den Schülern. Der Halliglehrer ist begeistert von seinem Arbeitsplatz.
Foto: Jörg Böthling

Kein Zweifel, die Natur nimmt im Leben von Noah einen großen Raum ein. Für seine Lehrerin Franziska Dost prägten die reiche Naturerfahrung und das behütete Halligleben die Kinder sehr. „Ihre Eigenständigkeit ist ausgeprägt. Auch außerhalb der Schule müssen sie vieles allein mit sich klären und abmachen“, weiß die 31-jährige Pädagogin, die sich mit ihrem Kollegen Fabian Lunkeit den Unterricht in der kleinen Halligschule teilt. Der 40-Jährige ist voll Begeisterung über seinen Arbeitsplatz. „Hier kann ich auf jede Schülerin und jeden Schüler eingehen. Hier haben wir als Schule noch Zeit und Raum, um Lerninhalte von allen Seiten zu beleuchten, und können diese im Detail auch praktisch ausprobieren“, freut sich Lunkeit. Ausnahmsweise hat er seinen Dackel mit in die Schule genommen, sehr zur Freude der Schülerschaft. Jeder nimmt den kleinen Vierbeiner einmal in den Arm, und am Ende liegt der Hund seelenruhig unter dem großen Klassenbildschirm.

Wer Lehrer an einer Minischule wie der auf Hooge ist, muss über den Tellerrand gucken wollen und sollte bereit sein, sich auch außerhalb der eigenen Kernfächer zu engagieren. Ob nun Mathe, Sport, Geografie, Wirtschaft oder auch Kerzenziehen im Werkkeller, es wäre gut, wenn die Halliglehrer von allem etwas verstehen. Oder rasch zur Gitarre greifen können, um das Lied für den anstehenden Laternenumzug zu üben. Lunkeit kann es. Er streicht über die Gitarrensaiten, und seine kräftige Stimme füllt den Raum, obwohl die acht Schulkinder anfänglich – noch nicht ganz textsicher – nur mitsummen.

Noah mit Tinker-Stute Monti – die Haustiere der Familie spielen für ihn eine große Rolle.
Foto: Jörg Böthling

Auch wenn Hooge im Vergleich zu vielen anderen Orten dieser Welt dem Paradies nahekommt, geht es doch nicht immer paradiesisch zu. Auch hier gibt es einen Alltag, auch hier gibt es Langeweile, auch Probleme mit Mitschülern. Und auch das E-Learning am Computerbildschirm mit einer Englischlehrerin, zu dem auch zwei Schülerinnen anderer Halligen zugeschaltet sind, hat seine Tücken. Auch wenn die Verbindung in Ton und Bild klappt – es macht einfach nicht immer Spaß. Das ist auf Hallig Hooge nicht anders als anderswo.

Und Noah, der vor zwei Jahren mit seiner Familie vom Festland nach Hooge gezogen ist, vermisst seine alten Freunde aus der früheren Grundschule. „Manchmal telefoniere ich mit ihnen und spiele mit ihnen übers Internet Playstation. Die fehlen mir manchmal schon“, sagt Noah, als er am Abend seine Kaninchen füttert. Dagegen fehlt es an Nordseekrabben, die er so gern isst, überhaupt nicht. Denn die schwimmen reichlich im Wattenmeer und werden von Fischern rund ums Jahr gefangen. „Dann mag ich die tollen Sonnenaufgänge und -untergänge, die es hier so oft gibt“, schwärmt Noah. Und das Allerwichtigste: „Ich liebe die Freiheit, die ich hier auf der Hallig habe.“

Höherer Hofeswert – höhere Abfindung?

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Wer über die Hofnachfolge nachdenkt, rechnet heute mit anderen Größenordnungen als noch vor wenigen Jahren. Flächen und Gebäude sind im Wert gestiegen, Betriebe sind gewachsen – und seit Anfang 2025 gelten auch für die Abfindung weichender Erben nach der Höfeordnung neue Rechengrößen. Aus dem Einheitswert ist im Zuge der Grundsteuerreform der Grundsteuerwert geworden. Und der kann deutlich höher ausfallen. Steigen dadurch auch die Abfindungen an weichende Erben – und damit die finanziellen Belastungen für Hofnachfolger?

Für die Vererbung landwirtschaftlicher Betriebe gelten in Schleswig-Holstein – wie auch in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg – besondere Regeln. Die Höfeordnung soll dazu beitragen, landwirtschaftliche Betriebe über Generationen als wirtschaftliche Einheit zu erhalten. Ist ein Betrieb Hof im Sinne der Höfeordnung, fällt er im Erbfall grundsätzlich einem Hoferben zu. Die übrigen Erben gehen deshalb nicht leer aus: An die Stelle ihrer Beteiligung am Hof tritt eine Abfindung in Geld. Wie hoch diese Abfindung ausfällt, hängt unter anderem vom jeweiligen Erb-anteil ab. Für die Bewertung des Hofes gelten jedoch besondere Regeln.

Und genau diese Regeln haben sich zum 1. Januar 2025 geändert. Das klingt zunächst nach dem bloßen Austausch zweier Rechengrößen. Tatsächlich ändert die Reform aber mehr – und kann damit auch die Abfindungen deutlich verändern.

Was hat sich geändert?

Auslöser der Reform war die Neuregelung der Grundsteuer. Mit dem Wegfall der bisherigen Einheitswerte brauchte auch die Höfeordnung eine neue Bewertungsgrundlage. Zunächst ändern sich dadurch die Wertgrenzen für die Hofeigenschaft (siehe Tabelle 1). Bis Ende 2024 war ein landwirtschaftlicher Betrieb grundsätzlich Hof im Sinne der Höfeordnung, wenn sein Wirtschaftswert mindestens 10.000 € betrug. Zwischen 5.000 und 10.000 € konnte der Betrieb auf Antrag Hof im Sinne der Höfeordnung werden. Seit 2025 gelten hierfür Grundsteuerwerte von 54.000 € beziehungsweise 27.000 €.

Für die Hofnachfolge noch bedeutsamer ist die Änderung des Hofeswertes. Bis Ende 2024 wurde dieser grundsätzlich mit dem Eineinhalbfachen des zuletzt festgesetzten Einheitswertes angesetzt. Seit 2025 beträgt der Hofeswert 60 % des Grundsteuerwertes. Gleichzeitig wurde die Untergrenze verändert, die nach Abzug der den Hof treffenden Verbindlichkeiten für die Berechnung der Abfindung mindestens verbleibt: Statt bislang einem Drittel des Hofeswertes ist es nun ein Fünftel.

Die Reform verändert damit gleich mehrere Stellschrauben der Abfindungsberechnung. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt ein einfaches Zahlenbeispiel.

Was bedeutet die Reform in Euro?

Angenommen wird ein landwirtschaftlicher Betrieb mit rund 50 ha Eigentumsfläche, einem bisherigen Einheitswert von 60.000 € und einem neuen Grundsteuerwert von 400.000 €. Der Betrieb weist Verbindlichkeiten von 150.000 € auf. Der Betriebsinhaber ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ein Kind soll den Hof übernehmen. Bei gesetzlicher Erbfolge und Zugewinngemeinschaft entfällt auf den Ehepartner grundsätzlich die Hälfte und auf die beiden Kinder jeweils ein Viertel.

Nach bisherigem Recht ergab sich aus dem 1,5-fachen Einheitswert ein Hofeswert von 90.000 €. Nach neuem Recht werden 60 % des Grundsteuerwertes angesetzt. Der Hofeswert steigt damit auf 240.000 €.
Nach altem Recht übersteigen die Verbindlichkeiten den Hofeswert. Deshalb greift die damalige Untergrenze für den Mindestanspruch: Mindestens ein Drittel des Hofeswertes, hier 30.000 €, ist als Abfindungsbasis anzusetzen.

Nach neuem Recht sieht die Rechnung anders aus. Vom Hofeswert von 240.000 € verbleiben nach Abzug der Verbindlichkeiten noch 90.000 €. Die 90.000 € liegen über dem neuen Mindestanspruch von 48.000 € und bilden deshalb die Abfindungsbasis. Bei einer lebzeitigen Übergabe wird die Versorgung des Ehepartners vielfach über ein Altenteil geregelt. Auch solche den Hof treffenden Verpflichtungen können für die Abfindungsberechnung von Bedeutung sein.

Für das weichende Kind zeigt sich die Wirkung der Reform besonders deutlich: Bei einem Erbanteil von einem Viertel steigt die rechnerische Abfindung in unserem Beispiel von 7.500 € auf 22.500€ – sie verdreifacht sich. Das Beispiel macht damit vor allem eines deutlich: Mit den höheren Hofeswerten gewinnt auch die Frage an Bedeutung, welche Verbindlichkeiten bei der Berechnung berücksichtigt werden können. Doch ist eine solche Verdreifachung auch in der Praxis typisch?

Was wird vom Hofeswert abgezogen?

Vom Hofeswert werden die sogenannten Nachlassverbindlichkeiten abgezogen, die den Hof treffen und vom Hofnachfolger zu tragen sind. Dazu gehören insbesondere betriebliche Schulden. Auch bereits bestehende Altenteilsverpflichtungen – etwa gegenüber der Großelterngeneration – sowie das bei der Hofübergabe vereinbarte Altenteil der Abgeber sind zu berücksichtigen. Altenteilsleistungen werden dabei mit dem heutigen Wert der voraussichtlich noch zu erbringenden Leistungen angesetzt. Wie hoch dieser Wert ausfällt, hängt vor allem von der Höhe der vereinbarten Leistungen und der statistischen Lebenserwartung der Altenteiler ab.

Was zeigt die Praxis in Schleswig-Holstein?

Antworten darauf liefert eine Analyse der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel von rund 1.200 landwirtschaftlichen Betrieben in Schleswig-Holstein. Für jeden Betrieb wurde die Abfindung nach alter und neuer Höfeordnung berechnet. Dabei wurden neben den betrieblichen Verbindlichkeiten auch betriebstypische Altenteilsleistungen berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Unterschied: Der Hofeswert nach neuer Höfeordnung liegt im Durchschnitt beim 3,3-Fachen des bisherigen Hofeswertes. Auch die Abfindungen steigen, allerdings weniger stark: Sie erreichen im Mittel etwa das 2,2-Fache des bisherigen Wertes. Ein wesentlicher Grund dafür ist der erweiterte Abzug der den Hof treffenden Verbindlichkeiten.

Auch nach der neuen Berechnung greift deshalb für fast 90 % der untersuchten Betriebe – wie bereits nach altem Recht – der gesetzliche Mindestwert. Dieser liegt aufgrund der neuen Bewertungsgrundlage allerdings ebenfalls höher als bisher. Die Abfindungen steigen also – aber vielfach deutlich weniger stark, als die neuen Hofeswerte zunächst vermuten lassen.

Was folgt daraus für die Hofnachfolge?

Die Reform der Höfeordnung kann die Abfindungen weichender Erben spürbar erhöhen. Wie hoch die Belastung für den Hofnachfolger tatsächlich ausfällt, hängt jedoch stark von der Situation des einzelnen Betriebes ab. Neben dem Grundsteuerwert spielen insbesondere die bestehenden Verbindlichkeiten eine wichtige Rolle. Auch vereinbarte Altenteilsleistungen können dabei von erheblicher Bedeutung sein.

Die Berechnung nach der Höfeordnung ist dabei nicht mit dem Ergebnis einer geplanten Hofübergabe gleichzusetzen. Sie zeigt vielmehr, was gilt, wenn keine abweichenden Vereinbarungen getroffen werden. In der Praxis wird die Hofnachfolge häufig bereits zu Lebzeiten gestaltet. Dabei können beispielsweise die Versorgung der Übergeber über ein Altenteil und die Abfindungen der weichenden Erben individuell vereinbart werden. Auch die pauschale Berechnung des Hofeswertes mit 60 % des Grundsteuerwertes muss nicht in jedem Fall das letzte Wort sein: Werden Besonderheiten des Hofes durch diesen Wert nicht ausreichend berücksichtigt, sind Zu- oder Abschläge auf Verlangen möglich.

Daneben kann weiteres Vermögen vorhanden sein, das gar nicht zum Hof im Sinne der Höfeordnung gehört. Dazu können beispielsweise ein vermietetes Wohnhaus oder die Beteiligung an einer eigenständigen gewerblichen Biogasgesellschaft gehören. Solche Vermögenswerte werden nicht über einen Zuschlag zum Hofeswert erfasst, sondern müssen bei der Nachfolge gesondert berücksichtigt werden.

Fazit

Höhere Hofeswerte bedeuten nach der Reform häufig auch höhere Abfindungen. Wie hoch diese am Ende ausfallen, entscheidet aber nicht der Grundsteuerwert allein. Verbindlichkeiten, Altenteil, weiteres Vermögen und die Vereinbarungen innerhalb der Familie spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die neue Höfeordnung liefert somit eine neue Rechengröße – eine gute Hofübergabe bleibt jedoch auch künftig mehr als eine einfache Rechenaufgabe.

Ruhiger Marktverlauf im August

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Trotz bestem Wetter und damit naturgemäß etwas eingeschränkter Käuferpräsenz konnte der Markt am 13. August nahezu komplett geräumt werden. Trotz der laufenden Erntearbeiten fanden zahlreiche Interessenten den Weg zur Auktion oder hatten die Mitarbeiter der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG (RSH eG) im Vorfeld mit der Durchführung von Kaufaufträgen betraut, sodass qualitätsvolle Tiere weiterhin Abnehmer fanden. Gegenüber den vorangegangenen Auktionen gaben die Preise für die abgekalbten Tiere nach. Einige wenige nicht marktgerechte Tiere blieben im Überstand. Der schwarzbunte, homozygot hornlose „Danol“-Sohn „Eiger PP“ aus der Zucht von Detlef Bähnke, Schashagen, wurde für 2.100 € zugeschlagen, ein weiterer blieb im Überstand.

Qualitätsorientierte Nachfrage

Bei den weiblichen Tieren zeigte sich ein differenziertes Bild: Färsen mit ordentlichen Einsatzleistungen und entsprechendem funktionalen Exterieur waren auch weiterhin gefragt und erzielten solide Preise. Färsen, deren Kalbung bereits weiter zurückliegt oder die unter den gegebenen Marktbedingungen als nicht marktgerecht anzusehen sind, erzielten Vermarktungserlöse mit teilweise deutlichen Preisabschlägen. Der Trend zum qualitätsorientierten und differenzierten Bieten hält weiter an, was durch die realisierte Preisspanne von 1.400 € bis 3.050 € deutlich wurde.

Preissiegerin der Auktion war die schwarzbunte „Lionel“-Tochter der Zuchtstätte Milchhof Wesenberg, Thomas Schmahl, Wesenberg, die vom Auktionator Claus-Peter Tordsen für einen hiesigen Interessenten bei 3.050 € zugeschlagen wurde. Sie gefiel durch ihren modernen Typ, stand im mittleren Rahmen mit viel Kaliber, Topfunda­ment und einer mit 46 kg bemerkenswerten Einsatzleistung. Die euter- und körperstarke „EBH Eider“ (Vater: „Ambrose“) erzielte 2.850 €, sie kommt aus der Zucht der Engelbrecht GbR, Bokholt-Hanredder, und konnte zudem noch einen genomischen Zuchtwert von 127 RZG vorweisen.

Hans-Joachim Lüer, Niendorf, stellte mit der rahmigen „Skater“-Tochter „Davos“ eine hochleistende Färse aus überaus leistungsstarkem Kuhstamm vor, die 2.750 € erzielte. „KAX Dagmar“, eine „Merryguy“-Tochter der Rinderzucht Kaack GbR, Mözen, Kaack Holsteins, überzeugte einen heimischen Käufer, der sie vor allem aufgrund ihres überaus drüsigen Euters für 2.650 € ersteigerte. Die schwarzbunten Färsen erreichten durchschnittlich 2.212 €.

Bei den Angler-Färsen sicherte sich die Preisspitze mit 2.600 € die harmonische „Diesel“, eine „Vojens“-Tochter von Volker Asmussen, Dannewerk, die aus einer langlebigen Kuhfamilie stammt. Der durchschnittliche Zuschlagspreis der Angler-Färsen lag bei 2.266 €. Zwei Rotbuntfärsen erzielten jeweils 2.000 €. Drei Kreuzungsfärsen wurden für durchschnittlich 1.917 € vermarktet.

Gute Tiere bleiben gefragt

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Färsen mit ordentlicher Einsatzleistung und entsprechendem funktionalen Exterieur auch weiterhin gefragt sind. Die geringeren Zuschlagspreise waren in Anbetracht der aktuellen Milchpreismisere erwartbar und spiegeln die momentan schlechte Stimmung der Milcherzeuger wider. Dies bietet andererseits aber auch Chancen für potenzielle Kaufinteressenten, ihre Bestandsergänzung jetzt konkret zu planen und zu realisieren. Dabei können zur innerbetrieblichen Selektion die gegenwärtig noch vergleichsweise freundlichen Vermarktungserlöse für abgehende Tiere genutzt werden. Für Käufer bestehen somit aktuell gute Einkaufsmöglichkeiten bei der Bestandsergänzung.

Die nächste Auktion der RSH eG findet am 17. September im Vermarktungszentrum in Dätgen, direkt an der Autobahnabfahrt Bordesholm gelegen, statt. Angeboten werden Tiere, die ausschließlich aus BHV1- und BVD/MD-freien Betrieben stammen. Anmeldungen der Auktionstiere sind bis Montag, 31. August, an die RSH eG, Neumünster, unter Tel.: 0 43 21-90 53 07, Fax: 0 43 21-90 53 95 oder per E-Mail an s.rahn@rsheg.de zu richten.

Akuter Notfall im Kälberstall

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Die Tympanie ist eine häufige und potenziell lebensbedrohliche Verdauungsstörung bei Kälbern. Sie entsteht durch eine übermäßige Gasansammlung im Pansen beziehungsweise Vormagen, die nicht ausreichend abgeführt werden kann. Besonders in den ersten Lebenswochen sind Kälber anfällig, da ihr Verdauungssystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Die Ursachen sind vielfältig und lassen sich in physiologische, fütterungs- sowie managementbedingte Faktoren einteilen.

Typisches Anzeichen der Tympanie ist die sichtbare Aufblähung der linken Bauchseite, die zu Unruhe, erschwerter Atmung bis hin zur Maulatmung führt und schließlich intensives Blöken durch Schmerz und Atemnot bedingt.

Der Krankheitsverlauf zeichnet sich zu Beginn durch eine erhöhte Pansentätigkeit mit gesteigerter Gasbildung aus. Pansen und Netzmagen werden durch die Gas-ansammlung deutlich überdehnt und komprimieren so Lunge und Blutgefäße. Infolgedessen ist der Sauerstoffaustausch ungenügend. Der Körper übersäuert, und die Herzleistung ist eingeschränkt. Werden keine oder zu späte Maßnahmen getroffen, kann die Krankheit durch Atemlähmung und Kreislaufversagen zum Tod führen.

Neben der Pansentympanie kann in seltenen Fällen auch eine Labmagentympanie beobachtet werden. Diese äußert sich durch rechtsseitiges Aufblähen und geht weder mit freien Gasansammlungen noch stabilem Schaum im Pansen einher. Bei gleichen Symptomen kann es sich, je nach zugrunde liegender Ursache, um verschiedene Formen der Tympanie handeln. Eine sichere Unterscheidung ermöglicht eine zielführende Behandlung und Eingrenzung von ursächlichen Faktoren.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Formen der Tympanie:

Primäre (schaumige) Tympanie

Diese entsteht meist durch die Aufnahme von leicht fermentierbaren Futtermitteln wie jungem, eiweißreichem Grünfutter, etwa Klee und Luzerne, oder durch eine zu hohe Aufnahme von Kraftfutter. Während der Fermentation bildet sich stabiler Schaum im Pansen, der das Gas bindet und so ein Entweichen verhindert.

Sekundäre Tympanie

Die sogenannte freie Gas-ansammlung wird durch mechanische oder funktionale Störungen wie Schlundverstopfung, Infektionen oder Lähmungen der Pansenmotorik verursacht.

Physiologische Ursachen

Der Pansen junger Kälber ist noch nicht so weit entwickelt, dass er vollständig funktionsfähig ist. Dadurch kann entstehendes Gas schlechter ausgeleitet werden. Gleichzeitig sorgt der sogenannte Schlundrinnenreflex dafür, dass Milch direkt in den Labmagen gelangt. Funktioniert dieser nicht richtig, gelangt Milch in den Pansen und verursacht dort Gärprozesse, die typischerweise Gas produzieren. Milch im Pansen führt zur Bildung von Milchsäure, einer Absenkung des pH-Wertes unter 6,0 und Reizungen der Pansenschleimhaut. Die Folge ist chronisches Kümmern.

Kälber wirken lustlos, magern ab, zeigen stumpfes Fell und knirschen mit den Zähnen. Beim Abhören ist zudem ein plätscherndes Geräusch im Pansen zu vernehmen. Solche sogenannten Pansentrinker entwickeln eine chronische Pansentympanie. Das Drenchen trinkunwilliger Kälber hinterlässt immer Milchrückstände im Pansen, die zu Fehlgärungen führen. Soweit möglich sollte deshalb auf das Drenchen verzichtet werden.

Es ist bekannt, dass die Anfälligkeit für Pansenblähungen tierindividuell ist. Es wird unterschieden zwischen schwach und hoch blähungsempfänglichen Tieren. Diese Eigenschaft ist erblich. Hoch blähungsempfängliche Tiere zeichnen sich unter anderem durch ihre geringe Fresslust aus. Hinzu kommen eine kürzere Verweilzeit des Futters im Verdauungstrakt bei hoher Passagerate und eine schlechte Kauintensität mit geringer Speichelbildung. Zudem sammelt sich bei hoch anfälligen Tieren oftmals mehr Flüssigkeit beziehungsweise mehr Inhalt im Pansen. Schließlich weisen diese Tiere oftmals eine veränderte Pansenmotorik auf.

Infektionen und Erkrankungen

Der Vagusnerv steuert die Bewegungen von Pansen, Netzmagen und Blättermagen. Er sorgt für den Transport des Futters und das Rülpsen, um Gase aus dem Pansen zu befördern. Eine Entzündung oder Verletzung des Nervs, beispielsweise durch Fremdkörper im Netzmagen, Pansenazidose oder Entzündungen in der Bauchhöhle, führen zu einer verminderten oder gestörten Motorik. Durch den Ausfall der gesunden Pansenmotorik kann produziertes Gas nicht ausgeleitet werden, und chronische Pansentympanien entstehen.

Infektionen des Magen-Darm-Traktes können in seltenen Fällen durch den Übertritt der Erreger durch die Darmwand den Vagusnerv schädigen und die Entstehung einer Tympanie fördern. Atemwegserkrankungen können zudem zu Entzündungen des Kehlkopfes führen, die durch begleitende Schmerzen eine Abgabe der Gase verhindern.

Sonderfall Labmagentympanie

Das Aufblähen des Labmagens kommt eher selten vor. Eine rechtsseitig betonte Gasansammlung könnte ein erster Hinweis für einen aufgeblähten Labmagen sein. Trotz bisher noch nicht abschließend geklärter Ursache sind einzelne Faktoren bekannt, die eine solche Labmagentympanie begünstigen. Das Vorkommen von Gas produzierenden Fäulniserregern, zum Beispiel Clostridium perfringens Typ A, kann hier eine Tympanie verursachen.

Ein weiterer Risikofaktor ist ein zu hoher Gehalt an leicht fermentierbaren Kohlenhydraten. Im Tränkemanagement ist zudem auf die richtige Dosierung von Milchaustauschern zu achten. Wird die Dosierung zu hoch gewählt, entstehen im Mischprozess unweigerlich Klumpen. Zu niedrige Dosierungen (unter 80 mg MAT/l) bedingen eine unvollständige Gerinnung im Labmagen. Für die Ad-libitum-Tränke dürfen daher nur Milchaustauscher eingesetzt werden, die sich sicher nicht entmischen.

Tritt trotz umsichtigen Managements eine Labmagentympanie auf, sollte der Tierarzt zurate gezogen werden. Da der Labmagen nicht über den Schlund zu erreichen ist, bleiben Versuche, das Gas über eine Schlundsonde abzulassen, erfolglos. Wenn kein Schaum an der Spitze der Schlundsonde sichtbar ist, ist eine Labmagentympanie wahrscheinlich.

Fütterungsbedingte Ursachen

Ein Großteil der behandlungswürdigen Tympanien bei Kälbern hängt direkt mit der Fütterung und deren Management zusammen. Wenn Milch zu schnell, zu kalt oder in zu großen Mengen aufgenommen wird, kann sie in den Pansen gelangen statt direkt in den Labmagen. Dort kommt es zu Fehlgärungen, die Gas produzieren. Wird Kraftfutter in zu großen Mengen oder in ungeeigneter Zusammensetzung angeboten, kann dies zu einer instabilen Pansenflora führen.

Schnell fermentierbare Kohlenhydrate begünstigen zudem die Gasbildung. Neben Menge und Zusammensetzung ist vor allem die einwandfreie Qualität zu gewährleisten und regelmäßig zu prüfen. Schimmel oder anderweitiger Verderb provozieren Fehlgärungen und erhöhen das Risiko einer Tympanie erheblich. Angefrorenes beziehungsweise zu kurz gehäckseltes Futter verliert seine Strukturwirksamkeit und sorgt bei gleichzeitig erhöhter Abbaubarkeit der organischen Substanz für vermehrte Gasbildung.

Managementbedingte Ursachen

Neben der Fütterung spielt auch das Haltungsmanagement eine entscheidende Rolle. Unregelmäßige Fütterungszeiten führen zu Stress und Verdauungsstörungen, wodurch die Gasbildung begünstigt wird. Schlechte Hygiene, insbesondere unsaubere Tränkeeimer oder Nuckel können Krankheitserreger übertragen, die das Gleichgewicht der Darmflora stören. Stressfaktoren wie Transport, Umstallung oder Rangkämpfe schwächen das Immunsystem und können indirekt Verdauungsprobleme verursachen.

Behandlung im Akutfall

Bild 2:

Ein Pansenstich- oder Schraubtrokar kann bei wiederholtem Aufblähen vom Tierarzt eingesetzt werden. Foto: Hauke Seydler

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schweregrad. Die Entgasung des Pansens durch eine Schlundsonde ist die erste Maßnahme bei Verdacht auf eine freie Gasansammlung. Über die Sonde kann das Gas direkt entweichen. Sollte dies nicht möglich sein, kann das Gas als Notfallmaßnahme über eine Kanüle direkt aus dem Pansen abgelassen werden.

Kommt es zu wiederholtem Aufblähen, kann der Tierarzt einen Trokar einsetzen. Bei schaumiger Tympanie werden Substanzen verabreicht, die den Schaum im Pansen zerstören, zum Beispiel Pflanzenöle, Paraffinöl oder spezielle tierärztliche Präparate auf Silikon­ölbasis oder Poloxalene als Antizymotika. Eine medikamentöse Therapie sollte eine Förderung der Pansenmotorik und die Behandlung möglicher Grunderkrankungen, zum Beispiel Infektionen, abdecken.

Fazit

Die Tympanie bei Kälbern ist ein akuter Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Eine korrekte Diagnose und sofortige Entlastung des Pansens sind entscheidend für das Überleben des Tieres. Die Ursachen sind vielfältig und als Faktorenerkrankung nicht immer klar abgrenzbar. Eine sorgfältige Fütterung, gute Hygiene und stressarme Haltung sind entscheidend, um das Risiko zu minimieren.

Beim Dinkel trennt sich die Spreu vom Weizen

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Dinkel ist im Ökolandbau eine etablierte Kultur. Im Vergleich zu Winterweizen stellt er geringere Anforderungen an Bodengüte und Nährstoffversorgung. Bei zu hoher Stickstoffverfügbarkeit kann das Lagerrisiko steigen. Bei wechselhafter Witterung sollte Dinkel rechtzeitig gedroschen werden, damit die Fallzahlen im optimalen Bereich bleiben.

Aktuell sind die Preise für Ökodinkel weiterhin stabil und gut. Um eine Marktüberlastung zu vermeiden, sollte der Anbau mit der aufnehmenden Hand abgestimmt werden. In den vergangenen Jahren schwankten die Dinkelerlöse deutlich. Vor allem das Angebot beeinflusste die Preise.

Aussaat mit oder ohne Spelz?

Bei der Aussaat von bespelztem Dinkelsaatgut können Vesen beziehungsweise Spindelstücke die Drilltechnik verstopfen. Brückenbildungen im Saatguttank können den Saatgutdurchfluss beeinträchtigen; Fehlstellen werden oft erst beim Feldaufgang sichtbar. Daher bieten Züchter und Saatgutvertrieb zunehmend entspelztes Saatgut an, und die Nachfrage danach in der Praxis steigt.

Dennoch bestehen Vorbehalte: Befürchtet werden Nachteile durch den Verlust der natürlichen Schutzhülle. Hinzu kommen die Kosten für das Entspelzen. Ein positiver Effekt des entspelzten Saatgutes ist neben der Vermeidung von Verstopfungen, dass das Saatgutvolumen deutlich sinkt. Mit einer Tankfüllung der Drillmaschine kann somit deutlich mehr Fläche bestellt werden.

Dreijährige Feldversuche aus Niedersachsen zeigen weder im Ertrag noch beim Feuchtkleber signifikante Unterschiede zwischen entspelztem und herkömmlichem Saatgut im Spelz. Dies setzt natürlich immer voraus, dass die Keimfähigkeit und Triebkraft des entspelzten Saatgutes verifiziert werden. Beeinträchtigungen sind durchaus möglich.

Eine der im LSV angebauten Dinkelsorten musste zur Ernte 2026 aus der Auswertung gestrichen werden, da die mangelnde Keimfähigkeit zu lückigem Feldaufgang und Mindererträgen geführt hatte. Eine Berücksichtigung der Keimfähigkeit und sicherheitshalber auch der Triebkraft sowie die Einrechnung der Tausendkornmasse des Saatgutes sollten bei allen Kulturen selbstverständlich sein. Eine ordentliche Saat ist die Basis für eine gute Ernte.

* Versuch ist nicht wertbar oder witterungsbedingt ausgefallen
** Sorten wurden aufgrund von Saatgutproblemen auf Bitten des Züchters aus der Wertung genommen. Bezugsbasis 2024: Zollernspelz, Gletscher, Edelweisser, Baden­glanz, Polkura, Paracelsus, Asturin. Bezugsbasis 2025: Zollernspelz, Gletscher, Franckenkorn, Baden­glanz, Stauferperle, Polkura, Paracelsus, Asturin, Conforte. Bezugsbasis 2026: Zollernspelz, Gletscher, Asturin, Cascada
*** Daten der Erntejahre 2021-2026 Anbaugebiet 2 (Sandstandorte Nordwest) anteilig 1 (Sandstandorte Nord-Ost und 3 (lehmige Standorte West **** Datengrundlage gering
Quelle: Anna Schwinger

Ergebnisse 2026

Die zur Ernte 2026 realisierten Dinkelerträge sind erfreulich. Wie auch bei den übrigen Wintergetreidearten wurden die in der Jahressumme fehlenden Niederschläge durch eine gute Verteilung kompensiert, und Schäden durch Hitze blieben auf den nördlichen Standorten aus. Beim schleswig-holsteinischen Dinkelversuch in Futterkamp ist auf die hohe Grenzdifferenz hinzuweisen, die durch eine starke Streuung der Daten innerhalb des Versuchsschlages verursacht wird. Die Qualitätsergebnisse werden erst im Laufe des Herbstes erwartet. Wer nichts verpassen möchte, kann sich gern per E-Mail an Okolandbau@lksh.de für den Newsletter anmelden.

Quelle: Anna Schwinger

Sorten im Vergleich

,Zollernspelz‘ bleibt eine feste Größe. Zwar erzielen neuere Sorten höhere Erträge, beim Dinkel zählt jedoch die konstante Qualität. Wichtig sind neben überdurchschnittlichem Feuchtkleber Fallzahlsicherheit, Ertragsstabilität, Toleranz gegen Gelb- und Braunrost sowie Standfestigkeit. ,Gletscher‘ kommt ,Zollernspelz‘ qualitativ am nächsten. Gesundheit und Frohwüchsigkeit sind hervorzuheben, die Erträge schwanken jedoch. ,Asturin‘ erreicht einen Relativertrag von 103 mit guten Feuchtkleberwerten, die Fallzahl sank 2025 stark. ,Stauferpracht‘ ist sehr frohwüchsig, überzeugt qualitativ aber nicht. ,Paracelsus‘ erzielt leicht überdurchschnittliche Erträge, die Qualitäten waren nicht überzeugend.

Fazit

Dinkel bleibt im Ökolandbau eine attraktive Kultur – wenn Sortenwahl, Saatgutqualität und Vermarktung stimmen. Entspelztes Saatgut kann die Aussaat erleichtern, entscheidend für den Erfolg bleiben aber eine sichere Etablierung und stabile Qualität.

Lob ist keine Währung

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„Nicht gemeckert ist gelobt genug“ lautet ein in Norddeutschland verbreitetes Sprichwort. Es steht für die Haltung, dass fehlende Kritik bereits die höchste Form der Anerkennung sei. Mit Blick darauf, was Landwirtinnen und Landwirte derzeit trotz multipler Krisen leisten, müsste dieser Kommentar also eigentlich hier enden …

… andererseits brauchen wir positive Geschichten und Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Das hilft, um optimistisch in die Zukunft zu schauen. Ein Mutmacherin ist Lisa Ladewig. Sie hat ihren Gemischtbetrieb nach der Übernahme weiterentwickelt und profitiert jetzt von verschiedenen Standbeinen. Trotz langer Arbeitstage engagiert sie sich ehrenamtlich im Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) und betreibt vielfältige Öffentlichkeitsarbeit.

Ladewig steht beispielhaft für viele starke Frauen in der Landwirtschaft, deren Leistungen gemäß dem oben genannten Sprichwort noch zu oft mit Schweigen honoriert werden. Nicht von ungefähr haben die Vereinten Nationen das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt.

Für mehr Sichtbarkeit der Frauen auf Landesebene machen sich unter anderem der LandFrauenVerband und das BVSH-Unternehmerinnen-Netzwerk stark. Zur Norla haben sie besondere Aktionen geplant – Besuche des LandFrauenpavillons und des BVSH-Standes im Bauerngarten auf der Messe in Rendsburg lohnen sich.

Darüber hinaus richtet die Leistungsschau der Landwirtschaft in diesem Jahr den Fokus auf die Landtechnik. Zu bestaunen sind Drohnen, Feldroboter, Präzisionsverfahren und KI-Systeme. Aber es wird auch politisch, denn in weniger als acht Monaten ist Landtagswahl. Gespannt ist der gesamte ländliche Raum auf die Botschaften, die Ministerpräsident Daniel Günther und Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (beide CDU) mitbringen. Hier darf es gern mehr als lobende Worte geben. Die Menschen außerhalb staatlicher Institutionen fordern einen Haltungswechsel: mehr Vertrauen, weniger Verwaltung.

Dass dies möglich ist, beweist die Landwirtschaft beim Ostseeschutz. Richard Bonse beschreibt, mit welch hohem Einsatz in den fünf Ostseebeiräten freiwillige Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Wenn Behörden noch dabei helfen, dass die notwendige Dokumentation einfach und praktikabel ist, sorgt das für Lust statt Frust.

Die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein hat viele Stärken, darunter die Vielfalt der Produktionssysteme, topausgebildete Landwirtinnen und Landwirte, gute Standortbedingungen und eine starke soziale Einbindung in das Landleben. Dies noch stärker zu fördern ist Aufgabe der Politik. Das bedeutet, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass faire Wettbewerbsbedingungen, mehr unternehmerische Freiheit und planbare Investitionen möglich sind. Denn aufgrund der derzeitigen Marktsituation brennt es auf den Betrieben. Lob ist wichtig, aber damit lassen sich weder Betriebsmittel noch Mitarbeitende bezahlen.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Was wird aus der Gerste?

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Es ist ein Anblick, der für vorsommerliche Landidylle steht wie wohl kaum ein anderer im landwirtschaftlichen Sektor: wogende Gerstenähren im Wind. Doch was wird aus dieser bedeutenden Kultur nach dem Wegfall von Flufenacet? Eine Einschätzung gibt dieser Artikel.

Hitzephasen, unwetterartige Regenfälle, große Blöcke mit viel oder wenig Regen: All das ist Klimawandel. Zu Recht werden diese gravierenden negativen Folgen gesehen. Doch es geht auch anders. Neben Mais profitiert von allen Getreidearten vor allem die Wintergerste vom Klimawandel. In der traditionellen schleswig-holsteinischen Fruchtfolge stand die Gerste meistens als abtragende Frucht nach dem Weizen.

Die Folge: Die Erträge waren zwar in Ordnung, ließen aber doch des Öfteren zu wünschen übrig. Dies hat sich verändert: Seit fünf bis sechs Jahren sind die Flächenerträge der Gerste durchweg höher und vor allem stabiler als beim Winterweizen. Deswegen darf bei einer oberflächlichen Betrachtung nicht allein die Preisdifferenz zum Weizen in den Blick genommen werden.

Worin liegen die Gründe?

Mit Einführung einer neuen Sortengeneration (,Avantasia‘/,Julia‘) hat sich das Ertragspotenzial deutlich erhöht. Diese Voraussetzung ist wichtig, das Potenzial muss jedoch auch gehoben werden. Im Zuge der Fruchtfolgeerweiterungen rutscht die Gerste immer öfter in das Fruchtfolgeglied nach Blattfrüchten. Hier zeigt sich, dass Wintergerste gute Vorfrüchte deutlich besser ausnutzt. Einer der Gründe ist die deutlich höhere N-Aufnahme vor Winter.

Als abtragende Frucht hatte sie häufig mit Stickstoffsperren zu kämpfen, was die Anlage von Ertragsorganen behinderte. Die notwendige und spürbare Wetterresilienz kommt aus dem im Vergleich zum Weizen deutlich umfangreicheren Wurzelwerk. Kombiniert mit einer durchwurzelbaren Krume nach Raps oder Ackerbohne sorgt dies für ein enormes Ertragspotenzial.

Was passiert nach dem Wegfall?

In der Gerste sind die Bekämpfungsmöglichkeiten von Ackerfuchsschwanz im Frühjahr sehr begrenzt. Entsprechend wichtig ist die Herbstbehandlung, und entsprechend groß war der Aufschrei nach der Entscheidung, Flufenacet vom Markt zu nehmen.

In den nun zweijährigen produktionstechnischen Versuchen der Firma Trede & von Pein GmbH, Itzehoe, zeigte sich sehr schnell: Mit dem Wegfall von Flufenacet muss aus ackerbaulichen Gründen der Gerstenanbau eigentlich ansteigen. Dies bestätigt das diesjährige Anbaujahr. Fährt man jetzt durch die Marschregionen, fällt auf, dass viele Gerstenbestände nahezu frei von Ackerfuchsschwanz sind, während Weizenschläge oft verheerend aussehen.

Hier wirkt der Klimawandel einmal positiv. Ein wärmerer Herbst verschiebt das optimale Saatzeitfenster für Gerste nach hinten und ermöglicht damit auch vor Gerste eine Scheinbestellung. Während Gerste nach Mais auf der Geest inzwischen nichts Besonderes ist, sind die Hürden in der Marsch oft größer. Aufgrund des Wetterrisikos sind hier die Bedenken groß. So kommt der Vorteil von gut drainierenden Vorfrüchten wie Ackerbohne oder Raps zum Tragen.

Diese beiden Kulturarten sind häufig deutlich weniger mit Ackerfuchsschwanz belastet und ermöglichen so die zügige Herstellung eines falschen Saatbettes, da wenig bis keine Ausfallsamen zum Auflaufen gebracht werden müssen. Jedoch werden aus tieferen Schichten oft erhebliche Mengen aus dem Bodensamenvorrat zum Auflaufen gebracht. Die Vorbereitung des Saatbettes ist dabei enorm wichtig. Eine Bearbeitung sollte nur bei trockenem Boden erfolgen.


Auch nach dem Wegfall von Flufenacet bleibt Wintergerste eine wichtige Kultur in der Fruchtfolge. Foto: Manja Landschreiber
Entscheidend sind unter anderem Saattermin, Vorfrucht und Bestandesentwicklung. Foto: Manja Landschreiber

Wichtig ist eine gute, krumentiefe Rückverfestigung, um ein ausreichendes Abdrainen von Niederschlägen zu gewährleisten. Immer wieder stellt man Probleme nach starken Regenereignissen fest. Oft liegt die Ursache in mangelnder Rückverfestigung.

Bei rechtzeitiger Saatbettbereitung nach Blattfrüchten umgeht man das Risiko einer Nichtbestellung, da der Hauptauflauf bis Ende September stattgefunden hat. Wichtig ist hier das Abwarten des Auflaufens nach erfolgter Grundbodenbearbeitung (Pflug oder Mulchsaat), um den maximalen Bekämpfungserfolg zu garantieren. Hier sind mindestens drei, eher vier Wochen einzuplanen.

Die Gerste sollte als Vorfrucht zu Raps stehen. So ergibt sich folgende mögliche Fruchtfolgegestaltung: WG-Raps-WW-Ackerbohne/Hafer. Diese Fruchtfolge ist für das Kernproblem der Marsch optimiert: Ackerfuchsschwanz. Nicht wenige Standorte müssen sich weniger mit der Frage der wirtschaftlichsten Kultur beschäftigen. Vielmehr rückt die Frage in den Mittelpunkt: Was baue ich an, um überhaupt noch Ackerbau zu betreiben?

Gerade bei hoher Ungrasbelastung sind daher zwei Sommerungen in Folge von Vorteil, auch wenn die Vorfrucht Hafer mit ihren hohen Strohmengen und den keimhemmenden Wurzelausscheidungen oft eine besondere Herausforderung für Winterkulturen ist. Ackerbohne und Hafer können auch getauscht werden, um dies zu umgehen. Bei zügiger Jugendentwicklung ist eine spätere Aussaat um die Monatswende zum Oktober sogar von Vorteil. Die Pflanzen bestocken sich nicht übermäßig. Nicht selten findet man bei späteren Saatterminen zwei bis drei kräftig entwickelte Triebe, was durchaus als ideal angesehen werden kann.

Konkurrenzkraft gezielt nutzen

Die zügige Herbstentwicklung, kombiniert mit dem großrahmigeren Wuchs, beschert der Gerste ein extremes Unterdrückungsvermögen. Dies kann jedoch nur genutzt werden, wenn neben einer guten Kulturentwicklung die Aussaat außerhalb der Hauptauflaufwelle des Ackerfuchsschwanzes erfolgt. In Herbizidversuchen im Herbst 2024 zeigte sich das enorme Ungrasunterdrückungsvermögen. Die Wirkungsgrade in den Herbizidversuchen lagen durch die Bank bei deutlich über 90 % – ohne Flufenacet.

Sehr gute Wirkungsgrade wurden mit aclonifenhaltigen Produkten erzielt. Hier zeigt sich bereits nach zwei Jahren, dass Kombinationen aus Aclonifen, Prosulfocarb und DFF die Nase vorn haben. So war in zwei aufeinanderfolgenden Jahren die Kombination aus 0,9 l Chanon + 3 l JuraMax + 0,25 l Bostat eine der besten Varianten. Dabei brachte die Steigerung von 0,5 auf 0,9 l Chanon eine deutliche Wirkungsverbesserung, nicht jedoch die Steigerung von 0,9 auf 1,3 l. Diese Erhöhung ging dann zulasten der Verträglichkeit.

Kritisch wird angeführt, dass dieser Vergleich nicht ganz richtig ist, da auch in der Gerste Ungrasähren zu finden sind. Das ist korrekt. Da diese aber nicht zum Vorschein kommen und sich im Bestand befinden, sind sie deutlich stärker unter Druck. Dies hat zur Folge, dass die Ackerfuchsschwanzpflanzen weniger bestockt sind und die Ähren kleiner ausfallen, sodass das Vermehrungspotenzial eingeschränkt wird. Die Erträge sprechen für die Gerste.

Die zügigere Bestockung im Herbst sorgt für einen schnelleren Bodenschluss und bereits hier für eine hohe Unterdrückungskraft. Zwar sind die Sortenunterschiede der Gerste nicht ganz so groß wie im Weizen, dennoch sind bestandesdichte Sorten von Vorteil. Dies zeigt eindrucksvoll die Auswertung von Sortenversuchen zur Ernte 2024.

Hier sind der Durchschnitt der Sorten sowie die jeweils beste Sorte als Einzelwert dargestellt. Immer wieder angeführt wird die erhöhte Lagergefahr von Gerste. Durch ihre Wüchsigkeit muss hierauf ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Allerdings kommt das gute Unterdrückungsvermögen auch durch die Wuchshöhe zustande. Hier bedarf es weiterer Forschung.

Fazit

Ein immer wieder diskutiertes Aus für den Gerstenanbau ist unbegründet. Gerste hat eine Vielzahl von Vorteilen, die sie zu einer unersetzbaren Kultur macht: Sie wird meist trocken gedroschen. Sie ist eine gute Vorfrucht für Raps und Zwischenfrüchte. Sie ist ertragsstabil. Sie ist konkurrenzstark. Für einen erfolgreichen Gerstenanbau bedarf es eines guten Kalkhaushaltes sowie einwandfrei funktionierender Drainagen. Allein die sinkende Tierhaltung verändert die Absatzströme hin zum Export, was eine Vermarktung nicht leichter macht. Qualitätsstarke Sorten sind also gefragter und wichtiger denn je.

Raps-Weizen-Gerste war einmal

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Ackerbauer Richard Bonse aus Neudorf-Bornstein, Kreis Rendsburg-Eckernförde, ist überzeugt, dass guter Ackerbau und Ostseeschutz kein Widerspruch sind. Deswegen engagiert er sich ehrenamtlich als Vorsitzender im Ostseebeirat Eckernförder Bucht und Baltic-Probstei. Aufgrund der Erfahrungen auf dem eigenen Betrieb weiß er, dass beispielsweise breite Fruchtfolgen oder Zwischenfruchtanbau ohne großen Aufwand umsetzbar sind.

Raps, Weizen, Gerste, Mais, Triticale, Zuckerrüben, Hafer und Ackergras stehen auf den Flächen des Familienbetriebes. Durch eine Beteiligung an der Bioenergie Gettorf GmbH hat Bonse die Möglichkeit, Zuckerrüben, Mais, Triticale und Ackergras in die Biogasanlage zu fahren. Zudem sei er immer mehr darauf aus, Sommerungen wie Hafer ins Programm mit aufzunehmen. Gründe dafür seien die Zielvereinbarung Landwirtschaft und die Marktlage. Sich breiter aufzustellen könne helfen, wirtschaftlich schwierige Situationen besser zu überstehen. Sommerungen böten zudem die Möglichkeit, Zwischenfrüchte anzubauen.

„Zeigen, was wir können“

Lobende Worte findet er in diesem Zusammenhang für die Gewässerschutzberatung: „Es liegt zwar nur eine Fläche unseres Betriebs im Wasserschutzgebiet, aber dort arbeiten wir schon seit 15 Jahren mit dem Ingenieurbüro Ingus zusammen.“ Nach Bonses Einschätzung werden auch auf anderen Betrieben immer mehr unterschiedliche Kulturen und Zwischenfrüchte angebaut. Für diese positiven Entwicklungen fordert er mehr politische Anerkennung – vor allem seitens des grün geführten Umweltministeriums. „Nichtsdestotrotz denke ich mir, dass wir schon viel geschafft haben, worauf man stolz sein darf“, so der Ackerbauer. Er beschreibt: „Wenn ich manchmal lese oder höre, dass heute noch von einer Raps-Weizen-Gerste-Fruchtfolge als Standard ausgegangen wird, muss ich lachen. Das macht fast keiner mehr.“

Die Zielvereinbarung Landwirtschaft biete laut Bonse die Möglichkeit, weitere freiwillige Maßnahmen umzusetzen. Er betont: „Wir können und müssen jetzt zeigen, welch innovativen Ansätze wir als Landwirte haben.“

Sedimente untersuchen

Die Diskussion zum Nationalpark hat er von Anfang begleitet – immer mit der Überzeugung, dass die Ostsee ohne Ordnungsrecht besser geschützt werden kann. Deswegen war für ihn klar, dass er sich auch im Ostseebeirat engagiert. Der Vorsitzende schildert: „Der Bereich Eckernförder Bucht und Baltic-Probstei ist ein sehr großer Ostseebeirat. Aber wir haben sehr aktive Mitglieder und treffen uns mittlerweile immer in Kiel, wo alle ganz gut hinkommen.“ Aktuell setze man sich mit Drainteichen und Ackersenken auseinander. Ein Projekt dazu sei mit der Universität Kiel geplant. Zudem wolle man Sedimente von Drainageschächten untersuchen, um deren Einfluss besser zu verstehen.

Viele Maßnahmen lassen sich mittlerweile auf der Plattform Endo-SH dokumentieren. Damit das auch passiert, müsse das System aber praktikabel sein. „Denn wenn wir freiwillig dokumentieren sollen, es aber zu kompliziert ist, dann macht es am Ende keiner“, mahnt der Vorsitzende. Die Praktikabilität der Dokumentation zu überprüfen und mit dem Ministerium zu besprechen, sieht er als wichtige Aufgabe der Beiräte an. Neben breiteren Fruchtfolgen kommen laut Bonse auch Precision-Farming-Methoden immer mehr zum Einsatz. Er erklärt: „Diesen technischen Fortschritt, der ja immer größer wird, wollen wir auch für den Gewässerschutz vorn­anstellen.“

Auf dem eigenen Betrieb plant er zudem, eine Fläche von 1,5 ha aufzuforsten. Der Genehmigungsprozess sei jedoch sehr zäh gewesen und habe mehr als sechs Monate gedauert. Daher fordert er: „Diese behördlichen Prozesse müssen einfach, praktikabel und gern auch nachvollziehbar sein.“

Mangelndes Vertrauen

Sofern Maßnahmen Nutzungseinschränkungen oder Mehraufwände mit sich bringen, können verschiedene Förderungen in Anspruch genommen werden. Eine Übersicht dazu befindet sich in den Maßnahmenkatalogen der Ostseebeiräte. „Die faire Honorierung von Maßnahmen ist natürlich auch ein Thema bei unseren Treffen“, berichtet Bonse. Er empfiehlt, sich über die bestehenden Förderungen zu informieren. Einige Maßnahmen setzten viele Betriebe ohnehin schon um, „und man kommt vielleicht auf weitere Ideen, die nicht viel Geld kosten, zum Beispiel nach Raps einmal eine Gerste anzubauen“.

Grundsätzlich nimmt Bonse bei seinen Berufskolleginnen und -kollegen ein großes Interesse an der Arbeit der Ostseebeiräte wahr. Viele sähen in den freiwilligen Maßnahmen eine gute Möglichkeit, den Ostseeschutz praktikabel voranzubringen. „Das Hauptproblem ist das Vertrauen gegenüber der Politik. Wenn schon jetzt Aussagen getroffen werden, dass es am Ende eh nicht reicht, was wir machen, finde ich das besorgniserregend“, kritisiert Bonse. Er merke, dass der Wahlkampf zur Landtagswahl 2027 losgehe und Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) sehr oft erwähne, wie schlecht der Zustand der Ostsee sei und dass die Landwirtschaft einen sehr großen Anteil daran habe.

Der Ostseebeiratsvorsitzende erklärt: „Wir haben eine Zielvereinbarung im Jahr 2024 unterschrieben und fangen gerade an, in die Umsetzung zu gehen. Das alles schlechtzureden, ist nicht sehr hilfreich, insbesondere weil man Ziele für 2030 und 2035 formuliert hat.“ Unabhängig von politischen Agenden besäßen Landwirtinnen und Landwirte eine hohe Motivation, nachhaltig zu wirtschaften. Denn oft gebe es einen Doppelnutzen, zum Beispiel Betriebsmitteleinsparungen und weniger Nährstoffverluste.

Info

Die Ostseebeiräte sind im Rahmen der Zielvereinbarung Landwirtschaft des Aktionsplans Ostseeschutz entstanden. In fünf Regionen entlang der schleswig-holsteinischen Ostseeküste entwickeln und koordinieren sie freiwillige Maßnahmen der Landwirtschaft, um die Nährstoffeinträge in die Ostsee zu reduzieren. Maßnahmenkataloge und weitere Informationen

Transparenz als Trumpf

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Lisa Ladewig leitet mit Ihrem Mann einen konventionellen Gemischtbetrieb mit Direktvermarktung in Sarnekow, Kreis Herzogtum Lauenburg. Über ihren Arbeitsalltag und die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft sprach sie mit dem Bauernblatt.

Wie würden Sie Ihre Rolle auf dem Hof beschreiben?

Ich bin die Betriebsinhaberin und gemeinsam mit meinem Mann auf unserem Hof tätig. Er kümmert sich schwerpunktmäßig um die Landwirtschaft und ich mich um die Vermarktung und das Büro. Vieles, was wir produzieren, vermarkten wir im Hofladen.

Wie verläuft ein typischer Arbeitstag bei Ihnen?

Morgens versorge ich erst die Schweine. Wir haben durchgängig 20 bis 30 Tiere, von groß bis klein, die ausschließlich direkt vermarktet werden. Immer wenn geschlachtet wird, kommt Nachschub. Wir arbeiten mit zwei Ferkelerzeugern zusammen. Anschließend schaue ich, ob im Hofladen alles geregelt ist. Oft backe ich für den Verkauf oder erledige andere Arbeit, die ansteht. Wir kochen viel selbst ein und versuchen, möglichst alles selbst zu verarbeiten. Zu unserem Sortiment gehören unter anderem Marmeladen, Fruchtaufstriche, Grütze, hausgemachte Wurst und sauer Eingelegtes.

Nachdem im Hofladen alles geregelt ist, gehe ich ins Büro, um dort anstehende Arbeiten zu erledigen. Ich bin zudem für unsere 600 Legehennen zuständig, die wir in selbst gebauten Hühnermobilen halten. Dort bin ich einmal um die Mittagszeit und am Ende des Arbeitstages. Alle unsere Eier werden ab Hof vermarktet. Nachmittags steht für mich eine weitere Schicht im Hofladen an. Dort wird gemeinsam mit einer Mitarbeiterin zum Beispiel Fleisch verpackt, Wurst eingeschweißt und natürlich verkauft. Ein bisschen Familienzeit ist danach auch drin. Am Ende des Tages schaue ich noch einmal nach den Hühnermobilen. Da wir in Waldnähe wohnen, gibt es hier Raubwild, und nicht alle unsere Legehennen gehen von allein in den Stall. Im Moment passiert das gegen 21 Uhr. Danach ist Feierabend.

Wann sind Sie Betriebsleiterin geworden?

Im Jahr 2017 hat mein Mann den Betrieb von meinem Vater gepachtet. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch außerhalb tätig. Drei Jahre danach habe ich den Betrieb von meinem Vater übernommen.

Wie ist Ihr Mann als mitarbeitendes Familienmitglied finanziell abgesichert?

Tatsächlich ist es oft so, dass die Frau nicht abgesichert ist. Bei uns ist die Rollenverteilung andersherum. Wir sind gerade dabei, Regelungen zu treffen, falls etwas passieren sollte.

Wie haben Sie den Betrieb nach der Übernahme weiterentwickelt, und was sind Ihre Zukunftspläne?

Meine Eltern hatten eine Kartoffeldirektvermarktung. Wir haben das mittlerweile deutlich ausgebaut, mit Fleischerzeugnissen, Eiern und vielem mehr. Entsprechend haben wir den Hof umgestaltet. Außerdem engagieren wir uns im Bereich Bauernhofpädagogik. Vorteilhaft ist, dass wir auch mit dem ÖPNV gut erreichbar sind. Wir freuen uns, Menschen für die Themen der Landwirtschaft zu sensibilisieren. Das klappt besonders gut im Austausch mit Kindern und Lehrkräften. Wir beteiligen uns sowohl bei „Schulklassen auf dem Bauernhof“ der Landwirtschaftskammer als auch an der Bildungsoffensive für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz des Kieler Landwirtschaftsministeriums. Es gibt zudem individuelle Anfragen, zum Beispiel im Bereich Gewaltprävention durch den Kontakt mit Tieren.

Wo und warum engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Ich bin Mitglied im Vorstand des Kreisbauernverbandes Herzogtum Lauenburg, weil ich den Verband in seinem Bestreben unterstützen will, jünger und weiblicher zu werden. Obwohl ich keine gelernte Landwirtin bin, sondern Hauswirtschaftsmeisterin, habe ich mein gesamtes Leben in der Landwirtschaft verbracht. Ich interessiere mich vor allem für das Image der Agrarbranche, also den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Aufgrund unserer Direktvermarktung bekommen wir sehr gut mit, was der Verbraucher will und wo die Reise hingeht. Das ist bei einer Zusammenarbeit mit dem Großhandel anders.

Was sind typische Verbraucherfragen?

Häufig werden wir gefragt, ob hier alles Bio sei. Ich erkläre dann, was konventionell zu arbeiten bedeutet, nach dem Motto „So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“, und diskutiere die Bedeutung von regionaler Produktion. So hat man tolle Möglichkeiten, die Verbraucher von der heimischen Landwirtschaft zu überzeugen.

Wie stark wechselt Ihre Kundschaft?

Wir haben eine große Stammkundschaft, aber es gibt auch viele „Vorbeifahrkunden“, die uns sehen und interessiert sind. Einige kommen mit ihren Kindern aus Hamburg, kaufen ein, schauen bei den Tieren vorbei, essen noch ein Eis und fahren wieder heim. Unser Hof liegt nah an der Autobahn und gleichzeitig direkt in der Natur. Das wissen viele Kunden zu schätzen.

Sauerfleisch gehört zu den Kassenschlagern im nach Lisa Ladewig benannten LiLa-Hofladen. Fotos: rq

Hat Ihre Teilnahme an den NDR-Hofgeschichten zu einem Kunden-Plus geführt?

Zu größerem Interesse in jedem Fall. Viele freuen sich, dass sie dadurch noch einen ganz anderen Einblick in unseren Betrieb bekommen. Wir sind halt nicht nur Bullerbü. Es geht bei den Aufnahmen zum Beispiel um Pflanzenschutzmitteleinsatz, Erntetechniken und Kälberzukauf. Natürlich gibt es auch mal komische Kommentare, aber die meisten Rückmeldungen sind positiv.

Wünschen Sie sich mehr Wertschätzung für gute Öffentlichkeitsarbeit?

Ja, ich würde die Einführung eines Transparenzsiegels begrüßen. Wir nehmen uns viel Zeit für Gespräche. Kunden können sich unsere Tiere angucken und in den meisten Fällen sogar sehen, was sie fressen. Ich finde, dass jede Person, die beispielsweise Milch trinken will, einmal einen Milchviehbetrieb in der Nähe besuchen sollte, um festzustellen, ob die Haltung für sie oder ihn so passt.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Hat das für Sie eine besondere Bedeutung?

Ja, wir wissen, dass die Frauen in fast allen Teilen der Welt für die Landwirtschaft und die Bearbeitung der Äcker zuständig sind. Hier in Deutschland wagen zum Glück immer mehr junge Frauen den Schritt zur Betriebsleiterin. Teilweise sind sie bereit, größere Risiken einzugehen als Männer, weil sie oft kreativer sind. Ich denke darüber hinaus, dass landwirtschaftliche Unternehmerinnen und Unternehmer die Betriebsstrukturen den eigenen Interessen anpassen sollten, um erfolgreich zu sein. Männern widerstrebt es jedoch oft, Gewohnheiten zu verändern. Frauen sind da doch oft findiger und probieren Dinge aus. Wenn unsere Tochter einmal Pferdeliebhaberin wird und einen Pferdebetrieb aufmachen möchte, werde ich sie dabei unterstützen.

Haben Sie Erfahrungen damit gemacht, als Betriebsleiterin nicht ernst genommen zu werden?

Es ist in vielen Lebenslagen so, dass man als Frau unterschätzt wird. Oft sprudele ich vor Ideen und bekomme dann Dinge zu hören wie „Das ist zu viel“ oder „Nun ist gut“. Aber wer Veränderung will, muss auch einmal etwas ausprobieren. Sehr positiv empfinde ich daher die Stimmung in Frauennetzwerk-Veranstaltungen. Dort feiern wir uns dafür, was wir können, was wir leisten und wer wir sind. Ich bin immer ganz beseelt, wenn ich von solchen Veranstaltungen komme. Mehr von dieser Stimmung wünsche ich mir auf allen Landwirtschaftsveranstaltungen.

Kann das Unternehmerinnennetzwerk im Bauernverband dabei unterstützen?

Auf jeden Fall. Ich fand es super, dass Sprecherin Kathrin Rehders auf dem Deutschen Bauerntag in Freiburg den Preis der Landjugend für die weiblichste Landesdelegation entgegengenommen und so die Sichtbarkeit der Frauen in der Landwirtschaft gestärkt hat. Aber auch dass die Landwirtschaftskammer mit Ute Volquardsen eine Präsidentin hat, ist eine tolle Sache. 

Energiewende wirtschaftlich weiterdenken

Die Gemeinde Langenhorn und die Erschließungsgesellschaft Nordfriesland (EG NF) treiben die Entwicklung des geplanten Gewerbegebiets in Mönkebüll weiter voran. Nach dem Start der Bauleitplanung im Frühjahr hat die Gemeindevertretung nun beschlossen, die mögliche Ansiedlung eines Rechenzentrums vertieft zu prüfen und im Verfahren weiterzuverfolgen.

Die Geschäftsführer der Erschließungsgesellschaft Nordfriesland, Dr. Jérôme Stuck, und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (WFG NF), Dr. Matthias Hüppauff, begrüßen diesen Weg ausdrücklich. „Die Gemeinde zeigt, dass sie Chancen und Risiken sorgfältig abwägen will, ohne neue Entwicklungsmöglichkeiten vorschnell auszuschließen“, sagt Stuck. „Genau diese Haltung brauchen wir, wenn wir wirtschaftliche Entwicklung in Nordfriesland aktiv gestalten wollen.“

„Die Entscheidung in Langenhorn ist nicht nur für die Gemeinde selbst von Bedeutung, sondern steht beispielhaft für eine Entwicklung, die den Wirtschaftsstandort Nordfriesland insgesamt betrifft“, ergänzt Hüppauff. „Auch an anderen Standorten in der Region gibt es Überlegungen und konkretes Interesse an Rechenzentrumsprojekten oder anderen energie­intensiven Vorhaben. Das zeigt, dass Nordfriesland aufgrund seiner besonderen Standortbedingungen zunehmend für solche Investitionen in den Blick genommen wird.“ Die Wirtschaftsförderer werben deshalb dafür, verstärkt auch die Potenziale zu betrachten.

Wirtschaftlicher Standortvorteil

„Nordfriesland hat bei klassischen Unternehmensansiedlungen gegenüber den großen Wirtschaftsräumen strukturelle Nachteile – etwa durch die größere Entfernung zu Absatzmärkten oder Autobahnen. Durch die Energiewende ist zugleich ein besonderer Standortvorteil entstanden: Wir haben ein sehr leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur und erzeugen große Mengen Erneuerbarer Energie“, erklärt Stuck. Land und Kreis verfolgen das Ziel, diesen Vorteil gezielt für neue Ansiedlungen zu nutzen. „Unsere Aufgabe muss es sein, daraus zusätzliche regionale und lokale Wertschöpfung zu schaffen.“

Heimische digitale Wertschöpfung

Rechenzentren könnten dabei eine besondere Rolle spielen. Sie benötigten leistungsfähige Strom- und Datenverbindungen, seien zugleich aber deutlich weniger auf Marktnähe, Autobahnen oder Hafeninfrastruktur angewiesen als viele klassische Industrie- oder Logistikunternehmen. „Rechenzentren sind eine zentrale Infrastruktur für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Wer digitale Wertschöpfung stärker in Deutschland und Europa halten und zugleich die digitale Souveränität stärken will, braucht auch entsprechende Rechenkapazitäten“, sagt Stuck. Als große Stromverbraucher könnten Rechenzentren zudem dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch stärker regional zusammenzubringen, Netze zu entlasten und den zusätzlichen Netzausbaubedarf zu reduzieren.

„Rechenzentren passen grundsätzlich zu den besonderen Standortbedingungen Nordfrieslands“, ergänzt Hüppauff. „Die Region verfügt über große Mengen Grünen Stroms und eine leistungsfähige Netzinfrastruktur, die in den kommenden Jahren weiter ausgebaut wird. Daraus können neue wirtschaftliche Perspektiven für den ländlichen Raum entstehen.“

Langenhorn sei dafür ein konkretes Beispiel. Die Landesplanung sieht den Raum aufgrund seiner besonderen energiewirtschaftlichen Voraussetzungen auch für energieintensive Ansiedlungen als geeignet an. Der Entwicklungsbereich in Mönkebüll selbst ist bereits vor dem konkreten Interesse an einem Rechenzentrum als Ergebnis einer umfassenden Standortalternativenprüfung für die weitere Gewerbeentwicklung ausgewählt worden. Die Landesplanung hat den Standort zuletzt im Juni auch mit Blick auf eine mögliche Rechenzentrumsansiedlung als besonders geeignet eingeschätzt. Die Einbindung in ein bestehendes Gewerbegebiet, die Lage an B 5 und Bahnstrecke, ein bestehendes 110-kV-Umspannwerk, geplante weitere Netzinfrastruktur in direkter Nachbarschaft zur Entwicklungsfläche und große Einspeisungen Erneuerbarer Energien böten wichtige Voraussetzungen.