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Die hohen Temperaturen führen zu einer nun wieder sinkenden Milchanlieferung, auch wenn sich die Mengen nach der ersten Hitzewelle vor einem Monat wieder deutlich erholt hatten. Die Inhaltstoffe sind ebenso weiterhin auf einem sommerlich niedrigen Niveau. Die Milchauszahlungspreise tendieren dabei leicht fester.
Die meisten Meiereien haben ihre Auszahlungspreise allerdings unverändert gelassen oder leicht erhöht. Keine Meierei hat ihre Auszahlungspreise für den Monat Juli nach unten korrigiert. Neun Meiereien und somit die Mehrheit der hiesigen Milchverarbeiter haben ihren Auszahlungspreis um 1 bis 3 ct angehoben. Der Durchschnittspreis liegt nun bei 36,84 ct/kg, also 0,83 ct über dem Vormonatsniveau. Die Spanne bewegt sich nun zwischen 33,20 und 40,00 ct/ kg und ist damit nach oben hin enger geworden. Auch in Süddeutschland hat sich die Spanne in die gleiche Richtung verschoben. Hier werden jetzt zwischen 32,46 und 40,40 ct/ kg gezahlt. In Ostdeutschland liegt der Auszahlungsgrundpreis zwischen 31,50 und 38,20 ct/kg. Hier sind die Auszahlungspreise komplett unverändert geblieben, dementsprechend hat es auch keine Verschiebung der Spanne gegeben. Bei den westdeutschen Meiereien liegt die Spanne im Bereich von 33,00 bis 38,15 ct/kg und hat sich somit entgegen dem Trend nach unten hin etwas verkleinert.
Industrierahm deutlich freundlicher
Die rückläufige Milchanlieferung ist an den Rohstoffmärkten deutlich spürbar. Die Unsicherheiten über eine ausreichende Rohstoffverfügbarkeit zum Jahresende spielen den Meiereien bei aktuellen Verhandlungen in die Karten. Aufgrund der Trockenheit besonders in den südlicheren Bundesländern und auch in anderen europäischen Milcherzeugerländern ist ein deutlicherer Abfall der Milchanlieferung durch Futterverknappung und verminderte Futterqualität durchaus zu erwarten. Mit Blick auf die ohnehin schon niedrigen Inhaltstoffe tendiert Industrierahm inzwischen deutlich fester und erreicht schon fast wieder die Zahlen von Mitte März. Butter hingegen verharrt weiterhin unverändert auf sehr niedrigem Niveau. Im Käsebereich hat die Hitzewelle die Nachfrage etwas ausgebremst, inzwischen gibt es aber auch hier positive Tendenzen, besonders bei Blockware. Auch auf den Pulvermärkten setzten sich positive Tendenzen fort, wenngleich die Handelsaktivitäten noch einen sommerlich niedrigen Umfang haben. Gerade beim Magermilchpulver werden aktuell nur bestehende Kontrakte bedient. Zu Neuabschlüssen kommt es aktuell nicht, da die Mengen kaum ausreichen, um die aktuellen Kontrakte zu bedienen. Molkenpulver bewegt sich auf dem sehr hohen Niveau unverändert seitwärts bei ebenfalls ruhiger Handelsaktivität.
Trockenheit als Preistreiber?
Der Ausblick auf die nächsten Monate gestaltet sich deutlich freundlicher als noch vor einem Monat. Die Trockenheit hat besonders in den südlicheren Bundesländern den Maisbeständen enorm zugesetzt. Dies gilt aber auch für mehrere Nachbarländer. In Frankreich liegt die Milchanlieferung bereits um 0,5 % unter dem Vorjahresniveau. Die Sorge der Händler und Einkäufer um die Verfügbarkeiten zum Jahresende ist also nicht ganz unbegründet.
Auch vom Weltmarkt gehen bereits verstärkt Anfragen ein. Global gesehen treibt den Akteuren im internationalen Handel auch das angekündigte Wetterphänomen El Niño die Sorgenfalten auf die Stirn, das in diesem Jahr in einer besonders ausgeprägten Form eintreffen soll. Dies könnte zu einer ausgeprägten Dürre besonders in Australien führen und somit die Exportmengen aus Ozeanien deutlich reduzieren. Dies alles sind Aspekte, die den Milchmarkt verunsichern und ihm deutliche Impulse verschaffen können.
Diese positive Tendenz lässt sich auch am in die Zukunft gerichteten ife-Börsenmilchwert ablesen. Dieser weist aktuell das Überschreiten der 40-ct-Marke bereits ab September aus und nicht erst für Richtung Jahreswechsel. Mitte nächsten Jahres liegt dieser Wert bereits bei 45 ct. Somit hat sich die gesamte Kurve deutlich nach oben verschoben. Das sind zwar alles nur Prognosen, dennoch verziehen sich die dunklen Wolken am Milchmarkt-Himmel.
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein erweitert ihr Sachverständigenwesen um zwei gefragte Fachgebiete.
Präsidentin Ute Volquardsen bestellte und vereidigte heute Sönke Wulff für das Fachgebiet „Garten- und Landschaftsbau – Herstellung und Unterhaltung“ sowie Jörn Wilke für „Bewertungs- und Entschädigungsfragen in Nebenbetrieben – Ökonomie von Biogasanlagen“.
Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige verfügen über eine besondere fachliche Qualifikation und persönliche Eignung. Sie erstellen unabhängige Gutachten für Gerichte, Behörden, Unternehmen und Privatpersonen und tragen dazu bei, komplexe Sachverhalte fachlich fundiert und nachvollziehbar zu beurteilen. Mit den beiden neuen Sachverständigen schließt die Landwirtschaftskammer wichtige Lücken in ihrem Zuständigkeitsbereich als Bestellungskörperschaft.
Mit Sönke Wulff steht nun erstmals ein von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für den Garten- und Landschaftsbau zur Verfügung. Das Fachgebiet wird regelmäßig nachgefragt, etwa bei Mängeln an Pflasterarbeiten, Entwässerungsproblemen oder Streitfragen zur fachgerechten Herstellung und Unterhaltung von Außenanlagen.
Der 63-jährige Lübecker verfügt über jahrzehntelange Berufserfahrung. Seit 1990 ist er Gärtnermeister im Garten- und Landschaftsbau, seit 1996 führt er ein eigenes Unternehmen. Zuvor war er in verschiedenen Fachbetrieben tätig und sammelte berufliche Erfahrungen in Schweden sowie im Tiefbauamt Ratzeburg. Darüber hinaus arbeitete Wulff mehrere Jahre als Ausbilder und engagierte sich im Prüfungsausschuss für Gartenwerker bei der Landwirtschaftskammer. Seine langjährige Berufspraxis und seine bisherige Tätigkeit als freier Sachverständiger bilden eine fundierte Grundlage für die neue Aufgabe.
Auch für die Bewertung von Biogasanlagen kann die Landwirtschaftskammer erstmals einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen benennen. Angesichts des Wandels in der Biogasbranche gewinnt dieses Fachgebiet weiter an Bedeutung.
Jörn Wilke stammt von einem Futterbau- und Bullenmastbetrieb in Quickborn und schloss sein Studium mit dem Master of Science in Agrarwissenschaften ab. Anschließend betreute er als Projektmanager bei der C4 Energie AG mehrere Biogasanlagen in Mecklenburg-Vorpommern. Danach arbeitete er bei der Agrarplan GmbH als Biogasberater. Seit September 2025 ist der 31-Jährige als Unternehmensberater für Landwirtschaft, Biogasproduktion und ländliche Wärmenetze selbstständig. Einblicke in die Sachverständigentätigkeit erhielt er zudem durch die Zusammenarbeit mit einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen.
Mit Sönke Wulff und Jörn Wilke stärkt die Landwirtschaftskammer ihr Sachverständigenwesen in zwei wichtigen und zukunftsrelevanten Bereichen. Wer sich für das Sachverständigenwesen beziehungsweise den Werdegang zum öffentlich bestellt und vereidigten Sachverständigen interessiert, kann sich gern an den zuständigen Referenten Björn Wiencken wenden unter bwiencken @lksh.de oder Tel.: 0 43 31-94 53-226. Besonders im Bereich der Bewertung landwirtschaftlicher Unternehmen besteht ein hoher Bedarf. Wer also mindestens Meister mit langjähriger Berufserfahrung ist oder besser noch ein abgeschlossenes landwirtschaftliches Studium vorweisen kann, dem bietet die Tätigkeit als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger eine interessante Erwerbstätigkeit im Haupt- oder Nebenerwerb mit flexibler Arbeitszeiteinteilung.
Es war viel los auf der Anlage des Holsteiner Verbandes in Elmshorn: Erst gab es eine Fohlenauktion, dann bot der Familientag ein Kinderreitturnier sowie Spiel und Spaß, Mitmachaktionen und Pferde zum Anfassen. Und dann stand noch das Fohlenchampionat auf dem Programm.
Hochkarätige Pedigrees prägten das Lot der Holsteiner Elitefohlenauktion am Freitag. An der Spitze stand ein Hengstfohlen aus dem erfolgreichen Holsteiner Stamm 776: Catalano HaS von Catoki-Uriko wurde für 31.000 € zugeschlagen. Für 20.000 € wechselten Ustino von United Way-Casello und Vinni Blue von Vigado-Chacco Blue die Besitzer. Der Durchschnittspreis belief sich auf rund 9.700 € bei einer Verkaufsquote von 88 %.
Am nächsten Tag eroberte der zweibeinige Nachwuchs den Herbert-Blöcker-Platz. In Führzügel-, Reiter- und Springreiterwettbewerben konnten Kinder ihre ersten Turniererfahrungen sammeln. Auch ein Vormustern auf der Dreiecksbahn für die jüngsten Züchter stand auf dem Programm.
Anschließend wurde es wieder spannend für die Züchter. Rund 35 in ihren Körbezirken vorqualifizierte Fohlen wurden im Championat vorgestellt. Bei den Stutfohlen setzte sich eine Tochter des vierjährigen Holsteiner Verbandshengstes Conchezz aus einer Mutter von Nevados S durch. Das von Manfred von Allwörden aus Grönwohld, Kreis Stormarn, gezogene Fohlen erhielt 27,75 Punkte und überzeugte das Richtergremium mit Typ, Ausdruck und Kraft.
„Unheimlich toller Typ, schönes Auge, viel Kraft. Da kann man nur gratulieren“, befand Antonius Schulze-Averdieck. Der Züchter von Prämienhengsten, internationalen Sportpferden und Auktionspreisspitzen hatte gemeinsam mit zwei weiteren Pferdeexperten das Richten übernommen. Pferdewirtschaftsmeisterin Hella Kuntz ist selbst bis zum Grand Prix erfolgreich und Körkommissarin des Trakehner Verbandes. Tjark Roll ist Agrarwissenschaftler und ehemaliger Holsteiner Jungzüchter. Er war unter anderem im Stall von Reimer Detlef Hennings und als Zuchtberater bei Maas J. Hell tätig. Heute arbeitet er im Gestüt Lewitz in Mecklenburg-Vorpommern. Als Reservesiegerin sahen die Richter ein Stutfohlen von Cahil-Clarcon aus dem Stamm 306. Es wurde gezogen von Bernd Börger aus Sankt Michaelisdonn, Kreis Dithmarschen, und kam auf 27,70 Punkte. Bemerkenswert ist die Passeranpaarung in diesem Pedigree. Beide Vollbrüder des Stutfohlens waren bereits beim Holsteiner Landesfohlenchampionat siegreich, einer von ihnen ist inzwischen gekört. „Ein modern aufgemachtes Fohlen, sehr sportiv, mit einem sehr guten Auftritt. Ein Fohlen, das seinen Weg im Sport mit Sicherheit gehen wird“, so Schulze-Averdieck.
Bei den Hengstfohlen ging der Sieg an einen Sohn von Zirocco Blue-Casall aus der Zucht von Frank Jessen aus Hörup, Kreis Schleswig-Flensburg. Das Fohlen aus dem Stamm 4025 erreichte mit 28,20 Punkten das höchste Ergebnis des gesamten Championats. „Hochelegant, ein Strahlemann, der sich in allen drei Grundgangarten herausragend zu bewegen weiß“, beurteilte Kuntz.
Reservesieger wurde ein Hengstfohlen von Conchezz-Quick Nick I, gezogen von Barbara Tenge-Rietberg aus Kasseedorf, Kreis Ostholstein. Laut Richtergremium präsentierte sich das Fohlen aus dem Stamm 4847 „harmonisch, geschmeidig, mit guten Bewegungen ins Bergauf“.
Den zweiten Reservesieg sicherte sich ein Sohn des Cascadello I-Cellestial, gezogen von Jens Böckenhauer aus Boostedt, Kreis Segeberg. Das Fohlen aus dem Stamm 7126 erhielt 26,35 Punkte und hatte bereits im Vorfeld auf sich aufmerksam gemacht. Erst im Juni war es Preisspitze der Fohlenauktion auf den Pferdetagen und zudem Siegerfohlen seines Körbezirks. Kuntz sah in ihm einen Hengstanwärter: „Ich hoffe, dass er auch so gut springt, wie er sich bewegen kann.“
Nach der Sichtung des gesamten Starterfeldes zog die Fachfrau ein positives Fazit: „Es hat Spaß gemacht hier. Besonders gut gefallen hat mir, dass zahlreiche Fohlen mit sehr viel Kraft ausgestattet sind. Viele Fohlen konnten sich zudem überdurchschnittlich gut bewegen. Das bleibt mir als Dressurreiterin besonders im Gedächtnis.“
pm
Eine der neuesten Hamburger Gartenattraktionen ist eine begrünte Bunkeraufstockung am Heiligengeistfeld in St. Pauli, die nicht nur als Informations- und Erinnerungsstätte dient, sondern auch mit Hotel, Veranstaltungsmöglichkeiten, einem Musikclub, neuen Sportstätten sowie Restaurants und Cafés aufwartet. Der in 58 m Höhe gelegene öffentliche Dachgarten bietet viel urbanes Grün und einen grandiosen Ausblick. Das landschaftsarchitektonische Projekt ist ein gutes Beispiel für die Anpassung an den Klimawandel in Metropolen.
Schon aus der Ferne erweckt der Grüne Bunker auf dem Heiligengeistfeld die Aufmerksamkeit. Der alte Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg wurde durch mehrere pyramidenförmig aufgesetzte Stockwerke erhöht und rundherum begrünt. Auch an den Fassaden klettert das Grün zaghaft, aber beständig weiter nach oben. Für die Besucher der neuen Grünanlage gibt es einen sogenannten Bergpfad, einen bepflanzten, 560 m langen und bis zu 6 m breiten Treppenweg, der sich außen um den Bunker erstreckt und als Aufstiegsmöglichkeit dient. Der Bergpfad, der Dachgarten und zugehörige Einrichtungen sind kostenlos zu besichtigen. Allerdings ist die Zahl der Besucher limitiert, die an den Zugangsgittern erfasst und kontrolliert werden. Maximal 900 Personen dürfen die Anlage gleichzeitig besichtigen. Seit der Eröffnung sind etwa 4.000 Menschen täglich auf dem Bergpfad und dem Dachgarten unterwegs. Zwei neue Außenfahrstühle an der Ostseite des Gebäudes ermöglichen auch den direkten Zugang zum Hochgarten. Schon der Aufstieg ist mit seinen Aussichtsmöglichkeiten auf die Stadt und dem Blick auf die begrünten Außenfassaden der oberen Stockwerke ein besonderes Erlebnis, das im Erreichen des auf dem Oberplateau gelegenen, 1.400 m² großen Dachgartens seinen Höhepunkt findet. Wird man zunächst den Blick über das Gelände des Hamburger Doms und die Stadion- und Sportanlagen des FC St. Pauli am Millerntor schweifen lassen, so blickt man später fast über die gesamte Stadt.
Ausblick vom Grünen Bunker auf das Millerntorstadion des FC St. Pauli
Gebaut wurde der Flakbunker IV in St. Pauli im Jahr 1942 und gehörte zusammen mit dem Bunker VI in Wilhelmsburg zu den größten Bunkern der Stadt. Der Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld war mit seiner Grundfläche von 75 x 75 m und einer Höhe von 38 m einer der größten jemals erbauten Hochbunker. Mit den installierten Flakgeschützen diente er einerseits der Flugabwehr, andererseits dem Schutz der Bevölkerung. In dem für 18.000 Schutzsuchende konzipierten Bunker fanden während der starken Bombardierungen Hamburgs 1943 teilweise bis zu 25.000 Menschen Schutz bei Luftangriffen. Gebaut wurde der Bunker in nur 300 Tagen auch durch den Einsatz vieler Zwangs- und Fremdarbeiter.
Nach dem Krieg wurde eine geplante Sprengung des Bunkers wegen der Massivität des Baus mit bis zu 3,8 m dicken Betonwänden nicht realisiert, vor allem um umliegende Gebäude nicht zu gefährden. Zudem fanden in den ersten Nachkriegsjahren viele ausgebombte Hamburger in den improvisiert ausgebauten Wohnungen im Bunker ein Dach über dem Kopf. In späteren Zeiten zogen verschiedene Unternehmen aus den Bereichen Kunst, Kultur und Medien in den Bunker ein, was dafür sorgte, dass der mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Komplex heute auch als „Medienbunker“ bekannt ist.
Der Michel und die Elbphilharmonie sind gut zu sehen.
Infotafeln zur Geschichte und zur militärischen Bedeutung säumen den Bergpfad an vielen Stellen und behandeln Themen wie die im Krieg provisorisch zugemauerten Fensternischen, die eher für eine geplante Nachkriegsnutzung vorgesehen waren, den Luftschutz der Bevölkerung, den Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen beim Bau, als Flakhelfer eingesetzte Schüler, Reste der Munitionskammern, des Ersatzleitstandes und noch vorhandene Kriechgänge.
Von 2019 bis 2024 wurde der Bunker mit fünf Stockwerken um etwa 20 m aufgestockt und im Juli 2024 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ebenfalls 2024 eröffnet wurde das Hotel Reverb by Hard Rock mit dem Hauptrestaurant „Sala“, der Bar „Karo&Paul“ und dem Café & Bar „Constant Grind“. In der nach einem Widerstandskämpfer benannten Georg-Elser-Halle mit Platz für etwa 2.200 Menschen finden neben Schulsport auch Veranstaltungen und Konzerte statt. Noch geplant ist ein Erinnerungs- und Informationszentrum, das den ehemaligen Schutzbau als Mahnmal würdigen und für die Öffentlichkeit erfahrbar machen soll. Hierum kümmert sich die gemeinnützige Nachbarschaftsinitiative Hildegarden, die bereits diverse Infotafeln entlang des Aufstiegs postiert hat und auch das Urban Gardening fördert. Das geschieht beispielsweise mit Hochbeeten, Kräuterspiralen oder Wildblumenarealen auf einigen Plateaus. Zudem soll eine Gedenkstätte für die Opfer des NS-Regimes entstehen. Das Garten- und Grünanlagen-Erlebnis beginnt bereits auf den ersten Metern des Bergpfades mit zahlreichen Stahlkübeln und Beeten, in denen sich Blütenpflanzen wie Astern, Storchschnabel, Knöterich, Salbei, Stockrosen sowie zahlreiche Gräser finden. Auch erste Gehölze wie Felsenbirne, Feldahorn, Mahonie, Kiefern und Stechhülse (Ilex) säumen den Weg. Efeu rankt an den Wänden hoch, so wie auch im späteren Verlauf weitere Kletterpflanzen wie Wilder Wein, Clematis, Kletter-Hortensie (Hydrangea), Trompeten-Geißblatt (Lonicera brownii) und die Ramblerrose ‚Bobbie James‘. Die in einer Höhe von 35 bis 58 m durchgeführten Begrünungsmaßnahmen, die von der Hamburger Baumschule Lorenz von Ehren durchgeführt wurden, umfassen 7.600 m² begrünte Dachbereiche und 1.700 m² grüne Fassaden. Die 4.700 Bäume, Sträucher, Hecken- und Kletterpflanzen und mehr als 16.000 Stauden mussten per Kran auf die entsprechende Höhe gehoben werden, wobei einige der mehrere Jahre alten Bäume bereits erhebliche Wurzelballen und ein paar Meter Wuchshöhe aufwiesen. Der Anteil immergrüner Pflanzen ist sehr hoch, und es wurden wegen der extremen Bedingungen in so großer Höhe vor allem nordeuropäische und alpine Gehölze ausgewählt, die besonders widerstandsfähig gegen Frost, Trockenheit und Wind sind. Diese Pflanzen wachsen überwiegend in einem speziell entwickelten Substrat unter anderem mit Vulkansteinen, die sehr leicht, aber gut wasseraufnehmend sind.
Die automatische Bewässerung erfolgt aus einem Speicher mit Regenwasser oder aus dem öffentlichen Wassernetz, bevorzugt unterirdisch per Tröpfchenbewässerung. Gegen die Windbelastung werden die Gehölze mit Spanngurten abgesichert und an besonders windexponierten Stellen sowie in höheren Bereichen auch mit Stahlseilen stabilisiert. So finden sich neben Ahornarten wie Spitz-, Feld- und Zoeschener Ahorn immergrüne Wald- und Berg-Kiefern und sogar Raritäten wie der Eisenholzbaum.
Begrünte Fassaden und Ballustraden beim Aufstieg am Bergpfad
Apfelbäume wie die Sorten ‚Finkenwerder Herbstprinz‘, ‚Holsteiner Cox‘, ‚Cox Orange Renette‘, ‚Weißer Winterglockenapfel‘ sind hier anzutreffen. Vielfach verwendete Sträucher sind Prager Schneeball, Europäischer Wacholder, Portugiesischer Kirschlorbeer, Wintergrüne Ölweide, Ilex und Purpur-Weide. Heckenbereiche sind oftmals gebildet aus Feuerdorn, Mahonie oder Wintergrünem Liguster. Besonders gut machen sich auch die überhängenden Gehölze: Heckenkirsche, Kriechmispel, Hängender Sommerflieder, Winterjasmin, Blauraute und Krummholz-Kiefer. Der Grüne Bunker zeigt eine Möglichkeit für die Klimaanpassung und Lösungsansätze für die ökologischen Probleme in Großstädten auf. Hitzeperioden, Starkregen, Trockenheit und Luftverschmutzung betreffen Städte und Ballungsräume in besonderer Weise. Die Erhitzung der Städte wird zu einem zunehmenden Problem für Anwohner. Der Grüne Bunker liefert hier einige mögliche Ansätze zur Verbesserung der Situation. Das Projekt wird von der Technischen Universität (TU) Berlin wissenschaftlich begleitet. Zahlreiche Klima-, Wetter- und Mikroklimadaten am Gebäude und im Stadtteil werden langfristig ermittelt und ausgewertet.
Blumenbereich im Dachgarten
Der Wissenschaftler Marco Schmidt von der TU Berlin ist überzeugt: „Der Bunker St. Pauli wird ein Vorbild und wissenschaftliches Demonstrationsobjekt für die Klimaanpassung in Großstädten weltweit.“ Für das Projekt erhielt der Grüne Bunker bereits 2024 einen der drei ersten Europäischen Gartenpreise des Europäischen Gartennetzwerkes (EGHN) in der Kategorie „Klimaanpassungen in Parks und Gärten“.
Weitere Auszeichnungen für das Projekt sind inzwischen hinzugekommen, so eine bedeutende Auszeichnung der Immobilienbranche mit dem MIPIM-Award 2025 in der Kategorie Best Conversion (beste Umwandlung) auf der weltweit größten Immobilienmesse in Cannes. Im „Time Magazine“ wurde das Hotel Reverb unter die „World’s Greatest Places 2024“ aufgenommen, und die „New York Times“ hat den Hamburger Bunker in ihre prestigeträchtige Liste der „52 Places to Travel 2025“ aufgenommen, womit der Grüne Bunker im Herzen der Hansestadt nun zu den weltweit empfehlenswerten Reisezielen gehört. Damit ist er die einzige empfohlene Destination in Deutschland und eine der wenigen in Europa.
Es offenbart sich der Moment: völlige Stille, der Atem angehalten, die Kamera im Anschlag – das perfekte Bild. Im Green Screen Naturfilmcamp im Wildpark Eekholt, Kreis Segeberg, lernen Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren in einer Woche, wie sie mit dem richtigen Equipment die Natur hautnah einfangen können. Das Bauernblatt hat die Jugendlichen einen Tag lang begleitet und mit den Veranstaltern von Green Screen und dem Wildpark Eekholt gesprochen.
Im Jugendfilmcamp dreht sich alles darum, wie man Tiere in der Natur möglichst perfekt ablichten und dabei eine Geschichte erzählen kann. In einer Woche lernen 26 Jugendliche und junge Erwachsene den Umgang mit Kamera und Equipment, die Bearbeitung des selbst gedrehten Materials und das Storytelling. Am Ende entsteht ein eigener Naturfilm, der den Eltern und Vertretern von Green Screen präsentiert wird und für die Kategorie „Bester Jugendfilm“ des Green Screen Festivals eingereicht werden darf. Dieses Jahr markiert das 17. Jahr in Folge, in dem Jugendliche für diese Lernerfahrung zusammengekommen sind. Einige von ihnen waren bereits mehrere Male dabei, so auch die Gruppe, die die Redaktion begleitete.
Im Jugendfilmcamp dreht sich alles darum, wie man Tiere in der Natur möglichst perfekt ablichten und dabei eine Geschichte erzählen kann. In einer Woche lernen 26 Jugendliche und junge Erwachsene den Umgang mit Kamera und Equipment, die Bearbeitung des selbst gedrehten Materials und das Storytelling. Am Ende entsteht ein eigener Naturfilm, der den Eltern und Vertretern von Green Screen präsentiert wird und für die Kategorie „Bester Jugendfilm“ des Green Screen Festivals eingereicht werden darf. Dieses Jahr markiert das 17. Jahr in Folge, in dem Jugendliche für diese Lernerfahrung zusammengekommen sind. Einige von ihnen waren bereits mehrere Male dabei, so auch die Gruppe, die die Redaktion begleitete.
Fotos: Patrick Mühling
Die drei Jugendlichen Leo Brosig (14), Ellen Schilhabel (17) und Arne Göttsche (15) hatten sich bewusst ein herausforderndes Thema ausgesucht: wilde Tiere im Tierpark. Also Tiere, die nicht regulär im Gehege zu finden sind, sondern nur beiläufig im Park vorbeikommen oder aus anderen Gründen dort ansässig sind. Diese Tiere sind vom Wildpark explizit geduldet und sogar erwünscht.
So finden Fledermäuse auf dem Gelände zum Beispiel in Fledermauskästen einen sicheren Aufenthaltsort. Auch wurde auf eine Begradigung der Osterau verzichtet, sodass der Fluss mitten durch den Park fließen kann und einen Lebensraum für Wasserlebewesen schafft. Für das Filmcamp bietet der Wildpark Eekholt mit seinen naturnah gestalteten 67 ha und etwa 700 Tieren also sowohl Anfänger-Tierfilmenden einfache Drehbedingungen, indem normalerweise scheue Tiere in den Gehegen gefilmt werden können, als auch wild lebende Tiere für diejenigen, die eine Herausforderung suchen.
Die Gruppe um Leo, Ellen und Arne wollte genau das haben und konzentrierte sich daher auf die Vielfalt der wilden Tiere im Park, darunter besonders Wasserlebewesen aus der Osterau, Kolkraben und Fledermäuse.
Vor dem Wildschweingehege wartet Leo Brosig darauf, dass sich Kolkraben zeigen, die vom Schweinefutter angelockt werden. Foto: Patrick Mühling
Die 17-jährige Ellen Schilhabel war in diesem Jahr bereits das fünfte Mal dabei, besitzt eine eigene Kamera und wollte sich an einem kniffligen Thema versuchen. „Unser Film soll zeigen, dass es auch in einem Park, wo Tiere im Gehege leben, wilde Tiere gibt“, sagte sie. „Bis jetzt bin ich mit unserem Film zufrieden und denke, dass er auch eingereicht werden kann.“ Der 15-jährige Arne Göttsche bestätigte ihre Aussage: „In den letzten Tagen lief alles gut. Da haben wir alles bekommen, was wir haben wollten.“
Angeleitet wurde die Wildtier-Gruppe von Naturfilmer Thies Hinrichsen. Der mittlerweile weltweit eingesetzte Kameramann entdeckte seine Begeisterung für das Naturfilmen vor zwölf Jahren im Green-Screen-Camp und machte seine Leidenschaft im Verlauf der letzten Jahre zum Beruf. In der Vergangenheit hat er bereits für die NDR-Serie „Expedition ins Tierreich“ sowie für „Erlebnis Erde“ der ARD gefilmt.
„Wir wissen, die Jugendlichen haben ein straffes Programm in dieser Woche. Unser Ziel ist es, dass sie alle am Freitag einen schönen Film haben, auf den sie stolz sein dürfen.“
Damit das auch gelingt, stand der junge Naturfilmer den Teilnehmenden jederzeit zur Seite, ließ ihnen jedoch genug Raum, um eigenständige Ideen und Herangehensweisen zu entwickeln. „Ich bin einfach total gern draußen und beobachte Tiere. Diese Begeisterung versuche ich an die Jugendlichen weiterzugeben“, so Hinrichsen. Zum Green-Screen-Team gehören zudem die Kamerafrau Bernice Leonhardt und der freie Mediengestalter Philipp Below. „Die beiden sind medienpädagogisch geschult und können die Technik noch besser vermitteln als ich. Dafür habe ich viel Erfahrung darin, wie und wo man korrekt warten kann, um das richtige Motiv zu finden“, weiß Hinrichsen.
Thies Hinrichsen war 2014mit 17 Jahren selbst Teilnehmer Jugend-Filmcamps. Heute ist er erfolgreicher Naturfilmer und bereist die Welt. Foto: Patrick MühlingUte Dröger ist die Ansprechpartnerin für den Wildpark Eekholt und wirkt schon seit dem ersten Camp mit. Lange Zeit leitete sie die Wildparkschule in Eekholt. Foto: Patrick Mühling
Ute Dröger ist zeit des Bestehens die Ansprechpartnerin für das Naturfilmcamp aufseiten des Wildparks Eekholt. Lange Zeit leitete sie die Wildparkschule. „Meine Aufgabe ist es, eng mit dem Team rund um Thies zusammenzuarbeiten, geeignete Materialien an die Jugendlichen weiterzugeben, Interviewpartner zu organisieren und zu erklären, was möglich ist und welche Themenideen nur bedingt oder gar nicht möglich sind“, stellte sich Dröger vor. „Die Recherche hat sich über die Jahre komplett geändert. Früher habe ich noch Bücher und Artikel herausgesucht. Heute muss ich den Kindern und Jugendlichen erklären, dass sie vernünftige Internetquellen heranziehen und auf ChatGPT und Wikipedia verzichten sollten“, sagte sie.
„Motivation für das Thema ist extrem wichtig. Wir haben uns lange überlegt, ob wir das Wildtier-Thema zulassen, aber die Gruppe wollte es unbedingt machen, sodass wir gesagt haben: ‚Okay, ihr nehmt die Herausforderung an.‘ Wir sind gespannt, was draus wird“, sagte Hinrichsen.
Das Jugendfilmcamp kostet 350 € für die gesamte Woche und findet in den Sommerferien statt. Mehr Informationen zum Camp gibt es auf der Webseite von Green Screen unter
Über ihre ersten Arbeitswochen als Pressereferentin des LandFrauenVerbandes (lfv), Demokratiestärkung und die anstehende Norla sprach Dr. Claudia Kleimann-Balke im Interview mit dem Bauernblatt.
Wie gefällt Ihnen Ihre neue Tätigkeit im lfv?
Dr. Claudia Kleimann-Balke: Meine positiven Erwartungen haben sich erfüllt, weil ich viele Freiheiten bekomme, um kreativ zu arbeiten. Schon bei der Vorbereitung auf mein Vorstellungsgespräch war ich davon begeistert, was der LandFrauenVerband alles bietet, etwa die umfangreichen Bildungsprogramme, Workshops und Seminare. Hier meine Ideen einzubringen, macht mir Freude.
Wie sieht Ihr Alltag in der Geschäftsstelle aus?
Die ersten Wochen waren davon geprägt, sich umzuschauen, einzulesen und die Zusammenhänge zu verstehen. Aber ich nehme mir auch Zeit, eigene Akzente zu setzen. Dazu gehören beispielweise Berichte im Bauernblatt über Veranstaltungen des LandFrauenVerbandes, an denen ich teilnehmen durfte, oder über besondere Persönlichkeiten. Es gibt viele Biografien, die mich begeistern und beeindrucken, vor allem vor dem Hintergrund, dass ich von Hause aus Historikerin bin.
Sie haben mittlerweile einige Veranstaltungen des lfv begleitet. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?
Bisher nur positive! Mit LandFrauen ins Gespräch zu kommen, ist immer wertvoll und inspirierend. Beeindruckt hat mich die politische Bedeutung des Verbandes. Zu den Veranstaltungen erscheinen zahlreiche politische und gesellschaftliche Player. Gleich bei meiner ersten Veranstaltung – es war die Vertreterinnenversammlung – habe ich gestaunt, als plötzlich Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wie selbstverständlich um die Ecke kam und ein Grußwort hielt. Das zeigt, wie sehr er die Arbeit der LandFrauen schätzt. Ebenfalls begeistert hat mich die Teilnahme von Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) am LandFrauenForum in Kiel.
Neben Ernährungs- und Gleichstellungsthemen engagiert der lfV sich in diesem Jahr verstärkt in der Demokratiebildung. Warum?
Dazu fällt mir ein passendes Zitat ein, das ich in einer Rede von unserer Präsidentin Claudia Jürgensen gehört habe: „Unser Kuchen ist politisch.“ Natürlich ist der Verband überparteilich und nicht konfessionell. Aber wir stehen für Demokratie ein und positionieren uns ganz klar gegen Rechtsextremismus und alle anderen menschverachtenden Tendenzen. Die Rückmeldungen zu unserem Projekt der Demokratielotsinnen sind sehr positiv, und unsere Weiterbildung ist ausgebucht.
Welche Bedeutung hat die Norla-Messe für den lfv?
Die Norla ist für den Verband eine ganz bedeutende Messe, sowohl für den Austausch mit dem Ehrenamt, aber auch für die Gespräche mit allen anderen Besucherinnen und Besuchern. Ich persönlich möchte die Möglichkeit dafür nutzen, mehr über die Branche zu erfahren, weil ich nicht aus dem landwirtschaftlichen Bereich komme.
Planen Sie eine Aktion zum internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft?
Wir haben das UN-Jahr bereits im Mai für unser großes Forum für Frauen in der Landwirtschaft genutzt und interessierte Frauen in die Räume der Investitionsbank Schleswig-Holstein nach Kiel eingeladen. In Diskussionsrunden und Workshops standen ihre Belange im Fokus. Die Teilnehmerinnen haben diese Gelegenheit genutzt, um sich auszutauschen, zu vernetzen und inspirieren zu lassen. Während der Norla zeigen wir in unserem Pavillon eine kleine Fotoausstellung über Landwirtinnen aus Uganda und Ghana. Die Fotos zeigen zwei beeindruckende Projekte, für die sich der Deutsche LandFrauenVerband im Rahmen internationaler Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt hat. Außerdem lassen wir schleswig-holsteinische Landwirtinnen zu Wort kommen, die uns in kurzen Statements Einblicke in ihren Alltag geben. Sie spielen auch eine wichtige Rolle bei unserer Rallye. Dabei müssen Fragen rund um unseren Pavillon und die Stände unserer Kooperationspartner beantwortet werden. Allen erfolgreich Teilnehmenden winkt ein leckerer Preis. Und wir verlosen einige richtig tolle Gewinne.
Sie wirken voller Tatendrang, sich auch in den nächsten Wochen, Monaten und vielleicht auch Jahren für den lfv einzusetzen.
Absolut. Ich bin so freundlich und herzlich aufgenommen worden, darf alle Fragen stellen und erfahre große Wertschätzung. Das ist wirklich toll.
Info
Dr. Claudia Kleimann-Balke verstärkt seit Mitte Mai als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen die Geschäftsstelle des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein. Vor rund 20 Jahren ist sie aus dem Ruhrgebiet nach Treia, Kreis Schleswig-Flensburg, gezogen. Dort lebt sie mit Mann und Hund, ist viel mit dem Rad unterwegs und erkundet gern die Gegend mit der Kamera.
Zum Auftakt der Kartoffelhaupternte präsentiert sich der Markt in diesem Jahr unter völlig anderen Vorzeichen als vor zwölf Monaten. Nach der großen Ernte 2025 mit ausgeweiteten Anbauflächen und hohen Hektarerträgen war das Angebot weit über den Bedarf hinausgewachsen. Insbesondere für Industriekartoffeln brachen die freien Preise ein. Noch im Frühjahr waren erhebliche Mengen aus der alten Ernte vorhanden, für die kaum noch Käufer zu finden waren. Kartoffeln wurden als Viehfutter angeboten oder an Biogasanlagen abgegeben.
Nur wenige Monate später hat sich das Bild überraschend gewandelt. Hitze und Trockenheit haben die Ertragserwartungen für die neue Ernte in weiten Teilen Westeuropas deutlich reduziert. Kartoffelverarbeiter, die im Frühjahr kaum Interesse an freien Partien zeigten, suchten zuletzt wieder intensiv nach noch verfügbaren Kartoffeln der alten Ernte. Damit bekam Ware, die zuvor nahezu unverkäuflich war und teilweise bereits für alternative Verwertungen vorgesehen wurde, plötzlich wieder einen erheblichen Wert. In Belgien wurden Mitte Juli für alterntige Frittenkartoffeln teilweise nur 0 bis 2 €/ dt genannt. Wenige Wochen später werden für geeignete Qualitäten aus dem Vorjahr wieder zweistellige Preise bezahlt.
Reduzierte Anbauflächen
Auch für die neue Ernte sind die Vorzeichen fester. Die deutsche Kartoffelfläche ist nach vorläufigen Angaben gegenüber dem Rekordjahr 2025 um gut 11 % auf rund 268.000 ha zurückgegangen. Gleichzeitig hat die Trockenheit vielerorts den Knollenzuwachs gebremst. Besonders kritisch wird die Situation in den großen Verarbeitungsregionen Frankreichs, Belgiens und der Niederlande beurteilt. In Frankreich wird bei Konsumkartoffeln derzeit mit einer um gut 22 % kleineren Ernte gerechnet. Niederländische Proberodungen zeigen unterdurchschnittliche Erträge und vor allem einen geringen Anteil großer Knollen. Gerade diese werden von der Pommes-frites-Industrie benötigt.
In Schleswig-Holstein stellt sich die Situation bislang weniger dramatisch dar. Einzelne Niederschläge haben die Lage etwas entspannt. Dennoch kann sich der norddeutsche Markt der Entwicklung in den Benelux-Ländern und Frankreich kaum entziehen. Bei Speisekartoffeln ist die Ausgangslage deutlich freundlicher als im Vorjahr.
Preise über dem Vorjahr
Die Frühkartoffelsaison läuft aus, und die ersten Partien der Haupternte kommen auf den Markt. Ferienbedingt bleibt die Nachfrage zwar noch ruhig, doch ein ausgeprägter Angebotsdruck ist bislang nicht zu erkennen. Bundesweit liegen die Erzeugerpreise für festkochende Speisekartoffeln Anfang August im Mittel bei gut 31 €/dt und damit deutlich über dem Vorjahresniveau.
Ob dieses Preisniveau während der Haupternte gehalten werden kann, bleibt allerdings offen. Mit zunehmenden Rodungen wächst das Angebot zwangsläufig. Entscheidend werden nun die tatsächlichen Hektarerträge sein. Gerade nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres dürften viele Erzeuger vorsichtiger mit ihrer Vermarktung umgehen. Der bemerkenswerte Preissprung für die letzten Kartoffeln der alten Ernte zeigt jedenfalls, wie schnell sich ein Kartoffelmarkt drehen kann: Was im Frühjahr noch als kaum verwertbarer Überschuss galt, wurde wenige Wochen später wieder zum gesuchten Rohstoff.
Wintergetreide als Ganzpflanze als Ergänzung zum Mais zu nutzen, ist mit Blick auf Risikostreuung zur Futtermittelbereitstellung, limitierten jährlichen Substrateinsatz von Mais in Biogasanlagen und nach Vorschriften zu Fruchtwechsel und Winterbegrünung anzudenken. Die Risikostreuung zu minimieren, zielt auf unterschiedliche Wasserbedarfe von Silomais als Sommerfrucht und Ganzpflanzensilage (GPS) aus Wintergetreide ab, um auf Ernteausfälle durch Nässe oder Trockenheit zu reagieren.
Gerade auf leichten Standorten und in trockenen Frühjahren beziehungsweise Sommern sichert der Anbau unterschiedlicher Kulturen die Bereitstellung von Futtermitteln. So kann Getreideganzpflanzensilage in der Futterversorgung der Milchvieh- und Rinderbestände als Grobfutter eingesetzt werden. Getreide-GPS ist als Kombination aus stärkereichen Körnern und Stroh ein eiweißarmes Grundfutter. Ein hoher Kornanteil ist notwendig, um hohe Energiekonzentrationen und/oder hohe Stärkegehalte einzufahren.
Regelungen zum Maisdeckel im neuen Biomassepaket für den Weiterbetrieb von Biogasanlagen über die EEG-Laufzeit hinaus begrenzen den jährlichen Anteil an Mais und Getreidekorn am Substratmix für Anlagen ab 2026 auf momentan 25 Masseprozent. Beim Anbau von Wintergetreide-GPS als Substrat ist zu beachten, dass mehr Anbaufläche zur Erzeugung der gleichen Gasmenge als bei Silomais benötigt wird. In der Literatur werden folgende Methanerträge je Hektar beschrieben:
• 5.028 Nl (Norm-Liter)/ha aus Silomais und 3.677 Nl/ha aus Getreide-GPS
• 3.956 bis 5.934 Nm³ (Norm-Kubikmeter) Methan von 1 ha Silomais (40 bis 60 t Frischmasse, Silierverluste von 12 % berücksichtigt) und 2.884 bis 4.807 Nm³ Methan von 1 ha Getreide-GPS (30 bis 50 t Frischmasse, Silierverluste von 12 % berücksichtigt)
Mit dem Anbau von Getreide als Ganzpflanzensilage können außerdem GAP-Richtlinien zu Fruchtwechsel und Winterbegrünung erfüllt werden. Eine weitere Getreideart erweitert als zusätzliches Glied die Fruchtfolge. Ist die betriebliche Fruchtfolge bereits breit aufgestellt, kann Eco-Scheme 2 „Anbau vielfältiger Kulturen mit mindestens fünf verschiedenen Hauptfruchtarten mit mindestens 10 % und maximal 30 % je Hauptfruchtart“ im Ackerbau angewandt werden.
Die Landwirtschaftskammer führt seit Jahren Sortenversuche zu Getreide-GPS mit Winterroggen und Wintertriticale auf dem Geest-Versuchsstandort Schuby, Kreis Schleswig-Flensburg, durch. Von den neun Prüfsorten beim Winterrogen besitzen zwei die Zulassung zur Silonutzung, die restlichen Sorten gehören der Nutzungsrichtung Korn an. Im Prüfsortiment Wintertriticale-GPS mit ebenfalls neun Prüfsorten sind ebenfalls zwei Sorten mit Silozulassung enthalten.
Witterung 2025/2026
Der Herbst im vergangenen Jahr war laut Deutschem Wetterdienst im Vergleich zur international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 sonnig, mild und nass, vor allem im Oktober regnete es ungewöhnlich viel. Die Niederschlagsmenge im Winter hingegen ergab ein Defizit von einem Drittel im Vergleich. Es gab insgesamt rund 30 Schneedeckentage im Januar und Februar, die Getreidebestände waren bei vorherrschenden Frostnächten und Eistagen vor Auswinterungsschäden geschützt. Einzelne Frostnächte im März ohne Schneeauflage hinterließen keine Pflanzenausfälle. Es folgte ein warmes, trockenes und äußerst sonniges Frühjahr, die erreichte Niederschlagsmenge von zwei Dritteln blieb unter dem Soll in den Monaten März, April und Mai. Mitte Juni gab es zu den Eisheiligen erneut Frostnächte, der Monat verabschiedete sich hochsommerlich mit extremen Höchsttemperaturen, Stürmen und niederschlagsreichen Gewittern.
Die am Gesamtsoll fehlenden Niederschlagsmengen ab Winter wirkten sich nicht auf die Biomassebildung im Getreide aus, die extremen Temperaturen der letzten Junitage ließen die GPS-Bestände äußerst zügig abreifen. Kornfüllung und Korneinlagerung wurden bei der schnellen Abreife nicht in Mitleidenschaft gezogen (siehe Tabelle 1). 
Jahresvergleich der Ergebnisse
Es überrascht nicht, dass auf dem leichten Versuchsstandort mit 24 Bodenpunkten Roggen ertraglich deutlich besser gegenüber Triticale ausfällt. Ausgebliebene Niederschläge und steigende Temperaturen im Juni führten in diesem Jahr wie auch 2023 zu rasanter Abreife der Getreidepflanzen. Jedoch verursachten die diesjährig erst Ende Juni aufgetretenen Hitzetage weder Qualitäts- noch Ertragsminderungen. Das spricht auch für eine angepasste und ausreichende Niederschlagsverteilung während der Vegetation.
Gründe für die Silierung von Getreide als Ganzpflanzensilagen liegen in der Fruchtfolgegestaltung, in Maisdeckel und Futtersicherung im Rindvieh- wie auch im Biogasbereich.
In diesem Jahr wurden die angestrebten Abreifewerte zwischen 35 bis 40 % Trockenmassegehalt zum optimalen Erntezeitpunkt zur Teigreife von Triticale erzielt. Dieser als optimal bezeichnete Erntezeitpunkt ist allerdings ein Kompromiss aus möglichst hohen Trockenmasseerträgen und nicht zu hohen Trockenmassegehalten. In dieser Reifephase werden Verdaulichkeit und Energiegehalt als am höchsten beschrieben, die noch ausreichend vorhandenen leicht löslichen Kohlenhydrate ermöglichen eine gute Vergärung. Der Strohanteil der Getreide-GPS wird über den Rohfasergehalt aufgeführt, laut Literatur wird mit einem Gehalt von 24 % Rohfaser in der Trockenmasse eine gute Qualität erzielt. Der Rohfasergehalt kann über die Schnitthöhe zur Ernte beeinflusst werden, je höher der Schnitt, desto geringer der Rohfasergehalt. Neben der Rohfaser ist auch der Stärkeanteil in der Gesamtpflanze abhängig vom Abreifegrad zur Ernte, dem Korn-Stroh-Verhältnis und der Schnitthöhe. Bei langstrohigem Getreide wie Roggen und Triticale ist der Stärkegehalt niedriger als bei kurzstrohiger Gerste und Weizen. Die Stärkeeinlagerung im Getreide beginnt zur Milchreife, wenn sich die Körner füllen, ein hoher Kornanteil an der Ganzpflanze sichert erhöhte Stärkegehalte.
Der Blick auf die Ergebnisse der diesjährigen Prüfsorten (Tabellen 2 und 3) zeigt, dass die Getreide-Ganzpflanzensilagen mit erzielten Rohproteinwerten im Mittel zwischen 5,5 % und 6,3 % Rohprotein niedrige Gehalte in der Trockenmasse aufweisen. Höhere Körneranteile von Sorten können Differenzen im Stärkegehalt erklären. Einen Einfluss von steigenden Strohanteilen auf abnehmende Energiegehalte von GPS zeigt Tabelle 4 für Steinhöfel. Grundsätzlich kann Wintertriticale auf dem Geest-Versuchsstandort nicht das volle Potenzial ausschöpfen, es zeigt sich erwartungsgemäß über die aufgeführten Jahre, dass Winterroggen seine Vorteile auf dem leichten Standort ausspielt. Das soll aber die Bedeutung der Triticale-Ganzpflanzensilage in Schleswig-Holstein nicht schmälern. Hinsichtlich der Prüfsorten ist zu erwähnen, dass Sorten mit einer Kornzulassung den Vorteil der Doppelnutzung bieten: Je nach Bedarf kann die Pflanze dann flexibel als GPS oder als Korn geerntet werden.
Produktionstechnik anpassen
Für den Anbau von Getreide-Ganzpflanzensilagen gelten dieselben Empfehlungen zu Standortansprüchen, Bodenbearbeitung, Saatbettbereitung, -technik, -termin, -stärke, Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz wie zur Kornproduktion. Ist zum Zeitpunkt der Aussaat die Nutzungsrichtung, Ganzpflanze oder Körnerdrusch, noch nicht endgültig geklärt, liegt die Sortenwahl auf ertragsbetonte Körnersorten mit geringer Mutterkornanfälligkeit. Sämtliche ertragssteigernden und -sichernden Maßnahmen der Körnernutzung werden auch für die GPS-Produktion gefahren. Um Ertragsverluste und Schmutzeintrag zu minimieren, ist bei entsprechendem Bedarf auf Herbizide, Wachstumsregler, Fungizide und Insektizide nicht zu verzichten. Nach Fungizid- und/oder Insektizideinsatz sind grundsätzlich die Wartezeiten bis zur Ernte einzuhalten. Es gilt, das mit wenigen Tagen sehr enge Erntezeitfenster für Ganzpflanzensilagen von Getreide zu beachten. Bei heißer und trockener Witterung während der Abreife sind der rasante Anstieg des Trockenmassegehaltes und die täglichen Zunahmen an Trockenmasseertrag nicht zu unterschätzen. Erkennungsmerkmale der Teigreife zur Ernte sind noch grüne Halmknoten und grüne obere Blätter, Halme und Stroh beginnen mit der Gelbfärbung. Die Körner sollten noch weich genug sein und sich eindrücken lassen, aber nicht mehr flüssig sein und spritzen.
Für die Düngung von Stickstoff und Phosphat ist vor dem Ausbringen der Nährstoffe eine Bedarfsermittlung erforderlich. Die vorgesehene N-Gesamtmenge wurde in zwei Gaben zu Vegetationsbeginn und zu Anfang der Schossphase verabreicht. Die Haupt-N-Gabe liegt zu Vegetationsbeginn, um den vegetativen Apparat des Getreides zu fördern. Für die Düngung weiterer Grundnährstoffe ist auf die Bodenversorgungsstufe zu achten, basierend auf einer Bodenanalyse. Aus den aktuellen „Richtwerten für die Düngung“ lässt sich der Bedarf der einzelnen Nährstoffe je Bodenart ableiten.
Das Verbundprojekt „Innovationsnetzwerk Rind“, kurz „InnoRind“, untersuchte Maßnahmen für eine zukunftsfähige und tiergerechte Rinderhaltung. Das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein widmete sich innerhalb dieses Projektes unter anderem der Frage, ob die frühe Haltung von Kälbern in einer Kleingruppe Auswirkungen auf die Tiergesundheit, das Stressniveau und die Aufzuchtleistung hat. Dazu wurde eigens eine frühe Gruppenhaltung etabliert und umfangreich untersucht.
Für die frühe Gruppenhaltung wurde aus acht Einzeliglus eine Kleingruppenhaltung mit Zugang zum Tränkeautomaten geschaffen. Die hier eingestallten Kälber wurden in der Bewertung als Versuchsgruppe mit einer Kontrollgruppe einzeln aufgezogener Kälber verglichen. Während die Kälber der Kontrollgruppe in den ersten 14 Lebenstagen in Einzeliglus mit Nuckeleimern und Vollmilch versorgt wurden, war die Vorgehensweise in der Versuchsgruppe etwas anders. Bei Einstallung in die frühe Gruppenhaltung wurden die Kälber auch hier zunächst einzeln gehalten und mit dem Nuckeleimer mit Kolostrum versorgt, jedoch nach 48 Stunden bereits in die Gruppe entlassen und dann mit Milchaustauschertränke am Tränkeautomaten weitergetränkt. Am 15. Lebenstag wurden alle Kälber individuell in die weitere Aufzucht im Holsteiner Kälberstall umgestallt.
Tränkedaten sowie routinemäßige Wiegungen werden dauerhaft im laufenden Betrieb erfasst. Für die Bewertung der frühen Gruppenhaltung wurden neben den Tränkeaufnahmen und der Gewichtsentwicklung die Kolostrumversorgung im Blutserum, Speichelcortisolgehalte und sogenannte Gesundheitschecks genutzt.
Tränkeaufnahmen und Gewichtsentwicklung
Die Bewertung der Tränkeaufnahmen wurde für den Abschnitt 1. bis 14. Lebenstag und 15. bis 77. Lebenstag getrennt vorgenommen. Innerhalb der ersten 14 Lebenstage nahmen die Kälber der Versuchsgruppe mit 7.844 g pro Tag signifikant weniger Tränke auf als die der Kontrollgruppe mit 9.030 g pro Tag. Dieses Verhältnis kehrte sich jedoch nach dem Umstallen in den Holsteiner Kälberstall um. In der Aufzuchtphase zwischen dem 15. und 77. Lebenstag nahm die Versuchsgruppe mit 9.229 g pro Tag signifikant mehr Tränke auf als die Kontrollgruppe mit 8.784 g pro Tag. Über die gesamte Tränkephase betrachtet liegen die Kälber beider Gruppen also auf dem gleichen Niveau. Dies spiegelt sich auch in den täglichen Zunahmen wider. Im Mittel lagen die täglichen Zunahmen bei 1.113 g in der Versuchsgruppe und bei 1.115 g in der Kontrollgruppe, also auf identischem Niveau.
Kälber in der frühen Gruppenhaltung zeigten ausgeprägtes Sozialverhalten. Foto: Dr. Imme Dittrich
Kolostrumversorgung
Dazu wurde je Gruppe 75 Kälbern nach der Kolostrumaufnahme innerhalb der ersten 48 Lebensstunden Blut abgenommen, das Serum abzentrifugiert und dieses mittels Handrefraktometer auf den Immunoglobulin- beziehungsweise Proteingehalt untersucht. Anhand dieser Brix-Werte wurden die Kälber in die Versorgungsklassen „ausgezeichnet“, „gut“, „mittelmäßig“ und „schlecht“ eingeteilt.
Insgesamt konnten Blutproben von 146 Kälbern (Versuchsgruppe: 75 Kälber, Kontrollgruppe: 71 Kälber) ausgewertet werden. Grundlage für die Kolostrumversorgung war eine mittlere Kolostrumaufnahme von 2.983 ml (Versuchsgruppe) beziehungsweise 2.777 ml (Kontrollgruppe). Rund 47 % der Kälber in der Versuchsgruppe wurden in die Versorgungsklasse „ausgezeichnet“ eingeordnet, da der ermittelte Brix-Wert jeweils bei mindestens 9,4 lag. In der Kontrollgruppe hingegen wurden nur rund 27 % der Kälber dieser Versorgungsklasse zugeordnet. Während die Versorgungsklasse „gut“ (Versuchsgruppe: 21,9 %, Kontrollgruppe: 22,9 %) und „schlecht“ (Versuchsgruppe: 17,8 %, Kontrollgruppe: 17,8 %) gleichermaßen besetzt waren, zeigte sich vor allem in der Versorgungsklasse „mittelmäßig“ ein weiterer größerer Unterschied. Hier waren rund 14 % der Versuchsgruppe und rund 27 % der Kontrollgruppe einzuordnen. Insgesamt ergab die statistische Auswertung der Kolostrumversorgung jedoch, dass die beiden Gruppen im Mittel auf dem gleichen Versorgungsniveau waren und hier keine statistisch relevanten Unterschiede auftraten.
Erfassung von Speichelcortisol
Die Erfassung des Speichelcortisolgehaltes erfolgte zu drei Zeitpunkten: erste Probe am zweiten Lebenstag, zweite Probe am zehnten Lebenstag und dritte Probe am 15. Lebenstag. Mithilfe dieses Merkmals wurde die Stressreaktion der Kälber nach Umstallung in den Holsteiner Kälberstall bewertet. Insgesamt lagen für 122 Kälber (Versuchsgruppe: 59 Kälber, Kontrollgruppe: 63 Kälber) jeweils drei Proben mit ausreichend Speichel und ohne Verunreinigungen vor. Die Annahme war, dass die Kälber der Versuchsgruppe durch das frühe Leben in der Gruppe weniger ausgeprägte Stressreaktionen durch das Umstallen zeigen als die Kälber der Kontrollgruppe.
Insgesamt wiesen die Kälber der Versuchsgruppe zwar einen niedrigeren Speichelcortisolgehalt auf als die der Kontrollgruppe (Abbildung 1), wiesen aber mehr Variation zwischen den Probenahmeterminen auf. Insbesondere die Entwicklung des Speichelcortisols vom zehnten zum 15. Lebenstag sollte hier noch einmal im Detail beobachtet werden. Während die Kälber der Kontrollgruppe nahezu auf dem gleichen Niveau blieben, gab es in der Versuchsgruppe hier einen größeren Sprung (Abbildung 2). Die erwartete geringere Stressreaktion bei den Kälbern aus der frühen Gruppenhaltung blieb zumindest gemäß dem Speichelcortisolgehalt aus. Ein Grund kann das individuelle Umstallen sein. Obwohl die Kälber das Leben in der Gruppe und zum Beispiel den Tränkeautomaten früh kennengelernt haben, wurden sie aus ihren von Lebenstag 3 an bekannten Gruppen genommen und in eine (mitunter vollständig) unbekannte Gruppe integriert. Diese Trennung kann sich auf das Stressniveau ausgewirkt haben. Für die Kontrollgruppe ist der nicht verzeichnete Anstieg möglicherweise auf einen zu frühen Probenahmezeitpunkt zurückzuführen.
Was lag an im Gesundheitscheck?
Jeden zweiten bis dritten Tag wurden alle Kälber einem visuellen Gesundheitscheck unterzogen und nachfolgende Merkmale beobachtet: Allgemeinzustand, Husten, Nasenausfluss, Augen, Ohren, Kotverschmutzung und Nabel. Bewertet wurde, ob alles unauffällig war, also zum Beispiel kein Husten auftrat, oder ob es Auffälligkeiten gab, also zum Beispiel Husten beobachtet wurde.
Während der Versuchslaufzeit wurden rund 2.400 Beobachtungen innerhalb der Gesundheitschecks dokumentiert. Auch hier wird in der Auswertung wieder zwischen den ersten 14 Lebenstagen und der Aufzucht im Holsteiner Kälberstall unterschieden. Die Häufigkeit von Auffälligkeiten war in beiden Abschnitten nicht sehr hoch (Abbildung 3). Innerhalb der ersten 14 Lebenstage zeigten die Kälber der Versuchsgruppe jedoch häufiger dokumentierte Veränderungen im Nasenausfluss. Hier waren 25 % der 444 Beobachtungen als auffällig gekennzeichnet, während in der Kontrollgruppe nur 16 % der 438 Beobachtungen auffällig waren. Alle anderen Merkmale unterschieden sich nicht. Dies setzt sich auch in der weiteren Aufzucht im Holsteiner Kälberstall fort. Hier waren keine statistisch signifikanten Unterschiede ersichtlich. 
Vorteile für Tierwohl und Arbeitswirtschaft
Ziel des Projektes „InnoRind“ in der Futterkamper Kälberaufzucht war die Bewertung einer frühen Gruppenhaltung gegenüber dem Standardverfahren, der Aufzucht im Einzeliglu. Die recht umfangreiche Datenerfassung macht eine solide Einschätzung möglich und lässt erkennen, dass die frühe Gruppenhaltung keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit oder Leistung der Kälber zeigt. Überraschend war jedoch die stärkere Stressreaktion bei Umstallung der Kälber aus der frühen Gruppenhaltung in die weitere Aufzucht. Trotz dieses Umstands war der subjektive Eindruck, dass die Kälber sich schneller an die neue Umgebung gewöhnten und insgesamt unbeeindruckter in diesen Aufzuchtabschnitt starteten. Diese subjektiven Eindrücke sind genau die, die sich nicht zwingend durch die Zahlen belegen lassen. Die frühe Gruppenhaltung ermöglicht den Kälbern zu einem frühen Zeitpunkt im Leben das räumlich uneingeschränkte Ausüben von Sozialverhalten und regt zu mehr Aktivität an. Neben diesen eindeutigen Vorteilen für das Tierwohl sind insbesondere durch den Einsatz des Tränkeautomaten auch arbeitswirtschaftliche Vorteile erkennbar, denn es fällt Zeit für das Befüllen und Reinigen der Nuckeleimer weg. Außerdem lässt sich das hier konzipierte Gruppenhaltungssystem leicht im Rein-Raus-Verfahren betreiben und vollständig zum Misten, Reinigen und Desinfizieren abbauen beziehungsweise bei Bedarf durch Vergrößerung des Auslaufs auch noch erweitern.
Fazit
Das gängige Verfahren der Einzelaufzucht von Kälbern während der ersten 14 Lebenstage wird zunehmend hinterfragt. Das Projekt „InnoRind“ ermöglichte am Standort Futterkamp die umfangreiche Untersuchung einer alternativen Aufzuchtweise. Die frühe Gruppenhaltung hatte im Vergleich zum Einzeliglu keine negativen Auswirkungen auf die Tiergesundheit und Aufzuchtleistung. Es zeigten sich insgesamt vitale und bewegungsfreudige Kälber mit ausgezeichneten täglichen Zunahmen von mehr als 1.110 g innerhalb der Tränkephase. Trotz dieser umfangreichen Datenerfassung und Auswertung bleibt die langfristige Bewertung der frühen Gruppenhaltung noch aus. Innerhalb dieser werden weiterhin Routinedaten wie die Tränkeaufnahmen und Gewichtszunahmen gesammelt und ausgewertet.
Eine Erntekrone für den Deutschen Bundestag bindet man nicht alle Tage. Entsprechend gut vorbereitet trafen sich in der vorigen Woche Mitglieder des Landesvorstandes und des Agrarausschusses sowie Landjugend-Geschäftsführerin Karen Stender, um gemeinsam die diesjährige Erntekrone des Landjugendverbandes zu fertigen.
Los ging es am späten Nachmittag bei Tessa Nafziger in Alt Duvenstedt, Kreis Rendsburg-Eckernförde, im Stallgebäude. Da es im Stall selbst kein Licht gab, sorgten kurzerhand aufgestellte Akkustrahler für die notwendige Erleuchtung. Auch sonst war bereits im Vorfeld einiges organisiert worden. Getreidemengen und benötigtes Material wurden abgestimmt und Aufgaben verteilt. So standen Gartenscheren, Bindedraht und andere Utensilien ebenso bereit wie Gerste, Roggen und Weizen für die eigentliche Krone.
Tessa Nafziger und Mirco Engelbrecht bereiten die Garben für das weitere Binden vor …
Eine besondere Rolle spielte in diesem Jahr der Brandschutz. Schließlich soll die fertige Erntekrone später im Deutschen Bundestag hängen und muss entsprechend hohe Anforderungen erfüllen. Das Getreide wurde daher nach den geltenden Vorgaben mit Brandschutzmittel imprägniert und der Vorgang sorgfältig dokumentiert. Praktisch, wenn sich in den eigenen Reihen auch Ehrenamtliche aus der Feuerwehr finden, die das Vorgehen fachkundig begleiten und bestätigen können.
Dann war vor allem Handarbeit gefragt. Denn eine Erntekrone zu binden sieht einfacher aus als es tatsächlich ist. Zum Glück gab es in der Runde erfahrene Lajus, die wussten, worauf es ankommt, und die anderen anleiten konnten. Mit vielen helfenden Händen ging die Arbeit schließlich gut voran. Zwischendurch sorgte eine gemeinsame Pizzapause für die nötige Stärkung.
Wie die fertig verzierte Krone aussieht, wird an dieser Stelle allerdings noch nicht verraten. Ihren großen Auftritt bekommt sie am 7. Oktober, wenn eine Delegation des Landjugendverbandes zur feierlichen Übergabe nach Berlin reist. Im Rahmen der Übergabe stehen dann auch Einblicke in den Bundestag und Gespräche mit Abgeordneten auf dem Programm. Sicherlich wird die Landjugend dabei neben der Erntekrone auch die eine oder andere Frage und politische Forderung im Gepäck haben.
… ebenso wie Laura Stolley aus dem Agrarausschuss.
So verbindet die Aktion auch in diesem Jahr gelebte Tradition mit dem Blick nach vorn. Die Erntekrone steht für Dankbarkeit und die Wertschätzung landwirtschaftlicher Arbeit. Ihre Übergabe bietet zugleich die Gelegenheit, mit der Politik über die Zukunft der Landwirtschaft und des ländlichen Raums ins Gespräch zu kommen.