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200 Mio. € für den klimaangepassten Waldumbau

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Die Fördermittel für das Förderprogramm Klimaangepasstes Waldmanagement (KWM) werden ab Januar 2027 um mehr als 50 auf 200 Mio. € jährlich aufgestockt.

Ziel des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) ist es, die Förderung der klimaresilienten Waldbewirtschaftung mithilfe des Programms auf mindestens 2 Mio. ha auszuweiten. Private und kommunale Waldbesitzende können seit wenigen Tagen wieder Erstanträge für eine Förderung ab dem 1. Januar 2027 bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) stellen.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sagte zu dem Förderprogramm: „Unser Wald ist ein Stück Heimat. Ihn für morgen zu schützen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die uns alle verbindet. Um leistungsstarke und klimaresiliente Wälder zu erhalten, braucht es eine stabile und verlässliche Förderung für die vielen privaten und kommunalen Waldbesitzer. Mit ihrem Engagement und ihrem großen Interesse am Förderprogramm zeigen sie, dass sie Verantwortung für die Zukunft unserer Wälder übernehmen und sie fit für den Klimawandel machen, und zwar über Jahrzehnte hinweg, als Generationenprojekt. Wir stocken die Mittel für das Programm auf – das ist eine große Chance für den aktiven Waldumbau hin zu klimaresilienten, produktiven und artenreichen Mischwäldern. Das Förderprogramm schafft zusammen mit den GAK-Waldfördermaßnahmen die Voraussetzung dafür, dass unsere Wälder als wichtige Kohlenstoffspeicher erhalten bleiben, wichtige Ökosystemleistungen erbringen und den Nachwachsenden Rohstoff Holz auch kommenden Generationen zur Verfügung stellen können.“

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) ergänzte: „Klimastabile Wälder helfen als natürliche Wasser- und Kohlenstoffspeicher. In heißen Sommern, wie wir sie immer häufiger erleben, sind sie eine natürliche Klimaanlage und kühlen die Umgebung. Damit das so bleibt, müssen wir in den Waldumbau investieren, das ist eine Generationenaufgabe. Viele Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer wollen ihre Wälder aktiv an den Klimawandel anpassen und begreifen die Natur als ihre Verbündete. Mit der Aufstockung des Programms ermöglichen wir deshalb neue Anträge und geben Wald- und Forstbetrieben die Unterstützung, die sie brauchen. Jeder Hektar, der nach den Kriterien des klimaangepassten Waldmanagements bewirtschaftet wird, stärkt die natürlichen Funktionen der Wälder, mit denen sie für ein gesundes Klima sorgen. So sichern wir Wälder als wertvolle natürliche Lebensräume für die Zukunft.“

Herausforderungen durch Klimawandel

Immer häufiger auftretende Extremwetterereignisse, wie Dürre und Starkregen, sowie Insektenkalamitäten und Waldbrände führen zu einem immensen Handlungsbedarf bei der Klimaanpassung der heimischen Wälder.

Mit dem im Jahr 2022 gestarteten Förderprogramm Klimaangepasstes Waldmanagement hat das BMLEH erstmals eine langfristige Förderung geschaffen, die zusätzliche Klimaschutz- und Biodiversitätsleistungen im Wald finanziert und honoriert. Seit dem Jahr 2024 wird das Programm aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) durch das BMUKN finanziert. Beide Bundesministerien unterstützen seither gemeinsam Waldbesitzende bei der Anpassung ihrer Wälder an den Klimawandel. Das Programm richtet sich sowohl an Kommunen wie auch an private Waldbesitzende.

Nachfrage durch Waldbesitzer

Das Programm wird von Waldbesitzenden stark nachgefragt und in der Fläche sehr gut angenommen. Deshalb werden über das ANK jetzt weitere Mittel zur Verfügung gestellt. Insgesamt konnte bisher über ein Fünftel des Privat- und Kommunalwaldes in Deutschland erreicht werden. Dies entspricht einer förderfähigen Waldfläche von knapp 1,7 Mio. ha. Davon liegen zirka 60 % im Körperschaftswald und 40 % im Privatwald. Mit der Aufstockung der Mittel sollen künftig mindestens 2 Mio. ha Wald in Deutschland durch die KWM-Förderung klimaresilient bewirtschaftet werden.

Erstanträge für eine Förderung können seit dem 1. Oktober 2026 wie bisher über den Online-Antrag auf der Webseite des Förderprogramms an die FNR gerichtet werden. Die Förderung von Erstanträgen erfolgt ab dem 1. Januar 2027. Alle weiteren Informationen zum Start und zum Ablauf des Antragsverfahrens sind ebenfalls auf der Webseite des Programms zu finden.

Zukunft ist eine innere Entscheidung

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„Die LandFrauen haben mich stark gemacht – durch Seminare, Qualifikationen und ganz besonders durch das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben“, erklärt Claudia Jürgensen.

Seit 2015 engagiert sich die Jübekerin ehrenamtlich im Präsidium des LandFrauenVerbandes. Dort macht sie sich für die Vereinsarbeit, vor allem aber für die Gemeinschaft stark. Nun hat sie sich schweren Herzens dazu entschlossen, ihr Amt in der Vertreterinnenversammlung am 24. März niederzulegen.

Seit nahezu zwölf Jahren ist der Kalender von Claudia Jürgensen prall gefüllt mit LandFrauenterminen. „Das ist auch gut so, denn so konnte ich vieles von dem, was die LandFrauen mir gegeben haben, auch zurückgeben“, ergänzt sie. Nach den ersten beiden Jahren im Präsidium folgten sechs Jahre Vizepräsidentinnenschaft. 2023 trat sie zur Wahl der Präsidentin an, nachdem ihre Vorgängerin Ulrike Röhr in ihrer laufenden Amtsperiode ausschied. Dieses Engagement war für Claudia Jürgensen stets selbstverständlich, aber es kostete auch Kraft.

„Während meiner Zeit als Präsidentin hat sich in meinem privaten Umfeld sehr viel verändert“, erzählt sie. „Gemeinsam mit meinem Mann bin ich betriebstechnisch noch einmal durchgestartet, habe meinen Status von der mitarbeitenden Familienangehörigen zur Unternehmerin gewechselt. In diese Zeit fiel leider auch der Abschied von vier mir sehr nahestehenden Menschen. Drei von ihnen habe ich zusammen mit meinem Mann gepflegt. Kurzum: Ich habe bei Pflege und Abschied sehr viel Kraft gelassen und gleichzeitig mit meinem Mann ein Herzensprojekt für unsere zweite Lebenshälfte aufgebaut.“ Und wer Claudia Jürgensen kennt, der weiß, dass für sie die Qualität zählt und nicht die Quantität. Gleich zwei Projekte mit Herzblut zu füllen, ist aus diesem Grund nicht mehr zu schaffen. Deshalb fällte sie ihre Entscheidung, vom Amt der Präsidentin in der laufenden Amtsperiode zurückzutreten.

Bei dieser schwierigen Entscheidung hat ihr eines sehr geholfen: die Zuversicht, dass ihr Frauen nachfolgen werden, die mit genau dem gleichen Herzblut und mit neuen, eigenen Ideen die Verbandsarbeit nach vorn bringen.

„Zukunft ist eine innere Entscheidung“ – das hat der Zukunftsforscher Matthias Horx einmal gesagt, und auch die Präsidentin hat ihre Entscheidung mit Blick in die Zukunft getroffen. „Zum einen geht es mir um die Zukunft des Verbandes, zum anderen um meine persönliche Zukunft“, sagt sie. „Mit meinem vorzeitigen Rücktritt schaffe ich für die Frauen in den nachzubesetzenden Posten die Möglichkeit, in die Vorstandsarbeit hineinzuwachsen – so, wie es vor vielen Jahren auch bei mir gewesen ist.“

Unterwegs an der Flensburger Förde

Auftakt zur Sitzung des Gesamtvorstands

Zur Sitzung des Gesamtvorstands war der LandFrauenVerband Schleswig-Holstein e. V. in diesem Herbst zu Gast bei Neubauer Touristik. Das in Flensburg ansässige Familienunternehmen ist bereits seit vielen Jahren treues Mitglied im Verein zur Förderung der Weiterbildung im LandFrauenVerband Schleswig-Holstein e. V. Bevor die Gremienarbeit begann, stand eine gemeinsame Fahrt entlang der Flensburger Förde auf dem Programm.

Los ging‘s am romantischen Wasserschloss des Ostseebades Glücksburg. Von dort aus schlängelt sich die Straße oberhalb des Wassers durch den herbstlichen Wald. Rechter Hand gibt es immer wieder freie Sichtachsen auf die Ostsee.

Der Gesamtvorstand des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein e. V. zu Gast bei Neubauer Touristik Foto: lfv

Vorbei am historischen Flottenkommando, dem exklusiven Fünf-Sterne-Hotel Alter Meierhof, dessen Küche zu den besten des Landes zählt, passierten wir auch das „Rote Schloss am Meer“. In der heutigen Offiziersschule der deutschen Marine wurde am 23. Mai 1945 das letzte Kapitel des Deutschen Reiches zugemacht: Die britische Besatzungsmacht verhaftete die letzte Reichsregierung unter Großadmiral Karl Dönitz.

Wir durchquerten Hafen und Altstadt und fuhren am Westufer Richtung dänische Grenze. Reiseleiter Knut führte aus, wie die Kultur der Region durch den Nachbarn Dänemark geprägt ist. Bis zu 20 % der Bevölkerung gehören hier der dänischen Minderheit an. Die Region gilt heute als Beispiel für einen konstruktiven Umgang mit nationalen Minderheiten. Die dänische Kultur ist fest verankert: Es gibt dänische Schulen und Kindergärten, Vereine und Theater.

Unser Weg ging nun auf dänischer Seite auf dem Fjordvejen direkt am nördlichen Ufer der Förde weiter. Die Panoramastraße durch die sanfte Hügellandschaft schenkte uns immer wieder malerische Blicke auf das tiefblaue Fördewasser, vorbeiziehende Segelboote und die deutsche Küste im warmen Herbstlicht.

Der Reiseleiter führte uns unterhaltsam und kompetent durch historische Besonderheiten, Landeskunde, Kultur und Wirtschaft der Region an der Flensburger Förde. Die zweistündige Busfahrt hatte beinahe den Erholungswert eines Kurzurlaubs, und so starteten alle frisch und gut gelaunt in die anschließende Gremiensitzung.

Dr. Judith Bühlmeier

Rinderbestände: Können wir mit stabilen Preisen rechnen?

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Die Rinderbestände in der EU laufen in ganz unterschiedliche Richtungen. Die größte „Rinder-Nation“ der EU ist nach wie vor Frankreich. Gleichzeitig ist dies auch das einzige Land in der EU mit erneut deutlich kleineren Rinderbeständen im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland, Polen und Italien setzt eine leicht positive Seitwärtsbewegung ein, während es in Spanien und Irland zu einem deutlichen Bestandsaufbau kommt. Somit stabilisiert sich der Rinderbestand der EU nach langen Jahren des Bestandsabbaus auf einem niedrigen Niveau und kann sogar einen leichten Zuwachs von 400.000 Tieren auf nun 73,4 Millionen verzeichnen. Dies verschafft der Vermarktungs- und Verarbeitungsebene in der EU zwar wieder etwas mehr Planungssicherheit, von einer Trendwende kann aber noch nicht die Rede sein, im Gegenteil. In den aktuellen Prognosen der EU-Kommission wird nach einer kurzen Verschnaufpause weiterhin mit einem strukturwandelbedingten Bestandsabbau gerechnet, wenn auch nicht so stark wie in den vergangenen Jahren.

Trendwende für die weltweiten Bestände

Weltweit gesehen sieht es aktuell in den großen exportorientierten Erzeugerländern sehr unterschiedlich aus. In den USA war zum Jahresbeginn noch ein deutlicher Rückgang von 500.000 Rindern im Vergleich zum Vorjahresstichtag zu verzeichnen. Zum ersten Juli dieses Jahres lagen die Bestandszahlen aber schon wieder 200.000 Rinder über den Zahlen von Juli 2025. Auffällig ist, dass dieser Zuwachs zu einem großen Teil auf Remontierungsfärsen entfällt. Somit sind hier deutliche Anzeichen für einen Wendepunkt im Rinderzyklus vorhanden. Bis dies allerdings in steigenden Schlachtzahlen deutlich wird, werden noch zwei weitere Jahre vergehen. In Brasilien sieht es ähnlich aus. Auch hier werden nach Jahren der Bestandsrückgänge aktuell wieder steigende Tierzahlen gemeldet. Die aktuellen Prognosen des USDA gehen davon aus, dass der brasilianische Rinderbestand im Jahr 2028 wieder auf dem 2024er Niveau von 238 Millionen Tieren ist. Interessant sind auch die deutlichen Bestandsreduzierungen in China. Hier rechnet man aufgrund der fehlenden Rentabilität der Rindfleischproduktion in Kombination mit niedrigpreisigen Importen aus Brasilien erst 2028 mit einer Stabilisierung. Steigerungen scheinen kaum realisierbar. Ähnlich der EU verhält sich die Entwicklung der Rinderbestände in Australien. Hier hat es in diesem Jahr zwar aufgrund der freundlicheren Witterungsbedingungen eine Steigerung gegeben, dennoch rechnet man langfristig aufgrund des Strukturwandels und der schwierigen Klimaverhältnisse mit einem kontinuierlichen Rückgang der Rinderbestände dort.

Was bedeutet das für den ­Rindfleischpreis?

Für 2026 und 2027 wird sich weltweit gesehen die relativ knappe Versorgungslage fortsetzen. Das Preisniveau auf dem Weltmarkt bleibt hoch. Ab dann wird sich das Angebot deutlich ausweiten, was die Preise zunehmend ausbremsen dürfte. Entscheidend für den Weltmarkt ist hier die Entwicklung in Brasilien, dem weltweit größten Rindfleischexporteur. Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass dann auch innerhalb der EU mit fallenden Rindfleischpreisen zu rechnen ist, sondern nur dass der Weltmarkt als Preisstütze wegfällt. Der EU-Rindfleischmarkt hat einen Selbstversorgungsgrad von zirka 107 %. Die Drittländer haben einen Marktanteil von gut 7 %. Somit spielt der Weltmarktpreis für die Rinderhalter in der EU keine allzu große Rolle. Die prognostizierten Bestandsrückgänge in der EU dürften eine stabile Preisstütze darstellen.

Wolfsrisse legten deutschlandweit stark zu

Die Wolfsrisse an Nutztieren haben in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen: Die Zahl der getöteten, verletzten und vermissten Tiere verfünffachte sich von 737 (2015) auf 3.783 im Jahr 2025.

Eine überwiegende Mehrheit der Risse betraf Schafe (3.167), gefolgt von Gehegewild (303), Rindern (166), Ziegen (110) und anderen Tieren wie Pferden und Alpakas (37). Die höchste Anzahl an Nutztierrissen verzeichnete Niedersachsen, wo auch die meisten Wölfe ansässig sind, gefolgt von Brandenburg und Sachsen. Auch das Saarland und die Stadtstaaten Bremen und Hamburg meldeten Wolfsrisse, obwohl dort noch keine dauerhaft lebenden Wölfe bekannt sind.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 990 Wolfsübergriffe (teils mit mehreren gerissenen Tieren) durch die Bundesländer an die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gemeldet; 2015 waren es 199 Übergriffe.

Grafik: BLE

Ein 100%iger Schutz vor Wolfsrissen ist in der Weidetierhaltung nicht möglich – aber ein geeigneter wolfsabweisender Herdenschutzzaun kann Übergriffe reduzieren. Das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf (BZWW) hat dazu aktuelle Empfehlungen veröffentlicht, die kostenfrei im Internet abrufbar sind unter www.ble-medienservice.de/empfehlungen-wolfsabweisen​de-herdenschutzzaeune.html

Die Infografik sowie Informationen etwa über neue Entwicklungen im Herdenschutz in der Bundespolitik und in den Bundesländern oder zum Wolfsmanagement in anderen Ländern sind zu finden unter www.bzww.de

Erntekrone schmückt Kieler Landtag

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Anlässlich des Erntedanks hat der Kreislandjugendverband (KLV) Plön eine Erntekrone im Schleswig-Holsteinischen Landtag übergeben. Mit der traditionellen Krone brachte der Verband nicht nur die Verbundenheit mit der Landwirtschaft zum Ausdruck, sondern rückte zugleich die Bedeutung des Ehrenamts und des ländlichen Raums in den Mittelpunkt.

Als Zuschauer durften die Landjugendlichen an der letzten Debatte des Tages im Landtag live dabei sein, bevor die Zeremonie der Übergabe begann. Die Erntekrone steht dabei sinnbildlich für die Arbeit vieler Menschen: für die Landwirtschaft, die ländlichen Räume und die Gemeinschaft, aber auch für die vielen ehrenamtlich engagierten Menschen, die ihre Freizeit einsetzen, damit Veranstaltungen, Vereine und das gesellschaftliche Leben in den Dörfern funktionieren. Zur Wertschätzung dieser Arbeit wurde mit zahlreichen Abgeordneten das Lied „Wir pflügen und wir streuen“ gesungen.

In der Übergabe wurde auch auf die Herausforderungen der Landwirtschaft im vergangenen Anbaujahr hingewiesen. Unterschiedliche Witterungsbedingungen von Nässe über Trockenheit und Hitze bis hin zu regionalen Unwettern führten zu sehr unterschiedlichen Ernteergebnissen. Gleichzeitig richtete sich der Blick auf die Zukunft der Landwirtschaft. Themen wie Hofnachfolge, Fachkräftegewinnung, Digitalisierung und Innovation spielen für die junge Generation eine wichtige Rolle. Damit junge Menschen landwirtschaftliche Betriebe übernehmen und weiterentwickeln können, wünschen sie sich verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichende Gestaltungsmöglichkeiten.

Die Landjugendlichen des KLV Plön banden gemeinsam mit den Selenter LandFrauen zwei Erntekronen. Foto: klv

Einen besonderen Stellenwert nahm das Ehrenamt ein. Gerade im ländlichen Raum ist es ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Landjugend engagiert sich in Vereinen und Verbänden, organisiert Veranstaltungen, unterstützt Gemeinden und schafft Begegnungsmöglichkeiten. Viele dieser Aufgaben werden nach Feierabend, am Wochenende oder in der Freizeit übernommen – häufig, ohne dass die dahinterstehenden Stunden und die geleistete Arbeit nach außen sichtbar werden.

Ein besonderes Zeichen für Gemeinschaft war auch die Zusammenarbeit mit den LandFrauen. Die Erntekrone wurde gemeinsam mit den LandFrauen aus Selent gebunden, deren Krone für den Kreistag in Plön vorgesehen war. Dabei unterstützten sich beide Gruppen gegenseitig beim Binden der Kronen und bei der Beschaffung und Verwendung der benötigten Rohstoffe. Die gemeinsame Arbeit zeigt zudem, wie wichtig das Zusammenspiel verschiedener ehrenamtlicher Gruppen im ländlichen Raum ist.

Im Anschluss an die Übergabe fand ein informativer Austausch mit Abgeordneten des Schleswig-Holsteinischen Landtages statt. Dabei wurden sowohl ehrenamtliche als auch agrarpolitische Themen angesprochen und Erfahrungen aus der Praxis geteilt.

Mit der Erntekrone bleibt so mehr als ein traditioneller Schmuck im Landtag zurück. Die gemeinsame Aktion machte deutlich: Wo viele Hände zusammenarbeiten, kann Gemeinschaft bewegt und gestaltet werden.

Vielfalt des Figurentheaters sichtbar machen

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„Pole Poppenspäler“ – so lautet der Titel einer Novelle von Theodor Storm aus dem Jahr 1874. Diese Novelle ist passenderweise auch Namensgeber für das jährlich stattfindende internationale Figurentheater-Festival in Husum. In diesem Jahr fanden die Pole Poppenspäler Tage vom 18. bis 27. September bereits zum 42. Mal statt und zogen wieder gut 3.000 kleine und große Besucher in ihren Bann.

„Ein Sommernachtstraum“, „Der Fall Hamlet“, „Der kleine Prinz“ oder auch „Deutschland. Ein Wintermärchen“ – klassische Stoffe und Geschichten sind jedes Jahr Bestandteil der rund 40 Inszenierungen, immer wieder neu erzählt und überraschend anders. Aber sie zeigen auch, dass Figurentheater und Puppenspiel anspruchsvoll und sehr viel mehr sind als nur lustiges Kasperletheater. „Die Künstler greifen in ihren Darbietungen durchaus ernste sowie aktuelle gesellschaftliche Themen auf, befassen sich mit historischen Stoffen, und auch die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus findet immer wieder einen Raum“, erzählen Prof. Maria Leuker-Pelties und Birgit Empen vom Vorstandsteam des Pole Poppenspäler Förderkreises. So wurde in diesem Jahr im Stück „Deus Rising“ im Rat der Götter der unaufhaltsame Aufstieg der Menschheit verhandelt, oder in „Queer Papa Queer“ der Kampf um Akzeptanz, Lebensmut und Zerrissenheit thematisiert. Immer wieder bilden Märchen wie „Hänsel und Gretel“, „Vom Fischer und seiner Frau“, „Rapunzel“ oder „Hans im Glück“ die Basis für das Figurenspiel. Mit selbst gebauten Puppen, Marionetten, Handpuppen, Schattenspielen in fantasievollen Kulissen und Kostümen lassen die Künstler aus Deutschland und dem europäischen Ausland die Geschichten lebendig werden, verzaubern, regen an, stimmen nachdenklich, bringen die Zuschauenden zum Lachen, Weinen, Schmunzeln, Staunen, und sie inspirieren Groß und Klein.

Prof. Maria Leuker-Pelties und Birgit Empen (v. li.) gehören zum Vorstandsteam des Förderkreises.
Foto: Iris Jaeger

Besonders Kinder sollen mit dem Puppenspiel angesprochen und auf diese Weise an Kunst und Kultur herangeführt werden, „das war eine Bedingung der beiden Begründerinnen des internationalen Figuren-Festivals in Husum, Gisela Sobeczko und Gisela Terheggen, die die Pole Poppenspäler Tage 1981 etablierten“, erzählt Leuker-Pelties. Bis heute sei dies in der Satzung des 1983 gegründeten Förderkreises festgeschrieben: „Zwecke des Vereins sind die Förderung von Kunst und Kultur sowie die Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studierendenhilfe […]. Der Satzungszweck wird wie folgt insbesondere verwirklicht: Der Verein fördert das Figurenspiel als Theaterform in seiner Ganzheit, ebenso den Einsatz dieses Mediums im musisch-pädagogischen Bereich. Ihm ist wichtig, Anleitungen zum Spielen und Anregungen zum schöpferischen Gestalten zu geben.“

Ein zeitloser Klassiker war dieses Jahr „Der kleine Prinz“, aufgeführt vom Figurentheater Weidringer, Erfurt.
Foto: Figurentheater Weidringer

Und so finden neben den Abend- und Familienvorstellungen auch Kindervorstellungen für Kitas und Schulen statt, in denen die Kinder mit in das Spiel integriert werden, sowie Workshops und Projekte, in denen die Kinder zum Beispiel Puppenbau und Puppenspiel lernen oder mit Spielfiguren und Kameras auf Spurensuche gehen. „Und trotz der neuen Medien und im Zeitalter von Smartphones und Social Media lassen sich die Kinder auf das Spiel und das Anfertigen der Puppen ein, fangen an zu spielen, sich gegenseitig zu jagen, zu verstecken, herumzukaspern. Der Fantasie und Kreativität sind dann keine Grenzen gesetzt, das ist jedes Mal wieder schön zu beobachten“, erzählt Birgit Empen. Seit 1984 veranstaltet der Förderkreis komplett ehrenamtlich jedes Jahr Ende September das zehntägige Festival mit an die 40 Vorstellungen von professionellen Puppenbühnen aus dem In- und Ausland und macht damit die Vielfalt des Figurentheaters sichtbar. Viele dieser Puppenbühnen kommen seit Jahren immer wieder, „einige neue Ensembles oder Spieler fragen bei uns an oder machen uns auf Künstler aufmerksam“.

Blick ins Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum mit Figuren, Requisiten und Materialien zur Geschichte des Figurentheaters
Foto: Iris Jaeger

„In den 42 Jahren hat sich das Figurentheater-Festival in Husum in der Puppenspielerszene etabliert und sich ein Renommee erarbeitet“, erzählen die beiden. 1993 eröffnete das Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum die Pforten, in dem die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaute Figurentheater-Sammlung des Pole Poppenspäler Förderkreises ausgestellt wird. Viele der mehr als 1.500 Exponate stammen aus Inszenierungen, die beim Festival gespielt wurden. Der vierköpfige Vorstand wird von einem Arbeitskreis mit rund zwei Dutzend Aktiven unterstützt, die mit Begeisterung und Herzblut ihre Fähigkeiten und Zeit in das Organisieren und Durchführen der Pole Poppenspäler Tage einbringen, die Festspielidee mit Leben füllen. Das Organisieren erfordere viel Arbeit und Engagement. Vom Aufstellen des Spielplans, dem Buchen und Betreuen der Puppenspiel-Ensembles, dem Aufbau der Bühnen über das Bereitstellen und Organisieren von Unterkünften und Spielstätten, das Beantragen von Fördermitteln, Pressearbeit bis hin zum Kartenverkauf, der dieses Jahr erstmals auch online möglich war, reicht die vielfältige Aufgabenpalette.

Szene aus „Die Abenteuer der kleinen Gans Adele oder Gänschen klein ging allein“, des Kobalt Figurentheaters Lübeck 
Foto: Anemel

„Auch gilt es ständig zu überlegen, wie man ein jüngeres Publikum erreichen kann, wie man die Arbeit so organisiert, dass wir zukunftsfähig werden und bleiben“, erklären die beiden, die mit ihrem Vorstandsteam dabei sind, einen Generationswechsel einzuleiten. Das sei nicht einfach, da die Aufgaben immer anspruchsvoller würden und es schwer sei, noch Ehrenamtliche für die Mitarbeit zu gewinnen. „Aufgaben, die früher selbstverständlich übernommen wurden, lassen sich heute nur schwer besetzen“, wissen beide aus Erfahrung. Die Anforderungen seien gestiegen, gleichzeitig sei die verfügbare Zeit der Menschen knapper. Als Verein müsse man sich weiterentwickeln, „somit laden wir alle, die Interesse haben, herzlich ein, in dieser tollen Gemeinschaft mitzumachen, hineinzuwachsen und die Freude an der gemeinsamen Gestaltung mitzuerleben.“ Weitere Informationen unter
www.pole-poppenspaeler.de

Die Bühne und Figuren der Inszenierung „Arche Noah“ wurden dem Förderkreis im März 2024 als Schenkung überlassen.
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger


Abkalben in der Gruppe

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Als bundesweites Verbundprojekt untersuchte das „Innovationsnetzwerk Rind“, kurz „InnoRind“, Maßnahmen für eine zukunfts­fähige und tiergerechte Rinderhaltung. Im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) der Landwirtschaftskammer wurde während der ­Projektlaufzeit unter anderem das Thema der Gruppenabkalbung bearbeitet.

Zur Untersuchung dieser Fragestellung wurden der bestehende Abkalbebereich großzügig umgebaut und Gruppenabkalbebuchten etabliert.

Gestaltung der Gruppenabkalbebuchten

Für die Gruppenabkalbungen wurden zwei Buchten in gleicher Ausgestaltung genutzt. Insgesamt standen in jeder dieser Buchten rund 88 m² inklusive sichtgeschütztem Rückzugsbereich zur Verfügung. Der Sichtschutz wurde an drei Seiten des Rückzugsbereiches eingesetzt, die offene Seite mit Behandlungs-Fress-Gitter und Personenschlupf zeigt zum Futtertisch. Bei Bedarf kann der stets geöffnete Bereich kurzfristig verschlossen werden. Die mittlere Gruppengröße lag während der Versuchslaufzeit (März 2024 bis Februar 2025) bei vier Mehrkalbskühen beziehungsweise vier Färsen.

Der Versuchsablauf

Kühe und Färsen einer Gruppe wurden rund drei Wochen vor dem errechneten Kalbetermin gemeinsam in eine der Gruppenabkalbebuchten eingestallt. Erstkalbende und Mehrkalbskühe blieben zur Vermeidung von Rangordnungskämpfen jeweils in getrennten Gruppen. Nach der Kalbung wurde jedes Tier zur nächsten Melkzeit aus der Gruppenabkalbebucht in einen weiteren Strohbereich im Abkalbestall umgestallt.

Zur Bewertung der Gruppenabkalbebuchten wurden verschiedene Merkmale erfasst, die unter anderem dem Vergleich mit dem vorherigen Standardverfahren der Einzelabkalbung dienten. Die Kalbungen in der Gruppenabkalbebucht wurden für die Auswertung als Versuchsgruppe zusammengefasst, die Kalbungen in der Einzelbucht dienten wiederum als Kontrollgruppe. Der Fokus der Auswertung lag vor allem in der Bewertung des Abkalbeortes innerhalb der Gruppenabkalbebucht, im Speziellen darin, ob die Kalbinnen den vorgesehen Rückzugsbereich aufsuchten oder nicht. Dafür wurden sowohl direkte Beobachtungen während der Kalbung dokumentiert als auch Videoaufnahmen ausgewertet.

Weitere Merkmale wie der Kalbeverlauf, der Gesundheitsstatus im peripartalen Zeitraum sowie die Leistungsmerkmale der folgenden Laktation wurden berücksichtigt und zwischen der Versuchs- und Kontrollgruppe verglichen.

Insgesamt wurden 150 Kalbungen innerhalb der Versuchslaufzeit beobachtet. Rund 68 % der 150 Kalbungen erfolgten in der Gruppenabkalbebucht, somit sind 102 Kalbungen der Versuchsgruppe und 48 Kalbungen der Kon­trollgruppe zuzuordnen. Die Verteilung der Tiere auf die Laktationsnummern ist in der Tabelle aufgeführt. Für die Auswertung wurden die Laktationsnummern 2 bis 9 zusammengefasst.

Für die Auswertung des Kalbeortes wurden die Videoaufnahmen von 62 Kalbungen berücksichtigt. Ausgeschlossen wurden die Kalbungen, für die keine Videoaufnahmen vorlagen (n = 22 Kalbungen), sowie Kalbungen, während derer der jeweilige Rückzugsort nicht zugänglich war (n = 18 Kal­bungen). Alle weiteren Merkmale wurde für alle 150 Kalbungen bewertet, sodass für die Milchleistung 13.564 Kuhtage in der Kontroll- und 29.381 Kuhtage in Versuchsgruppe berücksichtigt wurden. Fett- und Eiweißgehalte lagen für insgesamt 1.382 Kuhtage (Kontrollgruppe: 430 Kuhtage, Versuchsgruppe: 952 Kuhtage) vor. Die Auswertung erfolgte über linear gemischte Modelle und berücksichtigte die Effekte des Beobachtungstags, der Abkalbebucht (Versuchsgruppe, Kontrollgruppe), die Laktationsnummer und die Laktationskurve.

Der Rückzugsbereich ist zu drei Seiten sichtgeschützt.

Kalbeort und Kalbeverlauf

Insgesamt wählten rund 41,9 % der Kühe und Färsen der Versuchsgruppe den Rückzugsbereich zur Kalbung. In der weiteren Betrachtung wurden deutliche Unterschiede zwischen Erstkalbenden und Mehrkalbskühen deutlich. Wie in Abbildung 1 zu sehen, nutzte rund die Hälfte der Erstkalbenden den Rückzugsbereich zur Kalbung. Gleiches ließ sich auch für die Kühe zur zweiten Kalbung beobachten. Ab der dritten Kalbung nahm die Nutzung des Rückzugsbereiches jedoch deutlich ab. Mit nur noch 26,6 % suchte nur rund ein Viertel den Rückzugsbereich zur Kalbung auf. Ab der vierten Kalbung nahm die Nutzung wieder zu. Die zusätzliche Bewertung des Kalbeverlaufes zeigte, dass insgesamt nur 14 Kalbungen (vier in der Kontrollgruppe, zehn in der Versuchsgruppe) als „schwer“ klassifiziert wurden. In der Versuchsgruppe wurden nur zwei der als „schwer“ klassifizierten Kalbungen dem Rückzugsbereich zugeordnet. Durch die geringe Anzahl an Beobachtungen kann hier keine schließende Aussage getroffen werden.

Milchleistung, Fett- und Eiweißgehalte

Der Vergleich von Kontroll- und Versuchsgruppe zeigte keinerlei statistische Unterschiede in der täglichen Milchleistung (Abbildung 2). Auch die Milchqualität, gemessen an Fett- und Eiweißgehalt, zeigte keine relevante Variation zwischen den beiden Gruppen.

Häufigkeit von Behandlungen

Insgesamt wurden im Versuchszeitraum 121 Behandlungen an 64 Tieren der Versuchsgruppe durchgeführt. In der Kontrollgruppe waren es 55 Behandlungen an 28 Tieren. Die Verteilung der Behandlungen auf die Komplexe „Euter“, „Atemwege“, „Fruchtbarkeit“, „Klauen“ und „Stoffwechsel“ zeigte tendenziell mehr Euterbehandlungen in der Versuchsgruppe, aber mehr behandlungswürdige Stoffwechselerkrankungen in der Kontrollgruppe (Abbildung 3). Zu betonen ist, dass die Behandlungshäufigkeit vor allem in der zweiten Versuchshälfte zugenommen hat, da sich in diesem Zeitraum das Blauzungenvirus im Bestand ausbreitete. So wurden in der Versuchsgruppe rund 64 % der 121 Behandlungen rund 47 % der 55 Behandlungen in der Kontrollgruppe nach dem Nachweis des BTV3-Virus dokumentiert.

Fazit

Die Etablierung von Gruppen­abkalbebuchten hat sich im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp bisher bewährt. Auch wenn die Rückzugsbereiche in Teilen noch etwas schleppend genutzt werden, stehen sie den Tieren in den Buchten jederzeit zur Verfügung. Hier kann das natürliche Bedürfnis nach einem Rückzug zur Kalbung ausgelebt werden und so ein Mehrwert für die Tiergerechtheit und das Tierwohl in der Stall­umgebung erreicht werden. Der Einfluss auf Leistung und Gesundheit unterscheidet sich im Vergleich mit der Einzelabkalbung nicht. Dies zeigt, dass möglicherweise erwartete Probleme wie etwa Hygiene und Infektionsdruck hier kaum eine Rolle spielen. Entscheidend ist jedoch das Management der Gruppenabkalbebuchten.

Maiszünsler auf dem Vormarsch

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Noch vor wenigen Jahren war er ein eher seltener Gast in Schleswig-Holstein, wenn auch nicht gern gesehen: der ­Maiszünsler. Mittlerweile hat er sich deutlich ausgebreitet und ist weiter in den Norden vorgedrungen. Nun wurde auch die Bekämpfungsschwelle an den ersten Standorten in Schleswig-Holstein überschritten.

Für die Landwirte bedeutet das: Befall ermitteln, vorbeugende Maßnahmen einleiten und gegebenenfalls über einen Einsatz von Nützlingen im nächsten Jahr nachdenken.

Ertrag und Qualität in Gefahr

Der Maiszünsler ist nicht nur lästig, er kann auch deutliche Ertrags- und Qualitätseinbußen verursachen. Auch wenn es hierzu noch keine Ergebnisse aus Schleswig-Holstein gibt, wird aus anderen Bundesländern von Ertragseinbußen von 25 bis zu 30 % berichtet. Dabei ist die Höhe des wirtschaftlichen Schadens neben der Anzahl der Larven pro Pflanze beziehungsweise dem Anteil der befallenen Pflanzen auch von den Witterungsbedingungen abhängig. Zum einen wird die Wasser- und Nährstoffversorgung durch den Fraß der Larven beeinträchtigt. In Zeiten zunehmender Trocken- und Hitzeperioden kann sich der unterbrochene Assimilattransport bemerkbar machen. Zum anderen beeinträchtigen die Fraßgänge, Ein- und Ausbohrlöcher die mechanische Stabilität der Maispflanze und führen mitunter zum Abknicken der Stängel. Solange dies im oberen Stängelbereich geschieht, ist der Schaden gering. Gerade bei stärkeren Winden oder Stürmen, die für Schleswig-Holstein typisch sind, können die Pflanzen im unteren Bereich abbrechen und in der Ernte nicht mehr erfasst werden.

Die Larven des Maiszünslers bohren sich in das Stängelinnere und wandern im Laufe der Pflanzenentwicklung nach unten. In den unteren Stängelresten können sie überwintern.

Hinzu kommt ein zunehmender Pilzbefall mit dem vermehrten Auftreten des Maiszünslers. Besonders problematisch in diesem Zusammenhang ist der Befall mit Fusarienpilzen, der vor allem bei Einbohrlöchern am Kolben auch optisch gut sichtbar ist. Höhere Toxinbelastungen, die die Futterqualität erheblich mindern können, sind die Folge. Auch ein vermehrtes Auftreten von Maisbeulenbrand wurde bei einem Zünslerbefall beobachtet.

Befall im Blick behalten

Das Auftreten des Maiszünslers wird in Schleswig-Holstein mittels Pheromonfallen seit mehreren Jahren vom Pflanzenschutzdienst überwacht. Dabei wurden männliche Falter bereits in fast allen Kreisen gefunden. Pheromonfallen allein sind jedoch nicht aussagekräftig genug. Diese Feststellung wurde auch in diesem Jahr beim Maiszünsler-Monitoring gemacht. Abbildung 1 zeigt die Anzahl der gefangenen Falter an den Monitoringstandorten sowie den Anteil befallener Pflanzen mit typischen Symptomen wie abgeknickten Stängeln, Bohrmehl oder Fraßgängen vor der Ernte. Dabei wurde zum Teil auch an Standorten ohne Fänge in den Fallen im Juni oder Juli vor der Ernte ein Befall der Pflanzen festgestellt. Umgekehrt konnte an anderen Standorten trotz vorheriger Falterfänge kein Befall bonitiert werden. An acht Standorten wurden Falter gefangen, an sieben Standorten wurde Befall festgestellt. An zwei Standorten wurde sogar die Bekämpfungsschwelle überschritten.

Vor, während oder nach der Maisernte ist es wichtig, den Befall zunächst festzustellen. Starke Befallssymptome wie abgeknickte Stängel fallen schnell auf, aber nicht immer ist der Befall äußerlich so leicht zu erkennen. Dabei sollte man auch Ausschau nach Einbohrlöchern und Fraßmehl halten, nicht nur im Stängel, sondern auch am Kolben. Gelegentlich wird man schon beim Abschneiden einer augenscheinlich gesunden Pflanze von einer Larve im unteren Halm­abschnitt überrascht. Nach der Ernte kann ein Aufschneiden der Stoppeln Aufschluss über die Befallssituation und das weitere Vorgehen geben.

An den ersten Standorten im Kreis Herzogtum Lauenburg wurde die Bekämpfungsschwelle nun überschritten. Sie dient als Orientierung für einen möglichen Einsatz von Schlupfwespen im Folgejahr, sofern in der näheren Umgebung erneut Mais angebaut wird. Die Bekämpfungsschwelle gilt im Silomais als überschritten, wenn 30 % der Pflanzen einen Befall zeigen oder 30 bis 40 Larven in 100 Pflanzen gefunden werden. Um dies zu ermitteln, sollten an mehreren Stellen im Bestand insgesamt mindestens 25 Pflanzen entnommen werden, aufgeschnitten und gründlich untersucht werden.

Abgeknickte Stängel sind ein typisches Schadbild bei stärkerem Maiszünslerbefall. Besonders Bruch im unteren Stängelbereich kann zu Ernteverlusten führen.

Einsatz von Schlupfwespen

Der Einsatz von Schlupfwespen (Trichogramma brassicae) wurde in diesem Jahr bereits an einem Standort in der Nähe von Ratzeburg in einem ersten Tastversuch getestet (Abbildung 2). Die Ausbringung der kleinen Kugeln mit ungeschlüpften Trichogramma (220.000 Tiere je Hektar) erfolgte am 17. Juli händisch auf einer Fläche von 1 ha. Die Trichogramma schlüpfen anschließend in mehreren Wellen über zwei bis drei Wochen und parasitieren die Eigelege des Maiszünslers, sodass sich die Larven gar nicht erst entwickeln können. In dem Tastversuch wurde bei starkem Befall ein Wirkungsgrad von etwas über 40 % erreicht. Für ein erstes Ausprobieren, ohne den richtigen Einsatzzeitpunkt wirklich zu kennen, sind die Ergebnisse zufriedenstellend. Die große Herausforderung besteht darin, den richtigen Ausbringungstermin zu finden. Der Einsatz sollte zum Flughöhepunkt der Weibchen erfolgen. Mit den Pheromonen werden jedoch hauptsächlich die Männchen erfasst. Daher erfolgte der Einsatz in diesem Jahr womöglich etwas zu spät beziehungsweise sind bei einem so starken Befall, mit dem absolut nicht gerechnet wurde, sogar schon zwei Einsätze im Abstand von zirka 14 Tagen notwendig, um einen Wirkungsgrad von 70 bis 80 % oder mehr zu erreichen. Dies soll im nächsten Jahr getestet werden, dann allerdings mit dem Einsatz einer Drohne.

In kleinen Kugeln werden die Trichogramma-Schlupfwespen in dem Maisbestand ausgebracht. Nach dem Schlupf parasitieren sie die Eigelege des Maiszünslers und verhindern so die Entwicklung der Larven.

Stoppeln konsequent bearbeiten

Was auf jeden Fall nach der diesjährigen Ernte erfolgen muss, ist eine sorgfältige Stoppelbearbeitung. Ziel ist es, die Stängelreste bestmöglich zu zerkleinern, um verbliebene Larven direkt zu töten oder ihnen die Überwinterungsmöglichkeit zu nehmen. Wichtig ist hierbei, dass alle Landwirte an einem Strang ziehen. Werden die Stoppeln nur einer Fläche in der Nachbarschaft trotz Befall nicht ausreichend bearbeitet, tragen alle umgebenden Maisanbauern im nächsten Jahr die Konsequenzen. Bei festgestelltem Befall ist es daher hilfreich, den Kontakt zu den Nachbarbetrieben zu suchen.

Geht es um die geeignete Stoppelbearbeitung, gibt es unterschiedliche Meinungen. Während die einen es für ausreichend erachten, die Stoppeln aufzuschneiden, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu ermöglichen und so die Sterberate der Larven im Winter zu erhöhen, fordern die anderen eine möglichst vollständige Zerstörung der Stoppeln samt Wurzelansatz. Je nach Ziel stehen dafür verschiedene Geräte zur Verfügung, die ihre jeweiligen Vor- und Nachteile haben. Gerade bei stärkerem oder sich aufbauendem Befall sollte es aber das Ziel sein, die bestmögliche Zerkleinerung der Erntereste zu erreichen.

Die Kurzscheibenegge ist dafür nicht das geeignete Gerät, selbst dann nicht, wenn ein strengerer Winter folgt, wie Beobachtungen diese Saison deutlich gemacht haben. So weisen im Umkreis einer letztjährigen Maisfläche mit moderatem Befall, die nach der Ernte mit Kurzscheibenegge und Grubber bearbeitet wurde, Silomaisflächen in diesem Jahr Befallswerte von über 50 % auf. Auch ein Unterpflügen der Erntereste kann hilfreich sein.

Fazit

Der Maiszünsler hat sich in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein weiter in Richtung Nordwesten ausgebreitet. Ertrags- und Qualitätseinbußen drohen. Die Bekämpfungsschwellen für den Einsatz von Schlupfwespen wurden bereits auf ersten Flächen überschritten. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist eine sorgfältige Zerstörung der Erntereste, um den Larven die Überwinterungsmöglichkeit zu nehmen. Wichtig ist es, den Befall stets im Blick zu haben, um entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Dabei ist die Zusammenarbeit aller Landwirte in einer Region notwendig.


Steckbrief

Schädling & Aussehen

Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) ist ein Kleinschmetterling. Die Falter sind zimtbraun und haben eine Spannweite von 25 bis 30 mm. Die Vorderflügel sind von gezackten Querstreifen durchzogen. Die Männchen sind dunkler gefärbt als die Weibchen. Die bis zu 30 mm langen Larven sind grau-gelblich mit dunklem Kopf und dunklen Punkten auf den Segmenten.

Schadbild

Sichtbar sind Bohrlöcher und Bohrmehl an Stängeln und Kolbenansätzen. Die Stängel knicken häufig oberhalb oder unterhalb des Kolbens ab. Durch die Unterbrechung der Leitbahnen verkümmern die Kolben. Fraßstellen dienen zudem als Eintrittspforten für Fusarium-Pilze (Toxinbildung).

Lebenszyklus

Die Falter fliegen etwa von Juni bis August. Sie legen ihre Eier an den Blattunterseiten ab. Nach etwa ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven, fressen an Blättern und bohren sich in das Stängelinnere. Mit zunehmender Reife der Pflanzen wandern sie in und an den Pflanzen nach unten, um als ausgewachsene Larven in den untersten Stängelresten zu überwintern und sich im Frühjahr zu verpuppen.

Bekämpfung

• mechanisch: Stoppeln direkt nach der Ernte möglichst stark zerkleinern (zum Beispiel Mulchen) und anschließend tief einarbeiten, um die Überwinterungsmöglichkeiten zu reduzieren

• biologisch: Ausbringen von Trichogramma-Schlupfwespen, zum Beispiel per Drohne, zum Flughöhepunkt der Falter


Landesjungzüchterschau in Rendswühren

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Wenn die Jungzüchter in den Ring treten, geht es um weit mehr als nur um eine Platzierung. Sicheres Auftreten, der richtige Umgang mit dem Tier und ein gutes Gespür für die Anweisungen der Richterin sind gefragt, so auch in diesem Jahr bei der Landesjungzüchterschau Mitte September in Rendswühren.

An diesem Vormittag stellten sich insgesamt knapp 50 Jungzüchter bei der Firma Blunk den aufmerksamen Augen von Richterin Maren Buxtrup aus dem Münsterland. Nach einer Richterbesprechung begrüßte Sarina Andresen, erste Vorsitzende des Landesjungzüchterverbandes der Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH), die Teilnehmer und Zuschauer in der dekorierten Maschinenhalle. Neben einem Foodtruck und einem Eisstand konnten die interessierten Besucher mit großen Augen auch die zahlreichen Maschinen des Lohnunternehmens bewundern.

Die Jüngsten machen den Anfang

Den Auftakt bildeten die ersten vier Klassen. In Klasse 1 konnte sich Helene Lohmann aus Groß Rheide mit „Gabriele“ den Klassensieg sichern. Die Richterin lobte das bereits sehr eigenständige und flüssige Vorführen sowie die gute Beantwortung der Fragen nach dem Namen und den Fressgewohnheiten des Kälbchens. Auch als bestes Typtier der Klasse konnte sich „Gabriele“ behaupten. Dahinter folgte Janne Frederike Kaack aus Mözen mit „KAX Dequiera“ auf 1b. Sie konnte bereits eine tolle Halfterhaltung an ihrem Tier präsentieren.

Siegerin „Jung“ Thea Schwerdtfeger (2. v. r.) und Reserve Asmus Beutin (3. v. r.) mit Richterin Maren Buxtrup (2. v. li.), Sarina Andresen (r.) und Ingo Schnoor (RSH, li.)Fotos: Sina Thomsen

In Klasse 2 ging der Klassensieg an Thea Schwerdtfeger aus Schwedeneck mit „Lady in Black“. Für die Richterin stellte sie mit ihrer Überlegenheit eine ganz klare Spitze dar. Das Tier aus dem Stall der Familie Staggen in Rendswühren wurde gleichzeitig zum Typtier der Klasse bestimmt. Fiete Wendt aus Riepsdorf, der ebenfalls schon seit Jahren erfolgreich an den Jungzüchterschauen teilnimmt, erreichte mit „IHC Granada“ durch eine tolle Gesamtpräsentation den 1b-Platz.

Auch in Klasse 3 wurde es spannend. Beeke Karlotta Kaack aus Mözen setzte sich mit „KAX Dorivage“ am Halfter an die Spitze. Maren Buxtrup hob lobend hervor, dass die Teilnehmerin sie während der gesamten Vorführung im Blick gehabt habe. Auch die Aufstellung ihres Kalbes in der Endlinie habe sehr gut geklappt. Liv Reimers aus Westerhorn folgte mit „Wonder Pea P“ auf dem 1b-Platz und habe laut Richterin bereits ein sehr hohes Niveau in ihrer gesamten Vorführung zeigen können. Das beste Typtier „Fuchs“ kam aus der Zucht von Tim Hamann, Groß Buchwald.

Den Abschluss der Altersklasse „Jung“ bildete die Klasse 4. Hier konnte sich Asmus Beutin aus Ostenfeld mit „Flip Flop“ durch eine ruhige Vorführung und die schnelle Umsetzung der Zeichen von Richterin Maren Buxtrup den Klassensieg sichern. „Flip Flop“, ebenfalls aus der Zucht der Familie Staggen, wurde zugleich als Typtier der Klasse ausgezeichnet. Bela Fritz aus Groß Buchwald erreichte mit „Flippi“ den 1b-Rang.

Anschließend stand der erste Höhepunkt des Tages an: Alle Sieger und Reservesieger der Altersgruppe „Jung“ stellten sich noch einmal dem Urteil der Richterin. Sie betonte, dass das Niveau der Kleinsten bereits sehr hoch sei, und sah damit eine vielversprechende Zukunft in der Jungzüchterarbeit. Den Sieg sicherte sich Thea Schwerdtfeger, während Asmus Beutin den Reservesieg errang.

Die mittleren Klassen

In den Klassen 5 bis 7 ging es mit den nächsten Teilnehmern weiter. In Klasse 5 setzte sich Tjark Freyer aus Lübeck mit „Fichte“ an die Spitze. Tjark habe sein Rind bereits sehr gut auf- und umstellen können und dabei die Richterin die ganze Zeit im Blick gehabt. Josephine Beutin aus Ostenfeld erreichte mit „Bluna“ den 1b-Platz. Maren Buxtrup lobte die ruhige und gleichmäßige Präsentation sowie die Ausstrahlung des Paares. Das Typtier der Klasse stellte „Kaycee“ aus der Zucht von Karsten Eggers in Papendorf.

In der anschließenden Klasse 6 ließ die Richterin in der bereits aufgestellten Endlinie die Platzierungen noch einmal tauschen. Dabei betonte sie das hohe Niveau der Klasse, sodass sie viele Aufgaben stellen musste, um den Klassensieg vergeben zu können. Paul Hoffmann aus Brunsbek konnte diese am besten umsetzen und überzeugte mit „Jessi“ am Halfter durch seine starke Präsenz im Ring. Damit konnte er den Klassensieg für sich gewinnen. Ihm folgte Ina Gerdes aus Haurup mit „AGH Frauke“ auf dem 1b-Platz. Sie konnte ihr Tier sehr ruhig und konzentriert vorführen. Zum Typtier wurde „Flocke“ gewählt, vorgestellt von Maila Ahlf aus Oldenbüttel aus der Zucht ihrer Eltern.

Siegerin „Mittel“ Martha Clausen (3. v. r.) und Reserve Tjark Freyer (2. v. r.). Es gratulieren Volker Kaack, Vorstandsvorsitzender der RSH, und Richterin Maren Buxtrup (li.).

In Klasse 7 konnte Femke Storm aus Schillsdorf mit „Miina“ den Klassensieg erringen. „Miina“ aus dem Stall der Familie Staggen wurde gleichzeitig zum Typtier der Klasse bestimmt. Die Klasse machte es der Richterin nicht leicht, sich zu entscheiden. Femke konnte in den Augen von Richterin Maren Buxtrup ihre Signale am besten umsetzen und eine Einheit mit ihrem Tier bilden. Dicht dahinter folgte Martha Clausen aus Jardelund, die mit „Feuer“ den 1b-Platz belegte. Ihre sehr gute, aufmerksame und ruhige Vorführleistung machte hier den Unterschied zu den weiteren Plätzen.

In der anschließenden Siegerauswahl „Mittel“ konnten Martha Clausen und „Feuer“ die Hinweise der Richterin bestens umsetzen. Auch durch einen hervorragend durchgeführten Tiertausch konnten sie sich den Siegertitel in der Altersklasse „Mittel“ sichern. Tjark Freyer und „Fichte“ durften sich dank einer sehr guten Präsentation über den Reservesieg freuen.

Erfahrene Teilnehmer im Ring

Mit den Klassen 8 bis 10 folgten die älteren und erfahrenen Teilnehmer. In Klasse 8 setzte sich Svea Petersen aus Bollingstedt mit „Flotti“ an die Spitze. Die Richterin betonte, dass man Svea deutlich angemerkt habe, dass sie den Klassensieg nicht hergeben wollte, und dass sie dies durch eine sehr gute Leistung habe untermauern können. Das Tier wurde gleichzeitig zum Typtier der Klasse gewählt. Nic-Luca Hollesen aus Sieverstedt erreichte mit „Flieder“ und einer sehr flüssigen und harmonischen Vorführrunde den 1b-Platz.

Die nächste Klasse 9 wurde durch Sarah Chrzanowski aus Scheggerott mit „Foxi“ ganz klar angeführt. Lobend erwähnte die Richterin, dass Sarah die absolut kompetenteste Vorführleistung in dieser Klasse gezeigt habe. Leo Bucher aus Kasseedorf konnte sich mit „Madita“ durch ein sehr gutes Umstellen den 1b-Platz sichern. „Madita“ aus dem Stall von Dirk Huhne in Kasseedorf wurde gleichzeitig zum Typtier der Klasse bestimmt.

Siegerin „Alt“ Fynja Becker (2. v. li.) und Reserve Jorna Sieh-Petersen (3. v. li.), Ingo Schnoor (r.), die Richterin (li.) und Sarina Andresen (2. v. r.)

In der letzten Klasse, Klasse 10, fiel die Entscheidung zugunsten von Fynja Becker aus Bredenbek mit „Always Lovely“. Die erfahrene Jungzüchterin Fynja war in der Lage, jede Aufgabe von Richterin Maren Buxtrup korrekt und ruhig auszuführen. Auf dem 1b-Platz folgte Jorna Sieh-Petersen aus Böklund mit „OFH Fallada“. Sie konnte eine gute Kopfhaltung und eine sehr gute Aufmerksamkeit auf die Richterin präsentieren. „Gracie“ von Familie Staggen aus Rendswühren sicherte sich das beste Typtier der Klasse und damit für die erfolgreiche Zucht von Familie Staggen auch die insgesamt vierte Erwähnung als bestes Typtier insgesamt auf der Schau.

In der anschließenden Siegerauswahl „Alt“ standen noch einmal sechs Jungzüchter im Mittelpunkt. Mit viel Aufmerksamkeit und Engagement zeigten sie der Richterin und den Zuschauern ihr Können. Die Entscheidung fiel auf Fynja Becker mit „Always Lovely“ am Halfter als Siegerin. Jorna Sieh-Petersen mit „OFH Fallada“ wurde Reservesiegerin.

Entscheidung um den Grand Champion

Die vorletzte Entscheidung der Richterin stellte im Typwettbewerb die Qualität der vorgestellten Tiere in den Mittelpunkt. Aufgestellt nach dem Alter ihrer Tiere durften alle zehn Typtiere noch einmal in den Ring ziehen und bildeten dabei ein schönes Bild. Um eine bessere Übersicht zu erlangen, mussten einige Rinder den Ring anschließend wieder verlassen.

Der Sieg für das beste Typtier der Landesjungzüchterschau ging unter Applaus an „Madita“, eine „LeMagic“-Tochter aus dem Stall von Dirk Huhne in Kasseedorf. Einige aufmerksame Zucht- und Tierschaukenner konnten bereits beobachten, dass mit „Mathea“ die Zwillingsschwester von „Madita“ ebenfalls an dieser Schau teilgenommen hat. Beide Tiere haben eine berühmte, schauerfahrene Mutter. „Mitzy“ aus der Zucht von Dirk Huhne konnte sich in diesem Jahr den Titel des Grand Champion bei Neumünster am Abend in den Holstenhallen sichern und gewann auch Holstein Vision 2025 bei der RinderAllianz in Bismark. So ist es für „Madita“ ja vielleicht nicht der letzte Titel bei einer Tierschau.

Den Reservesieg in der Kategorie bestes Typtier sicherte sich „Flip Flop“, das bereits in Klasse 4 als Typtier überzeugt hatte. Das Tier befindet sich im Besitz von Heiner Staggen aus Rendswühren.

Dann folgte der letzte Höhepunkt des Tages, und der Titel des Grand Champion im Vorführen wurde mit Spannung erwartet. Final zogen die Sieger und Reservesieger der drei Altersklassen in den Ring und stellten sich dem aufmerksamen Blick von Richterin Maren Buxtrup. Unter viel Jubel entschied sie sich ein letztes Mal für Fynja Becker und „Always Lovely“, die laut Richterin diesen Sieg unbedingt habe einfahren wollen und alles dafür gegeben habe.

Mit einem Gruppenfoto und der anschließenden Geschenkeausgabe endete ein ereignisreicher Tag, der den Jungzüchtern noch lange im Gedächtnis bleiben wird, von den jüngsten Teilnehmern bis zu den erfahrenen.

Mit Schweineverstand und Künstlicher Intelligenz

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Zu einem scheinbaren Tierschutzskandal am es im November 2025 auf dem überregional bekannten Betrieb Gut Hardegg in Seefeld-Kadolz (Niederösterreich). Der in Österreich tätige Verein gegen Tierfabriken (VGT) veröffentlichte heimlich gefilmte Videoaufnahmen aus den Schweineställen. Das Bauernblatt hat den Sachverständigen und Sprecher der Initiative Schweinehaltung Deutschland (ISD), Dr. Dirk Hesse, zu Lehren aus dem Fall Hardegg interviewt. Er wurde vom Betrieb als Berater engagiert.

Die Schweinezucht auf Gut Hardegg ist ein privates Zuchtunternehmen. Die Hardegger Austromax-Jungsauen sind leistungsgeprüfte Hybrid-Zuchtsauen und haben in Österreich einen Marktanteil von 10 %. Im Jahr 2002 errichtete Gut Hardegg gemeinsam mit Nutztierethologen einen Tierwohlstall für die Gruppenhaltung von Muttersauen, der in Österreich Vorbildcharakter hat. Dass ein solcher Vorzeigebetrieb in den Fokus von Tierrechtlern gerät, ist auch in Deutschland kein unbekanntes Phänomen.

Tierrechtler zeigen Filme

Der österreichische Verein gegen Tierfabriken tritt für eine Verbesserung der Tierhaltung ein, befürwortet aber vor allem den Vegetarismus und Veganismus. Um seine Ziele zu erreichen, arbeitet der VGT eigener Aussage zufolge mit „modernen, demokratischen Mitteln“ wie zivilem Ungehorsam, offensiver Aufdeckungs- und Aufklärungsarbeit.

Dem Verein wurden Aufnahmen auf Hardegg „zugespielt“, ein nicht unübliches Vorgehen, das für den Verein keine rechtliche Folgen nach sich zieht. Die Bilder zeigten Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter beim Umgang mit den Tieren sowie Mängel in den Bereichen Hygiene und Beschäftigungsmaterial.

Hardegg greift durch

Gutsbesitzer Maximilian Graf Hardegg reagierte vor einem Jahr sofort: Die verantwortlichen Mitarbeiter wurden fristlos entlassen und strafrechtlich angezeigt. Zudem führte die Gutsverwaltung eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Tierwohlverstößen ein. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Betriebsinhaber selbst wurden im Frühjahr 2026 eingestellt.

Lehrreich ist die Einbindung eines unabhängigen Tierschutzexperten zur Optimierung der Haltungsbedingungen. In diesem Fall wurde Dr. Dirk Hesse mit einer Begutachtung der Bestände aus der Perspektive der Tiere beauftragt.

Sein Befund bescheinigte der Herde einen guten Allgemeinzustand, wies jedoch auch auf Optimierungsbedarf hin, etwa bei der Belüftungssteuerung zur Vermeidung von Stallverschmutzungen.

KI wertet Tierdaten aus

Als technologische Innovation setzt Schweinehalter Maximillian Hardegg heute auf ein Überwachungssystem mit KI. Es wertet mithilfe von Kamera- und Sensordaten rund um die Uhr Bewegung, Verhaltensmuster und Gesundheitsindikatoren der Tiere aus. Das Betreuungspersonal erhält bei Abweichungen oder Auffälligkeiten sofort eine Benachrichtigung auf das mobile Endgerät und kann entsprechend eingreifen.

Welche Schlüsse kann ein Nutztierhalter aus diesem Fall ziehen? Dr. Dirk Hesse berichtet dem Bauernblatt von seinen Erfahrungen aus der Alpenrepublik.

In Österreich hat das Gericht die Anzeige gegen Maximillian Hardegg wegen Tierquälerei niedergelegt, weil Sie den Vorwurf als Gutachter relativieren konnten. Ist die Sache damit aus der Welt?

Dirk Hesse: Der VGT hatte Maximillian Hardegg wegen Tierquälerei angezeigt, wobei vor Gericht der Eindruck erweckt wurde, dass nahezu alle Schweine mehr oder weniger gequält werden. Auslöser war ein Mitarbeiter, der sich nicht so verhalten hat, wie er es entsprechend der Arbeitsanweisung sollte, und dem nach Bekanntwerden der Verfehlung sofort gekündigt wurde.

Als Basis meines Gutachtens dienten die Tierwohlindikatoren des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL). Die Umsetzung erfolgte durch eine Gewichtung der jeweils gemessenen Werte mit der Stückzahl der Tiere im Messbereich.

Bei 11.732 Stallplätzen wurden, wie ich darlegen konnte, etwa 97 % der Tiere im optimalen Bereich der Tierwohlindikatoren gehalten. Einige Tiere waren unnötig verschmutzt, einige hatten Schrammen infolge von Rangkämpfen in der Gruppenhaltung.

Ein Tier wurde entgegen der vorhandenen Arbeitsanweisung behandelt, was der Anlass für die Anzeige war. Mit dem Gutachten an der Hand war das Gericht in der Lage, die Schwere des Vorwurfs einzuordnen. Die Anzeige wegen Tierquälerei war damit für Maximillian Hardegg aus der Welt.

Was verstehen Sie unter einer Bewertung des Tierwohls „aus der Perspektive des Tieres“ im Vergleich zu gesetzlichen Vorgaben?

Von 1988 bis 2002 war ich als Wissenschaftler an der damaligen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig tätig. Die wissenschaftliche Tierwohlarbeit wurde gleich zu Beginn durch Gerrit van Putten geprägt, einen Pionier der angewandten Nutztier-Verhaltensforschung. Auf einer internationalen Verhaltensforschertagung sagte er: „Wer die Welt eines Schweines verstehen will, muss sich zwischen die Schweine legen!“

Genau das mache ich. So habe ich nicht nur eine Freilauf-Abferkelbucht entwickelt, sondern auch eine Abliegewand, die gern von den Muttersauen angenommen wird und Ferkelverluste durch Erdrücken verhindert.

Über mehrere Jahre konnten Mastschweinegruppen ganzjährig zwischen viel Stroh, wenig Stroh, und Betonboden mit Schlitzen wählen. Schweine sind Liegekühler. Sie können aber weder die Klamotten wechseln noch schwitzen. In diesem Fall hatten sie die Möglichkeit, den Boden entsprechend ihrem Temperaturbedürfnis zu wählen. Die Schweine verbrachten die meiste Zeit des Jahres auf dem Betonboden.

Dies sind zwei Beispiele, auf welche Lösungen man kommen kann, wenn man das Tierwohl nicht durch das menschliche Auge einschätzt, sondern am und mit dem Tier messbar macht. Das Messen am Tier hat obendrein den Vorteil, dass so auch der größte Einflussfaktor auf das Tierwohl, nämlich der Umgang des Menschen mit dem Tier, erkennbar wird.

Welche Rolle spielen messbare Tierwohlindikatoren in der Außendarstellung der Betriebe?

Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler! Menschen, die jeden Tag im Stall sind, verfügen in der Regel über viel Fachwissen und können auch das Wohl ihrer Tiere aus Erfahrung gut einschätzen.

Doch wie erkläre ich Menschen, die nicht jeden Tag im Stall sind, wie gut es den Tieren geht? Wichtig ist, dass wir Tierwohl nicht durch das gefühlvolle menschliche Auge einschätzen, sondern messbare Faktoren haben. Genau das hat das KTBL gemacht.

Das Prinzip sei an einem Beispiel erläutert. In Kinderbüchern sind die glücklichen Schweine in der Regel dreckig. Versuche zeigen aber, dass Schweine dann dreckig sind, wenn sie in einer Notsituation stecken. Wollen die Tiere ihre Körpertemperatur senken, müssen sie sich etwas Feuchtes suchen. In der Natur ist das die Suhle. Reichen die Lüftungs- und Kühlungstechniken im Stall nicht aus, bleibt den Tieren nur, sich in den feuchten Mist zu legen. Das ist allerdings das Letzte, was ein Schwein freiwillig tut. Die Sauberkeit der Hautoberfläche ist also ein guter und messbarer Tierwohlindikator.

Aus wissenschaftlichen Arbeiten kann abgeleitet werden, dass nur ein Schwein mit 100 % sauberer Hautoberfläche ein glückliches Schwein ist. Damit das Konzept praxistauglich gestaltet wird, hat man sich dazu entschieden, dass es dem Schwein optimal geht, wenn der Verschmutzungsgrad maximal 10 % der Hautoberfläche beträgt. 10 bis 30 % ist mittelgut. Ab 30 % Hautverschmutzung geht es dem Tier schlecht.

Welchen Stellenwert messen Sie dem Umgang des Betreuungspersonals mit den Tieren bei? Wird auch dies begutachtet?

Bei den Haltungsbedingungen werden Raummaße oder bauliche Vorgaben zur Bedingung gemacht. In der Praxis passt nicht jedes Haltungsverfahren in jede Region.

So sollten Strohverfahren eher in niederschlagsarmen Regionen eingesetzt werden, damit die Einstreu pilzfrei geerntet werden kann. Auch kann der Mensch den Grad der Hautverschmutzung des Schweines beeinflussen, beispielsweise durch die Wahl des Bodens im Liegebereich.

Stroh ist die meiste Zeit des Jahres zu warm zum Liegen. Längliche Buchten haben im Vergleich zu quadratischen bei gleicher Besatzdichte eine kleinere Oberfläche des Mistbereiches, was der Lungengesundheit zugutekommt.

Ganz wichtig ist die optimale Einstellung der Lüftungsanlage in Abhängigkeit von den im Stall befindlichen Tieren, ihrem Alter, Gewicht und der Fütterungsform. Helfen kann auch der Einbau von Kühlungstechnik.

Der entscheidendste Faktor für das Tierwohl ist aber der Umgang des Menschen mit dem Tier. Wie schon gesagt, kann der Mensch durch entsprechenden Technikeinsatz den Grad der Hautverschmutzung des Schweines beeinflussen. Und so kann durch die KTBL-Tierwohlindikatoren auch die Qualität der Arbeit des Menschen rund um das Tier gemessen und bewertet werden.

Auf welche Weise unterstützen KI-Systeme die Tierbetreuer bei der Überwachung der Schweine?

KI kann das Stallklima an die vom Tier bevorzugte Lufttemperatur anpassen, den Gesundheitsstatus der Tiere analysieren, das Schwanzbeißen erkennen und vermeiden, eine Falschnutzung der Funktionsbereiche oder auch Fehlfunktionen der Tränk- oder Fütterungstechnik melden.

Heute setzt das Gut Hardegg gezielt auf die digitale Transformation, auch mit dem Ziel, die Tierbetreuung außerhalb der üblichen Arbeitszeiten zu optimieren.

Inwiefern dienen solche Gutachten und die Praxisprojekte auf Gut Hardegg als Modell für die Weiterentwicklung der Schweinehaltung?

Gutachten, in denen die gemessenen Ergebnisgruppen der KTBL-Tierwohlindikatoren jeweils mit der Stückzahl Tier gewichtet werden, wurde bereits in mehreren mittleren und größeren Schweinehaltungen eingesetzt. Auf der Basis dieser Erfahrungen wissen wir, dass es keine Schweinehaltung gab, in der nicht mindestens 89 % der Tiere im jeweils optimalen Messbereich leben konnten.

Dies zeugt vom hohen Tierwohlniveau in deutschen Schweinehaltungen. Und es ist eine Darstellung, die auch von Menschen ohne Fachkenntnis verstanden wird.

Gut Hardegg möchte mit Blick auf die auch in Österreich gesetzlich festgelegten Entwicklungen umfangreiche Untersuchungen starten, um die Folgen dieser Neuerungen für Tier, Umwelt, Mensch und Ökonomie messen zu können. Dazu wird derzeit gemeinsam mit führenden Forschungsinstitutionen ein Konzept erarbeitet.

Wenn wir sowohl das Tierwohl als auch den Umweltschutz mit Erfolg voranbringen und die Folgen für Mensch und Ökonomie exakt messen wollen, dann sollten wir gut geplante wissenschaftliche Untersuchungen unter vergleichbaren Rahmenbedingungen ablaufen lassen.