In Deutschland droht die Stilllegung vieler Biogasanlagen, weil Parameter und Perspektiven nicht passen. Dies hat der Präsident des Fachverbandes Biogas (FvB), Thomas Karle, hervorgehoben. „Das müssen wir dringend ändern“, appellierte Karle am Dienstag bei der Vorstellung der aktuellen Branchenzahlen an die Politik. Gebraucht werde eine „kluge Energiewende“ mit einer planbaren Investitionssicherheit, weg vom Schlingerkurs.
Nach Angaben des Fachverbandes beläuft sich der gesamte Biogasanlagen-Park in Deutschland – also die Vor-Ort-Verstromung sowie die Biogasaufbereitung – auf 9.605 Anlagen. Diese erzeugten zusammen mehr als 80,6 TWh Energie; das entspreche gut einem Drittel der gesamten in Europa aus diesem Energieträger produzierten Menge. Nach den Worten von FvB-Vizepräsident Christoph Spurk müsse Deutschland aufpassen, dass es diese Vorreiterrolle im Bereich Biogasanlagen nicht leichtfertig aufs Spiel setze. Es sei schwer nachzuvollziehen, dass in den vergangen vier Jahren fast alle EU-Staaten eine Biogas- und Biomethanstrategie entwickelt hätten, um ihre Volkswirtschaften nachhaltiger und resilienter zu machen, sich der Technologieführer Deutschland diesem europäischen Prozess aber völlig verweigere. „Das schadet unserem Industriezweig“, kritisierte Spurk. Es gehe immerhin um einen Branchenumsatz in Höhe von 8 Mrd. €; mit dem wachsenden Auslandsmarkt seien es sogar 9,6 Mrd. €. Zudem hingen 67.300 Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Biogasnutzung, vor allem im ländlichen Raum.
Elektrische Leistung gestiegen
Laut FvB gab es Ende 2025 in Deutschland 9.315 Biogasanlagen, die vor Ort verstromten. Hinzu kamen 290 Anlagen, die Biogas zu Biomethan aufbereiten. Die Vor-Ort-Verstromungsanlagen hätten zusammen eine installierte elektrische Leistung von 6.816 MW bei 3.316 MW Bemessungsleistung. Die Differenz der beiden Zahlen ergebe die Überbauung beziehungsweise Flexibilisierung, die für die bedarfsgerechte Stromerzeugung relevant sei.
Anlagen werden zunehmend flexibler
Auffällig sei, dass sich die installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen weiter sehr positiv entwickelt habe, hob Karle hervor. Diese Tendenz zeige, dass die Biogasanlagen immer flexibler würden und dadurch eine immer wichtigere Rolle für das Stromnetz spielten. Das werde sowohl politisch als auch gesellschaftlich gefordert. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 29 TWh Biogasstrom erzeugt worden, was dem Bedarf von 8,8 Millionen Haushalten entspreche.
Die bei der Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk (BHKW) anfallende Wärmemenge lag nach Angaben des FvB 2025 bei 32,3 TWh. Davon seien 18,7 TWh außerhalb der Biogasanlage genutzt worden, also in Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen oder Industrieprozessen. Diese Wärmemenge entspreche dem jährlichen Bedarf von 1,4 Millionen Haushalten. Karle bedauert, dass diese Leistung in der aktuellen Diskussion um das Potenzial von Biogas häufig übersehen werde.
Biogasaufbereitung immer wichtiger
Signifikant an Bedeutung gewinne dem Fachverband zufolge die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan. Ende 2025 habe sich die Gesamterzeugung der Anlagen bundesweit auf 12,8 TWh belaufen. „Eine Steigerung auf 14,5 TWh wäre problemlos möglich“, so der FvB. Zusammen mit dem aktuell importierten Biomethan in Höhe von 3,5 TWh könnten kurzfristig 16,3 TWh Biomethan genutzt werden, was 6,3 % des Erdgasverbrauchs für Wohnungen entspreche. Das wäre relevant für die „Biotreppe“ beziehungsweise die Grüngasquote des Gebäudemodernisierungsgesetzes.
Nicht vergessen werden dürfe laut FvB, dass bei der Biogaserzeugung auch hochwertiger organischer Dünger entstehe. Die Gesamtmenge der Gärprodukte liege bei 96 Mio. t. Diese könnten entweder direkt in flüssiger Form oder nach einer entsprechenden Aufbereitung verwendet werden. Die Summe an Stickstoff aus Gärprodukten beläuft sich dem Verband zufolge pro Jahr auf 735.000 t; an Phosphoroxid sind es 478.000 t und an Kaliumoxid 725.000 t.
Laut FvB existierten 2025 in Schleswig-Holstein 759 Biogas- und Biomethananlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von 575 MWel und einer elektrischen Bemessungsleistung von knapp 300 MWel. Die Nettostromproduktion der Anlagen in Schleswig-Holstein habe dabei 2,55 TWh betragen. Dem Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein zufolge bereiten sieben der 759 Anlagen im Land Biomethan auf.
Die detaillierten Branchenzahlen sind auf der Internetseite des FvB abrufbar unter https://t1p.de/vnba5




