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Das Innovationsprojekt „DeTail” (Detection of Tail Biting) hat zum Ziel, durch den Einsatz moderner Video- und Analyseverfahren ein frühzeitiges Erkennen von Schwanzbeißen bei Schweinen zu ermöglichen. In den vergangenen Monaten wurden dabei wichtige Fortschritte erzielt – sowohl in der Datenerhebung als auch bei der Entwicklung leistungsfähiger Auswertungsalgorithmen sowie eines praxistauglichen Prototyps. Langfristig soll ein verlässliches Früherkennungssystem in Schweine haltenden Betrieben etabliert werden, das eine frühzeitige und gezielte Unterstützung ermöglicht.
Die Datenerhebung am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) sowie auf drei konventionellen Praxisbetrieben in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist abgeschlossen. Ein vierter Betrieb der operationellen Gruppe (OG) musste seine Teilnahme aus betrieblichen Gründen beenden. Als Ersatz konnte im Herbst 2025 ein Biobetrieb in das Projekt eingebunden werden. Die dort praktizierte Außenklimahaltung mit Auslauf und Einstreu unterscheidet sich hinsichtlich der Haltungsform von den anderen Betrieben im Projekt. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, den Algorithmus zur Erkennung der Schwanzhaltung auch unter abweichenden Haltungsbedingungen zu erproben.
Entwicklung von Algorithmus und Prototyp
Digitale Unterstützung im Stall soll die frühzeitige Erkennung von Schwanzbeißen ermöglichen.
Foto: Dr. Ariane von Mallinckrodt
Das umfangreiche Datenmaterial bildet die Grundlage für die Entwicklung des digitalen Früherkennungssystems. Unter der Leitung von Prof. Jorge Marx Gómez entwickelt die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg (UOL) kontinuierlich den Algorithmus zur automatisierten Erfassung der Schwanzhaltung weiter. Parallel dazu arbeitet die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) unter Verantwortung von Prof. Imke Traulsen an der Definition und Umsetzung eines praxistauglichen Alarmzeitpunktes, der den Betrieben frühzeitig Handlungsspielräume eröffnet.
Im September 2025 wurde am Standort Futterkamp erstmals ein Prototyp direkt im Stall implementiert. Seitdem wird das System im laufenden Betrieb getestet und weiterentwickelt. Langzeitauswertungen unter Praxisbedingungen liefern wichtige Erkenntnisse für die weitere Optimierung.
Am Ende des Projektes sollen die Daten direkt auf den Betrieben ausgewertet und über ein übersichtliches Dashboard bereitgestellt werden. So sollen die Betriebe frühzeitig auf mögliche Schwanzbeißereignisse hingewiesen werden und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten können.
Nächste Schritte im Projekt
In den kommenden Projektphasen werden sowohl standortspezifische Modelle für die beteiligten Betriebe als auch ein übergreifendes, generalisiertes Modell entwickelt werden. Darauf aufbauend ist die Einführung des Prototyps zur Echtzeit-Auswertung in den Stallanlagen der Praxisbetriebe geplant.
Fazit
Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines digitalen Assistenzsystems für Schweine haltende Betriebe. Eine umfangreiche Datenerhebung bildet dafür die Grundlage zur Entwicklung und Erprobung der Algorithmen. Darauf aufbauend macht das Projekt gute Fortschritte bei der Entwicklung eines Frühwarnsystems zur Erkennung von Schwanzbeißen. Ein erster Prototyp wird bereits unter realen Stallbedingungen eingesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt.
Der Sommer 2025 war in Schleswig-Holstein ungewohnt feucht. Viele Betriebe mussten ihre Ernte mehrfach unterbrechen, und selbst in kurzen Erntefenstern blieb das Korn selten richtig abgetrocknet. Der Trocknungsbedarf lag deutlich über dem, was wir aus den Vorjahren kannten. Nach mehreren vergleichsweise unkomplizierten Ernteperioden sind dadurch in diesem Jahr wieder Lücken in der Lagertechnik sichtbar geworden, vor allem dort, wo Belüftung und Trocknung nicht mehr ganz zur aktuellen Situation passten.
Hinzu kam, dass in einigen Betrieben neue Mitarbeiter erstmals Verantwortung im Handling des frisch eingelagerten Getreides übernommen haben. Erfahrungslücken bei Feuchteeinschätzung, Lüftungsmanagement und Reinigungsabläufen haben die Situation zusätzlich erschwert. All das führte dazu, dass in manchen Lagern wieder typische Probleme wie Kondensation, warme Nester oder unruhige Temperaturverläufe aufgetreten sind.
Gerade weil das Wetter immer unberechenbarer wird, gewinnt die Hygiene im Getreidelager weiter an Bedeutung. Die letztjährige Ernte hat klar gezeigt, wo Systeme an ihre Grenzen kommen und welche Abläufe im Betrieb nachjustiert werden müssen, um Qualität und Lagerstabilität zuverlässig zu sichern.
Mehlkäfer treten häufig in Altgebäuden auf. Aufgrund des langen Generationenintervalls gestaltet sich die Bekämpfung schwierig.
Typische Schädlinge im Getreidelager
Kornkäfer
Der bekannteste Schädling im Getreidelager ist der Kornkäfer (Sitophilus granarius). Er befällt nahezu alle Druschfrüchte, geht jedoch an Hülsenfrüchten zugrunde und ist dort selten anzutreffen. Kornkäfer gelangen oft mit der Erntekette ins Getreidelager und sind an ihrem 2 bis 5 mm großen, dunkelbraunen Körper mit einem rüsselförmigen Kopf erkennbar. Typische Schäden sind angefressene Körner. Auch scheinbar unbeschädigte Körner können befallen sein, da der Kornkäfer das Eiablage-Loch wieder verschließt. Die Aktivitäten der Käfer erhöhen die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Lager, was Sekundärschäden durch Milben und Schimmelpilze fördern kann. Kornkäfer bevorzugen Getreidearten, aber auch Nüsse, Trockenobst und -gemüse und benötigen eine Mindesttemperatur von 13 °C für ihre Mobilität. Ihre Weibchen legen 200 bis 300 Eier. Wenn die Erntetemperatur von etwa 25 °C nicht schnell genug heruntergekühlt wird, dauert die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer etwa einen Monat. In unseren Lagern entwickeln sich etwa drei bis vier Generationen pro Jahr. Kornkäfer sind verhältnismäßig langlebig. Auch wenn ein Getreidelager nach guter fachlicher Praxis auf unter 10 °C gekühlt wird, kann dieser Käfer bis zu zwei Jahre überleben. Dies bedeutet, dass bei einem Befall nicht nur das Lagergut zu behandeln ist, sondern auch eine gründliche Leerraumbehandlung stattfinden muss.
Getreideplattkäfer
Ein weiterer wichtiger Schädling ist der Getreideplattkäfer (Oryzaephilus surinamensis), der mit 2 bis 3 mm etwas kleiner als der Kornkäfer ist, aber ebenso gefährlich. Dieser Käfer ist flugfähig, jedoch nur bei Temperaturen über 18 °C. Befall mit Getreideplattkäfern deutet meist auf eine unzureichende Kühlung hin. Die Käfer werden von der Aromafahne des gelagerten Getreides angezogen und können aus bis zu 2 km Entfernung das Lager besiedeln, wenn die Außentemperatur über 18 °C liegt. Technisch unzureichende Kühlsysteme, wie etwa Drainage-Schläuche, benötigen zu viel Zeit, um die Ernte- beziehungsweise Trocknungstemperatur im Endlager herunterzukühlen, sodass das Risiko eines Befalls mit Getreideplattkäfern gegeben ist. Dieser Käfer verfügt über verhältnismäßig schwache Mundwerkzeuge und bevorzugt bereits angefressene Körner und Bruchkorn. Die Verringerung des Bruchkornanteils durch eine Vorreinigung ist eine bewährte prophylaktische Maßnahme.
Getreidekapuziner
Der dritte Käfer im Bunde ist der Getreidekapuziner (Rhizopertha dominica), dessen Halsschild, wie der Name schon vermuten lässt, über den Kopf wie eine Art Kapuze herüberragt. Dieser Käfer ist 2,5 bis 4 mm groß, hat eine zylindrische Gestalt und ist rotbraun gefärbt. Im Gegensatz zu den vorher genannten Käfern ernährt sich dieser von den eiweißhaltigen Bestandteilen des Korns und ist für eine Qualitätsminderung verantwortlich. Der Getreidekapuziner ist relativ unempfindlich gegenüber den handelsüblichen Kontaktinsektiziden, benötigt jedoch eine Temperatur von über 20 °C. Bei konsequenter Kühlung nach guter fachlicher Praxis ist ein Befall im Getreidelager daher eher unwahrscheinlich.
Mehlkäfer
Vornehmlich in älteren Speichern mit einem großen Anteil an Holzbauten findet man in regelmäßiger Häufigkeit den Mehlkäfer (Tenebrio molitor). Dieser ist in Mitteleuropa weit verbreitet und auch im Freiland zu finden, wo diese Art unter anderem in Vogelnestern und Totholz vorkommt. Mehlkäfer sind mit bis zu 18 mm relativ groß. Sie sind zwar flugfähig, machen jedoch selten davon Gebrauch. Einer der häufigsten Besiedelungswege führt über bereits befallene Ware oder aber über das Eindringen von Vögeln ins Getreidelager, die im Federkleid Eier oder Puppen transportieren. Daraus folgt unter anderem, dass ein Getreidelager vogeldicht sein sollte. Die Bekämpfung ist relativ schwierig, da durch Kontaktinsektizide meist nur die adulten Käfer erreicht werden. Der Entwicklungszyklus beträgt etwa ein Jahr, was die Behandlung erschwert. Als nachhaltige Lösung hat sich gerade in Getreidespeichern eine Kieselgurbehandlung in Kombination mit Pheromonfallen bewährt.
Motten und Milben im Getreidelager
Mehl- und Speichermotte
Zu den weit verbreiteten Lagerschädlingen gehören auch die Mehlmotte (Ephestia kuehniella) und die Speichermotte (Ephestia elutella). Man findet sie vornehmlich in Flachlagern und Altgebäuden. Das Schadbild ist gekennzeichnet durch Gespinste, die Förderwege verstopfen und Kondensatbildung begünstigen, was sekundäres Pilzwachstum fördert. Motten werden vornehmlich mit gasförmigen Kontaktinsektiziden wie Dedevap Green und Insektinil bekämpft. Zur Regulierung des Auftretens der Motten in Altgebäuden kann mit UV-Licht- und Lockstofffallen gearbeitet werden.
Mehl- und Staubmilben
In den vergangenen Jahren traten in neueren Lagergebäuden manchmal Staub-, vornehmlich jedoch Mehlmilben (Acarus siro) als sogenannte sekundäre Lagerschädlinge auf. Da es sich hierbei nicht um Insekten, sondern um Spinnentiere handelt, ist eine Behandlung mit Kontaktinsektiziden sinnlos. Als gut funktionierend hat sich eine Behandlung mit Phosphorwasserstoff erwiesen, jedoch ist dieses Verfahren nur etwas für professionelle Schädlingsbekämpfer. Mehlmilben treten aufgrund zu hoher relativer Luftfeuchtigkeit im Getreidelager auf. Wird die relative Luftfeuchtigkeit konstant unter 75 % gehalten, sind die Lebensbedingungen für die Mehlmilbe so verschlechtert, dass sie sich nicht im Getreidelager etablieren kann. Die relative Luftfeuchtigkeit oberhalb des Getreidestapels mit einem Feuchtegehalt von 15 % und 20 °C Stapeltemperatur beträgt nicht mehr als 67 %. Das bedeutet für die Praxis: Sind Mehlmilben zu finden, liegt im Lager ein feuchtes Nest oder ein unzureichend arbeitendes Kühlsystem vor.
UV-Lichtfallen sind ein probates Mittel zur Regulierung von Motten im Getreidelager.Technisch bedingte Restmengen müssen schnellstmöglich entfernt werden.Einregnungen im Getreidelager erhöhen die biologische Aktivität des Lagergutes, was in der Folge zum Attraktor für Schadinsekten wird.
Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung
Eine fachgerechte Kühlung ist der Schlüssel, um die Besiedelung und Etablierung von Schädlingen im Lager zu verhindern. Wenn ein Befall festgestellt wird, ist es wichtig, die Schädlinge korrekt zu identifizieren und eine geeignete Bekämpfungsstrategie zu wählen. Eine weit verbreitete Methode ist die Begasung mit Phosphorwasserstoff, die jedoch nur in geschlossenen Räumen möglich ist. Bei Befall im Flachlager werden die betroffenen Partien luftdicht mit Folie verschlossen. Dieses Verfahren ist sehr aufwendig und wird, wie schon gesagt, nur von professionellen Schädlingsbekämpfern angewendet. Eine mehrmalige Behandlung ist immer notwendig, da die Larven der beschriebenen Käfer eine sehr geringe Atemfrequenz haben und die Mortalität pro Behandlung nur bei zirka 50 % liegt.
Bei akutem Befall ist eine Behandlung mit Kontaktinsektiziden wie K-Obiol EC 25 möglich. Dabei sollte das behandelte Getreide noch einige Tage in der Lagerzelle verbleiben, da die Behandlung den Feuchtegehalt um etwa 0,5 % erhöht. Eine anschließende Kühlung ist notwendig, um die Feuchtigkeit wieder zu entziehen. Eine mechanische Reinigung des behandelten Getreides über einen Windsichter ist ratsam, jedoch nicht zwingend notwendig. Behandlungen mit 99 % Stickstoff oder Kohlendioxid sowie die Heißluftentwesung sind Verfahren, die zwar in der Lagerhaltung vorzufinden sind, jedoch in der Landwirtschaft nur selten angewandt werden.
Prophylaxe statt Nachbehandlung
Da Getreidelager in der Regel nur temporär gefüllt sind und eine überjährige Lagerung selten stattfindet, sollte die Schädlingsprophylaxe ein wesentlicher Bestandteil der Lagerhaltung sein. Prophylaktische Maßnahmen sind deutlich günstiger als die Reaktion auf einen Befall und verhindern die Verschleppung von Schädlingen in die nächste Lagerperiode.
Mechanische Reinigung des Lagers
Vor jeder prophylaktischen Maßnahme ist eine gründliche mechanische Reinigung des Getreidelagers notwendig. Alle Lagergutrückstände sollten entfernt werden, auch an schwer zugänglichen Stellen. Risse und Spalten können mit Silikon verschlossen werden, da Bauschaum zu porös ist und als Reservoir für Schädlinge dienen kann. Auch von einer Reinigung mit einem Baukompressor, wie man es häufiger sieht, ist abzuraten, da hier der Staub lediglich gleichmäßig über die gesamte Getreideanlage verteilt wird. Rundsilos sollten je nach Umschlagshäufigkeit alle fünf bis acht Jahre eine intensive Innenreinigung erfahren, denn gerade hier sammeln sich Staub- und Kaffbestandteile im Dachbereich an und bilden dort ein Reservoir für Lagerschädlinge.
Chemische Leerraumbehandlung
Produkte wie K-Obiol EC 25 oder pyrethrinhaltige Nebelpräparate eignen sich gut zur Leerraumbehandlung. Diese Präparate erreichen auch versteckte Schädlinge, jedoch sind mehrmalige Behandlungen notwendig, da der Wirkstoff durch Licht zersetzt wird. Nebelpräparate eignen sich darüber hinaus hervorragend, um baulich schwer zugängliche Stellen wie Entnahme-Trogkettenförderer und Vollbelüftungsböden in Rundsilozellen in die Leerraumbehandlung einzubeziehen, sodass kein Reservoir für Lagerschädlinge übrig bleibt.
Kieselgur als effektive Maßnahme
Der Einsatz von amorpher Kieselgur ist nach EU-Richtlinien zulässig und eine effektive Maßnahme gegen Schädlinge. Kieselgur zerstört die Fett- und Wachsschicht der Insekten, wodurch diese austrocknen. Untersuchungen des Bundesinstitutes für Risikobewertung haben ergeben, dass selbst der Getreidekapuziner nach spätestens neun Tagen eingeht. Kieselgur kann in Konsumgetreide mit bis zu 1 kg/t und in Futtergetreide mit bis zu 2 kg/t eingesetzt werden. Auch wenn der Einsatz von Kieselgur zulässig ist, sollte diese Maßnahme mit der aufnehmenden Hand besprochen werden, da einige Abnehmer den Einsatz von Kieselgur aufgrund der verschlechterten technischen Verarbeitung ablehnen.
Einsatz von Nützlingen
Nützlinge wie die Lagererzwespe, das Getreideplattkäfer-Wespchen und die Getreideraubmilbe sind eine elegante Methode, um vor Schädlingsbefall zu schützen. Der Einsatz von Nützlingen ist jedoch zeitlich und räumlich begrenzt und muss vor der Besiedelung des Getreidelagers mit Schädlingen erfolgen. Gerade in großen konventionellen Flachlagern mit Volumen von mehr als 2.000 t oder bei diskontinuierlicher Befüllung ist der Nützlingseinsatz nur schwerlich realisierbar. Eine gründliche mechanische Reinigung des Getreidelagers, eine chemische Leerraumbehandlung sowie ein gut funktionierendes Kühlsystem sind wesentliche Garantien dafür, dass auch die Ware verkauft werden kann, die in der Ernte eingelagert wurde.
Fazit
Eine fachgerechte Lagerhaltung und Hygiene im Getreidelager sind entscheidend, um Qualitätsverluste und Schädlingsbefall zu verhindern. Durch die Kombination von prophylaktischen Maßnahmen wie gründlicher Reinigung, chemischer Leerraumbehandlung und dem Einsatz von Nützlingen sowie einer sorgfältigen Überwachung und Behandlung bei Befall kann die Lagerung von Getreide optimiert werden. Letztendlich sichern diese Maßnahmen die Qualität und Handelsfähigkeit des Getreides über die gesamte Lagerperiode hinweg.
Die Kälberaufzucht steht stärker denn je im Blickpunkt: Einzelhaltung und frühe Trennung von Kuh und Kalb werden gesellschaftlich zunehmend kritisch bewertet. Gleichzeitig brauchen Betriebe praxistaugliche Lösungen, die Tiergesundheit, Arbeitswirtschaft und Wirtschaftlichkeit berücksichtigen. Das Innovationsnetzwerk „InnoRind“ hat in den vergangenen Jahren mehrere Alternativen zur klassischen Einzelhaltung unter Praxisbedingungen untersucht – von Paarhaltung über frühe Kleingruppenhaltung bis hin zur muttergebundenen Aufzucht.
Warum rückt die Kälberhaltung in den Fokus? Wissenschaftliche Studien zeigen: Früher Sozialkontakt unterstützt die Entwicklung von Kälbern – unter anderem durch besseres Lern- und Anpassungsverhalten, höhere Futteraufnahme sowie eine stabilere Stressbewältigung. „InnoRind“ verfolgt daher das Ziel, belastbare Empfehlungen für Systeme zu erarbeiten, die soziale Bedürfnisse besser erfüllen und gleichzeitig in der Praxis umsetzbar bleiben.
Akzeptanz der Kälberhaltung
Frühe Gruppehaltung erlaubt ausgeprägtes Sozialverhalten im Verbund. Foto: Dr. Imme Dittrich
Gesellschaft und Landwirtschaft schauen unterschiedlich auf die Systeme. Bürger bewerten insbesondere kuhgebundene Aufzuchtformen sehr positiv und lehnen Einzelhaltung klar ab. Milchvieh Haltende erkennen zwar ebenfalls die Nachteile der Einzelhaltung, bewerten diese aber häufig als besser steuerbar – vor allem mit Blick auf Fütterung, Hygiene und Kontrolle.
In einer Umfrage wurde die Gruppenhaltung als realistische Lösung beziehungsweise Mindeststandard bewertet. Die muttergebundene Aufzucht stellt laut der Umfrage das Premiumsegment dar. Diese Ergebnisse unterstreichen: Es braucht Kompromisslösungen, die Tierwohl sichtbar verbessern und gleichzeitig betrieblich funktionieren.
Paarhaltung: Einstieg in mehr Sozialkontakt
Die Paarhaltung mit zwei Kälbern in einer Bucht schlägt eine Brücke zwischen Einzel- und Gruppenhaltung. Sie lässt sich oft mit geringem baulichem Aufwand umsetzen, da sich Managementroutinen und Hygienekonzepte ähnlich wie in der Einzelhaltung gestalten lassen. In den „InnoRind“-Versuchen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei Stressparametern (Speichelcortisol) oder Antibiotikabehandlungen zwischen Einzel- und Paarhaltung. Ein erhöhtes Übertragungsrisiko von Durchfallerregern konnte nicht nachgewiesen werden. Herausforderungen bleiben allerdings: Altersunterschiede sollten möglichst klein sein, und unerwünschtes Verhalten wie Nabelsaugen kann in Einzelfällen auftreten.
Ab durchs smarte Tor: Im „InnoRind“-Projekt wurde ein transpondergesteuertes Selektionstor mit integrierter Waage entwickelt. Foto: Romane Gillet
Bei gutem Management mehr Bewegung, mehr Spiel
Die frühe Kleingruppenhaltung ermöglicht Kälbern Kontakt zu mehreren Artgenossen bereits in den ersten Lebenswochen. In den Praxisversuchen zeigte sich: Systembedingte Unterschiede treten häufig hinter Managementeffekten zurück. Konsequente Hygiene, gute Kolostrumversorgung und intensive Tierbeobachtung bleiben die Schlüsselgrößen – unabhängig vom System. Interessant: In Futterkamp waren Tiergesundheit und tägliche Zunahmen in früher Gruppenhaltung und Einzeliglu insgesamt auf vergleichbarem Niveau. Gleichzeitig nahmen Kälber aus der frühen Gruppenhaltung nach der Umstallung im weiteren Verlauf signifikant mehr Tränke auf. Ökonomisch lagen die Gesamtkosten dort sogar um rund 4 % unter der Referenz – vor allem durch geringere Futterkosten.
Muttergebundene Aufzucht noch eine Nische
Aus der Vogelperspektive betrachtet – durch das Smart Gate gelingt der Wechsel zwischen Kälber- und Kuhbereich. Foto: Romane Gillet
Muttergebundene Systeme treffen die Erwartungen vieler Verbraucher besonders stark, bringen jedoch hohe Anforderungen an Stallstruktur und Management mit sich. Große Herausforderungen sind Absetzen und Trennen von der Mutter, die auch in diesem System vor dem natürlichen Zeitpunkt stattfinden. Im „InnoRind“-Projekt wurde ein transpondergesteuertes Selektionstor mit integrierter Waage entwickelt, mit dem die Kontaktzeiten zwischen Kalb und Mutter individuell reduziert werden können. Das stimuliert die Festfutteraufnahme und mindert den Absetzknick bei den täglichen Zunahmen. Für kleinere Bestände ist diese Technik sicher zu teuer, aber in größeren kann sie über die gesamte Aufzucht zusätzlich Managementinformationen zur Gewichtsentwicklung und zum Verhalten der Tiere liefern. Für Betriebe mit direkter Anbindung von Kälber- und Kuhbereich kann das Konzept perspektivisch interessant sein – insbesondere als Baustein für Premiumprogramme.
Wertvolle Praxistipps
Worauf es bei Systemumstellungen ankommt:
• Kolostrum-Management ist die Basis: Qualität prüfen, zeitnah und ausreichend verabreichen.
• Gruppen möglichst homogen bilden: Geringe Altersdifferenzen senken Konkurrenz und Fehlverhalten.
• Hygiene konsequent umsetzen: Reinigung von Tränke- und Fütterungsequipment, Rein-Raus-Prinzip nutzen
• Tierbeobachtung intensivieren: Nasenausfluss, Kotkonsistenz, Nabel und Allgemeinbefinden engmaschig kontrollieren
• Arbeitsabläufe mitdenken: Entmistung, Einstreu- und Reinigungsaufwand sowie Technikwartung realistisch einplanen
• Umbau schrittweise angehen: Paarhaltung kann ein Einstieg sein, um Erfahrung für spätere Gruppensysteme zu sammeln.
Fazit
„InnoRind“ zeigt, dass praxistaugliche Alternativen zur Einzelhaltung verfügbar sind. Besonders die frühe Kleingruppenhaltung gilt als kompatibler Weg, um Tierwohl sichtbar zu verbessern und zugleich betriebliche Realitäten zu berücksichtigen. Entscheidend bleibt ein konsequentes Management – denn nicht das Haltungssystem allein, sondern vor allem Hygiene, Fütterung und Beobachtung machen den Unterschied.
* Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.
In den vergangenen Jahren war es vielfach in den Wäldern schwierig, die Waldpflege in den jungen Laubholzbeständen voranzubringen, da die Winter zum Teil relativ nass waren und es schwierig war, geeignete Arbeitskräfte beziehungsweise Lohnunternehmer zu bekommen.
Als ein sehr gutes Verfahren hat sich die Durchforstung mit einer Kombinationsmaschine erwiesen. Ihr Motor hat eine Leistung von 55 kW. Die Maschine wiegt 5,7 t – ist also vergleichsweise leicht und wird als Kombinationsmaschine(als Harvester und als Rückezug) eingesetzt. Sie fährt auf einem Raupenlaufwerk und kann daher auch sehr gut auf schwierig zu befahrenden Standorten (zum Beispiel nasse oder moorige Standorte) eingesetzt werden. Das Ladevolumen bei der Arbeit als Rückezug beträgt 5 bis 6 rm. Die Maschine ist nur 2,1 m breit. Die erforderliche Gassenbreite für ihren Einsatz beträgt somit zirka 3 m. Der Kran hat eine Reichweite von 7,2 m. Dazu verfügt er über eine Seilwinde, mit der nicht erreichbare Bäume herangezogen werden können. Der Fälldurchmesser der zu fällenden Bäume kann maximal 40 cm betragen. Optimal ist eine Stärke von zirka 25 cm.
Die zum Rückezug beim Holzrücken umgerüstete Maschine Fotos: Rolf-Martin Niemöller
Das hierzulande unter anderem im Wald der Stadt Büdelsdorf durchgeführte Verfahren ist folgendermaßen abgelaufen: Es ging in diesem Fall um eine Durchforstung (Bestandespflege) in einem rund 30- bis 35-jährigen Laubholzwald, um dem Standraum der vorhandenen Bäume zu verbessern und die qualitativ guten Bäume (Zukunftsbäume) zu fördern.
Zur Vorbereitung wurden in einigen Bereichen die Bäume in Richtung Gasse motormanuell gefällt.
Dank des Raupenlaufwerkes war die Befahrung der Flächen auf Rückegassen unproblematisch, und es kam nur zu geringen Schäden auf den Rückegassen und Rückewegen. Aufgrund der Kranreichweite von 7,2 m konnten nicht alle Bäume von den Rückegassen aus erreicht werden. Dazu waren dann noch zwei Waldarbeiter im Einsatz, die dann diese Bäume in Richtung der Gasse gefällt haben, sodass sie für die Maschine erreichbar waren. So konnten außerdem Bäume, die aufgrund ihrer Grobastigkeit von der Maschine nicht aufgearbeitet werden konnte, von den Waldarbeitern für die Aufarbeitung vorbereitet werden.
Beim Ablegen des gerückten Holzes war es in diesem Wald günstig, dass die Maschine vom Wald aus poltern konnte und nicht mit den Ketten auf die Teerstraße fahren musste.
Messetrubel, Gespräche im Minutentakt und mittendrin Frauen, die ihre Leidenschaft für den ländlichen Raum leben. Auf der Grünen Woche in Berlin waren natürlich auch die LandFrauen wieder präsent.
In diesem Jahr gehörte Daniela Harder aus dem Ortsverein Bornhöved zu den ausgewählten Helferinnen am Messestand des Deutschen LandFrauenverbandes. Wir haben mit ihr nach einer Woche voll toller Eindrücke und Erlebnisse Bilanz gezogen.
Frau Harder, was hat Sie persönlich motiviert, sich für den deutschen LandFrauenverband auf der Grünen Woche zu engagieren?
Daniela Harder: Ich habe es für mich tatsächlich als tolle Möglichkeit gesehen, einmal etwas ganz anderes zu machen, aus meinem Alltag herauszukommen. Ich arbeite im Personalbereich bei der Otto GmbH & Co. KGaA in Hamburg, mein Alltag spielt sich im Büro ab – und diesen Pfad einmal zu verlassen, war für mich eigentlich der Anreiz. Als ich in meinem LandFrauenortsverein von der Möglichkeit erfuhr, als Helferin auf der Grünen Woche in Berlin zu arbeiten, habe ich direkt meinen Lebenslauf an den Deutschen LandFrauenverband geschickt und mich riesig gefreut, als dann tatsächlich die Zusage kam.
Wie sah denn Ihr typischer Tag auf der Grünen Woche aus – welche Aufgaben hatten Sie konkret?
Morgens haben wir immer als Erstes den Stand aufgeschlossen und Infomaterial, Broschüren und so weiter herausgelegt. Neben den Damen vom Bundesverband waren wir an jedem Tag immer mit drei Helferinnen eingeteilt. Na ja, und dann war natürlich eine unserer Hauptaufgaben, mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch zu kommen. Und viele Gespräche ergaben sich ganz von selbst. Die Frauen kamen an unseren Stand, erzählten oft ganz euphorisch von ihren eigenen LandFrauenvereinen, welche ehrenamtlichen Positionen sie bekleideten oder was für tolle Unternehmungen sie in ihren eigenen Vereinen machten. Das war für mich persönlich sehr inspirierend, und insgesamt war es einfach ein unglaublich wertschätzendes Miteinander. Auch besonders mit dem Präsidium und all den Damen unseres Bundesverbandes, das hat mich wirklich sehr beeindruckt. Am Ende des Tages war ich zwar immer etwas kaputt, aber sehr zufrieden.
Beliebter Foto-Spot auf der Grünen Woche: Daniela Harder vor dem politischen LandFrauenkuchenFoto: privat
Gab es einen Moment oder eine Begegnung auf der Messe, die Sie besonders beeindruckt oder berührt hat?
Ich persönlich fand es ganz toll, als uns Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) am LandFrauenmessestand besucht hat. Oder auch andere Politiker oder Abgeordnete, die man so in seinem persönlichen Alltag normalerweise nicht treffen würde. Es war ganz spannend zu beobachten, wie die Politikerinnen und Politiker mit ihrem Tross über die Messe zogen, natürlich zeitlich sehr eng getaktet waren, aber jeder in dem kurzen Moment seine Themen schnell platzieren wollte. Das war wirklich interessant. Einen speziellen Moment gab es für mich während meiner Arbeit auf der Grünen Woche tatsächlich nicht, mich haben einfach das Engagement und das Feuer, mit dem alle LandFrauen am Stand bei der Sache waren, total beeindruckt.
Was würden Sie sagen, macht die Arbeit der LandFrauen heute besonders wichtig – gerade auch für junge Menschen und Frauen im ländlichen Raum?
Es ist definitiv die Gemeinschaft, das Miteinander – aber auch die verschiedenen Hintergründe der vielen Frauen und der Mix aus Jung und Alt. Bei uns im LandFrauenverein Bornhöved ist das älteste Mitglied 91 Jahre alt, und das jüngste – meine Cousine – ist 31 Jahre jung. Aber auch die Unterstützung, die man hier bekommt, beeindruckt mich sehr. Ich bin erst seit drei Jahren eine LandFrau. Als meine Tante den Vorsitz bei uns im Verein übernommen hat, sind viele Frauen aus unserer Familie in den LandFrauenverein eingetreten. Und auch wenn ich erst kurz dabei bin, kann ich heute schon sagen: Egal welches Problem ich habe oder eine andere LandFrau, hier wird immer geholfen! Das gilt wirklich bei allen Themen. Irgendeiner stupst einen immer in die richtige Richtung, und man fühlt sich wirklich aufgehoben.
Was nehmen Sie persönlich aus ihren Messe-Erfahrungen mit – und würden Sie anderen Frauen auch so ein Engagement empfehlen?
Ich persönlich nehme ganz viel innere Befriedigung mit nach Hause. Zu sehen, dass ich außerhalb meiner täglichen Arbeit auch Anerkennung und so viel positives Feedback bekomme, hat mich total beeindruckt. Auch die vielen tollen Gespräche, die interessanten Menschen, die ich kennenlernen konnte, der Blick hinter die Kulissen, das Kennenlernen der tollen Damen aus unserem Bundesvorstand – all das wird mir noch sehr, sehr lange in toller Erinnerung bleiben. Und deswegen kann ich auch nur jeder LandFrau empfehlen, sich auch als Helferin für die Grüne Woche zu bewerben. Einfach mal über den Tellerrand des eigenen Ortsvereins hinauszuschauen, sich selbst aufzubauen und das lockere, positive und fröhliche Miteinander bei der Standarbeit zu erleben. Wenn ich mich noch einmal bewerben könnte, wäre ich im nächsten Jahr definitiv wieder dabei!
Die globalen Rindfleischpreise sind 2025 laut FAO im Fleischpreisindex deutlich auf 146 angestiegen (Durchschnitt 2014 bis 2016 = 100). Zum Vergleich: Der globale Index für Schweinefleisch liegt bei 107. Die „Los Angeles Times“ berichtete vor Kurzem: „Höhere Gehälter und hohe Rindfleischpreise haben die Burgerpreise in die Höhe getrieben und einkommensschwächere Kunden aus McDonald‘s vergrault.“ So wird Fast Food zum Luxusgut, die Burgerketten wie McDonald‘s berichten aktuell, dass sie in den USA Kunden verlören, weil Menüpreise stark stiegen.
Sinkende Produktion trotz höherer Preise
Die höheren Erzeugerpreise werden die Produktion von Rindfleisch aber nicht erhöhen. Das US-Landwirtschaftsministerium schätzt, dass die globale Erzeugung 2026 um 1 % gegenüber 2025 sinken dürfte. Die USA bleiben das Land mit der höchsten Rindfleischproduktion. Gründe für den dortigen Rückgang von etwa 1 % sind die geringere Verfügbarkeit von Ochsen und Färsen für die Mast sowie Importbeschränkungen für Rinder aus Mexiko. In Brasilien, dem weltweit zweitgrößten Produzent, wird die Produktion um 5 % gegenüber dem Vorjahr vor allem bei weiblichen Schlachtrindern sinken, da die Landwirte ihre Kühe länger im Bestand halten. Auch der weltweite Verbrauch von Rindfleisch wird um 1 % sinken. Er ist am höchsten in den USA, wo mit einer stabilen Entwicklung gerechnet wird, für China und Brasilien wird ein sinkender Verbrauch vorausgesagt. Brasilien und Australien, die weltweit größten Exporteure, dürften ihre Ausfuhren nach den Rekordwerten im Vorjahr reduzieren, was durch andere Staaten nicht ausgeglichen werden kann.
Deutlicher Rückgang 2025 in Deutschland
In Deutschland ist 2025 die Rindfleischproduktion um 7 % auf zirka 950.000 t gesunken. Hauptursache ist der Rückgang des Milchviehbestandes. Laut Viehzählung des Statistischen Bundesamtes vom 3. November 2025 war im Zehnjahresvergleich ein Rückgang der Milchkühe von 16 % (minus 688.000 Tiere) zu verzeichnen. Aber auch die Blauzungenkrankheit hatte einen negativen Einfluss. Deshalb ist Deutschland auf Importe von zirka 420.000 t angewiesen, um den nationalen Bedarf von etwa 9,2 kg pro Kopf zu decken. Der Großteil der Lieferungen stammte mit 86 % aus EU-Staaten. Auf Platz eins der Herkunftsländer lagen mit 25 % die Niederlande. Aus Argentinien und Brasilien wurden rund 40.000 t importiert. Exportiert wurden 529.000 t. An diesen Zahlen zeigt sich, wie sehr der deutsche Rindfleischhandel in die internationale Arbeitsteilung eingebunden ist und so von jeweils offenen Märkten profitiert.
Mercosur und Rindfleisch
Auch wegen der im Mercosur-Abkommen vorgesehenen jährlichen Lieferquote von 99.000 t Rindfleisch mit 7,5 % Zoll gab es Proteste vor dem EU-Parlament. Allerdings lohnt es sich, genauer auf die Zahlen zu sehen: Die 99.000 t entsprechen etwa der Hälfte der aktuellen Importmenge aus dem Mercosur-Raum und weniger als 2 % der gesamten EU-Rindfleischproduktion. Dazu können bei zu starkem Anstieg der Importe oder übermäßigem Preisverfall für europäische Bauern die Zölle wieder erhöht werden. Aufgrund der weltweiten Knappheit an Rindfleisch können die deutschen Rindermäster von gut auskömmlichen Preisen ausgehen, Mercosur ist für sie derzeit keine erkennbare Bedrohung.
Eine Stunde und 38 min – so lang ist der neue Wohlder Dorfkrimi „Kein schöner Tod II“, in dem überwiegend Laiendarsteller aus dem Dorf und der Region Stapelholm mitspielen – in grandioser Kulisse des Dorfes und der Treene-Landschaft und mit vielen Tieren. Initiatorin, Drehbuchautorin, Produzentin, Regisseurin und Darstellerin Ute Ochsenbauer hat mit diesem Projekt nicht nur ihre Idee von einem weiteren Dorfkrimi verwirklicht, sie hat damit auch einen echten Mehrwert für das Dorfleben und die Gemeinschaft geschaffen, der bei den Besuchenden der Filmvorführungen richtig gut ankommt.
Alles begann mit einem Tatort-Dreh vor mehr als 50 Jahren in Wohlde. „Jagdrevier“ von 1973 legte quasi den Grundstein für die beiden folgenden Dorfkrimis. Getreu dem Motto „Das können wir auch“ initiierte vor 30 Jahren Karin Nissen den ersten Wohlder Dorfkrimi „Kein schöner Tod in dieser Zeit“, schrieb das Drehbuch und schaffte es, genügend Leute zum Mitmachen zu gewinnen – und das bei einem Null-Budget.
Andreas und Ute Ochsenbauer (li.), Cläre McDaniel mit Hund Dotti (r.) freuen sich über das gelungene Projekt und den Film-Erfolg. Foto: Iris Jaeger
„Diesen Film habe ich dann vor zwei Jahren zusammen mit Wohlder Neubürgern geschaut und gedacht, der ist irgendwie so cool, eigentlich müsste es noch einmal so ein Projekt geben“, erinnert sich Ute Ochsenbauer. Der Teamgeist, die Spielfreude der Laiendarsteller, das ehrenamtliche Engagement, der Zusammenhalt, die einzigartige Atmosphäre, das alles wollte sie wieder erleben im Dorf. Die Reaktion der Mitschauenden damals fiel eher verhalten aus. Statt totaler Begeisterung kam: „Ja, ja, Ute, träum mal weiter, das wird nie was, nie.“ Doch da hatte sich die Idee bei ihr schon längst im Kopf festgesetzt.
Ute Ochsenbauer suchte den Kontakt zu Karin Nissen, der Produzentin des ersten Wohlder Dorfkrimis. Die erklärte sich bereit, das Drehbuch für die Fortsetzung zu schreiben, stand aber aufgrund ihres hohen Alters für die Umsetzung nicht mehr zur Verfügung: „Die Regie musst du dann machen, Ute“, sagte sie. „,Klar, kein Problem‘, sagte ich da noch völlig ahnungslos“, erzählt Ute Ochsenbauer. Beide nahmen sich Zeit und schrieben das Drehbuch, überlegten erste Rollenbesetzungen. Es geht um eine ältere Dame, die auf einen Enkeltrick hereinfällt. Aus Angst vor dem Betrüger zieht sie in eine Senioren-WG. Deren Bewohner helfen ihr, ihr Geld zurückzuholen, und stellen den Betrüger. Sie sperren ihn in einen Container, doch als sie ihn am nächsten Tag befreien wollen, ist er tot. Die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Bis zum ersten Drehtag am 31. Mai 2025 folgte eine Zeit von Auf und Ab, Krisen, emotionalen Achterbahnfahrten, die von totaler Euphorie bis hin zu Tränen der Verzweiflung reichten, aber Ute Ochsenbauers Begeisterung für das Projekt blieb in der Zeit unangefochten. Und diese Begeisterung war ansteckend. Einige der Darsteller aus dem ersten Krimi wollten wieder mitmachen, ebenso wie viele neue Darsteller, die sich zu einem ersten Treffen im Dorfkrug einfanden. „Die Stimmung war klasse, und da wurde uns klar, es kann wirklich losgehen“, so Ochsenbauer. Klar war da auch, dass es eine Förderung durch die Aktivregion Eider-Treene-Sorge GmbH geben würde, mit der unter anderem die Finanzierung eines professionellen Kamerateams möglich wurde. Es wurde der Verein Treenezauber gegründet, am Ende zählte das Projekt mehr als 100 Mitwirkende.
Szene aus dem neuen Dorfkrimi Foto: Ochsenbauer
Anfang Mai begannen dann die Dreharbeiten, Ende Oktober fiel die letzte Klappe. Die Drehmonate dazwischen waren geprägt von viel Engagement und Spielfreude, von Improvisation, der einen oder anderen Panne, von unerwarteten Wendungen und Überraschungen, geänderten Szenen, von weiteren Menschen, die mitspielen wollten. „Wir waren da sehr flexibel, es gestaltete sich alles sehr dynamisch, und irgendwie haben wir noch jeden mit untergebracht“, berichtet die Produzentin von ihren Erfahrungen. Ihr Learning sei gewesen, dass einige der Laiendarstellenden sich so in ihre Rolle eingefunden und diese ausgefüllt hätten, dass dadurch alles noch einmal lebendiger wurde: „Selbst wenn sie nur einen Satz zu sprechen hatten, haben sie sich eine ganze Geschichte dazu ausgedacht.“
Für viele waren es die ersten Dreharbeiten. Vor laufender Kamera und mit der Tonangel über dem Kopf sich aus der Komfortzone zu bewegen und zu sprechen, war sicherlich nicht leicht. „Das hat aber auch nur deshalb so gut funktioniert, weil Ute so offen und herzlich war, sie hat alle mitgenommen und dadurch ein Vertrauen geschaffen, das die Leute dazu bewegt hat, Hemmungen abzubauen und ihre Rolle mitunter auch frei Schnauze zu spielen“, sagt Cläre McDaniel, die die Hamburger Kommissarin in dem Krimi spielt und mit an der Organisation beteiligt war.
Einige schnacken auf Plattdeutsch und so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Künstlerische Freiheit – das mache den Film so lebendig. Dabei ging es nie um den perfekt inszenierten Krimi, sondern darum, das Landleben auf eine ganz eigene Art und Weise und so vielfältig wie möglich abzubilden, mit Dorfbewohnern, Landwirtschaft, Treckern, Gaststätten, kleinen Läden und ganz viel Landschaft. „Wir wollten das Dorf zeigen, wie es ist, mit allen heute dazugehörenden Facetten“, so Ochsenbauer. Das sei auch durch das Mitwirken vieler Vereine und weiterer Engagierter gelungen. Dorfbewohner und Einrichtungen wie der Dorfkrug öffneten ihre Türen, halfen bei Requisiten und der Verpflegung, stellten Fahrzeuge und Räumlichkeiten zur Verfügung. Und in dem Film spielen viele Tiere mit, darunter auch die mit 22 Jahren älteste Kuh von Wohlde. Es wurde zusammen gegessen und zusammen gelebt, so wie es früher einmal auf den Dörfern war. „Wie schön so eine Gemeinschaft sein kann, wenn man miteinander an einem Strang zieht und auf ein Ziel hinarbeitet!“, schwärmt Ute Ochsenbauer. Das Projekt habe die Menschen zusammengebracht, es seien Freundschaften entstanden, und das Miteinander bestehe noch immer. Das Schneiden des Filmmaterials sei dann noch einmal eine ganz andere Herausforderung gewesen.
Seit November laufen die Filmvorführungen, unter anderem war der Krimi in Husum zu sehen und in zahlreichen Dörfern. Die mehr als positive Resonanz der Zuschauer sei überwältigend: „Ich bin jedes mal wieder berührt. Und zu sehen, wie die Leute sich freuen, wenn sie den Film sehen, ist für mich der Lohn des Sommers“, so Ochsenbauer. Weitere Vorführtermine bis März sowie einen Blog zum Filmdreh und mehr Infos gibt es unter www.treenezauber.de
1909 erbaut, war die Fischauktionshalle Mittelpunkt für die prosperierende Fischereiwirtschaft in Kiel. Der Erste Weltkrieg und die folgende Wirtschaftskrise ließen den Fischhandel jedoch massiv einbrechen, und die Halle blieb in der Folge längere Zeit ungenutzt. Das vom ehemaligen Stadtbaurat Georg Pauly entworfene Gebäude mit dem charakteristischen Spitztonnendach wurde dann nach eingehender Diskussion unter Denkmalschutz gestellt. Nach aufwendigen Renovierungen 1978 und 2014 bietet die Halle Platz für das Schifffahrtsmuseum.
Das Kieler Schifffahrtsmuseum ist in einer ehemaligen Fischauktionshalle untergebracht. Foto: Imme Feldmann
Drei historische Schiffe liegen an der Museumsbrücke bei der ehemaligen Fischauktionshalle: das Feuerlöschboot „Kiel“ von 1941, das Seenotrettungsboot „Hindenburg“ von 1943 und der Dampftonnenleger „Bussard“ von 1906. In der Sommersaison bietet die ehrenamtliche Crew vom Verein Dampfer Bussard e. V. Fahrten auf der Kieler Förde an. In Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Warleberger Hof wird im Museum Fischhalle ganz maßgeblich in einer Dauerausstellung die Geschichte der Stadt Kiel vermittelt. Als „Holstenstadt tom Kyle“ zwischen 1233 und 1242 von Graf Adolf IV. von Holstein gegründet, bezeichnete die Stelle an der Förde damals aufgrund politischer Machtverhältnisse die einzige Möglichkeit für einen sächsischen beziehungsweise holsteinischen Ostseehafen.
Die ältesten heute noch stehenden Gebäude sind die Reste des Franziskanerklosters und die Nikolaikirche. Lange Jahre war Kiel eine kleine, beschauliche Stadt; immerhin erfolgte dort im Jahr 1665 die Gründung der Christian-Albrechts-Universität von Gottorf aus. Kiel-Ellerbek war einst ein idyllisches Fischerdorf. Der Krieg von 1864 brachte die Wende: Nach dem Sieg der Preußen und Österreicher über Dänemark ordnete der preußische König die Verlegung der Marinestation der Ostsee von Danzig nach Kiel an. Die „zweite Geburt“ der Fördestadt ereignete sich, fortan entwickelte Kiel sich zu einer Großstadt (heute: rund 220.000 Einwohner).
„Der Kieler Hafen“ 1905, Schulwandbild nach einer Vorlage von Carl Saltzmann: aus der Zeit, als Kiel Reichskriegshafen war. Foto: Imme Feldmann
Bereits im Jahr 1867 wurde der Standort Kriegshafen der späteren Kaiserlichen Marine. Die Kaiserliche Torpedowerkstatt wurde in Friedrichsort eingerichtet: Fortan wurde in maritimer Hinsicht forciert aufgerüstet. Mit der Deutschen Reichsgründung wurde Kiel wie Wilhelmshaven Reichkriegshafen. Manches, was in Bezug auf die Stadt heute noch populär ist, beispielsweise das große Volksfest Kieler Woche (an Aufwand und Stellenwert mit dem Oktoberfest in München zu vergleichen), hat seinen Ursprung in der Kaiserzeit.
1882 fand nämlich die erste Kieler Woche statt, seit 1885 wurde sie als Kombination von Schiffsparade, Segelregatten und Volksfest veranstaltet. Kaiser Wilhelm II. als Commodore des Kaiserlichen Yacht-Clubs besuchte sie regelmäßig, ebenso sein Bruder Prinz Heinrich, der bekanntlich im Kieler Schloss residierte.
Ein großes Ereignis war die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals im Juni 1895. Der heutige Nord-Ostsee-Kanal wurde bald der meistbefahrene Kanal der Welt. Kiel als mit dem Kanal verbundene Hafenstadt wurde nun Haupthafen der deutschen Kriegsflotte. Ende 1918 war die Stadt Schauplatz des Matrosenaufstands – im Jahr 2018 ist dieses Datums ausführlich gedacht worden, es wurde historisch aufgearbeitet.
Der Museumshafen (unter anderemmit einem Feuerlöschboot von 1941) liegt direkt hinter dem Schifffahrtsmuseum Foto: Imme Feldmann
Mit dem Kieler Matrosenaufstand begann am 3. November 1918 eine Revolution, die maßgeblich zum Ende des Ersten Weltkriegs beitrug. Eine zeitgenössische Karikatur, im Museum zu finden, zeigt Kaiser Wilhelm II. in bürgerlicher Kleidung gen Holland enteilen, die Uniform und die Pickelhaube unter den Arm geklemmt, während Matrosen ihm freundlich lächelnd zum Abschied winken: „Hier weht ein Kieler Wind!“
In der Zeit des Nationalsozialismus war Kiel wiederum wichtiger Stützpunkt der Kriegsmarine und Standort von drei Großwerften. Daher wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg durch westalliierte Luftangriffe zu weit über 80 % zerstört. Die Kieler Förde war bei Kriegsende ein riesiger Schiffsfriedhof, rund 350 Schiffe wurden dort versenkt. Nach Kriegsende gehörte die Stadt zur britischen Besatzungszone. 1946 wurde das Land Schleswig-Holstein gegründet, Kiel wurde als Hauptstadt benannt. Wiederaufbau und Wirtschaftswunder prägten die folgende Zeit. Ab 1956 war Kiel wiederum wichtigster Stützpunkt der Bundesmarine an der Ostseeküste; nach der Wiedervereinigung änderte sich dies, die U-Boote wurden beispielsweise nach Eckernförde verlegt.
1972 war Kiel Austragungsort der Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele Foto: Imme Feldmann
Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ wurde 1958 von der Bundesmarine als Segelschulschiff in Dienst gestellt, seitdem ist Kiel der Heimathafen dieser bekannten Dreimastbark. 1972 – also 36 Jahre nach den berühmt-berüchtigten Olympischen Sommerspielen 1936, deren Hauptaustragungsort Berlin war – war Kiel wieder Austragungsort der Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele, diesmal im neuen Olympiazentrum Schilksee. Auch die Tradition als Kreuzfahrthafen wurde in gewisser Weise schon von Kaiser Wilhelm II. begründet, er hatte ein Faible für Nordlandfahrten, besonders Norwegen hatte es ihm angetan. Außerdem richtete er eigens eine von Carl Saltzmann (einem seiner Lieblingskünstler) geleitete Klasse für Marinemalerei an der Berliner Kunstakademie ein, damit die maritime Aufrüstung mithilfe der Malerei dokumentiert werden konnte.
All diese Details, die in der Stadt heute nicht mehr unmittelbar präsent sind, wurden von Historikern aufgearbeitet. Als Besucher des Schifffahrtsmuseums gerät man ins Staunen, was sich in Kiel alles schon ereignet hat.
Wie innovative Technik mithilfe gezielter Förderung in die Praxis gelangen kann, erfuhren die knapp 1.000 Besucher beim VR-Landwirtschaftstag, der am Montag in Neumünster stattfand.
„Wir fördern Hightech-Projekte im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft“, berichtete die Landwirtschaftsministerin Schleswig-Holsteins, Cornelia Schmachtenberg (CDU). Wissenstransfer und Vernetzung seien hier im Fokus. Mit Blick auf die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) kritisierte sie das bislang vorgesehene Budget als zu niedrig. Da die EU-Kommission bereits im Rahmen der Mercosur-Verhandlungen zu Zugeständnissen bereit gewesen sei, vermutet sie weiteren finanziellen Spielraum, den es auszureizen gelte. Auch bei der geplanten Förderstruktur müsse nachgebessert werden. Wenn die Nationalstaaten große Freiheiten bekämen und eigene Förderschwerpunkte festlegten, steige das Risiko für Wettbewerbsverzerrungen, mahnte Schmachtenberg. Kappung und Degression lehne die Kieler Landesregierung ab. Potenzial für bürokratische Entlastungen sieht die Ministerin vor allem im Datenmanagement.
Kritik an Verschiebepolitik
Auch Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), fordert eine GAP, die fairen Wettbewerb unterstützt. Hinsichtlich der Förderung von Naturschutzmaßnahmen stellte er klar: „Wir müssen damit Geld verdienen können.“ Ein Kostenausgleich sei nicht ausreichend. Lucht mahnte zudem, die Ernährungssouveränität nicht außer Acht zu lassen. „Wenn wir es nicht schaffen, unsere Bevölkerung in Europa vernünftig zu ernähren, kann es zu sozialen Verwerfungen kommen“, warnte er. In diesem Zusammenhang fordert er schnellere Zulassungsverfahren für neue Pflanzenschutzmittelwirkstoffe. Seit 2019 sei nicht ein einziger neuer Wirkstoff zugelassen worden – in England hingegen vier. Grundsätzlich gebe es zu viel „Verschiebepolitik“. Als Beispiele nannte er die EU-Entwaldungsverordnung und das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG). Wenn die Förderung für Stallumbauten gestrichen werde, könne das THKG auch ganz weg, so Lucht.
Felix Lutz von der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission verteidigte die GAP-Vorschläge. Er räumte aber ein: „Eine gewisse Renationalisierung kann man nicht abstreiten.“ Man wolle den Mitgliedstaaten Spielräume geben, um auf die Gegebenheiten vor Ort einzugehen. Mit Blick auf Kappung und Degression erklärte er: „Die Kassen sind knapper.“ Durch eine Analyse sei die Kommission zu dem Schluss gekommen, dass Großbetriebe weniger auf Zahlungen aus Brüssel angewiesen seien.
Bürokratie bremst
Ruben Soth, Digitalisierungsexperte bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, berichtete von bürokratischen Hindernissen bei der Etablierung von Agrardrohnen in der Praxis. Genehmigungsprozesse dauerten ein Jahr und länger. Das reduziere den Mehrwert. Grundsätzlich sei Hightech auf den meisten Betrieben bereits Realität. Soth schilderte: „Wir wissen vor den Pflanzen, dass sie Nährstoffmangel haben, und vor der Kuh, dass sie Fieber bekommt.“
Landwirt Carsten Stegelmann sieht in moderner Technik in Kombination mit Künstlicher Intelligenz (KI) Potenzial, Betriebsmittel einzusparen. Er betonte: „Obwohl der Green Deal gerade nicht das oberste Thema ist, beschäftigen wir Landwirte uns trotzdem intensiv damit.“ Moderne Maschinen sollten aus seiner Sicht deutlich selbsterklärender sein. Es koste oft viel Zeit, „bis man in einem System drin ist und es effizient nutzen kann“. Alke Hedemann von John Deere bestätigte diesen Eindruck. Sie berichtete: „Bei Vorführungen müssen wir eine Menge erklären, möglichst schnell und möglichst einfach.“
Thorsten Eichert, Geschäftsführer des Drohnen-Dienstleisters Drone Safty, machte Hoffnung: „Die Vernetzung von Maschinen untereinander wird besser.“ Mit Drohnen erstellte Applikationskarten ließen sich gut auf andere Maschinen übertragen.
Prof. Martin Braatz, Dekan des Fachbereichs Agrarwirtschaft der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW), berichtete: „Digitalisierung und digitales Datenmanagement sind in der Lehre an der HAW eingezogen.“ Neue Technologien würden immer komplexer, deswegen gehörten regelmäßige Fortbildungen auf den Maschinen dazu.
Christopher Braun, Abteilungsleiter Agrarwirtschaft der DZ Bank, informierte, dass es je nach Förderschwerpunkt große Unterschiede bei den Kreditkonditionen gebe, und riet den Landwirten, sich vor Investitionsentscheidungen intensiv beraten zu lassen.
Stefan Lohmeier, Sprecher der Volksbanken Raiffeisenbanken (VR), betonte: „Technik bewegt viel, aber was Landwirtschaft wirklich ausmacht, sind die Menschen.“ Er sehe große Innovationskraft auf den Betrieben. Das wolle man honorieren und habe deswegen in diesem Jahr wieder den VR-Landwirtschaftspreis ausgelobt. Bewerbungsfrist ist der 15. Februar.
Zum Abschluss des VR-Landwirtschaftstages bat Stefan Lohmeier (li.) Werner Schwarz (CDU) auf die Bühne. Der ehemalige Landwirtschaftsminister und BVSH-Präsident riet, Entwicklungen genau zu beobachten, um den eigenen Betrieb frühzeitig zukunftsfähig aufzustellen.
Vom 19. bis 21. Mai findet in Hamburg die EU-GAP-Netzwerkkonferenz „Wasserresilienz in der Landwirtschaft: Innovation in der Praxis“ statt.
Die Veranstaltung bringt rund 300 Teilnehmende aus ganz Europa zusammen, darunter Landwirtinnen und Landwirte, landwirtschaftliche Beratung, Forschung sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung. Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Lösungen, wie Land- und Forstwirtschaft angesichts von Klimawandel, Trockenheit und Starkregen widerstandsfähiger werden können.
Neben Fachvorträgen, Workshops und einem Innovationsmarkt finden am 19. Mai Exkursionen statt. Diese werden unter anderem vom Innovationsbüro der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein organisiert und zeigen in der Region entwickelte, praxiserprobte Ansätze zur Verbesserung der Wasserresilienz, von bodenschonenden Bewirtschaftungsmethoden über digitale Anwendungen bis hin zu naturbasierten Lösungen.
Die Konferenz bietet eine wichtige Plattform, um Ergebnisse aus EU-geförderten Projekten der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-Agri) sowie Horizon-Europe-Vorhaben sichtbar zu machen und ihren Transfer in die landwirtschaftliche Praxis zu beschleunigen. Gleichzeitig steht der Austausch zwischen Praxis, Beratung und Forschung im Vordergrund.