Start Blog

Riechen wie die Profis

Die sensorische Prüfung von Lebensmitteln ist ein normierter Prüfvorgang zur Beurteilung der Produktqualität. Die Mitglieder des Qualitätsausschusses bei der Landwirtschaftskammer ließen ihre sensorischen Fähigkeiten in der KIN-Akademie in Neumünster weiter verfeinern.

Das Lebensmittelinstitut KIN e. V. beschäftigt sich mit Produktqualität und Lebensmittelsicherheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

In der KIN-Akademie schulten die Mitglieder des Qualitätsausschusses ihre sensorischen Fähigkeiten. Foto: Sandra van Hoorn

Der Qualitätsausschuss setzt sich zusammen aus Vertretern der Land- und Ernährungswirtschaft, des Lebensmitteleinzelhandels und -handwerks, der Politik, der Verwaltung und des Verbraucherschutzes. Als unabhängiges Gremium verantwortet der Qualitätsausschuss die Vergabe des Gütezeichens Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein und die Steuerung der Qualitätsarbeit. Viele Mitglieder des Qualitätsausschusses weisen bereits eine sensorische Ausbildung und eine langjährige Erfahrung in der Prüfung von Lebensmitteln nach. Gerade aber für die neuen Mitglieder und die Vertreter aus produktionsfernen Bereichen bot das Sensorik-Seminar in der KIN-Akademie wertvolle Instrumente zur neutralen und reproduzierbaren Prüfung von Lebensmitteln.

Bei der sensorischen Beurteilung kommt es nicht darauf an, dass das Produkt den Prüfenden besonders gut schmeckt. Es geht vielmehr um die neutrale Prüfung der zu erwartenden Eigenschaften und der angegebenen Produktspezifikation. Als Messinstrumente werden die fünf menschlichen Sinne eingesetzt. Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Tasten sind die Fertigkeiten, die es zu schulen gilt. Welche Farbe hat ein Produkt, wie riecht und schmeckt es, knackt es beim Abbeißen, und wie fühlt es sich an? Dabei ist es wichtig, das eigene Urteilsvermögen einschätzen zu können. Nicht alle Menschen können die Grundgeschmacksarten süß, salzig, sauer, bitter und umami gleich gut unterscheiden. Bei der Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist zudem ein einheitliches Vokabular wichtig. Aromaräder für spezielle Produktgruppen helfen bei der Wortfindung: Schmeckt es buttrig oder fettig, erdig oder muffig?

Yvonne Spethmann (KIN; r.) demonstrierte den Einfluss der Nasenschleimhaut auf die Wahrnehmung von Aromen. Foto: Sandra van Hoorn

Ähnlich komplex geht es bei der Schulung der weiteren Sinne zu. Auch ein gutes Vermögen für die Farberkennung ist wichtig, denn „das Auge isst mit“. Hier spielt auch der Instinkt eine große Rolle, denn er schützt vor Lebensmittelvergiftungen durch die Aufnahme verdorbenen Essens. Eine systematische Methodik hilft bei der Reproduzierbarkeit von Ergebnissen. Bei Unterschiedsprüfungen können Rangordnungen nach Ausprägung des Merkmals festgelegt werden. Paarweise Vergleichsprüfungen und Dreiecksprüfungen werden häufig in der Produktentwicklung eingesetzt.

Das Seminar gab den Mitgliedern des Qualitätsausschusses einen guten Überblick über objektive Bewertungsmethoden und eine Einschätzung eventueller eigener Schwächen in der sensorischen Wahrnehmung. Die geschulten Fähigkeiten werden in Zukunft eingesetzt, um neue Produkte mit dem Gütezeichen noch professioneller bewerten zu können.

Vielseitig und mental stark im Pferdesport

Einmal im Jahr lädt der Pferdesportverband Schleswig-Holstein (PSH) zu seiner Landesbreitensporttagung ein. In diesem Jahr stand die „zukunftsorientierte Basisausbildung“ im Mittelpunkt. Die Sportpsychologin und Pferdewirtin Sophia Völcker, die Trainerin und Richterin im Fahren Sabine Leistikow und der langjährige Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter, Martin Plewa, referierten.

Die Federführung für die Veranstaltung lag bei Miriam Engel-Zinßius, Referentin Breitensport, Vereine und Betriebe beim PSH, die schon im vergangenen Jahr mit Unterstützung zahlreicher engagierter Helfer die Tagung ausgerichtet hatte. Das Programm lockte mehr als 100 Teilnehmer – Richter, Ausbilder, Jugendleiterassistenten, aber auch aktive Reiter – auf das Gut Immenhof in Malente, Kreis Ostholstein. Dort beschäftigten sie sich mit einer vielseitigen und auch mentalen Ausbildung des Reiters sowohl in der Theorie als auch in der Praxis.

Mit besonderer Spannung wurde der Vortrag von Martin Plewa erwartet. Er erläuterte, warum es so wichtig sei, in der reiterlichen Ausbildung den Schwerpunkt auf Vielseitigkeit und Abwechslung zu legen. In der praktischen Vorführung erklärte er, wie man Anfänger schon von der ersten Reitstunde an ans Springen heranführt. Reit­unterricht bestehe nicht vordergründig darin, technische Fähigkeiten wie das Angaloppieren, sondern in erster Linie Bewegungsgefühl zu vermitteln. Das bedeute insbesondere, einen geschmeidigen und zügelunabhängigen Sitz im Schritt, Trab und Galopp zu erlernen. Wie die Ausbildung des Anfängers in der Praxis aufgebaut wird, demonstrierte er nach seinem Vortrag mit drei jungen Probandinnen und ihren Ponys.

Früh springen

Das Voltigieren an der Longe auf einem mit Sattelpad und Voltigiergurt ausgerüsteten Pferd sei ideal, um sich mit allen drei Grundgangarten vertraut zu machen und sich auszubalancieren. Er selbst sei ein großer Fan des Führzügelunterrichts, so der Reitmeister. Kleine „Hindernisse“ wie Stangen oder Bodenwellen können an der Hand zunächst nur im Schritt, später auch im Trab überwunden werden, um das Gefühl für Veränderungen in der Bewegung zu spüren und sich in der Körperhaltung anzupassen. Der Reiter sitzt dabei ohne Bügel auf dem Pferd.

„Wer schon im Pad ausbalanciert sitzt, fällt nicht so schnell runter“, erklärte Martin Plewa der kleinen Ebba. Foto: Assia Tschernookoff

Ebba Schweiger, selbst keine Anfängerin mehr, demonstrierte einen ausgesprochen gut ausbalancierten Sitz auf ihrem Pony Tanja nur auf einem Pad. Martin Plewa lief immer dicht neben den beiden her, erst an der Hand, dann an der Longe. „Mit meiner Nähe kann ich als Ausbilder Vertrauen und Sicherheit vermitteln“, sagte er.

Anschließend kamen Aurelia Schmeiser und Hermine von Wintzingerode mit ihren Ponys Duke of Hallali und Tewdwr Chumbawamba in die Bahn. Als fortgeschrittene Reiter zeigten sie, wie man im Sattel mit verkürzten Bügeln und im leichten Sitz verschiedene Sprünge im Gleichgewicht überwinden kann, und zwar ohne die Zügel anzufassen. Die Reiterinnen griffen stattdessen in den Halsriemen oder stützten sich mit den Händen am Hals ab. Plewa plädiert für das frühzeitige Erlernen des Springens, weil es das Gleichgewicht schule und Beweglichkeit und Losgelassenheit verbessere: „Wer springen kann, ist sattelfester.“ Marie Nehring, die in Oelixdorf, Kreis Steinburg, eine Kinderreitschule betreibt, erzählte: „Ich habe Sprünge in meinem Unterricht immer erst später eingebaut, aber ich werde es jetzt ausprobieren, meine Kleinsten schon am Anfang an das Springen heranzuführen.“

Selbstbewusst im Sattel

Der Workshop mit Sophia Völcker ergänzte Plewas Ausführungen aus der Sicht der Sportpsychologie. Die Expertin erarbeitete mit den Teilnehmern, wie man als Trainer das Selbstvertrauen der Reitschüler stärken und ihre Motivation fördern kann. Die Reiter wiederum durften in dieser Hinsicht ihre Wünsche an die Ausbilder formulieren. Denn Lob und Anerkennung fördern den Spaß und die Freude am Reiten in Verbindung mit dem Pferd und stärken das Vertrauen des Reiters in die eigenen Fähigkeiten, um sich neue Ziele zu stecken. Motivierend sei, nicht nur den Blick auf das zu richten, was man erreichen wolle, sondern auch immer zurückzuschauen, was man alles erreicht habe und was inzwischen viel besser klappe als noch vor ein paar Wochen.

Unter der Anleitung von Sabine Leistikow demonstrierten Anne Rahlf und ihre neunjährige Tochter Imke mit der Haflingerstute Maja und dem erst sechsjährigen Pony Nina, wie man vielseitige Arbeit mit dem Pferd vom Boden aus gestalten und insbesondere in den Wintermonaten für Abwechslung im Training sorgen kann. Am langen Zügel meisterten sie die verschiedensten Übungen in einem Parcours aus Kegeln und Stangen. Da ihre Pferde nicht nur geritten, sondern auch gefahren werden, kennen sie die langen Leinen.

„Reitpferde brauchen in der Regel kaum 10 min, um mit dieser Zügelführung zurechtzukommen. Sie gewöhnen sich ebenso schnell daran, dass der Reiter hinter ihnen geht“, versicherte Leistikow. Man solle darauf achten, langsam den Schwierigkeitsgrad zu steigern und in kleinen Schritten mit vielen kurzen Pausen zu beginnen: „Die Pferde müssen sich sehr konzentrieren und ermüden schnell.“

Zum Abschluss informierte Anna-Sophie Laurenz aus der Abteilung Pferdesportentwicklung über breitensportlich relevante Neuerungen.

Datenübermittlung vereinfachen

0

Ein gemeinsames Projekt des Kieler Landwirtschaftsministeriums (MLLEV), der Staatskanzlei und des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) prüft, wie die Datenübermittlung der landwirtschaftlichen Betriebe im Rahmen von Meldepflichten und Antragsverfahren vereinfacht und die Benutzerfreundlichkeit verbessert werden können. Ziel ist es, den Arbeitsaufwand für die Betriebe spürbar zu reduzieren und doppelte Dateneingaben zu vermeiden.

„Unsere landwirtschaftlichen Betriebe leisten täglich wertvolle Arbeit. Mit dem geplanten Datenportal Landwirtschaft wollen wir Melde- und Antragsverfahren für staatliche Leistungen vereinfachen, doppelte Dateneingaben vermeiden und IT-Zugänge nutzerfreundlicher gestalten“, so Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Ziel sei es, den Betrieben mehr Zeit für ihr Kerngeschäft zu verschaffen.

Dirk Schrötder. Foto: Land SH

Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) sagte: „Um unseren Staat weiter zu modernisieren, wollen wir mehr Tempo in die digitale Transformation unseres Landes bringen.“ Die Menschen in Schleswig-Holstein hätten zu Recht den Anspruch an die Verwaltung, dass sie schnell und serviceorientiert agiere – dies gelte im Privaten ebenso wie in Unternehmen und den zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben im Land. Die Dokumentation und Übermittlung von Daten seien wichtig, aber gerade an langen, intensiven Arbeitstagen in der Landwirtschaft müsse dies vollständig digital, medienbruchfrei und möglichst intuitiv geschehen. Aus diesem Grund habe das Projekt eine große Bedeutung.

Geprüft wird darin die Einführung eines zentralen „Datenportals Landwirtschaft“. Dieses soll bestehende Fachverfahren um eine vereinfachte Zugangsstruktur und zentrale Funktionen ergänzen, sodass Landwirtinnen und Landwirte ihre Daten künftig schneller und einfacher übermitteln können – ohne dass alle IT-Verfahren neu entwickelt oder zusammengeführt werden müssen.

Aktuell sind die Betriebe verpflichtet, regelmäßig Daten an verschiedene Landesbehörden und den Bund zu übermitteln. Dazu gehören etwa Tierbestandszahlen, Angaben zur Flächennutzung, Düngedaten oder Daten für Förder- und Ausgleichszahlungen, zum Beispiel im Rahmen der Agrarförderung. Die Meldungen erfolgen über verschiedene IT-Verfahren wie das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT) oder den Tierseuchenfonds Schleswig-Holstein. Dadurch kommt es teilweise zu mehrfachen Dateneingaben gleicher Informationen.

Zudem muss für jedes Verfahren ein eigener Zugang genutzt werden, was die Dateneingabe erschwert. Technische Einschränkungen können die Prozesse zusätzlich verlangsamen und den Arbeitsalltag der Betriebe belasten.

In der ersten Projektphase werden Schwachstellen identifiziert und Ansatzpunkte für Verbesserungen erarbeitet. Anschließend wird geprüft, wie ein mögliches Datenportal die Übermittlung effizienter und nutzerfreundlicher gestalten kann.

Klaus-Peter Lucht. Foto: rq

Da die Dokumentationspflichten nicht in den Zuständigkeitsbereich der Landesverwaltung fallen, liegt der Fokus des Projekts auf den Meldepflichten und dem Antragswesen der Landwirtinnen und Landwirte.

Die Konzeption des Datenportals Landwirtschaft ist bis Ende September 2026 vorgesehen. Im Anschluss soll die technische Umsetzung der konzipierten Lösung für das Datenportal Landwirtschaft erfolgen. Die konkrete Dauer wird von den Ergebnissen der Analysephase abhängen.

BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht untestrich: „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe verbringen heute viel zu viel Zeit mit der Eingabe und Übermittlung von Daten in unterschiedliche Systeme. Daher freuen wir uns, dass auf unsere Initiative hin nun ein Datenportal entwickelt werden soll.“ Wenn das Portal dazu beitrage, Informationen künftig nur einmal eingeben zu müssen, und Verfahren einfacher und schneller würden, sei das ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Betriebe. „Entscheidend ist für uns, dass das System wirklich praxistauglich ist und Bürokratie nicht nur digitalisiert, sondern tatsächlich reduziert wird“, so Lucht.



Im Bonbonbeet riecht und schmeckt es verführerisch

0

Warum nicht gemeinsam mit den Kindern ein „Bonbonbeet“ anlegen, wo nach Herzenslust geschnuppert, probiert und beobachtet wird? Schließlich duftet und schmeckt so manche Pflanze nach Schokolade oder anderen Süßigkeiten. Und so ganz nebenbei kommen Kinder dem Garten und dem Gärtnern näher.

Die Minze ‚Erdbeere‘ hält, was ihr Name verspricht. Sie riecht und schmeckt nach reifen Erdbeeren. Foto: Karin Stern

In ein solches Beet gehört allein schon wegen ihres Namens die Gummibärchen-Blume (Cephalophora aromatica). Der aus Chile stammende Korbblütler wird hierzulande einjährig kultiviert. Im April gesät, zeigen sich im Sommer kleine, gelbe Blütenbälle. Beim ­Zerreiben duften sie traumhaft nach Gummibärchen. Die etwa 40 cm hohe Pflanze benötigt einen sonnigen Standort auf magerem, sandigem und durchlässigem Boden. Tipp: Mit etwas Glück bekommt man vorgezogene Pflanzen im Gartenmarkt oder bestellt sie im Internet. Auch in dem breiten Sortiment der Minzen (Mentha) finden sich ei­nige interessante Vertreter fürs Bonbonbeet. Der klassische Pfefferminzduft reißt Kinder nicht unbedingt vom Hocker, aber interessanter wird es bei der Erdbeer-Minze ‚Erdbeere‘ (Mentha species) oder der Schoko-Minze ‚Schoko‘ (Mentha x piperita var. piperita). Letztere erinnert vom Geschmack her ein wenig an Minz-Schokolade und schmeckt prima zu Eis oder Süßspeisen. Und auch die Erdbeer-Minze hält, was ihr Name verspricht: Bei Berührung verströmen die Blätter einen süßen Duft, und auf der Zunge entfaltet sich das Aroma reifer Erdbeeren.

Wenn man die Blütenbälle der Gummibärchenblume zerreibt, riecht es nach Fruchtgummi. Foto: Karin Stern

Apropos Erdbeeren – Walderdbeeren sind ein guter Pflanzpartner zu Minzen. Beide kommen gut im Halbschatten zurecht und bevorzugen einen ausreichend feuchten Boden. Sortentipp: ‚Waldkönigin‘ mit schmackhaften, hocharomatischen Früchten. Die ersten Blüten der Walderdbeeren erscheinen im April, die letzten öffnen sich im Juni. Entsprechend lang ist der Erntezeitraum, in dem immer wieder leckere Früchtchen genascht werden können, sobald sie sich rot eingefärbt haben. Tipp: Bei heißem, trockenem Wetter ausreichend feucht halten.

Walderdbeeren sind zwar klein, aber hocharomatisch. Foto: Karin Stern
Die Blätter des Marienblattes duften auch getrocknet angenehm nach Kaugummi. Foto: Karin Stern

Die Kaugummipflanze (Chrysanthemum balsamita) riecht genau wie der bekannte Spearmint-Kaugummi. Die 60 cm hohe Staude wird häufig auch unter der Bezeichnung „Marienblatt“ angeboten. Früher verwendete man die getrockneten Blätter als duftende Lesezeichen im Gesangbuch. Ab August zeigen sich gelbe Korbblüten, die an Rainfarn erinnern. Man gibt der unkomplizierten Staude einen sonnigen Standort.

Natürlich darf in einem Bonbonbeet auch das Schokoladen-Aroma nicht fehlen. Für diese Duftrichtung bieten sich einige interessante Vertreter an. Beginnen wir mit der Schokoladen-Kosmee (Cosmos atrosanguineus), die manchmal auch als „Schokoladenblume“ angeboten wird. Die herrlich dunkelbraunroten Blüten verströmen einen Zartbitter-Duft. Die Pflanze blüht von Juli bis Oktober an sonnigen Plätzen. Leider ist die duftende Schönheit nicht sicher winterhart. Die Knollen der etwa 60 cm hohen Pflanze sind daher wie die der Dahlien zu behandeln. Sie kommen nach den Eisheiligen ins Beet (alternativ im Topf vorziehen) und werden im Herbst wieder ausgegraben. Den Winter verbringen die Knollen kühl und frostfrei im Keller. Tipp: Die Schokoladen-Kosmee als Kübelpflanze kultivieren, dann muss nur der Topf ein- und ausgeräumt werden.

Die gelben Blüten der Schokoladenblume duften nach Vollmilchschokolade. Foto: Karin Stern
Die noch nicht geöffneten Blüten der Schokoladenblume sind optisch äußerst reizvoll. Foto: Karin Stern


Eher Richtung Vollmilchschokolade tendiert der Duft der Schokoladenblume (Berlandiera lyrata). Ihre gelben Blüten erscheinen ab Juni und duften bei starker Sonnenstrahlung besonders intensiv. Im Handel bekommt man Jungpflanzen, Samen und Knollen. Die Anzucht aus Samen ist recht unkompliziert. Am besten kultiviert man die Schokoladenblume als Kübelpflanze, da sie aufgrund ihrer mexikanischen Herkunft nicht sicher winterhart ist. Als Substrat empfiehlt sich eine gute, mit Sand vermischte Blumenerde. Die Schokoladenblume schätzt einen eher trockenen, wasserdurchlässigen und mäßig nährstoffreichen ­Boden.

Der Name der Zitronenmelisse verrät bereits ihre Duftnote. Foto: Karin Stern

Was die Winterhärte angeht, völlig unkompliziert präsentiert sich die heimische Zitronenmelisse (Melissa officinalis). Ihren Duft setzt sie frei, wenn man mit den Händen leicht über die Blätter streicht. Die anspruchslose Zitronenmelisse kommt auch noch an halbschattigen Standorten zurecht und wächst etwa 80 cm hoch. Wer nicht überall im Garten den Nachwuchs finden möchte, schneidet die Pflanze gleich nach der Blüte zurück.

Milchpreise stabilisieren sich

0

Die Milchanlieferung hat sich zuletzt noch deutlich weiter erhöht. Sie liegt nach wie vor um mehr als 6 % über der Vorjahreslinie. Die Milchpreise für den Abrechnungsmonat Februar sind daher auch erneut etwas gefallen, allerdings nur noch minimal. Die Talsohle ist somit erreicht.

Die Meiereien haben ihren Grundpreis überwiegend unverändert zum Vormonat belassen. Nur bei fünf Meiereien kam es zu weiteren Absenkungen zwischen 1 und 5 ct/kg Milch. Der Durchschnittspreis liegt nun bei 33,16 ct/ kg und damit um 0,79 ct unter dem Vormonatsniveau. Die Spanne bewegt sich zwischen 25,20 und 40,00 ct/ kg und ist somit unverändert zum Vormonat. Sie klafft damit hierzulande deutlich weiter auseinander als in anderen Gebieten Deutschlands. In Süddeutschland werden zwischen 30,46 und 43,29 ct/kg gezahlt. In Ostdeutschland liegt der Auszahlungsgrundpreis zwischen 30,00 und 34,00 ct/kg. Bei den westdeutschen Meiereien ist die Spanne im Bereich von 31,68 bis 36,05 ct/ kg. Für Süd- und Ostdeutschland lagen zu Redaktionsschluss allerdings noch nicht alle Auszahlungspreise vor.

Leichte Steigerungen für Butter und Käse

Im Butterbereich waren die Märkte in den vergangenen Wochen immer etwas zweigeteilt. Für Blockbutter kam es kontinuierlich zu kleinen Preissteigerungen, während der Preis für abgepackte Butter regungslos auf seinem Tiefpunkt verharrte. Seit vergangener Woche gibt es aber auch hier wieder etwas Bewegung. Viele Verbraucher haben bereits bemerkt, dass die Butter in den Discountern wieder etwas teurer geworden ist. Der Anstieg der Notierungen an der Butter- und Käsebörse ist bisher allerdings nur minimal. Die Butternachfrage befindet sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Auch im Export wird von einer anhaltend hohen Nachfrage berichtet, lediglich aus dem Nahen Osten ist aufgrund des Krieges ein Einbruch der Nachfrage zu verzeichnen. Ebenso wie im Bereich der abgepackten Butter, hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten preislich auch im Käsebereich nichts bewegt. Aber auch hier kommt das Preisniveau etwas in Bewegung. Grund dafür ist die anhaltend hohe Nachfrage in Kombination mit den sehr knappen Lagerbeständen. Die Nachfrage hat in den vergangenen Wochen sogar noch weiter zugelegt, sodass nicht einmal mehr alle Nachfragen bedient werden können. Dies gilt auch für den Export. Gerade hier konnten auch Preiserhöhungen durchgesetzt werden. Das Zugpferd in den einzelnen Teilmärkten ist nach wie vor der Pulverbereich. Für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität haben wir inzwischen das Preisniveau von Anfang 2024 erreicht, und die Kurve geht weiter steil nach oben. Da mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen ist, besteht eine erhöhte Nachfrage nach längerfristigen Kontraktabschlüssen.

Milchmenge steigt weltweit

Das einzige Problem der Meiereien bei den Preisverhandlungen sind die weiterhin deutlich ansteigenden Milchmengen, und das nicht nur, weil die Verarbeitungskapazitäten allmählich an ihre Grenzen stoßen. Solange keine deutlichen Anzeichen einer Verknappung zu erkennen sind, finden die Forderungen nach Preiserhöhungen in den Preisverhandlungen kaum Gehör. Der Pulverbereich allein wird es nicht schaffen, den Milchpreis deutlich nach oben zu treiben. Auch liegt leider nicht nur in Deutschland die Milchanlieferung derart über dem Vorjahresniveau. Diese Steigerungen sind EU-weit zu verzeichnen. In den Niederlanden und Frankreich ist die Anlieferung ähnlich hoch wie in Deutschland, in den meisten anderen EU-Staaten um die 4 % über Vorjahresniveau. Beim Blick in die anderen wichtigen Milchregionen dieser Welt ändert sich ebenfalls nichts an dieser Situation: überall steigende Milchmengen. In den USA +3,2 %, in Argentinien sogar +9,7 %, in Australien +1,5 % und in Neuseeland +2,0 %. Mit einem schnellen Anstieg der Milchauszahlungspreise ist also vorerst nicht zu rechnen.

Alle Ebenen in guter Verbindung

0

Wie funktionieren die Kreisverbände der LandFrauen, was sind ihre Aufgaben, was bieten sie an und worin bestehen ihre Besonderheiten? Dazu startet das Bauernblatt eine Serie, für die der frühere Bauernblatt-Redakteur Tonio Keller alle zwölf Kreisverbände bereist. Zunächst aber erklärt Präsidentin Claudia Jürgensen im Rahmen einer Veranstaltung die Verbindung des Landesverbandes zur Kreis- und zur Ortsebene der LandFrauen.

„Je höher man auf den Ebenen des Verbandes agiert, desto mehr nimmt der politische Auftrag zu – und der Bildungsauftrag und die Geselligkeit nehmen ab“, ist die Erfahrung von Claudia Jürgensen, Präsidentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein (LFV SH). Weniger Geselligkeit und schon gar nicht weniger Bildung müssen die 17 LandFrauen aber befürchten, die zum Infotag für neue oder künftige Vorstandsmitglieder nach Rendsburg gekommen sind.

Klönschnack-Abende, Ausflugsfahrten, Infoveranstaltungen und einmal im Jahr die Jahreshauptversammlung – das Leben im Ortsverein bietet viele Gelegenheiten zum Kennenlernen und zum Austausch, aber auch zur Weiterbildung. Von der Landesebene kommen die meisten fachlichen Bildungsangebote. „Wir bereiten unsere Vorstandsdamen gut vor, etwa auf die Planung einer Jahreshauptversammlung“, betont Jürgensen. Ein passwortgeschützter interner Bereich für Vorstände auf www.landfrauen-sh.de bietet Informationen zu Themen wie Rechte und Pflichten, Finanzen, Datenschutz oder Öffentlichkeitsarbeit.

Bildung – Digitales bis Diabetes

Präsidentin Claudia Jürgensen erklärt die Grundzüge des LandFrauenverbandes.

„Digitalisierung – wir wollen sie alle, aber wir müssen auch alle dabei mitnehmen“, betont die Präsidentin. So können Interessierte qualifiziert werden als „Digitale Patinnen“ – ein Kurs in Kooperation mit dem Breitband-Kompetenzzentrum Schleswig-Holstein. Gesundheit – ein weites Feld, das die LandFrauen beackern mit Fachvorträgen von Diabetes bis Depression, von Sturzprävention bis Telemedizin, von Hörproblemen bis zu frauenspezifischen Themen. „Telemedizin war für mich vorher ein Fremdwort, wir haben alle gestaunt, was sie für Möglichkeiten eröffnet“, berichtet Jürgensen. Auch eine Schulung zur Büroagrar-Fachfrau (Baff) wird angeboten, ein Kurs in Kräuterkunde in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) und – neu! – eine Weiterbildung zur Demokratie-Lotsin mit den Beratungsteams gegen Rechtsextremismus. Nur Rechtsberatung könne der Verband selbst nicht leisten, aber er frage dazu Anwälte an, wenn das Thema für viele Ortsvereine von Belang sei.

„Wir sind unparteiisch, aber nicht unpolitisch“, betont Präsidentin Jürgensen. Es gibt auf Landesebene drei Facharbeitskreise in den Bereichen Agrar und Umwelt, für Soziales, Frauen und Gesellschaft sowie für Hauswirtschaft und Verbraucherthemen. Der LFV wird eingeladen zu Anhörungen der Landesregierung, führt Gespräche mit Ministerien und findet laut Claudia Jürgensen dort auch Gehör. Zusätzlich gibt es den Arbeitskreis LandFrauenArchiv im Freilichtmuseum Molfsee und die Jungen LandFrauen – sie werden in der Serie als Unterorganisationen der Kreisverbände zu Gehör kommen.

Unparteiisch, aber nicht unpolitisch

„Wir sind unabhängig, da wir uns nur aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren“, betont Jürgensen. Fördergelder seien immer projektbezogen. So konnte im vergangenen Jahr mit der Akademie für die ländlichen Räume verhindert werden, dass der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ aus Spargründen gestrichen wurde. Aber auch in den Kreisverbänden werden gesellschaftliche Themen angegangen, etwa in Dithmarschen zur drohenden Schließung des Pränatalzentrums der Westküstenkliniken.

Der Vorstand des LFV, der für vier Jahre gewählt wird, besteht derzeit aus Präsidentin Claudia Jürgensen, Vizepräsidentin Sylke Messer-Radtke und den Präsidiumsmitgliedern Heidi Thamsen und Lena Haase. Laut Satzung gehören dem Vorstand auch die Geschäftsführerinnen Dr. Gaby Brüssow-Harfmann und Ninette Lüneberg an. Dazu kommen vier Beisitzerinnen. Diese werden im jährlich versetzten Zyklus ebenfalls für je vier Jahre von den Kreisverbänden gestellt, derzeit Frauke Krohn (Pinneberg), Marie-Theres Thede (Ostholstein) und Petra Heide (Schleswig). Für den vierten Posten, derzeit unbesetzt, hat Plön das Vorschlagsrecht. Unter anderem bereitet der Gesamtvorstand mit den Kreisvorsitzenden die jährliche Vertreterinnenversammlung vor – quasi die Jahreshauptversammlung des Verbandes. Dort nehmen außer den Genannten Delegierte der Ortsvereine teil. Außerdem gibt es im November eine Arbeitstagung.

Die Kreisverbände sind das Bindeglied zwischen den Ortsvereinen und dem Landesverband. Sie bündeln die Interessen, Belange und Meinungen vor Ort, und sie vermitteln die Bildungsangebote und die politischen Positionen aus dem Landesvorstand an die Basis. Dabei haben alle Kreise ihre eigene Struktur und ihr eigenes Gesicht. Das soll in der kommenden Serie sichtbar werden.

LandFrauenverband SH

Kreisverbände12

Ortsvereine150

Mitglieder26.000

Deutscher
LandFrauenverband

Landesverbände 22

Mitglieder400.000

Marktkommentar

0

Vielen Landwirten sind die Düngerpreise im gesamten vergangenen Jahr im Verhältnis zu den Getreidepreisen eigentlich viel zu hoch gewesen. Wer sich dennoch im Herbst, aber spätestens bis Ende Februar dazu durchringen konnte, seinen Bedarf für dieses Frühjahr vorab zu decken, wird in diesen Tagen erleichtert durchatmen.

Getrieben durch den Iran-Krieg und die damit einhergehende Blockade der Straße von Hormus, befinden sich besonders die Stickstoff-Dünger in einer steilen Preisrallye. Angesichts der Tatsache, dass knapp ein Viertel des weltweit gehandelten Stickstoffdüngers durch diese Meeresenge aus dem Persischen Golf herausgeschifft werden muss, ist es kaum verwunderlich, dass der globale Düngermarkt derzeit aus den Fugen gerät. Dort in der Golfregion befinden sich einige der größten Düngemittelwerke der Welt. Hierzulande müssen Landwirte in dieser Woche bereits bis zu 43,50 €/dt zahlen, beim Harnstoff fällt der Aufschlag deutlich höher aus. Hier liegen die Preise inzwischen bei bis zu 72,50 €/dt.

Die Preissteigerungen für Stickstoffdünger werden aber auf zwei Säulen getragen. Nicht nur die knappe Verfügbarkeit treibt die Preise in die Höhe, auch die steigenden Energiepreise haben einen entscheidenden Anteil an der Preisrallye. Besonders der Erdgaspreis ist hier der entscheidende Faktor, da Erdgas ja bekanntlich der Hauptrohstoff für die Stickstoffdünger-Produktion ist. Die Ursache liegt allerdings in beiden Fällen in der Blockade der Straße von Hormus, was sich für jeden sichtbar bereits auf den gesamten Energiesektor ausgewirkt hat. Der Unterschied zwischen dem Dünger- und dem Rohölsektor ist allerdings, dass es auf den Düngermärkten keine Pufferkapazitäten gibt, die einen längeren Versorgungsengpass ausgleichen könnten. Der Düngerhandel basiert weltweit eher auf einer Just-in-time-Versorgung. Und das könnte nun gerade zum Saisonstart zu größeren Problemen in der Verfügbarkeit führen, allerdings in anderen Anbauregionen, zum Beispiel Nordamerika, deutlich ausgeprägter als hier bei uns. Somit sehen sich die Landwirte zu Saisonbeginn nicht nur mit explodierenden Düngerpreisen, sondern auch noch mit ausufernden Dieselpreisen konfrontiert.

Für viele Marktteilnehmer stellt sich nun die Frage, wie lange diese Preishochs anhalten werden. Dass man den Zeiteinschätzungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht unbedingt folgen kann, daran haben sich die meisten inzwischen gewöhnt. Aus den anfänglichen vierzehn Tagen sind mittlerweile acht Wochen voraussichtliche Kriegsdauer geworden. Die Märkte interessieren sich allerdings hauptsächlich für die Befahrbarkeit der Straße von Hormus. Hier scheint in den vergangenen Tagen aber auch wieder etwas Bewegung entstanden zu sein. Inzwischen scheint es unbeteiligten Ländern wie Indien möglich zu sein, Frachtschiffe durch die Straße von Hormus zu leiten. Doch selbst wenn die Meerenge vor der iranischen Küste für die zivile Schifffahrt wieder passierbar wird, kommt es aufgrund des sogenannten Rakete-und-Feder-Effektes (schneller Anstieg, langsamer Abfall) nur langsam wieder zu einer Abwärtsbewegung der Preisniveaus. Ein erhöhtes Passage-Risiko wird auch dann noch weiterhin bestehen, und somit werden auch weiter entsprechende Risikoprämien die Frachtraten verteuern.

Marktlage für die Woche vom 16. bis 22.3.2026

Getreide: Die Weizennachfrage aus Importstaaten war zuletzt zurückgegangen. Diese hofften auf eine Entspannung der Lage am Persischen Golf und ein Nachgeben der Preise.

Raps: Beim Raps wurden Gewinne mitgenommen, nachdem die Kurse zuletzt ein Neun-Monats-Hoch erreicht hatten. Weiterhin waren die hohen Rohöl- und Pflanzenölpreise unterstützend.

Futtermittel: Viele Futtermittelhersteller beließen es bei stabilen Preisen. Wegen des Iran-Krieges steigende Rohstoff- und Transportkosten könnten dies bald ändern.

Kartoffeln: Die Gruppe der Kartoffelerzeuger aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland appellierte dazu, die Kartoffelflächen in Nordwesteuropa zu reduzieren.

Schlachtrinder: Der Schlachtrindermarkt war Mitte März überwiegend ausgeglichen: Der Handel hatte sich stabilisiert, die Preisempfehlungen blieben unverändert.

Schlachtschweine/-sauen: Auch nach dem jüngsten Preisanstieg auf 1,70 €/kg SG blieb die Nachfrage der Schlachtunternehmen unverändert rege.

Ferkel: Die Nachfrage nach Ferkeln war weiter so flott, dass nicht alle Anfragen sofort bedient werden konnten.

Milch: Der Anstieg des Rohstoffaufkommens hat sich verstärkt und bewegte sich deutlich über dem Vorjahresniveau.

Schlachtlämmer/-schafe: Die Nachfrage nach Lämmern und Lammfleisch war zuletzt stetig belebter.

Markttendenz für die Woche vom 23. bis 29.3.2026

Getreide: Auch ex Ernte zeigt sich für Weizen eine festere Tendenz, weshalb das Interesse von Landwirten an Vorkontrakten für die Ernte 2026 stetig steigt.

Raps: Am deutschen Markt werden höhere Preise genannt, allerdings bleiben die Umsätze aufgrund der hohen Volatilität weiter begrenzt.

Futtermittel: Sojaschrot notiert stabil, da das Angebot die laufende Nachfrage gut deckt und umfangreiche Mengen für den Sommer bereits eingekauft sind.

Kartoffeln: Überall drängen übergroße Vorräte auf Absatz. Dazu kommen erste, recht frühe Importe aus Ägypten.

Schlachtrinder: Das Jungbullenangebot nimmt langsam zu, der Handel mit Schlachtkühen läuft dagegen unverändert flott.

Schlachtschweine/-sauen: Der Fokus richtet sich auf das Ostergeschäft, das traditionell Impulse für den Fleischabsatz liefert. Das kann Schlachtunternehmern helfen, höhere Einstandspreise weiterzugeben.

Ferkel: Ein knappes Angebot trifft auf eine sehr rege Nachfrage der Mäster, es werden weiter steigende Preise erwartet.

Milch: Die Meiereiabgabepreise für abgepackte Butter sind gestiegen. Der erste große Discounter erhöhte den Ladenpreis für das 250-g-Päckchen auf 1,19 €.

Schlachtlämmer/-schafe: Mit dem Osterfest und dem Ende des Ramadans stehen zwei wichtige Termine an, was sich zunehmend im Handel mit Lammfleisch bemerkbar macht.

Technikvergleich zur Knickpflege

Knicks auf den Stock zu setzen, ist eine Kunst – nicht umsonst gehört die Knickpflege mittlerweile zum Immateriellen Kulturerbe der Unesco. Grund genug auch für die Akteure des Modellprojekts „Knickwert“, das Thema Technik in der Knickpflege bei einer Veranstaltung am vergangenen ­Donnerstag auf dem ­Betriebsgelände des Lohnunternehmens Rüchel Plöhn in Holzbunge nordöstlich von Rendsburg ins Zentrum zu ­rücken.

Wie lässt sich ein Knick fachgerecht und wirtschaftlich auf den Stock setzen? Welche Technik ist effizient, und was bedeutet das konkret für Regeneration, Arbeitsaufwand und Kosten? Diese Fragen stießen auf großes Interesse: Mehr als 60 Landwirte, Knickbesitzer, Lohnunternehmer sowie Vertreter aus Kommunen, Hochschulen oder dem Naturschutz strömten auf den Hof der Gastgeberfirma Rüchel-Plön. Für viele Besucherinnen und Besucher dürfte sich der Ausflug gelohnt haben. Denn die „Knickwert“-Macher um Projektmanager Andreas Oeding stellten praktische Vorführungen in den Vordergrund.

Für die zweistündige Aktion des vom Naturpark Hüttener Berge getragenen und bislang einzigen Modellprojekts dieser Art in Schleswig-Holstein wurden zwei Knickabschnitte in unmittelbarer Nähe vorbereitet. Wegen der Fristwahrung setzten die Organisatoren die Abschnitte bereits am 27. Februar auf den Stock. In einem Knickbereich rückte der Bagger mit der hydraulischen Knickschere an – mit dem Ergebnis, dass die Schnittflächen vielfach ausfransten. Welche Folgen damit verbunden sind und wie Abhilfe möglich ist, erläuterte Heiner Staggen, Landwirt aus Rendswühren im Kreis Plön und seit 2023 Knickbotschafter des Landes.

Heiner Staggen (li.) stellte seine Einschätzungen zur technischen Knickpflege vor. Foto: Sven Tietgen
Über die ausgefransten Stellen des abgekniffenen Holzes können Pilze und Bakterien eindringen. Foto: Sven Tietgen
Für den Nachschnitt am Knick etwa 15 bis 20 cm über dem Boden griff David Bonz zur Akkusäge. Foto: Sven Tietgen


„Wenn der Greifer die Baumstämmchen umfasst, bekommen die äußeren mehr Druck, weil sie eingeklemmt sind. So ist der Schnitt nicht mehr gerade, und über die ausgefransten Stellen können Pilze und Bakterien eindringen“, erklärte Staggen. So muss vielfach mit der Motorsäge nachgearbeitet werden. 15 bis 20 cm über dem Boden sollte die Säge angesetzt werden, am besten sei der Schnitt schräg zu führen, damit das Regenwasser besser ablaufen könne, führte der Knickexperte weiter aus. Mit Zollstock maß er die Abstände und markierte sie mit Sprayfarbe, anschließend griffen Claudius Grote und David Bonz vom Naturparkteam zu ihren Akku- und Motorsägen und schnitten die überstehenden Stämmlinge ab – vom höchsten Punkt des Knicks abwärts nach unten.

Der zweite Knickabschnitt dürfte seit mindestens 20 Jahren nicht bearbeitet worden sein, schätzte Heiner Staggen. Dort wuchsen dicke Buchenstämmlinge, die zuvor mit einem Sägeaggregat am Bagger eingekürzt wurden. Dabei entstanden deutlich mehr glatte Schnitte und es musste kaum noch nachgearbeitet werden. Die entsprechenden Sägevorsätze für den Bagger haben allerdings auch ihren Preis. „Rund 50.000 € kosten diese Sägeaggregate“, erklärte Lohnunternehmer Philipp Plöhn.

Interessiert verfolgten die Besucher auch die Verwertung der Knick­abschnitte. Zwei unterschiedlich große Häcksler kamen dabei zum Einsatz. Eine kleinere, auf Raupenketten fahrende Maschine häckselte die manuell eingeführten Äste in rund 20 mm kleine Schnitzel, die gut zum Mulchen geeignet sind. Der große, mit einer geschlossenen, 10 m³ fassenden Auffangbox ausgestattete Häcksler verfügt über einen Greifer für dicke Stämmlinge. Die so entstehenden, gröberen Schnitzel eigenen sich besonders gut für Holzhackschnitzel-Heizanlagen.

Zum Schluss besichtigten viele Akteure den umfangreichen Maschinenpark der Gastgeberfirma zum Thema Knickpflege und fachsimpelten über die Technikvarianten. Austausch war auch in der Abschlussrunde angesagt – und die Organisatoren freuten sich über das große Interesse. „Es ist deutlich geworden, dass es keine allgemeingültigen Antworten auf die Frage nach der richtigen Technik gibt. Man muss einfach abwägen, es hängt auch davon ab, wie viele Mitarbeiter wie lange für welche Maschinen eingesetzt werden“, sagte Projektmanager Andreas Oeding.

Jetzt hofft das Modellprojekt-Team auf ebenso große Teilnahme am anstehenden Knickwettbewerb, bei dem es attraktive Preise zu gewinnen gibt. Mitmachen können Eigentümer oder Pächter von Knicks im Gebiet des Naturparks Hüttener Berge. Prämiert werden Knicks, die sich in einem guten Pflegezustand befinden. Anmeldeschluss ist der 1. April, Infos unter www.na​tur​park-huettenerberge.de und bei Projektmanager Andreas Oeding unter Tel.: 04 61-3 18 51 75.

THG-Emissionen aus der Landwirtschaft nahezu unverändert

Die Landwirtschaft hat 2025 die gesetzlich verankerte Höchstmenge an Treibhausgas (THG)-Emissionen nicht überschritten und wird dies voraussichtlich auch bis 2030 nicht tun. Das zeigen die vorläufigen Emissions- und Projektionsdaten des Umweltbundesamtes (UBA), die Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) und UBA-Präsident Dirk Messner vorgestellt haben.

Demnach erreichten die Emissionen aus der Branche im vergangenen Jahr 60,8 Mio. t CO2-Äq und unterschritt die im Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) festgeschriebene Höchstgrenze um 7,9 %. Allerdings sind die THG-Emissionen gegenüber dem Vorjahr annähernd gleichgeblieben. Dem Emissionsbericht zufolge hätten eine Zunahme von synthetischer Düngung und das Ende des bisherigen langjährigen Rückgangs der Schweine- und Rinderbestände zwar zu höheren Emissionen geführt. Allerdings habe die trockene Witterung für geringere Lachgasemissionen aus den Böden gesorgt, wodurch sich die Effekte unter dem Schnitt weitgehend ausgeglichen hätten.

Für die Zukunft schätzt das UBA, dass der Sektor Landwirtschaft die im KSG vorgesehenen kumulierten Jahresemissionsmengen für den Zeitraum von 2021 bis 2030 um 16,4 Mio. t CO2-Äq unterschreiten werde. Laut den neusten Projektionsdaten für 2026 zeigt sich aber, „dass die bestehenden Instrumente nach 2030 nur geringfügig emissionsmindernd wirken“. Im Vergleich zu den Projektionsdaten von 2025 werden nun bis 2030 durchgehend leicht erhöhte Emissionen projiziert, die ab 2035 im Vergleich deutlich ansteigen sollen.

Rückgang nur marginal

„Wir haben in Deutschland unsere Emissionen seit 1990 um 48 % reduziert“, betonte der Berliner Umweltressortchef mit Blick auf die Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte. Für Schneider ein Erfolg. 2025 hat Deutschland insgesamt rund 649 Mio. t CO2-Äq emittiert; die zulässige jährliche Gesamtmenge nach dem KSG beträgt laut UBA 661,6 Mio. t CO2-Äq. Im vergangenen Jahr sank der Ausstoß der Behörde zufolge aber im Vergleich zu 2024 nur um knapp 1 Mio. t oder 0,1 %. Die Botschaft von Ministerium und Behörde ist, dass die Klimaziele für 2030 erreichbar bleiben, wenn notwendige Maßnahmen umgesetzt werden. Im sektoralen Vergleich waren 2025 nach wie vor der Verkehrs- und der Gebäudesektor die Sorgenkinder. Beide stießen mehr aus als sie durften und haben ihr Emissionsvolumen im Vorjahresvergleich nochmals erhöht.

Wald wieder Nettosenke

Auch der Sektor „Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft“ (LULUCF) ist noch immer eine bedeutende Quelle von Treibhausgasen. Das betont das Thünen-Institut, das die Daten für die nationale Treibhausgas-Berichterstattung zu diesem Sektor geliefert hat. Emittiert wurden 2025 insgesamt 26,9 Mio. t CO2-Äq. Zwar waren das mehr als 30 Mio. t weniger als im Vorjahr, dennoch sollte der Sektor laut KSG bis 2030 mindestens 25 Mio. t CO2-Äq pro Jahr binden, was aktuell ungefähr dem Wert entspricht, den er emittiert. Und die Modellierung der künftig zu erwartenden Emissionen zeigt, dass sich daran bis 2030 nichts ändern wird. Ein Hoffnungsschimmer zeigte sich für den Wald, der im vergangenen Jahr 19,3 Mio. t CO2-Äq mehr aufnehmen konnte als er ausgestoßen hat und damit wieder eine sogenannte Nettosenke darstellt.

Die Klimaschutzwirkung des Waldes fällt laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) jedoch weitaus größer aus als die vorgelegten Zahlen suggerieren. Durch die Holznutzung werde in anderen Wirtschaftsbereichen ein Ausstoß von CO2 vermieden, was dem Wald aber nicht angerechnet werde. So werde die Holzenergienutzung in der Klimabilanz nicht dem Wald, sondern dem Energiesektor gutgeschrieben, moniert der Verband. „Eine angemessene Beurteilung der Klimaschutzleistung des Waldes sollte daher auch die Nutzung von Holz zum Ersatz klimaschädlicher Materialien und Energieträger berücksichtigen“, fordert AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter.

Laut UBA könnten im LULUCF-Sektor auch technische negative Emissionen eine Rolle spielen, um die vorgesehenen Senkenziele für 2030, 2040 und 2045 einzuhalten. Denn neben der Vermeidung von Emissionen müssten zur Erreichung der Klimaneutralität auch Wege gefunden werden, wie Treibhausgase der Atmosphäre entzogen werden könnten.

Am selben Tag wie die UBA-Daten ist auch eine neue Analyse zur Wirtschaftlichkeit der CO2-Abscheidung aus Biomasse erschienen, die im Auftrag des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB) und des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft erstellt wurde. Darin kommt das Ingenieurbüro Seeger Engineering zu dem Schluss, dass die geringsten Kosten in den Anlagen mit flüssiger Biomasse (Bioethanol) mit rund 60 €/t CO2 entstehen. Denn das Kohlendioxid falle hier bereits in hoher Konzentration an und müsse nicht verflüssigt werden. Laut HBB besitzen daher Bioenergieanlagen in Deutschland ein erhebliches Potenzial für Negativemissionen.

Kritik an Klimapolitik

Es ist auch kein Zufall, dass das UBA die Daten gerade jetzt veröffentlicht hat. Das Klimaschutzgesetz schreibt vor, dass die Behörde jedes Jahr bis spätestens zum 15. März die Emissionsdaten des Vorjahres sowie die Projektionsdaten liefern muss. Die vollständigen Inventardaten zu den deutschen Emissionen für 2025 veröffentlicht die Behörde eigenen Angaben zufolge aber erst im Januar 2027, wenn sie diese an die Europäische Kommission übermittelt. Die Daten kommen in einer Zeit, in der die Republik gespannt auf das in der Klimapolitik federführende Bundesumweltministerium blickt. Bis zum 25. März soll das neue Klimaschutzprogramm vorliegen, dessen Entwurf schon Anfang Februar zirkulierte und für viel Unmut sorgte.

Mit dem aktuellen Klimakurs der Bundesregierung sind viele Akteure unzufrieden. „Die Klimapolitik 2026 ist ein trojanisches Pferd voll fossiler Überraschungen“, findet die Geschäftsführerin Politik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Verena Graichen. Die Deutsche Umwelthilfe hat bereits eine Klage angekündigt, sollte das Klimaschutzprogramm die im Projektionsbericht ausgewiesenen Klimaschutzlücken nicht schließen.

Lager im Getreide vermeiden

0

Insgesamt kommen die Getreidekulturen gut aus einem im Vergleich zu den Vorjahren verhältnismäßig langen Winter. Dieser Eindruck lässt sich jedoch nicht uneingeschränkt auf sämtliche Getreideflä­chen übertragen. Im Zeitraum von der Aussaat im Herbst bis zum Beginn der aktuellen Vegetationsperiode konnten auf vielen Stand­orten verschiedene ungünstige Faktoren die Entwicklung möglichst gleichmäßiger Bestände beeinträchtigen. Heterogene Bestandes­strukturen erfordern in der nun anstehenden Bestandesführung, insbesondere beim Einsatz von Wachstumsregulatoren, etwas mehr Fingerspitzengefühl in der Wahrung der Standfestigkeit.

Die größten Einflussfaktoren auf die Bestandesentwicklung stellten widrige Witterungsereignisse während der Herbst- und Wintermonate dar. Bereits im Oktober waren einige unmittelbar nach der Aussaat gedrillte Flächen innerhalb weniger Tage starken Niederschlagsereignissen von mehr als 50 bis 100 l/m² ausgesetzt. Auf besonders gefährdeten Standorten waren infolgedessen Verschlämmungen unausweichlich. Diese beeinträchtigten nicht nur einen vollständigen und gleichmäßigen Feldaufgang, sondern hemmten auch die weitere Bestandesentwicklung vor dem Wintereinbruch.

Ende Juni vergangenen Jahres konnten die langen und noch weichen Halme eines Winterweizens kurzzeitigen Wetterkapriolen nicht standhalten. Kommen anschließend längere Regenperioden hinzu und verzögert sich die Ernte des bereits reifen, aber lagernden Getreides, steigt das Risiko von Auswuchs erheblich. In einem solchen Szenario sind Einbußen sowohl an Ertrag als auch an Qualität nahezu unvermeidlich.

Die außergewöhnlich intensiven Niederschläge begünstigten zwar eine sehr gute Wirkung der eingesetzten Bodenherbizide gegen Ungräser und zweikeimblättrige Unkräuter, wirkten sich jedoch häufig gleichzeitig negativ auf den Keim- und Auflaufprozess der Getreidekulturen aus. Das Ausmaß der daraus resultierenden Ausdünnungen beziehungsweise unvollständigen Feldaufgänge variierte zum Teil erheblich. Maßgeblich beeinflusst wurde dies vor allem durch die jeweilige Bodenart sowie durch die Auswahl der Herbizidwirkstoffe und den Zeitpunkt ihrer Applikation.

Zu Beginn dieses Jahres zeigte sich der Winter ungewöhnlich streng und war durch eine längere Frostperiode mit zeitweise kräftigem Ostwind geprägt. Nicht überall waren die Kulturen von einer Schneedecke durchgehend geschützt, sodass vor allem auf exponierten Kuppenlagen im Östlichen Hügelland auch Auswinterungsschäden anteilig möglich sind. Darüber hinaus setzte die anschließende Schneeschmelze innerhalb kurzer Zeit größere Wassermengen frei. Da der Boden vielerorts noch gefroren war, konnte dieses Wasser nicht vollständig versickern. In der Folge traten auf einigen Flächen Staunässe und ausgeprägte Fehlstellen in den Beständen auf.

Bestandesdichten ungewiss

Die dargestellten Witterungseinflüsse können die diesjährige Bestandesdichte der Getreidekulturen erheblich beeinflussen. Eine frühzeitige, startbetonte Stickstoffdüngung wirkt sich zwar grundsätzlich positiv auf die Bestände aus, jedoch liegt zwischen Vegetationsbeginn und Schossbeginn beim Wintergetreide – abhängig von Kultur, Sorte und Aussaatzeitpunkt – meist nur ein Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Auf Flächen, die durch widrige Witterung im Feldaufgang oder in der Vorwinterentwicklung stark beeinträchtigt wurden, bleibt häufig zu wenig Zeit für eine ausgeprägte Nebentriebbildung.

Zusätzlich sind die Wetteraussichten für den Monat März zum Zeitpunkt der Artikelerstellung noch unsicher. Niederschlagsintensität und Temperaturniveau werden entscheidend die Stickstoffaufnahme und das Wachstum der Bestände beeinflussen.

Daher sollten Startzeitpunkt, Mittelwahl und Dosierung von Wachstumsregulatoren in der frühen Schossphase des Wintergetreides stets an die Bestandesdichte angepasst werden. Weitere zentrale Einflussgrößen für das standortspezifische Lagerrisiko sind die Witterung sowie die Standfestigkeit der jeweils angebauten Getreidesorte.

Keine bedeutenden Änderungen

Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich für die allgemeinen Empfehlungen zur Absicherung der Standfestigkeit der jeweiligen Getreidekultur sowie für die Auswahl der einzusetzenden Wachstumsregulatoren keine wesentlichen Änderungen ergeben.

Die diesjährigen Empfehlungen zum Einsatz von Wachstumsregulatoren sind in Abbildung 1 dargestellt. Die dort aufgeführten Strategien für die jeweilige Getreidekultur sind nach Intensitätsstufen differenziert. Für die praktische Umsetzung im Ackerbau bleibt weiterhin die Herausforderung bestehen, das standortspezifische Lagerrisiko möglichst realistisch einzuschätzen und die Mittelwahl und Intensität an die jeweiligen jahresspezifischen Rahmenbedingungen anzupassen.

Auch hinsichtlich der verfügbaren Mittel und Wirkstoffe ergeben sich keine wesentlichen Änderungen. Weiterhin stehen insbesondere die Wirkstoffe Chlormequat-Chlorid (zum Beispiel CCC 720, Regulator 720), Trinexapac-ethyl (zum Beispiel Moddus, Modan 250 EC), Mepiquat-Chlorid (zum Beispiel Medax Top), Prohexadion (zum Beispiel Prodax) sowie Ethephon (zum Beispiel Cerone 660) zur Verfügung. Diese können sowohl einzeln als auch in abgestimmten Kombinationen eingesetzt werden, um eine gezielte Einkürzung der Bestände zu erreichen und damit die Standfestigkeit zu wahren.

Eine Übersicht der zugelassenen Wachstumsregler (Stand: 19. Januar 2024) ist auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (lksh.de) verfügbar und wird im Laufe des Jahres aktualisiert.

Um eine sichere Wirksamkeit sicherzustellen, gilt es, bei der Mittelwahl auch die unterschiedlichen Witterungsansprüche der Wirkstoffe zu berücksichtigen:

Chlormequat-Chlorid: über 6 °C (sonnig); über 10 °C (bedeckt)

Trinexapac-ethyl: über 10 °C (sonnig)

Mepiquat-Chlorid: über 6 °C (sonnig); über 8 °C (bedeckt)

Prohexadion-Calcium: über 10 °C (sonnig)

Ethephon: über 12 bis 15 °C (sonnig)

Biologische Alternativen

Vielfach werden Produkte auf Siliziumbasis (zum Beispiel HardRock) als biologische Alternative zu synthetischen Wachstumsregulatoren beworben. Silizium soll vor allem die Zellwände stärken, indem es sich als amorphes Silikat in der Epidermis einlagert, die Zellstruktur stabilisiert und die Pflanze in der Lagerneigung gegenüber widrigen Witterungseinflüssen widerstandsfähiger macht.

Für eine fundierte Bewertung des Einflusses von Siliziumpräparaten auf die Standfestigkeit fehlen jedoch noch umfangreichere Versuchsergebnisse. Erste Ergebnisse aus einem Wintergerstenversuch im Jahr 2024 am Versuchsstandort Sönke-Nissen-Koog der Landwirtschaftskammer zeigen, dass der Einsatz von Siliziumpräparaten die Ertragsbildung anteilig leicht negativ beeinflusste. Eine Bewertung des Einflusses von Silizium auf die Halmstabilität ist jedoch aus dem Versuch nicht möglich, da selbst in der unbehandelten Kontrollparzelle kein Lager auftrat. Die Ergebnisse sind in Abbildung 2 dargestellt.

Getreide braucht ein stabiles Fundament

Um das Lagerrisiko bei Getreide zu minimieren, gilt der Grundsatz: Was zu Beginn der Schossphase (ES 30 bis ES 32) versäumt wird, lässt sich später nur schwer ausgleichen. Zeitpunkt und Häufigkeit von Einkürzungsmaßnahmen in der frühen Schossphase werden maßgeblich durch die Witterung und das jeweilige Lagerrisiko beeinflusst.

In Beständen mit hoher Lagergefahr – bei hohen Bestandesdichten und lageranfälligen Sorten – haben sich frühe Maßnahmen zu Beginn der Schossphase (ES 30/31 bis ES 31) unter wüchsigen Bedingungen bewährt. Hierbei wird der erste Halmabschnitt (erstes Internodium) besonders intensiv stabilisiert. Dies gilt auch für lageranfällige Wintergerste, deren Halmstabilität in mehreren Versuchen der vergangenen Jahre durch frühe Regulierung positiv beeinflusst werden konnte (siehe auch Abbildung 2). Bei der Wintergerste ist aber darauf zu achten, dass die Pflanzen die Bestockung auch sicher beendet haben und alle Triebe aufgerichtet sind. Unter wüchsigen und strahlungsreichen Bedingungen hat sich eine Kombination aus Chlormequat-Chlorid und Trinexapac-ethyl als vorteilhaft erwiesen (zum Beispiel 1,0 bis 1,5 l/ha CCC 720 + 0,15–0,2 l/ha Moddus; Wintergerste: 1,0 bis 1,5 l/ha Regulator 720 + 0,15 bis 0,2  l/ha Moddus). Eine weitere Einkürzung erfolgt in ES 31/32 (zum Beispiel 0,6 bis 1,1  l/ ha CCC 720 + 0,3 bis 0,35 kg/ha Prodax; Wintergerste: 0,35 bis 0,4 kg/ha Prodax). Durch diese Vorgehensweise werden die unteren Halmabschnitte gleichmäßig und intensiv stabilisiert, und das Risiko witterungsbedingter Einflüsse wird auf zwei Termine verteilt.

In Beständen mit geringerem Lagerrisiko – etwa bei normaler Bestandesdichte oder stabilen Sorten – genügt in der frühen Schossphase meist eine einmalige Anwendung in ES 31 bis ES 31/32 unter günstigen Witterungsbedingungen. In der Wintergerste gilt es, bei prognostizierter kühlerer Folgewitterung folgende Erkenntnisse zu berücksichtigen: Der kombinierte Einsatz von drei Wirkstoffen (zum Beispiel 0,5  l/ha Medax Top + 0,5 kg/ha Turbo + 0,15 l/ha Moddus; 1,5  l/ha Regulator 720 + 0,4  kg/ha Prodax) begünstigt eine länger anhaltende und nachhaltigere Wirkung. Positive Effekte auf die Halmstabilität der Wintergerste treten vor allem unter kühlen Witterungsbedingungen und damit einhergehender eingeschränkter Wüchsigkeit sowie verlängerter Streckungsphase auf.

Der derzeitige Entwicklungsstand der Getreidebestände ist auf einigen Flächen noch immer von den Starkniederschlägen im Oktober des vergangenen Jahres geprägt. Vor allem auf stark schluffigen Böden kam es zu Verschlämmungen (oben – Weizen) sowie zu verminderten Feldaufgängen durch den Einsatz von Bodenherbiziden (unten – Wintergerste). Diese Ausgangssituation wird auch die weitere Bestandesführung beeinflussen.

Angepasste Nachkürzungen

Klassische Nachkürzungen zur nachhaltigen Reduzierung der Pflanzenlänge in ES 33/37 bis ES 39(-49) müssen an die Wirksamkeit vorangegangener Einkürzungsmaßnahmen und die Witterungseinflüsse situativ angepasst werden. Im vergangenen Anbaujahr haben Wachstumsreglermaßnahmen in der frühen Schossphase überwiegend gut gewirkt. Eine trockene Folgewitterung hat in einigen Landesteilen die Wüchsigkeit des Getreides eingeschränkt und damit auch das weitere Längenwachstum auf dem natürlichen Wege eingeschränkt. Unter diesen Umständen kann gegebenenfalls auf Nachkürzungen gänzlich verzichtet werden, oder es sind allenfalls reduzierte Aufwandmengen einzusetzen.

In Beständen mit erhöhtem Lagerrisiko ist insbesondere in wüchsigen Witterungsabschnitten mit erhöhter N-Versorgung auch intensiv nachzukürzen. Außer robusten Aufwandmengen kann sich auch eine geschickte Terminierung vorteilhaft auswirken. Je früher die Nachkürzung erfolgt, desto größer sind die Effekte beziehungweise die Einkürzungen sich noch streckender Halmabschnitte und damit einhergehend die Wirkung auf die spätere Pflanzenlänge. Dies bestätigen auch Versuchsergebnisse, in denen Maßnahmen in ES 33-37 stärkere Einkürzungen ermöglicht haben als Maßnahmen in ES 39-45. In Beständen mit erhöhter Lagergefahr kann dies entscheidend sein, auch wenn dafür gelegentlich eine zusätzliche Überfahrt erforderlich ist.

Bei Weizen, Triticale und Roggen haben sich Behandlungen ab Bestockungsstadium ES 30-31 (li.) sowie ab ES 31-32 (Mitte) unter günstigen Witterungsbedingungen bewährt, um eine stabile Halmbasis zu entwickeln. Wird der erste Einsatz eines Wachstumsreglers hingegen erst in einem späteren Entwicklungsstadium des Wintergetreides (zum Beispiel ES 32-33, r.) durchgeführt, ist der erste Halmabschnitt bereits stark verlängert. In diesem Fall lässt sich die untere Halmstabilität selbst durch Wachstumsregler nur noch begrenzt verbessern.

Fazit

Das Lagerrisiko des Getreides hängt von vielen Einflussgrößen (zum Beispiel Bestandesdichte, Witterungseinflüsse, Lagergefahr der jeweiligen Sorte, N-Versorgung) ab und sollte standortspezifisch ab Beginn der Schossphase regelmäßig eingeschätzt werden. In der frühen Schossphase (ES 30/31 bis ES 31/32) sollte die Basis für ein stabiles Fundament gelegt und daher für Einkürzungsmaßnahmen günstige Entwicklungsstadien und wüchsige Wetterphasen keinesfalls verpasst werden. In Beständen mit hoher Lagergefahr können frühe und zweimalige Einkürzungen sinnvoll sein, während in standfesteren Beständen oft eine einmalige Regulierung in ES 31/32 in der frühen Streckungsphase ausreicht. Nachkürzungen ab ES 33–37 sollten abhängig von der Wirkung vorangegangener Einkürzungsmaßnahmen, Witterung und N-Versorgung individuell angepasst werden.