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Grünlandertrag: Der unbeachtete Parameter

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Bei den klassischen Ackerkulturen ist der Trockenmasseertrag ein anerkannter und wichtiger Parameter, der bei der Ernte erhoben und zwischen den Jahren verglichen wird. Jede Dezitonne mehr ist ein Erfolg. Im Gegensatz dazu werden im Futterbau die Erträge vom Dauergrünland und Ackergras in den meisten Fällen lediglich geschätzt oder gar nicht beachtet. Das kann bei oder nach der Ernte unerwünschte Konsequenzen haben.

Für Betriebe mit Biogasanlagen, die während der Ernte Futter zukaufen, ist die Fuhrwerkswaage unverzichtbar, da die so erfassten Mengen in der Regel die Basis für die Abrechnung bilden. Im Gegensatz dazu verfügen viele tierhaltende Betriebe über keine eigene Wiegemöglichkeit. Für Stoffstrombilanzen oder zur Düngebedarfsermittlung werden die Erträge häufig nur grob geschätzt, beispielsweise über die Vermessung des Silos (Volumen) und unter Zuhilfenahme von Orientierungswerten für die Verdichtung oder über eine Rückrechnung auf Basis der entnommenen Futtermengen.

Nutzen der Ertragserfassung

Wer bei der Grasernte die Erträge tatsächlich erfasst, hat einerseits einen besseren Überblick darüber, ob die Futterreserven für das ganze Jahr reichen, und kann im Bedarfsfall mit einem Zukauf reagieren. Andererseits erfolgt die Dosierung von Siliermitteln pro Tonne Frischmasse, und dabei gilt: Nur wer misst, kann auch steuern. Im Falle von biologischen Siliermitteln auf Basis von Milchsäurebakterien (MSB), die vor der Anwendung in kaltem Leitungswasser gelöst werden, sind übliche Dosierungen 1-2 g/t. Dann reicht ein 100-g-Gebinde entweder für 100 t oder 50 t Erntegut. Der Kasten zeigt anhand eines Beispiels für die Ernte mit dem Ladewagen, wie bei der Berechnung der benötigten Aufwandmenge vorzugehen ist.

Eine Unkenntnis der schlagspezifischen Erntemengen führt entweder zu einer Überdosierung, die unnötige Kosten verursacht und eventuell dazu führt, dass die obersten Schichten unbehandelt bleiben, wenn zu wenig Siliermittel vorrätig ist, oder zu einer Unterdosierung. Je nachdem, wie stark die Unterdosierung ist, können sich die MSB noch gegenüber dem natürlichen Keimbesatz durchsetzen, das gewünschte Ergebnis wird trotzdem ganz oder zumindest teilweise erzielt. Bei einer starken Unterdosierung besteht jedoch das Risiko, dass die zugegebenen MSB im Konkurrenzkampf um den in den Futterpflanzen begrenzt verfügbaren Zucker unterlegen sind. Dann wird das gewünschte Ergebnis möglicherweise nicht erreicht, die Kosten für das Siliermittel sind jedoch trotzdem angefallen. Da MSB nicht beweglich sind, können sie nur dort wirken und sich vermehren, wo sie über die Applikationstechnik verteilt wurden.

Unterdosierung chemischer Siliermittel

Der Einsatz chemischer Siliermittel (Säuren oder Salzlösungen), die eine höhere Wirkungssicherheit als die biologischen Zusätze bieten, ist in der Regel mit höheren Aufwandmengen verbunden, die zudem an den Trockenmassegehalt (TM) anzupassen sind. Die DLG-geprüften Mittel wirken entweder gegen Fehlgärungen (Wirkungsrichtung 1) und/oder sichern die aerobe Stabilität der Silage (Wirkungsrichtung 2). Die Aufwandmengen liegen zwischen 3 und 6 l/t Erntegut, wobei die höchsten Dosierungen immer dann erforderlich sind, wenn die Silierbedingungen schlecht oder ungünstig sind: zu nass, verschmutzt, durch Regen beeinträchtigt, zuckerarm oder zu trocken. Unterdosierungen können eine partielle Hemmung besonders empfindlicher Schadkeime bewirken. Dadurch fällt für die nicht so empfindlichen Schadkeime die natürliche Konkurrenz weg, und sie können sich gegebenenfalls noch stärker vermehren. Im Falle einer zu geringen Dosierung von propionsäurehaltigen Mitteln wird den Hefen, die für die Nacherwärmung verantwortlich sind, zusätzliches „Futter“ angeboten.

Die Tabelle zeigt eine Beispielberechnung der Aufwandmengen für ein chemisches Siliermittel, das je nach TM-Gehalt mit 3 l/t oder 4 l/t dosiert wird. Für die Erträge der Grünlandflächen wurden Daten des Lehr- und Versuchsgutes Futterkamp aus dem Jahr 2024 zugrunde gelegt. Im ersten Schnitt wurde ein durchschnittlicher Ertrag von 6,9 t/ha erzielt, jedoch traten große Schwankungen zwischen den einzelnen Flächen auf (4,0 bis 8,9 t/ha). Im Falle einer erforderlichen Dosierung von 4 l/t und unter Zugrundelegung des Mittelwertes wären 28 l/ha auszubringen. Ohne Anpassung an den tatsächlichen Ertrag kommt es auf ertragsärmeren Flächen zu einer Überdosierung und auf den ertragreicheren Flächen zu einer deutlichen Unterdosierung.

Fuhrwerkswaage und TM-Bestimmung

In Betrieben, die über eine eigene Fuhrwerkswaage verfügen, wird jeder Abfahrwagen vor und nach dem Abladen des Ernteguts gewogen, um die Frischmasseerträge zu bestimmen. Alternativ kann auch eine mobile Achslastwaage genutzt werden. Idealerweise wird das Erntegut nach dem Abladen zur TM-Bestimmung beprobt, wobei pro Fläche meist nur eine Mischprobe gezogen wird. Inwieweit dieser eine Wert repräsentativ für die gesamte Fläche ist, ist fraglich. Eine engmaschige Beprobung des Ernteguts scheitert jedoch an der Verfügbarkeit von Personal und Trocknungskapazität (Mikrowelle, Heißluftfritteuse, Ofen). Wenn die Auswertung wie praxisüblich erst nach der Ernte erfolgt, sind keine kurzfristigen Reaktionen möglich.

Ertragserfassung am Feldhäcksler

Seit Beginn der 2000er Jahre erlangte die Ertragserfassung am Feldhäcksler Praxistauglichkeit (Abbildung 1). Basis ist die Messung des Gutstroms bei der Ernte über die Vorpresswalzen (Drehzahl und Auslenkung mittels Winkelmesser). In Kombination mit Messtechnik auf Basis der Nahinfrarotspektro­skopie (NIRS, optionale Ausstattung, Abbildung 2), die den Feuchtegehalt und die Inhaltstoffe des Ernteguts kontinuierlich misst, und GPS-Unterstützung zur digitalen Ertragskartierung bieten viele Hersteller diese Technik mittlerweile serienmäßig an.

Bei der Ertragserfassung mit einer mobilen Achslastwaage wird das Gewicht des Gespanns direkt bei der Überfahrt erfasst. Es ist auf eine gleichmäßige, langsame Überfahrtgeschwindigkeit zu achten. Foto: Malin Bockwoldt

Da die Sensoren nicht direkt in Tonnen, sondern nur physikalische Größen wie Kraft, Druck oder Drehmoment messen, ist für eine hinreichende Genauigkeit der Ertragserfassung mehrmals täglich eine Kalibration erforderlich. Das System muss „lernen“, wie diese Werte zur echten Masse passen. Für die Kalibrierung wird zunächst von einem möglichst homogenen Bestand bei gleichmäßiger Fahrweise eine Referenzmenge geerntet, zum Beispiel zwei bis drei volle Abfahrwagen, die anschließend mittels einer Fuhrwerkswaage gewogen werden. In der Kalibriermaske des Bedienterminals wird das reale Nettogewicht (Ist-Gewicht) eingegeben. Zur Berechnung des Kalibrierfaktors wird das Ist-Gewicht durch die geschätzte Masse (Soll-Gewicht) geteilt, alle folgenden Messungen werden damit korrigiert. Es ist auch möglich, bereits erhobene Messwerte mithilfe des Kalibrierfaktors zurückzurechnen, beispielsweise wenn aufgrund großer Feld-Hof-Entfernungen ein zeitlicher Versatz zwischen Messung und Wiegung entstanden ist.

Wechselnde Bedingungen erfordern eine erneute Kalibrierung, zum Beispiel beim Wechsel von Ackergras zu Dauergrünland, bei sich änderndem Anwelkgrad oder bei Veränderung der Schnittlänge. Typische Fehlerquellen, die zu fehlerhaften Ergebnissen führen, sind ungenaue Waagen, ungleichmäßige Fuhren sowie Stop and Go beim Häckseln.

Wenn keine Fuhrwerkswaage zur Verfügung steht, nutzen Lohnunternehmen häufig Abfahrwagen mit Wiegezellen oder hydraulischer Federung zur Gewichtsbestimmung des Ernteguts. Mit zunehmender Last steigt der Hydraulikdruck im Federzylinder an und wird mittels Sensoren erfasst (Ist-Druck in Bar). Für die Umrechnung nutzt die Steuerung die Kennlinie aus Druck, Achslast und Gesamtgewicht, dabei werden die Anzahl der Achsen, die Geometrie des Fahrwerks und die Hebelverhältnisse berücksichtigt. Die statische Erfassung, bei der das Fahrzeug ruhig auf gerader Fläche und ohne Zug auf der Deichsel steht, ist genauer als die dynamische. Auch hier ist eine regelmäßige Kalibrierung erforderlich. Die Wiegung ist empfindlich gegenüber Schrägstand (Hanglage), Temperatur (Öl dehnt sich aus), Bewegung im System, Deichsellast am Schlepper und einer unterschiedlichen Beladungsverteilung.

Inhaltstoffe über NIRS bestimmen

Die optional verfügbare Ausstattung des Feldhäckslers mit NIRS-Technik ermöglicht die kontinuierliche Bestimmung des TM-Gehaltes sowie der Rohnährstoffe (Abbildung 2). Dadurch ist es möglich, nicht nur Frischmasseerträge schlagspezifisch zu erfassen, sondern auch die Trockenmasseerträge. Da im Gegensatz zur oben beschriebenen Vorgehensweise nicht nur ein Mittelwert für den TM-Gehalt des ganzen Schlages angenommen wird, ist das Ergebnis belastbarer. Zwar ist die NIRS-Messung am Häcksler nicht so genau wie eine TM-Bestimmung im Labor, jedoch wird über die Vielzahl der Messungen trotzdem eine hinreichende Genauigkeit erreicht. Allerdings wird das Verfahren bei Streitigkeiten vor Gericht nicht akzeptiert.

Schlagspezifische ­Informationen zu den Gehalten an Rohasche, Rohfaser, Rohprotein und Energie, die nach der Ernte abrufbar sind, können bei der Entscheidung helfen, für welche Tiergruppe die Grassilage geeignet ist oder ob Anpassungen im Flächen- und Erntemanagement erforderlich sind. Eine mögliche Fehlerquelle ergibt sich bei sehr trockenem (mehr als 45 % TM) oder zuckerreichem Erntegut, wenn es am Messfenster „festklebt“. Da eine Reinigung des Messfensters nur einen kurzzeitigen Effekt hat, ist die Ernte bei geringeren Anwelkgraden zu präferieren.

Anpassungen im Ernteprozess

Moderne ­Applikationstechnik für biologische Siliermittel stimmt automatisch die Dosierung auf den Durchsatz des Ernteguts ab, das Siliermittel wird also ertragsabhängig zudosiert. Die großen Durchsatzmengen chemischer Siliermittel können bei hoher Ernteleistung auch einmal 300 l/h betragen. Dies erfordert meist den Einsatz mehrerer separater Dosierpumpen. Hier sind nach wie vor Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Kopfarbeit des Häckslerfahrers gefragt, jedoch ist mit der Ertragserfassung die Möglichkeit gegeben, die Dosiermengen besser und genauer zu justieren. So lassen sich Über- und Unterdosierungen vermeiden.

Auch die theoretische Häcksellänge lässt sich mit einem Handgriff verstellen. Bei nassem/jungem Erntegut wird länger und bei trockenem/altem Gras kürzer gehäckselt. Es gibt auch schon Systeme, bei denen die Häcksellänge automatisch angepasst wird. Dadurch kann bereits im Häcksler die Verdichtung im Silo beeinflusst werden.

Fazit

„Messen und Wiegen ist der Anfang allen Handelns.“ Das gilt auch für die Planung und Durchführung der Gras­ernte. Moderne Technik am Feldhäcksler kann Frisch- und Trockenmasseerträge sowie die Inhaltsstoffe des Ernteguts kontinuierlich und damit teilflächenspezifisch erfassen und ermöglicht zudem eine genauere Dosierung von Siliermitteln.

Milcherzeugung 4.0: Was Spitzenbetriebe bewegt

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Welche Faktoren entscheiden künftig über den Erfolg in der Milcherzeugung? Auf dem diesjährigen DLG-Forum der Spitzenbetriebe Milchvieherzeugung im hessischen ­Hohenroda standen Künstliche Intelligenz (KI), Klimabilanzen und Ökonomie im Fokus.

Innerhalb kurzer Zeit war die Veranstaltung in diesem Jahr ausgebucht. Das zeigt, dass das diesjährige Programm bei den Praktikern erneut Anklang gefunden hat.

Plenumsvorträge und Denkanstöße

Die ökonomische Auswertung des Wirtschaftsjahres 2024/2025 der Spitzenbetriebe aus ganz Deutschland wurde zum Auftakt der Veranstaltung von Dr. Steffan Weber, LMS Agrarberatung Rostock, vorgestellt. Hier waren nicht nur die Zahlen der Betriebszweigauswertung ein Thema, sondern auch die berechneten Klimabilanzen wurden vorgestellt. Zur Ökonomie war die Kernaussage, dass bei Betrachtung der vergangenen 20 Jahre eine positive Perspektive bestehe, da die Produktionskosten im Vergleich zum Milchpreis nicht so stark gestiegen sind. Jedoch werden hier Managementunterschiede bei zunehmenden Volatilitäten immer entscheidender. Die unsichere aktuelle Milchpreislage wird sich somit auch auf die Betriebszweigergebnisse von 2025/2026 negativ auswirken.

Auf der jährlichen Tagung der DLG-Spitzenbetriebe in der Milcherzeugung standen insbesondere die Themen Fütterung, Sensortechnologie und Tiergesundheit im Fokus, zunehmend auch im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz. Foto: Josephine Hahn

Auch die bewusst verlängerte Zwischenkalbezeit wurde im Plenum angesprochen. Dr. Anke Römer vom Institut für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern stellte hierzu mögliche Strategien vor. Dabei betonte sie, dass die Entscheidung zu einer verlängerten Laktation vor allem tier- und betriebsindividuell getroffen werden sollte. Es wurden verschiedene Tools und Hilfestellungen zur Umsetzung vorgestellt und noch einmal auf die Schlüsselindikatoren hingewiesen. Die Körperkondition, die Persistenz und die Gesundheit müssen tierindividuell berücksichtigt werden. Ein langsames Heranwagen und bewusste Entscheidungen sowie das richtige Management passend zur Herde sind hier die Schlüssel zum Erfolg bei der Entscheidung für das System.

Der Abendvortrag befasste sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz oder eher „Kollaborative Intelligenz“. Sanjay Sauldi, Direktor der European Digital Business Institute & Academy, versetzte viele anwesende Köpfe mit seinem Vortrag ins Grübeln. Nach seiner Prognose wird der Einsatz von KI einen massiven Effizienzschub nach sich ziehen und Berufsfelder in Teilen oder vollständig ersetzen. Prozessoptimierung und Zeitersparnis durch den Einsatz von KI könnten auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb angewendet werden. Nach Darstellung der sechs KI-Ebenen und deren unterschiedlicher Funktionsweisen sowie Stärken und Schwächen hinterließen verschiedene Anwendungsbeispiele bei dem einen oder anderen Eindruck und schufen Inspiration.

Eindrücke aus Argentinien

Anregungen und Einblicke gab es auch beim Vortrag von Maren Ebinger. Sie ist Großtierärztin mit dem Schwerpunkt Milcherzeugung und Dozentin an der Universität Buenos Aires in Argentinien. Sie stellte in ihrem Vortrag nicht nur die Positionen und Handelsstrukturen der Milcherzeugung in Argentinien dar, sondern nahm auch mit ihrem Vortrag das Auditorium auf einen Betrieb nach Argentinien mit. Bilder und Videos zeigten, wie die Milchviehwirtschaft in Argentinien praktiziert wird. Eine große Herausforderung in der Unternehmensführung ist die schwankende und teils hohe Inflation. Auch Investitionen sind teuer, wenn sie über Fremdkapital finanziert werden, denn mehrstellige Zinsprozentsätze bei der Aufnahme von Krediten sind üblich.

Praxisberichte und fachlicher Austausch

Die Arbeitskreise der Konferenz greifen ganzheitlich Themen auf, die in der Milchkuhhaltung immer wieder auftauchen, und verbinden Praxisberichte mit fachlichem Austausch. Das Thema KI wurde auch im ersten Arbeitskreis unter dem Motto „Starten statt warten!“ angesprochen. Künstliche Intelligenz ist auf den landwirtschaftlichen Betrieben noch nicht in der Breite vertreten. Zusammen mit den Referenten Dennis Welleweerd, Milchkuhhalter, und Esther Achler-Stubbe, beide von der Farmers Factory, arbeiteten die Teilnehmer selbst mit dem Thema KI. Ohne Vorwissen oder komplizierte Technik wurden den Teilnehmern Werkzeuge an die Hand gegeben, um den Büro- und Managementalltag leichter zu gestalten.

Alternative Anlagen und Mechanisierungsstrategien

Im zweiten Arbeitskreis stand das Thema „Außerlandwirtschaftlicher Kapitalaufbau“ im Fokus. Wachstum, sei es durch Stallbau oder Effizienzsteigerung, ist in vielen Betrieben ein Thema. Jedoch gewinnen auch alternative Investitionen immer mehr an Präsenz. Dr. Bodo-Wolfram Hager, Experte für außerlandwirtschaftliche Anlagemöglichkeiten, zeigte alternative Strategien auf. Vor- und Nachteile von Aktien, Aktienfonds, ETF, Immobilien, Gold, Versicherungen, Anleihen und geschlossenen Beteiligungen wurden diskutiert. Sowohl die persönlichen Ziele und Erwartungen als auch Kosten- und Zeitaufwand, Anlagehorizont mit Renditeerwartungen und der wichtige Aspekt der Kapitalsicherheit spielen beim Thema Kapitalaufbau eine wichtige Rolle.

Der Arbeitskreis drei behandelte die Frage, ob Grassilage besser in Eigen- oder Fremdmechanisierung erzeugt werden sollte, da sich Betriebe stark in Kosten und Futterqualität unterscheiden und es keine pauschale Lösung gibt. Anhand von zwei Praxisbeispielen wurde das Thema veranschaulicht. Thilo Dobbehaus, Betrieb Tantzen-Dobbehaus GbR, berichtete über seine Erfahrungen mit vollständiger Fremdmechanisierung durch ein Lohnunternehmen. Lea Müller, Betrieb Weidenhof, stellte ihr Konzept der Eigenmechanisierung vor. Ergänzend gab Heinz-Günter Gerighausen, Experte für Arbeitserledigungskosten und Prozessketten der Qualitätssilage, einen fachlichen Überblick über Kostenstrukturen und Effizienzpotenziale. Dabei wurde betont, dass weniger die Wahl des Systems entscheidend sei, sondern die konsequente Umsetzung.

Die Tagung war vollständig ausgebucht und der Saal entsprechend mit Praktikern gefüllt, die den Austausch sowie neue Impulse suchten. Foto: Nicola Bock

Rationsberechnung und Eutergesundheit im Fokus

Dr. Detlef Kampf, Dr. Bernd Losand (beide Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, DLG) und Jennifer Brandl von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft boten die Gelegenheit, das neue System der Milchkuhfütterung nach GfE-Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen (2023) besser zu verstehen und Fragen zur konkreten Handhabung zu diskutieren. Das Verständnis der geänderten Kenngrößen und Zusammenhänge wurde in diesem Arbeitskreis vorgestellt und geklärt, welche Parameter künftig für eine Rationsberechnung benötigt werden.

Antibiotika und Eutergesundheit waren die Stichpunkte im fünften Arbeitskreis. Der Betrieb von Florian Bornholdt hat zusammen mit Betriebstierarzt Matthias Gösling und Herdenmanagerin Sandra Jessen die Eutergesundheit nachhaltig verbessern können. Der Betrieb melkt derzeit 13.000 kg ECM pro Kuh an Melkrobotern und nutzt zusätzlich zu den Roboterdaten das System Cow-Manager. Zusammen mit dem Betriebstierarzt stellten sie Datenverwaltung und Nutzung der einzelnen Systeme vor und zeigten Handlungsschemata, die dem Betrieb bei der Strukturierung und einheitlichen Arbeitsweise geholfen haben. Technik, Management und Tierwohl werden hier Hand in Hand betrachtet.

Melkautomation in größeren Beständen

Das Thema automatisches Melken wurde auch im Arbeitskreis sechs aufgegriffen. Hier war jedoch die Fragestellung, wie automatisches Melken in größeren Beständen umgesetzt werden kann. Praktiker mit Einzelanlagen/Doppelboxen und Batchmilking diskutierten ihre Beweggründe und arbeiteten Stärken sowie Schwächen aus. Von Investitionskosten und baulichen Voraussetzungen bis hin zu laufenden Kosten wurden diskutiert und herausgearbeitet, worauf im Betrieb, bei den Menschen und der Technik geachtet werden muss.

Im siebten Arbeitskreis wurde auf das Thema Treibhausgas (THG)-Bilanzen eingegangen. Zuerst wurde geklärt, welche Daten benötigt werden, wie die Auswertung erfolgt und welche Kennzahlen entscheidend sind. Friederike Hansen von der Hansen Freiheit GbR hat im Rahmen ihrer Masterarbeit eine THG-Bilanz für ihren Betrieb erstellt. In ihrem Beitrag präsentierte sie diese Ergebnisse und stellte sie dem CO2-Fußabdruck von DLG-Spitzenbetrieben gegenüber. Dabei zeigt sie Zusammenhänge zwischen produktionstechnischen und wirtschaftlichen Kennzahlen und dem CO2-Ausstoß je Kilogramm Milch. Abschließend wurden betriebliche Stellschrauben und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der THG-Bilanz diskutiert, wobei der Fokus auf praxisnahen Ansätzen und dem Austausch von Erfahrungen lag.

Fazit

Großes Interesse an der Veranstaltung bestätigt, dass auch in diesem Jahr die Themen wieder den Nerv der Praxis getroffen haben und immer wieder Impulse gesetzt werden.

Steigende Volatilität und weiter unsichere Milchpreise beeinflussen weiter stark die Betriebszweigergebnisse.

Management wird immer entscheidender. Betriebsindividuelle Entscheidungen können über den Erfolg entscheiden.

Digitalisierung ist eine Hürde für viele Betriebe, aber auch eine große Chance bei richtiger Umsetzung.

Waldverjüngung natürlich nutzen

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Bäume vermehren sich über ihre Samen. Diese können sehr klein sein, wie der Samen einer Fichte, oder sehr groß und von einer Frucht umgeben, wie bei einer Eichel. Sind die Samen ausgereift, werden sie rund um den Baum verteilt. Jede Baumart besitzt ihre eigene Strategie zur Samenvermehrung. Sehr leichte Samen werden beispielsweise vom Wind davongetragen, andere fallen direkt zu Boden. Der Wind trägt den Samen des Bergahorns mit seiner propellerartigen Frucht über 100 m weit. Die Eichel hingegen fällt plump vom Baum herunter. Sie ist darauf angewiesen, dass Tiere, beispielsweise der Eichelhäher oder das Eichhörnchen, sie irgendwo als Vorrat verstecken und im Winter vergessen.

Am Boden angelangt, beginnen die Samen im Frühling zu keimen. In diesem Stadium nennt man den Baum Keimling. Auf diesem Weg verjüngt sich der Wald ganz natürlich und ohne menschlichen Einfluss.

Je Hektar können auf diese Weise jedes Jahr Hunderttausende kleiner Bäumchen sprießen. Es entwickelt sich ein Konkurrenzkampf um die natürlichen Ressourcen Wasser, Licht und Nährstoffe. Das Ziel besteht darin, sich möglichst schnell in Richtung Sonne zu entwickeln und das Nachbarbäumchen zu überwachsen. Dadurch ergibt sich für den Einzelbaum ein Vorteil, und es entsteht eine natürliche Selektion.

Vorteile von Naturverjüngung

Eichennaturverjüngung

Wie bereits beschrieben, schafft die Natur es, Hunderttausende kleiner Bäume je Hektar zu pflanzen, der Mensch hingegen nur 2.500 bis 10.000 je Hektar. Denn Bäume zu pflanzen, kostet vor allem Zeit und Geld. Das sind gleich zwei Vorteile der Naturverjüngung. Die Verjüngung bietet mit einer so hohen Zahl von jungen Bäumen eine gute Basis für eine natürliche Auslese. Durch den unausweichlichen Konkurrenzkampf ist es wahrscheinlicher, dass sich der Baum durchsetzt, der am besten an den jeweiligen Standort angepasst ist und am schnellsten wächst. Der zweite Vorteil ist die Ersparnis von Kosten. Jeder künstlich gepflanzte Baum kostet Geld. Die Kosten variieren dabei zwischen 1 und 5 €, in Abhängigkeit von der Baumart, Größe und dem Arbeitsaufwand. Die Natur macht ihren Job hingegen völlig kostenlos.

Betrachtet man den Wald mit Blick auf den Klimawandel, dann haben die Bäume, die gut an den Standort angepasst sind und den einen oder anderen trockenen Sommer und starken Sturm überstanden haben, die besten Überlebenschancen. Genau diese werden auch nur ihre Samen weitergeben können. Die Chance, dass die Nachkommen ebenfalls besser gegen den Klimawandel gewappnet sind, ist demnach höher.

Weiter werden die Bäumchen in den Baumschulen gut gedüngt und verschult. So nennt man die Entnahme aus dem Boden und das Umpflanzen. Spätestens wenn die Bäume aber in den Wald gebracht werden, müssen sie aus dem Boden. Dabei werden die Wurzeln geschädigt und der Baum geschwächt. Im Wald können die Bäume, die aus natürlicher Verjüngung entstanden sind, ihre Wurzeln ungestört von Beginn an entwickeln. Außerdem gibt es im Wald keinen künstlichen Dünger. Baumschulpflanzen können dagegen einen Pflanzschock erfahren. Das heißt, dass der Unterschied zwischen Baumschulerde und Waldboden so groß ist, dass die Bäumchen kränkeln oder gar sterben. Gut gedüngte Pflanzen schmecken auch lecker und werden vom Wild häufiger verbissen.

Für Baumschulpflanzen erntet man die Samen von sogenannten Mutterbäumen mit besonderer Qualität, häufig mit besonderem Augenmerk auf die Qualität des Stammes, der für gutes Holz sorgt. Diese Samen werden immer und immer wieder genutzt. Damit werden aber auch immer nur die gleichen Gene verbreitet. Im Wald verjüngt sich hingegen jeder Baum, der dort steht. Der Genpool bleibt also deutlich differenzierter und verarmt nicht.

Nachteile der Naturverjüngung

In Deutschland ist in den vergangenen Jahren eine Fläche so groß wie das Saarland durch Borkenkäfer, Dürre und Stürme entwaldet worden. Nun heißt es aufzuforsten. Försterinnen und Förster, Forstwirtinnen und Forstwirte, zahlreiche Projekte und fleißige Bürgerinnen und Bürger pflanzen die Bäume für den Wald von morgen. Aber wieso machen sie das, wenn die Natur doch so einen guten Job macht? Klar würde auf diesen sogenannten Freiflächen auch wieder Wald entstehen. Da aber kaum Mutterbäume auf den Flächen stehen, würde die Birke die Fläche besiedeln. Ihre Samen sind leicht, fliegen weit und keimen zudem auf fast jedem Boden. Die Birke wächst zwar schnell, ihr Holz ist in seiner Verwendung jedoch sehr eingeschränkt. Beispielsweise lässt sich das Holz der Birke nicht für den Bau von Dachstühlen nutzen, und im Außenbereich beginnt es schnell zu verrotten. Ziel ist es allerdings, auf dem Großteil der Waldfläche Deutschlands einen Wald zu schaffen, der den nachhaltigen Rohstoff Holz erzeugt.

Es sollen also andere Baumarten wachsen, deren Holz man besser nutzen kann. Die Fichte, die meist auf den entwaldeten Flächen stand und noch dort wächst, würde sich natürlich verjüngen. Die gleiche Baumart am gleichen Ort zu haben, die zuvor wegen der Folgen des Klimawandels eingegangen ist, ist jedoch nicht zielführend. Es müssen also noch andere Baumarten investiv gepflanzt werden. Dazu nutzt man Jungpflanzen aus den Baumschulen.

Die Wälder in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein sind mit einem Waldanteil von 11 % im Vergleich zu anderen Bundesländern relativ wenig Wälder zu finden. Die kleinen, aber feinen Wälder sind jedoch häufig bunt gemischt mit verschiedenen Laub- und Nadelholzarten und darüber hinaus ökologisch sehr wertvoll. Gerade im Privatwald handelt es sich häufig um kleine Waldflächen in Insellagen, umgeben von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Wenn in diesen klein parzellierten Wäldern die Bäume ein bestimmtes Alter und eine bestimmte Dimension erreicht haben, stellt sich aus forstwirtschaftlicher Sicht die Frage nach der nächsten Waldgeneration. Hier spielen nun verschiedene Überlegungen eine Rolle. Aus welchen Baumarten besteht der Ausgangsbestand? Möchte man diese Baumarten auch in der nächsten Waldgeneration im Bestand vorfinden? Wie ist die örtliche Schalenwildsituation? Wie ist die standörtliche Prognose in Bezug auf die zukünftigen klimatischen Veränderungen?

Naturverjüngung in einem geschädigten Fichtenbestand

Kommt der Bewirtschaftende zu dem Schluss, dass die Altbäume geeignet wären für die nächste Waldgeneration, muss die technische Umsetzung geprüft werden. Hierbei lässt sich häufig feststellen, dass bei Entnahme der Altbäume zwar genügend Licht für eine mögliche Naturverjüngung an den Boden kommt, diese jedoch durch anhaltenden Schalenwildverbiss nicht aufläuft und der Waldboden schnell verkrautet. Auch findet eine Entmischung durch Wildverbiss statt, sodass Keimlinge verschiedener Baumarten auf einige wenige Arten reduziert werden. Das Schalenwildmanagement liegt jedoch häufig nicht in der Hand der Kleinst­privatwaldbesitzenden, sodass an der Stelle den hohen Wilddichten nicht entgegengewirkt werden kann.

Um dem Verlust und der Entmischung entgegenzuwirken, kann man die Flächen einzäunen und zusätzlich mit einem Kratzverfahren mittels eines Baggers den Oberboden freilegen. So ist der Boden empfänglich für Naturverjüngung und kann unter Umständen auch im Jahr nach der Maßnahme noch neue Keimlinge aufnehmen. Bei fehlender Naturverjüngung oder fehlenden gewünschten Baumarten können die gezäunten und gekratzten Areale im Anschluss immer noch investiv durch Pflanzung ergänzt werden.

Derzeit werden im ganzen Bundesland durch die Bezirksförster der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein solche Gatter für Naturverjüngung auf verschiedenen Böden und in unterschiedlichen Ausgangssituationen angelegt. Neben dem positiven Effekt der geringen Investition in Zeiten von knappen Mitteln bietet dieses Verfahren noch einen weiteren Vorteil. Die Natur zeigt uns, welche Baumarten ohne Wildeinfluss auf natürliche Weise nachwachsen. Interessierten Waldbesitzern wird empfohlen, mit offenen Augen durch ihren Wald zu gehen und sich beraten zu lassen.

Entrümpelt kommt die Homepage besser

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„Digitalisierung – wir wollen sie alle, aber wir müssen auch alle dabei mitnehmen“, sagt LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen. Dabei kann Inke Studt-Jürs helfen. Wie kann eine Webseite ansprechend und nutzerfreundlich gestaltet werden? Wie sind dort Termine schnell und übersichtlich zu finden? Bei diesen und anderen digitalen Themen berät die Fachfrau landesweit und darüber hinaus Kreis- und Ortsvereine der LandFrauen.

An der Andreas-Hermes-Akademie in Bonn hat sich Inke Studt-Jürs ihr Grundwissen angeeignet. „Modellprojekt IT-LandFrauen“ des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) hieß der Kurs, der 2002 ein Jahr lang alle sechs bis acht Wochen für ein verlängertes Wochenende stattfand – acht Präsenzveranstaltungen und weitere Treffen als „virtuelles Klassenzimmer“ von zu Hause aus. „Was heute als Videokonferenz normal ist, war damals ganz neu“, sagt sie. 2003 machte sie sich selbstständig, bildet sich ständig weiter. „Inzwischen hat sich ja alles technisch dreimal überholt.“

Inke Studt-Jürs berät die LandFrauen in digitalen Fragen. Foto: Tonio Keller

Studt-Jürs lebt in Weede, ist Mitglied im Ortsverein (OV) Neuengörs der LandFrauen und zweite stellvertretende Vorsitzende im KreisLandFrauenverband (KLFV) Segeberg. Sie berät überwiegend die LandFrauen landesweit und in Niedersachsen, aber auch andere Vereine, Unternehmerinnen und Firmengründer. Ein Schwerpunkt ist die Gestaltung von Webseiten. Auch gibt sie Kurse und hält Vorträge im digitalen Bereich, etwa zu Vereinsverwaltung und -buchhaltung, zur effektiven Nutzung von Sozialen Medien und neuerdings auch von Künstliche-Intelligenz (KI)-Tools – „Willkommen im Zeitalter der schlauen Maschinen“. Eine Pressemeldung oder Bilder schnell verschicken? Termine koordinieren, obwohl ein Teil der Nutzerinnen kein WhatsApp hat? Für all das gibt es technische Möglichkeiten. Aktuell ist ihr Vortrag „Mein digitaler Nachlass“ im Angebot.

Webseiten aktuell halten

Heute haben alle KreisLandFrauenverbände in Schleswig-Holstein eine eigene Webseite – entweder mit Studt-Jürs erstellt oder im Rahmen eines anderen Seminars. Die meisten Ortsvereine haben eine, aber nicht alle. Ihre Ratschläge? „Manche Webseiten sollten regelmäßiger gepflegt und aktualisiert werden.“ So etwa, wenn die Rubrik „Aktuelles“ zurückgeht bis 2017, aber voran nur bis 2024. Für eine Nutzerin ist es unpraktisch, wenn ihr zu viele überholte Eintragungen entgegenkommen. „Die Webseite ist nicht das Archiv des Vereins, sondern sein Aushängeschild. Alte Berichte sind nach spätestens zwei Jahren uninteressant, die Leute wollen wissen, was aktuell los ist“, betont die Digitalbetreuerin.

Dafür ist der kreisweite Übersichtskalender hilfreich, den die KLFV Segeberg, Plön, Steinburg und Pinneberg eingerichtet haben. Die Ortsvereine schicken Studt-Jürs ihr Jahresprogramm, und das pflegt sie mit dem Kreisprogramm und wichtigen Landestreffen dort ein. So kann jede Nutzerin auf einen Blick sehen, was im nahen Umfeld angeboten wird, ohne sich durch die einzelnen OV-Homepages zu scrollen. „Vielleicht habe ich einen bestimmten Vortrag verpasst und schaue, wo er demnächst noch gehalten wird.“

Übersichtlich und ruhig gestaltet: die Webseite des KLFV Segeberg

Foto: Screenshot

Keine Termine als PDF

Besonders ungünstig findet es Studt-Jürs, wenn Terminkalender als fertiges PDF eingestellt sind. Nicht nur, dass diese oft überladen und schwer zu entziffern sind – insbesondere auf dem Handy –, sie können auch von Suchmaschinen nicht ausgelesen werden, zumindest heute noch nicht. Sprich, man findet Stichworte dort nicht über Google. Außerdem sind diese Ansichten nicht barrierefrei, zum Beispiel für Sehbehinderte, die zum Lesen eine zusätzliche Software nutzen. Überhaupt sind viele Webseiten nicht für mobile Endgeräte optimiert. „Mehr als 50 % nutzen sie – mobile first!“

Wichtig ist auch, Besucher geschmeidig durch die Webseite zu führen. „Die Hauptnavigation sollte nicht mehr als sieben Punkte umfassen“, empfiehlt die Beraterin. „Was interessiert die Frau, die nach Aktivitäten sucht, am meisten? Das sollte auf der Homepage sehr bald kommen.“ Es kann zu einer wahren Schnitzeljagd werden, bis man herausbekommt, wo sich die Ortsvereine versteckt haben oder wo Kontaktdaten zu finden sind. Oder die Vorstandsdamen erscheinen nur als Gruppenbild ohne Namen und Funktionen. „Vorteilhaft sind Schnelleinstiege von der Startseite zu Terminen, Ortsvereinen und zu den Jungen LandFrauen. Übrigens: Auch diese Generation, die man als Digital Native einschätzt, tritt zuweilen mit überladenen PDF als Terminseiten auf!“

Und schließlich geht es auch um eine ansprechende Optik – ruhig, nicht mit wanderndem Bildmaterial. Und mit guten, ausgesuchten Fotos. Was es bei diesen zu beachten gibt, ist ein eigenes Thema.

Die Webseite von Inke Studt-Jürs: www.studt-juers.de

Save the Date

Das Forum für Frauen in der Landwirtschaft findet am 27. Mai von 11 bis 17 Uhr statt. Neben Grußworten von Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU), des Vorstandsvorsitzenden der IB.SH, Erk Westermann-Lammers, und der LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen erwarten die Teilnehmerinnen eine Talkrunde und Workshops zu den Themen:

– Absicherung der Frauen

– ein eigenes Standbein

– meine Rolle auf dem Betrieb

Darüber hinaus hält Kathrin Volquardsen (die landmarie) einen Motivationsvortrag.

Anmeldungen sind per E-Mail bis zum 13. Mai möglich:

buero@landfrauen-sh.de

Ein schaler Beigeschmack bleibt

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Es gibt Bilder, die brennen sich ins Gedächtnis ein.  Vor sechs Jahren waren es im Meldorfer Speicherkoog Bilder von hungernden und toten Pferden, deren Rippen sich unter dem struppigen Winterfell abzeichneten. Der Winter 2019/2020 markiert ein dunkles Kapitel für den Naturschutz, als bis zu 16 Koniks in einem prestigeträchtigen Beweidungsprojekt verendeten.

In diesem Januar endete das gerichtliche Verfahren nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem Kompromiss. Statt eines klassischen Urteils wählte das Landgericht Itzehoe den Weg der Geldauflage gegen zwei Verantwortliche. Formal ist die Sache damit erledigt.

Für Dr. Lennart Schmitt, stellvertretender Generalsekretär im Bauernverband Schleswig-Holstein, bleibt ein „schaler Beigeschmack“. Er stellt die Frage nach der Verantwortung in Projekten, die das Tierwohl dem ökologischen Ideal unterordnen.

Scheitern mit Ansage

Dabei war die Zielsetzung gut gemeint. Ursprünglich sollten die Koniks als „ökologische Rasenmäher“ die Vegetation im Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch im Speicherkoog kurz halten. Ein idyllischer Plan, der aber an eklatantem Nahrungsmangel zerschellte.  Es war ein Scheitern mit Ansage.

Seit 2005 wurde im Schutzgebiet, das dem Wiesenvogelschutz und einem Rastvogelmanagement dienen soll, eine kleine Konikherde zur ganzjährigen Beweidung eingesetzt. Institutionelle und individuelle Fehler, kombiniert mit falschen Annahmen und einer schwierigen Witterung führten zur Katastrophe.

Der Bestand wuchs unkontrolliert auf bis zu 100 Tiere. Für den Vogelschutz notwendige Maßnahmen wie die Entfernung von Bäumen und Büschen nahmen den Koniks den winterlichen Witterungsschutz. Eine Vernässung der Flächen nahm ihnen die trockenen Standorte. Der Nabu selbst unternahm keine Vor-Ort-Kontrollen.

Ursächlich ist laut Nabu aber auch, dass ihm vom damaligen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume die Möglichkeit genommen wurde, die Zahl der Tiere zu reduzieren. Eine dafür benötigte Fanganlage wurde abgebaut. So nahm das Geschehen seinen Lauf.

Können wir helfen?

Anfang März 2020 legten protestierende Landwirte Heuballen vor der Nabu-Geschäftsstelle in Neumünster ab. Ein Plakat der Bauern bot Hilfe an: „Können wir euch helfen? Wir wissen, was wir tun, wir haben das gelernt.“

Erst ein halbes Jahr nach dem Vorfall, im September 2020, benannte das Landesamt für Umwelt in Flintbek das offensichtliche Problem: „Vor diesem Hintergrund ist das Schutzgebiet Wöhrdener Loch für eine ganzjährige Konikbeweidung schon aus Tierschutzgesichtspunkten konzeptionell nicht mehr geeignet.“

Doch nicht nur konzeptionell wurden Fehler gemacht. Die Tiere wurden von den betreuenden Schäfern nicht ausreichend überwacht. Als Projektverantwortlicher geriet der Nabu in die Kritik: Die vorgeschriebene Aufsichtspflicht über die Tierhalter wurde vernachlässigt.

Nüchterne Reaktion

Die Reaktion des Nabu auf das Ende des Verfahrens fällt bemerkenswert nüchtern aus. Man bedauere den Vorfall nach wie vor, betont Geschäftsführer Thomas Rothmund. Die Konsequenz des Verbandes lautet: Rückzug. Der Nabu wird künftig nicht mehr als Halter von Weidetieren in Erscheinung treten.

Die Begründung: Tierhaltung gehöre nicht zur Kernkompetenz des Verbandes. Man verstehe zwar theoretisch, wo Beweidung sinnvoll sei, könne die praktische Umsetzung, also die tägliche Arbeit am Tier, aber nicht leisten. Der Nabu will sich aber gegenüber den Naturschutzbehörden aktiv dafür einsetzen, dass eine extensive Beweidung an den richtigen Standorten durch die richtigen Fachleute verfolgt werde.

Bauernverband überrascht

Für Lennart Schmitt drängt sich die Frage auf, ob nicht bereits deutlich früher hätte erkannt werden müssen, in welche Richtung sich das Projekt entwickelte – und ob die Antwort nur im vollständigen Rückzug bestehen könne.

Es überrascht den Bauernverbandsvertreter, dass der Nabu nicht den Versuch unternimmt, es besser zu machen: „Ein Abwurf ist kein Grund, das Reiten insgesamt aufzugeben. Entscheidend ist, ob man bereit ist, die Ursachen aufzuarbeiten, Strukturen zu verbessern und erneut Verantwortung zu übernehmen“, so die mahnenden Worte aus dem Bauernverband.

Der Fall Speicherkoog zeigt ein strukturelles Defizit: Die Verantwortung wurde auf Schäfer abgeschoben, die Verträge nicht erfüllt haben sollen, während die planerische Gesamtleitung beim Nabu verblieb. Ein klassisches Kompetenzwirrwarr auf Kosten der Tiere.

Vom „hohen Ross“?

Besonders pikant werde die Situation dadurch, dass das Auftreten des Naturschutzbundes ansonsten nicht von Zurückhaltung geprägt sei, wie Schmitt dem Bauernblatt gegenüber formuliert.

In Richtung der landwirtschaftlichen Praxis erkläre der Nabu häufig vom hohen Ross, wie Tierhaltung, Bewirtschaftung und Naturschutz idealerweise auszusehen hätten. Komme es jedoch im eigenen Verantwortungsbereich zu katastrophalen Fehlern, scheine die Bereitschaft zur Fehlerkorrektur gering.

Stille beim Nabu

Dabei bleibe laut Schmitt unstrittig, dass die extensive Weidetierhaltung ein Stille beim Nabu Baustein für den Naturschutz sei. Ebenso klar sei aber, dass sie Fachwissen, Erfahrung und kontinuierliche Betreuung erfordere – Qualitäten, die in der landwirtschaftlichen Praxis tagtäglich gelebt würden.

Der Nabu hat sich für die Stille entschieden; die handelnden Personen von damals seien nicht mehr im Verband tätig, lautet die vorsichtig formulierte Antwort. Es sei zwar denkbar, dass diese Erkenntnis damals frühzeitiger und transparenter hätte kommuniziert werden können, gibt Rothmund zu. Auf diese Erkenntnis folgt allerdings sofort Kritik an den Kritikern: Die Vorgänge hätten aufgezeigt, „dass in manchen Teilen der Öffentlichkeit von einer differenzierten und einer den Tatsachen entsprechenden Bewertung der Rolle des Nabu nach sechs Jahren nicht mehr ausgegangen werden kann“. sh

Koniks sind eine robuste Ponyrasse aus Mittel- und Osteuropa. Sie finden in der Pflege von Naturschutzgebieten Verwendung.  Foto: Imago

Weniger düngen?

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Seit fünf Wochen tobt der Krieg zwischen dem Iran auf der einen und Israel und den USA auf der anderen Seite. Neben dem menschlichen Leid vor Ort sind die Auswirkungen weltweit zu spüren. Hierzulande haben vor allem die Treibstoff- und die Düngemittelpreise deutlich angezogen. An den hiesigen Tankstellen ist der Dieselpreis von zirka 1,60 auf 2,50 €/l gestiegen. Die Forderungen für Harnstoff haben sich von 470 auf 800 €/t fast verdoppelt. Auch für andere Betriebsmittel wie Strom und Erdgas werden deutliche Preisaufschläge erwartet, sollte sich die Situation im Iran-Krieg nicht entspannen.

Starke Abhängigkeit

Wie in vielen anderen Bereichen zeigt sich hier die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Import fossiler Brennstoffe. Bereits vor dem Iran-Krieg war die Situation der hiesigen Landwirtschaft kritisch. Viele Betriebszweige arbeiten nicht kostendeckend. Gerade der Ackerbau leidet unter den seit Jahren rückläufigen Erlösen für viele Ackerfrüchte. Aber auch die Milcherzeugung ist mit dem Einbruch der Auszahlungspreise konfrontiert. Durch die hohen Energie- und Düngerpreise sorgen sich viele nicht nur um das Schicksal etlicher landwirtschaftlicher Betriebe, es gibt auch Stimmen, die von der möglichen Gefahr einer Lebensmittelknappheit sprechen. Vorerst sind die Märkte jedoch gut versorgt. Große Lagervorräte an Getreide und Ölfrüchten verhindern aktuell einen Anstieg der Kurse an Terminmärkten, wie er sonst beobachtet wurde, wenn Krisen die Rohstoffmärkte erschütterten.

Höhere Erlöse wären für die Landwirte jedoch wichtig, um die höheren Betriebsmittelpreise auszugleichen. Damit wird die Situation zunehmend kritisch. Während einige Stimmen die Politik zu Hilfe rufen, suchen andere Betriebsleiter nach betrieblichen Anpassungsmöglichkeiten. Einige Optionen wären: Man kann bei der Frühjahrsaussaat auf weniger intensive Früchte wie Leguminosen setzen. Dadurch kann man auch mineralischen Stickstoff in der Folgefrucht einsparen. Für den Herbst kann man Zwischenfrüchte zur Stickstoffbindung aussäen. Bei den Feldarbeiten sollte man Möglichkeiten zur Dieseleinsparung nutzen. Mittelfristig gibt es Einsparungsmöglichkeiten durch die Nutzung von eigener Energie wie Photovoltaik in Verbindung mit einem Batteriespeicher oder einer Hackschnitzelheizung. Der wichtigste Hebel ist meist nicht eine einzige große Investition, sondern sind viele kleine Maßnahmen: weniger Überfahrten, präzisere Düngung, eigener Solarstrom und bessere Nutzung organischer Dünger. So sinkt die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen – und der Betrieb wird robuster gegen Preissprünge.

Alles Bio?

Auch die komplette Umstellung auf biologische Landwirtschaft käme für einige Betriebe infrage. Die Erlöse für Bioerzeugnisse sind in den letzten Jahren erstaunlich stabil geblieben. Aktuell reicht das Angebot an heimischer Produktion in vielen Bereichen nicht für die Nachfrage aus. Allerdings ist Bio nicht automatisch die wirtschaftlich beste Antwort für jeden Betrieb. Es gibt auch Nachteile, so steigt die Arbeitsbelastung deutlich. Die Umstellung dauert meist zwei Jahre und funktioniert nur, wenn es für die Produkte einen sicheren Markt und Preisaufschlag gibt. Aber mit Blick auf weniger Einsatz von fossiler Energie ist meist ist nicht die komplette Umstellung der entscheidende Hebel, sondern dass konventionelle Betriebe einige „Bio-Prinzipien“ übernehmen.

Energie- und Düngerpreise: Bioland sieht Ökoanbau als Lösung

Als Lehre aus der aktuellen Energie- und Düngepreismittelkrise sollte der Bund die Ökolandwirtschaft stärker fördern. Das forderte Bioland in der vergangenen Woche und verwies darauf, dass der Ökoanbau nicht auf fossilen Dünger angewiesen sei.

Hintergrund ist, dass die Preise für Rohöl und Erdgas sowie für erdgasbasierte Stickstoffdüngemittel massiv angestiegen sind, nachdem der Iran die Straße von Hormus gesperrt hat. Aber auch Phosphordünger sind indirekt betroffen: einerseits durch die gestiegenen Energiekosten und andererseits durch den Preisanstieg für Schwefel.

Verletzbarkeit des globalen Ernährungssystems

Für Bioland-Präsident Jan Plagge führt die Krise „eindrücklich vor Augen, wie verletzlich unser globalisiertes Ernährungssystem ist“. Aus dieser Abhängigkeit müsse man sich dringend befreien. „Das ist kein ideologisches Weltverbesserungsthema, es geht dabei um unsere Ernährungssouveränität“, mahnte Plagge. Schließlich hänge man bei den fossilen Energien „nicht unerheblich auch von den Launen einiger besonders einflussreicher Staatschefs ab“, kommentierte er.

Leguminosen statt Mineraldünger

Statt auf Mineraldünger aus fossilen Energien setzt der Ökolandbau Bioland zufolge unter anderem auf Leguminosen, die Stickstoff aus der Luft binden. Ein mehrjähriger Kleegrasanbau könne auch für stark zehrende Nachfrüchte genug Stickstoff bereitstellen. Der Gesamtbedarf an fossilen Energien sei dadurch auf Biobetrieben geringer als auf konventionell wirtschaftenden, ist man bei dem nach Hektaren und Mitgliedern größten deutschen Ökoanbauverband überzeugt.

Bioland-Politikleiterin Carolin Pagel erwartet von der Bundesregierung entschlossenes, strategisches Handeln und dass sie die aktuelle Krise als Weckruf nutze. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) müsse dafür die Biostrategie „auf solide Füße stellen“, anstatt sie abzuwickeln. Auch müsse sichergestellt werden, dass der Ökolandbau in der kommenden Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028 angemessen gefördert werde. Ebenso sollte die Biolandwirtschaft im neuen Düngerecht und der Wiederherstellungsverordnung entsprechend berücksichtigt werden, so Pagel.

Reesdorf: Die Vorfreude aufs Feiern

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Den Sonnabend, 16. Mai, dürften sich nicht nur die Mitglieder von Landjugendvereinen dick im Kalender markiert haben: Ab 21 Uhr steigt auf dem Hof Sellmer in Reesdorf wieder eine der größten Scheunenfeten in Schleswig-Holstein. Zahlreiche Gäste erwarten die Organisatoren der Landjugend Flintbek auf dem Hofgelände von Familie Sellmer an der K 15. Die Vorbereitungen erfordern jede Menge Arbeit – und trotzdem freuen sich die Macher um die Vorsitzende Marthe Petersen riesig auf das Event.

Der Countdown für die Scheunenfete begann bereits im Januar mit der Planung. In diesen Zeitraum fiel auch eine Begehung des Hofgeländes mit vielen Besuchern: Vertreter von Polizei, Sanitätern, Feuerwehr und Gemeinde Reesdorf, dem zuständigen Amt Bordesholm und des beauftragten Sicherheitsdienstes inspizierten die Maschinenhalle als zentrale Partylocation und das dazugehörige Hofgelände. Für Fragen und Erklärungen standen die Hofbetreiber Sylvie und Tobias Sellmer sowie die Landjugend Flintbek um ihre Vorsitzenden Marthe Petersen und Ben Sander bereit.

Hofbetreiberin Sylvie Sellmer wird auch ihren Kaltblutwallach Comet für die Scheunenfete ausquartieren. Foto: Sven Tietgen

Die Begehung ist aber über die Jahre immer eine entspannte Aktion gewesen. „Wir haben nie Probleme gehabt“, erzählt Sylvie Sellmer. Die Scheunenfete in Reesdorf ist bereits ein Klassiker: 1994 wurde die Maschinenhalle gebaut, ein oder zwei Jahre später stieg dort die erste Party. Rund 600 Gäste feierten bei der Premiere, erinnert sich Tobias Sellmer: „Damals kam man noch ohne Security und Auflagen aus.“ Das Organisationsteam der Landjugend freut sich schon auf die heiße Phase der Vorbereitung. Zunächst räumt Familie Sellmer die Maschinenhalle aus, auch das Strohballenlager unter dem Vordach muss weichen.

Größtenteils kommen die Partygäste aus der Region, manche reisen auch aus anderen Landesteilen an. Foto: Landjugend Flintbek

Weiter werden die mobilen Pferdeboxen sowie die Sattelschränke abgebaut und an anderer Stelle untergebracht. Die rund 40 Pensionspferde sowie der Schleswiger Kaltblutwallach Comet von Silvie Sellmer, die sonst im benachbarten Stall stehen, wechseln auf die Weide. „Mit der Musikbeschallung haben die Tiere überhaupt keine Probleme, die sind völlig tiefenentspannt und eher neugierig, was sich auf dem Hof so tut“, sagt sie.

Am Dienstag, 12. Mai, startet um 19 Uhr in der leer geräumten Halle der Vorverkauf. 12 € kosten die Tickets, noch am gleichen Abend dürften die meisten Eintrittskarten verkauft sein. „Das ist schon stark, wenn dann plötzlich Massen von Leuten auf den Hof kommen und viel Vorfreude mitbringen“, sagt die 18-jährige Marthe Petersen, die sich bereits seit drei Jahren im Vorstand der Laju Flintbek engagiert. Zum anschließenden Aufbau rücken dann bis zu 100 Helferinnen und Helfer an. Das gesamte Fetenareal wird eingezäunt, Fluchtwege werden ausgewiesen, Toiletten aufgestellt und zwei Weideflächen zum Parkplatz umfunktioniert.

Dazu werden vier Tresen aufgebaut sowie Ess- und Getränkestände installiert. „Vier Tresen sind uns schon wichtig, damit die Besucher nicht Schlange stehen müssen“, erklärt Lager- und Getränkewart Anton Stavrinidis-Schulze. Die Aufbauphase wie der anschließende Abbau am Sonntag entschädigen ein bisschen dafür, dass die Organisatoren nicht mitfeiern können. „Der gemeinsame Aufbau stärkt unsere Gemeinschaft, man lernt die Leute noch besser kennen, das ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl“, schwärmt die angehende Landwirtin Marthe Petersen.

Das Team um Rike Sjut, René Krzyschan, Alex Sellmer, Marthe Petersen, Ben Sander und Anton Stavrinidis-Schulze (v. li.) freut sich auf die Fete. Foto: Sven Tietgen

Die Partygäste kommen größtenteils aus der Region, viele reisen aber auch aus anderen Landesteilen an. Und längst strömen nicht nur junge Leute auf das Hofgelände. „Hier sind alle Generationen dabei, man klönt miteinander, feiert, und alle haben gute Laune, das macht schon Spaß“, erklärt der 23-jährige Ben Sander, von Beruf Anlagenmechaniker. „Wir sind, was verschiedene Handwerke und Berufe angeht, breit aufgestellt, das ist für solche Aufbauaktionen echt praktisch“, freut sich Marthe Petersen. Jetzt wünschen sich die Macher noch interessierte Sponsoren zur Unterstützung der Scheunenfete (Kontakt: landjugend-flintbek@web.de).

Freuen können sich letztlich alle Laju-Mitglieder: Vom Erlös der Scheunenfete finanziert die rund 300 Mitglieder zählende Landjugend Flintbek zu einem erheblichen Teil Fahrten, Ausflüge und Veranstaltungen. Mit den Geldern werden auch Eintrittsgelder bezuschusst oder Verpflegungskosten übernommen. Und: Die Auf- und Abbauhelfer werden nach der Party zu einer Wochenendtour nach Dänemark eingeladen.

Sinnlich-poetische Blumenstillleben

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Mit ihren Installationen „Grain“ und „The Field“ aus Getreide, Blüten und Pflanzenteilen wusste die britische Künstlerin Rebecca Louise Law bereits Anfang März im Jahr100Haus in Molfsee und im Jüdischen Museum Rendsburg zu beeindrucken (siehe BB 10/2026). Nun setzt sich ihre Ausstellungsreihe mit „Honesty“ und „Florilegia“ im Gottorfer Globushaus sowie in der Reithalle auf der Museumsinsel Schloss Gottorf in Schleswig fort. „State of Nature“, wie die Gesamtausstellung aller vier Standorte betitelt ist, ist mehr als nur das Anschauen von Kunst, es ist ein sinnlich-poetisches Erleben von Natur im Innenraum.

Tausende silbrig schimmernde Lunaria-Blätter, zu luftigen Girlanden gebunden, verwandeln den Ausstellungsraum im Gottorfer Globus.
Foto: Iris Jaeger

In Girlanden hängen Tausende Silberblätter von der Decke des Ausstellungsraumes im Gottorfer Globushaus. Sie schimmern wie Mondlicht, was sich auch im botanischen Namen des Silberblatts widerspiegelt: Lunaria annua, wie Luna, der Mond. Thematisch schließt sich das an den Globus an, der im Inneren den Sternenhimmel zeigt. Vor zwei Jahren entstand die Idee, im Barockgarten des Schlosses eine Ausstellung zu organisieren, die den Aspekt des „Gottorfer Codex“ aufgreift. „Der ,Gottorfer Codex‘ ist ein vierbändiger Pflanzenatlas, der von Hans Simon Holtzbecker im Auftrag Herzog Friedrichs III. von Schleswig-Holstein-Gottorf von 1649 bis 1659 erstellt wurde. Unter Herzog Friedrich wurde nördlich des Gottorfer Schlosses der sogenannte Neuwerkgarten angelegt, ein frühbarocker Terrassengarten, der neben dem berühmten Globushaus auch mit einer Vielzahl exotischer Pflanzen geschmückt wurde“, lautet dazu eine Beschreibung. Mit „Honesty“, übersetzt Wahrhaftigkeit, soll der botanische Reichtum des Gartens aufgegriffen werden.

Und wie ein Samen, den man in die Erde legt, der dann aufkeimt und erblüht, reifte die Ausstellungsidee ebenso weiter. So kam es, dass jetzt vier Museumsstandorte in Schleswig-Holstein die einzigartigen Installationen von Rebecca Louise Law präsentieren. Für die Landesmuseen ist es eine Premiere und für die Künstlerin eine der größten Ausstellungen, die sie bislang realisiert hat.

Entstanden sind Erfahrungsräume mit einzigartigen und überwältigenden Blumenstillleben, die durch die Begehbarkeit und das sinnliche Erleben in den Bann ziehen und faszinieren. Der Duft, die Anzahl an Blüten, einzeln aufgefädelt auf Draht, die raumgreifenden Dimensionen machen diese vier Ausstellungen so besonders. Höhepunkt dieser Kunstschau ist die Retrospektive der Britin in der Reithalle.

Blick von unten in die beeindruckende Installation aus Millionen getrockneter Blüten und Pflanzen
Foto: Iris Jaeger

Mehr als eine Million getrockneter Blumen und Blätter aus Sammlungen von 20 Jahren hängen dort an Drähten von der Decke, jede Blüte und jedes Blatt wurde einzeln aufgefädelt von vielen helfenden Händen – Menschen und Erlebnisse, an die sich die Künstlerin gern zurückerinnert. Allein für die vier aktuellen Ausstellungen haben sich mehr als 320 Freiwillige seit 2024 in Molfsee, Rendsburg und auf der Museumsinsel in Blomentüddel-Clubs getroffen, um Blüte für Blüte, Halm für Halm auf Kupferdraht aufzufädeln. Mehr als 12.000 Haferhalme, 7.000 Lunariablätter, 5.000 Weizenähren und 6.000 weitere Trockenblumen wurden in den Treffen verarbeitet.

Mensch und Natur hängen unweigerlich miteinander zusammen, das Enstehen und Vergehen von Leben, das Wirken der Menschen in der Natur, der Umgang mit Natur sowie das Thema Nachhaltigkeit sind die bestimmenden Aspekte in der Kunst von Rebecca Louise Law. Aus der Malerei kommend, werden neben den Installationen auch Skizzen und Gemälde aus 20 Jahren Schaffenszeit gezeigt, die diese Aspekte aufgreifen und wiedergeben. Alles Leben, das ensteht, ist von einer schützenden Hülle umgeben. Cocooning ist ein weiterer Aspekt in der Kunst der Britin, dem ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet ist. Wie wichtig der Künstlerin das Thema Nachhaltigkeit ist, zeigt sich zudem in ihren Werken, in denen sie das bei Fädelaktionen ausschüssige Material aufgefegt und wiederverwendet hat. In Schaukästen finden sich diese Reste aus Pflanzen und Draht bunt zusammengemischt wieder sowie in mit Draht gewebten Wandbildern. Zu sehen sind auf der Empore auch ihre Tagebücher, in denen sie ihre Faszination für Pflanzen und Natur sowie ihre Beobachtungen und Empfindungen in Gedichten, Texten und Zeichnungen festhält. Dort wurden zudem gemütliche Sitzecken zum Lesen und Betrachten eingerichtet.

Für das Erleben aller vier Ausstellungen gibt es ein spezielles Law-Ticket für den Sonderpreis von 29 €. Weitere Informationen unter
www.landesmuseen.sh

Aus Pflanzen gewobene Wandbilder sind Teil der Ausstellung in der Reithalle auf der Museumsinsel in Schleswig.
Foto: Iris Jaeger
Nachhaltigkeit ist eine Herzensangelegenheit der Künstlerin und so werden alle Pflanzenreste und ausschüssiges Material nach Blumenbindeaktionen zusammengekehrt und wiederverwendet.
Foto: Iris Jaeger
Zeichnungen und Gemälde aus 20 Jahren Schaffenszeit zu der Entstehung von Leben und der Beziehung von Mensch und Natur sind ebenfalls in der Reithalle zu sehen.
Foto: Iris Jaeger
Rebecca Louise Law kommt von der Malerei, bis sie die Blumeninstallationen für sich entdeckte.
Foto: Iris Jaeger
Entstehen und Werden von Leben, umwirkt von einer schützenden Umgebung wie in einem Nest
Foto: Iris Jaeger
Rebecca Louise Law vor einem ihrer Wandbilder aus Pflanzen
Foto: Iris Jaeger


KI verstehen, bewerten, anwenden

Künstliche Intelligenz (KI) wird derzeit intensiv diskutiert. Nachdem im Bauernblatt in einer Digitalisierungsreihe verschiedene technische Lösungen vorgestellt worden sind, geht dieser Beitrag abschließend der Frage nach, wie landwirtschaftliche Betriebe KI realistisch bewerten und einsetzen können. Denn Künstliche Intelligenz gilt als Hoffnungsträger für landwirtschaftliche Betriebe. Sie soll Arbeitsentlastung schaffen, Entscheidungen unterstützen und den Einsatz von Ressourcen effizienter machen. Gleichzeitig wirft ihr zunehmender Einsatz neue Fragen zu Kosten, Datennutzung und Nachvollziehbarkeit auf.

Künstliche Intelligenz wird häufig als Antwort auf zahlreiche aktuelle Herausforderungen dargestellt. Sie verspricht eine spürbare Entlastung durch automatisierte Abläufe und digitale Unterstützung im Betriebsalltag. Darüber hinaus sollen KI-gestützte Systeme fundiertere Entscheidungen ermöglichen, indem sie Vorhersagen liefern und Zusammenhänge erkennen, die für Menschen nur schwer erfassbar sind. Auch Einsparpotenziale durch einen gezielteren Einsatz von Betriebsmitteln werden häufig hervorgehoben. Gleichzeitig steht KI unter erheblichem politischem und gesellschaftlichem Erwartungsdruck, da sie als technologische Lösung erscheint, um Wirtschaftlichkeit, Umweltauflagen und gesellschaftliche Anforderungen miteinander zu verbinden.

Wo Chancen liegen – und wo Grenzen beginnen

Im betrieblichen Alltag wird deutlich, dass KI kein Selbstläufer ist. Ihre Leistungsfähigkeit hängt maßgeblich von der Qualität der verfügbaren Daten ab. Sind diese lückenhaft oder fehlerbehaftet, liefern auch lernende Systeme keine verlässlichen Ergebnisse. Zudem existieren keine universell einsetzbaren Anwendungen, die für alle Betriebe und Fragestellungen gleichermaßen geeignet sind. Hohe Investitionen in Technik, Software und Schulungen stellen für viele Betriebe eine zusätzliche Hürde dar. Erschwerend kommen infrastrukturelle Einschränkungen hinzu, etwa unzureichende Internetverbindungen in ländlich geprägten Regionen.

Datenhoheit und Nachvollziehbarkeit

Ein sensibler Aspekt beim Einsatz KI-basierter Lösungen ist die Frage nach der Kontrolle über betriebliche Daten. Viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter fragen sich, wer Zugriff auf diese Informationen erhält und zu welchen Zwecken sie genutzt werden. Hinzu kommt, dass zahlreiche Systeme als sogenannte Blackbox arbeiten. Sie liefern Handlungsempfehlungen, ohne dass der zugrunde liegende Entscheidungsprozess transparent dargestellt wird. Überzogene Erwartungen, die durch Marketingversprechen geweckt werden, führen in der praktischen Anwendung nicht selten zu Ernüchterung.

KI im Alltag oft unbemerkt im Einsatz

Auf vielen Höfen kommen lernende Systeme bereits heute zum Einsatz, ohne bewusst als solche wahrgenommen zu werden. Ziel zahlreicher Angebote ist es, digitale Verfahren verständlich aufzubereiten und praxisnah nutzbar zu machen. Konkrete Beispiele, Schritt-für-Schritt-Hilfen sowie unabhängige Informationsangebote sollen den Einstieg erleichtern. Digitale Wissensangebote werden dabei zunehmend online und kostenfrei bereitgestellt.

Generative KI für Texte, Daten und Ideen

Neuere KI-Modelle werden verstärkt für unterstützende Aufgaben genutzt. Dazu zählt die Erstellung von Texten, etwa für Hofvorstellungen oder Beiträge in Sozialen Netzwerken. Auch bei der Strukturierung und Zusammenfassung von Informationen, beispielsweise aus Tierarztunterlagen oder Tabellenkalkulationen, finden solche Systeme Anwendung. Darüber hinaus helfen sie bei der Entwicklung neuer Ideen, etwa bei der Planung von Direktvermarktungsmaßnahmen oder der Ausgestaltung von Kundendialogen.

KI als bewusst eingesetztes Werkzeug

Einige Anwendungen treten gezielt als KI-Werkzeuge auf. Virtuelle Agrarassistenten unterstützen bei Düngeplanung, Pflanzenschutzfragen und organisatorischen Aufgaben im Betrieb. Sie helfen außerdem bei der Erstellung von Berichten, Übersetzungen oder Texten. Andere Lösungen ermöglichen eine sprachbasierte Dokumentation von Arbeiten. Tätigkeiten lassen sich direkt während der Ausführung erfassen und automatisch mit Standort- und Kontextinformationen verknüpfen.

Unsichtbare Helfer im Hintergrund

Neben diesen offen sichtbaren Anwendungen arbeitet KI häufig unauffällig im Hintergrund. Herdenmanagementsysteme werten Bewegungsdaten aus, um Hinweise auf Brunst oder mögliche Gesundheitsprobleme zu liefern. Auch Systeme zur Fütterungs- und Klimasteuerung passen Abläufe automatisch an, basierend auf Sensordaten und lernenden Algorithmen. Bild- und Sensordaten aus Drohnen oder Kameras werden genutzt, um Unkrautaufkommen, Futterqualität oder Tierbewegungen auszuwerten.

Integrierte Systeme in der Praxis

Ein Beispiel für den integrierten Einsatz lernender Systeme ist das Gesundheitsmonitoring bei Kälbern. Mithilfe digitaler Auswertungen lassen sich Auffälligkeiten frühzeitig erkennen, wodurch eine gezieltere Betreuung möglich wird.

Fazit

Künstliche Intelligenz eröffnet viele Möglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe – von einfachen Chat-Anwendungen über softwaregestützte Analysen bis hin zu bildverarbeitenden Systemen und mobilen Anwendungen. Entscheidend ist jedoch, die eigenen Erwartungen realistisch einzuordnen und digitale Werkzeuge gezielt dort einzusetzen, wo sie den Betriebsalltag tatsächlich sinnvoll unterstützen.