Sie werden bei Login in den Shop auch automatisch auf der Bauernblatt-Website eingeloggt und können sich dann zukünftig mit dem gleichen Passwort auf beiden Websites anmelden.
Tradition, Dankbarkeit und der Blick nach vorn standen in der vergangenen Woche bei der feierlichen Übergabe der Erntekrone 2026 im Mittelpunkt.
Die Präsidentin sowie Vertreterinnen und Vertreter des Vorstands und des Ehrenamts der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nahmen die Krone aus den Händen des Kreislandjugendverbandes Nordfriesland und des Landesvorstandes der Landjugend entgegen.
Für Kammerpräsidentin Ute Volquardsen hatte die diesjährige Übergabe eine besondere Bedeutung: Die Erntekrone stammt aus Nordfriesland und damit aus ihrer Heimatregion. Sie dankte den Landjugendlichen für die vielen Stunden Arbeit, die in der gebundenen Krone stecken, und würdigte zugleich das Engagement junger Menschen für Landwirtschaft und ländliche Räume.
Die Erntekrone symbolisiert den Dank für die eingebrachte Ernte. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass diese trotz moderner Technik, guter Planung und fachlichem Können keine Selbstverständlichkeit ist. Das zeigte auch das Erntejahr 2026. Verschiedene Witterungsbedingungen stellten die Betriebe vor Herausforderungen und sorgten regional für unterschiedliche Ergebnisse.
Der Abend bot zugleich Gelegenheit, den Blick nach vorn zu richten. Denn wer über Ernte spricht, spricht auch über das, was heute für morgen gesät wird. Eine wichtige Rolle kommt dabei der jungen Generation zu. „Landwirtschaft braucht Menschen, die Lust haben, Verantwortung zu übernehmen“, betonte Volquardsen. Junge Menschen entwickelten Betriebe weiter, probierten neue Ideen aus und seien bereit, Bewährtes zu erhalten und gleichzeitig Veränderungen anzustoßen. Die Landjugend leiste hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie bringe junge Menschen aus Landwirtschaft und ländlichem Raum zusammen, schaffe Netzwerke und Freundschaften, ermögliche Weiterbildung und biete Raum, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
Ute Volquardsen ermutigte die Landjugendlichen deshalb ausdrücklich, sich einzubringen, Fragen zu stellen und auch deutlich zu machen, wo Veränderungen notwendig seien. Denn die Landwirtschaft der Zukunft könne nur gemeinsam mit den Menschen in der Praxis gestaltet werden.
Im Anschluss gab die Kreislandjugend mit ihrem Erntebericht einen Einblick in das zurückliegende Anbau- und Erntejahr in Nordfriesland. Danach stand vor allem der persönliche Austausch im Mittelpunkt.
Die Erntekrone aus Nordfriesland hat nun ihren Platz im Foyer der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gefunden und wird die Kammer durch das kommende Jahr begleiten. Sie erinnert an die Ernte 2026 und die Arbeit, die dahintersteht. Gleichzeitig steht sie für das, was auch in Zukunft entscheidend sein wird: weiter säen, weiter ausprobieren und weiter zusammenhalten.
In diesem Jahr traten die besten Ponyreiter aus Schleswig-Holstein und Hamburg zum 58. Mal an, um die Landesponystandarte weiterzugeben und die neuen Landesmeister zu ermitteln. Auch die diesjährigen Ponychampions des Pferdestammbuchs Schleswig-Holstein/Hamburg stehen nun fest.
„Wir hatten ein tolles Landesponyturnier bei strahlendem Sonnenschein. Einen besseren Herbstanfang hätte es nicht geben können“, befand Tim Streichert am Sonntagabend während der Aufräumarbeiten. Für den zweiten Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins (RuFV) Bad Segeberg ist der Aufmarsch in jedem Jahr der Höhepunkt, aber in diesem Jahr machten ihn auch die vielen „glücklichen Gesichter“ mehr als zufrieden.
Streichert und seinem Team ist es immer wichtig, das Landesponyturnier in jedem Jahr zu verbessern und alles anzupassen. Eine daraus entstandene Neuerung war das Geländeponychampionat der Klasse A*. Auch das sah der Turnierchef positiv: „Wir sind mit der Premiere sehr zufrieden.“ Julia Wiechmann vom Pferdesport- und Förderverein Süseler Baum, Kreis Ostholstein, war ebenfalls begeistert. „Es ist eine supergute Premiere“, sagte sie. Im Sattel der fünfjährigen Donna Vincenza W von Vincenzo SH hatte sie die Prüfung gewonnen. Den Silberrang sicherte sich die ebenfalls fünfjährige Mescal-Tochter Calina. Die von Uwe Bahn gezogene Ponystute wurde von Laura Stoltenberg-Frick vom Probsteier Reitverein Schönberg, Kreis Plön, vorgestellt. Auf Rang drei kam Nino Nonstop von Wengelo’s Nelson aus der Zucht von Manfred Vogel. Geritten wurde er von Claudia Stelzer.
Am Sonnabend ging es weiter mit dem Championat der dreijährigen Hengste. Hier setzte sich Steendieks Georg Clooney von Golden Grey an die Spitze. Der Fuchsschecke stammt aus der Zucht von Peter Böge aus Schönhorst, Kreis Rendsburg-Eckernförde, und wurde von Bereiterin Mareike Peckholz vorgestellt. Sie saß auch wieder im Sattel von Steendieks Diego de la Vega von Morgensterns Dalai. Der vierjährige Hengst verteidigte seinen Titel aus dem vergangenen Jahr.
Bei den dreijährigen Stuten sicherte sich Grenzhoehes Marietta von Neverland WE den Titel. Die Stute stammt aus der Zucht von Sabine Reimers-Mortensen aus Lutzhorn, Kreis Pinneberg, und steht auch in deren Besitz. Im Sattel saß Linda Boller.
Gold für Samy Lucyga
Im Championat der vierjährigen Stuten und Wallache führte schließlich Raute von der Wiesharde von Dreidimensional AT NRW die Ehrenrunde an. Die Bundeschampionatsfinalistin aus der Zucht von Brit Svea Murmann aus Handewitt, Kreis Schleswig-Flensburg, wurde von Corinna Schwarz präsentiert.
Als Nächstes entschied sich das Championat der Dressurponys. Lia Marleen Dornecker ritt ihre sechsjährige Deutsche Reitponystute Meereen zum Sieg. Die Stute aus der Zucht von Bettina Mangels aus Todenbüttel, Kreis Rendsburg-Eckernförde, ist eine Tochter des Crown Notting Hill, war Prämienfohlen und Prämienstute und wurde schließlich mit der Note 9,1 Reservesiegerin ihrer Leistungsprüfung.
Der 13-jährige Samy Lucyga vom RuFV Birkengrund Schönhorst sicherte sich mit seiner Ms. Moneypenny den Titel des Landesmeisters in der Vielseitigkeit.Foto: RathmannVerlag/Malina Blunck
Die ersten Landesmeister wurden ebenfalls am Sonnabend bejubelt. Der Sieger in der Vielseitigkeit heißt Samy Lucyga, reitet für den RuFV Birkengrund Schönhorst und saß im Sattel von Ms. Moneypenny. Der 13-Jährige und seine Ponystute aus der Zucht von Peter Böge sind seit rund drei Jahren ein Paar und längst ein erfolgreiches Team. „Sie ist mein Herzenspony“, erzählte Samy. Silber gewann Laura Küntzler vom RuFV Südtondern Leck, Kreis Nordfriesland, mit Minnie Mouse. Bronze ging an den Hamburger Maximilian Jasper Hein mit Akebys Träum’ Mit Mir.
Großer Finaltag in Bad Segeberg ist und bleibt aber der Sonntag. Zum ersten Mal wurde an diesem Tag die Siegerschärpe im Eignungschampionat der Reitponys vergeben. Der vierjährige Hengst Freienfeldes Major Bubblegum von Mescal aus der Zucht von Swantje Hinz und seine Reiterin Anna-Marie Frahm verließen den Platz mit dem Titel.
Dankbare Siegerin
In der finalen Ponyspringprüfung der Klasse L mit Stechen blieb Lisa Helena Hübner von der Reitsportgemeinschaft Groß Buchwald, Kreis Rendsburg-Eckernförde, mit dem 13-jährigen Mikabo W von FS Maracaibo zum dritten Mal an diesem Wochenende fehlerfrei. So sicherte sie sich die Goldmedaille in der Landesmeisterschaft der Ponyspringreiter. Die Zwölfjährige war nach ihrem Triumph glücklich: „Ich bin meinem Pony doll dankbar, er hat das richtig toll gemacht. Und genauso dankbar bin ich meinen Eltern, dass sie mir das alles hier ermöglichen.“ Silber gewann Henrike Amalie Mougin aus Grömitz, Kreis Ostholstein, mit Mescal II. Isabell Albert vom Reit- und Sportverein Hüttener Berge, Kreis Rendsburg-Eckernförde, bekam Bronze mit GvK Richthofen.
Die neue Ponylandesmeisterin im Springen wurde Lisa Helena Hübner mit ihrem Mikabo W.. Foto: RathmannVerlag/Malina Blunck
Bereits am Vortag hatte sich Züchterin Brit Svea Murmann über den Sieg ihrer Raute von der Wiesharde gefreut. Nun hatte Ruth von der Wiesharde ihren großen Auftritt. Mit Lisa Kroll vom RuFV Südtondern Leck im Sattel sprang die fünfjährige Stute zum Titel im Ponyspringchampionat.
Die neue Landesmeisterin in der Dressur hat in dieser Saison bereits Brillantes mit ihrem Pony geleistet. Die Hamburgerin Sophie Levien und Carlo Carlucci tanzten in Hamburg zum Sieg im Ponydressurderby und wurden im Anschluss als Reservepaar für die Pony-Europameisterschaften im französischen Le Mans nominiert. In Bad Segeberg setzte sich Levien in den drei Wertungsprüfungen mit deutlichem Abstand an die Spitze und wurde zur Landesmeisterin gekürt. „Dieses Jahr war unglaublich. Ich habe immer noch nicht alles realisiert, was passiert ist. Das war jetzt ein sehr schöner Abschied der Saison“, sagte sie. Die Silbermedaille bekam die Fehmaranerin und Vorjahressiegerin Lilly Elisabeth Marquardt mit ihrem Dobby von D-Day AT. Bronze gewann Florine Tesdorpf von der Reitgemeinschaft Hof Barkholz mit Notre Petit von Notre Baux.
Sophie Levien gewann mit Carlo Carlucci die Ponylandesmeisterschaft Dressur. Es gratulierten Tim Streichert (v. li.), die Präsidentin des Landesverbandes der Reit- und Fahrvereine Hamburg, Anja Hillert, das Vorstandsmitglied des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein, Dr. Christiane Müller, und der Vorsitzende des RuFV Bad Segeberg, Mario Hinz.Foto: RathmannVerlag/Lena Magens
Abschied von Richter
Den gefeierten und imposanten Höhepunkt bildete der Aufmarsch der Ponyreitabteilungen vor der altehrwürdigen Tribüne auf dem Landesturnierplatz. Im 31. Wettkampf um die Landesponystandarte traten 13 Vereine aus ganz Schleswig-Holstein an. Der Reit- und Fahrverein Neuengörs und Umgebung, Kreis Segeberg, mit Karin David-Studt verteidigte souverän seinen Vorjahrestitel und nahm die Ponystandarte in Empfang. Die Ponyreiter des Fehmarnschen Ringreitervereins folgten auf dem zweiten Platz, Team I von Pferdesport Granderheide, Kreis Stormarn, belegte Rang drei.
Und so endete ein Landesponyturnier, das mit viel Liebe zum Detail und außergewöhnlichem ehrenamtlichen Engagement auf die Beine gestellt wurde.
Eins war den Verantwortlichen noch ganz wichtig: das Gedenken an den ehemaligen Vorsitzenden des RuFV Bad Segeberg und Macher des Landesponyturniers, Manfred Richter. Er war vor Kurzem recht plötzlich verstorben. „Manfred Richter hat der nachfolgenden Generation rechtzeitig Organisationsbereiche übertragen. Damit hat er dafür gesorgt, dass dieses Turnier auch weiter stattfinden kann“, sagte Streichert und machte deutlich, dass es für ihn und das Organisationsteam nicht einfach war, dieses Landesponyturnier ohne Richter durchzuführen. In einer Schweigeminute während des Aufmarsches wurde dem leidenschaftlichen Pferdemann im Rahmen seines liebsten Wettbewerbs gedacht, denn die Abteilungen waren ihm besonders wichtig. pm
Ein Frühbeet fängt die ersten und letzten Sonnenstrahlen des Jahres ein. Es funktioniert wie ein kleines Gewächshaus. Die Scheiben oder Folie lassen die Sonnenstrahlen hindurch und halten die Wärme im Inneren. Wer noch vor Weihnachten frisches Blattgrün ernten möchte, legt am besten gleich los.
Im Oktober lässt sich der freie Platz für die Aussaat von Feldsalat, Winterportulak, Radieschen und Möhren nutzen. Letztlich bestimmt der Witterungsverlauf den Erntetermin, der sich von Dezember bis Mai erstrecken kann.
Wichtig ist in den Herbst- und Wintermonaten das regelmäßige Lüften per Hand. Dies beugt Pilzkrankheiten vor, da die Luft unter Glas sehr feucht werden kann. Verfügt das Frühbeet über automatische Fensterheber, muss dennoch manuell gelüftet werden. Die Kraft der Sonne reicht ab Oktober nicht mehr aus, um die Heber zu betätigen.
Mit den untergelegten Steinen wird hier manuell gelüftet. Foto: Karin Stern
Doch das Frühbeet lässt sich auch anderweitig nutzen, etwa um geerntetes Spätgemüse bis zur Verarbeitung frisch zu halten oder einzulagern. Dafür wird Porree samt Wurzelballen stehend eingegraben. Wurzelgemüse (von Grün befreit) und Kohlköpfe (von Hüllblättern befreit) legt man in eine mit Stroh ausgekleidete Vertiefung und bedeckt das Gemüse mit Erde. Tipp: Bei Problemen mit Wühlmäusen zur Abwehr verzinkten Draht einlegen.
Im Spätherbst lässt sich das Frühbeet eine Zeit lang für die Lagerung von Gemüse nutzen. Foto: Karin Stern
Im Dezember und Januar steht – sofern es die Witterung erlaubt – die Ernte von Feldsalat, Winterportulak und Radieschen an. Zudem ist weiterhin regelmäßig zu lüften, und das eingelagerte Gemüse sollte nach und nach aufgebraucht werden. Kündigt sich starker Frost an, wird das Gemüse besser in den Keller geräumt.
Erfahrungsgemäß klappt es ab Ende Februar mit der Aussaat von Schnittsalat, Rucola, Radieschen, frühem Rettich, frühen Möhren und Kresse. Ob der richtige Zeitpunkt erreicht ist, erkennt man daran, dass der Boden so weit abgetrocknet ist, dass er sich feinkrümelig vorbereiten lässt. Bei der Wahl der Sorten ist darauf zu achten, dass diese für den Anbau unter Glas geeignet sind. Gegen Ende Februar, Anfang März erhält man im Gartenmarkt die ersten vorgezogenen Gemüse- und Salatjungpflanzen. Das erspart die Anzucht auf der Fensterbank, die zudem im Februar ohne künstliche Beleuchtung nicht gelingen dürfte. Spätestens die Märzsonne vertreibt den Winter und erlaubt Aussaat und Pflanzung auch in ungünstigeren Lagen.
Auf den Freilandbeeten herrscht noch Leere, aber aus dem Frühbeet kommt täglich Salat auf den Tisch. Foto: Karin Stern
Manche Gärtner nutzen das Frühbeet für die Anzucht von Gemüse und Sommerblumen in Aussaatschalen. Die Setzlinge kommen dann nach einer Abhärtungsphase Mitte/Ende April ins Freiland. Tipp: Wärme liebende Kulturen wie Gurke, Melone, Tomate oder Paprika zunächst im Haus auf der Fensterbank keimen lassen und frühestens nach dem Pikieren tagsüber bei Sonnenschein ins Frühbeet stellen. Nachts sollten diese empfindlichen Zöglinge wegen der niedrigen Temperaturen besser wieder ins Haus gestellt werden. Andernfalls kann es zu Entwicklungsstörungen kommen.
Im April ist der Kopfsalat erntereif, der Kohlrabi legt noch zu. An den Seitenwänden finden junge Tomatenpflanzen tagsüber ein warmes und helles Plätzchen. Foto: Karin SternSo vielseitig lässt sich ein Frühbeet mit Kresse, Rucola, Pflücksalat ‚Lollo bionda‘, Kopfsalat und Bataviasalat nutzen. Foto: Karin Stern
Je nach Pflanztermin kann man gegen Ende April bereits den ersten Kopfsalat ernten. Früher dran sind die im zeitigen Frühjahr gesäten Pflücksalate und der Rucola. Der geräumte Platz im Frühbeet lässt sich hervorragend für die Pflanzung der vorgezogenen Salatgurken, Melonen und Buschtomaten nutzen. Anfangs nehmen sie noch nicht so viel Raum ein, sodass die Salate nach und nach geerntet werden können, während sich das Wärme liebende Gemüse etabliert.
Ab Ende Mai, Anfang Juni füllen sie das Frühbeet vollständig aus. Auch Balkonpaprika oder Peperoni lohnen einen Versuch im Frühbeet. Man pflanzt sie jedoch nicht vor Mitte Mai. Tipp: Die Abdeckung des Frühbeets nach der Schafskälte im Juni entfernen und bis zum Herbst beiseitestellen. Denn auch mit automatischen Fensterhebern wird es unter der Abdeckung bei Sonnenschein sehr heiß, sodass der Ertrag von Tomate, Gurke und Co. darunter leidet.
Wer gern Endivien mag, sät im Juli im Freiland aus und setzt die Jungpflanzen Ende August nach der Gurken-, Tomaten- und Melonenernte ins Frühbeet. Auf die gleiche Weise wird mit vorgezogenem Kopf- oder Pflücksalat und Kohlrabi verfahren. Lohnend ist auch die Aussaat von Feldsalat, Spinat, Kresse und Winterportulak für die Herbsternte. Je nach Witterung sollte das Frühbeet im Verlauf des Septembers wieder seine Abdeckung erhalten.
Automatische Fensteröffner erleichtern das regelmäßige Lüften enorm. Foto: Karin Stern
Frühbeete sind als vorgefertigte Bausätze aus Holz, Metall oder Kunststoff erhältlich. Möglich ist auch ein Selbstbau mit Holz, Gewächshausfolie oder Stegdoppelplatten. Letztere isolieren etwas besser, sind allerdings auch teurer. Das Grundprinzip ist ganz einfach: Als Umrandung dienen Bretter, als Eindeckung ein Holzrahmen, auf dem Folie oder Stegdoppelplatten befestigt werden. Unbedingt eine Lüftungsmöglichkeit einbauen! Selbst gebaute Frühbeetkästen aus Kiefernholz wirken optisch sehr ansprechend. Werden sie auf eine Umrandung aus Steinen gestellt, verlängert sich ihre Haltbarkeit. Auch ein Hochbeet lässt sich mit einem Frühbeetkasten versehen. So kombiniert man die Vorteile eines Hochbeets mit der Möglichkeit, die Anbausaison zu verlängern. Tipp: Hier sollte auf eine entsprechende Windsicherung des Frühbeets geachtet werden.
Die Verwendung spezieller Gewächshausfolie empfiehlt sich für selbst gebaute Frühbeete. Foto: Karin SternDieses selbst gebaute Frühbeet wird für den Anbau von Küchenkräutern genutzt. Foto: Karin Stern
Werden Geflügelfleisch- und Honigimporte aus Brasilien in die Europäische Union bald wieder möglich sein? Nach Abschluss des Audits durch Experten der Europäischen Kommission erklärte Brasiliens Landwirtschaftsminister André de Paula Anfang September, die Ergebnisse seien „zufriedenstellend“. Eine Sprecherin der Brüsseler Behörde betonte dagegen in der vergangenen Woche, der Bericht liege noch nicht vor.
Auf die Frage, wann mit den Ergebnissen zu rechnen sei, wollte die Sprecherin „nicht spekulieren“. Am 1. September, wenige Tage vor Abschluss des Audits, hatte die Kommission noch angegeben, es könne „mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate dauern“, bis die Resultate der Prüfung vorlägen.
Aus dem brasilianischen Ministerium hieß es indes, die Kontrollen seien positiv bewertet und Geflügel sowie Honig damit für den EU-Markt so gut wie zugelassen worden. Nun müsse man „den bürokratischen Prozess abwarten“. Man gehe davon aus, dass man schon bald wieder auf der Liste der Geflügel- und Honiglieferanten für die Europäische Union stehen werde.
Hintergrund ist ein seit dem 3. September geltendes EU-Importverbot für eine Reihe von Agrargütern aus Brasilien, darunter Geflügelfleisch, Honig und Rindfleisch. Grund für das Verbot sind fehlende oder zu spät eingereichte Nachweise, dass die Masttiere beziehungsweise Bienen während ihrer gesamten Lebensdauer nicht mit antimikrobiellen Wachstumsförderern behandelt wurden. Der Einsatz entsprechender Wirkstoffe ist in der EU untersagt.
Für Geflügelfleisch und Honig konnten die nötigen Nachweise aufgrund kürzerer Produktionszyklen bereits in den Sommermonaten nach Brüssel eingereicht werden. Werden diese nun als ausreichend bewertet, ist – vorausgesetzt, die Experten der EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) stimmen zu – mit einer Wiederzulassung der Importe zu rechnen. Bei Rindfleisch dürfte dies dagegen noch eine Weile dauern: Hier liegen die Produktionszyklen bei ungefähr zwei Jahren.
Der brasilianische Verband der Fleischexportindustrie bezeichnet die Unterbrechung der Warenströme in die EU als „besonders besorgniserregend“. Für den europäischen Absatzmarkt gebe es keinen automatischen Ersatz, betont der Verband. Das gelte vor allem für den Absatz hochwertiger Teilstücke. China importiere hauptsächlich Schlachtkörper, um diese im eigenen Land weiterzuverarbeiten.
Mit Blick auf die ausgesetzten brasilianischen Rindfleischimporte in die EU zeigt sich das Mercosur-Land Paraguay besorgt. Der Generaldirektor der paraguayischen Fleischkammer, Daniel Burt, warnte vor steigenden Einfuhren aus Brasilien. Er zeigte sich enttäuscht: Nur wenige Monate nach Inkrafttreten des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten laufe der Fleischmarkt eher über, statt sich wie versprochen durch Handelserleichterungen zu entspannen. Gleichzeitig räumte er ein, dass es gewisse Möglichkeiten gebe, mehr paraguayisches Rindfleisch in der EU abzusetzen. age
Kanada als assoziiertes EU-Mitglied:
Landwirtschaft wäre wohl außen vor
Was würde ein Beitritt Kanadas als assoziiertes EU-Mitglied für die europäische Landwirtschaft bedeuten? Diese Frage stellt sich mancher nach der überraschenden Ankündigung von EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU), die Nordamerikaner als erstes assoziiertes Mitglied aufnehmen zu wollen. Die CDU-Politikerin hatte das in ihrer diesjährigen Rede zur Lage der EU im Straßburger Parlament in Aussicht gestellt (siehe Seite 10). Zur Einordnung: Schon ein regulärer EU-Beitritt der Ukraine wäre agrarpolitisch nicht mit dem eines Schwergewichts wie Kanada vergleichbar. Wer mehr Konkurrenz für die heimische Landwirtschaft fürchtet, kann trotzdem aufatmen – vorerst. Zwar sind die meisten Details der Pläne noch offen. Der kanadische Regierungschef Mark Carney machte in seiner Rede am Donnerstag vergangener Woche im Straßburger Parlament aber klar, wie er sich eine assoziierte Mitgliedschaft vorstellt.
Mark Carney Foto: EU
Laut Carney könnten beide Seiten unter anderem bei kritischen Rohstoffen, gemeinsamen Rüstungsprojekten, Künstlicher Intelligenz, Energiesicherheit und Weltraumpolitik enger zusammenarbeiten. Gleiches gelte für Freizügigkeit sowie gemeinsame Erasmus- und Horizon-Programme. Der Vorsitzende der liberalen Partei Kanadas erwähnte die Agrarpolitik in seiner Aufzählung nicht. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Landwirtschaft aus möglichen Verhandlungen herausgehalten werden könnte: Carney kündigte an, lediglich den Handel mit „nicht landwirtschaftlichen Gütern“ zwischen beiden Seiten weiter auszubauen. Von einer Einbindung Kanadas in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) war ebenfalls keine Rede. Gleiches gilt für die phytosanitäre Zusammenarbeit und andere Fragen der Lebensmittelsicherheit.
Dem Vernehmen nach ist es beiden Seiten angesichts der Komplexität lieber, dieses Thema aus möglichen Gesprächen herauszuhalten. Gleichzeitig scheinen sich die agrarpolitischen Beziehungen auch dank des fast zehn Jahre alten Handelsabkommens zwischen EU und Kanada (Ceta) weiter zu verbessern. Der Agrarhandel wächst: Laut EU-Kommission legten die EU-Exporte nach Kanada zuletzt jährlich um im Schnitt 5,5 % zu, die Importe aus Kanada um 8,4 %. age
Die 40. Dithmarscher Kohltage auf dem Hof Hagge in Zennhusen (Gemeinde Hemme), Kreis Dithmarschen, werden im September dieses Jahres nicht nur als Traditionsfest gefeiert, sondern als öffentliches Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft. Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs und Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU) waren sich einig darüber, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft stärker anerkannt werden sollte.
Auf dem Hof der Familie von Thies Hagge-Kern und Andrea Hagge wurde am Dienstag der traditionelle Kohlanschnitt begangen. Für die Auftaktveranstaltung der 40. Dithmarscher Kohltage reiste erstmalig auch Ministerpräsident Daniel Günther an, um gemeinsam mit Landrat Thorben Schütt (CDU) und Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs das Kohlmesser des Kreises Dithmarschen am grünen Blattgemüse anzusetzen.
Für Borwieck-Dethlefs und Günther stand eine Zielbotschaft im Vordergrund: Schleswig-Holsteins Landwirtinnen und Landwirte sollten und müssten mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren – sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft. „Die Kohltage machen Dithmarschen und seinen Kohl sichtbar, aber sie machen vor allen Dingen die harte und anstregende Arbeit unserer Landwirtinnen und Landwirte sichtbar“, so Borwieck-Dethlefs. „Ich würde mir sehr wünschen, dass durch das Offenlegen dieser Arbeit mehr Respekt und mehr Wertschätzung für die Branche entstehen.“
Gleichzeitig appellierte sie an die Gesellschaft, diese müsse tiefer in die Tasche greifen, damit Qualität, Wertschöpfung und Nachhaltigkeit in Schleswig-Holstein erhalten bleiben könnten. Die Kohltage stünden für sie auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demonstrierten, was möglich sei, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen zusammenarbeiteten, statt sich in Negativem zu verlieren. Von Günther wünschte sie sich eine Politik, die der Landwirtschaft mehr Gehör schenke, sodass gemeinsame Lösungen möglich seien.
Eindrücke des ersten Tages der 40. Dithmarscher Kohltage Fotos: Patrick Mühling
Den Kohlanbau in Dithmarschen und die Veranschaulichung durch die Kohltage würdigte auch der Ministerpräsident. Auf den fruchtbaren Marschböden Dithmarschens werden jedes Jahr etwa 90 Millionen Kohlköpfe geerntet. „Ich glaube, es ist gut, dass wir in Schleswig-Holstein mal ein bisschen angeben und zeigen, was wir haben“, sagte Günther. Mit dem größten zusammenhängenden Kohlanbaugebiet Europas müsse man sich nicht verstecken. „Vor 40 Jahren wurde einmal gesagt, die Bayern feiern immer ihr Bier. Da können wir in Schleswig-Holstein auch unser Nationalgemüse ordentlich vermarkten“, betonte der Ministerpräsident.
Auf die Worte seiner Vorrednerin Borwieck-Dethlefs ging er ebenfalls ein. Angesichts globaler Unsicherheiten und unterbrochener Lieferketten müsse bei der Gesellschaft stärker ins Bewusstsein rücken, dass die heimische Landwirtschaft die Versorgung mit Lebensmitteln sicherstelle. Besonders der Kohlanbau sei trotz zunehmender Mechanisierung weiterhin mit erheblicher körperlicher Arbeit verbunden, weshalb Günther ebenfalls eine höhere Würdigung von Erntehelferinnen und -helfern forderte.
Der Ministerpräsident sprach auch die Themen Vertrauen und Freiräume an: „Immer, wenn ein Problem besteht, wird man darauf angesprochen mit: ,Das muss die Politik regeln.’“, verriet er. Politik solle, so Günther, jedoch nicht jedes Problem durch neue Gesetze und Regulierungen lösen. „Ich glaube, dass wir das Ganze umkehren müssen. Dafür brauchen wir uns aber gegenseitig“, erklärte er. Günther appellierte eindrücklich, dass ein Bürokratieabbau nur funktionieren könne, wenn Politik und Gesellschaft akzeptierten, dass es danach auch Menschen geben könnte, welche die neugewonnenen Freiheiten nicht zum Positiven einsetzten.
Der Ministerpräsident durfte dieses Jahr selbst den Kohlanschnitt durchführen. Foto: Patrick Mühling
Sätze wie „Warum habt ihr denn hiergegen kein Gesetz erlassen?“ wolle er dann nicht hören. Freiräume bedeuteten damit gleichzeitig Verantwortung. Und diese wolle er den Landwirtinnen und Landwirten geben. „Wir haben in Schleswig-Holstein bewiesen, dass man nicht nur durch Verordnungen Umweltschutz schafft“, so der Ministerpräsident. Stattdessen setze man in vielen Bereichen bereits auf freiwillige Vereinbarungen.
Er habe viele Landwirtinnen und Landwirte erlebt, die Nachhaltigkeit lebten, weil sie einen gesunden Boden und gesunde Tiere haben wollten. Für diese Menschen müsse man es umso mehr schaffen, dass sie am Ende von ihrer Arbeit leben könnten. „Man kann sich immer herunterziehen lassen und über Dinge aufregen, aber in unserem Land läuft auch verdammt viel gut. Das sehen wir an den Dithmarscher Kohltagen“, betonte Günther. Dieses Engagement zeige, dass es viele optimistische Leute gebe, die anpackten. „Und ich finde, genau die sollten wir viel mehr in den Mittelpunkt stellen.“
Lange Zeit diente das lang gezogene Gebäude der Reeperbahn Glückstadt im Freilichtmuseum Molfsee als Materiallager und schlummerte in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin. Doch damit ist es vorbei: Wiederhergestellt und herausgeputzt erstrahlt das historische Gebäude in neuem Glanz und wurde zudem Mitte September offiziell in einer kleinen Feierstunde zum ersten Haus des Jahres im Freilichtmuseum gekürt.
Mit diesem neuen Format „Haus des Jahres“ rückt künftig jährlich eines der historischen Gebäude in den Mittelpunkt des musealen und öffentlichen Interesses. Die ausgewählten Häuser werden dafür jeweils überarbeitet, neu erschlossen und als besonderer Ort erlebbar gemacht. Den Anfang macht dieses Jahr die Reeperbahn Glückstadt. Mit viel Engagement und Manpower wurden das Maschinenhäuschen und die sich daran anschließende überdachte Reepschlägerei von Bewuchs und Unrat befreit, der Lehmboden wiederhergestellt. Neben der Präsentation von Ausstellungsobjekten rund um das Seilereihandwerk wurden Verweil- und Aufenthaltsorte geschaffen, die das Gebäude und seine einstige Funktion direkt erlebbar machen.
Blick ins Haus, in dem unter anderem die Frankfurter Spinnmaschine zu sehen ist Foto: Iris Jaeger
Die Reeperbahn beschreibt den Arbeitsplatz eines Reepschlägers, der auf langen Bahnen Seile hergestellt oder „geschlagen“ hat. „Reep“ ist dabei das niederdeutsche Wort für Seil oder Tau. Wer also bei „Reeperbahn“ in erster Linie an die Vergnügungsmeile und an das Nachtleben in Hamburg-St. Pauli denkt, liegt nicht ganz richtig. Ursprünglich wurden auch da Seile in erster Linie für die Schifffahrt hergestellt. „Die Reeperbahn erzählt von einem alten Handwerk, von Material und Geschick, von körperlicher Arbeit und überliefertem Wissen. Aber sie erzählt ebenso von wirtschaftlichem Wandel, von Familiengeschichte und davon, wie sehr sich unsere Lebens- und Arbeitswelten verändert haben“, sagte Dr. Thorsten Sadowsky, Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, im Rahmen der Feier zur ersten Vorstellung eines Hauses des Jahres. Von 1812 bis 1969 habe sich die Glückstädter Reeperbahn im Besitz der Familie Reinhardt befunden. Als sie dem Straßenbau weichen musste, wurde sie zunächst eingelagert und schließlich nach Molfsee versetzt.
„Seit 1985 gehört sie zu diesem Museum. Und doch beginnt diese Geschichte heute in gewisser Weise noch einmal neu. Denn genau das ist die Idee des Hauses des Jahres. Wir wollen unsere historischen Gebäude nicht nur bewahren, wir wollen sie immer wieder neu erschließen, neue Perspektiven auf sie eröffnen und ihre Geschichte mit unserer Gegenwart in Beziehung setzen“, betonte Sadowsky. Dem pflichtete Museumsdirektorin Prof. Kerstin Poehls bei. Ein Freilichtmuseum sei schließlich kein Archiv abgestellter Häuser. „Es ist ein lebendiger Ort. Seine Gebäude sind historische Zeugnisse, aber sie entfalten ihre Bedeutung erst dann vollständig, wenn Menschen sie betreten, ihre Geschichten entdecken, miteinander ins Gespräch kommen und eigene Erfahrungen mit ihnen verbinden.“
Kuratorin Astrid Paulsen erinnerte zusammen mit Vincent Lühr, einem Nachfahren der einstigen Glückstädter Reepschlägerfamilie, an die Geschichte des Gebäudes und des Handwerks. So seien Reeperbahnen im Wesentlichen zur Zeit der Hanse und des wachsenden Seehandels entstanden. Erstmals schriftlich belegt sind Reepschläger in Norddeutschland in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Seit dem 14. Jahrhundert schlossen sie sich in den Hafenstädten zu Handwerksverbänden, den sogenannten Reepschlägerämtern zusammen. Diese legten die Regeln für Rohstoffe, Herstellung, Ausbildung und Handel fest. „Das Ursprungsmaterial der Taue und Seile war Hanf, und das wurde auch genauso festgelegt. Da durfte kein anderes, billigeres Material verwendet werden“, so Astrid Paulsen. Mit der Industrialisierung und der Verbreitung von Dampfschiffen verlor das Handwerk seit dem späten 19. Jahrundert schrittweise an Bedeutung.
Mit dem Austreibewagen wurden Stränge, sogenannte Duchten, geschlagen – Grundlage für jedes Tau. Foto: Iris Jaeger
Glückstadt wurde 1617 vom dänischen König Christian IV. gegründet. Hafen und Festung sollten sein Reich stärken und gleichzeitig Hamburg Konkurrenz machen. Um 1800 erlebte Glückstadt seine Blütezeit. Handels-, Robben- und Walfangschiffe liefen den Hafen an und benötigten große Mengen an Tauwerk. Diese lieferten vor Ort gleich vier Reepschlägereien. In einer davon machte Andreas Reinhardt (1785-1867) seine Lehre. 1812 übernahm er als Meister den Betrieb. „50 Jahre lang hat er dann im Freien die Seile auf einer Länge von 220 m geschlagen, bei Wind und Wetter. Das war ein echter Knochenjob“, erinnerte Vincent Lühr an die Arbeit seiner Vorfahren. 1852 übernimmt Jakob Reinhardt (1817-1882) den väterlichen Betrieb und überdacht die Bahn 1863 auf einer Länge von 75 m. Die Bretter der Längswand sollen dabei von Transportkisten der örtlichen Zuckerfabrik stammen, andere Bauteile von einem gestrandeten Walfangschiff. 1867 geht der Betrieb an Sohn Andreas (1841-1931) und bleibt bis 1969 in Familienhand, zuletzt geführt von Reepschlägermeisterin Magdalene Reinhardt. Dann musste die Reeperbahn dem Straßenbau weichen und wurde 1985 im Freilichtmuseum wieder aufgebaut.
Vincent Lühr ist der Urgroßneffe von Magdalene Reinhardt und entwickelt aktuell in seiner Examensarbeit an der Uni Flensburg Ideen, wie Grundschüler diesen besonderen Ort künftig spielerisch und altersgerecht entdecken können. Wie mit einem Seil werden auf diese Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft – das entspricht dem Konzept vom Haus des Jahres.
Und wer immer schon wissen wollte, was es mit dem „roten Faden“ auf sich hat, wird auch in der Seilerei fündig: Das teure Tauwerk der britischen Marine wurde häufig gestohlen und zu Geld gemacht. Daraufhin wurde das sogenannte Gaunergarn erfunden: Man zog durch sämtliche Seile einen roten Faden, der sich nicht mehr entfernen ließ, und Johann Wolfgang von Goethe griff dieses Bild in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ auf. Er machte es zur Metapher für ein Motiv, das sich erkennbar durch einen Text oder ein Leben zieht.
Der Arbeitsausschuss Walderschließung des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) bringt regelmäßig die für den forstlichen Wegebau verantwortlichen Fachleute aus den Bundesländern und den Bundesforsten zusammen. Auf seiner jüngsten Sitzung in Sachsen standen neben den aktuellen Entwicklungen in den Ländern insbesondere die Wegeunterhaltung, die Grabenpflege und der Rückbau alter Asphaltdecken im Mittelpunkt.
Nach einem fachlichen Austausch am ersten Tag führte eine Exkursion in den Forstbezirk Neudorf zu verschiedenen Praxisbeispielen.
Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. ist eine bundesweit tätige Einrichtung, die sich mit Fragen der Waldarbeit, der Forsttechnik und der Organisation forstlicher Arbeitsverfahren befasst. Als Bindeglied zwischen Wissenschaft, Praxis, Verwaltung und Herstellern begleitet es technische Entwicklungen, prüft Forsttechnik und fördert den Wissenstransfer innerhalb der Branche. Die fachliche Arbeit wird unter anderem durch verschiedene Arbeitsausschüsse unterstützt, in denen Fachleute aus Forstbetrieben, Verwaltungen und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Das KWF finanziert sich vorrangig aus festen Zuschüssen des Bundes und der Länder.
Sachsenforst stellt sich vor
Ein Anbaugrader am Schlepper beseitigt Aufwuchs im Grabenbereich eines Waldweges.
Der Sitzungsteil begann mit einer Vorstellung des gastgebenden Staatsbetriebes Sachsenforst. Rund 28 % der Fläche Sachsens sind bewaldet, wobei der Privatwald mit einem Anteil von 44,5 % die größte Eigentumsart darstellt. Der Staatsbetrieb bewirtschaftet etwa 208.000 ha Staatswald. Insbesondere das Erzgebirge ist forstgeschichtlich durch große herrschaftliche Waldbesitzungen geprägt.
Der Waldumbau gehört zu den zentralen Aufgaben im sächsischen Staatswald. Der jährliche Holzeinschlag liegt bei rund 1,6 Mio. fm und besteht weit überwiegend aus Nadelholz. Aufgrund vergleichsweise hoher Nutzungspotenziale im stärkeren Nadelholz und der derzeit guten Holzpreise ist eine hohe Einschlagsaktivität geplant. Die größten Potenziale liegen dabei vor allem in den Gebirgsregionen.
Zur Erschließung des Staatswaldes unterhält Sachsenforst rund 3.330 km Waldwege. Dies entspricht einer Wegedichte von etwa 17 laufenden Metern je Hektar. Rund 2.788 km sind in ungebundener Bauweise ausgeführt; davon gelten etwa 2.249 km als regelmäßig pflegefähig.
Jährlich werden gut 11,3 Mio. € für die Walderschließung aufgewendet. Der Schwerpunkt liegt auf der Instandsetzung und Pflege vorhandener Wege, während Neubauten nur auf einzelnen kurzen Abschnitten erfolgen. Rund 20 % der Ausgaben entfallen auf Maschinen- und Rückewege, der überwiegende Teil auf die Haupterschließung durch mit Lkw befahrbare Waldwege.
Sachsenforst verfolgt das Ziel einer intensiven und regelmäßigen Wegepflege mit bis zu vier Pflegedurchgängen pro Jahr. Etwa 95 % der Arbeiten werden durch Unternehmen ausgeführt. Erschwert wird die Unterhaltung durch stark gestiegene Materialpreise und längere Trockenperioden. Ist die Deckschicht zu trocken, lässt sich das Material nur unzureichend bearbeiten und wieder in das Wegeprofil einbauen.
Gemeinsame Themen der Bundesländer
An die Vorstellung des Gastbetriebes schlossen sich Berichte aus den Bundesländern und von den Bundesforsten an. Dabei zeigte sich, dass viele Verantwortliche vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Ein wichtiges Thema ist die systematische Erfassung und Prüfung von Ingenieurbauwerken, insbesondere von Brücken und größeren Durchlässen. Angesichts des Alters vieler Bauwerke müssen deren Zustand, Tragfähigkeit und notwendiger Unterhalt zunehmend dokumentiert und bewertet werden.
Auch der Wasserrückhalt im Wald unter Einbeziehung der vorhandenen Wegeinfrastruktur gewinnt bundesweit an Bedeutung. Die Bemühungen werden in mehreren Ländern durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet. Ziel ist es, Niederschlagswasser länger in den Waldflächen zu halten. Neben möglichen positiven Wirkungen auf den Wasserhaushalt im Wald sollen vor allem Abflussspitzen nach Starkregen verzögert und unterhalb liegende Gewässer, Siedlungen und Entwässerungssysteme entlastet werden.
Kostbares Wegematerial wird durch die erste Pflegeüberfahrt aus den Randbereichen auf die Fahrbahn zurückgeführt.
Diskutiert wurden außerdem unterschiedliche Verfahren zur Erhebung des Wegezustandes. Dies reicht von der fachlichen Bewertung einzelner Wegeabschnitte bis zur sensorgestützten Erfassung mit automatisierter Auswertung. Das KWF stellte hierzu das neue Projekt „BioTura“ vor. Dabei sollen neben technischen Merkmalen wie Lichtraumprofil, Schlaglochbildung und Grabenzustand auch biologische Werte im Sinne der Biodiversität erfasst werden. Verschiedene Sensoren und Kamerasysteme sollen auf einem Trägerfahrzeug gemeinsam Daten aufnehmen und in standardisierte Formate übertragen. Der gewählte Ansatz soll es ermöglichen, später weitere Sensoren einzubinden oder nur einzelne Wegeattribute zu erfassen und trotzdem eine einheitliche Datengrundlage zu erhalten.
In allen Ländern belasten hohe Preise für Naturstein und andere Baustoffe die verfügbaren Budgets. Dadurch können vielfach weniger Wegestrecken als geplant ertüchtigt werden. Gleichzeitig nimmt der Aufwand für das Freihalten des Lichtraumprofils zu. Besonders Laubgehölze wachsen von den Seiten in den Verkehrsraum und teilweise sogar in den Wegekörper ein.
Eine zunehmende Bedeutung haben Waldwege außerdem für die Waldbrandbekämpfung. Nach den Waldbränden der vergangenen Jahre werden wieder verstärkt Fragen zur Erreichbarkeit gefährdeter Waldgebiete, zur Anlage von Brandschutzschneisen und zur Löschwasserversorgung diskutiert. Dazu gehört auch der Bau von Brunnen, um Feuerwehren in abgelegenen Bereichen mit Wasser versorgen zu können.
Zugenommen hat auch der Abstimmungsbedarf mit dem Naturschutz. Die rechtliche und fachliche Einordnung von Wegebaumaßnahmen unterscheidet sich zwischen den Ländern teilweise deutlich. Während in einigen Bundesländern bereits klare Abgrenzungen und Vorgaben für Eingriffe in Natur und Landschaft bestehen, gibt es andernorts ausgeprägte regionale Unterschiede.
Ein besonderes Praxisbeispiel stellte der Vertreter Brandenburgs vor. Im Spreewald wurde auf einer Länge von gut 400 m ein Knüppeldamm angelegt. Bei dieser früher verbreiteten Technik entsteht aus Schwachholz der umliegenden Bestände ein befahrbarer Untergrund. Da auf eine Abdeckung mit Erd- oder Mineralmaterial verzichtet wurde, dient die Anlage lediglich als temporäre Erschließung für eine einzelne forstliche Maßnahme. Der hohe Aufwand und die erheblichen Kosten verdeutlichen zugleich das Bekenntnis des Landesbetriebes zur weiteren Bewirtschaftung der Spreewaldflächen.
Von den Bundesforsten wurde über deutlich gestiegene Aktivitäten auf einzelnen Truppenübungsplätzen berichtet. In deren Folge werden vermehrt kurzfristige Reparaturen an Wegen erforderlich, die auch für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, die sogenannten BOS, genutzt werden. Eine Schwierigkeit liegt dabei in der kurzfristigen Verfügbarkeit geeigneter und entsprechend zertifizierter Dienstleistungsunternehmen.
Fachexkursion in den Forstbezirk Neudorf
Der zweite Sitzungstag stand im Zeichen einer umfangreichen Fachexkursion zum forstlichen Wegebau im Forstbezirk Neudorf. An vier Stationen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Nutzung regionaler Baustoffe, moderne Verfahren der Grabenpflege, unterschiedliche Wegepflegegeräte und den Rückbau alter Asphaltdecken.
Haldenmaterial als regionale Ressource
Blick auf eine Haldenfläche mit vorsortiertem Material Fotos: Dr. Jörg Hittenbeck
Der erste Exkursionspunkt führte zu einer alten Halde aus dem früheren Uranbergbau. In enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Bodenschutzbehörde sowie auf Grundlage entsprechender Materialuntersuchungen konnte das grobe Steinmaterial für Wegebaumaßnahmen nutzbar gemacht werden.
Der Schwerpunkt lag auf der Befestigung und Ertüchtigung von Maschinenwegen sowie einzelnen Rückegasseneinfahrten. Teile des Haldenmaterials wurden mit einer gemieteten Siebanlage aufbereitet und anschließend mit Dreiachs-Lkw in die Reviere transportiert. Auf diese Weise konnten die Materialkosten für den Forstbezirk etwa halbiert und zugleich eine bereits vorhandene regionale Ressource sinnvoll genutzt werden.
Effiziente Grabenpflege
Mit den Scharen des Wegepflegegeräts wird Material in die Fahrspuren zurückbefördert.
An der zweiten Station wurde die Grabenpflege mithilfe eines Anbaugraders und eines Mobilbaggers mit Variolöffel demonstriert. Zunächst schälte der Grader das abgelagerte Material vom Bankett. Anschließend nahm der Bagger das Material mit seinem verstellbaren Grabenlöffel auf und verteilte es im Wegeseitenraum.
Durch den 3D-Rotator lässt sich der Graben während der Rückwärtsfahrt präzise bearbeiten. Die Vorführung machte deutlich, dass mit dieser Technik lange Wegestrecken in vergleichsweise kurzer Zeit gepflegt werden können. Gegenüber herkömmlich aufgehängten Grabenlöffeln ermöglicht die bewegliche Anbauausrüstung ein deutlich flexibleres und schnelleres Arbeiten.
Regelmäßige Pflege erhält die Wege
Am dritten Exkursionspunkt wurden drei unterschiedliche Wegepflegegeräte vorgestellt und miteinander verglichen. Wesentliche Unterschiede zeigten sich in der Fähigkeit, seitlich ausgetragenes Material aus dem Wegesrand zurückzugewinnen. Je weiter das Gerät in den Randbereich eingreifen und je mehr Material es aufnehmen soll, desto stabiler und aufwendiger muss seine Bauweise sein.
Grundsätzlich besteht das Ziel der Wegepflege darin, ausgestaubtes oder durch den Verkehr verlagertes Deckschichtmaterial wieder in die Fahrspuren zurückzuführen und ein funktionsfähiges Wegeprofil herzustellen. Voraussetzung dafür ist eine ausreichend mächtige Deckschicht. Nach Einschätzung der Teilnehmenden muss diese etwa alle sechs bis zehn Jahre ergänzt werden, damit die Wege langfristig pflegefähig bleiben.
Das betriebliche Ziel von Sachsenforst sind vier Pflegedurchgänge pro Jahr auf allen pflegefähigen Wegen. Dafür werden jedoch geeignete Witterungs- und Feuchtigkeitsverhältnisse benötigt. In den trockenen Sommern der vergangenen Jahre war das angestrebte Pflegeintervall teilweise nicht zu erreichen, weil sich das ausgetrocknete Wegebaumaterial nur schwer bearbeiten ließ.
In der Diskussion wurden zugleich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern sichtbar. Während einige Betriebe ihre Wege intensiv und regelmäßig pflegen, setzen andere auf kombinierte Trag-Deck-Schichten, die nicht für eine fortlaufende Pflege vorgesehen sind. Dort erfolgt nach längeren Nutzungsphasen eine umfangreichere Instandsetzung, sobald der Zustand des Weges dies insbesondere infolge des Holztransportes erforderlich macht.
Alte Asphaltdecken fachgerecht zurückbauen
Der aufgefräste Asphaltweg wird wieder verdichtet und ist so ein guter Untergrund für den weiteren Wegeaufbau.
Der letzte Exkursionspunkt befasste sich mit dem Rückbau sogenannter Schwarzdecken. Solche gebundenen Wegedecken kommen in unterschiedlichem Umfang in den Forstbetrieben aller Bundesländer vor. Aufgrund ihres häufig hohen Alters bereiten sie zunehmend Probleme in der Pflege und Unterhaltung.
Vor Beginn einer Maßnahme muss das Material auf problematische Inhaltsstoffe untersucht werden. Dies betrifft insbesondere teerhaltige Bestandteile, aber auch andere chemische Verbindungen. Auf Grundlage der Untersuchung wird entschieden, ob das Material ausgebaut und entsorgt werden muss oder im Wegekörper verbleiben kann.
Handelt es sich um unproblematischen Asphalt, kann die vorhandene Decke aufgefräst und als unterste Tragschicht weiterverwendet werden. Der aufbereitete Wegekörper wird anschließend durch zusätzliches Material verstärkt und mit einer neuen Deckschicht versehen. So lassen sich Entsorgungsmengen und der Bedarf an neuem Baustoff verringern.
Für einige Teilnehmende besonders interessant war die Möglichkeit, für die Entsiegelung alter Asphaltwege Ökopunkte zu erhalten. Diese können als Ausgleich für Eingriffe an anderer Stelle dienen. Vor allem beim Neubau und bei der Verbreiterung öffentlicher Straßen werden geeignete Entsiegelungsflächen gesucht. Da sich die Nachfrage regional unterscheidet, kann eine alte Schwarzdecke für Forstbetriebe mitunter einen unvermuteten Wert darstellen und zumindest einen Teil der Rückbaukosten ausgleichen.
Fazit
Die Sitzung des Arbeitsausschusses zeigte, dass der forstliche Wegebau bundesweit vor ähnlichen Herausforderungen steht. Steigende Baustoffpreise, Trockenperioden, Naturschutzanforderungen, Waldbrandvorsorge und der Wasserrückhalt im Wald erhöhen die Ansprüche an Planung und Unterhaltung. Gleichzeitig verdeutlichte die Exkursion, dass sich durch regelmäßige Pflege, geeignete Technik, regionale Baustoffe und abgestimmte Lösungen wirtschaftliche und praxistaugliche Wege finden lassen. Der bundesweite Erfahrungsaustausch im KWF leistet dazu einen wichtigen Beitrag.
Ein Tisch, zwei Mikrofone, Kopfhörer und ein leuchtendes Aufnahmesignal: Auf den ersten Blick wirkt das Setting eines Podcasts überschaubar. Doch damit aus einem Gespräch ein echtes Hörerlebnis wird, braucht es mehr.
Die Mikrofone fangen jede Nuance der Stimmen ein, ein Mischpult sorgt für den richtigen Klang, und die Aufnahmesoftware hält jedes Wort fest. Neben der richtigen Technik braucht es eine Atmosphäre, die Menschen veranlasst, offen zu erzählen, aufmerksam zuzuhören und Gedanken Raum zu lassen. Genau diesen Raum schafft der Podcast des Deutschen LandFrauenVerbandes – für Themen, die Frauen auf dem Land bewegen, und für Stimmen, die gehört werden sollten.
Altersvorsorge für Frauen, Mobilität im ländlichen Raum, digitale Gewalt im Netz, häusliche Gewalt, Demokratie, Wechseljahre – das sind nur einige Themen, denen sich der Podcast „zukunft_Land – Wer die ländlichen Räume bewegt“ in bisher 17 Folgen gewidmet hat. Seit 2023 erscheint er etwa alle zwei Monate.
Relevante Themen
Petra Bentkämper, Präsidentin des dlv (vorn), im Gespräch mit Moderatorin Jessica Witte-Winter
Einen Podcast zu produzieren ist eine komplexe Angelegenheit. Die Vorbereitungen sind umfangreich, die Produktion aufwendig. Dennoch hat sich der dlv dafür entschieden, diesen Weg zu gehen. „Wir wollten gern unsere politische Arbeit, unsere Positionspapiere und die Inhalte der zahlreichen Gespräche, die unser Präsidium führt, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen“, erzählt Anja Goetz, Leitung Presse und Kommunikation beim dlv. „Wichtig war uns, die Themen nicht zu wissenschaftlich anzugehen, sondern sie auf eine verständliche Art und Weise aufzubereiten, die Spaß macht und gleichzeitig zeigt, welche Meinung LandFrauen dazu haben.“
Auf der Suche nach passenden Themen muss das Team um Anja Goetz nicht weit suchen. „Einige ergeben sich durch Beratungen und Diskussionen der Delegierten in den Fachausschüssen. Andere ploppen in Gesprächen innerhalb unseres Netzwerks auf, und natürlich reagieren wir auch auf aktuelle Entwicklungen und Tendenzen, die gesellschaftlich relevant sind, und ordnen sie ein“, erklärt sie.
Das Format ist immer gleich aufgebaut: Eine LandFrau, die in der Regel aus dem Präsidium des dlv kommt, und eine externe Expertin oder ein externer Experte sprechen über ein Thema. O-Töne und Kurzinterviews ergänzen das Setting. Die Folgen sollen nicht länger als 40 min dauern. „Wenn man sehr wortgewandte Gesprächspartner hat, wird das schon mal eng“, schmunzelt Anja Goetz. „Manchmal ist es dann meine Aufgabe, zu winken und zu sagen, dass man langsam zum Ende kommen muss. Das ist nicht immer ganz einfach, denn viele Themen verdienen einfach Aufmerksamkeit.“
Intensive Vorbereitung
Die Podcast-Welt ist riesengroß und voller Konkurrenz. Wie kann man da mithalten? „Die Antwort ist ziemlich einfach – man muss das sehr professionell umsetzen“, betont Anja Goetz. Das beginnt mit den technischen Voraussetzungen und endet in der Begleitung durch eine professionelle Moderatorin. Seit Folge 1 ist Jessica Witte-Winter mit im Boot, gibt den LandFrauen eine Stimme und ordnet Themen und Meinungen ein.
Dr. Linn Selle, Alfred-von-Oppenheim-Leiterin Europa-Zentrum, war als Expertin zum Thema „Neuwahlen“ eingeladen.
Nach der Aufnahme geht es an den Feinschliff. „Die Agentur, die unseren Podcast begleitet, schneidet zum Beispiel jedes ,Äh‘ und jedes ,Hm‘ heraus und fügt dann die einzelnen Elemente der jeweiligen Sendung zusammen“, erklärt Goetz. Mit der Recherchearbeit im Vorfeld, der Suche nach der passenden Expertise, der eigentlichen Aufnahme und der abschließenden Produktion gehen einige Stunden ins Land. „Bei den ersten Folgen waren das rund 14 Stunden – ohne die Arbeit der Agentur. Heute sind wir deutlich schneller. Und wir haben gelernt: Je intensiver wir die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner thematisch vorbereiten und briefen, desto weniger natürlich entwickelt sich das Gespräch. Statt so miteinander in einen echten Austausch zu kommen, stand der Leitfaden eher im Weg. Deshalb haben wir ihn deutlich gekürzt – eine wichtige Erkenntnis.“
Die Resonanz auf den Podcast zeigt, dass Konzept und Umsetzung ankommen. Die Zahl der Hörerinnen ist stabil – sie dürfte aber gern steigen. „Wir möchten unsere Themen möglichst weit in die Gesellschaft tragen. Mehr Hörerinnen wären da natürlich hilfreich“, betont Anja Goetz. „Uns ist wichtig, den Werten, Ansichten und Meinungen der LandFrauen eine Stimme zu geben, die weit gehört wird – also hören Sie mal rein!“
Info
Die nächste Folge erscheint am 1. Oktober und heißt „Keinen Bock auf Sexismus: Weinmajestäten und kommunalpolitische Kämpferinnen“.Siehe hier https://t1p.de/Podcast_sexismus
Die trockene und heiße Witterung 2026 sowie Krankheitsdruck reduzieren die Ertragsaussichten der diesjährigen Zuckerrübenernte, zusätzlich muss mit niedrigen Preisen gerechnet werden. In den Werken von Nordzucker begann die Rübenkampagne 2026/2027 Anfang September. In Uelzen, wo die Rüben aus Schleswig-Holstein verarbeitet werden, werden aktuell Zuckergehalte zwischen 16 und 17 % gemessen. Für das weitere Rübenwachstum und den Zuckergehalt ist die Witterung der kommenden Wochen entscheidend. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) hat eine erste deutschlandweite Ernteschätzung für diese Kampagne vorgelegt. Der erwartete Rübenertrag liegt mit 71,3 t/ha rund 15 % unter dem Vorjahresniveau. Die Rübenfläche wurde von fast 350.000 ha auf 300.000 ha zurückgenommen. Der Zuckergehalt wird aktuell auf 17,8 % geschätzt und liegt damit etwas über dem Wert der vorigen Kampagne. Insgesamt wird die Zuckererzeugung mit 3,4 Mio. t Zucker aber um 1 Mio. t geringer ausfallen als im Vorjahr.
Preis- und Kostendruck belasten
Nach einer Überversorgung am Weltmarkt und im EU-Binnenmarkt befand sich der Zuckerpreis, der den Zuckerrübenpreis bestimmt, lange auf Talfahrt. In dieser Kampagne werde der Preisverfall bei den Landwirten ankommen, so der Vorsitzende des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ), Eckhard Hinrichs. Gleichzeitig steigen die Kosten, sowohl bei den Landwirten für Treibstoffe und Düngemittel als auch in den Fabriken für Energie und Transporte. Hinzu kommen politische Unsicherheiten wie die Diskussion über die Zuckersteuer in Deutschland. Der Verband kritisiert außerdem zunehmende Zuckerimporte infolge neuer Freihandelsabkommen. Zusätzlich nimmt der Krankheitsdruck zu wegen der Ausbreitung von SBR & Stolbur, die mit der Schilf-Glasflügelzikade als Vektor verbunden sind. Trockenstress reduziert die Widerstandskraft der Pflanzen zusätzlich. Die aktuellen Niederschläge fördern vor allem das Blattwachstum und senken damit den Zuckergehalt.
Option Bioethanol?
2025 wurden übrigens fast 160.000 t Bioethanol aus 1,8 Mio. t Zuckerrüben (inklusive Melasse) hergestellt, das entspricht 5,6 % der gesamten deutschen Rübenernte. 84 % davon wurden Kraftstoffen beigemischt. Warum die Beimischungsquote in der derzeit prekären Lage bezüglich fossiler Kraftstoffe nicht erhöht wird, bleibt das Geheimnis der politischen Entscheider.
Zuckerproduktion sinkt deutlich
Der französische Zuckergigant Tereos rechnet in diesem Jahr damit, dass der Ertrag im Jahresvergleich um 20 % geringer ausfällt. Aufgrund der Bedeutung Frankreichs für den EU-Zuckermarkt wird prognostiziert, dass die EU-Zuckerproduktion auf ein 38-Jahres-Tief sinkt. Nach zwei Jahren stetig sinkender Zuckerpreise sei damit zu rechnen, dass sich die Preise wieder erholen würden, so Tereos. Weltweit wird auch wegen El Niño ein Rückgang bei den wichtigen Produzenten Brasilien, Indien und Thailand erwartet. In Brasilien, dem größten Zuckerproduzenten und -exporteur, wird außerdem wegen der Preisexplosion beim Rohöl ein immer größerer Teil des Zuckerrohrs zu Ethanol statt Zucker verarbeitet.
Angebot von Nordzucker: Mengenerhöhung 2027
Nordzucker bietet aktuell an, für 2027 weitere Rübenmengen unter Vertrag zu nehmen. Die Bewerbung dafür beziehungsweise Zeichnung ist ab sofort möglich. ein vertraglich abgesicherter Mindestpreis von 31 €/t (all in bei 18,0 % Zuckergehalt) wird angeboten, unabhängig vom Zuckerverkaufspreis. Diese Möglichkeit endet am 27. September. Aufgrund der gerade beschriebenen möglichen Verknappung des Zuckerangebots und dann eventuell steigender Preise ist die Wahrnehmung dieses Angebots durchaus überlegenswert.
Während die CDU bei den jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin massive Verluste hinnehmen musste und sich in Mecklenburg-Vorpommern sogar ganz aus dem Landtag verabschiedet, bläst Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zur Attacke und will sich gegen den Trend stemmen. Auf der Klausurtagung der Landes-CDU rief er selbstbewusst das Ziel aus, bei der Landtagswahl im April 2027 wieder die „mit Abstand stärkste Kraft“ zu werden. Doch auch im nördlichsten Bundesland drohen den Christdemokraten laut Umfragen große Stimmenverluste – zumindest Stand jetzt. Entscheidend wird in den kommenden Monaten sein, ob die CDU die richtigen Schlüsse zieht und Maßnahmen trifft, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Denn ganz offenbar fruchtet derzeit die Taktik der extremen politischen Ränder, Schlechtmacherei zu betreiben und den regierenden Parteien den Schwarzen Peter zuzuschieben. Einfache Lösungen gibt es aber nicht – vor allem in Zeiten großer globaler Herausforderungen. Bei aller berechtigten Kritik an Bürokratie und starren Strukturen gibt es zudem auch viele Alltagssituationen, in denen Beamte und Bürger sehr gut zusammenarbeiten.
Klar ist, dass mit den neuen Machtverhältnissen umgegangen werden muss. In Mecklenburg-Vorpommern läuft wohl alles auf eine rot-rot-grüne Landesregierung unter der Führung der bisherigen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hinaus. Auch Dr. Till Backhaus (SPD) hat sein Direktmandat verteidigt. Ob er weiterhin das gemeinsame Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Schwerin leiten wird, ist jedoch mehr als fraglich. Naturgemäß werden die Grünen Anspruch auf den Umweltbereich erheben. Droht hier eine Trennung des Ressorts, wie wir es in Schleswig-Holstein erlebt haben? Karsten Trunk, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern (BVMV), forderte die Parteien auf, schnell Klarheit zu schaffen, wie es politisch weitergeht. Das Land brauche zügig eine stabile und handlungsfähige Regierung. Er bedauere das Ausscheiden der CDU. Die im Landtag vertretenen Parteien stünden nun umso mehr in der Verantwortung, die Anliegen des ländlichen Raumes in die parlamentarische Arbeit einzubringen. Für den BVMV gebe es hier keine Brandmauer. Der Verband wolle mit allen Parteien reden.
Auch Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), hat angekündigt, im Vorfeld der Landtagswahl im April mit allen Parteien reden zu wollen, wobei er stets anzweifelt, dass aus extremen Positionen Konstruktives entstehen könne. Ein wichtiges Anliegen des BVSH mit Blick auf die Landtagswahl ist, die Agrar- und die Umweltpolitik wieder besser zu verzahnen. Vielleicht wieder in einem gemeisamen Ministerium?
Einen zweifelhaften Fürsprecher hat der BVSH im Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein. Dessen neuer Vorsitzender Jörg Sibbel mahnte gegenüber den Kieler Nachrichten drastische Kürzungen im Landeshaushalt an – zum Beispiel durch die Auflösung des Landwirtschaftsministeriums. Das klingt aber doch eher wie eine einfache Lösung.