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Bundeschampionate in Warendorf

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Sechs Tage lang stand Warendorf ganz im Zeichen des deutschen Pferdenachwuchses. Bei den Bundeschampionaten präsentierten sich rund 930 junge Pferde und Ponys aus deutscher Zucht in 56 Prüfungen der Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Knapp 40.000 Besucher erlebten auf dem Gelände des Bundesstützpunkts Reiten hochklassigen Sport und vielversprechende Nachwuchspferde.

Im Bundeschampionat der dreijährigen Hengste hatte Nicole Derlin aus Travenbrück, Kreis Stormarn, ihren Hannu Haakon ins Rennen geschickt. Der zweite Reservesieger der Trakehner Hengstkörung kam auf den vierten Platz. Teile des Publikums waren mit der Bewertung, insbesondere für den Schritt, nicht einverstanden und taten dies auch mit Pfiffen kund. Sie hatten ihn weiter vorn ge­sehen.

Dressur- und Reitponys überzeugen

Im Championat der sechsjährigen Dressurponys siegten Dating’s Smiley A von Dating AT-Mad Max, Reservesieger seiner Körung beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg, und seine Reiterin Catharina Sophie Dirksen. Foto: Equitaris

Im Championat der sechsjährigen Dressurponys siegten Dating’s Smiley A von Dating AT-Mad Max und seine Reiterin Catharina Sophie Dirksen. Der erste Reservesieger seiner Körung beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg überzeugte Richter und Publikum gleichermaßen. Züchter und Besitzer kommen aus Nordrhein-Westfalen.

Die Silbermedaille verdienten sich Proud Day Max von Dreidimensional I AT NRW-Rocketti und Lilli von Helldorff. Der Hengst wurde gezüchtet von Karin Stolz aus Hitzhusen, Kreis Segeberg, und ebenfalls in Neumünster gekört. „Bereits seine Urgroßmutter ist bei uns geboren“, berichtete seine begeisterte Züchterin und verrät, dass die Eltern der Reiterin ihre besten Freunde sind. „Als Lilli ihn direkt nach der Geburt sah, kündigte sie gleich an, ihn übernehmen zu wollen“, erzählte Stolz.

Auf Rang drei platzierte sich ebenfalls ein Hengst aus Schleswig-Holstein, Champagner zum Frühstück von HJK Crazy Dream-Coldplay mit seiner Reiterin Lynn Sophie Soddemann. Der Hengst stammt aus der Zucht von Kristin Rosenbaum aus Malente, Kreis Ostholstein. Sie hatte schon den Vater als Fohlen gekauft und die Mutter selbst gezogen. „Er ist ein sehr sympathischer und freundlicher Hengst“, erzählte sie und freut sich, dass er es mit seiner neuen Besitzerin Kerstin Klose so gut getroffen hat.

Für das Finale der fünfjährigen Dressurponys hatten sich auch Amy Carlotta Reinfandt und Steendieks Douglas Deluxe von Steendieks Morgensterns Dalai-FS Chambertin qualifiziert. Der Hengst stammt aus der Zucht und dem Besitz von Peter Böge aus Schönhorst, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Reiterin vom Reit- und Fahrverein Höllnhof Schülp hatte schon im vergangenen Jahr einen Tierschutzpreis des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erhalten und bekam ihn auch in diesem Jahr. Dieser Sonderehrenpreis wird Reiterinnen und Reitern verliehen, die sich während der gesamten Vorbereitungszeit sowohl im Umgang als auch beim Reiten besonders pferdefreundlich verhalten.

Der beste vierjährige Reitponyhengst der Qualifikation schaffte es auch im Finale ganz nach vorn: Danny deVito holte Gold für das Zuchtgebiet Schleswig-Holstein und verwies alle auf die Plätze. „Danny deVito ist ein kompletter Hengst, der sehr gut mitmacht und sich auf seine Reiterin konzentriert“, so der Richterspruch zum neuen Bundeschampion von FS Daddy Cool-Quaterback’s Junior aus der Zucht von Besitzerin Julia Voigt aus Löptin, Kreis Plön. Der Fuchsfalbe wurde von Nazila Natasha Lotz vorgestellt und siegte in der Dressurponyprüfung der Klasse A mit einer Gesamtnote von 8,34. Für seine „fleißige und taktsichere Trabtour mit viel Schwungentfaltung“ gab es die 8,3 und für den „sicher balancierten Galopp mit viel Abdruck“ die Wertnote 8,5. Auch für den Gesamteindruck sprang eine 8,5 für den neuen Bundeschampion heraus. Julia Voigt wurde für diesen Erfolg außerdem mit dem BMLEH-Ehrenpreis für Züchter geehrt.

Medaillensegen in der Vielseitigkeit

Bei den fünfjährigen Vielseitigkeitspferden holten Holsteiner alle Medaillen, allen voran Chesalico von Chezarro-Colman aus der Zucht von Anneliese Siebert aus Hamdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Der Wallach aus dem Stamm 242 überzeugte über alle drei Teilprüfungen hinweg und holte den Titel. Im Sattel des jungen Talents saß die frischgebackene Mannschaftsweltmeisterin Malin Hansen-Hotopp, die auch den Tierschutzpreis erhielt. Sie wuchs in Maasbüll, Kreis Schleswig-Flensburg, auf und lebt mit ihrer Familie in Mecklenburg-Vorpommern. Richterin Monika Schnepper fand für den Sieger besondere Worte: „Er ist der Prototyp eines Vielseitigkeitspferdes. Immer konzentriert, mit viel Übersicht und dynamischem Abfußen.“

Chesalico von Chezarro-Colman aus der Zucht von Anneliese Siebert aus Hamdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, setzte sich an die Spitze der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde. Seine Reiterin Malin Hansen-Hotopp erhielt den Tierschutzpreis. Foto: Equitaris

Die Silbermedaille ging an Carbolin von Clarimo-Quinar aus dem Stamm 2543, gezogen von Klaus Thiedemann aus Oesterwurth, Kreis Dithmarschen. Carbolin war schon früh Julia Krajewski ins Auge gefallen. Die Olympiasiegerin entdeckte den Nachwuchssportler auf einer Holsteiner Auktion. Auch über die Bronzemedaille durfte sich Krajewski freuen. Sie saß im Sattel eines weiteren ehemaligen Holsteiner Auktionspferdes, ­ChrisTonic von Crack-Dinken. Der Schimmel wurde von Manfred Johannsen aus Tornesch, Kreis Pinneberg, gezogen und gehört zum Stamm 569.

Für noch eine Medaille aus Holsteiner Sicht sorgte Luci von Clarimo-Lord Z aus der Zucht von Max-Hermann Johannsen aus Hörup, Kreis Schleswig-Flensburg. Im Sattel saß Carlota Jade Korang Seitz. Die Reiterin vom Thomsen-Team aus Großenwiehe, Kreis Schleswig-Flensburg, pilotierte die Stute auf den Silberrang bei den sechsjährigen Vielseitigkeitspferden. „Ein Pferd, das seine Aufgabe heute sehr gut angenommen und gelöst hat. Ein wirklich interessantes Pferd – leichtfüßig, gleichmäßig und energisch“, kommentierte Thies Kaspareit. Mit einer 8,5 für das Springen konnte Luci in der Holsteiner-Kernkompetenz besonders überzeugen.

Zweimal Gold, einmal Silber im Parcours

Der Holsteiner Wallach Cadoc von Casall-Diamant de Semilly siegte unter Sophie Hinners bei den fünfjährigen Springpferden. Gezüchtet wurde er von Klaus-Jürgen Pöhlmann aus Owschlag, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Foto: Equitaris

Cadoc von Casall-Diamant de Semilly, vorgestellt von Sophie Hinners, war in beiden Umläufen der Beste der fünfjährigen Springpferde. Mit der Note 9,3 beendete der Holsteiner Wallach den ersten Umlauf, in dem Cadoc mit „einer tollen Runde in hohem Gleichmaß seine Aufgabe absolvierte“, so der Kommentator Peter Teeuwen. Er erläuterte die Richterurteile. Im zweiten Umlauf wurde Cadoc noch besser: „Dieses Pferd will alles richtig machen, besticht durch seine Springmanier, seine Rittigkeit“, schwärmte Teeuwen. Eine 9,5 gab es für den zweiten Umlauf, insgesamt also ein überzeugender neuer Bundeschampion. Sein Züchter Klaus-Jürgen Pöhlmann aus Ow­schlag, Kreis Rendsburg-Eckernförde, konnte den Sieg vor Ort miterleben und nahm vor Freude strahlend die Glückwünsche entgegen.

Der Holsteiner Wallach Clarimero von Clarimo-Catoki und sein Ausbilder Alexander Schill waren das schnellste fehlerfreie Paar im Stechen der siebenjährigen Springpferde. Foto: Equitaris

Bei den siebenjährigen Springpferden zogen acht Paare in das Stechen um den Sieg ein. Der Holsteiner Wallach Clarimero und sein Ausbilder Alexander Schill waren das schnellste fehlerfreie Paar in der Springprüfung der Klasse S**. Clarimero ist ein Sohn von Clarimo-Catoki, in seinen Adern fließt bestes Holsteiner-Springblut. Gezogen wurde er in Niedersachsen. „Ich bin unglaublich dankbar für die Saison, die wir bisher hatten, und für diesen unglaublichen Erfolg – das Sahnehäubchen auf einer Menge harter Arbeit, Hingabe und Unterstützung von so vielen Menschen hinter den Kulissen“, sagte Schill.

Sechs Paare erreichten das Stechen im Finale der achtjährigen und älteren Springpferde. Dort sicherte sich Hendrik Dowe mit dem Westfälischen Hengst Unglaublich den Sieg. Zweitschnellster Bewerber im Stechen war Paul FB, ein neunjähriger Wallach von Peri­gueux-Grey Top. Im Sattel des braunen Hannoveraners saß Luisa Himmelreich aus Neumünster. „Er hat mega gekämpft, und ich bin superhappy, dass wir uns so weit nach vorn gekämpft haben“, freute sich Himmelreich über ihren Paul. Dass die beiden ganz vorn mitmischen können, kam für sie nicht überraschend: „Paul ist immer gut. Er will eigentlich immer null springen, wenn ich gut reite.“ pm

Zitronengelbe Blüten

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Hellgelbe und zitronengelbe Blüten sind optische Frischekicks fürs Beet. Mit Beginn der herbstlichen Pflanzzeit kann man sich die Schönheiten in den Garten holen.

Das Brandkraut (Phlomis russeliana) ist mit seinen hellgelben, übereinanderstehenden Blütenquirlen ein toller Blickfang. Die Wirkung verstärkt sich mit dem Massenauftritt in der Gruppenpflanzung. Auf der Suche nach passenden Begleitern bleibt man im gelben Farbspektrum. Die kühlen Gelbtöne der Schafgarbensorten ‚Credo‘ oder ‚Hella Glashoff‘ passen ausgezeichnet in die Nachbarschaft. Zu empfehlen sind auch ‚Sunny Seduction‘ oder ‚Summer Fruits Lemon‘. Schafgarbe und Brandkraut passen nicht nur farblich zusammen, sie legen auch die gleichen Ansprüche an den Tag. Beide bevorzugen einen sonnigen Standort mit nicht zu trockenem und ausreichend nährstoffhaltigem Boden.

Die ungewöhnliche Blütenform des Brandkrauts fällt ins Auge. Foto: Karin Stern
Bei der Wahl der Tagliliensorte achtet man auf Wuchshöhe und Blütengröße. Foto: Karin Stern

Hier gefällt es auch der Taglilie (Hemerocallis), die eine interessante Auswahl gelb blühender Hybriden bietet. ‚Corky‘ (bis 80 cm hoch) und ‚Atlas‘ (bis 100 cm hoch) überzeugen mit einer üppigen Blüte von Juni bis Juli. Wer eher großblütige Sorten bevorzugt, wählt unter ‚Augustfreude‘ und ‚Easy Ned‘. Eine Art Traumpartnerschaft entsteht, wenn die Komplementärfarbe Violett ins Spiel kommt. Mit blühender Katzenminze (Nepeta) in der Nachbarschaft wirken die gelben Blüten noch reiner und leuchten geradezu auf.

Die Kerzenblüten der Fackellilie öffnen sich von unten nach oben. Foto: Karin Stern

Auch unter den beeindruckenden Fackellilien (Kniphofia) finden sich Sorten mit spritzig-gelbem Flor. Die neongelben Blütenkerzen von ‚Limelight‘ haben eine tolle Fernwirkung. Von Juli bis Anfang September bringt diese Sorte mit 130 cm hohen Stielen einen Hauch von Exotik ins Beet. ‚Bee‘s Lemon‘ ist nicht minder schön, bleibt aber mit 70 cm Höhe etwas niedriger. Mit nur 40 cm ist ‚Little Maid‘ der Winzling im Sortiment. Diese Sorte passt ebenso gut zu Rosen wie zu Ziergräsern und Steppensalbei.

Die Staudensonnenblume ‚Capenoch Star‘ wächst etwa 180 cm hoch. Foto: Karin Stern

Etwas höher hinaus will die Stauden-Sonnenblume ‚Lemon Queen‘ (Helianthus-microcephalus-Hybride) mit ihren gut 170 cm langen Stielen. Die reichblütige Sorte punktet mit etwas größeren Einzelblüten als die Art. Als Hintergrundpflanze oder Zaungucker kommt sie bestens zur Geltung. ‚Capenoch Star‘ (Helianthus decapetalus) bildet leuchtend gelbe, einfache Blüten mit einem Durchmesser von etwa 15 cm. Man könnte diese standfeste Sorte als das mehrjährige Gegenstück zur einjährigen Sonnenblume beschreiben. Sie ist eine sehr gute Schnittblume.

Die Wiesenraute ist eine hervorragende Staude für die Hintergrundgestaltung. Foto: Karin Stern

Ebenfalls hoch hinaus wollen die Gelbe (Thalictrum flavum ssp. glaucum) und Hohe Wiesenraute (Thalictrum lucidum). Je nach Standort liegt die Wuchshöhe zwischen 120 und 150 cm. Wiesenrauten schätzen einen nährstoffreichen, frischen Gartenboden und kommen auch noch im Halbschatten zurecht. Etwas mehr Sonne gefällt ihnen aber besser, sofern die Boden ausreichend feucht ist. Die zart- bis sattgelben Blütenwolken schweben je nach Art von Juni bis August sehr charmant in luftiger Höhe und wirken besonders attraktiv vor einem dunklen Hintergrund. Wiesenraute ‚Black Stockings‘ sorgt mit purpurrosafarbenen Blüten für eine tollen Kontrast in der Nachbarschaft. Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis) und Hoher Sommer-Phlox (Phlox paniculata) übernehmen diese Funktion ebenfalls bereitwillig, bleiben aber etwas niedriger.

Mädchenauge, Königskerze und rot blühende Wicke verbreiten Bauerngartenflair. Foto: Karin Stern

Die Mädchenauge-Hybride ‚Full Moon‘ (Coreopsis) begeistert über Wochen hinweg von Juni bis September mit reichem Flor in Schwefelgelb. Dieser Ton lässt sich mit vielen anderen Farben kombinieren. Ein bodennaher Rückschnitt nach der Blüte fördert den Neuaustrieb und die Lebensdauer der Staude. Etwas kompakter wachsen ‚Zagreb‘ und ‚Moonbeam‘ (Coreopsis verticillata), bleiben aber mit 30 bis 40 cm genauso hoch wie ‚Full Moon‘. Daher eignen sich diese Sorten hervorragend als Einfassungspflanzen oder für den Vordergrund von sonnigen Beeten mit ausreichend feuchtem Boden.

Die verschiedenen Arten der Königskerze unterscheiden sich in Wuchsform und -höhe. Foto: Karin Stern

Die Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum), die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum) und die Kandelaber-Königskerze (Verbascum olympicum) hingegen bevorzugen einen eher trockenen Boden in sonniger Lage. Die in der Regel zweijährigen Pflanzen samen sich selbst aus und erhalten sich so an zusagenden Standorten selbst. Die Unterschiede liegen in Wuchshöhe, Blütenform und Blühtermin. Beeindruckend sind sie allesamt. Als Pflanzpartner kommen Herz-Zittergras (Briza media), Storchschnabel (Geranium), Schönaster (Kalimeris incisa), Roter Sonnenhut (Echinacea) und die Duftnessel (Agastache) infrage.

Wer eine niedrige Staude für trockenen Boden sucht, ist mit dem Graugrünen Heiligenkraut (Santolina rosmarinifolia ssp. canescens) gut beraten. Die 30 bis 50 cm hohe Pflanze wird manchmal auch als Olivenkraut angeboten. Von Juni bis August zeigen sich die etwa 1 cm großen, sattgelben Blütenköpfe. Sie wirken toll neben Lavendel (Lavandula angustifolia) oder Echtem Salbei (Salvia officinalis).

Die unterschiedlichen Gelbtöne von Fackellilie und Gelber Wiesenraute harmonieren sehr gut miteinander. Foto: Karin Stern
Wenn es um gelbe Blüten geht, darf der Sonnenhut nicht fehlen. Foto: Karin Stern
Die Staudensonnenblume ‚Soleil d‘Or‘ präsentiert sattgelbe Blüten. Foto: Karin Stern
In der Gruppe verstärkt sich die beeindruckende Wirkung des Brandkrauts, das hier von Taglilienblüten umspielt wird. Foto: Karin Stern


EU-Importstopp rückt näher

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Die Wahrscheinlichkeit, dass Brasilien ab dem 3. September vorerst kein Rindfleisch mehr in die Europäische Union einführen darf, steigt. Das Problem: Die Regierung in Brasília konnte bisher nicht sicherstellen, dass für den europäischen Markt bestimmtes Rindfleisch nicht in Kontakt mit antimikrobiellen Wachstumsförderern gekommen ist. Wie eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte, sind bisher keine ausreichenden Nachweise erbracht worden.

Bis zur Deadline wird in Brüssel kaum noch damit gerechnet, dass die Regierung in Brasília es schaffen wird, die Anforderungen der EU zu erfüllen. Einer der Gründe dafür ist, dass die Masttiere in der Regel mit zwei Jahren geschlachtet werden. Kann nicht über den gesamten Zeitrahmen nachgewiesen werden, dass die Rinder nicht mit in der EU verbotenen Wirkstoffen oder nach EU-Recht als Reserveantibiotika deklarierten Wirkstoffen behandelt worden sind, darf das Fleisch nicht in den EU-Binnenmarkt geliefert werden.

Die Sprecherin unterstrich, dass die bisher noch vorläufige Auslistung des bevölkerungsreichsten Mercosur-Staates auf neuen Vorschriften für den Antibiotikaeinsatz in der Veredelung beruhe. Beide Vorgaben sind Teil der novellierten EU-Tierarzneimittelverordnung, die seit dem 28. Januar 2022 gilt und auch Einfuhren aus Drittstaaten erfasst.

Zeitnah EU-Audits zu Geflügel und Honig

Anders als bei Rindfleisch soll die brasilianische Regierung die Nachweise für einen regelgerechten Umgang mit Geflügel und Honig bei der EU-Kommission eingereicht haben. Laut der Sprecherin solle ein Team aus Kommissionsexperten der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG Sante) der EU-Kommission vor Ort ein entsprechendes Audit durchführen.

Dass der Marktzugang für Geflügel und Honig, vorbehaltlich einer positiven Prüfung, zumindest theoretisch noch möglich ist, liege der Behördensprecherin zufolge an den bei beiden Erzeugnissen deutlich kürzeren Produktionszyklen. Bevor er gewährt werden kann, ist auch noch die Zustimmung der Experten der EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (ScoPaff) vor dem 3. September erforderlich.

Verhandlungen werden intensiviert

Unterdessen hat die brasilianische Regierung eigenen Angaben zufolge die Verhandlungen mit der Europäischen Union intensiviert, um den Marktzugang für tierische Erzeugnisse wiederherzustellen.

Landwirtschaftsminister André de Paula erklärte gegenüber dem brasilianischen Nachrichtendienst für Landwirtschaft, „Canal Rural“, man habe das Thema als „strategisch wichtig eingestuft“. De Paula zufolge habe die Wiederaufnahme Brasiliens in die Liste der EU-zugelassenen Lieferländer für Rindfleisch oberste Priorität. „Dass wir von der Liste gestrichen wurden, ist inakzeptabel“, konstatierte er. Nichtsdestoweniger räumte der Minister ein, dass der Prozess voraussichtlich länger dauern werde. Selbst nach den Anpassungen, um die europäischen Vorgaben zu erfüllen, könnte der bei Rindfleisch längere Produktionszyklus die Wiederaufnahme der Lieferungen verzögern. Mehr Erfolg verspricht sich der Agrarminister bei Geflügel, da hier die entsprechenden Durchlaufzeiten kürzer seien.

Laut André de Paula verfolge die Regierung einen ressortübergreifenden Ansatz, der auch das Außenministerium und das Büro von Präsident Lula da Silva einbeziehe. Man werde gegenüber der EU nachweisen, dass sämtliche europäischen Protokolle eingehalten würden. Fast zeitgleich habe Brasília die „Verwendung von leistungsfördernden Zusatzstoffen, die antimikrobielle Wirkstoffe enthalten, welche als für die Human- oder Veterinärmedizin bedeutend eingestuft sind“ verboten, konstatierte der Agrarminister. Konkret geht es dabei laut dem brasilianischen Landwirtschaftsministerium um Avoparcin, Bacitracin, Zinkbacitracin, Bacitracin-Methylendisalicylat und Virginiamycin. Nicht auf der Liste steht zum Beispiel Flavomycin, das in der Humanmedizin nicht verwendet wird.

Laut dem Branchenverband ­Abiec belief sich der Rindfleischexport der Brasilianer in den ersten sieben Monaten dieses Jahres auf insgesamt 1,97 Mio. t Rindfleisch. Das war knapp ein Zehntel mehr als im Vergleichszeitraum 2025. Neben China, den USA, Russland und Chile zählt die Europäische Union zu den Hauptabnehmern von brasilianischem Rindfleisch. Die EU-Mitgliedstaaten kauften im ersten Halbjahr 2026 zusammen 63.700 t ein, was Abiec zufolge ebenfalls einem Zuwachs von 10 % entsprach.

Wird der EU-Markt nun entlastet?

Für die Rindfleischerzeuger aus der EU stellt sich nun die Frage, ob nur wenige Monate nach dem vorläufigen Start des Handelsabkommens mit dem Mercosur-Block am 1. Mai nun weniger Rindfleisch auf den EU-Binnenmarkt geliefert wird. Einschränkungen der übrigen drei Mercosur-Mitglieder Argentinien, Paraguay und Uruguay wird es jedenfalls nicht geben. Je nachdem, wie die internen Diskussionen über die Verteilung der Rindfleischquote von 99.000 t pro Jahr unter einem präferierten Zollsatz in die EU verlaufen, stehen die Länder jedenfalls bereit, mögliche Lücken aufzufüllen.

In Argentinien dürfen Antibiotika seit 2024 nicht mehr als Wachstumsförderer eingesetzt werden. Bereits 2019 hatte das Land damit begonnen, für den Antibiotikaeinsatz eine Minimierungsstrategie umzusetzen. Das umfasste auch bereits Verbote einzelner Mittel als Wachstumsförderer. Der schrittweise Ausstieg wurde 2024 vollständig vollzogen. Argentinischen Medienberichten zufolge hatten diese Maßnahmen aus Buenos Aires auch zum Ziel, den eigenen Export in die EU abzusichern.

In Paraguay gibt es ein teilweises Verbot für den leistungssteigernden Einsatz antibiotischer Mittel. Tiere, die im freiwilligen Rückverfolgungssystem Sitrap registriert sind, dürfen in keinem Fall entsprechende Wachstumsförderer bekommen. Auch Uruguay hält laut Regierungsangaben die EU-Vorgaben durch ein Rückverfolgungssystem ein. age

Ackerkulturen trotzen teilweiser Beschattung

Klassische Ackerfrüchte können sich offenbar besser als gedacht an Teilbeschattung durch Solarmodule oder Bäume auf dem Acker anpassen. Das zeigt eine Studie der Universität Hohenheim und des Forschungszentrums Jülich, die in der Fachzeitschrift „European Journal of Agronomy“ erschienen ist.

Untersucht wurde, wie fünf Kulturen auf reale Beschattungsbedingungen durch Agri-PV-Anlagen und Agroforstsysteme physiologisch reagieren. In den Vegetationsperioden 2023 und 2024 wurden an fünf verschiedenen Standorten in Deutschland Feldversuche durchgeführt. Konkret wurde die Photosyntheseleistung von Ackerbohnen, Gerste, Kartoffeln, Kohl und Mais gemessen. Verglichen wurden ihre Werte mit denen von denselben Kulturen auf voll besonnten Flächen.

Anpassung für positive Kohlenstoffbilanz

Alle untersuchten Kulturen zeigten im Vergleich zur vollen Sonneneinstrahlung eine verringerte Dunkelatmung und einen niedrigeren Lichtkompensationspunkt. Das deutet den Forschenden zufolge auf eine physiologische Anpassung hin, die auch bei geringerer Lichtverfügbarkeit eine positive Kohlenstoffbilanz ermöglicht. „Vereinfacht ausgedrückt heißt das, dass die Pflanzen weniger CO2 durch Atmung verloren und gleichzeitig weniger Licht benötigten, um Kohlenstoff zu fixieren, den sie benötigen, um zu wachsen und Früchte zu bilden“, erklärt Erstautorin Jennifer Moore.

Laut Studienleiter Prof. Andreas Schweiger sei bemerkenswert, dass dieser Effekt in allen Kulturen gleichermaßen aufgetreten sei. „Sie verfügen also über eine deutlich größere Anpassungsfähigkeit, als wir bisher angenommen haben“, resümierte er. Das stellt laut den Autoren die Annahme infrage, dass Ackerkulturen in beschatteten landwirtschaftlichen Systemen grundsätzlich in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt seien.

Doch Schatten ist nicht gleich Schatten. Unter den Solarmodulen blieb die Photosyntheseleistung meist vergleichsweise stabil, während sie in den Agroforstsystemen stärker schwankte; das Studienteam vermutet, dass Baumkronen ein unregelmäßigeres Schattenmuster erzeugen als Solarmodule. Kulturpflanzen können sich laut Moore an eine moderate Teilbeschattung gut anpassen. „Bereiche mit dauerhaft starker Beschattung sollten jedoch möglichst vermieden werden.“

Auch zwischen den Kulturarten gab es Unterschiede: Mais als C4-Pflanze erwies sich tendenziell als empfindlicher gegenüber reduzierter Lichtverfügbarkeit als die übrigen, zur C3-Gruppe zählenden Kulturen. „Der C4-Stoffwechsel ist eine Anpassung an heiße und trockene Bedingungen. Bei schwächerem Licht können C4-Pflanzen ihre Photosynthesekapazität nicht ausreizen“, erläuterte Moore.

Kein automatischer Ertragsvorteil

Die Beteiligten schränken jedoch ein, dass diese physiologischen Reaktionen nicht unmittelbar Rückschlüsse auf den Ertrag zulassen. Daten hierzu wurden in der Studie nur lückenhaft erhoben und zeigten je nach Standort und Kulturart kein einheitliches Bild. In den Ergebnissen sehen die Forschenden aber eine Grundlage für die gezieltere Planung von Agroforst- und Agri-PV-Anlagen.

„Wer weiß, welche Kulturen unter welchen Lichtbedingungen ihre Produktivität aufrechterhalten können, kann Sorten und Flächen besser aufeinander abstimmen“, so Schweiger. Darüber hinaus eröffneten die gemessenen physiologischen Kennwerte neue Perspektiven, um schattentolerantere Sorten gezielter zu züchten.

Strohpuppen im Jury-Check

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Für die Jury der Strohpuppenaktion ging es am vergangenen Wochenende einmal quer durch Schleswig-Holstein. Fünf Ortsgruppen hatten es mit ihren kreativen Beiträgen in die Finalrunde geschafft und wurden nun vor Ort besucht.

Von Revensdorf über Dellstedt und Barmstedt bis nach Krüzen und Trittau warteten ganz unterschiedliche Ideen, liebevolle Details und jede Menge aus Stroh gefertigter Kunstwerke auf die Reisegruppe.

Mit dabei waren Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht, LandFrauenpräsidiumsmitglied Lena Haase, Bauernblatt-Chefredakteur Dr. Robert Quakernack, Tessa Nafziger für den Agrarausschuss sowie Sören Schatt und Marlies Muxfeldt vom Landesvorstand und Bundesjugendreferent Thore Groth. Fahrer Jörn Maschack brachte die Gruppe sicher durch das schönste Bundesland der Welt.

Direkt an der viel befahrenen B 203 präsentierte die Landjugend Dellstedt ihren ganz besonderen Stroh-Trecker der Jury. Foto: Thore Groth
Strohpuppenbau im Sonnenuntergang: In Revensdorf war beim Aufbau auch schweres Gerät gefragt. Foto: LJ
Revensdorf
Gute Laune auch in luftiger Höhe: Beim Feinschliff wurde noch einmal Hand an die Ohren gelegt. Foto: LJ
Revensdorf
Die Landjugend Lauenburg-Süd präsentierte der Jury stolz ihre Strohpuppenkreation. Foto: Thore Groth
„Koppelbeats – die Chicks machen Stimmung“: Mit seinem tierischen Ensemble wusste auch der KLV Stormarn zu begeistern. Foto: Thore Groth
Arbeit macht hungrig, das Ergebnis stolz: Jung und Alt, Landjugend, Junge LandFrauen und Nachwuchs stärkten sich gemeinsam nach getaner Arbeit. Foto: LJ Barmstedt
Handarbeit für geübte Finger: Mit viel Geschick wurden in Barmstedt Stroh und Figuren Stück für Stück in Form gebracht. Foto: LJ Barmstedt
Erster Stopp am frühen Morgen: In Revensdorf wurden der Jury stolz die vier fertigen Strohfiguren präsentiert. Foto: Thore Groth


Am Ende lag ein langer, aber rundum gelungener Tag hinter der Jury: voller neuer Eindrücke, abwechslungsreicher Stopps und vor allem beeindruckender Strohfiguren. Welche Gruppe die Jury schließlich am meisten überzeugen konnte, bleibt allerdings noch geheim. Die Platzierungen werden mit der Siegerehrung am 5. September auf der Norla in Rendsburg bekannt gegeben. Wer noch mehr von der großen Strohpuppen-Tour erfahren möchte, darf gespannt sein: Ein ausführlicher Reisebericht mit vielen Eindrücken von unterwegs erscheint in Kürze.

„Alle kommen auf ihre Art im Storm wieder zusammen“

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„Junge komm bald wieder, bald wieder nach Haus …“ – in diesem emotionalen Schlager von Freddy Quinn sorgt sich eine Mutter um ihren Sohn, der heimlich zur See gefahren ist. Mit dem Singen dieser Textzeilen enden die aktuellen Aufführungen der Storm-Novelle „Hans und Heinz Kirch“ auf Gut Hanerau in Hanerau-Hademarschen, gespielt von Laiendarstellern aus dem Ort und der Umgebung. Auch in dieser Novelle sorgt sich die Mutter um ihren Sohn, der nicht wie geplant nach einem Jahr von der großen Seefahrt zurückkehrt, sondern erst nach 17 Jahren. Am Donnerstag vergangener Woche feierte das Stück Premiere.

Es ist bereits die siebte Storm-Aufführung seit 2013, als der Ort seinen „Schimmelreiter“ mit viel Hingabe und Engagement in drei aufeinanderfolgenden Jahren spielte und lebte. Und auch die aktuelle Inszenierung der Novelle „Hans und Heinz Kirch“, die der Heimatdichter Theodor Storm an seinem Altersruhesitz in Hanerau-Hademarschen 1882 verfasste, wird mit so einer großen Hingabe und einem Engagement dargeboten, dass man vergisst, dass es sich nicht um professionelle Schauspieler handelt.

Nico Maas als Hans Kirch im ersten Akt – Heinz‘ Kindheit.
Foto: Iris Jaeger

Erneut hat es der Hamburger Theaterregisseur Frank Düwel geschafft, die komplexe und thematisch eher schwere Geschichte um die konfliktträchtige Vater-Sohn-Beziehung des Schiffseigners und Kaufmanns Hans Kirch und seines Sohnes und angehenden Schiffers Heinz in eine Theaterfassung zu übertragen, die mit wenigen Worten die Geschichte für jeden nachvollziehbar und lebendig wiedergibt, der Schwere etwas Leichtes verleiht.

Jedem Darstellenden schreibt er dabei die Rolle auf den Leib geschneidert zu. Und auch bei dieser Darbietung in der Hanerauer Gutsscheune sind Bühnenbild und Requisiten minimalistisch gehalten. Zusammen mit dem bis ins letzte Detail ausgeklügelten Lichtdesign und den exakt gesetzten Soundeffekten sorgen sie für eine einzigartige, atmosphärisch dichte Stimmung, die die Tragik der Geschichte intensiv und aufs Wesentliche reduziert in die Seele der Zuschauer trägt. Die sitzen direkt an der Spielfläche und dem Ort des Geschehens. Intensiver kann Theater kaum sein. Unterstützt und begleitet werden die Darstellenden vom Produktionsteam, das für das Gelingen drum herum, strukturierte Abläufe und die Organisation sorgt und ebenfalls aus Bewohnern des Ortes und der Umgebung besteht. Mit professioneller Anleitung wurden ehrenamtlich die Kostüme genäht, für Technik, Bühnenbild, Maske, Verpflegung, Rückzugsräume, Pressearbeit, Regieassistenz, Shuttleservice, Sicherheit und sämtlichen Support gesorgt. Ein Jahr intensiver Vorbereitung, die mit großem Erfolg der Aufführungen und reichlich anerkenndem Applaus des Publikums belohnt wird.

Bewegende Geschichte

In der Geschichte „Hans und Heinz Kirch“ geht es dieses Mal nicht an die Nordsee, sondern nach Heiligenhafen an die Ostsee. „Hans Kirch, Schiffseigner und aufstrebender Kaufmann, hat den Weg bürgerlicher Ehren für seinen Sohn Heinz vorgezeichnet. Schiffer soll er werden, eines Tages das väterliche Geschäft leiten und bis zum Senator aufsteigen – eine Ehre, die der Vater nie erlangte. Heinz ist klug, doch ebenso wild und eigensinnig. Nur widerwillig folgt er dem vom Vater vorgezeichneten Weg, und ein kühles Schweigen bestimmt ihr Verhältnis. Zuneigung findet Heinz nur bei Wieb, der Tochter eines Matrosen. Eine heimliche Freundschaft entspinnt sich zwischen ihnen, die nicht mehr zur Liebe wächst, denn als junger Erwachsener tritt Heinz seine erste große Fahrt zur See an. Ein Jahr lang soll es auf Handelsfahrt nach China gehen. Doch es wird eine ewige Schifffahrt ohne ein Lebenszeichen von Heinz. Erst 17 Jahre später kehrt er zurück, seiner Heimat entfremdet und den Menschen rätselhaft. Schon bald gehen Gerüchte um, und sowohl die Familie als auch die Gesellschaft der Stadt am Meer sind sich nicht einig darüber, ob es der echte Heinz ist, der zurückkehrte. Eine geisterhafte Stimmung breitet sich über der Stadt aus, die in ein hochdramatisches Ende führt“, lautet es in einer Zusammenfassung der Novelle, die zum Teil auf reale Begebenheiten in Storms Leben zurückgeht.

Torben Maaßen als Hans Kirch im zweiten Akt: Heinz‘ Jugend
Foto: Iris Jaeger

Sie besticht durch die vielen Naturbilder, das Meer wird zum Spiegel der Gefühle, die Weite der See ein Bild für Sehnsucht, Entfremdung, Hoffnung und Ängste. Storm zeigt auf, wie in der damaligen bürgerlichen Gesellschaft alles auf materiellen Wohlstand und ein hohes Ansehen ausgerichtet ist. Hans Kirch vermag es nicht, ein liebender, verständnisvoller Vater zu sein. Stattdessen fordert er von seinem Sohn Fleiß, Disziplin und die bedingungslose Umsetzung der Zukunftspläne des Vaters. Im Streit gehen die beiden auseinander, als Heinz zu seiner ersten großen Seereise nach China aufbricht und nicht wie geplant nach einem Jahr zurückkehrt. Am Ende der Geschichte muss Hans Kirch schmerzlich feststellen, dass er seinen geliebten Sohn, den er zwei Mal verstieß, für immer verloren hat, doch da ist es zu spät, Heinz wird nicht wieder zurückkehren. „Er ist tot […], ich weiß es jetzt gewiß; aber – in der Ewigkeit, da will ich meinen Heinz schon wiedererkennen“, lässt Storm Vater Hans in der Novelle sagen.

Das Stück ist in fünf Akte gegliedert, neben drei Heinz- und Hans-Darstellern für Heinz‘ Kindheit, Jugend und Erwachsenenzeit, drei Darstellerinnen für Frau Kirch und für Wieb baute Düwel mit Fritz, Heinrich und Jule drei Storm-Geister – über alle Zeiten – in das Stück mit ein, die die Szenerien beobachten, kommentieren und geisterhaft begleiten.

Storm erlebbar machen

„Es ist eine bewegende Geschichte, und beim Lesen musste ich die Novelle das eine oder andere Mal beiseitelegen und durchatmen“, erzählt Frank Düwel. Sie enthalte zwei für die heutige Zeit wichtige Themen: zum einen den Generationenkonflikt zwischen Vater und Sohn, „bei dem man immerzu in die Novelle hineinrufen möchte: Tut euch das nicht an, verzeiht euch, geht nicht im Bösen auseinander, es kann nicht gut enden, denkt an das, was euch verbindet. Zum anderen das Gefühl des Fremdseins in der Heimat nach der Rückkehr des Sohnes von der 17-jährigen Fahrt, verbunden mit der Frage: Wer bin ich?“, so Düwel. Aus der Novelle Theater zu gestalten sei anregend, aber auch mühevoll, die für das Verständnis wichtigen Sätze herauszuarbeiten eine Quälerei. „Und doch können wir die Storm-Dichtungen nie in allen ihren Aspekten auf die Bühne bringen. Aber was wir machen können, ist, Erlebnisse zu kreieren, damit die Zuschauer ihm nahekommen. Und das schaffen wir hier, sowohl für die, die hier spielen, als auch für die, die zuschauen. So kommen alle auf ihre Art im Storm wieder zusammen.“

Das Ensemble des diesjährigen Storm-Festspiels – einige der Darstellenden sind bereits von Anfang an mit dabei. Allesamt sind sie Laiendarsteller, die mit viel Hingabe und Engagement die Novelle „Hans und Heinz Kirch“ spielen. 
Foto: Henrik Matzen

Plötzlich lag alles in ihren Händen

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August 1938: Erst drei Monate zuvor hat Max Stave den Hof seines Vaters übernommen, als er zur Wehrmacht eingezogen wird. Seine Frau Alwine bleibt zurück – mit der gemeinsamen Tochter Elke und den Schwiegereltern.

Das zweite Kind ist bereits unterwegs. Von nun an liegt die Verantwortung für den landwirtschaftlichen Betrieb bei ihr: für den Hof und das Vieh, für die Bankgeschäfte und die Arbeitskräfte ebenso wie für die jungen Mädchen, die im Haushalt helfen. Später kommen weitere Aufgaben hinzu. Wie alle Frauen auf den Höfen versorgt Alwine ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene und kümmert sich um Flüchtlinge. Am 1. September 1939 beginnt mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg.

Alwine Stave übernahm 1938 die Verantwortung für den Hof.

Alwine Stave steht stellvertretend für viele Tausend Frauen, die mit dem Krieg plötzlich vor gewaltigen Herausforderungen standen. Väter, Ehemänner und Söhne wurden eingezogen. Zurück blieben nicht nur Frauen und Kinder, sondern auch Höfe, Werkstätten und Betriebe, die ohne die Männer weitergeführt werden mussten. Und sie wurden weitergeführt – wie das Beispiel der damals 24-jährigen Alwine zeigt. Sie übernahm Aufgaben, die zuvor ihr Mann erledigt und in die sie bis dahin kaum Einblick gehabt hatte. Sie organisierte den Betrieb, versorgte die Arbeitskräfte, erzog ihre Kinder und kümmerte sich um die Landwirtschaft und den Haushalt. Außerdem bildete sie junge Mädchen in Hauswirtschaft aus.

„Es war eben so.“

„Ich habe meine Mutter einmal gefragt, wie sie das alles ertragen hat: den Krieg und die ständige Angst um unseren Vater. Sie hat mir geantwortet, dass es eben so gewesen sei – und dass es den anderen schließlich genauso gegangen sei“, erinnert sich Alwine Staves älteste Tochter Elke Grafe. Vor ihr auf dem Esszimmertisch liegen mehrere Fotoalben. Sie bewahren viele glückliche Erinnerungen – selbst aus einer Zeit, in der das Leben von Angst, schwerer Arbeit und Entbehrungen geprägt war.

Elke Grafe, 1936 geboren, wächst mit drei Geschwistern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Thienbüttel bei Nortorf auf. Ihre frühen Kindheitsjahre fallen in die Zeit des Krieges. Von Bombenangriffen bleibt die ländliche Region weitgehend verschont. Doch eines Tages greifen Tiefflieger den Milchwagen an, mit dem Alwine unterwegs ist. Sie schießen auf das Gespann. Alwine kommt unversehrt davon, doch bei der kleinen Elke sitzt die Angst tief. „Ich habe jeden Abend den Koffer für meine Puppe gepackt“, erinnert sie sich. „Für alle Fälle.“

Lange Arbeitstage

Die Landwirtschaft in Elke Grafes Kindheit war von schwerer körperlicher Arbeit geprägt. Zwar standen bereits erste technische Hilfsmittel zur Verfügung, doch der Großteil der Arbeiten musste noch von Hand erledigt werden. „Wir hatten einen Mischbetrieb mit 38 ha Land, einen großen Gemüsegarten und 18 Kühe. Für heutige Verhältnisse ist das nicht viel. Damals war es ein gesunder Betrieb“, erzählt sie. Die Arbeitstage waren lang. „Meine Mutter stand morgens um 4.30 Uhr auf, um die Kühe zu melken. Wenn sie damit fertig war, machte sie uns für die Schule zurecht. Wir frühstückten, und sie flocht uns die Zöpfe. Im Sommer gab es eine Mittagsstunde. Nur während der Ernte standen wir direkt nach dem Mittagessen wieder auf – und dann ging die Arbeit weiter.“ Am Abend brachte Alwine Stave den jungen Mädchen, die im Haushalt halfen, verschiedene Handarbeitstechniken bei. „Sie lernten, wie man alles instand hielt oder einen Hohlsaum nähte. Vor allem aber lernten sie, wie man aus beschädigten Dingen noch etwas Neues machen konnte. Aus den unversehrten Ecken eines alten Bettlakens fertigten wir kleine Decken. Meine Mutter arbeitete, bis es Zeit war, ins Bett zu gehen.“ Freizeit im heutigen Sinn gab es nicht. „Wenn meine Mutter am Sonntag mit uns zum Friedhof spazieren ging, hat sie das immer genossen“, sagt Elke Grafe. „Sie sagte dann: ,Dar wüll keen een wat vun mi.‘“

Was Alwine Stave damals als selbstverständliche Pflicht empfand, war eine außergewöhnliche Leistung. Wie viele Frauen ihrer Generation hielt sie unter schwierigsten Bedingungen Familie und Hof zusammen – oft ohne Anerkennung und ohne ihre eigene Stärke hervorzuheben. Ihre Geschichte erinnert daran, welchen entscheidenden Beitrag Frauen während des Krieges leisteten und wie sehr ihr Wirken das Leben auf dem Land geprägt hat. Es waren Frauen wie Alwine, die dafür sorgten, dass der Alltag weiterging.

In den typisch weiblichen Arbeitsbereichen (Kuhstall, Haushalt und Gemüsegarten) hatte Alwine Stave Unterstützung. Fotos: privat
Der lange Arbeitstag begann um 4.30 Uhr mit dem Melken der Kühe.
Zur Erntezeit packten auf den Feldern alle mit an.
Bei der Kartoffelernte kamen einfache Landmaschinen zum Einsatz.


Info

Das Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz blickt auf der Norla ebenfalls auf die Landwirtschaft vor 80 Jahren. Dort kann man Alwine Stave wiedertreffen!

Begehrte Plätze und sehr engagierte Teilnehmer

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Der aktuelle Forstwirtschaftsmeisterkurs ist mit großer Nachfrage, hoher Motivation und einem vielseitigen Lehrgangsprogramm gestartet. Bereits das erste halbe Jahr zeigte, wie breit das Aufgabenspektrum künftiger Meister ist: Es reicht von Mitarbeiterführung und Betriebswirtschaft über Arbeitssicherheit und Logistik bis hin zu Waldbau, Forsteinrichtung und digitaler Prozessgestaltung.

Mitte Dezember begann der neue Forstwirtschaftsmeisterkurs an der Lehranstalt für Forstwirtschaft mit zwei Kennenlerntagen. Neben den Teilnehmern aus Schleswig-Holstein gehören jeweils zwei Teilnehmer aus Hamburg und Berlin zur Gruppe. Die meisten werden von ihren Arbeitgebern entsandt, die auch die Lehrgangskosten übernehmen. Dies macht deutlich, welchen Stellenwert die Meisterqualifikation in den Betrieben besitzt und wie gefragt gut ausgebildete Führungskräfte in der Forstwirtschaft sind.

Auch die Bewerberzahlen belegen die große Nachfrage. Für die zwölf vorgesehenen Plätze lagen deutlich mehr Bewerbungen vor. Sieben Interessenten aus Schleswig-Holstein musste abgesagt werden. Auch dem Wunsch aus Mecklenburg-Vorpommern, mehrere Mitarbeiter der dortigen Landesforsten weiterzubilden, konnte nicht entsprochen werden.

Entsprechend groß ist die Freude bei denjenigen, die einen der begehrten Plätze erhalten haben. Das zeigt sich auch im Unterricht: Die Gruppe arbeitet motiviert mit, beteiligt sich rege an Diskussionen und stellt viele interessierte Nachfragen. Zur Vorbereitung auf die Prüfungen in der Betriebs- und Unternehmensführung haben sich mehrere Lerngruppen gebildet. Darüber hinaus wurden zahlreiche Videotermine angeboten, um offene Fragen zu klären und die Teilnehmer gezielt auf die Prüfungen vorzubereiten.

Unterricht über Berufsgrenzen hinweg

Der reguläre Lehrgang begann Anfang Januar mit zwei Blockwochen zur Vorbereitung auf Teil 3 der Meisterprüfung, die Berufsausbildung und Mitarbeiterführung. Diese Unterrichtswochen absolvierten die angehenden Forstwirtschaftsmeister gemeinsam mit künftigen Fischwirtschaftsmeistern.

Der berufsübergreifende Unterricht erwies sich für alle Beteiligten als Gewinn. Durch den Austausch erhielten die Teilnehmer Einblicke in andere Arbeitsbereiche und konnten zugleich viele Gemeinsamkeiten entdecken. Der gemeinsame Unterricht in Teilen der Meisterausbildung bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wird daher voraussichtlich kein Einzelfall bleiben. Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Inhalte fachlich zusammenpassen. Besonders geeignet sind die Themen Ausbildung und Mitarbeiterführung. Aber auch in der Betriebs- und Unternehmensführung, beispielsweise bei der Buchführung, unterscheiden sich die Anforderungen der Grünen Berufe häufig nur wenig.

Bereits Ende Januar stand für die Gruppe die erste schriftliche Prüfung in Teil 3 an. Ende Februar folgten die praktische Unterweisung und das Fallbeispiel zur Mitarbeiterführung.

Diese Prüfungstage fielen mit einem Autounfall von Forstwirt-Auszubildenden zusammen, die zu dieser Zeit ihren Blockunterricht an der Lehranstalt absolvierten. In dieser besonderen Situation zeigten die angehenden Meister, dass soziale Kompetenz für sie nicht nur ein Prüfungsthema ist. Trotz des eigenen Prüfungsstresses kümmerten sie sich um die Auszubildenden, spendeten Trost und standen ihnen mit echtem Mitgefühl und tatkräftiger Unterstützung zur Seite.

Betriebswirtschaftliches Neuland

Nach den ersten Prüfungen ging es mit Teil 2, der Betriebs- und Unternehmensführung, weiter. Auf dem Stundenplan standen rechtliche Grundlagen und Handelsrecht, Betriebsorganisation, Steuern, Versicherungen, Zertifizierungs- und Managementsysteme sowie Buchführung und Bilanzerstellung.

Viele dieser Inhalte gehören für Forstwirte nicht zum täglichen Geschäft. Vertrauter sind häufig Themen wie die Kosten- und Leistungsrechnung oder die Strukturen von Behörden und Verwaltungen. Insgesamt mussten sich die Teilnehmer daher in zahlreiche neue Sachgebiete einarbeiten. Die intensive Beteiligung im Unterricht und die selbst organisierten Lerngruppen zeigten jedoch, mit welchem Engagement sie sich dieser Herausforderung stellten.

Ein weiterer Bestandteil von Teil 2 war ein dreitägiger Unterrichtsblock der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Dabei lernten die Teilnehmer das Unternehmermodell der SVLFG kennen. Im Mittelpunkt standen wichtige Themen der Arbeitssicherheit: Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen, Unterweisungen, rechtliche Grundlagen des Arbeitsschutzes und die praktische Unfallprävention.

Dabei wurde allen noch einmal deutlich, dass Arbeitssicherheit bei betrieblichen Entscheidungen von Anfang an mitgedacht werden muss. Schließlich geht es nicht allein darum, gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, sondern vor allem darum, Unfälle zu verhindern und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.

Beeindruckenden Dimensionen

Blick von der Schiffsbrücke auf den Lübecker Holzhafen

Besonders großen Anklang fanden die forstlichen Themen, die zwischen die betriebswirtschaftlichen Unterrichtseinheiten eingestreut wurden. Teilweise standen diese Inhalte aufgrund ihrer jahreszeitlichen Bedeutung in der ersten Jahreshälfte auf dem Programm. Andere befassten sich mit den Besonderheiten forstlicher Betriebe.

Ein anschauliches Beispiel bot eine Exkursion zur Firma Rodenberg Waldkontor zum Thema Forstlogistik. Im Lübecker Hafen konnten die Teilnehmer miterleben, wie eines der firmeneigenen Schiffe entladen wurde. Die großen bewegten Holzmengen, der Zeitdruck durch die Liegekosten des Schiffes, die Anforderungen des Lärmschutzes und nicht zuletzt die Dimensionen der eingesetzten Entladetechnik beeindruckten die Gruppe.

Anschließend nahmen sich die Logistikverantwortlichen in der Betriebszentrale Zeit, die Abläufe ausführlich zu erläutern. Außer um die allgemeinen Anforderungen an eine funktionierende Logistikkette ging es besonders um die Herausforderungen der Forstwirtschaft. Witterung und Wegezustände beeinflussen die Planung ebenso wie die Tatsache, dass Holz kein einheitlich genormtes Transportgut ist. Für viele Teilnehmer eröffnete die Exkursion einen neuen Blick auf die komplexen Prozesse zwischen Wald, Transport, Hafen und Abnehmer.

Den Wald für zehn Jahre vorausdenken

Ein weiteres Thema der forstlichen Betriebsführung war die Forsteinrichtung. Dabei werden Waldbestände erfasst und die betrieblichen Planungen für das kommende Jahrzehnt entwickelt. Bäume müssen gemessen und Bestände beschrieben werden. Darauf aufbauend ist zu beurteilen, wie sich der Wald in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich entwickeln wird und wie diese Entwicklung durch forstliche Maßnahmen gesteuert werden kann.

Für viele Teilnehmer war dies ein neues Arbeitsfeld, das Inventur, Planung und waldbauliche Entscheidungen eng miteinander verbindet. Meister müssen dabei nicht nur den aktuellen Zustand eines Bestandes erfassen, sondern langfristig denken und unterschiedliche betriebliche, ökologische und waldbauliche Ziele berücksichtigen.

Auch der Blick auf forstliche IT-Anwendungen und -Programme eröffnete neue Perspektiven. Eine wichtige Rolle spielen Geodaten und Informationen über die Waldbestände. Ebenso entscheidend ist die Frage, wie diese Daten mit den Partnern innerhalb der Prozesskette geteilt und fortlaufend ergänzt werden können.

Im Zusammenspiel mit Anwendungen der Künstlichen Intelligenz ergeben sich neue Möglichkeiten, Informationen bereitzustellen, auszuwerten und innerhalb der Waldbewirtschaftung auszutauschen. Bei aller Begeisterung wurden im Unterricht jedoch auch die Grenzen diskutiert. Dazu gehören insbesondere Fragen der Datenhoheit und des Datenschutzes sowie die fachliche Prüfung und Bewertung von Ergebnissen, die durch KI-Anwendungen erzeugt werden. Digitale Werkzeuge können die Arbeit unterstützen – die Verantwortung für die Einordnung und die daraus abgeleiteten Entscheidungen bleibt jedoch beim Menschen.

Jungbestände gezielt entwickeln

Absperrbanner für Holzerntearbeiten

Zu den rein forstlichen Inhalten aus Teil 1 der Meisterprüfung, Produktion und Dienstleistung, gehörten insbesondere die Jungwuchs- und Jungbestandspflege. Diese Arbeiten stehen auch im forstlichen Jahreskalender vor allem im Frühjahr an.

Praxisnahe Einblicke erhielten die Teilnehmer im Forstbetrieb Gut Rixdorf des Grafen von Westphalen. Revierleiter Hans-Martin Hay brachte das Ziel der Jungbestandspflege auf eine klare Formel: „Es soll sich nicht der Zufall durchsetzen, sondern die waldbauliche Zielsetzung.“

Ausführlich erläuterte er die verschiedenen Entwicklungsphasen vom Jungwuchs über die Dickung bis zum Jungbestand. Die Jungbestandspflege steht zwischen der Begründung einer Verjüngung und der späteren Durchforstung. Sie ist damit ein frühes und entscheidendes Instrument der waldbaulichen Steuerung. Durch die Auswahl und Förderung geeigneter Bäume werden Konkurrenz, Baumartenmischung, Qualität, Stabilität und die spätere Bestandesentwicklung gezielt beeinflusst.

Sowohl im Vortrag als auch während der praktischen Exkursion ging Hay auf die Besonderheiten verschiedener Baumarten und deren unterschiedlichen Pflegebedarf ein. Die Teilnehmer besichtigten mehrere Bestände, diskutierten waldbauliche Vorgehensweisen und konnten verschiedene Arbeitsmittel erproben.

Für einige waren Geräte wie eine rückentragbare Motorsäge („Spacer“) oder die inzwischen verfügbaren akku- beziehungsweise motorbetriebenen Pflegesägen neu. Teilnehmer, die bereits Erfahrungen mit einzelnen Geräten und Verfahren gesammelt hatten, stellten den anderen die Technik und die jeweiligen Arbeitsweisen vor. Bei der anschließenden praktischen Umsetzung unterstützten sie ihre Kollegen. Auch hier zeigte sich erneut das gute Zusammenwirken innerhalb der Lehrgangsgruppe.

Anspruchsvoller und gelungener Auftakt

Das erste halbe Jahr des Forstwirtschaftsmeisterkurses hat den Teilnehmern bereits viel abverlangt. Die ersten Prüfungen mussten bestanden, zahlreiche neue Inhalte erschlossen und unterschiedliche praktische Aufgaben bewältigt werden. Gleichzeitig bot der Lehrgang viele Gelegenheiten, eigene Erfahrungen einzubringen und voneinander zu lernen.

Die hohe Nachfrage nach den Lehrgangsplätzen und die finanzielle Unterstützung durch viele Arbeitgeber zeigen, wie dringend qualifizierte Meister in der Forstwirtschaft benötigt werden. Die Motivation, die intensive Mitarbeit und der ausgeprägte Zusammenhalt der aktuellen Gruppe lassen erwarten, dass die angehenden Forstwirtschaftsmeister auch die kommenden Lehrgangsabschnitte engagiert und erfolgreich meistern werden.

Weizen: Zuspitzung am Schwarzen Meer

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Die durchschnittlichen Erzeugerpreise für B-Weizen haben in Schleswig-Holstein in der vergangenen Woche die Marke von 200 €/t deutlich überschritten. Die Preisspanne reicht dabei hoch bis 210 €/t. Auch in dieser Woche können sich die Erzeugerpreise hierzulande weiterhin auf diesem Niveau halten beziehungsweise ziehen sogar noch weiterhin leicht an. Dies beflügelt die Vermarktungslaune der Landwirte für die aktuelle Ernte. Viele haben die Chance bereits genutzt und Teilmengen vermarktet. Die aktuelle Preisentwicklung wird dabei von mehreren Faktoren gestützt. Die Trockenheit, die europaweit zu deutlich niedrigeren Erträgen geführt hat und aktuell auch die Logistikketten etwas durcheinanderwirbelt, ist dabei noch der geringste Preistreiber. Schleswig-Holstein ist bei den Erträgen auch noch deutlich glimpflicher davongekommen als südlichere Bundesländer. Das Statistikamt Nord weist in seiner aktuellsten Veröffentlichung einen vorläufigen Ertrag von 83,5 dt/ha im Landesdurchschnitt gegenüber 90,6 dt/ha im Vorjahr aus. Dies ist ein Minus von knapp 8 %. Für Deutschland insgesamt erwartet der DRV ein Minus von über 10 %.

Russische Weizenexporte kommen zum Erliegen

Die Ukraine und Russland greifen weiterhin gegenseitig ihre Exportterminals am Schwarzen Meer an. Dabei wurde auch der wichtigste russische Exporthafen in Noworossijsk lahmgelegt. Über diesen Hafen allein werden gewöhnlich 40 % der russischen Exporte abgewickelt. Auch der Schiffsverkehr im Asowschen Meer ist komplett zum Erliegen gekommen. Dort liegen ebenfalls wichtige Exporthäfen. Die russischen Ostseehäfen gewinnen dadurch an Bedeutung, aber auch hier gab es bereits erhebliche Schäden in der Infrastruktur der Häfen, allerdings nicht an den Getreideterminals direkt. Auf ukrainischer Seite ist die Exportkapazität durch russische Angriffe bereits um 75 % reduziert worden. Auch die deutlich kleineren Exporthäfen an der Donau sind beschädigt. Dies führt dazu, dass bestehende Kontrakte nicht oder nur teilweise bedient werden können. Die Nachfrager aus dem afrikanischen und asiatischen Raum müssen sich nach Alternativen umschauen. Hier gerät europäischer Weizen verstärkt ins Visier. Man muss allerdings dazusagen, dass die Nachfrage momentan aufgrund guter Inlandsernten in diesen Regionen nicht besonders hoch ist.

Wie geht es weiter?

Rückendeckung erhalten die Getreidepreise auch von den aktuellen Entwicklungen im Maisbereich. Hier haben sich die aktuellen Schätzungen zu den Erträgen in den USA nochmals deutlich verschlechtert. Auch in der EU wird mit einer geringeren Körnermaisernte gerechnet. Dies könnte besonders das Preisniveau für Futtergetreide hochhalten. Die zukünftigen Entwicklungen des Weizenpreises hängen entscheidend davon ab, wie sich die Lage in der Schwarzmeerregion weiterentwickelt. Es hat sich gezeigt, dass die Russen die Terminals relativ schnell zumindest provisorisch wieder reparieren können. Bleiben die Terminals allerdings im Fokus der kriegerischen Handlungen, bleiben auch die Risikoaufschläge vorerst hoch. Aber die Mengen werden, wenn auch zeitverzögert, ihren Weg in den Export finden. Sobald sich neue Exportwege aufgetan haben, eine Einigung beim Getreideexport in Sicht ist oder die Getreideverschiffung zumindest aus dem Fokus der kriegerischen Handlungen rückt, wird der Preis wieder deutlich fallen. Eine Vermarktung von Teilmengen lohnt sich momentan also auf jeden Fall. Kleinere Teilmengen können allerdings auch noch für die nächsten Wochen als „Spielball“ zurückgehalten werden.

Mast: Sparbüchse mit guter Verzinsung

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Die Rindermastbereisung im Kreis Schleswig-Flensburg führte auf beeindruckende Betriebe. Die Mast ist derzeit das wirtschaftlich attraktivste Standbein. Das Bauernblatt stellt die Höfe vor.

Neu bauen auf der grünen Wiese oder arbeiten gehen: Das waren 2012 die Alternativen für Thorsten Gimm aus Schnarup-Thumby. Er baute. Heute wirtschaftet der dynamische Landwirt auf 96 ha Ackerland und 69 ha Dauergrünland. Die Entscheidung sei richtig gewesen, konstatiert Gimm. Bei 35 ct/kg Milch kämen die guten Rindfleischpreise gerade recht: „Wenn die Rechnung für das Maishäckseln kommt, müssen auch mal zehn Tiere weg.“

Tierwohlmast als Weg

200 Milchkühe und 90 Mastbullen auf Stroh prägen den Betrieb. Von der Angler Herdbuchzucht kommend, entwickelte er seine Herde in einer Drei-Rassen-Kreuzung aus Angler Rindern, fleischreichen Montbeliarde und milchbetonten Schwarzbunten. Belegt werden diese nach der Remotierung mit Weißblauen Belgiern.

Die Fütterung basiert auf Mischrationen aus Gras, Mais, Soja sowie Roggen- und Maisschrot. Ab 2027 ist die Verfütterung von hofeigenem Getreide geplant. Bei täglichen Zunahmen von 1.050 g sind die 400 kg Schlachtgewicht schnell erreicht. Die Vermarktung erfolgt über den Schlachthof Danish Crown in Husum.

Gimm und Familie haben merklich Lust auf die Mast. Statt in weitere Kuhplätze möchte er lieber in eine tierwohlbetonte Mast investieren. Er hat einen Plan in der Schublade; vorerst müsse sich aber der Markt stabilisieren.

Respekt für Investitionen

Henning Lausen fiel etwas aus der Reihe auf der Rindermastbereisung. Er setzt voll auf die Milch. Als begeisterter Angler Herdbuchzüchter – „Ich bin ein Fan der Rasse“ – bewirtschaftet er in Boren einen Betrieb mit 204 ha, davon 45 ha Grünland.

Die  140 Angler Milchkühe glänzen mit einer durchschnittliche n Herdenleistung von 11.117 kg Milch pro Jahr. Das Erstkalbealter liegt bei 27 Monaten. Die Bullenkälber, eine Fleischrindkreuzung, werden nach der gesetzlich vorgeschriebene Haltefrist von vier Wochen verkauft. Die Haltefrist sieht der Milcherzeuger nicht als Nachteil. Gerade in den letzten Wochen nähmen die Kälber derart zu, dass sich der Verkauf besser rechne.

2011 wurde der Investitionszyklus mit dem Neubau des Milchviehstalls gestartet. Lausen zeigte sich froh, dass er keine „Bauleiche“ habe. „Wer bei heutigen Auflagen und Kosten baut, hat meinen Respekt“, wies er auf die schlechtere Wirtschaftlichkeit hin.

Mit klaren Worten rechnete Friederike Lausen mit der Politik ab. Sie beschrieb die stete Unsicherheit beim Ausfüllen der zahlreichen Dokumentationen: „Haben wir das richtige Kreuz gesetzt? Sind wir aktuell? Haben wir alles gemeldet?“

Rosémast lohnt

Auch Michael und Judith Petersen zeigten sich als passionierte Züchter der „kleinen roten Kuh aus Angeln“ und untermalten dies mit einer Tierschau vor dem beeindruckenden Kuhstall von 2017.

Sie bewirtschaften in Taarstedt einen Betrieb mit 255 ha, davon 69 ha Grünland. Der Tierbestand umfasst 175 Milchkühe mit einer Leistung von 11.445 kg Milch pro Jahr. 1981 habe man noch bei knapp 4.800 kg gelegen, erklärt der Züchter nicht ohne Stolz. Er führt den Erfolg neben der Zucht auch auf das Tierwohl zurück: „Die Mädels sind richtig gut drauf.“

Die Bullenkälber werden im Betrieb gemästet, nur die Fleischkreuzungen gehen mit vier Wochen in den Verkauf. Die Kälber werden die ersten Wochen ad libitum mit Vollmilch und Aufwerter versorgt. Petersen setzt auf Rosémast, die Kälber werden mit Mais und Rapsextraktionsschrot gefüttert. Knapp unter acht Monaten gehen die Tiere an die Schlachterei Vollertsen in Satrup. Die Mastkälber laufen komplett auf Gummimatten – „eine immense Investition“, so Michael Petersen, die sich aber lohne.

Er wies auf die wichtige Funktion der Mast als zweites Standbein eines Milchviehbetriebs hin: Sie stabilisiere den Betrieb und sei eine „Spardose“ für schwierige Zeiten.

Effizienz als Schlüssel

Einen eigenen Weg geht die Hansen Rindermast GbR aus Wanderup. Die Brüder Jörn und Thies Hansen setzen neben den Viehhandel als Hauptgeschäft auf den Acker- und Futterbau auf 202 ha, davon 52 ha Grünland, in Kombination mit einer intensiven Rindermast. Intensiv bedeutet Tageszunahmen von 1.420 g ab einem Einstallgewicht von 270 kg.

Der Tierbestand gliedert sich in 320 Bullen und 50 Mastfärsen, daneben Mutterkühe und Zuchtfärsen. Hansens geht es um Effizienz. Die Rasse sei ihnen weniger wichtig, es müssten aber großrahmige Tiere sein. Die bunt gemischte Masttruppe wird zum größeren Teil aus Mecklenburg bezogen.

Der bestehende Kuhstall wurde kostengünstig für die Mast umgebaut. In einem Tretmiststall mit 200 Endmastplätzen fahren Hansens ein striktes Rein-Raus-System. Aufgestallt wird innerhalb von ein bis zwei Tagen, danach werde „nicht mehr rumgerührt“, erklärt Jörn Hansen. Dies wirke sich positiv auf den Krankheitsdruck aus. Ausgestallt wird in zwei Tranchen. Zuletzt kommen auch leichte Bullen auf den Viehwagen.

Das Futter wird einmal am Tag vorgelegt und basiert ganzjährig auf Maissilage, Futterstroh und Rapsextraktionsschrot. Ein Teil der Bullen wird nach den Kriterien der Haltungsstufe drei gemästet, andere rein nach QS-Standard. Aber auch hier geben Hansens den Tieren mit 4 m2 reichlich Platz – die Erfahrung lehre, dass dies Tierverluste verringere.

Thorsten Gimm erklärt seine betriebliche Strategie.
Michael Petersen wird von Kameras begleitet.
Friederike Lausen erklärt den Bereisungsgästen die Auswüchse der Bürokratie