Für das Aufgeben der Landwirtschaft erhalten Betriebe in den Niederlanden Geld vom Staat (Buy-out). Das Ziel sind weniger Nährstoffeinträge in die Umwelt. Wenn jedoch Landwirte, die einen zukunftsfähigen Betrieb ausbauen wollten, unter hohem gesellschaftlichen Druck von diesem Aufkaufprogramm Gebrauch machen, gibt das zu denken. Insbesondere, wenn sie danach sagen, dass sie endlich wieder ruhig schlafen können.
Auch in Deutschland sind Landwirtinnen und Landwirte „Überzeugungstäter“ und gehen nicht selten über körperliche und seelische Belastungsgrenzen hinaus. Neben einem starken familiären Zusammenhalt und einem guten Nachbarschaftsnetzwerk kann auch Politik unterstützen, indem sie durch Planungssicherheit Perspektiven aufzeigt und unternehmerische Freiheiten gewährt.
Sinnvoll ist beispielsweise ein Bestandsschutz von neu- oder umgebauten Ställen. Eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage würde helfen, Niedrigpreisphasen zu überbrücken. Viel wichtiger wäre aber noch die ernsthafte Umsetzung der vielen Dialogprozesse, die auf EU-, Bundes- und Landesebene in den vergangenen Jahren stattgefunden haben. Unter Schmerzen haben unter anderem Umwelt- und Bauernverbände gesamtgesellschaftliche Konsense erarbeitet, die von der Politik größtenteils ignoriert werden.
Leichte Vereinfachungen durch die EU-Omnibus-Verfahren, die Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückvergütung oder ein Zukunftspreis Landwirtschaft wirken wie Symbolpolitik, während Bäuerinnen und Bauern gleichzeitig penibel vorgeschrieben wird, wie sie Flächen zu bewirtschaften, Tiere zu halten und dabei die Umwelt zu schonen haben. Zählt eine exzellente agrarische Ausbildung wirklich so wenig? Oder ist vielleicht das ganze agrarpolitische Gebilde zu komplex geworden? Die Zahl der Fachleute in den Ämtern wächst, um die Regulatorik noch zu beherrschen und Kontrollen abzuleisten. Landwirtinnen und Landwirte können lediglich auf die Unterstützung ihrer Verbände zählen oder müssen fachliche Expertise zukaufen.
Die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der EU-Förderpolitik sehen derzeit nicht nach Vereinfachung aus – zumindest nicht für die Betriebe. Mit der Umsetzung des EU-Naturwiederherstellungsgesetzes drohen weitere Nutzungseinschränkungen und Bürokratieaufwuchs.
Die Landwirtschaft hat mehr Vertrauen verdient. Im Sinne der „Wir-Kampagne“ des Kieler Landwirtschaftsministeriums müssen Bäuerinnen und Bauern mehr einbezogen werden. Jüngstes Positivbeispiel ist die Einrichtung der Ostseebeiräte. Hier entscheiden die Betroffenen selbst, mit welchen Maßnahmen sie regionalspezifisch und produktionsintegriert am besten Nachhaltigkeitsleistungen erbringen können.
Ein flächendeckender Abbau der Landwirtschaft wie in den Niederlanden ist sicher nicht die Lösung. Das träfe den ländlichen Raum massiv und verlagerte die Produktion unter vermeintlich weniger nachhaltigen Bedingungen ins Ausland. Dass es auch anders geht, zeigt Schweden. Die Regierung in Stockholm will die Tierbestände je nach Art um 15 bis 25 % erhöhen und rund 340.000 ha bisher ungenutzter Flächen urbar machen – ein starkes Signal für die Landwirtschaft!
Vielleicht brauchen wir in Deutschland ein Staatsziel Ernährungssicherheit. Das würde die Landwirtschaft in Abwägung mit anderen Staatszielen stärken, und die Leistungen der Branche für die Gesellschaft hervorheben. Es sollen schließlich auch wirtschaftende Bäuerinnen und Bauern gut schlafen können.




