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Lebhaftes Käuferinteresse für Spitzenstämme der Saison

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Der wertmäßig insgesamt teuerste Stamm wird als „Bauer“ bezeichnet. Hier punktete in diesem Jahr bei der Submission Mitte Februar in Daldorf (Kreis Segeberg) ein Stamm aus dem Privatwald. Zwischen 230 und 240 Jahren alt dürfte die Eiche sein, die ihrem Besitzer 2.439 €/fm (Festmeter) gebracht hat. Diese Art des Holzverkaufes hat Tradition und wurde schon zum 54. Mal durchgeführt, 2026 mit sehr guten Ergebnissen.

Warum so alte Bäume überhaupt gefällt würden, wollte eine Journalistin bei der Verkündung der Ergebnisse wissen. Weil das Holz irgendwann nicht mehr zu verwerten sei und für gefällte Bäume wieder frische nachgepflanzt würden, erklärte Hans-Caspar Graf zu Rantzau das Prinzip der Nachhaltigkeit. Er zeigte einen Stamm, bei dem schon Fäule eingesetzt hatte und der nur ein Viertel des Preises brachte. Wirklich beurteilen kann man die Qualität erst, wenn die Bäume liegen, es lässt sich ja nun einmal nicht unter die Rinde gucken. Graf zu Rantzau ist Vorsitzender des Waldbesitzerbverbandes und war zufrieden mit der diesjährigen Submission. Dr. Manfred Quer, Geschäftsführer der Holzagentur (HOAG) und verantwortlich für den Verkauf des Holzes aus dem Privatwald, fasste zusammen: „Qualitativ gutes Holz wird auch in Krisenzeiten gut bezahlt.“

Besonderheiten wie dieser Baum mit Knolle sind für die Möbelindustrie interessant.
Fotos: Isa-Maria Kuhn

Beste Preise seit 27 Jahren

Für die von der HOAG repräsentierten Forsten wurde bei der Eiche ein Duchschnittswert von 797,68 €/ fm erzielt. Das ist der höchste Wert seit 27 Jahren. Als Gründe nannte Quer den frühen Termin, den Ukraine-Krieg und den Service auf dem Platz. Dort werde das Holz immer schneefrei gehalten, damit es begutachtet werden könne, und für die Kundengespräche stehe ein beheizbarer Bauwagen zur Verfügung. Was in Daldorf im Rahmen einer Gebotsabgabe in geschlossenen Umschlägen an die Meistbietenden geht, ist kein Brennholz, sondern überwiegend wertvolles Laubholz für Instrumente, Weinfässer oder die Möbelindustrie. Säge- und Furnierwerke aus ganz Deutschland und andere europäische Kunden kaufen hier im Norden. Das mag zunächst verwundern, ist Schleswig-Holstein doch nach wie vor das waldärmste Bundesland, aber wir hier oben kommen sehr gut voran mit dem Waldumbau und haben auch weniger Waldschäden als andere Regionen.

Dr. Manfred Quer (li.) und der Direktor der Landesforsten, Dr. Chris Freise, geben die Ergebnisse der diesjährigen Submission bekannt.

Fast 1.800 Festmeter verkauft

Angeboten wurden auf der Submission vor allem Eiche (855 fm), Esche (38 fm), Ulme (5 fm), Bergahorn (2 fm), Douglasie (157 fm) und Lärche (17). Das sind über 1.077 fm aus dem Privatwald. Hinzu kamen noch einmal 722 fm aus den Landesforsten. Bis auf einen Stamm wurde das Angebot restlos zugeschlagen. „Mit dem Ergebnis können wir rundum zufrieden sein“, zieht ebenso Holzvermarkter Thies Mordhorst von den Landesforsten eine positive Bilanz. „Die starke Beteiligung von 26 Bietern aus dem In- und Ausland unterstreicht die Attraktivität von Wertholz aus Schleswig-Holstein. Das ist eine Verdoppelung des Käuferinteresses im Vergleich zum Vorjahr.“

Der Service für die Interessenten mit beheizbarem Wagen für die Verkaufsgespräche wird unter anderem für den Erfolg der Submission verantwortlich gemacht.

Auch die Landesforsten stellten einen Spitzenstamm. Neben dem schon erwähnten „Bauern“ gibt es noch die „Braut“. Das Höchstgebot der diesjährigen Wertholzsubmissionen erzielte eine Eiche aus der Försterei Haale der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Mit dem höchsten Festmeterpreis von 2.869 €/fm ist dieser Stamm auf dem Lagerplatz Daldorf die „Braut“ der Submission. „Der Stamm ist einer der wertvollsten, den die Landesforsten in den vergangenen Jahren auf den Wertholzsubmissionen in Daldorf vermarkten konnten“, freut sich Revierförster Sören Reimers.

Eine Eiche aus der Försterei Haale der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. „Der Stamm ist einer der wertvollsten, den die Landesforsten in den vergangenen Jahren auf den Wertholzsubmissionen in Daldorf vermarkten konnten“, weiß Revierförster Sören Reimers.

Fazit

Die Lieferbetriebe der Privatforsten haben ein ­beeindruckendes schleswig-holsteinisches „Holzschaufenster“ mit herausragenden Highlights gezeigt. Dabei konnte ein sehr guter Umsatz von rund 730.000 € (2025: 694.000 €; 2024: 672.000 €; 2023: 582.000 €; zuzüglich Mehrwertsteuer) für den liefernden Privatwald eingefahren werden. Die Landesforsten zeigten sich ebenfalls zufrieden.

Beratungsstopp wegen Zoll-Wirrwarr

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Der Handelssauschuss im Europa­parlament wird die Arbeit an den Gesetzgebungsverfahren zum Abkommen zwischen der EU und den USA erneut aussetzen. Laut dem Ausschussvorsitzenden Bernd Lange haben sich die Verhandlungsführer des EU-Parlamentes darauf am Montag verständigt. In Deutschland reagierten Verbände der Agrarwirtschaft mit Zustimmung.

Der SPD-Politiker Lange begründete die Entscheidung mit der Unsicherheit, die sich infolge des Urteils des obersten US-Gerichtshofes vom Freitag vergangener Woche ergebe. Der Supreme Court hat die Zölle, die US-Präsident Donald Trump am von ihm so benannten „Liberation Day“ im vergangenen Jahr gegen US-Handelspartner erhoben hatte, für illegal erklärt. Laut Gericht hat Trump seine Befugnisse überschritten. Er hatte sich zur Begründung der Zölle auf einen Notstand im Rahmen des International Emergency Economic Powers Act berufen. Dem wollte eine Mehrheit der Richter allerdings nicht folgen.

Deal gebrochen

In Reaktion auf das Urteil kündigte Trump am Wochenende umgehend neue Zölle an: Auf einer alternativen rechtlichen Grundlage sollten ab sofort 15 % auf alle Importe in die USA erhoben werden, und zwar unabhängig von deren Herkunft und zunächst auf 150 Tage befristet. Danach müsste der US-Kongress einer Verlängerung zustimmen.

Laut dem Europäischen Parlament wird dieser neue Zollsatz auf den „Most Favoured Nation“-Zollsatz der Welthandelsorganisation aufgeschlagen. In der Folge würden Importe aus der EU mit einer Einfuhrabgabe von mehr als 15 % belegt, was nicht im Einklang mit dem ausgehandelten Abkommen mit den USA wäre.

„Dies steht im Widerspruch zu der Stabilität und Vorhersehbarkeit, die wir mit dem Turnberry-Deal erreichen wollten“, kommentierte Lange. Die Lage sei jetzt unsicherer denn je, weshalb man das Abkommen fürs Erste auf Eis legen müsse. Gleichzeitig machte er deutlich, dass eine Abstimmung über die Position des Handelsausschusses zum USA-EU-Deal nach wie vor angestrebt werde. Vorher brauche man aber „Klarheit und Rechtssicherheit“.

Keine Berechenbarkeit

Begrüßt wurde der Schritt des EU-Parlaments vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV). „Wir glauben an die transatlantische Freundschaft und den gegenseitigen Nutzen guter Handelsbeziehungen. Aber die von US-Präsident Donald Trump betriebene Zollpolitik ist aktuell wieder einmal geprägt von Willkür und Unberechenbarkeit“, erklärte DRV-Hauptgeschäftsführer Jörg Migende. Wenn die EU nun entschlossen reagiere, stehe auch der DRV hinter diesen Maßnahmen.

Das „Zoll-Tohuwabohu“ in Washington zeige laut Migende einerseits, dass Abkommen wie das zwischen der EU und dem Mercosur-Block einen „Akt der Vernunft“ darstellten, und andererseits, dass es sinnvoll sei, dass die Bundesregierung ihre Agrarexportstrategie weiter vorantreibe.

Ähnlich äußerte sich der Milchindustrie-Verband. Durch kurzfristige Zollerhebungen, Unsicherheiten und Unzuverlässigkeit würden eine auf Vertrauen basierende Handelsbeziehung infrage gestellt und vertragliche Kalkulationen immens erschwert, kommentierte der Verband.

Der Deutsche Agrarhandel (DAH) äußerte sich besorgt über die Entwicklungen. „Solange die US-Administration in rascher Folge neue Rechtsgrundlagen für Zölle heranzieht, fehlt die Planungssicherheit, die der internationale Agrarhandel dringend braucht“, kritisierte der Verband. Auch der DAH zeigt daher Verständnis für das Vorgehen des Handelsauschusses. „Bevor die EU ihre eigenen Zölle auf US-Waren auf null senkt, wie im Deal vorgesehen, muss Rechtssicherheit auf amerikanischer Seite bestehen“, erklärte der Verband. Laut dem DAH sei es zudem unter Experten umstritten, ob auch die neuen Zölle von 15 % einer juristischen Prüfung überhaupt standhalten. age

Fleischwirtschaft fordert Mindestquoten

EU-Freihandelsabkommen mit Australien

Vor dem Hintergrund der neuerlichen Gespräche über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien hat die Fleischwirtschaft des potenziellen Partnerlandes ihre Anforderungen an eine Vereinbarung verdeutlicht. Wie der australische Fleischindustrieverband (AMIC) und die Branchenorganisation Meat and Livestock Australia (MLA) kürzlich betonten, müsse aus ihrer Sicht ein bedeutender Zugang zum europäischen Markt für Rotfleisch geschaffen werden.

Konkret pochen AMIC und MLA auf Quoten für die zollbegünstigte Lieferung von mindestens 50.000 t Rindfleisch und 67.000 t Schaf- und Ziegenfleisch. Aus Sicht der Branchenorganisationen müsse sichergestellt werden, dass die australischen Erzeuger nicht schlechter wegkämen als ihre Konkurrenz in Brasilien, Kanada oder Neuseeland. Sollte das nicht der Fall sein, besteht zumindest aus Sicht der Fleischwirtschaft kein nationales Interesse daran, die Vereinbarung unter Dach und Fach zu bringen.

Die jüngsten Gespräche zwischen EU-Kommission und australischer Regierung waren in der vergangenen Woche ohne greifbares Ergebnis beendet worden. Es seien aber gute Fortschritte im Hinblick auf eine kleine Zahl noch offener Fragen erzielt worden, ließ die EU-Kommission verlauten. Aus dem Hintergrund war zu hören, dass neben der australischen Rindfleischquote auch die gegenseitige Anerkennung geografischer Herkunftsangaben noch für Differenzen sorge. 2023 war eine Einigung im letzten Moment geplatzt. Seinerzeit hatte Australien dies mit einem unzureichenden Zugang für seine Agrarprodukte zum EU-Markt begründet. age

Was beschäftigt Junglandwirtinnen und -landwirte?

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Die Frage, was junge Landwirtinnen und Landwirte beschäftigt, haben wir uns gestellt, als wir uns auf den Besuch des Umwelt- und Agrarausschusses des Landtages Schleswig-Holstein vorbereitet haben. Wir wollten den Mitgliedern des Ausschusses fünf Positionen unterbreiten, die deutlich machen, was sich auf landespolitischer Ebene ändern muss, damit die Junglandwirtinnen und Junglandwirte auch in Zukunft noch stolz Betriebe übernehmen und führen können.

Zur Strukturierung unserer Forderungen und Positionen haben wir sie in einem Positionspapier festgehalten. Dieses konnten wir im Anschluss dem Vorsitzenden des Umwelt- und Agrarausschusses, Heiner Rickers (CDU), übergeben. Von einer Delegation von fünf jungen Landwirtinnen und Landwirten, bestehend aus Laura Stolley, Sven Reimers, Nils von Spreckelsen, Mirco Engelbrecht und Tessa Nafziger, wurde die Landjugend repräsentiert. Am 11. Februar konnten wir zuerst einen Teil einer laufenden Debatte zum Thema Naturschutz verfolgen und anschließend selbst unsere Inhalte einbringen.

Wir als Landjugend Schleswig-Holstein machen in unserem Positionspapier deutlich, dass wir von der Landespolitik ein klares Bekenntnis zur Zukunft der Landwirtschaft erwarten. Wir betonen, dass unsere Generation täglich erlebt, wie politische Entscheidungen Betriebe prägen und wie sehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit fehlen.

Zentral ist unsere Forderung nach einer eindeutigen politischen Zusage, dass Landwirtschaft in Schleswig-Holstein als wichtiger Wirtschaftszweig gewollt ist. Dazu verlangen wir die Stärkung und Weiterentwicklung der Bildungsoffensive Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BiLEV), den Aufbau geförderter Netzwerke zwischen Produzenten und Verbrauchern sowie verbindliche Maßnahmen, die eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft bis mindestens 2050 sichern.

Mit Blick auf die Flächennutzung kritisieren wir, dass landwirtschaftliche Betriebe zunehmend in Konkurrenz zu Energie-, Infrastruktur- und Naturschutzprojekten geraten und dadurch Entwicklungsperspektiven verlieren. Wir fordern konsequenten Flächenschutz mit verhältnismäßigen Ausgleichsmaßnahmen, ein entschiedenes Vorgehen gegen außerlandwirtschaftliche Bodenspekulation und die Priorisierung bereits versiegelter oder minderwertiger Flächen für neue Projekte.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Hofübergabe als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft. Wir verlangen ein landesweit gebündeltes Coaching- und Beratungsangebot zur Hofnachfolge, finanzielle Unterstützung für junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die dieses nutzen, sowie rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen, die Übernahmen erleichtern, etwa Erleichterungen bei Betriebsdarlehen.

Deutlich sprechen wir auch die Rolle von Gesetzen als Innovationsbremse an. Wir fordern eine innovationsfreundliche Gesetzgebung, eine dauerhafte Innovationsklausel für die schnelle Einführung neuer Technik und Verfahren sowie eine gezielte Förderung von Bildungs- und Wissenstransferprojekten, damit Innovationen auf den Betrieben ankommen können.

In der Tierhaltung machen wir die Spannungen zwischen langfristigen Investitionen und kurzlebigen politischen Vorgaben deutlich. Wir verlangen verlässliche Übergangsfristen für bestehende Ställe, widerspruchsfreie Regelungen, die Tierwohl, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit zusammenbringen, sowie ein klares Leitbild der Landesregierung zur Tierhaltung 2050, das jungen Landwirtinnen und Landwirten Investitionssicherheit gibt.

Am Ende stellen wir klar, dass diese Forderungen nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern politisch umgesetzt werden müssen, damit junge Menschen Vertrauen in die Rahmenbedingungen entwickeln können. Wir signalisieren unsere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und machen deutlich, dass nun die Politik am Zug ist. Wir bedanken uns für ein produktives Gespräch auf Augenhöhe und freuen uns, die Gespräche weiter zu vertiefen, um Landwirtschaft in Schleswig-Holstein 2050 nicht nur möglich zu machen, sondern auch attraktiv zu gestalten.

Jagdrecht: Weg für Aufnahme des Wolfs geebnet

Die Koalition hat letzte offene Fragen zur Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht geklärt. Damit steht einem Abschluss der Ausschussberatungen des Gesetzentwurfs zur Änderung des Bundesjagdgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes am Mittwoch (nach Redaktionsschluss) nichts mehr im Wege. Beschlossen werden soll das Gesetz vom Bundestag in zweiter und dritter Lesung am 5. März. Der zweite Durchgang im Bundesrat ist für den 27. März geplant. Damit kann das Gesetz aller Voraussicht nach vor Beginn der diesjährigen Weidesaison in Kraft treten.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) bezeichnete die geplante Gesetzesnovelle als überfällig. Die Landwirtschaft brauche beim Wolf endlich Rechtssicherheit statt unverbindlicher Absichtserklärungen, mahnte DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet. Sie forderte, den Gesetzentwurf nachzubessern. Dazu zähle, dass eine Entnahme von Problemwölfen jederzeit und unabhängig von Schonzeit, Erhaltungszustand und Managementplänen möglich sein müsse. Notwendig sei zudem eine generelle Entnahmequote von 40 % des Wolfzuwachses. In Regionen, in denen Herdenschutz technisch oder wirtschaftlich nicht vertretbar sei, müsse sichergestellt werden, dass sich keine Wölfe ansiedelten. Schließlich dürften bei Rindern und Pferden Herdenschutzmaßnahmen nicht als Voraussetzung für Entnahmen dienen.

Grundsätzlich positiv wertet der Deutsche Jagdverband (DJV) die vorgesehenen Neuregelungen. Ausdrücklich begrüßt er, dass die Bundesregierung das seit Langem geforderte Zwei-Säulen-Modell aufgreife, ein wissenschaftlich fundiertes Bestandsmanagement durch Jagd sowie eine rechtssichere und schnelle Entnahme von Problemwölfen, die Nutztiere töten. „Die Rückkehr des Wolfes ist ein Erfolg für den Artenschutz“, betonte DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke in der Anhörung des Bundestagsernährungsausschusses am Montag in Berlin. Zugleich stelle sie die Jägerschaft in der dicht besiedelten Kulturlandschaft vor neue Herausforderungen. „Die Frage ist nicht, ob wir ihn managen, sondern wie“, sagte der Verbandspräsident.

Pionierin des Wandels in Schleswig-Holsteins Wäldern

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Wenn der Wind durch ihre Krone streicht, beginnen Tausende Blätter zu zittern. Die Zitterpappel, auch Espe oder Aspe genannt, ist ein Baum voller Bewegung. Doch nicht nur ihr Laub ist ständig in Aktion: Auch forstlich gewinnt diese lange unterschätzte Baumart zunehmend an Bedeutung. Als Baum des Jahres 2026, wir berichteten bereits, steht sie für Anpassungsfähigkeit, Dynamik und Neubeginn – Eigenschaften, die Schleswig-Holsteins Wälder im Klimawandel dringend benötigen.

Bei guter Pflege entwickelt die Aspe beachtliche astfreie Stammlängen.

Die Zitterpappel (Populus tremula) ist eine heimische Weidengewächsart und erreicht meist 15 bis 25 m Höhe. Sie wächst schnell, liebt Licht und kommt mit unterschiedlichsten Standorten zurecht – von sandigen Böden der Geest bis zu feuchteren Niederungen. Charakteristisch ist ihr abgeflachter Blattstiel, der die Blätter schon bei leichtem Wind in Bewegung versetzt. Im Herbst färbt sich die Krone leuchtend goldgelb. Ihr helles, leichtes Holz wird für Sperrholz, Verpackungen, Papier oder Spielzeug genutzt. Wirtschaftlich steht sie selten im Vordergrund, ihr ökologischer Nutzen ist jedoch hoch. In der Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins steht die Espe für Lebendigkeit und Erneuerung – besonders sichtbar in ihrer goldgelben Herbstfärbung an Waldrändern und Knicks. Als typische Pionierbaumart besiedelt die Zitterpappel offene Flächen nach Sturm, Käferbefall oder Kahlschlag. Über Samenflug und Wurzelbrut bildet sie rasch Jungbestände, die den Boden schützen und den Weg für nachfolgende Baumarten bereiten. Kaum eine heimische Baumart bietet so vielen Tierarten Lebensraum. Über 60 Schmetterlingsarten sind auf die Zitterpappel angewiesen, dazu zahlreiche Käfer, Wildbienen, Vögel und Fledermäuse. Alte Bäume mit Höhlen sind wertvolle Brut- und Rückzugsorte. Auch für den Boden ist die Espe wichtig: Ihr Laub zersetzt sich schnell, fördert die Humusbildung und verbessert die Nährstoffversorgung. Wo Zitterpappeln wachsen, entwickelt sich rasch eine vielfältige Kraut- und Strauchschicht – ein Motor für Biodiversität.

Helferin im modernen Waldbau

Nach Stürmen oder Käferkalamitäten entstehen häufig große Freiflächen. Hier kann die Zitterpappel als Vorwaldart dienen. Sie begrünt schnell, beschattet den Boden und hält Feuchtigkeit. In vielen Forstrevieren Schleswig-Holsteins wird sie daher gezielt erhalten, um später Eiche, Linde oder Hainbuche einzubringen. Im naturnahen Waldbau gilt Vielfalt als Schlüssel zur Stabilität. Die Zitterpappel ergänzt andere Laubbaumarten, ohne sie zu verdrängen. Ihr lichter Kronenaufbau lässt Sonne auf den Waldboden und fördert einen artenreichen Unterwuchs – besonders wertvoll an Waldrändern und in Übergangszonen. Als Vorwaldbaumart mildert sie Witterungsextreme für empfindliche Schattbaumarten der Schlusswaldgesellschaft. Auf sandigen Geestböden oder Rekultivierungsflächen wirkt die Espe als Bodenverbesserin. Ihr Wurzelwerk stabilisiert den Standort, ihre schnelle Beschattung reduziert Austrocknung und vermeidet die Verkrautung des Waldortes. Auch in Knicks, Windschutzstreifen und an Wegen leistet sie wertvolle Dienste.

Gegen Klimawandel gewappnet

Stürme, Trockenheit und Schädlingsbefall setzen Schleswig-Holsteins Wälder auch zukünftig unter Druck. Gleichförmige Bestände, insbesondere aus Fichte oder Buche, reagieren zunehmend empfindlich. Die Zitterpappel zeigt sich dagegen robust: Sie verträgt Frost wie Hitze, kommt mit Trockenphasen zurecht und regeneriert sich schnell. Damit ist sie eine wichtige Baumart im klimaangepassten Waldumbau. Auf geschädigten Flächen stabilisiert sie Böden, reduziert Erosion und schafft ein günstiges Mikroklima für standortgerechte Folgebaumarten. Die Zitterpappel ist kein Baum für den Dauerbestand, sondern für den Übergang – genau darin liegt ihre Stärke. Sie ist eine unterschätzte Partnerin im Waldumbau. Sie verbindet Anpassungsfähigkeit, Biodiversität und praktische Forstwirtschaft. Die Zitterpappel ist also ein aktiver Helfer. Sie sollte unbedingt in den Kulturen belassen werden, sofern sie nicht die Kulturpflanzen zu stark verdämmt. Als Baum des Jahres 2026 erinnert die Espe, Aspe oder Zitterpappel daran, dass Erneuerung kein Verlust ist, sondern Voraussetzung für stabile Wälder der Zukunft.

Praxis-Tipps für Waldbesitzende

Standort: sonnig, offen, frische bis mäßig trockene Böden

Verjüngung: natürliche Wurzelbrut fördern, Pflanzung meist nicht nötig

Mischung: gut geeignet mit Birke, Eberesche, Traubeneiche, Buche

Pflege: Konkurrenzbewuchs in der Jugend regulieren

Wildschutz: Verbissgefahr beachten, gegebenenfalls Einzelschutz einsetzen

Engagement, das bewegt

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Verantwortung übernehmen, den eigenen Verein mitgestalten und Gemeinschaft aktiv leben: Mit diesen Zielen nahmen 20 Frauen am Seminar „Rund um die Vereinsarbeit“ in Rendsburg teil. Die Veranstaltung richtete sich an neue sowie zukünftige Vorstands-mitglieder der LandFrauenortsvereine und bot eine praxisnahe Einführung in die vielfältigen Aufgaben der Vorstandsarbeit.

Ein Vorstandsamt in einem Ortsverein ist ebenso verantwortungsvoll wie abwechslungsreich. Von der Organisation von Veranstaltungen über Mitgliederbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu rechtlichen und organisatorischen Fragen – die Aufgaben sind breit gefächert. Gleichzeitig eröffnet das Ehrenamt große Gestaltungsspielräume. Vorstandsmitglieder prägen das Vereinsleben maßgeblich und setzen Impulse für neue Projekte und Angebote.

LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen gab Einblicke in die Verbandsstrukturen. 

Gerade vor einer Wahl oder im ersten Amtsjahr bestehen jedoch häufig Unsicherheiten. Viele Engagierte fragen sich, ob sie über ausreichend Erfahrung und Wissen verfügen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Das Seminar setzte genau an diesem Punkt an. Es vermittelte grundlegende Kenntnisse zur Vereinsführung, informierte über Strukturen und Zuständigkeiten innerhalb der LandFrauenvereine und bot Raum für Fragen und persönlichen Austausch.

Einblick in Strukturen

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vernetzung innerhalb der Organisation. Präsidentin Claudia Jürgensen erläuterte zudem anschaulich die Struktur der LandFrauen auf Bundes-, Landes- und Ortsebene und verdeutlichte das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen. Der Austausch und die praxisnahen Informationen wurden von den Teilnehmerinnen sehr positiv aufgenommen. Das Seminar leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements und zur Unterstützung zukünftiger Vorstandsmitglieder in den Ortsvereinen. Die Veranstaltung machte deutlich: Niemand muss alle Aufgaben von Beginn an perfekt beherrschen.

Ehrenamt stärken

Vielmehr wächst man mit der Verantwortung – unterstützt durch Fortbildungsangebote, ein starkes Netzwerk und den Rückhalt innerhalb der LandFrauenorganisation. Mit Seminaren wie diesem leisten die LandFrauen in Schleswig-Holstein einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Ehrenamtes. Denn engagierte Vorstandsarbeit ist eine zentrale Voraussetzung für lebendige Ortsvereine und eine zukunftsfähige Verbandsarbeit. Das Seminar in Rendsburg zeigte eindrucksvoll, wie Motivation, Information und Gemeinschaft zusammenwirken können, um Frauen für verantwortungsvolle Aufgaben zu gewinnen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Weizen mit Krisenbonus

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Die Weizenkurse an der Euronext in Paris beendeten die vorige Woche mit einer Preisrallye. Die Schlusskurse notierten nahe der Grenze von 200 €/t. Dieses Niveau wurde zuletzt Anfang November des vorigen Jahres erreicht. In Chicago zeigte sich die Preisrallye noch etwas ausführlicher, hier wurde das Kursniveau von Ende Juli wiedererlangt. Auch auf Großhandels­ebene kam es bereits Ende voriger Woche zu leichten Steigerungen. Dadurch befinden sich auch die Erzeugerpreise zu Wochenbeginn in einer Phase des Aufwinds.

Iran-Konflikt treibt die Rohstoffmärkte

Der Grund für diese relativ spontane Preisrallye liegt hauptsächlich in den ebenso sprunghaft angestiegenen Rohstoffmärkten. So notierten die Rohöl-Leitsorten im Durchschnitt erstmals seit Anfang August vorigen Jahres wieder über der Marke von 70 US-$/bbl. Die Rohstoffmärkte reagieren damit auf den sich weiter zuspitzenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits öfter angenommen wurde, dass ein Militärschlag unmittelbar bevorstehe, scheint diese Gefahr nun akuter denn je. Entsprechend hoch fallen die aufgeschlagenen Risiko- und Ausfallprämien aus. Der Iran hat die Sperrung der für den internationalen Handel enorm wichtigen Straße von Hormus im Rahmen einer Militärübung bereits geprobt. Dieser krisenbedingte Anstieg im Rohstoffbereich hat die Weizenkurse international mit nach oben gerissen. Aber auch die ergebnislosen Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg gaben dem Weizen über den Rohstoffsektor weiteren Rückenwind. Durch die am vorigen Wochenende gestartete Verhandlungsoffensive des Iran gerieten die Weizenkurse dann zu Wochenbeginn wieder etwas unter Druck, konnten sich aber trotzdem auf einem etwas höheren Niveau halten.

Impulse vom Wettermarkt

Erneut zeigt sich aber auch, dass die Weizenkurse nicht nur von internationalen Krisen profitieren, sondern dass die Kursnotierungen sich besonders zu dieser Jahreszeit auch gern durch Wettermeldungen beeinflussen lassen. So war diese Preisrallye nicht nur krisen-, sondern auch wettergestützt. Man befürchtet in den USA, dass sich dort sowohl Trockenheits- als auch Frostschäden in wichtigen Anbauregionen negativ auf die Weizenerträge auswirken könnten. Aber auch die heftigen Niederschläge, die im Westen Frankreichs zu teils starken Überschwemmungen führten, haben dafür gesorgt, dass die Zustandsbewertungen der französischen Getreidebestände deutlich nach unten korrigiert wurden. Allerdings reagierten die Weizenkurse in Chicago deutlich ausgeprägter auf die aktuelle Gemengelage als die Kurse in Paris. Hier wirken sich die aktuelle Zollentscheidung des obersten Gerichtshofs in den USA und die anschließende pauschale „Zollkeule“ des US-Präsidenten Donald Trump nachteilig auf den europäischen Weizen aus.

Dies zeigt zum wiederholten Mal, wie empfänglich die Weizenkurse in dieser Jahreszeit für Impulse aus jeglicher Richtung sind. Es zeigt allerdings auch, wie kurzfristig diese Impulse oft sind und dass sie daher trotz deutlicher Reaktionen an den ­Warenterminmärkten häufig nicht bis auf die Erzeugerebene durchschlagen. Es ist abzuwarten, ob diese Wettermeldungen Bestand haben und sich somit auch (endlich) einmal negativ auf die globalen Endbestände auswirken. Entscheidend bleiben nach wie vor eine genaue Marktbeobachtung und gegebenenfalls eine schnelle Vermarktungsentscheidung.

BUND-Kritik am Pflanzenschutz widerlegt

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat einen Faktencheck zum Mangel an Pflanzenschutzmitteln in Deutschland veröffentlicht und spricht von einer stabilen Zahl an Wirkstoffen. In der Praxis sieht die Welt anders aus. Wir sprachen mit Helge Treuherz, verantwortlich für die Fachbereiche Pflanzenschutz und Getreidesaatgut, Trede & von Pein GmbH.

Der BUND behauptet in einem aktuellen Papier, die Zahl der verfügbaren Wirkstoffe in Deutschland sei über die letzten zwei Jahrzehnte stabil geblieben. Wie bewerten Sie diese Aussage?

Ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Papiere immer wieder erstaunen, da sie in vielen Punkten schlicht schlecht recherchiert sind. Sie spiegeln die Praxis nicht oder nur bedingt wider. Es wird oft mit einer vermeintlichen Wirkstoffvielfalt argumentiert, die aber nur die halbe Wahrheit ist.

Schauen wir uns das beim Weizen an: Im Januar 2021 hatten wir 42 zugelassene fungizide Wirkstoffe in der BVL-Datenbank; im Januar 2026 waren es nur noch 36. Das ist bereits ein Nettoverlust von sechs Wirkstoffen. Wenn man diese 36 verbliebenen Stoffe weiter aufdröselt, fallen vier biologische Wirkstoffe und drei Beizmittel heraus. Rechnet man Wirkstoffe ab, die gar nicht vermarktet werden oder im konventionellen Anbau wie Schwefel keine Rolle spielen, landen wir bei gerade einmal 26 Wirkstoffen netto. Das ist nicht viel.

Der BUND verweist auf die hohe Zahl der zugelassenen Pflanzenschutzmittel. Suggeriert das nicht doch eine enorme Auswahl?

Genau das ist der Punkt: Es wird eine Vielfalt suggeriert, die faktisch nicht existiert. Nehmen Sie den Wirkstoff Azoxystrobin: Dafür gibt es 53 verschiedene Handelspräparate. Am Ende ist es aber überall das Gleiche. Von echter Vielfalt kann da keine Rede sein. Wir erleben einen ständigen Verlust an echten Wirkmechanismen, während neue Wirkstoffe nur extrem selten um die Ecke kommen. Dass der BUND hier von Stabilität spricht, ist wohl eine Frage der statistischen Interpretation, die an der Realität der Landwirte vorbeigeht.

Ein weiteres Argument des BUND ist das Verbot der Neonicotinoide. Trotz der Warnungen vor Ertragseinbrüchen bei Mais und Zucker gab es Rekordernten. Hat die Fachwelt hier umsonst gewarnt?

Bei Mais und Zuckerrüben mag sich das Verbot weniger drastisch ausgewirkt haben. Aber schauen Sie sich den Raps an – dort erleben wir einen deutlichen Rückgang der Erträge. Wenn der BUND den Raps in seiner Argumentation ausspart, vermittelt das ein falsches, vielleicht sogar bewusst einseitiges Bild.

Zudem muss man eines klarstellen: Rekordernten werden nicht durch Pflanzenschutzmittel gemacht, sondern durch die Natur selbst. Pflanzenschutz kann, wie ich es schon im Studium gelernt habe, lediglich Ertragsverluste verhindern, aber keine Erträge steigern. Dieser Grundsatz gilt unverändert. Wenn die Natur uns eine Missernte beschert, kann auch die Chemie das nicht retten.

Oft werden Dänemark oder die Niederlande als Vorbilder genannt, die mit deutlich weniger zugelassenen Mitteln teilweise höhere Erträge erzielen. Können wir von den Nachbarn lernen?

Dieser Vergleich hinkt an mehreren Stellen. Dass die dänischen Erträge generell höher seien als im norddeutschen Raum, wage ich zu bezweifeln. Und die Niederlande sind ein Spezialfall: Dort dominieren Tulpen, Zwiebeln und Sonderkulturen, bei denen massiv mit Notfallzulassungen und betrieblichen Genehmigungen gearbeitet wird. Wir dürfen nicht vergessen, was passiert, wenn kein wirksamer Schutz möglich ist.

Die Geschichte zeigt uns mit der Kraut- und Knollenfäule in Irland im 19. Jahrhundert, was Totalausfälle bedeuten. Ohne Pflanzenschutz ist eben nicht alles besser. Die Ernährungssicherheit ist ein hohes Gut.

Sie erwähnen den Ökolandbau als Partner, von dem man lernen kann. Wir müssen uns definitiv mehr Kooperationen aneignen. Aber man muss auch ehrlich bleiben: Die größten Player im ökologischen Kartoffelanbau sind Kupfer und Schwefel. Auch dort gibt es mittlerweile Minimierungsstrategien. Das zeigt: Auf der anderen Seite ist das Gras nicht unbedingt grüner.

Ein kritisches Thema ist der Wegfall bewährter Wirkstoffe wie Flufenacet. Wie bewerten Sie das?

Flufenacet ist der tragende Baustein der Gräserbekämpfung im Getreide. Wir suchen seit Jahren nach Alternativen, aber die Rechnung ist erschreckend: Ein Landwirt, der bisher für 100 ha Weizen etwa 60 l eines flufenacethaltigen Mittels benötigt hat, wird in Zukunft für die gleiche Fläche 300 bis 400 l anderer Mittel einsetzen müssen. Ob das im Sinne des Umweltschutzes ist, ziehe ich stark in Zweifel.

Den Schritt des Verbots kann ich fachlich nicht nachvollziehen, da es sich um ein Bodenherbizid handelt, das bis zur Ernte längst abgebaut ist. Wenn ein Mittel über 20 Jahre sicher im Gebrauch war, ist schwer zu begründen, warum es plötzlich seine chemischen Eigenschaften so verändert haben soll, dass es untragbar wird.

Was halten Sie von Forderungen nach einer Pestizidabgabe und einer Anwendungsbeschränkung auf „Notfälle“?

Das halte ich nicht für zielführend. Wer definiert den Notfall? Innovationen entstehen nicht in einem engen Korsett, sondern durch fachliche Begleitung und Offenheit. Eine engmaschige Kontrolle ist zu begrüßen, aber sie muss fachgerecht sein. Heute dauert das Prozedere bei Zulassungen so lange, dass die Zahl der Notfallzulassungen explodiert. Selbst Fachleute wie ich haben Mühe, da noch den Überblick zu behalten.

Welche Technologien könnten den chemischen Pflanzenschutz in Zukunft entlasten?

Die größten Chancen sehe ich bei CrispR/Cas. Es ist ein Widerspruch, weniger Pflanzenschutz zu fordern und zugleich neue Züchtungsmethoden zu verhindern. Robotertechnik sehe ich eher im arbeitsintensiven Gemüsebau, da uns dort schlicht das Personal fehlt.

Spotspraying ist ein toller Ansatz, um gezielter zu arbeiten, wird aber noch fünf bis sieben Jahre brauchen, bis es Stand der Technik ist. Bei Biostimulanzien wurde leider zu viel versprochen. Sie können den chemischen Pflanzenschutz nicht ersetzen, sondern nur flankieren. Eine gestärkte Pflanze steckt kleine Probleme leichter weg, aber gegen eine echte Epidemie hilft das nicht.

Was würden Sie den Kritikern vom BUND gern mitgeben?

Ich würde mich freuen, wenn man vor Veröffentlichungen mit den Betroffenen spricht. Ich lade den BUND herzlich zum offenen Austausch ein, um die Praxis kennenzulernen, mit der wir täglich zu tun haben. 

Die Natur kennt keine Nulltoleranz

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Natur ist wunderschön und verstörend brutal. Natur ist verschwenderisch und darin äußerst effizient. Was Natur nicht hat, ist eine Nulltoleranz. Es widerspricht den Gesetzen der Natur, auf feste Grenzwerte, möglichst Nulltoleranzen zu setzen. Denn Natur ist ein Kompromiss, oft ein erkämpfter und auf jeden Fall ein instabiler. Schon morgen können sich Umstände ändern, die Kompromisslinie verschiebt sich. Es ist alles im Fluss.

Und hier kommen die Büro-Naturschützer ins Spiel: Landwirtschaft ohne „Pestizide“, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) es in seinem „Faktencheck“ fordert, weil diese gefährlich seien und nicht benötigt würden? Die Natur widerspricht. Gerade Pflanzen setzen auf art­eigene Gifte, weil sie keine Beine haben und vor Insekten oder Pilzsporen nicht weglaufen können. Die Faktenlage klärt Pflanzenschutzexperte Helge Treuherz im Interview.

Kompromisse überall – nur nicht bei den meinungsstarken NGO. Der BUND fordert eine „Pestizidabgabe“ und die Beschränkung des chemischen Pflanzenschutzes auf Notfälle. Der Ausbau des Ökolandbaus ist eine weitere Forderung. Diese wird allerdings nicht durch stete Wiederholung Wirklichkeit, sondern durch Kunden, die kaufen. Doch ob die Ware absetzbar ist, interessiert den BUND nicht. Er handelt nach dem Motto: Wer nur einen Hammer als Werkzeug hat, der behandelt jedes Problem als Nagel. Es ist der beliebte Tanz um die Nulltoleranz.

Bewusst unterschlagen wird, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Gefahr und dem Risiko. In einfachen Worten: Es wäre gefährlich, einem Tiger im Park zu begegnen. Das Risiko geht zum Glück gegen null. Leider ist Risikobewertung kein Lehrfach beim BUND. Starre und damit einfache Forderungen sprechen entweder für intellektuelle Faulheit oder große Geldgier. Sie füllen das eigene Portemonnaie, aber widersprechen der Natur. Sie helfen dem Menschen, Kontrolle auszuüben. Und das ist in Maßen und von den richtigen – staatlichen – Institutionen in Ordnung!

Es wirkt wie Ironie, wenn der BUND Forderungen gegen Umwelt und Natur erhebt. Aber es stellt den Landwirt vor ein unlösbares Dilemma: Das eine soll er nicht – das andere kann er in der Praxis nicht. Die Büro-Naturschützer melden sich gern mit einfachen Rezepten zur Verbesserung der (Um-)Welt. Sie sollten zweierlei bedenken:

Die Natur macht immer noch die strengsten Gesetze. Wer dauerhaft den Boden malträtiert, der schießt sich schließlich aus dem Rennen.

Es gibt einen weiteren Bereich, gegen dessen Gesetze man besser nicht handelt: den Markt, also wir alle. Wir strafen schlechte Qualitäten ebenso ab wie hohe Kosten und kaufen am Ende Brotgetreide im Ausland.

Es bleibt der beste Kompromiss, denen, die der Natur täglich unsere Lebensmittel abringen, mehr Vertrauen entgegenzubringen – damit sie ihre Aufgabe noch besser erledigen. Das Wissen, das Können und das Wollen sind da; es braucht das Dürfen.

Vier Künstlerinnen, vier Orte, vier Positionen

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Frisch ausgezeichnet mit dem Gütesiegel „Zertifiziertes Museum“ (Ausgabe 6) startet die Herbert-Gerisch-Stiftung in Neumünster in das neue Ausstellungsjahr und feiert Jubiläum: Anlässlich des 25-jährigen Bestehens hat die Stiftung für 2026 ein besonderes Jubiläumsprogramm zusammengestellt – bei freiem Eintritt für das gesamte Jahr, außer für Veranstaltungen.

Gemälde von Inge Pries
Foto: Iris Jaeger

Bis zum großen Jubiläumsfest am 10. Mai ist es noch etwas hin, doch bleiben die Ausstellungsräume bis dahin nicht leer. Mit vier Künstlerinnen aus Neumünster und der weiteren Umgebung beginnt das Jubiläumsjahr mit einer spannenden Ausstellung, die auch räumlich an vier Orten auf dem Stiftungsgelände stattfindet: in der Villa Wachholtz, der Remise, in der Galerie und im Souterrain. Mit Inge Pries, Anja Kowalik, Kristin Grothe und Monika Rathlev habe man vier Ausstellerinnen, die unterschiedlicher in ihrer Kunst nicht sein könnten. Und doch sei es gelungen, deren Positionen in einer Ausstellung zusammenzuführen, erklärte die Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Brigitte Gerisch-Hölk, bei der Vorstellung des Jahresprogrammes. „25 Jahre Herbert-Gerisch-Stiftung sind ein lang gelebtes Leben, und doch erscheint es uns allen hier, die über die Zeit mitgeholfen und mitgewirkt haben, wie ein einziger Tag“, so Gerisch-Hölk. Ihrem 2016 verstorbenen Mann sei es zu verdanken, dass er seinerzeit mit Ende 70 den Mut und die Idee gehabt habe, eine Stiftung zu gründen, mit Fokus auf Skulpturen und zunächst internationaler Ausrichtung, blickte Brigitte Gerisch-Hölk auf die Stiftungsjahre zurück.

Stoffcollage von Anja Kowalik
Foto: Iris Jaeger

2001 wurde die Stiftung gegründet. Fachlich begleitet durch Prof. Herwig Guratzsch und Prof. Christoph Brockhaus entstand der erste Teil des Skulpturenparks im privaten Garten des Stifterpaares. Im Laufe der Jahre wurden die Villa Wachholtz und der Harry-Maasz-Garten restauriert, der zeitgenössische Skulpturenpark integriert und mit Pfauenhaus, der Remise, dem roten Bungalow, dem Souterrain und der Galerie-Terrasse weitere Ausstellungsflächen für Wechselausstellungen, Leihgaben, Neuanschaffungen und Schenkungen geschaffen. Im vergangenen Jahr wurden 500 m2 Gelände an der Schwale zugekauft. Gekrönt wurde die Stiftungsarbeit mit der vor Kurzem erfolgten Zertifizierung. Aktueller Stand: 41 Künstler mit einem Skulpturenbestand von 53 Arbeiten im Außenbereich, international, aber auch regional: „Die Arbeit in den vergangenen Jahren hat uns gezeigt, wie wichtig auch die regionale Kunst für uns und für die Menschen, die hier leben, ist“, so die Vorstandsvorsitzende. In der aktuellen Ausstellung „4 Orte – 4 Positionen“ sei es gelungen, vier regionale Künstlerinnen und deren verschiedene gestalterische Positionen zu vereinen und ihnen durch die Zuweisung von vier verschiedenen Gebäuden dennoch einen individuellen Raum zu bieten, in dem sie sich frei entfalten und die Arbeiten präsentieren könnten.

Arbeit von Kristin Grothe
Foto: Iris Jaeger

In der Villa sind die Arbeiten von Inge Pries zu sehen – zum Teil großformatige Gemälde, die sich zwischen Erinnerung und Imagination bewegen. In ihren Werken verarbeitet Pries Gesehenes, Realität und Gegewart mit Fantasie und Fiktion und verknüpft sie mit Bezügen zur Kunstgeschichte und kunsthistorischen Darstellungen. In dünnen Ölfarblasuren trägt sie auf, übermalt, erinnert, verarbeitet und spielt mit Licht, Form, Farben. Natur und Tiere spielen ebenso eine Rolle wie Kleidung. Ihre Bilder wirken oft mythisch, mystisch mit zum Teil surrealistischen Elementen.

Einen Raum der Stille hat Anja Kowalik in der Remise geschaffen. Neben Stoffcollagen und Gemälden steht ihre raumgreifende Installation im Mittelpunkt. Mit Bezug zum Frauentag widmet sie sich der Frage: „Was benötigen wir Frauen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Wie gelingt Transformation und das Lösen aus vorgegebenen Strukturen?“. Die verwendeten Stoffreste verweisen auf Tradition, Geschichte, Fürsorge und weibliche Handarbeit. Die Collagen enthalten gebrauchte Materialien und haben einen persönlichen Bezug zu ihr und ihrer Mutter. Die in den Stoffen befindlichen Flecke hat sie mit Fineliner nachgezeichnet und die Fragmente in Bildern neu zusammengesetzt. Die für die Rauminstallation aus Laken gewonnenen Stoffschnüre hat sie in ein Drahtgeflecht gearbeitet, das einerseits Halt und Haltung gibt, andererseits wie ein Korsett einengen kann. Sie lädt die Besuchenden zu einem Dialog über Rollenbilder, Verbundenheit und die Kraft der Transformation ein.

Zeichnung von Monika Rathlev
Foto: Iris Jaeger

Kristin Grothe hingegen beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit dem Verhältnis von Architektur, Landschaft und Zeit. Sie sind in der Galerie zu sehen. Es ist ein Wechselspiel von Raum und Tiefe, Zerstörung und Harmonie. Grothe arbeitet negativ: Anstatt Farbe aufzutragen, trägt sie die zuvor aufgebrachte oder gedruckte Farbe wieder ab, mit Schleifpapier oder Cutter. An einigen Stellen fügt sie Linien wieder mit Fineliner hinzu, schafft Perspektiven und Tiefe mit Kreide. Das Radieren und das Zerstören des Büttenpapiers hinterlassen einzigartige Spuren und Strukturen, Grafiken, die den Blick einfangen und in die Tiefe ziehen.

Monika Rathlev fühlt sich wohl im Souterrain. Dort hat sie einige Jahre Malunterricht gegeben. Jetzt zeigt sie hier an einer Wand aufgereiht ihre gezeichneten Momentaufnahmen von 2023 bis 2025. „Die habe ich bewusst auf dem kleinen Format gezeichnet, um den Blick auf das Wesentliche zu schärfen und weil sie meine Stimmungen in diesen Momenten widerspiegeln.“ An der gegenüberliegenden Wand sind ihre computergenerierten Zeichnungen zu sehen, die sie mit Stift auf einem Computer-Pad zeichnet und dann als Fine-Art-Drucke auf Büttenpapier präsentiert. Darin verbindet sie traditionelle Abstraktionen mit zeitgenössischer Bildsprache.

Weitere Informationen zu der Ausstellung und den kommenden Veranstaltungsterminen unter www.gerisch-stiftung.de

Anja Kowalik
Foto: Iris Jaeger
Kristin Grothe
Foto: Iris Jaeger
Monika Rathlev
Foto: Iris Jaeger
Inge Pries
Foto: Iris Jaeger
Radiertes Büttenpapier
Foto: Iris Jaeger
Gemälde von Inge Pries
Foto: Iris Jaeger
Zeichnung von Monika Rathlev
Foto: Iris Jaeger