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„Wir machen vielen Menschen eine Freude“

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Sie ist 9 m lang, 3 m breit und hat eine mechanisch bedienbare Frontklappe. Sie ist mit einem 18-PS-Innenbord-Diesel ausgestattet, ergänzt um einen 2014 installierten Elektroantrieb. Die Bargener Fähre mit Anlegern in Erfde/Bargen, Kreis Schleswig-Flensburg, und Delve/Schwienhusen, Kreis Dithmarschen, befördert von Mai bis September Fußgänger und Radfahrer über die an der Stelle 108 m breite Eider. Damit ist sie nicht nur eine einzigartige Touristenattraktion mit wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung für das Eider-Treene-Sorge-Gebiet – sie verbindet Regionen und Menschen. In diesem Jahr feiern sie und der Verein Bargener Fähre 25-jähriges Bestehen mit gesonderten Jubiläumsveranstaltungen.

Uwe Paulsen, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Verein Bargener Fähre, hält das Ruder fest in der Hand. Foto: Iris Jaeger

Dazu gehörte auch vor Kurzem der Fähr-Cup, ein Wettrennen mit rein muskelbetriebenen Wasserfahrzeugen unter der Leitung von Fährmann Jochen Gosch. Sieben Teams mit Tret- und Ruderbooten, Stand-up-Paddleboards und Faltkajaks gingen an den Start und lieferten sich ein spannendes Rennen, begleitet von der Fähre mit Regatta-Publikum an Bord. Nicht die Schnellsten, aber definitiv Hingucker waren der handgefertigte Einbaum sowie ein mit Büffelleder bezogenes Kajak des Steinzeitparks Dithmarschen in Albersdorf. „Aber eigentlich gab es auch gar keine Verlierer bei dem Rennen“, berichtet Uwe Paulsen, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Fährverein, von der Spaßveranstaltung. Alle Boote erreichten die Zielmarke und wurden mit einem Präsent belohnt. Der Fährvereinsehrenvorsitzende Claus Hansen hatte aus Feldsteinen und Metallstangen Fische als Gartenstecker hergestellt.

Bereits vor einigen Jahren habe es hier ein kleines Wettrennen gegeben unter der Überschrift „Steinzeit trifft Neuzeit“, in dem zwei Kollegen vom Fährverein gegen ein Team des Steinzeitparks Dithmarschen mit Museumspädagoge und Experimentalarchäologe Werner Pfeifer antraten. „Leider war der Einbaum für zehn Personen nicht so geeignet und fing nach einigen Metern an, vom Bug her vollzulaufen, sodass die Besatzung das Boot verlassen musste“, erzählt Paulsen von den Anfängen der Begegnung. Es habe dann auch einen Gegenbesuch im Steinzeitpark gegeben. Daraus entstand eine Art Freundschaft und Tradition, die über das Jubiläum hinaus beibehalten werden soll.

Ein Hingucker beim Fähr-Cup war der Einbaum des Steinzeitparks Dithmarschen. Foto: privat

Am 1. Mai startete die 25. Fähr- und Jubiläumssaison mit einem feierlichen Empfang im Stapelholm Huus in Bargen. Neben dem Fähr-Cup sorgten das Mittsommernachtskonzert sowie „Rock an der Fähre“ für einzigartige Jubiläumsmomente. Am vergangenen Wochenende fand ein gemeinsamer, flussübergreifender Gottesdienst der Kirchengemeinden Delve und Erfde mit zwei Taufen am Fähranleger in Bargen statt. Für Gänsehautmomente dürften auch am 15. August die „Hörnerklänge über die Eider“ sorgen, wenn Jagdhornbläser aus Dithmarschen und Stapelholm auf beiden Seiten der Eider musizieren, bevor die Dithmarscher dann mit der Fähre über die Eider nach Bargen zum feierlichen Ausklang geholt werden.

Im Oktober werden die Höhepunkte des Jubiläumsjahres, des Vereins und der Fähre sowie der Veranstaltungen in dem Film „25 Jahre Fährverein Bargener Fähre“ zu sehen sein, den ein Filmklub ehrenamtlich zusammengestellt hat: „Der wird dann in Erfde in Rahn‘s Gasthof der Öffentlichkeit präsentiert und stellt einen würdigen Abschluss der Saison dar“, ist sich Uwe Paulsen sicher. Aber auch ohne Jubiläum wird den Fährleuten in der Saison nicht langweilig. Uwe Paulsen zeigt den Terminkalender für Juli und August – alle Tage sind mit einem grünen oder roten Balken hinterlegt. „Rot sind die Querfahrten, und Grün sind die Längsfahrten“, so Paulsen.

Die Fähre ist in den Sommermonaten gut ausgebucht. Foto: Iris Jaeger

In der Saison quert die Fähre die Eider von Bargen nach Delve und zurück immer sonnabends und sonntags von 10 bis 19 Uhr und setzt dabei Radfahrer und Fußgänger über. Die Fähre ist aufgrund ihrer Bauart zudem behindertengerecht ausgelegt und kann auch Rollstuhlfahrer mitnehmen. Unter der Woche und auch an Wochenenden finden Thementouren in Längsfahrt auf der Eider statt, beispielsweise die Naturerlebnisfahrten, Mondscheintouren, Dämmerungsfahrten, Schleusentouren oder aber auch eine Sternschnuppentour am 12. August. „Und dann haben wir ja auch noch Hochzeiten an Bord, denn wir sind anerkannte Außenstelle der Standesämter Amt Eider und Amt Kropp-Stapelholm“, erklärt Paulsen.

25 Personen haben Platz auf der Fähre. Für größere Gruppen bietet der Verein auf Anfrage „Fähre und Wagen“ an. Die Gruppe werden dann geteilt, ein Teil fährt auf der Fähre bis zu einem Hof im Delver Koog, der andere Gruppenteil folgt in einem von einem Oldtimer gezogenen Planwagen. Auf der Rücktour wird dann getauscht. „So erleben die Mitfahrenden die Natur und Landschaft sowohl an Land vom Planwagen aus sowie auf dem Wasser auf der Fähre. Das ist richtig schön und gefällt allen immer sehr. Wir machen vielen Menschen damit eine Freude“, so Paulsen. Und das sei etwas, das die vielen Ehrenamtler auch bei der Stange halte, „nach jeder Fahrt dieses Feedback und Lob zu bekommen, das freut alle und motiviert zum Weitermachen“.

350 Mitglieder zählt der Verein, davon sind 24 ehrenamtlich als Fährmänner und -frauen tätig, die für das Fahren der Fähre eine Prüfung vor dem Wasser- und Schifffahrtsamt abgelegt haben. Unterstützt werden sie bei ihren Touren auch von Gaststätten in Erfde und Delve: „Die Fahrgäste, die mit Bussen zu uns kommen, lieben es, wenn es an Bord Kaffee und Kuchen oder etwas zu essen gibt“, weiß Uwe Paulsen. Dafür komme die Gastwirtin Anja Dührsen aus Delve mit an Bord und serviere ihren Kaffee und selbst gebackenen Kuchen, das sei auch nicht selbstverständlich. 

Das Fährhaus am Bargener Anleger ist Vereinstreff und liefert per Solaranlage den Strom für den E-Motor der Fähre. Foto: Iris Jaeger

Auf das Jahr 1554 geht die älteste urkundliche Erwähnung der Bargener Fähre zurück. Bis 1961 stellte sie eine wichtige Verbindung zwischen Stapelholm und Dithmarschen dar. Mit dem Bau der Straßenbrücke bei Pahlen stellte sie ihren Betrieb 1961 ein, bis 1999 der ehemalige Erfder Bürgermeister, Hans-Dieter Schulz, die Idee hatte, den Fährbetrieb als Touristenattraktion in der Urlaubsregion wiederaufleben zu lassen. Am 26. Mai 2001 ging die „Bargener Fähr“ wieder auf Fahrt, und es gründete sich der Verein mit dem aktuell amtierenden Vorsitzenden Arne Hansen. Die Fähre ist im Besitz der Gemeinden Erfde und Delve und verbindet nicht nur Regionen, sondern auch Menschen, sehr zur Freude der durchschnittlich 5.000 Gäste pro Saison. Weitere Informationen unter www.bargener-faehre.de

Nachwuchsmangel gefährdet Zukunftsfähigkeit

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Ein Bündnis aus Agrar-Jugendverbänden – namentlich der Bund der Deutschen Landjugend (BDL), Junges Bioland, die junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands, Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerk, Bündnis JöLL, Bündnis Junge Landwirtschaft – setzt sich gemeinsam für eine zielgerichtete und innovative Förderung junger Landwirtinnen und Landwirte ein.

Neben Investitionsbeihilfen sollen Niederlassungsbeihilfen besonders Betriebe mit tragfähigen Konzepten berücksichtigen, die nachweislich Umwelt-, Klima-, Biodiversitäts- oder Tierwohlleistungen oder auch gemeinwohlorientierte Leistungen erbringen. Eine erhöhte Fördersumme für Frauen wird ebenfalls gefordert: Bisher sind nur 11 % der Betriebsleitungen Frauen. Die Verbände begrüßen ausdrücklich, dass die EU-Kommission den Generationenwechsel zu einem Schwerpunkt ihrer künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) machen wolle. Angesichts der demografischen Entwicklung in der Landwirtschaft seien nun jedoch verbindliche finanzielle Zusagen erforderlich. Die von EU-Agrarkommissar Christophe Hansen vorgeschlagene Zielmarke von 6 % des nationalen GAP-Budgets für Junglandwirtinnen und -landwirte müsse dazu in der kommenden Förderperiode verbindlich in den GAP-Haushaltsplan integriert werden. Dieses Budget ist mindestens erforderlich, um dem demografischen Umbruch wirksame Maßnahmen entgegenzusetzen.

Der Handlungsbedarf ist aus Sicht der Verbände dringlich: Nur 6 % der Landwirtinnen und Landwirte in der Europäischen Union sind jünger als 35 Jahre, während mehr als die Hälfte älter als 55 Jahre sind. Auch in Deutschland ist die Altersstruktur ähnlich. Zudem ist bei einem Großteil der Betriebe die Hofnachfolge bislang ungeklärt.

„Junge Menschen stehen beim Einstieg in die Landwirtschaft vor enormen finanziellen Herausforderungen. Wer heute einen Betrieb übernimmt oder neu gründet, muss oft hohe Investitionen tätigen, bevor überhaupt Einkommen erwirtschaftet werden kann. Deshalb braucht es gezielte Unterstützung und verlässliche Förderstrukturen“, erklärt Lars Ruschmeyer vom BDL. Besonderen Nachholbedarf sehen die Jugendverbände bei der Förderung von Frauen in der Landwirtschaft. Derzeit werden lediglich rund 11 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von Frauen geleitet. Deshalb sprechen sich die Verbände dafür aus, Frauen bei Betriebsgründungen und Hofübernahmen gezielt mit höheren Fördersummen für die Niederlassung zu unterstützen.

Für die nationale Umsetzung der GAP nach 2027 fordern die Verbände unter anderem:

– die Einführung von Existenzgründungsprämien in allen Bundesländern

– erhöhte Investitionsbeihilfen bei Hofübernahmen und Neugründungen

– die Berücksichtigung von Umwelt-, Klima-, Biodiversitäts- und Tierwohlleistungen bei der Fördervergabe

– den Ausbau kos­tenfreier Beratungsangebote

Darüber hinaus sprechen sich die Verbände für bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen bei der Vergabe von Existenzgründungsförderungen aus, um Transparenz und Planungssicherheit zu gewährleisten.

Lars Ruschmeyer erklärt: „Wer den Generationenwechsel in der Landwirtschaft will, muss jungen Menschen gezielt Anreize bieten. Existenzgründungsprämien und Investitionsbeihilfen tragen dazu bei, innovative und wirtschaftlich tragfähige Betriebskonzepte umzusetzen, regionale Wertschöpfung zu stärken und die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.“

Das Positionspapier ist abrufbar unter: https://t1p.de/1ktxh

Kabinettsentwurf „unverständlich und fahrlässig“

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Kabinettsentwurf einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Trotz eindringlicher Warnungen und konkreter Änderungsvorschläge aus der Praxis übernimmt die Bundesregierung den hoch umstrittenen Referentenentwurf unverändert.

„Angesichts der geopolitischen Lage und der anhaltenden Abhängigkeit von Energieimporten ist es unverantwortlich, auf dezentrale Erzeugungskapazitäten zu verzichten und Wertschöpfung aus dem ländlichen Raum abzuziehen. Es ist daher unverständlich und fahrlässig, dass die Bundesregierung die Vorschläge der Praxis schlicht ignoriert hat. Der Kabinettsentwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2027 riskiert sehenden Auges den schrittweisen Abbau gesicherter heimischer Bioenergieleistung im Gigawattbereich zu einem Zeitpunkt, in dem Deutschland fossile Energiepreise in teilweise ungekannter Größenordnung zu finanzieren hat. Auch dem Versprechen aus dem Koalitionsvertrag, Bestandsanlagen eine echte Zukunftsperspektive zu bieten, wird der Entwurf nicht gerecht. Während für fossile Großkraftwerke ohne nennenswerte Diskussion Fördersätze gezahlt werden, die weit oberhalb der Finanzierungskosten von Bioenergieleistung liegen, verweigert man der heimischen, gesicherten und nachhaltigen Bioenergie die wirtschaftliche Grundlage“, moniert Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB).

Die vorgesehenen Ausschreibungsvolumina seien laut der Bioenergieverbände im HBB de facto ein Sterbepfad für den Biogasanlagenbestand. Die Zielmarke von 9,5 GW installierter Leistung im Jahr 2035 entspreche bereits der heutigen Leistung der Bioenergie im Stromsektor. Bei gleichzeitig ansteigenden Flexibilitätsanforderungen, also der Notwendigkeit, mehr Leistung zu installieren, sinke laut der Analyse der Verbändegemeinschaft faktisch die Strommenge deutlich, und Hunderte Anlagen müssten endgültig stillgelegt werden.

Daneben soll laut dem Kabinettsentwurf auch die Ausschreibung für hochflexible Biomethan-Blockheizkraftwerke gestrichen werden. Auch dies sei angesichts der neuen, umfangreichen Förderung von Erdgaskraftwerken nicht vermittelbar. Dabei könnten nach Prognosen des HBB allein durch die Flexibilisierung des Biogasanlagenbestands kurzfristig bis 2030 12 GW gesicherte, flexible und Erneuerbare Leistung bereitgestellt werden, die für ein resilientes Energiesystem und zum Ausgleich der schwankenden Solar- und Windstromproduktion dringend gebraucht würden. Nicht zuletzt komme dazu noch die Leistung von Holzheizkraftwerken, Biomethan-Blockheizkraftwerken und anderen Bioenergieanlagen.

„Wir setzen nun auf die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, den Kabinettsentwurf im parlamentarischen Verfahren zu korrigieren. Was wir jetzt brauchen, ist ein Biomassepaket 2.0, das Investitionen anreizt, statt sie durch mangelnde Perspektiven zu verhindern“, schließt Rostek.

Feldhygiene verstärkt in den Blick nehmen

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Die Bedeutung einer konsequenten Feldhygiene nimmt in der Landwirtschaft stetig zu. Mit der Ausbreitung schwer bekämpfbarer Ungräser wie Ackerfuchsschwanz, Weidelgräsern oder Erdmandelgras wächst die Gefahr, Samen und Bodenpartikel über Maschinen von Schlag zu Schlag zu verschleppen. Zunehmend größere Betriebe, längere Transportwege und ein ansteigender überbetrieblicher Maschineneinsatz erhöhen die Anforderungen an eine effektive Maschinenreinigung. Diesem Thema widmete sich ein umfangreicher Walzenvergleich im Frühjahr.

Im Mittelpunkt des Versuchs stand ein Amazone-Universalgrubber Cenio 4000-2 Super. Dieser zeichnet sich durch einen dreibalkigen Aufbau mit knapp 31 cm Strichabstand aus. Das Gerät ist mittig hydraulisch geklappt und wird in der Dreipunkthydraulik des Schleppers getragen. Neben der hydraulischen Arbeitstiefenverstellung ist die Druckfeder-Überlastsicherung als Sonderausstattung zu nennen. Unterschiedliche Scharvarianten stehen zur Verfügung, eingesetzt wurde das 360-mm-C-Mix-Flügelschar. Verglichen wurden drei unterschiedliche Walzenkonzepte:

Doppel-Federringwalze

Keilringwalze mit Matrixreifenprofil

U-Profilwalze

Ziel war es, den tatsächlichen Erdanhang sowie den Zeit-, Wasser- und Strombedarf für die Reinigung unter praxisnahen Bedingungen zu erfassen. Dafür wurden sämtliche Maschinen nach der Bearbeitung von 1 ha gewogen, anschließend mechanisch abgeklopft, erneut gewogen und schließlich vollständig mit einem Hochdruckreiniger gesäubert. Die abgeklopfte Erde wurde entsprechend den einzelnen Arbeitselementen (Zinkenfeld, Einebnung, Walze) zusammengekehrt und auf einer Viehwaage verwogen. Neben den Gewichten wurden auch Wasser- und Stromverbrauch sowie die Reinigungsdauer dokumentiert.

Drei Standorte für belastbare Ergebnisse

Um unterschiedliche Bodenverhältnisse abzubilden, fanden die Versuche auf drei Standorten rund um das Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW) statt:

Fläche Düsse: lehmiger Schluffboden – 66 Bodenpunkte

Fläche Sand: humoser Sandboden – 26 Bodenpunkte

Fläche Tümpel: schwerer, bindiger Lößboden – 74 Bodenpunkte

Die Bearbeitbarkeit war auf allen Flächen bei mittlerer bis hoher Bodenfeuchte gut. Die Arbeitstiefe lag bei etwa 15 bis 18 cm. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass nicht nur die Walzenbauart, sondern insbesondere die Bodenbedingungen den Erdanhang beeinflussen. Während auf Sandstandorten vergleichsweise geringe Anhaftungen auftraten, stieg der Erdanhang auf feuchten und bindigen Böden deutlich an.

Bei derartigen Verschmutzungen helfen nur viel Wasser, wenig Druck und, wenn möglich, das Material nicht antrocknen zu lassen. Der Aufwand, solche Maschinen zu reinigen, ist hoch – die Kosten, auf Flächen im schlimmsten Fall innerhalb weniger Jahre keine Produktion mehr durchführen zu können, sind in jedem Fall höher.

Überraschende Erkenntnisse zum Erdanhang

Besonders interessant: Viel Erdanhang bedeutet nicht automatisch einen hohen Reinigungsaufwand. Die U-Profilwalze zeigte im Versuch zwar den größten Erdanhang, im Mittel der drei Standorte 124 kg. Gleichzeitig ließ sich die anhaftende Erde jedoch besonders leicht entfernen. Eine Erklärung ist, dass die Erde unmittelbar nach der Bearbeitung entfernt wurde. Angetrocknete und festgesetzte Erde in den Ringen lässt sich erfahrungsgemäß nur sehr schlecht entfernen. Mit Hammereinsatz ließen sich zwischen 94 und 98 % der Erde bereits vor der Hochdruckreinigung abklopfen – Spitzenwert. Die Keilringwalze mit Matrixreifenprofil wies insgesamt den geringsten Erdanhang auf (zwischen 2 und 5 kg wurden mit dem Hammer abgeklopft), während sich bei der Doppel-Federringwalze (zwischen 17 und 56 kg Erde konnten abgeklopft werden) die Erde häufig in den Zwischenräumen und auf der Ringinnenseite verteilte und dadurch schwerer vollständig zu entfernen war. Zu berücksichtigen ist in diesem Fall aber, dass beim Einsatz des Grubbers mit der Keilringwalze nur 30 % der gesamten Erdanhaftung abgeklopft und zirka 70 % abgewaschen wurden. Sie eignet sich nach getaner Arbeit daher weniger gut zur Reinigung auf dem Acker als andere Walzen. Der größte Anteil der anhaftenden Erde befand sich unabhängig vom Walzentyp stets an der Walze selbst. Zinkenfeld und Einebnung tragen nur marginal zur gesamten Erdanhaftung bei. Im Mittel konnten über die neun Varianten – drei Walzentypen und drei Standorte – 68 % der Erde abgeklopft werden. Zirka 32 % wurden anschließend noch abgewaschen. Dabei waren die Schwankungen je nach Standort und Walzentyp sehr hoch. Der Walzenvergleich verdeutlichte, dass im Durchschnitt 100 kg Erde vom gesamten Gerät abgeklopft und abgewaschen wurden.

Reinigungszeit: Walzenbauform entscheidet

Noch deutlicher wurden die Unterschiede beim Zeitbedarf für die Maschinenreinigung. Die Wahl der Walze hatte einen wesentlich größeren Einfluss auf den Reinigungsaufwand als der Standort selbst. Im Mittel dauerte die Reinigung knapp 25 min. Je mehr Erde noch anhaftete, beispielsweise an der Keilringwalze mit Matrixreifenprofil, desto länger dauerte das Reinigen (bis zu 34 min). Die U-Profilwalze ermöglichte gegenüber der Doppel-Federringwalze Zeitersparnisse von rund 30 bis 40 %. Gleichzeitig zeigte sich, dass bei schwierigen Bodenverhältnissen die Walzenreinigung häufig mehr als die Hälfte der gesamten Reinigungszeit beansprucht. Gerade auf feuchten, bindigen Böden steigt der Zeitbedarf erwartungsgemäß erheblich.

Sind im Betrieb Problemstandorte bekannt, sollten die Maschinen nach der Bearbeitung auf diesen Flächen gründlich mit Wasser gereinigt werden. Nur so kann wirklich sichergestellt sein, dass keine Erde mehr an den Maschinen haftet. Halb ausgeklappt ließ sich der Universalgrubber am besten reinigen.

Verbrauch folgt dem Zeitbedarf

Ähnliche Zusammenhänge ergaben sich beim Ressourcenverbrauch. Der größte Anteil des Wasserverbrauchs entfiel folgerichtig auf die Reinigung der Walze. Besonders nach der Bearbeitung der Fläche Tümpel mit schweren Böden stieg der Bedarf deutlich an. Im Mittel lag der Wasserverbrauch bei 430 l. Für eine gründliche Reinigung ist mit zirka 2,3 kWh Stromverbrauch zu rechnen.

Die U-Profilwalze erwies sich auch hier als effizienteste Variante und benötigte 40 bis zu 45 % weniger Wasser als die Vergleichswalzen. Da der Stromverbrauch unmittelbar mit der Laufzeit des Hochdruckreinigers zusammenhängt, zeigte sich erwartungsgemäß eine enge Korrelation zwischen Reinigungsdauer, Wasser- und Energieverbrauch.

Feldhygiene verursacht messbare Kosten

Wie hoch der Aufwand im Betriebsalltag tatsächlich sein kann, verdeutlicht ein Rechenbeispiel für einen fiktiven 152-ha-Betrieb. Dabei wird davon ausgegangen, dass mit vergleichbarem Grubber jede Fläche 1,5-mal bearbeitet wird und auf der Hälfte der angenommenen 70 Schläge aufgrund von ackerbaulichen Herausforderungen wie Weidelgras eine Reinigung erfolgt.

Wer die Maschine nach der Hälfte aller Bodenbearbeitungen vollständig reinigt, investiert jährlich knapp 22 Stunden reine Arbeitszeit. Dabei wurden die Wege vom Feld zum Reinigungsplatz sowie etwaige Rüstzeiten aufgrund individueller Gegebenheiten außen vor gelassen. Hinzu kommen rund 22,5 m3 Wasser und etwa 119 kWh Strom. Unter den angenommenen Kosten ergibt sich ein jährlicher Reinigungsaufwand von rund 680 € für das Arbeitsgerät Grubber. Rechnet man mit durchschnittlich 100 kg Erd-
anhang bei einem 4-m-Grubber, könnten bei fehlender Reinigung mehr als 10 t Erde zwischen den Schlägen verschleppt werden. Sicherlich bleibt ein Teil der Erde über längere Zeit fest an der Maschine, das Potenzial zur Verschleppung ist allerdings gegeben. Die Vorstellung, Erde im Gewicht von 100 kg von einer Problemfläche zur nächsten ackerbaulich unproblematischen Fläche zu tragen, sollte auf jedem Betrieb das Bewusstsein für das Thema Reinigung wecken. Untersuchungen zeigen, dass in 1 kg Erde je nach Standort grundsätzlich mehrere 100 bis 1.000 Samen stecken. Die Kosten, die für den Reinigungsaufwand im Beispiel entstehen, sind im Verhältnis zum potenziellen Verlust der Anbaumöglichkeit von Kartoffeln, Zuckerrüben und Co. nach mehreren Jahren ausgelassener oder halbherzig durchgeführter feldhygienischer Maßnahmen zu vernachlässigen. Daher sollte das Thema Feldhygiene und Maschinenreinigung wieder deutlich präsenter werden.

Praktische Empfehlungen

Aus den Versuchsergebnissen lassen sich mehrere Empfehlungen ableiten: Eine Grobreinigung mit dem Hammer direkt auf dem Feld reduziert den späteren Aufwand erheblich. Je nach Walzentyp ließen sich so bereits bis zu 98 % der Erde entfernen. Ebenso lohnt sich die Auswahl eines geeigneten Walzentyps nicht nur hinsichtlich der ackerbaulichen Vorzüge, sondern auch unter dem Aspekt der Feldhygiene. Gummierte Walzen ließen sich durch den reinen Hammereinsatz nicht so gut reinigen. Hier lagen die Ergebnisse zwischen 20 und 50 % abgeklopfter Erde. Erklären lässt sich dies über die Pufferwirkung von Gummi beim Einsatz von Metall. Schwingungen werden nicht beziehungsweise weniger stark übertragen als bei Walzen aus Stahl. Für die Hochdruckreinigung empfiehlt sich eine halb geklappte Maschinenstellung, da alle Arbeitsbereiche gut erreichbar bleiben. Außerdem sollte systematisch gearbeitet werden – beispielsweise von links nach rechts sowie von oben nach unten – und geeignete Schutzausrüstung getragen werden. In Extremsituationen wie nach der Einarbeitung von Gülle mit einer Scheibenegge helfen eine hohe Wassermenge, wenig Druck und zudem, die Erde möglichst nicht antrocknen zu lassen. Frische Erde lässt sich immer noch am besten entfernen.

Fazit

Der Versuch macht deutlich, dass Feldhygiene längst mehr ist als ein Nebenaspekt der Bodenbearbeitung. Gespräche mit unterschiedlichen Herstellern von Landtechnik bestätigen diese Erkenntnis. Die Anfragen zum Thema Erd­anhaftung werden aus den bereits genannten Gründen spürbar häufiger. Die Kon­struktion der Walze beeinflusst nicht nur den Erdanhang, sondern auch den Reinigungsaufwand und damit Zeit-, Wasser- und Energiekosten erheblich. Besonders die U-Profilwalze zeigte trotz erwarteter hoher Erdanhaftung deutliche Vorteile bei der Reinigbarkeit. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies: Bereits bei der Auswahl der Arbeitswerkzeuge können wichtige Beiträge zur Reduzierung von Verschleppungsrisiken und zur Senkung der Betriebskosten geleistet werden. Gleichzeitig gilt, dass der Grubber nur eines von vielen Anbaugeräten ist, das in der Produktionskette in den direkten Kontakt mit Boden kommt. Eine konsequente Feldhygiene umfasst auf Betriebsebene grundsätzlich alle Gerätschaften.

Angebotsbereicherung mit drei Betriebskollektionen

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Die Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH) führte erstmalig im Juli eine Auktion in Dätgen durch. Das Angebot konnte in allen ­Kategorien vollständig vermarktet werden, und die Erlöse lagen über den Erwartungen.

Das kleine Aufgebot an schwarzbunten Bullen bestand nur aus genetisch hornlosen Bullen. Im Schnitt wurden sie für 3.000 € zugeschlagen. Teuerster Bulle war „Cubaloo P“ von der Rinderzucht Thies/Gröhn GbR in Stuvenborn. Der hornlose „Camron P“-Sohn überzeugte bereits bei der Körung mit sehr viel Stärke, einem sehr guten Fundament und stammt aus einer Bullenmütterfamilie aus dem Zuchtprogramm der RSH. Nach einem spannenden Bieterduell konnte der Auktionator ihn bei 3.600 € zuschlagen.

Betriebskollektionen bereichern Auktion

Gleich drei Betriebe stellten auf dieser Auktion Betriebskollektionen, die alle mit viel Qualität überzeugen konnten. Den Beginn machte die Engelbrecht GbR aus Bokholt-Hanredder. Die Kollektion bestand aus zwei Kühen und fünf Färsen, die sich alle sehr leistungsbereit im Ring zeigten. Die beiden Zweitkalbskühe wurden für je 2.400 € zugeschlagen, die Färsen kosteten im Schnitt 2.620 €. Teuerste Färse mit 2.750 € war „Enne“, die mit einer ersten Kontrolle von mehr als 40 kg Milch glänzen konnte. Direkt im Anschluss wurde die Kollektion von Malte Krohn aus Kummerfeld im Ring versteigert.

Die acht Färsen zeigten sich als absolute Produktionsfärsen, die mit Einsatzleistungen von fast 40 kg überzeugen konnten. Die geringe Preisspanne von 2.300 € bis 2.700 € verdeutlicht die Einheitlichkeit der Betriebskollektion, im Schnitt wurde die Kollektion für 2.538 € zugeschlagen. Die dritte Kollektion stellte der Betrieb Milchhof Wesenberg, Thomas Schmahl aus Groß Wesenberg. Die Betriebskollektion bestand aus sechs Holsteinfärsen und einer Braunviehfärse. Die enorm bemuskelte Braunviehfärse kostete 3.100 €, insgesamt erzielte die gesamte Kollektion 2.700 € im Durchschnitt. Teuerste Färse war die rotbunte Färse „Davos P“ von „Boeing-Red“. Die kapitale und mit viel Power ausgestattete Färse erlöste 3.200 € und wird in Zukunft im Kreis Rendsburg-Eckernförde gemolken.

Färse „Washington“ wusste zu überzeugen

Die schwarzbunten Färsen insgesamt kosteten im Durchschnitt 2.471 €. Teuerste Färse war die großrahmige und leistungsbereite „Picard“-Tochter „Washington“ von der Heidehof GbR aus Timm­aspe. „Washington“ geht auf die bekannte „Jefferson“-Tochter „Joyce“ zurück, die mit einer Lebensleistung von 143.000 kg aufwarten kann. Ebenfalls hat sie bei der Verbandsschau Neumünster am Abend einen Siegertitel erringen können. Die zwei schwarzbunten Kühe im Angebot stammten beide von Jens Gerken aus Pölitz und erlösten im Durchschnitt 2.375 €.

Das kleine Kontingent der rotbunten Färsen erlöste im Schnitt 2.900 €, die teuerste Färse war dabei die bereits erwähnte „Davos P“ aus der Betriebskollektion von Thomas Schmahl.

Die nächste Auktion findet am 13. August in Dätgen statt, und die Rinderzucht Schleswig-Holstein hofft, dass zahlreiche Anmeldungen erfolgen und damit den Auktionsstandort Dätgen attraktiv gestalten.

In der Praxis zählt, was hilft

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Um auch in größer werdenden Würfen möglichst alle Ferkel aufzuziehen, gilt es einige Punkte zu beachten und anders zu bewerten als früher. Dazu gehören unter anderem eine gezielte Vorbereitungsfütterung der Sau sowie Betreuungsmaßnahmen während der Geburten.

Die züchterische Entwicklung der Wurfgröße hat sich gegenüber den Vorjahren zwar verlangsamt, sie geht aber trotzdem weiter. Das belegen überregionale Auswertungen wie die Zahlen aus den nordwestdeutschen Erzeugerringen: Dort wurden im vergangenen Jahr im Mittel 15,8 lebend geborene Ferkel bei einer zunehmend besseren Verlustsituation von 12,9 % je Wurf gezählt. Dabei gibt es jedoch große betriebliche Unterschiede. Auch verzeichnen Herkünfte mit mehr lebend geborenen Ferkeln mehr Ferkelverluste. In vielen Betrieben im Bundesgebiet wird damit eine Schwelle für die Wurfgröße überschritten, die früher als kritisch für die Vitalität der Saugferkel galt: Wenn züchterisch nicht gegengesteuert wird, steigt bei mehr als 16 insgesamt geborenen Ferkeln der Anteil an Leichtgewichten mit weniger als 1.000 g Geburtsgewicht von etwa 10 % auf fast 20 %. Und diese leichten Ferkel haben ein Verlustrisiko von mehr als 30 %.

Gute und schlechte Startbedingungen

Viele Auswertungen zeigen, dass eine verlustarme Aufzucht von Saugferkeln in der Regel erst ab einem Geburtsgewicht von 1.200 g möglich ist. Die geringsten Verlustraten werden bei einem Geburtsgewicht von 1.600 g festgestellt. Entscheidend ist jedoch nicht das mittlere Gewicht pro Ferkel, sondern die Streuung der Geburtsgewichte. Als physiologische Ursache für diese Ungleichverteilung gilt die Gefäßdichte der Plazenta und damit die Nährstoffversorgung der ungeborenen Ferkel während der Trächtigkeit.

In der Folge haben die leichten Ferkel bei der Geburt von vornherein weniger Energiereserven und eine im Verhältnis zum Körpergewicht größere Körperoberfläche. Sie tragen dadurch ein größeres Risiko, zu unterkühlen und weniger Kolostralmilch abzubekommen. Dadurch fehlen ihnen Energie (Hypoglykämie) und Schutzstoffe (Hypogammaglobulinämie). In der Konsequenz leiden die Leichtgewichte deutlich häufiger an infektiösen Faktorenerkrankungen wie Durchfällen und Gelenkentzündungen und haben dadurch ein größeres Risiko, verloren zu gehen.

Lange Geburten belasten

Ein weiterer wichtiger Vitalitätsfaktor ist in der Geburtsgeschwindigkeit zu sehen, die unter anderem über die Fütterung und Konditionierung der Sauen beeinflusst werden kann: Die Tiere sollten in den Tagen vor der Geburt ein Futter mit ausreichend dickdarmverdaulicher Faser erhalten, damit die Verdauung in Gang bleibt. Gleichzeitig muss das Futter genug Energie und Protein liefern, um die Sauen auch nach einigen Stunden Geburt noch bei Kräften zu halten.

Das gilt es heute viel höher zu bewerten als früher, denn die Dauer der Geburten steigt seit Jahren. Während eine durchschnittliche Geburt früher etwa vier Stunden dauerte, ferkeln die Sauen heute sechs Stunden und länger. Je nach Herkunft nimmt dabei der zeitliche Abstand zwischen den geborenen Ferkeln auch mit der Wurfgröße zu. Als Faustzahl gilt hier, dass das Doppelte des spontanen Abstandes der Ferkel untereinander nicht überschritten werden sollte (höchstens 35 min zwischen zwei Ferkeln). Betriebe mit sehr niedrigen Verlustraten (unter 10 %) holen alles, was nach einer guten halben Stunde nicht da ist. Versuche zeigen: Sofern die Eingriffe hygienisch und tierschonend durchgeführt werden, steigt der Anteil der Sauen mit zu behandelnden Nachgeburtsproblemen um weniger als 2 %. Eingriffe sind kein Kinderspiel, der Vorteil aber überwiegt. Um die Geburten effizient zu betreuen, ist es sinnvoll, diese hormonell einzuleiten. Bei den heute durchweg längeren Tragezeiten sollten aber nur Geburten eingeleitet werden, die länger als das mittlere Herdenmittel dauern. Die Ferkel nehmen im Mutterleib ungefähr 30 g pro Tag zu. Um zu bestimmen, ob das 116 oder sogar 117 oder mehr Tage sind, muss richtig gerechnet werden. Der Tag der letzten Besamung gilt dabei als erster Trächtigkeitstag.

Dazu kommt: Heute wie früher verringert sich der Antikörpergehalt im Kolostrum, je länger die Geburt dauert. Er geht innerhalb der ersten vier Stunden von 30 % auf 16 % zurück. Bei angenommenen 16 Ferkeln je Wurf und sechs Stunden Geburtsdauer bekommen die erstgeborenen vier Ferkel damit rund 50 % mehr Abwehrkräfte als die letzten vier Tiere des Wurfs. Das hat Konsequenzen, denn Ferkel mit einem hohen maternalen Antikörperspiegel bilden später auch selbst mehr Antikörper.

Biestmilch rettet Leben

Somit ist die Bedeutung der Kolostralmilch als erste Lebensversicherung der Ferkel noch gestiegen. Denn während sich die Menge der reifen Milch in Grenzen der Nachfrage und damit der Wurfgröße anpasst, bilden die Sauen die Biestmilch ganz unterschiedlich. Der Durchschnitt liegt bei 3,5 l, die Spanne reicht von etwa 1 bis 4,5 l je Sau. Mit zunehmender Wurfgröße und gleichzeitig abnehmender Kolostrumqualität im Verlauf der ersten Stunden wird die „flüssige Lebensversicherung“ zunehmend knapp. Je größer dann die Würfe werden, desto mehr Ferkel teilen sich die vorhandene Kolostralmilchmenge, wobei 300 g je Ferkel als ein Optimum und knapp 200 g als ein Minimum angesehen werden.

In allen Versuchen eindeutig zeigte sich der Zusammenhang zwischen der Überlebensrate und der Zeitdauer bis zur ersten Biestmilchaufnahme. Ferkel, die in Versuchen 10 min nach der Geburt am Gesäuge waren, konnten wir quasi ausnahmslos aufziehen. Sie kommen fast alle durch. Bei den nicht so vitalen Ferkeln, die bis zu 60 min brauchten, um das Gesäuge zu erreichen, betrug die Verlustrate fast 40 %. Und die Problemferkel, bei denen mehr als eine Stunde bis zur ersten Milchaufnahme vergeht, haben ein Verlustrisiko von bis zu 100 %, wie die Abbildung zeigt. Alle darin eingegangen Werte sind statistisch unkorrigiert. Der Effekt ist somit sehr robust.

Daher kann es für große Würfe sinnvoll sein, nach dem ersten gemeinsamen Säugen des gesamten Wurfes die schweren Ferkel für zwei Stunden wegzusperren, um den kleineren Wurfgeschwistern eine Chance auf mehr Kolostralmilch zu geben (Split-Nursing). Da die Gesamtmenge nicht steigt, geht es auch darum, nur den richtigen (kräftigen) Ferkeln etwas abzuziehen und das Risiko einer zu geringen Kolostralmilchversorgung von den kleinen auf die großen Ferkel zu übertragen. Werden in den Moment, in dem mehr Ferkel als Zitzen an der Sau sind, die richtigen Separationskandidaten (zwei bis drei) ausgewählt und jeweils nur zwei Stunden getrennt, dann ist eine Verringerung der Ferkelverlustrate um 5 bis 6 % möglich.

Es ist zwar offensichtlich, dass leichtere Ferkel mit geringeren Körperreserven und dem höheren Auskühlungsrisiko länger brauchen, um sich an das Gesäuge vorzuarbeiten und Kolostralmilch aufzunehmen. Vitale Ferkel sind aber nicht nur aufgrund ihrer Geburtsmasse in kürzerer Zeit am Gesäuge. Es muss daneben noch andere, zum Teil saisonale Vitalitätsfaktoren geben, die im Bereich der Tragezeit zu suchen sind und die unterschiedliche Vitalität und Verlustrate der Ferkel aus verschiedenen Durchgängen erklären. Diese Zusammenhänge kommen unter Verwendung der modernen Haltungssysteme (Bewegungsbuchten) noch stärker zum Tragen als früher, denn die Wege vom Ort der Geburt bis zum Ferkelnest sind oft mehrfach länger als früher.

Versuch macht klug

Im Rahmen langjähriger Untersuchungen im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch sowie in sächsischen Praxisbetrieben wurden in den vergangenen Jahren verschiedene, sich aus diesen Zusammenhängen ergebende Maßnahmen rund um die Geburt auf den Prüfstand gestellt. Die Ergebnisse werden in der Tabelle auch im Hinblick auf die Bedeutung des gefundenen Effektes zusammengefasst.

Den größten Einfluss hat die Sau selbst, ihre Gesundheit, die über Konditionsfütterung und Vorbereitung auf die Geburt beeinflusst werden kann (siehe Tabelle). Wichtig sind heute Fütterungsmaßnahmen zur Verminderung von Koprostase (Kotstau im Dickdarm) und zur Verbesserung der Kalzium-Mobilisierung.

Die Tiere dürfen nicht verfettet in den Abferkelstall kommen, und die Verdauung muss auch zur Geburt in Schwung gehalten werden. Das Fundament für komplikationsarme Geburten von unversehrten und zum Kupierverzicht geeigneten Ferkeln wird bereits in der Transferfütterung der Sauen vor der Geburt gelegt (Faser und Kalzium). Leider ist es nicht möglich, die Sauen sowie Milchrinder zur Ca-Mobilisierung zu erziehen. Spezialergänzungsfuttermittel wie Lachsöl oder funktionelle Lignozellulose können Vorteile für ältere Sauen bringen. Traubenzucker hilft zeitlich nur kurz, viel nachhaltiger wirkt Energie aus dem Dickdarm. Zuletzt hat auch der Einsatz von Protein tierischen Ursprungs (VTP) Effekte gezeigt. Wichtiger sind aber ein schlüssiges Fütterungskonzept und die Gleichheit der Futterkomponenten.

Mit der Fruchtbarkeit nimmt die Bedeutung der typischen Faktorenerkrankung MMA (Mastitis, Metritis, Agalaktie) sogar noch zu. Sie zeigt sich heute aber eher in subklinischen Verlaufsformen (Peripartales Hypogalaktie-Syndrom, PHS). Sie ist unauffälliger, kommt aber offensichtlich umso häufiger vor. Während Futterzusätze, die den Energiestoffwechsel unterstützen, deutlichere Effekte bei älteren Sauen zeigten, führte der Einsatz von Produkten mit schmerzlindernder und entzündungshemmender Wirkung nach der Geburt eher zu Effekten bei jüngeren Sauen und ihren Ferkelverlustraten. Entzündungshemmende Stoffe (zum Beispiel Polyphenole) ohne schmerzlindernde Wirkung brachten dagegen keine Verbesserung. Es wird geschlossen, dass die Wirkung darauf beruht, dass die Sauen ohne Nachgeburtsschmerzen bei der so wichtigen Kolostralmilchabgabe ruhiger sind, sodass diese nachhaltiger abläuft. Ruhe ist also oberstes Gebot, auch für die Betreuung.

Geburten gezielt betreuen

Während der Einsatz von Zusatzstoffen bei den Sauen Wirkung zeigen kann, brauchen Ferkel ausreichende Geburtsgewichte, zügige Geburten, Kostralmilch und Wärme und sonst eigentlich nichts. Deshalb sollte eine Geburtsbetreuung obligatorisch sein. Ein systematisches Ferkelversetzen (auch an Ammen) sowie das Füttern beziehungsweise Drenchen untergewichtiger Ferkel mit Kolostralmilch sollte ebenfalls zur Routine erfolgreicher Ferkelerzeugerbetriebe gehören. Keinesfalls sollte bei der Masse der heute geborenen Ferkel, der Blick für das Einzeltier verloren gehen.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Entwicklung der Fruchtbarkeitsleistungen nach wie vor ein dynamischer Prozess ist, der unsere Sauen auch physiologisch verändert hat. Das erfordert eine Anpassung auch etablierter Managementmaßnahmen von der Besamung bis zur Geburt. Die Effekte sind umso nachhaltiger, je kleiner der Organismus ist, an dem die Maßnahmen angewendet werden. Deshalb ist die Geburt so ein wichtiges Zeitfenster, in dem die Entwicklung für ein ganzes Schweineleben beeinflusst wird: Die Sauenhalter sind also gut beraten, sich in dieser Zeit voll auf die Sauen und Ferkel zu konzentrieren und bei Bedarf steuernd oder helfend einzugreifen – wobei einige wichtige Weichen offenbar bereits in der Frühträchtigkeit gestellt werden. Eine zusammenfassende Bewertung aller in Erprobungen durchgeführten Maßnahmen zeigt die Tabelle.

Fazit

Hohe ­Fruchtbarkeitsleistungen haben physiologische Konsequenzen: Sie provozieren abnehmende Geburtsgewichte und (Kolostral-)Milchmenge je Ferkel sowie verlängerte Geburten. Der wichtigste Vitalitätsfaktor ist das Geburtsgewicht, der zweitwichtigste die Geburtsgeschwindigkeit. Das heißt, je zügiger die Ferkel geboren werden (Abstand maximal 2 x 17 min), desto vitaler sind sie. Die Geburtsbetreuung hilft somit, die Vitalität zu steigern. Totgeburten sind nachweislich eher die Folge von langen Geburten und weniger die Ursache. Ferkel brauchen Reserven (1.200 g Geburtsgewicht), Wärme (Ferkelnester 0,065 m², unter 40 °C; Raumtemperatur 21 °C) und Kolostralmilch (200 g bis 300 g), sonst eigentlich nichts. Dabei beeinflussen sich Vitalität und Kolostralmilchaufnahme gegenseitig, drei Kolostralmilchgaben sollten heute von der biologischen Mutter stammen. Das zeitweise Wegsperren starker zuerst geborener Ferkel (Split-Nursing) überträgt das Risiko von den kleinen auf die großen Ferkel. Es hilft, aber nur bei Auswahl der richtigen Anzahl geeigneter Ferkel. Viele Weichen (Milchleistung, Nekrosen) werden vor der Geburt gestellt (Dickdarmgesundheit, Komponentengleichheit, Futterumstellung). Dafür muss das Sauenfutter für die speziellen Bedürfnisse vor und nach der Geburt optimiert werden, aber nicht kompliziert sein. Spezialergänzungsfuttermittel (Lachsöl, funktionelle Lignozellulose) können Vorteile für ältere Sauen bringen (Geburtsverlauf beziehungsweise Geburtsgeschwindigkeit), Entzündungshemmer bringen eher Vorteile für junge Sauen und Ferkel. Dazu kommen auch Maßnahmen nach der Geburt. Eine orale Eisenversorgung führt je nach Verfahren nicht zu dem gleichen optischen Gesamteindruck hinsichtlich der Körperfärbung der Ferkel, kann dafür aber einen Vorteil für die Tiergesundheit haben. Auch etablierte Managementmaßnahmen von der Besamung bis zur Geburt sollten überdacht und angepasst werden.

Mäßige Ernteprognosen in Deutschland und Schleswig-Holstein, DBV fordert Entlastungen

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Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht angesichts des wachsenden wirtschaftlichen Drucks auf die Betriebe die Bundesregierung gefordert. „Wir brauchen eine spürbare Steuerentlastung beim Diesel und die zügige Einführung der steuerfreien Risikoausgleichsrücklage“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied kürzlich in Berlin.

Er verwies auf die aktuellen Erntezahlen der Landesbauernverbände, die deutliche Ertragseinbußen für wichtige Ackerkulturen erwarten ließen. „Schwächere Erträge, geringere Erlöse und hohe Betriebskosten treffen die Landwirtschaft in einer ohnehin angespannten Lage“, so Rukwied.

Ertragsrückgänge

Seinen Ausführungen zufolge träfen hohe Kosten für Diesel und Düngemittel die Betriebe unmittelbar in der laufenden Produktion: „Wer Versorgungssicherheit und eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft will, muss die Betriebe wirtschaftlich handlungsfähig halten.“ Deshalb sei eine Entlastung beim Diesel bis Ende November erforderlich. Zudem besteht der Verband darauf, die im Koalitionsvertrag vereinbarte steuerfreie Risikoausgleichsrücklage einzuführen. Rukwied bezeichnete die Risikoausgleichsrücklage als wichtigen Baustein, um Betriebe in Krisenjahren zu stabilisieren.

Nach DBV-Angaben bestätigen die neuesten Zahlen der Landesbauernverbände die bisherigen Ernteschätzungen. Während die Wintergerste noch ein durchschnittliches Ergebnis erreiche, zeigten sich bei Winterweizen und Raps deutliche Rückgänge. Mit einer Ertragsschätzung von 7,6 t/ha liegt die Wintergerste nur leicht unter dem Ertrag des Vorjahres von 7,8 t/ha.

Deutlich schwieriger stellt sich dem Bauernverband zufolge die Lage für Winterweizen dar. Ertragsrückgänge von bis zu 15 % würden in einigen Regionen gemeldet. Ähnlich sei die Situation beim Raps. Dort drohten Einbußen von bis zu 18 %. Neben der wechselnden Witterung litten die Betriebe laut DBV darunter, dass die Möglichkeiten zur wirksamen Bekämpfung von Schädlingen eingeschränkt seien. In manchen Regionen hätten zudem massive Hagelschauer zu Ernteeinbußen geführt.

Besorgt zeigt sich der DBV auch über die Situation im Futterbau. Ausbleibende Niederschläge auf Grünland- und Futterbauflächen ließen in vielen Regionen Engpässe in der Versorgung der Tiere im kommenden Winter befürchten. Als angespannt stuft der Verband die Lage für Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln ein. Für die weitere Entwicklung der Bestände seien dringend Niederschläge notwendig. Selbst dann seien allenfalls durchschnittliche Erträge zu erwarten.

Regionale Unterschiede

Malte Jacobsen

Unterdessen vermeldete der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) Ende vergangener Woche, dass die Erntearbeiten zwischen den Meeren gut vorankämen. Die Wintergerstenernte sei in weiten Teilen Schleswig-Holsteins – bis auf Standorte im Marschland und auf den Inseln – nahezu abgeschlossen. „Die Erträge fallen überwiegend positiv aus und liegen meist im mittleren bis überdurchschnittlichen Bereich, auch die Qualitäten sind vielerorts gut“, berichtete BVSH-Vizepräsident Malte Jacobsen.

Allerdings zeigten sich regionale Unterschiede. Während insbesondere im Norden und an der Ostseeküste des Landes gute Ergebnisse erzielt würden, führten Trockenheit und Hitze in Teilen des Südens von Schleswig-Holstein zu geringeren Erträgen und teilweise auch zu Qualitätseinbußen. „Die Gerste konnten wir weitestgehend unter sehr guten Bedingungen dreschen, sodass wir in diesem Jahr nicht trocknen müssen. Bei den aktuellen Energiepreisen ist das für die Betriebe eine willkommene Erleichterung“, erklärte Jacobsen.
Schwere Unwetter mit Hagel haben hingegen im Raum Angeln, Schwansen, Pinneberg und im Herzogtum Lauenburg zum Teil schwere Schäden auf den Feldern hinterlassen.

Klaas Röhr Fotos: rq

Gleichzeitig habe die Ernte von Raps, Erbsen und Winterweizen begonnen. Vor allem auf leichteren Standorten werde bereits Raps gedroschen. Die ersten Rückmeldungen ließen auf sehr durchwachsene Erträge schließen. „Der Raps profitierte im Frühjahr von günstigen Wachstumsbedingungen und einem insgesamt geringeren Krankheitsdruck. Regional kam es jedoch durch Schädlinge wie den Rapserdfloh sowie örtliche Unwetterschäden zu spürbaren Ertragseinbußen, die sich nachhaltig auf das Ernteergebnis auswirken“, so Klaas Röhr, Landwirt aus Reinfeld.

Parallel zur laufenden Ernte richteten die Betriebe den Blick bereits auf die kommende Saison. Die Vorbereitungen für die Rapsaussaat im August liefen an, ebenso würden erste Zwischenfrüchte ausgesät. Im Grünland falle die Bilanz bislang erfreulich aus. Die ersten beiden Schnitte hätten laut BVSH überwiegend gute Erträge und Qualitäten gebracht, auch die Heuernte habe unter günstigen Bedingungen erfolgen können. Dank ausreichender Niederschläge entwickelten sich die Bestände derzeit gut, sodass nach derzeitigem Stand mit einer sicheren Futterversorgung zu rechnen sei.

PFAS-Problematik: Achtsamkeit statt Panikmache

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Die auch als Ewigkeitschemikalien bezeichneten PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind Alleskönner. Aufgrund ihrer Wasser-, Fett- und Fleckenbeständigkeit finden sie in Produkten wie Antihaft-Kochgeschirr, Lebensmittelverpackungen, wasserabweisender Kleidung und Feuerlöschschäumen Verwendung. Auch einige Pflanzenschutzmittel enthalten PFAS.

Die große Beständigkeit dieser Verbindungen führt dazu, dass sie lange Zeit in der Umwelt verbleiben und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie in Lebensmitteln oder dem Grundwasser vorkommen. Einige PFAS stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat daher kürzlich den Grenzwert für das PFAS-Abbauprodukt Tri­fluoressigsäure (TFA) deutlich gesenkt, um Gesundheitsrisiken für Menschen auszuschließen. So weit, so gut.

Das Umweltministerium in Schleswig-Holstein will das Schutzniveau hierzulande aber noch deutlich anheben. PFAS-haltige Pflanzenschutzmittel sollen laut einem Verordnungsentwurf in allen Wasserschutzgebieten verboten werden. Das klingt erst einmal sinnvoll, geht aber mit deutlichen Nutzungseinschränkungen für die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe einher und steht im Widerspruch zu anderen Umweltzielen, wie der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) in einer Stellungnahme verdeutlicht.

Die Stellvertretende BVSH-Generalsekretärin Lisa Hansen-Flüh vergleicht die Situation mit der eines Patienten, dem der Arzt trotz schwerer Krankheit die Medikamente streicht. Das drohe gerade den landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Laut BVSH stammen gerade einmal 2 % der EU-weiten PFAS-Emissionen aus Pflanzenschutzmitteln – der Löwenanteil davon aus Flufenacet, das nach 2026 ohnehin nicht mehr eingesetzt werden darf. Durch den Vorstoß des Kieler Umweltministeriums sei daher kein relevanter Umweltnutzen zu erwarten.

Eine Landesverordnung gehe vielmehr über das EU-Recht hinaus und führe zu zusätzlicher Regulierung, die die landwirtschaftliche Produktion in den Wasserschutzgebieten stark einschränke. Für den Verband ist das Vorgehen von Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) daher nicht verhältnismäßig.

Tatsächlich sollte von der Landesregierung berücksichtigt werden, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln seit Jahren effektiver wird: Menge und Risiko sinken. Landwirtinnen und Landwirte nutzen zunehmend weitere Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, resistente Sorten und präzisere Technik. Klar ist aber auch, dass chemischer Pflanzenschutz weiterhin ein unverzichtbarer Teil des Integrierten Pflanzenschutzes bleiben wird, um beispielsweise Resistenzbildungen vorzubeugen.

Wo es Probleme beim Trinkwasserschutz gibt – und einige Langzeitfolgen von PFAS sind heute wohl noch nicht abschätzbar – sollten zielgerichtete Maßnahmen erfolgen, zum Beispiel regionale Kooperationen mit Wasserversorgern, statt Pauschalverbote auszusprechen.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Auszubildende üben Vegetationsbrandbekämpfung

Die Auszubildenden zum Forstwirt an der Lehranstalt für Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer in Bad Segeberg haben kürzlich an einer Fortbildung zur Vegetationsbrandbekämpfung teilgenommen.

Unter der fachkundigen Anleitung von Ausbildern des Kreisfeuerwehrverbandes Segeberg wurden verschiedene Verfahren zur Bekämpfung von Vegetationsbränden praktisch vermittelt und geübt.

Zum Ausbildungsprogramm gehörten der Einsatz von Feuerpatschen und Wasserrucksäcken sowie die Anlage von Brandschutzstreifen mit unterschiedlichen Geräten. Die praxisnahe Schulung vermittelte den angehenden Forstwirten wichtige Kenntnisse für den sicheren Umgang mit Vegetationsbränden und stärkte zugleich die Zusammenarbeit zwischen Forstwirtschaft und Feuerwehr. Die Lehranstalt für Forstwirtschaft freut sich über die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Kreisfeuerwehrverband Segeberg, dessen engagierte Unterstützung und die praxisorientierte Durchführung der Fortbildung.

Anlegen einer Brandschneise Foto: Dr. Borris Welcker

Pferdemenschen im Porträt: Lina Klaskala aus Ehndorf

Mit ihrem Islandwallach Straumur frá Eskifirði holte Lina ­Klaskala bei der Deutschen Islandpferdemeisterschaft (DIM) Bronze. Für die Ehndorferin, Kreis Rendsburg-Eckernförde, die in dritter Generation den Islandpferden verbunden ist, war die Medaille ein weiterer Höhepunkt in dieser außergewöhnlich erfolgreichen Saison.

Nur wenige Tage nach ihrem Erfolg steht Lina Klaskala wieder dort, wo sie mit Islandpferden aufgewachsen ist: auf dem Gestüt Störtal in Ehndorf. Die Eindrücke aus dem Finale im nordrhein-westfälischen Lennestadt sind noch ganz lebendig. Zwischen mehrfachen Deutschen Meistern und Weltmeisterschaftsteilnehmern ritt die 20-Jährige mit ihrem Mausfalben Straumur zu Bronze in der T2-Prüfung.

„Es fühlte sich irreal an, dort dabei sein zu dürfen“, sagt sie über ihren Start als Juniorin im Feld der Erwachsenen. Das Publikum habe die Reiterinnen und Reiter nicht nur angefeuert, sondern regelrecht gefeiert. „Das war ein tolles Gefühl und mein absolutes Highlight.“

Eine lange und intensive Saison liegt hinter Klaskala und ihrem auf Island gezogenen Straumur. Nach Starts unter anderem beim Icehorse Festival im dänischen Herning und beim Kronshof Special im niedersächsischen Ellringen ging es im Juni zur Deutschen Jugend-Islandpferdemeisterschaft (DJIM) nach Grothusenkoog, Kreis Nordfriesland. Dort holte sie den Meistertitel ebenfalls in ihrer Paradedisziplin T2, zu der auch das Zügelüberstreichen im Tölt gehört. Gerade in diesem Aufgabenteil konnte sie ihre Note auf der DIM noch einmal steigern, auf eine glatte 8,00.

Riskanter Kauf

Zu verdanken hat die Juniorenmeisterin die Erfolge besonders ihrem Pferd Straumur, das sie liebevoll „Straumi“ nennt. Die beiden sind seit 2025 ein Team, und das eher durch Zufall. Ihr Wallach Askur, mit dem sie bereits in der Jugendklasse erfolgreich unterwegs gewesen war, sei verletzt gewesen, erzählt Klaskala. Sie habe sich deswegen schon auf eine längere Turnierpause eingestellt. Ohne gezielt nach einem Pferd zu suchen, sei sie bei Instagram auf Straumurs Verkaufsanzeige gestoßen.

„Mit seiner Bewegungsmechanik war er ein echter Hingucker“, erinnert sich seine heutige Besitzerin an ihren ersten Eindruck von dem Pferd. Sie sei direkt ein bisschen verliebt gewesen, gesteht sie lachend. Das einzige Problem dabei: Straumur stand noch im Norden Islands, und das Interesse an ihm sei groß gewesen, habe man ihr direkt verraten. Es musste also eine schnelle Entscheidung getroffen werden. „Wir haben uns gesagt: ‚Wir kaufen den jetzt und lassen uns überraschen.‘“

Der Kauf ohne Kennenlernen und Proberitt war riskant, das weiß die Reiterin selbst. „Aber schon wenige Wochen nach seiner Ankunft hier wusste ich, dass es richtig war. Ich freue mich wirklich jeden Tag über ihn“, schwärmt Klaskala über ihren „Straumi“, den sie als sensibel, loyal und manchmal witzig beschreibt. Und: „Er achtet sehr doll auf seinen Reiter.“

Die Paradedisziplin des Paars aus Ehndorf ist das Zügelüberstreichen im Tölt. Dafür gab es bei der DIM 8,00 Punkte. Foto: Neddens Tierfotos

Hof des Großvaters

Viele der Reiter, mit denen sich Lina Klaskala bei der Deutschen Meisterschaft gemessen hat, kennen sie von klein auf. Ihren Heimathof Störtal, den ihr Großvater Günter Jöhnk in den 1970er Jahren aufbaute, kennen nicht nur norddeutsche Islandpferdefans. Hier fanden über Jahrzehnte hochklassige Turniere mit internationalem Starterfeld statt, hier trafen sich Zuchtenthusiasten zur Hengstschau, um unter anderem Kolskeggur frá Ásmundarstödum, den Stammhengst des Gestüts, und seine Nachkommen zu bewundern.

Der Hof in der Nähe des Naturparks Aukrug wird seit rund zehn Jahren von Linas Mutter Nicole Klaskala betrieben. Heute sind die Pensionspferdehaltung und die Vermietung der Trainingsanlage für Kurse die Standbeine des Betriebs. Lina Klaskala sieht hier ihre Zukunft. Nach dem Fachabitur will sie noch in diesem Jahr ihre Ausbildung zur Pferdewirtin Spezialreitweisen beginnen. Nicht im heimischen Ehndorf, dem „Dorf der Islandpferde“, sondern in Bremen. Die Ausbildung soll der Grundstein dafür sein, das Gestüt Störtal später weiterführen zu können, dann in der dritten Generation. Darauf freut sie sich schon. Man spürt ihren Enthusiasmus für den Islandpferdesport und den eigenen Hof.

Noch ist die Turniersaison für Klaskala und Straumur nicht beendet. Die nächste große Herausforderung wartet bereits auf das Paar: Direkt nach der Deutschen Islandpferdemeisterschaft wurden sie in den Kader für die Mitteleuropäische Meisterschaft berufen, die im August im hessischen Ellenbach ausgetragen wird.