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Brücke zwischen Schule und Landwirtschaft

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Der Landjugendverband (LJV) Schleswig-Holstein begleitet die Bildungsoffensive Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BiLEV) bereits seit ihrer Entstehung. Vertreter des Landesvorstandes und des Agrarausschusses brachten sich gemeinsam mit weiteren Akteuren aus Landwirtschaft, Bildung und Politik in die Entwicklung des Projektes ein. Die Bildungsoffensive verfolgt Ziele, die eng mit den Anliegen des LJV verbunden sind: junge Menschen für Landwirtschaft, Ernährung und den ländlichen Raum zu sensibilisieren und zu begeistern.

Beim BiLEV-Mitmachtag Anfang Juni auf dem Milchviehbetrieb von Annika und Christoph Jacobsen in Osterrönfeld machte sich Bundesjugendreferent Thore Groth erneut ein Bild davon, wie die Bildungsangebote in der Praxis funktionieren. Rund 60 Lehrkräfte aus ganz Schleswig-Holstein waren der Einladung gefolgt.

Nach der Begrüßung durch Ina Abel vom Landwirtschaftsministerium durchliefen die Teilnehmenden sechs Praxisstationen entlang der Wertschöpfungsketten „Vom Korn zum Brot“ und „Von der Milch zum Käse“. Die Angebote wurden von verschiedenen Betrieben und Partnern aus dem BiLEV-Netzwerk gestaltet und zeigten, wie sich Themen aus Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz fächerübergreifend in den Unterricht integrieren lassen.

Für Dr. Vera Plähn von der Europa-Universität Flensburg ist ein solcher Tag weit mehr als ein Hofbesuch. „Das ist kein Ausflug, das ist Unterricht“, machte sie deutlich. Die Angebote seien eng an die Lehrpläne angebunden und würden bewusst vor- und nachbereitet. Gleichzeitig sollen die teilnehmenden Lehrkräfte ihre Erfahrungen in die Schulen tragen und dort als Multiplikatoren wirken.

Gastgeber Christoph Jacobsen stellte für die Veranstaltung seinen Milchviehbetrieb mit rund 180 Kühen zur Verfügung und führte die Teilnehmenden in der Mittagspause über den Hof. Aus seiner Sicht leisten solche Besuche einen wichtigen Beitrag dazu, Landwirtschaft transparent zu machen und das Verständnis für die tägliche Arbeit auf den Betrieben zu stärken. Gerade Kinder und Jugendliche aus städtischen Regionen hätten häufig nur bruchstückhafte Vorstellungen von Landwirtschaft. Umso wichtiger seien direkte Einblicke in die Praxis.

Weitere Betriebe im Land gesucht

Für den LJV Schleswig-Holstein passt die BiLEV hervorragend zu den eigenen Zielen: Landwirtschaft sichtbar machen, Verständnis fördern und junge Menschen für den ländlichen Raum begeistern. Gleichzeitig möchte der Verband insbesondere junge Landwirtinnen und Landwirte für eine Beteiligung an der Bildungsoffensive gewinnen. Als junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter können sie Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe vermitteln, wie moderne Landwirtschaft heute funktioniert und welche Perspektiven der ländliche Raum bietet.

Der BiLEV-Katalog umfasst 204 Bildungsangebote von 133 Betrieben in ganz Schleswig-Holstein. Foto: Thore Groth
Für Landwirt Christoph Jacobsen dienen die Besuche dazu, Landwirtschaft transparent zu machen. Foto: Thore Groth
Ziel der BiLEV ist es unter anderem, das Verständnis für die Landwirtschaft zu fördern. Foto: Thore Groth


Der aktuelle BiLEV-Katalog umfasst inzwischen 204 Bildungsangebote von 133 Betrieben in ganz Schleswig-Holstein. Entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette können sich weitere Höfe und agrarische Unternehmen als außerschulische Lernorte einbringen. Für jede durchgeführte Veranstaltung erhalten die beteiligten Betriebe eine Aufwandsentschädigung von 400 €. Die Angebote werden gemeinsam mit der Europa-Universität Flensburg entwickelt und begleitet. Zudem werden interessierte Betriebe durch Qualifizierungsangebote auf ihre Rolle als außerschulischer Lernort vorbereitet. Niemand muss also als fertige „Lehrkraft“ starten; gefragt sind vor allem die Erfahrungen und Einblicke aus der Praxis.

Realistische Einblickein die Landwirtschaft

Die Angebote sind eng an die Lehrpläne angebunden und zeigen, dass Landwirtschaft weit mehr Anknüpfungspunkte bietet als nur für den Biologieunterricht. Auch Mathematik, Wirtschaft, Politik, Geografie oder Ernährungsbildung lassen sich unmittelbar mit den Themen verbinden. Noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung sei jedoch die Möglichkeit, jungen Menschen einen realistischen Einblick in die moderne Landwirtschaft zu geben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Über den Agrarausschuss und die zahlreichen Kontakte in die landwirtschaftliche Praxis möchte der LJV auch künftig als Multiplikator wirken und interessierte Betriebe mit den Verantwortlichen der BiLEV vernetzen. Denn wer Verständnis für Landwirtschaft schaffen möchte, muss Landwirtschaft erlebbar machen – am besten direkt dort, wo Lebensmittel entstehen.

Land bleibt auf Kurs zum klimaneutralen Industrieland

Die Energiewende legt in Schleswig-Holstein weiter zu: Allein im Jahr 2025 wurden Solar- und Windkraftanlagen mit einer Leistung von 1,5 GW neu in Betrieb genommen. Gleichzeitig sanken die Treibhausgas (THG)-Emissionen Schleswig-Holsteins im Jahr 2025 gegenüber 1990 um rund 38 %, gegenüber dem Vorjahr um rund 1 %. Damit sind die gesetzlich verankerten Klimaschutzziele für 2030 und 2040 weiterhin erreichbar.

Zugleich macht der Bericht deutlich, dass vor allem in den Bereichen Wärme und Verkehr zusätzliche Anstrengungen vom Bund erforderlich sind, um das Minderungsziel von 57 % bis 2030 zu erreichen Dies sind die zentralen Ergebnisse des neuen Energiewende- und Klimaschutzberichts 2026, den die Landesregierung vorgelegt hat.

Klimaschutzminister Tobias Goldschmidt (Grüne) verdeutlicht: „Das Ziel erfordert jetzt eine konsequente Umsetzung unserer Klimaschutzmaßnahmen im Land. Gerade im Bereich Verkehr und Gebäude ist die Politik aus Berlin allerdings ein echtes Risiko. Statt in die fossile Richtung zu blinken, muss die Bundesregierung jetzt alles tun für eine beschleunigte Energiewende.“

Mit dem Energiewende- und Klimaschutzbericht dokumentiert die Landesregierung den aktuellen Stand bei der Erreichung der Energie- und Klimaschutzziele des Landes, stellt aktuelle Daten zur Entwicklung der THG-Emissionen und der Erneuerbaren Energien bereit und schreibt die Maßnahmen des Klimaschutzprogramms 2030 fort.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien bleibt ein zentraler Treiber der Energiewende in Schleswig-Holstein. Allein im Jahr 2025 wurden gemäß Marktstammdatenregister rund 800 MW zusätzliche Windenergieleistung an Land und rund 700 MW Photovoltaik netto zugebaut. Damit verfügt Schleswig-Holstein inzwischen über rund 9,9 GW installierte Windenergieleistung an Land – so viel wie kein anderes Flächenland bezogen auf seine Landesfläche. Mit rund 600 kW installierter Windenergieleistung je Quadratkilometer weist Schleswig-Holstein bundesweit die höchste Windenergiedichte auf. Aktuell sind zudem bereits Anlagen mit einer Leistung von 2,7 GW genehmigt und in der Umsetzung. Im Genehmigungsverfahren befinden sich weitere 2,3 GW Windenergieleistung. Damit ist Schleswig-Holstein auf einem guten Weg, das Ausbauziel von 15 GW Wind an Land bis Anfang der 2030er Jahre zu erreichen.

Auch die Solarenergie wächst weiterhin dynamisch: Im Jahr 2025 wurden rund 700 MW neue PV-Leistung netto zugebaut. Gemeinsam mit dem Ausbau der Windenergie rückt das Land seinem Ziel von mindestens 45 TWh Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien bis 2030 Schritt für Schritt näher.

Beim Ausbau von Speichern wurden ebenfalls deutliche Fortschritte erzielt. Seit Anfang 2022 wurden mehr als 80.839 Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von rund 645 MW in Betrieb genommen. Damit wird die Integration von Erneuerbarer Energie in das Energiesystem weiter verbessert.

Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen zeigt ein differenziertes Bild. Besonders die Energiewirtschaft und die Industrie tragen weiterhin maßgeblich zur Emissionsminderung bei, auch die Landwirtschaft ist auf gutem Weg zur Erreichung ihres Minderungsziels. Zugleich bleibt deutlich, dass insbesondere in den Bereichen Gebäude und Verkehr zusätzliche Fortschritte erforderlich sind, um die Klimaschutzziele für 2030 zu erreichen.

Der Bericht ergänzt das schleswig-holsteinische Klimaschutzprogramm 2030 um weitere konkrete Maßnahmen. Im Bereich der Wärmewende wird das Land künftig die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung durch ein Quartierswärmemanagement unterstützen. Zusätzlich soll ein Kommunalfonds Gemeinden bei investiven Wärme- und Effizienzprojekten in der Startphase entlasten.

Im Verkehrssektor wurde die Landestrategie Elektromobilität fortgeschrieben. Darüber hinaus stehen Mittel des Landes für zusätzliche Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität zur Verfügung. Im Jahr 2025 wurden in Schleswig-Holstein mehr als 15.000 batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Damit entfiel rund jede fünfte Neuzulassung (22 %) auf ein vollelektrisches Fahrzeug. Im ersten Quartal 2026 sind es bereits über 30 %. Schleswig-Holstein ist damit im Vergleich der Bundesländer Spitzenreiter mit dem höchsten Anteil von batterieelektrischen Fahrzeugen an den Pkw-Neuzulassungen. Für die Transformation der Industrie wird das Maßnahmenpaket zum Wasserstoffhochlauf erweitert. Zudem wurde das Projekt Carbon2Business von Holcim als erstes strategisches Projekt Deutschlands im Rahmen des europäischen Net-Zero Industry Act anerkannt.

Entwicklung der THG-Emissionen nach Sektoren 1990 bis 2024, Vorjahresschätzung für Emissionen 2025 und Minderungsziel 2030 Grafik: MEKUN

Es grünt so grün im Grünland

Für manch einen ist Grünland mit Sicherheit einfach nur grün. Tatsächlich ist die Kenntnis der dort vorkommenden Pflanzenarten aber unabdingbar, um feststellen zu können, ob die Zielsetzung für die Fläche mit dem Bestand zusammenpasst. Soll qualitativ hochwertiges Futter für Milchkühe produziert werden, müssen die vorkommenden Gräser, Kräuter und Leguminosen einen entsprechenden Futterwert aufweisen. Ist ein vielfältiger und resilienter Bestand angestrebt, sollte auch hier überprüft werden können, ob diese Vielfalt überhaupt gegeben ist.

Befinden sich die Gräser im blütenlosen Zustand, muss man teilweise ganz genau hinsehen, um herauszufinden, mit welcher Art man es zu tun hat. Merkmale wie das Blatthäutchen, Blattöhrchen oder die Blattform sind einige der Indizien für die Bestimmung.

Am 16. Juni fand auf der Versuchsstation der Landwirtschaftskammer in Schuby ein Seminar zur Pflanzenbestimmung im Grünland statt. Die Teilnehmenden hörten zunächst zwei Vorträge zu den Grünlandversuchen auf der Station, aktuellen Geschehnissen aus dem Sortenprüfwesen, zu grundlegenden Fakten zur Grünlandwirtschaft und Bestandesansprache und schließlich zu den Grundlagen der Gräser- und Pflanzenbestimmung im Grünland. Bei ersten praktischen Übungen an ausgestochenen Grassoden wurde sich mit verschiedenen Bestimmungsschlüsseln vertraut gemacht. Anschließend ging es in den Gräsergarten der Versuchsstation. Dort sind verschiedene Gräserarten in Reinkultur in Parzellen und auch einige Mischungen angelegt. Durch unterschiedliche Schnittzeitpunkte können die Gräser sowohl im blütenlosen als auch im Blütenstadium bestimmt werden. Darüber hinaus konnten in den angelegten Mischungen auch diverse Kräuter und Leguminosen begutachtet werden.

Das Seminar findet in leicht abgewandelter Form und unter ähnlichen Titeln jedes Jahr statt. Auch nächstes Jahr können Interessierte feststellen, dass Grünland ganz und gar nicht einfach nur grün ist.

Erster Zweisternesieg für Janine Rijkens

Die Breitenburger Reitertage boten zum 74. Mal an drei Turniertagen Springsport auf höchstem Niveau und spannende Entscheidungen. Reiter und Pferde trotzten der großen Hitze.

Sportlicher Höhepunkt des Turnierwochenendes war der mit 5.000 € dotierte Große Preis in Memoriam an Breido Graf zu Rantzau. Insgesamt 30 Paare stellten sich dem Parcours über 1,45 m. Lediglich sieben von ihnen beendeten den ersten Umlauf fehlerfrei und qualifizierten sich für das Stechen.

Zu den Finalisten gehörte auch Hannes Ahlmann aus Reher, Kreis Steinburg, der mit der Cascadello-Tochter Cosima schon die Youngster-Springprüfung der Klasse S gewonnen hatte. Im Stechen des Großen Preises setzte er mit der neunjährigen Kasuarina HHL in 31,89 s eine starke Marke und wurde Zweiter. Auch die Pinnebergerin Janne Friederike Meyer-Zimmermann und E-Maitresse TVH Z flogen förmlich durch den Parcours. Mit einer Zeit von 32,01 s belegten sie am Ende den dritten Platz.

Den Sieg sicherte sich Janine Rijkens mit ihrem KWPN-Wallach Mattie. Das Paar hatte bereits während der gesamten Saison mit hervorragenden Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. „Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel, weil es unser erster Erfolg in einem Zweisternespringen ist“, freute sich die Elmshornerin. „Wir hatten in den vergangenen Stechparcours nicht immer das nötige Glück, aber heute war es auf unserer Seite.“ Auf die Frage, wie sie ihren Erfolgspartner Mattie beschreiben würde, musste Rijkens nicht lange überlegen: „Er ist einfach perfekt.“

Für Janne Friederike Meyer-Zimmermann sind die Breitenburger Reitertage eng mit der Erinnerung an Breido Graf zu Rantzau verbunden. „Breido war ein sehr direkter Mensch. Vielleicht kam nicht jeder mit dieser Art zurecht, aber ich habe sie immer geschätzt“, erklärte sie. Obwohl sie einen erheblichen Teil ihrer Saison auf internationalen Turnieren verbringt, versucht sie, die Veranstaltung fest in ihrem Kalender einzuplanen: „Es ist wichtig, die traditionsreichen Turniere im Land zu unterstützen.“

Ein weiterer Höhepunkt war die Ermittlung der Kreismeister des Reiterbundes Steinburg. In der kleinen Tour starteten die Reiterinnen der Leistungsklassen vier und fünf, während die große Tour für die Leistungsklassen drei und vier ausgeschrieben war. Hanna Kampen sicherte sich mit Karla Kolumna den Kreismeistertitel in der kleinen Tour. Sie verwies Lucy Mohr mit Kayleen und Mia Sophie Biemann mit Cayenne auf die Plätze zwei und drei. In der großen Tour durfte sich Pamina Caroline Bengtsson mit Silent Pepper über die Goldmedaille freuen. Silber ging an Katrin Magens mit Clooney. Katharina Först und Unique komplettierten das Podium.

Im Rahmen der Ehrung richtete die erste Vorsitzende des Reiterbunds Steinburg, Lena Marie Dühring, ihren Dank an die zahlreichen Menschen, die zum Gelingen der Kreismeisterschaften und der gesamten Veranstaltung beigetragen hatten. „Hinter diesen Turniertagen steckt eine enorme Gemeinschaftsleistung. Viele Helfer sind seit Tagen im Einsatz, übernehmen Verantwortung und sorgen dafür, dass trotz Hitze und eines umfangreichen Programms alles funktioniert.“

Sonja Wilke, erste Vorsitzende des Reitvereins Breitenburg, zog am Ende der Veranstaltung ein positives Fazit. Auch sie wusste das Engagement der ehrenamtlichen Helfer zu schätzen. „Trotz der großen Hitze waren sie jeden Tag hier, haben angepackt und uns an allen Stellen unterstützt. Nur durch diesen Einsatz ist es möglich, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen“, sagte sie. Ebenso unverzichtbar sei die Unterstützung der zahlreichen Sponsoren. Ihr besonderer Dank galt Moritz Graf zu Rantzau, der dem Verein die historische Anlage für die Veranstaltung zur Verfügung stellte: „Es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir diesen besonderen Turnierplatz jedes Jahr nutzen dürfen. Dafür sind wir der Familie zu Rantzau sehr dankbar.“ pm

Genügsam und nostalgisch

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Löwenmäulchen wurden wegen ihrer Blühfreudigkeit und ihrer relativ geringen Ansprüche schon früh in Bauerngärten gezogen. Heute gibt es eine große Anzahl an Sorten in vielen Farben. Ein wenig Mühe macht das jährliche Vorziehen. Am richtigen Standort und mit etwas Glück können Löwenmäulchen aber auch überdauern und so über Jahre hinweg Blütenfülle bringen.

Löwenmäulchen gehören zur Familie der Rachenblütler (Scrophulariaceae). Die etwa 35 bis 40 Arten der Gattung Antirrhinum sind teils im Mittelmeerraum, teils in Nordamerika beheimatet. Unser Gartenlöwenmäulchen stammt von Antirrhinum majus, dem Großen Löwenmäulchen, ab. Dessen wilde Verwandte sind im westlichen Mittelmeerraum zu finden, insbesondere auf der Iberischen Halbinsel, in Marokko und Frankreich, wo sie vorzugsweise in Felsspalten und auf trockenen Geröllhalden wachsen.

Sonnenliebendes Paar: Löwenmäulchen mit Oregano
Bei der Selbstaussaat entstehen oft bunte Mischungen.

In mitteleuropäischen Bauerngärten wurden Löwenmäulchen schon früh als ausdauernde Schnittblumen gepflanzt. Seit dem 15. Jahrhundert entstanden durch Züchtung zahlreiche Sorten. Heute sind Löwenmäulchen in vielen Sorten und Schattierungen von Weiß, Gelb, Rosa, Orange und Rot zu haben, sowohl in leuchtenden Farben wie auch in Pastelltönen. Besonders reizvoll sind bunte Mischungen verschiedenfarbiger Löwenmäulchen. Es gibt aber auch etliche zweifarbige und changierende Züchtungen, die auch Pflanzungen aus nur einer Sorte lebhaft erscheinen lassen.

Im Garten lassen sich Löwenmäulchen vielseitig mit anderen sonnenliebenden Sommerblumen und Stauden kombinieren. Je nach Farbe passen sie gut zu Ringelblumen, Tagetes, Kosmeen, Jungfer im Grünen, Zinnien und Rittersporn. An Trockenmauern harmonieren sie mit mediterranen Kräutern wie Lavendel, Helichrysum (Currykraut) und Ysop.

Beliebte Hummelpflanze

Neben „Löwenmaul“ sind „Kalbsmaul“ und „Froschgoscherl“ (Froschmaul) regionale Bezeichnungen, die sich auf die auffällige Blütenform beziehen. Kinder (und auch manche Erwachsene) lieben es, die Blüten seitlich zusammenzudrücken, damit die „Mäuler“ sich öffnen. Beliebt sind Löwenmäulchen aber auch bei Insekten. Vor allem Hummeln haben genügend Kraft, die Blüten aufzudrücken, wozu sie auch ihr Gewicht einsetzen. Aber auch einige Wildbienenarten und manchmal auch Honigbienen zwängen sich in die Blüten, um an den Nektar zu gelangen.

Löwenmäulchen „verstecken“ ihren Nektar im Rachen zwischen unterer und oberer Lippe.
Im Schutz einer Mauer überwintern Löwenmäulchen und blühen dann im Folgejahr besonders früh.

Zumeist werden Löwenmäulchen als einjährige Sommerblumen gezogen, eigentlich sind die meisten Sorten aber mehrjährig. Besonders früh und lange blühen Pflanzen, die ab Februar im Haus vorgezogen werden. Alternativ kann man ab März, April direkt ins Freiland säen, auch eine Aussaat bereits im frühen Herbst ist möglich. Insbesondere bei Direktsaat sollte man darauf achten, die feinen Samen nicht zu dicht zu säen (eventuell das Saatgut mit Sand mischen), um sich viel Arbeit mit mühsamem Vereinzeln zu ersparen.

Als Lichtkeimer werden die Samen nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt. Bis zum Aufgehen muss die Aussaaterde entsprechend feucht (nicht nass!) gehalten werden. Die Sämlinge werden in kleine Töpfe pikiert und können ab Mitte April ins Beet gesetzt werden. Kurzzeitige, leichte Spätfröste können die Blätter verfärben, schaden den jungen Pflanzen in der Regel aber nicht. Gegen stärkeren Frost hilft eine vorübergehende Vliesabdeckung.

Luftiger Standort

Der Pflanzabstand sollte 20 bis 30 cm betragen, bei zu dichtem Stand sind Löwenmäulchen anfällig für Mehltau und Rostpilze. Deshalb sollte der Standort möglichst sonnig und luftig, der Boden durchlässig und nicht zu nährstoffreich sein. Ideal sind humose, eher sandige und leicht saure Böden. Eine gute Gabe reifer Kompost, die vor der Pflanzung in den Boden eingearbeitet wird, reicht in der Regel als Dünger aus. Halbschatten ist möglich; mangelt es an Licht, bleiben die Pflanzen allerdings im Wachstum zurück und blühen spärlicher.

Entsprechend ihrer Herkunft vertragen Löwenmäulchen Trockenheit prinzipiell besser als Nässe und gedeihen auch gut auf steinigen Böden und Trockenmauern. Bei anhaltender Trockenheit werden allerdings weniger Blüten gebildet, und an den Blättern kann Rost auftreten. Deshalb sollte man das Gießen in solchen Phasen nicht vernachlässigen.

Klares, reines Rot: ‚Défiance‘
Bei ‚Black Prince‘ ist auch das Laub dunkel gefärbt.

Je nach Sorte und Standort werden Löwenmäulchen 15 bis 90 cm hoch. Werden sie mit einer Höhe von etwa 10 cm pinziert, wachsen die Pflanzen besonders buschig. Andernfalls müssen hohe Sorten an windigen Standorten eventuell gestützt werden. Bei früher Aussaat wachsen Löwenmäulchen im Lauf des Sommers zu kräftigen Pflanzen heran, die vom Frühsommer bis zum Herbst über viele Wochen hinweg blühen, besonders dann, wenn sie regelmäßig geschnitten werden.

Vor allem die niedrigen Sorten gedeihen auch in sonnig stehenden Kübeln und Balkonkästen, müssen dann aber, wie (fast) alle Topfpflanzen, regelmäßig bewässert werden. Weil Löwenmäulchen auf Kalk empfindlich reagieren, werden sie idealerweise mit Regenwasser, sonst mit abgestandenem Wasser gegossen. Sowohl im Kübel wie auch auf dem Beet sollte man wegen der Pilzgefahr darauf achten, beim Gießen nach Möglichkeit die Blätter nicht zu benetzen.

Traditionelle und neuere Sorten

Entsprechend der beliebten Verwendung als Schnittblume sind unter den traditionellen Sorten vor allem hochwachsende zu finden, so etwa die rubinrot blühende ‚Ruby‘, die bereits im frühen 20. Jahrhundert in Saatgutkatalogen beschrieben wurde und 50 bis 90 cm hoch wird. Auch ‚Snowflake‘ (‚Schneeflocke‘), eine reinweiß blühende Sorte bis 80 cm Höhe, ist mindestens seit den 1920er Jahren im Handel. Aus der gleichen Zeit stammt ‚The Rose‘, eine Sorte mit besonders großen, roséfarbenen Blüten.

In Bauerngärten als hohe Schnittblume gezüchtet: ‚Ruby‘
‚The Rose‘ hat besonders große Einzelblüten.

Die Sorte ‚Altgold‘ von 1946 blüht zweifarbig in Altrosa und warmem Gelb, dazu ist die Sorte besonders resistent gegen Löwenmäulchenrost. Zu den hohen Sorten gehört auch ‚Appleblossom‘, die mit ihren Blüten in Weiß und Blassrosa gut in romantische Gärten passt. Die neuere ‚Orange Wonder‘ blüht in Orange- und Rottönen, dazu passt die hellgelbe ‚Canary Bird‘, die sich durch relativ gute Winterhärte (bis −8 °C) und kräftigen Wuchs auszeichnet. Die Pflanzen werden 60 bis 80 cm hoch.

Zu den mittelhoch wachsenden Sorten gehört mit etwa 50 cm Wuchshöhe die alte Sorte ‚Rembrandt‘, deren zweifarbig rot-gelbe Blüten süß duften. Noch etwas niedriger bleibt mit 40 cm ‚Défiance‘, eine reinrot blühende Sorte aus den 1930er Jahren. ‚Black Prince‘ wurde erstmals 1923 in einem englischen Samenkatalog erwähnt. Nicht nur sind ihre Blüten dunkelsamtrot, auch das Laub ist purpurfarben bis schwärzlich, was einen schönen Kontrast mit helleren Blumenfarben ergibt.

Es gibt auch gefüllte Hybriden wie ‚Madame Butterfly‘, deren Blüten aber nicht mehr die typische Löwenmaulform haben (azaleenblütige Löwenmäulchen). Auch die pfirsichrosafarbene ‚Twinny Peach‘ und die blassrosa ‚Twinny Appleblossom‘ (nicht zu verwechseln mit der hohen, ungefüllten, samenfesten Sorte) blühen gefüllt und bleiben dazu mit 25 cm sehr niedrig. Somit eignen sie sich besonders gut für Topfkultur und Blumenkästen. Die ungefüllte Zwergsorte ‚Scarlet‘ wird sogar nur 15 cm hoch und blüht kräftig hellrot.

Blütezeit verlängern

Löwenmäulchen blühen an den Stängeln von unten nach oben auf, wobei die unteren Blüten nach dem Verblühen rasch Samen bilden. Regelmäßiges Entfernen der abgeblühten Blüten lenkt die Kraft in die Bildung neuer Blüten und verlängert so die Blütezeit. Schneidet man Blütenstiele für die Vase, sollte man die Stängel oberhalb einer Verzweigung schneiden. Aus diesen entwickeln sich dann bald neue Blütentriebe. Löwenmäulchen sind haltbare Schnittblumen. Am längsten halten sie sich in der Vase, wenn sich beim Schnitt erst ein Drittel bis die Hälfte der Knospen am Stiel geöffnet hat.

Zweifarbige Sorten wirken auch als Einzelsorte lebhaft: ‚Eldorado‘.
Die zweifarbige Sorte ‚Altgold‘ ist resistent gegen Rostpilze.

Dass Löwenmäulchen oft nur einjährig gezogen werden, liegt daran, dass sie nur einigermaßen milde Winter überstehen. Schon eine kurze, strenge Frostperiode überleben die ursprünglich mediterranen Stauden meist nicht, allerdings kommen kräftige Pflanzen, die im Herbst schon etwas verholzt sind, besser mit niedrigen Temperaturen zurecht. Auch scheinen die traditionellen, samenfesten Sorten in dieser Hinsicht robuster zu sein als die hochgezüchteten F1-Hybriden.

Eine Reisigabdeckung bei Frostgefahr erhöht die Überlebenschance. Auch magerer, trockener Boden und ein geschützter Standort im Winter, etwa vor einer Mauer, tragen dazu bei, dass Löwenmäulchen mit höherer Wahrscheinlichkeit überdauern. Sie verholzen dann teilweise und werden dadurch im Folgejahr nochmals kälte­unempfindlicher. Zu Beginn des neuen Austriebs im Frühjahr sollten die vorjährigen, eingetrockneten Triebe der Staude dann entfernt werden. Werden Löwenmäulchen zum Ende der Saison nicht mehr geschnitten, vermehren sie sich auch gern durch Selbstaussaat. Die Samen sind winterhärter als die Pflanzen.

Farbe und Licht in freier Natur

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Mit der Sonderausstellung „Rund um den Schwielowsee – Die Havelländische Malerkolonie“, lädt das Künstlermuseum Heikendorf noch bis zum 30. August ein, die Landschaft rund um den Schwielowsee durch die Augen von 25 bildenden Künstlerinnen und Künstlern zu entdecken. Bei einem Rundgang stellt Museumsleiterin Dr. Sabine Behrens einige der knapp 60 Leihgaben aus dem Museum der Havelländischen Malerkolonie in Ferch vor.

Rund 30 km westlich von Berlin, am Ende des Schwielowsees, liegt der kleine Ort Ferch. Am Rande dieses Fischerdorfes erhebt sich eine hügelige, waldreiche Moränenlandschaft Richtung Havelland. „Ende des 19. Jahrhunderts machten sich Künstlerinnen und Künstler auf den Weg, um dort abseits vom Trubel der Zeit in freier Natur zu malen. Fanden sie doch in diesem Dorf viele ursprüngliche und idyllische Landschaftsmotive“, erzählt Sabine Behrens bei einem Ausstellungsrundgang.

Menschen vom Land bei ihrer Arbeit zu malen, wie es Impressionist Carl Kayser-Eichberg tat, war lange Zeit verpönt.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Damals war es keineswegs selbstverständlich, sich ganzjährig bei Wind und Wetter mit Staffelei und Farbpalette in die Natur zu stellen oder zu setzen, um das zu malen, was man sah: Wasserflächen mit Spiegelungen, wogende Schilfhalme, knorrige Kiefernwälder, schiefe Fischerhäuschen oder Dörfler beim Erledigen des Tagwerks. Im akademischen Kunstbetrieb malte man gewöhnlicherweise in Ateliers und widmete sich Historienbildern oder mythologischen und religiösen Motiven nach genauen technischen Vorgaben hinsichtlich Komposition und Stil. Man malte nichts, was mit dem alltäglichen Leben zu tun hatte, denn die Kunst sollte den Bürgern erhabene Ideale vor Augen führen. Dies empfanden jedoch immer mehr Künstler als ein „akademisches Korsett“, das ihnen zu eng erschien. Und so zog es sie jenseits gesetzter Normen hinaus, dorthin, wo sie freier und unabhängiger arbeiten konnten. Auch Frauen, denen das Kunststudium im wilhelminischen Deutschland verweigert wurde, fanden hier eine Möglichkeit, sich zu verwirklichen.

Deutscher Impressionismus

Die Kunstströmung dieser Malerei nannte sich deutscher Impressionismus, in dessen Mittelpunkt die Freilichtmalerei, auch Pleinairmalerei genannt, stand. Die Landschaft war nicht mehr nur Hintergrund, sondern alleiniges Thema. „Die Erschließung des Umlandes von Berlin und Potsdam durch Eisenbahn und Schifffahrt machten die Seen, den Flusslauf der Havel sowie die Wälder und Wiesen der märkischen Landschaft leichter erreichbar und damit zunehmend zu bildwürdigen Themen für Kunstschaffende“, erläutert die Museumsleiterin weiter. Zudem gab die Gründung der Berliner Secession 1898 dem Impressionismus ein Forum, das auf ein wachsendes Interesse des Publikums stieß.

Seine Anerkennung als Künstlerdorf erhielt Ferch durch die Maler Karl Hagemeister (1848-1933), Gründungsmitglied der Berliner Secession, und seinen Freund Carl Schuch (1846-1903). Sie gelten als Begründer der Havelländischen Malerkolonie. Während Carl Schuch während Sommerbesuchen hier malte, lebte Hagemeister von 1877 bis 1892 dauerhaft in Ferch, danach im nahen Geltow. „Auch wenn mit der Zeit viele Künstler nach Ferch und an den Schwielowsee kamen, bildete sich hier kein fester Zusammenschluss von Malern, wie beispielsweise in der Künstlerkolonie Worpswede. Sie kamen allein oder in kleinen, losen Gruppen“, stellt Behrens heraus. Sie bleibt an einem Bild stehen, das schon beim Betreten der weitläufigen Ausstellungsfläche ins Auge fiel. Es ist von Hans von Stegmann und Stein (1858-1925) in Öl auf Leinwand gemalt und zeigt einen Sommertag im Juli 1894.

Ein Sommertag, Juli, 1894, Öl auf Leinwand, Hans von Stegmann und Stein (1858-1925)
Foto: Silke Bromm-Krieger

Eine Frau sitzt am Feldrand, neben ihr blüht leuchtend der Mohn. Der Maler fängt hier einen flüchtigen Augenblick und das hochsommerliche Licht wunderbar ein und transportiert damit beim Betrachter ein Gefühl von Stille und ländlichem Idyll. Hans von Stegmann und Stein, der zur zweiten Generation havelländischer Maler gehörte, studierte an der Berliner Akademie unter Prof. Eugen Bracht (1842-1921), der an der Hochschule für bildende Künste in Berlin von 1882 bis 1901 lehrte. Mit seinen Schülern unternahm der Dozent regelmäßig Ausflüge nach Ferch und Umgebung, damit sie direkt vor der Natur zeichnen und mit lockerem, breit angelegtem Pinselstrich malen konnten.

Von van Gogh inspiriert

Ein paar Schritte weiter macht Behrens auf ein Gemälde von Theo von Brockhusen (1882-1919) aufmerksam. Auch er ließ sich im Havelland zu lichtvollen und farbprächtigen Bildern anregen. „Sein Werk ‚Blick vom Franzensberg Richtung Werder‘, das in Öl auf Leinwand 1914 entstand, offenbart in seinem Stil die Begeisterung für Vincent von Gogh“, bemerkt sie. Obwohl er ihn nie persönlich kennenlernte, van Gogh starb als er acht Jahre alt war, sei er um 1904 erstmals mit seinen Werken in Kontakt gekommen, die ihn fortan inspiriert hätten. Theo von Brockhusen kam von 1906 bis 1918 regelmäßig nach Baumgartenbrück am Nordufer des Schwielowsees. Er quartierte sich im Gasthaus der Familie Herrmann ein, das bis heute existiert. Hier nahm auch der Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane (1819-1898) immer wieder Logie. Er setzte dieser Landschaft durch sein mehrbändiges Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, ein literarisches Denkmal. In der Heikendorfer Schau weist eine mit Büchern und Fotos bestückte Vitrine auf ihn hin.

Ein beachtenswertes Bild ist ebenfalls das vom märkischen Landschaftsmaler Carl Kayser-Eichberg (1873-1964). In seinen Motiven findet sich oft das bäuerliche Leben wieder. Er ist mit einem Ölbild auf Leinwand von 1912 vertreten, das mit „Der Landmann“ betitelt ist und einen Bauern zeigt, der mit dem Schärfen seiner Sense beschäftigt ist. Ländliche Arbeiter boten durch ihre sich wiederholenden Bewegungen draußen in der Sonne ein gutes Studienobjekt, um das Zusammenspiel von Natur, Licht und Mensch unmittelbar festzuhalten.

Malerinnen im Fokus

Vom ersten Ausstellungsraum geht es nun in einen zweiten. Hier haben unter anderen die Werke der einzigen drei Künstlerinnen der Präsentation Platz gefunden: Hanna Schreiber de Grahl (1864-1930), Julie Wolfthorn (1864-1944) und Luise Wacker (1896-?). „Die Lage der Malerinnen im wilhelminischen Deutschland war alles andere als leicht. Ihnen wurde das Studium an den Kunstakademien nicht gestattet. Der Beruf einer Malerin, Grafikerin oder Bildhauerin wurde nicht anerkannt. Deshalb wurde ihnen oft Dilettantismus und ‚Hausfrauenkunst‘ vorgeworfen, denn nach der gängigen Vorstellung waren Geist und Genialität allein das Privileg von Männern“, führt Behrens aus.

Baum mit Weg, o.J., Öl auf Hartfaser, von Julie Wolfthorn, die im Alter von 80 Jahren im Konzentrationslager Theresienstadt starb.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Als private Einrichtung des 1867 gegründeten Vereins der Berliner Künstlerinnen sei 1868 eine Zeichen- und Malschule für die professionelle Ausbildung von Frauen eingerichtet worden. Es sollten aber noch über 50 Jahre ins Land gehen, bis Künstlerinnen 1919 während der Weimarer Republik zum offiziellen Studium an der Preußischen Kunstakademie in Berlin zugelassen wurden. Dennoch blieb für die Künstlerinnen ein durchschlagender Erfolg aus. Im NS-Regime geriet die Frauenkunst ins Abseits, auch die, die im Havelland in höchster ästhetischer Qualität entstand. „Erst mit dem Erstarken der feministischen Bewegung in den 1970er Jahren wurde das Interesse erneut geweckt“, weiß die Museumsleiterin. Sie bleibt vor Bildern von Julie Wolfthorn stehen. Diese wurde in eine bürgerliche Familie jüdischen Glaubens hineingeboren. Ab 1890 studierte sie Malerei und Grafik in Berlin und München, danach in Paris. Seit 1895 wohnte sie bis 1942 mit ihrer Schwester Luise in Berlin. Ihre Cousine Olga Hempel hatte in Ferch ein Sommerhaus. Sie verlockte die Malerin zu zahlreichen Besuchen am Schwielowsee, wo ausdrucksstarke Bilder entstanden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Gründungsmitglied Julie Wolfthorn aus dem Vorstand der Berliner Secession ausgeschlossen. Sie bekam Berufsverbot und starb im Alter von 80 Jahren im Konzentrationslager Theresienstadt. Ein Künstlerinnenschicksal, das nachdenklich macht und berührt.

Zum Abschluss weist Sabine Behrens darauf hin, dass bis heute Kunstschaffende an den Schwielowsee kommen. Ein 2002 gegründeter Förderverein Havelländische Malerkolonie und das 2008 eröffnete Museum der Havelländischen Malerkolonie bewahren das kulturelle Erbe dieser Region.

Info

Das Künstlermuseum Heikendorf ist wie das Museum in Ferch Teil des europäischen Netzwerks euroart, das 46 Künstlerkolonien in zwölf Ländern vereint. Ein Ergebnis dieser Kooperation ist die Sonderausstellung. Mehr Infos und Termine für Führungen unter www.
kuenstlermuseumheikendorf.de

Sabine Behrens freut sich, Werke aus einer privaten Leihgabe der Künstlerin Julie Wolfthorn zeigen zu können.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Bauerngehöft am Kornfeld, 1900, Öl auf Leinwand, von Arthur Borghard (1880-1958)
Foto: Silke Bromm-Krieger
Berlin – Das große Fenster an der Havel VI, o.J., Öl auf Leinwand, von Gerhard Graf (1883-1958)
Foto: Silke Bromm-Krieger
Sommer-Seenlandschaft, 1929, Öl auf Sperrholz von Franz Heckendorf (1888-1962)
Foto: Silke Bromm-Krieger


Im Dialog mit dem Konflikt

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„Wie geht es dir?“ – eine alltägliche Frage, oft beiläufig gestellt, selten ausführlich beantwortet. Im Jüdischen Museum Rendsburg ist diese Frage der Ausgangspunkt einer neuen Ausstellung, bei der mehrere Illustrierende in Gesprächen genau hingehört haben und die Geschichten von im Land lebenden Betroffenen des Nahostkonflikts in Bildern lebendig werden ließen.

Antisemitismus, Hass und Rassismus – seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und den darauf folgenden Auseinandersetzungen und Krisen ist der Alltag in Deutschland lebender Juden und Muslime davon geprägt. Ihnen eine Stimme zu geben, war der Anlass für dieses Ausstellungsprojekt, bei dem in eindringlichen Comics und persönlichen Erzählungen Menschen ihre Gefühle, Eindrücke, Erlebnisse und Gedanken schildern. „Wie geht es dir“ ist dabei in jedem der Comics die Ausgangsfrage, die die Beteiligten aufgegriffen und in 60 gezeichnete Reportagen übersetzt haben.

Mirjam Gläser vom Jüdischen Museum, Projektmitinitiator und Illustrator Moritz Stetter und Gharder Al Holu
(v. li.) von der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein präsentieren ihre Favoriten der Ausstellung.
Foto: Patrick Mühling

Entstanden ist ein vielstimmiger Raum, der jüdische Perspektiven ebenso sichtbar macht wie die Erfahrungen mit Muslimfeindlichkeit, Rassismus und einer Gesellschaft, in der das Gespräch oft schwerfällt – und gerade deshalb umso wichtiger wird. Es ist ein Mix aus Sprachlosigkeit und Ohnmacht bei den Betroffenen: Der Terrorangriff der Hamas-Miliz auf Israel wirkt bei vielen immer noch nach. In den Medien wird bis heute über diesen Konflikt berichtet, was nach wie vor die Frage aufwirft, wie darüber in Deutschland gesprochen werden kann, ohne sich der Polarisierung hinzugeben.

Um dieses komplexe Thema verarbeiten und darauf aufmerksam machen zu können, ohne selbst Stellung zu beziehen, entstand die Ausstellung mit dem Namen „Wie geht es dir?“. Die Zeichnerinnen und Zeichner Hannah Brinkmann, Nathalie Frank, Michael Jordan, Moritz Stetter, Birgit Weyhe und Barbara Yelin haben das Projekt initiiert und standen dafür in engem Kontakt mit betroffenen Menschen sowie Personen aus ihrem direkten Umfeld: Renommierte gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure wie Jouanna Hassoun, Mirjam Wenzel, Meron Mendel und Burak Yilmaz brachen ihr Schweigen und ließen nach intensiven Gesprächen ihre Erinnerungen Bild für Bild entstehen. „Wo zunächst gezögert wurde, zeigte sich schnell, dass gerade diese Gespräche als eine Entlastung empfunden wurden. Dass überhaupt einmal jemand fragt: ,Wie geht es dir‘, sei für viele zentral und erleichternd gewesen“, berichtete Moritz Stetter von seinen Erfahrungen bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung.

Birgit Weyhe thematisiert die Parallelen, die sich zwischen der Judenverfolgung in Nazi-Deutschland und dem Gaza-Konflikt zeigen.
Foto: Patrick Mühling

Die Kunstform Comic, die gesellschaftlich noch immer hauptsächlich mit lustigen Inhalten verbunden wird, hätten die Kunstschaffenden bewusst als Medium gewählt: „Wenn man Text und Bild zusammenfügt, lassen sich komplexe, emotionale Zustände besonders gut abbilden“, so Stetter. Innere Konflikte, Unsicherheit und Zerissenheit ließen sich so für den Betrachter sichtbar machen. Dabei spiele auch der Abstraktionsgrad eine große Rolle. Entscheidend sei gewesen, einen Dialog zwischen den Beteiligten, aber auch mit dem Publikum zu ermöglichen. „Statt weitere Polarisierung zu erschaffen, war es unser Ziel, Empathie zu ermöglichen“, betonte Ghader Al Holu von der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein, die das Projekt mitbetreut hat.

Etwas, das in Anbetracht aktueller Zahlen des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) dringend nötig erscheint. Denn, wie Mirjam Gläser vom Jüdischen Museum erklärte, zeige sich seit der Verschärfung des Nahost-Konflikts ein Anstieg antisemitischer Vorfälle sowie steigende Fälle von antimuslimischem Rassismus. Rassismus, den betroffene Personen aus dem arabischen Sprachraum täglich am eigenen Leib zu spüren bekämen. Al Holu machte während der Führung deutlich, dass sie sich in vielen der Werke wiedererkannt habe. Es gehe um die eigene Identität und den wiederkehrenden Wunsch, nicht als Projektionsfläche für gesellschaftliche Debatten zu dienen. Auch die Erfahrung, die eigene religiöse Zugehörigkeit lange verborgen zu halten, um nicht verurteilt oder angegriffen zu werden, zieht sich durch die Erzählungen vieler der ausgestellten Comics.

Ich schaffe das. Wie schaffe ich das? Wie schaffe ich noch weitere Jahre Deutschland?“ Der Comic zeigt die Zerrissenheit von Betroffenen im Land.
Foto: Patrick Mühling

So beschreibt beispielsweise Amal, eine Deutsch-Palästinenserin, wie sie sich nicht mehr von ihrem Handy losreißen kann. Grund dafür sei die ständige Berichterstattung über Ereignisse aus dem Gaza-Streifen, wo ihre Familie lebte und im Krieg ums Leben kam. Sie lernt die Jüdin Ruth kennen, der sie sich anvertraut und die Amals Erfahrungen verstehen und einordnen kann.

Benji, der sich selbst als jüdischer Berliner betrachtet, kam als Kontingentgeflüchteter nach Deutschland, wo seine Familie ihm beibrachte, seine religiöse Zugehörigkeit zu verbergen. Erst nach der Verschärfung des Gaza-Konflikts outete sich Benji bei seinen Freunden als Jude und erfuhr Verständnis von einem muslimischen Freund, der Rassmismus erlebt hatte. „Diese Ausstellung ist deshalb so wichtig, weil sie die sogenannte Mehrheitsgesellschaft im Land dafür sensibilisiert, wie groß die Bedeutung des Nahostkonflikts für betroffene Personen in Deutschland ist“, betonte Gläser. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Juli zu sehen. Weitere Informationen unter www.jmrd.de



Nutztierzucht: Primat der Leistung liegt hinter uns

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Im Umwelt- und Agrarausschuss des Kieler Landtages herrscht Streit zum Thema Qualzucht. Einem Antrag der FDP folgte ein Alternativantrag der Regierungsparteien. Das Bauernblatt hat die Parteien um Stellungnahme und Prof. Georg Thaller von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel um eine Einordnung gebeten.

Der Begriff „Qualzucht“ ist emotional aufgeladen. Wie definiert die Wissenschaft die Grenze zwischen einer tolerierbaren Leistungs- oder Rassezucht und echter Qualzucht?

Prof. Georg Thaller: Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass der Begriff Qualzucht rechtlich nicht definiert ist und umgangssprachlich für den Tatbestand §11b Tierschutzgesetz (TSchG) verwendet wird. Eine trennscharfe Definition für eine tolerierbare Leistung in Kilogramm oder Zentimeter wird und kann der Problematik nicht gerecht werden. Auch aus einer Verpaarung durchschnittlich veranlagter Tiere können Nachkommen mit deutlichen Abweichungen hervorgehen. Eine ‚echte‘ Qualzucht wäre für mich, wenn bewusst Paarungen durchgeführt werden, die erwartbar den Tatbestand §11b verletzen.

Denkt man an Qualzucht, fallen einem Möpse mit Atemnot oder Nacktkatzen ein. Wie unterscheiden sich Heim- und Nutztierzucht?

Ich sehe den Unterschied vor allem in den formulierten Zuchtzielen, die der Problematik zugrunde liegen können. Bei Nutztieren sind die Zuchtprogramme auf ein balanciertes Zuchtziel ausgerichtet, mit einer besonderen Betonung von funktionalen und Gesundheitsmerkmalen sowie der Nutzungsdauer, die insgesamt mehr als die Hälfte der Gesamtgewichtung ausmachen. In der Heimtierzucht werden zum Teil morphologische Merkmale mit extremen Ausprägungen als Ideal angesehen, auf denen das Hauptaugenmerk bei der Zucht liegt.

In der Nutztierhaltung wurde über Jahrzehnte auf Leistung selektiert. Haben wir Grenzen überschritten?

Die Zucht auf höhere Leistung hat sich in der Vergangenheit an den ökonomischen Anforderungen orientiert, die sich nicht zuletzt aus der hohen Nachfrage nach tierischen Erzeugnissen ergeben haben. Die genannten Zuchtziele gewährleisten prinzipiell das Vermeiden von Extremen, dennoch gibt es Einzelfälle, die durchaus kritisch zu sehen sind. Ich denke dabei an die Muskelfülle der Blau-Weißen Belgier oder bei Broilern.

Das Milchleistungspotenzial der Holstein-Friesian-Kühe ist riesig, aber die Nutzungsdauer liegt oft unter drei Laktationen. Ist das bereits ein Qualzuchtsymptom?

Nein, hier muss die Praxis in der Milchrinderhaltung mit betrachtet werden. Das genetische Potenzial für die Nutzungsdauer ist ebenfalls enorm. In einem aktuellen Projekt zum genetischen und phänotypischen Monitoring der bedeutenden Milchrinderrassen in Deutschland ist eindeutig ein steter genetischer Fortschritt bei der Nutzungsdauer zu erkennen. Dass sich dieser nicht in vollem Umfang auf die beobachtete Nutzungsdauer niederschlägt, die sich in den vergangenen zehn Jahren von 3,0 auf 3,3 Jahre erhöht hat und nicht zurückging, ist auch darauf zurückzuführen, dass ein Großteil der Färsen nachgezogen wird und aus wirtschaftlichen und züchterischen Überlegungen ältere Kühe ersetzen. Management und Selektionsentscheidungen sind hier die bestimmenden Faktoren.

Sauen werfen mehr Ferkel, als sie Zitzen haben. Die Folge sind höhere Totgeburtenraten und der Zwang zu technischen Lösungen. Wo verläuft die rote Linie?

Die Zucht auf Reproduktion hat in den letzten Jahren zu einer deutlichen Zunahme der Anzahl lebend geborener Ferkel geführt. Diese Anzahl reflektiert in weiten Teilen ein solides ökonomisches Standbein der Ferkelerzeugung mit großen einheitlichen Partien. Der natürlichen Variation der Ferkelgewichte innerhalb eines Wurfes wird in der Praxis durch Wurfausgleich begegnet. Dabei gibt es Grenzen, so dass technische aber noch verbreiteter natürliche Ammensauen oder Milchbeifütterung ins Spiel kommen.

Insgesamt ist es aus Sicht des Tierschutzes und der Ethik durchaus kritisch zu bewerten, wenn Tiere mutterlos aufgezogenen werden. Dies sollte nur eine Überganglösung darstellen. Die derzeitigen hohenWurfgrößen sind sicherlich als grenzwertig aus Sicht des Tierschutzes zu betrachten. Stetige Verbesserungen in Management und Haltung haben in den letzten Jahren aber gleichzeitig zu einer hohen Anzahl erfolgreich aufgezogener Ferkel pro Sau geführt. Nicht zuletzt dies zeugt davon, dass sich die landwirtschaftliche Praxis der hohen Verantwortung in diesem Bereich bewusst ist und Lösungen erarbeitet sowie umsetzt.

Bei Mastputenlinien gibt es keine natürliche Paarung mehr. Fällt das unter das Qualzuchtverbot?

Die natürliche Fortpflanzungsfähigkeit schwerer Putenlinien ist stark eingeschränkt, so dass ausschließlich die künstliche Besamung angewendet wird. Diese Technologie wird in der Nutztierzucht über alle Tierarten aus verschiedenen Gründen breit eingesetzt und ist akzeptiert. In der gängigen Praxis sehe ich keine tierschutzrelevanten Ansatzpunkte, halte aber auch die natürliche Paarung mit den möglichen Schäden und Schmerzen für sehr kritisch. Aus meiner Sicht sollten sich Nutztierrassen und -linien ohne §11b-relevante Einschränkungen uneingeschränkt natürlich fortpflanzen können. Dies muss dann gegebenenfalls in der Zuchtzielsetzung korrigiert werden.

Sind die Zunahmen bei Mastgeflügel ein Qualzucht-Thema?

Die hohen Zunahmen an sich müssen nicht unmittelbar tierschutzrelevant sein. Allerdings hat die vermehrte Vermarktung von Teilstücken zur Folge, dass der Brustfleischanteil steigt. Zusammengenommen kann dies zu eingeschränkter Bewegungsaktivität gegen Mastende, zu einem starken Anstieg an Beinschäden oder eine signifikant höhere Mortalität führen, die dann ohne Zweifel tierschutzrelevant sind.

Heute werden beim Gesamtzuchtwert Fitness-, Gesundheits- und Langlebigkeitsmerkmale stärker gewichtet als vor zwanzig Jahren. Reicht diese Anpassung aus?

Dieser Sachverhalt ist richtig und lässt sich bei allen Nutztierarten und -rassen beobachten. Die kontinuierlich stärkere Betonung der funktionalen Merkmale ermöglicht eine balancierte und ökonomische Zucht ohne Überbetonung von spezifischen Leistungsmerkmalen. Die genetischen und phänotypischen Entwicklungen der Einzelmerkmale (zum Beispiel Totgeburtenrate) werden ständig überprüft und die Zuchtziele bei Bedarf adjustiert.

Ist die genomische Selektion ein Treiber von Extremen oder bietet sie die Chance, Gesundheitsmerkmale nach vorne zu bringen?

Die genomische Selektion ist ein Verfahren, welches eine deutliche Steigerung des Zuchtfortschritt auch in den Leistungsmerkmalen ermöglicht und bewirkt hat. Die nachhaltigeren Vorteile sind aber im Bereich Gesundheit gegeben. Erst mit der genomischen Selektion war es möglich, verlässliche Gesundheitszuchtwerte für Kühe zu schätzen, die auf den Betrieben für fundiertere Selektions- und Anpaarungsentscheidungen innerhalb der Herden genutzt werden können und bereits zu deutlichen Verbesserungen geführt haben.

§11b TSchG wird als zahnloser Tiger kritisiert, weil rechtssichere Kriterien fehlen. Welche Indikatoren braucht es , damit Amtstierärzte handlungsfähig sind?

Die Begriffe in §11b (Leiden, Schmerzen) sind nur subjektiv erfahrbar; für eine Bewertung stehen nur indirekte Indikatoren zur Verfügung, die sich ähnlich wie das Tierwohl wissenschaftlich kaum präzisiert werden können. Ein Ansatzpunkt wäre ein konsequentes Erbfehlermonitoring, um den Einsatz beziehungsweise die Verpaarung von Zuchttieren mit bekannten Defektallelen auszuschließen. Der Runde Tisch Tierschutz hat in der Vergangenheit für tierschutzrelevante Fragestellungen konsensual über alle Interessengruppen hinweg tragfähige Lösungen im Sinne der Tiere erarbeitet. In diesem Plenum könnten unter Einbeziehung wissenschaftlicher Expertise Leitfäden als Entscheidungshilfen für Amtstierärzte entwickelt werden.

Würde eine Verschärfung des Qualzuchtbegriffs die Nutztierzucht in die Illegalität drängen?

Die Zuchtprogramme unterliegen in Deutschland staatlichen Regelungen, die natürlich einzuhalten sind und Tatbestände nach §11b ausschließen. Eine Überregulierung könnte allenfalls dazu führen, dass international operierende Zuchtunternehmen ihre Zuchtarbeit verstärkt ins Ausland verlagern. Die Befürchtung illegaler‘ Zuchtlinien teile ich nicht.

Wie sieht die „Zucht der Zukunft“ aus? Müssen wir uns vom Primat der Leistung verabschieden?

Das ‚Primat‘ der Leistung würde ich weitgehend hinter uns sehen. In den bedeutenden Leistungsmerkmalen nahezu aller Nutztierrassen wurde ein hohes genetisches Niveau erreicht. Selbstverständlich wird weiterhin eine hohe Leistungsfähigkeit mit Hinsicht auf die Nahrungssicherheit angestrebt, diese wird aber immer stärker durch eine Verbesserung der Gesundheit, eine höhere Ressourceneffizienz, Anpassungsfähigkeit und Resilienz erzielt.

Zwischenüberschrift

Fließtext

Prof. Georg Thaller Foto: CAU

Mit „Tierroristen“ wird nicht verhandelt!

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Deutsche lieben Tiere. Allein der Tierschutzbund hat 16-mal mehr Mitglieder als der Kinderschutzbund. Der Tierschutz steht im Grundgesetz und ist Staatsziel. Landwirte leben Tierschutz jeden Tag – die Verbesserungen der vergangenen Jahrzehnte sind beachtlich. Die Diskussion im Kieler Agrar- und Ernährungsausschuss zur Qualzucht zeigt die Bedeutung des Themas (siehe Seiten 14-15). Laut Prof. Georg Thaller vom Lehrstuhl für Tierzucht- und Haustiergenetik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vermeiden die Zuchtziele im Nutztierbereich abgesehen von Einzelfällen Extreme. Kritischer sieht er die Haustierzucht.

Doch bei manchen wie der Organisation Peta schlägt die Tierliebe um: Tierrechtler fordern Grundrechte für Tiere – das Recht auf Leben, Freiheit, Unversehrtheit – Fanatiker dringen in Ställe ein, beschimpfen Nutztierhalter als Mörder und Vergewaltiger. Solche „Tierroristen“ blicken mit moralischer Verachtung auf „Speziezisten“ – so nennen Tierrechtler Menschen, die Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit „diskriminieren“, also das eigene Wohl über das der Tiere stellen. Dabei offenbaren sich mit wenigen Fragen die Schwachstellen der Tierrechtsethik. Frage: Darf der Mensch Tiere töten? Antwort: Nein. Warum nicht? Weil er es nicht muss. Darf der Wolf Tiere töten? Ja. Warum? Weil er nicht anders kann.

Das ist eine Situationsethik, die sich nicht von strikten Regeln ableitet, sondern von den Umständen. Doch sie gibt keine Antwort auf die Frage: Was interessiert es das getötete Tier, wer sein Leben mit welcher Moral beendet? Hier entgegnen Tierrechtler, der Mensch sei ein ethisches Wesen, das es „besser“ wisse. Sie machen damit, ohne es zu wollen, auf den wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier aufmerksam: Der Mensch kann Gut und Böse unterscheiden und sich daran orientieren. Zugleich erklären sie die moralische Verantwortung für das Tier aber damit, dass es keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier gebe. Ein schwer auflösbarer Widerspruch.


Auf den DLG-Feldtagen in Bernburg stellte die Tierrechtsorganisation Peta ihren Strategieplan zum Ausstieg aus der Tierwirtschaft vor und feierte sich dafür (siehe Seite 16). Die DLG stellt zwar klar, dass sie damit einen Dialog ermöglichen möchte. Doch ist Peta nicht bekannt für einen konstruktiven Meinungsaustausch. Für Gründerin Ingrid Newkirk gilt: „Eine Ratte ist ein Schwein ist ein Hund ist ein Junge.“ Peta vergleicht die Tierhaltung mit dem Holocaust. DLG-Präsident Hubertus Paetow hat in großer Offenheit einen Fehler zugegeben. In Zukunft gibt es für Kampagnen-Organisationen wie Peta keinen Platz mehr auf DLG-Veranstaltungen. Gut so!

Laut Tierschutzgesetz braucht es einen „vernünftigen Grund“, um ein Wirbeltier zu töten. Die Erzeugung von Lebensmitteln gehört dazu. Für die Haltung von Tieren gibt es weitere Gründe: Grünlandnutzung, Kreislaufwirtschaft, Erzeugung von Wirtschaftsdünger, Erhalt der Kulturlandschaft, Artenvielfalt. Wer das nicht will, hat auf einer landwirtschaftlichen Veranstaltung nichts zu suchen. Vernünftig ist bei Peta wenig. Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, bringt es auf den Punkt: „Mit Extremisten diskutieren wir nicht.“

Das Motto der EuroTier 2026, die auch von der DLG veranstaltet wird, lautet „Intelligence in animal farming“. Ein intelligenter, klarer Umgang mit Tierhaltungsgegnern steht der DLG besser. Man sollte sich keiner echten Diskussion verwehren. Aber über eine Laus im Pelz freut sich außer Peta sicher niemand.

Arbeiten am Paradies

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Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen. Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände vorgestellt – heute: der KLFV Stormarn.

Am Ende eines nicht gerade idyllischen Gewerbegebietes tut sich ein kleines Paradies auf – sowohl in Form der wunderschönen Anlage im Grünen als auch im symbolischen Sinn: „ein geschützter Ort für unheilbar erkrankte Menschen in ihrer letzten Lebensphase“, wie es in der Broschüre heißt. 14 Stormarner LandFrauen finden sich heute hier ein mit Hacken, Eimern und Harken, um das Außengelände am Hospiz „Lebensweg“ in Bad Oldesloe zu pflegen, gemeinsam mit anderen Helfern. Es wird Unkraut gejätet und Rindenmulch verteilt.

Damit es paradiesisch bleibt, kommen die LandFrauen zwei Mal im Jahr zur Gartenhilfe, seit 2020 das Hospiz gebaut wurde. Damals wurden Stauden aus eigenen Gärten mitgebracht, ein Areal heißt intern der „LandFrauenhügel“. Die LandFrauen unterstützen das Hospiz auch durch Spenden sowie mit Kaffee und Kuchen bei öffentlichen Veranstaltungen. Initiiert hat die Aktion die damalige KLFV-Vorsitzende Kristina Wendt.

Mit nur fünf Ortsvereinen (OV) ist der KLFV Stormarn zwar nicht flächenmäßig, aber an Mitgliedern der kleinste in Schleswig-Holstein. Das ist sicherlich der Nähe zu Lübeck und Hamburg geschuldet, die mit weltstädtischen Angeboten ziehen. Insbesondere den Südkreis deckt einzig der OV Südstormarn ab. Daran gemessen ist der Kreisverband sehr aktiv, wie die hohe Beteiligung an der oben geschilderten Aktion beweist.

Fahrten mit Führung

Vorstand des KLFV Stormarn, v. li., hinten: Regina Schütt (Kassen- und Schriftwartin), Heidi Nuppenau (2. Vorsitzende), Heike Tjarks (Beisitzerin); vorne: Christa Wildner und Kathrin Klose (Beisitzerinnen), Heimke Rüder (1. Vorsitzende)Foto: KLFV

Eine weitere Stärke sind, wie die Vorsitzende Heimke Rüder erläutert, die Studienreisen, die alle zwei Jahre für eine Woche ins Ausland führen – Andalusien, Griechenland, Toscana. „Da liegen wir nicht am Strand, da gibt es Führungen zu Kultur, Land und Leuten, da werden Museen besucht, ja Monumente ,erklettert‘“, betont Schrift- und Kassenwartin Regina Schütt. Mit je 30 bis 35 Teilnehmerinnen sind die Reisen sehr begehrt.

Auch die Fahrt zum BundesLandFrauentag wird in die umliegende Gegend ausgeweitet – diesen Sommer stehen rund um Essen die Blaudruckerei in Münster, der Emsflower Gartenbaubetrieb in Emsbüren und das Museum der Kochbuchautorin Henriette Davidis (1801-1877) in Wetter an der Ruhr auf dem Programm. „Auch als 2024 Schleswig-Holstein Gastgeber des BundesLandFrauentages war, haben wir eine dreitägige Begleitreise nach Flensburg, Husum und Friedrichstadt angeboten“, erklärt die zweite Vorsitzende Heidi Nuppenau. Und Rüder ergänzt: „Auf solchen Fahrten entsteht viel leichter Kontakt zueinander als bei großen Versammlungen.“

Runter vom Sofa!

Natürlich sind auch die landesweiten Gesundheitsthemen in Stormarn präsent wie dieses Jahr der Präventionsschwerpunkt „Runter vom Sofa“, ebenso wie die Weiterbildung zu Sozialen Medien mit Inke Studt-Jürs (siehe Ausgabe 15) oder Finanzthemen wie „Dagoberta macht Kasse“. „Wir halten solche im Kultur- und Bildungszentrum Bad Oldesloe ab, so ist der Zugang niedrigschwelliger als etwa in einem Restaurant, wo es wie eine geschlossene Gesellschaft aussieht“, sagt Rüder.

Überhaupt ist die Ansprache neuer Interessentinnen wichtig, um dem allgemeinen Mitgliederschwund entgegenzuwirken. Dazu wurden Frauen befragt: Was interessiert euch? Was möchtet ihr? Daraus entstand zum Beispiel die Reihe „Familie“ mit Themen wie Schlafprobleme bei Kindern oder Verhaltensfolgen nach Corona. Dies wurde dann nicht nur im LandFrauenprogramm, sondern auch mit Flyern in Kitas oder Schulen verbreitet. Überraschenderweise wünschten sich junge Frauen „Torten backen wie bei Oma“.