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Vielfalt des Figurentheaters sichtbar machen

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„Pole Poppenspäler“ – so lautet der Titel einer Novelle von Theodor Storm aus dem Jahr 1874. Diese Novelle ist passenderweise auch Namensgeber für das jährlich stattfindende internationale Figurentheater-Festival in Husum. In diesem Jahr fanden die Pole Poppenspäler Tage vom 18. bis 27. September bereits zum 42. Mal statt und zogen wieder gut 3.000 kleine und große Besucher in ihren Bann.

„Ein Sommernachtstraum“, „Der Fall Hamlet“, „Der kleine Prinz“ oder auch „Deutschland. Ein Wintermärchen“ – klassische Stoffe und Geschichten sind jedes Jahr Bestandteil der rund 40 Inszenierungen, immer wieder neu erzählt und überraschend anders. Aber sie zeigen auch, dass Figurentheater und Puppenspiel anspruchsvoll und sehr viel mehr sind als nur lustiges Kasperletheater. „Die Künstler greifen in ihren Darbietungen durchaus ernste sowie aktuelle gesellschaftliche Themen auf, befassen sich mit historischen Stoffen, und auch die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus findet immer wieder einen Raum“, erzählen Prof. Maria Leuker-Pelties und Birgit Empen vom Vorstandsteam des Pole Poppenspäler Förderkreises. So wurde in diesem Jahr im Stück „Deus Rising“ im Rat der Götter der unaufhaltsame Aufstieg der Menschheit verhandelt, oder in „Queer Papa Queer“ der Kampf um Akzeptanz, Lebensmut und Zerrissenheit thematisiert. Immer wieder bilden Märchen wie „Hänsel und Gretel“, „Vom Fischer und seiner Frau“, „Rapunzel“ oder „Hans im Glück“ die Basis für das Figurenspiel. Mit selbst gebauten Puppen, Marionetten, Handpuppen, Schattenspielen in fantasievollen Kulissen und Kostümen lassen die Künstler aus Deutschland und dem europäischen Ausland die Geschichten lebendig werden, verzaubern, regen an, stimmen nachdenklich, bringen die Zuschauenden zum Lachen, Weinen, Schmunzeln, Staunen, und sie inspirieren Groß und Klein.

Prof. Maria Leuker-Pelties und Birgit Empen (v. li.) gehören zum Vorstandsteam des Förderkreises.
Foto: Iris Jaeger

Besonders Kinder sollen mit dem Puppenspiel angesprochen und auf diese Weise an Kunst und Kultur herangeführt werden, „das war eine Bedingung der beiden Begründerinnen des internationalen Figuren-Festivals in Husum, Gisela Sobeczko und Gisela Terheggen, die die Pole Poppenspäler Tage 1981 etablierten“, erzählt Leuker-Pelties. Bis heute sei dies in der Satzung des 1983 gegründeten Förderkreises festgeschrieben: „Zwecke des Vereins sind die Förderung von Kunst und Kultur sowie die Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studierendenhilfe […]. Der Satzungszweck wird wie folgt insbesondere verwirklicht: Der Verein fördert das Figurenspiel als Theaterform in seiner Ganzheit, ebenso den Einsatz dieses Mediums im musisch-pädagogischen Bereich. Ihm ist wichtig, Anleitungen zum Spielen und Anregungen zum schöpferischen Gestalten zu geben.“

Ein zeitloser Klassiker war dieses Jahr „Der kleine Prinz“, aufgeführt vom Figurentheater Weidringer, Erfurt.
Foto: Figurentheater Weidringer

Und so finden neben den Abend- und Familienvorstellungen auch Kindervorstellungen für Kitas und Schulen statt, in denen die Kinder mit in das Spiel integriert werden, sowie Workshops und Projekte, in denen die Kinder zum Beispiel Puppenbau und Puppenspiel lernen oder mit Spielfiguren und Kameras auf Spurensuche gehen. „Und trotz der neuen Medien und im Zeitalter von Smartphones und Social Media lassen sich die Kinder auf das Spiel und das Anfertigen der Puppen ein, fangen an zu spielen, sich gegenseitig zu jagen, zu verstecken, herumzukaspern. Der Fantasie und Kreativität sind dann keine Grenzen gesetzt, das ist jedes Mal wieder schön zu beobachten“, erzählt Birgit Empen. Seit 1984 veranstaltet der Förderkreis komplett ehrenamtlich jedes Jahr Ende September das zehntägige Festival mit an die 40 Vorstellungen von professionellen Puppenbühnen aus dem In- und Ausland und macht damit die Vielfalt des Figurentheaters sichtbar. Viele dieser Puppenbühnen kommen seit Jahren immer wieder, „einige neue Ensembles oder Spieler fragen bei uns an oder machen uns auf Künstler aufmerksam“.

Blick ins Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum mit Figuren, Requisiten und Materialien zur Geschichte des Figurentheaters
Foto: Iris Jaeger

„In den 42 Jahren hat sich das Figurentheater-Festival in Husum in der Puppenspielerszene etabliert und sich ein Renommee erarbeitet“, erzählen die beiden. 1993 eröffnete das Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum die Pforten, in dem die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaute Figurentheater-Sammlung des Pole Poppenspäler Förderkreises ausgestellt wird. Viele der mehr als 1.500 Exponate stammen aus Inszenierungen, die beim Festival gespielt wurden. Der vierköpfige Vorstand wird von einem Arbeitskreis mit rund zwei Dutzend Aktiven unterstützt, die mit Begeisterung und Herzblut ihre Fähigkeiten und Zeit in das Organisieren und Durchführen der Pole Poppenspäler Tage einbringen, die Festspielidee mit Leben füllen. Das Organisieren erfordere viel Arbeit und Engagement. Vom Aufstellen des Spielplans, dem Buchen und Betreuen der Puppenspiel-Ensembles, dem Aufbau der Bühnen über das Bereitstellen und Organisieren von Unterkünften und Spielstätten, das Beantragen von Fördermitteln, Pressearbeit bis hin zum Kartenverkauf, der dieses Jahr erstmals auch online möglich war, reicht die vielfältige Aufgabenpalette.

Szene aus „Die Abenteuer der kleinen Gans Adele oder Gänschen klein ging allein“, des Kobalt Figurentheaters Lübeck 
Foto: Anemel

„Auch gilt es ständig zu überlegen, wie man ein jüngeres Publikum erreichen kann, wie man die Arbeit so organisiert, dass wir zukunftsfähig werden und bleiben“, erklären die beiden, die mit ihrem Vorstandsteam dabei sind, einen Generationswechsel einzuleiten. Das sei nicht einfach, da die Aufgaben immer anspruchsvoller würden und es schwer sei, noch Ehrenamtliche für die Mitarbeit zu gewinnen. „Aufgaben, die früher selbstverständlich übernommen wurden, lassen sich heute nur schwer besetzen“, wissen beide aus Erfahrung. Die Anforderungen seien gestiegen, gleichzeitig sei die verfügbare Zeit der Menschen knapper. Als Verein müsse man sich weiterentwickeln, „somit laden wir alle, die Interesse haben, herzlich ein, in dieser tollen Gemeinschaft mitzumachen, hineinzuwachsen und die Freude an der gemeinsamen Gestaltung mitzuerleben.“ Weitere Informationen unter
www.pole-poppenspaeler.de

Die Bühne und Figuren der Inszenierung „Arche Noah“ wurden dem Förderkreis im März 2024 als Schenkung überlassen.
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger
Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum
Foto: Iris Jaeger


Abkalben in der Gruppe

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Als bundesweites Verbundprojekt untersuchte das „Innovationsnetzwerk Rind“, kurz „InnoRind“, Maßnahmen für eine zukunfts­fähige und tiergerechte Rinderhaltung. Im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) der Landwirtschaftskammer wurde während der ­Projektlaufzeit unter anderem das Thema der Gruppenabkalbung bearbeitet.

Zur Untersuchung dieser Fragestellung wurden der bestehende Abkalbebereich großzügig umgebaut und Gruppenabkalbebuchten etabliert.

Gestaltung der Gruppenabkalbebuchten

Für die Gruppenabkalbungen wurden zwei Buchten in gleicher Ausgestaltung genutzt. Insgesamt standen in jeder dieser Buchten rund 88 m² inklusive sichtgeschütztem Rückzugsbereich zur Verfügung. Der Sichtschutz wurde an drei Seiten des Rückzugsbereiches eingesetzt, die offene Seite mit Behandlungs-Fress-Gitter und Personenschlupf zeigt zum Futtertisch. Bei Bedarf kann der stets geöffnete Bereich kurzfristig verschlossen werden. Die mittlere Gruppengröße lag während der Versuchslaufzeit (März 2024 bis Februar 2025) bei vier Mehrkalbskühen beziehungsweise vier Färsen.

Der Versuchsablauf

Kühe und Färsen einer Gruppe wurden rund drei Wochen vor dem errechneten Kalbetermin gemeinsam in eine der Gruppenabkalbebuchten eingestallt. Erstkalbende und Mehrkalbskühe blieben zur Vermeidung von Rangordnungskämpfen jeweils in getrennten Gruppen. Nach der Kalbung wurde jedes Tier zur nächsten Melkzeit aus der Gruppenabkalbebucht in einen weiteren Strohbereich im Abkalbestall umgestallt.

Zur Bewertung der Gruppenabkalbebuchten wurden verschiedene Merkmale erfasst, die unter anderem dem Vergleich mit dem vorherigen Standardverfahren der Einzelabkalbung dienten. Die Kalbungen in der Gruppenabkalbebucht wurden für die Auswertung als Versuchsgruppe zusammengefasst, die Kalbungen in der Einzelbucht dienten wiederum als Kontrollgruppe. Der Fokus der Auswertung lag vor allem in der Bewertung des Abkalbeortes innerhalb der Gruppenabkalbebucht, im Speziellen darin, ob die Kalbinnen den vorgesehen Rückzugsbereich aufsuchten oder nicht. Dafür wurden sowohl direkte Beobachtungen während der Kalbung dokumentiert als auch Videoaufnahmen ausgewertet.

Weitere Merkmale wie der Kalbeverlauf, der Gesundheitsstatus im peripartalen Zeitraum sowie die Leistungsmerkmale der folgenden Laktation wurden berücksichtigt und zwischen der Versuchs- und Kontrollgruppe verglichen.

Insgesamt wurden 150 Kalbungen innerhalb der Versuchslaufzeit beobachtet. Rund 68 % der 150 Kalbungen erfolgten in der Gruppenabkalbebucht, somit sind 102 Kalbungen der Versuchsgruppe und 48 Kalbungen der Kon­trollgruppe zuzuordnen. Die Verteilung der Tiere auf die Laktationsnummern ist in der Tabelle aufgeführt. Für die Auswertung wurden die Laktationsnummern 2 bis 9 zusammengefasst.

Für die Auswertung des Kalbeortes wurden die Videoaufnahmen von 62 Kalbungen berücksichtigt. Ausgeschlossen wurden die Kalbungen, für die keine Videoaufnahmen vorlagen (n = 22 Kalbungen), sowie Kalbungen, während derer der jeweilige Rückzugsort nicht zugänglich war (n = 18 Kal­bungen). Alle weiteren Merkmale wurde für alle 150 Kalbungen bewertet, sodass für die Milchleistung 13.564 Kuhtage in der Kontroll- und 29.381 Kuhtage in Versuchsgruppe berücksichtigt wurden. Fett- und Eiweißgehalte lagen für insgesamt 1.382 Kuhtage (Kontrollgruppe: 430 Kuhtage, Versuchsgruppe: 952 Kuhtage) vor. Die Auswertung erfolgte über linear gemischte Modelle und berücksichtigte die Effekte des Beobachtungstags, der Abkalbebucht (Versuchsgruppe, Kontrollgruppe), die Laktationsnummer und die Laktationskurve.

Der Rückzugsbereich ist zu drei Seiten sichtgeschützt.

Kalbeort und Kalbeverlauf

Insgesamt wählten rund 41,9 % der Kühe und Färsen der Versuchsgruppe den Rückzugsbereich zur Kalbung. In der weiteren Betrachtung wurden deutliche Unterschiede zwischen Erstkalbenden und Mehrkalbskühen deutlich. Wie in Abbildung 1 zu sehen, nutzte rund die Hälfte der Erstkalbenden den Rückzugsbereich zur Kalbung. Gleiches ließ sich auch für die Kühe zur zweiten Kalbung beobachten. Ab der dritten Kalbung nahm die Nutzung des Rückzugsbereiches jedoch deutlich ab. Mit nur noch 26,6 % suchte nur rund ein Viertel den Rückzugsbereich zur Kalbung auf. Ab der vierten Kalbung nahm die Nutzung wieder zu. Die zusätzliche Bewertung des Kalbeverlaufes zeigte, dass insgesamt nur 14 Kalbungen (vier in der Kontrollgruppe, zehn in der Versuchsgruppe) als „schwer“ klassifiziert wurden. In der Versuchsgruppe wurden nur zwei der als „schwer“ klassifizierten Kalbungen dem Rückzugsbereich zugeordnet. Durch die geringe Anzahl an Beobachtungen kann hier keine schließende Aussage getroffen werden.

Milchleistung, Fett- und Eiweißgehalte

Der Vergleich von Kontroll- und Versuchsgruppe zeigte keinerlei statistische Unterschiede in der täglichen Milchleistung (Abbildung 2). Auch die Milchqualität, gemessen an Fett- und Eiweißgehalt, zeigte keine relevante Variation zwischen den beiden Gruppen.

Häufigkeit von Behandlungen

Insgesamt wurden im Versuchszeitraum 121 Behandlungen an 64 Tieren der Versuchsgruppe durchgeführt. In der Kontrollgruppe waren es 55 Behandlungen an 28 Tieren. Die Verteilung der Behandlungen auf die Komplexe „Euter“, „Atemwege“, „Fruchtbarkeit“, „Klauen“ und „Stoffwechsel“ zeigte tendenziell mehr Euterbehandlungen in der Versuchsgruppe, aber mehr behandlungswürdige Stoffwechselerkrankungen in der Kontrollgruppe (Abbildung 3). Zu betonen ist, dass die Behandlungshäufigkeit vor allem in der zweiten Versuchshälfte zugenommen hat, da sich in diesem Zeitraum das Blauzungenvirus im Bestand ausbreitete. So wurden in der Versuchsgruppe rund 64 % der 121 Behandlungen rund 47 % der 55 Behandlungen in der Kontrollgruppe nach dem Nachweis des BTV3-Virus dokumentiert.

Fazit

Die Etablierung von Gruppen­abkalbebuchten hat sich im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp bisher bewährt. Auch wenn die Rückzugsbereiche in Teilen noch etwas schleppend genutzt werden, stehen sie den Tieren in den Buchten jederzeit zur Verfügung. Hier kann das natürliche Bedürfnis nach einem Rückzug zur Kalbung ausgelebt werden und so ein Mehrwert für die Tiergerechtheit und das Tierwohl in der Stall­umgebung erreicht werden. Der Einfluss auf Leistung und Gesundheit unterscheidet sich im Vergleich mit der Einzelabkalbung nicht. Dies zeigt, dass möglicherweise erwartete Probleme wie etwa Hygiene und Infektionsdruck hier kaum eine Rolle spielen. Entscheidend ist jedoch das Management der Gruppenabkalbebuchten.

Maiszünsler auf dem Vormarsch

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Noch vor wenigen Jahren war er ein eher seltener Gast in Schleswig-Holstein, wenn auch nicht gern gesehen: der ­Maiszünsler. Mittlerweile hat er sich deutlich ausgebreitet und ist weiter in den Norden vorgedrungen. Nun wurde auch die Bekämpfungsschwelle an den ersten Standorten in Schleswig-Holstein überschritten.

Für die Landwirte bedeutet das: Befall ermitteln, vorbeugende Maßnahmen einleiten und gegebenenfalls über einen Einsatz von Nützlingen im nächsten Jahr nachdenken.

Ertrag und Qualität in Gefahr

Der Maiszünsler ist nicht nur lästig, er kann auch deutliche Ertrags- und Qualitätseinbußen verursachen. Auch wenn es hierzu noch keine Ergebnisse aus Schleswig-Holstein gibt, wird aus anderen Bundesländern von Ertragseinbußen von 25 bis zu 30 % berichtet. Dabei ist die Höhe des wirtschaftlichen Schadens neben der Anzahl der Larven pro Pflanze beziehungsweise dem Anteil der befallenen Pflanzen auch von den Witterungsbedingungen abhängig. Zum einen wird die Wasser- und Nährstoffversorgung durch den Fraß der Larven beeinträchtigt. In Zeiten zunehmender Trocken- und Hitzeperioden kann sich der unterbrochene Assimilattransport bemerkbar machen. Zum anderen beeinträchtigen die Fraßgänge, Ein- und Ausbohrlöcher die mechanische Stabilität der Maispflanze und führen mitunter zum Abknicken der Stängel. Solange dies im oberen Stängelbereich geschieht, ist der Schaden gering. Gerade bei stärkeren Winden oder Stürmen, die für Schleswig-Holstein typisch sind, können die Pflanzen im unteren Bereich abbrechen und in der Ernte nicht mehr erfasst werden.

Die Larven des Maiszünslers bohren sich in das Stängelinnere und wandern im Laufe der Pflanzenentwicklung nach unten. In den unteren Stängelresten können sie überwintern.

Hinzu kommt ein zunehmender Pilzbefall mit dem vermehrten Auftreten des Maiszünslers. Besonders problematisch in diesem Zusammenhang ist der Befall mit Fusarienpilzen, der vor allem bei Einbohrlöchern am Kolben auch optisch gut sichtbar ist. Höhere Toxinbelastungen, die die Futterqualität erheblich mindern können, sind die Folge. Auch ein vermehrtes Auftreten von Maisbeulenbrand wurde bei einem Zünslerbefall beobachtet.

Befall im Blick behalten

Das Auftreten des Maiszünslers wird in Schleswig-Holstein mittels Pheromonfallen seit mehreren Jahren vom Pflanzenschutzdienst überwacht. Dabei wurden männliche Falter bereits in fast allen Kreisen gefunden. Pheromonfallen allein sind jedoch nicht aussagekräftig genug. Diese Feststellung wurde auch in diesem Jahr beim Maiszünsler-Monitoring gemacht. Abbildung 1 zeigt die Anzahl der gefangenen Falter an den Monitoringstandorten sowie den Anteil befallener Pflanzen mit typischen Symptomen wie abgeknickten Stängeln, Bohrmehl oder Fraßgängen vor der Ernte. Dabei wurde zum Teil auch an Standorten ohne Fänge in den Fallen im Juni oder Juli vor der Ernte ein Befall der Pflanzen festgestellt. Umgekehrt konnte an anderen Standorten trotz vorheriger Falterfänge kein Befall bonitiert werden. An acht Standorten wurden Falter gefangen, an sieben Standorten wurde Befall festgestellt. An zwei Standorten wurde sogar die Bekämpfungsschwelle überschritten.

Vor, während oder nach der Maisernte ist es wichtig, den Befall zunächst festzustellen. Starke Befallssymptome wie abgeknickte Stängel fallen schnell auf, aber nicht immer ist der Befall äußerlich so leicht zu erkennen. Dabei sollte man auch Ausschau nach Einbohrlöchern und Fraßmehl halten, nicht nur im Stängel, sondern auch am Kolben. Gelegentlich wird man schon beim Abschneiden einer augenscheinlich gesunden Pflanze von einer Larve im unteren Halm­abschnitt überrascht. Nach der Ernte kann ein Aufschneiden der Stoppeln Aufschluss über die Befallssituation und das weitere Vorgehen geben.

An den ersten Standorten im Kreis Herzogtum Lauenburg wurde die Bekämpfungsschwelle nun überschritten. Sie dient als Orientierung für einen möglichen Einsatz von Schlupfwespen im Folgejahr, sofern in der näheren Umgebung erneut Mais angebaut wird. Die Bekämpfungsschwelle gilt im Silomais als überschritten, wenn 30 % der Pflanzen einen Befall zeigen oder 30 bis 40 Larven in 100 Pflanzen gefunden werden. Um dies zu ermitteln, sollten an mehreren Stellen im Bestand insgesamt mindestens 25 Pflanzen entnommen werden, aufgeschnitten und gründlich untersucht werden.

Abgeknickte Stängel sind ein typisches Schadbild bei stärkerem Maiszünslerbefall. Besonders Bruch im unteren Stängelbereich kann zu Ernteverlusten führen.

Einsatz von Schlupfwespen

Der Einsatz von Schlupfwespen (Trichogramma brassicae) wurde in diesem Jahr bereits an einem Standort in der Nähe von Ratzeburg in einem ersten Tastversuch getestet (Abbildung 2). Die Ausbringung der kleinen Kugeln mit ungeschlüpften Trichogramma (220.000 Tiere je Hektar) erfolgte am 17. Juli händisch auf einer Fläche von 1 ha. Die Trichogramma schlüpfen anschließend in mehreren Wellen über zwei bis drei Wochen und parasitieren die Eigelege des Maiszünslers, sodass sich die Larven gar nicht erst entwickeln können. In dem Tastversuch wurde bei starkem Befall ein Wirkungsgrad von etwas über 40 % erreicht. Für ein erstes Ausprobieren, ohne den richtigen Einsatzzeitpunkt wirklich zu kennen, sind die Ergebnisse zufriedenstellend. Die große Herausforderung besteht darin, den richtigen Ausbringungstermin zu finden. Der Einsatz sollte zum Flughöhepunkt der Weibchen erfolgen. Mit den Pheromonen werden jedoch hauptsächlich die Männchen erfasst. Daher erfolgte der Einsatz in diesem Jahr womöglich etwas zu spät beziehungsweise sind bei einem so starken Befall, mit dem absolut nicht gerechnet wurde, sogar schon zwei Einsätze im Abstand von zirka 14 Tagen notwendig, um einen Wirkungsgrad von 70 bis 80 % oder mehr zu erreichen. Dies soll im nächsten Jahr getestet werden, dann allerdings mit dem Einsatz einer Drohne.

In kleinen Kugeln werden die Trichogramma-Schlupfwespen in dem Maisbestand ausgebracht. Nach dem Schlupf parasitieren sie die Eigelege des Maiszünslers und verhindern so die Entwicklung der Larven.

Stoppeln konsequent bearbeiten

Was auf jeden Fall nach der diesjährigen Ernte erfolgen muss, ist eine sorgfältige Stoppelbearbeitung. Ziel ist es, die Stängelreste bestmöglich zu zerkleinern, um verbliebene Larven direkt zu töten oder ihnen die Überwinterungsmöglichkeit zu nehmen. Wichtig ist hierbei, dass alle Landwirte an einem Strang ziehen. Werden die Stoppeln nur einer Fläche in der Nachbarschaft trotz Befall nicht ausreichend bearbeitet, tragen alle umgebenden Maisanbauern im nächsten Jahr die Konsequenzen. Bei festgestelltem Befall ist es daher hilfreich, den Kontakt zu den Nachbarbetrieben zu suchen.

Geht es um die geeignete Stoppelbearbeitung, gibt es unterschiedliche Meinungen. Während die einen es für ausreichend erachten, die Stoppeln aufzuschneiden, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu ermöglichen und so die Sterberate der Larven im Winter zu erhöhen, fordern die anderen eine möglichst vollständige Zerstörung der Stoppeln samt Wurzelansatz. Je nach Ziel stehen dafür verschiedene Geräte zur Verfügung, die ihre jeweiligen Vor- und Nachteile haben. Gerade bei stärkerem oder sich aufbauendem Befall sollte es aber das Ziel sein, die bestmögliche Zerkleinerung der Erntereste zu erreichen.

Die Kurzscheibenegge ist dafür nicht das geeignete Gerät, selbst dann nicht, wenn ein strengerer Winter folgt, wie Beobachtungen diese Saison deutlich gemacht haben. So weisen im Umkreis einer letztjährigen Maisfläche mit moderatem Befall, die nach der Ernte mit Kurzscheibenegge und Grubber bearbeitet wurde, Silomaisflächen in diesem Jahr Befallswerte von über 50 % auf. Auch ein Unterpflügen der Erntereste kann hilfreich sein.

Fazit

Der Maiszünsler hat sich in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein weiter in Richtung Nordwesten ausgebreitet. Ertrags- und Qualitätseinbußen drohen. Die Bekämpfungsschwellen für den Einsatz von Schlupfwespen wurden bereits auf ersten Flächen überschritten. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist eine sorgfältige Zerstörung der Erntereste, um den Larven die Überwinterungsmöglichkeit zu nehmen. Wichtig ist es, den Befall stets im Blick zu haben, um entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Dabei ist die Zusammenarbeit aller Landwirte in einer Region notwendig.


Steckbrief

Schädling & Aussehen

Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) ist ein Kleinschmetterling. Die Falter sind zimtbraun und haben eine Spannweite von 25 bis 30 mm. Die Vorderflügel sind von gezackten Querstreifen durchzogen. Die Männchen sind dunkler gefärbt als die Weibchen. Die bis zu 30 mm langen Larven sind grau-gelblich mit dunklem Kopf und dunklen Punkten auf den Segmenten.

Schadbild

Sichtbar sind Bohrlöcher und Bohrmehl an Stängeln und Kolbenansätzen. Die Stängel knicken häufig oberhalb oder unterhalb des Kolbens ab. Durch die Unterbrechung der Leitbahnen verkümmern die Kolben. Fraßstellen dienen zudem als Eintrittspforten für Fusarium-Pilze (Toxinbildung).

Lebenszyklus

Die Falter fliegen etwa von Juni bis August. Sie legen ihre Eier an den Blattunterseiten ab. Nach etwa ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven, fressen an Blättern und bohren sich in das Stängelinnere. Mit zunehmender Reife der Pflanzen wandern sie in und an den Pflanzen nach unten, um als ausgewachsene Larven in den untersten Stängelresten zu überwintern und sich im Frühjahr zu verpuppen.

Bekämpfung

• mechanisch: Stoppeln direkt nach der Ernte möglichst stark zerkleinern (zum Beispiel Mulchen) und anschließend tief einarbeiten, um die Überwinterungsmöglichkeiten zu reduzieren

• biologisch: Ausbringen von Trichogramma-Schlupfwespen, zum Beispiel per Drohne, zum Flughöhepunkt der Falter


Landesjungzüchterschau in Rendswühren

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Wenn die Jungzüchter in den Ring treten, geht es um weit mehr als nur um eine Platzierung. Sicheres Auftreten, der richtige Umgang mit dem Tier und ein gutes Gespür für die Anweisungen der Richterin sind gefragt, so auch in diesem Jahr bei der Landesjungzüchterschau Mitte September in Rendswühren.

An diesem Vormittag stellten sich insgesamt knapp 50 Jungzüchter bei der Firma Blunk den aufmerksamen Augen von Richterin Maren Buxtrup aus dem Münsterland. Nach einer Richterbesprechung begrüßte Sarina Andresen, erste Vorsitzende des Landesjungzüchterverbandes der Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH), die Teilnehmer und Zuschauer in der dekorierten Maschinenhalle. Neben einem Foodtruck und einem Eisstand konnten die interessierten Besucher mit großen Augen auch die zahlreichen Maschinen des Lohnunternehmens bewundern.

Die Jüngsten machen den Anfang

Den Auftakt bildeten die ersten vier Klassen. In Klasse 1 konnte sich Helene Lohmann aus Groß Rheide mit „Gabriele“ den Klassensieg sichern. Die Richterin lobte das bereits sehr eigenständige und flüssige Vorführen sowie die gute Beantwortung der Fragen nach dem Namen und den Fressgewohnheiten des Kälbchens. Auch als bestes Typtier der Klasse konnte sich „Gabriele“ behaupten. Dahinter folgte Janne Frederike Kaack aus Mözen mit „KAX Dequiera“ auf 1b. Sie konnte bereits eine tolle Halfterhaltung an ihrem Tier präsentieren.

Siegerin „Jung“ Thea Schwerdtfeger (2. v. r.) und Reserve Asmus Beutin (3. v. r.) mit Richterin Maren Buxtrup (2. v. li.), Sarina Andresen (r.) und Ingo Schnoor (RSH, li.)Fotos: Sina Thomsen

In Klasse 2 ging der Klassensieg an Thea Schwerdtfeger aus Schwedeneck mit „Lady in Black“. Für die Richterin stellte sie mit ihrer Überlegenheit eine ganz klare Spitze dar. Das Tier aus dem Stall der Familie Staggen in Rendswühren wurde gleichzeitig zum Typtier der Klasse bestimmt. Fiete Wendt aus Riepsdorf, der ebenfalls schon seit Jahren erfolgreich an den Jungzüchterschauen teilnimmt, erreichte mit „IHC Granada“ durch eine tolle Gesamtpräsentation den 1b-Platz.

Auch in Klasse 3 wurde es spannend. Beeke Karlotta Kaack aus Mözen setzte sich mit „KAX Dorivage“ am Halfter an die Spitze. Maren Buxtrup hob lobend hervor, dass die Teilnehmerin sie während der gesamten Vorführung im Blick gehabt habe. Auch die Aufstellung ihres Kalbes in der Endlinie habe sehr gut geklappt. Liv Reimers aus Westerhorn folgte mit „Wonder Pea P“ auf dem 1b-Platz und habe laut Richterin bereits ein sehr hohes Niveau in ihrer gesamten Vorführung zeigen können. Das beste Typtier „Fuchs“ kam aus der Zucht von Tim Hamann, Groß Buchwald.

Den Abschluss der Altersklasse „Jung“ bildete die Klasse 4. Hier konnte sich Asmus Beutin aus Ostenfeld mit „Flip Flop“ durch eine ruhige Vorführung und die schnelle Umsetzung der Zeichen von Richterin Maren Buxtrup den Klassensieg sichern. „Flip Flop“, ebenfalls aus der Zucht der Familie Staggen, wurde zugleich als Typtier der Klasse ausgezeichnet. Bela Fritz aus Groß Buchwald erreichte mit „Flippi“ den 1b-Rang.

Anschließend stand der erste Höhepunkt des Tages an: Alle Sieger und Reservesieger der Altersgruppe „Jung“ stellten sich noch einmal dem Urteil der Richterin. Sie betonte, dass das Niveau der Kleinsten bereits sehr hoch sei, und sah damit eine vielversprechende Zukunft in der Jungzüchterarbeit. Den Sieg sicherte sich Thea Schwerdtfeger, während Asmus Beutin den Reservesieg errang.

Die mittleren Klassen

In den Klassen 5 bis 7 ging es mit den nächsten Teilnehmern weiter. In Klasse 5 setzte sich Tjark Freyer aus Lübeck mit „Fichte“ an die Spitze. Tjark habe sein Rind bereits sehr gut auf- und umstellen können und dabei die Richterin die ganze Zeit im Blick gehabt. Josephine Beutin aus Ostenfeld erreichte mit „Bluna“ den 1b-Platz. Maren Buxtrup lobte die ruhige und gleichmäßige Präsentation sowie die Ausstrahlung des Paares. Das Typtier der Klasse stellte „Kaycee“ aus der Zucht von Karsten Eggers in Papendorf.

In der anschließenden Klasse 6 ließ die Richterin in der bereits aufgestellten Endlinie die Platzierungen noch einmal tauschen. Dabei betonte sie das hohe Niveau der Klasse, sodass sie viele Aufgaben stellen musste, um den Klassensieg vergeben zu können. Paul Hoffmann aus Brunsbek konnte diese am besten umsetzen und überzeugte mit „Jessi“ am Halfter durch seine starke Präsenz im Ring. Damit konnte er den Klassensieg für sich gewinnen. Ihm folgte Ina Gerdes aus Haurup mit „AGH Frauke“ auf dem 1b-Platz. Sie konnte ihr Tier sehr ruhig und konzentriert vorführen. Zum Typtier wurde „Flocke“ gewählt, vorgestellt von Maila Ahlf aus Oldenbüttel aus der Zucht ihrer Eltern.

Siegerin „Mittel“ Martha Clausen (3. v. r.) und Reserve Tjark Freyer (2. v. r.). Es gratulieren Volker Kaack, Vorstandsvorsitzender der RSH, und Richterin Maren Buxtrup (li.).

In Klasse 7 konnte Femke Storm aus Schillsdorf mit „Miina“ den Klassensieg erringen. „Miina“ aus dem Stall der Familie Staggen wurde gleichzeitig zum Typtier der Klasse bestimmt. Die Klasse machte es der Richterin nicht leicht, sich zu entscheiden. Femke konnte in den Augen von Richterin Maren Buxtrup ihre Signale am besten umsetzen und eine Einheit mit ihrem Tier bilden. Dicht dahinter folgte Martha Clausen aus Jardelund, die mit „Feuer“ den 1b-Platz belegte. Ihre sehr gute, aufmerksame und ruhige Vorführleistung machte hier den Unterschied zu den weiteren Plätzen.

In der anschließenden Siegerauswahl „Mittel“ konnten Martha Clausen und „Feuer“ die Hinweise der Richterin bestens umsetzen. Auch durch einen hervorragend durchgeführten Tiertausch konnten sie sich den Siegertitel in der Altersklasse „Mittel“ sichern. Tjark Freyer und „Fichte“ durften sich dank einer sehr guten Präsentation über den Reservesieg freuen.

Erfahrene Teilnehmer im Ring

Mit den Klassen 8 bis 10 folgten die älteren und erfahrenen Teilnehmer. In Klasse 8 setzte sich Svea Petersen aus Bollingstedt mit „Flotti“ an die Spitze. Die Richterin betonte, dass man Svea deutlich angemerkt habe, dass sie den Klassensieg nicht hergeben wollte, und dass sie dies durch eine sehr gute Leistung habe untermauern können. Das Tier wurde gleichzeitig zum Typtier der Klasse gewählt. Nic-Luca Hollesen aus Sieverstedt erreichte mit „Flieder“ und einer sehr flüssigen und harmonischen Vorführrunde den 1b-Platz.

Die nächste Klasse 9 wurde durch Sarah Chrzanowski aus Scheggerott mit „Foxi“ ganz klar angeführt. Lobend erwähnte die Richterin, dass Sarah die absolut kompetenteste Vorführleistung in dieser Klasse gezeigt habe. Leo Bucher aus Kasseedorf konnte sich mit „Madita“ durch ein sehr gutes Umstellen den 1b-Platz sichern. „Madita“ aus dem Stall von Dirk Huhne in Kasseedorf wurde gleichzeitig zum Typtier der Klasse bestimmt.

Siegerin „Alt“ Fynja Becker (2. v. li.) und Reserve Jorna Sieh-Petersen (3. v. li.), Ingo Schnoor (r.), die Richterin (li.) und Sarina Andresen (2. v. r.)

In der letzten Klasse, Klasse 10, fiel die Entscheidung zugunsten von Fynja Becker aus Bredenbek mit „Always Lovely“. Die erfahrene Jungzüchterin Fynja war in der Lage, jede Aufgabe von Richterin Maren Buxtrup korrekt und ruhig auszuführen. Auf dem 1b-Platz folgte Jorna Sieh-Petersen aus Böklund mit „OFH Fallada“. Sie konnte eine gute Kopfhaltung und eine sehr gute Aufmerksamkeit auf die Richterin präsentieren. „Gracie“ von Familie Staggen aus Rendswühren sicherte sich das beste Typtier der Klasse und damit für die erfolgreiche Zucht von Familie Staggen auch die insgesamt vierte Erwähnung als bestes Typtier insgesamt auf der Schau.

In der anschließenden Siegerauswahl „Alt“ standen noch einmal sechs Jungzüchter im Mittelpunkt. Mit viel Aufmerksamkeit und Engagement zeigten sie der Richterin und den Zuschauern ihr Können. Die Entscheidung fiel auf Fynja Becker mit „Always Lovely“ am Halfter als Siegerin. Jorna Sieh-Petersen mit „OFH Fallada“ wurde Reservesiegerin.

Entscheidung um den Grand Champion

Die vorletzte Entscheidung der Richterin stellte im Typwettbewerb die Qualität der vorgestellten Tiere in den Mittelpunkt. Aufgestellt nach dem Alter ihrer Tiere durften alle zehn Typtiere noch einmal in den Ring ziehen und bildeten dabei ein schönes Bild. Um eine bessere Übersicht zu erlangen, mussten einige Rinder den Ring anschließend wieder verlassen.

Der Sieg für das beste Typtier der Landesjungzüchterschau ging unter Applaus an „Madita“, eine „LeMagic“-Tochter aus dem Stall von Dirk Huhne in Kasseedorf. Einige aufmerksame Zucht- und Tierschaukenner konnten bereits beobachten, dass mit „Mathea“ die Zwillingsschwester von „Madita“ ebenfalls an dieser Schau teilgenommen hat. Beide Tiere haben eine berühmte, schauerfahrene Mutter. „Mitzy“ aus der Zucht von Dirk Huhne konnte sich in diesem Jahr den Titel des Grand Champion bei Neumünster am Abend in den Holstenhallen sichern und gewann auch Holstein Vision 2025 bei der RinderAllianz in Bismark. So ist es für „Madita“ ja vielleicht nicht der letzte Titel bei einer Tierschau.

Den Reservesieg in der Kategorie bestes Typtier sicherte sich „Flip Flop“, das bereits in Klasse 4 als Typtier überzeugt hatte. Das Tier befindet sich im Besitz von Heiner Staggen aus Rendswühren.

Dann folgte der letzte Höhepunkt des Tages, und der Titel des Grand Champion im Vorführen wurde mit Spannung erwartet. Final zogen die Sieger und Reservesieger der drei Altersklassen in den Ring und stellten sich dem aufmerksamen Blick von Richterin Maren Buxtrup. Unter viel Jubel entschied sie sich ein letztes Mal für Fynja Becker und „Always Lovely“, die laut Richterin diesen Sieg unbedingt habe einfahren wollen und alles dafür gegeben habe.

Mit einem Gruppenfoto und der anschließenden Geschenkeausgabe endete ein ereignisreicher Tag, der den Jungzüchtern noch lange im Gedächtnis bleiben wird, von den jüngsten Teilnehmern bis zu den erfahrenen.

Mit Schweineverstand und Künstlicher Intelligenz

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Zu einem scheinbaren Tierschutzskandal am es im November 2025 auf dem überregional bekannten Betrieb Gut Hardegg in Seefeld-Kadolz (Niederösterreich). Der in Österreich tätige Verein gegen Tierfabriken (VGT) veröffentlichte heimlich gefilmte Videoaufnahmen aus den Schweineställen. Das Bauernblatt hat den Sachverständigen und Sprecher der Initiative Schweinehaltung Deutschland (ISD), Dr. Dirk Hesse, zu Lehren aus dem Fall Hardegg interviewt. Er wurde vom Betrieb als Berater engagiert.

Die Schweinezucht auf Gut Hardegg ist ein privates Zuchtunternehmen. Die Hardegger Austromax-Jungsauen sind leistungsgeprüfte Hybrid-Zuchtsauen und haben in Österreich einen Marktanteil von 10 %. Im Jahr 2002 errichtete Gut Hardegg gemeinsam mit Nutztierethologen einen Tierwohlstall für die Gruppenhaltung von Muttersauen, der in Österreich Vorbildcharakter hat. Dass ein solcher Vorzeigebetrieb in den Fokus von Tierrechtlern gerät, ist auch in Deutschland kein unbekanntes Phänomen.

Tierrechtler zeigen Filme

Der österreichische Verein gegen Tierfabriken tritt für eine Verbesserung der Tierhaltung ein, befürwortet aber vor allem den Vegetarismus und Veganismus. Um seine Ziele zu erreichen, arbeitet der VGT eigener Aussage zufolge mit „modernen, demokratischen Mitteln“ wie zivilem Ungehorsam, offensiver Aufdeckungs- und Aufklärungsarbeit.

Dem Verein wurden Aufnahmen auf Hardegg „zugespielt“, ein nicht unübliches Vorgehen, das für den Verein keine rechtliche Folgen nach sich zieht. Die Bilder zeigten Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter beim Umgang mit den Tieren sowie Mängel in den Bereichen Hygiene und Beschäftigungsmaterial.

Hardegg greift durch

Gutsbesitzer Maximilian Graf Hardegg reagierte vor einem Jahr sofort: Die verantwortlichen Mitarbeiter wurden fristlos entlassen und strafrechtlich angezeigt. Zudem führte die Gutsverwaltung eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Tierwohlverstößen ein. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Betriebsinhaber selbst wurden im Frühjahr 2026 eingestellt.

Lehrreich ist die Einbindung eines unabhängigen Tierschutzexperten zur Optimierung der Haltungsbedingungen. In diesem Fall wurde Dr. Dirk Hesse mit einer Begutachtung der Bestände aus der Perspektive der Tiere beauftragt.

Sein Befund bescheinigte der Herde einen guten Allgemeinzustand, wies jedoch auch auf Optimierungsbedarf hin, etwa bei der Belüftungssteuerung zur Vermeidung von Stallverschmutzungen.

KI wertet Tierdaten aus

Als technologische Innovation setzt Schweinehalter Maximillian Hardegg heute auf ein Überwachungssystem mit KI. Es wertet mithilfe von Kamera- und Sensordaten rund um die Uhr Bewegung, Verhaltensmuster und Gesundheitsindikatoren der Tiere aus. Das Betreuungspersonal erhält bei Abweichungen oder Auffälligkeiten sofort eine Benachrichtigung auf das mobile Endgerät und kann entsprechend eingreifen.

Welche Schlüsse kann ein Nutztierhalter aus diesem Fall ziehen? Dr. Dirk Hesse berichtet dem Bauernblatt von seinen Erfahrungen aus der Alpenrepublik.

In Österreich hat das Gericht die Anzeige gegen Maximillian Hardegg wegen Tierquälerei niedergelegt, weil Sie den Vorwurf als Gutachter relativieren konnten. Ist die Sache damit aus der Welt?

Dirk Hesse: Der VGT hatte Maximillian Hardegg wegen Tierquälerei angezeigt, wobei vor Gericht der Eindruck erweckt wurde, dass nahezu alle Schweine mehr oder weniger gequält werden. Auslöser war ein Mitarbeiter, der sich nicht so verhalten hat, wie er es entsprechend der Arbeitsanweisung sollte, und dem nach Bekanntwerden der Verfehlung sofort gekündigt wurde.

Als Basis meines Gutachtens dienten die Tierwohlindikatoren des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL). Die Umsetzung erfolgte durch eine Gewichtung der jeweils gemessenen Werte mit der Stückzahl der Tiere im Messbereich.

Bei 11.732 Stallplätzen wurden, wie ich darlegen konnte, etwa 97 % der Tiere im optimalen Bereich der Tierwohlindikatoren gehalten. Einige Tiere waren unnötig verschmutzt, einige hatten Schrammen infolge von Rangkämpfen in der Gruppenhaltung.

Ein Tier wurde entgegen der vorhandenen Arbeitsanweisung behandelt, was der Anlass für die Anzeige war. Mit dem Gutachten an der Hand war das Gericht in der Lage, die Schwere des Vorwurfs einzuordnen. Die Anzeige wegen Tierquälerei war damit für Maximillian Hardegg aus der Welt.

Was verstehen Sie unter einer Bewertung des Tierwohls „aus der Perspektive des Tieres“ im Vergleich zu gesetzlichen Vorgaben?

Von 1988 bis 2002 war ich als Wissenschaftler an der damaligen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig tätig. Die wissenschaftliche Tierwohlarbeit wurde gleich zu Beginn durch Gerrit van Putten geprägt, einen Pionier der angewandten Nutztier-Verhaltensforschung. Auf einer internationalen Verhaltensforschertagung sagte er: „Wer die Welt eines Schweines verstehen will, muss sich zwischen die Schweine legen!“

Genau das mache ich. So habe ich nicht nur eine Freilauf-Abferkelbucht entwickelt, sondern auch eine Abliegewand, die gern von den Muttersauen angenommen wird und Ferkelverluste durch Erdrücken verhindert.

Über mehrere Jahre konnten Mastschweinegruppen ganzjährig zwischen viel Stroh, wenig Stroh, und Betonboden mit Schlitzen wählen. Schweine sind Liegekühler. Sie können aber weder die Klamotten wechseln noch schwitzen. In diesem Fall hatten sie die Möglichkeit, den Boden entsprechend ihrem Temperaturbedürfnis zu wählen. Die Schweine verbrachten die meiste Zeit des Jahres auf dem Betonboden.

Dies sind zwei Beispiele, auf welche Lösungen man kommen kann, wenn man das Tierwohl nicht durch das menschliche Auge einschätzt, sondern am und mit dem Tier messbar macht. Das Messen am Tier hat obendrein den Vorteil, dass so auch der größte Einflussfaktor auf das Tierwohl, nämlich der Umgang des Menschen mit dem Tier, erkennbar wird.

Welche Rolle spielen messbare Tierwohlindikatoren in der Außendarstellung der Betriebe?

Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler! Menschen, die jeden Tag im Stall sind, verfügen in der Regel über viel Fachwissen und können auch das Wohl ihrer Tiere aus Erfahrung gut einschätzen.

Doch wie erkläre ich Menschen, die nicht jeden Tag im Stall sind, wie gut es den Tieren geht? Wichtig ist, dass wir Tierwohl nicht durch das gefühlvolle menschliche Auge einschätzen, sondern messbare Faktoren haben. Genau das hat das KTBL gemacht.

Das Prinzip sei an einem Beispiel erläutert. In Kinderbüchern sind die glücklichen Schweine in der Regel dreckig. Versuche zeigen aber, dass Schweine dann dreckig sind, wenn sie in einer Notsituation stecken. Wollen die Tiere ihre Körpertemperatur senken, müssen sie sich etwas Feuchtes suchen. In der Natur ist das die Suhle. Reichen die Lüftungs- und Kühlungstechniken im Stall nicht aus, bleibt den Tieren nur, sich in den feuchten Mist zu legen. Das ist allerdings das Letzte, was ein Schwein freiwillig tut. Die Sauberkeit der Hautoberfläche ist also ein guter und messbarer Tierwohlindikator.

Aus wissenschaftlichen Arbeiten kann abgeleitet werden, dass nur ein Schwein mit 100 % sauberer Hautoberfläche ein glückliches Schwein ist. Damit das Konzept praxistauglich gestaltet wird, hat man sich dazu entschieden, dass es dem Schwein optimal geht, wenn der Verschmutzungsgrad maximal 10 % der Hautoberfläche beträgt. 10 bis 30 % ist mittelgut. Ab 30 % Hautverschmutzung geht es dem Tier schlecht.

Welchen Stellenwert messen Sie dem Umgang des Betreuungspersonals mit den Tieren bei? Wird auch dies begutachtet?

Bei den Haltungsbedingungen werden Raummaße oder bauliche Vorgaben zur Bedingung gemacht. In der Praxis passt nicht jedes Haltungsverfahren in jede Region.

So sollten Strohverfahren eher in niederschlagsarmen Regionen eingesetzt werden, damit die Einstreu pilzfrei geerntet werden kann. Auch kann der Mensch den Grad der Hautverschmutzung des Schweines beeinflussen, beispielsweise durch die Wahl des Bodens im Liegebereich.

Stroh ist die meiste Zeit des Jahres zu warm zum Liegen. Längliche Buchten haben im Vergleich zu quadratischen bei gleicher Besatzdichte eine kleinere Oberfläche des Mistbereiches, was der Lungengesundheit zugutekommt.

Ganz wichtig ist die optimale Einstellung der Lüftungsanlage in Abhängigkeit von den im Stall befindlichen Tieren, ihrem Alter, Gewicht und der Fütterungsform. Helfen kann auch der Einbau von Kühlungstechnik.

Der entscheidendste Faktor für das Tierwohl ist aber der Umgang des Menschen mit dem Tier. Wie schon gesagt, kann der Mensch durch entsprechenden Technikeinsatz den Grad der Hautverschmutzung des Schweines beeinflussen. Und so kann durch die KTBL-Tierwohlindikatoren auch die Qualität der Arbeit des Menschen rund um das Tier gemessen und bewertet werden.

Auf welche Weise unterstützen KI-Systeme die Tierbetreuer bei der Überwachung der Schweine?

KI kann das Stallklima an die vom Tier bevorzugte Lufttemperatur anpassen, den Gesundheitsstatus der Tiere analysieren, das Schwanzbeißen erkennen und vermeiden, eine Falschnutzung der Funktionsbereiche oder auch Fehlfunktionen der Tränk- oder Fütterungstechnik melden.

Heute setzt das Gut Hardegg gezielt auf die digitale Transformation, auch mit dem Ziel, die Tierbetreuung außerhalb der üblichen Arbeitszeiten zu optimieren.

Inwiefern dienen solche Gutachten und die Praxisprojekte auf Gut Hardegg als Modell für die Weiterentwicklung der Schweinehaltung?

Gutachten, in denen die gemessenen Ergebnisgruppen der KTBL-Tierwohlindikatoren jeweils mit der Stückzahl Tier gewichtet werden, wurde bereits in mehreren mittleren und größeren Schweinehaltungen eingesetzt. Auf der Basis dieser Erfahrungen wissen wir, dass es keine Schweinehaltung gab, in der nicht mindestens 89 % der Tiere im jeweils optimalen Messbereich leben konnten.

Dies zeugt vom hohen Tierwohlniveau in deutschen Schweinehaltungen. Und es ist eine Darstellung, die auch von Menschen ohne Fachkenntnis verstanden wird.

Gut Hardegg möchte mit Blick auf die auch in Österreich gesetzlich festgelegten Entwicklungen umfangreiche Untersuchungen starten, um die Folgen dieser Neuerungen für Tier, Umwelt, Mensch und Ökonomie messen zu können. Dazu wird derzeit gemeinsam mit führenden Forschungsinstitutionen ein Konzept erarbeitet.

Wenn wir sowohl das Tierwohl als auch den Umweltschutz mit Erfolg voranbringen und die Folgen für Mensch und Ökonomie exakt messen wollen, dann sollten wir gut geplante wissenschaftliche Untersuchungen unter vergleichbaren Rahmenbedingungen ablaufen lassen.

Fachausschuss Tierhaltung und Futterbau in Noer

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Einer von drei Versuchsbetrieben der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) war die Tagungsstätte für den Fachausschuss ökologische und konventionelle Tierhaltung und Futterbau. Im vergangenen Monat ging es auf den Lindhof in Noer, Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Dr. Ralf Loges ist langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter, unterrichtet an der CAU ökologischen Landbau und hat die Umstellung 1993 begleitet. „Die Kühe haben gewechselt, ich bin noch da“, stieg er humorvoll in die Vorstellung ein. Knapp 190 ha, bewirtschaftet von 6,5 Mitarbeitern, dienen vor allem der Milchviehhaltung auf der Weide. Die 100 Jerseykühe werden kleegrasbasiert gefüttert. Vorbild ist die Milchviehhaltung in Irland. Dort ist der Ökolandbau nicht etabliert, und so kommen tatsächlich zahlreiche irische Besucher und besichtigen den Betrieb. Die Kühe kommen früh im Jahr auf die Fläche, sobald ein erster Flaum zu sehen ist. Sie fänden laut Dr. Loges mehr als man denke. Irgendwann fressen die Tiere weniger als aufwächst, und dann geht es in die Portionsweide. Wenn der Klee explodiert, dann ist die Frage nicht, ob sie zu wenig Eiweiß bekommen, sondern eher zu viel. Die Kühe geben knapp 6.000 l Milch, die aber sehr hohe Fett- und Eiweißgehalte hat, sodass umgerechnet 7.800 l energiekorrigierter Milchmenge für eine 500 kg schwere Kuh dabei herauskommen. Der Ökomilchpreis ist relativ stabil, die Betriebe leiden derzeit demnach weniger unter dem niedrigen Milchgeld als die konventionellen.

Die Hinterlassenschaften der Kühe werden im Ackerbau verwendet (vor allem Dinkel, Hafer und Winterweizen), weil das Kleegras keine Stickstoffgabe benötigt. Die Vermarktung des Fleisches erfolgt teilweise über den extern betriebenen Hofladen und Erzeugergemeinschaften, die der Milch über die gläserne Molkerei, eine reine Biomeierei in Münchehofe und Dechow.

Dr. Ralf Loges (Mitte) weiß dank Platemeter immer genau, wie viel Aufwuchs auf den Weiden ist. Foto: Isa-Maria Kuhn

Prof. Dr. Uta Dickhöfer stellte die aktuellen Forschungsschwerpunkte des Lindhofs vor. Dazu zählen die Optimierung des Weidemanagements und der Weideleistung durch die Analyse des Weideverhaltens, die Analyse der Einflussfaktoren auf den Methanausstoß, die Prüfung alternativer Futterpflanzen und die Untersuchung von Humusspeicherung.

Im Sommer sei politische Pause gewesen, jetzt sehr viel Austausch, viele Projekte, die 2027 ausliefen, schilderte Geschäftsführerin Stephanie Wetekam Aktuelles aus der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH). „Die neue Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik steht an, wir werden weniger Volumen zur Verfügung haben. Das ist ein wichtiges Thema auch für uns als Kammer, denn die europäische Eler-Förderung und EIP-Agri-Themen haben großen Wert für die Betriebe.“ Alle Führungsstellen seien besetzt. Ferner sei KI ein großes Thema. Die Kammer sei sehr weit vorn, der digitale Düngeberater „Martin“ laufe gut, neue Themen sollten dazukommen. Eine aktuelle Auswertung habe ergeben, dass viele Zugriffe am Wochenende und vor 7 Uhr stattfänden. Angestrebt wird eine hybride Beratung. Die KI soll, wenn sie nicht mehr weiterhelfen kann, an einen Berater verweisen. „Wir brauchen außerdem eine KI-Richtlinie für die Mitarbeiter. Ich bin ein großer Fan davon, KI einzusetzen. Sie gibt uns Schnelligkeit, aber muss im Rahmen bestimmten Leitplanken angewendet werden“, sagte sie. Berichtet wurde außerdem von einer erfolgreichen, sympathischen Darstellung der Kammer auf der Norla und von der neuen Stabsstelle für Innovationen und abteilungsübergreifende Themen.

Der Leiter des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp der LKSH, Claus-Peter Boyens, erklärte, dass der Neubau des Kuhstalls nun endgültig genehmigt sei, eine Einleitgenehmigung vorliege und die Gewerke teilweise schon ausgeschrieben seien. Dr. Imme Dittrich, Fachbereichsleiterin Rinderhaltung, gab einen Überblick über aktuelle und geplante Versuche zu Zusatzfuttermitteln für Milchkühe bis hin zu Festfutter für Kälber. 

Aktionswoche Vielfalt Pferd

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Zum zweiten Mal fand eine Aktionswoche zum Thema „Vielfalt Pferd“ statt. In ganz Deutschland wurden Möglichkeiten geschaffen, um Pferde den Menschen näherzubringen. Inzwischen haben 1.400 Aktionen stattgefunden, und der Verein Vielfalt Pferd erreichte allein auf Instagram mehr als eine Million Aufrufe. Schon im zweiten Jahr ist aus der Idee eine starke Bewegung für Pferde geworden.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 1.021.722 Aufrufe verzeichnete der Verein Vielfalt Pferd in den vergangenen 30 Tagen allein auf Instagram. Knapp 700.000 davon erzielte allein die zweite bundesweite Aktionswoche Vielfalt Pferd. Fast 24.000 Menschen interagierten mit den Beiträgen. Das sind gewaltige Zahlen, ein klares Statement für das Pferd. Noch wichtiger ist, was hinter diesen Zahlen steht: Hunderte Menschen, Vereine, Betriebe, Unternehmen und Organisationen haben sich bundesweit dafür eingesetzt, Begegnungen mit Pferden fühlbar, erlebbar und sichtbar zu machen. Tausende Menschen haben Pferde berührt, sie erfahren und etwas über sie gelernt.

Auch das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp, Kreis Plön, nahm an der Aktionswoche teil. „Wir haben mitgemacht, weil wir Kindern die Möglichkeit geben wollten, Pferden zu begegnen und die vielen Facetten rund um das Pferd kennenzulernen“, erklärte Carla Brohme von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

Viel los in Futterkamp

Sie und ein Team, zu dem auch die Auszubildenden und Fachpraktiker des Berufsbildungszentrums Plön im Beruf Pferdewirt gehörten, hatten zahlreiche Mitmachaktionen und spannende Einblicke organisiert. Vom Ponyparcours über Voltigieren und Kutschfahrten bis hin zu Hobby-Horsing, Bodenarbeit, Kinderschminken und spielerischen Wissensstationen rund ums Pferd war alles dabei. „Besonders hat uns gefreut, mit wie viel Begeisterung die Kinder die Ponys und die verschiedenen Stationen erlebt haben und wie gemeinschaftlich dieser besondere Tag gestaltet wurde“, so Brohme.

Der Malwettbewerb läuft noch bis Freitag, 16. Oktober. Auf einer Vorlage können Bilder rund ums Pferd eingesendet werden. Foto: Nadja Worschech

Auch die Nürnberger Versicherung beteiligte sich an der Aktionswoche. Nadja Worschech, Zielgruppenkoordinatorin Pferdesport, sagte: „Unser Malwettbewerb läuft bundesweit noch bis Mitte Oktober. Es gibt tolle Preise zu gewinnen, und alle Einsendungen werden Ende Dezember beim Internationalen Festhallenreitturnier Frankfurt ausgestellt.“ Bis Freitag, 16. Oktober, kann man noch mitmachen. Die Malvorlage kann hier heruntergeladen werden, wie übrigens auch eine Anleitung zum Basteln eines Socken- oder Steckenpferdes, ein Pferderätselheft und mehr.

Bundesweite Aktionen

Florian Wagner und Regina Singelnstein waren als Möhri-Ride-Botschafter unterwegs. Foto: Delia Will

Darüber hinaus gab es noch weitere bundesweite Aktionen, darunter der One Million Möhri Ride. Hier sammelten Menschen im September gemeinsam Kilometer beim Reiten, Führen oder Fahren. Jeder Kilometer wurde durch Spender unterstützt und verwandelte sich so in konkrete Hilfe für den Pferdeschutz.

Insgesamt waren 702 Reiterinnen und Reiter dabei, mehr als 37.000 km wurden gesammelt, und das Spendenvolumen überstieg 31.500 €. Das gesammelte Geld wird für Pferde in Not eingesetzt. Dafür gibt es auch sogenannte Stallpartner. Sie nehmen Pferde auf, geben ihnen die individuell nötige Pflege und vermitteln sie weiter. Einen dieser Partner hat das Projekt in Fitzbek, Kreis Steinburg, und einen im Norden Hamburgs.

Aus Schleswig-Holstein nahmen noch weitere Pferdemenschen an der Aktion teil. Mit dabei waren beispielsweise die Familie Moormann mit ihrem Stutenhof Waterdiek in Tökendorf, Kreis Plön, das Fjordgestüt Klosterhof in Landscheide, Kreis Steinburg, und Anne Reich-Dultz aus Belau, Kreis Plön.

Pflanzen für Trockenmauern und Steinfugen

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Wo aus dem Acker geklaubte Steine zur Einfriedung von Feldern und Weiden aufeinandergeschichtet wurden, entstanden die ersten Trockenmauern. In terrassierten Hanglagen dienten und dienen sie bis heute zur Stabilisierung. Darüber hinaus sind begrünte Trockenmauern als naturnahes gestalterisches Element zur Abgrenzung von Gartenebenen und Sitzplätzen beliebt.

Weil die Steine ohne ­Mörtel aufeinandergeschichtet werden, bieten die Zwischenräume Platz zur Bepflanzung. Allerdings stellen die klimatischen Bedingungen besonders auf der Südseite von Mauern hohe Ansprüche an das Ertragen von sommerlicher Hitze und winterlichen Temperaturschwankungen. Der Erdboden hinter Steinfugen bleibt oft lange feucht und kühl, während sich die Luft über den Steinen in der Sonne schnell erwärmt. Stein speichert die Sonnenwärme noch nach Sonnenuntergang und erwärmt sich im Frühjahr besonders schnell, insbesondere in nach Süden exponierten Lagen.

Pflanzen, die hier gedeihen, wachsen von Natur aus in steinigen bis felsigen Böden, wie sie vorzugsweise in gebirgigen Regionen vorkommen. Sie stammen aus den Alpen, den Pyrenäen oder dem Himalaja. Aber auch felsige Küsten und Inseln – die ja oft nichts anderes sind als Spitzen von Unterwassergebirgen – bringen Pflanzen hervor, die mit wenig Wurzelraum auskommen.

Unterschiedlichem Kleinklima gerecht werden

Mauerpflanze ist nicht gleich Mauerpflanze. Die verschiedenen Bereiche und Himmelsrichtungen bieten unterschiedliche Mikroklimazonen und entsprechend Platz für unterschiedliche Bedürfnisse. Dabei dient das Material Stein als Verstärker: Die Sonnenseite einer Mauer erwärmt sich stärker als die Umgebung, während es auf schattigen Nordseiten besonders kühl und häufig auch feucht ist.

Silberraute wächst gern auf der Mauerkrone. Foto: Anke Brosius

Auf der Mauerkrone ist Platz für lichthungrige Pflanzen wie Rosmarin-Seidelbast (Daphne cneorum). Der Zwergstrauch wird nur 20 bis 30 cm hoch, bildet aber mit der Zeit breite, überhängende Matten und überzieht sich von Ende April bis Mai mit zahlreichen rosafarbenen, stark duftenden Blüten. Die Silberraute (Artemisia schmidtiana) ‚Nana‘, bildet mit ihren feinen, tief eingeschnittenen Blättern silbrigweiße Polster, die auch im Winter grün sind. Die Silberraute bevorzugt sonnige, nicht zu trockene Plätze, ist aber etwas empfindlich gegen Winternässe. Ein Klassiker auf der Mauerkrone ist die Dachwurz (Sempervivum tectorum). Sempervivum-Arten kommen ebenso wie der genügsame Mauerpfeffer (Sedum acre, S. album) mit sehr wenig Erde aus und vertragen auch längere Trockenperioden.

Die Dachwurz beansprucht kaum Wurzelraum. Foto: Anke Brosius
Liebt Fels- und Mauerspalten: Spanisches Gänseblümchen Foto: Anke Brosius

Auf der Sonnenseite fühlen sich insbesondere Pflanzen südlicher Herkunft wohl, etwa Löwenmäulchen und Spornblumen, deren rote, rosa oder weiße Blütentriebe an Mauern weit herabhängen. Katzenpfötchen (Antennaria dioica) blühen im Frühsommer über silbrigen Laubmatten rosarot. Das Spanische Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus) stammt ursprünglich aus Australien und liebt wintermildes Klima und nicht zu trockene Sommer. Dann blüht es ausdauernd vom Frühsommer bis zum Herbst.

Die Schleifenblume, auch Schneekissen (Iberis sempervirens), ein bis zu 30 cm hoher Halbstrauch, blüht im Mai schneeweiß und ist trotz der mediterranen Herkunft bei uns ganz winterhart. Sehr kompakt bleibt die Felsen-Schleifenblume (Iberis saxatilis), die in Fels- und Mauerspalten niedrige Polster bildet.

Im Schatten gedeihen Gelber Lerchensporn und das zierliche Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), dessen Samenstände sich immer vom Licht abwenden, um die Samen in dunklen Felsspalten und Mauerritzen auszustreuen. Für die schattige Nordseite von Mauern eignen sich besonders Farne wie die Mauerraute, auch Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria), und der Braunstielige Streifenfarn (Asplenium trichomanes), der es feucht, schattig und kühl liebt. Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium) gedeiht sogar noch im tiefen Schatten.

Lerchensporn versamt sich gern. Fotos: Anke Brosius
Zimbelkraut fühlt sich auch an schattigen Plätzen wohl. Foto: Anke Brosius
Anspruchsloses Paar für Schattenseiten: Streifenfarn mit Rispensteinbrech Foto: Anke Brosius
Der Hirschzungenfarn hat es gern kalkhaltig. Foto: Anke Brosius


Ganz anspruchslos ist der Rispen-Steinbrech (Saxifraga paniculata). Er verträgt Sommertrockenheit ebenso wie feuchtere und halbschattige Standorte. Wie bei Sempervivum-Arten sterben die Rosetten nach der Blüte ab. Durch beständige Bildung neuer Ausläufer bleiben jedoch keine Lücken zurück.

In den Alpen zu Hause ist die Kleinblütige Akelei. Foto: Anke Brosius

Bei der Pflanzung gilt es auch die Gesteinsart zu berücksichtigen. So bieten Mauern aus Kalkstein gute Standorte für kalkliebende Pflanzen wie Hirschzungenfarn und Zimbelkraut. Auch manche Alpenpflanzen wie die Kleinblütige Akelei (Aquilegia einseleana) und die Alpennelke (Dianthus alpinus) wachsen gern auf Kalkuntergrund, während andere, etwa Rosmarin-Seidelbast oder Katzenpfötchen, als ausgesprochen kalkmeidend gelten. Die Spinnweb-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum) wächst von Natur aus auf sauren Silikatgesteinen.

Solange der Boden kühl und feucht genug ist, gedeihen diese alpinen Pflanzen in voller Sonne. Andernfalls bevorzugen sie Felswinkel und Nischen, in denen sie vor der Mittagssonne geschützt sind. Ein feuchtes Bodenklima schaffen insbesondere Tuffsteine vulkanischer Herkunft, weil deren Poren Feuchtigkeit lange halten und in den Boden abgeben.

Auch Pflastersteine bieten Fugen

Nicht nur in der Senkrechten, auch in der Ebene werden „Steinwüsten“ durch Bepflanzung aufgelockert. Ein gepflasterter Hof wirkt lebendiger, wenn es zwischen den Ritzen hier und da auch grünt und blüht. Die Fugen zwischen Pflastersteinen oder zwischen Mauer und gepflastertem Weg werden von vielen Pflanzen als Lebensraum angenommen. Thymian benötigt nur wenig Wurzelraum und fühlt sich in Mauerritzen ebenso wohl wie zwischen Pflastersteinen, wo niedrige, Polster bildende Arten auch ziemlich trittfest sind. Auch kleinblütige Nelken wie die Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus) oder die Heidenelke (Dianthus deltoides) fühlen sich zwischen Steinfugen wohl und bilden dichte Polster.

Blütenreiche Thymianblättrige Mauermiere Foto: Anke Brosius

Sehr flach wächst die Mauermiere (Paronychia kapela), die nur wenige Zentimeter hohe, bläulich-grüne Polsterflächen bildet. Auffällig ist allerdings die durchscheinende weiße Blüte im Frühsommer. Die Mauermiere ist sehr anspruchslos und gedeiht zwischen Trittplatten wie auch auf sonnigen Mauerkronen. Im Herbst färben sich die Matten orange bis rotbraun.

Besonders gut gedeihen häufig aus Samen gezogene Pflanzen, zumal solche, die sich ihren Standort selbst ausgesucht haben. Wenn im nahen Umfeld vielfältige Wildstauden wachsen, werden Steinrefugien mit der Zeit meist auch ohne menschliches Zutun besiedelt. Sicherer ist es, einige Exemplare der gewünschten Arten zu pflanzen, die sich dann verbreiten dürfen. An schwer zugänglichen Stellen wie sehr schmalen Ritzen klappt das oft am besten, wenn die Mutterpflanzen im Topf neben den ausgesuchten Standort gestellt werden.

Besiedelt auch schmalste Spalten: die Hängepolsterglockenblume Foto: Anke Brosius
Felsensteinkraut findet zwischen Pflastersteinen seinen Platz. Foto: Anke Brosius

Ein schönes und wüchsiges Paar, das aber nie lästig fällt, bilden Hängepolsterglockenblume (Campanula poscharskyana) und Zimbelkraut an sonnigen wie schattigen Mauern. Im Schatten versamen sich Farne und Gelber Lerchensporn, an sonnigeren Plätzen auch die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), die sich wie C. poscharskyana auch durch Ausläuferbildung ausbreitet. Felsensteinkraut (Aurinia saxatilis, früher Alyssum saxatile) versamt sich reichlich und blüht dann im April bis Mai leuchtend gelb. Auf und in Mauern gepflanzt können die wintergrünen Triebe bis zu 1 m lang herabhängen, die Sorte ‚Compactum‘ bleibt kürzer. Auch das Spanische Gänseblümchen und die Kronen-Lichtnelke (Silene coronaria), die gern auf Mauerkronen und in Pflasterfugen wächst, siedeln sich an immer wieder neuen Plätzen an.

Trockenmauern möglichst schon beim Bau bepflanzen

Unregelmäßig geformte Natursteine sind zwar eine Herausforderung beim Maueraufbau. Gleichzeitig bieten sie aber durch die zwangsläufig entstehenden Zwischenräume auch am meisten Raum zur Bewurzelung. Verwendet man regelmäßig geformte Steine, etwa alte Ziegelsteine, empfiehlt es sich, gezielt Lücken in der Wand zu lassen. Wenn Pflanznischen eine Verbindung zum dahinterliegenden Erdboden haben, gedeihen hier auch Stauden und Kleinsträucher, die anspruchsvoller hinsichtlich Wasser und Nährstoffbedarf sind.

Am einfachsten ist es, die Pflanzen schon beim Bau einer Trockenmauer einzusetzen. Bei nachträglicher Bepflanzung sind die Lücken meist nicht groß genug für ganze Topfballen. Dann kann man die Wurzelmatten auftrennen, die Ableger tief in die Wand schieben und mit Erde auffüllen. Alternativ kann man passende Stauden auch aus Samen anziehen und als Sämlinge einsetzen, oder man stopft gleich Erdklumpen mit Samen in die Zwischenräume und wartet ab, was da aufgehen möge.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Pflanzen nicht zu dicht zu setzen. Zum einen können die Pflanzenpolster und -teppiche beachtlich groß werden, zum anderen bieten Lücken Möglichkeiten zur Versamung. Nicht zuletzt gilt es auch, optisch ein Gleichgewicht zwischen Pflanze und Stein zu halten, damit die schöne Mauer nicht ganz unter dem Bewuchs verschwindet. Die besten Jahreszeiten zur Mauerbegrünung sind Frühjahr und Herbst, wenn das Wetter noch mild, aber nicht zu trocken ist. Bis sie sich etabliert haben, müssen auch sonst trockenheitsunempfindliche Pflanzen bei Bedarf gewässert werden.

Thymian hat sich zwischen Treppenstufen ausgesät. Foto: Anke Brosius

Applaus aus der Branche

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Ein Handelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen rückt in greifbare Nähe. Wie EU-Handelskommissar Maroš Šefcovic kürzlich in Brüssel erklärte, sei jetzt eine „substanzielle Einigung“ gelungen. Das Abkommen soll der EU besseren Zugang zu seltenen Erden sichern und dem heimischen Agrarsektor erhebliche Vorteile bringen. Die technischen Details werden in den nächsten Wochen verhandelt;
Beobachter erwarten finale Ergebnisse im November.

Am Ende seiner Pressekonferenz geriet Šefcovic regelrecht ins Schwärmen. Nach der Einigung mit den Philippinen werde die EU Handelsverträge mit Drittländern abgeschlossen haben, die mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung abdeckten. Keinem anderen Staatenverbund sei dies bisher gelungen.

Im Anschluss stellte ein Kommissionssprecher klar, dass das Abkommen beispielsweise Zollpräferenzen für wichtige Agrar- und Lebensmittelexporte der EU vorsehe. Offizielle Details wurden zwar nicht genannt, doch aus Kommissionskreisen verlautete, dass Zollermäßigungen für den Schweinefleischsektor geplant seien. Zudem solle es Marktliberalisierungen für Produkte wie mechanisch entbeintes Geflügelfleisch, Rindfleisch, sämtliche Milchprodukte, Olivenöl, Wein und Spirituosen geben. Die Handelsexperten der Brüsseler Behörde weisen zudem darauf hin, dass auf den Philippinen ein starkes Exportinteresse an verarbeiteten Agrarprodukten besteht. Als Beispiele werden Süßwaren, Wein, Spirituosen sowie verschiedene Lebensmittelzubereitungen und ausgewählte Obst- und Gemüsesorten genannt. Sensible EU-Sektoren wie Reis, Rindfleisch, Zucker, Ethanol, Knoblauch und Bananen sollen hingegen von den Zugeständnissen an den Inselstaat ausgenommen bleiben.

Ein weiterer Kernpunkt des Abkommens ist laut dem Kommissionssprecher der Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen: Fast 200 geschützte EU-Produkte sollen demnach auf den Philippinen vor Nachahmung geschützt werden.

Die Einigung auf ein Handelsabkommen wird im Agrarsektor begrüßt. Die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Stefanie Sabet, wertet die vorläufige Übereinkunft als wichtigen Schritt. Nach ihrer Einschätzung stärke dies die Handelsbeziehungen der EU im asiatischen Raum.

Die Philippinen sind Nettoimporteur von Lebensmitteln, weshalb Sabet die deutsche Landwirtschaft als verlässlichen Partner für die Versorgung mit hochwertigen Erzeugnissen ins Spiel brachte. Erst im Frühjahr hatten die Philippinen ihren Markt wieder für deutsches Schweinefleisch geöffnet. Vor diesem Hintergrund begrüßt die DBV-Generalsekretärin ausdrücklich, dass sich die handelspolitischen Rahmenbedingungen nun weiter verbesserten. age

Russland stoppt Getreidezölle

Die russische Regierung hat die Exportzölle auf Getreide bis Ende 2026 ausgesetzt, und zwar rückwirkend zum 1. September 2026. Dies betrifft die Lieferung von Getreide an Staaten, die nicht Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion sind. Diese Entscheidung ist eine direkte Folge der massiven Exportprobleme Russlands durch die Einschränkungen des Seeverkehrs auf dem Schwarzen und dem Asowschen Meer. Die verminderten Getreideausfuhren haben am Inlandsmarkt zu einem Anstieg des Angebots geführt, verbunden mit einem Rückgang der Preise. Der Generaldirektor des Instituts für Agrarmarktstudien (ICAR), Dmitri Rylko, sprach von einer „Bewegung in die richtige Richtung“. Darüber hinaus müsse der Kreml nun mit Interventionskäufen von Getreide beginnen, kurzfristige Kredite der Landwirte umstrukturieren und nach neuen Exportkanälen suchen, erklärte Rylko gegenüber der Plattform Agroinvestor.

Der Internationale Getreiderat hat angesichts der Transportprobleme seine Prognose für die Weizenexporte Russlands nach unten korrigiert. In seinem September-Bericht geht er für das gesamte Wirtschaftsjahr 2026/2027 von 41,5 Mio. t aus; das sind 3,7 Mio. t weniger als der Wert im August-Bericht. age

Brasilianer hoffen auf 2027

EU-Einfuhrstopp für Rindfleisch

Roberto Perosa Foto: Abiec

Brasiliens Rindfleischexporteure hoffen darauf, im kommenden Jahr wieder auf den EU-Markt liefern zu dürfen. Das hat der Präsident des Branchenverbandes Abiec, Roberto Perosa, heimische Medien wissen lassen. Er setzt auf eine zügige Wiedererlangung der EU-Listung und darüber hinaus auf eine Übergangsregelung.

Dafür hat der Verband laut Perosa kürzlich in Brasília einen Vorschlag vorgelegt, der bislang allerdings noch nicht öffentlich erläutert wurde. Ziel einer Übergangsregelung ist es, das Geschäft noch vor Ablauf des zweijährigen Produktionszyklus in der Rinderhaltung wieder aufzunehmen. Denn vor allem die lange Spanne von der Geburt bis zur Schlachtung bereitet der brasilianischen Rindfleischbranche aktuell Sorgen. Der Grund: Die EU schreibt vor, dass Rinder während ihrer gesamten Lebenszeit keine antimikrobiell wirksamen Wachstumsförderer erhalten dürfen. age

Japanische Perfektion trifft skandinavische Gelassenheit

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Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Schleswig-Holstein brachte in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Konstnärsnämnden (Komitee für Künstlerstipendien) den Keramikkünstler Masayoshi Oya erst nach Lübeck auf den Hof Rienhoff und anschließend nach Flensburg. Vom 18. bis zum 26. September war seine Ausstellung mit dem Namen „Still, in clay“ („Ruhe, aus der Erde“) in den Räumlichkeiten der Galerie haptik im Brasseriehof zu bewundern.

„So bunt haben wir japanische Keramik noch nie erlebt. Der skandinavische Einfluss ist deutlich spürbar“, erzählten die Galeriebesitzer Thorsten und Kathrin Held, die sich seit einigen Jahren mit japanischer Keramik beschäftigen. Und richtig, kennt man sich mit japanischer Keramik etwas aus, weiß man: Knallige Farben sind für japanische Künstler ungewöhnlich.

Die knallig bunte, von Skandinavien inspirierte Glasur ist für japanische Künstler ungewöhnlich. Mit ihrer glatten Oberfläche laden die Tassen zum Anfassen ein. Foto: Patrick Mühling

Gänzlich befreit von dem für Japan typischen und durch das Streben nach Perfektion eingeschränkten Stil, baut der Keramikkünstler Masayoshi Oya seit seiner Berührung mit Schweden eine Brücke zwischen den in seinem Heimatland erlernten handwerklichen Fähigkeiten und den skandinavischen Einflüssen seiner neuen Heimat Schweden, in der er seit fast 20 Jahren lebt.

Bei den Ausstellungsobjekten handelt es sich überwiegend um Gebrauchsgegenstände: Geschirr, Teller, Tassen und Gefäße in verschiedenen Größen.

Neben dem einfacheren Design, das von vertikalen Linien lebt, kombiniert dieses Muster die vertikalen Linien zusätzlich mit horizontalen, wellenförmigen Pinselstrichen. Foto: Patrick Mühling

Seine neuesten Werke kombinieren dabei nahezu perfekt geformte, weiße Keramik mit skandinavischer Farb- und Formensprache und der Gelassenheit des Nordischen. Der weiße Ton wird zu einer Leinwand für seine von Hand gemalten grafischen Muster und selbst entwickelten Glasuren.

Das Konzept Wabi-Sabi

Wabi-Sabi (侘び寂び) ist ein ästhetisches Konzept aus Japan, das die Schönheit des Unvollkommenen, Vergänglichen und Schlichten beschreibt. Statt Perfektion zu suchen, geht es darum, Alterung, Gebrauchsspuren, Unregelmäßigkeiten und Vergänglichkeit anzunehmen. Ein rissiger Keramikbecher kann also gerade wegen seiner Unebenheiten und Geschichte schön sein. Diese Denkweise findet sich üblicherweise in der Form und der Haptik japanischer Keramik  wieder.

Dieses ungewöhnliche Werk kombiniert eine Vase mit einer aus mehreren Materialien gebastelten Auflage, die zum Teil verglast ist. Die Auflage hält trotz der Form bombenfest. Foto: Patrick Mühling

Oberflächen sind oftmals bewusst nicht lackiert und bleiben rau, haben sichtbare und spürbare Erhöhungen, Ecken oder Kanten. Masayoshi Oya entdeckte die Welt der Keramik durch Zufall. In der Schule meldete er sich für einen Holzarbeitskurs an, der nie stattfand. Der eingeplante Lehrer ging noch vor dem Start des Kurses in den Ruhestand.

Der Ersatz für ihn war ein Keramiker. Noch in diesem Kurs bemerkte Oya seine Verbundenheit mit dem Material und beschloss, dass er mit Keramik arbeiten wolle. Ein Großteil Oyas jüngster Werke setzt auf handgedrehtes, weißes Porzellan mit klassischer, geradliniger Form und bedient sich der Wabi-Sabi-Philosophie, indem er seine Verzierungen bewusst unperfekt gestaltet: Die von Udon-Nudeln inspirierten, bunten Linien, die die Werke zieren, sind nicht gerade und in einem Strich gezogen.

Japanische Kalligrafie

Die handgemalten Linien und die Glasur verraten dem Betrachter offen, dass bei der Anfertigung mehrfach angesetzt wurde. Eine Homage an die Kalligrafie. Foto: Patrick Mühling

Bei der Anfertigung dieser Verzierungen nutzte er eine Technik, die an traditionelle japanische Kalligrafie (, shodou) erinnert, bei der japanische Sprache mit dem Pinsel kunstvoll auf Papier gemalt wird. Ungleich der deutschen Schreibschrift, die von gleichmäßigen Linien lebt, die in einem Zug gezogen werden, setzt der japanische Kalligraf mehrfach an und konstruiert Schriftzeichen aus einzelnen Strichen.

Beim Betrachten der Keramikstücke fällt die Ähnlichkeit mit der Kalligrafie durch die klar erkennbaren Start- und Endpunkte der Linien auf, was sich ebenfalls mit den Fingern erfühlen lässt.

„Jeder Lackierer würde sich im Grabe umdrehen, weil es nicht gleichmäßig ist“, sagte Thorsten Held schmunzelnd.

Für Oyas Keramik funktionieren diese unperfekten Linien jedoch und verleihen der Gebrauchskunst eine gewisse Einzigartigkeit, die man so nicht im Laden findet. Besonders gut erkennt man den Kalligrafie-Ansatz bei einer weißen Schale, die ein kreisförmiges Linienmuster trägt.

Anhand der stärkeren Sättigung der schwarzen Farbe an einigen Stellen der Linien erkennt man, wo Oya den Pinsel angesetzt und wo er ihn abgesetzt hat.

Oya absolvierte ein Praktikum in der schwedischen Glasmanufaktur Kosta Boda. Aus seiner Faszination für das Material ging das Werk „Stugan I“ (zu Deutsch: „Häuschen“) hervor. Foto: Patrick Mühling


„Im Vergleich zu weißem Alltagsgeschirr aus Hartporzellan gehen Masayoshis Keramiken eher in Richtung Statement. Während das eine dezent im Hintergrund verschwindet und das Getränk oder das Gericht in den Vordergrund stellt, ist es bei diesen Tellern und Tassen genau andersherum.“

Thorsten Held, Galerie haptik
Diese Muster und Farbgebung stechen unter den anderen Exemplaren der Ausstellung heraus. Der Schaffensprozess erscheint auf den ersten Blick wie Aquarell. Foto: Patrick Mühling

Zu „Ruhe, aus der Erde“ gehört ebenfalls ein Teller- und Tassenset, das sich von den anderen Objekten optisch ein wenig abhebt. Das Geschirr hat eine klare Farbkomposition und ist von großen Farbfeldern geziert. An Malerei Interessierte erinnern die türkis- und orangefarbenen Muster vielleicht an Aquarell.

Wie Oya diese Glasur hergestellt hat, hat der Künstler noch nicht verraten. Denkbar wäre allerdings, dass er die Glasur stark verdünnt und dann mit einem Pinsel bewusst so aufgetragen hat, dass sie lief.

Bei den Farben lässt sich eine gewisse Transparenz erkennen, wie sie bei dünn aufgetragener keramischer Farbe oder Glasur entstehen kann.

Besonderer Fokus: Japan

Eine durch Zufall entstandene Leidenschaft für Japan führte dazu, dass die Galeriebesitzer Kathrin und Thorsten Heldt sich intensiver mit diesem Land beschäftigten und dabei Gefallen an japanischer Keramik entwickelten.

Seither stellt diese in ihrer Galerie einen besonderen Schwerpunkt dar. Regelmäßig finden sich zwischen acht und zehn japanische Künstlerinnen und Künstler in den Räumlichkeiten wieder.

Kathrin und Thorsten Held legen besonders viel Wert darauf, die Kunstschaffenden hinter den Werken persönlich kennenzulernen. Ziel ist es, Gedankenprozesse zu verstehen und für die Besucher sichtbar zu machen. Foto: Patrick Mühling

„Wir sind jedes Jahr in Japan und kaufen vor Ort die Waren der Künstlerinnen und Künstler ein“, erzählten die Galeriebesitzer.

„Meine Frau und ich haben eine starke Affinität für die japanische Kultur, aber auch dafür, wie Schönheit in Japan geprägt ist“, so Thorsten Held. Mit der Vernissage im  September war Masayoshi Oya der erste japanische Künstler, der seine Werke vor Ort präsentiert hat.

Weitere Eindrücke aus der Galerie

Eine zweifarbige Vase. Absolut untypisch sowohl für japanische als auch für skandinavische Keramik, wurden hier zwei Stilformen kombiniert. Oben: japanisch – fließend, nicht genormt und ohne klare Linien und Trennung. Zudem ist dieser Teil des Bechers texturierter, haptischer. Unten: skandinavisch, eher einfaches Blau, glatte Textur. Ein simples, zugleich effektives Design. Zwei Realitäten, die Oya zusammenzubringen versuchte. Fotos: Patrick Mühling
Der Künstler unterschreibt seine Werke mit seinem Spitznamen „Masa“. Kurz für Masayoshi. Die Unterschrift ist kalligraphisch gemalt. Mittlerweile gibt es bereits Kunstschaffende, die seine Werke nachzumachen. versuchen. Einen echten Masayoshi erkennt man am Autogramm auf der Unterseite.
Eine quadratische Vase. Schon auf den ersten Blick erkennt man die charakteristische Optik, die an Skandinavien anlehnt. Auch hier: Die Basis, die Keramik ist makellos und nahezu perfekt. Die Linien wirken jedoch gewollt-unsicher. Als hätte jemand Linienführung geübt. Fast, als hätte jemand seine ersten Linien gezogen.
Das charakteristische helle Gelb erinnert sofort an Schweden beziehungsweise an Skandinavien. Auf den ersten Blick ist hier kein japanischer Einfluss zu erkennen. Die Perfektion der zugrundeliegenden Keramik verrät dem geübten Auge jedoch japanisches Streben nach Perfektion.
Eine texturierte Schale einer anderen Künstlerin in der Galerie. Der Stil mit charakteristisch-japanischer Textur (rau, uneben, stark haptisch) ist ganz anders als die Werke von Masayoshi.
Bunte Farben gibt es bei den farbigen Gläsern auch, jedoch sind Stil, Verarbeitung und Schaffensprozess bei Oyas Werken komplett andere.
In der Galerie finden sich passend zum Namen haptisch ansprechende Keramiken von unterschiedlichen Keramikern und Keramikerinnen. Viele kommen aus Asien, einige sind jedoch auch lokal ansässig oder aus dem europäischen Ausland.


Das Ehepaar Held möchte japanische Keramikerinnen und Keramiker in Zukunft öfter nach Flensburg bringen. Für dieses Unterfangen existiert bereits ein Ferienhaus auf dem Gelände, das von den Kunstschaffenden genutzt werden könnte. Mehr Informationen zu den einzelnen Werken und zur Galerie finden sich unter www.haptik.de