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„Vom Stolz und von der Demut“

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„Vom Stolz und von der Demut“, so lautet der Untertitel des neuen Buches „Jagdethik“, das zwei Jäger unterschiedlicher Generationen verfasst haben. Auf 137 Seiten versucht es, Antworten auf eine Vielzahl von Fragen zu Gesellschaft, Jagd und Wild anzubieten.

Dabei ist die Entstehungsgeschichte des Werkes allein eine spannende und das Ergebnis eine Einladung, die nicht nur für angehende oder gestandene Jägerinnen und Jäger gemeint ist, sondern auch ein Blick durch ein offenes Fenster in die unzähligen Fragen zur Jagd in einer modernen Gesellschaft.

Fragen aus zwei Perspektiven

Verantwortlich für das Werk zeichnen die Ricklingerin Katharina Babinski und Stefan Eggers aus Neumünster. Gemeinsam betreten die beiden Autoren das Spannungsfeld der Jagd mit all seinen Fragen in einer Gesellschaft, wie sie heute in Deutschland zur Tagesordnung gehören. Die Themen reichen von politischen Rahmenbedingungen über die Reflexion des eigenen jagdlichen Handelns bis zum Umgang mit kritischen Stimmen in den Medien. Dass Katharina Babinski, Mutter von zwei Kindern und als Ergotherapeutin im psychosozialen Bereich arbeitend, gerade erst mit 34 Jahren im Frühjahr 2026 ihr Grünes Abitur bestanden, also ihre Jägerprüfung abgelegt hat, tut der Sache keinen Abbruch. Das Verstehen menschlichen Handelns und Wirkens gehört zum Alltag der Therapeutin. Für die junge Jägerin und Autorin war das Eintauchen in die Grüne Welt eine neue Erfahrung. Fast acht Monate Ausbildung bis zum Grünen Abitur, im Vorfeld Erfahrenes und das jagdliche Erleben hätten allerdings Fragen aufgeworfen, die nach Antworten strebten, sagt Babinski.

Die Fragen der frischgebackenen Jägerin seien berechtigt und stimmig, meint Mitautor Stefan Eggers aus Neumünster. Der 62-jährige ehemalige Sportschütze ist als waffenkundiger Berater und Munitionsfachmann nicht nur bei Kunden eines Neumünsteraner Jagdgeschäftes ein bekanntes Gesicht. Seit 15 Jahren unterrichtet Eggers erfolgreich an der Jagdschule Segeberg. Die Lebensstrecke seines Jägerlebens liegt bei etwa 200 erlegten oder als Verkehrsunfallwild erlösten Rehen, Wildschweinen und Stücken Damwild. Hinzu kommen Erlebnisse im Ausland oder bei der Niederwildjagd, etwa auf Enten, Fasane, Füchse und Marderhunde. Ständiger Begleiter ist sein heute 12,5-jähriger Münsterländer Jagdhund „Jeffery“. Selbst mit vielen Fragen zur Jagd aus einem bewegten Jägerleben im Gepäck, notiert auf Spickzetteln, verstand Eggers die vielen offenen Fragen der Jungjägerin.

Die gemeinsame Antwort ist ein Streifzug durch die vielen Fragen zur Jagd in all ihren Facetten, in dem durchaus deutlich wird, dass Veränderung in einer modernen Gesellschaft auch für Jagd, Jäger und Wild in einer lebendigen Kulturlandschaft Chancen birgt. Deswegen hat sich Katharina Babinski auf den Weg und an die Feder gemacht, um Antworten zu finden und zu formulieren.

Neue Generation von Jägerinnen

Das Buch zeigt auch die unterschiedlichen Perspektiven zweier Jägergenerationen. Katharina Babinski stammt aus einer Familie ohne jagdlichen Bezug und fand über andere junge Jägerinnen in die Welt der Grünröcke. Daneben Stefan Eggers, der auf die jahrzehntelange Erfahrung eines aktiven Jägerlebens blicken darf. Die Fragen nach Reflexion und Prüfung des eigenen jagdlichen Handelns sind von Katharina Babinski ehrlich gestellt. Die Anforderungen an das fachliche Handeln seien hoch, und die Notwendigkeit eines offenen und klaren Dialoges mit einer jagdfernen Gesellschaft, die ihre Spitzen in den Social-Media-Kanälen finde, gehöre ebenso zum Inhalt wie viele Fragen zur Jagdethik, der sogenannten Waidgerechtigkeit und ihren ungeschriebenen Gesetzen, formuliert es Babinski. „Für Ethik gibt es wohl kein Patentrezept“, sagt die Autorin, die den Themen ohne erhobenen Zeigefinger eine angemessene Tiefe gibt.

So steht etwa die Frage im Raum, wer Vorrang haben sollte, Wald oder Wild etwa, was im Forstbetrieb, wenn es um Pflanzungen junger Bäume geht, keine einfach zu beantwortende Frage ist. Und überhaupt: Welches Reh soll erlegt werden? Hauptsache, der Abschussplan ist erfüllt? Oder haben die „Alten“ recht, wenn sie mittelalte Rehe schonen, viele junge Rehe schießen und darüber hinaus nur den einen oder anderen alten Bock erlegen? Die Antwort sei unter den Zeichen der Zeit und abhängig vom Revier nicht einfach, weiß Eggers. Einen gesunden, dem Lebensraum angepassten Wildbestand einer Art zu hegen und zu bejagen habe sich allerdings bewährt und zeige sich durch gesundes und auch körperlich starkes Wild.

Und wie sieht es mit der Waidgerechtigkeit nicht nur beim Wild, sondern auch unter den Jägern selbst aus? Das hat sich Katharina Babinski gefragt. Immerhin seien die Gesetze der Deutschen Waidgerechtigkeit ungeschriebene Gesetze, die auch noch im Lauf der Zeit wandelbar sein sollten, so wie auch das sogenannte Brauchtum der Jäger. Jagdethik, das seien viele Fragen und ein Fach für sich, das auch so direkt in der Ausbildung nicht unterrichtet werde, sagt Eggers. Deswegen sei es eine gute Idee, die Gedanken und auch Fragen einmal zu Papier zu bringen. Zunächst war dies als Konzept für eine Unterrichtseinheit gedacht und ist jetzt durch Katharina Babinskis Einsatz als Buch zu haben.

Für viele der Fragen gibt es im Buch eine Vielzahl von Anregungen, die trotz klarer Benennung nicht als erhobener Zeigefinger gemeint seien, meint Stefan Eggers. „Sicherer Umgang mit der Waffe und ein klarer Blick auf das eigene Handeln sind dabei unabdingbar“, so Eggers. „Jagdethik – vom Stolz und von der Demut“ sei eine Einladung an angehende Jägerinnen und Jäger und auch an gestandene Waidfrauen und -männer sowie an Interessierte, sagen die beiden Autoren. Erschienen ist das Buch bei Books on Demand, ISBN: 978-3-6963-6798-5, zum Preis von 22,90 €.

Digitale Teilhabe beginnt vor Ort

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Wie funktioniert das Smartphone? Wie lassen sich Fotos verschicken? Wie kaufe ich ein Bahnticket oder vereinbare einen Termin beim Hausarzt? Die meisten von uns erledigen solche Aufgaben mit dem Smartphone oder Tablet im Handumdrehen.

Doch für den einen oder die andere sind diese alltäglichen Dinge erhebliche, teils unlösbare Herausforderungen. Die Digitalen Patinnen unterstützen diese Menschen dabei, die digitale Welt Schritt für Schritt zu entdecken.

„Unser Angebot ist ganz niedrigschwellig“, erzählt Monika Kunde, Digitale Patin aus Bad Schwartau. „Wir arbeiten in kleinen Gruppen. Die Hemmschwelle, etwas zu fragen, ist da deutlich reduziert. Jeder kann sagen, wenn etwas nicht verstanden wurde.“ In der gemeinsamen Qualifizierung des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein und des Breitband-Kompetenzzentrums Schleswig-Holstein (BKZ.SH) lernen engagierte LandFrauen, ihr Wissen verständlich weiterzugeben und eigene Schulungen anzubieten. So wird digitale Kompetenz zu gelebter Nachbarschaftshilfe – für mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und Teilhabe im Alltag.

Netzwerken

Beim Netzwerktreffen in Neumünster hatten die Patinnen die Gelegenheit, sich auszutauschen und sich über aktuelle Themen zu informieren. Diesmal stand das Thema KI auf dem Programm. Den Einstieg gestaltete Maxim Schmuck vom BKZ.SH mit einer kleinen Umfrage – natürlich über ein digitales Tool: Wenn du Künstliche Intelligenz hörst, welches Wort fällt dir als Erstes ein? Die meistgenannte Antwort lautete „Vorsicht“ und spiegelt damit auch wider, dass sich die überwiegende Zahl der Teilnehmerinnen bisher kaum mit KI beschäftigt hat, weil sie sich unsicher fühlen. „Dabei nutzen die meisten Menschen tagtäglich KI“, weiß Maxim Schmuck. „Beispielsweise als Sprachassistenten, Autokorrektur und Texterkennung, bei der Gesichtserkennung am Smartphone oder beim Navi im Auto – da überall steckt KI drin.“

Mit Blick auf die sich anscheinend in letzter Zeit häufenden Meldungen über KI-Systeme, die sich verselbstständigen und damit dystopische Ängste schüren, passt das Hauptthema des Netzwerktreffens perfekt. „KI lernt unglaublich schnell. Gleichzeitig werden die Systeme immer leistungsfähiger, Anwendungen zugänglicher und benutzerfreundlicher.“ Es ist also kein Wunder, dass dieses Thema derzeit auf großes gesellschaftliches Interesse stößt. Schließlich hat es konkrete Auswirkungen auf die Art, wie wir leben und arbeiten. Die Beschäftigung mit KI beim Netzwerktreffen soll Berührungsängste abbauen – durch Informieren, Ausprobieren und kritisches Prüfen.

Pro und Kontra

Dabei wird schnell klar, dass KI zwei Seiten hat. „Sie hilft dabei, schnell einen Anfang zu finden“, beschreibt Maxim Schmuck. „Sie erklärt Dinge in Ruhe, bringt Ordnung in Gedanken, Texte und Ideen. Das kann Zeit sparen und Spaß machen.“ Im Ehrenamt kann KI etwa beim Schreiben von Einladungen und Texten unterstützen. Auch die Planung für Aktionen und Ausflüge kann sie erleichtern. Auf der anderen Seite muss man auch die Risiken kennen. „KI lernt mit unseren Daten und ist schon aus diesem Grund nicht neutral. Stereotype und Vorurteile können weitergegeben werden“, betont Maxim Schmuck. Auch Fake News, KI-generierte Fotos und Deepfakes begegnen uns heute an vielen Stellen. Wachsamkeit und Sensibilität sind gefragt – und seriöse Quellen, bei denen man im Zweifelsfall eine Meldung überprüfen kann.

Die Digitalen Patinnen gingen mit viel Input nach Hause und sind in ihrer Arbeit für mehr digitale Teilhabe bestärkt. „Ich arbeite seit vielen Jahren für die Selbstermächtigung von Frauen. Dazu gehört heute auch Digitalität. Sie ist der Schlüssel zur Welt“, betont Angelika Wagner. „Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man immer weiter lernen muss. Sonst wird man irgendwann abgehängt.“

Gewinnerinnen der LandFrauenrallye

Welches Produkt verarbeiten die Frauen in Ghana? Ab wann kümmerte sich Alwine Stave um den Hof? Diese und neun weitere Fragen rund um das Thema Frauen in der Landwirtschaft galt es bei der Rallye der LandFrauen auf der Norla zu beantworten. Die Informationen dazu waren im LandFrauenpavillon und bei einigen Kooperationspartnern zu finden.

Foto: LFV.SH

Alle richtig ausgefüllten Fragebögen wanderten in den Lostopf. Während der Sitzung des Gesamtvorstandes des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein Ende September in Flensburg wurden die vier Gewinnerinnen gezogen. Vizepräsidentin Sylke Messer-Radke, Kerstin Tewer (Neubauer Touristik), Präsidentin Claudia Jürgensen und Oliver Gröpper (Neubauer Touristik; v. li.) fungierten als Glücksbringer. Die vier Gewinne (drei Reisegutscheine in Höhe von 300, 200 und 100 € sowie zwei Eintrittskarten für das Mitsing-Erlebnis „Mit Herz und Stimme“ am 1. November in der Rendsburger Nordmarkhalle) sind bereits auf dem Weg zu den Gewinnerinnen. Herzlichen Glückwunsch!

Dr. Claudia Kleimann-Balke

Schweineproduktion in Deutschland am teuersten

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Die Schweineerzeugung kostete in Deutschland 2025 rund 2,05 €/ kg Schlachtgewicht. Damit liegen die deutschen Erzeuger weit über dem internationalen Durchschnitt und auch deutlich über den wichtigsten europäischen Wettbewerbern. Das ist das Fazit der InterPIG-Auswertung für 2025. Diese Expertengruppe analysiert jährlich die Produktionskosten in mehreren Ländern. Für 2025 ergibt sich ein durchschnittliches Kostenniveau von rund 1,85 €/kg SG über alle untersuchten Länder. Das sind 2 ct weniger als im Vorjahr. Ursache sind vor allem etwas niedrigere Futterkosten. Die übrigen Kostenblöcke veränderten sich nur wenig. Das Kostenniveau der Schweineerzeugung bleibt damit global hoch. Es handelt sich um Modellvergleiche der Produktionskosten, nicht um unmittelbar gemessene Ergebnisse einzelner Betriebe. Besonders kostengünstig produzierten Brasilien (Santa Catarina 1,43 €; Mato Grosso 1,15 €), Kanada (Westkanada 1,58 €; Ostkanada 1,49 €) und die USA mit 1,57 €. Die Kostenvorteile dieser drei Länder sind insbesondere auf günstigere Futter- und Arbeitskosten sowie niedrigere Aufwendungen für Gebäude und Kapital zurückzuführen. Besonders Brasilien nutzt die Kostenvorteile bei Futtermitteln, um seine Schweineproduktion weiter auszubauen. Es hat 2025 mit 60,69 Millionen Tieren einen neuen Höchstwert bei der Zahl der Schweineschlachtungen erreicht, 4,3 % mehr als im Vorjahr. Haupttreiber dieser Entwicklung war ein starker Export wegen der möglichen niedrigen Preise.

Dänemark am kostengünstigsten

Innerhalb Europas liegt Deutschland an der Spitze mit 2,05 €, dann folgen Spanien (1,83 €), die Niederlande (1,82 €), Belgien (1,81 €), Frankreich (1,80 €), Portugal (1,79 €) und Dänemark (1,73 €). Ein besonders großer Abstand besteht zu Dänemark, das 2025 im europäischen Vergleich besonders kostengünstig produzierte. Die Produktionskosten lagen dort um 32 ct unter dem deutschen Wert. Bei einem Schlachtgewicht von 100 kg entspricht dies einem Vollkostenunterschied von 32 € je Schlachtschwein. Gegenüber Spanien beträgt die Differenz 22 € je Schwein bei gleichem Schlachtgewicht. Diese Zahlen verdeutlichen, wie erheblich sich strukturelle Kostenunterschiede im europäischen Wettbewerb auswirken können.

In Deutschland höchste Gebäudekosten

Hauptbelastungen für deutsche Schweinehalter sind besonders hohe Gebäude- und auch Kapitalkosten. Dabei sind in Deutschland die Anforderungen an Stallbauten und Haltungsverfahren, die sich aus den höheren Haltungsanforderungen der geänderten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ergeben, der wichtigste Grund. Die Berechnungen von InterPIG berücksichtigen grundsätzlich die Kosten eines Neubaus nach den jeweils geltenden gesetzlichen Anforderungen. Damit werden nicht nur die laufenden Kosten bestehender Gebäude betrachtet, sondern auch die Investitionen, die langfristig zur Fortführung der Produktion erforderlich wären. Die Berücksichtigung solcher Investitionen ist betriebswirtschaftlich sinnvoll, weil eine dauerhaft tragfähige Produktion ihre Vollkosten einschließlich Kapitalbindung und Abschreibungen decken muss. Auch ist zu beachten, dass die tatsächlichen Kosten einzelner Betriebe je nach Gebäudealter, Investitionsstand, Leistungsniveau und Betriebsorganisation erheblich abweichen können. Dass in Deutschland überhaupt noch Schweine gemästet werden, liegt daran, dass die Mast größtenteils in abgeschriebenen Ställen erfolgt. Bei den derzeitigen Preisen ist an Stallneubauten kaum zu denken.

Mehr als eine Erntekrone im Gepäck

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Mitglieder des Landesvorstandes und des Agrarausschusses des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein sowie Geschäftsführerin Karen Stender hatten die Gelegenheit, die wenige Wochen zuvor gebundene Erntekrone an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat des Deutschen Bundestages zu übergeben.

Die Anreise nach Berlin erfolgte teils mit der Bahn, teils mit dem Auto, in dem auch die Erntekrone transportiert wurde. Bereits am Anreisetag erwartete die Gruppe ein abwechslungsreiches Programm. Nach einem Vortrag auf der Besuchertribüne des Bundestages folgte bei bestem Wetter die Besichtigung der Reichstagskuppel. Anschließend stand ein Austausch mit dem schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten Leif Bodin (CDU) aus dem Wahlkreis Nordfriesland/Dithmarschen-Nord auf dem Programm. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Themen Infrastruktur und Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Dabei wurden unterschiedliche Meinungen, Wahrnehmungen und Erfahrungen ausgetauscht.

Ein besonderer Höhepunkt war die anschließende exklusive Führung durch die unterirdischen Gänge des Berliner Regierungsviertels. Begleitet wurde die Gruppe von Christiane Hartwich, die bereits seit mehr als 20 Jahren für Bundestagsabgeordnete in Berlin tätig ist und mit ihrem Berliner Charme und der einen oder anderen Anekdote für eine lebendige und unterhaltsame Führung sorgte. Das weit verzweigte unterirdische Erschließungssystem verbindet unter anderem das Reichstagsgebäude direkt mit dem Paul-Löbe-Haus und dem Jakob-Kaiser-Haus. Dabei boten sich spannende und vor allem nicht alltägliche Einblicke in den politischen Kosmos Berlins.

Am frühen Morgen des darauffolgenden Tages wurde die Erntekrone nach vorheriger Anmeldung mit dem Auto über die Tiefgarage in den Bundestag und schließlich in den Sitzungssaal des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gebracht. Die übrigen Teilnehmenden stießen vor dem Sitzungssaal dazu. Bereits auf dem Weg dorthin konnten im Paul-Löbe-Haus einige bekannte Gesichter aus der Politik entdeckt werden.

Gemeinsam mit Lars Ruschmeyer, dem Bundesvorsitzenden des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL), nahm die Delegation zunächst an einem Austausch mit interessierten Abgeordneten und Ausschussmitgliedern teil. Im Mittelpunkt standen die Junglandwirteförderung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik, die ländliche Infrastruktur, unter anderem am Beispiel Schleswig-Holsteins, sowie der mögliche Wegfall von Minijobs und die damit verbundenen Folgen für landwirtschaftliche Betriebe. Insbesondere beim Generationswechsel in der Landwirtschaft forderte die Landjugend verlässliche Förderbedingungen, weniger Bürokratie und eine bessere Absicherung wirtschaftlicher Risiken für junge Betriebsleiter.

Schleswig-Holsteiner in Berlin: Die Landjugend-Delegation im Austausch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Leif Bodin (vorn, Mitte) Foto: ljv
Tessa Nafziger machte im Ausschuss deutlich, wie wichtig verlässliche Perspektiven für die nächste Generation in der Landwirtschaft sind. Foto: Gräschke/BDL
Von der Kuppel bis zum Keller: Zum Besuch des Bundestages gehörte auch ein Rundgang durch das Reichstagsgebäude. Foto: ljv


Im Anschluss folgte die offizielle Erntekronenübergabe. Tessa Nafziger, Agrarausschusssprecherin des Landjugendverbandes, überreichte die Erntekrone an den Ausschussvorsitzenden Hermann Färber (CDU). Dabei machte sie deutlich, wie wichtig verlässliche Perspektiven für die nächste Generation in der Landwirtschaft sind: „Wer einen Hof übernehmen soll, muss nicht nur Landwirtin oder Landwirt werden wollen, sondern braucht vor allem eine Perspektive, die wirtschaftlich trägt.“

Nach der Übergabe verblieb die Erntekrone aus Schleswig-Holstein im Sitzungssaal des Ausschusses. Sie soll an die Traditionen, die Leistungen und die Herausforderungen der Landwirtschaft erinnern. Mit der Übergabe richtete der Landjugendverband einen klaren Appell an die Politik: „Kümmern wir uns heute um die Landwirtschaft von morgen!“

Zugleich bot die Übergabe die Gelegenheit, die Anliegen junger Menschen aus Schleswig-Holstein unmittelbar in die politische Diskussion einzubringen. Ein besonderer Dank galt dem BDL, der diesen Austausch ermöglichte.

Fit für den Forst der Zukunft

Erstmals legt das Land Schleswig-Holstein eine Waldstrategie vor – als langfristigen Handlungsrahmen für die Entwicklung der Wälder im nördlichsten Bundesland. Zweieinhalb Jahre arbeiteten Akteure des Forstministeriums an der neuen Waldstrategie, die am Montag in einem Waldgebiet der Försterei Bordesholm in Emkendorf vorgestellt wurde. Das 50-seitige Strategiepapier zielt auf stabile und nachhaltig bewirtschaftete Mischwälder, die sich an das veränderte Klima anpassen können.

Mit der erstmals entwickelten Waldstrategie, an der neben Fachleuten der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten auch private Waldbesitzer beteiligt waren, will das Land Orientierung für die Entwicklung der Wälder in den kommenden Jahrzehnten geben. „Genau diesen langfristigen Blick brauchen wir in der Waldpolitik“, betonte Forstministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Sie stellte zugleich klar, dass damit keine neuen Vorgaben für die privaten Waldeigentümer verbunden seien: „Die Waldstrategie verstehen wir als Handreichung und Angebot an die Waldeigentümer im Land.“

Schmachtenberg sprach zudem von einem Leitbild, das den Wald als multifunktionell begreife – vom Lebensraum für Tiere und Pflanzen über die wirtschaftliche Funktion rund um den Nachwachsenden Rohstoff Holz und den Erholungsraum für die Menschen bis hin zum Klimaschutzbeitrag. Hintergrund ist auch der letzte Platz Schleswig-Holsteins im Ranking der  Waldanteile: Mit 11,5 % Fläche und rund 182.000 ha ist es das waldärmste Bundesland in Deutschland.

Mit einem Bündel von Maßnahmen will das Forstministerium den Waldanteil auf 12 % steigern. Der Schutz und die Nutzung von Waldflächen sollen dabei zusammen gedacht werden. Die Hälfte des schleswig-holsteinischen Waldes befinde sich in Privatbesitz, machte Forstabteilungsleiterin Ina Abel deutlich. Viele dieser Wälder sind klein, manche messen gerade einmal 10 ha. „Wichtig ist, den Wasserhaushalt zu verbessern und so die Bäume resistent gegen Trockenheit zu machen“, sagte Abel. Zudem sollten die Waldeigentümer angeregt werden, bislang isolierte Waldflächen miteinander zu verknüpfen und zu arrondieren, wie Referatsleiter Jonas Krause formulierte.

Die Beratung der privaten Waldbesitzer ist dem Forstministerium wichtig: 1,4 Mio. € sollen dafür in die Hand genommen werden. Dabei geht es um die Anpflanzung widerstandsfähiger Baumarten und die Weiterentwicklung von Waldflächen – immer mit Blick auf die Bodenstruktur. Auf Geestböden schlägt die Waldstrategie einen mehrschichtigen Wald mit 60 bis 80 % Traubeneiche, 10 bis 30 % Buche und Hainbuche sowie bis zu 20 % Baumarten wie Bergahorn, Flatterulme oder Kirsche vor. „Das ist ein Beispiel für eine nachhaltige und klimaangepasste Waldbewirtschaftung“, so Jonas Krause.

Forstabteilungsleiterin Ina Abel will den Wasserhaushalt auch kleiner Wälder verbessern. Foto: Sven Tietgen
Will mehr Wald in Schleswig-Holstein schaffen: Forstministerin Cornelia Schmachtenberg Foto: Sven Tietgen
Revierleiter Jörn Winter prognostiziert langfristig das Aus der hiesigen Fichtenbestände. Foto: Sven Tietgen


Die Landesforsten sehen sich dabei ein Stück weit in der Vorbildfunktion. Denn Mitte des 18. Jahrhunderts begann die nachhaltige Waldbewirtschaft inklusive Wiederaufforstung. „Um 1750 war die Waldfläche im Land auf 2,5 % heruntergerockt“, berichtete Jörn Winter von der Försterei Bordesholm. Der Revierleiter stellte zudem die „BaEm mobile“-App der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) vor, die klimaangepasste Baumartenempfehlungen für den Waldbau liefert. Die kostenfreie App ermöglicht durch GPS-Ortung oder manuelle Kartenauswahl eine standortspezifische Waldbewirtschaftung mit Entwicklungszielen, die auf der örtlichen Standortswasserbilanz und Trockenstressrisiken basieren. „Gerade für private und kleine Waldeigentümer im Land kann diese App eine unschätzbare Hilfe sein“, betonte Jörn Winter. Langfristig dürften aus Sicht des Revierleiters die Fichten in der Waldbewirtschaftung nicht mehr von Bedeutung sein. „In 100 Jahren wird es diese Baumart wohl nicht mehr geben“, prophezeite Winter. Einen deutlichen Mehrwert aus ökologischer Sicht stellten Eichen dar, führte der Revierleiter weiter aus. Nadelbäume spielen aber bereits jetzt in Schleswig-Holstein eine eher untergeordnete Rolle.

Aktuell bestehen die Waldflächen zu 91 % aus Mischwäldern, 68 % aller Wälder im Land werden von Laubbäumen geprägt. Aus Sicht der Forstministerin ist das Land in der Entwicklung der Wälder bereits auf einem guten Weg. „Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen, mehr Wald schaffen und bestehende Wälder zu stabilen, standortgerechten Mischwäldern weiterentwickeln“, betonte Schmachtenberg. Ansetzen wolle sie dafür bei verpflichtenden Ausgleichsmaßnahmen von Bau- und Infrastrukturvorhaben. Zukünftig könnten dort Aufforstungen die Liste potenzieller Ausgleichsmaßnahmen anführen. Zudem könnten Landwirte unterstützt werden, nicht mehr benötigtes Grünland in neue Waldflächen umzuwandeln.

Den korrekten Auszug kann man nie genug üben

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Das Agricultural Skills Lab ist seit eineinhalb Jahren fester ­Bestandteil in der Aus-, Fort- und Weiter­bildung am Lehr- und ­Versuchszentrum Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Es bietet Raum, verschiedene Aufgaben aus den täglichen Routinen Rinder und Schweine haltender Betriebe stressfrei zu erlernen. Eine nicht zu unterschätzende Lerneinheit ist die Geburtshilfe beim Rind. Für diese Lerneinheit können zwei Dummys (Kühe mit Kalb) ­genutzt werden.

Das Dummy-Kalb liegt im Mutterleib der Kuh auf einem Luftkissen und bleibt so in Position, um in den Geburtskanal eintreten zu können. Zusätzlich ist das Kalb mit einem nachgestellten Uterussack umhüllt. So kann es für die geburtshilfliche Untersuchung in verschiedene Positionen gebracht werden. Ergänzt durch einen Beckenknochen und ein weiteres Luftkissen, wird der schmale Geburtskanal simuliert. Mithilfe der beschriebenen Dummys lassen sich verschiedene Szenarien rund um die Geburtshilfe üben. Dies ist zum Beispiel im Rahmen von Geburtshilfelehrgängen möglich, die regelmäßig unter anderem in Kooperation mit dem Netzwerk Fokus Tierwohl durchgeführt werden.

Das Üben am Geburtsdummy gibt Sicherheit für die Geburtshilfe im Stall. Im AgriSkills Lab können die Handgriffe unter realitätsnahen Bedingungen trainiert werden.

Warum ist Geburtshilfe so wichtig?

Früher galt eine Zwischenkalbezeit von rund 365 Tagen als Standard. Das bedeutet, pro Kuh und Jahr fand eine Geburt auf dem Betrieb statt. Mittlerweile hat sich dies geändert, und die meisten Betriebe arbeiten mit einer Zwischenkalbezeit von 380 bis 400 Tagen oder mehr. Man spricht nicht mehr strikt von einem Kalb pro Kuh und Jahr. Dennoch gehören Geburten weiterhin zum regelmäßigen Betriebsalltag. Diese Situation macht es unumgänglich, Geburtshilfe korrekt und schnell leisten zu können.

Worauf kommt es bei der Geburtshilfe an?

Grundsätzlich kann eine Kuh allein kalben. Dennoch kommen immer wieder Situationen vor, in denen die Kuh menschliche Unterstützung braucht. Jedes Eingreifen seitens der Landwirtinnen und Landwirte oder Tierärztinnen und Tierärzte wird als Schwergeburt definiert. Ziel ist es, unter einer Schwergeburtenrate von 3 % zu liegen. Sollte ein Wert von 10 % Schwergeburten erreicht sein, spricht man von einem Alarmwert, der die Rücksprache und Ursachenkontrolle mit Tierarzt oder -ärztin notwendig macht. Sollte es erforderlich werden, Geburtshilfe zu leisten und damit in die natürliche Geburt einzugreifen, muss zunächst die akute Situation bewertet werden. Für die zielgerichtete Geburtshilfe ist es entscheidend, in welcher der fünf Phasen einer Geburt sich die Kuh befindet und wie lange diese schon andauert.

Vorbereitungsphase: Sie dauert rund 14 Tage. Innerhalb dieser Phase lockern sich die Beckenbänder, das Euter füllt sich, die Scham wird rot und schwillt an, oftmals ist eine Schleimschnur zu sehen, der Tonus der Schwanzmuskulatur nimmt ab, die Gebärmutter sinkt ab, der Muttermund fängt an, sich zu dehnen, die Beckensymphyse erschlafft, und der knöcherne Geburtsweg fängt an, sich zu weiten. In dieser Phase suchen die Kühe gern Bürsten auf.

Öffnungsphase: Sie beschreibt den sichtbaren Geburtsbeginn. Hier wird die Kuh zunehmend unruhiger, das Kalb wird in Geburtsposition gebracht, die einsetzenden Wehen öffnen den Muttermund aktiv, die Fruchtblase tritt erst in den Gebärmutterhals ein, weitet den Geburtsweg und wird sichtbar. Diese Phase dauert zwischen sechs und 16 Stunden.

Die Geburtshilfe sollte zielgerichtet und überlegt angewendet werden, um sowohl dem Kalb als auch der Kuh nicht zu schaden.

Aufweitungsphase: Der Moment vom Blasensprung bis zum Durchtreten des Kopfes des Kalbes. Der Druck durch den Kopf des Kalbes auf die Rezeptoren im Scheidendach löst die Bauchpresse aus. Die Fruchtblase platzt. Wichtig ist, dass die Fruchtblase nicht von außen geöffnet wird, da die Versorgung des Kalbes abbricht. Das Fruchtwasser sollte klar bis leicht gelblich oder rötlich sein. Verfärbtes, übel riechendes Fruchtwasser deutet auf ein bereits verstorbenes Kalb hin. Bei Kühen dauert diese Phase zwischen ein und drei Stunden, bei Färsen vier bis sechs Stunden.

Austreibungsphase: Die letzte aktive Phase der Geburt dauert 10 bis 15 min. Diese Phase beschreibt in der Vorderendlage das Austreten des Kopfes aus der Scham bis zum vollständigen Austrieb. Bis der Oberkörper geboren ist, ist das Kalb über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. Kommt das Kalb rückwärts, ist die Sauerstoffversorgung früher unterbrochen. In diesen Fällen muss das Kalb zeitnah zur Welt gebracht werden.

Nachgeburtsphase: Durch das Hormon Oxytocin werden Nachwehen ausgelöst, die den Abgang der Nachgeburt bedingen. Es lösen sich die Eihäute von den Karunkeln. Diese Phase sollte innerhalb von zwölf Stunden abgeschlossen sein.

Schwergeburten – Erkennen und Ursachen

Die Gründe für eine Schwergeburt sind vielfältig. Es gibt kuh­assoziierte, kalbassoziierte und mechanische Ursachen für Schwergeburten. Zu den kuhassoziierten Ursachen gehören unter anderem die Laktationsnummer, Überkonditionierung, Erstkalbealter, Wehenschwäche und Krankheitsgeschehen. Die falsche Vatertierrasse, Mehrlingsträchtigkeiten, tote Kälber und fehlerhafte Stellung, Lage oder Haltung des Kalbes zählen zu den kalbassoziierten Ursachen. Zu den mechanischen Ursachen zählen beispielsweise eine Gebärmutterverdrehung oder ein Missverhältnis zwischen der Größe des Kalbes und dem Geburtsweg der Kuh. In der Regel ist es nicht eine einzige Ursache, sondern mehrere gleichzeitig, die für eine Schwergeburt verantwortlich sind. Hinweise auf eine Schwergeburt können unter anderem ein stockender Geburtsverlauf, das Festliegen der Kuh, Haltungsanomalien oder Missbildungen des Kalbes, eine verminderte Vitalität des Kalbes sowie auffälliges Fruchtwasser sein.

Fachgruppen können wiederholt verschiedene Lage-, Stellungs- und Haltungsanomalien ausprobieren und das Erkennen und Korrigieren üben.

Geburtshilfliche Unter­suchung und der Auszug

Für einen zielgerichteten und erfolgreichen Auszug muss die Kuh fixiert sein, alle nötigen Hilfsmittel wie Geburtsstricke, Wasser, Reinigungsmittel, Geburtshelfer, Handschuhe und Gleitmittel müssen bereitliegen, und die Genitalregion muss gründlich gereinigt sein. Auch die Person, die Geburtshilfe leistet, muss Arme und Hände waschen, Schmuck ablegen, bestenfalls ärmellose Kleidung tragen und schulterlange Einmalhandschuhe überziehen. Das saubere Arbeiten ist unabdingbar, um Folgeprobleme für die Kuh zu verhindern. Nach der Vorbereitung wird die Kuh untersucht, Lage, Stellung und Haltung des Kalbes werden bewertet und bei gegebenen Anomalien korrigiert. Zusätzlich wird die Frucht auf Lebenszeichen untersucht und überprüft, ob sich diese im knöchernen oder weichen Geburtsweg befindet. Bevor Anomalien korrigiert werden, müssen auch die Größe und das Platzverhältnis zwischen Geburtsweg und Kalb erfühlt werden. Sind alle Voraussetzungen für einen Auszug gegeben, wird das in Vorderendlage, in oberer Stellung befindliche Kalb nach oben mit jeder Wehe in das Becken gezogen. Nach Durchtritt des Kopfes wird das Kalb nach unten Richtung Euter gezogen. Kommt das Kalb in Hinterendlage, verläuft die Zugrichtung parallel zur Wirbelsäule der Kuh und ändert sich während des Auszugs nicht. Nach Austritt der Beckenpartie muss es schnell gehen, da die Nabelschnur reißt und die Gefahr der Erstickung im Fruchtwasser besteht.

Die besonderen Vorteile des AgriSkills Lab

Die geburtshilfliche Untersuchung auf Haltung, Stellung und Lage kann an den Dummys geübt und nachgefühlt werden. Es können verschiedenste Positionen des Kalbes im Uterus nachgestellt und geübt werden. Auch komplizierte und seltene Haltungs-, Stellungs- und Lageanomalien können im AgriSkills Lab mehrfach geübt werden. Der finale Auszug und das Anbringen von Geburtsstricken oder -ketten kann in einer entspannten Lernatmosphäre im AgriSkills Lab so lange trainiert werden, bis ein sicheres Gefühl für den Auszug an der lebenden Kuh besteht. Das AgriSkills Lab bietet nicht nur die Möglichkeit für angeleitete Kurse. Auch das Buchen des Raumes und das eigenständige Erlernen der Techniken sind möglich.

Fazit

Die Geburtshilfe erfordert Wissen und Erfahrung. Das AgriSkills Lab bietet den Raum, in entspannter Lernatmosphäre die Geburtshilfe inklusive der Einschätzung des Kalbes im Uterus so lange zu üben, bis eine erste Routine entsteht. Gern können entsprechende Kurse oder auch das eigenständige Erlernen im AgriSkills Lab in Futterkamp gebucht werden.

Fruchtfolgen mit Wirtschaftsdünger ohne Einbußen?

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Der Nährstoff­bericht (Henning und Taube 2019) zeigt, dass in den nördlichen Regionen Schleswig-Holsteins ein deutlich höherer Nährstoffanfall aus Tierhaltungs- und Biogasanlagen zu verzeichnen ist als in den südlichen Bereichen des ­Östlichen ­Hügellandes. Ein Nährstofftransfer in die oft viehlosen Ackerbaubetriebe Ostholsteins ist allerdings in der Vergangenheit oft mit dem Verweis auf eine vermeintlich ­unsichere und nicht steuer­bare Nährstoffwirkung der organischen Düngemittel größtenteils abgelehnt worden. Durch die zuletzt zunehmende Verteuerung mineralischer Düngemittel ist das Interesse an einer Aufnahme von Wirtschaftsdüngern allerdings ­gestiegen.

Auch die notwendige Anpassung an die immer deutlicher werdenden Auswirkungen des Klimawandels und die damit verbundenen steigenden Anforderungen an die Bodenfruchtbarkeit beziehungsweise die Resilienz der Ackerstandorte lassen die Attraktivität von organischen Düngemitteln deutlich steigen. Bei der regelmäßigen Düngung mit Wirtschaftsdüngern entstehen allerdings für den Anwender zahlreiche Fragen:

• Zu welchem Fruchtfolgeglied haben Wirtschaftsdünger die effizienteste Wirkung?

• Wie viel mineralischer Dünger kann durch organische Düngemittel ersetzt werden?

• Können künftige Anforderungen der Nährstoffbilanzierung im Düngerrecht auch mit dem Einsatz von organischen Düngemitteln eingehalten werden?

• Wie verändern sich Bodenfruchtbarkeitsparameter bei langfristiger organischer Düngung?

• Können mit regelmäßiger organischer Düngung klimawandelbedingte Bodenkohlenstoffverluste kompensiert oder sogar zusätzliche Kohlenstoffmengen auf Ackerstandorten im Boden gespeichert werden?

Um diese breite Palette an Fragen und Zusammenhängen bearbeiten zu können, hat die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel im Jahr 2020 mit finanzieller Unterstützung der Stiftung schleswig-holsteinische Landschaft einen umfangreichen Feldversuch auf dem Versuchsstandort Lindenhof angelegt. Die Ergebnisse der ersten fünfjährigen Rotation sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Der Aufbau des Feldversuchs

In einer fünfgliedrigen Fruchtfolge (Winterraps – ­Winterweizen – (Zwischenfrucht) – Silomais – Winter­roggen – Wintergerste) wurden drei organische Düngemittel (Rindergülle, Schweinegülle, Gärrest) in jeweils drei Mengen angewendet: 100 % Ausnutzung der Grenze von 170-kg-N/ha, dies entsprach je nach Nährstoffgehalt des jeweiligen Wirtschaftsdüngers zirka 35 m³; 66 % Ausnutzung der 170-kg-N/ha-Grenze (zirka 112 kg N/ha, dies entspricht zirka 25 m³); 33 % Ausnutzung dieser Grenze (zirka 55 kg N/ha, dies entspricht zirka 15 m³). Die Anrechnung des Stickstoffs erfolgte nach den aktuellen Vorgaben der Düngeverordnung. Ein Nährstoffausgleich wurde über eine mineralische Ergänzungsdüngung vorgenommen, sodass alle Varianten des Versuchs vergleichbare wirksame Nährstoffmengen erhalten haben. Neben den organischen Düngevarianten wurde eine Variante als Referenz rein mineralisch gedüngt, in einer weiteren Versuchsvariante hat seit 2020 keine Düngung stattgefunden (Nullvariante). Der Versuch ist in einer Blockanlage mit fünf Wiederholungen angelegt worden, wobei allerdings nur vier Wiederholungen in die statistische Auswertung eingeflossen sind, da ein Block für Bodenuntersuchungen (strukturzerstörend) reserviert wurde.

Die Ausbringung der Wirtschaftsdünger erfolgte im Feldversuch bodennah im Schlitzverfahren, um Ammoniakemissionen zu minimieren. Foto: Prof. Conrad Wiermann

Substitut Wirtschaftsdünger

Aufgrund der Übersichtlichkeit und Aussagekraft werden im Folgenden nur die Ergebnisse ausgewählter Fruchtfolgeglieder (Winterraps, Winterweizen, Silomais) dargestellt. Zunächst wird die grundsätzliche Wirkung organischer Düngemittel bei verschiedenen Aufwandmengen im Verhältnis zur rein mineralischen Düngung untersucht. Über alle Düngemittel gemittelt ergibt sich für Winterraps und Silomais kein statistischer Unterschied zwischen allen organischen Düngestufen und der mineralisch gedüngten Variante in Ertrag und Qualität. Das heißt, bei diesen Feldfrüchten können Wirtschaftsdünger mineralische Düngemittel im Mittel der Jahre voll, auch bei hohen Aufwandmengen, ersetzen. Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei der Düngung von Winterweizen: Während die geringe (33 %) und mittlere (66 %) Wirtschaftsdüngermenge keine Ertragswirkung im Vergleich zur mineralischen Düngung zeigten, führte die hohe Menge (100 %) organischer Düngemittel zu einem signifikanten Minderertrag (vergleiche Abbildung 1). Wesentlich deutlicher wirken sich die unterschiedlichen Mengen der Wirtschaftsdünger im Mittel der Jahre auf den Rohproteingehalt des Winterweizens aus. Mit zunehmenden Anteilen organischer Düngung sinken die Rohproteingehalte stufenweise signifikant ab. Lediglich geringe Anteile (33 %) der Wirtschaftsdünger führen zu der mineralischen Variante gleichwertigen Rohproteingehalten.

Rohproteingehalt bei Winterweizen

Werden die Wirtschaftsdünger separat betrachtet, so zeigt sich, dass zwischen hohen, mittleren und geringen Anteilen organischer Düngung keine signifikanten Unterschiede in ihrer Ertragswirkung zu ermitteln sind (vergleiche Abbildung 2). Auch für Winterweizen sind keine statistischen Unterschiede zwischen einer geringen (33 %) und hohen (100 %) Ausnutzung der 170-kg-N/ha-Grenze bei sämtlichen im Versuch verwendeten Wirtschaftsdüngern gefunden worden. Abbildung 3 hingegen zeigt, dass die Qualitätseigenschaften der hier betrachteten Kulturen allerdings sehr deutlich durch die Menge der organischen Düngung beeinflusst werden können. Dies gilt bei Winterweizen für alle untersuchten Wirtschaftsdünger. Die Kultur reagiert somit besonders sensibel auf den Anteil des Düngebedarfs, der durch organische Düngemittel gedeckt wird. Der Ölgehalt im Winterraps und der Stärkegehalt von Silomais zeigen nur bei Rindergülle signifikante Unterschiede zwischen den geringsten und höchsten Anteilen organischer Düngung. In diesen Fällen kommt es sogar zu einem Anstieg des jeweiligen Qualitätsparameters. Dies ist auf die in der Literatur oft beschriebene negative Korrelation von Rohproteingehalt und Öl- beziehungsweise Stärkegehalt zurückzuführen. Außerdem ist in diesem Zusammenhang der in Rindergülle gegenüber Schweinegülle und Gärrest geringere Ammoniumanteil bedeutsam.

Nährstoffbilanzen und organische Düngemittel

Ein wesentliches Argument, um möglichst wenig organische Düngemittel im Marktfruchtbau einzusetzen, war in der Vergangenheit die oft negative Beeinflussung (Erhöhung) der Nährstoffbilanzsalden. Es bestanden Befürchtungen, dass Toleranzwerte von maximal +50 kg N/ha im Mittel mehrerer Jahre, wie sie beispielsweise durch die Düngeverordnung früher vorgegeben waren, mit dem Wirtschaftsdüngereinsatz nicht oder nur schwer einzuhalten sind. Die in Abbildung 4 dargestellten Bruttobilanzsalden (ohne Abzug unvermeidbarer ­Stickstoffverluste) bestätigen, dass mit dem Einsatz von organischen Düngemitteln die Stickstoffüberhänge zwar moderat ansteigen, über die gesamte Fruchtfolge gerechnet aber ein maximaler Toleranzwert von +50 kg N/ha eingehalten werden kann. Dies gilt auch bei sehr hohen Anteilen organischer Düngemittel, wie dies mit einer 100%igen Ausnutzung der 170-kg-N/ha-Grenze der Fall ist.

Bodenkohlenstoffvorräte werden stabilisiert

Veränderungen der Bodenkohlenstoffvorräte nehmen grundsätzlich sehr lange Zeiträume in Anspruch. Zahlreiche Untersuchungen weltweit haben gezeigt, dass sich auch bei exzessiver Zufuhr organischer Düngemittel über mehrere Jahrzehnte die Bodenkohlenstoffvorräte in Abhängigkeit vom Anfangskohlenstoffgehalt und den Standorteigenschaften nur sehr langsam verändern. Dies bedeutet, dass bei den vorliegenden Untersuchungen, wenn überhaupt, nur marginale Veränderungen des Bodenkohlenstoffgehaltes in den betrachteten fünf Jahren zu erwarten sind. Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass es bei einer Nulldüngung tatsächlich zu einer jährlichen Abnahme der Bodenkohlenstoffvorräte in Höhe von zirka 0,31 t Corg/ha gekommen ist. Mit der Anwendung von Wirtschaftsdüngern konnten die Bodenkohlenstoffvorräte in den ersten fünf Versuchsjahren stabilisiert beziehungsweise teilweise leicht erhöht werden. Besonders bei hoher Gärrestdüngung kam es im Auswertungszeitraum zu einer gegenüber der rein mineralisch gedüngten Variante zusätzlichen Kohlenstoffspeicherung von zirka 0,15 t Corg/ha im Jahr. Diese Tendenzen müssen durch weitere Untersuchungen in den Folgejahren bestätigt werden.

Fazit

Die Düngung mit organischen Düngemitteln kann gerade für viehlose Ackerbaubetriebe zukünftig attraktiv sein. Mit der Einbringung von zusätzlicher organischer Substanz werden sogenannte biologische Hotspots im Boden in ihrer Aktivität unterstützt. In der Folge werden Nährstoffe zügig pflanzenverfügbar und stabile Bodenstrukturen geschaffen. Dies wiederum bedeutet eine Stärkung der Resilienz von Ackerbausystemen und fördert den Anpassungsprozess an die Auswirkungen des Klimawandels. Auch größere Anteile organischer Düngemittel resultieren nicht zwangsläufig in Mindererträgen. Um die bestehenden Qualitätsnormen für Winterweizen erfüllen zu können, sollten zu dieser Kultur die Anteile von Wirtschaftsdünger möglichst gering gehalten werden. Ambitionierte Zielwerte für maximale Nährstoffbilanzsalden können auch mit der Integrierung von Wirtschaftsdüngern auf reinen Marktfruchtbetrieben eingehalten werden.

Bauern in Nordfriesland

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Der einsame Bauer, der mit einem Pferd sein Feld pflügt – das Bild aus ihrer Kindheit hat sich tief eingebrannt ins Gedächtnis von Karin Biermann. Genauso wie in jungen Jahren die Mithilfe auf einem Berghof im Allgäu. Als Ethnologin und Museumswissenschaftlerin ist sie weit herumgekommen und hat selbst im tiefsten Kaukasus Landwirte getroffen. Aktuell sind ihre Momentaufnahmen von Bauern in Nordfriesland in einer Ausstellung bis Ende November in Breklum zu sehen.

Sie fotografiert gern – und hat in den Jahren 2024 und 2025 ihren Wissensdurst bezüglich der Landwirtschaft in ein ganz persönliches Projekt gegossen. Karin Biermann hat in Nordfriesland mehr als 100 Gespräche mit Bauern und Landfrauen geführt, teils in der guten Stube, teils auf dem Feld, und sie in ihrer typischen Umgebung fotografiert.

34 Momentaufnahmen sind im Christian-Jensen-Kolleg in Breklum, Kreis Nordfriesland, ausgestellt und gewähren einen tiefen Einblick in die Motive und Überzeugungen der Menschen auf den Höfen – alle in Schwarz-Weiß gehalten. Buntes wird auf diese Weise ausgespart, was die Konzentration auf die Stimmung im Moment der Aufnahme erleichtert. Es symbolisiert zudem die Generationenfolge und Traditionen in der Landwirtschaft.

Inspiriert hatte sie zur Zeit der Wende die Begegnung mit einer Arbeiterfotografin der DDR. Ihre Werke reihen sich somit in die Tradition der Berufsporträts oder Milieustudien ein. Schnell kristallisierten sich in den Gesprächen zwei Kernfragen heraus, die sich als Leitmotiv durch die Texttafeln ziehen. Wie sehen die Gesprächspartner die allgemeine Lage der Landwirtschaft und die Zukunft des Betriebes? Und was möchten sie der Gesellschaft gern mitteilen? Die zweite Frage fügt sich perfekt in die aktuellen Debatten über das Verhältnis zwischen Verbrauchern und allen Akteuren im ländlichen Raum ein. Immer wieder kam dabei die Art der Kommunikation zur Sprache und der Umgang miteinander.

Das führt letztlich auch zum Sinn des ganzen Projektes, wie Karin Biermann es sieht. Sie hofft auf eine Form der Kommunikation zwischen dem Betrachter der Fotos, den abgebildeten Landwirten und Landfrauen und ihren Antworten auf die Kernfragen. Sie möchte einen Bezug zur Lage auf den Höfen herstellen: „Ich bin in den Gesprächen auf sehr viel Offenheit gestoßen.“ Und sie sei damit sehr sensibel umgegangen. Längst nicht alles habe sie öffentlich auf die Texttafeln übernehmen können.

Karin Biermann erzählt, dass sie mehrmals Bauern begegnet sei, „die kurz vor der Hofaufgabe, Teilhofaufgabe oder der Idee dazu standen. Aber es gab auch Beispiele oft junger Bäuerinnen und Bauern, die zu Hoffnung Anlass geben“.

Die Ausstellung in Fluren und Räumen des Christian-Jensen-Kollegs hat Anke Fasse, die theologische Leiterin und Geschäftsführerin der Breklumer Einrichtung, der Fotografin ermöglicht. Sie hat auch die Vernissage im Oktober gestaltet und Karin Biermann selbst die Einführung in ihre Werke überlassen. Sie sind dort noch bis zum 30. November zu sehen.

Biermanns Fazit: „Ich bedanke mich bei allen Bauern, Bäuerinnen und ihren Familien für ihr Vertrauen und ihre Zeit, ihre sympathische und uneitle Art, mir für die Fotos während ihrer Arbeit Modell zu stehen. Wir alle haben dieser Berufsgruppe unendlich viel zu danken, denn sie ernährt uns.“

Besonders erwähnt werden muss noch, dass Karin Biermann sich ganz aus freien Stücken, ohne finanzielle Interessen und ohne einen Euro Förderung ans Werk gemacht hat. Sie betont auf Nachfrage, ihre Werke nicht verkaufen zu wollen und dass sie bislang auch nicht die Absicht hat, sie etwa in einem Bildband zusammenzufassen. Es ist ein rein privates Projekt. „Ich habe stattdessen schon wieder ganz andere Grillen im Kopf“, so Biermann. 

Jens Johann Jacobsen (Nordstrand) beklagt überbordende Bürokratie, die allen sehr zu schaffen mache. Das sollte zurückgefahren werden. Er kritisiert „ideologisches Unterwandern. Es sind ja Leute da, die mir mit meinen 85 Jahren erzählen wollen, wie ich es machen kann und was ich alles verkehrt gemacht habe. Das sind 20- bis 25-Jährige, das sind intelligente Jungs und Mädchen, aber die haben keine Lebenserfahrung und sollten etwas zurückstecken.“ Seine Frau Karin Jacobsen war viele Jahre Vorsitzende des Landfrauenvereins Nordstrand. Sie beschreibt einen Wandel: Früher waren die Frauen im landwirtschaftlichen Betrieb voll tätig, heute lernen sie andere Berufe und arbeiten in denen. „Da leidet das Ehrenamt etwa drunter, auch hier auf Nordstrand.“
Foto: Karin Biermann
Daniela Albrecht (Reußenköge) betont, der Familienbetrieb sei gut aufgestellt, auch der kleine Sohn will Bauer werden. „Wir freuen uns, sollte er in unsere Fußstapfen treten.“ Sie selbst schlägt jetzt das Kapitel „Soziale Landwirtschaft“ auf, hat sich damit im Betrieb selbstständig gemacht. Ihre Zielgruppe sind Menschen mit Kindergärten und Schulklassen, Menschen mit Handicaps und mit Einzelbetreuung pflegebedürftiger Menschen und jenen, die an Demenz erkrankt sind. Außerdem betreibt sie ein Erzählcafé für aktive Senioren. Allen Bauern gegenüber hofft sie auf mehr Offenheit. „Wir sind für Fragen in jeder Hinsicht offen.“
Foto: Karin Biermann
Theodor Hansen (Bordelum) ist Jahrgang 1939, damals reichte die Nordsee noch nah an die Höfe ran. Als Kind hat er vor und nach der Schule mitarbeiten müssen. Karin Biermann lässt ihn im Begleittext zum Foto ausführlich zum Namensrecht und zur Hoffolge berichten – bis hin zur Flurbereinigung. Im Rückblick sagt er: „Früher war mehr Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, heute ist es die Ellenbbogengesellschaft. Es dreht sich alles nur noch ums Geld.“ Drechseln ist Theodor Hansens Hobby. Hier zeigt er seinen kunstvollen Lampenständer.
Foto: Karin Biermann
Gotje Brümmer (Reußenköge) sieht die Zukunft des Betriebes positiv. Der ist breit aufgestellt mit Ackerbau, Tierhaltung und Biogas. Allerdings seien gerade dieses Jahr die Getreidepreise „sehr weit unten, das macht es schwierig.“
Sie wünscht sich, dass die viele Arbeit erkannt wird – „und wie lange es dauert, bis ein Stück Fleisch fertig ist. Wir müssen erstmals viel Geld in die Hand nehmen, um etwas zu erwirtschaften.“
Foto: Karin Biermann
Peter R. Petersen (Dörpum) schaut zuversichtlich in die Zukunft, zumal zwei Söhne den Betrieb weiterführen wollen. Er weist auf die Diskrepanz hin, wenn er Leute hört, die über 30- oder 35-Stunden-Woche reden – „und die Bauern 70 oder 80 Stunden die Woche arbeiten.“ Auch er kritisiert die Bürokratie: „Wir müssen hier unter Bedingungen arbeiten, die es nirgendwo auf der Welt mit so vielen Regularien und Einschränkungen gibt, ob es das Baurecht oder das Veterinärrecht ist.“ Er und seine Mutter Ilse, geboren 1931, wirkten intensiv mit beim Erstellen einer Dorfchronik.
Foto: Karin Biermann


„Aalutsetten in de Schlie“ in Maasholm

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Die schleswig-holsteinische Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) war Ehrengast beim „Aalutsetten“ und erlebte dies gemeinsam mit den Fischerinnen und Fischern.

Fischereiministerin Cornelia Schmach­ten­berg unterstützte Jan Götting (Aalzucht Götting) und Olaf Jensen (Fischer und Organisator der Veranstaltung) beim Verladen der Jungaale (v. li.). Foto: Johanna Beeck

Auch der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, Schirmherr der „Aalutsetten“-Initiative, Niclas Herbst, Mitglied des Europäischen Parlaments (beide CDU), und Landespolitiker Dr. Ulf Kämpfer (SPD) verfolgten das Ereignis vom Wasser aus.

In diesem Jahr wurden insgesamt 869.000 Jungaale, davon 795.000 französische Glasaale und 74.000 vorgestreckte Aale (auf 5 g vorgemästete Glasaale), in der Schlei ausgesetzt. Die EU-Aalverordnung aus dem Jahr 2007 bildet die Grundlage für dieses Besatzprogramm, dessen Ziel die Erholung des europäischen Aalbestandes ist. Das Besatzprogramm begann 2010 mit 33.000 vorgestreckten Jungaalen.

Die Gesamtkosten betrugen in diesem Jahr 104.860 € inklusive Mehrwertsteuer. Öffentliche Mittel aus der Fischereiabgabe und dem Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds deckten 60 % der Kosten. Die restlichen 40 % der Kosten wurden über Spenden finanziert. Unterstützerinnen und Unterstützer können sogenannte Aal-Aktien erwerben, um die Besatzmaßnahmen zu fördern.

Eine Besonderheit des Programms an der Schlei ist das breite Bündnis hinter der Aktion. Fischerinnen und Fischer aus Schleswig, Arnis, Kappeln und Maasholm arbeiten dabei gemeinsam mit Anglerinnen und Anglern an der Schlei. Auch die Schlei-Gemeinden, Gastronomiebetriebe und Räuchereien, Fischerei- und Angelverbände, Fischereigenossenschaften, der Naturpark Schlei, Werften sowie zahlreiche Einzelpersonen unterstützen das Vorhaben und setzen sich mit dem gemeinsamen Besatzprogramm seit Jahren für den Aal in der Schlei ein.

Neben dem Aussetzen der Jungaale bot die Veranstaltung auch Raum für Gespräche über die Zukunft des Aals und die Fischerei auf der Schlei. Im Netzschuppen bei Aalspezialitäten informierte Niels Jepsen vom Institut für aquatische Ressourcen der Dänischen Technischen Universität (DTU) über das Kormoranmanagement in Dänemark. Ministerin Schmachtenberg berichtete, dass Schleswig-Holstein das Thema Kormoranmanagement erfolgreich bei der Agrarministerkonferenz (AMK) in Würzburg eingebracht habe. Die AMK sprach sich für ein europaweites Kormoranmanagement aus. 

Burg/Dithmarschen: Alter Friedhof, Baumgarten und Waldmuseum

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Namensgebend für den Ort Burg am Rande der Dithmarscher Geest war der frühmittelalterliche Ringwall der Bökelnburg im Zentrum der Stadt. Den dort befindlichen Alten Friedhof kann man ebenso wie den anliegenden Baumgarten mit verschiedenen Gehölzarten besichtigen. Auch ein Abstecher in das Waldmuseum mit dem nahe gelegenen Waldareal und dem Natur­erlebnisraum lohnt sich.

Nur wenige Schritte vom Holzmarkt und dem Marktplatz in Burg entfernt befindet man sich auf der Bökelnburg und dem Alten Friedhof in einer ganz eigenen, ruhigen Welt und kann das Innere des Burgwalls sowie den umgebenden Ringwall erkunden. Große Buchen und andere Gehölze säumen den Weg auf der Wallkuppe, und man kann staunend darüber sinnen, welch besondere Gestaltungsmaßnahmen die Altvorderen bereits vor mehr als 1.000 Jahren in der Landschaft erbracht haben. Bei der Bökelnburg handelt es sich um einen Verteidigungsbau aus frühgeschichtlicher Zeit. Er wurde um das Jahr 800 erbaut und diente mit Holzpalisaden auf dem Wall nicht nur als strategisches Befestigungswerk, sondern auch als Fluchtburg. Der mächtige, 4 bis 5 m hohe Ringwall umfasst einen Innendurchmesser von etwa 100 m und diente der Verteidigung gegen Wikinger, Slawen und Franken. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1032. Damals wurde im Zusammenhang mit einem Slawenüberfall in der Region von der Aufnahme von Flüchtlingen in der Burg berichtet; zudem wird erwähnt, dass die Belagerung nicht erfolgreich war. Der Name Bökelnburg stammt von der niederdeutschen Bezeichnung „Böken“ für Buchen, was auf die Errichtung in einem ehemaligen Buchenwald hinweist. Der Standort der Ringwallburg war nicht zufällig gewählt, sondern wohlüberlegt, befand er sich doch auf einer Geestanhöhe, die hier nach mehreren Seiten abfiel. Zudem verlief hier ein wichtiger Fernhandelsweg, und über die damals noch schiffbare Burger Au konnte man zur Elbe gelangen.

Die alte Durchfahrtskappelle des Friedhofs befindet sich an der ehemaligen Öffnungsstelle des Ringwalls der Bökelnburg. Foto: Hans-Dieter Reinke

Seit 1818 nutzte die Gemeinde Burg das Innenareal des Ringwalls als Kirchfriedhof. Eine seltene Tordurchfahrtskapelle befindet sich an der Stelle, an der sich früher der einzige, durch Wassergräben gesicherte Zugang zum Wallinneren befand. Heute gelangt man rechts und links der alten Kapelle über Treppen auf den Wall und wieder hinunter. Einige historisch interessante Grabsteine, vor allem mehrfach verwendete sandsteinerne Grabstelen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, sind dort zu finden. Vorbei am Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege am Fuße des Bökelnburgwalls und an der Bökelnburghalle gelangen Besucher zum Baumgarten des Ortes.

Über eine Treppe gelangt man auf die Kuppe des Ringwalls und kann den Alten Friedhof umrunden. Foto: Hans-Dieter Reinke
Auf einem schattigen, baumbestandenen Weg kann man den Ringwall der Bökelnburg erwandern. Foto: Hans-Dieter Reinke
Auf der Innenfläche des Ringwalls der Bökelnburg befindet sich der Alte Friedhof Burgs. Foto: Hans-Dieter Reinke


Gehölzvielfalt im Burger Baumgarten

Bereits rund um die Veranstaltungshalle und oberhalb des nahe gelegenen Freilichttheaters stehen die ersten interessanten Gehölzarten des Baumgartens, der bereits 1968 auf Beschluss der Gemeinde Burg eingerichtet und im Laufe der Jahre durch weitere Pflanzungen ergänzt wurde. Neben den heimischen Arten Spitzahorn, Eibe, Schwarzkiefer und Stieleiche wachsen hier Urweltmammutbaum, Goldeschenahorn, Strauch-Rosskastanie, Trompetenbäume, Magnolien, Blaue Atlaszeder und weitere Nadelgehölze. Auch Sträucher wie Spiersträucher, Japanischer Hartriegel und blühende Strauchmalven säumen den Weg.

An der Bökelburghalle und dem Freilichttheater stehen bereits die ersten Gehölze des Burger Baumgartens. Foto: Hans-Dieter Reinke

In Richtung Lindenstraße führt der Weg weiter. Dort finden sich neben Douglasie, Stechfichte, Zypressen-Wacholder, Serbischer Fichte, der kleinen Gnomenfichte und dem im Alter riesigen Bergmammutbaum auch einige Zierapfelbäume. Eine schattige Treppe, deren Umfeld aus Ginkgobaum, Japanischer Lärche, Esskastanie sowie alten Exemplaren des Abendländischen und Großen Lebensbaums besteht, führt hinab in die Niederung, die den Zentralbereich des Baumgartens bildet. Ein kleiner Wasserlauf prägt im Zentrum den Taleinschnitt, der mit Rohrkolben, Weidenröschen und dem neophytischen Drüsigen Springkraut bestanden ist. Beiderseits der Feuchtsenke begleiten baumbestandene Wege den Talverlauf. An einer kleinen Brücke laufen die Wege zusammen, die von unterschiedlichsten neu gepflanzten Rhododendren und Bänken gesäumt werden.

Auffallend ist die Gruppe großer Urweltmammutbäume, die mit ihren Sitzmöglichkeiten und dem Blick zur Brücke sowie in die Niederung zum Verweilen einlädt. Weitere Baumarten wie Scharlachweißdorn, Kirschlorbeer, Baumhasel, Sitkafichte, Stechpalme, Sandbirke, Weißrindige Himalayabirke und Nelkenkirsche sind zu entdecken. Im Feuchtbereich stehen ältere Sumpfzypressen, Schwarzerlen und verschiedene Weidenarten. Am Weg wurden einige alleeartige Säuleneichen, Sumpfeichen der Sorte ‚Green Pillar‘, gepflanzt. Vorbei an Bergkiefer, Schlangenhautkiefer, Spitzahorn, Hasel, Kupferfelsenbirne, Tulpenbaum, Baumhasel, Graupappel, Trauerweide und anderen Gehölzen führt der Weg aus dem Baumgarten heraus zur Hauptstraße Hinter der Hohen Burg.

Eine Gruppe von Urweltmammutbäumen im Baumgarten lädt zu einer kleinen Rast. Foto: Hans-Dieter Reinke

Neben den vorhandenen, teilweise bereits recht alten Bäumen werden seit einigen Jahren kontinuierlich Neupflanzungen vorgenommen, wie der Bauamtsleiter der Gemeinde, Andreas Woköck, betont: „Je nach den jährlich etwas veränderten Bedingungen können wir mal mehr, mal weniger ergänzende Gehölzpflanzungen vornehmen.“ So seien in den vergangenen Jahren beispielsweise Zuckerbirke, Lindenblättrige Birke und Schwarzbirke, aber auch Farnblättrige Buche, Blutbuche, Japanischer Schnurbaum, Trompetenbäume und Japanischer Kuchenbaum in den Bestand des Burger Baumgartens aufgenommen worden.

Waldmuseum und Naturerlebnisraum

Eine weitere Attraktion des Ortes befindet sich mit dem Burger Waldmuseum gut 1 km vom Zentrum entfernt am nordwestlichen Ortsrand. Auf dem 65 m hohen Wulfsboom liegt seit 1968 das Burger Waldmuseum, das anhand von Präparaten, Infotafeln, Dioramen sowie zahlreichen Exponaten und Modellen eindrucksvoll über den Wald und seine Lebewelt informiert. Neben der Biologie und Ökologie des Waldes werden dort auch Aspekte der Geologie, Jagd, Paläontologie, Archäologie der Region sowie des Natur- und Artenschutzes behandelt.

Vom Aussichtsturm des Waldmuseums hat man einen weiten Ausblick vom Geesthang in die anliegende Marschlandschaft. Foto: Hans-Dieter Reinke

Ein Aufstieg auf den 21 m hohen Aussichtsturm des Museums eröffnet einen weiten Blick in die umgebende Landschaft und verdeutlicht noch einmal die günstige Lage am Geestrand zur angrenzenden Marsch, die bereits vor über 1.000 Jahren zur Errichtung der strategisch günstig gelegenen Bökelnburg geführt hat.

Der umliegende, 30 ha große Wald ist als Naturerlebnisraum ausgewiesen und lädt zu Spaziergängen ein. Dabei werden Informationen zur Tier- und Pflanzenwelt, zur Waldgeschichte der Region sowie zur erdgeschichtlichen Entwicklung, insbesondere während der Eiszeiten, vermittelt. Am Papenknüll lässt sich ein kleines Heidebiotop besichtigen, außerdem liegen einige archäologische Denkmäler versteckt im Wald. Der Walderlebnispfad informiert spielerisch und kindgerecht über zahlreiche Aspekte der Waldökologie sowie der dort lebenden Tier- und Pflanzenwelt.

Entlang der Waldwanderwege im 30 ha großen Wald am Waldmuseum stößt man auf eine kleine Heidefläche. Foto: Hans-Dieter Reinke

Austoben können sich Kinder auf dem angrenzenden Waldspielplatz. Im Sommer lockt das nahe gelegene Waldschwimmbad, im Winter die Rodelbahn auf dem 49,5 m hohen Hamberg. Der Garten der Sinne am Museum bietet mit einem blütenreichen Kräutergarten ein besonderes Dufterlebnis, während auf dem Barfußpfad mit unterschiedlichen Naturmaterialien die Sensorik der Füße trainiert werden kann.