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Netzwerken im Grünen

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Sie sind Pädagoginnen, Heilpraktikerinnen, Naturbegeisterte, arbeiten in Schulen, eigener Praxis, Museen oder ehrenamtlich und haben bei aller Verschiedenheit eines gemeinsam: das Zertifikat, das ihnen ein fundiertes Wissen in der Kräuterkunde bescheinigt.

Der LandFrauenVerband Schleswig-Holstein bietet seit 20 Jahren die entsprechende Fortbildungsmaßnahme in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume an. Und weil der Abschluss eines Kurses ja nie einen Schlusspunkt hinter das Lernen setzt, luden Dr. Astrid Hadeler vom Bildungszentrum und Dr. Gaby Brüssow-Harfmann vom LandFrauenVerband Schleswig-Holstein Anfang Juni zu einem Netzwerktreffen der Kräuterqualifizierten nach Eutin ein.

Heil- und Giftpflanzen im Küchengarten

Beim Rundgang durch den Schlossgarten bewunderten die Frauen auch die mehr als 200 Jahre alte Lindenallee.

Auf dem Programm standen unterschiedliche Einblicke in den historischen Küchengarten von Schloss Eutin. Lange Jahre lag das Areal im Dornröschenschlaf. Zur Landesgartenschau 2016 wurde das Gartengelände wiederhergestellt, und seither kümmern sich Ehrenamtliche hier darum, dass die Parzellen nach allen Regeln der Gartenkunst gepflegt werden. Neben einer Vielfalt an Gemüse- und Obstsorten sind hier ein Hildegard-von-Bingen-Garten sowie ein Heil- und Giftfpflanzengarten angelegt worden – besonders interessant für die Kräuterprofis. Und so fand man die bestens gelaunte Truppe am frühen Nachmittag um Jörg Hunke geschart. Er betreut den „Hexengarten“, in dem beispielsweise das Kleine Mädesüß und Färberkrapp gedeihen, und hat sichtliches Vergnügen daran, den Kennerinnen die Heil- und Giftpflanzen zu zeigen. Die Frauen sind buchstäblich mit allen Sinnen dabei, schauen ganz genau hin, beugen sich immer wieder tief über die Blüten, atmen den Duft tief ein, zerreiben Blättchen zwischen den Fingern, um das Aroma zu aktivieren. Wenn möglich, wird auch gekostet – vom Knoblauchschnittlauch zum Beispiel. Um die Eindrücke festzuhalten, werden Fotos gemacht. Auch Dr. Astrid Hadeler hält mit dem Smartphone drauf. „Ich bin begeistert von der Qualität der Pflanzen hier“, sagt sie, während neben ihr die Frage nach der Wirkung von Ehrenpreis gestellt wird. Eine der Kräuterkundigen weiß nicht nur, dass die Pflanze bei Gicht und rheumatischen Beschwerden helfen kann, sie erzählt auch die Legende eines Königs, der dank des Krautes Hilfe gegen einen Ausschlag erfuhr und ihm seinen Namen einbrachte.

Makroaufnahme: Auch Dr. Astrid Hadeler fotografierte die Kräuter.

Wissen an Kinder weitergeben

Dieser rege Austausch ist ein wesentlicher Grund für die Netzwerktreffen. „Es lohnt sich zu kommen“, meint Ulrike Meiß-Schröder. Sie arbeitet als Vertretungslehrkraft und schulische Assistentin in Westerrade und leitet dort auch die Kräuter-AG. Den Qualifizierungskurs hat sie 2015 absolviert. „Ich hatte einfach Interesse, mehr zu wissen. Gegärtnert habe ich schon immer“, erklärt sie. An der Kräuterkunde faszinieren sie die Vielfalt und die historische Dimension: „Kräuter haben immer schon geholfen“, sagt die Frau, die ihr Wissen an die Kinder weitergibt. In der AG stellt sie mit ihren Schützlingen Kräutersalz oder Kräuterzucker her, auch Honig mit Spitzwegerich wurde schon angemischt. „Das Wissen über Pflanzen und Kräuter geht zurück“, stellt die AG-Leiterin fest und setzt hinzu: „Ich bin froh, wenn die Kinder sich dafür interessieren und so auch die Bedeutung für die Insekten kennenlernen.“ Sie selbst kommt an keinem Garten vorbei. „Wenn ich unterwegs bin, schaue ich mir immer Gärten an“, verrät sie verschmitzt. Hat eine Kräuterkundige wie sie eigentlich ein Lieblingskraut? „Nein, ich mag sie alle“, antwortet Ulrike Meiß-Schröder.

Prachtvoll: Die Qualität der Pflanzen begeisterte.
Marenka Paustian nimmt neue Ideen mit in den Wildpark Eekholt.

Viele Impulse für starke Frauen

Beim Netzwerktreffen wartet auch auf die erfahrenen Kräuterspezialistinnen die eine oder andere Neuentdeckung. Zumindest ist dieser Gedanke mit dem Besuch des Hildegard-von-Bingen-Gartens verknüpft. „Wir haben gezielt nach Kräutern gesucht, die man noch nicht kennt“, berichtet Dr. Gaby Brüssow-Harfmann am Rande. In Eutin wachsen Galgant, Bertram und Diptam: „Und Letzteren kannten wir alle noch nicht“, verrät Brüssow-Harfmann. Doch der Fokus liegt an diesem Tag nicht allein auf den Kräutern und ihren Wirkungsweisen: „Es ging auch um die Frage: Wer war Hildegard von Bingen?“, führt sie aus. Die Beschäftigung mit streitbaren, starken Frauen ist ein gewichtiges Statement in unruhigen Zeiten.

Ulrike Meiß-Schröder mag alle Kräuter und leitet eine Schul-Kräuter-AG. Fotos: Astrid Jabs
Jörg Hunke führte die Kräuterqualifizierten durch den Gift- und Heilpflanzengarten.

Einer von vielen Impulsen, den die Frauen mitnehmen: „Ich bin wieder viel mehr drin im Thema, habe neue Ideen gesammelt“, resümiert Marenka Paustian, pädagogische Fachkraft im Wildpark Eekholt, während der Führung durch den Schlossgarten im Stil eines englischen Parks. Der Nieselregen, der den Rundgang begleitet hat, hat sich verzogen, und mit Blick auf die alten Bäume nennt Paustian einen weiteren Gewinn aus den Netzwerktreffen: „Es gibt tolle neue Orte zu entdecken!“

Farming Roadmap 2050 vorgelegt

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Die britischen Landwirte sollen längerfristige Planungssicherheit erhalten. Das zumindest verspricht die Farming Roadmap 2050, die das Landwirtschaftsministerium (DEFRA) Ende Juni vorgelegt hat. Ziel dieser grundlegenden Neuausrichtung sei es, die britische Landwirtschaft rentabler, produktiver, nachhaltiger und widerstandsfähiger zu gestalten.

Um das zu erreichen, will das DEFRA die Rahmenbedingungen für Investitionen und damit für betriebliches Wachstum verbessern. Dies soll unter anderem über einen besseren Zugang zu Wissen, Technologien und Lieferketten gelingen; weiter ins Detail geht das Agrarressort nicht.

Deutlich mehr Gewicht spricht das Ministerium kooperativen Modellen wie Genossenschaften zu, etwa bei gemeinsamen Einkäufen oder Investitionen, um Kosten zu senken, Risiken zu verteilen und darüber höhere Erträge zu erzielen. Aufgestockt werden soll ein Förderprogramm für Innovationen in der Landwirtschaft, das die Bereiche Robotik, Bodengesundheit und Wassermanagement in den Blick nimmt.

Prüfen will die Regierung, wie der tatsächliche wirtschaftliche Wert der Landwirtschaft gemessen werden kann. Damit will London sicherstellen, dass die Branche die ihr zustehende Anerkennung erfährt. Das DEFRA hält die alleinige Betrachtung des Anteils von 0,6 % an der Bruttowertschöpfung für irreführend, da hier nur die Primärproduktion erfasst sei.

Neue Kenngröße

Um eine neue Perspektive zu schaffen, soll gemeinsam mit dem nationalen Statistikamt eine ergänzende Kenngröße erarbeitet werden, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Verarbeitung über die Weiterverarbeitung bis hin zu Vertrieb und Einzelhandel einbezieht. Fortgeführt werden solle bis mindestens 2030 die Visa-Regelung für Saisonarbeitskräfte, um dem Gartenbausektor Planungssicherheit zu geben, betonte das DEFRA.

Nach den Worten von Landwirtschaftsministerin Emma Reynolds markiert der Fahrplan einen Wandel. „Der Fokus geht weg von der bloßen Konzentration auf die nächste Ernte hin zu einem Plan, der Landwirten langfristig Klarheit verschafft. Diese benötigen sie, um Innovationen voranzutreiben, zu investieren und voller Zuversicht für die kommenden Generationen zu wachsen“, betonte die Ressortchefin.

Sektorale Wachstumspläne

Um Gewinne und Produktivität zu steigern, will die Regierung zusammen mit der Branche sektorale Wachstumspläne erarbeiten. Starten will sie mit dem Gartenbau und der Geflügelwirtschaft. Dazu sollen Farmer, Einzelhändler und Investoren im Farming and Food Partnership Board zusammengebracht werden.

Darüber hinaus legt das DEFRA einen Fokus darauf, über das mit der EU angestrebte Abkommen über gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen (SPS) Handelshemmnisse zwischen dem EU- und dem britischen Markt abzubauen. Gleichzeitig sollen Erzeuger von Eier- und Frischprodukten rechtlich vor unlauteren Praktiken in der Lieferkette geschützt werden.

Damit die landwirtschaftlichen Betriebe resilienter werden, will das Agrarressort mit seiner Roadmap aufzeigen, wie Landwirte durch neue Technologien und ein intelligenteres Nährstoffmanagement Abhängigkeiten etwa von Düngemitteln verringern können.

Daneben wird dargelegt, wie sie die Bodengesundheit verbessern und das Wassermanagement optimieren können, um sich besser an Extremwetterereignisse und den Klimawandel anzupassen. Auch sollen mehrere staatliche Dienste schrittweise durch einen einheitlichen digitalen Zugang für Landwirte ersetzt werden.

Gleichzeitig verspricht das DEFRA den Farmern, über eine bessere Datenqualität den Zugang zu Märkten zu optimieren. Außerdem sollen Förderprogramme im Bereich Nachhaltigkeit zielgerichteter gestaltet werden.

Erleichterung und Skepsis

Der Bauernverband (NFU) reagierte erleichtert auf die seit zwei Jahren versprochene Farming Roadmap. Er sieht nun „echte Dringlichkeit“ geboten, den Fahrplan umzusetzen. NFU-Präsident Tom Bradshaw zeigte sich allerdings skeptisch hinsichtlich der fehlenden Details. „Auch wenn der Fahrplan voller Ambitionen steckt, mangelt es an konkreten Maßnahmen und noch mehr an den Mitteln für deren Umsetzung“, stellte Bradshaw fest.

Nach seiner Auffassung fehlt es vor allem an der entsprechenden langfristigen Finanzierung. Bislang werde das Risiko noch stärker auf die Schultern der Landwirte verlagert, die den Großteil der Investitionen aus betrieblichen Rücklagen stemmen sollten. Diese seien aber in den letzten Jahren durch explodierende Kosten und nicht tragfähige Margen aufgezehrt worden. „Somit bedarf es einer Partnerschaft von DEFRA, Finanzministerium und Landwirten, wenn diese Vision für die Landwirtschaft verwirklicht werden soll“, so der NFU-Präsident.

Nun müssen Taten folgen

Der britische Schweineerzeugerverband (NPA) wertete die in der Roadmap eingeschlagene Richtung als positiv. Nach seinem Dafürhalten würden die richtigen Prioritäten für die Landwirtschaft insgesamt gesetzt und zugleich die Hindernisse benannt, mit denen der Schweinesektor aktuell zu kämpfen habe. Gleichwohl versteht der NPA den Fahrplan keineswegs als fertiges Konzept, sondern allenfalls als Zielsetzung. Auch aus Sicht der Schweinehalter mangelt es an Details zur konkreten Umsetzung sowie zu der Frage, wie und wann bestehende Hürden beseitigt werden sollen.

Die Organisation britischer Landbesitzer (CLA) begrüßte die Roadmap ebenfalls. Sie mahnte aber, dass nun Taten folgen müssten. Die Farmer benötigten ein stabiles politisches Umfeld, mehr Klarheit über Förderprogramme, eine sinnvolle Reform des Planungsrechts sowie einen stärker koordinierenden Ansatz zu allen Themen des ländlichen Raumes.
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JKK: Betroffene Flächen jetzt melden

Mit Beginn der Sommermonate wird das Jakobskreuzkraut (JKK) auf vielen Flächen in Schleswig-Holstein wieder deutlich sichtbar. Die gelb blühende Pflanze kommt insbesondere auf extensiv genutztem Grünland, Stilllegungsflächen, im Straßenbegleitgrün sowie entlang von Bahngleisen und Bahndämmen vor. Für die Landwirtschaft stellt ihr Auftreten nach wie vor eine erhebliche Herausforderung dar, denn das Jakobskreuzkraut enthält in allen Pflanzenteilen giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA). Diese können bei Pferden, Rindern und Schafen schwere Leberschäden bis hin zum Tod verursachen. Besonders problematisch: Die Giftstoffe bleiben auch nach der Konservierung in Heu und Silage wirksam.

Seit mehreren Jahren steht der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) deshalb mit der Deutschen Bahn in engem Austausch. Hintergrund sind regionale JKK-Hotspots entlang von Bahnstrecken. Durch die Luftverwirbelungen vorbeifahrender Züge können die Samen über weite Strecken verbreitet und in angrenzende landwirtschaftliche Nutzflächen eingetragen werden. Insbesondere dort, wo Futtergewinnungsflächen an Bahndämme grenzen, entsteht dadurch ein erheblicher Samendruck.

Größere Vorkommen rechtzeitig mitteilen

Die Deutsche Bahn hat ihre Bereitschaft bestätigt, auch künftig Bekämpfungsmaßnahmen auf betroffenen Flächen entlang der Bahngleise durchzuführen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass entsprechende Vorkommen rechtzeitig gemeldet werden. Landwirtinnen und Landwirte sowie andere Flächenbewirtschafter werden daher gebeten, größere JKK-Bestände auf Bahngelände ihren Kreisbauernverbänden mitzuteilen. Die Meldungen sollten möglichst präzise erfolgen und neben mehreren aussagekräftigen Fotos auch Angaben zum Streckenabschnitt, zur Fahrtrichtung sowie zu den Bahnkilometern „von-bis“ enthalten. Die Kreisgeschäftsstellen sammeln die Hinweise. Im Anschluss werden sie zur Jahresplanung an die zuständigen Stellen der Deutschen Bahn weitergeleitet. Auf dieser Grundlage können Bekämpfungsmaßnahmen für die folgende Vegetationsperiode vorbereitet werden.

Maßnahmen nicht auf allen Flächen zulässig

Die Durchführung etwa von Pflanzenschutzmaßnahmen ist nicht auf allen Flächen zulässig. Im Allgemeinen davon ausgenommen sind unter anderem Flächen des Naturschutzes, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, des Vertragsnaturschutzes und innerhalb von FFH- oder Natura-2000-Gebieten. Sollte eine JKK-Bekämpfung auf diesen Flächen beabsichtigt sein, ist eine Nachfrage im Vorwege bei den entsprechenden Institutionen (Stiftung Naturschutz, Landgesellschaft, Landesamt) sinnvoll, eventuell auch genehmigungspflichtig. Die Ausnahmemöglichkeiten reichen von einer Vorverlegung des Mulch- oder Mahdtermins bis hin zum Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf der betroffenen Fläche. Es handelt sich hierbei jedoch immer je nach Betroffenheit um Einzelfallentscheidungen der Institutionen.

JKK-Pflanzen an einem Bahndamm auf der Insel Sylt Foto: Harro Buchholz

Auf den Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein sind die Pächterinnen und Pächter angehalten, insbesondere entlang sensibler Nachbarflächen Pufferstreifen von 30 bis 50 m Breite durch Ausgraben oder (Mulch-)Mahd von JKK frei zu halten. Betroffene Bewirtschafter sollten daher frühzeitig das Gespräch mit den jeweiligen Pächtern oder zuständigen Regionalbetreuern suchen, wenn von angrenzenden Flächen ein erhöhter Sameneintrag ausgeht.

Darüber hinaus treten JKK-Bestände vielerorts an Straßenrändern, Böschungen und Banketten auf. Bei einer Gefährdung angrenzender Grünlandflächen empfiehlt sich eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit Gemeinden oder Straßenmeistereien, um mögliche Maßnahmen abzustimmen.

Intakter Bestand als beste Vorsorgestrategie

Unabhängig vom Standort gilt: Ein dichter und leistungsfähiger Grünlandbestand bleibt die beste Vorsorgestrategie gegen die Etablierung des Jakobskreuzkrautes. Eine angepasste Bewirtschaftung mit rechtzeitiger Nachsaat, Pflege und Bestandsführung reduziert die Ansiedlungsmöglichkeiten des JKK erheblich.

Wichtiger Hinweis: Das Betreten von Bahn- und Gleisanlagen ist auch zum Zweck der JKK-Bekämpfung ausdrücklich verboten und kann ordnungs- oder strafrechtliche Folgen nach sich ziehen. Beobachtete Bestände sollten daher ausschließlich dokumentiert und über die Kreisbauernverbände gemeldet werden.

So rattenscharf geht Landjugend

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Wenn Ende Juni fast 700 junge Menschen aus ganz Deutschland die Rattenfängerstadt Hameln erobern und der Norden mit dem Süden schnackt, dann ist wieder Deutscher Landjugendtag (DLT). Unter dem Jubiläumsmotto „… rattenscharf!“ hatte die Niedersächsische Landjugend (NLJ) zum 40. DLT eingeladen. Ein ganzes Wochenende lang standen fachlicher Austausch und jede Menge Begegnungen im Mittelpunkt – begleitet von hochsommerlichen Temperaturen.

Besonders war wieder der Sonderzug, der, wie auch 2024, mit der Landjugend Württemberg-Hohenzollern quer durch das Land angereist kam. Nach 13 Stunden Fahrt kamen die Süddeutschen in Hameln an. Die anderen Teilnehmer kamen mit dem Auto, zu Fuß oder mit der Bahn. Schon bei der Anreise am Freitag liefen die Teilnehmer gegen eine Hitzewand. Das Thermometer kletterte über 35 °C. Wer auf dem Zeltplatz Alpha One ankam, merkte schnell: Schatten war an diesen Tagen Mangelware. Doch die Landjugendlichen wussten sich zu helfen: Wassermelonen, kleine Pools und kalte Getränke gehörten genauso dazu wie gute Laune.

Abkühlung und Einblicke in den Steinkohlebergbau gab es auf einer der angebotenen Exkursionen. Foto: BDL/Gräschke

Offiziell eröffnet wurde das Wochenende am Freitagabend: Unter dem Motto „Landjugend ist bunt“ feierten die Teilnehmenden mit der Willkommensparty den Auftakt des DLT. Schnell kamen alte Bekannte und neue Gesichter ins Gespräch – schließlich ist genau dieser Austausch das Herzstück der Veranstaltung.

Nach dem Frühstück am Sonnabend wurde um 10 Uhr mit der Jugendveranstaltung in den Tag gestartet. Die Rheinische Landjugend führte das Theaterstück „Mission ImPotato“ auf, das beim Publikum für Ernsthaftigkeit, aber auch für Lacher und Applaus sorgte. Auf der Grünen Woche bereits einmal aufgeführt, kämpften die Darsteller nun mit der unerträglichen Hitze am Veranstaltungsort.

Mittags standen die Fachexkursionen auf dem Programm. Viele verschiedene Touren boten spannende Einblicke in Landwirtschaft, Handwerk und Industrie des umliegenden Weserberglandes. Die Landjugendlichen konnten die Region aus unterschiedlichsten Perspektiven kennenlernen: Einige besuchten das Käfermuseum, andere erkundeten zum Beispiel den erfrischend kühlen Hüttenstollen Osterwald, dazu gab es viel Spannendes über den alten Steinkohlebergbau und die dazugehörige Geschichte zu lernen.

Auch moderne Milchviehbetriebe mit automatischen Melksystemen oder innovativen Stallkonzepten mit Schwerpunkt auf Tierwohl und Hitzestressmanagement wurden besichtigt – ein Thema, das aktueller nicht hätte sein können. Technikinteressierte nutzten die Gelegenheit, das Unternehmen Reintjes Schiffsgetriebe kennenzulernen und Einblicke in die Fertigung moderner Schiffsantriebe zu erhalten.

Abends wurde auf der großen Landjugendparty gemeinsam gefeiert. Die Band Deep Passion sorgte für ausgelassene Stimmung bis in die Nacht. Auch kulinarisch hatte der DLT einiges zu bieten: Ob Schnitzel mit Kartoffeln oder Nudeln mit Geschnetzeltem – für das leibliche Wohl war dank der unermüdlichen niedersächsischen LandFrauen bestens gesorgt. Wer zwischendurch eine Abkühlung suchte, fand sie im Freibad nebenan.

Fachlicher Austausch und unzählige Begegnungen standen im Mittelpunkt des DLT. Foto: BDL/Gräschke
Informationen zu Tierwohl und Hitzestressmanagement boten die Exkursionen zu Milchviehbetrieben. Foto: BDL/Gräschke
Mit Pools, Wassermelonen und kalten Getränken trotzten die Landjugendlichen der Hitze. Foto: BDL/Gräschke


Dass die Landjugend auch in ungewohnten Situationen zusammenhält, zeigte die Nacht auf Sonntag. Aufgrund einer heranziehenden Gewitterfront musste das Zeltlager vorübergehend geräumt werden, bis das Wetter eine sichere Rückkehr zuließ. Dank der guten Organisation verlief die Evakuierung ruhig und geordnet.

Mit der Abschlussveranstaltung am Sonntag ging ein ereignisreiches Wochenende zu Ende. Bevor sich die Teilnehmer auf den Heimweg machten, wurden noch Lunchpakete für die Rückreise ausgegeben. So traten auch die schleswig-holsteinischen Landjugendlichen den Heimweg zurück in den echten Norden an.

Der DLT hat wieder gezeigt, was die Landjugend deutschlandweit ausmacht: Die junge Generation auf dem Land hält zusammen, packt an und gestaltet die Zukunft aktiv mit. Die Gemeinschaft über Landesgrenzen hinweg, unvergessliche Erlebnisse und neue Gespräche machten das Wochenende in Hameln zu einer sehr gelungenen Veranstaltung – trotz tropischer Temperaturen. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Mal!

„Wir brauchen keinen Nanny-Staat“

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Dokumentations- und Berichtspflichten sollen laut dem jüngsten Reformpaket der Bundesregierung deutlich reduziert werden. Dass dies aber nur ein erster Schritt sein kann, verdeutlichte die Diskussion des erweiterten Vorstandes des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) mit Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes (UV) Nord, am Donnerstag vergangener Woche in Rendsburg.

BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht stellte klar: „Wir sind die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum.“ Er zeigte sich froh, dass der Zusammenhalt im Bauernverband trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage groß sei. Dies belegten die gut besuchten Kreisbauerntage im Juni. „Die Kommunikation innerhalb des Verbandes muss dafür funktionieren“, so Lucht.

Ernährungssouveränität in die Landesverfassung

Mit Blick auf die Landtagswahl im kommenden Jahr betonte er die Überparteilichkeit des Verbandes. „Aber es gibt Parteien, die die Landwirtschaft weniger auf dem Schirm haben als andere“, so seine Beobachtung. Von der derzeitigen Landesregierung fordert er die Aufnahme der Ernährungssouveränität in die Landesverfassung. Damit würde man dem Vorbild Baden-Württembergs folgen. Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hatte seine Initiative Ende Juni auf dem Deutschen Bauerntag in Freiburg angekündigt.

Lucht kritisierte die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein. „Wir fordern, dass keine landwirtschaftlichen Flächen aus der Produktion genommen werden“, unterstrich der BVSH-Präsident. Er schilderte seinen Eindruck, dass viel im Dialogprozess Aufgebautes von der „Umweltseite“ wieder eingerissen werde, um das „Feindbild Landwirtschaft“ erneut aufzubauen und mehr Spendengelder zu generieren. Lucht betonte: „Wir brauchen hohe Erträge für eine effiziente Landwirtschaft.“ In der Düngeplanung mit gemessenen Nmin-Werten zu arbeiten sei beispielsweise viel zielgerichteter als eine pauschale Düngereduktion um 20 % unter Bedarf. Der Verband erwarte nun, dass die Politik Entscheidungen treffe, die die Landwirtschaft wieder nach vorn brächten. Sehr wichtig sei dem BVSH in diesem Zusammenhang der Schulterschluss mit dem UV Nord.

Hoher Grad unangreifbarer Fachlichkeit

Michael Thomas Fröhlich berichtete zu Beginn seines Vortrages, dass der UV Nord rund 10.000 Unternehmen mit zwei Millionen Mitarbeitenden in Hamburg und Schleswig-Holstein vertrete. Der Bauernverband habe ihm zufolge nach wie vor ein starkes politisches Gewicht. Andere Wirtschaftsbereiche wie der Maschinenbau oder das Baugewerbe spürten sehr schnell, wenn es in der Landwirtschaft nicht gut laufe. „Der hohe Grad an unangreifbarer Fachlichkeit“ habe dafür gesorgt, dass der Bauernverband nach den etwas unruhigen Jahren der Berliner Ampel-Koalition stärker dastehe als zuvor.

Als besondere Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft stellte er die hohen Lohnnebenkosten und die Rentenlasten heraus. „Bisher haben wir uns mit Kritik an der Bundesregierung noch sehr zurückgehalten“, schilderte Fröhlich. Er hoffe, dass aus den jüngsten Reformen „Schwung mitgenommen wird“, und forderte, dass den Bürgerinnen und Bürgern wieder Verantwortung zurückgegeben werde. Der UV-Nord-Hauptgeschäftsführer unterstrich: „Wir brauchen keinen Nanny-Staat, der alles regeln will.“

Nach seiner Analyse wanderten überproportional viele Wähler von der SPD zur AfD, weil sich viele Arbeiter nicht mehr mitgenommen fühlten. Wenn es die Politik nicht schaffe, mehr Eigenverantwortung zu geben und das Leistungsprinzip zu fördern, drohe ein „blaues Wunder“.  Fröhlich erklärte mit Blick auf die Landesregierung in Kiel: „Im Moment sind wir mit Schwarz-Grün in einigen Bereichen nicht glücklich.“ Er kritisierte unter anderem den wachsenden Naturschutzbereich. Der BVSH habe hinsichtlich des Ostseeschutzes aber gute Arbeit geleistet, die ins Ordnungsrecht Verliebten wieder in eine richtige Bahn zu lenken. Die Grünen hätten jüngst einen massiven Aufwuchs an öffentlichen beziehungsweise Verwaltungsstellen betrieben. „Da gibt es ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil sie früher Überbürokratisierung kritisiert haben“, erklärte Fröhlich.

Ein wichtiges Ziel der Wirtschaft sei, das Arbeitszeitvolumen zu erhöhen und Arbeit lohnenswerter zu machen. Zuletzt sei ausschließlich die Sozialwirtschaft gewachsen. Viele Menschen hätten zu wenige Anreize, ein Job anzunehmen, wenn sie nur „einen Hauch“ mehr Geld bekämen als wenn sie nicht arbeiteten. Parteipolitisches Geplänkel helfe in diesem Zusammenhang nicht weiter. Jeden Tag gingen Industriearbeitsplätze in Deutschland verloren. „Viele Unternehmen wollen nicht mehr in Deutschland investieren, sondern verlagern die Produktion ins Ausland“, beobachtet Fröhlich. Leistungsanforderungen seien in der Gesellschaft viel zu sehr herabgesenkt worden.

Landwirtschaftliche Flächen unter Druck

„Soll die Zielvereinbarung Landwirtschaft zum Ostseeschutz an der Freiwilligkeit scheitern?“ Diese Frage warf BVSH-Vorstand Heinrich Mougin auf. Er habe den Eindruck, dass gewisse politische Kräfte ordnungsrechtliche Regelungen bevorzugten und am Ende vielleicht doch ein Nationalpark durchgesetzt werden solle. Vor diesem Hintergrund kritisierte er die geplante Meeresstation Ostsee als „Nationalparkverwaltung light“. Mehrere Schutzgebiete seien derzeit im Land im Vollzug. Zusätzlich gingen der Landwirtschaft durch die Fehmarnbelt-Querung und die Hinterlandanbindung etliche Tausend Hektar verloren. Die Stimmung in den Dörfern wende sich nach seiner Einschätzung zunehmend gegen die CDU.

BVSH-Referentin Maike Newe berichtete von einem Verordnungsentwurf des Kieler Umweltministeriums, Pflanzenschutzmittel zu verbieten, die sogenannte PFAS enthalten. Betroffen wären 38 Wasserschutzgebiete mit 56.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon 15.000 ha Ackerland. Laut Newe erarbeitet der BVSH derzeit eine Stellungnahme. Der Vorstand kritisierte, dass mit dieser Verordnung über EU-Recht hinausgegangen werde. 

Sozial ist, wer Leistung bringt

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In Deutschland hat sich ein fatales Nullsummen-Denken breitgemacht: der Irrglaube, dass der Erfolg des einen auf der Ausbeutung des anderen beruht. Verteilgerechtigkeit ist ehrbar, Gewinnstreben verdächtig. Auch wenn die Berliner Koalitionsspitze bei der gesetzlichen Krankenversicherung und den Renten – weniger bei der Einkommensteuer – Reformen auf den Weg gebracht hat, bleibt das Bild intakt. Die wirtschaftliche Fitness Deutschlands ist in Gefahr, wenn Mehrleistung bestraft wird. Das war auch der Tenor des Landesvorstandes.

Es sind zum einen die Bürokratiekosten, die Zeit, Personal und Geld binden, das dringend für Arbeit und Investitionen gebraucht wird. Jede neue Verordnung bedeutet weniger Zeit am Tier oder auf dem Schlepper. Es braucht eine Umkehr: Nicht der Abbau von Vorschriften muss begründet werden, sondern ihr Fortbestand. Neue Verordnungen sollten im „Ländle“ künftig eine begrenzte Gültigkeit haben, erklärte der neue Ministerpräsident Baden-Württembergs, Cem Özdemir (Grüne). Bei den Berichts- und Dokumentationspflichten scheint auch Berlin erstmalig Ernst machen zu wollen. Bisher sind es Ankündigungen. Für die Umsetzung braucht es dann einen echten Kulturschock in den Amtsstuben. Pragmatisches Handeln, verbunden mit dem Eingehen kalkulierter Risiken, fängt bei der Amtsleitung an. Schnelle und unkomplizierte Genehmigungsverfahren sind die günstigste Investitionsförderung.

Damit zum Thema Steuern. Wer die öffentlichen Haushalte sanieren will, hat zwei Möglichkeiten: Ausgabenkürzungen oder eine höhere Belastung möglichst vieler Bürger. 1990 griff der Spitzensteuersatz beim 3,2-Fachen des Durchschnittseinkommens, heute beim 1,3-Fachen. Der britische Premier Winston Churchill meinte schon 1940: „Wenn eine Nation versucht, sich durch Steuern zu Wohlstand zu bringen, ist das, als würde ein Mann in einem Eimer stehen und versuchen, sich am Henkel hochzuziehen.“ Doch gefällt sich die deutsche Politik darin, mit Steuern zu steuern statt zu sparen: seien es Dienstfahrrad oder E-Auto, Balkonkraftwerk oder Zuckersteuer – oder der Tankrabatt, den auch der Deutsche Bauernverband gern verlängern wollte. Deshalb die Frage: Sind wir selbst überhaupt bereit, einen niedrigeren Steuersatz mit weniger Vergünstigungen zu bezahlen? Oder haben wir das Schmerzensgeld für staatliche Bevormundung zu lieb gewonnen?

Als Letztes die Abgaben: Gab Deutschland 1960 erst 18 % seiner Wirtschaftsleistung für Soziales aus, liegt die Quote heute bei 31 %. Klar, der Sozialstaat fängt die auf, die sich nicht selbst helfen können: Alte, Kranke, Kinder, Menschen in Not. Doch vergessen wird, dass die Mittel nicht vom Staat kommen, sondern von den wirtschaftlich Starken. Sozial ist, wer Leistung bringt. Man sollte ihnen das Leben erleichtern, statt sie in die Schwarzarbeit zu treiben oder ins soziale Netz zu locken. Das Erfolgsrezept der 1950er Jahre waren Fleiß, Ehrgeiz und das Streben nach Exzellenz. Das ist auch heute alternativlos. Dafür darf Nichtleistung nicht weiter belohnt werden. Das als soziales Problem zu erkennen, wäre der erste Schritt von der Nullnummer hin zu einer Win-win-Situation.

Dies sind alles keine neuen Erkenntnisse. Gebraucht wird ein Mentalitätswechsel.


Fließtext

„Käse trifft Wein“ vom 10. bis zum 12. Juli in Kiel

In maritimer Atmosphäre laden zahlreiche Käseproduzenten aus Schleswig-Holstein zusammen mit süddeutschen Winzern an den Kieler Bootshafen ein.

In der Gütezeichen-­Pagode kann erlebt werden, dass die Kunst der Weinherstellung auch in Schleswig-Holstein sehr erfolgreich ausgeübt wird.

Mit den Weinen vom Ingenhof findet sich für jeden Geschmack eine perfekte Begleitung zur kulinarischen Auswahl von der KäseStraße Schleswig-Holstein. Aber auch für Fleischliebhaber und Biertrinker ist am Bootshafen gut gesorgt. Livemusik auf der Bühne sowie Informationen und Gewinnchancen am Gutes-vom-Hof-Stand ergänzen das vielseitige Angebot.

Erstmalig wird auch der Verein „Im Norden gewachsen“ das bunte heimische Zierpflanzensortiment vorstellen. Der Kauf einer Pflanze der 17 Gartenbaubetriebe des Vereins erfreut am Wochenende nicht nur das Auge, sondern auch das Herz: Der Erlös wird an die Initiative Kleine Gärtner des Botanischen Gartens Kiel gespendet.

Die Welt mit anderen Augen sehen

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Kühe, die zögernd vor dem Melkstand stehen bleiben, ­Schweine, die abrupt vor einer Pfütze scheuen oder Pferde, die beim Verladen blockieren. Für Tierhalter sind solche Situationen im Alltag oft zeitraubend und unverständlich. Doch die Ursache liegt meist nicht in der Sturheit der Tiere, sondern viel eher in einer völlig anderen visuellen Wahrnehmung. Um diese ­Unterschiede besser verständlich zu machen, setzt das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein auf den neuen Tieraugen-­Simulator, eine Innovation, die es ermöglicht, die Stallumgebung mittels einer Virtual-Reality (VR)-Brille direkt aus der Perspektive der Tiere zu erleben.

Um die Sichtweise sowie das Verhalten von Rindern, Schweinen und Pferden verständlicher zu gestalten, hat das LVZ einen Tieraugen-Simulator angeschafft. Auszubildende, Fachkräfte und Besucher erhalten damit die Möglichkeit, ihre Umgebung aus der Perspektive der Tiere zu erleben. Ziel ist es, die Besonderheiten der tierischen Wahrnehmung greifbarer zu machen, Verhaltensweisen besser nachvollziehen zu können und gleichzeitig den Blick für tiergerechtere Stall- und Arbeitsbereiche zu schärfen.

So werden die Sichtfelder von Rind, Schwein und Pferd imitiert (v. oben).

Der Simulator arbeitet mit zwei Kameras, die die Umgebung erfassen und die Bilder in Echtzeit auf eine VR-Brille sowie einen Laptop übertragen. Um die Wahrnehmung von Rindern, Schweinen und Pferden möglichst realitätsnah darzustellen, werden die Aufnahmen mithilfe verschiedener Filter an die Besonderheiten des Sehvermögens der jeweiligen Tierart angepasst. Die Nutzer erhalten dadurch einen Eindruck davon, wie die Tiere ihre Umwelt wahrnehmen und welchen Herausforderungen sie im Alltag begegnen.

Auch die Höhe des Sichtfeldes der Tiere wird berücksichtigt. Während die Kameras für die Simulation von Rindern und Pferden direkt an der auf dem Kopf getragenen VR-Brille befestigt wird, werden die Kameras für die Schweineperspektive an einen mitzuführenden Rollator montiert. Dadurch lässt sich die Umgebung aus der deutlich niedrigeren Perspektive eines Schweins erkunden.

Durch die Anbringung am Rollator wird die Sichthöhe eines Schweines dargestellt. 

Visuelle Unterschiede erklären Verhaltensweisen

Durch die Simulation wird schnell deutlich, dass sich die Wahrnehmung der Tiere in wesentlichen Punkten von der des Menschen unterscheidet. Rinder, Schweine und Pferde verfügen zwar über ein Sichtfeld von mehr als 300°, ihre Detailwahrnehmung ist insbesondere in den Randbereichen jedoch deutlich eingeschränkt. Bewegungen im Augenwinkel können häufig nicht eindeutig erkannt und eingeordnet werden. Aufgrund ihrer eingeschränkten Farbwahrnehmung werden zudem Kontraste anders wahrgenommen als vom Menschen. Farbige oder unterschiedliche Bodenbeläge können etwa auf die Tiere verunsichernd wirken, anstatt als optische Orientierungshilfe zu fungieren. Zudem erfolgt die Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse bei Rindern und Pferden langsamer als beim Menschen. Kühe und Schweine haben darüber hinaus Schwierigkeiten, Entfernungen präzise einzuschätzen.

Dieser Perspektivwechsel hilft dabei, viele Verhaltensweisen zu erklären, die aus menschlicher Sicht zunächst oft unverständlich erscheinen. Wer selbst erlebt hat, wie eine Kuh, ein Schwein oder ein Pferd seine Umwelt wahrnimmt, betrachtet viele Alltagssituationen mit anderen Augen. Davon profitieren sowohl die Tiere als auch die Tierhalter. Gleichzeitig lassen sich Stallsysteme, Treibgänge oder Verladeeinrichtungen aus einem neuen Blickwinkel betrachten und im Sinne des Tierwohls optimieren.

Praxisnahes Lernen

Der Tieraugen-Simulator wird künftig in die überbetriebliche Ausbildung von angehenden Landwirten und Pferdewirten im LVZ integriert. Er bietet die Möglichkeit, die im Unterricht vermittelten Grundlagen und Zusammenhänge praxisnah nachvollziehen und aus einer neuen Perspektive zu erleben. So erhalten die angehenden Fachkräfte die Gelegenheit, den täglichen Umgang mit den Tieren zu reflektieren und ein tieferes Verständnis für tiergerechte Haltungssysteme zu entwickeln. Die VR-Brille ergänzt damit einen modernen und praxisnahen Unterricht.

Darüber hinaus eignet sich der Simulator auch für Fortbildungen, Informationsveranstaltungen und fachfremde Besuchergruppen. So kann auf anschauliche Weise vermittelt werden, welche Anforderungen Tiere an ihre Umwelt stellen und wie sich diese auf Haltung, Management und den täglichen Umgang auswirken. Dadurch kann ein direkter Zugang zu dem Thema Nutztiere in der modernen Landwirtschaft geschaffen werden. Der neue Tieraugen-Simulator leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Wissenstransfer und zum Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Der Simulator wurde über die Hermann-Früchtenicht-Stiftung und das Projekt Netzwerk Fokus Tierwohl (Förderung BMLEH) mit finanziert.

Fazit

Mit dem Einsatz des Tieraugen-Simulators erweitert das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp seine Möglichkeiten in einer modernen und praxisnahen Aus- und Weiterbildung. Die Simulation macht sichtbar, wie unterschiedlich Menschen und Nutztiere ihre Umwelt wahrnehmen und welche Auswirkungen dies auf das Verhalten der Tiere haben kann. Dieses Verständnis hilft dabei, Arbeitsabläufe, Stallbereiche und den Umgang mit den Tieren aus einer neuen Perspektive zu betrachten und stärker an den Bedürfnissen von Rindern, Schweinen und Pferden zu orientieren.

Bekämpfung des Rapserdflohs

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Ein deutlich gestiegener Aufwand mit ungewissem Ausgang – der Rapserdfloh hat mittlerweile einen maßgeblichen Anteil daran, dass die Freude über den Anbau der Kultur Winterraps in den vergangenen Jahren einen ziemlichen Dämpfer bekommen hat. Neben der schlecht vorhersehbaren Populationsdynamik der Insekten und den Wettergegebenheiten trägt auch die deutliche Verschärfung der Resistenzsituation bei den Pyrethroiden aufgrund des Auftretens der Super-Knockdown Resistence (sKDR) zur schwierigen Lage bei.

Der Winter 2025/2026 weckte in der Praxis die Hoffnung, dass sich die Rapserdfloh-Situation etwas entspannen würde. Für einen kurzen Moment schien es tatsächlich so, bis die Realität einen im Frühjahr abrupt einholte. Ab März wurden mit Einsetzen der Vegetation zunehmend frisch eingebohrte kleine Larven in den noch vorhandenen Blattstielen beobachtet. Zum Teil zog sich die weitere Eiablage weit ins Frühjahr hinein, was man letztendlich den Rapspflanzen auch deutlich ansah.

Biologie, Überwachung und Bekämpfung

Die Fraßschäden an den Schoten, Unmengen von Rapserdflöhen auf dem Erntegut und/oder auf den Erntestoppeln weisen auf ein hohes Potenzial an Jungkäfern hin, die dann bereit für ihre Sommerruhe in angrenzenden Knicks sind. Zum Teil verbleiben die Käfer dafür aber auch auf der abgeernteten Fläche und sitzen geschützt unter dem Ausfallraps. Somit könnte in diesem Jahr eine flache Bodenbearbeitung der Rapsstoppel sinnvoll sein, um die in der 2 bis 5 cm tiefen Bodenschicht befindlichen Puppen in ihrer weiteren Entwicklung zu stören und so direkten Einfluss auf die Population zu nehmen.

Eine flache Bodenbearbeitung (2 bis 5 cm) kann die noch im Boden verbliebenen Puppen empfindlich stören. Allerdings gilt es, die Ausfallrapsproblematik im Blick zu behalten; eine zu frühe Bodenbearbeitung kann diese verschärfen.

Nach der Sommerruhe erfolgt die Besiedlung der neuen Rapsflächen durch die Rapserdflöhe temperaturgesteuert zwischen Mitte August und Mitte September. Dabei werden von ihnen Temperaturen von 16 bis 20 °C bevorzugt, aber auch niedrigere oder höhere Temperaturen genutzt. Nach dem Zuflug der Käfer bildet sich ihre Flugmuskulatur zurück, sodass sie sich nun hüpfend fortbewegen. Gleichzeitig wird eine Lichtempfindlichkeit ausgelöst, und die Käfer beginnen mit dem Reifungsfraß, wobei ihre Aktivität zirka eine Stunde nach der Dämmerung beginnend am stärksten ausgeprägt ist. Dieser Reifungsfraß ist für die Rapspflanzen vor allem in der Phase vom Auflauf bis zirka Vierblattstadium kritisch bis existenzbedrohend. Die Risiken steigen, wenn beispielsweise verkrustete Böden durch Starkregen, Trockenheit, Strohstreifen der Vorkultur, Herbizidstress durch aktuelle Bodenherbizide oder bis dato unzureichenden Abbau von ALS-Hemmern der Vorkultur das Rapswachstum zusätzlich hemmen. Die Pflanzen können in dem Fall der Fraßaktivität der Käfer nicht davonwachsen und verlieren innerhalb kurzer Zeit viel Blattmasse.

Insektizidmaßnahmen in dieser kritischen Phase waren auch ohne die Pyrethroidresistenz in den letzten Jahren schon eine Herausforderung. Hohe Temperaturen, sehr wenig Blattmasse und Käfer, die sich durch Sonne und Wärme aufheizen, bieten generell keine guten Anwendungsbedingungen für die Pyrethroide.

Zusätzlich kommen nun noch Resistenzen ins Spiel. Mit der „normalen“ Wirkort-Resistenz (KDR) kam man in der Praxis aufgrund der hohen intrinsischen Wirkung der Pyrethroide, vor allem des Wirkstoffs lambda-Cyhalothrin, und der eher geringen Resistenzfaktoren von 10 bis 50 überwiegend zurecht. Mit Einzug und Ausbreitung der Super-KDR, die Resistenzfaktoren von mehr als 1.000 aufweist, sieht das allerdings anders aus. Die Pyreth­roide wirken in diesem Fall nicht mehr, und auch mehrmalige Pyrethroidspritzungen laufen dann förmlich ins Leere. Somit stellt sich die Frage, wie der Raps diese entscheidende, kritische Phase bis zum Vierblattstadium übersteht, damit sich überhaupt ein Rapsbestand entwickeln kann.

Es ist sicherlich nicht zweckdienlich, den Raps in expliziten Frühsaaten auszusäen mit der Hoffnung, dass der Rapserdfloh erst in die Bestände einfliegt, wenn die Pflanzen bereits mindestens vier Blätter haben. Wenn nach der Aussaat kein Anschlussregen fällt, haben die Pflanzen auch so einen schwierigen Start. Zusätzlich steigt das Risiko für Kohlfliegen- und Kohlherniebefall.

Die Saatbedingungen sind entscheidend

Wichtiger als ein früher Aussaattermin sind die Saatbedingungen. Der Rapserdfloh bevorzugt für den Reifungsfraß gestresste Rapspflanzen. Somit tragen Maßnahmen, die den Stress für die Pflanzen reduzieren, zum Beispiel eine optimale Verteilung und Einmischung des Strohs der Vorfrucht, ein gut abgesetztes, feinkrümliges Saatbett mit eventuellem Walzen, um Kluten als Verstecke des Rapserdflohs zu minimieren, sowie eine gute Nährstoffversorgung zur besseren Jugendentwicklung des Rapses bei und haben dahingehend Effekte gegen den möglichen Rapserdflohschaden.

Das Walzen nach der Saat zerstört Kluten und kann den Auflauf des Rapses verbessern. Diese Maßnahme sollte allerdings nicht vor Starkregenereignissen durchgeführt werden, ein Verschlämmen der Flächen ist die Folge.
Klutiges Saatbett sowie fehlender Anschlussregen nach der Saat – beide Szenarien verhindern eine zügige Jugendentwicklung und machen die Pflanzen attraktiv für Rapserdflöhe.

Die Eiablage der Weibchen ist ebenfalls temperaturgesteuert und kann unter günstigen Umständen schubweise (drei bis sechs Eier pro Tag) bis ins Frühjahr hinein mit durchschnittlich 500 bis 2.000 Eiern je Weibchen in den Boden erfolgen. Aus den Eiern entwickeln sich die Larven, die sich in die Blattstiele einbohren und diese minieren. Sauerstoff-, Platz- und Nahrungsmangel führen dazu, dass die Larven die Blattstiele kurzzeitig verlassen, sich auf der Blattstieloberfläche bewegen und dann erneut einbohren. Um gegen die Larven vorzugehen, stehen die Pyrethroide sowie die Wirkstoffe Acetamiprid und Cyantraniliprole zur Verfügung, jeweils mit unterschiedlichen wirkstoffbedingten Anwendungsbedingungen.

Durch die Pyrethroide, die als Kontaktinsektizide wirken, werden Effekte nur während des Ein- und Ausbohrens und bei der Fortbewegung der Larven auf den Blattstielen erzielt. Aufgrund der deutlich niedrigeren Temperaturen im Verlauf des späteren Herbstes hält die Wirkung des Pyrethroids im Vergleich zum Zeitpunkt des Reifungsfraßes länger an. Laut englischer Literatur sollen sich die Wirkortresistenzen auch erst ab dem L-2-Larvenstadium ausprägen, sodass Pyrethroideffekte gegen erste kleine Larven durchaus denkbar sind. Inwieweit dieser Effekt auch bei der Super-KDR zum Tragen kommt, muss noch überprüft werden, gewisse Wirkungen der Pyrethroide gegen erste kleine Larven konnten im vergangenen Herbst aber nach wie vor beobachtet werden.

Der Wirkstoff Acetamiprid (Produkt Carnadine) funktioniert systemisch, kann bestenfalls aber nur erste kleine Larven erfassen. Die Temperaturen sollten dafür über 15 °C liegen. Gegen Käfer wirkt Carnadine allerdings nicht.

Ein geschlossener Rapsbestand mit großen Blättern bietet erschwerte Anwendungsbedingungen für den Wirkstoff Cyantraniliprole (Minecto Gold, Exirel).

Der in den vergangenen Jahren aufgrund einer Notfallzulassung einsetzbare und inzwischen essenzielle Wirkstoff zur Bekämpfung der Larven ist Cyantraniliprole (Produkte Minecto Gold und Exirel). Dieser Wirkstoff funktioniert teilsystemisch und translaminar. Das bedeutet, dass er von der Blattstieloberfläche zur Blattstielunterseite und begrenzt innerhalb des Blattstiels transportiert wird. Das Einsatzfenster für Minecto Gold und Exirel öffnet sich mit der beginnenden Einwanderung der Larven in die Blattstiele und Überschreiten der Bekämpfungsschwelle „Anzahl Larven je Pflanze“. Hinsichtlich des Termins ist dabei die Herausforderung, einerseits den überwiegenden Teil der bereits eingebohrten Larven zu erreichen (ohne dass sie inzwischen schon zu groß geworden sind) und andererseits nicht zu früh zu applizieren, weil möglicherweise ein noch größerer Teil der Larven über die weitere Eiablage und den Larvenschlupf aus dem Boden kommen könnte. In den vergangenen Jahren erwiesen sich Termine im Zeitraum Ende Oktober bis Mitte November als vorzüglich.

Für eine gute Wirksamkeit müssen die Produkte die Blattstiele auch erreichen. In üppigen Beständen mit aufrecht stehenden Blattstielen besteht die Gefahr des Ablaufens der Spritzbrühe. Der Zusatz des genehmigten Additivs Hasten kann in solchen Konstellationen die Wirkung verbessern. Auch sollten die Pflanzen/Blätter nicht zu groß sein, da sonst ein Großteil der Spritzbrühe vom dichten Blätterdach abgefangen wird. Auch eine Kombination mit dem Herbizid Kerb Flo passt nicht, da unterschiedliche Ziele verfolgt werden – das Insektizid muss in die Blattstiele, das Herbizid in die oberste Bodenschicht bei möglichst feuchten Bedingungen.

Einzelne Faktoren einer Bekämpfungsstrategie

1. Ackerbauliche Aspekte:

Bodenbearbeitung: 2 bis 5 cm tief, um Rapserdfloh-Puppen im Boden zu zerstören

Vorfrucht: Sulfonylharnstoffeinsatz im Winterweizen kann unter Umständen die Rapsentwicklung hemmen.

Saattermin: Bodenfeuchtigkeit und nachfolgender Regen müssen einen zügigen Auflauf und nachfolgende Rapsentwicklung gewährleisten.

Saatbett: wenig Kluten, um Rückzugsmöglichkeiten für die Käfer zu reduzieren

Bodenherbizide: Hohe Niederschlagsmengen können einen zwischenzeitlichen Wachstumsstopp des Rapses verursachen.

Sorten: schnelle Herbstentwicklung

Wachstumsregler: Ziel sind gedrungene Pflanzen mit gut zugänglichen Blattstielen für den Einsatz von Minecto Gold oder Exirel.

Stickstoffdüngung: im Herbst durchführen (N-Bedarf zur Strohrotte und DÜV beachten)

2. Überlegungen bezüglich der chemischen Maßnahmen:

Beize: Lumiposa gegen Kleine Kohlfliege, bei Saatterminen ab Ende August Buteo Start

Pyrethroideinsatz: Wirkstoff lambda-Cyhalothrin hat die höchste intrinsische Wirkung; Behandlung gegen den Reifungsfraß (nachts) beziehungsweise nach Gelbschalenwerten vor der Eiablage; bei Wirkungslosigkeit keine erneute Behandlung durchführen – Spritzfenster anlegen!

Resistenzen: Beim Vorliegen der sKDR erzielen auch die Kombination von zwei Pyrethroiden, die Nutzung von Zusatzstoffen oder der Einsatz von Sherpa Duo (Pyrethroid+PPO-Hemmer) keine Wirkungsverbesserung.

Einsatz von Carnadine: Bei ersten kleinen Larven kann eine geringfügige Wirkung erzielt werden, gegen adulte Tiere nicht. Einsatzbedingungen für Carnadine: Temperaturen über 15 °C

Einsatz von Minecto Gold oder Exirel: in der Regel erst ab Ende Oktober, um auch noch nachfolgende sich einbohrende Larven zu erfassen. Kleine, gedrungene Pflanzen sind gegenüber großen aufrecht stehenden Pflanzen für eine bestmögliche Wirkung im Vorteil.


Bestandesüberwachung

Neben der eigenen visuellen Bonitur, um den Reifungsfraß im Blick zu haben, sollten nach der Aussaat zügig Gelbschalen aufgestellt werden. Diese geben frühzeitig einen Überblick über die Intensität des Käferzuflugs. Die Rapserdflöhe hüpfen dabei eher zufällig in die Schale und fliegen nicht explizit auf die Farbe Gelb. Ein leichtes Eingraben erhöht die Fängigkeit der Schalen, allerdings verschmutzen sie auch schneller. Auf größeren Schlägen bieten sich immer mehrere gut platzierte Gelbschalen an verschiedenen Stellen an.

Blattadern ohne Larvenbefall
Blattadern mit Larvenbefall

Besonderes Augenmerk muss den Neuaussaaten gelten, die in der Nähe von Altrapsflächen liegen, wo im vergangenen Frühjahr ein stärkerer Befall mit Rapserdflohlarven auftrat. Die Gelbschalen müssen dann in der Nachbarschaft dieser Altrapsflächen beziehungsweise speziell in der Nähe der möglichen Sommerquartiere (Knicks, Waldsäume et cetera) aufgestellt (eingegraben) werden. Bei stärkerem Zuflug innerhalb eines kurzen Zeitraums sollten die Gelbschalen täglich kontrolliert und das Wasser (plus Spülmittel) gewechselt werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt nach dem Vierblattstadium bei mehr als 50 Käfern innerhalb von drei Wochen.

Die Nutzerzahlen für die digitalen Gelbschalen sind stark angestiegen. Die Fängigkeit ist nicht so gut wie die der herkömmlichen Schalen, aber sie können besonders auf weit entfernten Schlägen ein mögliches Tool sein. Generell gilt aber, dass die eigene Bestandskontrolle durch nichts zu ersetzen ist.

Zur Feststellung des Einsatztermins von Minecto Gold oder Exirel müssen hingegen die Blattstiele auf Vernarbungen und auf Larvenbesatz (durch das Aufschneiden der Blattstiele) kontrolliert werden. Auch wenn sie aufwendig ist, bietet diese Maßnahme deutlich mehr Sicherheit für die anstehende Terminwahl.

Für jede Behandlung, auch gegen den Reifungsfraß, sollte ein Spritzfenster angelegt werden. Drei bis vier Wochen nach dem Einsatz von Minecto Gold oder Exirel kann der Erfolg der Maßnahme durch das Aufschneiden der Blattstiele oder die Austreibemethode beurteilt werden. Für die Austreibemethode spricht, dass auch kleinste Larven festgestellt werden, die man beim Aufschneiden der Blattstiele übersieht. Dazu werden Rapspflanzen auf ein Gitter gelegt (Auffanggefäß mit Wasser darunter) und an einen warmen Ort gestellt. Durch das langsame Vertrocknen der Pflanzen werden die Larven aus den Blattstielen getrieben und fallen nach unten in das Gefäß, wo sie dann ausgezählt werden können. 


Bekämpfungsschwellen

• Bekämpfungsrichtwert Reifungsfraß: mehr als 10 % zerstörte Blattfläche bis zirka Vierblattstadium

Kontrolle: Bei kritischen Rahmenbedingungen in kurzen Intervallen (täglich); bei wüchsigem Raps reichen zwei bis drei Mal die Woche.

• Bekämpfungsrichtwert Gelbschale zum Zeitpunkt der Eiablage: ab ES 14 mehr als 50 Käfer innerhalb von drei Wochen je Gelbschale

Kontrolle: mindestens einmal pro Woche, auch in milden Wintern, da weitere Eiablage möglich ist (Kühlbrüter)

Bekämpfungsrichtwert Larven: mehr als fünf bis sechs Larven je Pflanze bei gut entwickeltem Raps und drei bis vier Larven je Pflanze bei geschwächtem Raps

Kontrolle: Aufschneiden der Blattstiele und Auszählen der Larven ab zirka Anfang/Mitte Oktober; nach der Behandlung eine Erfolgskontrolle zum Beispiel durch die Austreibemethode durchführen


Meeresalgen als Futtermittel für Kühe neu entdeckt

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Schon vor Jahrhunderten fanden Meeresalgen ihren Weg in die Futtertröge europäischer Nutztiere. Besonders in küstennahen Regionen wurden sie genutzt – dort, wo sie reichlich verfügbar waren und andere Futterquellen knapp ausfielen. Auf den kargen Böden Schottlands und Irlands etwa wuchs in den kühlen Sommermonaten häufig zu wenig Gras, um Rinder und Schafe ausreichend zu versorgen. Ist das auch eine Möglichkeit für hiesige Betriebe?

Landwirte griffen regelmäßig auf das zurück, was das Meer an die Küste brachte: die angeschwemmten Algen. Auch in Norwegen, Island und in Teilen der Bretagne gehörten Meeresalgen traditionell zur Futterversorgung. Dort wurden sie gesammelt, an der Luft getrocknet und anschließend mit Heu vermischt. Vor allem im Winter, wenn frisches Grün knapp war, dienten sie als zusätzliche Futterquelle.

Besonders häufig kamen Braunalgen zum Einsatz, etwa Kelp, Knotentang oder Blasentang. Stürme rissen diese Pflanzen vom Meeresboden los und spülten sie in großen Mengen an die Küsten. Dort konnten sie leicht gesammelt und getrocknet werden, wodurch sie sich gut lagern ließen. Auch die Tiere selbst machten sich die Ressourcen der Küsten zunutze: Weidetiere fraßen an Meeresufern häufig freiwillig Algen. Ihr vergleichsweise hoher Energie- und Mineralstoffgehalt machte sie zu einer wertvollen Ergänzung für Rationen, die sonst überwiegend aus Gras und Heu bestanden.

Neue Forschung zu methanhemmenden Algen

Heute spielen See- beziehungsweise Meeresalgen als Futtermittel in Europa allerdings kaum noch eine Rolle. Weniger als 0,25 % der weltweit produzierten Algen stammen aus europäischen Aquakulturen. Auch ihr Anteil am gesamten Futtermittelmarkt ist mit unter 1 % gering. In jüngster Zeit rücken Algen jedoch erneut in den Fokus der Forschung – insbesondere in der Wiederkäuerfütterung. Grund dafür sind bestimmte Rotalgenarten wie Asparagopsis taxiformis und Asparagopsis armata. Studien zeigen, dass eine Zulage von 0,3 bis 0,5 % der Trockenmasse den Ausstoß des Treibhausgases Methan aus der Verdauung von Rindern um bis zu 90 % reduzieren kann.

Diese Algen kommen vor allem in tropischen und subtropischen Meeresregionen vor. Sie enthalten halogenierte Verbindungen wie Bromoform und Dibromchlormethan, die die Methanbildung im Verdauungssystem der Tiere hemmen. Allerdings sind diese Substanzen flüchtig: Mit zunehmender Lagerdauer der Algen verdampfen sie, wodurch die methanreduzierende Wirkung nachlässt. In Australien ist die Verwendung getrockneter Asparagopsis-Algen als Futtermittel für Wiederkäuer bereits teilweise zugelassen und kommerziell im Einsatz. In der Europäischen Union hingegen wird der Einsatz derzeit noch geprüft. Zwar sind „Seealgenmehle“ sowohl in der Einzelfuttermittelliste der EU (68/2013) als auch in der Positivliste für Einzelfuttermittel der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) aufgeführt und dürfen grundsätzlich verfüttert werden. Für die genannten Rotalgenarten läuft jedoch eine gesonderte Zulassungsprüfung. Ein Grund dafür sind mögliche Rückstände der halogenierten Substanzen: Werden die Algen an laktierende Tiere verfüttert, könnten diese Stoffe in die Milch und damit in die Nahrungskette gelangen. Zudem können einige Algenarten erhöhte Konzentrationen von Schwermetallen wie Arsen, Blei, Cadmium oder Quecksilber enthalten. Auch hier gelten strenge Grenzwerte, die bei der Nutzung als Futtermittel nicht überschritten werden dürfen.

Ulva gehören zur Gattung der Grünalgen. Diese zeichnen sich durch hohe Gehalte an Chlorophyll und verschiedenen Vitaminen aus.

Nachhaltige Futtermittel­quellen aus dem Meer

Trotz möglicher Risiken bietet der Einsatz von Meeresalgen als Futtermittel auch beträchtliche Chancen. Vor allem Braunalgen zeichnen sich durch eine außergewöhnlich hohe Photosyntheseleistung aus und können entsprechend große Mengen an Biomasse produzieren. Manche Arten erreichen dabei beeindruckende Ausmaße von bis zu 60 m Länge. Im Vergleich zu klassischen Futterpflanzen, deren Anbau fruchtbare Böden sowie große Mengen an Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmitteln erfordert, wachsen Seealgen unter ganz anderen Bedingungen. Sie lassen sich in Meeres- oder sogar Brackwasser kultivieren – also in Regionen, die für den landwirtschaftlichen Pflanzenbau kaum nutzbar sind. Dadurch könnte der Wettbewerb um landwirtschaftliche Flächen und wertvolle Süßwasserressourcen deutlich reduziert werden.

Vor dem Hintergrund einer großen Importabhängigkeit Europas bei Futtermittelrohstoffen könnte die Nutzung regional erzeugter Algenbiomasse zudem langfristig zur Stabilisierung der Proteinversorgung in der Tierhaltung beitragen. Die wachsende Nachfrage nach Meeresalgen hat jedoch auch neue Produktionsformen hervorgebracht. Inzwischen werden einige Arten nicht mehr ausschließlich im Meer angebaut, sondern zunehmend auch in landbasierten Aquakultursystemen kultiviert – etwa in Tanks oder Becken. Solche Anlagen ermöglichen eine kontrollierte Produktion und könnten dazu beitragen, die steigende Nachfrage nach Algen langfristig zu decken.

Projekt „Alg4Nut“ zur Rinder­fütterung

Meeresalgen gelten nicht nur als potenziell nachhaltige, sondern auch als nährstoffreiche Ergänzung in der Tierfütterung. So enthalten Braunalgen große Mengen an Mineralstoffen sowie leicht verdauliche Rohfaser. Grünalgen wiederum zeichnen sich durch hohe Gehalte an Chlorophyll und verschiedenen Vitaminen aus. Besonders interessant sind einige Rotalgenarten. Die Gattungen Porphyra und Gracilaria erreichen Rohproteingehalte von 30 bis 50 % der Trockenmasse und enthalten darüber hinaus Antioxidantien, entzündungshemmende Inhaltsstoffe, essenzielle Fettsäuren sowie Jodid. Die Fütterung von Meeresalgen könnte die Jodversorgung ergänzen, die Jodkonzentration in der Milch erhöhen und so zur Verbesserung der Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland beitragen. Erste Studien deuten zudem darauf hin, dass die in Meeresalgen enthaltenen Kohlenhydrate präbiotische Effekte haben. Sie könnten die Zusammensetzung der Darmmikrobiota positiv beeinflussen, die Darmgesundheit fördern und damit letztlich auch das Wachstum von Rindern und Schafen unterstützen. Einige Spezialfuttermittelhersteller greifen diese Entwicklung bereits auf und bieten entsprechende Algenmischungen für Wiederkäuer kommerziell an. Dennoch sind viele der zugrunde liegenden biologischen Prozesse bislang kaum verstanden. Insbesondere die Mechanismen der Algenverdauung und ihre möglichen gesundheitlichen Effekte bei Nutztieren sind noch Gegenstand aktueller Forschung.

Im Projekt „Alg4Nut“ („­Algae for Nutrition“), das im Rahmen der Initiative zur angewandten Exzellenzforschung in Mecklenburg-Vorpommern gefördert wird, untersuchen Wissenschaftler verschiedener Forschungseinrichtungen unter der Leitung der Universität Rostock, ob in der Ostsee heimische Meeresalgen als nachhaltiges Futtermittel für Kühe genutzt werden können. Dabei werden in Fütterungsexperimenten am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf die Auswirkungen auf Verdaulichkeit, Tiergesundheit und Leistung, Milchqualität und Methanemission mithilfe der Respirationskammern untersucht. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die Bewertung dienen, ob sich ein künftiger Anbau von Meeresalgen zur Futtermittelgewinnung im Küsten- und Agrarland Mecklenburg-Vorpommern eignet.