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Größte Aufforstung im Kreis Plön seit Jahren?

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Bei Selkau im Kreis Plön sollen rund 120 ha am Stück aufgeforstet werden. Der Besitzer der Ackerflächen ist in den Osten abgewandert, und der Ackerboden soll für knapp 68.000 €/ha verkauft worden sein.

Damit läge er deutlich über dem Durchschnittspreis Schleswig-Holsteins. Es wurde lange spekuliert, wer die Fläche erworben haben könnte. Die Stiftung Naturschutz hat den Verkauf verneint, auch das Forstministerium hat die Frage nicht beantwortet. Es ist von einer Aufforstung in drei Abschnitten die Rede. Nun wurde an dem imposanten Schlag ein Fahrzeug des Bundesforstes gesehen. Für welche Baumaßnahme die Aufforstung ein Ausgleich ist, welche Baumarten dort geplant sind und wann es konkret losgeht, dazu läuft gerade eine Anfrage an das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Sicher ist: Es dürfte sich um eine der größten Aufforstungsmahnahmen der vergangenen Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte bei uns im Land zwischen den Meeren handeln. Schleswig-Holstein ist immer noch das waldärmste Bundesland (11,5 % Waldanteil).

75. Landesturnier in Bad Segeberg

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Wenn die Starterfelder groß sind und die Begeisterung für eine Freiluftveranstaltung im Frühherbst ungebrochen, dann ist es Zeit für das Landesturnier von Schleswig-Holstein und Hamburg in Bad Segeberg. Hier werden die Landesmeister des Nordens gekürt, hier steht die Vereinsgemeinschaft ganz vorn, hier unterstützt jeder jeden. Und anschließend wird gemeinsam gefeiert.

Am Sonnabend fielen die ersten Entscheidungen über Gold, Silber und Bronze. In der dritten Wertung der Damen ging es für die Reiterinnen über 1,40 m hohe Hindernisse. Die S-Springprüfung mit Stechen gewann die amtierende Landesmeisterin Miriam Schneider aus Bovenau, Kreis Rendsburg-Eckernförde, mit ihrer Holsteiner Stute Querida. Das Paar hatte auch die Einlaufprüfung für sich entschieden. Neue Landesmeisterin wurde allerdings Luisa Westphal aus Hutzfeld, Kreis Ostholstein. Diesen Titel hatte die Reiterin bislang noch nicht auf ihrem Konto, lediglich einen Vizetitel bei den Jungen Reitern. Entsprechend groß waren die Freude und die Begeisterung über ihren Sportpartner, den Holsteiner Wallach Cascalino. „Ich bin überglücklich, ihn zu haben. Er ist ein totaler Kämpfer“, sagte Westphal.

Mit den Finals ging es erst am Sonntag weiter. Am frühen Morgen sorgte Henri Petruschke von der Turniergemeinschaft nach Maas für das erste Strahlen. Er hatte zwei Wertungsprüfungen gewonnen, war mit seiner Holsteiner Stute Leleena von der Söhr an allen Tagen fehlerfrei geblieben und holte sich so den Titel bei den Children. Der 14-Jährige war zum ersten Mal in Bad Segeberg dabei und erklärte: „Dass es gleich beim ersten Mal so gut läuft, damit hätte ich nicht gerechnet.“ Über die Silbermedaille freute sich die Hamburgerin Philippa Maxima Rogge mit ihrem Holsteiner Wallach Dinar, Bronze ging an Mia Sophie Biemann mit ihrer Oldenburger Stute Balbina N.

Die Entscheidung über die Landesmeisterschaft der Junioren fiel in der dritten Wertungsprüfung, einer Springprüfung der Klasse S* mit Stechen. Gold sicherte sich Svea Wagner aus Owschlag, Kreis Rendsburg-Eckernförde, mit ihrem Holsteiner Wallach Cabido VA. „Es ist meine dritte Landesmeisterschaft“, erklärte sie. „Dass es jetzt tatsächlich geklappt hat und meine erste Medaille gleich eine goldene ist, ist richtig schön. Cabido habe ich seit etwa eineinhalb Jahren, und er ist ein unglaublicher Kämpfer. Ich kann mich immer auf ihn verlassen.“ Für Vorjahressiegerin June Karlinder aus Sörup, Kreis Schleswig-Flensburg, und Botakara OLD wurde es diesmal Silber. Die Bronzemedaille ging an Philine Gröpper mit ihrem KWPN-Wallach Handsome.

Nur Thiesen fehlerfrei

In der dritten Wertung der Jungen Reiter stand eine S*-Springprüfung mit Stechen auf dem Programm, doch ein Stechen war gar nicht nötig. Als einzige Teilnehmerin blieb Tomma Thiesen von der Insel Fehmarn im Umlauf fehlerfrei. Mit ihrem Holsteiner Tomte RL galoppierte sie zu ihrem ersten Landesmeistertitel. „Für dieses Mal hatte ich mir schon vorgenommen, hier vorn mitzumischen“, strahlte sie. „Tomte gehört zu meinen jüngeren Pferden, und dafür hat er das hier megagut gemacht. Er ist sehr vorsichtig, hat einen großen Galopp, und genau das kam uns auf diesem weitläufigen Platz entgegen. Ich konnte ihn schön fließen lassen. Er ist einfach ein toller kleiner Kerl.“ Silber ging an Lotta Gellhorn aus Ascheffel, Kreis Rendsburg-Eckernförde, mit ihrem Holsteiner Campino, Bronze an Giulia Maria Schöttler aus Jerrishoe, Kreis Schleswig-Flensburg, und ihre Stute United B.

Janine Rijkens und ihr Mattie wurden Landesmeister in der Großen Tour. Foto: RathmannVerlag/Malina Blunck

Höhepunkt des Landesturniers war der Große Preis von Schleswig-Holstein, ausgeschrieben als S***-Springprüfung mit Stechen über 1,50 m hohe Hindernisse. Im Wettbewerb um den Landesmeistertitel in der Großen Tour traten 19 Profis an. Auch hier blieb nur ein Reiter fehlerfrei, Simon Heineke vom Moorhof in Wedel, Kreis Pinneberg, mit seinem Holsteiner GK Curacao. Als neue Landesmeisterin wurde aber Janine Rijkens mit ihrem niederländischen Wallach Mattie bejubelt. Die Elmshornerin war über ihren Erfolg fast sprachlos: „Vor dem Springen hatte ich mir schon Hoffnungen auf den Titel gemacht. Nach meinem Fehler dachte ich allerdings, okay, das war’s jetzt. Als dann die anderen ebenfalls Abwürfe hatten und feststand, dass es doch gereicht hat, war die Freude riesig.“ Rijkens war bereits 2008 Landesmeisterin bei den Junioren.

Silber gewann Jörg Naeve aus Ehlersdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, mit seinem bewährten Benur du Romet. Lucia Voss aus Tasdorf, Kreis Plön, sicherte sich mit dem Oldenburger Wallach Hagrano P.M.S Bronze.

Vierter Titel für Kneese

Auch im Viereck wurden am Sonntag die Landesmeister geehrt. In der dritten Wertung der Children siegte Mara Jolie Warneck vom Hasenthaler Reitverein (RV) Geesthacht mit Showmaster TR. Das bedeutete Bronze in der Meisterschaftswertung. Über Gold freute sich die 14-jährige Johanna Gröpper vom Reit- und Fahrverein (RuFV) Großenwiehe, Kreis Schleswig-Flensburg, mit ihrer Trakehner Stute Fabelstern. Sie erzählte: „Im vergangenen Jahr lief es für mich bei der Landesmeisterschaft noch nicht so gut. Deshalb hatte ich mir für dieses Jahr vorgenommen, es besser zu machen.“ Silber ging an Emma Westphalen mit ihrem Oldenburger Hengst Darius RF.

Die Junioren maßen sich in einer Dressurprüfung der Klasse M-Kür**. Neue Landesmeisterin wurde die Hamburgerin Carolin Ehrich mit ihrem Hannoveraner Lagavulin. Sie hatte den Titel vor drei Jahren schon bei den Ponys geholt und wollte hier „nur fehlerfreie Runden drehen, um meine Juniorenzeit mit einem guten Gefühl zu beenden“. Silber gewann die Fehmaranerin Carolin von Ludwig mit Divero, Bronze ging an Antonia Glismann vom RV Am Bilsbek in Pinneberg mit Shiny Air II.

Für die Jungen Reiter stand in der dritten Wertung eine Dressurprüfung der Klasse S*-Kür auf dem Programm. Nach drei Auftritten gewann Franziska Haase aus Hellschen-Heringsand-Unterschaar, Kreis Dithmarschen, mit dem Hannoveraner Alissimo die Goldmedaille. „Ich bin ganz stolz auf ihn“, sagte Haase über den selbst ausgebildeten Wallach. Sie hatte schon zweimal Silber gewonnen. „Dieser Titel bedeutet mir unglaublich viel.“ Césarine von Eicken aus Lütjensee, Kreis Stormarn, und Beuys bekamen Silber. Über Bronze freuten sich die Hamburgerin Antonia Neumann und Flanell.

Felix Kneese aus Appen, Kreis Pinneberg, holte seinen vierten Landesmeistertitel insgesamt und den zweiten mit San Simeon OLD. Foto: RathmannVerlag/Malina Blunck

Sportlicher Höhepunkt auf dem Pagelplatz war die Grand-Prix-Kür, die dritte Wertung der Senioren. Hier tanzte Felix Kneese aus Appen, Kreis Pinneberg, mit seinem bewährten San Simeon OLD nicht nur zu Platz eins, sondern auch zu Gold und damit zum vierten Titel in seiner Landesmeisterschaftssammlung. „Ich genieße diese Tage von Donnerstag bis Sonntag hier in Bad Segeberg. Fast ein bisschen wie Camping“, sagte er. „In diesem Jahr war die Konkurrenz groß. Es sind einige junge Reiter dabei, die richtig gute Pferde haben und tollen Sport zeigen.“ Die Flensburgerin Leonie Ottmar und Don Horatio waren Kneese am dichtesten auf den Fersen. Caroline Locklair aus Mohrkirch, Kreis Schleswig-Flensburg, und ihr Holsteiner Consus fügten den vielen Medaillen ihrer Karriere eine bronzene hinzu.

Beeindruckende Bilder

Zu den imposantesten Bildern eines jeden Landesturniers gehört der Aufmarsch der Reitabteilungen. Bei den Junioren sicherte sich der RV Südangeln, Kreis Schleswig-Flensburg, mit Mannschaftsführer Andreas Nissen souverän den Sieg. „Wir freuen uns sehr, bei diesem hervorragend organisierten Landesturnier dabei zu sein und heute die Jugendstandarte gewonnen zu haben. Unser Verein nimmt eigentlich jedes Jahr an diesem Wettbewerb teil, denn die Förderung unserer Jugend und die Gemeinschaft im Verein liegen uns besonders am Herzen“, sagte Nissen. Platz zwei belegte der RuFV Großenwiehe mit Mannschaftsführerin Carolin Guddat vor dem Fehmarnschen Ringreiterverein mit Julia Marrancone.

Im Landeswettkampf der Reit- und Fahrvereine Schleswig-Holsteins sicherte sich einmal mehr der Fehmarnsche Ringreiterverein mit Mannschaftsführerin Inga Czwalina den Titel. An zweiter Stelle rangierte der RV Südangeln vor der Turniergemeinschaft nach Maas mit Gesine Flemming und Janet Maas als Mannschaftsführerinnen.

Neben den Meisterschaften in Springen und Dressur werden in Bad Segeberg traditionell auch die drei- und vierjährigen Landeschampions ermittelt. Sieger der Dreijährigen wurde der Oldenburger Wallach Sir Carl K von Skyline to Be. Im Sattel saß der Kieler Ken-Christian Horst. Bei den vierjährigen Reitpferden siegte der Oldenburger Forever Bonded von Follow Him’s Schönweide unter Melanie Klein.

Für Dr. Sabine Sütterlin-Waack (CDU) waren es die ersten Landesmeisterschaften in ihrer Funktion als neue Vorsitzende des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein. Die einstige Innenministerin des nördlichsten Bundeslandes war sichtlich angetan von dem Landesturnier: „Ich bekomme jetzt einen ganz anderen Einblick in das, was hinter einer solchen Veranstaltung steckt. Mir war vorher gar nicht bewusst, wie viel Arbeit unser Verband hier leistet. Besonders beeindruckt mich, mit wie viel Power, Energie und Leidenschaft sich so viele Menschen ehrenamtlich engagieren, teilweise seit vielen Jahren. Das ist großartig.“

Die gezeigten Leistungen auf den sieben unterschiedlichen Plätzen machten die 68-Jährige glücklich: „Natürlich begeistert mich das sportliche Niveau, aber für mich sind gerade die Abteilungswettkämpfe ein echtes Highlight des Landesturniers. Hier erlebt man, dass Pferdesport eben nicht nur Einzelsport ist. Man sieht, wie die Vereine zusammenhalten, gemeinsam mitfiebern und wie viel Teamgeist dahintersteckt. Gleichzeitig ist das Landesturnier eine wichtige Plattform für die Basis und den Nachwuchs.“ pm

Gedeckter Gartentisch für Vögel

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Schon der Name mancher Gehölze, wie Vogelbeere und Vogelkirsche, weist daraufhin, welch große Bedeutung manche Bäume und Sträucher als Nahrung für Vögel haben können. Mit geeigneten fruchtreichen, heimischen Gartengehölzen lässt sich das natürliche Nahrungsangebot im Garten erheblich steigern.

Die winterliche und inzwischen vielerorts sogar ganzjährige Vogelfütterung ist bei vielen Gartenbesitzern beliebt. Schöner und nachhaltiger ist jedoch die Bereitstellung eines natürlichen, möglichst ganzjährigen Nahrungsangebots für die gefiederten Gartenbewohner. Hierbei spielen Bäume und Sträucher eine besondere Rolle. Mit einer entsprechenden Vielfalt und einer geeigneten Auswahl fruchttragender Gehölze lässt sich die Vogelwelt das ganze Jahr über auf natürliche Weise unterstützen.

Gehölze stellen als Solitäre oder in Gruppen nicht nur das Gerüst des Gartens dar, sondern schaffen auch besondere Blickpunkte, interessante Lichtwirkungen sowie Sonnenschutz. Zudem können sie im Zusammenspiel mit Hecken aus Gehölzen für geeignete Sicht-, Betretungs- und Windschutzverhältnisse sorgen.

Der Haussperling, auch Spatz genannt, ist unser häufigster Gartenvogel und ernährt sich gern von Beerenfrüchten an Sträuchern und in Hecken, hier an einem Bocksdorn. Foto: Daniel Hugenbusch
Die Amsel ist ein häufiger Gartengast, der auch gern Beerenfrüchte von Sträuchern wie diesem Weißdorn verzehrt. Foto: Hans-Dieter Reinke
Ein Haussperling auf Nahrungssuche im Weißdornstrauch Foto: Hans-Dieter Reinke


Für die Vogelwelt erfüllen Gehölze zahlreiche wichtige Funktionen. Sie bieten Nistplätze sowie Schutz- und Versteckmöglichkeiten, insbesondere in dornigen Sträuchern. Darüber hinaus dienen die in Hecken und Bäumen lebenden Insekten, die Blüten der Gehölze sowie später vor allem Samen und Früchte als Nahrung. Mitunter bleiben die Früchte einiger Sträucher und die Samenstände bis weit in den Winter hinein am Gehölz haften  – genau dann, wenn in strengen Wintern schnell Nahrungsmangel auftreten kann.

Vielfalt des Fruchtangebots heimischer Sträucher

Im Folgenden werden einige wichtige heimische Gartengehölze vorgestellt, die mit ihren Früchten ein wertvolles zusätzliches Nahrungsangebot für Vögel im Garten bereitstellen.

Das bei Vögeln beliebteste Gehölz in Natur und Garten ist die Vogelbeere (Sorbus aucuparia), die auch als Eberesche bezeichnet wird und sowohl strauch- als auch baumförmig wachsen kann. 63 heimische Vogelarten ernähren sich von der Eberesche. Hinzu kommen 31 Säugetierarten, die ihre Früchte ebenfalls nutzen. Die reifen roten Früchte erinnern an kleine Äpfel und finden auch Verwendung in Küche und Medizin der Menschen. Als sogenannte Wintersteher bleiben die Früchte oft bis in den Winter hinein am Baum hängen und stellen dann eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel dar.

Im Gegenzug unterstützen die Vögel die Verbreitung der Eberesche, da die Samen häufig unverdaut ausgeschieden werden und so an neuen Standorten keimen können. Die rote Färbung vieler Früchte ist für Vögel besonders attraktiv, da sie diese Farbe gut wahrnehmen und dadurch angelockt werden. Auf diese Weise wird die Samenverbreitung durch den Fruchtverzehr gefördert.

Andere Arten der Gattung Sorbus, wie die Mehlbeere (Sorbus aria), der Speierling (Sorbus domestica) oder die Oxelbeere (Sorbus intermedia), eignen sich ebenfalls als vogelfreundliche Fruchtgehölze für den heimischen Garten.

Die glänzend schwarzen Beeren des Schwarzen Holunders sind für zahlreiche Vogelarten eine wichtige Nahrungsquelle. Foto: Hans-Dieter Reinke

Mit seinen schwarzen Früchten ist der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) bei Vögeln nahezu ebenso beliebt wie die Vogelbeere. Hier finden 62 Vogelarten Nahrung. Auch für den Menschen besitzt der Holunder mit seinen weißen Blüten und schwarzen Beeren große Bedeutung. Die Beeren werden unter anderem für Säfte, Gelees und Marmeladen genutzt. Früher hieß es nicht ohne Grund, mit dem Holunder habe man die Apotheke im Garten.

Der nahe verwandte Traubenholunder (Sambucus racemosa) mit seinen roten Früchten ist deutlich seltener anzutreffen, wird von Vögeln jedoch fast ebenso gern genutzt.

Die kleinwüchsigen und teilweise rankenden Beerengehölze wie die Waldhimbeere (Rubus idaeus), die Wildbrombeere (Rubus spec.), die wilde Rote Johannisbeere (Ribes rubrum), die wilde Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) oder die Wilde Stachelbeere (Ribes uva-crispa) sind ebenfalls wertvolle Nahrungspflanzen für Vögel. Dies gilt gleichermaßen für ihre Kulturformen. Allerdings entsteht hier häufig eine Konkurrenz zwischen der menschlichen Nutzung und den hungrigen Gartenvögeln. Einige Früchte sollte man den Vögeln jedoch durchaus zur Erntezeit überlassen.

Die roten Früchte des Weißdorns ernähren viele Vögel, sogar bis in den Winter hinein. Foto: Hans-Dieter Reinke

Die beiden heimischen Weißdornarten Ein- und Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna und Crataegus oxyacantha) zählen aufgrund ihrer reichen Produktion roter Beerenfrüchte zu den wichtigen Nahrungspflanzen für Vögel. Die Früchte bleiben häufig lange am Strauch haften. Zudem bietet das dichte und dornige Geäst guten Schutz. Weißdorn ist daher auch eine beliebte Heckenpflanze. In regelmäßig geschnittenem Zustand bildet er allerdings deutlich weniger Blüten und Früchte, sodass einige frei wachsende Exemplare bei ausreichendem Platzangebot wesentlich mehr Vogelnahrung liefern.

Neben zahlreichen anderen Hartriegelarten in unseren Gärten sind zwei heimische Vertreter besonders wertvolle Vogelnährgehölze. Von beiden Arten ernähren sich jeweils mehr als 20 Vogelarten. Der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) verdankt seinen Namen der roten Herbstfärbung seiner Blätter sowie den roten Zweigen. Seine holunderähnlichen Steinfrüchte sind schwarzblau.

Die roten Früchte der Kornelkirsche, auch als Gelber Hartriegel bezeichnet, locken viele Vogelarten an. Foto: Hans-Dieter Reinke

Der Gelbe Hartriegel (Cornus mas), besser bekannt als Kornelkirsche, ist als früh blühendes Gartengehölz sehr beliebt, da er die ersten Insekten und Blütenbesucher des Jahres mit Pollen und Nektar versorgt. Die kirschähnlichen Früchte werden nicht nur von Vögeln geschätzt, sondern finden auch vielfältige Verwendung in der Küche.

Die Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs verbleiben lange bis in den Winter am Strauch und stellen dann eine wichtige Vogelnahrung dar. Foto: Hans-Dieter Reinke

Auch die Gattung Viburnum mit ihren Schneeball-Arten bietet zahlreiche interessante Gartenpflanzen mit vogelfreundlichen Früchten. Heimisch ist neben dem Wolligen Schneeball (Viburnum lantana) mit zunächst roten und später schwarzen Steinfrüchten auch der Gewöhnliche Schneeball (Viburnum opulus). Dessen rote Früchte werden zunächst weniger gern gefressen. Da sie jedoch lange am Strauch verbleiben, dienen sie später – wenn andere Fruchtquellen knapp werden – vielen Wildvögeln als wichtige Winternahrung.

Die interessanten Früchte des heimischen Pfaffenhütchens werden von vielen Vogelarten gern ge­fressen. Foto: Hans-Dieter Reinke

Eine besonders auffällige Frucht trägt das Europäische Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), auch Gewöhnlicher Spindelstrauch genannt. Von seinen Früchten ernähren sich 24 Vogelarten. Besonders Rotkehlchen zeigen Interesse an den Samenmänteln, die von September bis Oktober aus den reifen Fruchtkapseln hervortreten. Die Früchte der als giftig geltenden Pflanze erinnern an die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher. Daher erhielt die gesamte Pflanzengattung ihren Namen.

Dornige Schlehengehölze bieten den Vögeln nicht nur Nahrung bis in den Winter, sondern auch Schutz- und Nistmöglichkeiten. Foto: Hans-Dieter Reinke
Auch die Früchte des Sanddorns sind bei Vögeln beliebt, das Gehölz dient zudem als Nistplatz. Foto: Hans-Dieter Reinke


Auch Schlehe und Sanddorn sind durch ihre lange Fruchthaftung bis weit in den Winter hinein für zahlreiche Vogelarten interessant. Rund 20 Vogelarten suchen an diesen Dornengehölzen nach Nahrung. Gleichzeitig stellen sie durch ihren stacheligen Wuchs wichtige Schutzgehölze dar. Als Gartenhecken eignen sich beide Arten allerdings nur eingeschränkt, da sie dazu neigen, sich in angrenzende Grün- und Beetflächen auszubreiten.

Die Gewöhnliche Berberitze, auch Sauerdorn genannt, wird gern zur Heckenpflanzung verwendet. Die vitaminreichen, säuerlichen Früchte werden von Vögeln gefressen. Foto: Hans-Dieter Reinke

Eine weitere wichtige Strauchart für etwa 20 Vogelarten ist die Gemeine Berberitze mit ihren länglich-eiförmigen, scharlachroten Früchten und gelben Blüten im Frühjahr. Ihre mit Blattdornen bewehrten Zweige machen sie zugleich zu einem wertvollen Schutzgehölz. Auch als Heckenpflanze ist sie gut geeignet.

Nadelgehölze, Bäume und Rosen als Vogelnahrung

Unter den Nadelgehölzen sind vor allem der Wacholder mit seinen dunklen Beeren sowie die Eibe hervorzuheben, die sowohl als Solitärbaum als auch als Heckengehölz Verwendung findet.

Von den baumförmig wachsenden Arten sind insbesondere die Traubenkirsche (Prunus padus) und die Vogelkirsche (Prunus avium) zu nennen. Bereits ihre Namen weisen auf die Bedeutung ihrer Früchte für die Vogelwelt hin.

Rosen mit ihren Hagebuttenfrüchten, wie hier an einer Hundsrose, können eine wichtige Vogelnahrung bis in den Winter sein. Foto: Hans-Dieter Reinke

Auch Obstgehölze und Streuobstbestände beziehungsweise Obstgärten, insbesondere mit Wildbirne und Holzapfel, stellen wichtige Nahrungsquellen für Wildvögel dar. Ebenso sind die Hagebutten zahlreicher Rosenarten wertvolle Nahrungsergänzungen. Vor allem die Hundsrose (Rosa canina) bietet mit ihren lange am Strauch haftenden Früchten bis weit in die kalte Jahreszeit hinein Nahrung. Auch die Essigrose (Rosa gallica), die Zimtrose (Rosa majalis) und die Bibernellrose (Rosa pimpinellifolia) eignen sich mit ihren ungefüllten Blüten und Hagebutten als Nahrungspflanzen.

Auch die häufig in Gärten anzutreffenden Kartoffelrosen bieten Vögeln mit ihren Hagebutten eine wichtige Nahrungsquelle. Foto: Hans-Dieter Reinke

Die häufig in Gärten gepflanzte Kartoffelrose (Rosa rugosa) besitzt ebenfalls für Vögel attraktive Früchte. Sie ist jedoch keine heimische Art, entkommt immer wieder aus Gärten und breitet sich in der Natur invasiv aus.

Eine gute Zeit für Gehölzpflanzungen ist neben dem Herbst auch das Frühjahr. Dann lassen sich neue Solitär-, Allee- und Heckenpflanzungen gut planen und umsetzen. Die Ergänzung neu anzulegender oder umzugestaltender Gartenbereiche mit attraktiven Vogelnährgehölzen bereichert nicht nur die Biodiversität und die Insektenvielfalt, sondern schafft zugleich zusätzliche natürliche Nahrungsquellen für die Vogelwelt  – eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Winterfütterung am Vogelhäuschen.

Milchpreisvergleich

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Die abgelieferte Milchmenge ist über den Monat August hinweg deutlich zurückgegangen. Da sie im vorigen Jahr um diese Zeit allerdings angestiegen ist, nähern sich die beiden Kurven deutlich an. Auch die Inhaltstoffe waren im abgelaufenen Monat weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau.

Die Milchauszahlungspreise entwickelten sich dabei den sechsten Monat in Folge leicht fester. Die meisten Meiereien haben ihre Auszahlungspreise leicht angehoben, der Rest beließ die Grundpreise unverändert. Zehn von 15 in unserem Milchpreisvergleich aufgeführten Meiereien haben ihren Auszahlungspreis um knapp 1 bis maximal 2 ct angehoben. Der Durchschnittspreis liegt nun bei 37,70 ct/kg und damit um 0,86 ct über dem Vormonatsniveau. Die Spanne bewegt sich nun zwischen 35,20 und 40 ct/ kg und ist folglich nach oben hin enger geworden. Genauso hat sich auch die Spanne in Süddeutschland bewegt. Hier werden jetzt zwischen 33,96 und 40,40 ct/ kg gezahlt. In Ostdeutschland liegt der Auszahlungsgrundpreis zwischen 33,50 und 38,70 ct/ kg. Hier hat sich die Spanne komplett nach oben verschoben. Bei den westdeutschen Meiereien liegt die Spanne im Bereich von 33,00 bis 38 ct/kg und hat sich somit entgegen dem Trend nach unten hin leicht verkleinert. Im Durchschnitt werden im Norden somit die besten Preise ausbezahlt. Allerdings lagen zu Redaktionsschluss noch nicht alle Meldungen aus den anderen Bundesländern vor.

Die anziehenden Preise haben bei den Einkäufern und Händlern unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während Industrierahm zuerst deutlich zulegte, sind hier aktuell wieder fallende Kurse zu verzeichnen. Abgepackte Butter ging trotz der Sommerferien sehr gut in den Markt. Jetzt nach den Ferien zog die Nachfrage sogar noch etwas weiter an. Der sehr gute Absatz ist allerdings auch auf das weiterhin extrem niedrige Preisniveau zurückzuführen. Anders sieht es mit Blockbutter aus. Hier üben sich Käufer und Händler aktuell in starker Zurückhaltung. Aufgrund des niedrigen Fettgehaltes in der angelieferten Milch zogen die Preise hier aber trotzdem auf sehr niedrigem Niveau leicht an. Der Käsemarkt entwickelte sich dagegen etwas freundlicher. Hier war die Nachfrage den ganzen Sommer über sehr hoch, da sich das deutsche Preisniveau im europäischen Vergleich sehr wettbewerbsfähig zeigte. Durch die hohe Nachfrage und die gleichzeitig sinkende Milchanlieferung stehen derzeit so gut wie keine Mengen für kurzfristige Abschlüsse zur Verfügung. Die Preise steigen daher kontinuierlich an, allerdings auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit. Verglichen mit den beiden Vorjahren ist das Preisniveau aber immer noch sehr niedrig. Genau umgekehrt ist es beim Milchpulver. Hier liegen sowohl Magermilch- als auch Molkenpulver weit über dem Niveau der beiden Vorjahre. Nachdem die Handelsaktivitäten in der zweiten Augusthälfte deutlich Fahrt aufgenommen hatten, hat sich die Marktsituation inzwischen deutlich beruhigt. Allerdings steht auch im Pulverbereich fast keine Ware mehr für kurzfristige Abschlüsse zur Verfügung. Daher kommt es aktuell trotz ruhiger Geschäftsaktivitäten zu weiter steigenden Preisen bei Magermilch- und Molkenpulver.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bewertet den weltweiten Milchmarkt monatlich in ihrem sogenannten FAO-Milchpreisindex. Dieser setzt sich aus den internationalen Preisnotierungen für Butter, Käse, Mager- und Vollmilchpulver zusammen. Im August ist er nun erstmals seit Juni 2025 wieder angestiegen. Grund dafür sind die festeren Notierungen in der EU, die den saisonalen Milchmengenanstieg und den damit einhergehenden Preisrückgang in Ozeanien deutlich überlagern. Dort belasten nicht nur die steigenden Milchmengen (+7,4 % über Vorjahr), sondern auch der massive Konkurrenzdruck aus den USA die Preise. In den USA wurde die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahr durch Bestandsaufstockungen deutlich ausgeweitet (+2,2 % über Vorjahr). Somit drängt auch deutlich mehr Milch auf den Weltmarkt. Aber auch diese Marktsituation wird durch die EU-weiten Rückgänge der Milchanlieferung kompensiert, sodass es zu steigenden Preisen auf dem Weltmarkt kommt.

Menschen unterstützen, zurück ins Leben zu finden

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Als Genesungsbegleiterin wird Dr. sc. agr. Hélène Gibaud bald Menschen unterstützen, zurück ins Leben zu finden. Seit Oktober 2025 absolviert die Agraringenieurin beim Kieler Fenster, einem Netzwerk sozialpsychiatrischer Einrichtungen, eine einjährige Ausbildung zur zertifizierten
EX-IN-Genesungsbegleiterin. EX-IN ist eine Qualifizierung für Menschen, die mit ihren eigenen psychischen Krisen- und Genesungserfahrungen andere Betroffene auf ihrem Weg der Heilung unterstützen.

Auf einmal waren sie da, schlichen sich in das Leben von Hélène Gibaud: körperliche Schmerzen. Bis zu diesem Tag im Jahr 2016 war bei ihr von außen betrachtet alles im Lot. Als junge Frau war sie aus Frankreich der Liebe wegen zum Studium der Agrarwissenschaften an die Kieler Christian-Albrechts-Universität gekommen. Nach dem Studienabschluss arbeitete sie in verschiedenen Bereichen, heiratete, bildete sich weiter fort, promovierte und machte sich als Inhaberin eines Fachübersetzungs- und Dienstleistungsbüros mit den Schwerpunkten Agrarwirtschaft, Agrarpolitik und Biowissenschaften selbstständig. Mit viel Freude organisierte sie unter anderem Fachreisen für Züchter, die sich über die Fleischrinderzucht in Frankreich informieren wollten. Neben ihrer Selbstständigkeit wurde sie 2010 Mutter eines Sohnes.

Diagnose Depression

„Mein Körper zeigte mir mit den plötzlich auftretenden Schmerzen Grenzen auf. Mir wurde klar, dass ich etwas in meinem Leben ändern musste“, blickt sie zurück. Nach einer Auszeit entschied sie sich deshalb, in eine psychiatrische Tagesklinik zu gehen. „Erst hier kam ich meiner tiefgreifenden Erschöpfung auf die Spur, die ich bis dahin nicht bewusst wahrgenommen hatte. Als ich vom behandelnden Arzt mit der Diagnose ‚Depression‘ konfrontiert wurde, kam das bei mir im Kopf gar nicht richtig an. Ich musste erst lernen, damit umzugehen“, erzählt sie.

Der Genesungsweg gleicht dem Besteigen einer Düne. Jeder Schritt im losen Sand ist schwer, doch am Ende wartet das Licht.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Nach dem mehrwöchigen Aufenthalt in der Tagesklinik schloss sie auf ärztliche Empfehlung hin eine weiterführende ambulante Psychotherapie an. „Diese machte ich auch in Verantwortung für meinen Sohn und meinen Mann“, meint sie nachdenklich. Die Inhaberschaft ihres Unternehmens hatte sie mittlerweile aufgegeben und Berufliches reduziert. Fortan konzentrierte sie sich hauptsächlich auf die Familie und ihren Genesungsweg. „Die Psychotherapie war für mich ein Meilenstein. Ich konnte gut annehmen, was die Therapeutin mir sagte und widerspiegelte, und lernte langsam, wieder in mich hineinzuhören und mich zu spüren. Das Fühlen war mir in der Depression ganz verloren gegangen“, erklärt sie.

Ihr innerer Kompass, der sie während ihrer psychischen Erkrankung manches Mal verlassen hatte, stellte sich allmählich wieder ein. Selbstzweifel, die sie begleitet hatten, nahmen ab, und ihr angeknackstes Selbstwertgefühl baute sich wieder auf. Sie reflektierte mit therapeutischer Hilfe Ereignisse aus Kindheit und Jugend und nahm dabei alte Glaubenssätze und Verhaltensmuster in den Blick, von denen sie sich löste. Schritt für Schritt, mit erlebten Höhen, Tiefen und Herausforderungen spürte sie, wie sie psychisch gesundete. Die körperlichen Schmerzen blieben, traten aber in den Hintergrund und verloren an Wirkmacht. Hélène Gibaud erkannte: „Mich gut zu fühlen, heißt für mich nicht, symptomfrei zu sein.“

Dann war auf ihrem acht Jahre dauernden Genesungsweg der Punkt gekommen, an dem sie sich innerlich so gefestigt fühlte, einen beruflichen Neuanfang zu wagen. „Mit dem Wissen um meine Fähigkeiten und Ressourcen kristallisierte sich heraus, dass ich im sozialen Bereich rund um die landwirtschaftliche Familie tätig sein will“, so die 52-Jährige.

Erfahrungswissen teilen

Durch eine Internetrecherche entdeckte sie die EX-IN-Ausbildung zur Genesungsbegleitung. Die Abkürzung EX-IN steht dabei für „Experienced Involvement“, sprich „Einbeziehung Erfahrener“. Im Mittelpunkt steht die Idee, dass Psychiatrie-Erfahrene ein einzigartiges Erfahrungswissen besitzen, das anderen Betroffenen in akuter Behandlung und danach Orientierung geben, Hoffnung stiften und neue Zugänge eröffnen kann. In einer instabilen Lebenssituation stehen sie ihnen auf Augenhöhe zur Seite, ermutigen und bringen persönliche Erfahrungen ein.

Sozialarbeiterin Barbara Birk (li.) und Genesungsbegleiterin Ava Anna Johannson leiten den aktuellen EX-IN-Kurs beim Kieler Fenster.
Foto: Kieler Fenster

„Dabei befähigt die EX-IN-Qualifikation zur Übernahme bezahlter Arbeit im Bereich der Sozialpsychiatrie. Hier ergänzen und bereichern Psychiatrie-Erfahrene professionelle Teams um die Betroffenenperspektive“, informiert Sozialarbeiterin (B.A.) Barbara Birk vom Kieler Fenster. Mit Genesungsbegleiterin Ava Anna Johannson leitet sie momentan den ersten Kieler EX-IN-Kurs mit 20 Teilnehmenden. „Darüber hinaus ist der Kurs ebenfalls sehr gut geeignet, um sich selbst zu stabilisieren und eine bessere Teilhabe im Leben zu erwirken“, ergänzt sie. Der auch von Hélène Gibaud besuchte Kurs wird in diesem Herbst abgeschlossen sein.

Mittlerweile ist die Ausbildung, die zwölf Module, zwei Praktika, ein Portfolio und eine Abschlusspräsentation umfasst, so weit fortgeschritten, dass bereits das zehnte Modul unter dem Thema „Krisenintervention“ auf dem Stundenplan steht. „Die Teilnehmenden haben zum Teil schon ihre Praktika absolviert und bereiten sich nun auf ihre Abschlusspräsentation vor. Die Stimmung und die Beteiligung sind weiterhin großartig“, freut sich Barbara Birk. Eine Sache möchte sie noch anmerken: „Die Ausbildung kostet etwa 3.600 €. Für Menschen, die ohne eine feste Finanzierung daran teilnehmen, initiierten wir deshalb einen Aufruf bei der gemeinnützigen Online-Spendenplattform betterplace.org.“ So hätten einige Teilnehmende ein Teilstipendium erhalten können.

Positives bewirken

Hélène Gibaud ist noch beeindruckt von ihrem kürzlichen Praktikum in der psychosomatischen Fachklinik Simbach am Inn. Dort baute Karen Hendrix, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine „Grüne Gruppe“ auf. Sie schuf damit ein stationäres Therapieangebot, das die Belastungen und die Situation der Grünen Berufe besonders versteht, sind doch die Hintergründe und Auslöser von psychischen Erkrankungen bei Menschen aus der Landwirtschaft oft spezifisch, ob Erschöpfung, Existenzangst, Selbstausbeutung oder Generations- und Partnerschaftskonflikte.

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Verfasser unbekannt)
Foto: Silke Bromm-Krieger

Als Mitglied des behandelnden Teams nahm Hélène Gibaud auch an Gruppentherapien für die Patienten teil. „Ich war verblüfft, wie viel Gewicht mein Gesagtes hatte. Es wurde von den anderen nicht infrage gestellt. Alle wussten, ich hatte Ähnliches erlebt, das verbindet“, bemerkt sie. Eine Begegnung mit einer Patientin berührte sie besonders. Die Frau war während einer Musiktherapie-Stunde in eine akute psychische Krise geraten und verließ den Raum. Gibaud gesellte sich zu ihr. Mit ihrer empathisch zugewandten Anwesenheit vermittelte sie der Patientin das Gefühl, nicht allein zu sein. Sie stand ihr unterstützend zur Seite, das zu reflektieren und in Worte zu fassen, was soeben geschehen war. Dadurch konnte die Frau sich innerlich wieder fangen. Dieses Erlebnis zeigte Hélène Gibaud eindrucksvoll, was sie als Genesungsbegleiterin bewirken kann. „Außerdem ist es mir wichtig, psychische Erkrankungen aus der Tabuzone zu holen. Sie können jede und jeden treffen“, betont sie.

Ihre Zwischenbilanz der Ausbildung fällt durchweg positiv aus. „Wir haben nützliche Tools an die Hand bekommen, wie wir andere Betroffene stärken können. Gleichzeitig ist in unserer Kursgemeinschaft das individuelle Erfahrungswissen der Einzelnen zu einem wertvollen Wir-Wissen aller geworden“, unterstreicht sie. Wie es für sie nach der Ausbildung weitergehen wird, weiß sie noch nicht genau. „Eine Tätigkeit bei einer sozialen Organisation im Bereich der Prävention und Krisenintervention für Menschen aus der Landwirtschaft kann ich mir gut vorstellen.“ Mehr Informationen gibt es unter
www.kieler-fenster.de sowie unter www.ex-in.de

Info

Die nächste EX-IN-Qualifizierung beim Kieler Fenster beginnt im Dezember. In Lübeck ist über die LebensArt Weiterbildung gGmbH ein Kurs ab September geplant. Weitere Informationen unter
www.ex-in-lebensart.de

In Neumünster bietet die Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP) ebenfalls Kurse an. Infos unter www.dgsp-sh.de

Interessierte, die die Kosten nicht selbst tragen können, sollten prüfen lassen, ob eine Förderung zum Beispiel durch die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, die Eingliederungshilfe oder die Deutsche Rentenversicherung möglich ist.

Es war einmal …

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Es war einmal … so beginnen wohl die meisten Märchen. Sie erzählen von Hexen und bösen Stiefmüttern, von furchteinflößenden Drachen und tapferen Rittern, von guten Feen, unglücklicher Liebe oder vergifteten Früchten.

Über Jahrhunderte erzählte man diese Geschichten – nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch um Erfahrungen, Werte, Warnungen und Lebensweisheiten von Generation zu Generation weiterzugeben. Heute ist die Kunst des Märchenerzählens fast eingeschlafen. Mit einem ganzen Tag zum Thema „Kräutermärchen als traditionelle Wissensvermittlung“ möchte der Aufbaukurs Kräuterkunde dieser Entwicklung entgegenwirken.

Zwanzig Frauen trafen sich im Wildpark Eekholt, um den Kräutermärchen wieder auf die Spur zu kommen. Sie alle haben bereits die Qualifizierung Kräuterkunde erfolgreich absolviert und wollten ihr Wissen im Aufbaukurs vertiefen. An diesem Fortbildungstag ging es vor allem darum, die alte Technik des freien Erzählens für sich zu entdecken, zu üben und selbst erste Geschichten rund um das eigene Kräuterwissen zu erfinden.

Treue am Wegesrand

Sonja Truhn und Dr. Astrid Hadeler (v. li.) vermitteln Kräuterwissen auch über Märchen.

Zu Beginn des Seminars erzählte Sonja Truhn von der Alten Märchenschule in Rickling ein berührendes Märchen über eine junge Frau, die auf die Rückkehr ihres Geliebten wartet. Er ist in den Krieg gezogen und hatte ihr versprochen wiederzukommen. Doch die Jahre vergehen, ohne dass er heimkehrt. Das Mädchen bleibt ihm treu und wartet Tag für Tag am Weg – so lange, bis es schließlich in eine Blume mit himmelblauen Blüten verwandelt wird: die Wegwarte. Noch heute wächst sie an Wegen und Straßen und richtet ihre blauen Blüten sehnsüchtig dem Himmel entgegen. Sonja Truhn ist mit Leib und Seele Erzählerin. Sie malt Bilder in die Köpfe ihrer Zuhörer, schafft magische Räume, knüpft eine Verbindung in eine andere Welt und verhilft so den Menschen zu einem Ausflug aus dem Alltag. „Heute muss ich mich sehr zurücknehmen, damit ich nicht den ganzen Tag selbst erzähle“, schmunzelte sie. Sie erzählt am liebsten aus dem Moment heraus, bezieht den Ort und die jeweiligen Zuhörer gern ein. „Wenn ich an einem Ort bin, den ich noch nicht kenne, brauche ich ein paar Minuten, um den passenden Platz für meine Geschichte oder mein Märchen zu finden. Dafür habe ich eine Spürnase.“ Es scheint fast selbstverständlich, dass genau neben der Erzählerin eine Wegwarte wuchs.

Pflanzen erspüren

Kathrin Brücker hat sich den Schmetterlingsflieder für ihre Übung ausgesucht.

Sonja Truhn weiß, wie man Märchen erzählt. In kleinen Übungen vermittelte sie den Frauen, sich selbst zurückzunehmen, aufmerksam zu sein und zuzuhören – Eigenschaften, die in der schnelllebigen Welt mitunter ins Hintertreffen geraten.

Ein Beispiel: Die Frauen bekommen die Aufgabe, sich im Medizinalgarten des Wildparks eine Pflanze auszusuchen und zu erspüren, was diese zu sagen hat. „Viele Frauen erzählen aus der Gewohnheit heraus, was sie über diese Pflanze wissen. Aber das ist gar nicht gefragt“, erklärt Dr. Astrid Hadeler. „Es geht darum, die Pflanze bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen. Und zu schauen, was sie mitteilen möchte.“ Zugegeben, das mag sich etwas skurril anhören. Aber es geht darum, die Wahrnehmung zu schärfen, offen zu sein und bewusst – nur dann kann ich auch Geschichten erkennen, Kräutermärchen erzählen und so die traditionelle Wissensvermittlung der Ahnen aufgreifen. „Die eine kann das besser als die andere. Und eine Dritte überlegt erst, worauf sie sich einlässt.“ Kathrin Brücker geht zielsicher zur Pflanze ihrer Wahl, breitet ihre Arme aus und sagt: „Ich bin der Schmetterlingsflieder und sehr gesellig. Ich lade euch alle zu mir ein.“ Betrachtet man die vielen Schmetterlinge und Hummeln, die sich dort tummeln, scheint diese Einladung dankend angenommen zu werden. Mit Übungen wie dieser und kurzen Geschichten wärmen sich die Teilnehmerinnen auf, und dann geht es selbst ans Erzählen.

„Heutzutage werden Märchen von Erwachsenen häufig abgetan, weil sie etwas für Kinder sind. Dabei wird vergessen, dass sie von alters her dazu dienten, Wissen zu vermitteln“, erzählt Dr. Astrid Hadeler, die den Kurs für das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein gemeinsam mit Dr. Gaby Brüssow-Harfmann vom LandFrauenVerband Schleswig-Holstein leitet. „Inzwischen ist es sogar wissenschaftlich belegt, dass man sich Fakten, die in eine Geschichte eingebunden sind, viel besser merkt.“ In Geschichten erzählte Informationen bleiben leichter im Gedächtnis, weil sie einen verständlichen Zusammenhang schaffen, innere Bilder und Gefühle auslösen und neues Wissen mit bereits Bekanntem verbinden.

Neue Pflanzenschutztechnik spart Herbizide

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Neue Pflanzenschutztechnik wie Spot- und Patchspray ­kann große Mengen Pflanzenschutzmittel – vor allem Herbizide – ­einsparen. Je nach Kultur und Anwendung sind der Technik ­jedoch ­Grenzen ­gesetzt. Auch die Flächenleistung von Spezialgeräten liegt signifikant unter der ­Flächenleistung herkömmlicher flächiger Applikation. Können autonom arbeitende Geräte die Arbeitswirtschaftlichkeit der ­Spezialisten verbessern?

Herkömmliche moderne Pflanzenschutztechnik mit möglichst kleinen Teilbreiten oder sogar Einzeldüsenschaltung ist mithilfe von durch Drohnen generierten Unkrautkartierungen (Offline-Technologie) in der Lage, Spotspray mit großer Schlagkraft durchzuführen. Wie groß die Einsparungen bei der zweiten Splittingmaßnahme im Mais sein können, ist in der Abbildung und der Tabelle dargestellt. Attraktiv ist das relativ günstige absätzige Verfahren mit vorgelagertem Drohnenüberflug auch, weil die benötigte Pflanzenschutzmittelmenge vor der Applikation feststeht und somit Restmengen verhindert werden können. Ein Nachteil ist der etwas zeitintensive Vorlauf.

Sogenannte Consumer-Drohnen, zum Beispiel von der Firma DJI, sind relativ günstig zu bekommen. Die mit den Kameras gesammelten Daten können mit unterschiedlicher Software in Applikationskarten umgewandelt werden.

Profi-Modelle wie die Drohne von SAM-Dimension werden inklusive der Analyse-Software und des Services angeboten, sind hoch entwickelt und spezialisiert und daher auch deutlich kostenintensiver. Nach dem Drohnenüberflug müssen die Daten ausgewertet werden. Die Applikation ist dann meist am nächsten Tag möglich.

Ob auch mit Consumer-Drohnen befriedigende oder gute Ergebnisse zu erzielen sind, versucht die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein derzeit unter anderem in Streifenversuchen im Mais zu ergründen.

Kilter und Farming GT sind autonome Einheiten, die hochpräzise Pflanzenschutzmittel ausbringen. Der Farming GT entfernt zusätzlich Unkraut durch autonomes Hacken. Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil (li.), Cord Ladiges 

Geht es online schneller?

Schneller, da ohne vorangegangenen Drohnenüberflug, kann online operierende Technik mit auf dem Gestänge montierten Kameras im Spotsprayverfahren applizieren. Diese Technik eignet sich gut für Lohnunternehmen, die die gleichen Mittel und Mittelkombinationen auf mehreren großen Flächen nacheinander ausbringen müssen, da vor der Überfahrt nicht bekannt ist, wie groß die Einsparung sein wird. Hierdurch können sonst große Restmengen zustande kommen. Darüber hinaus ist die Online-Technik kostspielig und muss daher große Flächenleistungen über das Jahr erbringen.

Consumer-Drohne DJI Mavic 3 (li.) und professionelles Drohnensystem von SAM-Dimension (r.). Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil
Dammann-Truck beim Patchspray auf Basis einer drohnengenerierten Karte. Das Gerät hat am Ende des Gestänges Einzeldüsenschaltung (kleines Bild). Im mittleren Teil betragen die Teilbreiten 3 m. Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil

Reife Spezialleistung – aber auch praktikabel?

Selbst bei 25-cm-Einzeldüsenschaltung ist der kleinste Spot zirka einen Viertelquadratmeter groß. In der Tabelle ist die Beziehung zwischen Spotgröße und Einsparungsmöglichkeit gut zu sehen. Je schmaler der Einzelspot ist, desto größer ist das Potenzial, Pflanzenschutzmittel zu sparen und Boden sowie Kulturpflanze zu schonen. Daher wurden von unterschiedlichen Unternehmen Spezialgeräte mit Einzeldüsenschaltung von 4 bis 10 cm entwickelt. Diese Geräte waren zunächst Spezialisten für einzelne Kulturen wie Grünland, Zwiebeln, Gemüse oder andere Sonderkulturen. Da die Geräte mehr und mehr KI-basiert arbeiten, kommen jedoch immer mehr Kulturen hinzu. Die Geräte ermöglichen eine hohe Selektivität und kleinräumige Applikation. Dennoch bleibt die Flächenleistung aufgrund der erhöhten Präzision, der geringeren Arbeitsbreite und der begrenzten Geschwindigkeiten auf reduziertem Niveau. Der Arbeitszeitaufwand für den Fahrer ist dadurch deutlich erhöht. Beispiele für diese Spezialisten sind der RumboJet880, ein Grünland-Spezialist, der vor allem auf Ampfer spezialisiert ist. Der KI-basierte Rumex RXF900 wurde, wie der Name schon erahnen lässt, zunächst auch für die Ampferbekämpfung entwickelt, wird allerdings für weitere Kulturen trainiert und kann wie der ARA von Ecorobotix mittlerweile auch in Ackerbaukulturen eingesetzt werden. Die Arbeitsbreiten werden zwar immer weiter vergrößert, trotzdem sind diese Spezialisten in der Flächenleistung limitiert.

RumboJet880, Rumex RXF900 und ARA von Ecorobotix (v. li.). Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil, Rumex GmbH, Cord Ladiges

Präzision ganz ohne Fahrer

Seit einigen Jahren wird auch an und mit vollkommen autonom agierenden Geräten gearbeitet. Die hier gezeigten Geräte sind marktreif und bereits teilweise in der Praxis im Einsatz. Der FarmDroid FD20 drillt Zuckerrüben RTK-GPS-gestützt selbstständig aus und bekämpft über die Vegetation kontinuierlich Unkräuter. Anfänglich arbeitete dieses System ausschließlich mechanisch und wurde vor allem im Ökolandbau eingesetzt. Mittlerweile werden Geräte auch mit Spotspray- und Bandapplikationstechnik ausgerüstet, damit die Wirkung noch besser und der Einsatz für den konventionellen Anbau attraktiver wird. Eine Besonderheit des FarmDroid ist, dass das Gerät von externen Energiequellen nahezu unabhängig arbeitet, da ein großes Solarmodul für die Energieversorgung sorgt. Weiterhin ist interessant, dass die Technik gänzlich ohne Kamerasysteme auskommt. Jeder Ablageort der Samen ist im Gerät so genau gespeichert, dass beim Hacken wie beim Spotspray keine Kameraerkennung nötig ist. Appliziert wird nur ein kleiner Spot an der Kulturpflanze oder ein Band in der Reihe. Hierdurch ergeben sich Pflanzenschutzmitteleinsparungen von über 90 % in Zuckerrüben, was sich auch günstig auf Ertrag und Qualität auswirkt. Trotz der sehr geringen Geschwindigkeit von unter 1 km/h schafft das Gerät bis zu 6,5 ha in 24 Stunden.

Der FarmDroid mit Spotsprayeinheit und grünem Abdriftschutz. Farming GT arbeitet KI-gestützt mechanisch und chemisch. Hier ist die Applikationseinheit zu sehen. Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil, Cord Ladiges (r.)

Farming GT ist ebenfalls ein autonomes Hackgerät, das zusätzlich mit Applikationseinheiten bestückt werden kann. Anders als der FarmDroid kommt beim Farming GT moderne KI-gestützte Kameratechnologie zum Einsatz, die Kultur und Unkraut erkennt und unterscheiden kann. Betrieben wird der Farming GT über ein Hybridsystem mit einem effizienten Dieselmotor, der Batterien für die Elektromotoren auflädt. Bei einer Flächenleistung von bis zu 10 ha in 24 Stunden bei zirka 2 km/h verbraucht das Gerät 15 bis 20 l Diesel.

Der Kilter AX1 ist ein Applikationsgerät, das mit einem Totalherbizid wie Pelargonsäure eine sehr exakte Tropfenapplikation auf die Unkräuter durchführt, die eher an einen Tintenstrahldrucker erinnert als an herkömmliche Applikationsdüsen. Wohin die Tropfen appliziert werden, entscheidet eine KI- und kameragestützte Software. Aufgrund der sehr genauen Applikation mit bis zu 6 x 6 mm kleinen Spots, die jegliche Kulturpflanzenteile und auch zum sehr großen Teil die freie Bodenoberfläche ausspart, können Einsparungen von bis zu 95 % erreicht werden. Die tatsächliche Einsparung hängt bei allen genannten Systemen natürlich vom Unkrautdruck auf der Fläche ab. Das Einsatzgebiet ist aktuell vor allem Gemüse in Reihenkulturen. Der Antrieb läuft über ein Benzinaggregat. Die maximale Flächenleistung wird zwar mit 1 ha je Stunde angegeben, im Praxisbetrieb sind es etwa 5 bis 7 ha am Tag.

Der Kilter AX1 ist ein reines autonomes Applikationssystem. An diesem Dummy ist unter Schwarzlicht gut zu erkennen, wie randscharf das Gerät die Tropfen des systemischen Herbizids appliziert. Alle hier gezeigten autonomen Pflanzenschutzgeräte sind Spezialisten, die mit herkömmlicher Pflanzenschutztechnik nicht direkt vergleichbar sind. Sie können aber neben den Pflanzenschutzmitteleinsparungen auch erheblich die Handarbeit in den Kulturen verringern. Foto: Dr. Wolfgang Pfeil

Schöne neue Welt mit neuen Anforderungen

Neben den autonomen Geräten besteht auch die Möglichkeit, herkömmliche Pflanzenschutztechnik durch autonome Zugmaschinen wie den Agxeed fahren zu lassen. Hierdurch kann der hohe Arbeitsaufwand vor allem bei den Spezialgeräten deutlich verringert werden, wodurch auch Kosten eingespart werden können. Für alle autonom fahrenden Geräte gelten besondere Anforderungen, die eingehalten werden müssen. Die Geräte fahren zwar selbstständig, können jedoch rechtlich die Verantwortung nicht übernehmen. Das bedeutet, dass weiterhin der sachkundige Anwender, der das Gerät befüllt und aktiviert, verantwortlich ist. Weiterhin ist bei allen Spotspray-Techniken, ob autonom oder vom Fahrer gesteuert, die Präzision der Applikation genau zu überprüfen. Wenn beispielsweise die GPS- und RTK-GPS-Daten nicht sauber verarbeitet werden oder die Ventilschließzeiten der Spritztechnik nicht kurz genug sind, können die Systeme nicht befriedigend arbeiten. Der Anwender der neuen Techniken benötigt entsprechendes Know-how und die Motivation, sich auch zeitintensiv mit der Materie zu beschäftigen. Während die Geräte fahren und applizieren, muss ein sachkundiger Anwender in Reichweite sein, um eventuelle Probleme beheben zu können. Weitere rechtliche Einschränkungen sind je nach Anwendungsgebiet vom sachkundigen Anwender in Erfahrung zu bringen und einzuhalten.

Das Julius-Kühn-Institut hat im Juni eine neue Richtlinie zur Prüfung der sich rasant entwickelnden Technik veröffentlicht. In der Richtlinie 1-1.8 „Anforderungen an autonom fahrende Applikationssysteme (AAS)“ werden Prüfkriterien zur Einhaltung der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz formuliert. Bei autonomer Betriebsart muss das Gerät selbsttätig die Einhaltung von Betriebs- und Umweltparametern überwachen und die Parameter an die externe Bedienperson übermitteln. Weiterhin muss diese eine funktionsfähige Fernsteuerung zur Überwachung bereithalten.

Fazit

Unterschiedlichste Hersteller haben effiziente Geräte für viele Einsatzgebiete auf den Markt gebracht. Hier wird natürlich nur ein Teil besprochen.

Alle Geräte sind je nach Kultur und Maßnahme in der Lage, Pflanzenschutzmittel einzusparen.

Der Verzicht auf ganzflächige Applikationen ist aktuell im konventionellen Anbau noch nicht vollständig realisierbar. Bei Nachbehandlungen sind jedoch große Einsparungen möglich.

Autonome Zugmaschinen können die Arbeitsstunden auf dem Traktor reduzieren und damit die Effizienz der Spezialgeräte erhöhen. Die Arbeit wird sich nun hauptsächlich auf die Justierung und Kontrolle der Geräte konzentrieren.

Ob große Feldspritzen mit Online- oder Offline-Technologie, gesteuerte oder autonome Pflanzenschutzspezialisten – der sachkundige Anwender muss sich intensiv mit den konkreten Einstellungen seiner Technik beschäftigen und die Applikationsgenauigkeit immer im Auge behalten.

Auch autonome Geräte brauchen ein Mindestmaß an Beaufsichtigung. Der sachkundige Anwender und Verfügungsberechtigte übernimmt die Verantwortung.

JKI-Richtlinie 1-1.8:
https://tinyurl.com/588hhyj4

3,00 €/l für Diesel bald Realität?

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Die Lage am Rohölmarkt hat sich im Laufe der vorigen Woche weiter verschärft. Der Weltmarktpreis für Rohöl erreichte zu Wochenbeginn knapp die 106 US-$/bbl und war damit so hoch wie zuletzt im Mai dieses Jahres. So preisen die Märkte nun ein, dass der Konflikt im Nahen Osten länger dauern wird und die weltweite Ölversorgung doch massiver beeinträchtigt werden könnte als bisher angenommen. Denn parallel zu der weiterhin stark eingeschränkten Passage durch die Straße von Hormus im Persischen Golf verschärft sich nun auch die Lage im Roten Meer deutlich. Hier haben die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien angegriffen und beschädigt. Diese Pipeline kann bis zu 7 Mio. bbl pro Tag aus dem Osten des Landes an den am Roten Meer gelegenen Hafen Yanbu transportieren. Somit kann Saudi-Arabien 70 bis 80 % seiner Rohölexporte über diese Pipeline zum Roten Meer transportieren und damit die Straße von Hormus umgehen. Nun aber ist diese Pipeline vorübergehend ausgeschaltet. Zusätzlich haben die Huthis die gesamte jemenitische Küste erobert und kontrollieren somit nun auch die Meer­enge von Bab al-Mandab, den für den Welthandel so wichtigen Ausgang des Roten Meeres. Damit bleibt den Saudis nur noch der Export über den Suez-Kanal, wenn die Pipeline wieder in Betrieb ist. Ein riesiger und kostenintensiver Umweg für die Exporte nach Asien.

Diesel von Rohöl abgekoppelt

Die Dieselpreise an den Tankstellen klettern aktuell immer weiter nach oben. Inzwischen sind die Preise für Diesel an der Börse auf einem Rekordhoch, das mit 1.500 US-$/t sogar noch weit über dem bisherigen Allzeithoch vom März 2022 liegt. Rohöl hingegen hat das Niveau von Anfang 2022 noch lange nicht erreicht.

Der Grund für diese Abkoppelung des Dieselpreises vom Rohölpreis hat mehrere Gründe. In erster Linie sind es die weltweit knapp gewordenen Raffineriekapazitäten. Allein in Russland ist derzeit ungefähr die Hälfte der dortigen Raffineriekapazitäten außer Betrieb. Entsprechend exportiert Russland derzeit überhaupt keinen Diesel und kein Gasöl. Gasöl ist die Vorstufe von Diesel beziehungsweise Heizöl. Allein dadurch fehlen dem Weltmarkt aktuell zirka 0,5 Mio. bbl pro Tag. Auch die Golfregion, besonders aber Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait haben zu „normalen“ Zeiten bis zu 1 Mio. bbl pro Tag exportiert. Durch die Sperrung der Straße von Hormus kommt jetzt ein großer Teil dieser Mengen nicht aus dem Persischen Golf heraus. Für Europa wird dadurch Indien als drittgrößter Exporteur nach den USA und Russland besonders wichtig. Diese Schiffe müssen aber durch das Rote Meer, um nach Europa zu gelangen. Und genau das steht durch die Angriffe der Huthis dort derzeit auf der Kippe. Die Alternative für den Welthandel führt einmal um Afrika herum – mit entsprechenden Konsequenzen für die Höhe der Frachtraten.

Hiesige Raffinerien profitieren

Immer wenn eine Ware knapp ist, lässt sich damit sehr viel Geld verdienen. So ist es aktuell auch mit dem Diesel. Die hiesigen Raffinerien brauchen keine billige Konkurrenz aus Russland et cetera zu fürchten und können ihre Margen erheblich ausbauen. Während die Raffinerien im vorigen Jahr noch zu zirka 80 % ausgelastet waren, wird jetzt Volllast gefahren, um auch an den hohen Margen im Dieselexport zu verdienen. Die Exportquote liegt aktuell bei zirka 40 %, im Vergleich zu 29 % im Vorjahr. Eine Entspannung der aktuellen Lage ist derzeit kaum in Sicht, auch wenn es aktuell wieder erste Anzeichen einer iranischen Verhandlungsbereitschaft gibt. Da die weltweiten Vorräte nahezu aufgebraucht sind, werden die Dieselpreise weitersteigen. Die 3-€-Marke für Diesel an den Tankstellen wird somit schon in Kürze Realität, mit entsprechend drastischen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft, wenn die Regierung nicht vorher gegensteuert. 

„Resilienz“ ist der zweite Vorname der Landwirte

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14 Stunden Stromausfall. Das war an einem Sonntag im Juli der Fall, in einem kleinen Dorf im Kreis Steinburg – meinem Wohnort. Ein uraltes Kabel hatte Erdschluss. Die Techniker waren schnell vor Ort, das Hauptpumpwerk der Abwasseranlage wurde mittels Güllewagen geleert. Auch die Menschen hätten in solch einem Fall schnell den Kanal voll, erklärte Oberst a. D. Ralph Thiele auf dem Forum Milch in Schwerte (siehe Seite 14). Seine Befürchtung: Nach drei Stunden würden die Menschen aggressiv werden, nach drei Tagen begännen erste Plünderungen.

Aus dem Materialversagen in meinem Dorf wurde kein Organisationsversagen. Der Bürgermeister war den ganzen Tag vor Ort, löste die Probleme, kommunizierte schnell und transparent. Doch was ist, wenn Politikversagen zur Katastrophe führt? Aus „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“ wurde in der Ukraine „Es ist Krieg, und wenige kommen zurück“. Seit dem Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig ist auch Deutschland nicht mehr im Frieden.

Schleswig-Holstein gilt als Aufmarschgebiet, sollte es im Osten eskalieren. Ältere Landwirte kennen noch militärische Übungen, bei denen Panzer Flurschäden verursachten und Soldaten Schützengräben aushoben. Lange her und doch bald wieder Alltag? Was es im Krisenfall braucht, ist Resilienz, Widerstandskraft. Im Großen und Ganzen hat die Gesellschaft verlernt, mit Extrembelastungen umzugehen. Doch der ländliche Raum kann Dinge, von denen man träumt in den Großstädten. 2021 im Ahrtal, 2023 bei der Ostsee-Sturmflut und 2026 im Hürtgenwald haben Landwirte bewiesen: „Resilienz“ ist der zweite Vorname unserer Bäuerinnen und Bauern.

Der Verein Agrill startete in diesem Jahr einen bundesweiten Ernte-Agrill mit dem Schwerpunkt Ernährungssicherung. Eine Veranstaltung am 18. August auf Gut Farve zeigte, wie präsent das Thema auf dem Land ist. „Wasser, Nahrung, Wohnen“ seien existenzielle Bedürfnisse, die gesichert sein müssten, erklärte Schleswig-Holsteins Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht in Schwerte. Aber wirksam helfen und Verantwortung übernehmen kann nur, wer die Instrumente dazu in der Hand hat. Seien es das Notstromaggregat, der Trecker mit Allrad und Frontlader, regional verfügbare Lebensmittel – vor allem aber Menschen, die belastbar sind und wissen, was sie tun.

Nach der Friedensdividende kommt die Resilienzdividende. Hoffentlich müssen wir sie nicht einfordern. Aber wenn doch, wird sich zeigen, dass jede Investition in die Widerstandsfähigkeit der Regionen und der Menschen lohnenswert war.

„Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit“, sagte Kurt Schumacher, Gründungsvater der SPD. Der CDU-Europaabgeordnete Niclas Herbst (siehe Seite 12) und die CDU-Landtagsabgeordnete Rixa Kleinschmit (kommende Ausgabe oder jetzt schon im Digitalabo) machen deutlich, dass die Politik begriffen hat: Die heimische Landwirtschaft ist ein unersetzbarer Teil der kritischen Infrastruktur.

Was fehlt, ist die Umsetzung. Will die Politik die Resilienzdividende in der Europäischen Agrarpolitik ebenso wie auf Bundes- und Landesebene gewinnen, muss heute investiert werden: Geld. Und Vertrauen. So brauchen Landwirte deutlich mehr Beinfreiheit. Erhalten und stärken wir die Betriebe. Sonst wird es nicht nur teuer, sondern existenziell.

Photovoltaik im Post-EEG-Zeitalter

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Mit dem schrittweisen Auslaufen des Vergütungszeitraums ihrer PV-Anlagen stehen viele landwirtschaftliche Betriebe vor tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen und Entscheidungen. Während der Betrieb dieser Anlagen bislang durch garantierte Einspeisevergütungen wirtschaftlich attraktiv war, verändert sich die Situation nach dem Auslaufen der Förderung erheblich.

Für viele Betriebe bedeutet dies einen Wechsel vom bisherigen Geschäftsmodell der Stromeinspeisung hin zu einer möglichst effizienten Eigennutzung des erzeugten Solarstroms. Während ältere Photovoltaikanlagen noch Vergütungen von mehr als 40 ct/kWh erhielten, liegt der erzielbare Marktwert nach dem Ende der EEG-Förderung häufig nur noch zwischen 3 und 8 ct/kWh. Angesichts gleichzeitig deutlich gestiegener Strombezugskosten verliert die Einspeisung damit erheblich an wirtschaftlicher Bedeutung.

Nicht nur die Module zählen: Auch Wechselrichter und weitere technische Komponenten sollten bei älteren Photovoltaikanlagen überprüft werden.

Eigenverbrauch wird wichtiger

Gleichzeitig eröffnet diese Entwicklung neue Möglichkeiten. Jede Kilowattstunde, die im eigenen Betrieb genutzt werden kann, ersetzt teuren Netzstrom und erzielt damit einen deutlich höheren wirtschaftlichen Nutzen als die Einspeisung. Gerade landwirtschaftliche Betriebe verfügen häufig über zahlreiche Verbraucher, die sich gut mit der Stromerzeugung einer Photovoltaikanlage kombinieren lassen. Dadurch bestehen vielfach gute Voraussetzungen, den Eigenverbrauch deutlich zu erhöhen und die Energiekosten nachhaltig zu senken. Zudem wird spätestens ab diesem Zeitpunkt die Nutzung elektrischer Verbraucher, beispielsweise von Hofladern, in der Innenwirtschaft sehr interessant.

Neben dem direkten Eigenverbrauch gewinnen Batteriespeicher zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen es, überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern und auch außerhalb der Erzeugungszeiten zu nutzen. Dennoch sollte die Dimensionierung sorgfältig erfolgen. Überdimensionierte Batteriespeicher erreichen oftmals zu wenige Vollzyklen pro Jahr und sind wirtschaftlich nicht sinnvoll. Entscheidend ist vielmehr eine an den tatsächlichen Lastprofilen orientierte Auslegung, die auf den Stromverbrauch und die verfügbaren PV-Überschüsse abgestimmt wird. Ebenso wichtig wird künftig ein intelligentes Lastmanagement sein. Viele betriebliche Prozesse lassen sich so steuern, dass sie bevorzugt Zeiten mit hoher Solarstromerzeugung nutzen. Diese Maßnahmen erhöhen den Eigenverbrauch oftmals kostengünstiger als der Bau zusätzlicher Speicherkapazitäten.

Repowering als Alternative

Für viele ältere Photovoltaikanlagen stellt sich darüber hinaus die Frage nach einem Repowering. Moderne Solarmodule erreichen deutlich höhere Leistungen als die vor über zwanzig Jahren installierten Systeme. Durch den Austausch alter Module und Wechselrichter lässt sich die vorhandene Dachfläche wesentlich effizienter nutzen. Gleichzeitig sollte der technische Zustand bestehender Anlagen überprüft werden. Module, Wechselrichter, Unterkonstruktionen und elektrische Schutzsysteme sollten nach jahrzehntelangem Betrieb einer umfassenden technischen Bewertung unterzogen werden, um einen sicheren und wirtschaftlichen Weiterbetrieb zu gewährleisten.

Neben der Wirtschaftlichkeit gewinnt zunehmend auch die Versorgungssicherheit an Bedeutung. Insbesondere Betriebe mit Kühlhäusern, Tierhaltung oder empfindlichen Produktionsprozessen können von einem schwarzstartfähigen Batteriespeicher profitieren. Im Falle eines Stromausfalls ermöglicht dieser den Aufbau eines eigenen Inselnetzes und die Versorgung kritischer Verbraucher wie Kühlanlagen, Lüftung oder Steuerungstechnik. Häufig ist dabei eine gezielte Ersatzstromversorgung ausgewählter Verbraucher wirtschaftlicher als die vollständige Notstromversorgung des gesamten Betriebs.

Betrieb individuell betrachten

Vor diesem Hintergrund ist eine unabhängige technische und wirtschaftliche Beratung sinnvoll. Die optimale Strategie nach dem Ende der EEG-Förderung hängt von zahlreichen betriebsspezifischen Faktoren ab: dem Stromverbrauch, den Lastprofilen, dem technischen Zustand der Photovoltaikanlage sowie den zukünftigen Investitionszielen. Eine fundierte Analyse kann aufzeigen, ob der Weiterbetrieb der Anlage, die Ergänzung um einen Batteriespeicher, ein Repowering oder eine Kombination verschiedener Maßnahmen die wirtschaftlich sinnvollste Lösung darstellt.