Start Blog

Bedarfe und Standortbedingungen ausschlaggebend

0

Die Stickstoffdüngung der Wintergetreidebestände hat maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklungs- und Ertragsbildungsprozesse der Kulturen und ist darüber hinaus auch bedeutend für die Anfälligkeit gegenüber Blattkrankheiten sowie für die Lageranfälligkeit der Bestände. Entsprechend erfordert eine bedarfsgerechte Düngung neben dem Fingerspitzengefühl bei der Einschätzung der eigenen Flächen auch die Voraussicht, die Potenziale und Risiken der aktuellen und der kommenden Vegetationsperiode richtig einzuordnen. Welches Vorgehen unter den gegebenen Bedingungen zweckmäßig ist, soll im Folgenden dargestellt werden.

Der Herbst 2025 war in Schleswig-Holstein durch eine ausgeprägte regionale Heterogenität der Witterungsbedingungen gekennzeichnet, die sich unmittelbar auf die Herbstbestellung und die Etablierung der Wintergetreidebestände auswirkte. Während im September noch überwiegend vergleichsweise trockene Bedingungen vorherrschten, war der Zeitraum ab Oktober durch eine deutliche Zunahme der Niederschläge und eine insgesamt instabile Witterung geprägt. Insbesondere an den westlichen Küstenstandorten traten im Oktober und November sehr hohe Niederschlagssummen auf, die sowohl die Befahrbarkeit der Flächen als auch die termingerechte Aussaat erheblich einschränkten. In der Folge kam es dort vielfach zu verzögertem Auflaufen sowie zu einer eingeschränkten Jugendentwicklung der Bestände.

Auf den leichteren ­Standorten der Geest sowie in den östlich gelegenen Regionen des Landes konnten die Wintergetreidebestände die erhöhten Niederschläge ab Oktober insgesamt besser kompensieren. Dennoch weisen auch hier später gesäte Bestände im Vergleich zu mehrjährigen Mittelwerten eine deutlich geringere Bestandesentwicklung auf. In den Monaten Dezember und Januar lagen die Niederschlagsmengen unter dem langjährigen Mittel. Gleichzeitig führten das Einsetzen der Vegetationsruhe, winterliche Temperaturverhältnisse sowie zeitweise Schneebedeckung im Winter 2025/2026 dazu, dass während der Wintermonate keine weitere Bestandesentwicklung stattfand.

Aktuelle Nmin-Werte

Um das standort- und bestandesangepasste Maß der Stickstoffdüngung festzulegen, ist sowohl im Rahmen der Düngebedarfsermittlung (DBE) als auch bei der Planung der einzelnen N-Gaben eine fundierte Kenntnis der aktuellen Nmin-Gehalte im Boden erforderlich. Die durch den Nitratmessdienst der Landwirtschaftskammer ermittelten durchschnittlichen Nmin-Werte für die einzelnen Naturräume, jeweils gemittelt über unterschiedliche Vorfrucht-Nachfrucht-Kombinationen (siehe Nitratmessdienst, Bauernblatt 6/2026), liegen mit 43 kg N/ha im Östlichen Hügelland sowie 25 kg N/ha in der Geest sowohl über den Vorjahreswerten als auch über dem langjährigen Mittel. Für die Marschstandorte bewegen sich die Nmin-Gehalte mit rund 50 kg N/ha etwa auf dem langjährigen Niveau. Diese Befunde lassen sich vor dem Hintergrund der im Dezember und Januar überwiegend unterdurchschnittlichen Niederschläge erklären, da unter diesen Bedingungen von einer reduzierten Nitratauswaschung auszugehen ist. Die vom Nitratmessdienst bereitgestellten Werte sind eine geeignete Grundlage für eine düngerechtskonforme Düngebedarfsermittlung. Aus fachlicher Sicht ist es jedoch weiterhin anzustreben, schlagspezifische eigene Nmin-Untersuchungen durchzuführen, um betriebs- und standortspezifische Unterschiede gezielt in der Düngestrategie berücksichtigen zu können. Die aktuell vorliegenden Smin-Gehalte bewegen sich ebenfalls auf einem überdurchschnittlichen Niveau.

Winterroggen zeigt bereits früh im Vegetationsverlauf eine hohe Stickstoffaufnahme. Die Ausgestaltung der Startgabe ist daher von zentraler Bedeutung für die weitere Bestandesentwicklung.

Bestände sorgfältig beurteilen

Für die Entscheidung, wie die Andüngung erfolgen soll, ist zunächst der eigene Bestand richtig anzusprechen. Um hier insbesondere potenzielle Auswinterungsschäden von Staunässeproblemen unterscheiden zu können, ist eine kurze Spatenprobe sinnvoll. Gleichzeitig lässt sich in allen Beständen, unabhängig von ihrem optischen Zustand, die Wurzelentwicklung beurteilen. Weiße Wurzeln und Wurzelspitzen deuten auf Aktivität hin, woraus sich Entwicklung und Wachstum ableiten lassen. Das ist die Voraussetzung für eine effektive Nährstoffaufnahme. Zudem muss die Regenerationsfähigkeit von ausgedünnten Beständen abgeschätzt werden. Gerade für grenzwertige Beständen, die eine zu geringe und ungleichmäßige Pflanzen- und Triebzahl aufweisen, ist es sinnvoll, einen Umbruch mit nachfolgender Ansaat einer Sommerung in Betracht zu ziehen. Gerade in diesem Frühjahr dürfte für einige sehr stark ausgedünnte Bestände infolge von Nässe und regionalem Kahlfrost im Januar die Entscheidung über Umbruch oder Weiterführung relevant sein.

Düngebedarf gezielt ermitteln

Vor der Durchführung der ersten Düngungsmaßnahme ist verpflichtend eine schriftliche DBE für Stickstoff und Phosphat gemäß den Vorgaben der Düngeverordnung (DÜV) durchzuführen. Auf Grundlage dieser Berechnung ergeben sich die maximal zulässigen Düngebedarfswerte, die beispielhaft für die Kulturen Wintergerste, Winterweizen und Winterroggen in Tabelle 1 für Stickstoff dargestellt sind. Die im Rahmen der DBE ermittelten Werte sind als rechtlich bindende Obergrenzen der N-Düngung zu verstehen und dürfen nicht überschritten werden. Zudem ist die schriftliche DBE über einen Zeitraum von sieben Jahren aufzubewahren. Das Vorgehen zur Erstellung der DBE sowie weiterführende Hinweise zur rechtssicheren Umsetzung wurden bereits in vorangegangenen Ausgaben ausführlich beschrieben und sind auch auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein unter folgendem Link abrufbar: https://t1p.de/natsu

Nährstoffform mit Bedacht wählen

Auf vielen Betrieben stellt sich die Frage nach der Nährstoffform des einzusetzenden Stickstoffdüngers in der Praxis häufig nicht mehr, da die Düngemittel bereits im Vorfeld der Saison beschafft wurden. In der Regel ist Harnstoff die kostengünstigste Stickstoffquelle, während Kalkammonsalpeter (KAS), auch in Kombination mit weiteren Nährstoffen wie Schwefel, oftmals mit höheren Kosten verbunden ist. Dennoch unterscheiden sich diese Düngemittel hinsichtlich ihrer Wirkungsweise und -geschwindigkeit deutlich. Applizierter Harnstoff muss zunächst im Boden zu Ammonium hydrolysiert werden, wobei Ammonium im Vergleich zu Nitrat eine geringere Mobilität im Boden aufweist. Bei der Anwendung von KAS kann hingegen aufgrund des enthaltenen Nitratanteils von einer schnelleren pflanzenverfügbaren Wirkung ausgegangen werden, insbesondere unter kühlen Witterungsbedingungen.

Vor diesem Hintergrund sollten schwach entwickelte Bestände, vor allem wenn der Zeitpunkt der ersten Düngungsmaßnahme näher an den Beginn des Schossens heranrückt, zumindest anteilig mit nitratbasierten Düngern versorgt werden, um das Risiko weiterer Triebverluste zu reduzieren. Unabhängig davon ist zu berücksichtigen, dass auch mit sehr hohen Startgaben keine zusätzlichen Triebe „an die Pflanze herangedüngt“ werden können, da die Triebzahl maßgeblich von der im Herbst und Winter akkumulierten Temperatursumme in der vegetativen Entwicklungsphase abhängt. Ein günstiger Nährstoffstatus kann lediglich die Ausbildung und Erhaltung bereits angelegter Nebentriebe unterstützen. Entsprechend können zu hohe Stickstoffgaben zu Vegetationsbeginn, insbesondere in bereits dichteren Beständen, auch nachteilig wirken, wenn die natürliche Seitentriebreduktion nicht ausreichend abläuft. Ergänzend ist sicherzustellen, dass die standortspezifisch optimalen Gehaltsklassen der Grundnährstoffe Magnesium, Kalium und Phosphor sowie eine bedarfsgerechte Kalkversorgung (Kalzium und pH-Wert) eingehalten werden. Nur bei einer ausgewogenen Versorgung mit diesen Nährstoffen ist eine effiziente Stickstoffaufnahme möglich, die sowohl Ertrags- als auch Qualitätszielen gerecht werden kann.

Die N-Düngung im Detail

Nachdem im Rahmen der DBE die maximal zulässige Höhe der Stickstoffdüngung für die jeweilige Kultur festgelegt wurde, richtet sich der Fokus in der praktischen Umsetzung auf die Auswahl der verfügbaren Düngemittel sowie deren zeitliche und mengenmäßige Aufteilung. Beispiele für eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung und mögliche Gabenaufteilungen sind in Tabelle 2 dargestellt. Unabhängig von diesen beispielhaften Darstellungen ist es jedoch erforderlich, die Düngung kontinuierlich an die jeweiligen schlagspezifischen Bedingungen, die Bestandesentwicklung sowie den Verlauf der aktuellen Vegetationsperiode anzupassen. Insbesondere Unterschiede in der Bestandesentwicklung nach dem Winter können Abschläge bei sehr stark entwickelten Beständen oder Zuschläge bei dünnen, schwach entwickelten Beständen in der ersten Stickstoffgabe erforderlich machen. Diese Anpassungen sind in der weiteren Düngestrategie entsprechend zu berücksichtigen. Trotz der in diesem Jahr insgesamt vergleichsweise hohen Smin-Gehalte sollte zur Vermeidung möglicher Versorgungslücken und zur Sicherstellung einer hohen Stickstoffeffizienz mit der ersten Stickstoffgabe grundsätzlich eine Schwefelgabe von etwa 20 kg S/ha kombiniert werden. Dies kann beispielsweise im Rahmen einer ersten Teilgabe (1a) über ASS oder SSA erfolgen, alternativ auch über eine separate Schwefelgabe, etwa in Form von Kieserit oder anteilig Korn-Kali.

Abhängigkeiten bei Winterweizen

Für Winterweizen ist in Abhängigkeit von Saatzeitpunkt und Bestandesentwicklung zu prüfen, inwieweit vorhandene Entwicklungsrückstände im Frühjahr noch kompensiert werden können. Grundsätzlich hat sich in den vergangenen Jahren eine Dreigabenstrategie bewährt. Während mit den ersten beiden Stickstoffgaben zur Bestockung und zum Schossen vorrangig der Ertragsaufbau angestrebt wird, zielt diese Strategie darauf ab, je nach Sorte und Standort etwa 500 bis 600 Ähren tragende Halme je Quadratmeter zu etablieren. Die dritte Stickstoffgabe erfolgt in der Regel zum Erscheinen des Fahnenblattes bis zum Beginn des Ährenschiebens und ist dabei weniger ertragswirksam. Vielmehr dient sie der Steuerung der Proteinkonzentration im Korn und stellt somit einen Kompromiss zwischen Ertragsbildung und Qualitätsabsicherung dar. Insbesondere in Jahren mit zunehmender Frühjahrstrockenheit kann die Wirksamkeit später Stickstoffgaben jedoch eingeschränkt sein, was aus Sicht des Gewässerschutzes ebenso wie aus ökonomischer Sicht als ungünstig zu bewerten ist. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung über Höhe und Ausgestaltung der dritten Gabe stets im Zusammenhang mit der aktuellen und absehbaren Bodenwasserversorgung zu treffen. Aufgrund der aktuellen Marktsituation, die für die Ernte 2026 voraussichtlich keine deutlichen Preisaufschläge für hohe Qualitäten erwarten lässt, erscheint eine stark qualitätsbetonte Düngestrategie mit einem Anteil von über 30 % der Gesamtstickstoffmenge in der späten Gabe nur bei Sorten sinnvoll, die sicher hohe Proteingehalte erreichen und zugleich eine stabile Fallzahl aufweisen. Darüber hinaus zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass die zeitliche Platzierung der einzelnen Teilgaben nicht starr an festgelegten Entwicklungsstadien auszurichten ist, sondern stets mit Blick auf die aktuelle Bestandesentwicklung sowie die vorhandene und zu erwartende Bodenfeuchte flexibel angepasst werden sollte.

Zwei Teilgaben für Wintergerste

Die Stickstoffdüngung der Wintergerste erfolgt in der Regel in zwei Teilgaben. Dies ist zum einen auf die im Vergleich zum Winterweizen deutlich schnellere Entwicklung der Kultur zurückzuführen, zum anderen darauf, dass bei Wintergerste keine gezielte Maximierung der Proteingehalte angestrebt wird. Ein wesentlicher Teil der Ertragsanlage erfolgt bereits im Herbst, sodass die Kompensationsmöglichkeiten im Frühjahr bei schwach entwickelten Beständen begrenzt sind. Vor diesem Hintergrund ist in schwach entwickelten Beständen eine deutlich startbetonte erste Stickstoffgabe erforderlich, um auch schwächere Triebe in die Ertragsbildung einzubeziehen. Die zweite Gabe dient anschließend der weiteren Absicherung des Ertragsaufbaus und kann je nach Bestandesentwicklung und Standortbedingungen zugleich die Abschlussgabe darstellen. Eine Anpassung der Gabenhöhe ist dabei stets in Abhängigkeit von der Bestandesdichte, der Wüchsigkeit sowie der aktuellen Witterung vorzunehmen.

Strategie für Winterroggen und -triticale

Für Winterroggen wird analog zur Wintergerste in der Regel eine Zweigabenstrategie empfohlen, da diese Kultur bereits früh im Vegetationsverlauf eine hohe Stickstoffaufnahme zeigt. Entsprechend sollte insbesondere die Startgabe ausreichend betont werden, um die frühe Nährstoffaufnahme sicherzustellen. Die zweite Teilgabe sollte zeitnah zum Beginn des Schossens zur Verfügung stehen, um die weitere Ertragsbildung abzusichern.

In Wintertriticale kann ebenfalls eine Zweigabenstrategie, vergleichbar mit der Vorgehensweise bei Wintergerste und Winterroggen, angewendet werden. Insbesondere auf ertragsstärkeren Standorten kann es jedoch sinnvoll sein, die zweite Gabe aufzuteilen und einen Teil des Stickstoffs in das beginnende Schossen hinein zu verlagern. Dadurch kann einer zu hohen Bestandesdichte vorgebeugt und das Lagerrisiko reduziert werden. Die Wahl der geeigneten Strategie sollte stets unter Berücksichtigung der standortspezifischen Bedingungen sowie der vorherrschenden und zu erwartenden Witterung erfolgen.

Bedeutung der organischen Düngung

In vielen Betrieben kommen im Frühjahr organische Düngemittel wie Gülle oder Gärreste zum Einsatz, deren sachgerechte Integration in die Stickstoffdüngung von Wintergetreide eine besondere Bedeutung besitzt. Seit dem Jahr 2025 ist dabei eine streifenförmige und bodennahe Ausbringung verpflichtend. Für eine präzise Planung der Düngergaben sollten möglichst aktuelle und betriebseigene Nährstoffanalysen der eingesetzten Wirtschaftsdünger herangezogen werden, um die enthaltenen Nährstoffmengen realistisch bewerten und korrekt anrechnen zu können.

Ein möglichst früher Ausbringungstermin nach Ablauf der Sperrfrist ist aus fachlicher Sicht anzustreben, um eine hohe Stickstoffausnutzung sicherzustellen und gasförmige Verluste zu minimieren. Obwohl organische Düngemittel in der Regel Schwefel enthalten, liegt dieser überwiegend in organisch gebundener Form vor und steht den Pflanzen erst im späteren Vegetationsverlauf zur Verfügung. Entsprechend ist in den meisten Fällen eine ergänzende mineralische Schwefeldüngung erforderlich. Wird Gülle durch Ansäuerung mit Schwefelsäure behandelt, kann auf eine zusätzliche mineralische Schwefelgabe verzichtet werden. Gleichzeitig ist in diesen Fällen von einer erhöhten Stickstoffwirksamkeit der organischen Düngung auszugehen, was in der weiteren Düngungsplanung zu berücksichtigen ist.

Fazit

Die Stickstoffdüngung stellt weiterhin eine zentrale Stellgröße dar, um Ertrag und Qualität im Wintergetreide in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Gleichzeitig beeinflusst sie maßgeblich die Standfestigkeit der Bestände sowie deren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und steht darüber hinaus im Fokus umweltfachlicher Anforderungen. Vor dem Hintergrund gestiegener Kosten für Stickstoffdüngemittel bei zugleich verhaltenen Preisaussichten für Getreide gewinnt ein effizienter und bedarfsgerechter Einsatz von Nährstoffen zusätzlich an Bedeutung. Angesichts der in diesem Jahr regional teils schwächer entwickelten Bestände können leicht angehobene Startgaben fachlich sinnvoll sein, müssen jedoch im weiteren Verlauf der Vegetationsperiode entsprechend berücksichtigt und ausgeglichen werden. Unabhängig davon bleiben eine standortangepasste Düngestrategie, die Berücksichtigung der aktuellen Bestandesentwicklung sowie eine sichere Versorgung mit Grund- und Spurennährstoffen wesentliche Voraussetzungen für eine hohe Stickstoffeffizienz und eine stabile Ertragsbildung.

Rindermast in verschiedenen Haltungssystemen

0

Trotz der derzeit hohen Rindfleischpreise und vergleichsweise guter Wirtschaftlichkeit steht die Rindermast weiterhin vor ­Herausforderungen. Das Innovationsnetzwerk „InnoRind“ hat unterschiedliche Mast- und Haltungssysteme unter Praxisbedingungen untersucht und bewertet – mit Blick auf Tierwohl, Umweltwirkungen, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche ­Akzeptanz.

Die gesellschaftliche Debatte um Haltung, Eingriffe am Tier und Umweltwirkungen wächst. „InnoRind“ setzt hier an: Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die Betrieben wirtschaftliche Perspektiven bieten und gleichzeitig die Erwartungen von Verbrauchern erfüllen.

Weide und Außenklima überzeugen

Die Befragungen im Projekt zeigen ein klares Bild: Systeme mit Weidegang werden besonders positiv bewertet. 86 % der Befragten finden Weide im Sommer und Stall im Winter akzeptabel, 60 % wären bereit, dafür mehr zu bezahlen. Außenbuchten mit Stroh und Auslauf gelten für viele als eine gute Kompromisslösung zwischen Weide und intensiver Stallmast. Dagegen wird geschlossene Stallhaltung auf Spaltenböden – selbst mit Verbesserungen wie Gummimatten – gesellschaftlich deutlich kritischer gesehen.

Das Angebot von Futterhecken wurde durch die Tiere ausgiebig angenommen. Foto: Thünen-Institut

Weidebasierte Ochsenmast

Am Thünen-Institut für ökologischen Landbau in Trenthorst wurde die weidebasierte Ochsenmast mit Deutschen Holsteins erprobt. Die Tiere wurden mit etwa vier Monaten unter Betäubung kastriert und durchliefen zwei Sommerweideperioden mit einer dazwischenliegenden Winterstallhaltung auf Stroh. Die mittleren täglichen Zunahmen lagen im Mittel bei 900 g und das Schlachtalter zwischen 19 und 22 Monaten. Vorteil des Systems: Weidehaltung ist stark akzeptiert, nutzt Dauergrünland und bietet Vermarktungschancen über Qualitäts- und Regionalprogramme. Wichtig sind jedoch ein gutes Parasitenmanagement und ausreichende Weideflächen.

Die Uckermärker nutzen die Zweiflächenbucht gut aus. Foto: ATB Potsdam

Mehr Tierwohl mit Außenklimareiz

In Groß Kreutz wurde durch LVAT (Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung e. V.) und ATB (Leibniz-Innovationshof für nachhaltige Bioökonomie) ein Außenbuchtsystem als Zweiflächenbucht getestet: ein planbefestigter Fress- und Laufbereich, kombiniert mit einem eingestreuten Liegebereich. Der Außenklimareiz wirkte sich positiv auf die Tiergesundheit aus – unter anderem traten in der Außenbucht weniger Atemwegserkrankungen auf. Gleichzeitig lagen Zunahmen und Schlachtleistungen auf dem Niveau konventioneller Stallhaltung. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch (75 % bewerten das System als akzeptabel). Wirtschaftlich sind zusätzliche Erlöse möglich, wenn das System in höhere Haltungsstufen eingeordnet wird – allerdings steigen Arbeitsaufwand und Kosten für Einstreu, Entmistung und gegebenenfalls Neubau.

Der Strohbereich lädt zum Liegen und zu sozialer Interaktion ein. Foto: ATB Potsdam

Stallhaltung mit Verbesserungen

Im Projekt wurden auch Optimierungen bestehender Spaltenbodenställe untersucht – etwa durch Gummibeläge, Trogtränken oder Ventilatoren. Technisch können solche Maßnahmen das Tierwohl verbessern: weniger Integumentschäden, bessere Wasseraufnahme und geringere Hitzebelastung. Gleichzeitig bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz niedrig: In den Befragungen fanden nur 13 % dieses System akzeptabel, und nur 5 % würden dafür mehr bezahlen. Wer in diesem Bereich investiert, sollte daher die Kommunikation über Verbesserungen des Tierwohls und realistische Preiswirkungen aktiv mitdenken.

Fazit

Der „InnoRind“-Leitfaden macht deutlich, dass zukunftsfähige Mastrindersysteme möglich sind – besonders dort, wo Tierwohl sichtbar verbessert wird und Systeme nachvollziehbar kommuniziert werden. Weidebasierte Ochsenmast und Außenbuchten schneiden in der Akzeptanz wie in der Praxis gut ab. Für viele Betriebe dürfte die Außenbucht ein praxistauglicher Zwischenschritt sein, wenn Weideflächen fehlen. Entscheidend bleibt: Haltungssystem und Management müssen zusammenpassen – und das System muss sich auch vermarkten lassen.


Erfolgsfaktoren bei der Umstellung

Akzeptanz und Vermarktung früh mitdenken: Weide- und Außenklimasysteme bieten die besten Chancen für Mehrerlöse.

Arbeitswirtschaft realistisch kalkulieren: Außenbuchten können Aufwand für Einstreu, Entmistung und Fütterung erhöhen.

Tiergesundheit absichern: Parasitenmanagement auf der Weide, Stallklima im Sommer und trockene Liegeflächen im Winter kontrollieren

Sicherheit gewährleisten: Bei Weidehaltung sind Handling und Zaunsysteme entscheidend – insbesondere für Bullen; Ochsenmast reduziert Risiken.

Investitionen gezielt planen: Umbauten können oft in vorhandene Stallstrukturen integriert werden, Neubauten treiben die Kosten.


Flexible Lager- und Förderkonzepte nutzen

0

Die zurückliegenden ­Erntejahre haben einmal mehr gezeigt, dass sich die Anforderungen an die Getreidelagerung und Anlagentechnik nicht ­gleichmäßig, sondern sprunghaft verändern. Während die Ernten 2023 und 2024 in weiten Teilen Norddeutschlands vergleichsweise ­wenig anspruchsvoll waren, stellte sich die Situation im Jahr 2025 deutlich differenzierter dar. Der Sommer war vielerorts von wiederkehrenden Niederschlags­ereignissen geprägt, die zu kurzen Druschfenstern führten und die Ernteabläufe spürbar ­unter Druck setzten. Umso ­wichtiger werden flexible Lager- und Förder­bedingungen.

In einzelnen Regionen waren die Bedingungen zeitweise so ungünstig, dass Erntemaschinen buchstäblich an ihre Einsatzgrenzen gebracht wurden. Auffällig war dabei weniger ein einheitliches Bild der Erntefeuchten, sondern vielmehr die große Streuung der Qualitäten. An Standorten, an denen die Erntekapazitäten konzentriert werden konnten, gelang es durchaus, auch unter schwierigen Bedingungen noch marktfähige Qualitäten zu sichern. Sobald jedoch größere Mengen in kurzer Zeit auf die Anlagen trafen, rückten Förder- und Trocknungsleistungen schlagartig in den Mittelpunkt. Das Umschlagen der Ware wurde zum begrenzenden Faktor, nicht selten vor der eigentlichen Trocknung. Gerade in dieser Situation ist für viele Betriebe ein Thema wieder verstärkt in den Fokus gerückt: die Skalierung der vorhandenen Anlagentechnik. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe haben sich in den vergangenen Jahren strukturell weiterentwickelt, Flächen zugelegt oder Arbeitsabläufe angepasst. Die dazugehörige Lager- und Fördertechnik ist diesem Wachstum jedoch nicht immer im gleichen Maße gefolgt. In Jahren mit moderaten Erntebedingungen bleibt dieser Umstand oft unauffällig. Treffen jedoch hohe Warenströme in kurzer Zeit auf begrenzte technische Kapazitäten, werden bestehende Engpässe schnell sichtbar.

Demgegenüber boten die Jahre 2023 und 2024 vielerorts ausreichend Gelegenheit, Getreide trocken oder nahezu trocken einzubringen. Die Anlagentechnik wurde in diesen Jahren nur selten an ihre Leistungsgrenzen geführt, abgesehen von einzelnen außergewöhnlichen Witterungssituationen. Diese vergleichsweise entspannten Ernteverläufe dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie eher die Ausnahme als die Regel darstellen. Vielmehr verdeutlichen sie, wie stark die Anforderungen an Lagerung, Förderung und Trocknung von Jahr zu Jahr schwanken können. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach flexiblen, anpassungsfähigen Anlagenkonzepten zunehmend an Bedeutung. Nicht allein maximale Leistung, sondern die Fähigkeit, auf wechselnde Erntebedingungen reagieren zu können, rückt in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Treiber der Vollkosten

Neben den witterungsbedingten Schwankungen rücken zunehmend auch ökonomische Rahmenbedingungen in den Fokus der betrieblichen Entscheidungen zur Getreidelagerung. Steigende Baupreise, hohe Investitionssummen und eine insgesamt verhaltene Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft führen dazu, dass klassische, stark gebäudegebundene Lager- und Trocknungskonzepte zunehmend hinterfragt werden. In vielen Fällen stellt sich weniger die Frage nach der technischen Machbarkeit, sondern vielmehr die nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit über die gesamte Nutzungsdauer.

Für die Bewertung der Wirtschaftlichkeit ist dabei eine Vollkostenbetrachtung unerlässlich. Gerade in der Getreidelagerung und -trocknung wird ein erheblicher Teil der jährlichen Kosten durch Fixkosten bestimmt. Diese resultieren im Wesentlichen aus den Investitionskosten für Gebäude, Trocknungs- und Fördertechnik sowie deren Abschreibung und Verzinsung. Variable Kosten wie Energie oder Arbeitszeit spielen zwar eine wichtige Rolle, sind im Vergleich zu den fixen Kostenblöcken jedoch häufig von untergeordneter Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Relevanz, wie sich Investitionen so gestalten lassen, dass die fixen Kosten je umgeschlagener Tonne Getreide begrenzt bleiben. Insbesondere in Betrieben mit stark schwankenden Erntemengen oder ungleichmäßiger Auslastung der Anlagen kann eine hohe Kapitalbindung schnell zu steigenden Vollkosten pro Tonne führen. Hier rückt die Skalierbarkeit der Anlagentechnik in den Mittelpunkt.

Mobile Fördertechnik und modulare Anlagenkonzepte eröffnen in diesem Zusammenhang neue Ansätze. Im Vergleich zu fest installierten Systemen sind die Investitionskosten häufig deutlich geringer. Daraus ergeben sich niedrigere Fixkosten und in der Konsequenz geringere Vollkosten je Tonne Getreide, insbesondere dann, wenn die Technik nur saisonal oder nicht durchgehend ausgelastet ist. Die wirtschaftliche Attraktivität ergibt sich dabei weniger aus maximaler Leistung, sondern aus der besseren Anpassung an den tatsächlichen betrieblichen Bedarf.

Die Bewertung der eigenen Getreidelagerung muss jedoch stets im Vergleich zur Opportunität der Fremdeinlagerung erfolgen. Landhandelsunternehmen bieten Lager- und Trocknungsdienstleistungen an, die auf den ersten Blick kostentransparent erscheinen. Dabei bleibt jedoch häufig unberücksichtigt, dass eine Fremdeinlagerung an einem externen Standort zusätzliche logistische Aufwendungen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb erfordert. Transport, Zwischenlagerung, Wartezeiten und Arbeitswirtschaft werden selten vollständig der Getreidelagerung zugerechnet, beeinflussen die tatsächlichen Kosten jedoch erheblich.

Eine realistische Vollkostenbetrachtung der betriebseigenen Lagerung muss daher sowohl die Investitions- und Fixkosten der eigenen Technik als auch die oft verdeckten logistischen Kosten alternativer Vermarktungs- und Lagerwege berücksichtigen. Erst vor diesem Hintergrund lässt sich die relative Vorzüglichkeit der eigenen Getreidelagerung sachgerecht beurteilen und eine fundierte Entscheidung für oder gegen neue Anlagenkonzepte treffen.

Lager- und Trocknungskonzepte

Mit der zunehmenden Volatilität der Erntebedingungen rückt die logistische Leistungsfähigkeit der Anlagentechnik stärker in den Fokus. In der Praxis zeigt sich immer häufiger, dass nicht die eigentliche Trocknung den begrenzenden Faktor darstellt, sondern die Fähigkeit, größere Warenströme innerhalb kurzer Zeit annehmen, umschlagen und gezielt weiterleiten zu können. Fördertechnik übernimmt damit eine Schlüsselrolle innerhalb moderner Lager- und Trocknungskonzepte.

Klassische, fest installierte Fördersysteme sind in der Regel für definierte Materialflüsse ausgelegt. Sie arbeiten zuverlässig, stoßen jedoch dann an ihre Grenzen, wenn sich Annahmepunkte, Lagerorte oder Warenströme kurzfristig verändern. Genau hier setzen mobile Förderlösungen an. Sie ermöglichen es, Förderleistungen flexibel dort bereitzustellen, wo sie aktuell benötigt werden, ohne dauerhaft Kapital in baulich verankerter Infrastruktur zu binden.

Ein Beispiel für diese Systematik sind sogenannte Swing-Away-Schnecken, wie sie unter anderem von der Firma Bintec angeboten werden. Diese mobilen Schneckenförderer stammen ursprünglich aus der nordamerikanischen Getreidelogistik und sind dort auf hohe Umschlagleistungen in Verbindung mit Trichter-Anhängern ausgelegt. In der hiesigen Praxis kommen sie überwiegend in Kombination mit Rückwärtskippern, Mulden oder Lkw zum Einsatz.

Die praxisrelevanten Leistungsklassen liegen typischerweise bei etwa 150, 220 und bis zu 300 t pro Stunde. Entsprechend sind Schlepperleistungen im Bereich von etwa 120 bis 200 PS erforderlich. Mit Längen von rund 18 bis über 33 m lassen sich damit auch höhere Rundsilos oder Hallenlager sicher befüllen. Größere Ausführungen mit Förderleistungen von deutlich über 500 t pro Stunde und Längen jenseits von 38 m sind zwar verfügbar, spielen in mitteleuropäischen Betriebsstrukturen bislang jedoch kaum eine Rolle. Hier zeigen sich die Unterschiede zwischen nordamerikanischen und europäischen Logistikkonzepten sehr deutlich.

Überfahrbare Annahmelösung (Grain-Deck) für hohe Umschlagleistungen bei Gliederzügen und mobiler Förderung. Foto: Bintec

Ein wesentlicher Punkt bei der Einbindung mobiler Schnecken ist die Gestaltung der Annahmelogistik. Während in Nordamerika Trichter-Anhänger den Standard darstellen, müssen in Mitteleuropa häufig andere Lösungen gefunden werden. Für Gliederzüge oder größere Transporteinheiten kommen flache, überfahrbare Annahmesysteme zum Einsatz, bei denen der erste Anhänger über die Deichsel des zweiten abgekippt wird. Diese Systeme ermöglichen hohe Umschlagleistungen von bis zu 300 t pro Strunde, erfordern jedoch genug Platz und eine klar strukturierte Verkehrsführung im Annahmebereich.

Auch das Handling der Technik selbst spielt in der Praxis eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bei längeren Schnecken kann das Rangieren schnell aufwendig werden. Hydraulisch lenkbare Achsen, sogenannte Auger-Steer-Systeme, erleichtern hier das Positionieren deutlich und tragen dazu bei, den Arbeitsaufwand und die Rüstzeiten zu reduzieren. Gerade bei häufig wechselnden Einsatzorten ist dies ein relevanter Aspekt für die tägliche Arbeit.

Eine hydraulisch lenkbare Achse (Auger-Steer) erleichtert das Rangieren langer mobiler Schnecken. Foto: Bintec

Neben Schneckenförderern kommen zunehmend auch alternative mobile Fördersysteme zum Einsatz. Rohrförderbänder, häufig als Grain-Belts bezeichnet, arbeiten mit einem im Rohr laufenden Gummigurt anstelle einer Schneckenwindung. Sie zeichnen sich durch eine besonders schonende Förderung aus und eignen sich gut für empfindliche Kulturen wie Leguminosen oder für sortenreine Anwendungen im Saatgutbereich. Zudem sind diese Systeme elektrisch betreibbar und benötigen keinen Schlepperantrieb. Dem stehen jedoch deutlich höhere Investitionskosten gegenüber, die in der Regel ein Vielfaches klassischer Förderschnecken betragen. Für den großvolumigen Umschlag von Standardgetreide sind sie daher nur in ausgewählten Einsatzfällen wirtschaftlich sinnvoll.

Insgesamt zeigt sich, dass mobile Fördertechnik keinen Ersatz für stationäre Anlagen darstellt, wohl aber eine wirkungsvolle Ergänzung. Sie ermöglicht es, Annahme- und Förderkapazitäten gezielt zu erweitern, Spitzen zu entzerren und logistische Engpässe zu vermeiden. Vor allem unter dem Gesichtspunkt begrenzter Investitionsmittel und hoher Fixkosten gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Mobile Förderlösungen tragen dazu bei, die Anlagentechnik besser an die tatsächlichen betrieblichen Anforderungen anzupassen und damit die Wirtschaftlichkeit der betriebseigenen Getreidelagerung nachhaltig zu verbessern.

Feuchtegleichgewicht als Grundlage

Der Feuchtegehalt des Getreides steht stets im Wechselspiel mit den Umgebungsbedingungen. Das Korn strebt ein Gleichgewicht zwischen seiner eigenen Feuchte und der relativen Luftfeuchtigkeit der umgebenden Luft an. Dieses physikalische Prinzip des Feuchtegleichgewichts bildet die Grundlage aller Belüftungs- und Trocknungsprozesse in der Getreidelagerung.

Wird Getreide mit entsprechend konditionierter Luft beaufschlagt, kann es sowohl getrocknet als auch, bei ungünstigen Bedingungen, wieder angefeuchtet werden. Gerade in der Praxis zeigt sich immer wieder, dass eine ungezielte oder zeitlich ungünstige Belüftung zu Qualitätseinbußen führen kann, obwohl das Getreide zuvor mit Handelsfeuchte eingelagert wurde. Voraussetzung für eine funktionierende Lagerbelüftung ist daher nicht allein die technische Ausstattung, sondern auch die Fähigkeit, Luftführung, Belüftungszeiten und Warenbewegung sinnvoll aufeinander abzustimmen.

Dieses Prinzip ist eng mit der Förder- und Lagerlogistik verknüpft. Eine gleichmäßige Einlagerung, kurze Umschlagzeiten und die Möglichkeit, Getreide bedarfsgerecht zu bewegen, schaffen erst die Voraussetzung dafür, dass Belüftungs- und Trocknungskonzepte zuverlässig funktionieren. Insbesondere mobile Fördertechnik kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie flexible Warenströme ermöglicht und damit die Grundlage für eine wirksame Lagerbelüftung und Trocknung im Silo oder in der Halle schafft.

Mobiles Rohrförderband (Grain-Belt) für schonende, sortenreine Förderung mit elektrischem Antrieb. Foto: Bintec

Schnelltrocknungszellen als Ergänzung

In der Praxis stößt die Lagerbelüftungstrocknung insbesondere bei höheren Erntefeuchten oder kurzen Druschfenstern an ihre Grenzen. Um auch unter solchen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, haben sich in den vergangenen Jahren Schnelltrocknungszellen als ergänzender Baustein innerhalb von Hallenlagerkonzepten etabliert.

Schnelltrocknungszelle mit Schrägboden. Foto: LM Getreidetechnik

Diese Anlagen werden in unterschiedlichen Bauformen angeboten. Eine Variante arbeitet mit befahrbarem Belüftungsboden und Mischtraverse, vergleichbar mit bekannten Silotrocknersystemen. Der Vorteil liegt darin, dass bestehende Gebäudehüllen und Fördertechnik genutzt werden können. Auch sensible Kulturen wie Bohnen oder Erbsen lassen sich so schonend trocknen, während gleichzeitig überfeuchtes Getreide mit Feuchtegehalten von mehr als 19 % sicher verarbeitet werden kann. Voraussetzung ist eine entsprechend dimensionierte Gebläse- und Wärmetechnik.

Eine zweite Bauform basiert auf Schrägböden mit gezielt ausgerichteten Düsenblechen. Diese Systeme sind innerhalb von Hallen flexibel positionierbar und arbeiten in der Regel als Satztrocknung. Durch automatisierte Befüllung und Entleerung bleibt der Arbeitsaufwand überschaubar. Mit entsprechender Ausstattung lassen sich auch hier anspruchsvollere Trocknungsgüter verarbeiten.

Schnelltrocknungszellen sind damit kein Ersatz für leistungsstarke Durchlauftrockner, wohl aber eine sinnvolle Ergänzung innerhalb flexibler Lagerkonzepte. Sie ermöglichen es, auf witterungsbedingte Spitzen zu reagieren und die Lagerbelüftungstrocknung gezielt zu entlasten.

Temporäre und provisorische Lagerlösungen

In Situationen mit geringem Trocknungsbedarf, bei temporären Lagererweiterungen oder bei der Nutzung von Altgebäuden stellt sich häufig die Frage nach einer einfach umsetzbaren und dennoch wirksamen Belüftungslösung. Hier haben sich senkrechte Belüftungsstelen bewährt, die während der Befüllung in den Getreidestapel eingeschüttet werden.

Diese Systeme ermöglichen eine vergleichsweise flexible Belüftung ohne aufwendige bauliche Maßnahmen und eignen sich insbesondere für provisorische Lager oder Gebäude, die ursprünglich nicht für die Getreidelagerung konzipiert wurden. Die erreichbaren Lagerhöhen sind begrenzt, ebenso der Belüftungsradius, sodass eine sorgfältige Platzierung erforderlich ist. Für stark erhitztes Getreide, etwa aus Durchlauftrocknern ohne Kühlzone, sind diese Systeme hingegen nur eingeschränkt geeignet. Belüftungsstelen stellen damit eine pragmatische Lösung dar, wenn kurzfristig Lagerkapazitäten geschaffen oder bestehende Gebäude ertüchtigt werden sollen, ohne größere Investitionen auszulösen.

Die zurückliegenden Erntejahre verdeutlichen, dass die Anforderungen an die Getreidelagerung weniger durch Durchschnittswerte als durch kurzfristige Belastungsspitzen bestimmt werden. Neben der Trocknung rückt dabei zunehmend die logistische Leistungsfähigkeit der Anlagentechnik in den Vordergrund.

Schnelltrocknungszelle mit Mischtraverse. Foto: LM Getreidetechnik

Fazit

Vor dem Hintergrund steigender Investitionskosten gewinnen flexible, modular aufgebaute Anlagenkonzepte an Bedeutung. Mobile Fördertechnik, ergänzende Schnelltrocknungslösungen und pragmatische Belüftungssysteme ermöglichen es, bestehende Lagerstrukturen weiterzuentwickeln, ohne dauerhaft hohe Fixkosten zu binden.

Entscheidend ist eine realistische Vollkostenbetrachtung, die neben Investitionen auch logistische Aufwendungen berücksichtigt. Nur so lässt sich die Wirtschaftlichkeit der betriebseigenen Getreidelagerung im Vergleich zu alternativen Vermarktungs- und Lagerwegen sachgerecht beurteilen.

Vernässung für Fortgeschrittene

Bei der Vernässung des Nienwohlder Moores müssen Höhenunterschiede von bis zu 5 m ausgeglichen werden, die aus der Abtorfung der Vergangenheit resultieren. Um den Wasserstand zukünftig möglichst auf Bodenhöhe anzuheben, verwendet die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ein spezielles Gerät zur Moorvernässung: einen Dichtbahnpflug.

Direkt auf der Grenze zwischen den Kreisen Segeberg und Stormarn liegt das Naturschutzgebiet Nienwohlder Moor. Hier hatte Graf Reventlow zu Jersbek 1804 von den damaligen Torfstechern einen „Torftaler“ als Steuer für den nach Hamburg über die Alster verschifften Torf verlangt. Heute kaum noch vorstellbar, war Torf damals ein beliebtes Heizmittel und fand in der Großstadt regen Absatz. Rund 150 Jahre lang wurden die Torfsoden händisch mit Torfspaten gestochen, in Ringeltürmchen über Sommer getrocknet und im Herbst dann verkauft. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1951, zog auch hier die industrielle Förderung ein. Auf 84 ha wurde der oben liegende Weißtorf beiseitegeschoben, rund 2 m Schwarztorfschicht wurden maschinell abgebaut und mit einer Lorenbahn aus dem Moor hinausgeschafft.

Erst nachdem 1973 das Landesnaturschutzgesetz novelliert und damit der maschinelle Torfabbau verboten wurde, stellte das Torfwerk 1977 endgültig die Arbeit ein und hinterließ einen Bereich, der wie eine Industriebrache anmutete. Steile Torfwandabbrüche, Höhenunterschiede von mehr als 5 m , durchzogen von Entwässerungskanälen, boten einen traurigen Anblick. Trotzdem wurde das gesamte Gelände 1982 als Naturschutzgebiet deklariert. Zunächst schloss man die Entwässerungsgräben und unterbrach die alten Tonrohrdrainagen, um langsam eine Wiedervernässung des Moores zu erreichen. Auch einzelne Hochflächen wurden schon eingeebnet. Doch das alles reichte nicht aus, Regenwasser floss immer noch im obersten Grundwasserleiter aus dem Gebiet heraus, es musste etwas Besonderes geschehen.

Selbst entwickelte Technik

So gab Janis Ahrens, Projektleiter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Anfang Dezember 2025 den Startschuss zur weiteren Vernässung von 111 ha der ehemaligen industriellen Abbaufläche. Finanziert mit Landesmitteln, fuhren riesige Longfront-Bagger mit breiten Raupenketten auf, um die Fläche in verschiedene Abschnitte einzuteilen, mit Dämmen von einander zu trennen und darin neue Polder – eine Art Badewannenteich – zu bauen. Um zu verhindern, dass aus diesen Einzelabschnitten Regenwasser abfließt, wendet man hier eine ganz besondere Technik an, die Ahrens Anfang Februar der Öffentlichkeit vorstellte. „Da wir hier rund 2,3 Kilometer Folie etwa zwei Meter senkrecht in den Boden kurvenreich einbauen müssen, haben wir selbst ein Unikat entwickelt, einen lenkbaren Dichtbahnpflug“, erzählt er.

Selbst gebaut hat man dieses Unikat, den Dichtbahnpflug. Foto: Klaus J. Harm
2 m tief reicht die PE-Folie senkrecht in den Moorboden. Foto: Klaus J. Harm
Mit einer Zeichnung erläutert Projektleiter Janis Ahrens den Aufbau der Dämme. Foto: Klaus J. Harm


Dieser Pflug wird von einem Bagger gezogen und hinterlässt einen schmalen, 2 m tiefen Graben, in den eine schadstoffreie Polyethylen (PE)-Folie eingelegt und sofort von beiden Seiten stabilisiert wird. Darauf kommt dann das Restholz der „entkusselten“ Birken als Formgeber des Damms, der schließlich mit Erdaushub überdeckt wird.

Minimalinvasive Methode

„Wir wenden diese Methode hier an, weil sie minimalinvasiv ist und wir damit eine geringere Anzahl von Wällen aufschütten müssen“, erklärt Janis Ahrens. „Der Dichtbahnpflug macht ja nur einen kleinen Schlitz in den Torfboden, der gleich hinter ihm wieder zugeht. Das schont die wertvolle Vegetation rechts und links der Dichtbahn.“ Den ersten Abschnitt hofft er noch in diesem Jahr fertigzustellen, wobei in der Setz- und Brutzeit die Maschinen selbstverständlich ruhen. Dann können auch die Hunderte von breiten Stahlplatten, die man auf den Moorwegen verlegt hat, damit die Bagger überhaupt hier arbeiten können, wieder geborgen werden und Torfmoose und andere moorspezifische Pflanzen und Tiere hier wieder eine Heimat finden, gut geschützt von den umliegenden intakten Mooren und Wäldern. Und das ist gut so, denn Torfmoose können große Mengen an CO2 aufnehmen und einlagern. Weltweit speichern sie mehr davon als alle Wälder unserer Erde zusammengenommen.

„Das Waldeigentum steht im Zentrum“

0

Hinter der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein liegt ein arbeitsreiches Jahr, und auch 2026 steht einiges an. Zeit für einen Ausblick mit dem Leiter der Forstabteilung in Bad Segeberg, Dr. Gerrit Bub.

Ende des Jahres gab es gute Noten für den Wald. Im Waldzustandsbericht hieß es: Die Wälder in Schleswig-Holstein präsentieren sich 2025 insgesamt in einem stabileren Zustand als im Vorjahr. Die mittlere Kronenverlichtung ist auf 22 % gesunken und liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert. Der Anteil stark geschädigter Bäume ging auf 2,9 % zurück. Also Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Liegt es nur an der Witterung oder auch an der Bewirtschaftung durch die Waldbesitzer?

Dr. Gerrit Bub: Sicherlich an der Witterung, aber auch an der guten Bewirtschaftung, die langfristig dazu führt, den Wald klimaresilient zu gestalten. Wir dürfen den Klimawandel mit den folgenden Risiken für unsere Waldbestände jedoch nicht aus den Augen verlieren. Gerade jetzt gilt: Waldumbau als Vorsorge und Vermögenserhaltung. Gemischter Wald mit Nadelholzanteilen, strukturiert und vielfältige Baumarten verteilen das Betriebsrisiko deutlich. Boden- und Wasserhaushalt bleiben intakt und stabilisieren die Bewirtschaftung. Gute Waldpflege, Nutzen des wertvollen Holzes fördern zudem den klimastabilen Wald in Schleswig-Holstein.

Wir sind mit 11,5 % Waldanteil nach wie vor das waldärmste Bundesland. Wie kann der Waldanteil langfristig erhöht werden?

Der Wald konkurriert mit rentablen Landnutzungssystemen. Wir helfen als Abteilung der Landwirtschaftskammer den Eigentümerinnen und Eigentümern, durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen über den Verkauf von Ökopunkten den Wald- und Knickanteil hier langfristig zu mehren. Anschlussfähige, intelligente und auskömmliche forstpolitische Förderinstrumente helfen ebenfalls weiter. Ziel wäre es, die vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes für die Waldeigentümer in Wert zu setzen. Das wäre ebenfalls ein Anreiz, dem Wald mehr Raum zu geben.

Welche Fördermöglichkeiten können Waldbesitzer in Anspruch nehmen?

Waldeigentümer können Fördermittel für den Umbau instabiler oder geschädigter Waldbestände in klimastabile Mischwälder beantragen. Dabei geht es vor allem darum, in reinen Nadelwaldbeständen durch das Einbringen verschiedener, mindestens zur Hälfte auch standortheimischer Laubbäume zukunftsfähige Waldstrukturen zu schaffen. Auch die Pflege dieser Neukulturen ist für einige Jahre förderfähig. Andere Fördertatbestände wären Erstaufforstungen, die Pflege junger Wälder bis zum Alter von 15 Jahren, Bodenschutzmaßnahmen im Wald, die Wiederherstellung notwendiger Waldwege oder auch die Förderung der forstlichen Zusammenschlüsse auf Grundlage von Waldpflegeverträgen mit deren Mitgliedern. In diese Förderung ist in den beiden vergangenen Jahren sehr viel Geld geflossen, um für die Zukunft möglichst professionelle Zusammenschlüsse vor allen von Waldbesitzenden mit kleinen Waldflächen zu unterstützen.

Es gibt zum ersten Mal bei uns einen Meisterkurs für Förster. War es an der Zeit, um dem Fachkräftemangel zu begegnen?

Ja, unbedingt. Der Kurs ist hochattraktiv für junge Forstwirtinnen und Forstwirte. Die Bewerberzahl übersteigt deutlich das Angebot. Schon jetzt haben wir Nachfragen für den Anschlusskurs. Wir freuen uns auf weitere Anmeldungen für 2027.

Welche Arbeitsschwerpunkte hat die Forstabteilung in diesem Jahr?

Es liegen etliche arbeitsorganisatorische Änderungen vor uns. Ein Arbeitsschwerpunkt für dieses Jahr liegt in der Schaffung einer zusätzlichen Stelle für den Themenkomplex Kohlenstoffzertifikate. Ziel der Besetzung ist die Entwicklung von Vermarktungsmöglichkeiten von Kohlenstoffzertifikaten im Wald und in Waldmooren. Auch wenn das vergangene Jahr witterungsmäßig dem Wald guttat, sind wir gehalten, mit großer Tatkraft und Sorgfalt den Umbau des Wirtschaftswaldes voranzutreiben. Wir stärken unsere Forstbetriebsgemeinschaften. Die forstliche Fördermaßnahme der Waldpflegeverträge hat bereits bei den forstlichen Zusammenschlüssen zu hoffnungsvollen betrieblichen Verbesserungen beigetragen. Das ist genau der richtige Weg, um unsere Strukturen enkelfähig zu gestalten. Denn: Was wir heute nutzen, pflanzten unsere Voreltern, was wir heute sähen, ernten unsere Enkel. Die Lehranstalt führt hocherfolgreich den angesprochenen neuen Meisterkurs durch. Ich freue mich sehr, die Grundkurse in Kooperation mit den anderen Abteilungen der LKSH zu teilen. Unser Förderteam bemüht sich auch in diesem Jahr, die veranschlagten, notwendigen Fördermittel rasch und unbürokratisch den Waldeigentümer zukommen zu lassen. Auch für die letzte Ruhe sind wir vorbereitet: Wir bieten an über 20 Waldstandorten Ruheforste an. Unser Team hört zu, hilft gern und begleitet Familien und Freunde bei der Trauerarbeit. Insgesamt freuen wir uns auch in diesem Jahr wieder, für den Kommunal- und Privatwald in Schleswig-Holstein mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Ähnlich wie die Landwirte klagen auch Waldbesitzer über Bürokratie (zum Beispiel EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten). Kann die Forstabteilung helfen, Bürokratie abzubauen?

Ja. Wir werden noch häufiger als bislang bei den Eigentümern vor Ort sein. Unsere Bezirksförster arbeiten hochprofessionell und digital. Neue Planungs- und Inventur-Software beschleunigt Prozesse im Wald und am Schreibtisch. Das Waldeigentum steht im Zentrum all unserer Überlegungen. Wir arbeiten ständig daran, unseren Service für die Waldbesitzenden zu verbessern.

Generationswechsel im Ortsverein Schenefeld

0

Der Vorstand des LandFrauenvereins Schenefeld und Umgebung hat sich bei der diesjährigen Jahresversammlung fast komplett erneuert.

Gunhild Göttsche, Anke Graf und Anja Struve fungierten jeweils zwölf Jahre als Vorsitzende. „Laut unserer Satzung sollten drei Amtsperioden nicht überschritten werden“, erklärt Gunhild Göttsche. Lediglich Kassenwartin Marlis Mau-Hansen blieb länger, was der Pandemie und der damit herrschenden Situation geschuldet war. Da es geeignete Nachfolgerinnen für die ersten beiden Vorsitzenden sowie für die Kassenwartin gab, fiel der Abschied nicht allzu schwer. „Ich hatte ein gutes Team und viele tolle Erlebnisse – es hat viel Spaß gemacht“, verabschiedete Göttsche sich. Sie hat vor zwanzig Jahren als Beisitzerin angefangen war und schon damals begeistert von der Zusammenarbeit und beeindruckt vom LandFrauennetzwerk. „Wir standen nach Corona vor der Auflösung und haben mit der letzten Amtsperiode einen Brandbrief an unsere Mitglieder geschickt, das hat anscheinend geholfen“, berichtet Gunhild Göttsche. Es fanden sich interessierte Nachfolgerinnen, die sich auch gleich engagierten und sich auf Landesebene in Schulungen qualifizierten. Im letzten Jahr zu Beisitzerinnen gewählt, schnupperten die Kandidatinnen in die Vorstandsarbeit und waren jetzt für die Wahlen bereit.

Gunhild Göttsche ehrte Waltraud Thies und Sybille Schroeder (v. r.) für ihre Vereinstreue.
Angela Zedler (li.) und Stefanie Albert überreichten Bienen für den Garten.
Fotos: Sabine Kolz
Gunhild Göttsche erhielt von Annemarie Rohde (r.) die LandFrauen-Ehrennadel.

Die leitete die Kreisvorsitzende Annemarie Rohde, die sich freute, dass das Votum für die Neuen einstimmig ausfiel. Als erste Vorsitzende fungiert Angela Zedler aus Schenefeld, Kreis Steinburg. Die 46-jährige Berufskraftfahrerin ist bereits 18 Jahre LandFrau und freut sich auf ihre Aufgaben. Sie heuerte Stefanie Albert, ebenfalls 46 Jahre alt und aus Schenefeld, als zweite Vorsitzende an. Auch die neue Kassenwartin Inga Reiff-Göser aus Siezbüttel, Kreis Steinburg, ist vom LandFrauenverein und dessen Arbeit überzeugt und konnte ihre Freundin Kristina Doorentz aus Thaden, Kreis Rendsburg-Eckernförde, als Beisitzerin gewinnen. Sie war eines der sieben neuen Mitglieder, die an dem Abend begrüßt wurden und die Mitgliederzahl mit 213 stabil halten. Das Amt der dritten Vorsitzenden blieb vorerst vakant. Sybille Schroeder wurde für ihre 40-jährige Mitgliedschaft und Waltraud Thies für 25 Jahre mit Blumen geehrt.

Die Jahresberichte zeigten gute Teilnehmerzahlen der Veranstaltungen, unter anderem Wellness, Schießsport oder Fahrradtour. Um auch die Kassenlage stabil zu halten, wurde über eine Beitragserhöhung auf 40 € ab 1. März abgestimmt. Der Vorschlag einer Anpassung um 15 € kam dabei aus der Versammlung und zeigt, dass die Frauen hinter ihrem Verein und dem Vorstand stehen.

Nachdem die ehemaligen Vorstandsmitglieder verabschiedet waren, verlieh Annemarie Rohde die LandFrauenbiene mit Schleswig-Holstein-Farben für die geleistete Arbeit an Gunhild Göttsche. Der neue Vorstand überreichte Hufeisenbienen, gefertigt von Angela Zedler, an seine Vorgängerinnen.

Der Verein möchte einen Stammtisch zum lockeren Austausch im Vereinslokal „Zum Nordpol“ in Schenefeld etablieren. Im März steht wieder Wellness auf dem Programm und im Mai eine Mehrtagesfahrt ins Münsterland. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Vereins.

Sabine Kolz

Selbstversorgung über alles?

0

Das Thema der Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist stark emotional besetzt. Häufig wird die Sorge geäußert, eine zu große Abhängigkeit vom internationalen Handel könne die Ernährungssicherheit gefährden oder die heimische Landwirtschaft unter Druck setzen. Insbesondere die Angst vor Billigimporten, die unter niedrigeren Produktionsstandards erzeugt werden und hiesige Betriebe preislich unterbieten, spielt in der Debatte eine große Rolle. Diese Sorgen sind ernst zu nehmen. Unterschiedliche Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards in der landwirtschaftlichen Produktion können zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Deshalb sind klare Regeln im internationalen Handel, faire Wettbewerbsbedingungen sowie gezielte Zölle oder Handelsbarrieren dort notwendig, wo heimische Standards systematisch unterlaufen werden. Handel braucht Regeln, um Akzeptanz zu finden. Dann funktioniert eine rationale Arbeitsteilung. Selbstversorgung bleibt dennoch ein wichtiges gesellschaftliches Ziel. Da die hiesigen landwirtschaftlichen Betriebe hohen Anforderungen an Umwelt-, Klima- und Tierschutz unterliegen, ist staatliche Unterstützung gerechtfertigt. Die Betriebe brauchen Planungssicherheit. Bis zu einem gewissen Grad müssen sie sich jedoch auch dem internationalen Wettbewerb stellen.

Kein heimischer Kaffeeanbau

Gleichzeitig darf der internationale Handel nicht grundsätzlich als Schwäche verstanden werden. Viele landwirtschaftliche Erzeugnisse können aufgrund klimatischer und natürlicher Bedingungen hierzulande nicht produziert werden, etwa Kaffee, Kakao oder bestimmte Früchte. Schon innerhalb Deutschlands sehen wir regionale Unterschiede. Körnermais und Hartweizen wachsen im Süden besser als in Norddeutschland. Handel ermöglicht den Verbraucherinnen und Verbrauchern ein vielfältiges Angebot über das gesamte Jahr hinweg und trägt zur Versorgungssicherheit bei. Auch für die heimische Landwirtschaft ist Handel von zentraler Bedeutung. Günstige Importe von Betriebsmitteln wie Dünger oder Futtermitteln senken Produktionskosten und sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Exporte landwirtschaftlicher Produkte eröffnen zusätzliche Absatzmärkte und tragen dazu bei, Preise auf dem heimischen Markt zu stabilisieren. Versorgungssicherheit entsteht zudem nicht allein durch hohe Selbstversorgungsgrade, sondern durch stabile Wertschöpfungsketten und breit aufgestellte Handelsbeziehungen. Internationale Verflechtungen können regionale Ernteausfälle oder Krisen besser ausgleichen als abgeschottete Märkte.

Das saisonale Angebot nutzen

Neben Politik und Handel tragen auch die Verbraucherinnen und Verbraucher Verantwortung. Wer regionale und saisonale Produkte – insbesondere bei Obst und Gemüse – stärker nachfragt, unterstützt die heimische Landwirtschaft unmittelbar. Bewusste Kaufentscheidungen können helfen, regionale Produktion zu stärken, ohne auf die Vorteile des internationalen Handels zu verzichten. Selbstversorgung und Handel sind keine Gegensätze. Eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft, fair geregelter internationaler Handel und verantwortungsbewusster Konsum gehören zusammen. Handel ist keine Schwäche – er ist ein notwendiger Bestandteil einer sicheren, vielfältigen und nachhaltigen Lebensmittelversorgung.

Ehrenamt lebt von Haltung, Wirkung und Zusammenarbeit

0

Die Landwirtschaft steht unter hohem Veränderungsdruck: Klimawandel, gesellschaftliche Erwartungen, volatile Märkte und komplexe gesetzliche Rahmenbedingungen fordern Bäuerinnen und Bauern in ihrem Beruf. Trotz der vielfältigen Aufgaben engagieren sich unzählige Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter zusätzlich im Ehrenamt – etwa in Genossenschaften, Wasser- und Bodenverbänden, Maschinenringen, Zuchtorganisationen, Feuerwehren oder berufsständischen Vertretungen.

Eine neue Bauernblatt-Serie zur Arbeit der Fachausschüsse im Bauernverband Schleswig-Holstein zeigt beispielhaft die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für den Berufstand, aber auch für den eigenen Betrieb und die persönliche Entwicklung. Denn klar ist: Wer nicht mitredet, über den bestimmen andere.

Ehrenamt heißt oft, nach einem langen Arbeitstag noch Sitzungen zu besuchen, Konzepte zu diskutieren und Kompromisse auszuhandeln. Das ist anstrengend, aber wo über Förderprogramme, Umweltauflagen, Tierwohlstandards oder regionale Entwicklungsstrategien beraten wird, braucht es Stimmen aus der Praxis. Zugleich ist das Ehrenamt eine „Schule der Verantwortung“. Es fördert Führungskompetenz, Verhandlungsgeschick und strategisches Denken. Junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die frühzeitig Gremienarbeit kennenlernen, gewinnen Einblicke in politische Prozesse und Netzwerke, die für die Weiterentwicklung ihrer Höfe wertvoll sind. Das Ehrenamt ist damit auch eine Investition in die eigene Zukunft.

Um junge Menschen für ein Ehrenamt zu motivieren, gibt es wichtige Faktoren. Hervorzuheben ist eine Kultur der Wertschätzung. Außerdem helfen transparente Strukturen, gute Informationsflüsse und die Möglichkeit, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Digitale Formate unterstützen dabei, Beteiligungen niederschwelliger zu gestalten. Das hilft insbesondere denjenigen, die dafür durch Kinderbetreuung und andere Care-Arbeiten einen hohen organisatorischen Aufwand hätten. In den meisten Fällen, sind das immernoch die Frauen. Impulse in diesem Bereich wollen die Vereinten Nationen setzen, indem sie 2026 zum Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen haben. Nicht von ungefähr verzeichnen Plattformen wie das Unternehmerinnennetzwerk des Landesbauernverbandes großen Zulauf. Der dortige Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten kann sich zu einen Sprungbrett in andere Ehrenämter auswachsen.

Ganz klar nicht im Sinne eines starken Ehrenamts ist der Vorstoß von Teilen der CDU, den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abzuschaffen. Diese werde in Deutschland überwiegend von Frauen geleistet und damit als individuelle „Lifestyle-Entscheidung“ abgewertet, kritisiert der LandFrauenverband.

Klar ist: Ein erfolgreiches Ehrenamt lebt nicht von Titeln. Reine Pflichterfüllung trägt selten langfristig. Es geht um persönliche Haltung, Wirkung und Zusammenarbeit. Gerade in der Landwirtschaft, wo ehrenamtliches Engagement oft mit unternehmerischer Verantwortung und knapper Zeit konkurriert, zeigt sich also einmal mehr: Qualität geht vor Quantität.

Ehrenamt in Generationen denken

0

„Ausschussarbeit ist die Kernarbeit des Bauernverbandes“, betont Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) und Ausschussvorsitzender des Fachausschusses für Milch, im Interview mit dem Bauernblatt. Lucht und Klaus Peter Dau, Landesvorstandsmitglied im BVSH und Ausschussvorsitzender des Fachausschusses für Vieh und Fleisch (ohne Schweinehaltung) sind sich einig: Es lohnt sich, sich für die Zukunft der Betriebe im Land einzusetzen, und die Fachausschüsse des Bauernverbandes seien der beste Ort dafür.

Wie geht es den Rinder haltenden Betrieben in Schleswig-Holstein?

Klaus-Peter Lucht: Wir hatten in den vergangenen eineinhalb Jahren ganz gute Milchpreise. Das muss man ehrlicherweise sagen. Wir haben im vergangenen Sommer auch eine gute Futtergrundlage eingefahren. Wenn der Milchpreis nun zurückgeht, weil die Produktion gestiegen ist, ist der Druck allerdings sofort wieder da, die Liquidität zu halten. Ich glaube, dass viele Betriebe in den vergangenen eineinhalb Jahren Ersatzinvestitionen getätigt haben. Viele sind also ganz gut aufgestellt. Trotzdem habe ich Sorge, dass der Strukturwandel weitergeht, weil einige sagen werden: Für diesen Milchpreis melke ich nicht mehr. Wir haben die guten eineinhalb Jahre gern mitgenommen, und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Was sind derzeit die drängendsten Themen bei Ihnen im Ausschuss?

Klaus Peter Dau: In der Rindermast sind es das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz und der Stallumbau. Wer weitermachen will, muss seinen Stall auf Tierwohl umstellen – vielleicht noch nicht heute und morgen, aber es wird auch in der Rinderhaltung kommen. Betriebe werden entweder die alten Ställe so umbauen, dass die Tiere nach draußen kommen, oder eben neue Ställe bauen. Das ist aber aus Baurechts- und Emissionsschutzgründen sehr schwierig. Trotzdem versuchen wir für die nächste Generation eine Zukunft zu gestalten, in der sie weitermachen kann.

Was brauchen die Milchvieh haltenden Betriebe in Schleswig-Holstein von der Politik?

Lucht: Unternehmerische Freiheiten. Ich rede jetzt einmal nicht von QM oder QS, sondern von allem, was obendraufkommt, Kontrollen aus dem Landeslabor zum Beispiel. Das muss vernünftig ablaufen. Freundlicher Umgang und die Unschuldsvermutung müssen ganz oben stehen. Das Zweite sind all die Vorgaben der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik, die freiwillig gestaltet werden sollten. All die Glöz-Standards müssen weg, Flächenstilllegungen müssen weg und auch Fruchtfolgevorgaben müssen weg. In der heutigen Zeit müssen wir Lebensmittel produzieren, vor allem Protein. Und wir brauchen auch Absatzmärkte außerhalb Deutschlands.

Was tun die Landwirtinnen und Landwirte, um sich anzupassen und weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben?

Dau: Die Landwirtinnen und Landwirte, die weitermachen wollen, tun sehr viel, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In den Ställen wird viel umgebaut, in der Futterbergung wird viel gemacht, um gute Qualitäten zu erzeugen. In der Düngung wird viel gemacht, die NIRS-Technik wird schon vielfach angewendet. Vor allem die junge Generation fragt nach den neuesten Techniken, um auch den Dokumentationspflichten nachzukommen und gesetzeskonform die Arbeit zu erledigen.

Lucht: Auch Herdenmanagementprogramme haben sich weiterentwickelt. Systeme wie Smaxtec liefern uns die Gesundheitsdaten der Kühe. Das führt dazu, dass wir besser besamen und Kühe gezielt anschauen und betreuen können. Wir setzen gesextes Sperma ein. Es geht darum, die Effizienz zu steigern. Das kann eine Gewichts- oder Milchleistungszunahme sein, bei gleichzeitig verbesserten Tierhaltungssystemen, in denen die Tiere auch älter werden und damit eine höhere Lebensleistung haben. Melkroboter liefern viele Daten, die man früher gar nicht kannte. Jetzt weiß der Roboter schon zwei Tage bevor das Tier krank ist, dass sich eine Euterentzündung anbahnt.

Was können Sie als Fachausschuss beitragen, um Milchviehhalter zu unterstützen?

Lucht: Wir müssen als Fachausschuss immer versuchen, die Herausforderungen der Betriebe zu diskutieren. Wir entscheiden nicht von Rendsburg aus, sondern machen Basisarbeit und wollen das auch so beibehalten. Die Wünsche, Bitten oder auch Vorstellungen, wie Landwirtschaft sein sollte, müssen dann politisch umgesetzt werden. Das versuchen wir mit unserem Hauptamt, das ordentlich zu Papier bringt, was wir sagen. Ich vertrete zudem den Milchbereich in Berlin, Klaus Peter Dau macht das bei Vieh und Fleisch. Die gesammelten Gedanken versuchen wir dort einzuspeisen, um auch auf Bundes- und EU-Ebene bessere Wettbewerbsbedingungen für unsere Betriebe zu bekommen. Für mich ist Ausschussarbeit die Kernarbeit des Bauernverbandes. Wichtig ist, dass auch jüngere Kollegen dabei sind, die noch einmal andere Ansprüche an Politik haben. Die Diskussion darüber, was der richtige Weg ist, finde ich sehr spannend – und das findet eben im Ausschuss statt. In den Kreisen natürlich auch, aber von dort wird es in die Ausschüsse und auf die Landesebene getragen. Das ist basisdemokratisch.

Was ist Ihre Motivation, sich ehrenamtlich für die Milchviehbetriebe und Rinderhalter in Schleswig-Holstein zu engagieren?

Lucht: Das ist Arbeit für die Zukunft. Wir wollen, dass die Betriebe in die nächste Generation getragen werden können, und wir versuchen, die Rahmenbedingungen dafür zu organisieren. Wir haben unsere Betriebe weiterentwickelt. Unsere Kinder haben übernommen. Es geht uns also nicht um uns, sondern darum, für die Zukunft der Branche zu arbeiten. So habe ich das immer gesehen, und das treibt mich an. Ich freue mich über jeden jungen Landwirt, jede junge Landwirtin, egal wie groß der Betrieb ist, ob mit Direktvermarktung oder anderen Betriebsausrichtungen. Ich bin immer froh, wenn junge Menschen Lust auf Landwirtschaft haben, einfach um diesen Sektor modern zu halten. Landwirtschaft ist ein Innovationstreiber auch gegenüber anderen Sektoren. Und wenn junge Menschen Lust haben zu arbeiten, tun wir alles dafür, damit sie die Möglichkeit haben. Natürlich muss der Betrieb auch etwas mitbringen. Der Standort muss passen, die Größe auch. Aber ich habe auch mit 30 Kühen angefangen. Dann haben wir den „Umweg Heuhotel“ genommen und drei Ferienwohnungen gebaut, und heute machen wir wieder ausschließlich Milchwirtschaft. Ich verstehe mein Amt so: politisch die Rahmenbedingungen dafür zu organisieren, dass es laufen kann.

Dau: Ich sehe das ganz genauso. Ich freue mich, im Bauernverband mitarbeiten zu können für unsere Betriebe in der Rindermast. Es gibt so viele Gesetze und Auflagen, die die Landwirte nicht mehr vollumfänglich verstehen. Wir bringen diese Dinge über unsere Kreisbauernverbände den Landwirten näher. Wir erklären und stehen für Fragen zur Verfügung. Und wir sind über jeden froh, der zu uns kommt und uns fragt. Auch die junge Generation, die weitermachen will, braucht Hilfe bei all den Vorschriften, die es heute gibt. In der Tierhaltung geht es zum Beispiel darum, wie die Ställe konzipiert werden müssen. Wir können dann an die Politik herantreten und sagen, was geht und was nicht geht, was die Landwirtschaft leisten kann und was überhaupt nicht funktioniert. In meiner ganzen Zeit im Bauernverband habe ich erlebt, dass viele in der Politik nicht verstehen, wie wir arbeiten und warum das so sein muss. Das versuche ich der Politik näherzubringen.

Wie funktioniert denn der Bauernverband?

Lucht: Es ist wichtig, auch einmal zu demonstrieren. Damit machen wir auf Themen aufmerksam, die politisch oder gesellschaftlich schieflaufen. Aber mir haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass es nur funktionieren kann, wenn wir ein starkes Hauptamt haben, bestehend aus Agrarwissenschaftlern und Juristen. Dieses Hauptamt müssen wir uns leisten. Das kostet Mitgliedsbeiträge.

Wir sind ein Einheitsverband und wollen das auch bleiben. Auch dieses Ziel treibt mich an. Als wir die Milchquote noch hatten, ist natürlich der Milchbereich sehr fokussiert worden. Zurzeit ist es mehr der Umweltbereich. Wir arbeiten aber an allen Themen sehr intensiv und haben dafür auch die Fachleute. Wir sind selbstfinanziert, leben also nur von unseren Mitgliedsbeiträgen und nichts anderem. Das bedeutet auch, dass wir ausschließlich für unsere Mitglieder arbeiten. Die Kreisgeschäftsstellen sind dabei immer die ersten Anlaufpunkte für die Landwirtinnen und Landwirte. Auch die Präsenz in den Kreisen leisten wir uns, weil wir dort Ansprechpartner brauchen. Das macht uns stark.

Auch in der Rindermast werden die Haltungsformen diskutiert. Foto: Imago

Der „Umweg Heuhotel“

Klaus-Peter Lucht, der Verbandschef aus Mörel, Kreis Rendsburg-Eckernförde, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Lucht führt den Familienbetrieb gemeinsam mit seinem ältesten Sohn, der seit 2016 GbR-Partner ist und heute als Betriebsleiter das tägliche Management verantwortet. Der Betrieb entwickelte sich von 70 Kühen (2015) und Schleswig-Holsteins erstem genehmigten Heuhotel, das die Familie 20 Jahre lang erfolgreich führte, wieder zu einem reinen Milchviehbetrieb mit heute 200 Kühen. Als sich der Junior gegen die Touristen und für die Kühe entschied, wurde ein neuer Kuhstall gebaut und ein weiterer Stall in Gnutz gepachtet, in dem die Jungviehaufzucht erfolgt. Zum Team gehören neben der Familie zwei feste Mitarbeitende, ergänzt durch zwei junge Landwirtinnen, die regelmäßig Melkzeiten übernehmen, wenn Lucht selbst als „erster Melker“ nicht da ist. Zudem sei er derjenige, der im Büro sitze und Dokumentationspflichten erfülle. Zurzeit bewirtschaften Vater und Sohn 130 ha, von denen der überwiegende Teil Grünland ist, der Rest Mais. Stroh wird vollständig zugekauft. In einer Außenwirtschaftskooperation mit einem weiteren Landwirt aus dem Dorf können bis auf Häckselarbeiten und die Maisaussaat Feldarbeiten weitgehend eigenmechanisiert ausgeführt werden. „Wir tanken immer zu Hause voll, arbeiten, bis wir fertig sind, und jeder fährt seine eigene Kiste“, ergänzt Lucht.

Im Moor braucht es Breite

Der 64‑jährige Landwirt Klaus Peter Dau aus Tetenhusen, Kreis Schleswig-Flensburg, ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder, von denen der Älteste den Milchviehbetrieb vor zwei Jahren übernommen hat. Die Familie melkt 110 Kühe an zwei Melkrobotern. Neben der Landwirtschaft hat sie ein Lohnunternehmen, das die Söhne gemeinsam führen und das mit drei Häckslern, sieben Güllewagen sowie Drillmaschinen für Mais und Gras ausgestattet ist. Der 145 ha umfassende Betrieb liegt in der Eider-Treene-Sorge-Niederung und bewirtschaftet überwiegend Grünland, darunter auch nasses Moorland, das beweidet und zur Futterbergung genutzt wird. Deshalb hat Dau im Bauernverband auch viel mit der Moorvernässung zu tun. Daneben baut die Familie Mais, Ackergras und etwas Getreide an, um die Fruchtfolgevorschriften zu erfüllen und nicht das gesamte Stroh zukaufen zu müssen. Außerdem versorgen Daus mit einer 1-MW-Hackschnitzel-Heizanlage etwa 180 Häuser in Tetenhusen mit Wärme. „Wir haben nicht mehrere 100 Kühe, wie andere Betriebe, aber eben noch das Lohnunternehmen und die Heizung mit dabei. Damit sind wir breit aufgestellt, und so läuft es aktuell sehr gut“, so Dau, der glücklich über die Betriebsentwicklung ist und neidlos anerkennt, dass es mit den Robotern „vielleicht noch einen kleinen Tick besser läuft“.

Züchter im Porträt: Corda Petersen aus Averlak

0

In der Holsteiner-Zucht gibt es nur selten Züchter ohne familiäre Vorprägung. Corda ­Petersen ist eine davon. Indirekt führte ihre Reitbegeisterung jedoch dazu, dass ihre Eltern eine Zuchtstute kauften. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Yves Broszat eine kleine Holsteiner-Zucht in Averlak, Kreis Dithmarschen.

Bereits im Alter von vier Jahren saß Corda Petersen zum ersten Mal im Sattel. Später ritt sie als Juniorin erfolgreich Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsturniere. Außerdem nahm sie dreimal an den Deutschen Meisterschaften im Voltigieren teil. Gemeinsam mit ihrer Schwester ritt sie die Pferde des inzwischen verstorbenen Züchters Dirk Hotze aus Brunsbüttel, Kreis Dithmarschen, und stellte dessen Fohlen auf Zuchtschauen vor. „So haben wir unsere Leidenschaft für die Zucht entdeckt“, erzählt sie.

Da Dirk Hotze aufgrund einer Behinderung keinen Führerschein besaß, übernahm Cordas Mutter den Transport seiner Pferde zu Deckstationen und Zuchtschauen. Obwohl sie selbst nicht ritt, entschied sie sich Mitte der 1990er Jahre, eine eigene Zuchtstute zu kaufen, weil sie Pferde sehr mochte. Mit einer Stute aus dem Holsteiner Stamm 2554, auch bekannt als der Hotze-Stamm aus Brunsbüttel, wurde der Grundstein für die heutige Zucht gelegt.

Klare Werte in der Zucht

Der Hof in Averlak wurde bereits von den Eltern erworben, als Corda Petersen und ihre Schwester noch im Turniersport aktiv waren. Heute lebt sie dort und teilt sich mit ihrem Lebensgefährten die tägliche Arbeit rund ums Pferd. „Neben der Zucht sind wir beide in Vollzeit in Schichtarbeit tätig. Unsere Schichten liegen entgegengesetzt, sodass morgens und abends immer einer von uns auf dem Hof ist, um die Pferde zu versorgen“, erklärt die Züchterin.

Für Corda Petersen sind Pferde mehr als Nutztiere. „Mit ihnen habe ich eine große Verantwortung übernommen“, weiß sie. Hatte eine der acht Zuchtstuten beispielsweise eine besonders schwere Geburt, bekommt sie eine Pause und wird nicht sofort wieder gedeckt. Außerdem dürfen alle Zuchtstuten ihren Lebensabend auf dem Hof verbringen. In der Vermarktung geht das Paar realistisch vor. Zwar wird versucht, die Fohlen frühzeitig zu verkaufen, doch nach Petersens Erfahrung lassen sich die Pferde in der aktuellen Marktlage angeritten besser vermarkten. Früher ritt sie ihre Pferde selbst an und stellte sie zur Leistungsprüfung vor. Heute übernimmt dies aus Zeit- und Altersgründen ein Bereiter.

Die Haltung der Pferde orientiert sich an deren natürlichen Bedürfnissen. Täglicher Auslauf an der frischen Luft ist ebenso selbstverständlich wie eine ganzjährige Mineralfutterversorgung. Trächtige Stuten bekommen auch bei Weidegang zusätzliches Futter. Die Jungpferde leben getrennt nach Geschlechtern in Offenställen mit ganzjährigem Paddockzugang, hochwertigem Heu und Weidegang im Sommer.

Nur beste Erfahrungen hat Corda Petersen mit der Haltung in gemischtaltrigen Gruppen gemacht: „In jeder Gruppe steht ein älteres, erfahrenes Pferd, das die Jungpferde erzieht.“ Bei den Hengsten übernimmt diese Rolle ein 19-jähriger Wallach, ihr früheres Reitpferd. „Er bringt Ruhe in die Herde. Unsere Pferde sind dadurch sehr gut sozialisiert und viel besser händelbar.“ Dieses Prinzip wird auch bei den Stuten angewendet.

Unter dem Schweden Douglas Lindelöw war Conrad van de Mispelaere bis 1,50 m erfolgreich. Foto: Imago

Junge Zucht mit Erfolg

Mittlerweile werden auf dem Hof vier Holsteiner Stämme gepflegt, wobei der Stamm 2554 den Schwerpunkt bildet. Der Fokus liegt auf der Zucht von Springpferden. Dennoch spielen Bewegung und Rittigkeit eine zentrale Rolle. „Gute Bewegungen machen das Reiten leichter und spannender. Außerdem lässt sich ein Reitpferd mit einem gewissen Chic auf dem breiten Markt einfacher verkaufen“, betont Petersen.

Trotz der vergleichsweise jungen Zucht kann das Ehepaar auf schöne Erfolge zurückblicken: prämierte Fohlen, regelmäßige Teilnahmen am Fohlenchampionat in Dithmarschen, darunter ein Sieg 2023 für Ulixes von Uriko, sowie Zulassungen zum Landeschampionat mit einem vierten Platz für ein Hengstfohlen von Cascadello I–Balous Bellini vor zwei Jahren.

„Wir sind keine klassische Familienzucht, die bereits über Jahrzehnte hinweg selektiert hat. Trotzdem haben wir mit Conrad van de Mispelaere von Connor-Acord II ein sehr schönes Pferd gezüchtet, das unter dem schwedischen Reiter Douglas Lindelöw im Springsport bis 1,50 Meter erfolgreich war. Außerdem haben wir einige Pferde ins Ausland verkauft, die teilweise bis zur schweren Klasse im Springsport gingen“, berichtet die Züchterin.

Besonders stolz ist sie auf die Stute Hope, ein echtes „Stehaufmännchen“: „Hope verlor bei der Geburt ihre Mutter und wurde von einer Islandstute als Amme aufgezogen. Das hat auf der Holsteiner Fohlenschau natürlich für Lächeln gesorgt. Vor drei Jahren verletzte sich Hope schwer an der Brust, trug jedoch gleichzeitig ein Fohlen aus und hatte ein weiteres bei Fuß. Heute ist sie wieder topfit.“

Corda Petersen findet es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sich Körperbau, Charakter und Rittigkeit vererben. Das Herzblut, das sie in jedes Pferd steckt, geben die Tiere auf ihre eigene Weise vielfach zurück.