Start Blog

Hinaus ins Land und in die Welt!

0

Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen. Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände vorgestellt – heute: der KLFV Segeberg.

„Wir sind besonders reiselustig“, sagt die Kreisvorsitzende Petra Fahje. Das trifft natürlich nicht nur auf den KLFV Segeberg zu. Immerhin: Im April ging es mit dem Flugzeug für acht Tage nach Kroatien, im August findet eine Bus-Rundreise durch Norwegen statt – beides ausgebucht. Fahje und ihre Stellvertreterin Wiebke Bock kamen im Februar zurück von einer Wellnesswoche in Kolberg an der polnischen Ostseeküste. Sie wird drei Mal hintereinander angeboten, an allen dreien nahmen je rund 40 LandFrauen teil. „Abends wird gespielt oder getanzt“, berichtet Bock.

Auf der Piazza dell‘Anfiteatro in Lucca, einer baulich geschlossenen Elipse Fotos (2): Wiebke Bock
Nicht am schiefen Turm, sondern am Baptisterium in Pisa.

Die Ortsvereine (OV) stehen dem nicht nach: Der OV Bad Bramstedt gönnt sich eine Reise durch Schweden auf den Spuren von Inga Lind­ström und einen Adventsbeginn in Prag. Dazu kommen dieses Jahr Tagesfahren nach Meldorf, Fehmarn, in die Vier- und Marschlande oder eine Mini-Kreuzfahrt ab Travemünde. Bornhöved organisierte eine Reise nach Slowenien – kurz vor der erwähnten Reise des KLFV nach Kroatien –, besucht Schloss Bothmer bei Boltenhagen und fährt nach Kappeln. Tagesfahrten gehen vom OV Nahe aus nach Warnemünde, Fehmarn und Lüneburg. Der OV Neuengörs hat eine Raddampferrundfahrt auf der Elbe bei Lauenburg gebucht. Schlamersdorf radelt durchs Ammerland, Todesfelde besucht die Störtebeker-Festspiele auf Rügen und erkundet im Oktober vier Tage das Weserbergland.

Man sieht: Die Segeberger LandFrauen zieht es mitunter weit über die Kreis-, Landes- und gar Bundesgrenzen hinaus! Doch die heimischen Gefilde verschmähen sie keineswegs. So findet jährlich um den Siebenschläfertag (27. Juni) eine Fahrradtour mit Betriebsbesichtigung statt, die reihum ein Ortsverein organisiert, dieses Jahr der OV Leezen mit Besuch der Meierei Lactoprot. Bornhöveder LandFrauen sind regelmäßig Gäste im ErlebnisWald Trappenkamp mit Programm und Picknick, junge Frauen bringen ihre Kinder mit.

Das Rad – offensichtlich ein Lieblingsfortbewegungsmittel der Segeberger LandFrauen – spielt auch eine tragende Rolle bei ihrer Beteiligung an der jährlichen Big Challenge, einer Benefiztour zugunsten der Krebsforschung. Zum European People Festival (EPF) reisen Ende Juli rund 500 junge Leute aus verschiedenen Nationen in Bad Segeberg an, nehmen an Sportaktivitäten teil und präsentieren ihre Länder. Sie sind in Schulen oder privat untergebracht, die LandFrauen verteilen das Frühstück, das von Firmen gespendet wird. Auch für den Berufswettbewerb der Landjugend wird so das Frühstück organisiert.

Weitere sportliche Veranstaltungen sind gang und gäbe (Rückenschulung, Line-Dance), aber auch inhaltliche Themen wie Aufklärung über den Enkeltrick. Jedes Jahr im Februar gestalten Ortsvereine Kinoabende in Bad Segeberg, für die sie die Filme aussuchen. In Hartenholm probt der LandFrauenchor Sing for Fun. Zum 500. Geburtstag von Heinrich von Rantzau hielt die Bad Segeberger Gleichstellungsbeauftragte Beate Mönkedieck einen Vortrag über dessen Ehefrau Christine von Halle, die selbstständig wirtschaften konnte und von ihrem berühmten Mann auf Augenhöhe behandelt wurde. Wiebke Bock, früher betriebliche Hauswirtschaftsleiterin, bietet auf Anfrage Hygieneschulungen an, „damit die LandFrauen wissen, welche Vorschriften sie bei ihren Veranstaltungen beachten müssen“. In Workshops wird für die Kommunalpolitik motiviert und Mut gemacht, sich dort einzubringen. Viele LandFrauen sind in ihren Gemeinderäten aktiv.

Neues Gesicht in der Geschäftsstelle

Es gibt ein neues Gesicht in der Geschäftsstelle des LandFrauenverbandes. Seit Mitte Mai verstärkt Dr. Claudia Kleimann-Balke als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen das Team. „Als Kind aus dem Ruhrgebiet bin ich vor knapp 20 Jahren in den Norden gezogen und habe den Schritt von der Großstadt aufs Land gewagt“, erzählt sie. „Bereut habe ich das keinen Tag.“ Als freie Journalistin lernte sie Land und Leute kennen und hatte immer wieder Begegnungen mit LandFrauen – und die waren stets positiv und bereichernd. Als sie die Stellenausschreibung für diese Position sah, war ihr sofort klar: Die suchen genau mich. Ihre neue Aufgabe sieht sie als Chance, möchte die vielfältigen Themen von Frauen sichtbar machen und die Geschichten hinter dem großen Engagement erzählen. „Die LandFrauen leisten unglaublich viel für unsere Gesellschaft – gerade im ländlichen Raum, wo Engagement, Zusammenhalt und starke Stimmen besonders zählen.“ Dr. Claudia Kleimann-Balke lebt mit Mann und Hund in Treia, ist viel mit dem Rad unterwegs und erkundet gern neue Orte mit der Kamera. lfv

EU-Gesetzgeber einigen sich

0

Nach einigem Hin und Her ist es der EU-Kommission, dem Rat und dem Europaparlament nun doch noch gelungen, sich auf die Rahmenbedingungen für die im August 2025 skizzierte Handelsvereinbarung zwischen der EU und den USA zu verständigen. Der finalisierte Kompromiss lässt die Handschrift des Europaparlaments erkennen, das sich mit einigen Anpassungen der Kommissionsvorschläge durchgesetzt hat. Das Ergebnis soll nun als Grundlage für den weiteren Dialog mit den USA dienen, um Zölle zu senken und bei gemeinsamen Herausforderungen eng zusammenzuarbeiten.

Konkret geht es um zwei Gesetze. Ein Rechtsakt ist wesentlich umfangreicher und wird deshalb auch als Hauptverordnung bezeichnet. Diese soll die verbleibenden Zölle auf US-Industriegüter beseitigen und den amerikanischen Herstellern und Erzeugern einen bevorzugten Marktzugang gewähren. Profitieren sollen unter anderem bestimmte Meeresfrüchte und nicht als sensibel bewertete Agrarprodukte. Die zweite Verordnung konzentriert sich auf die Verlängerung der Zollaussetzung für US-Hummerimporte, einschließlich verarbeiteter Hummer.

Auf Druck der Abgeordneten werden in der Hauptverordnung die sogenannten Sonnenscheinklauseln eingeführt. Das bedeutet: Der zentrale Rechtsakt über Einfuhren von Industrie- und Agrarprodukten läuft am 31. Dezember 2029 aus. Vor diesem Datum wird die EU-Kommission eine umfassende Bewertung der Auswirkungen des Abkommens sowie der Veränderungen der Handelsmuster mit Drittländern vornehmen. Die Geltungsdauer der Verordnung kann auf Vorschlag der Kommission verlängert werden.

Außerdem verständigten sich die Gesetzgeber auf einen Schutzmechanismus für den Fall, dass die den USA gewährten Zollpräferenzen zu einem Anstieg der Einfuhren führen und der heimischen Wirtschaft, einschließlich des Agrarsektors, ernsthaften Schaden zuzufügen drohen. Die Kommission kann zudem von sich aus oder auf der Grundlage von Informationen eines oder mehrerer Mitgliedstaaten oder des Europäischen Parlaments eine Untersuchung einleiten. Darüber hinaus wird die Brüsseler Behörde dem Parlament und dem Rat vierteljährlich über Veränderungen des Handelsvolumens und -wertes im Rahmen des Abkommens berichten.

Über eine verstärkte Ausstiegsklausel können die Zollpräferenzen auch ausgesetzt werden, wenn die USA die Bedenken der Union hinsichtlich der zollrechtlichen Behandlung von Exporten der EU, die bis zum 24. Februar 2026 von der pauschalen Zollobergrenze von 15 % profitierten, nicht ausräumen.

Da die Vereinigten Staaten unmittelbar nach der politischen Übereinkunft im August vergangenen Jahres mehr als 407 Produktkategorien in die Liste der zollpflichtigen Stahl- und Aluminiumderivate aufgenommen haben, war man jetzt auf europäischer Seite der Ansicht, weitere Schutzmechanismen einführen zu müssen.

Die Kommission kann nun die Zollpräferenzen aussetzen, wenn die USA bis zum 31. Dezember 2026 weiterhin einen Zollsatz von über 15 % auf Stahl- und Aluminiumderivate aus der EU erheben. Darüber hinaus wird die Kommission dem Europaparlament und dem Rat bis zum 1. Dezember 2026 über die zollrechtliche Behandlung von Stahl- und Aluminiumderivaten Bericht erstatten müssen. age

Chancen für EU-Agrarprodukte

EU-Mexiko-Handelsabkommen

Die Europäische Union und Mexiko haben ihr bestehendes Handelsabkommen modernisiert und erweitert. Mit den neuen Handelsregeln werden nach Angaben aus Brüssel Handel und Investitionen zwischen den EU-Staaten und Mexiko erleichtert. Neue Absatzchancen dürften sich damit auch europäische Lebensmittelexporteure erhoffen, schließlich ist Mexiko ein Netto-Importeur von Nahrungsmitteln.

Nach Angaben der EU-Kommission war Mexiko mit einem Exportwert von zuletzt rund 2,7 Mrd. € das Bestimmungsland für ungefähr 1 % der gesamten europäischen Nahrungsmittel- und Getränkeausfuhren. Zu den wichtigsten Exportgütern zählten Milchprodukte mit einem Volumen von 175 Mio. €, Gemüse mit 253 Mio. € und Weinprodukte für 211 Mio. €. Das Handelsvolumen dürfte nun weiter zunehmen, da Mexiko durch das Abkommen in den nächsten sieben bis zehn Jahren schrittweise seine bislang hohen Zölle unter anderem auf folgende Produkte senken wird:

Geflügel: bislang bis zu 100 %, künftig 0 %

Schweinefleisch: bislang bis zu 45 %, künftig 0 %

Schweinelenden: bislang bis zu 45 %, künftig 0 % für 10.000 t pro Jahr

Blauschimmelkäse: bislang bis zu 45 %, künftig 0 %

anderer Käse: bislang bis zu 45 %, künftig 0 % für 20.000 t pro Jahr

Schokolade: bislang bis zu 20 %, künftig 0 %

Das Abkommen enthält laut Kommission zudem verbindliche Vorgaben für Arbeitsrecht, Umweltschutz, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit. Zudem werde garantiert, dass sämtliche EU-Standards bei mexikanischen Lebensmitteleinfuhren eingehalten würden.

Weiter liberalisiert werden zudem unter anderem Handel und Investitionen in den Bereichen Grüne Technologien, kritische Rohstoffe und digitale Dienstleistungen. age

Eine historische Bahnstrecke feiert Jubiläum

Die Ostholsteiner Eisenbahn feiert Jubiläum: Am 27. Mai wurde die historische Bahnverbindung zwischen Neumünster und Neustadt genau 160 Jahre alt. Grund genug für den Regionalforscher Volker Griese, die historische Strecke mit einer spannenden Buchveröffentlichung zu feiern. Unter dem Titel „Die Ostholsteinische Eisenbahn – Planung, Bau, Betrieb“ beleuchtet der Autor aus Wankendorf (Kreis Plön) die Entstehung und Entwicklung der Bahnstrecke – und berichtet dabei auch von einer ungewöhnlichen Wette.

Volker Griese mit seinem Buch über die Ostholsteiner Eisenbahn
Foto: Sven Tietgen

Volker Griese kennt die Bahnverbindung noch aus eigenem Erleben. Nicht nur zur Schule nach Plön fuhr der heute 61-jährige Orts- und Regionalhistoriker mit der ostholsteinischen Eisenbahn. Auch Einkäufe in Neumünster erledigte er mit dem Zug. „Das haben viele Wankendorfer damals gemacht, Neumünster galt als Einkaufsstadt. In 20 min waren wir dort, das schafft man nicht einmal mit dem Auto, geschweige denn mit dem Bus“, sagt der Diplom-Ingenieur. Im Jahr 1985 stiegen allerdings letztmals Reisende in die Ostholsteiner Eisenbahn, drei Jahre später rollte der letzte Güterzug nach Wankendorf.

Die Bahnstrecke fiel den Rationalisierungsplänen der Bundesbahn zum Opfer – trotz heftiger Proteste in den betroffenen Gemeinden, schreibt Volker Griese in seiner 140-seitigen Dokumentation. Inzwischen ist die 62,1 km lange Bahnverbindung nur noch in Teilen befahrbar, nachdem teilweise Gleisanlagen und auch Brücken abgebaut wurden. Dennoch hat es immer wieder Versuche gegeben, die Ostholsteiner Eisenbahn zu reaktivieren. Bislang vergeblich.

Die Geschichte der Bahnstrecke geht zurück bis ins Jahr 1837. Damals gab es Überlegungen, die erste Bahnstrecke in Schleswig-Holstein von Hamburg-Altona nach Kiel alternativ über Preetz, Wankendorf, Bornhöved und Segeberg zu bauen. Die Entscheidung für die heutige Strecke, die 1844 eröffnet wurde, fiel dann wegen des deutlich flacheren Bodenreliefs – und weil die Stadt Elmshorn eine höhere Beteiligung am Aktienkapital angeboten hatte.

Diese Postkarte zeigt den Bahnhof Wankendorf im Jahr 1900. Foto/Postkarte: privat

Der Erfolg der ersten Eisenbahnverbindung im Land rief dann die dänische Regierung auf den Plan. Jetzt sollte auch die ostholsteinische Region, die damals zu Dänemark gehörte, mit einer Bahnlinie erschlossen werden. „Die Region war sehr rückständig, Wankendorf zum Beispiel bestand in dieser Zeit nur aus 15 Bauernhöfen und ebenso vielen Tagelöhnerkaten“, erzählt Volker Griese, der seit Jahrzehnten die örtliche und regionale Historie aufarbeitet. Die Idee einer Bahnlinie von Neumünster nach Neustadt fiel besonders in den bisher abgehängten Orten wie Plön auf fruchtbaren Boden. Die Planungen der Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft (AKEG), die vom dänischen Königreich entsprechende Lizenzen erhielten, zogen sich aber über viele Jahre hin. Widerstände gab es bei der Streckenführung von Gutsbesitzern und auch vom dänischen König, der ein Dampfross auf Gleisen durch seinen Schlossgarten am Plöner See vehement ablehnte. Zudem gab es unter vielen Aktionären in der AKEG Befürchtungen, dass sich die Investition über 4 Mio. Mk nicht rechnen könnte.

Nur für die Kaiserfamilie: der Haltepunkt am Plöner Schloss
Foto/Postkarte: privat

Dazu gehörte auch der Hamburger Senat, der den Projektbefürwortern mangelnde Rentabilität vorwarf. Über Jahre zogen sich Verhandlungen und Gespräche hin – bis ein britischer Eisenbahnunternehmer für den Durchbruch und eine Einigung mit der AKEG sorgte. Samuel Morton Peto hatte sich mit seinen Gesellschaften über den ganzen Kontinent ausgebreitet, in der Region besaß der Brite bereits die Bahnstrecke Rendsburg-Neumünster. Der Beschluss habe auch mit geopolitischen Entwicklungen zu tun gehabt, schreibt Volker Griese: Nachdem Dänemark im Jahr 1864 den Krieg gegen Preußen und Österreich verlor, verschwand der Einfluss der dänischen Regierung auf das Bahnprojekt.

Detailliert schildert Griese die Hintergründe um die Planung und den Bau der Bahnlinie. Innerhalb von nur zwei Jahren bauten Heerscharen von Arbeitern unter Leitung britischer Ingenieure Gleisanlagen, dazu wurden Bahnhöfe im spätklassizistischen Stil gebaut – in Plön, Eutin und Neustadt ebenso wie in Wankendorf und weiteren Orten. Weiterhin wurden Brücken und Dämme errichtet, dabei bewegten die Arbeiter viele Tausend „Pott“ Erde. Während der Bauarbeiten sprach sich in der Region auch die Wettleidenschaft der britischen Eisenbahnexperten herum. Ein Kaufmann aus Neustadt – in der Zeitung als „Herr J. L. jr.“ vorgestellt – forderte die Ingenieure wenige Wochen vor der Fertigstellung zu einer Wettfahrt auf. Mit seinen zweispännigen Kutsche wollte der Neustädter schneller von Eutin nach Plön fahren als die Briten mit einer Handhebel-Draisine. Nach 38 min rauschte der Kaufmann unter dem Jubel vieler Schaulustiger als Erster ins Ziel, die Briten kamen erst 9 min später an.

Ein historischer Moment: der Bahnhof von Ascheberg mitsamt Personal im Eröffnungsjahr 1866
Foto/Postkarte: privat

Nach der festlichen Einweihung inklusive Befahrung der neuen Bahnlinie am 27. Mai 1866 ging es mit der Region wirtschaftlich steil bergauf. Innerhalb weniger Jahre wuchsen durch den Schienenverkehr mit Personen- und Güterzügen die Bevölkerung und die Wirtschaft in der ostholsteinischen Region massiv an. „In Wankendorf verdoppelte sich die Einwohnerzahl, rund um den Bahnhof siedelten sich Handwerks- und Industriebetriebe an, die vorher abgeschiedene Region hatte nun eine Verbindung zur großen weiten Welt“, erklärt Volker Griese.

Der Regionalforscher dokumentiert in seinem Buch auch die weitere Entwicklung der ostholsteinischen Eisenbahn. So schildert der Wankendorfer den Bau einer Haltestelle unterhalb des Plöner Schlosses, die extra für die Söhne von Kaiser Wilhelm II. errichtet wurde. „Den kaiserlichen Sprösslingen sollte nicht zugemutet werden, den langen Weg vom Stadtbahnhof auf sich zu nehmen“, berichtet Volker Griese. Die kaiserliche Haltestelle wurde mit einem 175 m langen Bahnsteig versehen. Dazu entstand eine Wartehalle im norwegischen Stil – als 23 m langes Blockhaus mit zwei Seitenflügeln.

Der letzte Zug von Neumünster nach Ascheberg hält am 28. September 1985 in Wankendorf.

Auf rund einem Dutzend Seiten listet der Regionalforscher Unfälle, Zusammenstöße mit Randalierern und kriminelle Aktivitäten auf. Überregional bekannt wurde der sogenannte Preetzer Butterdiebstahl im Oktober 1919. Als sich ein Zug langsam in Bewegung setzte, sprang ein Jugendlicher von der dem Bahnsteig abgewandten Seite auf einen Güterwaggon und warf zwischen Preetz und Kühren zwölf Fässer mit zusammen 600 kg Butter aus dem Wagen – und verschwand spurlos beim nächsten Halt. Kriminalbeamte aus Altona ermittelten Monate später sechs Tatbeteiligte. Der Haupttäter, ein Bahnbediensteter, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Griese widmet weiterhin dem Alltagsbetrieb der ostholsteinischen Eisenbahn und der Nachkriegszeit eigene und detailreiche Kapitel. Unter der Überschrift „Das Ende“ beleuchtet der Wankendorfer den Rückzug der Deutschen Bundesbahn aus dem Güter- und Personenverkehr im Land. 1978 wurde die „Sonntagsruhe“ auf der Strecke eingeführt, 1982 und 1983 stellte die Bahn zwischen Eutin und Neustadt den Schienenverkehr ein, 1985 kam dann das von Protesten begleitete Aus für den Abschnitt zwischen Neumünster und Wankendorf.

Schon lange fährt kein Zug mehr über die zugewachsenen Gleise.
Foto: Sven Tietgen

Eine Reaktivierung der historischen Strecke kann sich Volker Griese nur schwer vorstellen. „Aus Umweltgründen wäre das sicherlich eine gute Sache. Aber der Bahnhof in Wankendorf ist mittlerweile an privat verkauft worden, die Eisenbahnbrücke vor Ascheberg wurde abgerissen, und der Unterbau unter den noch vorhanden Gleisen ist durch Pflanzenbewuchs beschädigt, da müsste wohl sehr viel investiert werden.“



Literatur:

Die Ostholsteinische Eisenbahn – Planung, Bau, Betrieb, von Volker Griese, 140 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 978-3-6951-7227-6. Das Buch ist für 10 € im Buchhandel erhältlich. Weitere Informationen gibt Volker Griese per E-Mail an:
vgriese@aol.com

Emilio und der gute Geschmack des Fleisches

Emilio betreibt ein kleines Restaurant im italienischen Ort Bibbiano südwestlich von Parma. Die Region Emilia-Romagna ist weltbekannt für gutes Essen: Parmaschinken, Parmesan, Mortadella oder Spaghetti bolognese haben hier ihr Zuhause. Emilio schlachtet und zerlegt seit 30 Jahren Tiere. Während man im simpel gehaltenen Gastraum bei paniertem Schweinespeck auf seine Bestellung wartet, kann man „Das große Buch des Fleisches“ von Arthur le Caisne studieren, das hier ausliegt. Es führt viele Rassen, Zuschnitte und Zubereitungstechniken auf – deutsche Rinder- oder Schweinerassen sucht man in dem Buch allerdings vergeblich.

So weit, so erwartbar. Etwas unerwartet aber, dass Emilio im Gespräch auf einfachster sprachlicher Ebene erklärt, er schätze und verarbeite Fleisch von deutschen Rindern, die „rosso-bianco“, also rot-weiß seien. Schätzungsweise meint er das Fleckvieh, das als Zweinutzungsrind auch bei uns ein Liebling der guten Gastronomie ist.

Was hat das mit heimischen Tierhaltern zu tun? Ganz einfach: In einer Region, die den Geschmack sozusagen erfunden hat, wird deutsches Rindfleisch serviert – nicht, weil es ökologisch erzeugt, regional aufgezogen oder unter Tierwohllogo gemästet wurde. Sondern weil es fein marmoriert, saftig und zart ist. Geschmack überzeugt. In Deutschland stammt das meistverkaufte Rindfleisch von Jungbullen, die 18 Monate im Stall gehalten werden und deren Fleisch kurz nach dem Schlachten und Zerlegen „frisch“ auf dem Markt kommt. So lautet die Werbung. Schon der geringe Fettanteil würde Emilio vom Kauf abhalten.

Der Verzicht auf die Fleischreifung tut ein Übriges. Denn „frisch“ ist bei Rindfleisch kein Geschmacksmerkmal, sondern Zeichen eines möglichst schnellen und damit kostengünstigen Warenumschlags im Schlachthof.

Fett macht das Fleisch zart, saftig und schmackhaft. Tierhalter selbst entscheiden sich für die eigene Kühltruhe meistens gegen das marktgängige Jungbullen-Konzept. Doch beim deutschen Kunden entscheidet das Portemonnaie über den Einkauf – in Italien ist es der Gaumen. Während man bei Emilio Variationen von lecker eingelegten Zwiebeln als Beilage bekommt, treibt uns das „Zwiebelleder“ die Tränen in die Augen. Der ständige Blick ins Portemonnaie verdirbt den guten Geschmack.

Heute versucht die Fleischbranche, den Kauf über den Kopf zu steuern: Herkunft und Haltung der Tiere sollen zum Kauf anregen. Beides ist objektiv überprüf- und vergleichbar. Es appelliert an Verstand und Moral: Wenn ich schon Fleisch esse, dann soll das Tier zumindest gut gelebt haben. Das ist nicht falsch, aber es lässt das Produkt nicht besser schmecken und hat selbst einen asketischen Beigeschmack. Es gibt in Deutschland gute, wirtschaftsgetragene Systeme, die sicherstellen, dass unsere Nutztiere es besser haben als je zuvor. Es fehlen aber Systeme, die den Menschen glücklich machen und ihm über den Schmerz des „Zwiebelleders“ hinweghelfen.

Hierzulande streitet man über das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz; in Italien gilt: „L‘amore passa attraverso lo stomaco“ – Liebe geht durch den Magen. Dolce Vita und (funktionierende) deutsche Systeme zusammen – das wäre ein echter Mehrwert.


Bedeutet eine verlängerte Tränke größere Zunahmen?

0

Die Aufzucht der Kälber legt den Grundstein für leistungsstarke und gesunde Milchkühe von morgen. Dabei spielt unter anderem das Wachstum innerhalb der ersten sechs Lebensmonate eine wichtige Rolle. Kälber, die frühzeitig große tägliche Zunahmen erreichen, zeigen sich oft in ihrem späteren Leben als Milchkuh leistungsstärker und langlebiger. Dieser Effekt wird auch als metabolische Programmierung bezeichnet. Erreichen die Kälber während der Tränkephase zum Beispiel tägliche Zunahmen von mehr als 800 g, kann genau dieser Effekt beobachtet werden. Bleiben die täglichen Zunahmen unter 800 g, zeigt sich im späteren Verlauf der Aufzucht kompensatorisches Wachstum, währenddessen die Unterschiede zumeist wieder aufgeholt werden. Dennoch erreichen diese späteren Milchkühe mitunter nicht die gleiche Leistung.

Vor diesem Hintergrund erprobte das Lehr- und Versuchszentrum (LVZ) Futterkamp der Landwirtschaftskammer ein abgewandeltes Tränkeverfahren. Bisher wurden die Kälber über die ersten 77 Lebenstage mit einer Milchaustauscherqualität getränkt. Ziel der Erprobung war es, die Tränkephase auf 105 Tage zu verlängern und während der Abtränkphase (ab dem 63. Lebenstag) auf einen Milchaustauscher mit reduziertem Magermilchanteil zu setzen, der gleichzeitig einen Anteil an pflanzlichem Protein enthielt. Das pflanzliche Protein sollten die Kälber in dieser Lebensphase bereits verwerten können.

Das schwarzbunte Kuhkalb erreichte tägliche Zunahmen von 1.121 g.

Ablauf des Tränkeversuchs

Für die Erprobung wurden die Tränkeaufnahmen und die Gewichtsentwicklung aller von April 2024 bis Januar 2025 geborenen Kälber berücksichtigt. Zusätzlich wurde die Gesundheit der Kälber betrachtet, die durch sogenannte Gesundheitschecks (Projekt „InnoRind“) dreimal wöchentlich bewertet wurde. Zur Einteilung in die Vergleichsgruppen „Versuch“ und „Kontrolle“ wurde die Aufzucht innerhalb der ersten 14 Lebenstage zugrunde gelegt. Hier unterschieden sich die Gruppen durch die Aufzucht im Einzeliglu (Kontrollgruppe) beziehungsweise in der frühen Gruppenhaltung (Versuchsgruppe). Innerhalb dieser Aufzuchtphase wurden die Kälber der Kontrollgruppe mittels Eimertränke zweimal täglich mit je 7 l Vollmilch getränkt. Die Kälber der Versuchsgruppe wurden während der ersten beiden Lebenstage ebenfalls über den Tränkeeimer mit Kolostrum versorgt und dann in die frühe Gruppenhaltung entlassen, wo sie am Tränkeautomat mit Milchaustauschertränke (Normi Plus) versorgt wurden. Am 15. Lebenstag wurden alle Kälber in den Holsteiner Kälberstall des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp umgestallt und gleichermaßen mit Milchaustauschertränke versorgt. Die Tränkephase ließ sich anhand der eingesetzten Milchaustauscher in drei Abschnitte einteilen. Während in Abschnitt 1 (Normi First Class: 15. bis 52. Lebenstag) und Abschnitt 3 (Normi Com: 63. bis 105. Lebenstag) je ein Milchaustauscher vertränkt wurde, wurden zur Änderung diese beiden unterschiedlichen Zusammensetzungen über zehn Tage miteinander verschnitten, um einen abrupten Wechsel und dessen Auswirkungen zu vermeiden.

Insgesamt wurden je Gruppe Daten von 55 Kälbern für die Auswertung berücksichtigt, die sich, wie in Tabelle 1 aufgeführt, auf Beef-on-Dairy-Kreuzungen und schwarzbunte Kälber aufteilten.

Deutliche Unterschiede in der Igluphase

Da insbesondere in der ersten Aufzuchtphase (erster bis 14. Lebenstag) Unterschiede im Tränkemanagement vorlagen, wurde zunächst diese Phase bewertet. Die Gewichtsentwicklung begann innerhalb der Kontrollgruppe bei einem mittleren Geburtsgewicht von 41,4 kg. Die Kälber der Versuchsgruppe wiesen ein mittleres Geburtsgewicht von 42,6 kg auf. Untersucht wurden in der Igluphase die Merkmale Tränkeaufnahme, Umstallgewicht und tägliche Zunahmen. Hier zeigte sich in der Kontrollgruppe eine insgesamt höhere Tränkeaufnahme (Abbildung 1). Während die Kolostrumaufnahme innerhalb der ersten 48 Lebensstunden mit 5.117 g (Kontrollgruppe) und 5.113 g (Versuchsgruppe) auf einem nahezu identischen Niveau war, zeigte sich ab dem dritten Lebenstag im Mittel ein deutlicher Unterschied. Mit 9.893 g pro Tag nahmen die Kälber aus der Kontrollgruppe rund 1.000 g mehr Tränke auf als die Versuchsgruppe mit 8.782 g pro Tag. Trotz dieser deutlichen Unterschiede in der Tränkeaufnahme entwickelte sich das Körpergewicht in beiden Gruppen ähnlich, sodass die Kälber beider Gruppen mit einem mittleren Gewicht von 57 kg in die nächste Aufzuchtphase im Holsteiner Kälberstall starteten. Gemessen am mittleren Geburtsgewicht nahmen die Kälber der Kontrollgruppe 1.115 g und die Kälber der Versuchsgruppe 1.037 g pro Tag zu.

Mittlere tägliche Zunahmen über 800 g

Ab dem 15. Lebenstag zeigte sich die Entwicklung der Tränkeaufnahmen anders. Hier nahmen die Kälber der Versuchsgruppe während der Ad-libitum-Phase täglich mehr Tränke auf als die der Kontrollgruppe (Abbildung 2). Im Mittel nahmen die Kälber der Versuchsgruppe während der Ad-libitum-Versorgung 9.351 g Tränke pro Tag auf. Die Kälber der Kontrollgruppe erreichten in dieser Phase tägliche Tränkeaufnahmen von 8.798 g. In der restriktiven Phase während des Abtränkens nahmen die Kälber der Versuchsgruppe im Mittel 6.514 g und die Kälber der Kontrollgruppe 6.377 g auf. Trotz dieser Unterschiede zeigten beide Gruppen vergleichbare tägliche Zunahmen. Im Mittel der gesamten Gruppe nahmen die Kälber der Versuchsgruppe rund 1.073 g je Tag zu, die Kälber der Kontrollgruppe lagen bei einer täglichen Zunahme von 1.087 g. Der Vergleich der Beef-on-­Dairy-Kreuzungskälbern mit den schwarzbunten Kuhkälbern zeigt deren Wachstumspotenzial deutlich auf (Tabelle 2).

Insgesamt zeigen sich im Vergleich der Gruppen nur geringe Unterschiede in den täglichen Zunahmen. Dies war aufgrund der nur geringen Unterschiede zwischen den Gruppen in der Aufzuchtphase nicht anders zu erwarten. Es wird dennoch deutlich, dass unabhängig vom Tränke- und Haltungsverfahren innerhalb der ersten 14 Lebenstage mittlere tägliche Zunahmen von deutlich über 800 g in der gesamten Aufzuchtphase erreicht werden können. Es ist also anzunehmen, dass die Kälber die aufgewendeten Ressourcen gut ausnutzen und dieses Wachstum auch nach dem Abtränken beibehalten, ohne in kompensatorisches Wachstum zu verfallen.

77 versus 105 Tage Tränkedauer

Neben den eingesetzten Milchaustauschern hat sich auch die Dauer der Tränke verändert. Bis zur Erprobung wurden die Kälber bis zum 77. Lebenstag getränkt. Es liegt also nahe, hier einmal den Vergleich des alten und des neuen Tränkeverfahrens anzustellen. Dazu wurden die Daten aller weiblichen Kälber aus dem Jahr 2023 (27 Beef-on-Dairy-Kuhkälber, 39 schwarzbunte Kuhkälber) herangezogen und hier die täglichen Zunahmen während der Aufzuchtphase im Holsteiner Kälberstall miteinander verglichen. Der Gruppenvergleich macht deutlich, dass die täglichen Zunahmen im alten Tränkeverfahren mit 999 g je Kalb geringer ausfielen als im neuen. Hier erreichten die Kuhkälber insgesamt tägliche Zunahmen von 1.052 g, für die schwarzbunten Kuhkälber zeigte sich der Unterschied am deutlichsten. Hier waren die täglichen Zunahmen um rund 100 g höher als nach altem Tränkeverfahren. Trotz der Unterschiede wird deutlich, dass auch mit einer kürzeren Tränkephase hohe tägliche Zunahmen erreicht werden können, durch eine verlängerte Abtränkphase jedoch ein weicherer Übergang in die nächste Aufzuchtphase geschaffen werden kann.

Umfassende Gesundheitschecks

Parallel zur beschriebenen Erprobung lief das Projekt „InnoRind“, währenddessen die Kälbergesundheit detailliert beobachtet wurde. Das Augenmerk lag auf den Merkmalen Allgemeinzustand, Husten, Nasenausfluss, Augen, Ohren, Kotverschmutzung und Nabel. Während sich innerhalb der ersten 14 Lebenstage noch ein Unterschied im Merkmal Nasenausfluss (häufiger in der Versuchsgruppe) zeigte, waren in der weiteren Aufzucht insgesamt wenige Auffälligkeiten zu beobachten. Diese verteilten sich zudem gleichmäßig auf Versuchs- und Kontrollgruppe.

Fazit

Mit der beschriebenen Erprobung sollte der Einfluss verschiedener Milchaustauscherrezepturen in verlängerter Tränkephase auf die Tränkeaufnahme und die täglichen Zunahmen untersucht werden. Insgesamt zeigten sich mit über 1.000 g sehr hohe tägliche Zunahmen für alle Kälber. Durch dieses Tränkeverfahren konnten die vorher in kürzerer Zeit erreichten täglichen Zunahmen von über 1.000 g gesteigert werden. Es bleibt zu bewerten, ob sich der Einsatz der Ressourcen als metabolische Programmierung innerhalb der ersten Laktation der an der Erprobung beteiligten Tiere zeigt.

Regenerativer Ackerbau im Exaktversuch

0

Die Herausforderungen im Ackerbau nehmen auch in Schleswig-Holstein spürbar zu. Schwankende Niederschläge, zunehmende Wetterextreme und steigende Betriebsmittelkosten stellen viele Betriebe vor die Frage, wie sich zukünftig stabile Produktionssysteme etablieren lassen. Hinzu kommt, dass der Boden als wichtigste Produktionsgrundlage im Ackerbau in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts seine Funktionalität verloren hat: Verdichtungen, schlechte Wasseraufnahmefähigkeit, Erosion und Verschlämmung stellen schon längst keine Ausnahme mehr dar.

Vor diesem Hintergrund gewinnt in den vergangenen Jahren ein Ansatz an Aufmerksamkeit, der den Boden bewusst in den Mittelpunkt stellt: die Regenerative Landwirtschaft.

Was bedeutet „regenerativ“?

Der Begriff „regenerativ“ ist nicht einheitlich definiert und wird in der Praxis zum Teil unterschiedlich interpretiert. Im Kern geht es darum, den Boden nicht als Blackbox, sondern vielmehr als lebendiges System zu verstehen und ihn als solches gezielt zu fördern.

Ein zentraler Gedanke dabei ist das sogenannte Soil Food Web, also das Nahrungsnetz im Boden. Darunter versteht man das Zusammenspiel von lebenden Pflanzen, von Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen sowie von Regenwürmern und anderen Bodenlebewesen. Jede Organismengruppe erfüllt dabei wichtige Aufgaben in Bezug auf die Zersetzung organischer Substanz, die Nährstofffreisetzung oder die Bildung stabiler Bodenaggregate. Sie sind also unabdingbar, um Bodenfruchtbarkeit aufzubauen und langfristig zu erhalten.

Anders als in festgelegten Bewirtschaftungssystemen, beispielsweise dem Ökolandbau, stehen in der Regenerativen Landwirtschaft keine konkreten Vorgaben im Vordergrund, sondern vielmehr Prinzipien, die je nach Standort und betrieblichen Gegebenheiten individuell umgesetzt werden können.

Zu diesen Grundsätzen zählen insbesondere:

eine möglichst dauerhafte Bodenbedeckung durch lebende Pflanzen

reduzierte Bodenbearbeitung

vielfältige Fruchtfolgen

gezielte Förderung von Bodenorganismen

Wie und in welcher Intensität diese Prinzipien umgesetzt werden, kann von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich aussehen. So können die angewendeten ackerbaulichen Maßnahmen von intensivem Zwischenfruchtanbau über Begleitsaaten bis hin zum Agroforst reichen und auch die Tierhaltung einbeziehen.

Exaktversuch zu regenerativen Maßnahmen

Um die tatsächliche Wirkung einzelner Maßnahmen auf die Bodenfruchtbarkeit besser bewerten zu können, wurde im Herbst 2023, unterstützt vom Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur Schleswig-Holstein sowie der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft, auf dem Versuchsfeld Lindenhof der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW Kiel) in Ostenfeld ein Exaktversuch angelegt. Ziel ist es dabei ausdrücklich nicht, ein komplettes „Regeneratives System“ zu testen und zu bewerten, sondern einzelne Bausteine des Regenerativen Ackerbaus unter vergleichbaren Bedingungen zu untersuchen.

Der Versuch ist in sechs Teilflächen angelegt, auf denen die sechs Fruchtfolgeglieder Wintergerste, Winterraps, Silomais, Ackerbohne, Winterweizen und Sommerhafer stehen. Jeder Block ist unterteilt in Parzellen, die weiterhin konventionell und betriebstypisch bewirtschaftet werden (Pflugeinsatz, Phacelia als Zwischenfrucht vor Mais) und Parzellen, die „Regenerativ“ bewirtschaftet werden (kein Pflugeinsatz, möglichst flache Bearbeitung, vielfältige Zwischenfrüchte und Untersaaten, Flächenrotte).

Die Versuchsanlage in Ostenfeld. Foto: Paul Beutin

Praxisfragen im Fokus des Versuchs

Der Versuch orientiert sich bewusst an Fragestellungen aus der Praxis. Im Vordergrund stehen vor allem:

• Bodenfruchtbarkeit: Verbessern sich die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Bodens?

• Wasser- und Nährstoffhaushalt: Lassen sich Unterschiede bei Wasseraufnahme und -speicherung sowie der Nährstoffverfügbarkeit feststellen?

• Umsetzbarkeit der Maßnahmen: Funktioniert die Umsetzung der Maßnahmen, insbesondere des Zwischenfruchtanbaus und der Flächenrotte auch unter norddeutschen Bedingungen?

Weitere Fragestellungen betreffen die Entwicklung der Ertragsparameter, insbesondere die Ertragsstabilität sowie mögliche Einsparungen von Betriebsmitteln. Auf dieser Grundlage soll perspektivisch auch eine vorsichtige wirtschaftliche Einordnung erfolgen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich das Bewirtschaftungssystem zunächst vollständig etablieren kann.

Raps mit abfrierender Begleitsaat. Foto: Ragna-Marleen Fey

Erste Beobachtungen aus dem Versuch

Auch wenn eine abschließende Auswertung noch nicht möglich ist, lassen sich erste Eindrücke aus dem Feld festhalten.

Studentische Arbeiten in dem Versuch haben gezeigt, dass sich schon nach kurzer Zeit der Umstellung eine höhere mikrobielle Aktivität sowie eine stellenweise höhere Regenwurmdichte in den regenerativ bewirtschafteten Parzellen eingestellt haben. Dies hat sich auch in einer aktuellen Erhebung der Regenwurmdichten verschiedener Versuche mit unterschiedlicher Bewirtschaftungsintensität bestätigt (siehe Abbildung; Versuch 5: Versuch zum Regenerativen Ackerbau). Auch erste Strukturunterschiede zeigen sich, beispielsweise rund-krümelige Aggregate und eine stärker angeraute Bodenoberfläche.

Die Erträge liegen in den ersten beiden Ernten bislang auf einem vergleichbaren Niveau wie bei den konventionellen Varianten – ein wichtiger Punkt im Hinblick auf die oft diskutierte Übergangsphase.

Gleichzeitig werden auch Herausforderungen sichtbar: Mit dem dauerhaften Bewuchs geht ein erhöhter Schneckenbesatz einher, und auch der Unkrautdruck stellt einen wichtigen Faktor dar. Insbesondere die reduzierte Bodenbearbeitung und die durch die Untersaaten eingeschränkte Herbizidanwendung erschweren ein konsequentes Eingreifen. Zudem gelingt die Etablierung von Zwischenfrüchten und Untersaaten witterungsbedingt nicht in jedem Jahr zuverlässig, sodass ihre unkrautunterdrückende Wirkung nicht immer gegeben ist.

Bisheriges Fazit und Ausblick

Die bisherigen Beobachtungen zeigen, dass sich bereits in einer frühen Phase Veränderungen im Boden feststellen lassen. Insbesondere die erhöhte biologische Aktivität und erste Verbesserungen in der Bodenstruktur deuten darauf hin, dass die angestrebten Bodenprozesse, beispielsweise der Start des Bodennahrungsnetzes, initiiert werden.

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Umsetzung mit praktischen Herausforderungen verbunden ist. Insbesondere Fragen des Unkrautmanagements und der erfolgreichen Etablierung von Zwischenfrüchten und Untersaaten sind entscheidend für den Erfolg im Feld.

Der laufende Versuch wird in den kommenden Jahren weitergeführt, um diese Zusammenhänge unter den Bedingungen Schleswig-Holsteins genauer zu untersuchen. Ziel ist es, belastbare Daten zu liefern und die einzelnen Maßnahmen fachlich einordnen zu können. Des Weiteren können dann auch praxisrelevante Empfehlungen zur Umsetzung einzelner Maßnahmen abgegeben werden.

Bis dahin bleibt festzuhalten: Der Ansatz zeigt erste positive Entwicklungen im Boden, erfordert jedoch eine standortangepasste Umsetzung und Geduld in der praktischen Anwendung.

Alternative Kälberaufzucht

0

Wie kann eine alternative Kälberaufzucht in der Praxis funktionieren? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Veranstaltung des Projekts „Fokus Tierwohl“ auf dem Betrieb von Jan Lieske in Hadenfeld, Kreis Steinburg. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen standen Anfang Mai vor allem praktische Erfahrungen aus der kuh- und ammengebundenen Kälberaufzucht im Mittelpunkt.

Den Auftakt machte am Vormittag Dr. Kerstin Barth vom Thünen-Institut. In ihrem Vortrag beleuchtete sie verschiedene Ansätze der alternativen Kälberaufzucht und stellte Forschungsergebnisse sowie Erfahrungen aus dem Versuchsbetrieb Trenthorst vor. Dabei ging sie insbesondere auf Tierwohlaspekte, Arbeitswirtschaft und Herausforderungen in der Praxis ein. Grundlage des Vortrags waren unter anderem Inhalte aus dem Leitfaden „Kuhgebundene Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung: Leitfaden für die Praxis“, der weiterhin online abrufbar ist (https://t1p.de/c7es1). Darüber hinaus bietet die Internetseite des Thünen-Instituts zahlreiche weiterführende Informationen zum Thema.

Als Rückzugsort sind Kälbernester mit Deckel (im Bild hochgeklappt) sehr empfehlenswert.

Praxis im Ammenstall

Nach dem Mittagessen führte Jan Lieske die Teilnehmenden durch Stall und Weide und berichtete offen über seine Erfahrungen mit der ammengebundenen Kälberaufzucht. Besonders die Fragen, welche Kühe sich als Ammen eignen und wie die Gruppen organisiert werden, standen dabei im Mittelpunkt. Auf dem Betrieb werden 100 Kühe gemolken. Häufig kommen Frischmelkerkühe als Ammen zum Einsatz, denen mehrere Kälber angesetzt werden. Teilweise werden jedoch auch Kühe in späteren Laktationsstadien genutzt. Einige Tiere verbringen sogar die komplette Laktation als Ammen. Nach einiger Zeit erhalten sie erneut Kälber und können so im Verlauf einer Laktation bis zu elf Kälber großziehen. Kühe, die zu Beginn der Laktation als Ammen eingesetzt wurden und ihre Kälber später wieder abgeben, werden anschließend regulär in den Melkstand integriert.

Zu Beginn werden jeweils zwei bis vier Kälber einer Kuh zugeteilt. Diese erste Phase dauert etwa zwei Wochen und findet separat statt, damit sich Kuh und Kälber aneinander gewöhnen können. Anschließend wechseln die Tiere zunächst in kleinere Gruppen. Sind die Kälber etwa anderthalb Monate alt, werden sie gemeinsam mit den Ammenkühen in größere Gruppen integriert. Auch das Absetzen erfolgt schrittweise. Dafür wird die Zahl der Ammen nach und nach reduziert. So betreuen beispielsweise am Ende zwei Ammenkühe noch neun Kälber.

Auswahl der Ammenkühe

Besonders interessant für viele Teilnehmende waren Lieskes Erfahrungen bei der Auswahl geeigneter Ammenkühe. Denn nicht immer lasse sich die Eignung bereits im Melkstand erkennen. „Nur weil eine Kuh im Melkstand ruhig ist, heißt das nicht automatisch, dass sie auch gut mit Kälbern umgehen kann“, berichtete Lieske. Umgekehrt könnten auch temperamentvolle oder im Umgang anspruchsvollere Färsen sehr ausgeprägte Muttereigenschaften zeigen und sich hervorragend um die Kälber kümmern.

Auch stallbauliche Fragen wurden diskutiert. Aktuell werden Ammenkühe und Kälber dauerhaft gemeinsam im großen Tiefstreubereich gehalten. Nach Einschätzung von Jan Lieske wäre in späteren Aufzuchtphasen jedoch auch ein System denkbar, in dem die Kühe Liegeboxen nutzen, während den Kälbern ein separater Rückzugsbereich mit Stroh zur Verfügung steht. Solche Kälberbereiche stehen den Tieren während der gesamten Aufzucht zur Verfügung und fördern die Bildung von „Kindergartengruppen“, in die sich die Kälber zurückziehen können. Interessant waren zudem die Beobachtungen zum Fressverhalten der Kälber. Die ersten Festfutteraufnahmen erfolgen überwiegend direkt neben den Kühen. Erst später nutzen die Kälber zunehmend ihren eigenen Fressbereich am Kälberfuttertisch.

Die Veranstaltung konnte dank der Förderung durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat kostenfrei angeboten werden.

Fazit

Die Veranstaltung zeigte, wie vielfältig die Möglichkeiten der kuh- und ammengebundenen Kälberaufzucht in der Praxis sind. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen bot insbesondere der offene Austausch auf dem Betrieb wertvolle Einblicke in Arbeitsabläufe und Herausforderungen. Deutlich wurde dabei auch, dass erfolgreiche Systeme immer individuell an Betrieb, Tiere und Arbeitsorganisation angepasst werden müssen.

Sind Händlerfinanzierungen günstig?

Die schlechte Erlöslage bei Getreide und Kartoffeln hat in Verbindung mit zu erwartenden Steuernachzahlungen für die in den vergangenen drei Jahren doch guten Gewinne die Liquiditätslage in vielen Betrieben deutlich verschlechtert. Deswegen rücken die Finanzierungsangebote für Maschinenkäufe wieder stärker in den Fokus. Wie Landwirte prüfen können, ob die Angebote auch wirklich günstig sind, beschreibt folgender Artikel.

Damit die Kaufentscheidung bei knapper Liquidität doch leichterfällt, kann beim Kauf fast immer auch ein Finanzierungsangebot in Anspruch genommen werden, selbst für nicht mehr ganz junge Gebrauchte. Diese Angebote zeichnen sich fast immer durch konkurrenzlos günstige Zinssätze (0 % bis 2,49 %) aus. Weil aber auch die Maschinenhersteller und -händler nichts zu verschenken haben, sollten diese Kreditangebote im Vergleich zu Hausbank- oder Eigenkapitalfinanzierungen beurteilt werden. Wie so ein Vergleich aussehen kann, wird an zwei nachfolgenden Beispielen gezeigt.

Schlepperfinanzierung über drei Jahre

Sind beim eigenen „Großen“ nach zwölf Jahren neue Reifen und große Inspektionen fällig oder könnte vielleicht demnächst ein Reparaturmarathon drohen und beim Händler wird gerade ein fast neuer Vorführschlepper angeboten, gibt es aktuell eine günstige Gelegenheit zum Tausch.

Nach dem ersten Orientierungsgespräch mit dem Händler soll der Neue 188.600 € kosten, der Alte würde für 38.800 € in Zahlung genommen. Für die Zuzahlung von 149.800 € gibt es ein Finanzierungsangebot der Hersteller-Bank mit 0 % Zinsen bei drei Jahren Laufzeit und zwölf vierteljährlich zu zahlenden Raten in Höhe von 12.483,33 €. Der quartalsweise Kapitaldienst wurde vom Betrieb gewünscht, Händlerbanken bieten aber fast immer auch Modelle mit monatlicher, halbjährlicher oder jährlicher Ratenzahlung an.

Wie in den Spalten 3 bis 5 der Tabelle 1 anhand von Tilgung und Rest-Valuta nach jeweils drei Monaten gezeigt wird, ist die Rate so bemessen, dass der Kredit bei 0 % Zinsen nach 36 Monaten abbezahlt ist. Aber ist das wirklich günstig? Diese Frage kann aus mehreren Richtungen diskutiert ­werden.

Hausbank-Kredit als sinnvolle Alternative?

Wenn man das Geld nicht hat, bietet sich auch eine Finanzierung mit einem Kredit der eigenen Hausbank an. Hier führt das Orientierungsgespräch mit der Bank zu einem Angebot mit 4,25 % Zinsen bei drei Jahren Laufzeit und vierteljährlicher Kapitaldienstzahlung. Zu finanzieren sind in diesem Fall 142.150 €, weil der Händler die Frage, was am Preis verhandelbar sei, wenn man die Finanzierung selbst organisiere, mit einem Nachlassangebot von 7.650 € beantwortet hat und den Alten unverändert für 38.800 € in Zahlung nimmt.

In den Spalten 6 bis 8 der Tabelle 1 ist der Tilgungsverlauf für den Bankkredit dargestellt, der als Annuitätendarlehen aufgenommen wird, weil dem Betrieb eine niedrige Anfangsbelastung und konstante Raten wichtig sind. Die Kapitaldienstraten werden dann 12.666,57 € betragen, damit der Kredit nach 36 Monaten abbezahlt ist. Moment mal: 12 x 12.666,57 € statt 12 x 12.483,33 €? Ja, genau, das sind 12 x 183,24 €, also in der Summe 2.198,86 € mehr als die Raten an den Händler. Also scheidet diese Option zunächst aus, denn im Gespräch wurde deutlich, dass bei dem kleinen Kreditvolumen der Zinssatz nicht verhandelbar ist.

Wenn der Schlepper in die Jahre kommt, ist guter Rat teuer, denn aufgrund der Erlöse hat sich die Liquidität der Betriebe teils verschlechtert. Finanzierungen müssen her. Foto: Isa-Maria Kuhn

Wie sinnvoll wäre Eigenkapitaleinsatz?

Da der Betrieb in den vergangenen Jahren einige Rücklagen bilden konnte, die aber eigentlich für einen sich abzeichnenden Immobilienkauf genutzt werden sollten, ist die Finanzierung mit Eigenkapital ebenfalls eine zu analysierende Option. Hier wird danach gefragt, wie gut sich das eigene Geld verzinsen würde, wenn die verbliebenen 142.150 € (180.950 € Barkaufpreis – 38.800 € für den Alten) eigenfinanziert würden.

Für die Rückzahlung des Eigenkapitals würde man die Raten aus der Händlerfinanzierung (12 x 12.483,33 €) nehmen. Dann zeigt der in den Spalten 9 bis 11 gezeigte Tilgungs- und Zinsverlauf, dass bei einem Zinssatz von 3,3033 % der Kredit durch zwölf vierteljährliche Raten à 12.483,33 € in 36 Monaten abzahlbar ist. Dieser Zinssatz, der sich in der Situation ergibt, bei der alle Parameter mit Ausnahme des Barzahler-Rabattes von 7.650 € mit der Händler-Finanzierung gleich sind, kann auch als „interner Eigenkapitalzins“ der Maschinenfinanzierung interpretiert werden. Gleichzeitig ist das auch der Zinssatz, der bei der Bank ausgehandelt werden müsste, damit das Hausbankangebot zur Händlerfinanzierung konkurrenzfähig werden kann (deswegen „Gleichgewichts-Zins“ als Überschrift). Als Eigenkapitalzins ist das zwar nicht die Welt, aber immer noch mehr als durch „sichere“ Festgeldanlagen erreicht werden kann.

Und wenn ich noch einmal mit dem Händler rede?

Als dritte Option soll noch diskutiert werden, welchen zusätzlichen Barkauf-Rabatt man beim Händler herausschlagen müsste, damit die bislang unattraktivere Bankfinanzierung mit der Händlerfinanzierung gleichziehen kann. Die Spalten 12 bis 14 der Tabelle 1 zeigen, dass sich ein Betrag von 140.094 € bei 36 Monaten Laufzeit und 4,25 % Zinsen mit zwölf vierteljährlichen Raten à 12.483,33 € abzahlen lässt. Nachverhandeln beim Händler müsste also zusätzlich einen weiteren Preisnachlass von 1.056 € bringen, damit das Finanzieren über die Hausbank gleich attraktiv würde beziehungsweise sich das Eigenkapital mit 4,25 % verzinst. Doch ist das wahrscheinlich? Das hängt stark von den Umständen ab. Rechnet der Händler damit, dass er den neuen Schlepper schnell verkaufen kann, wird das eher nicht klappen. Steht der Neue aber schon einige Zeit auf dem Hof und ist gerade keine Saison, dann könnte der Händler zu größeren Rabatten bereit sein. Warum? Weil er in dem zu verkaufenden Maschinenbestand auch Kapital gebunden hat. Nehmen wir an, dass er den Neuen für 153.000 € ankaufte und für 5.000 € aufhübschte, also 158.000 € gebunden hat, so sind das bei ebenfalls 4,25 % Finanzierungszins zirka 6.720 € Zinsen pro Jahr beziehungsweise 560 € im Monat. Ihn jetzt bar zu verkaufen, ist dann für ihn besser als eine zu erwartende weitere Standzeit von zwei oder mehr Monaten.

Mähdrescherfinanzierung über sechs Jahre

Im zweiten Beispiel ist die Finanzierung für einen Mähdrescher anders gestrickt, weil der sich aus den bei Eigendrusch eingesparten Lohnunternehmerkosten annähernd selbst finanzieren soll. Die Laufzeit der Händlerfinanzierung beträgt deswegen sechs Jahre mit einer jährlichen Rate im Spätsommer. Wegen der längeren Laufzeit und der auch in jedem Jahr späteren Tilgung gibt es die 272.100 € Kredit (338.500 € Kaufpreis – 6.400 € Inzahlungnahme) nicht mehr zum Nulltarif, sondern für immer noch attraktiv erscheinende 1,49 % Nominalzins.

Wie in den Spalten 3 bis 5 der Tabelle 2 dokumentiert, wird unter den genannten Bedingungen ein Kapitaldienst von 47.744,15 € im Jahr erforderlich, um den Kredit in 72 Monaten abzuzahlen.

Die Bewertung dieses Angebots folgt dem gleichen Ablauf wie im Beispiel 1.

Bei Bezahlung mit mitgebrachtem Geld ist das Händlerangebot mit 321.250 € um 17.250 € günstiger und bewirkt einen Finanzierungsbedarf von 254.850 €. Das Finanzierungsangebot der Hausbank liegt bei 4,15 % Zinsen und einer Ratenhöhe von 48.774,06 € im Jahr. Da auch hier die Raten jeweils knapp 1.030 € jährlich höher sind, werden in den sechs Jahren 6.179 € mehr bezahlt. Der Rückzahlungsplan ist in den Spalten 6 bis 8 dargestellt.

Könnte das Barkaufangebot (Zuzahlung 254.850 €) mit Eigenkapital finanziert werden, würden die sechs Einzelraten (47.744,15 € pro Jahr) einem internen Zins von 3,4471 % entsprechen (Spalten 9 bis 11). Auch hier ist es unwahrscheinlich, dass in Nachverhandlungen mit der Hausbank ein um 0,65 % niedrigerer Kreditzins erreicht werden könnte.

In Folgegesprächen mit dem Händler müsste der Kaufpreis durch einen zusätzlichen Preisnachlass von zirka 5.381 € auf 315.869 € (Finanzierungsbedarf: 249.469 €) gedrückt werden, damit bei Ratenhöhen von 47.744,15 € im Jahr eine Rendite von 4,10 % möglich ist.

Tipp für Excel-Affine: Wer ein bisschen Finanzmathematik kann, baut sich das Blatt in Excel nach und kann mit der Funktion „Zielwertsuche“ die Lösungen für die fett gedruckten Werte in eigenen Beispielen errechnen.

Fazit

Kreditangebote für Maschinenkäufe zu beurteilen, ist vergleichsweise einfach möglich. Tabellenkalkulationsbasierte Vergleiche mit Hausbank- oder Eigenkapitalfinanzierungen geben schnell Aufschluss, wo welche Renditen möglich sind und wo wie viel nachverhandelt werden müsste, damit Gleichwertigkeit entsteht.

Fast immer wird bei Maschinenfinanzierungsangeboten mit unnatürlich günstigem Zinssatz die Zinsdifferenz kapitalisiert im Kaufpreis versteckt und selbst bei Barkaufrabatten nicht immer sofort vollständig ausgereicht. Da hat Nachrechnen Sinn, um den Zinsvorteil in einem realistischen Kaufpreisnachlass zu kapitalisieren. Beim Handeln viel Erfolg!

Noch zwei Sätze zur Finanzierungslaufzeit: Wer schon länger mit knapper Liquidität kämpft, wird bei dreijährigen Laufzeiten diese Situation eher verschärfen und sollte nach Laufzeiten von fünf bis sechs Jahren fragen. Wenn aber bei sechsjähriger Laufzeit und hoher Auslastung des finanzierten Objektes die Deckung des Kapitaldienstes nicht erreicht werden kann, sollte die Notwendigkeit der Investition noch einmal auf den Prüfstand, denn das wirtschaftliche Risiko steigt dann deutlich (Fachbegriff: Pay-back-Periode – auf Deutsch: Wann habe ich das Geld wieder heraus?).