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Hightech im Kuhstall und namhafte Sportpferde

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Stolze Mienen bei den Ausgezeichneten und anerkennende Blicke bei Freunden, Berufskollegen und Nachbarn: Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat in der vergangenen Woche zwei ganz besondere Tierhalter ausgezeichnet. Die diesjährigen Preishalter vereint, dass sie Wirtschaftlichkeit mit ­einem hohen Maß an Tierwohl kombinieren. Kammerpräsidentin Ute Volquardsen verlieh die Preise für ­beispielhafte Innovationen in der Tierhaltung 2026 an Inken und Andreas Hansen sowie ihre Kinder Melf und Friederike in ­Jardelund, Kreis Schleswig-Flensburg, und an Antonia Döllner in Nübbel, Kreis Rendsburg-­Eckernförde.

Bei den Feierlichkeiten auf den Betrieben sagte Volquardsen: „Es ist mir eine große Freude, auch in diesem Jahr zwei Betriebe auszeichnen zu dürfen, die auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, was erfolgreiche Tierhaltung ausmacht: Fachwissen, Offenheit für Neues, Verantwortungsbewusstsein und vor allem sehr viel Leidenschaft für die eigenen Tiere. Wenn wir in den vergangenen Jahren über die Zukunft der Tierhaltung gesprochen haben, standen häufig Begriffe wie Tierwohl, Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Akzeptanz oder der Umbau der Tierhaltung im Mittelpunkt. All diese Themen haben nichts von ihrer Bedeutung verloren.“

In diesem Jahr setzte die Kammer bei der Auswahl jedoch einen anderen Schwerpunkt, und zwar eine veränderte Arbeitswelt mit Digitalisierung, Sensorik, Automatisierung und zunehmend auch Künstlicher Intelligenz. Im Milchviehstall können mittlerweile zahlreiche Daten zu Milchleistung, Wiederkauaktivität, Bewegung oder Tiergesundheit erfasst und ausgewertet werden. Automatische Melksysteme und moderne Herdenmanagementprogramme sind auf vielen Betrieben längst Alltag. Auch in der Pferdehaltung und Pferdezucht spielen insbesondere moderne Diagnostik, aktuelle Biotechnologien sowie die digitale Erfassung von Leistungsdaten eine immer größere Rolle.

Aber bei aller Technik dürfe man eines nicht vergessen, so die Präsidentin: Am Ende stehe immer das einzelne Tier. Kein Computer und keine App ersetzten das geschulte Auge eines guten Tierhalters. Technik könne zwar Hinweise geben, Veränderungen früher sichtbar machen, Arbeitsabläufe erleichtern und Entscheidungen unterstützen. Aber erkennen, einordnen und richtig handeln müsse am Ende immer noch der Mensch. Vielleicht liegt genau darin eine der großen Aufgaben für die Tierhaltung der Zukunft: das Beste aus zwei Welten miteinander zu verbinden.

Ideen für andere Betriebe liefern

Volquardsen weiter: „Manchmal sind es gerade die vermeintlich kleinen Veränderungen, die einen großen Unterschied machen: ein besserer Stallbereich, ein veränderter Arbeitsablauf, eine konsequentere Tierbeobachtung, eine neue Lösung für Fütterung oder Haltung oder einfach die Bereitschaft, etwas auszuprobieren und anschließend ehrlich zu bewerten, ob es funktioniert.“

Genau deshalb ist der Kammer der Ehrenpreis wichtig. Sie will nicht den größten oder den modernsten Betrieb auszeichnen. Die Kammer möchte Betriebe in den Mittelpunkt stellen, die beispielhafte Lösungen für ihre Tiere und für ihren eigenen Betrieb entwickeln – Lösungen, die auch anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern Anregungen geben können. Eines ist dabei auch klar: Es ist immer eine ganze Familie mit ihrem Team, die ausgezeichnet wird. Im internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft freute sich Volquardsen, dass Betriebsleiterinnen unter den Ausgezeichneten sind.

Inken, Friederike, Andreas und Melf Hansen nehmen den Kammerehrenpreis für beispielhafte Innovationen in der Tierhaltung von Präsidentin Ute Volquardsen entgegen (v. li.).

Der Milchviehbetrieb Hansen Freiheit GbR

Vorausschauendes Denken präge die Entwicklung des Betriebes Hansen, hieß es in der Begründung für den Ehrenpreis. So wurde die Güllelagune rund 130 m vom „neuen“ Kuhstall entfernt gebaut. Das galt als weite Entfernung. Doch mit zwei Stallanbauten innerhalb einer Generation ist der Betrieb an der Lagune angekommen. „Manchmal braucht es eben Vorstellungskraft“, so Ute Volquardsen. Diese Haltung ziehe sich durch die gesamte Betriebsentwicklung. Bereits 2011 beteiligte sich der Betrieb am Aufbau einer Gesellschaft zur Verlegung von Glasfaser. Heute wissen wir: Moderne Ställe mit Melkrobotern, Sensorik und vernetzter Technik funktionieren ohne eine leistungsfähige Internetverbindung kaum noch. Auch bei der Vermarktung wollte der Hof das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Gemeinsam mit anderen Betrieben wurde die Milcherzeugergemeinschaft Ladelund gegründet, deren Geschäftsführer Andreas Hansen bis heute ist. Ziel war und ist es, gemeinsam flexibler am Markt agieren zu können. Heute werden große Teile der Milch mit besonderen Qualitäts- und Tierwohlstandards vermarktet.

Der Laufhof wird auch bei Nieselregen und Wind wie am Tag der Ehrung gut angenommen.

Stillstand ist Rückschritt – diese Haltung merkt man dem Betrieb an. Nahezu jeder größere technische Entwicklungsschritt hat auch die Leistung des Betriebes weiter vorangebracht – vom Einstieg in das automatische Melken über die Weiterentwicklung der Stalltechnik bis hin zum neuen Futtermischwagen. Heute liegt die Milchleistung bei mehr als 12.700 kg je Kuh (9.763 kg sind es im Schnitt in Schleswig-Holstein). 330 Milchkühe plus Nachzucht und Mast zählt der Betrieb. Dabei ist Technik nie Selbstzweck. Sie muss zu den Tieren und zum Betrieb passen und einen konkreten Nutzen bringen. Genau darin liegt eine der Stärken: Neues ausprobieren, die Ergebnisse beobachten und dann konsequent weiterentwickeln.

Besonders bemerkenswert sei laut Ute Volquardsen, wie der Übergang in die nächste Generation gestaltet werde: „Mit der Gründung der Hansen Freiheit GbR und dem Einstieg Ihrer Kinder haben Sie frühzeitig die Weichen gestellt. Dabei geht es Ihnen nicht darum, den nächsten Entwicklungsschritt allein vorzugeben. Ihre Kinder sollen und dürfen die Zukunft des Betriebes selbst mitgestalten. Dass dabei unterschiedliche Vorstellungen aufeinandertreffen, ist völlig normal. Sie haben dafür eine ganz einfache, aber wirkungsvolle Routine gefunden: Sie setzen sich als Familie regelmäßig zum Frühstück zusammen und besprechen in Ruhe die nächsten strategischen Entscheidungen. Gerade bei Hofübergaben erleben wir als Landwirtschaftskammer immer wieder, wie herausfordernd der Übergang zwischen den Generationen sein kann. Umso mehr gefällt mir Ihre Haltung: Einen Hof bekommt man anvertraut. Man besitzt ihn eine Zeit lang, um ihn schließlich an die nächste Generation weiterzugeben.“

Familie Döllner mit Ute Volquardsen (3. v. r.) und dem geschäftsführenden Vorstand des Trakehnerverbandes, Lars Derlin (Mitte)

Der Pferdezuchtbetrieb Antonia Döllner

Die Leidenschaft für Pferde und insbesondere für den Trakehner hat bei Antonia Döllner schon früh begonnen. Als ungefähr 16-Jährige besuchte die Bayerin während eines Ostseeurlaubs mit einer Freundin das Gestüt Panker im Kreis Plön und kaufte sich ein Trakehner Pferd. Sie absolvierte dort später ihre Ausbildung zur Pferdewirtin. Eine zweite Ausbildung mit dem Schwerpunkt Reiten schloss sie mit der Stensbeck-Auszeichnung ab. Die Stensbeck-Plakette ist eine Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für herausragende Leistungen in der klassischen Reitausbildung von Pferdewirten und Pferdewirtschaftsmeistern. Heute ist Döllner Pferdewirtschaftsmeisterin und bildet selbst Pferdewirte aus.

Familie Döllner mit ihrem bekannten Hengst „Höhenflug“: Max, Antonia, Julie und Sven Döllner (v. li.)

Seit 2007 bewirtschaftet sie Hof Moholz, und von Anfang an hatte sie eine klare Vorstellung: Pferde in Einzelboxen zu halten und ihnen gleichzeitig möglichst viel Bewegung, Auslauf und Weidegang zu ermöglichen. Heute finden hier bis zu 45 Pferde Platz. Die Philosophie: Nicht jedes Pferd muss sich dem System anpassen – das System muss sich an das jeweilige Pferd anpassen. Die Tiere kommen täglich mehrere Stunden auf die Weide oder in den Auslauf. Einstreu und Betreuung werden individuell angepasst, Heu steht möglichst zur freien Verfügung. Döllner wagt etwas und probiert aus. So sind im Sommer wegen des Insektendrucks die Pferde nachts auf der Weide und tagsüber im Stall, eine für Sportpferde eher ungewöhnliche, aber effektive Maßnahme. Zwei Galoppbahnen schaffen zusätzliche Bewegungs- und Trainingsmöglichkeiten, und es gibt einen Schwimmteich für die Tiere. Alles zusammengenommen ist das pferdegerecht, aber auch zeitintensiv.

Trakehner sind elegante, typvolle Pferde mit einer bewegenden Geschichte. Die Vorfahren von Stute „Herzflimmern“, hier mit Hengstfohlen „Handschlag“, begleiteten die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Gebieten im Osten in ihre neue Heimat.

Darüber hinaus ist Antonia Döllner Mitglied im Trakehner Verband, Zuchtrichterin und seit 2017 Vorsitzende des Zuchtbezirks Schleswig-Holstein/Hamburg. Sie engagiert sich im Gesamtvorstand und im Zuchtausschuss.

Züchterisch geht sie bewusst eigene Wege. In diesem Jahr wurden zwei Fohlen aus Anpaarungen mit Anglo-Araber-Hengsten geboren. Das Ziel ist es, Vielseitigkeitspferde zu züchten. Das ist mutig, denn solche Pferde sind als Fohlen nicht immer einfach zu vermarkten. Im Zweifel zieht der Betrieb sie selbst auf, übernimmt die Grundausbildung und sucht später einen passenden Reiter.

Antonia Döllner hat ein gutes Auge für die Zucht. Besonders hervorzuheben ist das Pferd „Höhenflug TSF“, das mit Vielseitigkeitsreiter Andreas Ostholt (zweimaliger Gewinner des Deutschen Meistertitels, 2011 und 2015, sowie Neunter bei den Weltreiterspielen in Caen 2014) bis in internationale Vier-Sterne-Prüfungen erfolgreich war. 2021 erhielt sie als seine Züchterin die Dr.-Fritz-Schilke-Gedächtnisplakette für das erfolgreichste Trakehner Vielseitigkeitspferd des Jahres.

Fazit

Die Landwirtschaftskammer hat auch in diesem Jahr wieder zwei beispielhafte Tierhaltungen ausgezeichnet und damit den Fokus auf die Menschen gelenkt, die von und mit ihren Tieren leben. In einer oft sehr emotionalen Debatte über die Tierhaltung zeigen sie, wie tiergerechte Haltung im Alltag gelingt. Mit Fachwissen, Engagement und einem aufmerksamen Blick für ihre Tiere geben sie wertvolle Impulse für die Praxis.

Ackerbohnen: Erträge gezielt verbessern

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Ein unlängst gehörter Sportkommentar passt auch zum Anbau von Ackerbohnen: „Manchmal chaotisch – selten logisch – immer spannend.“ Der Erfolg im Ackerbohnenanbau lässt sich nicht erzwingen. Neben Standort und Witterung beeinflussen zahlreiche ackerbauliche Entscheidungen das Ergebnis. Welche Rolle Saatstärke, Saatzeit und Wurzelentwicklung dabei spielen, zeigt der erste Teil dieses Beitrags.

Ackerbohnen stehen wieder häufiger auf Schleswig-Holsteins Äckern. In den spezialisierten Ackerbauregionen braucht man diese Sommerblattfrucht als Ergänzung zu den jahrzehntelangen Winterungsfruchtfolgen – neben Mais und Rübe. Im Bioanbau ist die Bohne mit Erträgen oberhalb von 35 dt/ha und Preisen bis zu 50 €/dt manchmal schon für sich gesehen eine lukrative Marktfrucht. 35 dt/ ha betrug der Durchschnittsertrag in einer mehrjährigen Praxisanalyse dieser Branche; einzelbetrieblich sind auch einmal 50 dt/ha möglich – oder mehr.

Die konventionelle Variante erreichte diese 50 dt/ha im mehrjährigen Schnitt. Damit wäre die Bohne aktuell wirtschaftlich auch nicht viel schlechter als der im Anbau teure Raps mit seinen aufgrund von Schädlingen und Krankheiten nachlassenden Erträgen. Beide Kulturen sind wichtige Vorfrüchte für den Weizen. Bei der Bohne ist in Sachen Ertrag Luft nach oben und beim Raps auch, wenn langjährig größere Anbauabstände eingehalten werden und auch ihm ein Boden bereitet wird, der eine tiefe Durchwurzelung zulässt. Insofern ergänzen sich beide Kulturen.

Hohe Erträge sind möglich

Trotz örtlich trockener Witterung war die Bohne 2026 in unserem Bundesland in vielen Betrieben nicht schlecht. Die 50 dt/ ha dürften oftmals erreicht oder übertroffen worden sein; im Südosten seltener, an der Westküste häufiger. Seniorlandwirt Heino Hansen aus Elskop berichtet von 60 dt/ha bei einer Saatzeit nach Mitte April. Die schwere Marsch kann solche Erträge ermöglichen – auch bei wenig Niederschlag. Die Bohne muss „nur“ gareschonend bestellt werden, damit sie an die großen Wasserreserven der Marsch herankommt.

Das Versuchsfeld Loit wies im Jahr 2014 einen Ertrag von 100 dt/ha aus. Der milde Lehmboden in Angeln speichert reichlich Wasser, und von Mai bis Juli kamen in dem Jahr gut verteilt passable Niederschläge hinzu. Mit 16 Hülsen pro Pflanze bei 38 Pflanzen pro Quadratmeter ergibt das gut 600 Hülsen pro Quadratmeter – der entscheidende Ertragsfaktor.

Wenn in den Hülsen im Schnitt drei Körner enthalten sind und sie 560 g je 1.000 Körnern wiegen, dann kommen 10 t/ha Bohnen zusammen. Ertragsbegrenzend ist weniger die Arbeit der Züchter als das ackerbauliche Handwerk der Praxis – und natürlich der Standort und die Jahreswitterung, die einen großen Einfluss haben.

In diesem Jahr war trotz regionaler Trockenheit in Schleswig-Holstein der Bohnen­ertrag ordentlich, weil ein trockener Winter eine frühe und qualitativ hochwertige Bestellung zuließ. So konnten die Pflanzen an die Wasserreserven des Bodens herankommen. Die kühle Witterung bis Mitte Juni entsprach zudem der bevorzugten Temperatur der Bohnen.

Saatstärke und Ertrag

Das Auffällige in diesem Jahr ist, dass gerade die vermeintlich erfolgversprechendsten Bestände – brusthoch, dicht, gleichmäßig – im Ertrag enttäuschten. Hohe Saatstärken von 50 keimfähigen Körnern pro Quadratmeter (K./m²) werden seit einiger Zeit unter Bezug auf exakte Parzellenversuche bevorzugt. 50 Pflanzen pro Quadratmeter können für Bohnen richtig sein, wenn die Pflanzen aufgrund von Trockenheit und wenig zugänglichen Wasserreserven des Bodens klein bleiben – gut kniehoch. Dann kommt Licht an die Blüten, und die Bestäuber können sie erreichen. In vielen trockenen Jahren der jüngeren Vergangenheit war das so – die dichteren Bestände, vorzugsweise mit engem Reihenabstand, erzeugten mehr Hülsen pro Quadratmeter. Im Gegensatz dazu ließen die teilweise brusthohen Bestände in diesem Jahr das Licht und die Bestäuber kaum an die Blüten gelangen. Ergebnis: innerhalb dieser dichten Bohnenbestände nur zwei bis drei Hülsen pro Pflanze; am Rand deutlich mehr.

Die richtige Saatzeit

„Wir säen die Bohnen grundsätzlich im März“, so der Mitarbeiter eines Ackerbaubetriebes vor einigen Jahren. Das ist der Umkehrschluss der Praxis aus der Empfehlung, Ackerbohnen solle man möglichst früh säen. Die Erfahrung lehrt, dass bei der Bestellung der Bohnen auch andere Faktoren zu berücksichtigen sind als der Kalender.

„Das, was die Alten uns über die Saatzeit von Bohnen erzählt haben, stimmt auch nicht immer, das haben wir schnell gemerkt“, sagt Ackerbauer und Schweinemäster Jens Hammerich aus der Nähe von Pronstorf. Die „Alten“ hatten für ihre Empfehlung „möglichst früh“ leichtes Gerät zur Bearbeitung, Futterbau und Mist in der Fruchtfolge für Bodenfruchtbarkeit und Bodengare und möglicherweise auch ausgeprägtere, trockenere Winter – das gilt es zu bedenken. Hammerich baut in seiner Betriebskooperation bis zu 200 ha Bohnen auf wechselhaftem und auch schwerem Land an und verfüttert sie mit großem Erfolg an seine Schweine – als Eiweißträger im Zusammenspiel mit Rapsschrot.

Ackerbauer Jesko Ulrichs aus dem Dänischen Wohld berichtete ausführlich in einem Vortrag, wie er die Saatzeit festlegt. Ulrichs empfahl:

• Saatzeitkorridor: 20. März bis 15. April

• drei Wetterberichte verfolgen und alle drei Tage den Feuchtezustand des Bodens überprüfen

• autonom entscheiden

• bei der endgültigen Entscheidung die eigene Erfahrung berücksichtigen

Wer es noch kompakter mag, sagt: „Bodenzustand geht vor Saatzeit“, aber richtig weiter hilft das nicht. Das Datum kann man exakt im Kalender ablesen – den Bodenzustand nicht. Auf richtig schwerem Land heißt es sogar: „Wer bei uns mit dem Spaten guckt, fährt nie los.“

Somit gibt es keine Patentlösung, und das Festlegen des Bestelltermins für Ackerbohnen wird immer spannend bleiben – in jeder Region, in jedem Betrieb, in jedem Jahr. Das Festlegen der Saatzeit ist nicht nur von der Jahreswitterung abhängig, sondern auch vom Boden, der gewählten Art der Vorbereitung, der Bestelltechnik – und nicht zuletzt von der Entscheidung der Verantwortlichen.

Die Anzahl der Hülsen pro Quadratmeter ist ein entscheidender Ertragsfaktor. Sie ergibt sich aus der Pflanzenzahl pro Quadratmeter multipliziert mit der Anzahl der Hülsen je Pflanze. 

Die Wurzel der Bohne

Der Hülsenbesatz pro Pflanze bestimmt bei festgelegter Saatstärke entscheidend den Ertrag. Aber die Zahl der Hülsen kann man nicht direkt beeinflussen. Sie richtet sich danach, wie günstig die Wachstumsbedingungen sind.

„Ackerbohnen wollen einen gartenlandähnlichen Boden“, so Lore Kutschera in ihrem „Wurzelatlas der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen“. Getreide kommt mit einer ganz anderen Bodenstruktur zurecht, das gilt es zu beachten. In Parzellenversuchen kann man das immer wieder beobachten. Während ein Hafer nach weniger sorgfältiger Bestellung und nachfolgend trockener Witterung noch ganz passabel dasteht, ist die Bohne nebenan längst schon deutlich im Wachstum beeinträchtigt.

Warum sind die Bohnen – wie alle Pfahlwurzler – so empfindlich? Die Erklärung liegt in ihrer Wurzelarchitektur. Wenn man in hoher Qualität in einen gut vorbereiteten Boden sät, dann entwickelt sich eine deutlich sichtbare Pfahlwurzel. Daher wird der Bohne auch immer eine „kräftige Wurzel, die tief in den Boden geht“, zugeschrieben. Solche pauschalen Aussagen zur Wurzelentwicklung, Saatzeit, Saatstärke und Standorteignung sind jedoch kritisch zu betrachten.

Nach den Versuchserfahrungen werden auf dem milden Versuchsfeld in Loit höhere Bohnenerträge erzielt als auf der schweren Marsch in Barlt. Je nasser das Frühjahr zur Bestellung und je trockener die Folgewitterung, umso deutlicher ist der Unterschied.

Und nach diesen Beobachtungen reicht die Bohnenwurzel selten tiefer als 80 cm. Aber das, was diese Wurzel kann, sollte man ihr schon ermöglichen – das ist nicht anders als beim Raps.

Der Hafer als Büschelwurzler hat eine Wurzellängendichte von 20 km/m² – das ist die Gesamtlänge aller Wurzeln. Wintergetreide hat manchmal noch mehr. Dagegen kommt die Bohne gerade einmal auf einige Kilometer je Quadratmeter. Ihr fehlen die Feinwurzeln – das ist ihre Schwachstelle. Daher mangelt es ihr im Vergleich zu Getreide an Kontaktfläche zum Boden. Auf alles, was fehlt – Nährstoffe, Wasser, Bodengare – reagiert sie empfindlich. Letztendlich ist die Bohne eine Zeigerpflanze für die Ackerkultur – wie der Raps.

Diese Eigenheit führt dazu, dass der Schlüssel für einen ordentlichen Ertrag nicht in Zahlen festzulegen ist. Es geht um eine hochwertige Bodenvorbereitung und eine schonende Bestellung, die diesen Zustand weitgehend bewahrt.

Fazit

Weder eine möglichst frühe Saat noch hohe Saatstärken garantieren gute Ackerbohnenerträge. Entscheidend ist auch, ob sich die Wurzeln im Boden ausreichend entwickeln können. Welche Möglichkeiten Betriebe bei der Bodenvorbereitung und Bestellung haben, zeigt demnächst der zweite Teil dieses Beitrags.


Dichte Bohnenbestände

1,50 m hohe und dichte Bestände sind optisch beeindruckend, können aber nur geringe Erträge liefern. Unüblich hohe Nmin-Werte im Frühjahr lassen beispielsweise solche Bestände entstehen. Nach einem trockenen Winter wie 2025/2026 ist das wahrscheinlicher als nach einem nassen. Ist viel Stickstoff vorhanden, Wasser verfügbar und wurde ohne Strukturschaden in dichter Saat bestellt, dann werden die Bohnenbestände mindestens brusthoch.

Diese Bestände setzen wenige Hülsen an, liefern geringe Erträge und hinterlassen durch reichlichen Blattabwurf mit unverbrauchtem Stickstoff hohe Herbst-Nmin-Werte. Die viel diskutierten hohen Herbst-Nmin-Werte der Bohne korrelieren mit hohen Frühjahrswerten vor ihrem Anbau, das ist wissenschaftlich belegt – unter anderem durch Arbeiten von Stülpnagel. Zumindest für Wasserschutzgebiete heißt das, zur Bohne eine Zwischenfrucht mit weitem C/N-Verhältnis anzulegen – zum Beispiel Rauhafer – und so den Ausgangs-Nmin-Wert zu senken.

Weniger hohe Pflanzenbestände mit gutem Hülsenansatz erbringen meistens mehr Ertrag und hinterlassen geringere Nmin-Werte im Herbst, die sich obendrein mit Grasuntersaaten auch noch gut auffangen lassen. In dichten Bohnenbeständen kommen Grasuntersaaten genauso wenig zum Zuge wie der Hülsenansatz.

Die Randpflanzen mit vielen Hülsen sind der Grund, warum Parzellenversuche tendenziell zu höheren Empfehlungen für die Zielpflanzenzahl pro Quadratmeter kommen, als es für die Praxis angemessen ist. Die Randpflanzen hängen auch bei hoher Saatstärke und dichtem Parzellenbestand voller Hülsen und werden überproportional mitgedroschen.

Welche Saatmenge soll man nun wählen? Was richtig war, weiß man immer erst im Nachhinein – je nach Bestellqualität, Jahreswitterung und Frühjahrs-Nmin. „Wir säen jetzt nie mehr als 40 keimfähige Körner pro Quadratmeter“, sagt Junglandwirt Christian Sievers aus Bliestorf bei Lübeck. Er hat dabei die Ertragsentwicklung bei seinem Arbeitgeber im Blick – dem Thünen-Institut in Trenthorst. 40 Pflanzen je Quadratmeter dürften im Schnitt der Jahre die richtige Orientierung sein. Daraus entwickelt sich über die Jahre die Erfahrung, was tatsächlich zum Standort passt. Mit möglichst hohen Saatstärken kann man den Erfolg jedenfalls nicht erzwingen – zudem sind hohe Saatstärken kostenintensiv.