In diesem Herbst dürfte sich mancher Spaziergänger im Kreis Stormarn über eine große Gruppe von Islandpferdereitern gewundert haben. Sie waren Teil eines Hofumzugs, bei dem insgesamt 85 Pferde an den neuen Standort des Islandpferdehofs Silkinat gebracht wurden.
Für Familie Silkinat und ihr Team bedeutete der Umzug des Islandpferdehofs weit mehr als nur den Transport der Pferde. Schon vorher war einiges an Logistik nötig, um Hengsthütten, Weidetore, Sattelschränke, Kleingeräte und Maschinen an den neuen Standort zu bringen. Mit dem Umzug der Pferde sollte der Hofbetrieb in Siek enden und nahtlos in Lütjensee beginnen. Auch die Betreiberfamilie lebt inzwischen auf dem Hof.
„Es gab ein paar Tage, an denen wir in Siek waren und quasi keine Weidetore mehr hatten“, erinnert sich Pauline Schröder, Trainerin des Islandpferde-Reiter- und Züchterverbandes (IPZV) und Pferdewirtin im Team. „Da mussten wir uns kurzfristig anders behelfen.“
Islandpferde statt Brillenschafe
Das neu bezogene Gelände dürfte vielen noch als früherer Biohof der Familie Fielmann bekannt sein. Die Anlage mit den roten Backsteinbauten, dunkler Holzverschalung und ziegelgedeckten Satteldächern stand zuletzt leer. Nun bevölkern Islandpferde die Flächen, auf denen zuvor unter anderem Rotbunte Husumer Schweine, Brillenschafe und Limousin-Rinder lebten. Von der vorherigen Nutztierhaltung zeugen im künftigen Berittstall noch alte Fressgitter, die auf den Abbau warten. Die ehemalige Maschinenhalle dient inzwischen als Reithalle. Im alten Hofladen entstand ein Aufenthaltsraum.
Beim Hofrundgang berichtet Hofbetreiberin Katharina Silkinat, wie es zu dem Standortwechsel kam. „Der Hof in Siek war für uns der Einstieg in die Selbstständigkeit“, erzählt sie und räumt ein, dass sie lange gezögert habe, ob sie diesen Schritt überhaupt wagen solle. Ihr Mann Marcel Silkinat, mit dem sie den Hof gemeinsam betreibt, habe ihr gut zugeredet. Sie hätten bald gemerkt, dass das Betriebskonzept trage. Die Nachfrage nach Einstellplätzen und den weiteren Angeboten sei hoch geblieben. Gleichzeitig habe der Standort in Siek, den sie sich mit einem landwirtschaftlichen Betrieb teilten, ihnen vor allem räumliche Grenzen gesetzt. Schon nach etwa einem Jahr hätten sie begonnen, sich nach einem größeren Hof umzusehen.
Alle Einsteller zogen mit
„Wir haben uns etliche Betriebe hier in der Gegend angesehen. Das blieb natürlich nicht unbemerkt“, erinnert sich Katharina Silkinat, die unter anderem Qualifikationen als IPZV-Trainerin, Sportrichterin und Prüferin nach der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Islandpferdereiter (API) mitbringt. Bis feststand, dass der Wechsel nach Lütjensee auf den Fielmann-Hof tatsächlich möglich sein würde, gab es eine Phase, in der Familie Silkinat ihren Einstellern noch nicht sagen konnte, wohin es gehen sollte. „Da brauchte es eine Menge Vertrauen.“ Letztendlich hätten aber alle Pferdebesitzer hinter ihnen gestanden und seien mit umgezogen.
Rund einen Monat nach dem Umzug läuft der Betrieb am neuen Standort bereits weitgehend normal, auch wenn die Umbauten weitergehen und manches noch nicht seinen endgültigen Platz gefunden hat. Während beispielsweise die mitgebrachten Sattelschränke der Einsteller längst wieder eingeräumt sind, fehlen Boxentrenngitter. Außerdem müssen die Wasserleitungen repariert werden. „Die sind überall vorhanden, haben aber wohl trotz Isolierung und Heizung irgendwann einmal Frost bekommen“, berichtet Katharina Silkinat.
Ein weiteres Projekt sei die Befestigung der Paddockflächen, und bis zur nächsten Weidesaison müsse weiteres Weideland eingezäunt werden. Am alten Standort bewirtschafteten die Silkinats rund 10 ha, am neuen sind es rund 30 ha. Flächen für eine Oval- und Passbahn sowie einen Longierzirkel sind hier bereits vorgesehen.
Wichtig war dem Team vor allem, dass die Versorgung der mittlerweile rund 60 Pensionspferde am neuen Standort reibungslos weiterlief. Die Tiere leben in verschiedenen Gruppen und Haltungsformen. Darunter sind acht Hengste, die teilweise gemeinsam mit Wallachen im eigenen Offenstall mit Paddock und Weidestück gehalten werden.
„Einige Routinen müssen sich noch finden“, so Pauline Schröder. „Die Wege hier sind viel länger.“ Gerade mit Blick auf die nasskalte Jahreszeit freut sich die Trainerin über die neue Reithalle: Beritt und Unterricht können nun wetterunabhängig stattfinden. „Manchmal komme ich mir vor wie in einer Blase und kann gar nicht realisieren, dass wir jetzt hier sind“, sagt Katharina Silkinat und lacht. Pauline Schröder pflichtet ihr bei: „Man kann es kaum fassen.“



