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Ein Ausflug in die Vergangenheit

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In Schleswig-Holstein gibt es rund 240 Museen. Darunter befinden sich auch Heimatmuseen, die oft nur durch den Einsatz von Ehrenamtlichen am Leben erhalten werden. In loser Folge stellt das Bauernblatt sie vor. Kürzlich ging es nach Hoisdorf. Hier eröffnete die Gemeinde in einer Hofanlage aus dem 18. Jahrhundert das Stormarnsche Dorfmuseum.

„Ein wahrer Schatz!“ „Sehr schönes, liebevoll geführtes Museum!“ „Unbedingt anschauen!“ Die Internet-Bewertungen für das Dorfmuseum sind voller Lob. 24 engagierte Ehrenamtliche sind hier im Einsatz, um eine Sammlung von Objekten aus der Landwirtschaft, dem dörflichen Handwerk und dem ländlichen Haushalt zu präsentieren.

Marianne Lentz und Klaus Bustorf laden zu einem Besuch des Stormarnschen Dorfmuseums ein.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Weiterhin zeigen sie die Einrichtung des früheren Hoisdorfer Tante-Emma-Ladens sowie Mobiliar und Utensilien der ehemaligen Dorfschule. Zudem gibt es eine vorgeschichtliche Abteilung. Über 100 heimische Vögel aus der Sammlung und Fertigung des Präparators Hans-Ewald Brennecke, Exponate des Dichters Hermann Claudius (1878-1980) sowie des Bildhauers Richard Kuöhl (1880-1961) runden das Angebot ab. Unter den etwa 10.000 Ausstellungsstücken aus dem 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts befinden sich manch seltene Sammlerschätzchen. Das Außengelände mit einem Kräutergarten, einer Schau landwirtschaftlicher Geräte und Remise ist für Besucher ebenfalls zugänglich.

An diesem Tag laden die Ehrenamtlichen Marianne Lentz und Klaus Bustorf zu einem Rundgang durch die 600 m² große Ausstellungsfläche ein. Bustorf bittet in den Großen Raum, der ehemals ein Viehstall war und gleich hinter dem Haupteingang liegt.

Die heute kurios anmutende Tassenform war vor allem in der deutschen Kaiserzeit bei bärtigen Männern beliebt.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Der Reedereikaufmann im Ruhestand war von 2006 bis 2022 Leiter des Hauses und kennt es wie seine Westentasche. Zielsicher geht der 89-Jährige zu einer Vitrine, in der sich seltene Barttassen befinden. Barttassen? Der Senior schmunzelt und löst das Rätsel auf, was es mit diesen seltsam anmutenden Trinkgefäßen auf sich hat. „Eine Barttasse war eine Tasse für Männer, die innen, oberhalb der Stelle, an der man beim Trinken den Mund ansetzt, einen waagerechten Steg hatte. Dieser sollte den Bart und das Wachs, das zur Schnurrbartmodellierung verwendet wurde, vor der Verschmutzung durch das Getränk oder dem Aufweichen durch heißen Dampf schützen“, erzählt er. Viele patriotisch gesinnte Männer hätten es anno dazumal Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) gleichgetan. Sie trugen prächtige, nach oben gezwirbelte Schnauzbärte. Die Barttassen wurden meist aus Porzellan hergestellt, reich verziert und mit Sprüchen versehen wie „Deinen schönen Bart zu schützen, soll dir diese Tasse nützen.“.

Vom Großen Raum erreichen wir die Diele. Sie vermittelt einen Eindruck von Aspekten des ländlichen Lebens, der Milchwirtschaft und der Haus- und Vorratswirtschaft. Ebenso steht dort das Modell der Rohlfshagener Kupfermühle, das auf einen für Stormarn und den Umkreis von Hamburg im 18. und 19. Jahrhundert wichtigen Industriezweig aufmerksam macht. An der Längsseite ist eine Schmiedewerkstatt mit Amboss, Esse, Blasebalg und Originalwerkzeugen aufgebaut. Diese verweist auf die ursprüngliche Nutzung des Anwesens. Es wurde 1756 von einem Hugenotten namens Martin Friedrich Duwejer als Dorfschmiede errichtet. Ab 1855 diente es als landwirtschaftliches Gehöft, das 1974 in Erbpacht von der Gemeinde erworben wurde. Nach Sanierungs- und Umbauarbeiten öffnete es 1978 als Stormarnsches Dorfmuseum seine Tore. Die geräumige Diele des niederdeutschen Fachhallenhauses ist heute auch Veranstaltungsraum und Ort für standesamtliche Trauungen.

Gute Stube: Der Wohnkomfort auf dem Lande konnte sich schon um 1900 sehen lassen.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Marianne Lentz berichtet, dass früher von hier zwei Ställe für Pferde abgingen. Jetzt sind dort „gute Stuben“ untergebracht, deren Mobiliar überwiegend aus der Zeit um 1900 stammt. In einer gibt es einen typischen gusseisernen Ofen aus der Carlshütte in Büdelsdorf. Bustorf nimmt eine danebenstehende „Feuerkieke“ in die Hand, einen durchlöcherten Behälter aus Metall. „In ihn wurden glühende Holzkohlen gelegt. Die Frauen nahmen ihn dann als wärmende Fußbank mit in den Gottesdienst“, erklärt er. In Haus und Hof oder bei Kutschfahrten war das Utensil gegen Fußkälte ebenso gefragt.

Am östlichen Ende der Diele gelangt man in den früheren Wohnbereich. Hier befindet sich die Hermann-Claudius-Stube. „Sie erinnert mit ihrer Raumaufteilung, den roten Wänden und Original-Einrichtungsgegenständen, Büsten und Bildern an das Arbeitszimmer des Schriftstellers in seinem Haus im benachbarten Grönwohld“, weiß Lentz. Die Lehrerin und Museumspädagogin im Ruhestand beschäftigte sich intensiv mit seinem Wirken und Werk. „Hermann Claudius war ein Urenkel des deutschen Dichters, Lyrikers und Journalisten Matthias Claudius (1740-1815). Er war dem Dorfmuseum eng verbunden, hat dessen Gründung und Entwicklung mit großem Interesse verfolgt und sich durch Lesungen und Gespräche aktiv an der Museumsarbeit beteiligt“, informiert die 84-Jährige. Sogar der Festakt zu seinem 100. Geburtstag fand im Museum statt. Einige Wochen vor seinem 102. Geburtstag starb er.

Über eine Treppe in der Hermann-Claudius-Stube erreichen wir eine weitere Abteilung des Museums. Auf dem ehemaligen Kornboden hat es Claus Möller, Museumsleiter von 1984 bis 2006, geschafft, auf kleinstem Raum ein Gesamtbild der Vor- und Frühgeschichte schlaglichtartig zusammenzufassen. Besonders im Fokus stehen Ausgrabungen, die der prähistorische Archäologe Dr. Alfred Rust (1900-1983) vornahm. Er entdeckte international relevante Funde im Ahrensburger Tunneltal. Eine Besonderheit ist außerdem der 4.100 Jahre alte Riesenbecher, ein 42 cm hohes Tongefäß, in dem während der Jungsteinzeit die Asche eines Menschen bei Börnsen im Kreis Herzogtum Lauenburg begraben wurde. Wir gehen zurück zum Großen Raum im Erdgeschoss, von dem man in das Obergeschoss gelangt. Dort befinden sich Exponate des Dorflebens aus der Zeit bis in die 1950er Jahre.

Laut Schulregeln um 1900 waren im Klassenraum Sprechen, Plaudern, Lachen, Flüstern oder neugieriges Umhergaffen unerwünscht.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Es fallen der historische Kolonialwarenladen und ein Klassenraum der alten Dorfschule ins Auge. Doch auch die Themen Herstellung von Textilien, altes Kinderspielzeug oder die Hausschlachtung werden behandelt. Über ein paar Stufen kommt man auf den ehemaligen Heuboden mit landwirtschaftlichen Geräten. An dieser Stelle wird über die Feldarbeit des Bauern von der Saat bis zur Ernte und das dörfliche Handwerk aufgeklärt. Außerdem kann man einen Ausflug in die heimische Vogelwelt unternehmen. „Unser Museum hat wohl die umfangreichste Sammlung von Präparaten heimischer Vögel in Schleswig-Holstein“, stellen die Ehrenamtlichen heraus.

Am Ende des zweistündigen Rundgangs, der angesichts der überwältigenden Menge an Exponaten und Infotafeln nur ausschnittsweise wiedergegeben werden kann, möchte Lentz einen kurzen Einblick hinter die Kulissen geben. „Träger des Museums ist die Gemeinde Hoisdorf. Über sie läuft die Finanzierung. Alles weitere leisten wir ehrenamtlich“, bemerkt sie. Nachdem es mit Adolf Christen, der in den 1950er Jahren mit anderen den Grundstein für die Sammlung legte, Claus Möller und Klaus Bustorf drei ehrenamtliche Leiter gab, übernehme seit einiger Zeit jeweils für ein Jahr ein dreiköpfiges Leitungsteam diese Aufgabe. Aktuell gehörten ihm Christiane Mertens, Maria Görlich und Hartmut Buthmann an. Die Mitarbeitenden seien in acht Teams organisiert, die sich um unterschiedliche Bereiche kümmern. „Wir sind eine tolle Gemeinschaft von Menschen zwischen 55 und über 90 Jahren und haben auch einen jungen Mann mit dabei. Über mehr Aktive würden wir uns freuen“, unterstreicht Marianne Lentz. Sie und Klaus Bustorf betonen, wie viel Freude ihnen ihr sinnstiftendes Ehrenamt macht. Bewahren, Sammeln, Forschen, Ausstellen, Vermitteln und Einordnen – diesen Grundsätzen der Museumsarbeit haben sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter sich mit Kopf und Herz verschrieben. Weitere Informationen unter
www.museum-hoisdorf.de

Schräg gegenüber vom Museum befand sich bis 1984 im Haus Thie 5 Mery Denkers Dorfladen. Er spielte für soziale Kontakte eine wichtige Rolle.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Dieser Herd stammt aus der Küche eines großen Haushalts. Er war der Stolz der Hausfrau und wurde sorgfältig sauber gehalten.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Die alten Kasperlepuppen und weiteres Spielzeug begeistern besonders die kleinen Besucher.
Foto: Silke Bromm-Krieger
In der Ausstellung sind auch Care-Pakete aus Amerika Thema, die nach 1945 das hungernde Nachkriegsdeutschland erreichten.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Die „Feuerkieke“ diente als Heizung zum Mitnehmen. Sie kam oft als wärmende Fußbank im Gottesdienst zum Einsatz.
Foto: Silke Bromm-Krieger
In der dunklen Schusterwerkstatt gab es eine mit Wasser gefüllte „Schusterkugel“, die das Licht der dahinterstehenden Petroleumlampe wie in einem Brennglas bündelte und aufs Arbeitsstück warf.
Foto: Silke Bromm-Krieger


Maisaussaat vorbereiten

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Neben ordentlichen Feldarbeiten zur Maisbestellung stellen Entscheidungen zu Sortenwahl, Saattermin, Bestandesdichte und Ablagetiefe entscheidende Weichen für den Anbauerfolg. Allem voran dürfen die vorherrschende und voraussichtliche Witterung sowie damit verbunden die Befahrbarkeit der Böden und die Feldaufgangszeiten nicht außer Acht gelassen werden.

Sind die vorgesehenen Ackerflächen ausreichend abgetrocknet und können, ohne zu verdichten, befahren werden, können Gülledüngung und Bodenbearbeitung erfolgen. Ein Saatbett mit gut strukturiertem Bodengefüge und ausreichenden Feinerdeanteilen ist zur Maisaussaat wichtig; die Krume sollte frei von groben Kluten und Verkrustungen sein. Jedoch ist die Bestrebung wichtig, das Saatbett nicht zu fein herzurichten, um Verschlämmung und Verkrustung durch Starkniederschläge oder Bodenabtrag durch Wind entgegenzuwirken. Die Saatkörner sind auf gut abgesetzten, festen Bodenhorizont mit Anschluss an Keimwasser in angepasster Tiefe ausreichend rückverfestigt abzulegen. Optimale Bodenbedingungen mit ordentlicher Durchlüftung, Wasserführung und Erwärmung zum Zeitpunkt der Aussaat gewährleisten eine gute Keimung und ein gleichmäßiges Auflaufen des Maises. Fehlt es an Luft im Boden, wurde die Saat nicht in den feuchten Bodenhorizont abgelegt und/oder ist der Boden bei der Aussaat zu kalt, ist ein verzögertes und unregelmäßiges Auflaufen der Pflanzen zu beobachten.

Zügiges Auflaufen der Maispflanzen anstreben

Liegen in 5 cm Bodentiefe nachhaltig mindestens 8 °C Bodentemperatur vor und sind auch keine Kälteperioden in Sicht, kann die Maisaussaat beginnen. Bei früher Aussaat steigt die Gefahr von Kälteeinbrüchen mit nächtlich auftretenden Bodenfrösten, Pflanzenausfälle sind vor und nach dem Auflaufen der jungen Maispflanzen nicht ausgeschlossen. Vor allem leichte Sandböden neigen zu starken Auskühlungen bei niedrigen Temperaturen. Grundsätzlich sind nicht frühe Aussaattermine anzustreben, sondern kurze Auflaufphasen der Maispflanzen. Schnell aufgelaufene Pflanzen wachsen oftmals zügig weiter, sodass zusätzlich auch Schäden durch Vogelfraß und Fritfliegen bis zum Vierblattstadium reduziert werden können.

Für zügige und gleichmäßige Feldaufgänge sind Aussaattiefen an Wetterbedingungen und Bodengegebenheiten anzupassen. Eine mittlere Aussaattiefe von 5 cm wird angenommen, vorausgesetzt das Saatgut wird in den feuchten Bodenhorizont abgelegt. Je feuchter und wärmer der Boden ist, umso flacher kann der Mais gesät werden. Auch bei schwerer Erwärmung des Bodens kann die Ablage um 1 cm flacher erfolgen. Bei sehr leichtem Boden hingegen kann das Saatkorn 1 cm tiefer abgelegt werden. Werden nachhaltig günstige und warme Witterungsbedingungen vorausgesagt und liegen voraussichtlich zum Auflaufen des Maises gute und warme Bodenbedingungen vor, kann ebenfalls flacher abgelegt werden.

Das Saatbett für die Maisaussaat sollte man nicht zu fein herzurichten, um Verschlämmung und Verkrustung durch Starkniederschläge oder Bodenabtrag durch Wind entgegenzuwirken.

Aussaat nicht zu früh wählen

Im vergangenen Jahr war der April ungewöhnlich warm und sonnig, sehr früh wurden die erforderlichen Bodentemperaturen von 8 °C im Aussaatmonat erreicht. Auf der Versuchsstation Schuby der Landwirtschaftskammer wurde ein Versuch mit drei verschiedenen Aussaatzeiten angelegt, als frühester Saattermin wurde der 15. April 2025 gewählt (siehe Tabelle 1); die Ernte erfolgte an einem Tag. Zwei Tage nach der Maisaussaat Mitte April setzte über die Osterfeiertage Regen ein, in Rendsburg fielen bis zum Ostermontag 44 l/m². Im weiteren Verlauf war es bis über die Mitte des Monats Mai hinweg warm, sonnig und trocken. In der letzten Maidekade wurde es kühler, Niederschläge traten regional sehr unterschiedlich auf. In Rendsburg fielen vom 22. Mai bis 1. Juni insgesamt 76 l/m². Der Juni war durchwachsen: Niederschläge, niedrigere Temperaturen und sonnige Tage wechselten sich ab. Während normal gesäter Mais dem Juniwetter trotzte und im Wuchs nicht stockte, blieb spät gesäter Mais deutlich zurück, Wachstumsdepressionen wurden sichtbar. Die ersten Julitage waren hochsommerlich mit Temperaturen über 30 °C und Gewitterneigung. Im Anschluss war es überwiegend grau, dichte Bewölkung brachte auch Niederschläge mit, die Temperaturen lagen noch über dem langjährigen Mittel. Normal gesäter Mais hatte eine gute Jugendentwicklung, die Juliwitterung wurde ordentlich fürs Längenwachstum genutzt. Die weibliche Blüte begann für normal gesäten Mais Anfang der dritten Juliwoche, besondere Auffälligkeiten zur Blüte wurden nicht beobachtet. Ein Tiefdruckgebiet am 22. Juli brachte neben ausgeprägtem Sommersturm auch regional sehr unterschiedlich Niederschlag mit, in Rendsburg fielen an einem Tag 55 l/m². Auch die letzten drei Julitage waren mit insgesamt 55 l/m² in Rendsburg sehr nass. Die Temperaturen im August steigerten sich bis zur Monatsmitte auf über 30 °C, die Niederschläge ließen deutlich nach. Der zum Teil hoch aufgewachsene Mais nutzte die hochsommerlichen Tage für die Kornfüllung. Ab dem letzten Monatsdrittel im August wurden die Nächte kühler. Der September zeigte sich tagsüber warm und trocken. Am 16. September fielen im Land ergiebige Niederschläge, in Rendsburg wurden 63 l/m² gemessen, begleitet von böigem Wind. Es folgte ruhiges Septemberwetter bis zu den ersten Oktobertagen, am 4. und 5. Oktober traten anhaltende Niederschläge von insgesamt 87 l/m² auf, gemessen in Rendsburg. Zur Ernte Anfang Oktober waren bis Anfang Mai gesäte Maisbestände auf leichten Standorten bereits über den optimalen Erntezeitpunkt hinaus, wie Tabelle 1 zeigt. Doch war eines der Versuchsziele auch, dem letzten Aussaattermin noch die Möglichkeit zu geben, zur Ernte ordentlich auszureifen. Die Verluste zwischen den Aussaatterminen im Jahr 2025 zeigen, dass Ernte und Aussaat anzupassen sind. Neben Ertrags- und Qualitätseinbußen zu den aufgeführten Aussaatterminen sind weitere Probleme bei Konservierung und Fütterung zu erwarten.

Feldaufgang entspricht nicht ausgesäten Körnern

Für zertifiziertes Saatgut schreibt das Saatgutverkehrsgesetz eine Mindestkeimfähigkeit von 90 % vor, damit ist die Vertriebsfähigkeit einer Saatgutpartie gegeben. Das heißt, bei der Bemessung der Aussaatstärke sind Saatgutzuschläge notwendig, um entsprechende Feldbestände zu realisieren. Auszählungen von Pflanzenzahlen in verschiedensten Maissortenversuchen landesweit zeigen, dass die realisierten Bestandesdichten nicht mit der ausgesäten Körneranzahl übereinstimmen und Feldaufgänge selten höher als 95 % liegen. In der Praxis ist für Saatgutpartien mit guter Qualität von einer Keimfähigkeit von etwa 95 % auszugehen, wobei zu beachten ist, dass Keimfähigkeiten unter Laborbedingungen festgestellt werden und nicht zwingend auf die Praxis übertragen werden können. Das Saatgut sollte zusätzlich über gute Triebfähigkeit verfügen, gerade bei niedrigen Temperaturen mit langen Feldaufgangszeiten und bei zu tief gewählter Ablage. Tabelle 2 zeigt für anzustrebende Bestandesdichten pro Quadratmeter die jeweilige Saatstärke am erwarteten Feldaufgang bei 75 cm Reihenweite auf. Saatgutzuschläge von 5 % und 10 % sind aufgeführt, ebenso die benötigten Saatguteinheiten pro Hektar. Höhere Zuschläge von 10 % bis 15 % sind anzustreben, wenn die Keimfähigkeit des Saatgutes unter 95 % liegt und/oder schwierige Bedingungen beim Feldaufgang zu erwarten sind. Außerdem sind Kornabstände in der Reihe in Tabelle 2 aufgeführt, die sich aus dem zu erwartenden Feldaufgang und der anzustrebenden Bestandesdichte bei 75 cm Reihenweite ergeben.

Standortangepasste Pflanzenzahl wählen

Auch wenn hierzulande in den letzten Jahren ausreichend Niederschläge während der Vegetation der Maispflanzen gefallen sind, gilt es, die anzustrebende Pflanzenzahl an die Wasserversorgung des Bodens anzupassen und vorausschauend die Maiserträge bei eintretenden trockenen Witterungsbedingungen mit tendenziell niedriger Bestandesdichte abzusichern. Umfangreiche und jahrelang gemeinsam durchgeführte Bestandesdichtenversuche der Landwirtschaftskammern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zeigen länderübergreifend, dass mit zunehmender Bestandesdichte ein Längenwachstum der Maispflanzen einhergehen kann, die Stängel oftmals dünner sind, der Kolbenansatz höher ist und die Lagerneigung mit höheren Bestandesdichten wächst. Zusammengefasste Versuchsergebnisse aus Schleswig-Holstein der Jahre 2019 bis 2025 zeigen, dass Ertragszuwächse nicht parallel mit höheren Pflanzenzahlen ansteigen; zudem sind Einbußen in den Qualitäten zu beobachten (siehe Tabelle 3).

Sortentyp von gewähltem Silomais kennen

Die Landwirtschaftskammer empfiehlt, die anzustrebende Pflanzenzahl pro Quadratmeter auch auf den Silomais-Sortentyp abzustimmen. In Tabelle 4 sind die im letzten Jahr geprüften Maissorten der Landessortenversuche Schleswig-Holstein nach Längenwachstum aufgelistet. Als richtungsweisend gilt, dass mit Blick auf die Wasserversorgung des Bodens die anzustrebende Pflanzenzahl umso niedriger zu wählen ist, je massenwüchsiger die anzubauende Maissorte ist. Bei guter Wasserversorgung des Bodens werden nicht mehr als zehn Pflanzen pro Quadratmeter von kleinwüchsigeren und kompakteren Sorten empfohlen, um in Trockenzeiten keinen Pflanzenstress hervorzurufen. Bei schlechter Wasserversorgung mit langjährig häufiger beobachteten Trockenschäden im Mais liegt die Empfehlung bei maximal sieben Pflanzen pro Quadratmeter für großwüchsige, massebetonte Sorten.

Stabile Nachfrage und differenzierte Zuschläge

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Trotz des Winterwetters mit eisigen Temperaturen verzeichnete die Zuchtviehauktion der Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH) eG Mitte Februar in Dätgen eine rege Beteiligung. Gegenüber der Januar-Auktion war das Angebot deutlich erweitert worden. Insbesondere bei den weiblichen Tieren zeigte sich eine vollständige Markträumung.

Den Auftakt der Auktion bildeten wie gewohnt die Bullen. Den teuersten rotbunten Bullen stellte erneut die Zuchtstätte Wichmann, Haby, mit dem harmonischen „Eibo PP“, genetisch reinerbig hornlos und Sohn von „Vision PP“, der mit 2.800 € zugeschlagen wurde.

Bei den schwarzbunten Bullen erzielte der „Real Syn“-Sohn der Thies/Gröhn GbR, Stuvenborn, mit 3.800 € den höchsten Zuschlagpreis. Er überzeugte durch sehr hohe genomische Zuchtwerte sowie korrektes Exterieur und überragende Eiweißwerte auf der mütterlichen Seite. Die Bullenkäufer bieten sehr gezielt, dabei sind neben der Abstammung insbesondere die Leistungsdaten, Zuchtwerte und nicht zuletzt die äußere Erscheinung die vorrangigen Kriterien. Ein rotbunter und zwei schwarzbunte Bullen blieben im Überstand.

Die vorgestellte weibliche Verkaufskollektion war durch die Kreiskollektion des Kreisvereins Ostholstein ergänzt worden. Die Gebote erfolgten unter Berücksichtigung der aktuellen Milchauszahlungspreise flott und marktgerecht, sodass erneut alle weiblichen Tiere vom Auktionatorenduo Claus-Peter Tordsen und Karsten Winder zugeschlagen und vermarktet werden konnten.

Den Tageshöchstpreis erzielte – nun schon zum wiederholten Mal – Philipp Ellerbrock, Westerau, Ellerbrock-Holsteins, der eine heterozygot hornlose „Member PP“-Tochter mit Rotfaktor aus der renommierten „ELL Laila“ VG 87 vorstellte. Die sehr gute Einsatzleistung und überdurchschnittliche genomische Zuchtwerte in Verbindung mit einem überaus starken Exterieur führten zu einem spannenden Bieterduell, das letztlich ein hiesiger Käufer mit 4.000 € für sich entschied, was vom Publikum mit Applaus bedacht wurde. Der Durchschnittspreis der schwarzbunten Färsen betrug 2.269 €.

Die acht rotbunten Färsen erzielten im Mittel 2.319 €. Hier war „Cecilia“ aus der Zucht von Jörg Göttsche, St. Margarethen, mit 2.700 € der Topseller. Diese genetisch hornlose Färse mit vielversprechenden genomischen Zuchtwerten ist eine Tochter des RSH-Vererbers „Elektro P“, von dessen überragenden Vererbungsqualitäten sich kürzlich die Besucher der Verbandsschau Neumünster am Abend anhand der dort vorgestellten Nachzucht ein Bild machen konnten.

Für die Angler Färsen lag der Durchschnittspreis bei 2.433 €, hier war Jürgen Melchertsen, Norgaardholz, mit „Douglas“, einer Tochter von „Blavand P“, am erfolgreichsten. Diese leistungsbereite und mit bestem Euter ausgestatte Färse wurde bei 2.500 € zugeschlagen. Aus dieser Zuchtstätte stammte auch die teuerste Braunvieh-Färse „Desiree“ (Vater „Piaggio“), bei ihr fiel der Hammer ebenfalls bei 2.500 €.

Die drei angebotenen Kreuzungsfärsen erreichten durchschnittlich 1.983 €, wobei Hartmut Schwarzlos, Tangstedt, mit 2.100 € die teuerste stellte.

Die nächste Auktion der RSH eG findet am 19. März im Vermarktungszentrum der RSH eG in Dätgen (direkt an der Autobahnabfahrt Bordesholm) statt. Angeboten werden Tiere, die ausschließlich aus BHV1- und BVD/MD-freien Betrieben stammen.

Fazit

Zu dieser Absatzveranstaltung ist festzuhalten, dass die Nachfrage weiterhin stabil ist und die Verkaufserlöse von den aktuellen Milchauszahlungspreisen beeinflusst sind. Die komplette Markträumung bei den weiblichen Tieren ist ein starkes Indiz für diese Einschätzung. Qualitätstiere sind weiter gefragt. Neben den vielfach genannten Einflussfaktoren auf den Verkaufserlös, zum Beispiel eine ordentliche Einsatzleistung und ein ansprechendes Exterieur, honorieren die Kaufinteressenten insbesondere Färsen, deren Kalbung nicht allzu lange zurückliegt. Vor dem Hintergrund der noch freundlichen Preise für abgehende Altkühe, sind potenzielle Kaufinteressenten aktuell gut beraten, in ihren Beständen zu selektieren und den Zukauf der Bestandsergänzung jetzt vorzunehmen.

Neue Förderangebote für landwirtschaftliche Betriebe

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Während Problemunkräuter wie Ackerfuchsschwanz oder Ackerkratz­distel im ertragsorientierten Marktfruchtbau zurück­gedrängt werden müssen, gibt es unter den Ackerwildpflanzen auch konkurrenzschwache Arten, die unter bestimmten Bedingungen als bunte Begleiter des Ackerbaus geduldet werden können. Da es in Schleswig-Holstein bisher kein spezielles Förderprogramm für den Erhalt von Ackerwildkräutern gibt, hat der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) zusammen mit den Lokalen Aktionen in diesem Jahr ein neues Modellprojekt „Gemeinschaftlicher Ackerwildkrautschutz“ gestartet. Es wird durch das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen der Umsetzung der Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein – Kurs Natur 2030 gefördert.

Im Rahmen des dreijährigen Projektes (2026 bis 2028) können landwirtschaftliche Betriebe auf freiwilliger Basis und jahrweise flexibel zwischen verschiedenen einjährigen Vertragsangeboten wählen. Die einzelnen Maßnahmen und die dazugehörigen Förderungen sind in der Tabelle auf der folgenden Seite erläutert. Da flächige Bewirtschaftungsanpassungen nicht immer möglich sind, wird für Ackerrandbereiche mit aktuellen Vorkommen besonders seltener Arten auch eine kleinflächige Maßnahme angeboten (Nummer 8 in der Tabelle). Die Angebote richten sich sowohl an konventionell als auch an ökologisch wirtschaftende Betriebe.

Ackerwildkraut-Wettbewerb

Im Rahmen eines Ackerwildkraut-Wettbewerbs wird zusätzlich eine erfolgsorientierte Maßnahme angeboten. Für den Erhalt der Förderung müssen hierbei keine Auflagen eingehalten werden. Maßgeblich ist allein der Nachweis wertgebender Ackerwildpflanzenarten, die auch im Schlaginneren vorkommen sollten (siehe Ökoregelung 5 „Kennarten im Dauergrünland“). Betriebe, die über aussichtsreiche Äcker verfügen, können diese für das laufende Jahr online für den Wettbewerb anmelden (siehe unten). Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden allen Teilnehmenden mitgeteilt und die Prämien für die Gewinneräcker zum 1. November ausgezahlt. Für die Teilnahme an dem Ackerwildkraut-Wettbewerb gibt es die folgenden Vorgaben:

Online-Anmeldung potenziell artenreicher Ackerflächen bis Mitte April für das jeweilige Anbaujahr (Link zur Anmeldung siehe unten),

standardisierte Erfassung wertgebender Ackerwildkräuter durch externe Kartierung (nach Voranmeldung beim Betrieb) im Auftrag des DVL,

eine Ackerfläche je Betrieb, in der Regel maximal 3 ha (limitiertes Projektbudget), größere Schläge dürfen angemeldet werden,

keine Brache, Blühfläche, Acker-/Kleegrasfläche oder Wiese,

keine Flächen mit bestehenden Vertragsnaturschutzauflagen,

Förderung: 550 €/ha beziehungsweise 450 €/ha und Jahr für Ökobetriebe.

Stoppelbrachen bieten im Herbst gefährdeten, spät blühenden Ackerwildkräutern die Chance, sich noch ausreichend zu entwickeln.

Wo sind geeignete Standorte?

Viele Ackerwildpflanzen haben nur unter nährstoffarmen Bedingungen gute Entwicklungsmöglichkeiten und können daher vor allen auf ertragsarmen Grenzertragsböden gefördert werden. Neben sehr sandigen und trockenen Standorten kommen hierbei auch nasse und zur Verdichtung neigende Böden infrage. Vorkommen besonderer seltener Arten können sich außerdem auf den basenreichen Böden im Bereich Nordostwagrien/Fehmarn entwickeln. Ackerflächen, die bereits in der Vergangenheit nur extensiv gedüngt und wenig mit Herbiziden behandelt wurden, haben ein besonders hohes Potenzial für artenreiche Ackerwildkrautbestände. Standorte, an denen aus landwirtschaftlicher Sicht unerwünschte konkurrenzstarke „Problempflanzen“ dominieren (zum Beispiel Quecke, Disteln), sind hingegen auch für den Ackerwildkrautschutz nur schwierig zu bewirtschaften.

Winterroggen im Weite-Reihe-Anbau: Lichte Getreideäcker fördern besonders die Entwicklung vieler konkurrenzschwacher Ackerwildpflanzen.

Wo kann man sich bei Interesse melden?

Die Landesarbeitsgemeinschaft DVL-Schleswig-Holstein steht mit den Lokalen Aktionen und DVL-Regionalbüros für alle Fragen zu den Angeboten des „Gemeinschaftlichen Ackerwildkrautschutzes“ zur Verfügung. Die Naturschutzberaterinnen und -berater unterstützen kostenlos bei der betriebsindividuellen Auswahl und praxistauglichen Ausgestaltung der einzelnen Maßnahmen. Weitere Informationen zur Anmeldung für den Wettbewerb und zu den neuen Förderangeboten des Baukastensystems finden sich auf der Projektseite https://bit.ly/3OsTkfP


Hinweis

Die Maßnahmen des „Gemeinschaftlichen Ackerwildkrautschutzes“ werden nur für Ackerflächen angeboten, die ein besonderes Potenzial für das Vorkommen von wertgebenden Ackerwildkräutern aufweisen (geeignete Standortbedingungen, aktuelle oder dokumentierte Funde von Arten). Die Flächeneignung wird im Rahmen der fachlichen Beratung festgestellt. Da die Fördermittel begrenzt sind, kann der Umfang der Teilnahmeflächen in Abhängigkeit von der Nachfrage begrenzt werden.


Mehr Verständnis für das Tier

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Ende Februar wurde durch das Netzwerk Fokus Tierwohl das Seminar „Sinneswahrnehmung beim Schwein“ mit Benito Weise und dem Tieraugensimulator am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp der Landwirtschaftskammer angeboten.

Das Seminar startete mit der Begrüßung durch den Tierwohlmultiplikator Reiner Thomas. Anschließend ergriff Benito Weise, Mitentwickler des Tieraugensimulators, das Wort und nahm die Teilnehmenden mit auf eine Reise in die Sinneswahrnehmung der Tiere. Zum besseren Verständnis bezog er auch die Domestikation der Tiere in seine Erläuterungen ein und griff dabei ein Zitat von Prof. Hans Hinrich Sambraus auf: „Auch Haustiere in der Obhut des Menschen verfügen über das gesamte ursprüngliche Verhaltensrepertoire. Durch die Domestikation ist keine Verhaltensweise verloren gegangen; nur Intensität und Frequenz haben sich verändert.“

Sinneswahrnehmungen der Schweine

Als sehr wichtiger Sinn gilt der Geruchssinn. Er läuft über das limbische System im Gehirn und ist damit tief verankert. Emotionen werden darüber automatisch ausgelöst – ohne bewussten Einfluss –, sobald ein bestimmter Geruch wahrgenommen wird.

Menschen ertasten ihre Umwelt vor allem mit den Händen. Schweine nutzen dafür ihre Rüsselscheibe. Dort befindet sich eine Vielzahl an Sinneszellen, mit denen sie Oberflächen sehr differenziert erfühlen können.

Schweine hören deutlich besser als Menschen, insbesondere im Hochtonbereich bis in den Ultraschall. Solche Geräusche können unter anderem von Wechselrichtern erzeugt werden. Zudem basieren rund 80 % des Gleichgewichtssinns der Tiere auf ihrem Gehör. Daher wurde betont, wie wichtig es ist, unnötigen Lärm in der Haltungsumwelt zu vermeiden. Auswertungen zeigen, dass teilweise nur noch etwa 20 % der Mastschweine, die am Schlachthof ankommen, gut hören können.

In der Baulehrschau konnten die Teilnehmenden den Blick wie ein Schwein auf die Stalleinrichtung werfen.

Routinen sind wichtig

Für Pferde und Rinder gilt der Grundsatz möglichst einheitlicher Abläufe. Schweine sind hier anders: Sie finden Abwechslung spannend. Sie möchten ihre verschiedenen Sinne nutzen und ausleben. Fehlen entsprechende Reize, langweilen sie sich und reagieren mit Stress. Bereits nach wenigen Tagen ist das zur Verfügung gestellte Beschäftigungsmaterial für die Tiere bekannt und verliert an Attraktivität. Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, empfiehlt es sich daher, das Angebot regelmäßig zu variieren und immer wieder neue Reize zu setzen.

Sehen energetisch aufwendig

Den Abschluss bildete der Sehsinn. Wichtig für das Verständnis ist, dass Sehen energetisch sehr aufwendig ist. In der Evolution stellte sich daher stets die Frage, wie gut ein Tier tatsächlich sehen muss und wo Energie eingespart werden kann. Für Schweine war ein scharfes Sehen nicht zwingend notwendig, weshalb sie deutlich schlechter sehen als Menschen. Sie nehmen ihre Umwelt eher verschwommen wahr, besitzen jedoch ein sehr weites Sehfeld von etwa 310°. Nur etwa 50° vor sich sehen sie dreidimensional; wir Menschen haben hier bis zu 180°. Der restliche Bereich wird lediglich zweidimensional wahrgenommen, sodass Entfernungen dort schlechter bis gar nicht eingeschätzt werden können. Kontraste werden hingegen stärker erkannt.

Auch Farben sehen Schweine anders: Sie verfügen nur über zwei Farbrezeptoren und nehmen ihre Umwelt überwiegend in gelblich-grünen, Blau- und Grautönen wahr. Rottöne können sie nicht unterscheiden. In Kombination mit ihren anderen ausgeprägten Sinnen hat das Sehen für Schweine daher eine geringere Bedeutung als für uns Menschen.

Den Blick selbst wagen

Nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es für die Gruppe in die Bau- und Energielehrschau. Dort konnte der Tieraugensimulator selbst ausprobiert werden. Mithilfe einer VR-Brille und einer Kamera am Rollator konnten verschiedene Stallbereiche aus der Perspektive der Tiere betrachtet werden. Ziel war es, den aktuellen Wissensstand zum Sehvermögen der Schweine erlebbar zu machen und so das Verständnis für Verhalten und Reaktionen der Tiere zu fördern.

Die Veranstaltung konnte durch die Förderung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat kostenfrei angeboten werden.

Fazit

Auch wenn sich heutige Hausschweine züchterisch deutlich vom Wildschwein unterscheiden, sind viele Verhaltensweisen der Wildtiere weiterhin in ihnen verankert.

LKSH: Besuch der neuen Geschäftsführerin in Dithmarschen

Auf Einladung der Repräsentantin der Landwirtschaftskammer für den Kreis Dithmarschen, Eike Brandt, des Leiters des Agrarzentrums Heide, Sönke Harders, sowie des Leiters der Versuchsstation Barlt, Joachim Zwank, besuchte die neue Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH), Stephanie Wetekam, Ende Februar den Kreis Dithmarschen.

Stephanie Wetekam, eingerahmt von Sönke Harders und Eike Brandt, bekam einen Korb mit Informationen und Spezialitäten aus Dithmarschen. Foto: LKSH

Der Besuch begann im Agrarzentrum Heide. Nach der offiziellen Begrüßung stellte Eike Brandt in einem Vortrag die landwirtschaftlichen Strukturen und Besonderheiten des Kreises Dithmarschen vor. Dabei wurden sowohl die Bedeutung des Ackerbaus und der Tierhaltung als auch die Herausforderungen durch Marktveränderungen, Klimaanpassung und gesellschaftliche Erwartungen thematisiert. Der Kreis Dithmarschen wurde dabei als vielseitig aufgestellte Agrarregion mit hoher Innovationskraft und ausgeprägter Praxisorientierung dargestellt.

Im Anschluss nutzte Stephanie Wetekam die Gelegenheit zu einer persönlichen Vorstellung. Sie skizzierte ihren beruflichen Werdegang sowie ihre Motivation für die neue Aufgabe an der Spitze der Kammerverwaltung. In ihrem Ausblick betonte sie die Bedeutung einer engen Verzahnung zwischen Praxis, Beratung, Versuchswesen und Verwaltung. Ziel sei es, die Landwirtschaft im Land zukunftsfähig weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Betriebe in einem zunehmend komplexen politischen und wirtschaftlichen Umfeld wirksam zu unterstützen.

Es folgte eine Vorstellungsrunde der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Heide. In offener Atmosphäre entwickelte sich ein reger Austausch über bestehende Arbeitsstrukturen, aktuelle Projekte sowie Wünsche und Anregungen für die zukünftige Zusammenarbeit. Die Geschäftsführerin zeigte großes Interesse an den vielfältigen Aufgabenfeldern vor Ort und nahm Impulse aus den Fachbereichen aufmerksam auf.

Besichtigung der Spezialtechnik wie dieses Parzellenmähdreschers für die Landessortenversuche. Foto: LKSH

Im weiteren Verlauf des Tages wechselte die Delegation zur Versuchsstation Barlt. Auch dort stellte sich Stephanie Wetekam zunächst persönlich vor, bevor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre jeweiligen Tätigkeitsbereiche präsentierten. Die Versuchsstation gab einen Überblick über ihre Arbeitsfelder, insbesondere im Bereich pflanzenbaulicher Versuche, Sortenprüfungen sowie praxisnaher Forschung zur Weiterentwicklung nachhaltiger Anbausysteme.

Den Abschluss bildete ein Rundgang durch die Versuchsstation. Die Geschäftsführerin nahm sich während des gesamten Besuchs bewusst Zeit für Gespräche und signalisierte mit einem offenen Ohr für die Anliegen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Wertschätzung für die Arbeit vor Ort.

Der Besuch unterstrich die Bedeutung des direkten Austauschs zwischen Geschäftsführung, Beratung und Versuchswesen. Gleichzeitig setzte er ein deutliches Signal für eine enge Zusammenarbeit und eine weiterhin praxisnahe Ausrichtung der Landwirtschaftskammer im Kreis Dithmarschen.

Freiwillige Feuerwehr Ladelund übt Tierrettung

Ein brennender Pferdestall, ein im Anhänger feststeckendes Pferd, ein gestürztes Pferd im Graben oder eine ausgebrochene Pferdeherde, das sind alles mögliche Szenarien, die Einsatzkräfte im Ernstfall vor große Herausforderungen stellen.

Nach einem Tierrettungseinsatz hatte Gruppenführer Timo Christophersen die Idee, seine Feuerwehrkameraden im Rahmen der turnusmäßig durchgeführten Feuerwehrübungen besser auf solche Situationen vorzubereiten. Auf Anfrage waren Familie Tuschke vom Wilhelminenhof und der Reit- und Fahrverein Wilhelminenhof Ladelund sowie der Tierarzt Dr. Thomas Montag sofort bereit, ihre Anlagen, ihr Know-how und die Pferde zur Verfügung zu stellen. An dieser Übung nahmen 21 Feuerwehrleute teil. Es wurde in drei rotierenden Gruppen trainiert.

Lena Tuschke befasste sich in ihrer Gruppe mit dem Aufhalftern der Pferde und dem Retten der Tiere bei einem Stallbrand. Dann ging es um das praktische Verladen und die Notbefreiung auf beziehungsweise von dem Pferdeanhänger und Lkw.

Nächste Station war die Reithalle. Grundsätzliches Verhalten von Pferden, wie Herdentrieb, Fluchttierverhalten sowie das Verhalten in Stresssituationen, war das Thema von Rita Cordsen-Tuschke. Auch der Umgang mit den Emotionen betroffener Reiter und Pferdebesitzer wurde thematisiert. Darüber hinaus wurden das praktische Annähern an das Pferd und das Führen trainiert.

Die dritte Station wurde von Dr. Thomas Montag geleitet. Hier ging es explizit um die schonende Pferderettung, auch mit technischen Hilfsmitteln, und um die Sicherheit der Helfer, also um die Einhaltung der sogenannten Kickzone.

Am Ende wurde sehr deutlich, wie wichtig solche Übungen für den Ernstfall sind, um die Gefahren für Einsatzkräfte und Tiere zu minimieren. Es wurden viele Fragen gestellt und auch einige Hemmschwellen überwunden. In der Manöverkritik bedankte sich Timo Christophersen für die Vorbereitung und Durchführung der Übung bei allen Akteuren. Es wurde klar, dass die Thematik sehr herausfordernd ist und dass bei einigen Einsatzkräften das Interesse an einer Spezialausbildung zum Thema Großtierrettung besteht. Wieder einmal hat sich gezeigt, wie produktiv und unkompliziert die Vereine und Verbände in der Gemeinde Ladelund mit gegenseitiger Wertschätzung zusammenarbeiten.

Zwiebelblumen und Blütenstauden

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Arrangements aus Zwiebelblumen und Blütenstauden bereichern nicht nur den Frühlingsgarten. Auch sommerliche Zwiebelblüher beeindrucken mit tollen Akzenten im Beet. Bei der richtigen Wahl der Pflanzpartner setzen sie sich gegenseitig in Szene.

Die locker aufgebauten, violetten Blüten von Allium atropurpureum schweben über den weißen Blüten der Akelei. Foto: Karin Stern

Die meisten Zwiebelblumen kommen erst mit den richtigen Nachbarn perfekt zur Geltung. Als schöner Nebeneffekt kaschieren diese zudem die früh vergilbenden Blätter der Zwiebelblüher. Tulpen fügen sich besonders harmonisch ins Gartenbild ein, wenn ihre langen Stiele von niedrigeren Blütenpflanzen umspielt werden. Ganz klassisch kommt das Arrangement mit Zweijährigen wie Stiefmütterchen (Viola), Goldlack (Erysimum cheiri) oder Maßliebchen (Bellis perennis) daher. Arbeitssparender und pflegeleichter fällt die Kombination mit niedrigen, früh austreibenden Stauden aus, da sie nicht alljährlich neu gepflanzt werden müssen. Infrage kommen hier die Gold-Wolfsmilch (Euphorbia polychroma) oder Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla). Sehr elegant wirken Tulpen und Narzissen mit dezenten, weißen Blüten zwischen graulaubigen Stauden wie Woll-Ziest (Stachys byzantina) oder der Polster-Silberraute ‚Nana‘ (Artemisia schmidtiana). Diese dekorative Staude wächst im Gegensatz zur Verwandtschaft nur etwa 25 cm hoch und punktet mit filigranen, silbergrauen Blättern. Gesellt sich dazu noch die Viridiflora-Tulpe ‚Spring Queen Green‘ mit ihren weiß-grün geflammten Blütenblättern, ist das Arrangement nahezu perfekt. Tipp: Diese Tulpe passt auch prima zwischen die ähnlich gezeichneten Blätter vieler Funkien-Sorten.

Tulpen und Vergissmeinnicht sind eine zeitlos schöne Kombination. Foto: Karin Stern
Walzenwolfsmilch und Traubenhyazinthe setzen beizeiten im Frühjahr einen kontrastreichen Akzent. Foto: Karin Stern

Bei der Farbzusammenstellung der auffälligen, großblütigen Tulpen und zeitgleich blühender Stauden hält man sich besser etwas zurück. Ein kunterbunter Mix verfehlt hier meist seine Wirkung. Harmonischer ist das Gartenbild bei der Wahl von Ton-in-Ton-Kombinationen. So gefallen die goldgelben Blüten der Gämswurz (Doronicum orientale) mit gelben Tulpen oder Narzissen. Geeignete Pflanzpartner für das Tränende Herz (Dicentra spectabilis) sind spät blühende Tulpen in Rosa oder Pink. Bunte Farbkombinationen machen im Steingarten jedoch eine gute Figur und sind durchaus erwünscht. Ohnehin zeigen hier im Frühjahr Blaukissen (Aubrieta-Hybriden), Gänsekresse (Arabis), Polsterphlox (Phlox subulata) und Steinkraut (Alyssum) ein farbliches Spektakel. Als hübsche Ergänzung dafür bieten sich Krokus (Crocus), Netzblatt-Iris (Iris reticulata), Traubenhyazinthen (Muscari) und farbstarke Wildtulpen wie ‚Lilac Wonder‘, ‚Lizzy‘ oder ‚Tubergen‘s Gem‘ an. Ab Juni sorgt der anspruchslose Gold-Lauch (Allium moly) für frischen gelben Farbwind.

Hasenglöckchen sind wunderbare Begleiter zu austreibenden Funkien. Foto: Karin Stern

Eher selten zu sehen ist die Forellen-Lilie ‚Pagoda‘ (Erythronium-Hybride). Sie benötigt unbedingt einen halbschattigen bis schattigen Standort. Daher empfiehlt sie sich vor allem als Ergänzung zu Funkien (Hosta), Leberblümchen (Hepatica nobilis) und Lungenkraut (Pulmonaria). Einen lichten Halbschatten bevorzugt zudem das aparte Hasenglöckchen (Hyacinthoides his­panica). Je nach Sorte setzt dieser Zwiebelblüher von Mai bis Juni in Rosa, Weiß oder Blau wunderbare Akzente zwischen Kleinem Frauenmantel (Alchemilla erythropoda) und niedrigem Cambridge-Storchschnabel (Geranium cantabrigiense). Diese Kreuzung aus Geranium macrorrhizum und Geranium dalmaticum überzeugt mit zierlichem Habitus und einem lockeren Wuchs von etwa 30 cm Höhe.

Wie bei den Stauden sollte man auch bei Zwiebelblühern die Standortwünsche beachten. Eher trockenen Boden bevorzugen Steppenkerze (Eremurus) und die meisten Zierlauch-Arten (Allium). Sie werden gern in sonnig gelegene Rabatten oder Kiesbeete gepflanzt. Mit ihren prächtigen Blüten(bällen) auf hohen Stielen behaupten sie sich problemlos gegen höhere Stauden wie Schafgarbe (Achillea) oder Spornblume (Centran­thus). Für etwas feuchtere Standorte bieten sich nur einige wenige Kandidaten an. Dazu gehören die Sommer-Knotenblume (Leucojum aestivum), Schachbrettblume (Fritillaria meleagris) und die prächtige Blaue Prärielilie ‚Caerulea‘ (Camassia leichtlinii). Sie wirkt am Teichrand in der Gruppe imposant und macht sich hier gut in Begleitung von Trollblume (Trollius x cultorum), Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris) oder Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris).

Farbstarke Lilien brauchen filigrane Pflanzpartner wie Blauraute und Mannstreu. Foto: Karin Stern
Kugellauch und Storchschnabel Ton-in-Ton. Foto: Karin Stern
Es darf auch mal gerne farblich knallen, wie hier bei Schaublatt und Zierlauch. Foto: Karin Stern


Zu den Zwiebelblühern zählen auch die farbenprächtigen Lilien. Der Handel bietet sie in einer großen Vielfalt an. Ähnlich wie bei großblütigen Tulpen empfiehlt sich jedoch Fingerspitzengefühl für die Kombination mit Stauden. Die farbstarken Lilienblüten wirken sehr dominant und dulden keine ähnlich prächtigen Partner neben sich. Man kombiniert sie am besten mit Stauden mit lockeren Blütenkerzen, beispielsweise Katzenminze (Nepeta), Sommersalbei (Salvia nemorosa) oder Ehrenpreis (Veronica).

Die Gelbe Riesenflockenblume ist ein toller Begleiter zur Steppenkerze. Foto: Karin Stern
Wildgladiolen bringen von Mai bis Juli ein kräftiges Pink in den Garten. Foto: Karin Stern


Vorläufige Anwendung kommt

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Die EU-Kommission bringt die vorläufige Anwendung des Handelsabkommens mit den Mercosur-Staaten auf den Weg. Das hat Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) bekannt gegeben. Dies war nun möglich, da Argentinien und Uruguay die Freihandelsvereinbarung ratifiziert haben. Dass dieses Abkommen jetzt provisorisch umgesetzt wird, belegt nach Ansicht der Behördenchefin die wachsende Handelsmacht der Europäischen Union. Von der Leyen hat den Schritt nach eigenen Angaben zuvor mit den Mitgliedstaaten und dem Europaparlament „diskutiert“.

Eine vorläufige Anwendung ist auch ohne grünes Licht aus dem Europa-Parlament möglich. Eine knappe Mehrheit der EU-Abgeordneten hatte vor Kurzem für eine Prüfung des Handelsvertrages durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) votiert und dadurch die endgültige Ratifizierung verzögert.

Argentinien und Uruguay machen den Weg frei

Die EU-Kommission konnte die vorläufige Anwendung erst ermöglichen, nachdem mindestens eines der Mercosur-Länder – Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay – den Vertrag ratifiziert hatte. Eine knappe Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten hatte Anfang Januar schon grünes Licht gegeben.

In Argentinien votierte der Senat mit 69 Ja- und drei Neinstimmen für das Abkommen. Die Abgeordnetenkammer hatte bereits zuvor zugestimmt. Das Rennen um den ersten Platz bei der Ratifizierung gewann allerdings Uruguay. Das Abgeordnetenhaus in Montevideo billigte das Abkommen mit 92 zu zwei Stimmen.

Positive Reaktionen und Proteste

Im landwirtschaftlichen Berufsstand in Argentinien und Uruguay wurde daraufhin gefeiert. Damit sei man einen Schritt weiter in Richtung der Öffnung eines wichtigen Absatzmarktes für die südamerikanische Landwirtschaft, erklärte zum Beispiel der argentinische Bauernverband SRA.

Auch in Europa gab es positive Reaktionen auf die Ratifizierung durch die südamerikanischen Parlamente, etwa vom deutschen Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), vom Europäischen Verband der Milchindustrie (EDA) und aus der Politik, beispielsweise von Bayerns Europaminister Eric Beißwenger (CSU). „Das ist in diesen geopolitisch schwierigen Zeiten ein wichtiges Zeichen des Vertrauens unserer südamerikanischen Partner in die EU“, erklärte der CSU-Politiker. Das Abkommen biete laut Beißwenger auch der europäischen Landwirtschaft wichtige Exportchancen. Durch die vereinbarten Schutzmechanismen sei nicht mit einem Schaden für die Branche zu rechnen.

Die Bauernproteste gegen das Abkommen sind allerdings noch nicht überall abgeebbt. So protestierten in Spanien Hunderte Landwirte in Madrid gegen das Abkommen, weil es die ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen für die heimische Landwirtschaft verschlechtere. age

Größere Weizenexporte der Ukraine erwartet

Die Ukraine dürfte im laufenden Wirtschaftsjahr 2025/2026 ihre Weizenexporte steigern. Davon geht das Kiewer Landwirtschaftsministerium in seinem Agricultural Outlook aus. Das Ministerium erwartet eine Exportmenge von 17,64 Mio. t Weizen; das wären 11,5 % mehr als im Vorjahr. Das Weizenaufkommen aus der Ernte 2025 wird vom Agrarressort auf 23,1 Mio. t beziffert. Damit würde das 2024 erzielte Ergebnis um 2,9 % übertroffen, der Fünfjahresdurchschnitt aber um 6,2 % verfehlt.

Steigen werden nach Einschätzung des Ministeriums auch die Ausfuhren von Mais, und zwar um 8,3 % auf 23,8 Mio. t. Kräftig um 20 % sollen die Exporte von Gerste zulegen; hier wird mit einer Ausfuhrmenge von 2,8 Mio. t gerechnet. Zurückgehen dürften hingegen die Lieferungen von Sonnenblumensaat. Mit geschätzten 10,0 Mio. t würde die Vorjahresmenge um 13,9 % unterschritten. Ebenfalls sinken werden voraussichtlich die Exporte an Sonnenblumenöl; erwartet wird ein Minus von 14 % auf 4,1 Mio. t.

Auswirken wird sich 2025/2026 dem Bericht zufolge die im September 2025 eingeführte Zollabgabe auf Exporte von Raps und Soja. Sie muss entrichtet werden, wenn der Export über einen Zwischenhändler abgewickelt wird. Für Raps wird mit einem Rückgang der Exporte um 43,2 % auf 1,79 Mio. t gerechnet. Halbieren wird sich nach Einschätzung des Ministeriums die Ausfuhr von Sojabohnen; hier wird eine Exportmenge von 2,1 Mio. t erwartet.

Unter Vorjahresniveau werden auch die Zuckerexporte liegen. Hier bekommt die Ukraine die Einführung von Quoten für Lieferungen in EU-Länder zu spüren, verbunden mit erheblichen Schwierigkeiten, die frei gewordenen Mengen auf andere Märkte zu verlagern. Während im Wirtschaftsjahr 2024/2025 noch 629.000 t Zucker ausgeführt wurden, werden es 2025/2026 wohl nur 505.000 t sein; ein Rückgang um etwa 20 %.

Rückblickend auf 2025 stellt das Ministerium fest, dass erneut Sonnenblumenöl die meisten Devisen in die Kassen der Exporteure spülte; eingenommen wurden 4,43 Mrd. €. Damit platzierte sich die Ukraine im Welthandel mit Sonnenblumenöl auf Platz zwei.

Mit deutlichem Abstand folgte Mais mit Exporterlösen von insgesamt 3,31 Mrd. €. Platz drei belegte Weizen mit 2,54 Mrd. €. Dahinter folgten Sojabohnen mit 1,13 Mrd. €. An der Ausfuhr von Raps verdiente die Ukraine 752 Mio. €. age

Wachstum, Wandel und Vergänglichkeit

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Getreidehalme, die von oben nach unten wachsen, Abertausende getrockneter Blüten, Samenkapseln und Pflanzenteile, die, in Kupferdraht verwoben, teppichartig schwebend an und von der Decke hängen – das sind prägende Elemente der Installationen der britischen Künstlerin Rebecca Louise Law. An vier Standorten der Landesmuseen Schleswig-Holstein sind diese einzigartigen „Naturschauspiele“ in diesem Jahr zu bewundern. Den Anfang machen „The Field“ im Jahr100Haus Molfsee und „Grain“ im Betsaal des Jüdischen Museums in Rendsburg, Anfang April geht es weiter in der Reithalle Schloss Gottorf und im Globushaus im Barockgarten der Museumsinsel in Schleswig.

Ergreifend, faszinierend, emotional bewegend, überwältigend, beeindruckend – das sind die wohl am häufigsten genutzten Worte beim Betreten der Ausstellungsräume, wenn der Blick auf die Installationen der international anerkannten Künstlerin fällt. Unter dem Gesamttitel „State of Nature“ laden Rebecca Louise Law und die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen an gleich vier Standorten dazu ein, Natur neu wahrzunehmen.

Rebecca Louise Law, State of Nature, Jahr100Haus Molfsee, Betsaal Jüdisches Museum Rendsburg, The Field und Grain, Installation, Hafer, Getreide, Blüten
Fotos: Iris Jaeger

Die raumgreifenden Installationen aus getrockneten Pflanzen und Blüten lassen sich unmittelbar erleben, Duft, Material und dessen Vergänglichkeit sprechen die Sinne an, verzaubern, stimmen nachdenklich oder lassen einen einfach nur in Ruhe den Anblick genießen. Jeder der vier Ausstellungsorte entfaltet dabei seine eigenen Facetten und Wirkungen. Aber alle Orte verbindet eine Frage: „Wie sollen wir der Natur heute und künftig begegnen?“ Jede einzelne Blüte und jede Pflanze steht dabei für die immer wiederkehrende Geschichte aus Wachstum, Wandel und Vergänglichkeit.

Gut zwei Jahre dauerte es von ersten Ideen und Gesprächen bis hin zur Eröffnung der ersten zwei von vier Ausstellungen in Molfsee und in Rendsburg. „Der Grundgedanke war dabei, eine künstlerische Position zu finden, die die verschiedenen Eigenschaften der Museumsstandorte verbindet und Bezugspunkte zwischen den Museen herstellen kann“, erläutert Dr. Thorsten Sadowsky, Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Da sei das Freilichtmuseum Molfsee, das das ländliche Leben widerspiegele und wo ein Teil der Pflanzen, vor allem Hafer, für die Ausstellung angebaut wurde, das Jüdische Museum in Rendsburg, das das Verhältnis zur und den Umgang mit der Natur in der jüdischen Kultur reflektiere, der rekonstruierte Barockgarten in Schleswig, der als Kernidee beinhalte, viele verschiedene Pflanzen aus der Welt an einem Ort zusammenzutragen.

Der Hafer für die Ausstellung stammt auch von Flächen im Freilichtmuseum Molfsee
Foto: Iris Jaeger

Das Besondere an diesem Ausstellungsprojekt ist die Beteiligung von Bürgern und Ehrenamtlichen an dem Enstehungsprozess. Im Blomentüddel-Club nahmen mehr als 300 Menschen teil und haben nach Anleitung der Künstlerin, gemeinsam bei Treffen in Schleswig, Rendsburg und Molfsee, sowohl die archivierten Pflanzen der Künstlerin als auch die in Molfsee und im Land angebauten Getreidehalme und Ähren in filigraner Handarbeit zu Girlanden gebunden. Einige brachten noch Pflanzen aus ihren Gärten mit, Institutionen stellten Saatgut-Tüten zur Verfügung, sodass im Juli 2025 gemeinsam Wildblumen geerntet werden konnten. Auch am Aufbau der Installationen in Molfsee und Rendsburg waren Freiwillige beteiligt. Allein im Betsaal des Jüdischen Museums Rendsburg dauerte das Anbringen der 100.000 Blüten und Halme gut fünf Tage, in Molfsee sind es gut 15.000 Halme, Ähren und Pflanzen, die verarbeitet wurden. „Durch diese Workshops sind Freundschaften und Gemeinschaften entstanden, die über die Ausstellung hinaus Bestand haben“, erzählt die Ehrenamtskoordinatorin Nina Batram.

Es sei diese stille, unaufdringliche, diplomatische Überzeugungskraft, das Suggestive, was die Kunst von Rebecca Louise Law ausmache, so Dr. Kerstin Poehls, Leiterin des Frelichtmuseums Molfsee. Es gehe um die Frage, wie ländliche Räume global verflochten sind, darum, wie Menschen sich ernähren, wie Nahrung produziert wird, um Aspekte der Landwirtschaft, um den Umgang mit Ressourcen, um den Wandel im Umgang mit Nahrung und Konsum. „Noch immer werden zu viel produzierte Lebensmittel weggeworfen, gleichzeitig leiden Millionen von Menschen weltweit an Hunger. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, ist ein Aspekt der Ausstellung“, so die Künstlerin selbst. Gleichzeitig freue es sie, wenn sie die Menschen mit der Schönheit der Natur und den Installationen überwältigen und ins Staunen versetzen könne, wenn sie sich auf Entdeckungsreise begäben und sich auf diese Form der Naturerkundung und des Naturerlebens einließen. Ursprünglich komme sie aus der Malerei, bis sie 2003 begonnen habe, mit natürlichen Materialien zu arbeiten. Bereits in ihrer Kindheit wurde sie durch das ländliche Leben, durch den elterlichen Garten und das spielerische Entdecken der Natur geprägt. „Die Räume sind meine Leinwand, und das Pflanzenmaterial ist meine Farbe“, erklärt sie.

Das Geflecht aus gut 100.000 Ähren, Halmen und Blüten verändert die Raumwahrnehmung des Betsaals im Jüdischen Museum enorm.
Foto: Iris Jaeger

Überwältigt zeigt sich auch Mirjam Gläser, zuständig für Bildung und Vermittlung im Jüdischen Museum Rendsburg, von der schwebenden Konstruktion aus Weizenähren und Blumen im Betsaal des Museums. Die Installation dort lässt sich aus zwei Perspektiven von unten und von der Galerie oben betrachten und verändert die Wahrnehmung des Raumes enorm. Viele jüdische Feste seien neben der religiösen Bedeutung auch eng mit Erntezeiten und landwirtschaftlichen Zyklen verbunden, so Gläser. „Grain“ stehe für Dankbarkeit, Fürsorge und das Verbindende zwischen Kulturen und Zeiten.

Freuen dürfen sich die Besuchenden ab Anfang April auf „Florilegia“ mit fast einer Million getrockneter Blumen in der Reithalle auf der Museumsinsel Schloss Gottorf und auf „Honesty“ mit 1.000 schimmernden Lunariablättern der Silberblattpflanze im Globushaus. Weitere Informationen unter www.landesmuseen.sh 

Blick von oben auf die Installation „Grain“ im Betsaal des Jüdischen Museums Rendsburg. Auch von oberhalb aus betrachtet, überwältigt das Werk mit einer stillen, kraftvollen Ausstrahlung.
Foto: Iris Jaeger
Jede Blüte ein Kunstwerk, mit Kupferdraht verwoben zu einer einzigartigen, raumgreifenden Installation
Foto: Iris Jaeger
Getreide, das von oben nach unten wächst
Foto: Iris Jaeger
Detailaufnahme von der Installation „Grain“ in Rendsburg
Foto: Iris Jaeger
Rebecca Louise Law
Foto: Iris Jaeger
Ilona Peters, langjährige Ehrenamtliche im Freilichtmuseum, tüddelte in den Treffen an den Pflanzengirlanden mit. Das Besondere an der Ausstellung ist, dass Freiwillige und Ehrenamtliche in den Herstellungsprozess mit einbezogen wurden.
Foto: Nina Batram, FLM Molfsee