Nach über 25 Jahren Verhandlungsdauer kam das EU-Mercosur-Abkommen am 1. Mai 2026 zur vorläufigen Anwendung. Diese vorläufige Version bezieht sich in erster Linie auf den Handel, da das vollständige Abkommen erst noch von sämtlichen Mitgliedstaaten ratifiziert werden muss. Hierdurch ist seit dem 1. Mai die größte Freihandelszone der Welt geschaffen worden. Der Rindfleischbereich hat sich dabei als der sensibelste Bereich des Abkommens herausgestellt.
Dazu beinhaltet es, dass 99.000 t südamerikanisches Rindfleisch zusätzlich zu einem reduzierten Zollsatz von 7,5 %, statt bisher 20 %, in die EU eingeführt werden dürfen. Die bisherigen Einfuhren aus den Mercosur-Staaten beliefen sich auf zirka 200.000 t. Davon fielen bereits 105.000 t unter bisherige Zollermäßigungen. Der Rest wurde bisher zum vollen Zollsatz von 20 % eingeführt. Das neue Zollkontingent begünstigt daher vorerst hauptsächlich ohnehin schon bestehende Importmengen. Der bisherige Marktanteil der Mercosur-Staaten am EU-Rindfleischmarkt von 3,2 % dürfte sich also nur geringfügig nach oben bewegen.
Befürchtungen der Landwirte bestätigen sich
Das Abkommen wurde begleitet von massiven Protesten seitens der Landwirte und Branchenverbände. Kritisiert wurden und werden Auswirkungen auf die Erzeugerpreise in der EU und die unterschiedlichen Qualitätsstandards, insbesondere in Bezug auf die Verwendung von Antibiotika und Wachstumsförderern. Während die Befürchtungen eines Preisverfalls durch deutlich steigende Importmengen größtenteils unbegründet sind, sind die Sorgen der Landwirte in Bezug auf den Bereich Antibiotika und Wachstumsförderer durchaus begründet. Konkret geht es um einen Fall, in dem die EU im Rahmen von Einfuhrkontrollen bereits Anfang März 80 t mit 17-Beta-Östradiol behandeltes Rindfleisch aus Brasilien entdeckt hat. Schon 2024 hat die EU die Maßnahmen der brasilianischen Regierung gegen den Export von hormonbelastetem Rindfleisch als unzureichend kritisiert und entsprechende Empfehlungen ausgesprochen. Diese Vorgaben wurden bisher aber nur unzureichend umgesetzt.
EU reagiert mit Importstopp
Die Konsequenz aus diesem Vorfall in Verbindung mit den deutlichen Lücken in den brasilianischen Kontrollverfahren ist nun, dass die EU Brasilien von der Liste der sicheren Herkunftsländer streicht, trotz Mercosur-Abkommen. Brasilien darf damit – allerdings erst ab dem 3. September 2026 – kein Rindfleisch mehr in die EU liefern, bis es nachweisen kann, dass die EU-Vorgaben eingehalten werden. Dieser Importstopp gilt auch für Geflügel und Honig. Die EU beweist damit, dass sie durchaus in der Lage ist, ihre Vorgaben durchzusetzen. Die Regierung in Brasilien reagierte jedenfalls umgehend und gelobte sofortige Besserung. Wie schnell der mit Abstand größte Rindfleischexporteur der Welt dies auch umsetzt, bleibt abzuwarten. Der Anteil der brasilianischen Rindfleischexporte in die EU an den gesamten Rindfleischexporten des südamerikanischen Landes liegt bei unter 5 %. Von den europäischen Landwirten und Branchenverbänden wird die zumindest vorläufige Verbannung Brasiliens vom hiesigen Markt jedenfalls wohlwollend zur Kenntnis genommen.
Marktlage für die Woche vom 18. bis 24.5.2026
Getreide: Nachdem die US-Regierung mitteilte, dass China US-Agrarprodukte für 17 Mrd. US-$ kaufen werde, stiegen die Kurse in Chicago an, was positiv auf Paris ausstrahlte.
Raps: Wegen der Angst vor neuen kriegerischen Aktivitäten am Persischen Golf stiegen die Rohölpreise, damit zogen die Kurse für Pflanzenöle an, was den Rapspreis deutlich unterstützte.
Futtermittel: Wie zuvor notierte Futtergerste fest und überstieg vereinzelt Futterweizenpreise.
Kartoffeln: Einige Lebensmittelketten teilten mit, dass sie länger als sonst üblich Lagerkartoffeln anböten, solange diese in guter Qualität verfügbar seien.
Schlachtrinder: Nachdem die Preise zuletzt deutlich nachgegeben hatten, stabilisierte sich der Markt, die Preisempfehlungen blieben unverändert.
Schlachtschweine/-sauen: Nach der deutlichen Preiskorrektur bewegten sich Angebot und Nachfrage aufeinander zu, von einer Marktbelebung konnte aber keine Rede sein.
Ferkel: Die Notierungen waren weiter an die Preise des Schlachtschweinemarktes gekoppelt, was die Einstallpreise deckelte.
Milch: Das Milchaufkommen erreichte weiter ein hohes Niveau und legte zuletzt leicht zu.
Schlachtlämmer/-schafe: Ein kleines Angebot traf auf eine ruhige Nachfrage mit stabilen Preisen.
Markttendenz für die Woche vom 25. bis 31.5.2026
Getreide: In Europa wird der Markt weiter durch die schwache Exportnachfrage belastet. Internationale Käufer halten sich in der Hoffnung auf sinkende Preise zurück.
Raps: Niederschläge sorgen für Entspannung, die Blütenbehandlung ist vielerorts beendet. Regional hat der Rapserdfloh trotz mehrfacher Behandlungen Schäden verursacht.
Futtermittel: Mit den höheren Kursen für die Rohware hat sich auch Rapsschrot leicht verteuert.
Kartoffeln: Die Frühkartoffelernte in Deutschland wird immer wieder von Regen unterbrochen, was angesichts des noch geringen Bedarfs jedoch kaum ins Gewicht fällt.
Schlachtrinder: Bei Jungbullen entspannt sich die Lage, die angebotenen Tiere lassen sich überwiegend zu unveränderten Preisen absetzen.
Schlachtschweine/-sauen: Das bevorstehende lange Wochenende sollte für Impulse im Absatz sorgen, insbesondere im Bereich Grillfleisch und Frischware.
Ferkel: Kurzfristig erwarten Marktbeteiligte stabile Preistrends auf abgesenktem Niveau.
Milch: Immer wärmere und sonnigere Tage sollten den Markt für Frischprodukte mit Nachfrageimpulsen versorgen.
Schlachtlämmer/-schafe: Für die kommenden Wochen gehen die meisten Marktteilnehmer von einer ausgeglichenen Situation aus.




