Sie werden bei Login in den Shop auch automatisch auf der Bauernblatt-Website eingeloggt und können sich dann zukünftig mit dem gleichen Passwort auf beiden Websites anmelden.
Die Grüne Woche in Berlin gehört für viele Landjugendliche fest zum Jahreskalender. Ein Höhepunkt ist dabei das traditionelle Theaterstück auf der Jugendveranstaltung. 2028 darf der Landjugendverband Schleswig-Holstein (ljv) es auf die Bühne bringen. Dafür trafen sich Mitte Oktober theaterbegeisterte Landjugendmitglieder zu einem Auftaktwochenende in Plön.
Theater bei der Landjugend bedeutet nicht nur, Texte zu lernen und aufzuführen. In den kommenden anderthalb Jahren soll aus einer bunten Sammlung an Ideen ein ganz eigenes Stück entstehen. Um gemeinsam an diesem Projekt zu arbeiten, kamen Landjugendmitglieder aus ganz Schleswig-Holstein zusammen. Von jahrelanger Bühnenerfahrung bis zum absoluten Neueinsteiger war in der Gruppe alles vertreten. Eines hatten jedoch alle gemeinsam: die Motivation, ein einzigartiges Stück auf die Beine zu stellen.
Die Scheu voreinander legten die Teilnehmenden dank zahlreicher Spiele bereits beim Auftakt ab. Foto: ljv
Um einen Eindruck davon zu bekommen, was auf die Theaterspieler zukommt, schaute sich die Gruppe zunächst das letzte Theaterstück der schleswig-holsteinischen Landjugend auf der Grünen Woche an. 2016 war auf der Bühne einiges los: Zwischen Piratenschiff und Fischkutter führte eine verrückte Zeitreise von Schleswig-Holstein bis nach Sansibar; ein humorvolles Stück über Schätze, Liebe und Zusammenhalt.
Nach diesem Rückblick war den neuen Theaterspielern eines klar: Den Ideen waren keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Einstellung ging es am nächsten Tag an eine umfangreiche Ideensammlung. Gute Einfälle zu finden war dabei das kleinste Problem. Schnell stand fest, dass das Stück typisch schleswig-holsteinisch werden sollte. Irgendetwas mit Wasser musste dabei sein, guter Humor durfte nicht fehlen und auch etwas Plattdeutsches sollte seinen Platz finden – eben so, wie der echte Norden ist. Sich auf eine gemeinsame Idee zu einigen, fiel dagegen nicht ganz so leicht. Dafür bleibt zum Glück noch etwas Zeit.
Ganz ohne Politik sollte das Stück natürlich ebenfalls nicht auskommen. Auch hier mangelte es nicht an Ideen. Agrarpolitische Themen sollten aufgegriffen werden, doch welches Thema genau im Mittelpunkt stehen könnte, war noch offen. Auch gesellschaftskritische Aspekte sollten ihren Platz finden. Schließlich gehört es zur Landjugend, durchaus auch einmal direkt und etwas frech zu sein. Die eine zündende Idee war am Ende des Wochenendes zwar noch nicht gefunden, dafür hatten alle eine Menge Spaß. Denn zum Theaterwochenende gehörte auch das eine oder andere Spiel zur Auflockerung. Ob als Eier werfende Hühner oder beim Nachbauen des „Grüne Woche“-Schriftzugs: Die anfängliche Scheu voreinander hatten die Theaterspieler nach dem ersten Wochenende bereits abgelegt. Dabei entstand auch die eine oder andere lustige Anekdote, von denen vielleicht sogar einige ihren Weg in das fertige Stück finden werden.
Zum Abschluss des Wochenendes ging es gemeinsam an die Kalender. Ein Theaterstück entwickelt sich schließlich nicht von allein. Deshalb sind über das kommende Jahr verteilt sechs weitere Wochenenden geplant, an denen das Stück entstehen und geprobt werden soll. Ein wichtiger Meilenstein steht bereits fest, denn bis August soll das Stück so weit geschrieben sein, dass die Proben beginnen können. Der letzte Feinschliff kann anschließend noch erfolgen.
Wer bei dem Projekt mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen, sich beim Landjugendverband zu melden. Foto: ljv
Für ein so großes Projekt braucht es allerdings auch viele helfende Hände. Neben den Theaterspielern werden Menschen benötigt, die Bühnenbilder bauen, Kostüme gestalten und kreative Ideen einbringen. Wer also bereits Theatererfahrung mitbringt oder schon immer einmal bei einem solchen Projekt dabei sein wollte, hat in dem Theaterstück auf der Grünen Woche 2028 die passende Gelegenheit. Ob auf der Bühne, hinter den Kulissen oder bei der Organisation, jede helfende Hand ist in der Projektgruppe herzlich willkommen. Auch ein späterer Einstieg ist möglich. Interessierte können sich bei Landesbildungsreferentin Jeanne Albert unter Tel.: 01 76-51 19 45 81 oder per E-Mail an biref-land@landjugend-sh.de melden.
Wirtschaftliche Beziehungen mit lange als zuverlässig geltenden Partnern in Ost und West sind fragil geworden und haben zu oftmals einseitigen Abhängigkeiten geführt. Neben massiv gestiegenen Preisen für Energie und Rohstoffe geht es heute zunehmend um die schlichte Verfügbarkeit von Energieträgern und chemischen Erzeugnissen, verbunden mit dem Rätsel, welche Länder künftig noch als zuverlässige Lieferanten gelten können. Ob und wann blockierte und verminte Schifffahrtsrouten für Treibstoffe und Düngemittel – wie die zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte Straße von Hormus – wieder gefahrlos passiert werden können, lässt sich nicht einmal erahnen. Geschäfte mit fragwürdigen Autokratien sollten jedenfalls auch künftig besser weiträumig umschifft werden.
Lange Zeit hat sich die Bundesrepublik arglos und preiswert etwa mit Erdgas aus Russland versorgen lassen. Was scherte uns das andere Ende der Pipeline? Für beide Seiten ein scheinbar gutes Geschäft. Wer aber dubiosen Staatenlenkern kein Geld überweisen möchte, sollte sich – wie seit 2022 geschehen – nach Alternativen umsehen. Oder noch besser: sich als westeuropäische Staatengemeinschaft, so gut es geht, auf die eigenen Füße stellen – bei der Energieversorgung, der Rüstung oder eben der Produktion von Düngemitteln.
Das Unternehmen Team Agrar unterzeichnete am Montag mit dem norwegischen Düngemittelhersteller Yara in Osterrönfeld die Abnahme der ersten 2.500 t eines CO2-reduzierten Düngers. Beide Firmen sehen in dem durch das Carbon Capture & Storage (CCS)-Verfahren bis zu 45 % kohlenstoffärmer hergestellten Dünger – künftig sollen es durch die Nutzung Erneuerbaren Ammoniaks bis zu 90 % sein – einen erheblichen Hebel zur Reduktion des CO2-Fußabdruckes entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette. Zudem begegnen sie weltweit sinkenden Verfügbarkeiten und steigenden Preisen. Seit 2022 bezieht Team Agrar keinen Dünger mehr aus Russland und Belarus. Neben der Reduktion zunehmend kostspieliger CO2-Emissionen und dem Aufbau alternativer Wertschöpfungskreisläufe war und ist diese Entscheidung auch eine Frage von Ethik und Moral.
Doch wenn einer schiebt, müssen die anderen auch ziehen: Unternehmen entlang der Lebensmittelkette sind nun gefragt, den Ball aufzunehmen und Geschäftsmodelle aufzubauen, die eine klimafreundlichere Produktion auch mit Blick auf den CO2-Fußabdruck eines Düngers honorieren – und den Landwirt nicht mit seinem gut gemeinten Engagement beim Kaufalleinlassen.
Die Unabhängigkeit der hiesigen Landwirtschaft von Düngerimporten aus Osteuropa, den USA oder dem Nahen Osten zu stärken, ist nur zu begrüßen. Zu unsicher sind die Vorzeichen, was eine langfristige Entspannung der Konfliktherde in der Ukraine oder am Persischen Golf angeht – oder auf welche Ideen US-Präsident Donald Trump noch kommen mag.
Souveränität gibt es nicht zum Nulltarif, doch jeder Euro, der heute in mehr Unabhängigkeit, kurze Lieferketten und westeuropäische Wertschöpfung investiert wird, ist auch morgen noch gut angelegt. So ist die Frage der Unabhängigkeit bei Energie und Düngemitteln nicht nur eine Frage der Ernährungssicherheit, sondern auch der Demokratie und Integrität – und nicht zuletzt der Sicherheitspolitik.
Die Abnahme der ersten 2.500 t CO2-reduzierten Düngers besiegelten Bent Nissen, Geschäftsführer der Team Agrar GmbH, und Marco Fleischmann, Geschäftsführer des Düngemittelherstellers Yara Deutschland, am Montag in Osterrönfeld. Yara und Team Agrar sehen in den kohlenstoffärmeren Düngern einen der wirkungsvollsten Hebel für eine verbesserte Klimabilanz entlang der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette – und den Beginn eines neuen Marktes.
Die Landwirtschaft, ihre vorgelagerte Industrie sowie die nachgelagerte Wertschöpfungskette bis zum Verbraucher sind durch Klimaverträge und das Ziel des Landes, bis 2040 klimaneutral zu sein, verpflichtet, CO2-Emissionen zu senken. Mit dem ersten Handelsvertrag über CO2-reduzierte Dünger wollen Yara und Team Agrar den Dünger nach eigenen Angaben auf die norddeutschen Flächen bringen und einen weiteren Schritt hin zu klimagerechteren Lebensmitteln gehen.
Seit 2022 kein Dünger mehr aus Russland und Belarus
„Wir erweitern unsere Zusammenarbeit mit Yara und setzen gemeinsam einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft um: den Einsatz CO2-reduzierter Düngemittel“, erklärte Bent Nissen. In den vergangenen Jahren habe sein Unternehmen langfristige Partnerschaften mit europäischen Lieferanten wie Yara aufgebaut. „Wir beziehen seit Beginn des Krieges in der Ukraine keinen Dünger mehr aus Russland oder Belarus. Wie bei allen Fortschritten gilt auch hier: Veränderungen erfordern Mut, Anpassungsfähigkeit und Zusammenarbeit. Doch vor allem braucht es den ersten Schritt. Und genau diesen Schritt gehen wir heute gemeinsam“, verkündete Nissen. Dass das Unternehmen heute als Team Agrar in Osterrönfeld stehe, sei das Ergebnis kontinuierlicher Veränderungsbereitschaft: „Kaum eine andere Branche hat sich über Generationen hinweg so konsequent an neue Rahmenbedingungen angepasst wie die Landwirtschaft“, ist Nissens Eindruck. Die Landwirtinnen und Landwirte hätten immer wieder bewiesen, dass sie Innovationen aufnehmen, Herausforderungen annehmen und Lösungen für die Zukunft entwickeln könnten. Nissen zeigte sich überzeugt, dass auch die Transformation hin zu mehr Klimaschutz und einer weiteren Senkung von CO2-Emissionen nur gelingen werde, wenn man sie gemeinsamen gestalte.
Der Kauf von 2.500 t CO2-reduziertem Mineraldünger für eine Fläche von 3.000 bis 4.000 ha – oder mehr bei Grasland – biete laut Nissen ein Einsparpotenzial von 800 bis 900 t CO2. „Das ist kein Projekt, sondern skalierbar. Entscheidend ist für uns nicht die Menge, sondern dass wir gemeinsam zeigen, dass CO2-reduzierter Dünger industriell verfügbar und einsetzbar ist“, betonte Nissen und verwies auf den großen Hebel der CO2-Reduzierung beim Dünger, der am Beispiel der Lieferkette konventioneller Weizenproduktion rund 33 % der Emissionen ausmache.
Für Bent Nissen ist der Aufbau langfristiger Partnerschaften entscheidend: „Der erste Schritt ist notwendig. Wir übernehmen Verantwortung für die ganze Lieferkette, ‚from farm to fork‘, und bringen Innovation in den Markt und für die Praxis. Für mich ist Nachhaltigkeit kein Projekt, Nachhaltigkeit ist Wirtschaftlichkeit. Wir verstehen Nachhaltigkeit nicht als Einzelmaßnahme, sondern als gemeinsame Entwicklung für Landwirtschaft, Industrie und Handel.“ Dieses sei das erste kommerzielle Projekt auf industriellem Niveau, Schleswig-Holstein zudem ein Vorreiter für klimafreundliche Landwirtschaft.
Preisgestaltung und Rohstoffverfügbarkeit
Den Schritt zu einer zunehmend klimafreundlichen Landwirtschaft in Schleswig-Holstein begrüßt die Landesregierung nach den Worten des Staatssekretärs im Umweltministerium, Joschka Knuth (Grüne), ausdrücklich. Mit Blick auf die Energie-, Versorgungs- und Preiskrisen seit 2022 sagte Knuth: „Es ist nicht trivial, was jetzt zum zweiten Mal in den vergangenen fünf Jahren passiert ist.“ Mit dem Ende der Gaslieferungen aus Russland habe man 2022 eine erhebliche Verwerfung an den Energiemärkten, aber auch bei der Versorgung mit fossilen Rohstoffen – nicht nur mit Gas, sondern auch mit Ammoniak – an den Weltmärkten erlebt. „Wir sehen das Gleiche in diesem Jahr erneut, nur preislich in fast einer stärkeren Qualität, als es 2022 der Fall war“, so Knuth.
Was die Menschen bewege, sehe man auch im politischen Raum, etwa bei Sprit- oder Lebensmittelpreisen. Dazu komme die Frage bestehender Abhängigkeiten – sowohl in der Preisgestaltung als auch in der Rohstoffverfügbarkeit: „Die Abhängigkeit der vergangenen Dekaden fordert zunehmend einen ökonomischen Preis, und zwar sowohl betriebswirtschaftlich als auch volkswirtschaftlich. Und das in einem Ausmaß, das wir uns als Gesellschaft, als Staat, aber auch als Europäische Union bald nicht mehr leisten können“, machte Knuth deutlich. Die richtige Antwort darauf sei ein Reduzieren dieser Abhängigkeiten und im besten Fall ein Beitrag zu zusätzlicher Wettbewerbsfähigkeit am Standort Schleswig-Holstein mit neuen Geschäftsmodellen und Wertschöpfungszweigen.
Schleswig-Holstein als Gunstregion Erneuerbarer Energien könne darauf wie kaum ein anderes Land Antworten finden. Die Sonnen-, Wind- und Bioenergie trügen dazu bei, Strompreise deutlich zu senken und hätten – im Vergleich zu Tank- und Wärmekosten – zu deutlich geringeren Verwerfungen an den Strommärkten geführt als noch 2022. „Wir haben damit eine hervorragende Voraussetzung, günstige Grüne Energie zu veredeln und in weiteren Produktionszweigen einzusetzen“, erklärte Knuth. Der heutige Schritt sei ein Schlüssel auch für die Landwirtschaft, die sich beim Thema Dünger in einer „absoluten Zwickmühle“ befinde: Stiegen die Preise für Düngemittel oder sei die Verfügbarkeit nicht mehr gewährleistet, wirke sich das unmittelbar auf die Betriebe im Land aus. Ihnen neue Düngemittel an die Hand zu geben und neue Märkte zu eröffnen, erfordere auch, CO2-reduzierte Produkte in den Kreislauf zu bringen.
Grüne Leitmärkte und CO2-Bepreisung
Der Staatssekretär wies auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der im Mittel rund 80 Mrd. € jährlichen Ausgaben für den Import fossiler Energieträger hin: „Wir wollen, dass ein Großteil dieser Mittel künftig in regionalen Wirtschaftskreisläufen geführt wird und die Unternehmen vor Ort profitieren, Beschäftigung und Wertschöpfung gehalten werden können.“ Der CO2-Preis und der Aufbau Grüner Leitmärkte seien die entscheidenden Instrumente, um verlässliche Marktrahmenbedingungen und langfristige Planungssicherheit zu erreichen. Es sei ein hochgradiges Risiko, so Knuth weiter, wenn der Europäische Emissionshandel grundsätzlich infrage gestellt werde. Für Planungssicherheit brauche es dem Grünen-Politiker zufolge vor allem starke marktliche Instrumente: „Wir stehen zur Idee der Grünen Leitmärkte und einer funktionierenden CO2-Bepreisung und wollen auch unserer Landwirtschaft einen weiteren Pfad ermöglichen, unabhängiger von globalen Preis- und Versorgungsherausforderungen zu werden.“ Das Land könne versuchen, beste Rahmenbedingungen zu schaffen, doch Erfolg könne sich nur dann einstellen, wenn Unternehmen bereit seien, Vorfeld-Restrukturierungsrisiken in Kauf zu nehmen, an neue Märkte zu glauben und sich dort hinzubegeben.
Aufbau eines neuen Marktes
„Wir sprechen über den Aufbau eines komplett neuen Marktes, der die CO2-Emissionen in der Lebensmittelproduktion reduzieren wird“, unterstrich Marco Fleischmann. Emissionen in der Düngerherstellung oder im Zusammenhang mit Düngern machten dem Yara-Deutschland-Geschäftsführer zufolge ein Viertel der Emissionen der Landwirtschaft aus – diese wiederum jeweils zur Hälfte bei der Düngerproduktion und auf dem Feld. Die Nutzung CO2-reduzierter Dünger sei für die Praxis ein einfaches Verfahren, für den Landwirt ändere sich in der Handhabung des Düngers nichts: „Das Düngemittel ist chemisch-physikalisch und in der Qualität genauso, wie der Landwirt es heute gewohnt ist“, so Fleischmann.
Hergestellt wird der CO2-reduzierte Dünger im Yara-Werk am Standort Rostock. Foto: Yara
In Pilotprojekten habe Yara mit dem Dünger die Emissionen im Weizenanbau pro Tonne um 24 % gegenüber konventionellen Bedingungen reduzieren können. Derzeit würden für die Düngerproduktion große Mengen fossiler Energien benötigt, die in der Vergangenheit in die Atmosphäre entlassen wurden. Erstmalig im großindustriellen Maßstab, so Fleischmann, könne Yara heute durch das Carbon Capture & Storage (CCS)-Verfahren einen Großteil des CO2 in der Düngerherstellung auffangen, verflüssigen und in Norwegen unter den Meeresgrund pumpen und so dauerhaft einspeichern. Dadurch würden die Emissionen in der Düngemittelproduktion um bis zu 45 % gesenkt. Das Endprodukt sei ein mit CCS-Technologie produzierter Low-Carbon-Dünger. Dies geschehe bei Yara in den Niederlanden: Durch jüngste Investitionen in Höhe von 200 Mio. € sei Europas größtes Düngerwerk gleichzeitig Europas größte Anlage zur CO2-Abscheidung und -Speicherung: 800.000 t CO2 könnten pro Jahr laut Fleischmann in der Anlage abgeschieden werden, was ungefähr dem Durchschnittsausstoß von 175.000 Pkw entspreche. Das Werk produziere Dünger für die Lebensmittel von 40 Millionen Menschen.
Der nächste Schritt sei die zukünftige Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu 90 % durch Erneuerbares Ammoniak. Dafür müsse im Elektrolyseverfahren auf Erneuerbare Energien umgestellt werden, wofür es bereits eine Pilotanlage in Norwegen gebe. „Neues entsteht nicht durch Abwarten, einer muss der Erste sein“, bekräftigte Fleischmann, der in den CO2-reduzierten Düngern „eine der größten und zugleich einfachsten Stellschrauben, um die Lebensmittelproduktion zu dekarbonisieren“, sieht. Der Markt hierfür könne nur gemeinsam skaliert werden. Die Partnerschaft mit Team Agrar zeige die Innovationskraft der Branche und, dass „Klimaschutz in der Landwirtschaft schon heute praxisorientiert ist“.
Die Kosten des CO2-reduzierten Düngers seien Yara und Team zufolge – ohne einen Mehrpreis zu nennen – gegenüber dem konventionell hergestellten etwas höher. Yara verweist auf Möglichkeiten der Förderung über Klimacheck-Programme und auf Vereinfachungen bei den Regelungen zur Science Based Targets Initiative (SBTi). Klimaschutz müsse entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette gedacht werden, weshalb es nun wichtig sei, möglichst viele Partner aufseiten der Lebensmittelwertschöpfung an Bord zu bekommen und neue Geschäftsmodelle umzusetzen, unterstrichen beide Unternehmen.
Wie erkenne und bestimme ich heimische Kräuter? Wie kann ich sie kultivieren und damit die Gesundheit fördern? Wie bereite ich sie zu? Und wie kann ich mein erworbenes Wissen didaktisch und methodisch sinnvoll weitergeben?
Die Teilnehmerinnen nutzten die Qualifizierung auch, um sich miteinander zu vernetzen und auszutauschen.
Mit diesen und ähnlichen Fragen haben sich 19 Frauen in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Sie haben an der Qualifizierung Kräuterkunde teilgenommen, einem achttägigen Lehrgang, der vom LandFrauenVerband Schleswig-Holstein und dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume gemeinsam angeboten wird. Nach einer schriftlichen Klausur und der Präsentation ihrer Projekte konnten alle Teilnehmerinnen stolz ihre Zertifikate entgegennehmen.
„Die Pflanzen habe ich nach Lebensraum und dann alphabetisch anhand ihrer lateinischen Namen sortiert“, erzählt Lucile Gagnier. „Und die Lebensräume dieser Pflanzen habe ich in Strand, Salzwiese, Kliff, Strandweg sowie in das Kleine und das Große Noor aufgeteilt.“ Während ihres Bundesfreiwilligendienstes hat sie ein Jahr im Naturschutzgebiet Holnis verbracht und viele Pflanzen händisch kartiert. „Ich gebe wöchentlich Führungen und kann dank dieser Kartierung nun besser über die Flora in Holnis sprechen. Und bedrohte Pflanzen zu bestimmen ist der erste Schritt, um sie zu schützen.“ In ihrer Präsentation nimmt Lucile Gagnier ihre Zuhörerinnen für einen Tag mit ins Naturschutzgebiet, zeigt, was wo wächst, was schützenswert und was giftig ist.
Seit inzwischen 20 Jahren vermittelt die Qualifizierung Kräuterkunde jede Menge Know-how rund um Kräuter. Dazu gehören beispielsweise auch ihre Bedeutung für die Biodiversität und juristische Rahmenbedingungen. Und die Weiterbildung setzt bei vielen Teilnehmerinnen wertvolle Impulse – auch für die Umsetzung im Beruf. Kathrin Rehders, LandFrau in Segeberg, setzt ihr Kräuterwissen in der Bauernhofpädagogik ein. „Kinder sind sehr am Umgang mit Brennnesseln interessiert“, erzählt sie. „Das Pflücken und zu testen, wann es piekst und wann nicht, finden sie spannend.“
Vom Sand zur Oase
Kathrin Rehders und Anika Schlüter haben bereits einige Ideen rund um ihr Kräuterwissen auf ihren Höfen umgesetzt. Fotos: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Darüber hinaus hat sie den Sandpaddock ihres Offenstalls durch Knicks und Pflanzeninseln aufgewertet. „Gepflanzt sind dort natürlich nur Kräuter, die für Pferde verträglich sind“, betont sie. Von diesen kleinen Oasen profitieren nicht nur Pferd und Mensch, sondern auch Insekten und Wildtiere. „Ich habe auch verschiedene Beeren und einen Apfelbaum gepflanzt – worüber sich die Tiere ebenso freuen wie die Kinder, die auf den Hof kommen.“ Auch bei Anika Schlüter dreht sich alles um Pferde und Kinder. „Ich habe Pensionspferde, einen Kindergarten und Landwirtschaft. Da gibt es genug Fläche, und die lasse ich jetzt zu einem Teil einfach wachsen, statt sie zu mähen“, erzählt sie. So sind Räume mit Heilpflanzen entstanden, sozusagen Kräuter to go, die am Wegesrand weggefressen oder gesammelt werden können. Informationen, warum ein Pferd gerade ein bestimmtes Kraut frisst, was gesund ist und was nicht, gibt sie gern weiter – unter anderem über eine WhatsApp-Gruppe mit den Pferdehaltern.
Motivation
Am Ende der Qualifikation Kräuterkunde haben die Teilnehmerinnen eine solide Grundlage über Kräuter erworben. Sie können sie bestimmen und nutzen, wissen um ihre Gefahren und können Know-how adäquat weitergeben. Aber es gibt einen weiteren Mehrwert. „Wir hatten im Lehrgang die Möglichkeit, uns mit Frauen zu vernetzen, die das gleiche Interesse haben“, fasst Kathrin Rehders zusammen. „Wir haben so viele tolle Gespräche geführt“, ergänzt Anika Schlüter. „Jetzt schauen wir, in welche Richtung wir gehen und wie wir uns weiterentwickeln können.“
Die einen versprechen den Landwirten endlich faire Preise und mehr Verhandlungsmacht. Andere sehen bereits das Ende des freien Agrarhandels kommen. Zwischen diesen Extremen bewegt sich die Diskussion um die Artikel 148 und 168 der Europäischen Agrarmarktordnung.
Der Grundgedanke ist nachvollziehbar. Milcherzeuger erfahren häufig erst nach der Lieferung, was sie für ihre Milch bekommen. Die Meierei legt den Auszahlungspreis fest, während der Landwirt einen erheblichen Teil des Marktrisikos trägt. Schriftliche Verträge mit Mengen, Laufzeiten und festen Preisen oder nachvollziehbaren Preisformeln sollen dieses Ungleichgewicht verringern. Artikel 148 betrifft den Milchmarkt, Artikel 168 dagegen zahlreiche andere Agrarprodukte, darunter Getreide, Raps, Kartoffeln und Schlachtvieh.
Doch lässt sich Marktmacht durch Vorschriften herstellen? Ein vertraglich vereinbarter Preis ist noch lange kein höherer Preis. Meiereien und Landhändler müssen ihre Produkte weiterhin am Markt verkaufen. Wer Preise und Mengen im Voraus festlegt, muss Risiken einkalkulieren.
Bremse für den freien Handel?
Besonders kritisch erscheint Artikel 168. Der Agrarhandel lebt vielfach von kurzfristigen Entscheidungen. Ein Landwirt verkauft seinen Weizen, wenn der Kurs günstig erscheint, und fragt bei drei Händlern an. Müssen künftig vor dem Zuschlag umfangreiche Verträge mit Preisformeln, Lieferbedingungen und Revisionsklauseln erstellt werden? Was passiert bei Qualitätsabweichungen oder kurzfristigen Mengenänderungen? Die Vertragsfreiheit bleibt zwar grundsätzlich erhalten, doch zusätzliche Formvorschriften könnten gerade kleinere Betriebe belasten.
Die Erfahrungen anderer EU-Länder sind nicht eindeutig. Frankreich, Spanien und Italien kennen verpflichtende Milchlieferverträge schon länger. Teilweise wurden Preisschwankungen verringert, dauerhaft höhere Erzeugerpreise lassen sich daraus jedoch nicht ableiten. Zudem entstehen zusätzliche Kosten für Vertragsgestaltung und Kontrolle. Auch dort können gesetzliche Vorgaben das grundlegende Marktproblem nicht lösen: Bei einem Überangebot geraten die Preise unter Druck.
Die EU hat die neuen Vertragsregeln inzwischen beschlossen. In Deutschland laufen die Beratungen über mögliche Ausnahmen. Nach einer Anhörung im September konnten die Verbände bis Mitte Oktober Stellung nehmen. Einzelne Handelsverbände und Erzeugergemeinschaften fordern Ausnahmen oder eine Befreiung. Andere Branchenvertreter erhoffen sich eine stärkere Verhandlungsposition der Landwirte. Wie Deutschland die Spielräume nutzt, ist noch offen.
Keine Planwirtschaft
Eine staatliche Genehmigung jedes Handelsgeschäfts oder eine allgemeine Registrierungspflicht sieht die Reform nicht vor. Von Planwirtschaft kann deshalb keine Rede sein. Trotzdem bleibt die Frage, ob der zusätzliche Verwaltungsaufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen steht. Gerade die Landwirtschaft beklagt seit Jahren eine ausufernde Bürokratie. Nun drohen neue Dokumentationspflichten, ohne dass auch nur um 1 ct höhere Erzeugerpreise garantiert werden.
Mehr Transparenz und faire Vertragsbedingungen sind erstrebenswert. Doch faire Preise entstehen nicht allein durch unterschriebene Verträge. Entscheidend sind Angebot, Nachfrage und tatsächliche Verhandlungsmacht. Werden die Ausnahmen nicht sinnvoll genutzt, könnte die Reform zum klassischen Beispiel werden: gut gemeint, aber schlecht umgesetzt.
Entlang einer Eichenallee, vorbei an Wiesen und Feldern, erreicht man den Gutshof Behrensbrook in Neudorf-Bornstein. In einem früher landwirtschaftlich genutzten Backsteingebäude hat sich Konditorin Georgina Johanna Maria Bonse, kurz Gina, einen Traum erfüllt: Vor wenigen Wochen eröffnete sie dort ihre Confiserie-Manufaktur.
In der Konditoren-Ausbildung entdeckte Gina Bonse ihre Leidenschaft für Schokolade, die sie in ihrer eigenen Confiserie ausleben kann. Foto: Lydia Bernhardt
Eigentlich wollte Gina Bonse auf die Bühne. Nach dem Abitur studierte die gebürtige Rheinländerin aus Bad Neuenahr Schauspiel in Mainz und suchte nach passenden Rollen im Theater. In dieser Zeit lernte sie Richard Bonse kennen und folgte ihm nach Norddeutschland. Im beschaulichen Neudorf-Bornstein, Kreis Rendsburg-Eckernförde, führen beide seit etwa 13 Jahren den Ackerbaubetrieb, den er von seinen Eltern übernommen hat. An das Landleben gewöhnte sich Gina zwar schnell, doch die Stille beim Essen irritierte sie zunächst: „Im Rheinland gibt es das Essen nebenbei, da wird am Tisch hauptsächlich gequatscht“, erzählt sie lachend.
Auf dem Hof wurde Gina jedoch schnell klar, was sie nicht war: eine geborene Landwirtin. Sie suchte sich eine eigene Aufgabe und absolvierte eine Ausbildung zur Konditorin. „Ich habe schon als Kind gern gebacken“, erinnert sie sich. In der Ausbildung entdeckte sie dann ihre Leidenschaft für Schokolade. „Das war für mich eine Überraschung“, erzählt sie. Schokolade mache nämlich, was sie wolle: Man müsse sie gut kennen, und dennoch könne sie überraschen.
Nach der Gesellenprüfung entwickelte Gina eigene Kreationen und schickte Kostproben an ihren früheren Ausbilder Johannes Pernsteiner in Regensburg. Mit „knallharter Ehrlichkeit“ motivierte er sie zu Höchstleistungen. „Ein Lob von ihm war wie ein Ritterschlag“, erinnert sie sich.
Nach der Gesellenprüfung erwarb Gina Bonse auch den Meistertitel im Konditoren-Handwerk. Foto: Lydia Bernhardt
Mit den ersten Kreationen wuchs bei Gina der Wunsch nach einer eigenen Confiserie, vielleicht in Kombination mit einem Café. Als ihr strenger, aber wohlwollender Mentor Johannes Pernsteiner in den Ruhestand ging, riet er ihr deshalb, die Meisterprüfung zügig abzulegen und sich selbstständig zu machen. Gina erwarb schließlich ihren Meistertitel in Berlin. Anschließend übernahm sie Pernsteiners Schokoladenvariationen, seine Großkunden sowie das Zubehör zur Pralinenherstellung. Noch heute profitiert sie von der Kooperation mit den Regensburger Domspatzen, die sie regelmäßig beliefert.
Über zwei Jahre hinweg baute Gina ihren Betrieb schrittweise auf. Zunächst stellte ihr Christoph Arp, Eigentümer des Landgasthofs Arp und Bürgermeister von Bornstein, seine Küche zur Verfügung. Dort fertigte sie unter anderem Schokoladenspezialitäten für die Regensburger Domspatzen sowie Karmeliten-Trüffel.
Schließlich wurde der leer stehende, früher landwirtschaftlich genutzte Teil eines Scheunengebäudes auf dem Hof zu ihrer eigenen „Backstube“ umgebaut. „Hier war vorher blanker Lehmboden, alles musste neu“, erklärt Gina Bonse. Im Mai 2026 war der Umbau mithilfe ihres Mannes abgeschlossen. Einige Monate später eröffnete Gina ihren Laden mit „Backstube“, Spülküche, Lager und Kundenbereich. „Jetzt muss ich herausfinden, wie sich der Raum gegenüber der Schokolade verhält“, erklärt sie, denn erst die richtige Temperatur schafft die idealen Voraussetzungen.
Schokolade benötigt die richtige Umgebungstemperatur, damit sie sich gut verarbeiten lässt. Foto: Lydia Bernhardt
In Neudorf-Bornstein sprach sich die neue Confiserie schnell herum. Zur Einweihungsfeier standen die Menschen aus dem Dorf bereits Schlange. Auf Instagram folgen Gina inzwischen mehr als 300 Menschen. Dort zeigt sie ihre Kreationen und erzählt von ihrem Weg zur Konditorin sowie von ihrem Arbeitsalltag. Die Frage, die Gina Bonse seitdem oft hört, lautet: Warum heißt die Manufaktur eigentlich „Confiserie Butter“? Für sie verbindet der Name Landwirtschaft und Familie: Butter hat einen direkten Bezug zur Landwirtschaft, und die Initialen C und B stehen zugleich für den Namen ihrer siebenjährigen Tochter Cosima Bonse. Zudem gehört Butter für die Konditormeisterin zu den schönsten Rohstoffen.
Bislang macht Gina alles selbst: Kartons tragen, Ware verpacken und versenden, Räume reinigen, Etiketten gestalten und den Online-Shop betreiben. „Es ist wahnsinnig viel Arbeit“, erklärt sie. Vor Weihnachten bestellen die Großkunden Hunderte von Pralinenschachteln gleichzeitig. Dann fertigt sie auch Schokoladen-Nikoläuse und Weihnachtspralinen. „Elisenlebkuchen werde ich backen, und mit den Kindern aus dem Dorf möchte ich Lebkuchenhäuser herstellen“, freut sie sich auf die arbeitsreiche Adventszeit.
Trotz des großen Arbeitspensums hat Gina weitere Pläne und erzählt begeistert: „Ich möchte vor dem Laden Tische und Stühle aufstellen und Kaffee aus dem Fenster reichen.“ Auch unter dem alten Baum gegenüber kann sie sich gemütliche Sitzplätze vorstellen.
Weitere Informationen unter www.confiserie-butter.de
In diesem Herbst dürfte sich mancher Spaziergänger im Kreis Stormarn über eine große Gruppe von Islandpferdereitern gewundert haben. Sie waren Teil eines Hofumzugs, bei dem insgesamt 85 Pferde an den neuen Standort des Islandpferdehofs Silkinat gebracht wurden.
Für Familie Silkinat und ihr Team bedeutete der Umzug des Islandpferdehofs weit mehr als nur den Transport der Pferde. Schon vorher war einiges an Logistik nötig, um Hengsthütten, Weidetore, Sattelschränke, Kleingeräte und Maschinen an den neuen Standort zu bringen. Mit dem Umzug der Pferde sollte der Hofbetrieb in Siek enden und nahtlos in Lütjensee beginnen. Auch die Betreiberfamilie lebt inzwischen auf dem Hof.
„Es gab ein paar Tage, an denen wir in Siek waren und quasi keine Weidetore mehr hatten“, erinnert sich Pauline Schröder, Trainerin des Islandpferde-Reiter- und Züchterverbandes (IPZV) und Pferdewirtin im Team. „Da mussten wir uns kurzfristig anders behelfen.“
Islandpferde statt Brillenschafe
Das neu bezogene Gelände dürfte vielen noch als früherer Biohof der Familie Fielmann bekannt sein. Die Anlage mit den roten Backsteinbauten, dunkler Holzverschalung und ziegelgedeckten Satteldächern stand zuletzt leer. Nun bevölkern Islandpferde die Flächen, auf denen zuvor unter anderem Rotbunte Husumer Schweine, Brillenschafe und Limousin-Rinder lebten. Von der vorherigen Nutztierhaltung zeugen im künftigen Berittstall noch alte Fressgitter, die auf den Abbau warten. Die ehemalige Maschinenhalle dient inzwischen als Reithalle. Im alten Hofladen entstand ein Aufenthaltsraum.
Beim Hofrundgang berichtet Hofbetreiberin Katharina Silkinat, wie es zu dem Standortwechsel kam. „Der Hof in Siek war für uns der Einstieg in die Selbstständigkeit“, erzählt sie und räumt ein, dass sie lange gezögert habe, ob sie diesen Schritt überhaupt wagen solle. Ihr Mann Marcel Silkinat, mit dem sie den Hof gemeinsam betreibt, habe ihr gut zugeredet. Sie hätten bald gemerkt, dass das Betriebskonzept trage. Die Nachfrage nach Einstellplätzen und den weiteren Angeboten sei hoch geblieben. Gleichzeitig habe der Standort in Siek, den sie sich mit einem landwirtschaftlichen Betrieb teilten, ihnen vor allem räumliche Grenzen gesetzt. Schon nach etwa einem Jahr hätten sie begonnen, sich nach einem größeren Hof umzusehen.
Hier wurden Paddocks neu angelegt und Raufen gebaut, bevor die Islandpferde einziehen konnten.Foto: Karen Diehn
Alle Einsteller zogen mit
„Wir haben uns etliche Betriebe hier in der Gegend angesehen. Das blieb natürlich nicht unbemerkt“, erinnert sich Katharina Silkinat, die unter anderem Qualifikationen als IPZV-Trainerin, Sportrichterin und Prüferin nach der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Islandpferdereiter (API) mitbringt. Bis feststand, dass der Wechsel nach Lütjensee auf den Fielmann-Hof tatsächlich möglich sein würde, gab es eine Phase, in der Familie Silkinat ihren Einstellern noch nicht sagen konnte, wohin es gehen sollte. „Da brauchte es eine Menge Vertrauen.“ Letztendlich hätten aber alle Pferdebesitzer hinter ihnen gestanden und seien mit umgezogen.
Rund einen Monat nach dem Umzug läuft der Betrieb am neuen Standort bereits weitgehend normal, auch wenn die Umbauten weitergehen und manches noch nicht seinen endgültigen Platz gefunden hat. Während beispielsweise die mitgebrachten Sattelschränke der Einsteller längst wieder eingeräumt sind, fehlen Boxentrenngitter. Außerdem müssen die Wasserleitungen repariert werden. „Die sind überall vorhanden, haben aber wohl trotz Isolierung und Heizung irgendwann einmal Frost bekommen“, berichtet Katharina Silkinat.
Ein weiteres Projekt sei die Befestigung der Paddockflächen, und bis zur nächsten Weidesaison müsse weiteres Weideland eingezäunt werden. Am alten Standort bewirtschafteten die Silkinats rund 10 ha, am neuen sind es rund 30 ha. Flächen für eine Oval- und Passbahn sowie einen Longierzirkel sind hier bereits vorgesehen.
Wichtig war dem Team vor allem, dass die Versorgung der mittlerweile rund 60 Pensionspferde am neuen Standort reibungslos weiterlief. Die Tiere leben in verschiedenen Gruppen und Haltungsformen. Darunter sind acht Hengste, die teilweise gemeinsam mit Wallachen im eigenen Offenstall mit Paddock und Weidestück gehalten werden.
„Einige Routinen müssen sich noch finden“, so Pauline Schröder. „Die Wege hier sind viel länger.“ Gerade mit Blick auf die nasskalte Jahreszeit freut sich die Trainerin über die neue Reithalle: Beritt und Unterricht können nun wetterunabhängig stattfinden. „Manchmal komme ich mir vor wie in einer Blase und kann gar nicht realisieren, dass wir jetzt hier sind“, sagt Katharina Silkinat und lacht. Pauline Schröder pflichtet ihr bei: „Man kann es kaum fassen.“
19 Sorten, drei Jahre, elf Prüfstandorte und sechsmal die Bestnote: Die Bundesgehölzsichtung der Bartblumen (Caryopteris) unter Beteiligung des Gartenbauzentrums der Kammer in Ellerhoop hat ihre Spitzenreiter gefunden.
Die Sorten ,Blauer Spatz’, ,Kojuccbb Blue Balloon‘, ,Blue Knight’, ,Lissteph Stephi‘, ,Lissilv Sterling Silver‘ und ,Janice Sunny Blue‘, die alle der Hybridart Caryopteris x clandonensis zugeordnet werden, erhielten drei Sterne (***) und damit das Prädikat „ausgezeichnet“. Sie dürfen künftig das Gütezeichen „Premiumgehölz der Bundesgehölzsichtung“ tragen.
Seit 2023 standen die 19 Bartblumen-Sorten an den elf Standorten der Bundesgehölzsichtung auf dem Prüfstand. Kürzlich nahm der Arbeitskreis auf seiner Jahrestagung beim Bundessortenamt in Hannover die abschließende Bewertung vor.
Das Ergebnis zeigt deutliche Unterschiede im Sortiment: Neben den sechs ausgezeichneten Sorten wurden sechs weitere mit zwei Sternen (**) als „sehr gut“ bewertet. Eine Sorte erhielt einen Stern (*) und damit die Bewertung „gut“. Sechs Sorten wurden als „entbehrlich“ eingestuft.
Welche Sorten mit welchen Eigenschaften punkten, werden die ausführlichen Berichte der Bartblumen-Sichtung zeigen. Sie erscheinen ab Anfang 2027 in der Fachpresse und anschließend auf der Webseite des Arbeitskreises Bundesgehölzsichtung.
Immer zum Ende des Jahres kürt der Weltsportpferdezuchtverband (World Breeding Federation for Sport Horses, WBFSH) die Züchter des Jahres in den Kategorien Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Wie schon im Vorjahr gingen gleich zwei der Titel nach Deutschland.
Zum zweiten Mal in Folge darf sich Stephan Kurz aus Baden-Württemberg über den Titel des WBFSH Dressage Breeder of the Year freuen. Springpferdezüchter des Jahres ist Timm Peters aus Bargenstedt, Kreis Dithmarschen. Sein Bull Run’s Jireh springt unter der US-Amerikanerin Kristen Vanderveen von Erfolg zu Erfolg. In diesem Jahr gewann der Wallach von Uriko aus der Conella von Colman unter anderem in Doha den CSI5*-Grand-Prix und siegte in Rom über 1,60 m.
Timm Peters ist ein etablierter Züchter, aus dessen Familienbetrieb bereits zahlreiche erfolgreiche Sportpferde sowie gekörte Hengste hervorgingen. Im vergangenen Jahr wurde er als Holsteiner Züchter des Jahres geehrt, nun folgt der Titel als WBFSH-Springpferdezüchter des Jahres. „Für meine Familie und mich ist diese Auszeichnung etwas ganz Besonderes“, sagt er. „Vor 26 Jahren habe ich die Zucht von meinem Vater übernommen, und seitdem durften wir schon den einen oder anderen Erfolg, aber auch einige Rückschläge erleben. Mit Jireh nun dieses weltweit beachtete Ranking anzuführen, erfüllt uns mit Stolz und Dankbarkeit.“
Im Ranking der Zuchtverbände für Springpferde ordnet sich der Holsteiner Verband als bester deutscher Zuchtverband auf Platz drei ein. Die vorderen Plätze gehen an den französischen Zuchtverband Selle Français und das Stutbuch Zangersheide aus Belgien.
Auch in der Vielseitigkeit behaupten sich Holsteiner Pferde erfolgreich auf internationaler Ebene. Im WBFSH-Ranking finden sich sechs Vertreter unter den 26 bestplatzierten Pferden. Damit belegen die Holsteiner und ihre Züchter im diesjährigen Gesamtranking der Stutbücher in der Vielseitigkeit den Silberrang.
Mit dem zweiten Platz des Züchterrankings in der Vielseitigkeit wurde Fritz Maschmann aus Wrohe, Kreis Rendsburg-Eckernförde, für die Erfolge seines Diabolo von Diarado-Aljano belohnt. Genau wie Bull Run’s Jireh ist der Wallach ein Vertreter des Holsteiner-Stamms 890. Unter William Coleman aus den USA gehört er seit mehreren Jahren zur Weltspitze. In diesem Jahr gewannen die beiden mit der Mannschaft die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Aachen und belegten im Einzel einen starken vierten Platz. pm
Mit Zwiebelblumen startet das Frühjahr wunderbar bunt. Einige Arten bieten von Februar bis Juli Hummeln, Bienen und anderen Nützlingen eine wertvolle Nahrungsquelle. Noch ist Pflanzzeit, um besonders insektenfreundliche Arten in den Boden zu bringen.
Die Frühlingsanemone öffnet ihre Blüten von März bis April nur bei Sonnenschein. Foto: Karin Stern
In bestehende Staudenbeete lassen sich kleinere Zwiebelblumen wie Anemonen (Anemone blanda) und Blausternchen (Scilla) prima am Rand oder zwischen niedrigen Stauden auch nachträglich noch einbringen. Großkronige Narzissen (Narcissus) oder die langen Stängel des Zierlauchs (Allium) machen sich gut zwischen höheren Stauden. Optisch reizvoll sind größere Gruppen von Frühjahrsblühern. So kommt ihre Farbenpracht eindrucksvoll zur Geltung.
Bei Problemen mit Wühlmäusen empfiehlt sich die Pflanzung in Kübel, Kästen oder Kisten. Für besonders üppige Ergebnisse sorgt die sogenannte Lasagne-Methode. Dabei pflanzt man die Zwiebeln in mehreren Schichten übereinander. Ganz unten im Topf platziert man die großen Zwiebeln wie Narzissen. Die mittlere Pflanzschicht besteht aus mittelhohen Tulpen und die oberste Schicht aus den kleinen Zwiebeln von Krokus oder Traubenhyazinthe. Tipp: Die einzelnen Schichten versetzt pflanzen.
Krokusse bieten Insekten schon im zeitigen Frühjahr einen gedeckten Tisch. Foto: Karin Stern
Große Rasenflächen bieten Raum für Krokus (Crocus), Winterling (Eranthis) und Schneeglöckchen (Galanthus). Im Laufe der Zeit bilden sie hübsche Blütenteppiche. Diese Ausbreitung über Tochterzwiebeln und Selbstaussaat nennt man Verwildern. Das sieht nicht nur gut im Gras aus, sondern bringt auch viel Farbe unter Laubbäume und Gehölze. Dafür eignen sich auch Blausternchen (Muscari), verschiedene Wildtulpen (Tulipa sylvestris) und Schneeglanz (Chionodoxa). Sie bevorzugen allesamt lockeren, humosen Boden an einer Stelle, die im Frühjahr ausreichend Sonne abbekommt. Einmal gepflanzt, kann man diese zum Verwildern geeigneten Arten einfach sich selbst überlassen. Sie wollen möglichst ungestört wachsen. Tipp: Die Zwiebeln lagern nach der Blüte Nährstoffe ein. Daher wird mit dem ersten Rasenschnitt gewartet, bis das Laub vollständig vertrocknet ist.
Doch auf welche Arten fliegen denn nun Insekten ganz besonders? Zu den frühen Nahrungsquellen zählt der Türkische Winterling (Eranthis cilicica). Seine leuchtend gelben Blüten erscheinen im Februar etwas später als die von Eranthis hyemalis und sind zudem etwas größer. Diese Art verträgt auch etwas mehr Trockenheit, verlangt jedoch einen halbschattigen Standort. Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) hingegen möchten gern im lichten Schatten stehen. Die zarten Frühlingsblüher wachsen etwa 10 cm hoch und blühen ab Februar. Schnee und Eis lassen das zauberhafte Schneeglöckchen dank der pflanzeneigenen „Heizung“ kalt. Mithilfe der Zwiebel produziert das Schneeglöckchen Wärme und bringt damit sogar Schnee zum Schmelzen.
Blausternchen samen sich sehr willig aus. Foto: Karin SternDas satte Gelb der Winterlinge lockt so manche Hummel an. Foto: Karin SternWildtulpen sind erstaunlich langlebig. Sie erscheinen alljährlich wieder. Foto: Karin Stern
Unter den früh blühenden Wildkrokussen empfehlen sich besonders Elfen-Krokus (Crocus tomasianius), der Toskanische Krokus (Crocus etruscus) und der Balkan-Krokus (Crocus chrysathus). Dessen Sorte ‚Prins Claus‘ erfreut mit einer reinweißen Blüte und verbreitet sich willig, ebenso wie der trockenheitsverträgliche Elfen-Krokus. Er liebt frühjahrshelle Stellen unter Gehölzen.
Weiß und blau blühende Frühlingsanemonen in Gemeinschaft mit weiß blühenden Narzissen Foto: Karin Stern
Von März bis April erscheinen die Frühlingsanemonen (Anemone blanda). Bei Sonnenschein öffnen sich die Blüten von ‚Blue Shades‘ (blau) und ‚White Splendour‘ (weiß). Durch Selbstaussaat entstehen schnell dichte Teppiche auf locker-humosem Boden unter Laubgehölzen. Mit der früh blühenden Tenby-Narzisse (Narcissus pseudonarcissus ssp. obvallaris) lassen sich beeindruckende Narzissen-Wiesen gestalten. Die goldgelben Blüten zeigen sich von März bis April. Zeitgleich erblühen die weißen Blütensterne der Gnomen-Tulpen (Tulipa turkestanica). In der Mitte zeigen sie einen auffälligen gelben Fleck. Die grazile Wildtulpe punktet mit bis zu zwölf Einzelblüten an einem Stiel. Eine hübsche Ergänzung dazu sind Blausternchen (Scilla bifolia). Die beste Wirkung erzielen größere Gruppen unter Laubgehölzen, deren lichten und kühlen Schatten sie lieben.
Die blauen Blütenglocken der Hasenglöckchen ziehen viele Insekten an.Foto: Karin SternLerchensporn bringt bunte Farben in den Frühling. Foto: Karin SternTraubenhyazinthen breiten sich im Laufe der Jahre gerne aus, wenn man sie aussamen lässt. Foto: Karin Stern
Das Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) setzt den blauen Blütenreigen fort. Richtig bunt hingegen wird es mit den verschiedenen Sorten des Gefingerten Lerchensporns (Corydalis solida). Schon früh im Jahr zeigt sich das graugrüne, farnartige Laub. Die Blüten in Lila, Rot, Rosa oder Weiß öffnen sich im April. Bald nach der Blüte zieht der Lerchensporn komplett ein, versamt sich aber vorher zuverlässig. Auf diese Weise breitet sich auch die Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum) aus. Zu den spät blühenden Insektenmagneten zählt der Zierlauch ‚Purple Sensation‘ (Allium aflatunense). Seine kugeligen Blütenköpfe schweben von Mai bis Juni auf bis zu 100 cm hohen Stielen über dem Beet. Der Kugel-Lauch (Allium sphaerocephalon) zieht im Juli unzählige Schmetterlinge an. Tipp: Diese Art wirkt in großer Stückzahl im vollsonnigen Staudenbeet am schönsten.
Nicht kleckern, sondern klotzen: Riesenlauch beeindruckt mit seiner Ausstrahlung.Foto: Karin Stern