Bei den klassischen Ackerkulturen ist der Trockenmasseertrag ein anerkannter und wichtiger Parameter, der bei der Ernte erhoben und zwischen den Jahren verglichen wird. Jede Dezitonne mehr ist ein Erfolg. Im Gegensatz dazu werden im Futterbau die Erträge vom Dauergrünland und Ackergras in den meisten Fällen lediglich geschätzt oder gar nicht beachtet. Das kann bei oder nach der Ernte unerwünschte Konsequenzen haben.
Für Betriebe mit Biogasanlagen, die während der Ernte Futter zukaufen, ist die Fuhrwerkswaage unverzichtbar, da die so erfassten Mengen in der Regel die Basis für die Abrechnung bilden. Im Gegensatz dazu verfügen viele tierhaltende Betriebe über keine eigene Wiegemöglichkeit. Für Stoffstrombilanzen oder zur Düngebedarfsermittlung werden die Erträge häufig nur grob geschätzt, beispielsweise über die Vermessung des Silos (Volumen) und unter Zuhilfenahme von Orientierungswerten für die Verdichtung oder über eine Rückrechnung auf Basis der entnommenen Futtermengen.
Nutzen der Ertragserfassung
Wer bei der Grasernte die Erträge tatsächlich erfasst, hat einerseits einen besseren Überblick darüber, ob die Futterreserven für das ganze Jahr reichen, und kann im Bedarfsfall mit einem Zukauf reagieren. Andererseits erfolgt die Dosierung von Siliermitteln pro Tonne Frischmasse, und dabei gilt: Nur wer misst, kann auch steuern. Im Falle von biologischen Siliermitteln auf Basis von Milchsäurebakterien (MSB), die vor der Anwendung in kaltem Leitungswasser gelöst werden, sind übliche Dosierungen 1-2 g/t. Dann reicht ein 100-g-Gebinde entweder für 100 t oder 50 t Erntegut. Der Kasten zeigt anhand eines Beispiels für die Ernte mit dem Ladewagen, wie bei der Berechnung der benötigten Aufwandmenge vorzugehen ist.
Eine Unkenntnis der schlagspezifischen Erntemengen führt entweder zu einer Überdosierung, die unnötige Kosten verursacht und eventuell dazu führt, dass die obersten Schichten unbehandelt bleiben, wenn zu wenig Siliermittel vorrätig ist, oder zu einer Unterdosierung. Je nachdem, wie stark die Unterdosierung ist, können sich die MSB noch gegenüber dem natürlichen Keimbesatz durchsetzen, das gewünschte Ergebnis wird trotzdem ganz oder zumindest teilweise erzielt. Bei einer starken Unterdosierung besteht jedoch das Risiko, dass die zugegebenen MSB im Konkurrenzkampf um den in den Futterpflanzen begrenzt verfügbaren Zucker unterlegen sind. Dann wird das gewünschte Ergebnis möglicherweise nicht erreicht, die Kosten für das Siliermittel sind jedoch trotzdem angefallen. Da MSB nicht beweglich sind, können sie nur dort wirken und sich vermehren, wo sie über die Applikationstechnik verteilt wurden.
Unterdosierung chemischer Siliermittel
Der Einsatz chemischer Siliermittel (Säuren oder Salzlösungen), die eine höhere Wirkungssicherheit als die biologischen Zusätze bieten, ist in der Regel mit höheren Aufwandmengen verbunden, die zudem an den Trockenmassegehalt (TM) anzupassen sind. Die DLG-geprüften Mittel wirken entweder gegen Fehlgärungen (Wirkungsrichtung 1) und/oder sichern die aerobe Stabilität der Silage (Wirkungsrichtung 2). Die Aufwandmengen liegen zwischen 3 und 6 l/t Erntegut, wobei die höchsten Dosierungen immer dann erforderlich sind, wenn die Silierbedingungen schlecht oder ungünstig sind: zu nass, verschmutzt, durch Regen beeinträchtigt, zuckerarm oder zu trocken. Unterdosierungen können eine partielle Hemmung besonders empfindlicher Schadkeime bewirken. Dadurch fällt für die nicht so empfindlichen Schadkeime die natürliche Konkurrenz weg, und sie können sich gegebenenfalls noch stärker vermehren. Im Falle einer zu geringen Dosierung von propionsäurehaltigen Mitteln wird den Hefen, die für die Nacherwärmung verantwortlich sind, zusätzliches „Futter“ angeboten.
Die Tabelle zeigt eine Beispielberechnung der Aufwandmengen für ein chemisches Siliermittel, das je nach TM-Gehalt mit 3 l/t oder 4 l/t dosiert wird. Für die Erträge der Grünlandflächen wurden Daten des Lehr- und Versuchsgutes Futterkamp aus dem Jahr 2024 zugrunde gelegt. Im ersten Schnitt wurde ein durchschnittlicher Ertrag von 6,9 t/ha erzielt, jedoch traten große Schwankungen zwischen den einzelnen Flächen auf (4,0 bis 8,9 t/ha). Im Falle einer erforderlichen Dosierung von 4 l/t und unter Zugrundelegung des Mittelwertes wären 28 l/ha auszubringen. Ohne Anpassung an den tatsächlichen Ertrag kommt es auf ertragsärmeren Flächen zu einer Überdosierung und auf den ertragreicheren Flächen zu einer deutlichen Unterdosierung.
Fuhrwerkswaage und TM-Bestimmung
In Betrieben, die über eine eigene Fuhrwerkswaage verfügen, wird jeder Abfahrwagen vor und nach dem Abladen des Ernteguts gewogen, um die Frischmasseerträge zu bestimmen. Alternativ kann auch eine mobile Achslastwaage genutzt werden. Idealerweise wird das Erntegut nach dem Abladen zur TM-Bestimmung beprobt, wobei pro Fläche meist nur eine Mischprobe gezogen wird. Inwieweit dieser eine Wert repräsentativ für die gesamte Fläche ist, ist fraglich. Eine engmaschige Beprobung des Ernteguts scheitert jedoch an der Verfügbarkeit von Personal und Trocknungskapazität (Mikrowelle, Heißluftfritteuse, Ofen). Wenn die Auswertung wie praxisüblich erst nach der Ernte erfolgt, sind keine kurzfristigen Reaktionen möglich.
Ertragserfassung am Feldhäcksler
Seit Beginn der 2000er Jahre erlangte die Ertragserfassung am Feldhäcksler Praxistauglichkeit (Abbildung 1). Basis ist die Messung des Gutstroms bei der Ernte über die Vorpresswalzen (Drehzahl und Auslenkung mittels Winkelmesser). In Kombination mit Messtechnik auf Basis der Nahinfrarotspektroskopie (NIRS, optionale Ausstattung, Abbildung 2), die den Feuchtegehalt und die Inhaltstoffe des Ernteguts kontinuierlich misst, und GPS-Unterstützung zur digitalen Ertragskartierung bieten viele Hersteller diese Technik mittlerweile serienmäßig an.
Da die Sensoren nicht direkt in Tonnen, sondern nur physikalische Größen wie Kraft, Druck oder Drehmoment messen, ist für eine hinreichende Genauigkeit der Ertragserfassung mehrmals täglich eine Kalibration erforderlich. Das System muss „lernen“, wie diese Werte zur echten Masse passen. Für die Kalibrierung wird zunächst von einem möglichst homogenen Bestand bei gleichmäßiger Fahrweise eine Referenzmenge geerntet, zum Beispiel zwei bis drei volle Abfahrwagen, die anschließend mittels einer Fuhrwerkswaage gewogen werden. In der Kalibriermaske des Bedienterminals wird das reale Nettogewicht (Ist-Gewicht) eingegeben. Zur Berechnung des Kalibrierfaktors wird das Ist-Gewicht durch die geschätzte Masse (Soll-Gewicht) geteilt, alle folgenden Messungen werden damit korrigiert. Es ist auch möglich, bereits erhobene Messwerte mithilfe des Kalibrierfaktors zurückzurechnen, beispielsweise wenn aufgrund großer Feld-Hof-Entfernungen ein zeitlicher Versatz zwischen Messung und Wiegung entstanden ist.
Wechselnde Bedingungen erfordern eine erneute Kalibrierung, zum Beispiel beim Wechsel von Ackergras zu Dauergrünland, bei sich änderndem Anwelkgrad oder bei Veränderung der Schnittlänge. Typische Fehlerquellen, die zu fehlerhaften Ergebnissen führen, sind ungenaue Waagen, ungleichmäßige Fuhren sowie Stop and Go beim Häckseln.
Wenn keine Fuhrwerkswaage zur Verfügung steht, nutzen Lohnunternehmen häufig Abfahrwagen mit Wiegezellen oder hydraulischer Federung zur Gewichtsbestimmung des Ernteguts. Mit zunehmender Last steigt der Hydraulikdruck im Federzylinder an und wird mittels Sensoren erfasst (Ist-Druck in Bar). Für die Umrechnung nutzt die Steuerung die Kennlinie aus Druck, Achslast und Gesamtgewicht, dabei werden die Anzahl der Achsen, die Geometrie des Fahrwerks und die Hebelverhältnisse berücksichtigt. Die statische Erfassung, bei der das Fahrzeug ruhig auf gerader Fläche und ohne Zug auf der Deichsel steht, ist genauer als die dynamische. Auch hier ist eine regelmäßige Kalibrierung erforderlich. Die Wiegung ist empfindlich gegenüber Schrägstand (Hanglage), Temperatur (Öl dehnt sich aus), Bewegung im System, Deichsellast am Schlepper und einer unterschiedlichen Beladungsverteilung.
Inhaltstoffe über NIRS bestimmen
Die optional verfügbare Ausstattung des Feldhäckslers mit NIRS-Technik ermöglicht die kontinuierliche Bestimmung des TM-Gehaltes sowie der Rohnährstoffe (Abbildung 2). Dadurch ist es möglich, nicht nur Frischmasseerträge schlagspezifisch zu erfassen, sondern auch die Trockenmasseerträge. Da im Gegensatz zur oben beschriebenen Vorgehensweise nicht nur ein Mittelwert für den TM-Gehalt des ganzen Schlages angenommen wird, ist das Ergebnis belastbarer. Zwar ist die NIRS-Messung am Häcksler nicht so genau wie eine TM-Bestimmung im Labor, jedoch wird über die Vielzahl der Messungen trotzdem eine hinreichende Genauigkeit erreicht. Allerdings wird das Verfahren bei Streitigkeiten vor Gericht nicht akzeptiert.
Schlagspezifische Informationen zu den Gehalten an Rohasche, Rohfaser, Rohprotein und Energie, die nach der Ernte abrufbar sind, können bei der Entscheidung helfen, für welche Tiergruppe die Grassilage geeignet ist oder ob Anpassungen im Flächen- und Erntemanagement erforderlich sind. Eine mögliche Fehlerquelle ergibt sich bei sehr trockenem (mehr als 45 % TM) oder zuckerreichem Erntegut, wenn es am Messfenster „festklebt“. Da eine Reinigung des Messfensters nur einen kurzzeitigen Effekt hat, ist die Ernte bei geringeren Anwelkgraden zu präferieren.
Anpassungen im Ernteprozess
Moderne Applikationstechnik für biologische Siliermittel stimmt automatisch die Dosierung auf den Durchsatz des Ernteguts ab, das Siliermittel wird also ertragsabhängig zudosiert. Die großen Durchsatzmengen chemischer Siliermittel können bei hoher Ernteleistung auch einmal 300 l/h betragen. Dies erfordert meist den Einsatz mehrerer separater Dosierpumpen. Hier sind nach wie vor Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Kopfarbeit des Häckslerfahrers gefragt, jedoch ist mit der Ertragserfassung die Möglichkeit gegeben, die Dosiermengen besser und genauer zu justieren. So lassen sich Über- und Unterdosierungen vermeiden.
Auch die theoretische Häcksellänge lässt sich mit einem Handgriff verstellen. Bei nassem/jungem Erntegut wird länger und bei trockenem/altem Gras kürzer gehäckselt. Es gibt auch schon Systeme, bei denen die Häcksellänge automatisch angepasst wird. Dadurch kann bereits im Häcksler die Verdichtung im Silo beeinflusst werden.
Fazit
„Messen und Wiegen ist der Anfang allen Handelns.“ Das gilt auch für die Planung und Durchführung der Grasernte. Moderne Technik am Feldhäcksler kann Frisch- und Trockenmasseerträge sowie die Inhaltsstoffe des Ernteguts kontinuierlich und damit teilflächenspezifisch erfassen und ermöglicht zudem eine genauere Dosierung von Siliermitteln.




