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Kühe, die zögernd vor dem Melkstand stehen bleiben, Schweine, die abrupt vor einer Pfütze scheuen oder Pferde, die beim Verladen blockieren. Für Tierhalter sind solche Situationen im Alltag oft zeitraubend und unverständlich. Doch die Ursache liegt meist nicht in der Sturheit der Tiere, sondern viel eher in einer völlig anderen visuellen Wahrnehmung. Um diese Unterschiede besser verständlich zu machen, setzt das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein auf den neuen Tieraugen-Simulator, eine Innovation, die es ermöglicht, die Stallumgebung mittels einer Virtual-Reality (VR)-Brille direkt aus der Perspektive der Tiere zu erleben.
Um die Sichtweise sowie das Verhalten von Rindern, Schweinen und Pferden verständlicher zu gestalten, hat das LVZ einen Tieraugen-Simulator angeschafft. Auszubildende, Fachkräfte und Besucher erhalten damit die Möglichkeit, ihre Umgebung aus der Perspektive der Tiere zu erleben. Ziel ist es, die Besonderheiten der tierischen Wahrnehmung greifbarer zu machen, Verhaltensweisen besser nachvollziehen zu können und gleichzeitig den Blick für tiergerechtere Stall- und Arbeitsbereiche zu schärfen.
So werden die Sichtfelder von Rind, Schwein und Pferd imitiert (v. oben).
Der Simulator arbeitet mit zwei Kameras, die die Umgebung erfassen und die Bilder in Echtzeit auf eine VR-Brille sowie einen Laptop übertragen. Um die Wahrnehmung von Rindern, Schweinen und Pferden möglichst realitätsnah darzustellen, werden die Aufnahmen mithilfe verschiedener Filter an die Besonderheiten des Sehvermögens der jeweiligen Tierart angepasst. Die Nutzer erhalten dadurch einen Eindruck davon, wie die Tiere ihre Umwelt wahrnehmen und welchen Herausforderungen sie im Alltag begegnen.
Auch die Höhe des Sichtfeldes der Tiere wird berücksichtigt. Während die Kameras für die Simulation von Rindern und Pferden direkt an der auf dem Kopf getragenen VR-Brille befestigt wird, werden die Kameras für die Schweineperspektive an einen mitzuführenden Rollator montiert. Dadurch lässt sich die Umgebung aus der deutlich niedrigeren Perspektive eines Schweins erkunden.
Durch die Anbringung am Rollator wird die Sichthöhe eines Schweines dargestellt.
Visuelle Unterschiede erklären Verhaltensweisen
Durch die Simulation wird schnell deutlich, dass sich die Wahrnehmung der Tiere in wesentlichen Punkten von der des Menschen unterscheidet. Rinder, Schweine und Pferde verfügen zwar über ein Sichtfeld von mehr als 300°, ihre Detailwahrnehmung ist insbesondere in den Randbereichen jedoch deutlich eingeschränkt. Bewegungen im Augenwinkel können häufig nicht eindeutig erkannt und eingeordnet werden. Aufgrund ihrer eingeschränkten Farbwahrnehmung werden zudem Kontraste anders wahrgenommen als vom Menschen. Farbige oder unterschiedliche Bodenbeläge können etwa auf die Tiere verunsichernd wirken, anstatt als optische Orientierungshilfe zu fungieren. Zudem erfolgt die Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse bei Rindern und Pferden langsamer als beim Menschen. Kühe und Schweine haben darüber hinaus Schwierigkeiten, Entfernungen präzise einzuschätzen.
Dieser Perspektivwechsel hilft dabei, viele Verhaltensweisen zu erklären, die aus menschlicher Sicht zunächst oft unverständlich erscheinen. Wer selbst erlebt hat, wie eine Kuh, ein Schwein oder ein Pferd seine Umwelt wahrnimmt, betrachtet viele Alltagssituationen mit anderen Augen. Davon profitieren sowohl die Tiere als auch die Tierhalter. Gleichzeitig lassen sich Stallsysteme, Treibgänge oder Verladeeinrichtungen aus einem neuen Blickwinkel betrachten und im Sinne des Tierwohls optimieren.
Praxisnahes Lernen
Der Tieraugen-Simulator wird künftig in die überbetriebliche Ausbildung von angehenden Landwirten und Pferdewirten im LVZ integriert. Er bietet die Möglichkeit, die im Unterricht vermittelten Grundlagen und Zusammenhänge praxisnah nachvollziehen und aus einer neuen Perspektive zu erleben. So erhalten die angehenden Fachkräfte die Gelegenheit, den täglichen Umgang mit den Tieren zu reflektieren und ein tieferes Verständnis für tiergerechte Haltungssysteme zu entwickeln. Die VR-Brille ergänzt damit einen modernen und praxisnahen Unterricht.
Darüber hinaus eignet sich der Simulator auch für Fortbildungen, Informationsveranstaltungen und fachfremde Besuchergruppen. So kann auf anschauliche Weise vermittelt werden, welche Anforderungen Tiere an ihre Umwelt stellen und wie sich diese auf Haltung, Management und den täglichen Umgang auswirken. Dadurch kann ein direkter Zugang zu dem Thema Nutztiere in der modernen Landwirtschaft geschaffen werden. Der neue Tieraugen-Simulator leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Wissenstransfer und zum Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Der Simulator wurde über die Hermann-Früchtenicht-Stiftung und das Projekt Netzwerk Fokus Tierwohl (Förderung BMLEH) mit finanziert.
Fazit
Mit dem Einsatz des Tieraugen-Simulators erweitert das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp seine Möglichkeiten in einer modernen und praxisnahen Aus- und Weiterbildung. Die Simulation macht sichtbar, wie unterschiedlich Menschen und Nutztiere ihre Umwelt wahrnehmen und welche Auswirkungen dies auf das Verhalten der Tiere haben kann. Dieses Verständnis hilft dabei, Arbeitsabläufe, Stallbereiche und den Umgang mit den Tieren aus einer neuen Perspektive zu betrachten und stärker an den Bedürfnissen von Rindern, Schweinen und Pferden zu orientieren.
Ein deutlich gestiegener Aufwand mit ungewissem Ausgang – der Rapserdfloh hat mittlerweile einen maßgeblichen Anteil daran, dass die Freude über den Anbau der Kultur Winterraps in den vergangenen Jahren einen ziemlichen Dämpfer bekommen hat. Neben der schlecht vorhersehbaren Populationsdynamik der Insekten und den Wettergegebenheiten trägt auch die deutliche Verschärfung der Resistenzsituation bei den Pyrethroiden aufgrund des Auftretens der Super-Knockdown Resistence (sKDR) zur schwierigen Lage bei.
Der Winter 2025/2026 weckte in der Praxis die Hoffnung, dass sich die Rapserdfloh-Situation etwas entspannen würde. Für einen kurzen Moment schien es tatsächlich so, bis die Realität einen im Frühjahr abrupt einholte. Ab März wurden mit Einsetzen der Vegetation zunehmend frisch eingebohrte kleine Larven in den noch vorhandenen Blattstielen beobachtet. Zum Teil zog sich die weitere Eiablage weit ins Frühjahr hinein, was man letztendlich den Rapspflanzen auch deutlich ansah.
Biologie, Überwachung und Bekämpfung
Die Fraßschäden an den Schoten, Unmengen von Rapserdflöhen auf dem Erntegut und/oder auf den Erntestoppeln weisen auf ein hohes Potenzial an Jungkäfern hin, die dann bereit für ihre Sommerruhe in angrenzenden Knicks sind. Zum Teil verbleiben die Käfer dafür aber auch auf der abgeernteten Fläche und sitzen geschützt unter dem Ausfallraps. Somit könnte in diesem Jahr eine flache Bodenbearbeitung der Rapsstoppel sinnvoll sein, um die in der 2 bis 5 cm tiefen Bodenschicht befindlichen Puppen in ihrer weiteren Entwicklung zu stören und so direkten Einfluss auf die Population zu nehmen.
Eine flache Bodenbearbeitung (2 bis 5 cm) kann die noch im Boden verbliebenen Puppen empfindlich stören. Allerdings gilt es, die Ausfallrapsproblematik im Blick zu behalten; eine zu frühe Bodenbearbeitung kann diese verschärfen.
Nach der Sommerruhe erfolgt die Besiedlung der neuen Rapsflächen durch die Rapserdflöhe temperaturgesteuert zwischen Mitte August und Mitte September. Dabei werden von ihnen Temperaturen von 16 bis 20 °C bevorzugt, aber auch niedrigere oder höhere Temperaturen genutzt. Nach dem Zuflug der Käfer bildet sich ihre Flugmuskulatur zurück, sodass sie sich nun hüpfend fortbewegen. Gleichzeitig wird eine Lichtempfindlichkeit ausgelöst, und die Käfer beginnen mit dem Reifungsfraß, wobei ihre Aktivität zirka eine Stunde nach der Dämmerung beginnend am stärksten ausgeprägt ist. Dieser Reifungsfraß ist für die Rapspflanzen vor allem in der Phase vom Auflauf bis zirka Vierblattstadium kritisch bis existenzbedrohend. Die Risiken steigen, wenn beispielsweise verkrustete Böden durch Starkregen, Trockenheit, Strohstreifen der Vorkultur, Herbizidstress durch aktuelle Bodenherbizide oder bis dato unzureichenden Abbau von ALS-Hemmern der Vorkultur das Rapswachstum zusätzlich hemmen. Die Pflanzen können in dem Fall der Fraßaktivität der Käfer nicht davonwachsen und verlieren innerhalb kurzer Zeit viel Blattmasse.
Insektizidmaßnahmen in dieser kritischen Phase waren auch ohne die Pyrethroidresistenz in den letzten Jahren schon eine Herausforderung. Hohe Temperaturen, sehr wenig Blattmasse und Käfer, die sich durch Sonne und Wärme aufheizen, bieten generell keine guten Anwendungsbedingungen für die Pyrethroide.
Zusätzlich kommen nun noch Resistenzen ins Spiel. Mit der „normalen“ Wirkort-Resistenz (KDR) kam man in der Praxis aufgrund der hohen intrinsischen Wirkung der Pyrethroide, vor allem des Wirkstoffs lambda-Cyhalothrin, und der eher geringen Resistenzfaktoren von 10 bis 50 überwiegend zurecht. Mit Einzug und Ausbreitung der Super-KDR, die Resistenzfaktoren von mehr als 1.000 aufweist, sieht das allerdings anders aus. Die Pyrethroide wirken in diesem Fall nicht mehr, und auch mehrmalige Pyrethroidspritzungen laufen dann förmlich ins Leere. Somit stellt sich die Frage, wie der Raps diese entscheidende, kritische Phase bis zum Vierblattstadium übersteht, damit sich überhaupt ein Rapsbestand entwickeln kann.
Es ist sicherlich nicht zweckdienlich, den Raps in expliziten Frühsaaten auszusäen mit der Hoffnung, dass der Rapserdfloh erst in die Bestände einfliegt, wenn die Pflanzen bereits mindestens vier Blätter haben. Wenn nach der Aussaat kein Anschlussregen fällt, haben die Pflanzen auch so einen schwierigen Start. Zusätzlich steigt das Risiko für Kohlfliegen- und Kohlherniebefall.
Die Saatbedingungen sind entscheidend
Wichtiger als ein früher Aussaattermin sind die Saatbedingungen. Der Rapserdfloh bevorzugt für den Reifungsfraß gestresste Rapspflanzen. Somit tragen Maßnahmen, die den Stress für die Pflanzen reduzieren, zum Beispiel eine optimale Verteilung und Einmischung des Strohs der Vorfrucht, ein gut abgesetztes, feinkrümliges Saatbett mit eventuellem Walzen, um Kluten als Verstecke des Rapserdflohs zu minimieren, sowie eine gute Nährstoffversorgung zur besseren Jugendentwicklung des Rapses bei und haben dahingehend Effekte gegen den möglichen Rapserdflohschaden.
Das Walzen nach der Saat zerstört Kluten und kann den Auflauf des Rapses verbessern. Diese Maßnahme sollte allerdings nicht vor Starkregenereignissen durchgeführt werden, ein Verschlämmen der Flächen ist die Folge.Klutiges Saatbett sowie fehlender Anschlussregen nach der Saat – beide Szenarien verhindern eine zügige Jugendentwicklung und machen die Pflanzen attraktiv für Rapserdflöhe.
Die Eiablage der Weibchen ist ebenfalls temperaturgesteuert und kann unter günstigen Umständen schubweise (drei bis sechs Eier pro Tag) bis ins Frühjahr hinein mit durchschnittlich 500 bis 2.000 Eiern je Weibchen in den Boden erfolgen. Aus den Eiern entwickeln sich die Larven, die sich in die Blattstiele einbohren und diese minieren. Sauerstoff-, Platz- und Nahrungsmangel führen dazu, dass die Larven die Blattstiele kurzzeitig verlassen, sich auf der Blattstieloberfläche bewegen und dann erneut einbohren. Um gegen die Larven vorzugehen, stehen die Pyrethroide sowie die Wirkstoffe Acetamiprid und Cyantraniliprole zur Verfügung, jeweils mit unterschiedlichen wirkstoffbedingten Anwendungsbedingungen.
Durch die Pyrethroide, die als Kontaktinsektizide wirken, werden Effekte nur während des Ein- und Ausbohrens und bei der Fortbewegung der Larven auf den Blattstielen erzielt. Aufgrund der deutlich niedrigeren Temperaturen im Verlauf des späteren Herbstes hält die Wirkung des Pyrethroids im Vergleich zum Zeitpunkt des Reifungsfraßes länger an. Laut englischer Literatur sollen sich die Wirkortresistenzen auch erst ab dem L-2-Larvenstadium ausprägen, sodass Pyrethroideffekte gegen erste kleine Larven durchaus denkbar sind. Inwieweit dieser Effekt auch bei der Super-KDR zum Tragen kommt, muss noch überprüft werden, gewisse Wirkungen der Pyrethroide gegen erste kleine Larven konnten im vergangenen Herbst aber nach wie vor beobachtet werden.
Der Wirkstoff Acetamiprid (Produkt Carnadine) funktioniert systemisch, kann bestenfalls aber nur erste kleine Larven erfassen. Die Temperaturen sollten dafür über 15 °C liegen. Gegen Käfer wirkt Carnadine allerdings nicht.
Ein geschlossener Rapsbestand mit großen Blättern bietet erschwerte Anwendungsbedingungen für den Wirkstoff Cyantraniliprole (Minecto Gold, Exirel).
Der in den vergangenen Jahren aufgrund einer Notfallzulassung einsetzbare und inzwischen essenzielle Wirkstoff zur Bekämpfung der Larven ist Cyantraniliprole (Produkte Minecto Gold und Exirel). Dieser Wirkstoff funktioniert teilsystemisch und translaminar. Das bedeutet, dass er von der Blattstieloberfläche zur Blattstielunterseite und begrenzt innerhalb des Blattstiels transportiert wird. Das Einsatzfenster für Minecto Gold und Exirel öffnet sich mit der beginnenden Einwanderung der Larven in die Blattstiele und Überschreiten der Bekämpfungsschwelle „Anzahl Larven je Pflanze“. Hinsichtlich des Termins ist dabei die Herausforderung, einerseits den überwiegenden Teil der bereits eingebohrten Larven zu erreichen (ohne dass sie inzwischen schon zu groß geworden sind) und andererseits nicht zu früh zu applizieren, weil möglicherweise ein noch größerer Teil der Larven über die weitere Eiablage und den Larvenschlupf aus dem Boden kommen könnte. In den vergangenen Jahren erwiesen sich Termine im Zeitraum Ende Oktober bis Mitte November als vorzüglich.
Für eine gute Wirksamkeit müssen die Produkte die Blattstiele auch erreichen. In üppigen Beständen mit aufrecht stehenden Blattstielen besteht die Gefahr des Ablaufens der Spritzbrühe. Der Zusatz des genehmigten Additivs Hasten kann in solchen Konstellationen die Wirkung verbessern. Auch sollten die Pflanzen/Blätter nicht zu groß sein, da sonst ein Großteil der Spritzbrühe vom dichten Blätterdach abgefangen wird. Auch eine Kombination mit dem Herbizid Kerb Flo passt nicht, da unterschiedliche Ziele verfolgt werden – das Insektizid muss in die Blattstiele, das Herbizid in die oberste Bodenschicht bei möglichst feuchten Bedingungen.
Einzelne Faktoren einer Bekämpfungsstrategie
1. Ackerbauliche Aspekte:
• Bodenbearbeitung: 2 bis 5 cm tief, um Rapserdfloh-Puppen im Boden zu zerstören
• Vorfrucht: Sulfonylharnstoffeinsatz im Winterweizen kann unter Umständen die Rapsentwicklung hemmen.
• Saattermin: Bodenfeuchtigkeit und nachfolgender Regen müssen einen zügigen Auflauf und nachfolgende Rapsentwicklung gewährleisten.
• Saatbett: wenig Kluten, um Rückzugsmöglichkeiten für die Käfer zu reduzieren
• Bodenherbizide: Hohe Niederschlagsmengen können einen zwischenzeitlichen Wachstumsstopp des Rapses verursachen.
• Sorten: schnelle Herbstentwicklung
• Wachstumsregler: Ziel sind gedrungene Pflanzen mit gut zugänglichen Blattstielen für den Einsatz von Minecto Gold oder Exirel.
• Stickstoffdüngung: im Herbst durchführen (N-Bedarf zur Strohrotte und DÜV beachten)
2. Überlegungen bezüglich der chemischen Maßnahmen:
• Beize: Lumiposa gegen Kleine Kohlfliege, bei Saatterminen ab Ende August Buteo Start
• Pyrethroideinsatz: Wirkstoff lambda-Cyhalothrin hat die höchste intrinsische Wirkung; Behandlung gegen den Reifungsfraß (nachts) beziehungsweise nach Gelbschalenwerten vor der Eiablage; bei Wirkungslosigkeit keine erneute Behandlung durchführen – Spritzfenster anlegen!
• Resistenzen: Beim Vorliegen der sKDR erzielen auch die Kombination von zwei Pyrethroiden, die Nutzung von Zusatzstoffen oder der Einsatz von Sherpa Duo (Pyrethroid+PPO-Hemmer) keine Wirkungsverbesserung.
• Einsatz von Carnadine: Bei ersten kleinen Larven kann eine geringfügige Wirkung erzielt werden, gegen adulte Tiere nicht. Einsatzbedingungen für Carnadine: Temperaturen über 15 °C
• Einsatz von Minecto Gold oder Exirel: in der Regel erst ab Ende Oktober, um auch noch nachfolgende sich einbohrende Larven zu erfassen. Kleine, gedrungene Pflanzen sind gegenüber großen aufrecht stehenden Pflanzen für eine bestmögliche Wirkung im Vorteil.
Bestandesüberwachung
Neben der eigenen visuellen Bonitur, um den Reifungsfraß im Blick zu haben, sollten nach der Aussaat zügig Gelbschalen aufgestellt werden. Diese geben frühzeitig einen Überblick über die Intensität des Käferzuflugs. Die Rapserdflöhe hüpfen dabei eher zufällig in die Schale und fliegen nicht explizit auf die Farbe Gelb. Ein leichtes Eingraben erhöht die Fängigkeit der Schalen, allerdings verschmutzen sie auch schneller. Auf größeren Schlägen bieten sich immer mehrere gut platzierte Gelbschalen an verschiedenen Stellen an.
Blattadern ohne LarvenbefallBlattadern mit Larvenbefall
Besonderes Augenmerk muss den Neuaussaaten gelten, die in der Nähe von Altrapsflächen liegen, wo im vergangenen Frühjahr ein stärkerer Befall mit Rapserdflohlarven auftrat. Die Gelbschalen müssen dann in der Nachbarschaft dieser Altrapsflächen beziehungsweise speziell in der Nähe der möglichen Sommerquartiere (Knicks, Waldsäume et cetera) aufgestellt (eingegraben) werden. Bei stärkerem Zuflug innerhalb eines kurzen Zeitraums sollten die Gelbschalen täglich kontrolliert und das Wasser (plus Spülmittel) gewechselt werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt nach dem Vierblattstadium bei mehr als 50 Käfern innerhalb von drei Wochen.
Die Nutzerzahlen für die digitalen Gelbschalen sind stark angestiegen. Die Fängigkeit ist nicht so gut wie die der herkömmlichen Schalen, aber sie können besonders auf weit entfernten Schlägen ein mögliches Tool sein. Generell gilt aber, dass die eigene Bestandskontrolle durch nichts zu ersetzen ist.
Zur Feststellung des Einsatztermins von Minecto Gold oder Exirel müssen hingegen die Blattstiele auf Vernarbungen und auf Larvenbesatz (durch das Aufschneiden der Blattstiele) kontrolliert werden. Auch wenn sie aufwendig ist, bietet diese Maßnahme deutlich mehr Sicherheit für die anstehende Terminwahl.
Für jede Behandlung, auch gegen den Reifungsfraß, sollte ein Spritzfenster angelegt werden. Drei bis vier Wochen nach dem Einsatz von Minecto Gold oder Exirel kann der Erfolg der Maßnahme durch das Aufschneiden der Blattstiele oder die Austreibemethode beurteilt werden. Für die Austreibemethode spricht, dass auch kleinste Larven festgestellt werden, die man beim Aufschneiden der Blattstiele übersieht. Dazu werden Rapspflanzen auf ein Gitter gelegt (Auffanggefäß mit Wasser darunter) und an einen warmen Ort gestellt. Durch das langsame Vertrocknen der Pflanzen werden die Larven aus den Blattstielen getrieben und fallen nach unten in das Gefäß, wo sie dann ausgezählt werden können.
Bekämpfungsschwellen
• Bekämpfungsrichtwert Reifungsfraß: mehr als 10 % zerstörte Blattfläche bis zirka Vierblattstadium
Kontrolle: Bei kritischen Rahmenbedingungen in kurzen Intervallen (täglich); bei wüchsigem Raps reichen zwei bis drei Mal die Woche.
• Bekämpfungsrichtwert Gelbschale zum Zeitpunkt der Eiablage: ab ES 14 mehr als 50 Käfer innerhalb von drei Wochen je Gelbschale
Kontrolle: mindestens einmal pro Woche, auch in milden Wintern, da weitere Eiablage möglich ist (Kühlbrüter)
• Bekämpfungsrichtwert Larven: mehr als fünf bis sechs Larven je Pflanze bei gut entwickeltem Raps und drei bis vier Larven je Pflanze bei geschwächtem Raps
Kontrolle: Aufschneiden der Blattstiele und Auszählen der Larven ab zirka Anfang/Mitte Oktober; nach der Behandlung eine Erfolgskontrolle zum Beispiel durch die Austreibemethode durchführen
Schon vor Jahrhunderten fanden Meeresalgen ihren Weg in die Futtertröge europäischer Nutztiere. Besonders in küstennahen Regionen wurden sie genutzt – dort, wo sie reichlich verfügbar waren und andere Futterquellen knapp ausfielen. Auf den kargen Böden Schottlands und Irlands etwa wuchs in den kühlen Sommermonaten häufig zu wenig Gras, um Rinder und Schafe ausreichend zu versorgen. Ist das auch eine Möglichkeit für hiesige Betriebe?
Landwirte griffen regelmäßig auf das zurück, was das Meer an die Küste brachte: die angeschwemmten Algen. Auch in Norwegen, Island und in Teilen der Bretagne gehörten Meeresalgen traditionell zur Futterversorgung. Dort wurden sie gesammelt, an der Luft getrocknet und anschließend mit Heu vermischt. Vor allem im Winter, wenn frisches Grün knapp war, dienten sie als zusätzliche Futterquelle.
Besonders häufig kamen Braunalgen zum Einsatz, etwa Kelp, Knotentang oder Blasentang. Stürme rissen diese Pflanzen vom Meeresboden los und spülten sie in großen Mengen an die Küsten. Dort konnten sie leicht gesammelt und getrocknet werden, wodurch sie sich gut lagern ließen. Auch die Tiere selbst machten sich die Ressourcen der Küsten zunutze: Weidetiere fraßen an Meeresufern häufig freiwillig Algen. Ihr vergleichsweise hoher Energie- und Mineralstoffgehalt machte sie zu einer wertvollen Ergänzung für Rationen, die sonst überwiegend aus Gras und Heu bestanden.
Neue Forschung zu methanhemmenden Algen
Heute spielen See- beziehungsweise Meeresalgen als Futtermittel in Europa allerdings kaum noch eine Rolle. Weniger als 0,25 % der weltweit produzierten Algen stammen aus europäischen Aquakulturen. Auch ihr Anteil am gesamten Futtermittelmarkt ist mit unter 1 % gering. In jüngster Zeit rücken Algen jedoch erneut in den Fokus der Forschung – insbesondere in der Wiederkäuerfütterung. Grund dafür sind bestimmte Rotalgenarten wie Asparagopsis taxiformis und Asparagopsis armata. Studien zeigen, dass eine Zulage von 0,3 bis 0,5 % der Trockenmasse den Ausstoß des Treibhausgases Methan aus der Verdauung von Rindern um bis zu 90 % reduzieren kann.
Diese Algen kommen vor allem in tropischen und subtropischen Meeresregionen vor. Sie enthalten halogenierte Verbindungen wie Bromoform und Dibromchlormethan, die die Methanbildung im Verdauungssystem der Tiere hemmen. Allerdings sind diese Substanzen flüchtig: Mit zunehmender Lagerdauer der Algen verdampfen sie, wodurch die methanreduzierende Wirkung nachlässt. In Australien ist die Verwendung getrockneter Asparagopsis-Algen als Futtermittel für Wiederkäuer bereits teilweise zugelassen und kommerziell im Einsatz. In der Europäischen Union hingegen wird der Einsatz derzeit noch geprüft. Zwar sind „Seealgenmehle“ sowohl in der Einzelfuttermittelliste der EU (68/2013) als auch in der Positivliste für Einzelfuttermittel der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) aufgeführt und dürfen grundsätzlich verfüttert werden. Für die genannten Rotalgenarten läuft jedoch eine gesonderte Zulassungsprüfung. Ein Grund dafür sind mögliche Rückstände der halogenierten Substanzen: Werden die Algen an laktierende Tiere verfüttert, könnten diese Stoffe in die Milch und damit in die Nahrungskette gelangen. Zudem können einige Algenarten erhöhte Konzentrationen von Schwermetallen wie Arsen, Blei, Cadmium oder Quecksilber enthalten. Auch hier gelten strenge Grenzwerte, die bei der Nutzung als Futtermittel nicht überschritten werden dürfen.
Ulva gehören zur Gattung der Grünalgen. Diese zeichnen sich durch hohe Gehalte an Chlorophyll und verschiedenen Vitaminen aus.
Nachhaltige Futtermittelquellen aus dem Meer
Trotz möglicher Risiken bietet der Einsatz von Meeresalgen als Futtermittel auch beträchtliche Chancen. Vor allem Braunalgen zeichnen sich durch eine außergewöhnlich hohe Photosyntheseleistung aus und können entsprechend große Mengen an Biomasse produzieren. Manche Arten erreichen dabei beeindruckende Ausmaße von bis zu 60 m Länge. Im Vergleich zu klassischen Futterpflanzen, deren Anbau fruchtbare Böden sowie große Mengen an Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmitteln erfordert, wachsen Seealgen unter ganz anderen Bedingungen. Sie lassen sich in Meeres- oder sogar Brackwasser kultivieren – also in Regionen, die für den landwirtschaftlichen Pflanzenbau kaum nutzbar sind. Dadurch könnte der Wettbewerb um landwirtschaftliche Flächen und wertvolle Süßwasserressourcen deutlich reduziert werden.
Vor dem Hintergrund einer großen Importabhängigkeit Europas bei Futtermittelrohstoffen könnte die Nutzung regional erzeugter Algenbiomasse zudem langfristig zur Stabilisierung der Proteinversorgung in der Tierhaltung beitragen. Die wachsende Nachfrage nach Meeresalgen hat jedoch auch neue Produktionsformen hervorgebracht. Inzwischen werden einige Arten nicht mehr ausschließlich im Meer angebaut, sondern zunehmend auch in landbasierten Aquakultursystemen kultiviert – etwa in Tanks oder Becken. Solche Anlagen ermöglichen eine kontrollierte Produktion und könnten dazu beitragen, die steigende Nachfrage nach Algen langfristig zu decken.
Projekt „Alg4Nut“ zur Rinderfütterung
Meeresalgen gelten nicht nur als potenziell nachhaltige, sondern auch als nährstoffreiche Ergänzung in der Tierfütterung. So enthalten Braunalgen große Mengen an Mineralstoffen sowie leicht verdauliche Rohfaser. Grünalgen wiederum zeichnen sich durch hohe Gehalte an Chlorophyll und verschiedenen Vitaminen aus. Besonders interessant sind einige Rotalgenarten. Die Gattungen Porphyra und Gracilaria erreichen Rohproteingehalte von 30 bis 50 % der Trockenmasse und enthalten darüber hinaus Antioxidantien, entzündungshemmende Inhaltsstoffe, essenzielle Fettsäuren sowie Jodid. Die Fütterung von Meeresalgen könnte die Jodversorgung ergänzen, die Jodkonzentration in der Milch erhöhen und so zur Verbesserung der Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland beitragen. Erste Studien deuten zudem darauf hin, dass die in Meeresalgen enthaltenen Kohlenhydrate präbiotische Effekte haben. Sie könnten die Zusammensetzung der Darmmikrobiota positiv beeinflussen, die Darmgesundheit fördern und damit letztlich auch das Wachstum von Rindern und Schafen unterstützen. Einige Spezialfuttermittelhersteller greifen diese Entwicklung bereits auf und bieten entsprechende Algenmischungen für Wiederkäuer kommerziell an. Dennoch sind viele der zugrunde liegenden biologischen Prozesse bislang kaum verstanden. Insbesondere die Mechanismen der Algenverdauung und ihre möglichen gesundheitlichen Effekte bei Nutztieren sind noch Gegenstand aktueller Forschung.
Im Projekt „Alg4Nut“ („Algae for Nutrition“), das im Rahmen der Initiative zur angewandten Exzellenzforschung in Mecklenburg-Vorpommern gefördert wird, untersuchen Wissenschaftler verschiedener Forschungseinrichtungen unter der Leitung der Universität Rostock, ob in der Ostsee heimische Meeresalgen als nachhaltiges Futtermittel für Kühe genutzt werden können. Dabei werden in Fütterungsexperimenten am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf die Auswirkungen auf Verdaulichkeit, Tiergesundheit und Leistung, Milchqualität und Methanemission mithilfe der Respirationskammern untersucht. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die Bewertung dienen, ob sich ein künftiger Anbau von Meeresalgen zur Futtermittelgewinnung im Küsten- und Agrarland Mecklenburg-Vorpommern eignet.
Die bewährte, seit 2009 bestehende Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Iserlohn machte es möglich: Werke des renommierten Fotografen Trent Parke können im Stadtmuseum Schleswig gezeigt werden – neben Iserlohn die einzige Station in Deutschland. Parke war der erste australische Fotograf, der von der weltbekannten Fotoagentur Magnum Fotos aufgenommen wurde – als unabhängige Genossenschaft dokumentieren die Mitglieder dieser Agentur seit Jahrzehnten prägend Zeitgeschichte, Politik und Kultur.
Der in der australischen Kleinstadt Newcastle in New South Wales aufgewachsene Künstler begann seine Laufbahn als Pressefotograf; bereits im Alter von zwölf Jahren hatte er nicht nur mit dem Fotografieren begonnen, sondern er entwickelte die Fotos auch selbst in der zur Dunkelkammer umgestalteten elterlichen Waschküche. „Seine Mutter war Fotografin gewesen, sie starb sehr früh an Asthma – dies hat Trent Parke nur schwer verwunden“, erzählt Dr. Dörte Beier, Museumsleiterin in Schleswig.
Sydney, New South Wales, Australia, 2002 Foto: Trent Parke/Magnum Photos
Die in der Ausstellungshalle des Schleswiger Stadtmuseums gezeigten Arbeiten sind allesamt schwarz-weiß, eine gewisse Melancholie und Dramatik lassen sich nicht leugnen. Besonders anrührend ist das Foto einer Bettlerin, die am Straßenrand sitzt, ein beschriebenes Schild vor sich. Menschen hasten durch die Straßen, durch hartes, melodramatisches Licht angestrahlt, und werfen lange Schlagschatten. Als Trent Parke vor 25 Jahren in die Metropole Sydney zog, erlebte er gewissermaßen einen Großstadt-Schock. Um Aufnahmen zu generieren, folgte er Pendlern, die sich an den Bahnhöfen und Bushaltestellen der Stadt drängten. Unsere fragile Existenz, der tägliche Kampf ums Dasein, die Anonymität der Großstadt, in der Menschen dennoch ihre Identität zu behaupten suchen – dies sind Themen, die ihn faszinieren. Seine im harten australischen Licht aufgenommenen, mit Langzeitbelichtungen zusätzlich verfremdeten Fotografien haben früh Bewunderer gefunden. Die in Schleswig gezeigten Fotografien entstammen dem Bildband „Monument“ (2023). Dem menschlichen Leben, in diesem Fall dokumentiert in Sydney, möchte Parke ein Denkmal setzen. „Monument“ – so lautet auch der Titel der Ausstellung.
Eine zerklüftete Felsformation auf den Färöern, aufgenommen von Martin Stock Foto: Imme Feldmann
Parallel ist im Nebengebäude des Stadtmuseums die vom Schleswiger Fotoclub ausgerichtete Ausstellung „Inseln im Nordatlantik“ mit Werken von Dr. Martin Stock und Wilfried Dunckel zu sehen. Fasziniert von der Inselwelt des Nordatlantiks – dazu gehören die bei Schottland gelegenen Äußeren Hebriden, die Färöer, Irland und Island – haben die beiden miteinander befreundeten Fotografen diese Inseln gemeinsam bereist. Vulkanlandschaften, steile, zerklüftete Klippen, dramatische Fjorde, endlose Horizonte und ein ständig wechselndes Licht schaffen eine Szenerie, die gleichzeitig rau und überwältigend schön ist. „Unsere Bilder sind persönliche Interpretationen dieser einzigartigen Naturräume“, so die Fotografen.
Diese Schafherde nahm Wilfried Dunckel auf den Äußeren Hebriden auf. Foto: Imme Feldmann
Der promovierte Biologe Martin Stock arbeitete viele Jahre in der Nationalparkverwaltung für das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer. Bis heute engagiert er sich für die Natur des Wattenmeeres und hat zahlreiche Bücher, Bildbände, Kalender und Zeitschriftenbeiträge veröffentlicht; er gilt als der Fotograf des Wattenmeeres. Wilfried Dunckel, die längste Zeit seines Lebens in Hamburg ansässig, verbrachte seine Freizeit häufig in Nordfriesland. Heute ist er Mitglied im KunstKlima Eiderstedt, in der Kulturwerkstatt Harburg sowie in der GDT Gesellschaft für Natur Fotografie.
Weitere Informationen unter www.stadtmuseum-schleswig.de
Viva Vieregge hat im Juni als neue Ausbildungsberaterin angefangen. Sie ist zuständig für die Ausbildungsberatung Landwirtin und Landwirt in den Regionen Ostholstein und Plön. Außerdem ist sie verantwortlich für die Ausbildungsberatung Pferdewirtin/Pferdewirt, Fachpraktikerin/Fachpraktiker in der Pferdewirtschaft und Werkerin/Werker in der Landwirtschaft.
Viva Vieregge übernimmt den Staffelstab von Christine Panzer, die im August in den Ruhestand geht. Sie machte ihre landwirtschaftliche Ausbildung in Flegessen (Niedersachsen) und in Wattenbek bei Bordesholm und studierte danach Agrarwissenschaften in Göttingen und Agrarmanagement in Weihenstephan. Als Erntehelferin in der Studienzeit und auch später im Arbeitsleben hat sie viele verschiedene Betriebe, Ausbilder und Auszubildende getroffen und kennengelernt. Als Viva Vieregge die Stellenausschreibung der Kammer sah, war sie sich gleich sicher, dass sie dort in ihrem Element sein würde. Isa-Maria Kuhn, Landwirtschaftskammer, hat mit der neuen Mitarbeiterin gesprochen.
Sie gehören zur Abteilung Bildung, Betriebswirtschaft und Beratung, sind aber ans Lehr- und Versuchszentrum der Kammer in Futterkamp angedockt. Worin besteht die Aufgabe? Viva Vieregge: Meine Aufgabe als Ausbildungsberaterin ist es, die angehenden Landwirte, Pferdewirte, Werker und Fachpraktiker in ihrer Ausbildungszeit zu begleiten und ihnen und ihren Ausbildern als Ansprechpartner zur Seite zu stehen. Dazu gehören dann selbstverständlich die Planung und Durchführung von Zwischen- und Abschlussprüfungen, die Kontrolle des allseits beliebten Berichtsheftes und die Anerkennung neuer Ausbildungsbetriebe.
Sie haben in einer arbeitsintensiven Zeit bei uns angefangen. Wie liefen die ersten Prüfungen? Ich habe großes Glück, weil ich die Gelegenheit habe, von Christine Panzer noch ein paar Wochen eingearbeitet zu werden. Die Organisation der Prüfungen ist sehr umfangreich. Gleich in meiner ersten Woche war die Zwischenprüfung der Landwirte, bei der 18 Prüfer und 30 Prüflinge nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, sondern natürlich auch wissen müssen, was zu tun ist. Die Familien und Betriebsleiter, die ihren Ausbildungsbetrieb für so eine Prüfung zur Verfügung stellen, zeigen, wie wichtig ihnen die gute Ausbildung der Berufseinsteiger ist. Inzwischen habe ich an sieben Prüfungen teilgenommen und freue mich darauf, diese Organisation in Zukunft zu übernehmen. Es ist eine echte Freude zu erleben, wie stolz die Ausbilder und Prüfer auf ihren Beruf sind (unabhängig von Pferde- oder Landwirten), wie verantwortungsbewusst sie die Berufsneulinge begleiten und wie verlässlich und liebevoll die Gastgeber den Prüfungstag vorbereiten.
Sie selbst sind 37 Jahre alt und arbeiten mit den zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern zusammen. Was bedeutet Ihnen das, und welche Botschaft haben Sie an die jungen Menschen? Mir ist wichtig, dass es weiterhin engagierte Betriebe gibt, auf denen ausgebildet wird, dass die Ausbilder wissen, an wen sie sich wenden können, und dass die Auszubildenden sich gut begleitet fühlen. Die Ausbildungszeit ist eine wichtige Phase, in der man nicht nur fachlich viel lernt, sondern auch persönlich wächst. Macht euch diese Chance bewusst! Niemand erwartet, dass man vom ersten Tag an perfekt ist. Stellt Fragen und seid neugierig! Ihr selbst baut euch das Grundgerüst für euren beruflichen Werdegang.
Bei bestem Sommerwetter folgten rund 30 Teilnehmende der Einladung des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein (PSH) zur diesjährigen Betriebetour. Insbesondere Betriebsleiter aus ganz Schleswig-Holstein nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort über unterschiedliche Betriebsmodelle zu informieren und Erfahrungen auszutauschen.
Die Tour wurde von Miriam Engel-Zinßius aus der Geschäftsstelle des PSH sowie Dr. Christiane Müller, Tierschutzbeauftragte des PSH, begleitet. Sie führte zu drei unterschiedlich aufgestellten Pferdebetrieben, die eindrucksvoll die Vielfalt der Pferdehaltung im Land widerspiegeln.
Den Auftakt bildete der Evershof in Travemünde bei Lübeck. Betriebsleiter Jörn Evers und die zweite Vorsitzende des Reitvereins, Susanne Hahn, stellten das enge Zusammenspiel zwischen dem Pensionsbetrieb und dem angeschlossenen Reitverein Travemünde von 1925 vor. Beide Bereiche profitieren voneinander und arbeiten Hand in Hand. Die vorhandenen Auslaufflächen werden optimal genutzt, sodass die Pferde täglich möglichst viel Zeit im Freien verbringen können. Hervorgehoben wurden zudem die sehr guten Trainingsbedingungen sowie das große Serviceangebot, das maßgeblich auf ein engagiertes und zuverlässiges Mitarbeiterteam zurückzuführen ist.
Anschließend führte die Tour zum Hof Springbek in Wesenberg, Kreis Stormarn. Der in den 1960er Jahren errichtete Stall wurde bereits damals zukunftsorientiert geplant und im Laufe der Jahre kontinuierlich an aktuelle Anforderungen angepasst. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die schrittweise Weiterentwicklung und Modernisierung der gesamten Anlage. Besonders vorgestellt wurden die erst kürzlich neu angelegten Paddocks, die mit einer Drainage und pferdegerechten Heuraufen ausgestattet sind. Dadurch stehen den Pferden auch im Winter großzügige, matschfreie Ausläufe zur Verfügung. Dort werden sie tagsüber in Gruppen gehalten, nachts beziehen sie ihre Boxen.
Den Abschluss bildete der Bewegungsstall Butenhof in Lübeck. Der Betrieb entstand durch den Umbau ehemaliger Schweineställe und zeigt beispielhaft, wie bestehende landwirtschaftliche Gebäude erfolgreich für eine moderne Pferdehaltung umgenutzt werden können. Der Bewegungsstall kommt vollständig ohne technische Steuerungssysteme aus und bietet den Pferden dennoch vielfältige Bewegungs-, Fress- und Rückzugsmöglichkeiten. Die große, gemischte Herde ohne Geschlechtertrennung funktioniert dank ausreichendem Platz und einer durchdachten Ressourcenverteilung hervorragend und sorgte bei den Teilnehmenden für großes Interesse.
Neben den Betriebsbesichtigungen stand der intensive fachliche Austausch im Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem die Wirtschaftlichkeit verschiedener Betriebsformen, regionale Unterschiede von Preisstrukturen und Leistungsangeboten sowie die zukünftigen Anforderungen an Pferdebetriebe. Einigkeit bestand darüber, dass sich Investitionen zunehmend an den Bedürfnissen einer tiergerechten Haltung und den Erwartungen der Pferdehalter orientieren sollten. Auch Carla Brohme von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nahm an der Betriebetour teil. Sie informierte über das EIP-Projekt „Tiergerechtheit Pferd“. Außerdem stellte sie die ab November verfügbare kostenlose Checkliste zur betrieblichen Eigenkontrolle Pferde haltender Betriebe vor. Sie soll Betriebsleitern eine praxisnahe Unterstützung bei der Bewertung und Optimierung ihrer Haltungsbedingungen bieten.
Beim abschließenden gemeinsamen Grillen auf dem Butenhof wurde der fachliche Austausch in entspannter Atmosphäre fortgesetzt. Die positive Resonanz der Teilnehmenden zeigte einmal mehr, wie wertvoll der direkte Einblick in unterschiedliche Betriebskonzepte und der persönliche Erfahrungsaustausch für die Weiterentwicklung der Pferdehaltung in Schleswig-Holstein sind.
Kulturheidelbeeren gedeihen problemlos im eigenen Garten und überzeugen mit einer Ernte von 2 bis 4 kg pro Strauch. Dass die Früchte der Kulturheidelbeere nicht durchgefärbt sind, ist kein Nachteil: Die Marmelade wird trotzdem tiefblau.
Die im Handel angebotenen Sorten der Kulturheidelbeere stammen von nordamerikanischen Wildformen ab. Die Früchte sind größer und süßer als die unserer heimischen Waldheidelbeeren. Die Schale der Kulturheidelbeere ist blau, das innere Fruchtfleisch hingegen grünlich. Daher färben sich weder Lippen noch Finger blau. Die Wuchshöhe der Sträucher schwankt in Abhängigkeit von der Sorte. Die sogenannten Northern-High-Bush-Heidelbeeren wachsen 150 bis 180 cm hoch, sofern es sich dabei um stark wachsende Sorten wie ‚Patriot‘, ‚Bluecrop‘, ‚Reka‘ oder ‚Duke‘ handelt. Halbhohe Sorten wie ‚Bluesbrothers‘, ‚Putte‘ und ‚Emil‘ bilden Sträucher von etwa 1 m Höhe. Sie zeichnen sich durch einen buschigen und gut verzweigten Wuchs aus. Kompaktere Sorten wie ‚Lowberry‘ und ‚Hortblue Petite‘ hingegen eignen sich perfekt für den Kübel mit 15 bis 20 l Erdvolumen. Allerdings kommen sie nicht an den Ertrag der starkwüchsigeren Sorten heran. Tipp: Die einzelnen Sorten tragen etwa drei Wochen lang. Mit geschickter Sortenauswahl (siehe Auswahl unten) lässt sich die Erntezeit auf etwa zwei Monate ausdehnen.
Im Inneren zeigen die Kulturheidelbeeren eine grüne Farbe.Foto: Karin SternWer Heidelbeeren in einen großen, bodenlosen Baueimer in Rhododendronerde pflanzt, sorgt für perfekte Bodenverhältnisse. Foto: Karin Stern
Heidelbeeren bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit humosem, sandigem und vor allem saurem Boden mit einem pH-Wert um die 4. Diese Bedingungen sind eher selten anzutreffen, lassen sich jedoch mit einem Trick leicht herstellen. Dafür benötigt man Rhododendronerde und einen großen Baueimer oder Pflanztopf aus Kunststoff mit 20 l Inhalt, dessen Boden herausgeschnitten wird. Nach dem Ausheben der Pflanzgrube setzt man den Eimer wie eine Rhizomsperre in den Boden ein, sodass der Rand etwas über der Erdoberfläche liegt. Anschließend erfolgt die Pflanzung in saure Rhododendron- oder Moorbeeterde, die mit Nadelstreu oder Rindenmulch abgedeckt wird. Der Baueimer verhindert Einwaschungen von kalkhaltiger Erde. Dies ist wichtig, weil die Wurzeln der Heidelbeeren in einer Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen leben. Diese machen die Nährstoffe des Bodens für den Heidelbeerstrauch verfügbar. Bei einem zu hohen pH-Wert stirbt dieser Pilz ab, und die Pflanze kümmert in der Folge vor sich hin.
Wer alternativ lieber nur die Erde im Pflanzloch austauscht, sollte regelmäßig die Blätter inspizieren. Steigt der Kalkgehalt im Boden leicht an, zeigen sich schnell gelbe Blätter. Staunässe und verdichteten Boden vertragen die Sträucher nicht, zu trocken darf es aber auch nicht sein. Kalkgaben sind für Heidelbeeren tabu. Am besten sollte einmal jährlich der pH-Wert kontrolliert werden. Die Verwendung von Regenwasser und speziellem Dünger für Heidelbeeren trägt dazu bei, dass die Erde sauer bleibt.
Trotz des etwas höheren Preises sollte die Wahl beim Neukauf auf gut entwickelte, ältere Pflanzen fallen. Foto: Karin Stern
Im Container angebotene Pflanzen können vom Frühjahr bis zum Herbst gepflanzt werden. Dabei gibt man drei bis vier Jahre alten Sträuchern mit mehreren Trieben den Vorzug. Sie sind zwar etwas teurer als jüngere Pflanzen, kommen aber schneller in den Vollertrag. Dieser tritt im Alter von acht bis zehn Jahren ein. Obwohl die Pflanzen als selbstfruchtbar gelten, steigern zwei bis drei verschiedene Sorten den Ertrag. Die Sträucher benötigen einen Pflanzabstand von etwa 1,5 m.
Mit Beginn der Blüte ist auf eine gute Wasserversorgung zu achten. Andernfalls bleiben die Beeren klein oder können vorzeitig abfallen. Heidelbeeren müssen im Gegensatz zu anderen Beerensträuchern nicht unbedingt jedes Jahr geschnitten werden. Man nimmt frühestens nach vier Jahren ab und zu einen älteren Ast zugunsten eines jungen Basistriebs heraus. Die alten Triebe sind an der graubraunen, borkigen und leicht rissigen Rinde zu erkennen. Einzelne vergreiste Triebe können auch bodennah abgeschnitten werden.
Mal etwas ganz anderes sind rosafarbene Heidelbeeren, die fast ein wenig aussehen wie zu groß geratene Berberitzen. Die sogenannte Viermonatsheidelbeere ‚Lucky Berry‘ bringt von Juli bis Oktober immer wieder reife Früchte hervor. ‚Pink Lemonade‘ wächst maximal 150 cm hoch und bietet im August mittelgroße, leuchtend rosafarbene Beeren. Einen buchsbaumähnlichen Wuchs weist ‚Berry Bux‘ auf. Die schnittverträgliche Sorte passt in den Kübel und macht sich auch gut als niedrige Einfassungshecke mit blauen Früchten von Juli bis August.
Reifezeiten verschiedener Sorten (Auswahl)
ab Anfang Juli: ‚Earlyblue‘ ab Mitte Juli: ‚Duke‘, ‚Spartan‘ ab Ende Juli: ‚Blueray‘, ‚Patriot‘ ab Anfang August: ‚Goldtraube‘, ‚Bluecrop‘, ‚Brigitta Blue‘, ‚Rubel‘ ab Mitte August: ‚Darrow‘, ‚Elliott‘
Von der Blütenbildung bis zur Reife der Früchte achtet man auf eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit.Foto: Karin SternReife Heidelbeeren frisch vom Strauch schmecken unvergleichlich gut.Foto: Karin SternIm Herbst nimmt das Laub einen orange-gelben Farbton an.Foto: Karin Stern
Von den Marschböden im Sönke-Nissen-Koog bis an die Ostsee nach Futterkamp, von den Versuchsstationen in Barlt, Kastorf, Schuby und Loit bis zu den Teams für Mais, die zentrale Probenaufbereitung und das Team hinter dem Daten- und Auswertungssystem für das Feldversuchswesen: Die Versuchs- und Kompetenzstandorte der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein sind wichtige Zentren für angewandte Forschung, Innovation und Wissenstransfer.
An diesen Standorten werden neue Sorten, Anbauverfahren und zukunftsweisende Lösungen unter praxisnahen Bedingungen erprobt, bewertet und weiterentwickelt. Die gewonnenen Erkenntnisse bieten wichtige Orientierung für die Landwirtschaft im Wandel und unterstützen landwirtschaftliche Betriebe bei aktuellen und künftigen Herausforderungen.
In einer neuen achtteiligen Artikelserie stellt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ihre Versuchs- und Kompetenzstandorte vor. Die Beiträge geben Einblicke in die Arbeit vor Ort, stellen die beteiligten Fachleute vor und zeigen, welche Fragestellungen dort für die praktische Landwirtschaft bearbeitet werden.
Den Auftakt macht in dieser Ausgabe der Versuchsstandort Kastorf auf Seite 37.
Neun Bundesländer, mehr als 2.000 Teilnehmer und 613.945 mit Pferd zurückgelegte Kilometer, das ist die Bilanz des diesjährigen Cups der Bundesländer, einer Veranstaltung, die zugunsten der örtlichen Reit- und Fahrwege ins Leben gerufen wurde und bei immer mehr pferdebegeisterten Menschen Anklang findet. Alle diesjährigen Einzelsieger waren zum ersten Mal dabei.
Nachdem der Cup 2021 durch den Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein ins Leben gerufen wurde, haben sich immer mehr Bundesländer angeschlossen. „Für das kommende Jahr ist die Tendenz noch steigend“, erklärt Stacy Bradtke, eine der Initiatorinnen aus Schleswig-Holstein. Dank der unterschiedlichen Sparten der Reiter, Fahrer, Säumer und Kids ist für jeden etwas dabei. Ganz egal ob Einsteller, Selbstversorger oder Reitbeteiligung.
„Unsere Landkreise haben es in diesem Jahr besonders spannend gemacht“, berichtet Bradtke. Während in den vergangenen Jahren die führenden schleswig-holsteinischen Landkreise zur Mitte der Veranstaltung schon recht klar gewesen seien, habe es in diesem Jahr bis zum Schluss ein regelrechtes Kopf-an-Kopf-Rennen gegeben. Niemand wollte den anderen Landkreisen etwas schenken, denn die Siegerlandkreise nach Gesamt- und Durchschnittskilometern erhalten jeweils ein beachtliches Preisgeld. Finanziert wird das aus dem Überschuss der Teilnahmegebühr. Unabhängig davon, wie viele Kilometer man zurücklegt, tut man mit der Teilnahme am Cup also etwas Gutes.
Siege für Segeberg und Lauenburg
Am Ende konnte sich der Kreis Segeberg bei den Gesamtkilometern durchsetzen. Hier wurden 26.152 km zurückgelegt. Die Marke von 20.000 km knackten außerdem Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde auf den Plätzen zwei und drei. Im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden mit 307,84 km die meisten durchschnittlichen Kilometer gesammelt. Mit etwas Abstand folgten Nordfriesland und Segeberg. Insgesamt legten die Teilnehmer aus Schleswig-Holstein innerhalb der 17 Cupwochen 151.777 km zurück und holten sich damit den eindeutigen Sieg nach Gesamtkilometern im Cup der Bundesländer. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sammelten jeweils mehr als 80.000 km. In der Wertung nach Durchschnittskilometern siegte Baden-Württemberg mit 316,61 km vor Sachsen und Rheinland-Pfalz. Hier lag Schleswig-Holstein mit 224,52 km auf Rang acht.
Doch auch die einzelnen Teilnehmer aus dem Norden hatten die Chance auf einen Sieg. In allen Sparten werden die ersten drei Plätze mit den meisten Kilometern geehrt. Bei den Fahrern ist das Thomas Talis aus Leck, Kreis Nordfriesland. Er und sein Beifahrer waren zum ersten Mal dabei. Ein Fahrerkollege hatte vom Cup erzählt, und da Talis seine Welsh-B-Ponys „eh bewegen muss“, meldete er sich an. Ursprünglich waren 1.000 km angepeilt, doch dann kamen die ersten Rankings. „Wir waren von Anfang an vorn mit dabei, und dann packt einen schon irgendwann der Ehrgeiz“, erzählt der pensionierte Soldat.
Also wurden auch Gespanne ausgeliehen, Talis fuhr nach Niedersachsen und sammelte dort mit einem Kollegen Kilometer, fuhr ein-, zwei- und vierspännig, im Tandem und in der Troika. Etwa fünfmal die Woche war er unterwegs, manchmal fünf Stunden lang. „Mit dem Gespann kommen schnell 25 km zusammen“, berichtet er. Habe man erst einmal angespannt, sei es egal, ob man noch eine Extraschleife fahre.
Talis geht es neben dem Fahren an sich vor allem darum, wieder mehr Wege für seine Kutschen zu bekommen. „Mit Fahrwegen ist es nicht so toll bei uns. Wir dürfen zwar die Reitwege mitbenutzen, aber die reichen meist in der Breite nicht für einen Zweispänner“, erklärt er. In Brandenburg und Niedersachsen dürften die Kutschen auf jedem Waldweg fahren, wenn es nicht explizit verboten sei. Das ist in Schleswig-Holstein nicht so.
Fahren für mehr Rücksicht und Wege
Christine Börner (li.) gewann mit 2.500 km bei den Reitern. Ihre Freundin Christiane Doepner begleitete sie auf 300 km. Fotos: privat
Talis und sein Beifahrer sind daher meist auf öffentlichen Straßen unterwegs. Auch hier hat er ein großes Anliegen: Die Menschen aus seiner Umgebung seien sehr rücksichtsvoll gegenüber den Kutschen, aber die Touristen auf dem Weg nach Sylt hätten keine Erfahrung mit Pferden im Straßenverkehr. „Daran müsste gearbeitet werden“, macht er klar und wünscht sich, dass der Cup dabei hilft, dass mehr Rücksicht genommen wird und vielleicht auch einmal ein Förster entscheidet, dass in seinem Wald gefahren werden kann. „Wir müssen ins Gespräch kommen“, findet Talis. Dankbar ist er seinem Beifahrer. „Der will nicht ins Rampenlicht, aber ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Eine Kutsche oder Pferde kann ich überall kaufen. Beifahrer sind Mangelware“, so Talis, der seit 30 Jahren im Fahrsport unterwegs ist. Nun hofft er, dass er bei der offiziellen Preisverleihung in Bad Segeberg ein paar Gleichgesinnte trifft.
Christine Börner war ebenfalls zum ersten Mal dabei. Sie kam zwei Tage vor Beginn des Cups über Social Media auf die Idee mitzumachen. „Ich reite meistens allein aus. Im Cup reitet man gefühlt zusammen“, erklärt sie ihre Beweggründe. Schnell wurde ihr klar, dass man mit der Teilnahme auch zeigt, dass man etwas schaffen kann, wenn man beharrlich an einer Sache dranbleibt. „Ich wollte den Menschen Mut machen, dass man an etwas glauben und es umsetzen kann“, erklärt Börner, die erst vor ein paar Jahren von Hamburg nach Schönberg, Kreis Herzogtum Lauenburg, gezogen ist.
Intensiv die Jahreszeiten erleben
Ein schöner Nebeneffekt ist, dass sie jetzt viele Menschen aus ihrer Nachbarschaft kennt. „Ich war jeden Tag unterwegs, und wenn ich bei mir reite, muss ich immer erst durch unser Dorf“, erzählt sie.
Mit ihrem Ehemann betreibt sie eine Schule für Bogenschießen in Hamburg. Die vergangenen Monate hätten nur aus Arbeit und Reiten bestanden. Oft sei sie mehrmals am Tag mit dem Hund und einem Pferd zu Fuß aufgebrochen, aber auch im Sattel. Jetzt freuen sich die beiden Connemaraponys und ihre Besitzerin auf eine Sommerpause.
Bei den Säumern siegte Mascha Maleen Ihme aus Maasbüll, Kreis Schleswig-Flensburg.
Auf etwa 300 km der beachtlichen 2.500 km, die sie am Ende auf dem Zähler hatte, wurde Börner von ihrer Freundin Christiane Doepner begleitet. Diese hatte für den Cup ihren 30-jährigen Buddy wieder fit gemacht. Zusammen zogen die beiden die gesammelten Kilometer ihres Landkreises so weit hoch, dass Herzogtum Lauenburg an der Spitze der Durchschnittswertung landete.
Für Christine Börner waren die Cupwochen eine eindrucksvolle Zeit. „Man nimmt unglaublich intensiv die Jahreszeiten wahr, vor allem den Frühling. Und es ist eine tolle Gemeinschaftsaktion“, findet sie und plädiert ebenfalls dafür, Rücksicht aufeinander und vor allem auf Pferde im Straßenverkehr zu nehmen.
Wie Talis und Börner war auch Mascha Maleen Ihme zum ersten Mal dabei und gleich Siegerin bei den Säumern. Die angestellte Immobilienmaklerin lebt mit ihrer Familie auf einem Hof in Maasbüll, Kreis Schleswig-Flensburg. Dort stehen auch ihre Islandpferde und vier Einsteller. Im vergangenen Jahr ist eine neue Einstellerin dazugekommen, die beim Cup mitgemacht und die ganze Hofgemeinschaft „angesteckt“ hat.
Ihme sah in der Teilnahme eine gute Möglichkeit, ihre beiden Stuten zu trainieren. Die ältere war aufgrund von Hufproblemen nicht mehr in Form und die zweite, eine ehemalige Zuchtstute, noch nicht eingeritten. Jetzt sind beide Pferde fit, und ihre Besitzerin freut sich, dass sie mit ihrem „neuen Islandpferd“ mehr als sonst zu Fuß im Gelände unterwegs war. „Das war Auslauf für alle“, ist sich Ihme sicher.
Endlich einmal Zeit für sich haben
Bis zum letzten Tag sammelte die Mutter von drei Kindern fleißig Kilometer. Ihr Ziel von 700 km hat sie erreicht. „Ich hatte gar nicht vor, ganz oben zu landen“, sagt sie, denn durch die Kinder und den Hof habe sie wenig Zeit. „Mehr Kilometer wären nicht drin gewesen, stressen wollte ich mich nicht.“
Vor allem aber sei es schön gewesen, wieder einmal etwas für sich zu tun. Begleitet wurde sie dabei häufig von ihrer fünfjährigen Tochter, die dann auf einem der Pferde saß. „Ihr Highlight war, dass ich sie vom Kindergarten abgeholt habe“, berichtet die stolze Mutter. Im nächsten Jahr möchte Lilla bei den Kindern mitmachen.
Diese Wertung konnte in diesem Jahr Lejana Sophie Thiesen gewinnen. Die 13-Jährige reitet schon seit zehn Jahren und ging mit dem Shetlandpony Pumukel an den Start. Auch sie war zum ersten Mal dabei. Lejana lebt mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Norderfriedrichskoog, Kreis Nordfriesland, und führt auch schon die Gästekinder auf ihrem Pony. „Wir haben die Pferde direkt am Haus zu stehen, und Lejana liebt sie sehr, besonders die Isländer“, erzählt ihre Mutter Jessica Thiesen.
Die 13-jährige Lejana Sophie Thiesen hat den ersten Platz bei den Kindern errungen.
Gemeinsam mit ihren Freundinnen Annika und Ida macht Lejana gern Ausritte zum Smeerkrog, denn da gibt es eine kleine Selbstbedienungshütte, in der sie sich ein Eis kaufen können. „Mit den Ausritten und durch das Führen der Gästekinder sind schnell mehr als 670 km zusammengekommen, und alle haben die Nachmittage an der frischen Luft genossen“, berichtet Jessica Thiesen.
Zum Abschied nach den gemeinsamen Cupwochen sind die Veranstalter vom Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein „traurig, erleichtert und einfach sprachlos, im positiven Sinne“. Sie bedanken sich bei allen Teilnehmern „für das harmonische Miteinander, die positive Kommunikation, die Hilfestellungen, die neu entstandenen Freundschaften, spontane Treffen, dass ihr eure Kids bereits für das Gelände sensibilisiert, für eingerittene Pferde, Oldies und ehemals verletzte Pferde, die ihre Runden drehen durften, und für die, die den Cup zum Mutmachen und als Ansporn nutzten. Gemeinsam zeigen wir auf, wie wichtig vernünftige Wege im Gelände sind und wie gut Pferden ein Ausgleich neben Reithalle und Reitplatz tut.“
Der nächste Cup der Bundesländer ist schon geplant und wird Anfang 2027 starten. Die Ausschreibung wird voraussichtlich im Dezember 2026 veröffentlicht.
Die anmutige Wildgladiole ist eng mit unserer Gartengladiole verwandt. Mindestens ebenso attraktiv, punktet sie zudem mit Winterhärte und Robustheit. Der Rutenweiderich ist wiederum ein enger Verwandter des Blutweiderichs. Dieser ist häufig in der freien Natur an Bächen anzutreffen. Doch auch fürs Beet bietet der Handel attraktive Auslesen.
Wenden wir uns zunächst der Wildgladiole (Gladiolus communis ssp. byzantinus) zu, die teils auch als Byzantinische Siegwurz angeboten wird. Dank der schlanken Silhouette fügt sie sich auch verstreut gut in jedes Beet ein. Passende Nachbarn sind Frauenmantel (Alchemilla), Zierlauch (Allium), Schleierkraut (Gypsophila), Prachtkerzen (Gaura lindheimeri) und Dahlien (Dahlia). Außerdem kommt die Wildgladiole gut neben Gräsern mit feinen Rispenblüten zur Geltung. In der Gruppe aber ist die Wirkung zur Blütezeit unschlagbar imposant. Dann ragen über dem schwertförmigen Laub die kräftigen Stiele mit bis zu zehn purpurroten Einzelblüten hervor. Wer genügend davon im Garten vorfindet, darf gern einige für die Vase schneiden.
Die Wildgladiole kommt vor der Mauer perfekt zur Geltung.Blutweiderich wurde hier als Wegbegleiter eingesetzt.
Die Knollen der Wildgladiole kommen von September bis zum Ende des Herbstes in den Boden. Sie sollten nicht zu flach gepflanzt werden, eine Tiefe von 10 cm ist ideal. Ein sonniger bis halbschattiger Standort mit durchlässigem Gartenboden (weder zu feucht noch zu trocken) wird bevorzugt. Viel Aufmerksamkeit benötigen die wilden Schönheiten nicht. Gefällt ihnen der Standort, samen sie sogar aus und verbreiten sich im Garten. Die Wildgladiolen sind im Gegensatz zu den Gartengladiolen viel bescheidener im Hinblick auf den Nährstoffbedarf. Nur auf mageren Böden gibt man etwas Dünger. Winternässe führt manchmal zu Problemen, da die Knollen im Boden faulen können. Tipp: Die Kübelkultur klappt prima mit Drainageschicht am Boden des Topfes und einem durchlässigen Substrat.
Das warme Pfirsich-Rosa des Blut-Weiderichs ‚Blush‘ ist eine ganz besondere Blütenfarbe.Die weißen Blüten des Zierlauchs bilden einen angenehmen Kontrast zum Magentarot der Wildgladiole.
Der Blutweiderich (Lythrum salicaria) überragt mit seinen bis zu 120 cm hohen Stielen so manchen seiner Nachbarn am Teichrand oder im Wildstaudenbeet mit feuchtem Boden. Er kann sogar einige Zentimeter tief im Wasser stehen, kommt aber auch noch auf frischem bis feuchtem Boden zurecht. Der Handel bietet vitale und dekorative Sorten wie ‚Robert‘, ‚Zigeunerblut‘ oder ‚Stichflamme‘. Die dunkelrosafarbenen Blütenkerzen leuchten von Juli bis September auf. Ein Standort in der Sonne oder maximal im Halbschatten ist genau richtig. Wer die reichliche Selbstaussaat nach der Blüte verhindern möchte, schneidet Verblühtes rechtzeitig aus. Für Hummeln, Bienen und andere Nützlinge ist der Blutweiderich fast schon unverzichtbar. Der ährige Blütenstand besteht aus bis zu 100 Einzelblüten. Sie öffnen sich über Wochen hin von unten nach oben.
Die Blüten der Wildgladiole machen sich auch gut in der Vase.Die großzügige Gruppenpflanzung verfehlt nicht ihre Wirkung.
Für mehr Abwechslung sorgen die zierlicheren und stärker verzweigten Auslesen des Rutenweiderichs (Lythrum virgatum). Wie der Blutweiderich liebt auch diese Art feuchten und nährstoffreichen Boden. Allerdings kommt so manche Auslese auch prima in der Staudenrabatte zur Geltung, da ihr zeitweilige Trockenheit kaum zu schaffen macht. Auch der Rutenweiderich sollte nach der Blüte zurückgeschnitten werden, sofern die Selbstaussaat unerwünscht ist.
Der Blutweiderich ist ein toller Begleiter für Ramblerrosen.In natürlich gestaltete Bereiche passt Blutweiderich gut.
Für die Wahl der Pflanzpartner setzt man am besten auf Gegensätze. Zu den schlanken Lythrum passen daher die korbartigen Blüten von Astern (Aster), Margeriten (Leucanthemum) oder der Indianernessel (Monarda). Aber auch die Wieseniris (Iris sibirica) oder die Jakobsleiter (Polemonium caeruleum) machen sich gut in der Nachbarschaft. Fantastisch wirkt die Gemeinschaft mit Doldenblütlern wie der Großen Engelwurz (Angelica gigas) und der Himalaya-Silge (Cortia wallichiana).
‚Zigeunerblut‘ punktet mit intensiv gefärbten Blütenkerzen, die gern von Insekten besucht werden.Am Wasserrand fühlt sich Blutweiderich pudelwohl. Im Vordergrund farblich abgestimmte Prachtspiere
Der Blutweiderich ist in vielen Apothekergärten zu finden. Die vielseitige Heilpflanze enthält adstringierende und antibakterielle Gerbstoffe. Als Hausmittel wurden früher Waschungen oder Umschläge zur Behandlung von Ekzemen gemacht. Mit Tee aus den getrockneten Blüten kann man bei Halsschmerzen und Entzündungen im Mund gurgeln.
Marienkäfermohn, Wildgladiole, Sternkugellauch und Edeldistel in einträchtiger GemeinschaftIm feuchten Wiesenbeet locken Mädesüß und verschiedene Sorten des Blutweiderichs viele Insekten an.
Empfehlenswerte Sorten des Blutweiderichs (Auswahl):
‚Stichflamme‘ (Lythrum salicaria): sehr standfest und vital, rosarote Blüten von Juni bis August, 90 bis 110 cm hoch für Teichrand und Beet
‚JS Pink Tails‘ (Lythrum salicaria): sehr schlanke, hellrosafarbene Blütenrispen, 80 bis 90 cm hoch
‚White Swirl‘ (Lythrum virgatum): reinweiße Blüten und sehr schmales Laub, 70 bis 80 cm hoch, filigrane Blütenschleier für feuchte Standorte
‚Helene‘ (Lythrum virgatum): rosafarbene, verzweigte Blütenstände von Juli bis September, 80 cm hoch, verträgt auch zeitweilige Trockenheit
Blutweiderich wächst zu einer eindrucksvollen Staude heran, die sich prima für den Hintergrund eignet.In der Gruppenpflanzung wirken Wildgladiolen gleich noch einmal so schön.Wer die Selbstaussaat des Blutweiderichs verhindern möchte, schneidet Verblühtes gleich zurück.Auch eingestreute Wildgladiolen verfehlen nicht ihre Wirkung.