Start Blog

Empfang am Schleswig-Holstein-Stand der Grünen Woche

0

Am ersten Sonntag der Grünen Woche folgten rund 100 Vertreter aus Land- und Ernährungswirtschaft, Lebensmitteleinzelhandel und Politik der Einladung von Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) zu einem Austausch am neuen Schleswig-Holstein-Stand auf der Grünen Woche.

Anschließend besuchte die Ministerin gemeinsam mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) beim Rundgang die zahlreichen Ausstellerinnen und Aussteller.

Dem Motto des Empfangs „Butter bei die Fische“ wurden Ministerin Schmachtenberg und Ministerpräsident Günther bereits bei der Begrüßung gerecht. Beide freuten sich über die Rückkehr des Landes in die Berliner Messehallen und kündigten eine erneute Präsenz Schleswig-Holsteins auf der Grünen Woche 2027 an.

Henning Bannick ist einer der zwölf Direktvermarkter, die in wechselnder Besetzung ihre Produkte an den Marktständen auf den Flächen des Gütezeichens Schleswig-Holstein und bei Gutes vom Hof.SH vorstellen. Foto: Eckhard Voß

Vor allem aus finanziellen Gründen war seit 2020 auf einen Auftritt in Berlin verzichtet worden. Die ursprüngliche Präsentation mit den Hummerbuden und großen Wandabhängungen war nach langjähriger Nutzung im Anschluss an die Corona-Zeit nicht mehr einsetzbar. Das Land zeigt sich aktuell mit einem neuen kompakten und ökonomischen Auftritt in der Halle 5.2. Prägendes Element sind die mobilen und wertigen Marktstände des Landwirtschaftsministeriums, die auf zahlreichen Messen wie der Norla in Rendsburg oder der NordGastro in Husum eingesetzt werden. So ergibt sich auf den verschiedensten Veranstaltungen eine einheitliche und nachhaltige Präsentation der jeweiligen heimischen Akteure. Auch die Sitzgelegenheiten am Schleswig-Holstein-Stand haben sich bereits an anderer Stelle bewährt: Die massiven Holzbänke und -tische bieten seit einigen Jahren den Norla-Besuchern auf der Fläche des Ministeriums im Anschluss an die Halle der Landwirtschaftskammer Platz. Die etwas filigraneren Gartenstühle und -tische stammen noch von der „Pier“ aus der früheren Schleswig-Holstein-Halle 22a und bieten den diesjährigen Messebesuchern bis zum 25. Januar die Möglichkeit, in Schleswig-Holstein zu verweilen und regionale Spezialitäten zu genießen.

Ziel des Empfanges war es auch, weitere Akteure für die Grüne Woche 2027 zu gewinnen. Aktuell präsentiert sich das Land auf etwa 300 m2 während der zehntägigen Messelaufzeit mit über 15 Betrieben und Organisationen. Eine Vergrößerung der Standfläche im nächsten Jahr ist zu realisieren, wenn weitere Akteure aus Schleswig-Holstein die Präsentation durch eigene Beteiligung stärken. Nahezu alle diesjährigen Aussteller haben bereits großes Interesse an einer erneuten Flächenbuchung gezeigt. Im Verlauf des Empfangs wurden bereits zahlreiche Ideen für 2027 gesammelt. Die Weichen für die Umsetzung sind gestellt. Jetzt liegt es auch den schleswig-holsteinischen Firmen und Betrieben, gemeinsam für einen erfolgreichen Ausbau des Schleswig-Holstein-Auftrittes auf der Grünen Woche 2027 zu sorgen.

Nachwuchshoffnung im Dressursattel

0

Seit vielen Jahren ist der Reitsport weiblich geprägt. Vor allem im Dressursport sind kaum Jungen zu finden. Doch es gibt sie, so zum Beispiel in Wesselburenerkoog, Kreis Dithmarschen. Dort lebt und trainiert Tjore Schmielau, und das sehr erfolgreich.

Katrin und Carsten Schmielau betreiben einen Reiterhof. Von ihren vier Söhnen reitet aber nur einer: Tjore. „Die beiden größeren sind auch eine Zeit lang geritten, aber nicht dabeigeblieben“, ​berichtet Carsten Schmielau. Nur der heute 16-jährige Tjore wollte schon als kleiner Junge immer aufs Pferd. Mit Kleiner Donner, einem Lewitzer Scheckpony, gewann er die ersten Führzügel- und Reiterwettbewerbe.

So richtig los ging es dann 2022, als er 13 Jahre alt war. Auf Tjores Konto gingen in dem Jahr mehrere Siege in Klasse L mit Bellentimes, einem damals zwölfjährigen Hannoveraner, in Klasse A mit den fünf- und siebenjährigen Deutschen Reitponys Genial und Coop, sowie diverse gute Platzierungen mit den drei Pferden. Er wurde Kreismeister und Landeschampion. Von da an sammelte der Schüler Erfolge: Sieg im Kuschel Cup, Nominierung für die Deutschen Jugendmeisterschaften, gute Platzierungen bei den Future Champions in Hagen und beim Preis der Besten sowie den Landesmeistertitel bei den Children 2023. Damals war auch Carsten Schmielau vor Ort. „Eigentlich fährt ja immer die Mutti mit“, erklärt der Vater. Zum Landesturnier ist er ebenfalls mitgekommen und war schwer beeindruckt: „So eine coole Socke, da auf dem Championat. Er hat die Ponys gewechselt, ist da hineingeritten und, bum, hat er gewonnen.“

Ein Jahr später wurde Tjore zum Ponyderby eingeladen. „Die Kulisse und die Atmosphäre im Stadion waren schon sehr beeindruckend“, erinnert sich Tjore. Ganz zufrieden war er mit seinem sechsten Platz nicht, aber er saß noch nicht lange im Sattel von Oceans Eleven.

Lehrgänge für Jungen in Warendorf

In dem Jahr war er auch erfolgreich im Sattel von Großpferden. Mit Bellentimes und Glen Carlou startete Tjore bis zur Klasse M. In Hohenlockstedt, Kreis Steinburg, belegte er die Plätze eins und zwei. „Das war eine meiner ersten Prüfungen mit Glen, und ich wollte eigentlich nur eine Platzierung erreichen, um meine Leistungsklasse zu behalten“, erzählt Tjore. Den zwölfjährigen Hannoveraner reitet er seit eineinhalb Jahren. Seine Besitzerin hat Zuchtstuten bei Familie Schmielau zu stehen und wollte Tjore fördern, indem sie ihm den Wallach zur Verfügung stellte. „Er ist eine liebe, treue und ruhige Seele und ein richtiger Lehrmeister für mich“, sagt Tjore.

Dem Nachwuchsdressurreiter stehen verschiedene Pferde zur Verfügung. Eins davon ist Glen Carlou. Foto: privat

Mit Glen Carlou holte er im vergangenen Jahr seine erste S-Platzierung. Am Morgen davor wusste er noch nicht einmal, dass er in der Prüfung reiten würde. „Ich war mit mehreren Pferden in Dingerdonn und die Veranstalter sprachen mich nach der M-Dressur darauf an, dass sie noch Plätze in Klasse S hätten“, erinnert sich der Gymnasiast. Schnell guckte er sich die Aufgabe an und kam gleich auf den vierten Platz.

Ein weiterer Erfolg war die Platzierung von SumSum Supergirl bei den Bundeschampionaten. „Wir sind haarscharf am großen Finale vorbeigeschrammt“, berichtet er. Mit der fünfjährigen Deutschen Reitponystute ergatterte Tjore außerdem die Silbermedaille beim Championat der Dressurponys in Schleswig-Holstein. Sie ist das letzte Pony, mit dem er unterwegs war. Eigentlich wollte er vorher schon aufhören, denn mit 1,80 m fühlte er sich zu groß. Doch als er gebeten wurde, die Stute noch vorzustellen, sagte er zu.

Zum vierten Mal wurde Tjore im vergangenen Dezember nach Warendorf zum bundesweiten Lehrgang „Jungs ins Viereck“ eingeladen. Initiiert von der Stiftung Deutscher Pferdesport und gefördert durch Wolfgang Schmitz-Heinen steht der Lehrgang ganz im Zeichen individueller Förderung und gemeinsamer Weiterentwicklung. „Ich bin seit Beginn immer bei diesem Lehrgang gewesen. Das war auch mein Start in die höheren Touren“, erklärt Tjore. „Nach einer Stunde beim Bundestrainer sagte er zu meiner Mutter, ich solle doch einmal die Sichtungen reiten. So fing das alles an.“

Nachwuchspferde stehen bereit

Im Mittelpunkt der Lehrgänge stehen Trainingseinheiten unter der Leitung der Bundestrainer Caroline Roost und Hans-Heinrich Meyer zu Strohen. Im jüngsten Durchgang absolvierten die Jungen zudem ein Aufgabenreiten, das von Klaus Ridder, ehemaliger Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Westfalen und international erfahrener Dressurrichter, bewertet wurde. Anschließend erhielten sie eine ausführliche Kommentierung ihrer Ritte inklusive eines Videomitschnitts. „Das ist wirklich sehr hilfreich“, findet Tjore.

Die Lehrgänge empfindet er als Bereicherung für das Training zu Hause. Ein weiterer guter Effekt sei es, die anderen Jungen dort zu treffen. „Wir kommen von überall und sehen uns nicht so oft“, erklärt Tjore. Im Alltag trainiert er mit seiner Mutter, dazu je einmal die Woche bei Katrin Haase im Reitstall Laabs sowie bei Jochen Honold.

Nach Warendorf begleitete ihn wieder seine Mutter Katrin Schmielau. Sie war es auch, die die Pferde in die Familie brachte. Als gelernte Bereiterin ist sie selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Gemeinsam mit ihrem Sohn bildet sie aber vor allem die Jungpferde aus der familieneigenen Zucht aus.

Tjore sattelt jeden Tag mindestens ein Pferd, manchmal zwei und in den Ferien auch einmal vier. In enger Absprache mit seiner Mutter werden die Pferde schonend ausgebildet. Neben Bellentimes und Glen Carlou sind da noch Van Grande, ein selbst gezogener Wallach von Vitalis, sowie Dante Grande, eine fünfjährige Stute von Dante Weltino, die unter Katrin Schmielau im vergangenen Jahr erste Platzierungen holte.

Tjore will jetzt weiter die Juniorentour reiten, würde sich gern bei der Landesmeisterschaft beweisen und die Nachzuchten gut auf Turnieren vorstellen. Außerdem möchte er sich mit Glen Carlou weiter auf S-Niveau festigen und Van Grande auf M-Niveau sicher machen. Die Ziele sind also gesteckt.

Schön zu jeder Jahreszeit

0

Attraktive Gärten haben rund ums Jahr etwas fürs Auge zu bieten. Denn mit einer geschickten Pflanzenauswahl lassen sich zu jeder Jahreszeit typische Akzente setzen. Während Blütenpflanzen Farbe in den Garten bringen, sorgen in der blütenarmen Zeit Gehölze mit markanten Wuchsformen, attraktivem Laub, bunten Früchten oder farbiger Rinde für eindrucksvolle Blickfänge.

Die gelben Narzissen im Tuff wirken neben der Sternmagnolie außerordentlich farbstark. Foto: Karin Stern

Im Frühling ist die Lust auf Farbe besonders groß. So richtig bunt wird es mit Zwiebelblumen. Die geschickte Kombination früher, mittelfrüher und spät blühender Tulpen und Narzissen – kombiniert mit Hyazinthen sowie Zierlauch – lässt das komplette Frühjahr in frischen Farben aufleuchten. Tipp: die verschiedenen Sorten nicht vermischen, sondern für einzelne Akzente in größeren Tuffs pflanzen. Als frühjahrsblühende Begleiter bieten sich Zweijährige wie Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica), Hornveilchen (Viola) oder Tausendschön (Bellis perennis) an. Auch die Frühblüher unter den Stauden wie Primeln (Primula) oder Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) passen prima dazu. Schon von Weitem sichtbar ist im Frühjahr die Baum- und Strauchblüte. Im März ziehen Forsythie (Forsythia x intermedia), Zierquitte (Chaenomeles) und Stern-Magnolie (Magnolia stellata) mit ihrem üppigen Flor den Blick auf sich. Richtig bunt wird es anschließend mit Zier-Pflaumen, -Äpfeln und -Kirschen, die im April geradezu verschwenderisch aufblühen. Die relativ blütenarme Zeit zwischen den Frühjahrsstauden und den Frühsommerstauden kann man am besten mit Pfingstrosen (Paeonia) und Glockenblumen (Campanula) schließen. Auch bei diesen beiden Klassikern lässt sich der Flor ganz unkompliziert über die Wahl unterschiedlicher Sorten geschickt verlängern.

Gelbblühende Forsythien und die Sternmagnolie im Hintergrund bringen Farbe ins Frühjahr. Foto: Karin Stern
Prächtiger Rittersporn als auffälliger Hingucker. Foto: Karin Stern

Kaum zu übertreffen ist die Blütenfülle eines hochsommerlichen Staudenbeetes mit Rittersporn (Delphinium), Gelber Wiesenraute (Thalictrum flavum), Brennender Liebe (Lychnis chalcedonica), Schafgarbe (Achillea) und Katzenminze (Nepeta). Doch Fingerspitzengefühl ist durchaus angesagt, denn auch wenn Rosen, Stauden, Sommerblumen, Kletterpflanzen und Blütensträucher nun in voller Pracht daherkommen, bleibt es bei dem Grundsatz: Weniger ist manchmal mehr. Eine prächtige Blütenstaude kommt vor einem ruhigen Hecken-Hintergrund besser zur Geltung als vor einem gleichzeitig blühenden Strauch. Umgekehrt empfiehlt es sich, vor Hortensien (Hydrangea), Gartenhibiskus (Hibiscus syriacus) oder Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) besser Frühjahrsstauden zu pflanzen. Sie sind verblüht, wenn die Gehölze ihren großen Auftritt hinlegen. Unter den Rosen finden sich Bodendecker ebenso wie Edel-, Strauch-, Kletter- oder Ramblerrosen. Duftende Exemplare pflanzt man am besten entlang viel genutzter Wege oder dort, wo sich die Familie im Sommer häufig aufhält. Auch großblumige Clematis-Hybriden wie ‚Niobe‘, ‚Nelly Moser‘, ‚Ville de Lyon‘, ‚Jackmanii‘ oder ‚Piilu‘ setzen beeindruckende sommerliche Akzente.

Großblumige Clematis setzen im Sommer beeindruckende Akzente. Foto: Karin Stern
Eindrucksvolle Laubfärbung sorgt für einen spektakulären Herbst. Foto: Karin Stern

Der Herbst ist die Jahreszeit der warmen Farben. Immer noch leuchten Staudenbeete mit Sonnenhut, Prachtspiere oder Phlox. Sie geben ab September die Bühne frei für Herbst-Astern (Aster ageratoides, A. divaricatus, A. dumosus, A. ericoides, A. novae-angliae, A. novi-belgii), Chrysanthemen (Chrysanthemum) und Hohe Fetthenne (Sedum). Ziergräser haben im Herbst ebenfalls ihren großen Auftritt. Sie kommen als Partner von Stauden oder auch als Solitär nun gut zur Geltung. Die entfalteten Grannen von Chinaschilf (Miscanthus), Pfeifengras (Molina), Lampenputzergras (Pennisetum) und Federgras (Stipa) bringen luftig-leichten Charme ins Beet. Schöner Nebeneffekt: Die vertrockneten Horste bleiben bis weit in den Winter hinein attraktiv und verleihen dem Garten Struktur. Auch Gehölze mit attraktiven Früchten wie Schönfrucht (Callicarpa), Zier-Apfel (Malus) und Schneeball (Viburnum opulus) laufen jetzt zur Hochform auf. Das Herbstlaub sommergrüner Gehölze sorgt zudem für eine stimmungsvolle Kulisse. Felsenbirne (Amelanchier), Zaubernuss (Hamamelis), Hartriegel (Cornus), Amberbaum (Liquidambar) und einige Arten und Sorten des Ahorns (Acer) imponieren hier besonders.

Von Ende November bis in den Januar hinein bezaubern die Christrosen. Foto: Karin Stern

Im Winter spielen vor allem markante Formen eine wichtige Rolle in der Gartengestaltung, da nur wenige Pflanzen für einzelne Farbtupfer sorgen. Immergrüne kommen auch unter Raureif und Schnee gut zur Geltung. Dabei kann man sehr schön mit verschiedenen Wuchsformen spielen wie säulenförmigen Eiben (Taxus), kugelförmig geschnittenen Stechpalmen (Ilex) oder Hängeformen wie denen der Fichte ‚Pendula‘ (Picea omorika) oder der Mähnen-Nutkazypresse ‚Pendula‘ (Chamaecyparis nootkatensis). Farbe bringen auch die leuchtend roten Rinden des Sibirischen Hartriegels ‚Sibirica‘ oder ‚Baton Rouge‘ (Cornus alba) ins Spiel. Gelbholz-Hartriegel ‚Flaviramea‘ (Cornus sericea) hingegen punktet mit einer auffälligen grüngelben Rindenfärbung. Mit wunderbaren Winterblüten ziehen Christrosen (Helleborus niger) und Sträucher wie Winter-Schneeball (Viburnum bodnantense), Zaubernuss (Hamamelis) und Winter-Jasmin (Jasminum nudiflorum) die Aufmerksamkeit auf sich.

Der Kitt, der das Dorfgefüge wieder zusammenführt

0

„Früher war alles besser“, wer kennt diesen Ausspruch meist älterer Mitmenschen nicht? Nicht alles war besser, aber vieles war anders, besonders im ländlichen Raum und in den Dörfern. Das Dorfleben war geprägt vom familiären Zusammenleben und von Zusammenhalt, von einer aktiven Gemeinschaft, ehrenamtlichem Engagement und davon, füreinander da zu sein.

Zumindest in fast jedem größeren Dorf gab es Einkaufsmöglichkeiten in kleinen Läden, Schlachtereien, Gasthöfe, Bäcker, Post, Kindergärten, Schulen, Handwerksbetriebe, Arztpraxen – Einrichtungen, die eine Versorgung mit den wichtigsten Dingen des Lebens gewährleisteten und Treffpunkte für einen Austausch und geselliges Beisammensein boten. Ehrenamt war Ehrensache – Freiwillige Feuerwehren, Gemeinderäte und Vereine hatten keine Nachwuchssorgen und förderten ebenfalls ein gesellschaftliches Miteinander. Gleichzeitig gestalteten sie das Dorf und die Gemeinschaft.

Der demografische wie auch der gesellschaftliche Wandel haben diese einstigen Dorfgefüge aufgebrochen, verändert und zu neuen Strukturen angeordnet, nicht immer unbedingt zum Besseren. Die aktuellen Probleme sind bekannt – Betriebe geben auf, Gasthöfe und Läden schließen, Dienstleister und Nahversorger ziehen sich aus den Dörfern zurück, zentralisieren ihre Leistungen oder verlagern sie komplett ins Internet. Für Ehrenamt und Vereinskultur bleibt nur noch wenig Zeit, sich langfristig an Aufgaben oder Posten binden will oder kann kaum noch jemand. Gleichwohl ist die Bereitschaft, zu helfen oder sich zu engagieren, nach wie vor vorhanden. Familiäre Strukturen haben sich ebenfalls stark verändert. Das Wegbrechen der Angebote, der Nahversorgung, der sozialen Treffpunkte, der Anbindungen durch Bus und Bahn wirkt sich nachteilig auf Dorfgemeinschaften und das Miteinander aus. Besonders ältere Menschen geraten durch diese Veränderungen ins Hintertreffen. Die Vereinsamung nimmt zu. Das bestätigt eine vom schleswig-holsteinischen Sozialministerium veröffentlichte Studie des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität zu Lübeck aus dem vergangenen Jahr, wonach sich rund 33 % der älteren Menschen in Schleswig-Holstein einsam fühlen.

Hier setzen Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer an (siehe Seiten 54 bis 56). Sie können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, aber: „Sie schließen eine entstehende Versorgungslücke, indem sie Sorge- und Fürsorgearbeit koordinieren oder selbst übernehmen. Als verbindliche Anlaufstelle für Bürger stärken sie soziale Teilhabe, organisieren Unterstützung und bringen Menschen wieder zusammen. Je nach Schwerpunkt gestalten sie das Dorfleben integrativer, sichern alltägliche Versorgung und fördern Gemeinschaft. Damit leisten Dorfkümmerer nicht nur einen wichtigen Beitrag gegen Vereinsamung, sondern stärken auch Vertrauen in kommunale Strukturen und wirken demokratiefördernd“, erläutert Anne Jessen von der Koordinierungsstelle Dorfkümmerer-und-Dorfkümmerinnen-Netzwerk Schleswig-Holstein bei der Akademie für die ländlichen Räume Schleswig-Holsteins. Sie sind der Kitt, der das aufgebrochene Dorfgefüge wieder zusammenführt.

Sie übernehmen Aufaben, für die eigentlich die Politik zuständig wäre, die sie aber gern an Multiplikatoren wie die Dorfkümmerer und andere Engagierte abtritt. Immerhin wird das Engagement finanziell und ideell vom Land gefördert. Dass die Kümmerer als neue Form der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum gebraucht werden, zeigen die steigende Nachfrage und die wachsende Zahl der Stellen in den Gemeinden. Das Bauernblatt möchte die Arbeit der Dorfkümmerer im Land mit einer Serie würdigen und exemplarisch einige von ihnen und ihre Aufgabenbereiche vorstellen. Diese Art der Sorgearbeit verdient eine angemessene gesellschaftliche Anerkennung.

Iris Jaeger
Foto: bb

Dorfkümmerer als neue Form der Daseinsvorsorge

0

Seit Juni 2025 ist Anne Jessen bei der Akademie für die ländlichen Räume (ALR) als Ansprechpartnerin für die Koordinierungsstelle Dorfkümmerer Schleswig-Holstein zuständig. Im Interview mit dem Bauernblatt erklärt sie, was es mit dem Netzwerk auf sich hat, was ihre Aufgaben sind und warum Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer so wichtig sind.

Wie ist seinerzeit das Netzwerk entstanden?

Zunächst muss man sagen, dass die Idee einer Dorfkümmerin oder eines Dorfkümmerers keine neue ist, sondern eher eine jahrhundertealte. Historisch gesehen gab es hierzulande die sogenannten Gemeindeschwestern, die sich in ihren Dörfern um die Bürgerinnen und Bürger gekümmert haben. Die heutigen Dorfkümmerer und Dorfkümmerinnen sind eine moderne Form davon, die aufgrund aktueller gesellschaftlicher und demografischer Entwicklungen wieder an Relevanz gewonnen hat. In den Kommunen fehlt häufig jemand, der sich um Alltagsbelange kümmert, Verbindungen schafft und das gemeinschaftliche Leben stärkt. Das wird vor dem Hintergrund, dass die Menschen immer älter werden, unser Leben immer schnelllebiger, digitaler und individueller, zunehmend ein Problem – insbesondere auf dem Land, wo es häufiger an Infrastruktur und Angeboten mangelt. Vor diesem Hintergrund haben sich Gemeinden und Bürger in Schleswig-Holstein eigeninitiativ auf den Weg gemacht, dieser Entwicklung entgegenzutreten und das Netzwerk Dorfkümmerer etabliert. Das finde ich auch so schön daran – es hat niemand „von oben“ entschieden, dass diese Funktion eingeführt werden soll.

Die Akademie für die ländlichen Räume hat dieses Netzwerk von Anfang an begleitet und eine Koordinierungsstelle für die Dorfkümmerer eingerichtet. Wann war das und was war der Anlass?

2019 ist die Akademie für die ländlichen Räume auf die ersten Dorfkümmerer in Schleswig-Holstein aufmerksam geworden und hatte gleich die Vermutung, dass sich hier ein größerer und längerfristiger gesellschaftlicher Veränderungsprozess widerspiegelt. Als Interessenvertreterin und Projektträgerin für ländliche Räume sah es die ALR als ihre Aufgabe an, diese Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und im ersten Schritt herauszufinden, wie man die Kümmerer und ihre Gemeinden unterstützen kann. Bei einem ersten landesweiten Treffen im März 2019 hat die ALR alle bis dahin bekannten Dorfkümmerer zusammengebracht und damit den Grundstein für das Netzwerk gelegt. In den Folgejahren realisierten wir einmal jährlich solche ganztägigen Netzwerktreffen. Wir sind deshalb froh, dass wir im Jahr 2025 als Partnerin der Engagementstrategie Schleswig-Holsteins durch eine Förderung des Sozialministeriums eine landesweite Koordinierungsstelle für das Netzwerk Dorfkümmerinnen, Dorfkümmerer Schleswig-Holstein aufbauen konnten.

Dorfkümmerer-Netzwerk-Koordinatorin bei der ALR, Anne Jessen
Foto: ALR

Wird das Land dieses Netzwerk auch weiterhin fördern?

Die Landesregierung hat deutlich signalisiert, dass ihr die Unterstützung der Dorfkümmerer wie auch die Förderung von ehrenamtlichem Engagement im ländlichen Raum ein besonderes Anliegen sind. Und dies ist kein reines Lippenbekenntnis, denn es spiegelt sich unter anderem auch in den jüngsten Beschlüssen zum Landeshaushalt  2026 wider – in dem sowohl die Ehrenamtsstrategie fortgeschrieben wurde als auch die Koordinierungsstelle der ALR Erwähnung findet. Die Bedeutung der Arbeit der Dorfkümmerer hier im Land wird auch durch eine vom schleswig-holsteinischen Sozialministerium beauftragte Studie zum Thema Einsamkeit unterstrichen. Die im November 2025 veröffentlichte Studie zeigt herausfordernde gesellschaftliche Entwicklungen auf und verweist im Bereich der Handlungsempfehlungen ausdrücklich auf die Dorfkümmerer als einen wertvollen Ansatz im ländlichen Raum, den es zu unterstützen und auszubauen gilt.

Was genau sind Ihre Aufgaben als Koordinatorin und wie sind Sie zu dem Netzwerk gekommen?

Nach Abschluss meines Studiums in Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften bin ich Anfang 2025 zurück in meine Heimatregion nach Kiel gezogen und habe mich nach einem passenden Job umgeschaut. Als ich auf die Stellenausschreibung der ALR für die Koordinierungsstelle des Netzwerks aufmerksam wurde, war ich direkt begeistert. Selbst vom Dorf kommend bin ich auch persönlich sehr interessiert daran, das Leben auf dem Land für alle Generationen attraktiv zu gestalten und zukunftsfähig aufzustellen. Entsprechend habe ich mich sehr gefreut, diese Aufgabe im Juni 2025 übernehmen zu dürfen. Als Koordinierungsstelle fungiere ich zunächst als feste, verbindliche Anlaufstelle für aktive Kümmerer und Kümmerinnen sowie für interessierte Gemeinden. Darüber hinaus ist es meine Aufgabe, die Vernetzung der wichtigen Akteure auf Landes- sowie regionaler Ebene zu stärken, ein Fortbildungsangebot für aktive Kümmerer zu erstellen sowie durch Öffentlichkeitsarbeit das Netzwerk sichtbarer zu machen. Auch betreue ich die von uns 2025 entwickelte Internetseite www.dorfkuemmerer-sh.de

Dort findet man wertvolle Informationen zum Thema und unter anderem auch eine Übersicht aller schleswig-holsteinischen Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer.

Warum sind Dorfkümmerer so wichtig?

Viele Gemeinden wünschen sich wieder eine lebendige Dorfgemeinschaft, stoßen dabei aber an strukturelle Grenzen. Gerade im ländlichen Raum brechen zunehmend Angebote weg – Mobilität, niedrigschwellige Versorgung oder soziale Treffpunkte. Was früher oft informell, familiär oder ehrenamtlich aufgefangen wurde, funktioniert heute immer weniger. Dafür gibt es mehrere Gründe: Der Anteil älterer Menschen steigt deutlich, und dieser Trend wird sich weiter verstärken. Gleichzeitig führen Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel dazu, dass viele, insbesondere ältere Menschen zunehmend abgehängt werden. Auch Familienstrukturen haben sich verändert, Angehörige leben häufig weit entfernt, Pflege und Unterstützung finden nicht mehr selbstverständlich im direkten Umfeld statt. Zwar ziehen auch junge Familien wieder auf das Land, doch durch Pendeln und Doppelbelastungen ist das Dorf oft nicht mehr ihr sozialer Lebensmittelpunkt. Auch das Ehrenamt hat sich gewandelt: Die grundsätzliche Bereitschaft zu helfen ist nach wie vor vorhanden, doch langfristige, verbindliche Funktionen werden seltener übernommen. Engagement ist heute häufig kurzfristig, projektbezogen und weniger koordinierend. Dadurch fehlen zunehmend feste Ansprechpartner, die das Miteinander im Dorf verlässlich gestalten. Die Folge: Dorfgemeinschaften schlafen ein, soziale Treffpunkte verschwinden, Vereinsamung nimmt zu – nicht nur bei älteren Menschen. Genau hier setzen Dorfkümmerer und Dorfkümmerinnen an. Sie schließen eine entstehende Versorgungslücke, indem sie Sorge- und Fürsorgearbeit koordinieren oder selbst übernehmen – Arbeit, die bislang oft unsichtbar war und überwiegend unbezahlt von Frauen geleistet wurde. Als verbindliche Anlaufstelle für Bürger stärken sie soziale Teilhabe, organisieren Unterstützung und bringen Menschen wieder zusammen. Je nach Schwerpunkt gestalten sie das Dorfleben integrativer, sichern alltägliche Versorgung und fördern Gemeinschaft. Damit leisten Dorfkümmerer nicht nur einen wichtigen Beitrag gegen Vereinsamung, sondern stärken auch Vertrauen in kommunale Strukturen und wirken demokratiefördernd. Die wachsende Zahl der Kümmerer und Kümmerinnen zeigt, wie dringend neue Formen der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum gebraucht werden – und zugleich, dass „Sorgearbeit“ dieser Art eine angemessene gesellschaftliche Anerkennung braucht.

Wie viele sind es inzwischen landesweit?

In unserem Netzwerk sind derzeit 57 Dorfkümmerer und -kümmerinnen, aber mit eindeutig steigender Tendenz. Die Liste der interessierten Gemeinden, die auf dem Weg sind, das Konzept auch in ihrem Dorf durchzubringen, wächst jeden Tag. Das ist eine tolle, aber auch herausfordernde Entwicklung!

Wie kann man Dorfkümmerer und somit Mitglied des Netzwerkes werden? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Grundsätzlich können alle Teil des Netzwerks werden, die sich in ihrer Gemeinde als Kümmerer oder Kümmerin engagieren. Der Begriff „Dorfkümmererin“ ist dabei bewusst als Überbegriff gewählt und umfasst sehr unterschiedliche Formen des Engagements – etwa als Bürgerhelferin, Netzwerkerin, Seniorenlotsin oder in vergleichbaren Rollen. Wichtig ist: „Dorfkümmererin“ ist eine Funktion und keine geschützte Berufsbezeichnung. Es gibt keine einheitlichen Qualifikationsanforderungen oder festgelegten Ausbildungswege. Viele Kümmererinnen sind über ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in diese Rolle hineingewachsen und haben bereits zuvor eine zentrale Funktion im Dorfleben übernommen. Gleichzeitig gehen immer mehr Gemeinden dazu über, Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer über offizielle Stellenausschreibungen zu finden und anzustellen. Interessierte Gemeinden oder Gemeinden, die bereits eine Kümmerin oder einen Kümmerer eingestellt haben, können sich einfach bei mir melden. Gern beraten wir auch Gemeinden bei der Etablierung von Dorfkümmerern. Derzeit entwickeln wir zudem eine Handreichung für Interessierte, die wir im Frühjahr veröffentlichen werden.

Interview: Iris Jaeger

Ein echter Gewinn für die Gemeinde

0

Sie erledigen Einkäufe, übernehmen Fahrten zu Arztterminen, organisieren Treffen und Veranstaltungen, helfen bei Behördengängen, beim Ausfüllen von Formularen oder Fragen rund um PC und Internet. Sie verwalten das Gemeindehaus, holen Menschen aus der Einsamkeit, sind Bindeglied zwischen Bürgern, Verwaltung, Gemeinderat und Ehrenamt und sorgen auf diese Weise in Dörfern für Zusammenhalt, Gemeinschaft und Austausch. Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer in Schleswig-Holstein sind zu einem unverzichtbaren Bestandteil ländlicher Daseinsvorsorge geworden. In einer neuen Serie stellt das Bauernblatt einige von ihnen und ihre vielfältigen Aufgabenbereiche vor.

Den Anfang dieser Serie macht Dorfkümmerin Kirsten Clausen aus Sarlhusen bei Aukrug, Kreis Steinburg. Wir treffen sie an einem nieseligen, trübkalten Novembernachmittag im Dorfhaus „Ole School“. Immer am letzten Donnerstag im Monat öffnet das Haus für alle Sarlhusener Bürgerinnen und Bürger, es gibt Kaffee und Kuchen, es wird geklönt, man spielt Karten und isst gemeinsam zu Abend.

Besonders für die älteren Einwohner ist es eine willkommene Abwechslung und Gelegenheit, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen, andere Dorfbewohner zu treffen und für ein paar Stunden gesellig beieinander zu sein. Aber auch Jüngere nutzen das Angebot und so entsteht ein reger Austausch. Kirsten Clausen sorgt dafür, dass es allen gut geht, sie sich wohlfühlen und versorgt sind: „Das ist eine Leidenschaft von mir, alle Leute zufriedenzustellen“, sagt sie. Eine Leidenschaft, die sie mitgebracht hat und die ihr bei ihrer Funktion als Dorfkümmerin hilft.

Ebenso wie ihre herzliche und fürsorgliche Art, die bei den Sarlhusener gut ankommt. „Sie ist ein echter Gewinn für unsere Gemeinde, sie geht auf die Menschen zu und hat viele Ideen“, lobt Sarlhusens Bürgermeister Ernst Scheel das Engagement der Dorfkümmerin, deren Aufgaben breit gefächert sind.

Neben dem Organisieren der monatlichen Klönschnacks im Dorfhaus ist sie vor allem dann unterstützend zur Stelle, wenn vorübergehende außergewöhnliche Lebenssituationen der Dorfbewohner es verlangen, weil Verwandte, Angehörige oder Freunde kurzfristig nicht zur Verfügung stehen. Dann übernimmt sie Fahrten zu Arztterminen oder anderen medizinischen Einrichtungen, besorgt Medikamente oder entsprechende Rezepte, fährt einkaufen oder tätigt Behördengänge. Dafür nutzt sie das gemeindeeigene Dörpsmobil.

Im Frühjahr 2022 hat die Gemeindevertretung Sarlhusen die Dorfkümmerin etabliert, um „Bürgerinnen und Bürgern in außergewöhnlichen Situationen mit Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit eine Unterstützung zu bieten“, lautet die Erklärung in einem dafür angefertigten Infoflyer. Darüber hinaus ist Kirsten Clausen Anlaufstelle und Impulsgeberin zur Stärkung der Dorfgemeinschaft sowie eine Vermittlerin von Freizeitangeboten.

Eine Aufgabenbeschreibung, die sie mit Leben und Leidenschaft füllt, zum Beispiel wenn sie an einem Tag in der Woche zum Sport treiben oder auch mal zu einer Suppenverkostung ins Dorfhaus einlädt. Bislang wurde noch jede ihrer Ideen von den Dorfbewohnern gut angenommen.

„Dorfkümmerer“ ist eine Funktion und keine Berufsbezeichung und kann je nach Gemeinde ganz unterschiedliche Aufgabenbereiche umfassen. Der Gemeinde Sarlhusen war es wichtig, mit der Teilzeitbeschäftigung von Dorfkümmerin Kirsten Clausen eine Voraussetzung dafür zu schaffen, dass die Lebensqualität im ländlichen Raum auch im hohen Alter und trotz des demografischen Wandels erhalten bleibt. „Es geht uns darum, es zu gewährleisten, das jeder so lange wie möglich in seinem Zuhause bleiben kann“, erklärt Bürgermeister Ernst Scheel.

Kirsten Clausen hat sich auch schon vor der Dorfkümmerinnenstelle ehrenamtlich unter anderem im Kinderfestverein engagiert, hat bei Festen und Veranstaltungen hinter dem Tresen mit ausgeholfen und gekellnert und hilft auch sonst, wo sie kann. „Wem willst du denn Nein sagen?“, so Clausen.

Nur wenn es um längerfristige Hilfe im Alltag geht, um pflegerische oder medizinische Tätigkeiten, dann vermittelt sie weiter an die Nachbarschaftshilfe oder ans DRK, zu denen sie ebenfalls einen guten Draht hat. Haushaltsnahe Dienstleistungen gehören nicht zu ihren Aufgaben. „Gardinen hänge ich nicht auf“, sagt Clausen, die in allem, was sie macht, von ihrer Familie unterstützt wird. Und auch der Bürgermeister sowie der Gemeinderat stehen hinter ihr und ermöglichen es ihr auf diese Weise, sich mit viel Spaß und Liebe ihren Aufgaben zu widmen.

Biodiversitätsmonitoring liefert wichtige Erkenntnisse

0

Die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) setzen ihr langfristiges Biodiversitätsmonitoring in Naturwäldern fort.

Im Naturwald Guttauer Gehege der Försterei Kellenhusen wurde aktuell eine weitere Erhebungsrunde abgeschlossen. „Die Waldökologinnen und -ökologen der NW-FVA dokumentieren dabei präzise vorhandene Baumarten, Waldstrukturen, Mikrohabitate und das für viele Organismen unverzichtbare Totholz“, berichtet Udo Harriehausen, Abteilungsleiter Naturschutz bei den SHLF.

Der aktuelle Messpunkt in Kellenhusen ist einer von insgesamt 36 Standorten zwischen Glücksburg im Norden und Trittau im Süden, die regelmäßig und nach einem einheitlichen Verfahren untersucht werden. Jeder dieser Punkte wird im Fünfjahresrhythmus erneut aufgenommen. Dies schafft so eine belastbare Datengrundlage für langfristige Vergleiche und Erkenntnisse. Bereits im Sommer hatten die Fachleute unter anderem in der Försterei Glücksburg der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten umfassende Artenkartierungen vorgenommen. „Dabei wurden systematisch Fledermäuse, Vögel, ausgewählte Arthropoden und Pilze erfasst. Moderne Methoden wie Audiologger, deren Aufnahmen mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden, ermöglichen den Nachweis auch schwer zu beobachtender oder nachtaktiver Arten“, erzählt Harriehausen.

Fazit

Ziel des langfristigen Monitorings ist es, belastbare Aussagen über die Entwicklung der Biodiversität, den Einfluss des Klimawandels und strukturelle Veränderungen in Wäldern mit natürlicher Dynamik zu gewinnen. Die Ergebnisse sollen zukünftig auch dazu beitragen, die naturnahe Bewirtschaftung, integrativen Waldnaturschutz sowie eine klimaresiliente Entwicklung der Wirtschaftswälder weiter zu stärken.

Mit Plan zu guten Grünlanderträgen

0

Ob von einem Grünlandbestand gute Erträge bei hoher Futter­qualität erzielt werden können, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Neben standörtlichen Gegebenheiten und der Witterung, die nur begrenzt oder nicht beeinflussbar sind, spielen insbesondere die Bewirtschaftung und das Nährstoffmanagement eine zentrale Rolle. Eine ­bedarfsgerechte Düngung stellt sicher, dass den Pflanzen die benötigten Nährstoffe in der richtigen Menge und zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Sie bildet damit eine wesentliche Grundlage für leistungsfähige Bestände, eine effiziente Nährstoffausnutzung und stabile Grünlanderträge.

Gerade in der ersten Vegetationshälfte wird im Grünland ein Großteil des jährlich erzeugten Futters gebildet. Entsprechend hoch ist in dieser Phase der Nährstoffbedarf der Bestände. Mit Ablauf der Sperrfristen und einsetzendem Gräserwachstum sollte die Nährstoffversorgung so ausgerichtet sein, dass die Pflanzen rechtzeitig und bedarfsgerecht versorgt werden. Voraussetzung hierfür sind befahrbare Böden sowie eine angepasste Düngestrategie, die den Bedarf des Bestandes berücksichtigt und Nährstoffverluste vermeidet.

Stickstoffversorgung auf dem Grünland

Vor der Ausbringung wesentlicher Nährstoffmengen ist auch im Grünland eine schriftliche Düngebedarfsermittlung für Stickstoff (N) und Phosphor (P) zu erstellen. Sie bildet die fachliche und rechtliche Grundlage der Düngung und ist schlag- oder bewirtschaftungseinheitsspezifisch durchzuführen. Der ermittelte Düngebedarf stellt dabei eine verbindliche Obergrenze dar, die im weiteren Jahresverlauf nicht überschritten werden darf. Ziel der Düngebedarfsermittlung ist es, den Nährstoffbedarf der Bestände realistisch abzubilden und eine angepasste, effiziente Nährstoffversorgung sicherzustellen.

Als Grundlage für die Düngebedarfsermittlung im Grünland wird zunächst das Ertragsniveau der vergangenen fünf Jahre herangezogen. Maßgeblich ist dabei der durchschnittliche Trockenmasseertrag in dt TM/ha, der die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Bestandes abbilden soll. Innerhalb der N-Gebietskulisse ist hierfür der Durchschnitt aus den Jahren 2015 bis 2019 als feste Berechnungsgröße vorgegeben. Um den Düngebedarf realistisch zu ermitteln, ist es daher sinnvoll, die Erträge schlagspezifisch zu erfassen. Hierfür können vorhandene Fuhrwerks- oder mobile Achslastwaagen genutzt werden. Alternativ liefern die Vermessung des Silos oder Bestandsbeurteilungen zum Erntetermin hilfreiche Anhaltspunkte. Ausgehend vom ermittelten Durchschnittsertrag wird ein standort- und nutzungsspezifischer Basiswert für den Stickstoffbedarf des Grünlandes festgelegt. Dieser Basis-N-Bedarf bildet die rechnerische Grundlage der Düngebedarfsermittlung. Weicht das betriebsindividuelle Ertragsniveau von den in den Richtwerten zugrunde gelegten Erträgen ab, sind entsprechende Zu- oder Abschläge in kg N/ha vorzunehmen. Zusätzlich ist der Rohproteingehalt der Grünlandaufwüchse zu berücksichtigen. Liegen die gemessenen Rohproteinge­halte ober- oder unterhalb der in der Düngeverordnung definierten Richtwerte, wird der Basis-N-Bedarf entsprechend angepasst. Die hierfür erforderlichen Untersuchungsergebnisse müssen betrieblich dokumentiert vorliegen. Eine exemplarische Düngebedarfsermittlung für Stickstoff im intensiv genutzten Schnittgrünland (vier Schnitte, 100 dt TM/ha, Rohprotein 17 %) ist in der Tabelle auf Basis der „Richtwerte für die Düngung“ dargestellt.

Nachlieferung aus dem Bodenvorrat

Neben dem Ertragsniveau und den Rohproteingehalten ist bei der Düngebedarfsermittlung die Stickstoffnachlieferung aus dem Boden zu berücksichtigen. Abhängig vom Humusgehalt können insbesondere humusreiche, anmoorige oder moorige Standorte erhebliche Mengen an pflanzenverfügbarem Stickstoff freisetzen. Entsprechend sind Abschläge auf den ermittelten N-Bedarfswert vorzunehmen, um die bodenbürtige N-Nachlieferung sachgerecht abzubilden. Zusätzlich ist die Nachlieferung aus organischen Düngergaben des Vorjahres zu berücksichtigen. Hierfür werden pauschal 10 % der im Vorjahr ausgebrachten organischen Gesamtstickstoffmenge als Abschlag angesetzt. Diese Nachlieferungen tragen zur Versorgung des Bestandes bei und sind zwingend in die Düngebedarfsermittlung einzubeziehen.

Auswirkungen von Leguminosen

Eine weitere Stickstoffquelle stellen die im Bestand vorhandenen Leguminosen dar. Durch ihre Symbiose mit Stickstoff fixierenden Knöllchenbakterien tragen sie zur Stickstoffversorgung des Grünlandbestandes bei. Entsprechend müssen die Ertragsanteile der Leguminosen in den jeweiligen Bewirtschaftungseinheiten geschätzt und bei der Düngebedarfsermittlung durch Abschläge auf den N-Bedarfswert berücksichtigt werden. Da sich Leguminosen im zeitigen Frühjahr häufig noch schwächer entwickelt zeigen, empfiehlt sich die Schätzung des Leguminosenanteils insbesondere nach dem ersten Schnitt. Zu diesem Zeitpunkt sind Rot- und Weißklee in der Regel gut erkennbar und können realistisch bewertet werden. Der Leguminosenanteil ist am Ertragsanteil festzumachen und nicht am Pflanzenbedeckungsgrad, der leicht zu einer Überschätzung des Ertrags der Leguminosen führen würde.

Nach Vornahme aller Zu- und Abschläge ergibt sich der schlagspezifische N-Bedarfswert, der mit den im weiteren Jahresverlauf durchgeführten Düngemaßnahmen nicht überschritten werden darf. Befindet sich die Fläche innerhalb der N-Gebietskulisse, ist der ermittelte N-Bedarfswert auf Betriebsebene zusätzlich um 20 % zu reduzieren. Eine Verschiebung von Stickstoffmengen zwischen Kulturen ist möglich, sofern der verringerte gesamtbetriebliche Düngebedarf für die Flächen in der N-Kulisse eingehalten wird und die schlagspezifische N-Obergrenze nicht überschritten wird. Insbesondere für Flächen innerhalb der N-Kulisse ist ein exaktes Nährstoffmanagement von besonders hoher Priorität, um die reduzierte N-Menge und die flächenspezifisch begrenzte Auslegung der organischen Düngung auf 170 kg N/ha möglichst effizient auszunutzen und Verluste, zum Beispiel in Form von Auswaschung, zu reduzieren.

Verlustarme Ausbringtechnik

Stickstoff ist der maßgebliche Nährstoff für Wachstum und hohe Trockenmasseerträge im Grünland. Gleichzeitig können bei unsachgemäßer Ausbringung oder ungünstigen Witterungsbedingungen Verluste in Form von Ammoniakemissionen oder Nitratauswaschung auftreten. Diese Verluste wirken sich nicht nur negativ auf die Umwelt aus, sondern stehen den Pflanzen auch nicht mehr zur Verfügung. Neben der bedarfsgerechten Bemessung der Stickstoffgaben kommt daher der Ausbringtechnik eine entscheidende Bedeutung zu. Emissionsarme und streifenförmige Ausbringverfahren wie Einschlitzen oder Schleppschuhsysteme reduzieren gasförmige Verluste deutlich und erhöhen die Stickstoffeffizienz. Seit dem 1. Februar 2025 sind auf Grünland die streifenförmige Aufbringung oder das direkte Injizieren in den Boden flüssiger Wirtschaftsdünger verpflichtend anzuwenden. Eine breitflächige Verteilung ist seitdem nicht mehr zulässig. Darüber hinaus sollten die Ausbringungstermine an die Witterungsbedingungen angepasst werden. Kühles, feuchtes Wetter sowie bedeckter Himmel begünstigen die Infiltration der Nährstoffe in den Boden und tragen zur weiteren Verringerung von Stickstoffverlusten bei. Auch durch Ansäuerung der Gülle, insbesondere bei Gaben zum zweiten oder dritten Schnitt, kann der NH3-Verlust deutlich reduziert werden.

Grundnährstoffe und pH-Wert

Neben der Stickstoffdüngung ist im Grünland auch die Versorgung mit den Grundnährstoffen Phosphor (P), Kalium (K) und Magnesium (Mg) sicherzustellen. Grundlage hierfür bildet die Bodenanalyse, die auf Grünland zur Feststellung des Versorgungszustandes aus einer Probentiefe von 0 bis 10 cm entnommen wird, um den Hauptdurchwurzelungsraum abzubilden. Für Phosphor ist eine Bodenuntersuchung spätestens alle sechs Jahre verpflichtend vorgeschrieben. Anhand der Untersuchungsergebnisse erfolgt eine Einteilung in Gehaltsklassen von A bis E, wobei die Versorgungsstufe C anzustreben ist. Über die Gehaltsklasse, das Ertragsniveau sowie die Bodengruppe werden die empfohlenen Düngegaben für die jeweiligen Nährstoffe abgeleitet. Die entsprechenden Richtwerte sind in der Broschüre „Richtwerte für die Düngung“ der Landwirtschaftskammer dargestellt.

Vegetationsbeginn richtig einschätzen

Damit die ausgebrachten Nährstoffe von den Pflanzen optimal genutzt werden können, sollten sie zum Beginn des anhaltenden Gräserwachstums zur Verfügung stehen. Eine zu frühe Ausbringung erhöht das Risiko von Nährstoffverlusten, während eine verspätete Düngung das Ertragspotenzial der Bestände einschränken kann. Der tatsächliche Vegetationsbeginn variiert dabei in Abhängigkeit von Standort und Witterungsverlauf. Hilfestellung bei der Einschätzung des Vegetationsbeginns findet sich auf der Homepage der Landwirtschaftskammer im Bereich Grünland unter „Grundlagen, Tipps und Beratung“.

Kalkung als Basis

Eine standortangepasste Kalkversorgung ist eine wesentliche Voraussetzung für die effiziente Nutzung der ausgebrachten Nährstoffe im Grünland. Liegt der pH-Wert außerhalb des optimalen Bereiches, können insbesondere Phosphor sowie weitere Nährstoffe im Boden fixiert werden und stehen den Pflanzen nur eingeschränkt zur Verfügung. Der Kalkungsbedarf ergibt sich aus der Bodenuntersuchung und ist abhängig von der jeweiligen pH-Versorgungsstufe, der Bodenartgruppe sowie der Nutzungsintensität der Fläche. Eine regelmäßige Überprüfung des pH-Wertes im Rahmen der Bodenuntersuchung ist daher sinnvoll, um bestehenden Kalkungsbedarf frühzeitig zu erkennen und auszugleichen. Die empfohlenen Kalkmengen sind in den „Richtwerten für die Düngung“ der Landwirtschaftskammer dargestellt und ermöglichen eine standort- und nutzungsgerechte Kalkversorgung des Grünlandes. Auf Grünlandstandorten ist zumeist Kalk mit geringerer Reaktivität ausreichend und sinnvoll.

Fazit

Auch im Grünland ist vor der Ausbringung wesentlicher Mengen an Stickstoff und Phosphor eine schriftliche Düngebedarfsermittlung zu erstellen und als verbindliche Obergrenze einzuhalten. Mit Ablauf der Sperrfristen und einsetzendem Vegetationsbeginn sollten die Nährstoffe bedarfsgerecht und verlustarm ausgebracht werden. Neben einer leistungsfähigen Grasnarbe bilden eine angepasste Ausbringtechnik, die Berücksichtigung standortspezifischer Faktoren sowie eine gesicherte Versorgung mit Grundnährstoffen und Kalk die Grundlage für eine effiziente Nährstoffnutzung, stabile Erträge und eine hohe Futterqualität im Grünland.

Strukturveränderungen in Schleswig-Holstein

0

Die wirtschaftliche Lage der Schweinemast in Schleswig-Holstein bleibt angespannt. Die Auswertungen des Schweinereports 2025 basieren auf 153 Mastbetrieben mit insgesamt 761.849 ausgewerteten Tieren und zeigen trotz punktueller Leistungsverbesserungen weiterhin eine strukturell defizitäre Situation bei Vollkostenbetrachtung.

Gegenüber dem Vorjahr erhöht sich die Zahl der ausgewerteten Betriebe von 141 auf 153. Die Zahl der ausgewerteten Mastschweine steigt um 79.512 Tiere. Diese Entwicklung ist nicht als Bestandsaufstockung zu interpretieren, sondern als statistischer Effekt durch die stärkere Beteiligung größerer Betriebe. Landesweit sinken die Anzahl der Mastbetriebe gleichzeitig um 7,0 %, der Mastschweinebestand um 1,2 % (Statistischer Bericht Kennziffer C III 1-hj 1/25 SH, September 2025).

Biologische Leistungen stabil

Die biologischen Kennzahlen zeigen keine grundlegenden Leistungssprünge, jedoch stabile bis leicht verbesserte Ergebnisse im Durchschnitt aller Betriebe:

Anfangsgewicht 31,1 kg

Endgewicht (LG) 127 kg

Mastdauer 100 Tage

Masttagszunahme 962 g

Verlustrate 2,59 %

Futterverwertung 1:2,75

Ökonomisch erfolgreichere Betriebe erreichen niedrigere Verluste (1,94 %) und bessere Futterverwertung (1:2,63), während weniger erfolgreiche Betriebe deutlich höhere Verluste (3,61 %) und schlechtere Futterverwertung (1:2,82) verzeichnen.

Zwischen Erlösdruck und Kostenlast

Die ökonomischen Kennzahlen verdeutlichen die fragile Rentabilität:

Erlös je Kilo Schlachtgewicht: 1,86 €

Ferkelpreis: 87,20 € je Tier

Futterpreis: 27,80 €/dt

Die Direktkosten je 100 kg Zuwachs liegen im Mittel bei 174 €, wovon die Ferkel- (92,10 €) und Futterkosten (76,30 €) den größten Anteil ausmachen. Einen besseren Vergleich zwischen den Haltungsformen bietet die Betrachtung der Direktkosten je Quadratmeter Stallfläche. Sie liegen im Mittel bei 503 € (davon 265 € Ferkelkosten und 220 € Futterkosten).

Ein zentraler Faktor bleibt die Herkunft der Ferkel. Mastbetriebe mit Ferkeln aus dem eigenen Betrieb oder festen Eins-zu-eins-Lieferbeziehungen erreichen im Mittel höhere tägliche Zunahmen (über 980 g) bei gleichzeitig stabileren Verlustquoten. Handelsferkel schneiden in den Kennzahlen schwächer ab, besonders bei den Behandlungskosten und der Homogenität der Gruppen. Für die Praxis bedeutet dies: Langfristige Lieferbeziehungen und Gesundheitsstatus-Transparenz zahlen sich biologisch und ökonomisch aus.

DKfL entscheidet über Erfolg

Die durchschnittliche Direktkostenfreie Leistung (DKfL) ohne Sonderzahlungen beträgt:

11,10 €/100 kg Zuwachs

30,10 € je Mastplatz

32,00 €/m² Stallfläche

Die ökonomisch erfolgreichsten 25 % der Betriebe erreichen eine DKfL ohne Sonderzahlungen von 22,90 €/100 kg Zuwachs (64,90 €/m2 Stallfläche), während die 25 % weniger erfolgreichen Betriebe faktisch kostendeckend bis leicht negativ wirtschaften (–0,11 €/100 kg beziehungsweise –0,31 €/m2 Stallfläche). Mit Sonderzahlungen aus der Initiative Tierwohl (durchschnittlich 4,93 €/100 kg Zuwachs) verbessert sich die DKfL zwar rechnerisch. Dies löst jedoch nicht die strukturelle Problematik.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht liegt der durchschnittliche Deckungsbeitrag pro Mastschwein im Jahr 2025 im Bereich von rund 10 bis 11 € je Tier, mit einer sehr breiten Streuung zwischen den ökonomisch erfolgreicheren und weniger erfolgreicheren Betrieben.

Die Kostenstruktur wird unter anderem wesentlich durch Haltungsform und Management beeinflusst. Ein besonders deutlicher Effekt zeigt sich in der Stallbelegung. Kontinuierliche Belegungssysteme weisen höhere Krankheits- und Behandlungsraten auf als konsequente Rein-Raus-Verfahren. Betriebe mit Letzterem zeigen geringere Tierarzt- und Medikamentenkosten und stabilere Leistungen.

Vollkostenbetrachtung bei Neubauten

Nicht nur in der Sauenhaltung, auch in der Schweinemast stehen viele Betriebe vor der Frage, ob sich die Investition in einen Um- oder Neubau langfristig rentiert. Bei Berechnung der kalkulatorischen Fixkosten unter Neubaubedingungen zeigt sich die wirtschaftliche Realität klar und ungeschönt:

kalkulatorische Fixkosten je Mastplatz: 114 € (ohne Sonderzahlung)

DKfL je Mastplatz: 30,10 €

kalkulatorisches Betriebszweigergebnis: −83,70 € je Mastplatz

Ergebnis je 100 kg Zuwachs: −31,50 €

Damit wird deutlich, dass zum aktuellen Zeitpunkt die Schweinemast unter Neubaubedingungen selbst bei durchschnittlichen Leistungen deutlich unter der Kostendeckung liegt.

Fazit

Insgesamt bestätigen die Ergebnisse 2025, dass die Schweinemast wirtschaftlich nur dann stabil funktioniert, wenn biologische Leistung, Bestandsmanagement und Kostenkontrolle zusammengedacht werden. Betriebe, die ihre Kennzahlen konsequent auswerten und Schwachstellen systematisch angehen, können auch unter volatilen Marktbedingungen wettbewerbsfähig bleiben.

Der Schweinereport Schleswig-Holstein ist ein gemeinsames Projekt der Schweinespezialberatung und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Der Report kann auf den Webseiten ssbsh.de und lksh.de kostenfrei eingesehen werden.

Schleswig-Holstein Cup und Cup der Bundesländer

0

Auch in diesem Jahr können Pferdefreunde wieder für ihren Landkreis und ihr Bundesland Kilometer sammeln. Geführt, gefahren oder geritten, Hauptsache mit Pferd oder Esel, alles zählt. Los geht es am Sonnabend, 28. Februar. Bis Freitag, 26. Juni, können alle Kilometer dokumentiert werden. Im vergangenen Jahr beendeten Nordfriesland und Schleswig-Flensburg die Siegesserie der Segeberger. Eine große Hilfe war dabei Bianca Herwig, die auch den Sieg im Einzel holte.

„Ich hatte schon in den Jahren davor mitbekommen, dass es den Schleswig-Holstein Cup gibt und einige aus dem Stall mitmachen“, berichtet Bianca Herwig aus Esgrus, Kreis Schleswig-Flensburg. Doch erst als sie vor einem Jahr noch einmal persönlich angesprochen wurde, meldete sie sich an. Gemeinsam mit ihren Stallkolleginnen fuhr sie häufig mit dem Hänger in andere Gebiete und sammelte Kilometer. Dabei wurde klar, wie „bescheiden die Ausreitmöglichkeiten im Kreis“ sind. Trotzdem machte es der 34-jährigen Bäckerin viel Spaß, und nach den ersten Blicken auf das Ranking war ihr klar: „Da kann ich was erreichen.“

Schnell nahm sie die Sache ziemlich ernst. Mit ihren beiden Ponys, einem Haflinger und einem Norweger, machte sie die meiste Strecke. Doch das reichte ihr nicht. „Ich habe mir dann Pferde aus dem Stall geliehen, bin noch eine schnelle Runde ins Gelände oder habe einen Spaziergang gemacht“, erzählt Herwig. Gelegentlich holte sie mit dem Pony ihren Sohn aus dem Kindergarten ab. „Manchmal hat mich mein Mann auch mit dem Kleinen begleitet. Das war sehr schön“, erinnert sie sich, aber: „Da ging richtig viel Zeit rein.“

Gut in Form

Doch der Einsatz lohnte sich. Herwig kam auf mehr als 2.200 km und holte damit den Sieg im Einzelranking. Netter Nebeneffekt: Sie und ihre Ponys sahen noch nie so gut aus. „Die beiden stehen im Offenstall und haben 24 Stunden Heu zur Verfügung. Ich kämpfe immer mit ihrem Übergewicht. Jetzt sind sie zum ersten Mal schlank, und ich kann sie dieses Jahr mit gutem Gewissen auf die Koppel schicken.“

Denn es soll auf jeden Fall weitergehen. Herwig steht schon in den Startlöchern, hat weitere Stallkolleginnen angeworben und will in diesem Jahr unbedingt den Sieg für ihren Landkreis holen. Zwar hatte der Kreis Schleswig-Flensburg die meisten Gesamtkilometer, Nordfriesland erreichte jedoch im Schnitt die meisten Kilometer pro Teilnehmer und holte damit den Sieg. Der erste Rang im Einzel ist Herwig dabei gar nicht so wichtig.

Der Cup findet in diesem Jahr bereits zum fünften Mal statt. Die Organisatorinnen vom Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein freuen sich über den großen Zuspruch: Im vergangenen Jahr machten 1.000 Menschen mit. Allerdings bereitete dieser Ansturm auch Probleme, da die Technik aufgrund der großen Datenmengen regelmäßig ausfiel. Das soll in diesem Jahr besser werden.

Immer mehr Teilnehmer

Den Wettkampf gibt es seit drei Jahren auch bundesweit. Im vergangenen Jahr nahmen vier Bundesländer teil. Schleswig-Holstein holte mit Abstand den Sieg bei den Gesamtkilometern, wobei in Hessen mehr Kilometer pro Teilnehmer eingereicht wurden. In diesem Jahr sind sogar acht Bundesländer dabei. Neben Schleswig-Holstein nehmen auch Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Niedersachsen mit Bremen sowie Baden-Württemberg teil. Weitere Bundesländer befinden sich bereits in Warteposition. Auch eine Sparte für Kinder ist inzwischen eingerichtet.

Alle Touren werden getrackt und mit einem Beweis-Selfie werden die Kilometer anschließend eingereicht. Wöchentlich gibt es ein Ranking zwischen den Bundesländern und Landkreisen, und am Ende der Veranstaltung erhalten die Siegerlandkreise den Wanderpokal sowie ein beachtliches Preisgeld zur Investition in die Infrastruktur der Reit- und Fahrwege. Jeder Teilnehmer erhält ab zehn absolvierten Kilometern eine Schleife und eine Urkunde. Die Erstplatzierten der verschiedenen Sparten können zudem hochwertige Preise gewinnen.

Von den Sieggeldern des Cups wurden unter anderem schon Aufstiegshilfen finanziert. Foto: privat

„Der Cup der Bundesländer liefert verlässliche Zahlen, um den Bedarf an nutzbaren Reit- und Fahrwegen aufzuzeigen. Außerdem tut man mit seiner Teilnahmegebühr etwas Gutes, da der Überschuss dort landet, wo er hingehört: in unseren Reit- und Fahrwegen“, erklärt Stacy Bradtke vom Vereinsvorstand.

So wurden in Segeberg bereits ein Hängerparkplatz im Trappenkamper Forst sowie mehrere Aufstiegshilfen und Anbindebalken an verschiedenen Parkplätzen gebaut sowie viele neue Reitwegeschilder und Metallpfosten aufgestellt. Die Gesamtausgaben für Reitwege lagen bei 5.500 €. In Steinburg gab es einen Arbeitseinsatz im Holsteiner Wald sowie eine neue Beschilderung und Metallpfosten mit Gesamtausgaben von knapp 700 €.

„Viele weitere Projekte laufen bereits im Hintergrund, ein Reitweg ist jedoch nicht innerhalb von ein paar Wochen erstellt. Aufgrund von Bürokratie zieht sich so ein Projekt auch mal über Jahre, weshalb der Einsatz einiger Prämien erst später sichtbar wird“, so Bradtke weiter. Doch sie und ihre Kolleginnen vom Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein wollen dranbleiben. „Unterstützung können wir allerdings immer gebrauchen“, sagt sie lachend, denn die ehrenamtliche Arbeit nimmt während der Cup-Phase viel Zeit in Anspruch.