Start Blog

Welcher E-Traktor passt zu meinem Betrieb?

Wer sich überlegt, einen E-Traktor zu kaufen, sieht sich einer wachsenden Bandbreite an Herstellern, Leistungsklassen und Modellen gegenüber. Die Suche nach dem passenden Gerät, das den eigenen Bedürfnissen entspricht, ist daher oft zeitaufwendig. Wissenschaftler des Technologie- und Förderzentrums (TFZ) haben nun eine detaillierte Marktübersicht zusammengestellt, die E-Traktoren und andere elektrifizierte Landmaschinen auflistet, die derzeit auf dem Markt verfügbar sind. Die als Excel-Tabelle veröffentlichte Übersicht kann nach eigenen Bedürfnissen gefiltert werden.

Welche Hersteller bieten welche Modelle zum Kauf an? Welche Leistung hat die Maschine? Wie lange kann mit einer Batterieladung gearbeitet werden? Auf diese und weitere Fragen soll die Übersicht Antworten liefern. „Der große Vorteil ist, dass sich jeder genau das herausfiltern kann, wonach er sucht“, so Josef Witzelsperger, Landwirt und wissenschaftlicher Mitarbeiter am TFZ. In der Liste sind neben E-Traktoren beispielsweise auch elektrifizierte Hoflader, Teleskoplader oder Futtermischwagen aufgeführt.

Die Rechercheergebnisse richten sich an Interessierte aus der Land- und Forstwirtschaft, die sich einen grundlegenden Überblick über am Markt verfügbare Maschinen verschaffen möchten. „Neben den technischen Details haben wir auch Links zu den Internetseiten der Hersteller und zu herstellerunabhängigen Berichten aufgenommen“, so Witzelsperger weiter. Die Liste wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert und gibt aktuell den Stand von Dezember 2025 wieder.

Vor allem im unteren Leistungssegment wächst das Angebot an Kleintraktoren sowie Hofladern, die mit elektrischem Strom aus einem Batteriespeicher angetrieben werden, kontinuierlich. Die Marktrecherche erfasst den Status quo an E-Antrieben in der Landtechnik und ist Basis für weitere Forschungsarbeiten im Projekt „TrAkzeptanz“. So beschäftigen sich die Wissenschaftler mit der Frage, ob Landwirte Erneuerbare Antriebe in der Landtechnik annehmen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Akzeptanz weiter zu steigern.

Die Excel-Übersicht kann unter www.tfz.bayern.de heruntergeladen werden.

Neues Jahr – neues Glück

0

Die Jungen LandFrauen Dithmarschen laden am 14. Februar erneut zur großen Single-Party – ein Termin, der passender kaum sein könnte: Der Valentinstag wird hier zum Treffpunkt für alle, die neue Menschen kennenlernen und einen fröhlichen Abend erleben möchten.

Nach der erfolgreichen Premiere im Jahr 2022 knüpft das Team der Jungen LandFrauen an die begeisterte Resonanz an. Damals verwandelte Thomas Schmidt-Wiborg die Festscheune in eine gemütliche Wohlfühloase mit Sitzecken, Stehtischen, Candy Bar und Beerpong-Tisch. Eine Sofortbildkamera sorgte für Erinnerungsfotos, die berühmte „Kurze Rutsche“ für jede Menge Spaß – und ein Pärchen, das sich damals kennenlernte, erwartet heute sogar sein erstes Kind.

Daran möchte das Team der Jungen LandFrauen anknüpfen: Auch zum Start in das neue Jahr 2026 dürfen sich die Gäste auf ein abwechslungsreiches Programm freuen. Eingeladen sind alle Singles im Alter zwischen rund 20 und 45 Jahren – ob allein, zu zweit oder als Gruppe. Wer Lust hat auf neue Kontakte, gute Musik und einen entspannten, fröhlichen Abend, ist hier genau richtig.

Der Eintritt beträgt 15 € und beinhaltet ein Begrüßungsgetränk. Die Organisatorinnen legen großen Wert auf ein ausgeglichenes Verhältnis der Teilnehmenden, daher ist eine vorherige Anmeldung erbeten. Diese ist ab sofort möglich bei Katharina Timmermann (Mobil: 0176-84 58 48 36) und Maren Eggers (Mobil: 0171-6 15 27 35) sowie per Mail: jungelandfrauendith
marschen@web.de


Single-Party am 14. Februar um 20 Uhr

Festscheune Karolinenkoog
Lundener Straße 2
25774 Karolinenkoog

Zielgruppe: 20 bis 45 Jahre

Eintritt 15 € inklusive Begrüßungsgetränk

bitte Anmeldung, siehe Text


Kommt jetzt der Wettermarkt?

0

Die Weizenpreise befinden sich nun schon seit vielen Monaten in einem Bereich, der von einer Vollkostendeckung weit entfernt ist. Näherten sich die von uns erfassten durchschnittlichen Erzeugerpreise für B-Weizen Mitte November schon einmal der Grenze von 180 €/t, so rauschte dieser Preisdurchschnitt über die Feiertage und den Jahreswechsel sogar wieder unter die 170 €/t. Die weltweit gute Versorgungslage mit guten Ernten und bis dato guten Bestandsentwicklungen in allen großen Weizenanbaugebieten der Welt löschten jeden Funken von Hoffnung auf eine baldige Preiserholung gleich wieder. Doch seit Anfang voriger Woche glimmt er wieder, dieser kleine Hoffnungsfunke.

Trockenheit und plötzlicher Starkfrost

Die Weizenkurse an den Terminmärkten sowohl in Paris als auch in Chicago klettern seit ihrem Feiertagstief langsam und mühselig, aber stetig nach oben. An der Matif erreichten die Kurse am Anfang dieser Woche sogar einen Sieben-Wochen-Höchststand. Die Erzeugerpreise folgen dem zwar bisher nur in minimalen, noch sehr zögernden Schritten, aber auch hier ist eine positive Tendenz erkennbar. Grund für diese vorsichtig-optimistischen Tendenzen ist der Wettermarkt. In gleich zwei wichtigen Anbauregionen der Welt sorgen aktuelle Wetterlagen für Impulse. Zuerst wären hier die trockenen Bedingungen in den wichtigsten Weizenregionen der USA zu nennen. Betroffen sind die Bundesstaaten Kansas, Oklahoma, Colorado, Nebraska und Texas. In allen genannten Bundesstaaten wurden die Zustandsbewertungen vom USDA herabgestuft. Auch die weiteren Vorhersagen lassen keine großartige Wetterbesserung erkennen. Allerdings ist es noch deutlich zu früh, um von Ertragseinbußen sprechen zu können. In vielen Weizenanbauregionen Russlands hingegen herrschte bisher vergleichsweise mildes Wetter. Dort hat es allerdings einen arktischen Kälteeinbruch bis in die südlichsten Landesteile gegeben, der nicht überall auch von Schneefall begleitet wurde beziehungsweise wird. Auch hier bleibt die Frage offen, inwieweit dies zu Schäden an den Pflanzen führen wird. Dennoch handelt es sich um Impulse, auf die der Getreidemarkt nach langer Monotonie regelrecht gewartet hat.

EU-Weizen nun zu teuer

Aber auch hier gibt es eine Kehrseite der Medaille. Auf dem Weltmarkt hat der europäische Weizen nach dieser positiven Kurskorrektur an Attraktivität eingebüßt. Der Weizen aus der Schwarzmeerregion und aus Argentinien ist weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau, dies trübt die Exportaussichten für europäischen Weizen und ist auch der Grund, warum die Weizenkurse nicht deutlicher auf diese Wettermeldungen reagiert haben. Auch das Anheben der Ernteprognose für Argentinien setzt die internationalen Weizenmärkte unter Druck.

Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Bestände weiterentwickeln. In jedem Fall muss der weitere Verlauf aus vermarktungstechnischer Sicht genau beobachtet werden. Schon oft genug hat der Wettermarkt zu dieser Zeit zu interessanten Vermarktungsmöglichkeiten geführt. Angesichts der guten weltweiten Versorgungslage ist auch nicht mit einer längeren oder deutlichen Preiserholung zu rechnen, sondern eher mit einem „Peak“ in der Verlaufskurve.

Landjugend: Start ins Vorstandsjahr

0

Ein neuer Vorstand ist gewählt und das neue Jahr hat begonnen – das bedeutet für den Landesvorstand und den Agrarausschuss, dass es zuvor auf zur Vorstandsklausur geht. Mitte Dezember haben sich die neuen und wiedergewählten Vorstandsmitglieder für das erste gemeinsame Wochenende in Munkbrarup östlich von Flensburg getroffen. Zum ersten Mal haben Landesvorstand und Agrarausschuss ihre Klausurwochenenden verbunden, um so noch mehr Raum für Austausch und gemeinsame Erarbeitung zu schaffen.

Was macht man nun auf so einem Klausurwochenende? Für die neuen Mitglieder wird an diesem Wochenende der erste große Überblick über die Aufgaben, Arbeitsabläufe und Verbandsstrukturen gegeben. Natürlich gibt es auch genügend Möglichkeiten, sich überhaupt erst einmal kennenzulernen.

Genau damit ging es am Freitagabend auch los. Nach und nach trafen alle in dem Seminarhaus ein und zuerst ging es für alle zum gemeinsamen Abendessen. Gut gestärkt konnte die Kennlernrunde starten, dabei verstanden sich auf Anhieb alle so gut, dass der Zeitplan etwas aus den Augen verloren ging. Da kleine Nachtschichten in der Landjugend nichts Neues sind, wurden noch die „Laju-Basics“ geklärt. Damit gab es für den ersten Tag genug Input für alle und der Abend ging langsam zu Ende.

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle kamen am Sonnabendmorgen dazu, um im gesamten Team weiterzuarbeiten. Nach einer Kurzversion der Vorstellungsrunde ging es auch direkt mit einem Überblick über die Aufgaben der Geschäftsstelle weiter. Die wichtigste Regel lautet dabei: Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wen man fragen muss. Denn bei dem, was die Landjugend an Themen abdeckt, kann nicht immer jeder Bescheid wissen. Mit dem Kopf voller neuer Infos ging es für alle nach draußen, um neue Gruppenfotos zu machen. Wenn schon alle einmal an einem Ort sind, muss die Gelegenheit auch direkt genutzt werden.

Frisch durchgelüftet teilte sich die Gruppe nach dem Mittagessen erst einmal auf. Da sich die Arbeit des Agrarausschusses und die des Landesvorstandes in einigen Punkten unterscheiden, lassen sich diese auch besser getrennt besprechen. Dabei ging es um Themen wie den Ablauf einer Vorstandssitzung, Ideen und Themensammlungen. Der Landesvorstand legte bei dieser Gelegenheit direkt fest, wer die neue Betreuung für die einzelnen Kreise übernehmen wird.

Später wurde wieder von allen gemeinsam über den Jahreskalender geschaut, denn die meisten Termine stehen tatsächlich schon jetzt fest. Danach ging es für beide Gruppen an die größte Aufgabe des Tages: die Aufgabenverteilung.

Um so viele verschiedene Themen abzudecken und Veranstaltungen zu organisieren, werden alle Aufgaben jeweils Hauptverantwortlichen zugewiesen. Dafür müssen zuerst einmal alle diese Aufgaben erklärt werden, um sie dann möglichst gleichmäßig auf alle aufteilen zu können. Damit war dann auch der zweite Tag des Wochenendes geschafft.

Das Thema Social Media stand am Sonntag besonders im Fokus. Gemeinsam machte man sich Gedanken, was und wie die Landjugend auf Social Media so alles teilen kann. Dabei wurden alle noch einmal ordentlich kreativ. Um das Ganze direkt auszuprobieren, wurden erste Vorlagen für Beiträge erstellt und in der Gesamtgruppe besprochen.

Als krönenden Abschluss gab es zum Mittag typisch norddeutschen Grünkohl. Damit war das Wochenende bereits wieder vorbei und es ging für alle zurück in Richtung Heimat. Nun kann das Landjugendjahr so richtig starten!

Weniger Importe, mehr Klimaschutz

Deutschland kann seine Nettoagrarimporte bis 2045 deutlich verringern und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft um rund 60 % senken. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Berliner Denkfabrik Agora Agrar hervor.

Demnach ließe sich der Bedarf an Nettoagrarimporten auf die Fläche bezogen von derzeit rund 4 Mio. ha auf etwa 1 Mio. ha reduzieren. Eine solche Einsparung entspräche etwa der Fläche des Bundeslandes Brandenburg. Gleichzeitig könnten mehr Biomasse für die Bioökonomie und ausreichend Lebensmittel für eine gesunde Ernährung erzeugt werden, heißt es in der Analyse. Auf diese Weise ließe sich strategische Autonomie in Zeiten zunehmender geopolitischer Risiken ebenso stärken wie Nachhaltigkeit, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.

Größte Klimaschutzhebel Tierhaltung und Moore

Allerdings braucht es dafür laut den Autoren eine deutlich pflanzenbasiertere Ernährung als heute. Zudem müssten Moore großflächig wiedervernässt, die Emissionen aus der Tierhaltung spürbar gesenkt und Biomasse verstärkt stofflich, etwa als Baustoff, anstatt energetisch genutzt werden. Eine weitere Voraussetzung für die nötigen Investitionen und Innovationen ist für den Co-Direktor von Agora Agrar, Prof. Harald Grethe, zudem „Planungssicherheit durch eine langfristig verlässliche, evidenzbasierte Politik, die öffentliche Mittel effizient einsetzt”.

Die größten Hebel zur Treibhausgasreduktion sehen die Wissenschaftler der Denkfabrik in der Tierhaltung und der Moornutzung. Im skizzierten Agora-Szenario sinken unter der Annahme, dass der Verzehr pflanzlicher Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte oder Nüsse deutlich steigt, während der Verzehr tierischer Lebensmittel zurückgeht, die Emissionen aus der Tierhaltung bis 2045 um 33 %. Der Rückgang der Emissionen resultiert dabei einerseits aus geringeren Tierzahlen und andererseits aus klimaeffizienteren Produktionsmethoden.

Tierbestand im Szenario drastisch verringert

Konkret rechnen die Wissenschaftler mit einem Rückgang des Rinderbestands um 45 %. Fleischrinder sind dabei stärker betroffen als Milchrinder, da Rindfleisch im Szenario überwiegend als Koppelprodukt der Milchviehhaltung anfällt. Der Rückgang in der Geflügelmast fällt aufgrund höherer Futtereffizienz und aktueller Konsumtrends vergleichsweise moderat aus: Die Mast nimmt um 14 % ab, die Zahl der Legehennen um 37 %. Den stärksten Rückgang verzeichnet in der Studie die Schweinemast: Bis 2045 sinkt im Szenario die Zahl der Zuchtsauen um 59 %.

„Wichtig ist, die landwirtschaftliche Tierhaltung frühzeitig auf das ambitionierte Klimaziel für 2040 vorzubereiten“, erklärte Co-Direktorin Dr. Christine Chemnitz. Dafür brauche es gezielte politische Anreize, zum Beispiel für den Einsatz emissionsmindernder Technologien und Praktiken. Rund ein Drittel der im Agora-Szenario beschriebenen Emissionsminderung in der Tierhaltung stammt aus solchen Techniken. Wirksam sind demnach vor allem die Vergärung von Gülle in Biogasanlagen mit anschließend gasdichter Lagerung der Gärreste sowie der Einsatz von Güllezusätzen und Methanhemmern in der Fütterung.

Moorwiedervernässung vergleichsweise günstig

Für die Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moore, den zweiten großen Klimaschutzhebel im Agora-Szenario, sind laut Studie vor allem verlässliche wirtschaftliche Perspektiven für die Betriebe nötig. Übergangsweise könnten Prämienzahlungen über einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren den Verzicht der Betriebe auf eine trockene Nutzung ausgleichen. Bei einer Vernässung von 80 % der landwirtschaftlich genutzten Moorflächen lägen die Gesamtkosten dafür bis 2045 bei rund 8 Mrd. €, schätzt Agora Agrar.

Das ist nach Grethes Einschätzung angesichts des Zeithorizonts der Ausgaben eine vergleichsweise geringe Summe. Schließlich fallen Deutschland aus dem Topf der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) knapp 6 Mrd. € zu – jährlich. Um die Flächen trotzdem weiter produktiv nutzen zu können, kommt zudem dem Aufbau von Paludikulturwertschöpfungsketten in der Studie eine wichtige Rolle zu.

Gemeinwohlleistungen müssen entlohnt werden

Damit die in der Studie beschriebenen Potenziale gehoben werden können, müssten der Klima- und Biodiversitätsschutz und ein hohes Tierwohlniveau für die Betriebe zu einer ökonomischen Chance werden, empfehlen die Wissenschaftler von Agora Agrar. Entscheidend sei dafür, dass Gemeinwohlleistungen verlässlich honoriert würden, insbesondere aus den Mitteln der GAP. „Um EU-Mittel auch in Zeiten knapper Kassen zu erhalten, sollten diese gezielt für die Honorierung von Gemeinwohlleistungen eingesetzt werden“, so Grethe. „So wird die Wettbewerbsfähigkeit einer nachhaltigen Landwirtschaft gestärkt.“

Gleichzeitig müsse der bürokratische Aufwand für die landwirtschaftlichen Betriebe möglichst gering gehalten werden, während Klima- und Biodiversitätsschutz die Produktivität nur minimal beeinträchtigten. Zwei Instrumente können laut der Studie dazu beitragen: ein Benchmarking-System, das die Gemeinwohlleistungen einzelner Betriebe vergleichbar macht und den Verwaltungsaufwand reduziert. Ergänzend soll ein Biodiversitätsindex erlauben, Maßnahmen zum Biodiversitätsschutz mit möglichst geringem Flächenbedarf kooperativ umzusetzen und ihre Wirkung auf Landschaftsebene zu erhöhen.

Sorgenkind Erntegut-Bescheinigung

0

Der Ackerbauausschuss des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) tagte am Dienstag vergangener Woche in Hohenlieth, Kreis Rendsburg-Eckernförde, bei  der Norddeutschen Pflanzenzucht (NPZ). Der geschäftsführende Gesellschafter, Dietmar Brauer, stellte hierfür die Räumlichkeiten des Unternehmens zur Verfügung. Die Anwesenden diskutierten ausgiebig über das Thema Erntegut-Bescheinigung.

Der Ackerbauausschuss des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) tagte am Dienstag vergangener Woche in Hohenlieth, Kreis Rendsburg-Eckernförde, bei  der Norddeutschen Pflanzenzucht (NPZ). Der geschäftsführende Gesellschafter, Dietmar Brauer, stellte hierfür die Räumlichkeiten des Unternehmens zur Verfügung. Die Anwesenden diskutierten ausgiebig über das Thema Erntegut-Bescheinigung.

Nach dem „Erntegut-Urteil“ des Bundesgerichtshofs (BGH) 2023 sind Käufer von Getreide verpflichtet, sich zu erkundigen, ob die Ware aus legal angebautem Saatgut gewonnen wurde. Der Erzeuger müsse klarstellen, ob Z-Saatgut oder Z-Pflanzgut genutzt oder ordnungsgemäß Nachbaugebühr entrichtet wurde. Aus dem Urteil ging jedoch nicht hervor, in welchem Umfang Landwirte Informationen hierfür bereitstellen müssen.

Der Bundesverband der Pflanzenzüchter (BDP) erklärte zuletzt, die reine Selbstauskunft der Landwirte reiche hierfür nicht aus. Aus diesem Grund erstellte der BDP zusammen mit der Saatgut-Treuhandverwaltung (STV) ein kostenloses Online-Portal, das Daten zu Erzeugung und Einsatz von Z-Saatgut anhand von Kaufbelegen und Anbauumfängen der Kulturen erfassen soll. Dieses Portal ist seit dem 15. Juli 2024 auf der Webseite der STV erreichbar. Im Gegenzug erhalten Landwirte nach einer Plausibilitätsprüfung eine Bescheinigung, die sie von sämtlichen weiteren Rechtsansprüchen der Züchter freistellt. Diese Bescheinigung wird als „Erntegut-Bescheinigung“ bezeichnet und führt seit dem BGH-Urteil zu Spannungen zwischen Landwirten, Landhandel und STV.

Unmut bei Landwirten: Mangelhafte Transparenz

Der Vorsitzende des Ackerbauausschusses, Malte Jacobsen, erklärte: „Die Züchter müssen für ihre Forschung und Sortenentwicklung entlohnt werden, da sind wir uns alle einig. Dafür kaufen wir Landwirte Z-Saatgut oder können gegen eine Lizenzgebühr auch bestimmtes Saatgut nachbauen.“

Die Ursache für das BGH-Urteil und Schuld für das Dilemma sehen alle Beteiligten bei denjenigen Landwirten, die sich seit Jahren „illegal verhalten, in dem sie nicht bei der Nachbaumeldung partizipieren.“, so Johann Meierhöfer, Fachbereichsleiter pflanzliche Erzeugung beim Deutschen Bauernverband (DBV). Der DBV spricht sich offen gegen die Nutzung des Portals und die damit verbundene Eingabe von sensiblen betriebsinternen Daten aus. Meierhöfer erklärte: „Die Sammlung von betriebsinternen Daten geht weit über das hinaus, was das Erntegut-Urteil fordert.“ Dies führe schnell zu Unmut unter den Erzeugern. Landwirte, die sich schon immer an die Regeln gehalten hätten, könnten nicht nachvollziehen, warum nun noch mehr Bürokratie auf sie zukomme. Ihr Unmut beziehe sich dabei sowohl auf den Mehraufwand als auch auf die fehlende Transparenz sowie auf die Tatsache, dass sich der größte Teil der Bauern nichts vorzuwerfen habe.

Was geschieht mit den Daten?

Zusätzlich betrachtet ein Großteil der Landwirte die Offenlegung ihrer betriebsinternen Zahlen als übergriffiges Verhalten der STV und des Landhandels, da sie keine Kontrolle darüber hätten, was mit ihren Daten geschehe. Anders sieht das Dietmar Brauer, der mit der NPZ Gesellschafter in der STV und als stellvertretender Vorsitzender des BDP aktiv ist. Aufgrund der unklaren Rechtslage in Bezug darauf, welche Daten von den Landwirten angegeben werden müssen, sieht er das Portal der STV als Hilfestellung für Händler und Landwirte, damit diese rechtssicher agieren könnten. Brauer bekräftigte, dass für den Erhalt der Erntegut-Bescheinigung kein Flächen- oder Summenverzeichnis aus dem Sammelantrag und keine Belege vom Saatgutkauf hochgeladen werden müssten. Allerdings erhöhe die einfache Eingabe im Portal ohne Belege die Möglichkeit einer Kontrolle durch die STV.

Nach der Ausschusssitzung fand auf dem Gelände der Norddeutschen Pflanzenzucht (NPZ) ein Rundgang statt. Foto: Patrick Mühling


Der Spielball liegt auf der Seite der STV und des Landhandels. Der DBV ist nur Zuschauer

Johann Meierhöfer, DBV

Meierhöfer betonte, dass das Stichwort in der Sache Vertrauen heiße. Dieses Vertrauen ist laut dem DBV jedoch durch den unglücklichen und intransparent geführten Lösungsansatz der STV stark belastet. Nun müsse eine neue Lösung her, für die sich der DBV in Berlin weiterhin einsetzen wolle.

„Der Spielball liegt auf der Seite der STV und des Landhandels. Der DBV ist nur Zuschauer“, sagte Meierhöfer. Juristisch betrachtet seien dem Verband die Hände gebunden, da weder er noch die jeweiligen Landwirte gegen das Urteil Klage einlegen könnten.

Aufgrund der Uneinigkeit darüber, wie das Problem zu lösen sei, werde der bisherige Status quo wohl noch eine Weile bestehen bleiben. Der Ausschuss gab zum Ende der Sitzung sein Einverständnis dafür, dass Johann Meierhöfer im Auftrag der Landwirte weiterhin an einer Lösungsmöglichkeit arbeiten dürfe.

Ein Jahrhundert in Berlin

0

Zum 100. Geburtstag der Internationalen Grünen Woche präsentiert sich Schleswig-Holstein erstmals seit 2020 wieder mit einem Gemeinschaftsstand in Berlin.

Mit dem neuen, kompakten Auftritt zeigen sich neben den Brauereien Dithmarscher und Flensburger auch viele Gütezeichen-Betriebe, allen voran die Meierei Sarzbüttel mit eigener neuer Standfläche. An den Ständen des Gütezeichens Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein und von Gutes vom Hof.SH stellen in wechselnder Besetzung zwölf direkt vermarktende Betriebe ein vielseitiges Sortiment vor.

Bereits 1926 öffnete die Grüne Woche auf dem Berliner Messegelände ihre Tore. Foto: Grüne Woche

Vom 16. bis 25. Januar lädt die Grüne Woche in die traditionsreichen Messehallen in Berlin ein. Wie schon im Jahr 2020 zeigt sich Schleswig-Holstein in der Halle 5.2a und teilt damit die Halle mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Das benachbarte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern schließt in der Halle 5.2b an. Am Schleswig-Holstein-Stand stellen an den Marktständen des Landwirtschaftsministeriums folgende Gütezeichen-Betriebe jeweils für einige Tage ihre ausgezeichneten Produkte vor: Hof Bannick, Hinrichsens Farm, Meierei Horst, Kohlosseum, Obst- und Weingut Ingenhof, Feddersens Farm, Obstquelle und Urthel. Alfred Urthel bietet die leckeren Krabben- und Fischdelikatessen von der Westküste während der gesamten Messelaufzeit an und ergänzt damit das Angebot der Standgastronomie um die beliebten Fischbrötchen. Weitere landestypische Gerichte aus schleswig-holsteinischen Zutaten bereitet Michael Stöcken mit seinem Team in der zentralen Standgastronomie zu. Am Biomarktstand informiert die Meierei Hamfelde über ihr aktuelles Sortiment. Auch im neuen Standkonzept laden zahlreiche Sitzplätze die Besucher zum Verweilen im „Echten Norden“ ein. Auf den Social-Media-Kanälen des Gütezeichens Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein werden noch bis zum 22. Januar Freikarten für die Grüne Woche verlost.

Neustart am Schleswig-Holstein-Stand mit einem kompakten Messeauftritt. Foto: Michael Hahne, Capital Services

Keine Angst vor Mercosur

0

Berghuis aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen ist als Kälberhändler auch in Schleswig-Holstein kein Unbekannter. Seit Juni 2025 ist er Präsident des Deutschen Vieh- und Fleischhandelsbundes. Als stellvertretender Sprecher der German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) ist er Ansprechpartner der Bundesregierung in Fragen der Exportförderung. Das Bauernblatt hat Berg­huis zum Mercosur-Abkommen und zur ­Exportstrategie der Bundes­regierung interviewt.

Das Mercosur-Abkommen wurde nach 25 Jahren Diskussion gegen den Widerstand von Frankreich, Polen und Ungarn abgeschlossen. Wie ist Ihre Position dazu?

Paul Berghuis: Ich finde es gut, dass jetzt nach 25 Jahren endlich ein Ergebnis erreicht wurde. Wenn man sich einmal überlegt, was in der Zeit schon alles passiert ist – was soll dann in Zukunft noch kommen, damit es besser oder notwendiger wird? Wir brauchen den erweiterten Warenaustausch, damit haben wir auf allen Seiten Vorteile. Guter Handel und Warenaustausch sind gewünscht und haben immer positive Auswirkungen, wenn die Risiken mitgedacht werden. Ein wirtschaftlicher Erfolg wird uns allen, auch in der Landwirtschaft und der Lebensmittelbranche, unterm Strich gewiss sein.

Sie sprechen auch für den deutschen Vieh- und Fleischhandelsbund. Welche Rolle nehmen Ihre Mitglieder in dieser Debatte ein?

Wir vertreten unsere Mitglieder, die innerhalb des Livestock-Bereichs als wesentliche Händler und Transporteure agieren. Alle Nutztiere werden von landwirtschaftlichen Betrieben zu anderen oder zum Schlachthof gefahren. Diese Tätigkeiten geschehen auf Basis von in Jahrzehnten aufgebauten gesetzlichen Regelungen und freiwillig errichteten Qualitätsstufen. Für den Tiertransport gibt es da etwa die EU-Tierschutztransportverordnung 1/2005, die in Deutschland an verschiedenen Punkten noch verschärft wurde. Für den Handel gibt es die QS, Haltungsstufen, regionale Label und so weiter. Damit haben wir eine wertvolle Qualität und sehr hohe Sicherheit erreicht. Dies kostet Geld, da haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel investiert.

Was bedeutet der Marktzugang für Mercosur-Produkte für diese mühsam aufgebauten Standards?

Wenn aus den Mercosur-Staaten Produkte hereinkommen dürfen, die diese Standards nicht erfüllen, dann müssen wir uns überlegen, wie wir damit umgehen wollen. Wir müssen ganz klar die auf uns zukommenden Probleme benennen und aktiv im Vornherein um Lösungen ringen. Das ist ein normaler demokratischer Prozess. Somit ist dieser Streit in Ordnung.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass wir uns in Europa unserer Qualität bewusst sind. Diese müssen wir klar und deutlich benennen, kennzeichnen und auch mit unseren Regeln verteidigen. Dann können auch wir unsere Existenz im Markt behalten.

Sie fordern also harte Kriterien für den Import?

Frankreich macht da klare Schritte und verbietet zum Beispiel den Import von Agrarprodukten, die mit in der EU verbotenen Pestiziden behandelt wurden. So etwas stelle ich mir auch für unsere Branche vor: Wenn die Tiere nicht nach unseren EU-Standards plus unseren deutschen Verschärfungen behandelt und transportiert werden, dann sollten wir den Import in die EU oder nach Deutschland verbieten.

Denn wenn wir die ausländischen Waren, die nicht unseren Standards entsprechen, so nur mit einer Kennzeichnung versehen würden und somit den Zugang dieser Produkte akzeptieren würden, dann müssten wir diese Standards im Umkehrschluss auch für unsere eigene Produktionen ermöglichen und würden damit dann unsere bisher erreichten Umwelt- und Tierschutzstandards verringern …

Viele NGO fordern eine stärkere Konzentration auf den heimischen Markt. Warum halten Sie am Export fest?

Ich frage einmal umgekehrt, was wir ohne einen Import von Lebensmitteln wären: Früchte, Gemüse, Fisch … Und was wären wir, wenn wir unsere hiesigen Produkte nur hier vermarkten dürften? Dann wären die Preise bei kleinen Angebotsschwankungen direkt massiv tangiert. Wir brauchen den überregionalen Austausch von Produkten, um auch eine gewisse Kontinuität und Versorgungssicherheit zu haben.

Was mich umtreibt, sind die Wellen der internationalen Aggression, die im Moment auf uns einwirken. Wir sollten sehen, dass wir innerhalb Europas eine gewisse Versorgungssicherheit sicherstellen. Dazu gehören eine florierende Landwirtschaft und eine stabile und finanziell gesunde Livestock-Branche. Wenn dies von der Politik als notwendige Basis erkannt und aktiv unterstützt wird, dann wird ein Handelsabkommen positiv für alle Beteiligten sein.

Kann der Export auch ein Mittel gegen niedrige Erzeugerpreise und harte Discount-Konkurrenz in Deutschland sein?

Na klar! Konkurrenz belebt das Geschäft, das kann einmal für uns sein, kann auch einmal für uns herausfordernd sein.

Wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähigkeit von „made in Germany“?

Wir sollten nicht versuchen, die „billigsten“ Produzenten zu sein. Da wird es immer wieder andere geben, die das noch günstiger können oder auch müssen – siehe Pkw aus China. Wir können mit genauer und zielgerichteter Innovation, Qualität oder auch Historie punkten. Produkte mit der Aussage „made in Germany“ haben immer noch eine positive Bedeutung. Das können wir mit Stolz vertreten. Aber Achtung: An diesem Qualitätsversprechen hängen natürlich auch Verpflichtungen.

Wie bewerten Sie die Exportstrategie von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU)?

Ich begrüße die Aktivitäten ausdrücklich! Mit der stolzen Aussage „made in Germany“ eines ranghohen Politikers zeigt er jedem im In- und Ausland, dass wir auch gemessen an unseren eigenen Ansprüchen tolle Produkte anbieten. Das ist Landwirtschaftsförderung pur! Ich erlebe unseren Landwirtschaftsminister, der die Exportförderung zur Chefsache erklärt hat, als sehr offen und gesprächsbereit. Er hat uns als Unternehmer gefragt: Wo braucht ihr Unterstützung? Und was braucht‘s? Er muss jetzt die Umsetzung des Mercosur-Abkommens eng begleiten, damit wir unsere Qualität und Wertschöpfung langfristig erhalten.

Die Mercosur-Staaten sind als Handelspartner ein Teil des gesamten Spektrums. Der Markt für unsere Produkte in diesen Regionen wird sich in den kommenden Jahren weiter entfalten, da bin ich mir sicher. Was es jetzt braucht, ist positives Anpacken. Das können wir hervorragend, also los!

Züchter im Porträt: Harm Thormählen aus Kollmar

0

Der Name Thormählen ist unter Reitern und Züchtern der Holsteiner Pferde ein fester Begriff, denn von diesem Gestüt stammen Reitpferde, die bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften erfolgreich abgeschnitten haben. Harm Thormählen gehört zu den erfolgreichsten Springpferdezüchtern Deutschlands. Gemeinsam mit einer Fachjournalistin hat der 80-Jährige jetzt seine Erinnerungen als Reiter, Züchter und Pferdehändler zu Papier gebracht.

Bereits seit 1973 ist Harm Thormählen das Gesicht der Springpferdezucht in der Kollmarer Marsch, Kreis Steinburg. Zusammen mit seinem Vater Rheder Thormählen hat er über Jahrzehnte die Weiterentwicklung des Holsteiner Pferdes durch Blutlinien geprägt, die auf dem familieneigenen Hof entstanden sind.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Hof Thormählen (Altdeutsch: „zur Mühle“) bereits 1561. Er gehört damit zu den ältesten noch bewirtschafteten Familienhöfen in Kollmar. Die Familie kam aus den Niederlanden, um mit ihren Erfahrungen im Wasserbau beim Deichbau und bei der Urbarmachung der Marsch zu helfen. Der Hof liegt nur 3 km von der Elbe entfernt mitten im historischen Zentrum der Holsteiner Zucht.

Das Hofgebäude wurde 1920 durch einen großen Brand fast vollständig zerstört und 1921 neu aufgebaut. Über dem Haupttor der Stallungen wurde der noch heute gut sichtbare Spruch angebracht: „Wer auf Gott vertraut, der hat gut gebaut!“

Harm Thormählen wurde hier 1945 geboren und ist mit den Pferden groß geworden: „Als ich 14 Jahre alt war, ritten wir alle 14 Tage sechs Pferde zum Bahnhof nach Siethwende, von wo sie mit dem Zug nach Süddeutschland, in die Schweiz oder nach Italien gebracht wurden.“ Aber erst als Weltklassereiter wie Alwin Schockemöhle, Fritz Thiedemann, Hans Günter Winkler oder Hartwig Steenken auf den Hof kamen, wurde ihm bewusst: „Mein Vater Rheder Thormählen war einer der besten internationalen Pferdehändler.“

Anfänge im Springsattel

Waren die Pferde in der schweren Elbmarsch stets als kräftige Arbeitspferde für die Feldbestellung erforderlich gewesen, so setzten sich in den 1950er bis 1970er Jahren die Traktoren durch. Viele Pferde wurden in dieser Zeit zum Schlachter gebracht, aber Rheder Thormählen begann mit der Zucht von Sportpferden. Aus den Stämmen von Retina (Stamm 104a), Vase (Stamm 173) und Fein Cera (Stamm 3615) sowie mit dem Stempelhengst Capitol (Stamm 173) sind international erfolgreiche Springpferde gezogen worden.

Der erfolgreiche Zuchthengst Capitol steht als Statue im Garten des Gestüts. Foto: Herbert Frauen

Für Harm Thormählen begann das Leben mit den Pferden als Springreiter. In der Zeit von 1960 bis 2004 nahm er erfolgreich an mehr als 400 Turnieren teil. Mit Gera (Stamm 3615) ritt er 1964 im Nationenpreis in den Niederlanden. Und er lernte dabei, dass es in der Springpferdezucht nicht nur auf gute Hengste ankommt, sondern noch mehr auf die Stuten.

Nach dem Besuch der Mittelschule in Glückstadt besuchte Harm Thormählen zunächst die Landwirtschaftsschule in Elmshorn und absolvierte danach eine landwirtschaftliche Ausbildung mit einem Fremdjahr. Dann war er auf dem elterlichen Hof eingebunden und absolvierte noch ein Praktikum bei Alwin Schockemöhle.

Mit Gera war Harm Thormählen, hier als 19-Jähriger, hocherfolgreich im Sport. Die Stute kam nach ihrer Sportkarriere zurück in die Zucht. Foto: privat

Neben dem Reiten wurde die Pferdezucht immer mehr zu seiner Leidenschaft. Durch die Zusammenarbeit mit seinem Vater entwickelte sich seine züchterische Kompetenz. „Mein Vater war vor und nach dem Weltkrieg selbst im Springsattel bis zur internationalen Klasse erfolgreich und hatte eine große Leidenschaft für Springpferde. Früh erkannte er, dass die Zucht von Wirtschaftspferden keine Zukunft mehr hatte“, blickt Harm Thormählen zurück.

Spezialisierung auf Pferde

1973 übernahm er dann den Betrieb seines Vaters. Der Hof war damals noch ein klassischer Bauernhof mit Viehhaltung und Getreide, aber Harm Thormählen spezialisierte sich schrittweise auf die reine Pferdezucht. Seit 1980 teilt er seine Leidenschaft mit seiner Frau Ingela, die als Apothekerin in Halstenbek tätig war.

Die meisten der etwa 25 jährlich geborenen Fohlen werden heute auf dem Betrieb selbst großgezogen und zu Springpferden ausgebildet. Der Verkauf erfolgt dann im Alter ab fünf Jahren. Schnell erkannte Harm Thormählen während seiner Selbstständigkeit, dass die wirtschaftliche Lage des Pferdezuchtbetriebes kein Selbstläufer ist: „Von zehn geborenen Fohlen entsprechen vielleicht ein oder zwei den Vorstellungen des Züchters. Diese wenigen erfolgreichen Züchtungen müssen dann so gut verkauft werden, dass sie die vielen mittelmäßigen mitfinanzieren.“
Der Betrieb wurde 2021 von ­Philipp Baumgart übernommen. Er ist Ingela Thormählens Neffe und hat noch einen Pferdezuchtbetrieb im niedersächsischen Verden an der Aller. Baumgart möchte, dass einmal eine seiner vier Töchter den Betrieb in Kollmar übernimmt. Deshalb plant er bereits, einige Gebäudeteile zu modernisieren oder zu erneuern. Dabei will er behutsam vorgehen und das Hauptgebäude erhalten, denn „die Ausstrahlung des geschichtsträchtigen Hofes soll weiter bestehen bleiben“.

Erinnerung in Buchform

Harm Thormählen hat nun im Alter von 80 Jahren seine Lebensstationen und Erinnerungen in einem Buch dokumentiert: „2002 war Capitol der weltweit beste Hengst und Fein Cera war erfolgreich bei den Weltreiterspielen. Im Rückblick auf diese großen Erfolge wollte ich meine Erinnerungen daran in Buchform festhalten.“ Bereits 2005 hatte der Fernsehsender Arte das Leben auf dem Pferdehof mit der Dokumentation „Das Gestüt“ aufgezeichnet. Daraus entstand eine 15-teilige Serie in deutscher und französischer Sprache, die noch heute als Ausbildungsmittel für die Pferdezucht genutzt wird.

Bei Olympia in Athen 2004 gewannen Fein Cera und Peter Wylde (USA) Mannschaftsgold. Foto: Stefan Lafrentz/Imago

Die Fachjournalistin Adriana van Tilburg, die selbst ein Pferd von ihm gekauft hatte, interviewte den Züchter über drei Jahre hinweg immer wieder. Aus dieser Zusammenarbeit entstand das Buch „Harm Thormählen: Ein Leben für die Springpferdezucht“. Es ist im Asmussen Verlag aus Gelting erschienen und im Buchhandel erhältlich. Es erzählt auf 160 Seiten die Geschichte des Hofes und Harm Thormählens Entwicklung vom erfolgreichen Reiter zum weltweit agierenden Pferdehändler und Züchter zusammen mit seiner Frau Ingela.

Bei der Buchpräsentation freute sich Harm Thormählen (v. li.) über den Besuch von Adriana van Tilburg und Philipp Baumgart. Foto: Herbert Frauen

Die besondere Note entsteht durch die Darstellung der Begegnungen mit Züchtern und Käufern auf dem Hof. So entwickelten sich oft Freundschaften oder ein wertschätzendes Verhältnis zu den Kunden, darunter Prominente wie Prinzessin Haya von Jordanien, EU-Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU), Schauspielerin Claudia Rieschel oder der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust.

Sommerblumen mit langer Vorkultur

0

Auch wenn der Winter uns noch im Haus hält, kribbelt es so ­langsam schon wieder in den ­Fingern. Warum also nicht mit der Vorkultur von Sommer­blumen starten, die einen etwas längeren Anlauf nehmen? Wer den Aufwand nicht scheut, ­bekommt für wenig Geld schöne Pflanzen.

Allerdings ist die frühe Aussaat wegen der Lichtverhältnisse in unseren Breiten durchaus knifflig. Im beheizten Profi-Gewächshaus ist das Verhältnis von Temperatur und Lichtstärke gegen Ende Januar bereits ausreichend. Wer jedoch mit der Fensterbank vorliebnehmen muss, benötigt eine Pflanzenleuchte. Gab es früher noch Pflanzenleuchten in Form von Leuchtstoffröhren, so finden man heute vorwiegend LED-Leuchten im Angebot. Eine einzelne Pflanzenleuchte kostet mittlerweile 50 €, zusammen mit dem Zimmergewächshaus knapp 70 €. Das lohnt sich vor allem dann, wenn über zwei, drei Jahre die Ausgabe über gesparten Pflanzenkauf wieder hereinkommt. Ansonsten wartet man besser bis Ende Februar. Dann genügen auf einer nach Süden ausgerichteten Fensterbank die natürlichen Lichtverhältnisse für eine Vorkultur ohne technische Hilfsmittel.

Bei zeitigen Aussaaten auf der Fensterbank ist eine Pflanzenleuchte notwendig. Foto: Karin Stern

Nach der Keimung sind die jungen Pflanzen auf einen ausreichend hellen Standort angewiesen. Tipp: Besser an einem helleren und dafür etwas kühleren Platz weiterkultivieren. Stehen die Pflanzen zu warm und erhalten sie zu wenig Licht, bilden sie lange, dünne Stängel. Gärtner bezeichnen dies als Geilwuchs. Der Stängel knickt schnell um und die Pflanze stirbt ab. Entgegenwirken kann man diesem Prozess nur, indem man entweder für mehr Licht sorgt oder die Temperatur senkt. Für die Aussaat empfiehlt sich die Verwendung einer speziellen Anzuchterde aus dem Gartenhandel. Sie enthält im Gegensatz zu herkömmlicher Blumenerde kaum Nährstoffe. Die im Dünger enthaltenen Salze können die jungen Keimlinge so schädigen, dass sie absterben. Die meisten Aussaaterden werden bei der Herstellung mit Wasserdampf sterilisiert, um Pilzsporen und Krankheitserreger abzutöten. Schimmel tritt jedoch hin und wieder in torffreien Aussaaterden auf.

Feine Samen lassen sich nur schwer gleichmäßig verteilen. Mit Sand vermischt geht es viel leichter. Foto: Karin Stern

Feines Saatgut wie das der Löwenmäulchen wird am besten in Schalen ausgesät. Kleine Samen lassen sich besser verteilen, wenn sie mit trockenem Quarzsand gemischt auf dem Saatbett ausgestreut werden. Bei grobkörnigen Samen sät man jeweils drei oder vier Korn in ein vorbereitetes Töpfchen. Beste Startbedingungen erhalten die Pflanzen, wenn tiefere Töpfchen zur Hälfte mit normaler Blumenerde gefüllt werden und darauf die Aussaaterde verteilt wird. So keimen die Samen in der düngerfreien Erde und die Wurzeln finden nach der ersten Entwicklungsphase die nährstoffreiche Blumenerde unten im Topf vor. Hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme begünstigen eine zügige Keimung. Spezielle Anzuchtkisten oder Zimmergewächshäuser verfügen daher meist über Abdeckhauben aus Kunststoff. Die Abdeckung muss allerdings täglich für einige Zeit gelüftet werden. Damit vermeidet man Pilzerkrankungen und sorgt für einen Luftaustausch.

Nach einiger Zeit wird es für die jungen Keimlinge in den Schalen zu eng. Sie werden nun in kleine, mit Blumenerde gefüllte Töpfe pikiert. Der richtige Zeitpunkt dafür ist gekommen, wenn sich nach den Keimblättern die ersten Laubblätter entfalten. Bei manchen Pflanzen sind keine speziellen Keimblätter zu erkennen. Sie werden pikiert, sobald sich das vierte Laubblatt zeigt. Wertvolle Hilfe leistet dabei in spezielles Pikierbesteck, dass aus Spatel und Pikierstab besteht. Wer zum optimalen Zeitpunkt pikiert, mindert den Umpflanzschock und damit die Wachstumsunterbrechung.

Bei größeren Samen empfiehlt sich die Aussaat in kleinen Töpfen. Foto: Karin Stern

Der geeignete Termin für die Auspflanzung ins Freiland ist abhängig von der Witterung. Die mit viel Liebe und Aufwand großgezogenen Pflanzen sollten vor Frost geschützt werden. Mancher wartet daher mit dem Auspflanzen bis nach den Eisheiligen. Wer es eiliger hat, sollte ein Vlies bereithalten und es bei Bedarf in kalten Nächten auflegen. Tipp: Die Setzlinge vorher unbedingt stundenweise ans Freiland gewöhnen. Außerdem frisch bepflanzte Balkonkästen und Töpfe sowie ausgeräumte Kübelpflanzen nicht gleich in die pralle Sonne stellen, sondern ebenfalls eingewöhnen.

Quelle: Karin Stern
Üppige Blütenpracht benötigt etwas Vorlauf. Foto: Karin Stern
Der Dauerblüher Schwarzäugige Susanne braucht in unseren Breiten eine lange Vorkultur. Foto: Karin Stern
Die reiche Blüte des Eisenkrauts Anfang Juli ist der Lohn für die frühe Vorkultur. Foto: Karin Stern
Löwenmäulchen kommen umso früher in die Blüte, je eher sie ausgesät werden. Foto: Karin Stern
Die winzigen Samen der Petunien werden als Lichtkeimer nur auf der Aussaaterde angedrückt. Foto: Karin Stern
Spinnenblumen begeistern mit ihrer einzigartigen Blüte. Foto: Karin Stern
Die Vanilleblume verströmt einen angenehm süßen Duft. Foto: Karin Stern