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Klein, wendig, unterschätzt: Quads und ATV

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Wer heute durch viele Privat- und Kommunalwälder geht, begegnet ihnen immer häufiger: Quads oder ATV (All-Terrain-Vehicle), beladen mit Motorsäge, Kanistern, Seilwinde oder einem kleinen Rückewagen. Was noch vor wenigen Jahren als Spielzeug belächelt wurde, ist für zahlreiche Brennholz-Selbstwerber zu einem festen Bestandteil ihrer Arbeitskette geworden. Doch wie sinnvoll ist der Einsatz wirklich? Wo liegen die realen Vorteile – und wo beginnt die Schönfärberei?

Ein genauer Blick zeigt: ATV können in der Selbstwerbung ein funktionales Werkzeug sein, wenn sie richtig eingesetzt werden. Sie sind aber kein Ersatz für solide Forsttechnik und schon gar keine Lizenz für freie Fahrt durchs Unterholz.

Der Reiz liegt auf der Hand: Ein ATV ist vergleichsweise günstig, benötigt wenig Stellfläche, ist schnell einsatzbereit und kommt auch auf schmalen Wegen oder in klein strukturierten Beständen gut zurecht. Gerade im Winter, wenn Böden gefroren und tragfähig sind, lassen sich kleinere Holzmengen effizient bewegen – ohne den Einsatz schwerer Maschinen, die Boden und Bestand stärker belasten würden. In der Praxis übernehmen ATV vor allem drei Aufgaben. Sie fungieren als Zubringer für Ausrüstung, also für Motorsäge, Kraftstoff, Keile, Seilzüge, Werkzeug und Erste-Hilfe-Material. Sie dienen als Zugfahrzeug für die Kleinrückung von Kurzholz oder Meterstücken aus dem Bestand an den Weg. Und sie werden als universelles Betriebsfahrzeug für Kontrollfahrten, Winterdienst oder jagdliche Infrastruktur genutzt. In Kombination mit Forstanhänger und Seilwinde entsteht ein überraschend vielseitiges System für die dezentrale Holzwerbung. Genau hier setzt auch die kritische Betrachtung an. Mit jedem zusätzlichen Einsatz steigt die Versuchung, das Quad als Allzwecklösung zu begreifen – und damit seine konstruktiven, rechtlichen und ökologischen Grenzen zu ignorieren.

Für das Rücken im Bestand kommt eine Honda-Raupe zum Einsatz, hier bedient von Frank Ströver.

Technik mit Anspruch: ATV als Arbeitsgerät

Forsttaugliche ATV unterscheiden sich deutlich von Freizeitfahrzeugen. Modelle von Herstellern sind heute gezielt auf land- und forstwirtschaftliche Anforderungen ausgelegt. Sie verfügen in der Regel über zuschaltbaren Allradantrieb, Untersetzung und Differenzialsperren, verstärkte Fahrwerke und ausreichende Bodenfreiheit. Die zulässige Anhängelast liegt – je nach Typ und Zulassung – meist zwischen einigen 100 kg und deutlich über 1 t bei gebremsten Anhängern. In Kombination mit speziellen Forstanhängern, teils inklusive Kran, und leistungsfähigen 12-V-Seilwinden ergibt sich ein Rückesystem, das für kleinere Holzmengen durchaus praxistauglich ist. Bei sachgemäßer Nutzung kann es helfen, Rückegassen zu entlasten und punktuelle Eingriffe effizienter zu gestalten. Die Technik selbst ist in vielen Fällen nicht mehr der begrenzende Faktor; entscheidend ist, wie bewusst sie eingesetzt wird.

Bodenschutz bleibt zentrales Thema

Ein häufiges Argument zugunsten von ATV lautet: geringes Gewicht, also geringe Bodenschädigung. Diese Gleichung greift jedoch zu kurz. Entscheidend ist nicht nur das Fahrzeuggewicht, sondern der resultierende Bodendruck, die Wiederholungsfrequenz der Befahrung sowie der Feuchtezustand des Bodens. Ein leichtes Fahrzeug kann bei ungünstiger Bodenfeuchte in kurzer Zeit tiefere Spuren ziehen als ein schwereres Fahrzeug, das nur wenige Fahrten auf tragfähigem Untergrund absolviert. In nach PEFC- oder FSC-Standard zertifizierten Wäldern ist die Befahrung grundsätzlich auf ausgewiesene Rückegassen zu beschränken. Ziel ist eine klare Trennung zwischen Maschinenzone und unbelasteter Bestandsfläche. Auch wenn ein ATV leichter wirkt als ein Rückezug, wird es forstökologisch als Arbeitsmaschine betrachtet – mit denselben Grundprinzipien: Konzentration der Befahrung, keine flächige Durchfahrt, keine Schäden an empfindlichen Strukturen. Der kurze Abstecher „mal eben neben die Gasse“ mag im Alltag verlockend erscheinen, widerspricht aber der Logik moderner Waldbewirtschaftung. Gerade im tauenden Winterboden zeigt sich: Auch ein Quad kann tiefe Spuren hinterlassen, die Jahre später noch sichtbar sind. Dass das Fahrzeug klein ist, entbindet nicht von der Pflicht zum Bodenschutz.

Zu schwach zum bestandesschonenden Herausseilen in voller Länge, zu stark zum Heraustragen: Die Kombination von Vorlieferraupe und Quad hat sich als ideal erwiesen, um das Meterholz aus dem Bestand zu bringen.

Unterschätztes Risiko auf vier Rädern

ATV verändern die Dynamik der Waldarbeit. Sie erleichtern Wege, verkürzen Distanzen und sparen Kraft – erzeugen aber auch neue Risiken. Kippunfälle auf Querhängen, unkontrollierte Abfahrten mit beladenem Anhänger oder Seilrisse bei überlasteter Winde gehören zu den typischen Gefahren, die in der Unfallstatistik nicht selten sind. In Kombination mit der ohnehin risikobehafteten Motorsägenarbeit ergibt sich ein komplexes Sicherheitsszenario. Persönliche Schutzausrüstung, Motorsägenschulungen und klar strukturierte Arbeitsabläufe sind keine Formalität, sondern Grundlage jeder verantwortungsbewussten Selbstwerbung. Das Thema Alleinarbeit bleibt kritisch – der souveräne Umgang mit Technik ersetzt kein Notfallnetz. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Windenarbeit. Zugrichtung, Seilführung, Standposition und Gefahrenbereich müssen konsequent beachtet werden. Schon kleine Fehler in der Einschätzung von Last, Umlenkung oder Befestigung können große Kräfte freisetzen. Das ATV als Zugfahrzeug macht diese Kräfte nicht kleiner – es bringt sie nur anders in den Bestand ein.

Rechtliche Realität im Wald

Ein ATV ist kein Sonderfahrzeug mit Sonderrechten. Es ist ein Kraftfahrzeug – mit allen daraus resultierenden Pflichten. Das Fahren im Wald ist in Deutschland klar geregelt und grundsätzlich nur auf freigegebenen Wegen und im Rahmen der Bewirtschaftung erlaubt. Wald- und Naturschutzgesetze der Länder sind hier eindeutig: Abseits von Wegen zu fahren, ist in der Regel verboten und kann als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden. Für Brennholz-Selbstwerber bedeutet das: Ohne ausdrückliche Zustimmung des Waldbesitzers oder Forstbetriebs ist die Nutzung eines ATV im Wald nicht zulässig. Die im Alltag gelegentlich zu beobachtende „Offroad-Mentalität“ hat im Wald keinen Platz. Freizeitfahrten schädigen nicht nur den Boden, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz moderner Forstwirtschaft – und werfen ein schlechtes Licht auf all jene, die Fahrzeuge im Wald verantwortungsvoll einsetzen.

Wirtschaftlichkeit: Werkzeug oder Luxus?

Ob sich ein ATV lohnt, ist keine emotionale, sondern eine betriebswirtschaftliche Frage. Neben den Anschaffungskosten kommen Ausgaben für Anhänger, Seilwinde, Halterungen, Wartung, Versicherung, Zulassung und Lagerung hinzu. Schnell erreicht das Gesamtsystem eine fünfstellige Investition. Für gelegentliche Brennholzwerbung unterhalb von 10 rm pro Jahr ist der wirtschaftliche Nutzen meist begrenzt. Interessant wird das System dort, wo regelmäßig größere Holzmengen anfallen, wo das Fahrzeug zusätzlich für andere betriebliche Aufgaben auf Hof und Flächen eingesetzt wird oder wo kein größerer Schlepper zur Verfügung steht. Zeitersparnis, Flexibilität und Schonung der eigenen körperlichen Ressourcen sind reale Faktoren – müssen aber gegen Kosten und Risiko gestellt werden.

Wo das System an seine Grenzen stößt

Starke Hangneigungen, schwere Stämme, aufgeweichte Böden oder eisige Abfahrten markieren die Grenzen des ATV. Hier wird aus dem Helfer schnell ein Sicherheitsrisiko. Gleiches gilt bei Überladung, falscher Lastverteilung oder fehlender Erfahrung mit dem veränderten Fahrverhalten unter Last. Hier ist die Zusammenarbeit mit professionellen Forstunternehmen – etwa für die Rückung – nicht nur sicherer, sondern häufig auch wirtschaftlicher. ATV eignen sich vor allem für die Kleinrückung, für kurze Distanzen und überschaubare Volumina. Wer sie darüber hinaus zwingt, in die Rolle eines Rücke­zugs hineinzuwachsen, wird früher oder später an technische und Sicherheitsgrenzen stoßen.

Bewährter Helfer: Selbstwerber Dieter Burhenne setzt auf sein Quad bei der Brennholzwerbung. Den Rückewagen hat der Verfahrensingenieur selbst gebaut.
Fotos: Landpixel

Ergänzende Perspektiven für die Praxis

In der forstlichen Fachpraxis rücken zunehmend weitere Aspekte in den Blick. Die Wahl geeigneter Reifen mit geringem Bodendruck, der Umgang mit Reifendrucksteuerung und das Potenzial leiser Elektro-ATV für sensible Bereiche sind Themen, die an Bedeutung gewinnen. Gleiches gilt für die ergonomische Gestaltung längerer Arbeitstage mit dem ATV: Sitzposition, Vibrationen und Witterungseinflüsse entscheiden darüber, ob ein Fahrzeug wirklich entlastet oder nur andere Belastungen erzeugt. Auch die Integration des ATV in ein ganzheitliches Betriebskonzept ist entscheidend. Es geht nicht nur um das einzelne Fahrzeug, sondern um Wegeplanung, Arbeitsorganisation, Bestandespflege und langfristige Erschließungsstrategien. Erst wenn diese Bausteine zusammenspielen, wird aus einem Quad im Wald ein stimmiges Werkzeug im Rahmen einer nachhaltigen Bewirtschaftung.

Typische Fehler aus der Praxis

In der praktischen Arbeit mit ATV im Wald zeigen sich immer wieder ähnliche Muster. Sie sind selten spektakulär, dafür umso häufiger – und oft der Grund für Schäden, Frust oder gefährliche Situationen. Ein häufiger Irrtum lautet: „Das Quad ist leicht, also schadet es dem Boden nicht.“ Tatsächlich entstehen viele der nachhaltigen Bodenschäden durch wiederholte Fahrten auf ungünstigem Untergrund, nicht durch das einzelne Fahrzeuggewicht. Ein weiterer Klassiker ist die Annahme, mit Anhänger und Winde ließe sich nahezu jedes Holz bewegen. Spätestens bei Hanglagen oder schweren Stämmen zeigt sich, wie schnell Traktion, Stabilität und Bremsleistung an ihre Grenzen stoßen. Auch „einmal kurz querzufahren“ ist ein verbreitetes Denkmodell, häufig gerechtfertigt mit Zeitdruck oder Bequemlichkeit. In Summe sind es gerade diese kleinen Grenzüberschreitungen, die Rückegassenkonzepte unterlaufen und langfristig zu Strukturschäden führen. Hinzu kommt die Tendenz, Technik zu über- und eigene Erfahrung zu unterschätzen. Wer vom Freizeitbetrieb ins forstliche Arbeiten wechselt, überträgt Fahrverhalten und Risikoeinschätzung oft unreflektiert in eine deutlich anspruchsvollere Umgebung. Eine realistische Fehlerkultur bedeutet deshalb, nicht nur über Technik zu sprechen, sondern auch über Gewohnheiten – und darüber, wie schnell Routine in Nachlässigkeit umschlagen kann.

Kleinmechanisierung: Entwicklung geht weiter

Die Entwicklung im Einsatz von ATV steht nicht still. Erste elektrische Modelle zeigen, wohin die Reise gehen kann: deutlich geringere Geräuschentwicklung, emissionsfreier Betrieb und ein sensibles Fahrverhalten, das besonders in Schutzgebieten oder stadtnahen Wäldern neue Möglichkeiten eröffnet. Auch Hybridlösungen und modulare Systeme, bei denen Anbaugeräte flexibel auf- und abgerüstet werden können, gewinnen an Bedeutung. Parallel entwickeln Hersteller zunehmend spezialisierte Forstpakete mit verstärktem Unterbodenschutz, verbesserten Windenlösungen und digitaler Unterstützung, etwa durch GPS-Tracking oder elektronische Neigungsanzeigen. Für kleinere Betriebe bedeutet das: Kleinmechanisierung wird professioneller – und zugleich anspruchsvoller in der Handhabung. Die entscheidende Frage bleibt jedoch: nicht, was technisch möglich ist, sondern, was forstlich sinnvoll ist. Die Zukunft des ATV im Wald wird weniger von Motorleistung und Geschwindigkeit bestimmt werden als von seiner Einbindung in nachhaltige, strukturierte Bewirtschaftungskonzepte.

Fazit

Quads und ATV sind keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern ein ernst zu nehmendes Werkzeug in der Brennholz-Selbstwerbung. Richtig eingesetzt, bieten sie Flexibilität, Effizienz und neue Spielräume in der forstlichen Arbeit. Wer sie hingegen als bequemen Ersatz für forstliches Denken nutzt, gefährdet Boden, Bestand und letztlich auch die eigene Sicherheit.

Reduziert China die Zölle?

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Die final auf EU-Milchprodukte erhobenen chinesischen Zölle könnten niedriger ausfallen, als es die vorläufige Festsetzung hatte befürchten lassen. Wie Brüsseler Kreise erklärten, sollen die endgültigen Ad-valorem-Zollsätze – also berechnet auf Basis des Warenwerts – nur zwischen 9,5 und 11,7 % liegen.

Rund 70 % der EU-Sahneexporte nach China kommen aus Österreich. Foto: Imago

Kurz vor Weihnachten hatte das chinesische Handelsministerium noch mitgeteilt, dass die vorläufigen Einfuhrabgaben ab dem 23. Dezember je nach Unternehmen zwischen 21,9 und 42,7 % des Warenwertes betrügen. Diese werden seitdem in Form einer Kaution erhoben. Offiziell werden die Einfuhrabgaben auf verschiedene Käse-, Milch- und Sahneprodukte erhoben. Kommissionskreise verbuchen die Abmilderung als Erfolg intensiver Gespräche mit dem Pekinger Handelsministerium zwischen Weihnachten und Neujahr.

Was passiert mit österreichischer Sahne?

Vor allem der Sahneabsatz in Österreich könnte trotzdem leiden. Dem Vernehmen nach werden jährlich rund 100.000 t EU-Sahne nach China geliefert, davon allein 70.000 t aus der Alpenrepublik. Da der bisherige Zollsatz bereits bei 8 % liegt und sich bis zu 11,7 % auf annähernd 20 % addieren, stellt sich aktuell so manche österreichische Meierei die Frage, ob künftig andere Sahneproduzenten mit niedrigeren Zollsätzen in China zum Zug kommen.

Offizielle und öffentlich einsehbare Zahlen aus dem Handelsministerium in Peking liegen zwar noch nicht vor. Da die Zölle ab dem 21. Februar erhoben werden sollen, was mitten ins chinesische Neujahrsfest (17. Februar bis 3. März) fällt, ist laut Kommissionskreisen mit einer früheren Bekanntgabe zu rechnen.

Das von Peking angestrengte Verfahren richtet sich offiziell gegen von der EU an den Milchsektor gezahlte Beihilfen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Es handelt sich also um ein Antisubventionsverfahren. Diese werden in der Regel von der EU-Kommission sehr ernst genommen, da sie Brüsseler Beihilfepolitiken infrage stellen. Anders sieht es häufig beispielsweise bei Antidumpingverfahren aus. Die zielen meistens auf einzelne Unternehmen, denen vorgeworfen wird, ihre Exportpreise künstlich zu verbilligen.

Irland: China setzt Rindfleischimporte aus

Unterdessen war die Marktöffnung Chinas für irisches Rindfleisch nur von kurzer Dauer. Nachdem das Dubliner Agrarressort Ende Januar den Ausbruch der Blauzungenkrankheit bestätigt hatte, haben die Pekinger Behörden die Einfuhr von Rindfleisch aus Irland ausgesetzt. Landwirtschaftsminister Martin Heydon zeigte sich gegenüber heimischen Medien enttäuscht. Er setzt jetzt auf eine enge Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden, damit die irischen Rindfleischlieferungen nach China rasch wieder aufgenommen werden können.

Für Irland kommt der Ausbruch der Blauzungenkrankheit zur Unzeit. Erst Mitte Januar hatte China seinen Markt für Rindfleisch aus Irland wieder geöffnet. Zuvor waren die irischen Rindfleischexporte ins Reich der Mitte seit September 2024 aufgrund eines BSE-Falls ausgesetzt. Auch davor war der Markt nur kurz geöffnet; seit 2000 fanden BSE-bedingt keine Exporte nach China statt.

Laut Angaben des Dubliner Agrarressorts hat der Ausbruch der Blauzungenkrankheit keine Auswirkungen, was den Export von Fleisch und Milchprodukten aus irischer Produktion in andere EU-Staaten, nach Großbritannien und in die meisten internationalen Märkte angeht. Heydon betonte zugleich, dass sein Haus über die Überarbeitung zahlreicher Handelszertifikate mit Drittländern verhandele, um die Auswirkungen des Seuchengeschehens zu minimieren. age

Südamerikaner starten Ratifizierung

EU-Mercosur-Freihandelsabkommen

Nach Paraguay hat jetzt auch Brasilien die Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur auf den Weg gebracht. Staatspräsident Lula da Silva legte es vergangene Woche dem Nationalkongress zur Prüfung und Genehmigung vor.

Sollte einer der Mercosur-Staaten das Abkommen ratifizieren, könnte auf EU-Seite die Brüsseler Kommission die vorläufige Anwendung beschließen. Die nationalen Parlamente müssen hier nicht zustimmen. In den Mercosur-Ländern muss das Abkommen laut den Angaben der brasilianischen Staatsregierung von allen vier Gründungsmitgliedern des Mercosur – konkret Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay – genehmigt werden. Da Silva betonte anlässlich der Eröffnung des parlamentarischen Verfahrens in Brasília die strategische Bedeutung des Abkommens für sein Land. Die EU sei Brasiliens zweitgrößter Handelspartner. Zudem solle das Abkommen die Diversifizierung der brasilianischen Handelspartnerschaften stärken und die Modernisierung der brasilianischen Industrie fördern.

Das EU-Mercosur-Abkommen ist derzeit auch Thema einer Delegationsreise des Ernährungsausschusses im Bundestag nach Brasilien. Außerdem geht es in Gesprächen mit brasilianischen Politik- und Wirtschaftsvertretern um die Entwicklung der Landwirtschaft und der Entwaldungsproblematik in Südamerika.

Wie brasilianische Medien berichteten, betonte unter anderem Senator Eduardo Gomes die brasilianischen Anstrengungen im Umweltschutz. Beispielsweise seien Waldbesitzer dazu verpflichtet, einen Teil ihres Landes als Waldreservat zu erhalten. age

Bedarfe und Standortbedingungen ausschlaggebend

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Die Stickstoffdüngung der Wintergetreidebestände hat maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklungs- und Ertragsbildungsprozesse der Kulturen und ist darüber hinaus auch bedeutend für die Anfälligkeit gegenüber Blattkrankheiten sowie für die Lageranfälligkeit der Bestände. Entsprechend erfordert eine bedarfsgerechte Düngung neben dem Fingerspitzengefühl bei der Einschätzung der eigenen Flächen auch die Voraussicht, die Potenziale und Risiken der aktuellen und der kommenden Vegetationsperiode richtig einzuordnen. Welches Vorgehen unter den gegebenen Bedingungen zweckmäßig ist, soll im Folgenden dargestellt werden.

Der Herbst 2025 war in Schleswig-Holstein durch eine ausgeprägte regionale Heterogenität der Witterungsbedingungen gekennzeichnet, die sich unmittelbar auf die Herbstbestellung und die Etablierung der Wintergetreidebestände auswirkte. Während im September noch überwiegend vergleichsweise trockene Bedingungen vorherrschten, war der Zeitraum ab Oktober durch eine deutliche Zunahme der Niederschläge und eine insgesamt instabile Witterung geprägt. Insbesondere an den westlichen Küstenstandorten traten im Oktober und November sehr hohe Niederschlagssummen auf, die sowohl die Befahrbarkeit der Flächen als auch die termingerechte Aussaat erheblich einschränkten. In der Folge kam es dort vielfach zu verzögertem Auflaufen sowie zu einer eingeschränkten Jugendentwicklung der Bestände.

Auf den leichteren ­Standorten der Geest sowie in den östlich gelegenen Regionen des Landes konnten die Wintergetreidebestände die erhöhten Niederschläge ab Oktober insgesamt besser kompensieren. Dennoch weisen auch hier später gesäte Bestände im Vergleich zu mehrjährigen Mittelwerten eine deutlich geringere Bestandesentwicklung auf. In den Monaten Dezember und Januar lagen die Niederschlagsmengen unter dem langjährigen Mittel. Gleichzeitig führten das Einsetzen der Vegetationsruhe, winterliche Temperaturverhältnisse sowie zeitweise Schneebedeckung im Winter 2025/2026 dazu, dass während der Wintermonate keine weitere Bestandesentwicklung stattfand.

Aktuelle Nmin-Werte

Um das standort- und bestandesangepasste Maß der Stickstoffdüngung festzulegen, ist sowohl im Rahmen der Düngebedarfsermittlung (DBE) als auch bei der Planung der einzelnen N-Gaben eine fundierte Kenntnis der aktuellen Nmin-Gehalte im Boden erforderlich. Die durch den Nitratmessdienst der Landwirtschaftskammer ermittelten durchschnittlichen Nmin-Werte für die einzelnen Naturräume, jeweils gemittelt über unterschiedliche Vorfrucht-Nachfrucht-Kombinationen (siehe Nitratmessdienst, Bauernblatt 6/2026), liegen mit 43 kg N/ha im Östlichen Hügelland sowie 25 kg N/ha in der Geest sowohl über den Vorjahreswerten als auch über dem langjährigen Mittel. Für die Marschstandorte bewegen sich die Nmin-Gehalte mit rund 50 kg N/ha etwa auf dem langjährigen Niveau. Diese Befunde lassen sich vor dem Hintergrund der im Dezember und Januar überwiegend unterdurchschnittlichen Niederschläge erklären, da unter diesen Bedingungen von einer reduzierten Nitratauswaschung auszugehen ist. Die vom Nitratmessdienst bereitgestellten Werte sind eine geeignete Grundlage für eine düngerechtskonforme Düngebedarfsermittlung. Aus fachlicher Sicht ist es jedoch weiterhin anzustreben, schlagspezifische eigene Nmin-Untersuchungen durchzuführen, um betriebs- und standortspezifische Unterschiede gezielt in der Düngestrategie berücksichtigen zu können. Die aktuell vorliegenden Smin-Gehalte bewegen sich ebenfalls auf einem überdurchschnittlichen Niveau.

Winterroggen zeigt bereits früh im Vegetationsverlauf eine hohe Stickstoffaufnahme. Die Ausgestaltung der Startgabe ist daher von zentraler Bedeutung für die weitere Bestandesentwicklung.

Bestände sorgfältig beurteilen

Für die Entscheidung, wie die Andüngung erfolgen soll, ist zunächst der eigene Bestand richtig anzusprechen. Um hier insbesondere potenzielle Auswinterungsschäden von Staunässeproblemen unterscheiden zu können, ist eine kurze Spatenprobe sinnvoll. Gleichzeitig lässt sich in allen Beständen, unabhängig von ihrem optischen Zustand, die Wurzelentwicklung beurteilen. Weiße Wurzeln und Wurzelspitzen deuten auf Aktivität hin, woraus sich Entwicklung und Wachstum ableiten lassen. Das ist die Voraussetzung für eine effektive Nährstoffaufnahme. Zudem muss die Regenerationsfähigkeit von ausgedünnten Beständen abgeschätzt werden. Gerade für grenzwertige Beständen, die eine zu geringe und ungleichmäßige Pflanzen- und Triebzahl aufweisen, ist es sinnvoll, einen Umbruch mit nachfolgender Ansaat einer Sommerung in Betracht zu ziehen. Gerade in diesem Frühjahr dürfte für einige sehr stark ausgedünnte Bestände infolge von Nässe und regionalem Kahlfrost im Januar die Entscheidung über Umbruch oder Weiterführung relevant sein.

Düngebedarf gezielt ermitteln

Vor der Durchführung der ersten Düngungsmaßnahme ist verpflichtend eine schriftliche DBE für Stickstoff und Phosphat gemäß den Vorgaben der Düngeverordnung (DÜV) durchzuführen. Auf Grundlage dieser Berechnung ergeben sich die maximal zulässigen Düngebedarfswerte, die beispielhaft für die Kulturen Wintergerste, Winterweizen und Winterroggen in Tabelle 1 für Stickstoff dargestellt sind. Die im Rahmen der DBE ermittelten Werte sind als rechtlich bindende Obergrenzen der N-Düngung zu verstehen und dürfen nicht überschritten werden. Zudem ist die schriftliche DBE über einen Zeitraum von sieben Jahren aufzubewahren. Das Vorgehen zur Erstellung der DBE sowie weiterführende Hinweise zur rechtssicheren Umsetzung wurden bereits in vorangegangenen Ausgaben ausführlich beschrieben und sind auch auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein unter folgendem Link abrufbar: https://t1p.de/natsu

Nährstoffform mit Bedacht wählen

Auf vielen Betrieben stellt sich die Frage nach der Nährstoffform des einzusetzenden Stickstoffdüngers in der Praxis häufig nicht mehr, da die Düngemittel bereits im Vorfeld der Saison beschafft wurden. In der Regel ist Harnstoff die kostengünstigste Stickstoffquelle, während Kalkammonsalpeter (KAS), auch in Kombination mit weiteren Nährstoffen wie Schwefel, oftmals mit höheren Kosten verbunden ist. Dennoch unterscheiden sich diese Düngemittel hinsichtlich ihrer Wirkungsweise und -geschwindigkeit deutlich. Applizierter Harnstoff muss zunächst im Boden zu Ammonium hydrolysiert werden, wobei Ammonium im Vergleich zu Nitrat eine geringere Mobilität im Boden aufweist. Bei der Anwendung von KAS kann hingegen aufgrund des enthaltenen Nitratanteils von einer schnelleren pflanzenverfügbaren Wirkung ausgegangen werden, insbesondere unter kühlen Witterungsbedingungen.

Vor diesem Hintergrund sollten schwach entwickelte Bestände, vor allem wenn der Zeitpunkt der ersten Düngungsmaßnahme näher an den Beginn des Schossens heranrückt, zumindest anteilig mit nitratbasierten Düngern versorgt werden, um das Risiko weiterer Triebverluste zu reduzieren. Unabhängig davon ist zu berücksichtigen, dass auch mit sehr hohen Startgaben keine zusätzlichen Triebe „an die Pflanze herangedüngt“ werden können, da die Triebzahl maßgeblich von der im Herbst und Winter akkumulierten Temperatursumme in der vegetativen Entwicklungsphase abhängt. Ein günstiger Nährstoffstatus kann lediglich die Ausbildung und Erhaltung bereits angelegter Nebentriebe unterstützen. Entsprechend können zu hohe Stickstoffgaben zu Vegetationsbeginn, insbesondere in bereits dichteren Beständen, auch nachteilig wirken, wenn die natürliche Seitentriebreduktion nicht ausreichend abläuft. Ergänzend ist sicherzustellen, dass die standortspezifisch optimalen Gehaltsklassen der Grundnährstoffe Magnesium, Kalium und Phosphor sowie eine bedarfsgerechte Kalkversorgung (Kalzium und pH-Wert) eingehalten werden. Nur bei einer ausgewogenen Versorgung mit diesen Nährstoffen ist eine effiziente Stickstoffaufnahme möglich, die sowohl Ertrags- als auch Qualitätszielen gerecht werden kann.

Die N-Düngung im Detail

Nachdem im Rahmen der DBE die maximal zulässige Höhe der Stickstoffdüngung für die jeweilige Kultur festgelegt wurde, richtet sich der Fokus in der praktischen Umsetzung auf die Auswahl der verfügbaren Düngemittel sowie deren zeitliche und mengenmäßige Aufteilung. Beispiele für eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung und mögliche Gabenaufteilungen sind in Tabelle 2 dargestellt. Unabhängig von diesen beispielhaften Darstellungen ist es jedoch erforderlich, die Düngung kontinuierlich an die jeweiligen schlagspezifischen Bedingungen, die Bestandesentwicklung sowie den Verlauf der aktuellen Vegetationsperiode anzupassen. Insbesondere Unterschiede in der Bestandesentwicklung nach dem Winter können Abschläge bei sehr stark entwickelten Beständen oder Zuschläge bei dünnen, schwach entwickelten Beständen in der ersten Stickstoffgabe erforderlich machen. Diese Anpassungen sind in der weiteren Düngestrategie entsprechend zu berücksichtigen. Trotz der in diesem Jahr insgesamt vergleichsweise hohen Smin-Gehalte sollte zur Vermeidung möglicher Versorgungslücken und zur Sicherstellung einer hohen Stickstoffeffizienz mit der ersten Stickstoffgabe grundsätzlich eine Schwefelgabe von etwa 20 kg S/ha kombiniert werden. Dies kann beispielsweise im Rahmen einer ersten Teilgabe (1a) über ASS oder SSA erfolgen, alternativ auch über eine separate Schwefelgabe, etwa in Form von Kieserit oder anteilig Korn-Kali.

Abhängigkeiten bei Winterweizen

Für Winterweizen ist in Abhängigkeit von Saatzeitpunkt und Bestandesentwicklung zu prüfen, inwieweit vorhandene Entwicklungsrückstände im Frühjahr noch kompensiert werden können. Grundsätzlich hat sich in den vergangenen Jahren eine Dreigabenstrategie bewährt. Während mit den ersten beiden Stickstoffgaben zur Bestockung und zum Schossen vorrangig der Ertragsaufbau angestrebt wird, zielt diese Strategie darauf ab, je nach Sorte und Standort etwa 500 bis 600 Ähren tragende Halme je Quadratmeter zu etablieren. Die dritte Stickstoffgabe erfolgt in der Regel zum Erscheinen des Fahnenblattes bis zum Beginn des Ährenschiebens und ist dabei weniger ertragswirksam. Vielmehr dient sie der Steuerung der Proteinkonzentration im Korn und stellt somit einen Kompromiss zwischen Ertragsbildung und Qualitätsabsicherung dar. Insbesondere in Jahren mit zunehmender Frühjahrstrockenheit kann die Wirksamkeit später Stickstoffgaben jedoch eingeschränkt sein, was aus Sicht des Gewässerschutzes ebenso wie aus ökonomischer Sicht als ungünstig zu bewerten ist. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung über Höhe und Ausgestaltung der dritten Gabe stets im Zusammenhang mit der aktuellen und absehbaren Bodenwasserversorgung zu treffen. Aufgrund der aktuellen Marktsituation, die für die Ernte 2026 voraussichtlich keine deutlichen Preisaufschläge für hohe Qualitäten erwarten lässt, erscheint eine stark qualitätsbetonte Düngestrategie mit einem Anteil von über 30 % der Gesamtstickstoffmenge in der späten Gabe nur bei Sorten sinnvoll, die sicher hohe Proteingehalte erreichen und zugleich eine stabile Fallzahl aufweisen. Darüber hinaus zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass die zeitliche Platzierung der einzelnen Teilgaben nicht starr an festgelegten Entwicklungsstadien auszurichten ist, sondern stets mit Blick auf die aktuelle Bestandesentwicklung sowie die vorhandene und zu erwartende Bodenfeuchte flexibel angepasst werden sollte.

Zwei Teilgaben für Wintergerste

Die Stickstoffdüngung der Wintergerste erfolgt in der Regel in zwei Teilgaben. Dies ist zum einen auf die im Vergleich zum Winterweizen deutlich schnellere Entwicklung der Kultur zurückzuführen, zum anderen darauf, dass bei Wintergerste keine gezielte Maximierung der Proteingehalte angestrebt wird. Ein wesentlicher Teil der Ertragsanlage erfolgt bereits im Herbst, sodass die Kompensationsmöglichkeiten im Frühjahr bei schwach entwickelten Beständen begrenzt sind. Vor diesem Hintergrund ist in schwach entwickelten Beständen eine deutlich startbetonte erste Stickstoffgabe erforderlich, um auch schwächere Triebe in die Ertragsbildung einzubeziehen. Die zweite Gabe dient anschließend der weiteren Absicherung des Ertragsaufbaus und kann je nach Bestandesentwicklung und Standortbedingungen zugleich die Abschlussgabe darstellen. Eine Anpassung der Gabenhöhe ist dabei stets in Abhängigkeit von der Bestandesdichte, der Wüchsigkeit sowie der aktuellen Witterung vorzunehmen.

Strategie für Winterroggen und -triticale

Für Winterroggen wird analog zur Wintergerste in der Regel eine Zweigabenstrategie empfohlen, da diese Kultur bereits früh im Vegetationsverlauf eine hohe Stickstoffaufnahme zeigt. Entsprechend sollte insbesondere die Startgabe ausreichend betont werden, um die frühe Nährstoffaufnahme sicherzustellen. Die zweite Teilgabe sollte zeitnah zum Beginn des Schossens zur Verfügung stehen, um die weitere Ertragsbildung abzusichern.

In Wintertriticale kann ebenfalls eine Zweigabenstrategie, vergleichbar mit der Vorgehensweise bei Wintergerste und Winterroggen, angewendet werden. Insbesondere auf ertragsstärkeren Standorten kann es jedoch sinnvoll sein, die zweite Gabe aufzuteilen und einen Teil des Stickstoffs in das beginnende Schossen hinein zu verlagern. Dadurch kann einer zu hohen Bestandesdichte vorgebeugt und das Lagerrisiko reduziert werden. Die Wahl der geeigneten Strategie sollte stets unter Berücksichtigung der standortspezifischen Bedingungen sowie der vorherrschenden und zu erwartenden Witterung erfolgen.

Bedeutung der organischen Düngung

In vielen Betrieben kommen im Frühjahr organische Düngemittel wie Gülle oder Gärreste zum Einsatz, deren sachgerechte Integration in die Stickstoffdüngung von Wintergetreide eine besondere Bedeutung besitzt. Seit dem Jahr 2025 ist dabei eine streifenförmige und bodennahe Ausbringung verpflichtend. Für eine präzise Planung der Düngergaben sollten möglichst aktuelle und betriebseigene Nährstoffanalysen der eingesetzten Wirtschaftsdünger herangezogen werden, um die enthaltenen Nährstoffmengen realistisch bewerten und korrekt anrechnen zu können.

Ein möglichst früher Ausbringungstermin nach Ablauf der Sperrfrist ist aus fachlicher Sicht anzustreben, um eine hohe Stickstoffausnutzung sicherzustellen und gasförmige Verluste zu minimieren. Obwohl organische Düngemittel in der Regel Schwefel enthalten, liegt dieser überwiegend in organisch gebundener Form vor und steht den Pflanzen erst im späteren Vegetationsverlauf zur Verfügung. Entsprechend ist in den meisten Fällen eine ergänzende mineralische Schwefeldüngung erforderlich. Wird Gülle durch Ansäuerung mit Schwefelsäure behandelt, kann auf eine zusätzliche mineralische Schwefelgabe verzichtet werden. Gleichzeitig ist in diesen Fällen von einer erhöhten Stickstoffwirksamkeit der organischen Düngung auszugehen, was in der weiteren Düngungsplanung zu berücksichtigen ist.

Fazit

Die Stickstoffdüngung stellt weiterhin eine zentrale Stellgröße dar, um Ertrag und Qualität im Wintergetreide in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Gleichzeitig beeinflusst sie maßgeblich die Standfestigkeit der Bestände sowie deren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und steht darüber hinaus im Fokus umweltfachlicher Anforderungen. Vor dem Hintergrund gestiegener Kosten für Stickstoffdüngemittel bei zugleich verhaltenen Preisaussichten für Getreide gewinnt ein effizienter und bedarfsgerechter Einsatz von Nährstoffen zusätzlich an Bedeutung. Angesichts der in diesem Jahr regional teils schwächer entwickelten Bestände können leicht angehobene Startgaben fachlich sinnvoll sein, müssen jedoch im weiteren Verlauf der Vegetationsperiode entsprechend berücksichtigt und ausgeglichen werden. Unabhängig davon bleiben eine standortangepasste Düngestrategie, die Berücksichtigung der aktuellen Bestandesentwicklung sowie eine sichere Versorgung mit Grund- und Spurennährstoffen wesentliche Voraussetzungen für eine hohe Stickstoffeffizienz und eine stabile Ertragsbildung.

Rindermast in verschiedenen Haltungssystemen

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Trotz der derzeit hohen Rindfleischpreise und vergleichsweise guter Wirtschaftlichkeit steht die Rindermast weiterhin vor ­Herausforderungen. Das Innovationsnetzwerk „InnoRind“ hat unterschiedliche Mast- und Haltungssysteme unter Praxisbedingungen untersucht und bewertet – mit Blick auf Tierwohl, Umweltwirkungen, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche ­Akzeptanz.

Die gesellschaftliche Debatte um Haltung, Eingriffe am Tier und Umweltwirkungen wächst. „InnoRind“ setzt hier an: Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die Betrieben wirtschaftliche Perspektiven bieten und gleichzeitig die Erwartungen von Verbrauchern erfüllen.

Weide und Außenklima überzeugen

Die Befragungen im Projekt zeigen ein klares Bild: Systeme mit Weidegang werden besonders positiv bewertet. 86 % der Befragten finden Weide im Sommer und Stall im Winter akzeptabel, 60 % wären bereit, dafür mehr zu bezahlen. Außenbuchten mit Stroh und Auslauf gelten für viele als eine gute Kompromisslösung zwischen Weide und intensiver Stallmast. Dagegen wird geschlossene Stallhaltung auf Spaltenböden – selbst mit Verbesserungen wie Gummimatten – gesellschaftlich deutlich kritischer gesehen.

Das Angebot von Futterhecken wurde durch die Tiere ausgiebig angenommen. Foto: Thünen-Institut

Weidebasierte Ochsenmast

Am Thünen-Institut für ökologischen Landbau in Trenthorst wurde die weidebasierte Ochsenmast mit Deutschen Holsteins erprobt. Die Tiere wurden mit etwa vier Monaten unter Betäubung kastriert und durchliefen zwei Sommerweideperioden mit einer dazwischenliegenden Winterstallhaltung auf Stroh. Die mittleren täglichen Zunahmen lagen im Mittel bei 900 g und das Schlachtalter zwischen 19 und 22 Monaten. Vorteil des Systems: Weidehaltung ist stark akzeptiert, nutzt Dauergrünland und bietet Vermarktungschancen über Qualitäts- und Regionalprogramme. Wichtig sind jedoch ein gutes Parasitenmanagement und ausreichende Weideflächen.

Die Uckermärker nutzen die Zweiflächenbucht gut aus. Foto: ATB Potsdam

Mehr Tierwohl mit Außenklimareiz

In Groß Kreutz wurde durch LVAT (Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung e. V.) und ATB (Leibniz-Innovationshof für nachhaltige Bioökonomie) ein Außenbuchtsystem als Zweiflächenbucht getestet: ein planbefestigter Fress- und Laufbereich, kombiniert mit einem eingestreuten Liegebereich. Der Außenklimareiz wirkte sich positiv auf die Tiergesundheit aus – unter anderem traten in der Außenbucht weniger Atemwegserkrankungen auf. Gleichzeitig lagen Zunahmen und Schlachtleistungen auf dem Niveau konventioneller Stallhaltung. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch (75 % bewerten das System als akzeptabel). Wirtschaftlich sind zusätzliche Erlöse möglich, wenn das System in höhere Haltungsstufen eingeordnet wird – allerdings steigen Arbeitsaufwand und Kosten für Einstreu, Entmistung und gegebenenfalls Neubau.

Der Strohbereich lädt zum Liegen und zu sozialer Interaktion ein. Foto: ATB Potsdam

Stallhaltung mit Verbesserungen

Im Projekt wurden auch Optimierungen bestehender Spaltenbodenställe untersucht – etwa durch Gummibeläge, Trogtränken oder Ventilatoren. Technisch können solche Maßnahmen das Tierwohl verbessern: weniger Integumentschäden, bessere Wasseraufnahme und geringere Hitzebelastung. Gleichzeitig bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz niedrig: In den Befragungen fanden nur 13 % dieses System akzeptabel, und nur 5 % würden dafür mehr bezahlen. Wer in diesem Bereich investiert, sollte daher die Kommunikation über Verbesserungen des Tierwohls und realistische Preiswirkungen aktiv mitdenken.

Fazit

Der „InnoRind“-Leitfaden macht deutlich, dass zukunftsfähige Mastrindersysteme möglich sind – besonders dort, wo Tierwohl sichtbar verbessert wird und Systeme nachvollziehbar kommuniziert werden. Weidebasierte Ochsenmast und Außenbuchten schneiden in der Akzeptanz wie in der Praxis gut ab. Für viele Betriebe dürfte die Außenbucht ein praxistauglicher Zwischenschritt sein, wenn Weideflächen fehlen. Entscheidend bleibt: Haltungssystem und Management müssen zusammenpassen – und das System muss sich auch vermarkten lassen.


Erfolgsfaktoren bei der Umstellung

Akzeptanz und Vermarktung früh mitdenken: Weide- und Außenklimasysteme bieten die besten Chancen für Mehrerlöse.

Arbeitswirtschaft realistisch kalkulieren: Außenbuchten können Aufwand für Einstreu, Entmistung und Fütterung erhöhen.

Tiergesundheit absichern: Parasitenmanagement auf der Weide, Stallklima im Sommer und trockene Liegeflächen im Winter kontrollieren

Sicherheit gewährleisten: Bei Weidehaltung sind Handling und Zaunsysteme entscheidend – insbesondere für Bullen; Ochsenmast reduziert Risiken.

Investitionen gezielt planen: Umbauten können oft in vorhandene Stallstrukturen integriert werden, Neubauten treiben die Kosten.


Flexible Lager- und Förderkonzepte nutzen

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Die zurückliegenden ­Erntejahre haben einmal mehr gezeigt, dass sich die Anforderungen an die Getreidelagerung und Anlagentechnik nicht ­gleichmäßig, sondern sprunghaft verändern. Während die Ernten 2023 und 2024 in weiten Teilen Norddeutschlands vergleichsweise ­wenig anspruchsvoll waren, stellte sich die Situation im Jahr 2025 deutlich differenzierter dar. Der Sommer war vielerorts von wiederkehrenden Niederschlags­ereignissen geprägt, die zu kurzen Druschfenstern führten und die Ernteabläufe spürbar ­unter Druck setzten. Umso ­wichtiger werden flexible Lager- und Förder­bedingungen.

In einzelnen Regionen waren die Bedingungen zeitweise so ungünstig, dass Erntemaschinen buchstäblich an ihre Einsatzgrenzen gebracht wurden. Auffällig war dabei weniger ein einheitliches Bild der Erntefeuchten, sondern vielmehr die große Streuung der Qualitäten. An Standorten, an denen die Erntekapazitäten konzentriert werden konnten, gelang es durchaus, auch unter schwierigen Bedingungen noch marktfähige Qualitäten zu sichern. Sobald jedoch größere Mengen in kurzer Zeit auf die Anlagen trafen, rückten Förder- und Trocknungsleistungen schlagartig in den Mittelpunkt. Das Umschlagen der Ware wurde zum begrenzenden Faktor, nicht selten vor der eigentlichen Trocknung. Gerade in dieser Situation ist für viele Betriebe ein Thema wieder verstärkt in den Fokus gerückt: die Skalierung der vorhandenen Anlagentechnik. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe haben sich in den vergangenen Jahren strukturell weiterentwickelt, Flächen zugelegt oder Arbeitsabläufe angepasst. Die dazugehörige Lager- und Fördertechnik ist diesem Wachstum jedoch nicht immer im gleichen Maße gefolgt. In Jahren mit moderaten Erntebedingungen bleibt dieser Umstand oft unauffällig. Treffen jedoch hohe Warenströme in kurzer Zeit auf begrenzte technische Kapazitäten, werden bestehende Engpässe schnell sichtbar.

Demgegenüber boten die Jahre 2023 und 2024 vielerorts ausreichend Gelegenheit, Getreide trocken oder nahezu trocken einzubringen. Die Anlagentechnik wurde in diesen Jahren nur selten an ihre Leistungsgrenzen geführt, abgesehen von einzelnen außergewöhnlichen Witterungssituationen. Diese vergleichsweise entspannten Ernteverläufe dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie eher die Ausnahme als die Regel darstellen. Vielmehr verdeutlichen sie, wie stark die Anforderungen an Lagerung, Förderung und Trocknung von Jahr zu Jahr schwanken können. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach flexiblen, anpassungsfähigen Anlagenkonzepten zunehmend an Bedeutung. Nicht allein maximale Leistung, sondern die Fähigkeit, auf wechselnde Erntebedingungen reagieren zu können, rückt in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Treiber der Vollkosten

Neben den witterungsbedingten Schwankungen rücken zunehmend auch ökonomische Rahmenbedingungen in den Fokus der betrieblichen Entscheidungen zur Getreidelagerung. Steigende Baupreise, hohe Investitionssummen und eine insgesamt verhaltene Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft führen dazu, dass klassische, stark gebäudegebundene Lager- und Trocknungskonzepte zunehmend hinterfragt werden. In vielen Fällen stellt sich weniger die Frage nach der technischen Machbarkeit, sondern vielmehr die nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit über die gesamte Nutzungsdauer.

Für die Bewertung der Wirtschaftlichkeit ist dabei eine Vollkostenbetrachtung unerlässlich. Gerade in der Getreidelagerung und -trocknung wird ein erheblicher Teil der jährlichen Kosten durch Fixkosten bestimmt. Diese resultieren im Wesentlichen aus den Investitionskosten für Gebäude, Trocknungs- und Fördertechnik sowie deren Abschreibung und Verzinsung. Variable Kosten wie Energie oder Arbeitszeit spielen zwar eine wichtige Rolle, sind im Vergleich zu den fixen Kostenblöcken jedoch häufig von untergeordneter Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Relevanz, wie sich Investitionen so gestalten lassen, dass die fixen Kosten je umgeschlagener Tonne Getreide begrenzt bleiben. Insbesondere in Betrieben mit stark schwankenden Erntemengen oder ungleichmäßiger Auslastung der Anlagen kann eine hohe Kapitalbindung schnell zu steigenden Vollkosten pro Tonne führen. Hier rückt die Skalierbarkeit der Anlagentechnik in den Mittelpunkt.

Mobile Fördertechnik und modulare Anlagenkonzepte eröffnen in diesem Zusammenhang neue Ansätze. Im Vergleich zu fest installierten Systemen sind die Investitionskosten häufig deutlich geringer. Daraus ergeben sich niedrigere Fixkosten und in der Konsequenz geringere Vollkosten je Tonne Getreide, insbesondere dann, wenn die Technik nur saisonal oder nicht durchgehend ausgelastet ist. Die wirtschaftliche Attraktivität ergibt sich dabei weniger aus maximaler Leistung, sondern aus der besseren Anpassung an den tatsächlichen betrieblichen Bedarf.

Die Bewertung der eigenen Getreidelagerung muss jedoch stets im Vergleich zur Opportunität der Fremdeinlagerung erfolgen. Landhandelsunternehmen bieten Lager- und Trocknungsdienstleistungen an, die auf den ersten Blick kostentransparent erscheinen. Dabei bleibt jedoch häufig unberücksichtigt, dass eine Fremdeinlagerung an einem externen Standort zusätzliche logistische Aufwendungen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb erfordert. Transport, Zwischenlagerung, Wartezeiten und Arbeitswirtschaft werden selten vollständig der Getreidelagerung zugerechnet, beeinflussen die tatsächlichen Kosten jedoch erheblich.

Eine realistische Vollkostenbetrachtung der betriebseigenen Lagerung muss daher sowohl die Investitions- und Fixkosten der eigenen Technik als auch die oft verdeckten logistischen Kosten alternativer Vermarktungs- und Lagerwege berücksichtigen. Erst vor diesem Hintergrund lässt sich die relative Vorzüglichkeit der eigenen Getreidelagerung sachgerecht beurteilen und eine fundierte Entscheidung für oder gegen neue Anlagenkonzepte treffen.

Lager- und Trocknungskonzepte

Mit der zunehmenden Volatilität der Erntebedingungen rückt die logistische Leistungsfähigkeit der Anlagentechnik stärker in den Fokus. In der Praxis zeigt sich immer häufiger, dass nicht die eigentliche Trocknung den begrenzenden Faktor darstellt, sondern die Fähigkeit, größere Warenströme innerhalb kurzer Zeit annehmen, umschlagen und gezielt weiterleiten zu können. Fördertechnik übernimmt damit eine Schlüsselrolle innerhalb moderner Lager- und Trocknungskonzepte.

Klassische, fest installierte Fördersysteme sind in der Regel für definierte Materialflüsse ausgelegt. Sie arbeiten zuverlässig, stoßen jedoch dann an ihre Grenzen, wenn sich Annahmepunkte, Lagerorte oder Warenströme kurzfristig verändern. Genau hier setzen mobile Förderlösungen an. Sie ermöglichen es, Förderleistungen flexibel dort bereitzustellen, wo sie aktuell benötigt werden, ohne dauerhaft Kapital in baulich verankerter Infrastruktur zu binden.

Ein Beispiel für diese Systematik sind sogenannte Swing-Away-Schnecken, wie sie unter anderem von der Firma Bintec angeboten werden. Diese mobilen Schneckenförderer stammen ursprünglich aus der nordamerikanischen Getreidelogistik und sind dort auf hohe Umschlagleistungen in Verbindung mit Trichter-Anhängern ausgelegt. In der hiesigen Praxis kommen sie überwiegend in Kombination mit Rückwärtskippern, Mulden oder Lkw zum Einsatz.

Die praxisrelevanten Leistungsklassen liegen typischerweise bei etwa 150, 220 und bis zu 300 t pro Stunde. Entsprechend sind Schlepperleistungen im Bereich von etwa 120 bis 200 PS erforderlich. Mit Längen von rund 18 bis über 33 m lassen sich damit auch höhere Rundsilos oder Hallenlager sicher befüllen. Größere Ausführungen mit Förderleistungen von deutlich über 500 t pro Stunde und Längen jenseits von 38 m sind zwar verfügbar, spielen in mitteleuropäischen Betriebsstrukturen bislang jedoch kaum eine Rolle. Hier zeigen sich die Unterschiede zwischen nordamerikanischen und europäischen Logistikkonzepten sehr deutlich.

Überfahrbare Annahmelösung (Grain-Deck) für hohe Umschlagleistungen bei Gliederzügen und mobiler Förderung. Foto: Bintec

Ein wesentlicher Punkt bei der Einbindung mobiler Schnecken ist die Gestaltung der Annahmelogistik. Während in Nordamerika Trichter-Anhänger den Standard darstellen, müssen in Mitteleuropa häufig andere Lösungen gefunden werden. Für Gliederzüge oder größere Transporteinheiten kommen flache, überfahrbare Annahmesysteme zum Einsatz, bei denen der erste Anhänger über die Deichsel des zweiten abgekippt wird. Diese Systeme ermöglichen hohe Umschlagleistungen von bis zu 300 t pro Strunde, erfordern jedoch genug Platz und eine klar strukturierte Verkehrsführung im Annahmebereich.

Auch das Handling der Technik selbst spielt in der Praxis eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bei längeren Schnecken kann das Rangieren schnell aufwendig werden. Hydraulisch lenkbare Achsen, sogenannte Auger-Steer-Systeme, erleichtern hier das Positionieren deutlich und tragen dazu bei, den Arbeitsaufwand und die Rüstzeiten zu reduzieren. Gerade bei häufig wechselnden Einsatzorten ist dies ein relevanter Aspekt für die tägliche Arbeit.

Eine hydraulisch lenkbare Achse (Auger-Steer) erleichtert das Rangieren langer mobiler Schnecken. Foto: Bintec

Neben Schneckenförderern kommen zunehmend auch alternative mobile Fördersysteme zum Einsatz. Rohrförderbänder, häufig als Grain-Belts bezeichnet, arbeiten mit einem im Rohr laufenden Gummigurt anstelle einer Schneckenwindung. Sie zeichnen sich durch eine besonders schonende Förderung aus und eignen sich gut für empfindliche Kulturen wie Leguminosen oder für sortenreine Anwendungen im Saatgutbereich. Zudem sind diese Systeme elektrisch betreibbar und benötigen keinen Schlepperantrieb. Dem stehen jedoch deutlich höhere Investitionskosten gegenüber, die in der Regel ein Vielfaches klassischer Förderschnecken betragen. Für den großvolumigen Umschlag von Standardgetreide sind sie daher nur in ausgewählten Einsatzfällen wirtschaftlich sinnvoll.

Insgesamt zeigt sich, dass mobile Fördertechnik keinen Ersatz für stationäre Anlagen darstellt, wohl aber eine wirkungsvolle Ergänzung. Sie ermöglicht es, Annahme- und Förderkapazitäten gezielt zu erweitern, Spitzen zu entzerren und logistische Engpässe zu vermeiden. Vor allem unter dem Gesichtspunkt begrenzter Investitionsmittel und hoher Fixkosten gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Mobile Förderlösungen tragen dazu bei, die Anlagentechnik besser an die tatsächlichen betrieblichen Anforderungen anzupassen und damit die Wirtschaftlichkeit der betriebseigenen Getreidelagerung nachhaltig zu verbessern.

Feuchtegleichgewicht als Grundlage

Der Feuchtegehalt des Getreides steht stets im Wechselspiel mit den Umgebungsbedingungen. Das Korn strebt ein Gleichgewicht zwischen seiner eigenen Feuchte und der relativen Luftfeuchtigkeit der umgebenden Luft an. Dieses physikalische Prinzip des Feuchtegleichgewichts bildet die Grundlage aller Belüftungs- und Trocknungsprozesse in der Getreidelagerung.

Wird Getreide mit entsprechend konditionierter Luft beaufschlagt, kann es sowohl getrocknet als auch, bei ungünstigen Bedingungen, wieder angefeuchtet werden. Gerade in der Praxis zeigt sich immer wieder, dass eine ungezielte oder zeitlich ungünstige Belüftung zu Qualitätseinbußen führen kann, obwohl das Getreide zuvor mit Handelsfeuchte eingelagert wurde. Voraussetzung für eine funktionierende Lagerbelüftung ist daher nicht allein die technische Ausstattung, sondern auch die Fähigkeit, Luftführung, Belüftungszeiten und Warenbewegung sinnvoll aufeinander abzustimmen.

Dieses Prinzip ist eng mit der Förder- und Lagerlogistik verknüpft. Eine gleichmäßige Einlagerung, kurze Umschlagzeiten und die Möglichkeit, Getreide bedarfsgerecht zu bewegen, schaffen erst die Voraussetzung dafür, dass Belüftungs- und Trocknungskonzepte zuverlässig funktionieren. Insbesondere mobile Fördertechnik kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie flexible Warenströme ermöglicht und damit die Grundlage für eine wirksame Lagerbelüftung und Trocknung im Silo oder in der Halle schafft.

Mobiles Rohrförderband (Grain-Belt) für schonende, sortenreine Förderung mit elektrischem Antrieb. Foto: Bintec

Schnelltrocknungszellen als Ergänzung

In der Praxis stößt die Lagerbelüftungstrocknung insbesondere bei höheren Erntefeuchten oder kurzen Druschfenstern an ihre Grenzen. Um auch unter solchen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, haben sich in den vergangenen Jahren Schnelltrocknungszellen als ergänzender Baustein innerhalb von Hallenlagerkonzepten etabliert.

Schnelltrocknungszelle mit Schrägboden. Foto: LM Getreidetechnik

Diese Anlagen werden in unterschiedlichen Bauformen angeboten. Eine Variante arbeitet mit befahrbarem Belüftungsboden und Mischtraverse, vergleichbar mit bekannten Silotrocknersystemen. Der Vorteil liegt darin, dass bestehende Gebäudehüllen und Fördertechnik genutzt werden können. Auch sensible Kulturen wie Bohnen oder Erbsen lassen sich so schonend trocknen, während gleichzeitig überfeuchtes Getreide mit Feuchtegehalten von mehr als 19 % sicher verarbeitet werden kann. Voraussetzung ist eine entsprechend dimensionierte Gebläse- und Wärmetechnik.

Eine zweite Bauform basiert auf Schrägböden mit gezielt ausgerichteten Düsenblechen. Diese Systeme sind innerhalb von Hallen flexibel positionierbar und arbeiten in der Regel als Satztrocknung. Durch automatisierte Befüllung und Entleerung bleibt der Arbeitsaufwand überschaubar. Mit entsprechender Ausstattung lassen sich auch hier anspruchsvollere Trocknungsgüter verarbeiten.

Schnelltrocknungszellen sind damit kein Ersatz für leistungsstarke Durchlauftrockner, wohl aber eine sinnvolle Ergänzung innerhalb flexibler Lagerkonzepte. Sie ermöglichen es, auf witterungsbedingte Spitzen zu reagieren und die Lagerbelüftungstrocknung gezielt zu entlasten.

Temporäre und provisorische Lagerlösungen

In Situationen mit geringem Trocknungsbedarf, bei temporären Lagererweiterungen oder bei der Nutzung von Altgebäuden stellt sich häufig die Frage nach einer einfach umsetzbaren und dennoch wirksamen Belüftungslösung. Hier haben sich senkrechte Belüftungsstelen bewährt, die während der Befüllung in den Getreidestapel eingeschüttet werden.

Diese Systeme ermöglichen eine vergleichsweise flexible Belüftung ohne aufwendige bauliche Maßnahmen und eignen sich insbesondere für provisorische Lager oder Gebäude, die ursprünglich nicht für die Getreidelagerung konzipiert wurden. Die erreichbaren Lagerhöhen sind begrenzt, ebenso der Belüftungsradius, sodass eine sorgfältige Platzierung erforderlich ist. Für stark erhitztes Getreide, etwa aus Durchlauftrocknern ohne Kühlzone, sind diese Systeme hingegen nur eingeschränkt geeignet. Belüftungsstelen stellen damit eine pragmatische Lösung dar, wenn kurzfristig Lagerkapazitäten geschaffen oder bestehende Gebäude ertüchtigt werden sollen, ohne größere Investitionen auszulösen.

Die zurückliegenden Erntejahre verdeutlichen, dass die Anforderungen an die Getreidelagerung weniger durch Durchschnittswerte als durch kurzfristige Belastungsspitzen bestimmt werden. Neben der Trocknung rückt dabei zunehmend die logistische Leistungsfähigkeit der Anlagentechnik in den Vordergrund.

Schnelltrocknungszelle mit Mischtraverse. Foto: LM Getreidetechnik

Fazit

Vor dem Hintergrund steigender Investitionskosten gewinnen flexible, modular aufgebaute Anlagenkonzepte an Bedeutung. Mobile Fördertechnik, ergänzende Schnelltrocknungslösungen und pragmatische Belüftungssysteme ermöglichen es, bestehende Lagerstrukturen weiterzuentwickeln, ohne dauerhaft hohe Fixkosten zu binden.

Entscheidend ist eine realistische Vollkostenbetrachtung, die neben Investitionen auch logistische Aufwendungen berücksichtigt. Nur so lässt sich die Wirtschaftlichkeit der betriebseigenen Getreidelagerung im Vergleich zu alternativen Vermarktungs- und Lagerwegen sachgerecht beurteilen.

Vernässung für Fortgeschrittene

Bei der Vernässung des Nienwohlder Moores müssen Höhenunterschiede von bis zu 5 m ausgeglichen werden, die aus der Abtorfung der Vergangenheit resultieren. Um den Wasserstand zukünftig möglichst auf Bodenhöhe anzuheben, verwendet die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ein spezielles Gerät zur Moorvernässung: einen Dichtbahnpflug.

Direkt auf der Grenze zwischen den Kreisen Segeberg und Stormarn liegt das Naturschutzgebiet Nienwohlder Moor. Hier hatte Graf Reventlow zu Jersbek 1804 von den damaligen Torfstechern einen „Torftaler“ als Steuer für den nach Hamburg über die Alster verschifften Torf verlangt. Heute kaum noch vorstellbar, war Torf damals ein beliebtes Heizmittel und fand in der Großstadt regen Absatz. Rund 150 Jahre lang wurden die Torfsoden händisch mit Torfspaten gestochen, in Ringeltürmchen über Sommer getrocknet und im Herbst dann verkauft. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1951, zog auch hier die industrielle Förderung ein. Auf 84 ha wurde der oben liegende Weißtorf beiseitegeschoben, rund 2 m Schwarztorfschicht wurden maschinell abgebaut und mit einer Lorenbahn aus dem Moor hinausgeschafft.

Erst nachdem 1973 das Landesnaturschutzgesetz novelliert und damit der maschinelle Torfabbau verboten wurde, stellte das Torfwerk 1977 endgültig die Arbeit ein und hinterließ einen Bereich, der wie eine Industriebrache anmutete. Steile Torfwandabbrüche, Höhenunterschiede von mehr als 5 m , durchzogen von Entwässerungskanälen, boten einen traurigen Anblick. Trotzdem wurde das gesamte Gelände 1982 als Naturschutzgebiet deklariert. Zunächst schloss man die Entwässerungsgräben und unterbrach die alten Tonrohrdrainagen, um langsam eine Wiedervernässung des Moores zu erreichen. Auch einzelne Hochflächen wurden schon eingeebnet. Doch das alles reichte nicht aus, Regenwasser floss immer noch im obersten Grundwasserleiter aus dem Gebiet heraus, es musste etwas Besonderes geschehen.

Selbst entwickelte Technik

So gab Janis Ahrens, Projektleiter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Anfang Dezember 2025 den Startschuss zur weiteren Vernässung von 111 ha der ehemaligen industriellen Abbaufläche. Finanziert mit Landesmitteln, fuhren riesige Longfront-Bagger mit breiten Raupenketten auf, um die Fläche in verschiedene Abschnitte einzuteilen, mit Dämmen von einander zu trennen und darin neue Polder – eine Art Badewannenteich – zu bauen. Um zu verhindern, dass aus diesen Einzelabschnitten Regenwasser abfließt, wendet man hier eine ganz besondere Technik an, die Ahrens Anfang Februar der Öffentlichkeit vorstellte. „Da wir hier rund 2,3 Kilometer Folie etwa zwei Meter senkrecht in den Boden kurvenreich einbauen müssen, haben wir selbst ein Unikat entwickelt, einen lenkbaren Dichtbahnpflug“, erzählt er.

Selbst gebaut hat man dieses Unikat, den Dichtbahnpflug. Foto: Klaus J. Harm
2 m tief reicht die PE-Folie senkrecht in den Moorboden. Foto: Klaus J. Harm
Mit einer Zeichnung erläutert Projektleiter Janis Ahrens den Aufbau der Dämme. Foto: Klaus J. Harm


Dieser Pflug wird von einem Bagger gezogen und hinterlässt einen schmalen, 2 m tiefen Graben, in den eine schadstoffreie Polyethylen (PE)-Folie eingelegt und sofort von beiden Seiten stabilisiert wird. Darauf kommt dann das Restholz der „entkusselten“ Birken als Formgeber des Damms, der schließlich mit Erdaushub überdeckt wird.

Minimalinvasive Methode

„Wir wenden diese Methode hier an, weil sie minimalinvasiv ist und wir damit eine geringere Anzahl von Wällen aufschütten müssen“, erklärt Janis Ahrens. „Der Dichtbahnpflug macht ja nur einen kleinen Schlitz in den Torfboden, der gleich hinter ihm wieder zugeht. Das schont die wertvolle Vegetation rechts und links der Dichtbahn.“ Den ersten Abschnitt hofft er noch in diesem Jahr fertigzustellen, wobei in der Setz- und Brutzeit die Maschinen selbstverständlich ruhen. Dann können auch die Hunderte von breiten Stahlplatten, die man auf den Moorwegen verlegt hat, damit die Bagger überhaupt hier arbeiten können, wieder geborgen werden und Torfmoose und andere moorspezifische Pflanzen und Tiere hier wieder eine Heimat finden, gut geschützt von den umliegenden intakten Mooren und Wäldern. Und das ist gut so, denn Torfmoose können große Mengen an CO2 aufnehmen und einlagern. Weltweit speichern sie mehr davon als alle Wälder unserer Erde zusammengenommen.

„Das Waldeigentum steht im Zentrum“

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Hinter der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein liegt ein arbeitsreiches Jahr, und auch 2026 steht einiges an. Zeit für einen Ausblick mit dem Leiter der Forstabteilung in Bad Segeberg, Dr. Gerrit Bub.

Ende des Jahres gab es gute Noten für den Wald. Im Waldzustandsbericht hieß es: Die Wälder in Schleswig-Holstein präsentieren sich 2025 insgesamt in einem stabileren Zustand als im Vorjahr. Die mittlere Kronenverlichtung ist auf 22 % gesunken und liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert. Der Anteil stark geschädigter Bäume ging auf 2,9 % zurück. Also Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Liegt es nur an der Witterung oder auch an der Bewirtschaftung durch die Waldbesitzer?

Dr. Gerrit Bub: Sicherlich an der Witterung, aber auch an der guten Bewirtschaftung, die langfristig dazu führt, den Wald klimaresilient zu gestalten. Wir dürfen den Klimawandel mit den folgenden Risiken für unsere Waldbestände jedoch nicht aus den Augen verlieren. Gerade jetzt gilt: Waldumbau als Vorsorge und Vermögenserhaltung. Gemischter Wald mit Nadelholzanteilen, strukturiert und vielfältige Baumarten verteilen das Betriebsrisiko deutlich. Boden- und Wasserhaushalt bleiben intakt und stabilisieren die Bewirtschaftung. Gute Waldpflege, Nutzen des wertvollen Holzes fördern zudem den klimastabilen Wald in Schleswig-Holstein.

Wir sind mit 11,5 % Waldanteil nach wie vor das waldärmste Bundesland. Wie kann der Waldanteil langfristig erhöht werden?

Der Wald konkurriert mit rentablen Landnutzungssystemen. Wir helfen als Abteilung der Landwirtschaftskammer den Eigentümerinnen und Eigentümern, durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen über den Verkauf von Ökopunkten den Wald- und Knickanteil hier langfristig zu mehren. Anschlussfähige, intelligente und auskömmliche forstpolitische Förderinstrumente helfen ebenfalls weiter. Ziel wäre es, die vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes für die Waldeigentümer in Wert zu setzen. Das wäre ebenfalls ein Anreiz, dem Wald mehr Raum zu geben.

Welche Fördermöglichkeiten können Waldbesitzer in Anspruch nehmen?

Waldeigentümer können Fördermittel für den Umbau instabiler oder geschädigter Waldbestände in klimastabile Mischwälder beantragen. Dabei geht es vor allem darum, in reinen Nadelwaldbeständen durch das Einbringen verschiedener, mindestens zur Hälfte auch standortheimischer Laubbäume zukunftsfähige Waldstrukturen zu schaffen. Auch die Pflege dieser Neukulturen ist für einige Jahre förderfähig. Andere Fördertatbestände wären Erstaufforstungen, die Pflege junger Wälder bis zum Alter von 15 Jahren, Bodenschutzmaßnahmen im Wald, die Wiederherstellung notwendiger Waldwege oder auch die Förderung der forstlichen Zusammenschlüsse auf Grundlage von Waldpflegeverträgen mit deren Mitgliedern. In diese Förderung ist in den beiden vergangenen Jahren sehr viel Geld geflossen, um für die Zukunft möglichst professionelle Zusammenschlüsse vor allen von Waldbesitzenden mit kleinen Waldflächen zu unterstützen.

Es gibt zum ersten Mal bei uns einen Meisterkurs für Förster. War es an der Zeit, um dem Fachkräftemangel zu begegnen?

Ja, unbedingt. Der Kurs ist hochattraktiv für junge Forstwirtinnen und Forstwirte. Die Bewerberzahl übersteigt deutlich das Angebot. Schon jetzt haben wir Nachfragen für den Anschlusskurs. Wir freuen uns auf weitere Anmeldungen für 2027.

Welche Arbeitsschwerpunkte hat die Forstabteilung in diesem Jahr?

Es liegen etliche arbeitsorganisatorische Änderungen vor uns. Ein Arbeitsschwerpunkt für dieses Jahr liegt in der Schaffung einer zusätzlichen Stelle für den Themenkomplex Kohlenstoffzertifikate. Ziel der Besetzung ist die Entwicklung von Vermarktungsmöglichkeiten von Kohlenstoffzertifikaten im Wald und in Waldmooren. Auch wenn das vergangene Jahr witterungsmäßig dem Wald guttat, sind wir gehalten, mit großer Tatkraft und Sorgfalt den Umbau des Wirtschaftswaldes voranzutreiben. Wir stärken unsere Forstbetriebsgemeinschaften. Die forstliche Fördermaßnahme der Waldpflegeverträge hat bereits bei den forstlichen Zusammenschlüssen zu hoffnungsvollen betrieblichen Verbesserungen beigetragen. Das ist genau der richtige Weg, um unsere Strukturen enkelfähig zu gestalten. Denn: Was wir heute nutzen, pflanzten unsere Voreltern, was wir heute sähen, ernten unsere Enkel. Die Lehranstalt führt hocherfolgreich den angesprochenen neuen Meisterkurs durch. Ich freue mich sehr, die Grundkurse in Kooperation mit den anderen Abteilungen der LKSH zu teilen. Unser Förderteam bemüht sich auch in diesem Jahr, die veranschlagten, notwendigen Fördermittel rasch und unbürokratisch den Waldeigentümer zukommen zu lassen. Auch für die letzte Ruhe sind wir vorbereitet: Wir bieten an über 20 Waldstandorten Ruheforste an. Unser Team hört zu, hilft gern und begleitet Familien und Freunde bei der Trauerarbeit. Insgesamt freuen wir uns auch in diesem Jahr wieder, für den Kommunal- und Privatwald in Schleswig-Holstein mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Ähnlich wie die Landwirte klagen auch Waldbesitzer über Bürokratie (zum Beispiel EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten). Kann die Forstabteilung helfen, Bürokratie abzubauen?

Ja. Wir werden noch häufiger als bislang bei den Eigentümern vor Ort sein. Unsere Bezirksförster arbeiten hochprofessionell und digital. Neue Planungs- und Inventur-Software beschleunigt Prozesse im Wald und am Schreibtisch. Das Waldeigentum steht im Zentrum all unserer Überlegungen. Wir arbeiten ständig daran, unseren Service für die Waldbesitzenden zu verbessern.

Generationswechsel im Ortsverein Schenefeld

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Der Vorstand des LandFrauenvereins Schenefeld und Umgebung hat sich bei der diesjährigen Jahresversammlung fast komplett erneuert.

Gunhild Göttsche, Anke Graf und Anja Struve fungierten jeweils zwölf Jahre als Vorsitzende. „Laut unserer Satzung sollten drei Amtsperioden nicht überschritten werden“, erklärt Gunhild Göttsche. Lediglich Kassenwartin Marlis Mau-Hansen blieb länger, was der Pandemie und der damit herrschenden Situation geschuldet war. Da es geeignete Nachfolgerinnen für die ersten beiden Vorsitzenden sowie für die Kassenwartin gab, fiel der Abschied nicht allzu schwer. „Ich hatte ein gutes Team und viele tolle Erlebnisse – es hat viel Spaß gemacht“, verabschiedete Göttsche sich. Sie hat vor zwanzig Jahren als Beisitzerin angefangen war und schon damals begeistert von der Zusammenarbeit und beeindruckt vom LandFrauennetzwerk. „Wir standen nach Corona vor der Auflösung und haben mit der letzten Amtsperiode einen Brandbrief an unsere Mitglieder geschickt, das hat anscheinend geholfen“, berichtet Gunhild Göttsche. Es fanden sich interessierte Nachfolgerinnen, die sich auch gleich engagierten und sich auf Landesebene in Schulungen qualifizierten. Im letzten Jahr zu Beisitzerinnen gewählt, schnupperten die Kandidatinnen in die Vorstandsarbeit und waren jetzt für die Wahlen bereit.

Gunhild Göttsche ehrte Waltraud Thies und Sybille Schroeder (v. r.) für ihre Vereinstreue.
Angela Zedler (li.) und Stefanie Albert überreichten Bienen für den Garten.
Fotos: Sabine Kolz
Gunhild Göttsche erhielt von Annemarie Rohde (r.) die LandFrauen-Ehrennadel.

Die leitete die Kreisvorsitzende Annemarie Rohde, die sich freute, dass das Votum für die Neuen einstimmig ausfiel. Als erste Vorsitzende fungiert Angela Zedler aus Schenefeld, Kreis Steinburg. Die 46-jährige Berufskraftfahrerin ist bereits 18 Jahre LandFrau und freut sich auf ihre Aufgaben. Sie heuerte Stefanie Albert, ebenfalls 46 Jahre alt und aus Schenefeld, als zweite Vorsitzende an. Auch die neue Kassenwartin Inga Reiff-Göser aus Siezbüttel, Kreis Steinburg, ist vom LandFrauenverein und dessen Arbeit überzeugt und konnte ihre Freundin Kristina Doorentz aus Thaden, Kreis Rendsburg-Eckernförde, als Beisitzerin gewinnen. Sie war eines der sieben neuen Mitglieder, die an dem Abend begrüßt wurden und die Mitgliederzahl mit 213 stabil halten. Das Amt der dritten Vorsitzenden blieb vorerst vakant. Sybille Schroeder wurde für ihre 40-jährige Mitgliedschaft und Waltraud Thies für 25 Jahre mit Blumen geehrt.

Die Jahresberichte zeigten gute Teilnehmerzahlen der Veranstaltungen, unter anderem Wellness, Schießsport oder Fahrradtour. Um auch die Kassenlage stabil zu halten, wurde über eine Beitragserhöhung auf 40 € ab 1. März abgestimmt. Der Vorschlag einer Anpassung um 15 € kam dabei aus der Versammlung und zeigt, dass die Frauen hinter ihrem Verein und dem Vorstand stehen.

Nachdem die ehemaligen Vorstandsmitglieder verabschiedet waren, verlieh Annemarie Rohde die LandFrauenbiene mit Schleswig-Holstein-Farben für die geleistete Arbeit an Gunhild Göttsche. Der neue Vorstand überreichte Hufeisenbienen, gefertigt von Angela Zedler, an seine Vorgängerinnen.

Der Verein möchte einen Stammtisch zum lockeren Austausch im Vereinslokal „Zum Nordpol“ in Schenefeld etablieren. Im März steht wieder Wellness auf dem Programm und im Mai eine Mehrtagesfahrt ins Münsterland. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Vereins.

Selbstversorgung über alles?

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Das Thema der Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist stark emotional besetzt. Häufig wird die Sorge geäußert, eine zu große Abhängigkeit vom internationalen Handel könne die Ernährungssicherheit gefährden oder die heimische Landwirtschaft unter Druck setzen. Insbesondere die Angst vor Billigimporten, die unter niedrigeren Produktionsstandards erzeugt werden und hiesige Betriebe preislich unterbieten, spielt in der Debatte eine große Rolle. Diese Sorgen sind ernst zu nehmen. Unterschiedliche Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards in der landwirtschaftlichen Produktion können zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Deshalb sind klare Regeln im internationalen Handel, faire Wettbewerbsbedingungen sowie gezielte Zölle oder Handelsbarrieren dort notwendig, wo heimische Standards systematisch unterlaufen werden. Handel braucht Regeln, um Akzeptanz zu finden. Dann funktioniert eine rationale Arbeitsteilung. Selbstversorgung bleibt dennoch ein wichtiges gesellschaftliches Ziel. Da die hiesigen landwirtschaftlichen Betriebe hohen Anforderungen an Umwelt-, Klima- und Tierschutz unterliegen, ist staatliche Unterstützung gerechtfertigt. Die Betriebe brauchen Planungssicherheit. Bis zu einem gewissen Grad müssen sie sich jedoch auch dem internationalen Wettbewerb stellen.

Kein heimischer Kaffeeanbau

Gleichzeitig darf der internationale Handel nicht grundsätzlich als Schwäche verstanden werden. Viele landwirtschaftliche Erzeugnisse können aufgrund klimatischer und natürlicher Bedingungen hierzulande nicht produziert werden, etwa Kaffee, Kakao oder bestimmte Früchte. Schon innerhalb Deutschlands sehen wir regionale Unterschiede. Körnermais und Hartweizen wachsen im Süden besser als in Norddeutschland. Handel ermöglicht den Verbraucherinnen und Verbrauchern ein vielfältiges Angebot über das gesamte Jahr hinweg und trägt zur Versorgungssicherheit bei. Auch für die heimische Landwirtschaft ist Handel von zentraler Bedeutung. Günstige Importe von Betriebsmitteln wie Dünger oder Futtermitteln senken Produktionskosten und sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Exporte landwirtschaftlicher Produkte eröffnen zusätzliche Absatzmärkte und tragen dazu bei, Preise auf dem heimischen Markt zu stabilisieren. Versorgungssicherheit entsteht zudem nicht allein durch hohe Selbstversorgungsgrade, sondern durch stabile Wertschöpfungsketten und breit aufgestellte Handelsbeziehungen. Internationale Verflechtungen können regionale Ernteausfälle oder Krisen besser ausgleichen als abgeschottete Märkte.

Das saisonale Angebot nutzen

Neben Politik und Handel tragen auch die Verbraucherinnen und Verbraucher Verantwortung. Wer regionale und saisonale Produkte – insbesondere bei Obst und Gemüse – stärker nachfragt, unterstützt die heimische Landwirtschaft unmittelbar. Bewusste Kaufentscheidungen können helfen, regionale Produktion zu stärken, ohne auf die Vorteile des internationalen Handels zu verzichten. Selbstversorgung und Handel sind keine Gegensätze. Eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft, fair geregelter internationaler Handel und verantwortungsbewusster Konsum gehören zusammen. Handel ist keine Schwäche – er ist ein notwendiger Bestandteil einer sicheren, vielfältigen und nachhaltigen Lebensmittelversorgung.

Ehrenamt lebt von Haltung, Wirkung und Zusammenarbeit

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Die Landwirtschaft steht unter hohem Veränderungsdruck: Klimawandel, gesellschaftliche Erwartungen, volatile Märkte und komplexe gesetzliche Rahmenbedingungen fordern Bäuerinnen und Bauern in ihrem Beruf. Trotz der vielfältigen Aufgaben engagieren sich unzählige Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter zusätzlich im Ehrenamt – etwa in Genossenschaften, Wasser- und Bodenverbänden, Maschinenringen, Zuchtorganisationen, Feuerwehren oder berufsständischen Vertretungen.

Eine neue Bauernblatt-Serie zur Arbeit der Fachausschüsse im Bauernverband Schleswig-Holstein zeigt beispielhaft die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für den Berufstand, aber auch für den eigenen Betrieb und die persönliche Entwicklung. Denn klar ist: Wer nicht mitredet, über den bestimmen andere.

Ehrenamt heißt oft, nach einem langen Arbeitstag noch Sitzungen zu besuchen, Konzepte zu diskutieren und Kompromisse auszuhandeln. Das ist anstrengend, aber wo über Förderprogramme, Umweltauflagen, Tierwohlstandards oder regionale Entwicklungsstrategien beraten wird, braucht es Stimmen aus der Praxis. Zugleich ist das Ehrenamt eine „Schule der Verantwortung“. Es fördert Führungskompetenz, Verhandlungsgeschick und strategisches Denken. Junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die frühzeitig Gremienarbeit kennenlernen, gewinnen Einblicke in politische Prozesse und Netzwerke, die für die Weiterentwicklung ihrer Höfe wertvoll sind. Das Ehrenamt ist damit auch eine Investition in die eigene Zukunft.

Um junge Menschen für ein Ehrenamt zu motivieren, gibt es wichtige Faktoren. Hervorzuheben ist eine Kultur der Wertschätzung. Außerdem helfen transparente Strukturen, gute Informationsflüsse und die Möglichkeit, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Digitale Formate unterstützen dabei, Beteiligungen niederschwelliger zu gestalten. Das hilft insbesondere denjenigen, die dafür durch Kinderbetreuung und andere Care-Arbeiten einen hohen organisatorischen Aufwand hätten. In den meisten Fällen, sind das immernoch die Frauen. Impulse in diesem Bereich wollen die Vereinten Nationen setzen, indem sie 2026 zum Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen haben. Nicht von ungefähr verzeichnen Plattformen wie das Unternehmerinnennetzwerk des Landesbauernverbandes großen Zulauf. Der dortige Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten kann sich zu einen Sprungbrett in andere Ehrenämter auswachsen.

Ganz klar nicht im Sinne eines starken Ehrenamts ist der Vorstoß von Teilen der CDU, den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abzuschaffen. Diese werde in Deutschland überwiegend von Frauen geleistet und damit als individuelle „Lifestyle-Entscheidung“ abgewertet, kritisiert der LandFrauenverband.

Klar ist: Ein erfolgreiches Ehrenamt lebt nicht von Titeln. Reine Pflichterfüllung trägt selten langfristig. Es geht um persönliche Haltung, Wirkung und Zusammenarbeit. Gerade in der Landwirtschaft, wo ehrenamtliches Engagement oft mit unternehmerischer Verantwortung und knapper Zeit konkurriert, zeigt sich also einmal mehr: Qualität geht vor Quantität.