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Der ehemalige Kommissionsbeamte Dr. Jerzy Plewa warnt vor einfachen hektarbasierten Direktzahlungen für die Ukraine: Ein solches Modell wäre politisch explosiv und ökonomisch grob, da es Größe belohne, ohne Wiederaufbau, Standards, Arbeitsplätze oder ländlichen Zusammenhalt zu fördern. Der Beitritt solle als Chance für strukturelle Modernisierung verstanden werden, nicht als arithmetische Übung in Hektaren.
Die agrarpolitischen Beziehungen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union haben sich vom kriegsbedingten Ausnahmefall hin zu einem gesteuerten Beitrittsprozess entwickelt. Nach der russischen Invasion und der Unterbrechung der Schwarzmeerrouten öffnete die EU ihren Markt. Doch dieses Modell konnte auf Dauer nicht tragfähig sein. Das modernisierte Assoziierungsabkommen mit der EU (DCFTA), das nun seit dem 29. Oktober 2025 in Kraft ist, ersetzt die Liberalisierung durch ein berechenbareres Regelwerk.
2025 überstieg der Warenhandel zwischen der EU und der Ukraine 68 Mrd. €: Die EU-Ausfuhren beliefen sich auf 46,4 Mrd. €, die EU-Einfuhren auf 21,7 Mrd.€. Es handelt sich also nicht um eine einseitige ukrainische Marktdurchdringung.
Der Schock war real
Der Schock im Agrarbereich war dennoch real. 2024 war die Ukraine die drittgrößte Quelle der Agrar- und Lebensmitteleinfuhren der EU, mit Importen im Wert von rund 13 Mrd. €, gegenüber 6,9 Mrd. € im Jahr 2021. Ihr Anteil am Wert der EU-Agrar- und Lebensmitteleinfuhren stieg von 5 auf 8 %. Besonders hoch war die Konzentration bei sensiblen Produkten: Die Ukraine lieferte 68 % der EU-Weizeneinfuhren, 47 % der Eierimporte, 37 % der Zuckereinfuhren und 31 % der Honigeinfuhren. 2024 wurde die Schutzklausel für Hafer, Eier, Zucker, Grütze und Honig ausgelöst. Das modernisierte DCFTA hebt die Zollkontingente über das Vorkriegsniveau an, hält sie aber deutlich unterhalb der kriegsbedingten Marktöffnung.
Der Marktzugang ist an Standards gebunden. Die Ukraine muss sich schrittweise an die EU-Vorschriften zu Tierwohl, Pestiziden und Tierarzneimitteln angleichen, einschließlich jährlicher Fortschrittsberichte, und ihre Produktionsvorschriften, einschließlich des Pestizideinsatzes, bis Ende 2028 anpassen. Die Botschaft ist klar: Je weitgehender der Marktzugang, desto weitgehender die regulatorische Angleichung.
Das überarbeitete DCFTA ermöglicht es der EU, bei ernsthaften Marktstörungen, auch in einem oder mehreren Mitgliedstaaten, durch Schutzmaßnahmen zu reagieren, selbst wenn die EU-weiten Durchschnittswerte beherrschbar erscheinen.
Landwirtschaft schwierig
Die Ukraine kann in großem Maßstab produzieren, doch die Bereitschaft für die GAP erfordert Kontrollen, Flächenidentifikation, Betriebsdaten, Prüfungen, Förderfähigkeitsregeln, Konditionalität und finanzielle Rechenschaftspflicht. Im Ukraine-Bericht der Kommission von 2025 wurden Fortschritte in der Strategie für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bis 2030, im operativen Plan für 2025 bis 2027 und im staatlichen Agrarregister festgestellt.
Mäßig vorbereitet
Kapitel 12 im Ukraine-Bericht der EU-Kommission zur Lebensmittelsicherheit sowie Veterinär- und Pflanzenschutzpolitik bildet die Grundlage des Marktvertrauens. Die Ukraine ist mäßig vorbereitet, hat aber Fortschritte erzielt.
Die sensibelste Frage ist die Agrarstruktur. Hier geht es nicht nur darum, wie viele Hektar die Ukraine in die GAP einbringt, sondern auch darum, wer profitiert. 2024 erwirtschafteten juristische Personen 71 % der landwirtschaftlichen Produktion, natürliche Personen etwa 29 %. Die durchschnittliche Größe eines kommerziellen Betriebs wurde auf 649 ha geschätzt, verglichen mit einem EU-Durchschnitt von 17,4 ha im Jahr 2020.
Große Betriebe mit mehr als 10.000 ha erzeugten etwa 25 bis 30 % der Getreide- und Ölsaatenproduktion, während Betriebe mit 500 bis 10.000 ha rund 63 % der Produktion stellten. Auf kleine Betriebe entfielen etwa 49 % der Obst- und Beerenproduktion und rund ein Drittel der Gemüseproduktion; große Betriebe erzeugten rund 59 % der Zuckerrüben.
Hektarbasierte Direktzahlungen wären politisch explosiv und ökonomisch grob, weil sie Größe belohnen würden, ohne notwendigerweise Wiederaufbau, Standards, Arbeitsplätze, Verarbeitung oder ländlichen Zusammenhalt zu fördern. Der Beitritt der Ukraine sollte als Chance für strukturelle Modernisierung verstanden werden. Die Ukraine verhandelt zudem über den Beitritt zu einer Politik, die selbst gerade neu gestaltet wird. Die zentrale Frage lautet nicht nur, wie viel Geld die Ukraine erhält, sondern welche Transformation die EU finanziell zu unterstützen bereit wäre.
Es braucht ein neues Modell
Die EU und die Ukraine brauchen ein neues Beitrittsmodell: schneller als die traditionelle Erweiterung, sicherer als eine gewöhnliche Liberalisierung und von Anfang an glaubwürdig. Ein solches Modell würde institutionelle Konvergenz, gesteuerte Marktöffnung und eine frühe Beteiligung an GAP-Instrumenten in einem kohärenten Rahmen verbinden. Es würde den Aufbau der GAP-Verwaltungsstrukturen in der Ukraine unterstützen. Gleichzeitig würde der Marktzugang mit produktspezifischen Schutzmaßnahmen, Zollkontingenten, regionalem Monitoring und Logistikmanagement für sensible Sektoren wie Zucker, Geflügel, Eier, Honig, Weizen, Mais und Ölsaaten verknüpft.
Die Ukraine könnte zudem bereits vor dem vollständigen Beitritt Zugang zu ausgewählten GAP-ähnlichen Instrumenten erhalten, darunter Investitionsbeihilfen, Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung, Pilotzahlungen, Erzeugerorganisationen, Umweltprogramme und gezielte Unterstützung für kleine und mittlere Betriebe. Wiederaufbau und Minenräumung würden in diesen Prozess eingebettet, sodass der Beitritt nicht nur ein rechtlicher Weg, sondern auch eine praktische Modernisierungsagenda wäre. Dieser Ansatz kann auch den Landwirten in der EU mehr Planungssicherheit geben. age
In weit mehr als 100 Gesichter von verstorbenen Menschen hat die Künstlerin Dr. Claudia Guderian bereits geschaut und deren Ausdruck als Bronzemaske festgehalten. Was als ein Gedenken an ihren Vater begann, entwickelte sich zu einer einzigartigen Erinnerungskultur. Unter dem Titel „Facing Death“ sind 102 Masken Verstorbener jedes Alters in den Museen im Kulturzentrum Rendsburg zu sehen und laden zu einer besonderen Begegnung mit dem Tod ein.
Museumsleiterin und Kuratorin Vanessa Jasmin Syring (li.) mit der Künstlerin Dr. Claudia Guderian Foto: Iris Jaeger
Nachdenklich, gestärkt, traurig, verwirrt, melancholisch, dankbar, kreativ, friedvoll, zuversichtlich, neugierig, überfordert, erfüllt – kaum eine Ausstellung spricht so viele verschiedene Gefühlslagen an wie diese. Dabei gehört der Tod zum Leben dazu, doch wird der Gedanke an ihn verdrängt, das Wissen um die eigene Sterblichkeit so lange wie möglich ausgeblendet. War es früher vor allen Dingen auf den Dörfern üblich, Verstorbene über mehrere Tage aufzubahren, um Angehörigen und Dorfbewohnern die Möglichkeit zu geben, sich zu verabschieden, ist diese Kultur über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte verloren gegangen. Der Umgang mit Tod und Sterben in der heutigen Gesellschaft wirkt oftmals verkrampft und distanziert, die Menschen haben verlernt, dem Tod ins Gesicht zu sehen. Sie tun sich schwer, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Statt den Tod als Teil des Lebens zu sehen, wird er als etwas Bedrohliches empfunden.
Künstlerisch würdevoll und in einer liebevoll gestalteten Umgebung lädt die Ausstellung dazu ein, sich dem Thema Tod wieder bewusst zu nähern und sich mit ihm in Ruhe auseinanderzusetzen. Fragen wie „Was bedeutet Sterblichkeit?“, „Wie erinnern wir uns an Menschen?“ oder auch „Wie gehen wir als Gesellschaft mit dem Tod um?“ sollen helfen, Leben, Sterben und Abschied in den eigenen Fokus zu rücken.
Die Maske des ältesten Verstorbenen mit 101 Jahren Foto: Iris Jaeger
Um Besuchern den Zugang zur Ausstellung zu erleichtern und dem Thema die Schwere zu nehmen, hat die Museumsleiterin und Kuratorin der Ausstellung, Vanessa Jasmin Syring, zusammen mit ihrer Kollegin und wissenschaftlichen Volontärin, Wencke Kumke, versucht, die Totenmasken in einer hellen und freundlich gestalteten Umgebung zu präsentieren. Darüber hinaus geben sie den Menschen an mehreren Stationen die Gelegenheit, die Ausstellung mitzugestalten sowie ihren Gefühlen und Gedanken auf verschiedene Weise Ausdruck zu verleihen. „Das fängt damit an, dass wir mit einem verzierten Spalier eine Art Portal geschaffen haben, durch das man die Welt der Verstorbenen betritt und sie auch wieder verlassen kann“, erläutert die Museumsleiterin das Konzept.
Sie selbst hat die Ausstellung von Claudia Guderian einige Jahre zuvor in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof entdeckt. „Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich zu dem Ohlsdorfer Friedhof recherchiert und dort die ausgestellten Bronzemasken gesehen. Die Ausstellung hat mich berührt und nicht mehr losgelassen. Daraus entstand die Idee, diese Ausstellung, gepaart mit entsprechenden Vermittlungsangeboten wie Workshops, Vorträgen und Veranstaltungen, zusammen mit Akteurinnen und Akteuren aus Rendsburg und Umgebung hier zu zeigen.“
Gedankenfäden mit beschrifteten Zetteln der Ausstellungsbesucher Foto: Iris Jaeger
Nach dem Durchschreiten des Portals werden die Besuchenden nicht sofort und unvermittelt mit den Totenmasken konfrontiert, sondern durch ein großformatiges Foto mit dem Bild einer Maske auf die Ausstellung vorbereitet. Und sie werden eingeladen mitzumachen, zum Beispiel indem sie mit Kreide ihre Antwort auf eine Tafel schreiben, auf der steht: „Bevor ich sterbe, möchte ich …“ Auf einer gegenüberliegenden Wand sind Gefühle als Wörter verteilt aufgedruckt. In verschiedenen Farben kann man dann einen Klebepunkt unter das jeweilige Gefühl kleben, das man beim Erleben der Ausstellung empfindet. Ein Stimmungsbarometer, das eindrucksvoll die Gefühlslagen widerspiegelt. An von der Decke herunterhängenden Fäden hängen beschriebene Zettel, auf denen die Besucher ihre Gedanken zu Tod und Leben notiert haben. Ein abgeschirmter Zwischenraum bietet die Möglichkeit, sich auszuruhen und Pause zu machen.
Die Masken selbst sind chronologisch nach Alter angeordnet und beginnen mit dem ältesten Verstorbenen, dem Claudia Guderian das Gesicht abformen durfte: einem 101-jährigen Mann. Mit jeder Maske werden die Toten jünger bis hin zu Jugendlichen, Kindern und einem Fötus. „Aus Respekt vor den Verstorbenen und deren Angehörige werden nur Angaben zu Alter und Geschlecht gemacht“, erzählt die Künstlerin, die in ihren Führungen berichtet, wie sie dazu kam, die Gesichter von Verstorbenen in Bronzemasken zu verwandeln.
„Jedes Projekt hat eine Initialzündung. Bei mir war es der Tod meines Vaters 1984. Da war er 64 Jahre alt. Meine Eltern waren geschieden, und ich hatte nicht viel von ihm gehabt. Als er starb, hatte ich das Bedürfnis, ihn irgendwie festhalten zu wollen. Da ich seinerzeit schon geübt darin war, Gipsmasken herzustellen, habe ich das Gesicht meines Vaters in Gips gegossen und bin damit zu einem Glockengießer gegangen, der mir davon einen Bronzeguss anfertigte.“ Dann fragte sie sich, wie viele Menschen wohl auch gern das Gesicht ihres Angehörigen in irgendeiner Weise bewahren wollten, wenn sie es nur könnten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahre das Projekt „Facing Death“. Die Künstlerin brachte sich selbst das Bronzegießen, Ziselieren und Patinieren bei. Mit Erlaubnis der Angehörigen, zeigt sie nun ihre Sammlung in Ausstellungen.
Claudia Guderian erläutert das aufwendige Bronzegießverfahren anhand einer der Masken Foto: Iris Jaeger
„Der Gesichtsausdruck verändert sich im Laufe der Stunden nach dem Versterben“, so Guderian, die sich dem Bewahren des individuellen Ausdrucks eines jeden Menschen verpflichet fühlt. Jedes Anlitz erzählt von Leben, Schmerz, Krankheit, Leid, Erleichterung, Frieden, Schönheit, Anmut, Weisheit. Dabei ist das Anfertigen von Masken bereits mehrere Tausend Jahre alt. „Bei den Römern galten Totenmasken als berührbare Bilder von Herrschern oder verdienten Ahnen. In der Romantik machte man Totenmasken von Künstlern oder Berühmtheiten aus dem öffentlichen Leben. ,Facing Death‘ ist weder das eine noch das andere. Es zeigt das Gesicht von jedermann: den fröhlichen Alten, den Punker mit dem Irokesenhaarschnitt, das kranke Kind“, lautet das Konzept der Künstlerin. Sie selbst hat für sich noch nicht entschieden, ob von ihr nach ihrem Tod eine Maske angefertigt werden soll. Aber sie weiß das Leben im Hier und Jetzt zu genießen – und wie wichtig es ist, diese Art der Erinnerung zu schaffen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 20. September in Rendsburg zu sehen. Weitere Informationen unter www.facingdeath.org
Die Landesregierung hat im Juli dem zweiten Entwurf der neuen Regionalpläne Windenergie zugestimmt. Die Änderungen gegenüber dem ersten Entwurf sind fortan im Internet einsehbar. Die Öffentlichkeit kann seit dem 16. Juli zu den vorgenommenen Änderungen Stellung nehmen. Das Beteiligungsverfahren läuft bis zum 26. August.
Die drei neuen Regionalplan-Teilaufstellungen zur Windenergie an Land sollen künftig die noch geltenden Pläne aus dem Jahr 2020 ersetzen. In den Entwürfen sind insgesamt 401 Vorranggebiete für die Windenergienutzung dargestellt, die rund 3,3 % der Landesfläche Schleswig-Holsteins umfassen.
In einer ersten Öffentlichkeitsbeteiligung vom August bis Oktober 2025 waren rund 3.300 Stellungnahmen eingegangen. Laut Innenministerin Magdalena Finke (CDU) konnten die Pläne nachgeschärft und in vielen Details entscheidend verbessert werden. Änderungen in den Entwürfen haben sich zum Beispiel ergeben durch Datenkorrekturen bei Wohnnutzungen und Siedlungsabgrenzungen, bei der Einstufung von Innen- und Außenbereichen, bei Abständen zur Infrastruktur (zum Beispiel Hochspannungsleitungen) oder bei Belangen des Artenschutzes (etwa Standorte von Großvogelhorsten).
Landesweit sind nun rund 51.950 ha als Vorranggebiete zur Windenergienutzung vorgesehen. Gegenüber dem ersten Planentwurf sind rund 3.488 ha Vorranggebietsflächen weggefallen und rund 2.139 ha neu hinzugekommen. „Dies zeigt einerseits, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung durchaus zu konkreten Planänderungen führt, wenn stichhaltige Argumente vorgetragen werden. Andererseits haben sich rund 90 % unserer Vorrangkulisse nach erneuter kritischer Überprüfung bestätigt“, so die Innenministerin.
Die Planentwürfe (formal: zweite Entwürfe der Teilaufstellungen der Regionalpläne für die Planungsräume I, II und III in Schleswig-Holstein zum Thema Windenergie an Land Kapitel 4.7) sind im Anhörungsportal BOB SH unter der Adresse www.schleswig-holstein.de/windenergiebeteiligung einsehbar.
Die Möglichkeit zu einer Stellungnahme ist nach der Bekanntmachung im Amtsblatt seit dem 16. Juli freigeschaltet und endet mit Ablauf des 26. August. Die Öffentlichkeitsbeteiligung bezieht sich nur noch auf die gegenüber dem ersten Planentwurf geänderten Teile des Plans.
Die Landesplanung veröffentlicht auch sämtliche in der ersten Anhörung eingereichten Stellungnahmen in anonymisierter Form inklusive einer ausführlichen Bewertung. Jede Einwenderin und jeder Einwender kann in einer Synopse auf den Internetseiten der Landesregierung nachlesen, wie die vorgetragenen Argumente bewertet wurden. Für weitere Erläuterungen wird verwiesen auf schleswig-holstein.de/windenergie
Für Kopfschütteln in der Agrar- und Bioenergiebranche sorgt der vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) vorgelegte Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Dieser bleibe „weit hinter den Ankündigungen des Koalitionsvertrags zurück“, kommentierte die Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB), Sandra Rostek. Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sprach in einer ersten Reaktion von „erheblichen Verschlechterungen“, die durch das Gesetz drohten. Der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein, LEE SH, sieht in zentralen Fragen erheblichen Nachbesserungsbedarf.
Das Ministerium von Ressortchefin Katherina Reiche (CDU) gab den lang erwarteten Entwurf für das EEG ab 2027 am Freitag voriger Woche in die Länder- und Verbändeanhörung. Kritik äußerten die Branchenorganisationen auch am knappen Zeitplan: Stellungnahmen mussten bis zum 22. Juli eingereicht worden sein, womit nur drei Werktage zur Verfügung standen. Für Gesetze dieser Tragweite sei das nicht angemessen, monierte der BEE.
Ausschreibungssegment für Biomethan gestrichen
Laut dem Gesetzentwurf sollen flexible Biogasanlagen auch im künftigen Stromsystem eine Rolle spielen. Dafür soll die installierte Leistung von Biomasseanlagen bis 2030 von 8,5 GW auf 9,5 GW gesteigert werden. Ab dem Jahr 2027 werden zudem die Ausschreibungsmengen für Biogas erhöht. Zunächst auf jährlich 1.000 MW, ab 2029 auf 750 MW und ab 2031 auf 500 MW. Gänzlich gestrichen wird dagegen das Ausschreibungssegment für Biomethananlagen. Das BMWE begründet dies einerseits damit, dass in diesem Segment zuletzt nahezu keine Gebote abgegeben worden seien, und andererseits damit, dass die „wertvolle Bioenergie“ künftig in anderen Sektoren benötigt werde.
Ferner sieht der Gesetzentwurf im Bereich Bioenergie vor, die Anschlussförderung für Güllekleinanlagen zu verlängern und den sogenannten Maisdeckel um 5 %-Punkte auf dann 30 Masseprozent anzuheben. Verstromtes Biogas dürfte demnach bis zu 30 % aus Mais erzeugt werden, um förderfähig zu sein.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht Nachbesserungsbedarf. „Die Ausschreibungsmengen genügen nicht, um mehr Investitionen in flexible und systemdienliche Biogasanlagen zu erreichen“, erklärte DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet. Auch müsse der Maisdeckel vollständig abgeschafft „oder zumindest auf das Niveau des Gebäudemodernisierungsgesetzes angehoben werden“, forderte sie. Hintergrund ist, dass in der Novelle des Gebäudemodernisierungsgesetzes die Obergrenze für Mais in Vergärungsanlagen auf 50 % angehoben wurde.
HBB: „Sterbepfad für Anlagenbestand“
Der BEE monierte, dass die „leichte Anhebung“ der Ausschreibungsvolumina für Biogas durch die Streichung von Biomethan „vollständig konterkariert“ werde. „Die Folge wird das Aus vieler Anlagen im ländlichen Raum bedeuten und damit erhebliche Auswirkungen auf die Wertschöpfung, insbesondere in der Landwirtschaft, haben“, so der Verband. Drastischer formulierte es HBB-Leiterin Rostek: „Die vorgesehenen Ausschreibungsvolumina sind de facto ein Sterbepfad für den Anlagenbestand“, kommentierte sie. Als „nicht vermittelbar“ bezeichnete es Rostek, dass die Ausschreibungen für Biomethan-Blockheizkraftwerke gestrichen werden sollten, während gleichzeitig neue und umfangreiche Förderungen von Erdgaskraftwerken beschlossen worden seien.
Ferner werde das „starre Konzept der Betriebsstundenbegrenzung“ beibehalten und die Begrenzung des Einsatzes von Mais kaum angetastet. „Damit bleiben wirtschaftliche Hemmnisse beinahe unverändert bestehen, und es werden Erlöspotenziale an den Strommärkten verschenkt“, so Rostek.
Auch laut LEE SH stehen wenigen positiven Anpassungen weiterhin Neuregelungen entgegen, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv einzuschränken drohen. „Trotz aller Kritik in den vergangenen Monaten und diverser Lösungsvorschläge der Branche verpasst das Bundeswirtschaftsministerium die Chance, ein flexibles Stromsystem, basierend auf Erneuerbaren Energien, zu schaffen. Der Bund bremst damit die Transformation und stellt das zentrale Zukunftsprojekt von Ländern wie Schleswig-Holstein infrage“, kommentiert Marcus Hrach, Geschäftsführer des LEE SH. Insbesondere der im Netzpaket enthaltene Redispatch-Vorbehalt hat zuletzt deutliche Kritik hervorgerufen. Mit kleinen Änderungen und unter anderem Namen ist dieser Mechanismus weiter im Referentenentwurf enthalten. „Energiewirtschaft und künftigen, energieintensiven Investitionsprojekten in Schleswig-Holstein drohen jahrelang unkalkulierbare Risiken, die Vorhaben insbesondere von kleinen und mittelständischen Akteuren schwer finanzierbar machen“, warnt Hrach.
Drastische Konsequenzen bei Bionergie
Der Referentenentwurf des EEG sieht ein zusätzliches Ausschreibungsvolumen von 12 GW für Wind an Land vor sowie 14 statt 10 GW bei Ausschreibungen für Freiflächensolar. „Das ist grundsätzlich ein wichtiges Signal, gerade bei der Windenergie an Land. Hier sind zusätzliche Volumina angesichts der zuletzt deutlich überzeichneten Ausschreibungsrunden und einer bundesweit hohen genehmigten Leistung in diesem Jahr dringend geboten“, so Hrach.
Drastische Konsequenzen befürchtet er hingegen für die Bioenergie: „Der moderate Leistungszubau würde nicht ausreichen, um die fehlende Einspeisung durch Bestandsanlagen auszugleichen oder den Bestand zu erhalten. Die weiteren Gesetzesentwürfe der Bundesregierung verlangen gesicherte Leistung und steigende Beimischungsquoten für klimafreundliche Brennstoffe im Wärmesektor. Während Biogas diese Vorgabe als heimischer, steuerbarer und krisenfester Energieträger erfüllen könnte, setzt das Bundeswirtschaftsministerium keinerlei Anreize, diese Systemrolle gezielt zu stärken“, so Hrach.
Im Rahmen des Aktionsprogrammes Ostseeschutz 2030 veranstaltete die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) einen Praxistag zum Thema Ostseeschutz und knüpfte damit an das Weiterbildungsangebot des Vorjahres an. Die Veranstaltung wurde durch das Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV) gefördert und fand im Ostseeeinzugsgebiet der Trave statt.
Das Thema Ostseeschutz wird in den Wassereinzugsgebieten der Flensburger Förde/Schlei, Eckernförder Bucht/Propstei, Wagrien-Fehmarn/Neustädter Bucht vielfach diskutiert und ist ein zentrales Thema. Stellvertretend für die Regionen fand der Praxistag zum Thema Ostseeschutz in der Region Trave in Bosau-Kiekbusch statt. Im Mittelpunkt standen die Themen Direktsaat, extensive Bodenbearbeitung, Zwischenfruchtanbau sowie Fruchtfolge in Verbindung mit bodenkundlichen Aspekten. Insgesamt besuchten 100 Teilnehmende aus der Praxis und Beratung die Veranstaltung, die in dieser Form insbesondere durch Malte Carstens, Betriebsleiter in Bosau-Kiekbusch, ermöglicht wurde.
Zielvereinbarung Landwirtschaft
Dr. Lars Biernat von der LKSH begrüßte die Teilnehmenden und führte im Verlauf der Veranstaltung durch das Programm. Anschließend stellte Anjouli Hein, Referentin für den Bereich Ostseeschutz im MLLEV, die Hintergründe und Zielvorstellungen des Aktionsplans Ostseeschutz vor. Zudem informierte sie über den aktuellen Stand sowie die nächsten Schritte im weiteren Prozess. Erstmals wurden dabei die Maßnahmenkataloge der fünf Ostseebeiräte einem breiteren Fachpublikum vorgestellt. Sie basieren auf den regionalen Umsetzungsplänen und enthalten eine Auswahl freiwilliger Maßnahmen, die von den jeweiligen Gremien für die Regionen als besonders geeignet bewertet wurden, um Nährstoffeinträge in die Ostsee zu reduzieren. Die Dokumentation und Evaluation der gewählten Maßnahmen erfolgen weitgehend über bestehende Systeme wie Endo-SH und InVeKoS, sodass für die Betriebe grundsätzlich keine zusätzlichen Berichtspflichten entstehen, der Betriebserfolg allerdings dargestellt werden kann. Endo-SH wird um eine Funktion erweitert, mit der ab dem Düngejahr 2026 zusätzliche freiwillige Maßnahmen in den Ostseebeiratsregionen erfasst werden können. Damit erhalten Landwirtinnen und Landwirte eine praxisnahe Orientierung, welche Maßnahmen in ihrer Region besonders wirksam sind und wie sie sich freiwillig am kooperativen Ostseeschutz beteiligen können.
Im Rahmen der zwischen vier landwirtschaftlichen Verbänden und der Landesregierung unterzeichneten Zielvereinbarung besteht Einvernehmen darüber, die bereits erfolgreiche Gewässerschutzberatung fortzuführen. Darüber hinaus stellt die LKSH künftig ein Online-Beratungstool zum Nährstoffmanagement bereit und baut den Nmin-Messdienst in Schleswig-Holstein weiter aus. Für den Messdienst werden weiterhin Flächeneigentümerinnen und -eigentümer gesucht, die sich gern unter https://www.lksh.de/landwirtschaft/duengung/nitratmessdienst anmelden können. Anschließend verwies Anjouli Hein auf die neue Webseite rund um das Thema Ostseeschutz. Sie informiert über die Inhalte der Zielvereinbarung, stellt die Maßnahmenkataloge zum Download bereit und bietet einen Überblick über anstehende Veranstaltungen (https://t1p.de/zielvereinbarung_landwirtschaft).
Der Fachteil der Veranstaltung fand in der Maschinenhalle von Malte Karstens statt. Achim Seidel stellte hier das Potenzial von Direktsaat in Schleswig-Holstein vor. Foto: Dr. Lars Biernat
Potenziale von Direktsaat
Im Vortrag von Achim Seidel (LKSH) standen die theoretischen Grundlagen der verschiedenen Bodenbearbeitungssysteme im Mittelpunkt. Vorgestellt wurden die Unterschiede zwischen der konventionellen Bodenbearbeitung mit Pflug und Grubber, der reduzierten beziehungsweise flachen Mulchsaat, der streifenweisen Lockerung (Strip-Till) sowie der Direktsaat. Unabhängig vom gewählten Verfahren bleibt eine ausgewogene Fruchtfolge entscheidend. Dazu gehören der Wechsel von Halm- und Blattfrüchten sowie von Winterungen und Sommerungen ebenso wie die Integration von Zwischenfrüchten. Gerade in Schleswig-Holstein haben diese ackerbaulichen Grundsätze in den vergangenen Jahren weiter an Bedeutung gewonnen, da zunehmende Ungrasproblematiken nur durch integrierte pflanzenbauliche Strategien erfolgreich beherrscht werden können.
Für den Einstieg in die Direktsaat oder eine stark reduzierte Bodenbearbeitung vor der Saat eignen sich insbesondere Vorfrüchte mit guter Bodengare. Gute Voraussetzungen bieten beispielsweise Weizen oder Wintergerste nach Ackerbohnen oder Winterraps. Auch aus Sicht des Gewässerschutzes ist hierbei eine geringere Mineralisation im Herbst mit entsprechend höherer Nährstoffretention zu erwarten, was im Frühjahr den Getreidebeständen zugutekommt. Ebenso können Sommerungen wie Hafer oder Leguminosen nach gut entwickelten Winterzwischenfrüchten einen geeigneten Einstieg in die Direktsaat ermöglichen, da sie häufig mit einer guten Bodenstruktur und verbesserten Befahrbarkeit im Frühjahr einhergehen. Hinsichtlich der technischen Anforderungen sind spezielle Direktsaatmaschinen im Vorteil, unter günstigen Ausgangsbedingungen können jedoch auch mit entsprechender konventioneller Technik gute Ergebnisse erzielt werden. Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist, tiefere Bodeneingriffe wie das Pflügen möglichst zu vermeiden, um ein dauerhaft stabiles Bodengefüge aufzubauen.
Drohnenansaat von Zwischenfrüchten
Ruben Soth von der LKSH stellte im Rahmen des EIP-Projekts „Flugsaat“ aktuelle Erkenntnisse zur Aussaat von Zwischenfrüchten per Drohne vor. Bereits auf den Ostseeschutz-Feldtagen im vergangenen Jahr wurden Demostreifen angelegt und die Technik vorgestellt. Ein Jahr später standen nun erste Versuchsergebnisse sowie Praxiserfahrungen im Mittelpunkt. Dabei zeigte Soth auf, worauf es für eine erfolgreiche Etablierung der Zwischenfrüchte ankommt. Die Versuche zeigten, dass die Drohnensaat einen Vegetationsvorsprung ermöglichen kann. Durch die Aussaat bereits vor der Getreideernte werden Arbeitsspitzen entzerrt und die begrenzte Vegetationszeit der Zwischenfrüchte verlängert. Zudem führt die fehlende Bodenbearbeitung zu einem deutlich geringeren Besatz mit Ausfallgetreide und Altraps. Gleichzeitig machte Soth deutlich, dass der Erfolg der Flugsaat von mehreren Faktoren abhängt. Entscheidend sind ein angepasstes Strohmanagement, eine ausreichende Bodenfeuchte sowie die Auswahl geeigneter Zwischenfruchtarten. Auch Schnecken- und Mäusedruck können die Etablierung erheblich beeinträchtigen. Ein weiterer Schwerpunkt war der Einfluss des vorangegangenen Pflanzenschutzes. Insbesondere Sulfonylharnstoff-Herbizide aus der Frühjahrsbehandlung können empfindliche Zwischenfruchtarten schädigen, da bei der Flugsaat keine Bodenbearbeitung erfolgt und sich durch die frühere Aussaat der Zeitraum für den Wirkstoffabbau verkürzt. Eine universell geeignete Drohnensaat-Zwischenfruchtmischung gibt es daher nicht. Die Auswahl einer an Standort und Pflanzenschutz angepassten Mischung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Direktsaat in der Praxis
Malte Carstens, Betriebsleiter in Bosau-Kiekbusch, hat nach der Übernahme des elterlichen Betriebs diesen zunächst konventionell weitergeführt. Durch ein hohes Maß an Eigeninteresse und einen engen Austausch mit Betrieben, die Direktsaat bereits praktizieren, folgte dann der Einstieg in die Direktsaat auf dem eigenen Betrieb. In der Anfangsphase wurde vieles erprobt, mittlerweile verfügt der Betrieb über zwei unterschiedliche Direktsaatmaschinen, sodass heute mit Ausnahme von Mais, der im Strip-Till-Verfahren, und Raps, der je nach Vorfrucht im Strip-Till- oder Direktsaatverfahren bestellt wird, fast alle Kulturen im Direktsaatverfahren etabliert werden können. Eine vielfältige Fruchtfolge mit einem Wechsel zwischen Winterungen und Sommerungen sowie Blatt- und Halmfrüchten bildet dabei die Grundlage des Anbausystems. Gleichzeitig gewann der Zwischenfruchtanbau zunehmend an Bedeutung.
Carstens betonte, dass eine möglichst frühe Etablierung der Zwischenfrucht unmittelbar nach der Ernte der Hauptfrucht entscheidend sei, um eine ganzjährige Bodenbedeckung sicherzustellen. Je nach Fruchtfolge setzt er gezielt unterschiedlichen Zwischenfruchtmischungen ein. Durch das Direktsaatverfahren ist der Einsatz von Glyphosat derzeit unverzichtbar. Im Gegenzug verzichtet der Betrieb weitestgehend auf Bodenherbizide, und es kommen vermehrt selektive Blattherbizide zum Einsatz. Zusätzlich wurde die Düngestrategie durch eine teilflächenspezifische Düngung angepasst, wodurch unterschiedliche Bodenarten innerhalb eines Schlages berücksichtigt werden können.
Auch wenn der Umstieg auf die Direktsaat mit Herausforderungen verbunden war, hat Carstens inzwischen ein Anbausystem etabliert, das mittel- und langfristig erfolgreich funktionieren kann. „Direktsaat braucht ihre Zeit, gerade in der Startphase muss man auch mal wegschauen können“, fasste er seine Erfahrungen zusammen. Inzwischen entspricht das betriebseigene Ertragsniveau wieder mindestens dem von benachbarten Betrieben. Zudem zeigen die Bestände eine höhere Ertragsstabilität, da sie Trockenperioden besser überstehen. Mit der Integration der Direktsaat leistet der Betrieb damit einen Beitrag zu einem ressourcen- und bodenschonenden sowie nachhaltigen Ackerbau.
Anhand von Bodenproben zeigte Carstens anschaulich mittels eines Slake-Tests den Einfluss der Bodenbearbeitung auf die Stabilität des Bodengefüges. Während die Bodenaggregate auf intensiv bearbeitetem Acker zerfallen (r.), zeigt sich der nahezu unbearbeitete Boden deutlich widerstandsfähiger, etwa gegenüber Erosionsereignissen. Foto: Dr. Lars Biernat
Auswirkungen auf den Boden
Lars Paulsen und Dr. Wolfram Kneib, ausgewiesene Bodenkundler, gaben im Feld einen Einblick in bodenkundliche Aspekte. Wer Direktsaat und optimierte Verwertung der Erntereste in gemäßigten Breiten einsetzt, erreicht eine nachhaltig stabile Standortsituation und vermindert die Wasser- und Winderosion. Wesentliche Punkte, die dem Ostseeschutz zugutekämen, führte Kneib aus. Gleichzeitig zeigte Paulsen anhand mehrerer Profilgruben, dass der Einsatz der Direktsaat über mehrere Jahre einhergehen kann mit der Wiederherstellung und Erhaltung des standortgemäßen Humusspiegels und unmittelbaren Folgen auf die Verbesserung des Wasser- und Nährstoffhaushalts im oberen Bodenbereich sowie mit der Erhöhung der biologischen Aktivität im Boden und der damit verbundenen Verbesserung der Bodenstruktur. Negative Folgen des Pflügens, wie die Verdünnung der Humusgehalte durch größere Bearbeitungstiefe und entstandene Pflugsohlen aus der Historie waren sichtbar, könnten aber mittelfristig kompensiert werden. Das Potenzial der Direktsaat für die Bodenstruktur konnte Paulsen anhand des Bodengefüges sichtbar machen.
Die Praxismaschinen
Melf Petersen von der Firma MP Planting stellte dar, dass der Einsatz moderner Direktsaatmaschinen und Strip-Till-Technik im Ackerbau aktuell an Bedeutung gewinne. Stellvertretend für eine Vielzahl am Markt vertretener Maschinen wurden auf dem Betrieb eine dort im Einsatz befindliche Köckerling Ultima sowie eine Horizon DSX präsentiert. Petersen stellte dar, dass die Köckerling konsequent auf robuste Zinkentechnik setze, während Horizon auf das No-Till-Verfahren mit innovativen Scheibenscharen spezialisiert sei. Durch den geringeren Bearbeitungsaufwand lassen sich Arbeitszeit, Kraftstoffverbrauch und Maschinenverschleiß reduzieren. Gleichzeitig profitieren die Böden von einer besseren Tragfähigkeit und einem höheren Wasserhaltevermögen. Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz sind jedoch eine angepasste Fruchtfolge, eine sorgfältige Bestandsführung sowie eine präzise Einstellung der Technik.
Fazit
Der Praxistag zum Ostseeschutz der Landwirtschaftskammer zur Sensibilisierung für den Ostseeschutz stieß auf große Resonanz und vermittelte wertvolle Erkenntnisse für einen gewässer- und bodenschonenden Ackerbau. Der Praxisaustausch auf den Betriebsflächen von Malte Carstens zeigte allen Beteiligten, dass gewässerschonende Maßnahmen in der Praxis zwar oft mit großen Herausforderungen verbunden sind, sich durch Erfahrung, Beratung und Engagement jedoch erfolgreich umsetzen lassen.
Entdecke deine Stärke. Finde deine innere Balance. Lerne, dich selbst zu schätzen – das alles sind gute Ratschläge, keine Frage! Aber wenn es darum geht, sie umzusetzen, stoßen doch viele an ihre Grenzen.
„Dabei sollten sich ganz besonders wir Frauen unserer Stärken bewusst sein“, findet Christiane Strüven. Mit ihrem Seminar „Sag JA zu dir“, das der LandFrauenVerband Schleswig-Holstein anbot, unterstützt sie Frauen dabei, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und dabei auch Klarheit und Selbstfürsorge im Blick zu behalten.
Es geht ans Eingemachte. Wer über sich, seine Stärken – aber auch über seine Schwächen – nachdenkt, der arbeitet hart. Die Teilnehmerinnen des Seminars haben sich darauf eingelassen. Schnell gelang es Coachin Christiane Strüven, ihr Vertrauen zu gewinnen. „Es geht mir hier nicht um Seelenstriptease, sondern darum, eine offene, neugierige Stimmung im sicheren Raum herzustellen“, erklärt sie. Das gelingt ihr beispielsweise durch eine Übung, bei der jede Teilnehmerin zwei Dinge von sich erzählt. „Eine Wahrheit und eine Lüge. Da kommen immer schon coole Sachen ans Licht“, schmunzelt sie.
Das Seminar lebt von Übungen. Schon zur Vorbereitung sollten sich die Teilnehmerinnen mit den Archetypen (universellen, im kollektiven Unbewussten verankerten Urbildern oder Grundmustern menschlicher Erfahrung, die Denken, Fühlen und Verhalten prägen) beschäftigen. „Sie können helfen, wiederkehrende Muster in der Persönlichkeit, den Beziehungen, Motiven und Lebensentscheidungen besser zu verstehen“, erklärt die Trainerin. Im Anschluss arbeitete die Gruppe mit dem Lebensrad, einem Werkzeug, das dabei hilft, seine individuellen Energiefresser und Kraftquellen zu identifizieren.
Am Ende geht es Christiane Strüven darum, die Frauen stark zu machen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Aber in ihrem Seminar setzt sie gezielt Impulse, die eine weitere Beschäftigung mit sich und der eigenen Situation auslösen sollen. Dabei ist es wichtig zu erkennen, wo man steht und wer man ist – auch, welche Veränderungen nötig sind, um Missständen zu begegnen. „Dazu gehört eine offene Reflexion seiner selbst und den erforderlichen Veränderungen“, beschreibt Christiane Strüven. „Die oberste Priorität ist es, sich selbst stark zu machen. Und dann müssen wir erkennen, welche Kräfte wir gemeinsam haben, wenn wir an einem Strang ziehen.“ Ihr Appell ist eindeutig: Miteinander stark sein und die große Kraft des Wir erkennen! „Das erreichen wir, wenn jede Einzelne erkennt, welchen hohen individuellen Wert sie hat.“
Uns allen gibt sie noch einen schnell wirkenden Tipp an die Hand, den sie sich bei der US-amerikanischen Talklegende Oprah Winfrey ausgeliehen hat: „Sei dir bewusst, dass du nicht die erste und auch nicht die letzte Frau bist, die dieses Problem hat. Aber es gibt Frauen, die es schon gemeistert haben. Stell dir vor, dass alle diese Frauen unsichtbar an deiner Seite stehen. Das gibt dir den Mut, auch die eigene Kraft dafür zu entwickeln.“
Umgang mit Konflikten
Konflikte gehören zum Alltag – im Beruf, in der Familie, im Ehrenamt oder im Freundeskreis. Doch wie entstehen Konflikte überhaupt? Welche Konfliktarten und -muster gibt es? Wie unterscheiden sich verschiedene Eskalationsstufen? Und wie gelingt es, in schwierigen Situationen souverän und konstruktiv zu reagieren? Diesen Fragen widmet sich das Seminar „Umgang mit Konflikten“, das der LandFrauenVerband Schleswig-Holstein am 12. September von 9 bis 17 Uhr im Martinshaus in Rendsburg anbietet. Die Teilnehmerinnen lernen, Konflikte besser zu verstehen, das eigene Verhalten zu reflektieren und neue Handlungsstrategien zu entwickeln. Neben einer verständlichen Einführung in die Grundlagen der Konfliktkommunikation stehen vor allem praktische Übungen im Mittelpunkt. In geschützter Atmosphäre können verschiedene Reaktionsmöglichkeiten ausprobiert und eigene Erfahrungen eingebracht werden. So gewinnen die Teilnehmerinnen mehr Sicherheit im Umgang mit Konflikten und stärken ihre Kommunikationskompetenz für den Alltag.
Anmeldung bis 31. Juli.
Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung auf der Webseite des LandFrauenVerbandes unter https://t1p.de/LF_Konflikt
Dr. Claudia Kleimann-Balke
Deutscher LandFrauentag in Essen
Die LandFrauen aus Schleswig-Holstein um Präsidentin Claudia Jürgensen (3. v. r.) bringen viele Anregungen vom LandFrauentag in Essen mit. Foto: lfv
Es sind viele neue Eindrücke, die die Vertreterinnen des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein vom Deutschen LandFrauentag in Essen mit nach Hause nehmen. Rund 5.000 LandFrauen aus dem gesamten Bundesgebiet kamen unter dem Motto „gestalten.begeistern.bewegen.GEMEINSAM“ zusammen, um sich über die Zukunft der ländlichen Räume, ehrenamtliches Engagement und die Rolle von Frauen in Gesellschaft und Landwirtschaft auszutauschen. Im Mittelpunkt standen Impulse aus Politik und Praxis, die Ehrung engagierter LandFrauen sowie Gespräche über Demokratie, Zusammenhalt und die Stärkung des Ehrenamts. „Besonders wertvoll war für uns der Austausch mit LandFrauen aus anderen Bundesländern“, erzählt Claudia Jürgensen, Präsidentin des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein. „Neue Ideen, persönliche Begegnungen und das gemeinsame Erleben machten deutlich, wie stark das Netzwerk der LandFrauen ist. Und es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Engagement und Kreativität Frauen überall in Deutschland ihre Regionen mitgestalten.“ Mit frischen Anregungen und neuer Motivation kehrten die Teilnehmerinnen zurück – bereit, das Erlebte in die Arbeit vor Ort einzubringen.
Im Sommer herrschen Wohlfühltemperaturen für Hefen und Schimmelpilze im Silo. Werden diese Schadkeime aktiv, folgen Nacherwärmung und Futterverderb. Auch wenn nur kalte Silagen für die Mischration verwendet werden, kann das Futter bis zum Verzehr warm werden, insbesondere wenn Reste weiterverfüttert werden. Der Einsatz von Stabilisatoren kann zu einer Verlängerung der Zeitspanne beitragen.
Aerob stabile Silagen sind die Basis für eine Ration, die gern gefressen wird. Insofern gilt es, das Silomanagement so anzupassen, dass die Silage mit so wenig Luft wie möglich in Kontakt kommt und das Risiko für Verderb verringert werden kann. Mögliche Stellschrauben sind: nur so viel Oberfläche aufzudecken, wie für die nächsten zwei Tage benötigt wird, ein durchgehender Querriegel aus sich überlappenden Kiessäcken auf der Folie am Anschnitt und eine nicht auflockernde Entnahmetechnik. Eine Erhöhung des Vorschubs wäre optimal, ist allerdings in den meisten Fällen nicht realisierbar. Lose Futterreste, wie sie beispielsweise durch Herabrieseln von Maissilage vor dem Anschnitt bei der Entnahme entstehen, sind möglichst sofort mit in den Futtermischwagen zu laden oder aber von der Siloplatte zu entfernen.
Vor der Entnahme ist es unverzichtbar, den Anschnitt auf Temperaturveränderungen zu überprüfen und warme oder sichtbar verdorbene Partien großzügig zu entfernen. Hierzu ist ein Einstechthermometer hilfreich, um das Bauchgefühl zu kontrollieren. Partien, deren Temperatur 5 K über der Silokerntemperatur liegt, gelten als nacherwärmt. Um den Einfluss der Umgebung und der direkten Sonneneinstrahlung gering zu halten, sind diese Messungen idealerweise in den Morgenstunden vorzunehmen.
Das Gärsäuremuster ist für die Stabilität der Silagen entscheidend. Während hohe Milchsäuregehalte für einen niedrigen pH-Wert sorgen, stellen sie mit dem noch vorhandenen Restzucker die Nahrungsgrundlage für die Hefen dar und erhöhen das Risiko für Nacherwärmung. Ein Essigsäuregehalt von 2 bis 3 % in der Trockenmasse reduziert das Risiko, da diese Säure eine hemmende Wirkung auf Hefen hat. Die Kenntnis der Gärqualität erlaubt somit eine erste Einschätzung.
Temperaturkontrolle auf dem Futtertisch
Die den Tieren vorgelegte totale oder partielle Mischration (TMR/PMR) sollte bis zum vollständigen Verzehr kalt bleiben. Das gilt auch für die Futterreste, die gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt einer anderen Tiergruppe, zum Beispiel den Jungtieren, vorgelegt werden. Zur objektiven Kontrolle ist wiederum ein Thermometer zu verwenden. Wenn Temperaturveränderungen festgestellt werden, besteht Handlungsbedarf. Neben dem Verwerfen der erwärmten Futterreste ist zu prüfen, ob eine Erhöhung der Vorlagehäufigkeit umsetzbar ist, also statt einmal täglich zweimal zu mischen und zu füttern. Auch die Hygiene des Futtermischwagens ist unter die Lupe zu nehmen, denn darin verbleibende Futterreste können bereits beim Anmischen die nächste Mahlzeit kontaminieren. Gleiches gilt auch für die Hygiene des Futtertischs selbst. Das Abschieben der Reste sollte sorgfältig durchgeführt werden und bis in die kleinste Ecke reichen. Übersehene Reste in Ecken und Vertiefungen erwärmen sich unausweichlich und erhöhen so auch das Risiko für Nacherwärmung und Verderb des frisch vorgelegten Futters.
Darüber hinaus können spezielle TMR-Stabilisatoren in das Futter eingemischt werden, um die Zeitspanne bis zum Warmwerden der Ration zu verlängern.
In der Versuchsstation Futterkonservierung in Futterkamp werden für den Test auf aerobe Stabilität Kunststoffdosen von 1 l Volumen verwendet. Der Temperaturdatenlogger befindet sich im zu untersuchenden Material. Bei Versuchsende sind die Hefen auf der TMR als kleine weiße Pünktchen mit bloßem Auge oder noch besser mit einer Lupe zu erkennen. Fotos: Dr. Susanne Ohl
Was sind TMR-Stabilisatoren?
TMR-Stabilisatoren sind Zusatzstoffe oder Futtermittelkomponenten, die die aerobe Stabilität einer TMR verbessern, indem sie das Wachstum von Hefen, Schimmelpilzen und anderen unerwünschten Mikroorganismen hemmen. Dadurch wird Nacherwärmung reduziert, die Futterqualität bleibt erhalten, und die Futteraufnahme der Tiere wird unterstützt.
TMR-Stabilisatoren können unterschiedliche Wirkstoffe enthalten, zum Beispiel organische Säuren wie Propionsäure oder Sorbinsäure, Salze organischer Säuren wie Benzoat, Sorbat oder Propionat, aber auch Milchsäurebakterien oder andere mikrobielle Zusätze sowie Enzyme oder spezielle Konservierungsstoffe. Die Stabilisatoren werden im Futtermischwagen je nach Produkt in flüssiger oder fester (pulverförmiger oder granulierter) Form zugegeben und eingemischt. Wenn der regelmäßige Einsatz Bestandteil eines HACCP-Konzeptes ist, ist dieser zu protokollieren.
Stabilisatoren mit DLG-Prüfzeichen
Für drei TMR-Stabilisatoren wurde das Prüfzeichen der DLG verliehen. Das heißt, sie wurden in mehreren Versuchen an unabhängigen Einrichtungen getestet und haben einen Nachweis über die Wirksamkeit erbracht. Seitdem sind sie Bestandteil der kontinuierlichen Überwachungsprüfung (https://t1p.de/dlg-qualitaetssiegel).
Bei den Tests handelt es sich um standardisierte Laborversuche nach genau festgelegtem Protokoll (Video verfügbar unter https://t1p.de/tmr-laborversuch), für die eine praxisübliche TMR für hochleistende Milchkühe verwendet wird. Neben einer Negativkontrolle (ohne Zusätze) läuft immer eine Positivkontrolle mit (mindestens 99,5 % Propionsäure mit 4,5 l/t). Der Stabilisator wird in der empfohlenen Dosierung verwendet. Nach der homogenen Applikation werden jeweils vier Teilproben der TMR in kleinen, wärmeisolierten Kunststoffdosen unter Lufteinfluss für 72 Stunden gelagert und kontinuierlich Temperaturmessungen durchgeführt. Bei Überschreiten der Raumtemperatur um 2 K gilt die Probe als erwärmt. Nach Beendigung des Tests erfolgen eine visuelle Bonitur des Verderbgrades sowie die Bestimmung des pH-Wertes.
Im Beispiel in Abbildung 1 überschritt die unbehandelte Kontrolle nach 31 Stunden die Grenze von 2 K über Raumtemperatur, die mit Propionsäure behandelte TMR der Positivkontrolle wurde im Mittel nach 44 Stunden warm. Die Behandlung mit den Stabilisatoren verzögerte die Nacherwärmung signifikant um zwölf bis 15 Stunden.
Wenn die TMR über die Silagen bereits deutlich mit Hefen belastet ist, kann eventuell auch reine Propionsäure die Nacherwärmung nicht aufhalten. Eine solche Situation zeigte sich in einem Vorversuch zur Wahl der geeigneten Dosierung der Propionsäure für die Positivkontrolle (Abbildung 2). Die unbehandelte Kontrolle überschritt bereits nach knapp 19 Stunden die 2 K über Raumtemperatur, die höchste Dosierung von 4,5 l/t Propionsäure führte nur zu einer Verzögerung von drei Stunden. Die pH-Werte waren nach dem Test in allen Varianten deutlich erhöht (vorher 4,2, nachher 6,4 bis 7,7), was den Milchsäureabbau anzeigt. Die TMR-Proben waren sichtbar verdorben. Auf der Suche nach der Ursache zeigte sich, dass die verwendete TMR einen leicht erhöhten Besatz mit Hefen aufwies (1,6 Mio. KbE/g). Diese stammten mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Maissilage, die aufgrund von Futterknappheit zugekauft und umsiliert worden war. Inwieweit ein anderes Produkt zu einer Verbesserung hätte führen können, darüber kann nur spekuliert werden, es erscheint aber wenig wahrscheinlich.
Futteraufnahme, wenn’s warm wird?
Bei Wärme und ungünstigem Management leidet nicht nur die Futterqualität im Silo und auf dem Futtertisch. Die Kühe selbst sind in dieser Zeit durch die Temperaturen ebenfalls so belastet, dass sie weniger Futter aufnehmen. Die Reduzierung der Futteraufnahme im Zusammenhang mit Hitzestress wird unter anderem durch die Belastung des Immunsystems bedingt. In der Situation des Hitzestresses entsteht vermehrt oxidativer Stress, der physiologische Reaktionen ähnlich dem sogenannten Sickness Behaviour hervorruft. Dies beschreibt den Effekt ausgeschütteter Entzündungsfaktoren auf das Verhalten einer erkrankten Kuh. In vergleichbarer Weise wirkt sich hier auch der Hitzestress aus. Die Futteraufnahme sinkt, da diese Entzündungsfaktoren für Appetitlosigkeit sorgen. Das Immunsystem ist im Dauerlauf. Wird nun noch nacherwärmtes oder verdorbenes Futter aufgenommen, steigt die Belastung an und kann die Türen für zahlreiche Erkrankungen öffnen. Der Keimbelastung aus dem verdorbenen Futter kann nur wenig entgegengesetzt werden.
Fazit
Im Gegensatz zum Menschen benötigen Milchkühe nicht täglich eine warme Mahlzeit, im Gegenteil stellt warm gewordenes Futter sogar ein Gesundheitsrisiko für sie dar. Um die angemischte Ration bis zum vollständigen Verzehr kalt zu halten, sind zunächst mögliche Änderungen in Silomanagement und Fütterungsregime vorzunehmen. TMR-Stabilisatoren, die im Futtermischwagen homogen in der TMR verteilt werden, können das Warmwerden der Ration in vielen Fällen zumindest verzögern.
Am Düngemittelmarkt ist die Ruhe wieder vorbei. Händler ziehen Angebote zurück, Lieferfristen werden unklar, und für einzelne Stickstoffdünger werden höhere Forderungen genannt. Die Frage lautet: Bilden diese Aufschläge bereits eine echte internationale Knappheit ab – oder reagieren Hersteller und Handel vor allem auf Unsicherheit und Hektik?
Ein Blick auf die internationalen Harnstoffnotierungen spricht bislang eher für die zweite Erklärung. Der vordere US-Golf-Kontrakt liegt Anfang der Woche bei etwa 370 US-$/US tn. Ende Juni lag der Kurs bei 360 US-$/US tn. Der Markt hat sich damit befestigt, von einem explosionsartigen Anstieg ist aber noch nicht zu sprechen. Granulierter Harnstoff FOB Naher Osten notiert mit rund 408,50 US-$/t ebenfalls nur wenig über dem Niveau von Anfang Juli. Fester zeigt sich die Importnotierung CFR Brasilien mit rund 437,50 US-$/t. Darin spiegeln sich neben dem Warenwert auch Frachtkosten und die saisonal hohe Importnachfrage wider. Beim ägyptischen Harnstoffkontrakt werden kaum Umsätze registriert, die angezeigten Werte sind daher nicht aussagekräftig. Insgesamt haben die internationalen Kurse schon angezogen, aber bislang nicht in einer Größenordnung, die jeden kräftigen Aufschlag im europäischen Handel erklärt.
Fundamental gibt es dennoch Gründe für höhere Risikoprämien. Der europäische Gaspreis ist zuletzt deutlich gestiegen. Da Erdgas den größten Kostenblock der Ammoniak- und Stickstoffproduktion bildet, verteuert sich die Wiederbeschaffung europäischer Produzenten. Gleichzeitig wissen Händler nicht, zu welchen Preisen sie heute verkaufte Mengen später ersetzen können. In solchen Phasen werden Offerten vorsorglich zurückgezogen oder nur mit kurzer Bindungsfrist gestellt. Das kann den Eindruck akuter Warenknappheit erzeugen, obwohl auf dem Weltmarkt grundsätzlich noch Ware vorhanden ist.
Höhere Getreidepreise
Zur Nervosität trägt auch die Nachfrageseite bei. Die Preise für Weizen, Mais und Raps haben zuletzt zugelegt. Damit verbessert sich rechnerisch das Verhältnis zwischen Erzeugerpreis und Düngerkosten. Betriebe, die ihren Einkauf aufgeschoben hatten, zeigen plötzlich wieder Interesse. Treffen diese Anfragen auf vorsichtig disponierte Händlerlager, kann der Markt schnell eng erscheinen. Die Knappheit wäre dann weniger Folge fehlender weltweiter Produktion, sondern eher die Folge von Zurückhaltung, Risikozuschlägen und gleichzeitig einsetzender Nachfrage – der Markt wird knappgeredet.
Der aktuelle Preisanstieg ist deshalb nicht völlig unbegründet, aber möglicherweise stärker von Erwartungen als von bereits eingetretener physischer Knappheit geprägt. Die internationalen Harnstoffkurse liefern ein gemischtes Bild: fester als Ende Juni, aber noch weit entfernt von einem neuen Preisschock. Auch der breiter gefasste internationale Harnstoffindikator lag Mitte Juli bei rund 420 US-$/t und damit zwar gut 13 % über dem Niveau eines Monats zuvor, aber noch unter dem Vorjahreswert.
Steigen Gaspreise und Weltmarktnotierungen weiter, wären höhere Forderungen nachvollziehbarer. Bleiben die internationalen Kurse dagegen auf dem jetzigen Niveau, dürfte sich zeigen, dass ein Teil der jüngsten Aufschläge vor allem der Hektik des Marktes geschuldet war. Der Markt handelt derzeit weniger eine gesicherte Knappheit als die Möglichkeit, dass sie noch entsteht.
Seit Jahren stagnierende oder sogar abnehmende Erträge zeigen an, dass der Ackerbau in Schleswig-Holstein vor großen Herausforderungen steht. Das sogenannte Yield-GAP, die Differenz zwischen genetisch möglichem Ertrag und tatsächlich in der landwirtschaftlichen Praxis realisiertem Ertragsniveau, prägt sich immer deutlicher in den wichtigen Ackerbaukulturen wie Winterweizen und Winterraps aus. Wesentliche Ursachen hierfür sind einerseits die Auswirkung des fortschreitenden Klimawandels (unter anderem Vorsommertrockenheit, Hitzeperioden und Starkregenereignisse), andererseits aber auch die sich ändernden agronomischen Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang sind sicherlich die zunehmenden Beschränkungen des Betriebsmitteleinsatzes (unter anderem Pflanzenschutz- und Düngemittel) zu nennen. Von zentraler Bedeutung ist allerdings auch der aktuelle Bodenfruchtbarkeitszustand der Ackerstandorte in Schleswig-Holstein. Ziel der im Folgenden vorgestellten Untersuchungen ist es, zunächst einen Überblick über den physikalischen Bodenzustand, der die Struktureigenschaften analysiert, typischer Ackerstandorte in Schleswig-Holstein zu erhalten.
Die Bodenstruktur beschreibt die räumliche Anordnung der mineralischen und organischen Bodenbestandteile und damit indirekt die Ausgestaltung des Porensystems im Boden. Sie beeinflusst maßgeblich den Wasser-, Luft-, Wärme- und Nährstoffhaushalt des Bodens. Es wird das Wasserspeichervermögen, aber gleichzeitig auch die Infiltrationsleistung determiniert. Mit dem Wasserhaushalt direkt gekoppelt ist der Gas- und Wärmehaushalt, also die Sauerstoffverfügbarkeit und Erwärmbarkeit etwa im Frühjahr. Aber auch die Nährstoffverfügbarkeit und -speicherkapazität wird über die Erreichbarkeit der Austauscheroberflächen und damit durch die Bodenstruktur beeinflusst. Die Durchwurzelbarkeit und mechanische Belastbarkeit (Befahrbarkeit) sind weitere Eigenschaften, deren Ausprägung mit dem Gefügezustand des Bodens direkt in Verbindung steht. Bodenstruktur als wesentlicher Aspekt der Bodenfruchtbarkeit insgesamt ist somit für die Transformation (Umsetzung) und Effizienz (Ausnutzung) agronomischer Bewirtschaftungseingriffe und -entscheidungen (unter anderem Sortenwahl, Pflanzenschutz, Düngung) von höchster Relevanz (siehe Abbildung 1). Somit bleibt festzuhalten, dass nur bei optimaler Bodenstruktur eine hohe Ressourceneffizienz möglich ist.
Untersuchung von 45 Ackerstandorten
Im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und dem Land Schleswig-Holstein geförderten Projektes wurden 45 repräsentative Ackerstandorte in Schleswig-Holstein hinsichtlich ihres Bodenstrukturzustandes untersucht. Die Probenahme beziehungsweise Gefügeansprache erfolgte hierbei in drei Tiefen. Tiefe 1: regelmäßig bearbeiteter Oberboden, Tiefe 2: Übergang zwischen bearbeitetem/unbearbeitetem Boden, Tiefe 3: unbearbeiteter Unterboden. Die Abbildung 2 fasst die Ergebnisse der Gefügeansprache mithilfe der international standartisierten VESS-Methode (Visual Estimation of Soil Structure) zusammen. Es wird deutlich, dass die leichteren Standorte (unter 8 % Ton) insgesamt einen guten Strukturzustand aufweisen, während die schwereren Standorte (mehr als 8 % Ton) besonders in den Tiefen 2 und 3 schlechtere Strukturen aufweisen können. Auffällig ist, dass auch auf den leichteren Standorten in der Tiefe 2 schlechte Strukturen anhand der optischen Beurteilung diagnostiziert wurden.
Schadverdichtungen an der Krumenbasis
In einem zweiten Schritt wurde die Funktionalität des Porensystems in den drei Beprobungstiefen untersucht. Hierfür wurden die Luftkapazität (LK), die dem Anteil weiter Grobporen im Boden entspricht, und die gesättigte Wasserleitfähigkeit (kf), die ein Maß für die Kontinuität des Porensystems darstellt, ermittelt. Für beide Parameter finden sich in der Literatur kritische Werte, die eine Untergrenze hinsichtlich der Funktionalität darstellen. Es ist also möglich, mithilfe dieser kritischen Werte den Strukturzustand von Böden in verschiedenen Tiefen zu beurteilen. Die Ergebnisse für die 45 Untersuchungsstandorte sind in Abbildung 3 für alle drei Beprobungstiefen zusammengefasst. Hierbei ist zu erkennen, dass eine große Anzahl der Proben sowohl hinsichtlich der Luftkapazität als auch der gesättigten Wasserleitfähigkeit oberhalb der jeweils kritischen Werte liegen (grüner Quadrant). Es ist aber auch zu erkennen, dass zahlreiche Proben im roten Quadranten liegen, in dem gleichzeitig für beide Parameter die kritischen Werte unterschritten werden. Proben, die in diesem Bereich lokalisiert sind, weisen massive Strukturschäden (Schadverdichtungen) auf. Hier kommt es vermehrt zu Stauwasserbildung und damit direkt verbunden zu anaeroben Verhältnissen, die unter anderem zu Denitrifikationsprozessen führen können.
Eine Untergliederung der Ergebnisse in die drei Untersuchungstiefen zeigt, dass sich auffallend viele Punkte der zweiten Beprobungstiefe in diesem roten Quadranten befinden. Insgesamt weisen 15 % der Ackerstandorte in dieser Übergangszone zwischen bearbeitetem und unbearbeitetem Boden Schadverdichtungen auf. Weitere 20 % der Ackerstandorte weisen erste Anzeichen von Strukturschäden auf, das heißt die Messwerte für zunächst einen der Untersuchungsparameter liegen unterhalb des jeweils kritischen Wertes. Die Ergebnisse werden durch weitere Untersuchungsparameter bestätigt: Eine Gegenüberstellung der Wasserleitfähigkeit in vertikaler und horizontaler Richtung zeigt gerade für die zweite Untersuchungstiefe eine signifikant höhere Leitfähigkeit in horizontaler Richtung an, wie es für typische Pflugsohlenverdichtungen in der Literatur beschrieben ist.
Ober- und Unterboden müssen verbunden sein
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass auf zahlreichen Ackerstandorten Strukturschäden vorliegen. Aufgrund von sogenannten Pflugsohlen oder Krumenbasisverdichtungen sind Ober- und Unterboden hier funktional voneinander getrennt. Im Hinblick auf künftige Anpassungsstrategien an die Auswirkungen des Klimawandels ist es allerdings von hoher Bedeutung, dass die Ressourcen des Unterbodens durch den Kulturpflanzenbestand genutzt werden können, das heißt Ober- und Unterboden funktional miteinander verbunden sind. Nur so können die notwendige Resilienz (Kompensations- und Anpassungsfähigkeit) der Ackerbausysteme und eine nachhaltige Ertragssicherheit erreicht werden.
Strukturfördernde Bewirtschaftung
Um langfristig eine funktionale Bodenstruktur zu entwickeln beziehungsweise zu erhalten, die Ober- und Unterboden miteinander verbindet, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich, die je nach Ausgangstrukturzustand und Standort unterschiedlich zu gewichten sind. Grundsätzlich sind reduzierte Bodenbearbeitungssysteme bis hin zur Direktsaat, die längere oder sogar kontinuierliche Phasen der Bodenruhe umfassen, geeignet, um bodeninterne Strukturierungsprozesse (unter anderem Quellung und Schrumpfung, biologische Aktivität) zu fördern und zu konservieren. Begleitet werden sollten diese Bearbeitungsmaßnahmen allerdings durch Anpassungen des gesamten Bewirtschaftungssystems. Hier sind Überprüfungen und Veränderungen der Fruchtfolge (unter anderem kontinuierlicher Bewuchs durch Zwischenfrüchte, Wechsel Sommerung und Winterung), der Düngung (unter anderem organische Düngung), eine Optimierung des pH-Wertes und die Instandsetzung beziehungsweise Pflege des Drainagesystems notwendig. Eigene Untersuchungen dieser oft unter dem Begriff des regenerativen Ackerbaus zusammengefassten Maßnahmen auf dem Versuchsstandort Lindenhof der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel zeigen bereits nach wenigen Jahren eine deutliche Erhöhung der biologischen Aktivität und damit bodeninterner Strukturierungsprozesse (siehe BB 22/2026, S. 40 bis 41).
Fazit
Zahlreiche Ackerstandorte in Schleswig-Holstein weisen bereits Schadverdichtungen oder erste Anzeichen von Strukturschäden besonders in der Übergangszone zwischen bearbeitetem Oberboden und unbearbeitetem Unterboden auf. Die hierdurch bedingte funktionale Trennung von Ober- und Unterboden führt zu einer zunehmend unzureichenden Nutzung vorhandener Standortressourcen und applizierter Bewirtschaftungsmaßnahmen. Stagnierende beziehungsweise abnehmende Erträge wichtiger Ackerkulturen in der jüngsten Vergangenheit sind das Ergebnis dieser Entwicklung. Zukünftig ist es also wichtig, dass Bewirtschaftungssysteme etabliert werden, die dazu führen, dass Ober- und Unterboden eine funktionale Struktureinheit bilden. Hierzu ist es notwendig, dass das Gesamtsystem analysiert wird und so einzelne Bewirtschaftungssysteme entsprechend den jeweiligen Standorteigenschaften aufeinander abgestimmt werden.
Um das Zusammenspiel von Mensch und Fahrzeug besser kennenzulernen und die Fahrkünste zu verfeinern, absolvierte eine kleine Gruppe motivierter Autofahrerinnen und Autofahrer auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz in Boksee ein Fahrsicherheits-Intensivtraining.
Schon zu Beginn wurde deutlich, dass es dabei nicht nur um spektakuläre Fahrmanöver ging, sondern vor allem um grundlegende Fragen der Verkehrssicherheit: Wie alt sind die Reifen, wann wurde der Reifendruck zuletzt kontrolliert, und in welchen Situationen im Straßenverkehr kommt Unsicherheit oder Überforderung auf?
In einer kompakten Theorieeinheit wurden diese Aspekte aufgegriffen, eingeordnet und die oftmals unterschätzte Bedeutung für die tägliche Praxis auf der Straße betont. Auf dem Platz startete die Gruppe zunächst mit einer Slalom-Einheit, die eindrucksvoll zeigte, wie stark sich Geschwindigkeit auf die Fahrzeugbeherrschung auswirkt. Was sich bei 30 km/h noch recht entspannt fahren ließ, wurde bei 50 km/h bereits zu einer anspruchsvollen Aufgabe – insbesondere wenn parallel Kopfrechenaufgaben zu lösen oder die Nebelschlussleuchte zu bedienen war, um typische Ablenkungen im Straßenverkehr zu simulieren. In diesem Zusammenhang legte der Trainer großen Wert auf die korrekte Lenkradhaltung. Entscheidend sei, dass der Airbag-Bereich frei bleibe, damit das Sicherheitssystem im Ernstfall ungehindert eingreifen könne.
Der Kurs brachte die Fahrzeuge an physikalische Grenzen. Foto:Emil Pfeffer
Die nächste Übung konzentrierte sich auf die Gefahrenbremsung. Zunächst wurden die Sitze korrekt eingestellt, um auch in kritischen Situationen die Sicherheit des Fahrers zu gewährleisten. Besonders anschaulich war anschließend der direkte Vergleich der Bremswege bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, der den Teilnehmenden eindrücklich vor Augen führte, wie rasant die Bremsstrecke mit zunehmender Geschwindigkeit ansteigt. Zugleich zeigte sich, dass Ganzjahresreifen beim Bremsweg gegenüber Sommerreifen unter den auf dem Platz herrschenden Bedingungen klare Vorteile besaßen.
Im weiteren Verlauf wechselte die Gruppe auf einen speziell beschichteten Teil der Anlage, dessen Asphalt in seiner Beschaffenheit Glatteis nachempfunden ist. Dort wurde zunächst festgestellt, wie groß die Unterschiede der Bremswege im Vergleich zu regulärem Asphalt bei identischer Geschwindigkeit tatsächlich waren. Die Ergebnisse verdeutlichten, wie trügerisch vermeintlich geringe Geschwindigkeiten bei winterlichen Straßenverhältnissen sein können. Ergänzend wurde das Bremsen mit der Handbremse trainiert, um das Verhalten des Fahrzeugs in solchen Extremsituationen besser einschätzen zu können und eine sichere Reaktion zu trainieren. Mithilfe programmierbarer Wasserstrahlen und plötzlich hochklappender Hindernisse wurden anschließend auf beiden Belägen, regulärem Asphalt und „Glatteis“-Beschichtung, unerwartete Situationen wie etwa ein Wildwechsel simuliert. Die Teilnehmenden mussten innerhalb von Sekundenbruchteilen bremsen oder ausweichen, ohne dabei die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren. Eine besondere Platte im Boden konnte dem Auto zudem einen seitlichen Stoß versetzen, sodass das gezielte Gegenlenken beim Ausbrechen des Fahrzeugs geübt werden konnte. Diese kontrollierte Überraschung sollte die Teilnehmenden auf Szenarien vorbereiten, in denen ein Fahrzeug dem Fahrenden nicht mehr gehorcht, etwa auf nasser oder verschmutzter Fahrbahn. Ein weiterer Übungsabschnitt war einer Fahrbahn mit unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten auf den beiden Spuren gewidmet, wie sie etwa bei Laubansammlungen, Schneematsch oder Fahrbahnverschmutzungen auftreten können. Die Teilnehmenden erfuhren, wie sich das Fahrzeug unter solchen Bedingungen verhält und welche Arbeit moderne Assistenzsysteme, etwa ABS und ESP, im Hintergrund leisten, wenn eine Gefahrenbremsung eingeleitet wird.
Die Fahrerinnen und Fahrer stehen an ihren Autos bereit. Foto:Emil PfefferFahrzeuge auf nassem Untergrund zu manövrieren, birgt völlig andere Vorraussetzungen und Gefahren. Foto: Emil PfefferAuf nassem Untergrund und von Wasserfontänen umzingelt, drehten die Teilnehmenden ihre Runden über den Platz. Foto:Emil PfefferDie Fahrzeuge der Teilnehmer stehen aufgereiht auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz in Boksee. Foto:Emil Pfeffer
Teil des Trainings: auf nasser Straße die Kontrolle behalten. Foto:Emil Pfeffer
Zum Abschluss rückte das Thema Kurvenfahrt in den Vordergrund. Auf einer Fahrbahn, die einer Acht mit unterschiedlichen Kurvenradien nachempfunden war, sollten die Teilnehmenden die Geschwindigkeit schrittweise erhöhen, bis spürbar wurde, wann das Fahrzeug an seine physikalischen Grenzen stößt und der Fahrer aktiv eingreifen muss. Dies sollte als praxisnahe Simulation typischer Situationen wie eines zu schnellen Abfahrens von einer Autobahn oder unterschätzter Kurven auf Landstraßen dienen.
In der letzten Übung wurde eine Kurve mit glattem Asphalt befahren, um die Teilnehmenden erleben zu lassen, an welchem Punkt das Auto wegrutscht und wie man dabei die Kontrolle behalten kann. Insgesamt war das Training auf der ADAC-Fahrsicherheitsanlage sehr gelungen. Die Teilnehmenden konnten ihre eigenen Fahrfertigkeiten erweitern, zugleich wichtige Kenntnisse über Fahrphysik und moderne Sicherheitstechnik vertiefen und nicht zuletzt das Vertrauen in das eigene Fahrzeug stärken.