„Pole Poppenspäler“ – so lautet der Titel einer Novelle von Theodor Storm aus dem Jahr 1874. Diese Novelle ist passenderweise auch Namensgeber für das jährlich stattfindende internationale Figurentheater-Festival in Husum. In diesem Jahr fanden die Pole Poppenspäler Tage vom 18. bis 27. September bereits zum 42. Mal statt und zogen wieder gut 3.000 kleine und große Besucher in ihren Bann.
„Ein Sommernachtstraum“, „Der Fall Hamlet“, „Der kleine Prinz“ oder auch „Deutschland. Ein Wintermärchen“ – klassische Stoffe und Geschichten sind jedes Jahr Bestandteil der rund 40 Inszenierungen, immer wieder neu erzählt und überraschend anders. Aber sie zeigen auch, dass Figurentheater und Puppenspiel anspruchsvoll und sehr viel mehr sind als nur lustiges Kasperletheater. „Die Künstler greifen in ihren Darbietungen durchaus ernste sowie aktuelle gesellschaftliche Themen auf, befassen sich mit historischen Stoffen, und auch die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus findet immer wieder einen Raum“, erzählen Prof. Maria Leuker-Pelties und Birgit Empen vom Vorstandsteam des Pole Poppenspäler Förderkreises. So wurde in diesem Jahr im Stück „Deus Rising“ im Rat der Götter der unaufhaltsame Aufstieg der Menschheit verhandelt, oder in „Queer Papa Queer“ der Kampf um Akzeptanz, Lebensmut und Zerrissenheit thematisiert. Immer wieder bilden Märchen wie „Hänsel und Gretel“, „Vom Fischer und seiner Frau“, „Rapunzel“ oder „Hans im Glück“ die Basis für das Figurenspiel. Mit selbst gebauten Puppen, Marionetten, Handpuppen, Schattenspielen in fantasievollen Kulissen und Kostümen lassen die Künstler aus Deutschland und dem europäischen Ausland die Geschichten lebendig werden, verzaubern, regen an, stimmen nachdenklich, bringen die Zuschauenden zum Lachen, Weinen, Schmunzeln, Staunen, und sie inspirieren Groß und Klein.
Foto: Iris Jaeger
Besonders Kinder sollen mit dem Puppenspiel angesprochen und auf diese Weise an Kunst und Kultur herangeführt werden, „das war eine Bedingung der beiden Begründerinnen des internationalen Figuren-Festivals in Husum, Gisela Sobeczko und Gisela Terheggen, die die Pole Poppenspäler Tage 1981 etablierten“, erzählt Leuker-Pelties. Bis heute sei dies in der Satzung des 1983 gegründeten Förderkreises festgeschrieben: „Zwecke des Vereins sind die Förderung von Kunst und Kultur sowie die Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studierendenhilfe […]. Der Satzungszweck wird wie folgt insbesondere verwirklicht: Der Verein fördert das Figurenspiel als Theaterform in seiner Ganzheit, ebenso den Einsatz dieses Mediums im musisch-pädagogischen Bereich. Ihm ist wichtig, Anleitungen zum Spielen und Anregungen zum schöpferischen Gestalten zu geben.“
Foto: Figurentheater Weidringer
Und so finden neben den Abend- und Familienvorstellungen auch Kindervorstellungen für Kitas und Schulen statt, in denen die Kinder mit in das Spiel integriert werden, sowie Workshops und Projekte, in denen die Kinder zum Beispiel Puppenbau und Puppenspiel lernen oder mit Spielfiguren und Kameras auf Spurensuche gehen. „Und trotz der neuen Medien und im Zeitalter von Smartphones und Social Media lassen sich die Kinder auf das Spiel und das Anfertigen der Puppen ein, fangen an zu spielen, sich gegenseitig zu jagen, zu verstecken, herumzukaspern. Der Fantasie und Kreativität sind dann keine Grenzen gesetzt, das ist jedes Mal wieder schön zu beobachten“, erzählt Birgit Empen. Seit 1984 veranstaltet der Förderkreis komplett ehrenamtlich jedes Jahr Ende September das zehntägige Festival mit an die 40 Vorstellungen von professionellen Puppenbühnen aus dem In- und Ausland und macht damit die Vielfalt des Figurentheaters sichtbar. Viele dieser Puppenbühnen kommen seit Jahren immer wieder, „einige neue Ensembles oder Spieler fragen bei uns an oder machen uns auf Künstler aufmerksam“.
Foto: Iris Jaeger
„In den 42 Jahren hat sich das Figurentheater-Festival in Husum in der Puppenspielerszene etabliert und sich ein Renommee erarbeitet“, erzählen die beiden. 1993 eröffnete das Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum die Pforten, in dem die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaute Figurentheater-Sammlung des Pole Poppenspäler Förderkreises ausgestellt wird. Viele der mehr als 1.500 Exponate stammen aus Inszenierungen, die beim Festival gespielt wurden. Der vierköpfige Vorstand wird von einem Arbeitskreis mit rund zwei Dutzend Aktiven unterstützt, die mit Begeisterung und Herzblut ihre Fähigkeiten und Zeit in das Organisieren und Durchführen der Pole Poppenspäler Tage einbringen, die Festspielidee mit Leben füllen. Das Organisieren erfordere viel Arbeit und Engagement. Vom Aufstellen des Spielplans, dem Buchen und Betreuen der Puppenspiel-Ensembles, dem Aufbau der Bühnen über das Bereitstellen und Organisieren von Unterkünften und Spielstätten, das Beantragen von Fördermitteln, Pressearbeit bis hin zum Kartenverkauf, der dieses Jahr erstmals auch online möglich war, reicht die vielfältige Aufgabenpalette.
Foto: Anemel
„Auch gilt es ständig zu überlegen, wie man ein jüngeres Publikum erreichen kann, wie man die Arbeit so organisiert, dass wir zukunftsfähig werden und bleiben“, erklären die beiden, die mit ihrem Vorstandsteam dabei sind, einen Generationswechsel einzuleiten. Das sei nicht einfach, da die Aufgaben immer anspruchsvoller würden und es schwer sei, noch Ehrenamtliche für die Mitarbeit zu gewinnen. „Aufgaben, die früher selbstverständlich übernommen wurden, lassen sich heute nur schwer besetzen“, wissen beide aus Erfahrung. Die Anforderungen seien gestiegen, gleichzeitig sei die verfügbare Zeit der Menschen knapper. Als Verein müsse man sich weiterentwickeln, „somit laden wir alle, die Interesse haben, herzlich ein, in dieser tollen Gemeinschaft mitzumachen, hineinzuwachsen und die Freude an der gemeinsamen Gestaltung mitzuerleben.“ Weitere Informationen unter
www.pole-poppenspaeler.de



