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Von den Marschböden im Sönke-Nissen-Koog bis an die Ostsee nach Futterkamp, von den Versuchsstationen in Barlt, Kastorf, Schuby und Loit bis zu den Teams für Mais, die zentrale Probenaufbereitung und das Team hinter dem Daten- und Auswertungssystem für das Feldversuchswesen: Die Versuchs- und Kompetenzstandorte der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein sind wichtige Zentren für angewandte Forschung, Innovation und Wissenstransfer.
An diesen Standorten werden neue Sorten, Anbauverfahren und zukunftsweisende Lösungen unter praxisnahen Bedingungen erprobt, bewertet und weiterentwickelt. Die gewonnenen Erkenntnisse bieten wichtige Orientierung für die Landwirtschaft im Wandel und unterstützen landwirtschaftliche Betriebe bei aktuellen und künftigen Herausforderungen.
In einer neuen achtteiligen Artikelserie stellt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ihre Versuchs- und Kompetenzstandorte vor. Die Beiträge geben Einblicke in die Arbeit vor Ort, stellen die beteiligten Fachleute vor und zeigen, welche Fragestellungen dort für die praktische Landwirtschaft bearbeitet werden.
Den Auftakt macht in dieser Ausgabe der Versuchsstandort Kastorf auf Seite 37.
Neun Bundesländer, mehr als 2.000 Teilnehmer und 613.945 mit Pferd zurückgelegte Kilometer, das ist die Bilanz des diesjährigen Cups der Bundesländer, einer Veranstaltung, die zugunsten der örtlichen Reit- und Fahrwege ins Leben gerufen wurde und bei immer mehr pferdebegeisterten Menschen Anklang findet. Alle diesjährigen Einzelsieger waren zum ersten Mal dabei.
Nachdem der Cup 2021 durch den Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein ins Leben gerufen wurde, haben sich immer mehr Bundesländer angeschlossen. „Für das kommende Jahr ist die Tendenz noch steigend“, erklärt Stacy Bradtke, eine der Initiatorinnen aus Schleswig-Holstein. Dank der unterschiedlichen Sparten der Reiter, Fahrer, Säumer und Kids ist für jeden etwas dabei. Ganz egal ob Einsteller, Selbstversorger oder Reitbeteiligung.
„Unsere Landkreise haben es in diesem Jahr besonders spannend gemacht“, berichtet Bradtke. Während in den vergangenen Jahren die führenden schleswig-holsteinischen Landkreise zur Mitte der Veranstaltung schon recht klar gewesen seien, habe es in diesem Jahr bis zum Schluss ein regelrechtes Kopf-an-Kopf-Rennen gegeben. Niemand wollte den anderen Landkreisen etwas schenken, denn die Siegerlandkreise nach Gesamt- und Durchschnittskilometern erhalten jeweils ein beachtliches Preisgeld. Finanziert wird das aus dem Überschuss der Teilnahmegebühr. Unabhängig davon, wie viele Kilometer man zurücklegt, tut man mit der Teilnahme am Cup also etwas Gutes.
Siege für Segeberg und Lauenburg
Am Ende konnte sich der Kreis Segeberg bei den Gesamtkilometern durchsetzen. Hier wurden 26.152 km zurückgelegt. Die Marke von 20.000 km knackten außerdem Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde auf den Plätzen zwei und drei. Im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden mit 307,84 km die meisten durchschnittlichen Kilometer gesammelt. Mit etwas Abstand folgten Nordfriesland und Segeberg. Insgesamt legten die Teilnehmer aus Schleswig-Holstein innerhalb der 17 Cupwochen 151.777 km zurück und holten sich damit den eindeutigen Sieg nach Gesamtkilometern im Cup der Bundesländer. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sammelten jeweils mehr als 80.000 km. In der Wertung nach Durchschnittskilometern siegte Baden-Württemberg mit 316,61 km vor Sachsen und Rheinland-Pfalz. Hier lag Schleswig-Holstein mit 224,52 km auf Rang acht.
Doch auch die einzelnen Teilnehmer aus dem Norden hatten die Chance auf einen Sieg. In allen Sparten werden die ersten drei Plätze mit den meisten Kilometern geehrt. Bei den Fahrern ist das Thomas Talis aus Leck, Kreis Nordfriesland. Er und sein Beifahrer waren zum ersten Mal dabei. Ein Fahrerkollege hatte vom Cup erzählt, und da Talis seine Welsh-B-Ponys „eh bewegen muss“, meldete er sich an. Ursprünglich waren 1.000 km angepeilt, doch dann kamen die ersten Rankings. „Wir waren von Anfang an vorn mit dabei, und dann packt einen schon irgendwann der Ehrgeiz“, erzählt der pensionierte Soldat.
Also wurden auch Gespanne ausgeliehen, Talis fuhr nach Niedersachsen und sammelte dort mit einem Kollegen Kilometer, fuhr ein-, zwei- und vierspännig, im Tandem und in der Troika. Etwa fünfmal die Woche war er unterwegs, manchmal fünf Stunden lang. „Mit dem Gespann kommen schnell 25 km zusammen“, berichtet er. Habe man erst einmal angespannt, sei es egal, ob man noch eine Extraschleife fahre.
Talis geht es neben dem Fahren an sich vor allem darum, wieder mehr Wege für seine Kutschen zu bekommen. „Mit Fahrwegen ist es nicht so toll bei uns. Wir dürfen zwar die Reitwege mitbenutzen, aber die reichen meist in der Breite nicht für einen Zweispänner“, erklärt er. In Brandenburg und Niedersachsen dürften die Kutschen auf jedem Waldweg fahren, wenn es nicht explizit verboten sei. Das ist in Schleswig-Holstein nicht so.
Fahren für mehr Rücksicht und Wege
Christine Börner (li.) gewann mit 2.500 km bei den Reitern. Ihre Freundin Christiane Doepner begleitete sie auf 300 km. Fotos: privat
Talis und sein Beifahrer sind daher meist auf öffentlichen Straßen unterwegs. Auch hier hat er ein großes Anliegen: Die Menschen aus seiner Umgebung seien sehr rücksichtsvoll gegenüber den Kutschen, aber die Touristen auf dem Weg nach Sylt hätten keine Erfahrung mit Pferden im Straßenverkehr. „Daran müsste gearbeitet werden“, macht er klar und wünscht sich, dass der Cup dabei hilft, dass mehr Rücksicht genommen wird und vielleicht auch einmal ein Förster entscheidet, dass in seinem Wald gefahren werden kann. „Wir müssen ins Gespräch kommen“, findet Talis. Dankbar ist er seinem Beifahrer. „Der will nicht ins Rampenlicht, aber ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Eine Kutsche oder Pferde kann ich überall kaufen. Beifahrer sind Mangelware“, so Talis, der seit 30 Jahren im Fahrsport unterwegs ist. Nun hofft er, dass er bei der offiziellen Preisverleihung in Bad Segeberg ein paar Gleichgesinnte trifft.
Christine Börner war ebenfalls zum ersten Mal dabei. Sie kam zwei Tage vor Beginn des Cups über Social Media auf die Idee mitzumachen. „Ich reite meistens allein aus. Im Cup reitet man gefühlt zusammen“, erklärt sie ihre Beweggründe. Schnell wurde ihr klar, dass man mit der Teilnahme auch zeigt, dass man etwas schaffen kann, wenn man beharrlich an einer Sache dranbleibt. „Ich wollte den Menschen Mut machen, dass man an etwas glauben und es umsetzen kann“, erklärt Börner, die erst vor ein paar Jahren von Hamburg nach Schönberg, Kreis Herzogtum Lauenburg, gezogen ist.
Intensiv die Jahreszeiten erleben
Ein schöner Nebeneffekt ist, dass sie jetzt viele Menschen aus ihrer Nachbarschaft kennt. „Ich war jeden Tag unterwegs, und wenn ich bei mir reite, muss ich immer erst durch unser Dorf“, erzählt sie.
Mit ihrem Ehemann betreibt sie eine Schule für Bogenschießen in Hamburg. Die vergangenen Monate hätten nur aus Arbeit und Reiten bestanden. Oft sei sie mehrmals am Tag mit dem Hund und einem Pferd zu Fuß aufgebrochen, aber auch im Sattel. Jetzt freuen sich die beiden Connemaraponys und ihre Besitzerin auf eine Sommerpause.
Bei den Säumern siegte Mascha Maleen Ihme aus Maasbüll, Kreis Schleswig-Flensburg.
Auf etwa 300 km der beachtlichen 2.500 km, die sie am Ende auf dem Zähler hatte, wurde Börner von ihrer Freundin Christiane Doepner begleitet. Diese hatte für den Cup ihren 30-jährigen Buddy wieder fit gemacht. Zusammen zogen die beiden die gesammelten Kilometer ihres Landkreises so weit hoch, dass Herzogtum Lauenburg an der Spitze der Durchschnittswertung landete.
Für Christine Börner waren die Cupwochen eine eindrucksvolle Zeit. „Man nimmt unglaublich intensiv die Jahreszeiten wahr, vor allem den Frühling. Und es ist eine tolle Gemeinschaftsaktion“, findet sie und plädiert ebenfalls dafür, Rücksicht aufeinander und vor allem auf Pferde im Straßenverkehr zu nehmen.
Wie Talis und Börner war auch Mascha Maleen Ihme zum ersten Mal dabei und gleich Siegerin bei den Säumern. Die angestellte Immobilienmaklerin lebt mit ihrer Familie auf einem Hof in Maasbüll, Kreis Schleswig-Flensburg. Dort stehen auch ihre Islandpferde und vier Einsteller. Im vergangenen Jahr ist eine neue Einstellerin dazugekommen, die beim Cup mitgemacht und die ganze Hofgemeinschaft „angesteckt“ hat.
Ihme sah in der Teilnahme eine gute Möglichkeit, ihre beiden Stuten zu trainieren. Die ältere war aufgrund von Hufproblemen nicht mehr in Form und die zweite, eine ehemalige Zuchtstute, noch nicht eingeritten. Jetzt sind beide Pferde fit, und ihre Besitzerin freut sich, dass sie mit ihrem „neuen Islandpferd“ mehr als sonst zu Fuß im Gelände unterwegs war. „Das war Auslauf für alle“, ist sich Ihme sicher.
Endlich einmal Zeit für sich haben
Bis zum letzten Tag sammelte die Mutter von drei Kindern fleißig Kilometer. Ihr Ziel von 700 km hat sie erreicht. „Ich hatte gar nicht vor, ganz oben zu landen“, sagt sie, denn durch die Kinder und den Hof habe sie wenig Zeit. „Mehr Kilometer wären nicht drin gewesen, stressen wollte ich mich nicht.“
Vor allem aber sei es schön gewesen, wieder einmal etwas für sich zu tun. Begleitet wurde sie dabei häufig von ihrer fünfjährigen Tochter, die dann auf einem der Pferde saß. „Ihr Highlight war, dass ich sie vom Kindergarten abgeholt habe“, berichtet die stolze Mutter. Im nächsten Jahr möchte Lilla bei den Kindern mitmachen.
Diese Wertung konnte in diesem Jahr Lejana Sophie Thiesen gewinnen. Die 13-Jährige reitet schon seit zehn Jahren und ging mit dem Shetlandpony Pumukel an den Start. Auch sie war zum ersten Mal dabei. Lejana lebt mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Norderfriedrichskoog, Kreis Nordfriesland, und führt auch schon die Gästekinder auf ihrem Pony. „Wir haben die Pferde direkt am Haus zu stehen, und Lejana liebt sie sehr, besonders die Isländer“, erzählt ihre Mutter Jessica Thiesen.
Die 13-jährige Lejana Sophie Thiesen hat den ersten Platz bei den Kindern errungen.
Gemeinsam mit ihren Freundinnen Annika und Ida macht Lejana gern Ausritte zum Smeerkrog, denn da gibt es eine kleine Selbstbedienungshütte, in der sie sich ein Eis kaufen können. „Mit den Ausritten und durch das Führen der Gästekinder sind schnell mehr als 670 km zusammengekommen, und alle haben die Nachmittage an der frischen Luft genossen“, berichtet Jessica Thiesen.
Zum Abschied nach den gemeinsamen Cupwochen sind die Veranstalter vom Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein „traurig, erleichtert und einfach sprachlos, im positiven Sinne“. Sie bedanken sich bei allen Teilnehmern „für das harmonische Miteinander, die positive Kommunikation, die Hilfestellungen, die neu entstandenen Freundschaften, spontane Treffen, dass ihr eure Kids bereits für das Gelände sensibilisiert, für eingerittene Pferde, Oldies und ehemals verletzte Pferde, die ihre Runden drehen durften, und für die, die den Cup zum Mutmachen und als Ansporn nutzten. Gemeinsam zeigen wir auf, wie wichtig vernünftige Wege im Gelände sind und wie gut Pferden ein Ausgleich neben Reithalle und Reitplatz tut.“
Der nächste Cup der Bundesländer ist schon geplant und wird Anfang 2027 starten. Die Ausschreibung wird voraussichtlich im Dezember 2026 veröffentlicht.
Die anmutige Wildgladiole ist eng mit unserer Gartengladiole verwandt. Mindestens ebenso attraktiv, punktet sie zudem mit Winterhärte und Robustheit. Der Rutenweiderich ist wiederum ein enger Verwandter des Blutweiderichs. Dieser ist häufig in der freien Natur an Bächen anzutreffen. Doch auch fürs Beet bietet der Handel attraktive Auslesen.
Wenden wir uns zunächst der Wildgladiole (Gladiolus communis ssp. byzantinus) zu, die teils auch als Byzantinische Siegwurz angeboten wird. Dank der schlanken Silhouette fügt sie sich auch verstreut gut in jedes Beet ein. Passende Nachbarn sind Frauenmantel (Alchemilla), Zierlauch (Allium), Schleierkraut (Gypsophila), Prachtkerzen (Gaura lindheimeri) und Dahlien (Dahlia). Außerdem kommt die Wildgladiole gut neben Gräsern mit feinen Rispenblüten zur Geltung. In der Gruppe aber ist die Wirkung zur Blütezeit unschlagbar imposant. Dann ragen über dem schwertförmigen Laub die kräftigen Stiele mit bis zu zehn purpurroten Einzelblüten hervor. Wer genügend davon im Garten vorfindet, darf gern einige für die Vase schneiden.
Die Wildgladiole kommt vor der Mauer perfekt zur Geltung.Blutweiderich wurde hier als Wegbegleiter eingesetzt.
Die Knollen der Wildgladiole kommen von September bis zum Ende des Herbstes in den Boden. Sie sollten nicht zu flach gepflanzt werden, eine Tiefe von 10 cm ist ideal. Ein sonniger bis halbschattiger Standort mit durchlässigem Gartenboden (weder zu feucht noch zu trocken) wird bevorzugt. Viel Aufmerksamkeit benötigen die wilden Schönheiten nicht. Gefällt ihnen der Standort, samen sie sogar aus und verbreiten sich im Garten. Die Wildgladiolen sind im Gegensatz zu den Gartengladiolen viel bescheidener im Hinblick auf den Nährstoffbedarf. Nur auf mageren Böden gibt man etwas Dünger. Winternässe führt manchmal zu Problemen, da die Knollen im Boden faulen können. Tipp: Die Kübelkultur klappt prima mit Drainageschicht am Boden des Topfes und einem durchlässigen Substrat.
Das warme Pfirsich-Rosa des Blut-Weiderichs ‚Blush‘ ist eine ganz besondere Blütenfarbe.Die weißen Blüten des Zierlauchs bilden einen angenehmen Kontrast zum Magentarot der Wildgladiole.
Der Blutweiderich (Lythrum salicaria) überragt mit seinen bis zu 120 cm hohen Stielen so manchen seiner Nachbarn am Teichrand oder im Wildstaudenbeet mit feuchtem Boden. Er kann sogar einige Zentimeter tief im Wasser stehen, kommt aber auch noch auf frischem bis feuchtem Boden zurecht. Der Handel bietet vitale und dekorative Sorten wie ‚Robert‘, ‚Zigeunerblut‘ oder ‚Stichflamme‘. Die dunkelrosafarbenen Blütenkerzen leuchten von Juli bis September auf. Ein Standort in der Sonne oder maximal im Halbschatten ist genau richtig. Wer die reichliche Selbstaussaat nach der Blüte verhindern möchte, schneidet Verblühtes rechtzeitig aus. Für Hummeln, Bienen und andere Nützlinge ist der Blutweiderich fast schon unverzichtbar. Der ährige Blütenstand besteht aus bis zu 100 Einzelblüten. Sie öffnen sich über Wochen hin von unten nach oben.
Die Blüten der Wildgladiole machen sich auch gut in der Vase.Die großzügige Gruppenpflanzung verfehlt nicht ihre Wirkung.
Für mehr Abwechslung sorgen die zierlicheren und stärker verzweigten Auslesen des Rutenweiderichs (Lythrum virgatum). Wie der Blutweiderich liebt auch diese Art feuchten und nährstoffreichen Boden. Allerdings kommt so manche Auslese auch prima in der Staudenrabatte zur Geltung, da ihr zeitweilige Trockenheit kaum zu schaffen macht. Auch der Rutenweiderich sollte nach der Blüte zurückgeschnitten werden, sofern die Selbstaussaat unerwünscht ist.
Der Blutweiderich ist ein toller Begleiter für Ramblerrosen.In natürlich gestaltete Bereiche passt Blutweiderich gut.
Für die Wahl der Pflanzpartner setzt man am besten auf Gegensätze. Zu den schlanken Lythrum passen daher die korbartigen Blüten von Astern (Aster), Margeriten (Leucanthemum) oder der Indianernessel (Monarda). Aber auch die Wieseniris (Iris sibirica) oder die Jakobsleiter (Polemonium caeruleum) machen sich gut in der Nachbarschaft. Fantastisch wirkt die Gemeinschaft mit Doldenblütlern wie der Großen Engelwurz (Angelica gigas) und der Himalaya-Silge (Cortia wallichiana).
‚Zigeunerblut‘ punktet mit intensiv gefärbten Blütenkerzen, die gern von Insekten besucht werden.Am Wasserrand fühlt sich Blutweiderich pudelwohl. Im Vordergrund farblich abgestimmte Prachtspiere
Der Blutweiderich ist in vielen Apothekergärten zu finden. Die vielseitige Heilpflanze enthält adstringierende und antibakterielle Gerbstoffe. Als Hausmittel wurden früher Waschungen oder Umschläge zur Behandlung von Ekzemen gemacht. Mit Tee aus den getrockneten Blüten kann man bei Halsschmerzen und Entzündungen im Mund gurgeln.
Marienkäfermohn, Wildgladiole, Sternkugellauch und Edeldistel in einträchtiger GemeinschaftIm feuchten Wiesenbeet locken Mädesüß und verschiedene Sorten des Blutweiderichs viele Insekten an.
Empfehlenswerte Sorten des Blutweiderichs (Auswahl):
‚Stichflamme‘ (Lythrum salicaria): sehr standfest und vital, rosarote Blüten von Juni bis August, 90 bis 110 cm hoch für Teichrand und Beet
‚JS Pink Tails‘ (Lythrum salicaria): sehr schlanke, hellrosafarbene Blütenrispen, 80 bis 90 cm hoch
‚White Swirl‘ (Lythrum virgatum): reinweiße Blüten und sehr schmales Laub, 70 bis 80 cm hoch, filigrane Blütenschleier für feuchte Standorte
‚Helene‘ (Lythrum virgatum): rosafarbene, verzweigte Blütenstände von Juli bis September, 80 cm hoch, verträgt auch zeitweilige Trockenheit
Blutweiderich wächst zu einer eindrucksvollen Staude heran, die sich prima für den Hintergrund eignet.In der Gruppenpflanzung wirken Wildgladiolen gleich noch einmal so schön.Wer die Selbstaussaat des Blutweiderichs verhindern möchte, schneidet Verblühtes gleich zurück.Auch eingestreute Wildgladiolen verfehlen nicht ihre Wirkung.
Afrikanische Schweinepest, Blauzungenkrankheit, Geflügelpest – Seuchen bedrohen die Tierproduktion. Wie wichtig Biosicherheit auf den Betrieben ist und wo es Zielkonflikte gibt, verdeutlichten die Gespräche beim Junglandwirtefrühstück des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) im Rahmen des Deutschen Bauerntages in der vergangenen Woche in Freiburg. Casimir Prinz zu Waldeck und Pyrmont sowie Malte Blöcker vertraten Schleswig-Holstein.
Blöcker bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie einen Milchvieh-Futterbau-Betrieb in Schmalstede, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Eine wichtige Erkenntnis aus dem Impulsvortrag von Dr. Iris Fuchs, Präsidentin der Bayerischen Landestierärztekammer, war für ihn, dass Impfstoffe nicht immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Daher seien Prävention und mehr Widerstandskraft in der Nutztierhaltung zentrale Ziele.
Standortvorteil
„Wir in Schleswig-Holstein haben Glück, dass wir geografisch gesehen relativ weit entfernt von Seuchenregionen wie dem Balkan sind“, schilderte der Milchviehhalter. Dadurch habe man oft mehr Zeit zu reagieren. Dennoch sei auch hier bemerkbar, dass der Seuchendruck steige. So seien beispielsweise zuletzt Fälle der Blauzungenkrankheit in ganz Deutschland vermehrt aufgetreten.
Beim Junglandwirtefrühstück stand nach dem Vortrag zur Tierseuchenprävention der persönliche Austausch im Fokus. Foto: Conrad von Roeder
Für den Vertreter des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein ist klar: „Wir müssen uns mit Biohygiene beschäftigen.“ Hier gebe es jedoch Zielkonflikte mit dem Tierwohl. Geschlossene Ställe seien besser zu kontrollieren als offene. Ein weiteres Konfliktfeld ist laut Blöcker die Öffentlichkeitsarbeit. Er erklärte: „Eigentlich wollen wir transparent sein und Menschen auf unsere Höfe einladen, damit jeder sehen kann, wie wir produzieren.“ Auf der anderen Seite warnte die Tierärztin, dass jede fremde Person ein Eintrittsrisiko für Tierseuchen darstelle.
Grundsätzlich vertritt Blöcker den Standpunkt: Je weniger Stress ein Tier hat, desto besser für die Gesundheit. „Im Sommer muss man versuchen, den Hitzestress gering zu halten, zum Beispiel durch Lüftungs- oder andere Kühlsysteme.“ Ein geringes Stressniveau bedeute für das Tier mehr Widerstandskraft gegen Krankheiten.
Das Bauerntagsfazit des Milchbauern viel insgesamt positiv aus. „Für mich ist es wichtig, solche Touren mitzumachen, weil man so die Chance hat, Politik mitzugestalten.“ Des Weiteren helfe der Austausch mit Personen aus anderen Regionen des Bundesgebietes, um Rückschlüsse für sich und den eigenen Hof zu ziehen.
Plädoyer für Erneuerbare
Zu Waldeck kommt vom konventionellen Ackerbaubetrieb Gut Farve in Ostholstein und hat kürzlich sein Bacherlorstudium der Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. Zu Beginn des Jahres nahm er am TOP-Kurs der Andreas-Hermes-Akademie teil. Dabei gewann er intensive Einblicke in die deutsche und europäische Agrarpolitik. Dieses Wissen konnte er auf dem Deutschen Bauerntag vertiefen.
Besonderes Interesse hat der gelernte Landwirt an der Energiepolitik. Er betonte: „Wenn wir selbst Energie erzeugen, sind wir weniger abhängig von internationalen Märkten.“ Die Probleme durch die Blockade der Straße von Hormus seien in Freiburg mehrfach angesprochen worden. Um die Energiewende hinzubekommen, sei jedoch unter anderem der Netzausbau voranzutreiben, um die im Norden produzierten Strommengen in andere Regionen Deutschlands zu leiten. Vor allem bei Betreibern von Biogasanlagen herrsche derzeit große Unklarheit, wie und ob ein Weiterbetrieb möglich sei. Dabei seien diese Anlagen wichtig, weil sie Kreislaufsysteme zuließen, der regionalen Wärme- und Gaserzeugung dienten und auch für die Verwertung tierischer Erzeugnisse Vorteile brächten. Er kritisierte vor diesem Hintergrund, dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Grundlast über Gaskraftwerke sichern wolle und damit die Abhängigkeit von fossilen Energien verstärke. „Wir alle warten sehr gespannt auf das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)“, so zu Waldeck. Er zeigte sich überzeugt: „Wenn wir nicht in der Lage sind, die Energieproduktion im Mittelstand zu halten, verlieren wir Krisensicherheit.“
Einen positiven Eindruck gewann er von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU). Dieser habe bereits Erfolge vorzuweisen. Seine Rede verdeutliche aber auch, wie schwierig es sei, konkrete Maßnahmen in einem langsam mahlenden System umzusetzen.
Der Ostholsteiner freute sich, in Freiburg einige Mitstreiter aus dem TOP-Kurs wiederzusehen. Auch den Austausch mit den anderen Delegierten – insbesondere der Gruppe aus Schleswig-Holstein – hob er positiv hervor: „Alle waren offen und kommunikativ. So gab es einfach ein gutes Miteinander auf diesem Bauerntag.“
„Junge Frauen gestalten die Landwirtschaft längst mit – als Betriebsleiterin, Fachkraft, Gründerin. Jetzt müssen sie auch in den Verbänden sichtbarer werden“, sagt Paul Krug, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) auf dem Deutschen Bauerntag in Freiburg. Dort übergab er gemeinsam mit Chiara Hauser, Landesvorsitzende des Bundes Badischer Landjugend, und Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), den BDL-Preis für gute Nachwuchsarbeit. Denn die Richtung stimmt. Von 43 angemeldeten Junglandwirtinnen und -landwirten beim Deutschen Bauerntag 2026 sind 17 weiblich und 26 männlich. Mit fast 40 % ist das ein Wert, der Mut macht.
Unter den Stimmberechtigten sieht das Bild etwas anders aus: 16 delegierten Junglandwirten stehen sechs Junglandwirtinnen mit Stimmrecht gegenüber. Ihr Anteil entspricht 1,4 % aller stimmberechtigten Delegierten des Bauerntags.
2026 ist das internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft. Hauser weist darauf hin, dass die Vereinten Nationen es ausgerufen hätten, um auf die Rolle von Frauen in der globalen Ernährungssicherung aufmerksam zu machen. Der Bauerntag sei eine gute Gelegenheit, dieses Jahr mit Leben zu füllen – sichtbare Beteiligung sei eine davon.
„Nachwuchsarbeit ist keine Nettigkeit. Sie entscheidet darüber, ob Landwirtschaft und ihre Verbände Zukunft haben. Und zu dieser Nachwuchsarbeit gehört, dass Verbände Frauen aktiv einladen, Verantwortung zu übernehmen“, so Krug.
„Darum trägt der Preis nach sieben Jahren das erste Mal einen weiblichen Namen. Aus dem ,Junglandwirt:innen-Gerd‘ wurde ,Gerda‘. Sie geht an den Landesbauernverband mit dem größten Anteil stimmberechtigter Nachwuchs-Power-Frauen unter den Delegierten“, sagt die badische Landesvorsitzende.
Die erste „Gerda“ in der Bauerntags- und Landjugendgeschichte hat sich der Bauernverband Schleswig-Holstein geholt: 4,6 % seiner stimmberechtigten Delegierten sind weiblich. Der Bayerische Bauernverband folgt mit 3,6 %. Das sind die Spitzenreiter. Sie zeigen: Selbst die Besten haben Luft nach oben. „Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme, denn Beteiligung ist weit mehr als die Zahl stimmberechtigter junger Menschen. Für uns ist die ,Junglandwirt:innen-Gerda‘ Anerkennung und Ansporn zugleich. Wir freuen uns über jeden Verband, der vorangeht – und laden alle anderen ein nachzuziehen“, so BDL-Vize Paul Krug. Er gratuliert dem Bauernverband Schleswig-Holstein herzlich zur Auszeichnung.
Benannt ist der Preis nach dem früheren DBV-Präsidenten Gerd Sonnleitner, der Landjugend und agrarischen Nachwuchs stark gefördert hatte. Der BDL verleiht den „Junglandwirt:innen-Gerd“ alle zwei Jahre beim Deutschen Bauerntag, um auf die Bedeutung der Nachwuchsarbeit hinzuweisen, und im Jahr 2026 aus gutem Grund eine „Gerda“.
Wasser ist das wichtigste Futtermittel im Schweinestall. Während bei Futterqualität, Stallklima und Tiergesundheit meist genau hingeschaut wird, erhält die Tränkwasserhygiene häufig weniger Aufmerksamkeit. Dabei entscheidet nicht allein die Qualität des Wassers am Brunnen oder Hausanschluss über die Versorgung der Tiere. Ebenso wichtig ist der Zustand des Leitungssystems im Stall.
Viele Landwirte lassen ihr Wasser regelmäßig untersuchen und erhalten unauffällige Laborbefunde. Trotzdem können die Tiere über die Tränken mit hohen Keimgehalten in Kontakt kommen. Die Ursache liegt nämlich häufig nicht beim Ausgangswasser, sondern in den Wasserleitungen selbst.
Biofilm wächst oft unbemerkt
In nahezu jeder Wasserleitung bildet sich mit der Zeit ein sogenannter Biofilm. Dabei handelt es sich um einen schleimigen Belag aus Mikroorganismen, deren Stoffwechselprodukten sowie Ablagerungen aus dem Wasser. Dieser Biofilm dient zahlreichen Keimen als geschützter Lebensraum. Besonders problematisch ist, dass Schweine über Nippel- oder Schalentränken Keime aus dem Maul in das Leitungssystem eintragen können (sogenannter rückwärts gerichteter Eintrag). Durch Wärme im Stall und längere Standzeiten des Wassers finden die Mikroorganismen ideale Wachstumsbedingungen vor. Wird ein Abteil geräumt und bleibt mehrere Tage oder Wochen leer, vermehren sich die Keime in den Leitungen weiter. Die nachfolgende Tiergruppe erhält dann beim ersten Tränken häufig einen regelrechten „Keimcocktail“ aus den Leitungen. Gerade in den ersten Tagen nach dem Einstallen sind die Tiere durch Transport, Futterumstellung und Rangordnungskämpfe besonders anfällig.
Leistungseinbußen häufig unentdeckt
Das Tückische an einer schlechten Tränkwasserhygiene ist, dass die Folgen selten eindeutig sichtbar werden. Anders als bei einer akuten Erkrankung zeigen die Tiere meist keine sofort erkennbaren Symptome. Stattdessen treten unspezifische Leistungseinbußen auf, beispielsweise ein Absacken der Tageszunahmen, eine uneinheitliche Entwicklung der Tiere oder eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Häufig werden diese Effekte anderen Ursachen zugeschrieben, beispielsweise dem Futter, der Genetik oder der Jahreszeit. Untersuchungen aus Praxisbetrieben zeigen jedoch, dass eine mangelhafte Wasserhygiene erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben kann. Bereits in den ersten Tagen nach der Einstallung können Leistungseinbußen entstehen, die später nicht mehr vollständig aufgeholt werden.
Eine durchgeschliffene Tränkeleitung sorgt für ständige Wasserbewegung und reduziert das Risiko der Biofilmbildung. Kritisch ist das Ende ohne Absperrhahn: Hier kann Standwasser in der Blindleitung verbleiben.Zugesetzter Tränkenippel, es ist keine Entnahme von Wasser möglich.
Das Leitungssystem entscheidet mit
Neben der Reinigung spielt auch die Bauweise der Wasserversorgung eine wichtige Rolle. In vielen Schweineställen werden die Tränken über Stichleitungen versorgt. Sobald weniger Tiere Wasser aufnehmen oder die Tiere über eine Flüssigfütterung versorgt werden, kommt die Wasserbewegung in diesen Leitungen nahezu zum Erliegen. Besonders kritisch sind sogenannte Blindleitungen. Dort steht das Wasser über lange Zeiträume, wodurch sich Biofilme und Keime ungestört entwickeln können. Aus hygienischer Sicht sind Systeme mit Spülmöglichkeiten am Leitungsende deutlich günstiger. Bei Stallneu- oder Umbauten sollte deshalb bereits in der Planungsphase auf eine möglichst hygienegerechte Wasserführung geachtet werden. Spülmöglichkeiten und eine gute Zugänglichkeit für Reinigungsmaßnahmen erleichtern die spätere Betreuung erheblich.
Regelmäßiges Spülen bringt Vorteile
Eine einfache und wirkungsvolle Maßnahme ist das konsequente Spülen der Leitungen mit Wasser. Vor jeder Einstallung einer neuen Tiergruppe sollte das Standwasser vollständig aus den Leitungen entfernt werden. Besonders wichtig ist dies in Buchten oder Stallbereichen, die längere Zeit leer gestanden haben. Auch bei Umstallungen, Sortierungen oder in Betrieben mit Flüssigfütterung empfiehlt es sich, die Tränken kurz durchzuspülen. Dadurch werden Keime, Ablagerungen und belastetes Standwasser aus den Leitungen entfernt. Gleichzeitig bietet das Spülen die Möglichkeit, die Funktion der Tränken zu kontrollieren und die Wassermengen zu überprüfen.
Chemische Reinigung oft wirksamer
Reicht einfaches Spülen nicht mehr aus, kann eine gezielte Leitungsreinigung erforderlich werden. Untersuchungen der Fachhochschule Südwestfalen zeigten, dass eine kombinierte Reinigung mit alkalischen und sauren Reinigern deutlich bessere Ergebnisse erzielen kann als eine reine Wasserspülung oder Impulsspülung. Durch die chemische Reinigung konnten die Keimzahlen in den untersuchten Leitungen nahezu vollständig reduziert werden. Gleichzeitig wurden in den nachfolgenden Mastdurchgängen höhere Tageszunahmen beobachtet. Wichtig ist jedoch, dass nach jeder chemischen Reinigung sämtliche Leitungen gründlich gespült werden. Rückstände von Reinigungsmitteln dürfen keinesfalls in die Tiertränke gelangen.
Wasser regelmäßig kontrollieren
Nicht jede Auffälligkeit erfordert sofort eine Laboruntersuchung. Bereits eine einfache Sichtkontrolle kann Hinweise auf Probleme liefern. Trübes Wasser oder sichtbare Partikel deuten auf Ablagerungen oder Biofilmreste hin und sollten Anlass für weitere Maßnahmen sein. Dennoch ersetzt die Sichtkontrolle keine regelmäßige Untersuchung im Labor. Insbesondere bei Ferkeln, die deutlich empfindlicher auf hygienische Mängel reagieren, empfiehlt sich eine regelmäßige mikrobiologische Kontrolle des Tränkwassers im Stallbereich.
Drei Praxistipps zur Tränkwasserhygiene
1. Leitungen vor jeder Einstallung gründlich spülen
Vor dem Einstallen neuer Tiere sollte sämtliches Standwasser aus den Leitungen entfernt werden. Besonders Leitungen in zuvor leer stehenden Buchten enthalten häufig erhöhte Keimzahlen. 2 bis 3 min Spülzeit je Tränkenstrang können die Wasserqualität deutlich verbessern.
2. Wasser nicht nur am Brunnen, sondern auch an der Tränke kontrollieren
Die Wasserqualität kann sich auf dem Weg durch das Leitungssystem verändern. Deshalb sollten Wasserproben regelmäßig direkt an den Tränken entnommen und untersucht werden. Trübes Wasser oder sichtbare Partikel sind erste Warnsignale für Ablagerungen oder Biofilme in den Leitungen.
3. Wasserleitungen regelmäßig reinigen und Biofilme vermeiden
Biofilme bieten Krankheitserregern ideale Lebensbedingungen. Deshalb sollten Tränkeleitungen in den Reinigungsplan des Betriebes aufgenommen werden. Besonders nach Leerstandszeiten oder bei wiederkehrenden Leistungsproblemen kann eine gezielte Reinigung der Leitungen helfen, die Tiergesundheit und die biologischen Leistungen zu verbessern.
Fazit
Eine gute Tränkwasserhygiene beginnt nicht erst an der Tränke und endet nicht am Brunnen. Entscheidend ist die Qualität des Wassers entlang des gesamten Weges bis zum Tier. Regelmäßiges Spülen, die Vermeidung von Standwasser, eine bedarfsgerechte Leitungsreinigung und die regelmäßige Kontrolle der Wasserqualität helfen dabei, die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Tiere nachhaltig zu sichern. Oft liegt in diesem Bereich ein bislang ungenutztes Potenzial für mehr Tiergesundheit und bessere biologische Leistungen.
Kurzfassung
• Vor jeder Einstallung Leitungen zwei bis drei Minuten spülen
• Wasserqualität regelmäßig direkt an der Tränke prüfen
• Leitungen reinigen und Biofilmbildung konsequent vorbeugen
Die Versuchsstation Kastorf wurde im Jahr 2008 gegründet. Durch die Angliederung des Pflanzenschutzdienstes des Amtes für ländliche Räume an die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wurde für das südöstliche Dienstgebiet (HL, OD, RZ, SE) ein geeigneter Versuchsstandort gesucht und in Kastorf gefunden. Der Standort im Kreis Herzogtum Lauenburg zeichnet sich durch homogene Böden sowie eine gute Teilflächenstruktur aus. Die vorherrschende Bodenart ist sandiger Lehm (sL). Im Laufe der Jahre hat sich die Station Kastorf zu einer festen Größe im Feldversuchswesen der Landwirtschaftskammer entwickelt und etabliert.
Die Versuche, die an der Station durchgeführt werden, sind auf den Praxisflächen der hiesigen Landwirte angelegt. Dies ermöglicht eine flexible Anlageform der Versuche. Durch die Rotation innerhalb der Fruchtfolge werden negative Vorjahreseffekte (zum Beispiel Düngerparzellen oder Trennwege) vermieden. Insbesondere für die Fragestellungen im Bereich der Krankheiten werden in den Kulturen Weizen und Gerste je zwei bis drei anfällige Sorten mit praxisüblicher Technik von den Landwirten in der üblichen Fahrgassenweite für die Station ausgedrillt. In diesen Sortenstreifen werden im Frühjahr die Pflanzenschutzversuche für Fungizide und Wachstumsregler angelegt. Für spezielle Versuchsfragen wie die Ungras- und Unkrautbekämpfung, die Bekämpfung von Schadinsekten (Schwerpunkt Raps) und für Herbizidversuche im Mais nutzt die Versuchsstation gezielt Praxisflächen in der näheren Umgebung.
Aussaat 2025: Sommergetreide, Heck- (li.) und Frontansicht der Aussaattechnik von Staphyt
2.500 Versuchsparzellen
Auf der Versuchsstation Kastorf werden zirka 2.500 Versuchsparzellen in den Kulturen Weizen, Raps, Gerste, Sommergetreide, Ackerbohne, Roggen und Mais bearbeitet. Im Unterschied zu anderen Versuchsstationen der Landwirtschaftskammer ist die technische Ausstattung der Station begrenzt. Daher wird die Station in den Bereichen Aussaat und Ernte von der Firma Staphyt unterstützt, die direkt vor Ort ansässig ist. Die Bodenbearbeitung sowie sämtliche Begleitmaßnahmen im Bereich Düngung und Pflanzenschutz werden von den jeweiligen Landwirten übernommen, sofern die Versuchsfrage es zulässt. Für den Fall, dass dies nicht möglich ist, stehen der Station seit 2021 ein Schlepper und eine Anbauspritze zur Verfügung, um die Pflanzenschutzbegleitmaßnahmen durchzuführen. In der Ernte kann auf ein älteres Mähdreschermodell, einen Claas Dominator 38S, zurückgegriffen werden. Er wird zur Beerntung der Ränder der Kerndruschparzellen im Getreide genutzt.
Versuchsfragen rund um den Rapserdfloh
Pflanzenbauliche Fragestellungen betreffen die Landessortenversuche in Winterweizen, Winterraps (zuzüglich der Wertprüfung), Wintergerste, Sommergetreide und Ackerbohne. Produktionstechnische Versuche sind die Saatzeitversuche im sowie die Exaktversuche zur Düngung im Winterweizen. Im Pflanzenschutz werden Versuche zur biologischen Wirksamkeit und zur Kulturverträglichkeit von Pflanzenschutzmitteln gegenüber Pilzkrankheiten (Mittelvergleiche) durchgeführt. Diese Mittelvergleiche bilden die Grundlage für Strategieversuche, die die unterschiedlichen Krankheitsanfälligkeiten verschiedener Winterweizen- und Wintergerstensorten berücksichtigen. Eine weitere wichtige Komponente im Versuchsprogramm sind die Wachstumsreglerversuche. Als Hauptschwerpunkt haben sich die vergangenen Jahre die Versuchsfragen rund um den Rapserdfloh herauskristallisiert. Da die Versuche in der Durchführung sehr aufwendig sind, ist der Versuchsumfang insgesamt limitiert.
Der Drusch der Kernparzellen des Winterweizenversuchs erfolgte zur Ernte 2023 mit einem Drescher von Staphyt.Im Jahr 2024 war der Parzellenmähdrescher von Staphyt auch in den Gerstenversuchen unterwegs.
Unser Team in Kastorf
Im Dezember 2017 übernahm Sebastian Schwarz die Leitung der Versuchsstation und kümmert sich schwerpunktmäßig um Koordination, Anlage und Durchführung der Versuche. Unterstützt wird er durch Birte Gladenbeck-Bober, die seit dem Jahr 2010 die Station begleitet. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt liegt in den Bonituren der Pflanzenschutzversuche sowie der Diagnostik von Schaderregern. Für das Anbaujahr 2026 übernahm sie auch die Bonituren der pflanzenbaulichen Versuche. Als Sachbearbeiterin im Pflanzenschutz ist Lilli Stooß auf dem Standort für die Beratung und die Pflanzenschutzversuche zuständig. Als Referentin im Pflanzenschutz für die Region Südost ist Manja Landschreiber für die Station verantwortlich.
Der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) hat sich gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband (DBV) und den übrigen Landesbauernverbänden intensiv an der Online-Konsultation des Bundesumweltministeriums zum Nationalen Wiederherstellungsplan beteiligt. Bis Mitte des Jahres konnten Verbände, Behörden und Bürger ihre Stellungnahmen zum mehr als 1.100 Seiten starken Planentwurf einreichen. Ziel des Plans ist die nationale Umsetzung der europäischen Wiederherstellungsverordnung.
Der BVSH unterstützt ausdrücklich das Ziel, Artenvielfalt zu erhalten und Natur zu fördern. Gleichzeitig macht der Verband deutlich, dass Naturschutz in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft nur gemeinsam mit den Landbewirtschaftern gelingen kann. Die Stellungnahme fordert deshalb einen klaren Kurswechsel: weg von zusätzlichen ordnungsrechtlichen Vorgaben und hin zu freiwilligen, kooperativen Maßnahmen mit einer verlässlichen Finanzierung.
Aus Sicht des Berufsstandes verfolgt die Wiederherstellungsverordnung einen zu stark rückwärtsgewandten Ansatz. Historische Zustände von Lebensräumen ließen sich unter den Bedingungen des Klimawandels vielfach weder sinnvoll noch dauerhaft wiederherstellen. Stattdessen müsse Naturschutz an den heutigen Gegebenheiten ansetzen und die landwirtschaftliche Nutzung als Teil der Lösung begreifen.
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die fehlende Planungssicherheit. Nach Auffassung des Berufsstandes dürfen neue Wiederherstellungsmaßnahmen ausschließlich auf freiwilliger Basis erfolgen. Eigentumsrechte und Bewirtschaftungsfreiheit müssten gewahrt bleiben. Die Erfahrungen aus der Umsetzung der FFH-Richtlinie hätten gezeigt, dass aus zunächst freiwilligen Ansätzen häufig schrittweise verbindliche Auflagen entstanden seien. Ein solcher Vertrauensverlust dürfe sich nicht wiederholen.
Besonders kritisch bewertet der Verband die bislang unzureichende Finanzierung. Der Wiederherstellungsplan enthalte zahlreiche Maßnahmen und umfangreiche Flächenkulissen, lasse aber offen, wie diese langfristig finanziert werden sollen. Es werden deshalb zusätzliche Mittel außerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik sowie ein verbindlicher finanzieller Ausgleich für alle Leistungen der Landbewirtschafter gefordert. Nach Berechnungen des DBV wären allein für kooperative Biodiversitätsmaßnahmen auf 5 bis 10 % der Landwirtschaftsfläche jährlich 1 bis 2 Mrd. € erforderlich.
Ein weiterer Schwerpunkt der Stellungnahme ist die Forderung nach einer vollständigen Bestandsaufnahme bereits vorhandener Naturschutzflächen. Schutzgebiete, Kompensationsflächen und bereits umgesetzte Naturschutzmaßnahmen müssten vollständig auf die Wiederherstellungsziele angerechnet werden. Vorrang solle die qualitative Aufwertung bestehender Naturschutzflächen haben, bevor weitere landwirtschaftliche Produktionsflächen in Anspruch genommen werden.
Auch zu den einzelnen Maßnahmen des Wiederherstellungsplans wird ausführlich Stellung genommen. So wird bei den geplanten Maßnahmen für FFH-Mähwiesen darauf hingewiesen, dass diese wertvollen Lebensräume erst durch jahrzehntelange landwirtschaftliche Nutzung entstanden seien und nur durch eine wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftung dauerhaft erhalten werden könnten. Zusätzliche Nutzungseinschränkungen würden insbesondere Vieh haltende Betriebe treffen und die ohnehin angespannte Flächenkonkurrenz weiter verschärfen. Gefordert werden daher Bestandsschutz, rechtssichere Kartierungen, attraktive Anreize statt reiner Entschädigungen sowie eine frühzeitige Beteiligung der betroffenen Landwirte.
Kritisch bewertet der Verband außerdem die vorgesehenen Programme zum Insektenschutz und zur Förderung von Bestäubern. Der Schutz der Artenvielfalt werde ausdrücklich unterstützt. Allerdings dürften bestehende freiwillige Agrarumweltmaßnahmen nicht durch immer neue ordnungsrechtliche Vorgaben verdrängt werden. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass der Rückgang von Insekten zahlreiche Ursachen habe und nicht allein der Landwirtschaft zugerechnet werden könne.
Ein weiterer Hauptaspekt der Stellungnahme betrifft den Moorschutz. Die Landwirtschaft erkennt die große Bedeutung intakter Moore für den Klimaschutz ausdrücklich an. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die geplanten Wiedervernässungsmaßnahmen erhebliche Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe, ländliche Räume, Bewirtschafter und Eigentümer haben können. Gerade in Schleswig-Holstein befinden sich viele landwirtschaftlich genutzte Flächen auf organischen Böden und bilden die wirtschaftliche Grundlage zahlreicher Familienbetriebe. Eine großflächige Wiedervernässung darf deshalb nicht gegen die Eigentümer und Bewirtschafter erfolgen. Der Verband fordert, dass Moorschutzmaßnahmen ausschließlich auf freiwilliger Basis umgesetzt werden, mit einer langfristig gesicherten Finanzierung verbunden sind und den Betrieben wirtschaftlich tragfähige Perspektiven eröffnen. Dazu gehören insbesondere ein vollständiger Ausgleich von Ertrags- und Vermögensverlusten sowie die Förderung alternativer Nutzungsformen, soweit diese im Einzelfall praktikabel sind. Klimaschutz auf Moorstandorten kann nur erfolgreich sein, wenn ökologische Ziele und landwirtschaftliche Nutzung in Einklang gebracht werden.
Genau darin sieht der BVSH den entscheidenden Erfolgsfaktor für die gesamte Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung: Die Ziele des Natur- und Artenschutzes können nur gemeinsam mit den Betrieben erreicht werden – nicht gegen sie. Voraussetzung dafür sind Praxistauglichkeit, Planungssicherheit, Freiwilligkeit sowie eine langfristig verlässliche und auskömmliche Finanzierung. Nur wenn die Land- und Forstwirtschaft als Partner verstanden wird und nicht als Adressat immer neuer Auflagen, kann die notwendige Akzeptanz für die Wiederherstellungsmaßnahmen entstehen. Der BVSH wird den weiteren Prozess deshalb auch in den kommenden Monaten kritisch begleiten und sich weiterhin für eine praxistaugliche Ausgestaltung des Nationalen Wiederherstellungsplans einsetzen.
Wie können Betriebe ihre Betroffenheit prüfen?
Landwirte, die wissen möchten, ob ihre Flächen bereits heute naturschutzfachlich erfasst sind oder künftig von Maßnahmen des Nationalen Wiederherstellungsplans betroffen sein könnten (siehe gegenüberliegende Seite), sollten zunächst die verfügbaren Geodaten nutzen. Hilfreich sind insbesondere die Biotopkartierung Schleswig-Holstein, die Themenkarten Naturschutz sowie die Karten zu Schutzgebieten, FFH-Lebensraumtypen und weiteren naturschutzfachlichen Kulissen. Diese ermöglichen eine erste Einschätzung, ersetzen jedoch keine fachliche oder rechtliche Bewertung. Da viele der Flächendarstellungen lediglich fachliche Grundlagen sind und sich daraus nicht automatisch konkrete Verpflichtungen ergeben, empfiehlt sich bei Unklarheiten eine individuelle Prüfung. Mitglieder des Bauernverbandes Schleswig-Holstein können sich hierzu jederzeit an ihre zuständige Kreisgeschäftsstelle wenden. Dort erhalten sie Unterstützung bei der Einordnung der Kartierungen und der Bewertung einer möglichen Betroffenheit ihres Betriebes.
Als erste Orientierung dienen folgende Kartenportale:
„Hier würde ich noch eine rosa Blüte einbauen“, rät Sabine Kahl. „Versuch das mal.“ Smilla (8) sucht sich aus dem gefüllten Korb eine passende Blume und knüpft sie geschickt an ihren Blütenkranz.
An beiden Enden werden zum Schluss zwei Ösen mit Schleifenband geknotet, damit man den Kranz am Hinterkopf befestigen kann. „Ich genieße es zu sehen, wie viel Spaß die Kinder beim Binden haben und wie stolz sie sind, wenn ihre Werke gelingen“, ergänzt sie. Sabine Kahl begleitet das Binden der Blütenhaarkränze, hat das Material besorgt und erklärt den Kindern, wie sie die Blüten am besten festhalten, um den Draht fest genug wickeln zu können. Smilla ist hoch konzentriert und möchte ihren Haarkranz aus bunten Sommerblumen am liebsten sofort aufsetzen.
An diesem Nachmittag werden im historischen Haus aus Großharrie nicht nur Haarkränze gebunden. Auch Girlanden, eine Richtkrone und ein Bogen werden angefertigt, denn unter dem Motto „Kränze und Kronen binden“ hatte der Arbeitskreis LandFrauenarchiv zum Erinnerungsnachmittag ins Freilichtmuseum Molfsee eingeladen. Thematisch orientieren sich diese Nachmittage übrigens immer an der aktuellen Ausstellung – in diesem Jahr „State of Nature“ von Rebecca Louise Law.
Martina Greve erinnert sich an ihre Schulzeit in Kollmar, an das Kindergrün (traditionelles Schulfest) mit vielen Spielen, Kaffeetrinken, Tanz und vor allem an die Umzüge durch das ganze Dorf. „Zwei Kinder haben den Bogen gehalten und eines ging in der Mitte“, erinnert sie sich. Die Bögen waren meist aus Buchsbaum gebunden und mit Astern oder Frauenmantel geschmückt. Dass beim Erinnerungsnachmittag auf diese Traditionen geblickt wird, gefällt ihr. „An Tagen wie diesen wird hier Geschichte lebendig“, erzählt sie. „Man kann spüren, wie die Menschen in diesen Häusern lebten. Das finde ich sehr interessant.“
Frauke Kühl bindet eine Hochzeitsgirlande, eine Tradition, die auch heute noch sehr lebendig ist. „Die Nachbarschaft trifft sich, das Wissen wird weitergegeben. Darüber freue ich mich“, erzählt die LandFrau des Ortsvereins Albersdorf-Österdörfer. Gleich nebenan werden aus Butterbrotpapiertüten im Handumdrehen – im wahrsten Sinne des Wortes – kleine Rosen angefertigt. „In die Mitte wird noch eine bunte Perle platziert, und fertig ist die Deko“, erklärt Dorothee Kühl aus Wacken.
Der Erinnerungsnachmittag steht fest im Terminplan der Frauen, die sich im Arbeitskreis LandFrauenarchiv engagieren. „Heute haben wir ganz unterschiedliche Bindetechniken gezeigt“, fasst Sylke Messer-Radtke, Vizepräsidentin des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein, zusammen. „Ich freue mich sehr, dass unsere Aktion besonders bei den Kindern so großen Anklang gefunden hat. Sie haben eigenständig gewickelt, sich ausprobiert, und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen.“
Der Erinnerungsnachmittag findet einmal im Jahr in Kooperation mit dem Freilichtmuseum Molfsee statt. Dort ist auch das LandFrauenarchiv untergebracht – eine gemeinsame Einrichtung von LandFrauenverband Schleswig-Holstein und Freilichtmuseum Molfsee. Ziel der Zusammenarbeit ist der Aufbau einer umfassenden Sammlung zur Geschichte aller Frauen im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins.
Der Rohöl-Weltmarktpreis ist zum Ende der vorigen Woche noch weiter abgestürzt und sogar unter die Marke von 70 US-$/bbl gefallen. Damit ist das Niveau von Ende Februar und somit das Niveau vor dem Iran-Krieg wieder erreicht. Der Ölpreis ist in der zweiten Hälfte der vorigen Woche weitergesunken, obwohl sich die Lage in der Straße von Hormus zum Wochenende hin wieder anspannte. Daran lässt sich deutlich erkennen, dass der Markt das ewige Hin und Her zwischen geöffneter und geschlossener Straße von Hormus inzwischen eingepreist und damit entsprechende Risikoprämien wieder ausgepreist hat. Auch muss berücksichtigt werden, dass die USA nach wie vor Ölreserven freigegeben haben, die zusammen mit der deutlich gestiegenen Ölförderung in den USA erheblich zu einer Entspannung der Angebotssituation beitragen. Was die zukünftige Ölpreisentwicklung angeht, ist der Markt zweigeteilt. Die eine Seite rechnet mit einer Ölschwemme, sobald die Straße von Hormus wieder uneingeschränkt passierbar wird, und einer Wiederherstellung der komfortablen Versorgungslage in den nächsten Monaten. Die andere Seite rechnet aufgrund des Nachholbedarfs der Industriestaaten sowie der hohen Nachfrage aus China und Indien mit einem schnellen Wiederanstieg der Kurse und erst weit im Jahr 2027 mit einer Entspannung der Marktlage. Aktuell scheint das erste Szenario wahrscheinlicher, trotz der Zerstörung einiger Ölförderanlagen in der Golfregion.
Warum bleibt Diesel so teuer?
Nun mag der eine oder andere Marktbeobachter feststellen, dass die Dieselpreise an der Tankstelle zwar auch gefallen sind, aber das Niveau vor dem Iran-Krieg noch lange nicht wieder erreicht ist (den steuerlichen Anstieg durch das Auslaufen des befristeten Tankrabatts seit dem 1. Juli einmal außen vor gelassen). Der Grund dafür liegt in den knappen Raffineriekapazitäten. Durch den Iran-Krieg wurden viele Raffinerieanlagen entlang des Persischen Golfs zerstört. Ihr Wiederaufbau kann noch Monate bis Jahre dauern. Und auch der Treibstoffmangel in Russland ist auf die Zerstörung von Raffinerien durch ukrainische Angriffe zurückzuführen. Somit sind die weltweiten Raffineriekapazitäten aktuell deutlich eingeschränkt, und der Bedarf kann nicht gedeckt werden. Zusätzlich führt diese Marktlage dazu, dass die Betreiber von Raffinerieanlagen aktuell sehr gute Margen am Markt durchsetzen können. Da sinkende Dieselpreise immer deutlich verzögerter beim Endverbraucher ankommen als steigende Preise, könnte der Dieselpreis in den nächsten Wochen durch den niedrigen Rohölpreis noch etwas sinken. Voraussetzung ist aber, dass der Rohölpreis nicht wieder steigt. Dieselpreise wie vor dem Iran-Krieg sind vorerst aber nicht in Sicht.
Einfluss auf die Agrarmärkte
Die fallenden Rohölkurse haben die Rapskurse zwar deutlich unter Druck gesetzt, das Ausmaß hielt sich aber in Grenzen, da die Trockenheit in Europa und die möglichen Auswirkungen des Wetterphänomens El Niño auf die australische Rapsernte dem entgegenwirken. Auch wer die Hoffnung hat, dass die Treibstoffknappheit in Russland Auswirkungen auf die dortige Weizenernte hat, muss enttäuscht werden. Die Landwirtschaft ist ausreichend bevorratet. Der Rohölpreis hat aktuell also wenig Potenzial, die Kurse positiv oder negativ zu beeinflussen.