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Wirtschaftswald bleibt Zukunftswald

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Wer heute durch Schleswig-Holsteins Wälder geht, sieht vielerorts stabile Bestände, gepflegte Wege und eine lange Tradition nachhaltiger Nutzung. Holz aus dem heimischen Wald ist ein wichtiger Rohstoff für Bau, Energie und Industrie. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Anspruch an den Wald: Klimaschutz, Biodiversität, Wasserhaushalt und Erholung sollen ebenfalls gesichert werden. Mit dem europäischen Nature Restoration Law wird diese Entwicklung politisch verstärkt. Ziel ist es, geschädigte Ökosysteme zu verbessern und ihre Funktionen langfristig zu sichern.

In der öffentlichen Diskussion entsteht dabei manchmal der Eindruck, Waldschutz bedeute vor allem Stilllegung oder Nutzungsverzicht. Für Schleswig-Holstein mit seinem stark privat geprägten und klein strukturierten Wald wäre ein solcher Weg jedoch kaum sinnvoll. Vielmehr zeigt sich zunehmend eine andere Perspektive: Eine moderne Wirtschaftswaldstrategie kann Nutzung, Klimaanpassung und Naturschutz miteinander verbinden. Voraussetzung ist, dass auch die Leistungen des Waldes für die Gesellschaft künftig stärker honoriert werden.

Die Waldlebensraumtypen des Landes

Die Grundlage für die Bewertung von Waldlebensräumen bildet in Schleswig-Holstein die Biotopkartierung des Landes. Sie erfasst regelmäßig wertvolle Biotope und dokumentiert deren Zustand. Typisch für Schleswig-Holstein sind vor allem Laubwälder. Große Teile der natürlichen Waldvegetation bestehen aus Buchenwäldern. Dazu gehören der Hainsimsen-Buchenwald auf ärmeren Standorten sowie der Waldmeister-Buchenwald auf besseren Böden. Daneben finden sich Eichenmischwälder, etwa Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-Wälder oder bodensaure Eichenwälder. Sie zählen zu den artenreichsten Waldtypen und spielen eine wichtige Rolle für viele Tierarten. Besonders wertvoll sind außerdem Auwälder entlang von Bächen und Niederungen. Diese von Erlen und Eschen geprägten Bestände gehören zu den seltensten Waldtypen im Land. Allen diesen Waldtypen gemeinsam sind typische Strukturen: alte Bäume, unterschiedliche Altersstufen, Totholz sowie eine Mischung verschiedener Baumarten. Genau diese Strukturen stehen heute stärker im Fokus der Naturschutzpolitik.

Privatwald prägt die Landschaft

Ein großer Teil des Waldes in Schleswig-Holstein befindet sich in privater Hand. Viele Flächen gehören landwirtschaftlichen Betrieben oder Familien und werden im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Flächen sind häufig klein und über mehrere Parzellen verteilt. Ökonomisch ist die Bewirtschaftung deshalb anspruchsvoll. Gleichzeitig erfüllen diese Wälder wichtige Funktionen für Landschaft, Klima und Biodiversität. Gerade diese klein strukturierten Privatwälder zeigen jedoch, dass Nutzung und Naturschutz oft eng miteinander verbunden sind. Viele wertvolle Lebensräume sind erst durch eine langfristige Bewirtschaftung entstanden.

Stabile Wirtschaftswälder

Im Wirtschaftswald wachsen Werte. Fotos: Prof. Gerrit Friedrich Bub

Der Klimawandel stellt die Wälder vor neue Herausforderungen. Längere Trockenperioden, höhere Temperaturen und Extremwetterereignisse erhöhen die Risiken für Waldbesitzer. Die wichtigste Antwort darauf sind strukturreiche und gemischte Wälder. Verschiedene Baumarten reagieren unterschiedlich auf Klimaextreme. Vielfalt im Bestand erhöht deshalb die Stabilität. Auch unterschiedliche Altersstufen innerhalb eines Bestandes wirken stabilisierend. Wälder, die kontinuierlich genutzt und gepflegt werden, können sich oft besser an Veränderungen anpassen als ungenutzte Bestände. Damit wird deutlich: Klimaanpassung erfordert aktive Waldwirtschaft. Ein pauschaler Nutzungsverzicht würde diese Entwicklung eher erschweren als fördern.

Praxisbeispiel aus Ostholstein

Wie sich wirtschaftliche Nutzung und ökologische Funktionen verbinden lassen, zeigt ein Beispiel aus dem Buchenwald in Ostholstein. Bei der Bewirtschaftung werden gezielt Altbuchen auf der Fläche belassen. Diese Bäume erfüllen gleich mehrere Aufgaben. Als Habitatbäume bieten sie Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Gleichzeitig wirken sie als Mutterbäume für die Naturverjüngung. Ihre Samen sorgen dafür, dass sich junge Buchen natürlich im Bestand ansiedeln können. Die großen Altbäume spenden zudem Schatten, halten Feuchtigkeit im Boden und mildern Klimaextreme wie Hitze oder Spätfrost. Die Waldverjüngung erfolgt häufig über eine Kombination aus Naturverjüngung und ergänzender Pflanzung. So lassen sich standortgerechte Mischbestände entwickeln, die langfristig stabil sind. Ein weiterer Ansatz besteht darin, Randbereiche angrenzender landwirtschaftlicher Flächen schrittweise in neue Waldstrukturen zu überführen. Diese Neuwaldbildung kann langfristig stabile Waldränder schaffen und zusätzliche ökologische Funktionen erfüllen. Das Beispiel zeigt: Viele Maßnahmen, die aus Naturschutzsicht sinnvoll sind, lassen sich direkt in eine wirtschaftliche Bewirtschaftung integrieren.

Ökosystemleistungen als (wirtschaftliche) Chance

Mit der zunehmenden Aufmerksamkeit für Klimaschutz und Biodiversität verändert sich auch die Rolle des Waldes. Neben der Holzproduktion treten weitere Leistungen stärker in den Vordergrund:

– Kohlenstoffspeicherung

– Lebensräume für Arten

– Wasser- und Bodenschutz

– Erholungsfunktion

Diese sogenannten Ökosystemleistungen sind für die Gesellschaft von großem Wert. Für Waldbesitzer stellen sie jedoch häufig eine zusätzliche Leistung dar, die bislang kaum vergütet wird. Hier entwickelt sich derzeit ein neues wirtschaftliches Feld. Förderprogramme, Biodiversitätsmaßnahmen oder Klimainstrumente könnten künftig dazu beitragen, dass diese Leistungen auch finanziell honoriert werden. Damit entsteht eine zusätzliche Einkommensperspektive für Waldbesitzer – neben der klassischen Holzproduktion.

Nutzung und Naturschutz zusammendenken

Der Wirtschaftswald schafft Vielfalt.

Der Wald bleibt auch in Zukunft ein Wirtschaftswald. Holz ist ein zentraler Nachwachsender Rohstoff und gewinnt im Zuge der Klimapolitik weiter an Bedeutung. Die entscheidende Aufgabe moderner Waldwirtschaft besteht deshalb darin, Nutzung und ökologische Funktionen miteinander zu verbinden. Strukturreiche Mischwälder können beides leisten: stabile Holzerträge und vielfältige Lebensräume. Gerade im kleinbäuerlichen Privatwald Schleswig-Holsteins liegt darin eine große Chance. Wenn ökologische Leistungen künftig stärker honoriert werden, entsteht ein erweitertes Geschäftsmodell für die Waldwirtschaft. Der Wald wird dann nicht nur Holzproduzent, sondern auch Partner der Gesellschaft für Klima- und Naturschutzleistungen. Oder anders formuliert: Eine zukunftsfähige Waldpolitik setzt nicht auf Stilllegung, sondern auf aktive, nachhaltige Bewirtschaftung – und auf eine faire Honorierung der Leistungen, die Wirtschaftswälder für die Gesellschaft erbringen.

Bildung fördern, Gemeinschaft stärken

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Wer hat schon einmal vom Verein zur Förderung der Weiterbildung im LandFrauenVerband gehört? Hinter diesem auf den ersten Blick etwas umständlichen Namen verbirgt sich eine richtig gute Sache. „Der Förderverein wurde gegründet, um das Bildungsangebot in den Kreisverbänden auszubauen“, erklärt Sylke Messer-Radtke, Vizepräsidentin des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein.

„Wir unterstützen beispielsweise die Einladung eines besonderen Referenten oder den Besuch einer Ausstellung. Erst kürzlich hat der Kreisverband Steinburg ein Papierwerk besichtig und erhielt dafür eine finanzielle Förderung.“ Um Unterstützung zu bekommen, stellen Kreisverbände für ihre Bildungsveranstaltung einfach beim Förderverein einen Antrag. Der Förderverein ist gemeinnützig und darf Spenden annehmen. Mitglieder sind neben den Ortsvereinen und Kreisverbänden auch Einzelpersonen.

„Mitglieder im Förderverein sind vor allem Frauen, die früher eine Position innehatten“, beschreibt Sylke Messer-Radtke. „Es sind zum Beispiel viele ehemalige Kreisvorsitzende darunter. Sie haben die LandFrauen-Idee verinnerlicht und tragen dieses Gefühl mit ihrer Arbeit im Förderverein weiter.“ Zur diesjährigen Jahreshauptversammlung trafen sich die Mitglieder des Fördervereins in Ellerhoop.

Einblicke ins Baumschulversuchswesen

Neben der Sitzung nutzten die LandFrauen das jährliche Treffen für den persönlichen Austausch und eine gemeinsame Besichtigung des Gartenbauzentrums der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, wo Thorsten Ufer, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Versuchswesen Gartenbau, Baumschule, die Gruppe durch die moderne Einrichtung führte. Das 2006 eröffnete Zen­trum bündelt Versuchswesen, Beratung sowie Aus- und Weiterbildung unter einem Dach, um Innovationen in den Gartenbau zu bringen und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu stärken. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Baumschulversuchswesen. In Klimakammern, auf Versuchsflächen in Kübeln und im Freiland werden neue Produktionsverfahren, Gehölze und Anbausysteme unter praxisnahen Bedingungen getestet. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Beratung der Betriebe ein. Gemeinsam mit Forschungspartnern, unter anderem der Universität Hannover, arbeitet das Gartenbauzentrum an zukunftsweisenden Projekten und bietet zugleich Auszubildenden, Fachkräften und Unternehmern moderne Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung.

Auf dem Prüfstand

Welcher Steppensalbei ist der schönste? LandFrau Ilona Schütt hilft bei der Auswahl.

„Besonders beeindruckt haben mich die Sichtungen für Gehölze und Rosenneuheiten“, erzählt Ilona Schütt vom Teamvorstand des Kreisverbandes Herzogtum Lauenburg. An verschiedenen Standorten im gesamten Bundesgebiet werden beispielsweise Bartblumen auf ihre Trockenheitsverträglichkeit, Widerstandsfähigkeit und Winterhärte geprüft. „Drei Jahre lang werden sie beobachtet“, beschreibt Thorsten Ufer. „Wie wachsen sie in den unterschiedlichen Regionen? Wie kommen sie mit den jeweiligen Böden klar? Am Ende werden die Ergebnisse zusammengetragen und bewertet.“ Auch die Optik der Blüten spielt eine wesentliche Rolle. „Da können wir uns oft nicht entscheiden, welche Staude die schönsten hat“, ergänzt er. Heute hat er in den LandFrauen eine fachkundige Jury vor Ort. Am Sichtungsfeld sollen sie mithilfe von Holzstäbchen den Steppensalbei markieren, den sie kaufen würden.

Schönster Garten des Nordens

Im Anschluss führte Baumschulgärtnerin Susanne Hackländer die Gruppe durch das Arboretum Ellerhoop. Der als „schönster Garten des Nordens“ bekannte Park vereint Pflanzen aus den verschiedensten Vegetationszonen der Erde und dient zugleich der Bildung, Forschung sowie den Baumschulen als Sichtungsgarten. Auf dem 17,3 ha großen Gelände sind zahlreiche Themengärten angelegt. Der Weiße Garten, das Moorbiotop und der Wasserwald, der Rosenpavillon, der Küstengarten oder der Garten der Seele machten den Rundgang zu einem besonderen Erlebnis. Außerdem befindet sich eine der bedeutendsten Päoniensammlungen Deutschlands im Arboretum. 22 Gärtner kümmern sich rund ums Jahr liebevoll um den Garten und sorgen dafür, dass es zu jeder Jahreszeit etwas zu entdecken gibt. In Frühjahr müssen zum Beispiel rund 26.000 Frühblüher in die Erde gebracht werden. Der Besuch des Gartenzentrums und des Arboretums hat bei Mitgliedern des Fördervereins nachhaltig gewirkt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es hier so viele unterschiedliche Gartenwelten zu entdecken gibt“, schwärmt Ilona Schütt. „Ich bin begeistert!“

Chinesischer Garten im Arboretum Ellerhoop

Niedrigwasser wird zum Marktfaktor

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Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher. Waldbrände in Südeuropa, Trockenheit in vielen Regionen und Tage mit Temperaturen nahe 40 °C in Norddeutschland. Eine weitere Folge sind die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände in Rhein, Elbe und Donau. Dadurch entwickeln sich zunehmend wirtschaftliche Probleme. Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Bereits Anfang August werden Wasserstände erreicht, wie man sie bislang eher aus ausgeprägten Trockenperioden im Spätsommer und Herbst kannte.

Für die Landwirtschaft sind die Folgen zunächst indirekt. Binnenschiffe fahren weiterhin, können aber wegen des geringeren Tiefgangs teilweise nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Kleinwasserzuschläge verteuern den Transport. Betroffen sind vor allem Massengüter wie Mineralölprodukte, Chemikalien, Kohle, Baustoffe sowie Agrarrohstoffe.

Norddeutschland befindet sich dabei in einer vergleichsweise günstigen Lage. Über die Seehäfen bleiben die Handelswege offen. Die Bahn und die norddeutschen Kanäle können größere Mengen übernehmen. Ihre Kapazitäten sind jedoch begrenzt, sodass sie die Binnenschifffahrt auf dem Rhein nicht vollständig ersetzen können.

Diesel im Süden günstiger

Auch bei der Kraftstoffversorgung ist der Norden nicht unmittelbar vom Rhein abhängig. Seehäfen, Tanklager und Raffinerien ermöglichen alternative Versorgungswege. Aktuell sind die Dieselpreise im Norden jedoch noch höher als in Teilen Süddeutschlands. Hier wirken regionale Angebots- und Nachfrageverhältnisse, Raffineriekapazitäten stärker als die Niedrigwassersituation. Erst bei länger anhaltenden Transportproblemen kann sich dies in den regionalen Kraftstoffpreisen niederschlagen.

Für die norddeutsche Landwirtschaft können sich sogar Wettbewerbsvorteile ergeben. Das gilt besonders für Futtergetreide. Schleswig-Holstein und das nördliche Niedersachsen liegen vergleichsweise günstig zu den großen Veredlungsregionen. Futtergetreide aus dem Norden kann per Lkw und Bahn dorthin gelangen.

Ähnliches gilt für Raps, allerdings mit regional unterschiedlichen Auswirkungen. Große Ölmühlen befinden sich unter anderem in Hamburg, Kiel und Rostock, aber auch am Rhein und anderen Binnenwasserstraßen. Die küstennahen Werke können heimischen Raps ebenso wie Importware über die Seehäfen beziehen. Rheinstandorte sind stärker auf eine funktionierende Binnenschifffahrt angewiesen. Niedrigwasser kann deshalb die regionalen Beschaffungskosten verändern und die Nachfrage nach küstennaher Ware zusätzlich stützen.

Chancen im Export

Auch der Getreideexport könnte für Norddeutschland interessanter werden. Die Zuspitzung im Ukraine-Krieg hat die Getreidelieferungen aus der Schwarzmeer-Region gebremst. Alternative Exportwege können die dort ausfallenden Mengen bislang nur teilweise ersetzen. Damit verbessern sich grundsätzlich die Absatzchancen anderer Exportregionen. Ob daraus bereits zusätzliche konkrete Nachfrage nach deutschem Weizen entstanden ist, bleibt abzuwarten. Die Häfen in Norddeutschland wären jedenfalls in einer guten Ausgangsposition.

Straße und Schiene sollen ebenfalls zur Entlastung beitragen. Die Bundesregierung will zusätzliche Bahntransporte koordinieren und erwägt Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot für Lkw. Die gewaltigen Transportmengen der Binnenschifffahrt lassen sich damit jedoch nicht ersetzen.

Norddeutschland besitzt mit seinen Seehäfen, kurzen Wegen zu wichtigen Absatzregionen und alternativen Verkehrswegen einen Standortvorteil. Bei Getreide und Raps könnte dieser sogar zu einer festeren regionalen Nachfrage führen. Entscheidend wird sein, wie lange das Niedrigwasser anhält.

Qualität entsteht lange vor dem Trog

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Futterhygiene beginnt lange vor dem Trog. Bereits auf dem Feld werden die Grundlagen für Tiergesundheit, Leistung und Tierwohl gelegt. Entscheidend ist, dass die Qualität entlang der gesamten Produktionskette erhalten bleibt.

Der Grundstein für ein hygienisch einwandfreies Futtermittel wird bereits mit der Sortenwahl, Fruchtfolge und Bodenbearbeitung gelegt. Gerade bei Weizen und Mais entscheidet der Pflanzenbestand mit darüber, wie hoch der Infektionsdruck durch Feldpilze ist. Mehrjährige Untersuchungen an Winterweizen zeigen, dass hohe Belastungen mit Fusarium und Deoxynivalenol besonders dort auftreten, wo Mais die Vorfrucht war, Erntereste an der Oberfläche blieben und anfälligere Sorten angebaut wurden. Auch Rückstände auf der Bodenoberfläche und feuchte Phasen um die Blüte erhöhen das Risiko deutlich. Der spätere Schaden bleibt dabei oft unsichtbar, denn Mykotoxine fallen weder durch Geruch noch durch Aussehen sicher auf. 

Von außen saubere Anlagen können innen stark belastet sein. Futterreste und Biofilm in Leitungen sind eine häufig unterschätzte Quelle für Keime. Foto: Henrike Freitag

Ob ein hygienisch unauffälliger Bestand auch als hygienisch unauffälliges Futtermittel im Lager ankommt, entscheidet sich in einem engen Zeitfenster. Erdbeimengungen, beschädigte Körner und hohe Kornfeuchten fördern mikrobielles Wachstum. Das gilt für Körnerfutter ebenso wie für Silagen. Gleichzeitig schreibt das Futtermittelrecht saubere Ernte- und Transporttechnik, Schutz vor Kontaminationen sowie eine wirksame Schädlingsbekämpfung vor. Praktisch bedeutet das: Mähdrescher, Anhänger, Fördertechnik und Annahmestellen vor Kampagnenbeginn reinigen, Altpartien vollständig entfernen und das Erntegut so schonend wie möglich behandeln. 

Bei Silagen kommt ein weiterer Punkt hinzu. Luftzutritt ist einer der wichtigsten Treiber aerober Verderbprozesse. Er fördert Nacherwärmung, Hefe- und Schimmelwachstum und mindert damit sowohl den Energiegehalt als auch die hygienische Qualität. Saubere Verdichtung, rascher Luftabschluss und ein zügiger Vorschub bleiben deshalb zentrale Stellschrauben. 

Im Lager zu bedenken

Im Lager wird keine schlechte Ware gut. Wer Feuchtigkeit und Temperatur konsequent kontrolliert, erhält die Futterqualität und verhindert unnötige Verluste. Lagerung kann Qualität nur bewahren oder weiter verschlechtern. Deshalb sind saubere Anlagen, sichere Lagerung und Transport sowie eine lückenlose Dokumentation wichtige Grundlagen der Futtermittelhygiene. Mikrobiologische Untersuchungen decken Hygienemängel auf. Die wichtigsten Orientierungswerte für Trocken- und Flüssigfutter sind in der Tabelle zusammengefasst. Erhöhte Hefe- und Schimmelgehalte weisen häufig auf Lagerungs- oder Konservierungsprobleme hin und beeinträchtigen Schmackhaftigkeit und Qualität.

Im Stallalltag sind die Schwachstellen bekannt: ­Kondenswasser im Silo, verschmutzte Fördereinrichtungen, Restfutter in Schnecken oder Rohrleitungen sowie Schadnager, Vögel und Insekten. Hinzu kommen stille Verluste durch Nacherwärmung. Erwärmtes Futter riecht oft bereits anders, wird aber dennoch verfüttert – und genau dieses „Schönfüttern“ kostet Leistung.

Mykotoxine: Die unsichtbare Gefahr im Futter

Mykotoxine gehören zu den größten hygienischen Risiken in der Schweinefütterung. Sie entstehen als Stoffwechselprodukte verschiedener Schimmelpilze bereits auf dem Feld oder während der Lagerung und bleiben häufig unbemerkt, da Geruch und Aussehen des Futters keine sichere Beurteilung zulassen. Belastungen werden deshalb oft erst erkannt, wenn Leistung oder Gesundheit der Tiere bereits beeinträchtigt sind.

Die Folgen sind meist schleichend: verminderte Futteraufnahme, uneinheitliche Mastgruppen, Durchfälle, eine geschwächte Immunabwehr oder Fruchtbarkeitsstörungen. Besonders problematisch ist, dass häufig mehrere Mykotoxine gleichzeitig auftreten und sich ihre Wirkungen gegenseitig verstärken können. Die wichtigsten Orientierungswerte sind in der Tabelle zusammengefasst. Zur sicheren Beurteilung empfiehlt sich eine Untersuchung auf mehrere Mykotoxine gleichzeitig, um Mischbelastungen zu erkennen.

Futterhygiene ist auch für das Tierwohl von großer Bedeutung. Der Leitfaden zur Reduzierung des Risikos für Schwanzbeißen nennt mangelhafte Futterhygiene ausdrücklich als Risikofaktor. Schlecht schmeckendes oder belastetes Futter kann die Futteraufnahme vermindern und dadurch Unruhe sowie Verhaltensstörungen bis hin zum Schwanzbeißen begünstigen.

Futterhygiene bedeutet jedoch nicht nur Freiheit von Keimen, Toxinen und Schadstoffen. Ebenso wichtig ist die physikalische Beschaffenheit des Futters. Sie beeinflusst die Darmgesundheit, das Wohlbefinden und das Verhalten der Schweine. Rohfasergehalt, Struktur und Vermahlungsgrad sind entscheidend für einen stabilen Magen-Darm-Trakt. Sowohl ein zu feiner Vermahlungsgrad als auch fehlende Struktur erhöhen das Risiko für Magengeschwüre und beeinträchtigen Gesundheit und Tierwohl. Die Richtwerte zur Schweinefütterung nennen hierzu eine klare Orientierung: Bei üblicher trockener Siebfraktionierung sollten weniger als 20 Massenprozent unter 0,2 mm liegen; als fein bis zu fein gelten 40 Massenprozent und mehr. Gleichzeitig sollten mehr als 15 bis 20 Massenprozent der Partikel größer als 1 mm sein. Ob diese Anforderungen eingehalten werden, lässt sich im Betriebsalltag mit einem Futtersiebkasten schnell und einfach überprüfen.

Gute Fütterungshygiene wirkt sich direkt auf Futteraufnahme und Leistung aus. Foto: Dr. Ariane von Mallinckrodt

Fütterungshygiene: Der letzte Meter entscheidet

Selbst hochwertiges Futter kann auf dem letzten Meter bis zum Trog an Qualität verlieren. Bei Trockenfütterung sammeln sich Staub und Futterreste in Silos, Förderschnecken, Fallrohren und Futterautomaten. In Flüssigfütterungsanlagen schaffen Feuchtigkeit, Wärme und Futterreste ideale Bedingungen für das Wachstum von Mikroorganismen und die Bildung von Biofilmen. Besonders kritisch sind Totleitungen, schlecht durchströmte Rohrabschnitte und Trogauslaufrohre. Hier bleiben Futterreste lange haften und begünstigen mikrobielles Wachstum. Obwohl diese Bereiche von außen meist sauber erscheinen, kann sich im Inneren ein erheblicher Biofilm bilden. Gerade sie zählen zu den am häufigsten unterschätzten hygienischen Schwachstellen. Fütterungshygiene ist deshalb konsequent als Zusammenspiel von Tankhygiene, Leitungshygiene und Troghygiene zu sehen – denn nur wenn alle drei Bereiche regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden, bleibt die Qualität des Futters bis zur Aufnahme durch das Schwein erhalten.

Nicht jede hygienische Schwachstelle ist mit bloßem Auge zu erkennen. Deshalb lohnt es sich, die Futterqualität systematisch zu kontrollieren. Futteranalysen sowie Rückstell- oder Vergleichsproben helfen dabei, Veränderungen im Bestand später besser einzuordnen. Gleiches gilt für auffällige Partien im Lager. Getrennt lagern, probeweise untersuchen und Problemware nicht stillschweigend in den Trog mischen – das spart meist mehr Geld als es kostet.

Zur Kontrolle gehören Geruch, Temperatur, Fließfähigkeit, Restfutter, Kondenswasser und die Sauberkeit der Technik. Bei Flüssigfütterungen kommen pH-Wert, Fehlgärungen und Ablagerungen in Leitungen hinzu. Auch das Tränkwasser darf nicht außer Acht gelassen werden. Es ist das Futtermittel, das Schweine in der größten Menge aufnehmen. Eine einwandfreie Wasserqualität ist daher unverzichtbar. Ablagerungen in Leitungen sowie der rückwärtige Eintrag von Keimen über den Tränkepunkt fördern die Bildung von Biofilmen und können die Tiergesundheit sowie Leistung indirekt beeinträchtigen. 

Fazit

Futterhygiene ist kein einzelner Arbeitsschritt und kein Thema nur für den Futtermischer. Sie beginnt im Pflanzenbestand, entscheidet sich bei Ernte und Lagerung immer wieder neu und endet erst in einem sauberen Trog. Wer Sortenwahl, Vorfrucht, Ernteorganisation, Lagerkontrolle und Fütterungstechnik zusammendenkt, reduziert Risiken für Mykotoxine, Verderb, Minderaufnahme und Leistungsabfall. Im Stall zeigt sich das unmittelbar durch Futteraufnahme, Tiergesundheit, Verhalten und Leistung. Futterhygiene ist deshalb keine einzelne Maßnahme, sondern ein durchgängiges Qualitätsmanagement – vom Feld bis zum Trog.


Fünf Warnzeichen für mangelhafte Futterhygiene:

sinkende Futteraufnahme

Erwärmung oder Gärgeruch

Restfutter oder Biofilm in Leitungen

größere Leistungsstreuung

Unruhe bis Schwanzbeißen


Energiewende stärkt ländliche Räume

In einem Schreiben an die schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten Sandra Carstensen und Mark Helfrich (beide CDU) bekräftigte Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht in dieser Woche, warum es für starke ländliche Räume und regionale Wertschöpfung wichtige Nachbesserungen am Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) ab 2027 brauche.

Die Energiewende ist Lucht zufolge längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in den ländlichen Räumen Deutschlands: „Landwirte, Grundeigentümer, Bürgerenergieprojekte und zahlreiche mittelständische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in Biogas-, Photovoltaik- und Windenergieanlagen getätigt. Dadurch wurden regionale Wertschöpfungsketten aufgebaut, Arbeitsplätze gesichert und zusätzliche Einkommensquellen für landwirtschaftliche Betriebe geschaffen. Gleichzeitig leisten diese Investitionen einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung und stärken die wirtschaftliche Entwicklung außerhalb der Ballungsräume“, so der Präsident des Bauernverbands Schleswig-Holstein (BVSH).

Mit dem EEG 2027 werden nun die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Der aktuelle Kabinettsentwurf enthalte jedoch mehrere Regelungen, die Investitionen erschwerten, bestehende Geschäftsmodelle schwächten und die wirtschaftlichen Perspektiven vieler Betriebe im ländlichen Raum verschlechterten. Statt regionale Wertschöpfung zu stärken, drohten wichtige Zukunftsinvestitionen ausgebremst zu werden. Daher brauche es nun klare Nachbesserungen im EEG, fordert Lucht:

Ausschreibungsvolumen für Biomasse erhöhen: Um die Stromerzeugung aus Biomasse auf dem heutigen Niveau zu halten und Biogasanlagen durch zusätzliche Blockheizkraftwerke auf die flexible Stromerzeugung umzurüsten, ist ein Volumen von mindestens 2.500 MW pro Jahr bis 2032 unerlässlich.

Flexibilitätszuschlag auf 150 € / kW erhöhen: Der BVSH fordert, den Flexibilitätszuschlag auf 150 € / kW anzuheben und diese Anpassung auch auf bereits bezuschlagte Anlagen anzuwenden. Nur so können die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Investitions-, Finanzierungs- und Zinskosten angemessen berücksichtigt werden. Flexible Biogasanlagen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit und können gesicherte Leistung vielfach kostengünstiger bereitstellen als neu zu errichtende Gaskraftwerke. Vor diesem Hintergrund ist eine Anhebung des Flexibilitätszuschlags nicht nur erforderlich, um den weiteren Ausbau flexibler Erneuerbarer Erzeugungskapazitäten zu ermöglichen, sondern auch, um eine faire und technologieoffene Gleichbehandlung mit Gaskraftwerken sicherzustellen, die ebenfalls für die Bereitstellung gesicherter Leistung vorgesehen sind.

Maisdeckel streichen: Mais ist für viele landwirtschaftliche Betriebe wichtig in der Fruchtfolge und trägt zur Kreislaufwirtschaft bei. Der Maisdeckel ist kein geeignetes Instrument zur Lösung von Biodiversitäts-, Boden- oder Gewässerschutzfragen. Diese Themen werden bereits über Fach- und Agrarumweltrecht adressiert. Der Maisdeckel führt dagegen unmittelbar zu erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen für Biogasanlagen und erschwert deren Umstellung auf die politisch gewünschte flexible Stromerzeugung. Die Begrenzung im EEG sollte deshalb gestrichen werden, auch für Anlagen, die bereits dem Maisdeckel unterliegen. Es ist darauf hinzuweisen, dass das Gebäudemodernisierungsgesetz einen Satz von 50 % ausweist.

Agri-PV-Bonus auf mindestens 2,5 ct/kWh anheben: Die Streichung des Untersegments für besondere Solaranlagen stellt für landwirtschaftliche Betriebe, die Investitionen in Agri-PV auf Grundlage der mit dem Solarpaket I geschaffenen Rahmenbedingungen geplant haben, einen erheblichen Eingriff in die Investitions- und Planungssicherheit dar. Sie beeinträchtigt das Vertrauen in verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen und ist ohne eine angemessene Kompensation, insbesondere durch eine deutliche Anhebung der neu eingeführten Boni für Agri-PV und Moor-PV, nicht akzeptabel.

Förderung für kleine Dachanlagen erhalten: Die Abschaffung der Förderung für kleine Dachanlagen setzt ein falsches Signal, da gerade diese Anlagen bereits versiegelte Flächen nutzen, eine hohe Akzeptanz genießen und zusätzliche Flächenkonkurrenzen vermeiden.

Pachtdeckel für Windanlagen streichen: Der geplante Pachtdeckel greift unverhältnismäßig in Eigentumsrechte und Vertragsfreiheit von Flächeneigentümern ein und verschlechtert die Verhandlungsposition derjenigen, die Flächen für die Energiewende bereitstellen. Zugleich schwächt er die regionale Wertschöpfung und gefährdet die Akzeptanz des Windenergieausbaus im ländlichen Raum, ohne nachweisbar zu niedrigeren Förderkosten oder einem schnelleren Ausbau beizutragen.

Die Energiewende könne nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn die Menschen und Unternehmen vor Ort wirtschaftlich davon profitierten. Ländliche Räume seien nicht nur Flächengeber für die Energiewende, erklärte Lucht, sondern wichtige Investitions-, Innovations- und Wertschöpfungsstandorte. Dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, Investitions-sicherheit und einen fairen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung. Dabei gehe es nicht allein um die Betreiber von Energieanlagen. Von Investitionen in Bioenergie, Windkraft und Photovoltaik profitierten zahlreiche vor- und nachgelagerte Wirtschaftsbereiche in den ländlichen Räumen. Anlagenbauer, Handwerksbetriebe, Dienstleister, Maschinenringe und viele weitere Unternehmen seien laut Lucht Teil dieser regionalen Wertschöpfungsketten. Würden Investitionen ausgebremst, treffe dies daher nicht nur einzelne Anlagenbetreiber, sondern die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Regionen.

Die Abgeordneten bittet der BVSH-Präsident daher, sich im parlamentarischen Verfahren für die genannten Nachbesserungen einzusetzen und ein EEG 2027 zu unterstützen, das Investitionen ermögliche, regionale Wertschöpfung sichere und die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Räume stärke.

Effizienz von Mais als Energiequelle unterstrichen

Mais erzielt sowohl in der CO2-Bilanz als auch der Flächeneffizienz hervorragende Werte. Durch die strengen Vorgaben der Gemensamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) zu Fruchtwechsel und Bodenschutz ist ein acker- und pflanzenbaulich übermäßiger Anbau von Mais ausgeschlossen, weshalb zusätzliche Begrenzungen im Energierecht nicht erforderlich sind. Dies schreiben das Deutsche Maiskomitee (DMK) und der Fachverband Biogas (FvB) in einem Faktenpapier.

Das DMK unterstützt die Forderung des FvB, verlässliche Rahmenbedingungen für den Weiterbetrieb bestehender Biogasanlagen zu schaffen. Eine künstliche Deckelung von hocheffizienten Einsatzstoffen verteuere die Energieerzeugung unnötig und gefährde das Ziel einer verlässlichen Regenerativen Energieversorgung.

Angesichts der deutlichen Ausweitung der fossilen Stromproduktion sowie des Imports des noch klimaschädlicheren Fracking-LNG sei die Diskriminierung des Einsatzstoffs Mais unverständlich. Laut FvB zeigten die Daten, dass der Maisanbau im Einklang mit der Natur stehe und bei sachgerechter Bewirtschaftung keineswegs die Biodiversität gefährde. Die Diskussion um eine Absenkung des Maisdeckels sei daher fachlich nicht gerechtfertigt und bremse die Energiewende an entscheidender Stelle aus.

Wissenschaftliche Begutachtungen belegten zudem, dass Mais im Vergleich zu anderen Ackerbaukulturen wie Weizen oder Raps mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln auskomme, so die beiden Verbände. Im Regelfall genügten ein bis zwei Anwendungen pro Saison. Auch beim Einsatz biologischer Pflanzenschutzverfahren nehme der Maisanbau eine Vorreiterrolle ein.

Höchster Energieertrag pro Hektar

FvB-Präsident Thomas Karle verweist vor allem auf die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit des Rohstoffs. Für die Betreiber von Biogasanlagen liefere der Mais im Vergleich zu alternativen Substraten den höchsten Energieertrag pro Hektar und halte so die Stromgestehungskosten niedrig. Daneben ermögliche die Nutzung von Mais aufgrund seiner hohen Energiedichte eine saisonale Fahrweise.

Prof. Jürgen Braun, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, hebt die ökonomischen und energetischen Stärken von Mais hervor. Die wissenschaftliche Auswertung zeige eindrucksvoll, welch unterschätzter Leistungsträger er im Energiesystem sei. Als C4-Pflanze nutze Mais das Sonnenlicht sowie das verfügbare Wasser außerordentlich effizient. Bereits ein einziges mittelgroßes Fahrsilo von 3.000 m³ Silomais speichere ein energetisches Potenzial von rund 1,5 bis 2 Mio. kWh.

Verlässlicher Energieträger

Energiemais nutze mit einer Anbaufläche von rund 850.000 ha für die Biogasproduktion lediglich etwa 5,1 % der deutschen Landwirtschaftsfläche, liefere jedoch rund zirka 15,5 TWh Erneuerbaren Strom und rund 5 TWh Wärme, heißt es in dem Faktenpapier. Dies entspreche der Versorgung von etwa 5,1 Millionen Haushalten und stelle eine verlässliche Säule dar, um Phasen ohne Wind und Sonne sicher zu überbrücken.


Für faire gesetzliche Rahmenbedingungen hat das Hauptstadtbüro Bioenergie die Petition „Ohne Bioenergie verliert das Land“ gestartet. Sie ist abrufbar unter: t1p.de/ohnebioenergieverliertdasland

Saatgutbehandlung im Getreide

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Samenbürtige Krankheiten, insbesondere Brandpilze, können enorme Schäden verursachen und haben eine große Bedeutung im Getreideanbau. Saatguthygiene sowie Beizverfahren sind dafür verantwortlich, dass sie in der Praxis selten in Erscheinung treten. Auch bodenbürtige Pilze können in einzelnen Jahren hohe Verluste verursachen. Hier bieten fungizide Beizen ebenfalls eine Absicherung.

Je nach Kultur sind unterschiedliche Präparate oder Verfahren vorzuziehen. Viele wesentliche fungizide Präparate fallen jedoch in den kommenden zwei Jahren weg.

Saatgutübertragene Krankheiten

Brandpilze haben insgesamt die größte Bedeutung aller samenbürtigen Krankheiten im Getreideanbau. In der Praxis tritt vor allem der auf Gerste spezialisierte Gerstenflugbrand in Erscheinung. Daneben gibt es auch einen ebenfalls spezialisierten Weizenflugbrand, der aber seltener zu beobachten ist. Die windverbreiteten Sporen des Flugbrandes gelangen während der Blüte des Getreides in die Blütenanlage. Dort keimen die Sporen und das Pilzmyzel infiziert das Saatkorn bereits in der Kornbildungsphase in der Ähre. Es verbleibt innerhalb des Korns. Diese Kombination aus Windverbreitung und Überdauern im Korn macht eine Kontrolle besonders schwierig. Symptome treten erst beim Ährenschieben des Bestandes im folgenden Jahr in Erscheinung.

Der Flugbrand ist derzeit von allen klassisch über das Saatkorn übertragenen Krankheiten am schwersten zu kontrollieren und hat insbesondere als Gerstenflugbrand (hier zu sehen) die höchste Bedeutung. Ursachen sind die weite Verbreitung der Sporen mit dem Wind sowie die Überdauerung des Pilzes im Embryo des Saatkorns, wodurch Saatguthygiene und Beizverfahren erschwert werden.
Beispielhaft für eine vom Boden ausgehende Erkrankung junger Getreidepflanzen ist die Thypula-Fäule, die vor allem in der Wintergerste auftritt. Die Infektion geht dabei im Herbst und Winter von den im Boden überdauernden rotbraunen Sklerotien aus. Die Folgen sind nesterweiser Ausfall des Bestandes zu Beginn des Frühjahrs und die Ausbildung neuer Sklerotien auf abgestorbenem Pflanzenmaterial.

Im Gegensatz dazu erfolgt bei den weiteren wichtigen Vertretern aus dem Bereich der Brände keine windbürtige Verbreitung der Sporen. Zudem haften diese außen am Saatkorn. Zu nennen sind dabei der Steinbrand in Weizen, Triticale und Dinkel sowie der Roggenstängelbrand in Roggen und Triticale. In der Symptomatik sind für den Roggenstängelbrand ein Ausbleiben der Ähre sowie die Bildung von Sporenlagern entlang der Blattscheide typisch. Der Steinbrand ist aufgrund intakter Kornhüllen häufig auch nach dem Ährenschieben zunächst nicht zu erkennen. Erst mit Fortschreiten der Krankheit brechen die im Korn gebildeten Brandbutten heraus. Besonders der starke Geruch des Steinbrandes führt häufig zu schwierigen Vermarktungssituationen infizierter Ernteware.

Neben den Bränden spielen die Streifenkrankheit, insbesondere in Gerste, sowie Fusarium-Arten und Schneeschimmel eine Rolle. Allen gemein ist die Übertragung als Pilzmyzel am Saatkorn sowie in der Samenschale. Die beiden letztgenannten Krankheiten schädigen vor allem in der Keimphase des Saatkorns. Die Streifenkrankheit bildet streifenförmige Nekrosen mit Sporenlagern auf den Blättern, wobei die Sporen mit dem Wind verbreitet werden. Die Ähren infizierter Pflanzen sind verkümmert oder bleiben in der Blattscheide stecken.

Bodenbürtige Krankheiten

Sowohl der Schneeschimmel als auch Fusarium-Arten können die junge Getreidepflanze über in der Nähe liegende Pflanzenreste befallen. Die Symptome des Schneeschimmels werden dann nach langer Schneebedeckung durch rot gefärbte, später absterbende Pflanzen sichtbar. Die Typhula-Fäule infiziert die Getreidepflanzen über im Boden überwinternde Sklerotien und tritt insbesondere in dichten Beständen nach lang anhaltender Feuchtigkeit im Spätherbst und Winter auf. Das Getreide stirbt nesterweise ab, und auf toten Pflanzenteilen werden neue rötlichbraune Sklerotien sichtbar. Insbesondere in der Wintergerste ist diese Krankheit von Bedeutung.

Gefahr der Schwarzbeinigkeit

In erster Linie besteht im Winterweizen unter feuchter und warmer Winterwitterung, insbesondere auf bereits befallenen Flächen sowie auf leichteren Böden, die Gefahr von Schwarzbeinigkeit. Die Infektion geht von Stoppelresten aus und befällt Halmbasis und Wurzel der Getreidepflanzen. Symptomatisch sind schwarze, verkümmerte Wurzeln sowie Weißährigkeit in der Milchreife.

Zulassungsende vieler chemischer Beizen

Da eine Verlängerung der EU-weiten Genehmigung für die Wirkstoffe Fludioxonil und Tebuconazol als unwahrscheinlich gilt, wird vermutlich in den kommenden Jahren ein Großteil der derzeitigen Produkte vom Markt gehen müssen. Dann ist mit Einschränkungen im Wirkungsspektrum zu rechnen.

Aktuell bieten noch die Produkte Vibrance Trio und Rubin Plus (Vista) den umfassendsten Schutz aller Beizpräparate. Insbesondere die starke Flugbrandwirkung und eine Indikation gegen Thypula-Fäule sind Alleinstellungsmerkmale, womit diese Produkte vor allem in der Wintergerste sehr empfehlenswert sind. Landor CT oder Redigo Pro sind Alternativen in den weiteren Wintergetreidekulturen.

Der Wirkstoff Silthiofam (Latitude, Latitude XL, Latifam) stellt eine zusätzliche Spezialbeize zur Befallsminderung von Schwarzbeinigkeit dar. Diese ist auf Risikoflächen sinnvoll.

Das Präparat Systiva hat aufgrund seines hohen Wirkstoffgehalts eine blattaktive Wirkung und wird derzeit als Zusatzbeize in der Wintergerste gegen Blattkrankheiten, insbesondere gegen Rhynchosporium-Blattflecken angeboten. Speziell in besonders für Rhynchosporium anfälligen Sorten kann diese Beize sinnvoll sein.

Im Winterweizen und der Wintergerste ist weiterhin das Produkt Signal 300 ES als insektizide Beize gegen Drahtwurm und Getreidebrachfliege zugelassen.

Elektronenbehandlung und alternative Präparate

Das bedeutendste nichtchemische Beizverfahren im Getreide stellt die Elektronenbehandlung dar. Dabei wird das Saatkorn mit niederenergetischen Elektronen beschossen, die die Sporen und das Pilzmyzel am Korn sowie in der Samenschale abtöten, ohne den Keimling zu schädigen. Steinbrand, Roggenstängelbrand, die Streifenkrankheit sowie samenbürtiger Befall mit Schneeschimmel und Fusarium-Arten werden damit sicher erfasst. Vorteile bietet dieses Verfahren zusätzlich im Umgang mit gebeiztem Saatgut. Zudem wird der Keimungsprozess der Saat im Vergleich zur chemischen Beize schneller durchlaufen. Allerdings kann der Flugbrand nicht kontrolliert werden, da sich dessen Pilzmyzel bereits im Keimling befindet. Auch einen bodenbürtigen Befall (Schneeschimmel, Fusarien-Arten, Thypula-Fäule) kann die Elektronenbehandlung nicht beeinflussen. Besonders in der Gerste kommen diese Nachteile zum Tragen. Auch in Spätsaaten (alle Wintergetreidekulturen) ist die Gefahr von bodenbürtigem Befall höher und die Elektronenbeize weniger gut geeignet.

Zusätzlich stehen noch Bakterien-Präparate (Cedomon, Cerall, Toltek) sowie das Produkt Tillecur (Pflanzenmehl) zur Verfügung. Tillecur zeigt eine gute Wirkung speziell gegen Steinbrand. Insgesamt fehlt es diesen Produkten jedoch an Wirkungsbreite und -stärke. Eine Übersicht der aktuellen Zulassungssituation aller Beizpräparate ist auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zu finden:
https://t1p.de/­Getreide_Beizmittel

Bestimmungen zur Anwendung beachten

Für die Nutzung von elektronenbehandeltem Saatgut sowie dem Produkt Tillecur liegen keine Auflagen vor. Auch die Bakterien-Präparate werden durch Anwendungsbestimmungen kaum eingeschränkt. Anders sieht dies für chemisch gebeiztes Saatgut aus. Dort liegen allgemeine Auflagen (NH 677 bis NH 680) vor, die darauf hinweisen, dass kein Saatgut an der Bodenoberfläche verbleiben oder in Gewässer gelangen darf. Neben einer maximal zulässigen Aufwandmenge je Dezitonne Saatgut liegen nun auch für alle chemischen Präparate Grenzwerte für die zulässige Aufwandsmenge je Hektar vor. Dies führt zu einer Begrenzung der Aussaatstärken, die jedoch nur bei wenigen Produkten in Roggen und Triticale in der Praxis von Relevanz sind.

Gerade bei einigen neu zugelassenen Produkten (Redigo Pro, Celest Next) sowie bei der insektiziden Beize Signal 300 ES liegt außerdem eine Windauflage (NH 681) vor, die eine Aussaat bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 5 m/s untersagt.

Der schnelle Überblick

Krankheiten, insbesondere Brandpilze, können mit dem Saatkorn auf die nächste Generation übertragen werden. Vor allem der Flugbrand ist schwer zu kontrollieren und tritt in Form des Gerstenflugbrandes in der Praxis regelmäßig in Erscheinung. Neben guter Saatguthygiene im Vermehrungsprozess tragen Beizverfahren dazu bei, das Krankheitsrisiko zu reduzieren. Zusätzlich können vor allem Schneeschimmel sowie die Thypula-Fäule die junge Getreidepflanze bodenbürtig infizieren. Allgemein bieten die Präparate Vibrance Trio und Rubin Plus den umfassendsten Schutz. Auf Risikoflächen für Schwarzbeinigkeit sollte eine zusätzliche Beizung mit Produkten erfolgen, die Silthiofam enthalten. In den nächsten Jahren ist mit einer deutlichen Einschränkung der Mittelwahl zu rechnen. Die Elektronenbehandlung ist ein wirkungsvolles Verfahren gegen am Saatkorn haftende Krankheiten, jedoch in der Gerste und allgemein in Spätsaaten weniger gut geeignet.

Eigenkontrolle ergänzt vorgeschriebene Tierkontrollen

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Mutterkühe verwerten für uns Menschen nicht essbare Biomasse und können dazu beitragen, dass artenreiches und wertvolles Grünland nachhaltig erhalten und wirtschaftlich genutzt werden kann. Durch die hohe Anpassungsfähigkeit an Umwelt, Witterung und ihre außerordentliche Raufuttereffizienz gelten Mutterkühe als besonders robust. Tierhalter sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine systematische und kontinuierliche Kontrolle der Tiere und ihrer Haltungsumwelt zu gewährleisten.

Die betriebliche Eigenkontrolle ist verpflichtend. Im Tierschutzgesetz (TierSchG) § 11 Absatz 8 sind die Grundlagen der Bestimmungen verankert. Die Eigenkontrolle soll die vorgeschriebenen täglichen Tierkontrollen ergänzen. Sie bietet die Chance, die polarisierende gesellschaftliche Diskussion über das Tierwohl in der Nutztierhaltung sachlich zu bereichern – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Mutterkuhhaltung in der Bevölkerung bereits ein hohes gesellschaftliches Ansehen genießt.

Welche Ansprüche an die tiergerechte Mutterkuhhaltung erfüllt werden müssen und anhand welcher relevanten Indikatoren das Tierwohl einzuschätzen ist, soll in den folgenden Abschnitten erläutert werden. Grundsätzlich wird hierbei zwischen tierbezogenen Indikatoren, zum Beispiel Körperkondition und Bewegungsbild, und managementbezogenen Indikatoren wie Tränkemanagement und Gesundheitsmonitoring unterschieden.

Tierbezogene Indikatoren

Abhängig von der Rinderrasse, dem Betriebsstandort und weiteren individuellen Gegebenheiten helfen tierbezogene Indikatoren bei der Beurteilung der Herdengesundheit und Leistungsbereitschaft.

Hinteransicht einer Mutterkuh vier Wochen nach der Kalbung: 1 Hüftbeinhöcker, 2 Sitzbeinhöcker, 3 Querfortsätze, 4 Dornfortsätze

Körperkondition

Insbesondere bei einer ganzjährigen Weidehaltung muss die Energieversorgung der Tiere sichergestellt werden. Die Betrachtung der Körperkondition in Abhängigkeit vom Alter und dem Leistungsstatus der Tiere gibt oft verlässliche Rückschlüsse auf ihre Versorgung. Die Beurteilung der Körperkondition sollte grundsätzlich zu festen Zeiten stattfinden. So kann eine Einordnung beispielsweise zum Zeitpunkt des Absetzens der Kälber, zur Besamung und zur Kalbung stattfinden. Sind die Tiere zur Kalbesaison überkonditioniert, können Probleme im Kalbeverlauf die Folge sein. Zum Zeitpunkt des Absetzens der Kälber sollte der Körpersubstanzverlust, der nach dem Kalben eingetreten ist, wieder ausgeglichen sein. Die Benotung der Körperkondition (nach Richards et al., 1986) erstreckt sich über fünf Noten von 1 = stark unterernährt bis zu 5 = stark überfüttert. Bei den meisten Mutterkühen schwanken die Körperkonditionsnoten im Verlauf des Jahres zwischen 2,5 und 3,5.

Die Konditionsbeurteilung wird am Hüftbeinhöcker, Sitzbeinhöcker, an den Querfortsätzen der Lendenwirbel, am Schwanzansatz und an den Rippen visuell oder manuell tastend vorgenommen. Zur Beurteilung der tagesaktuellen Futteraufnahme dient die Pansenfüllung als aussagekräftiger Indikator.

Bewegungsapparat

Jedes einzelne Tier sollte seitlich im Gang beobachtet werden. Die Dokumentation der Beurteilung richtet sich nach dem Locomotion Scoring nach Sprecher et al. (1997) und wird ebenfalls mit fünf Noten bewertet.

Eine lahmfreie Kuh mit der Bewegungsnote 1 hat einen flüssigen, raumgreifenden Schritt, einen geraden Rücken und einen erhobenen Kopf.

Mittelgradig lahm ist das Tier mit der Bewegungsnote 4. Es hat einen gekrümmten Rücken und eine deutlich verkürzte und unregelmäßige Schrittlänge. Es zeigt außerdem eine deutliche Schonung einer oder mehrerer Gliedmaßen und ein Kopfnicken.

Dokumentation schlägt Intuition

Eine regelmäßige Dokumentation tierbezogener Indikatoren schlägt die rein intuitive Wahrnehmung, weil sie Bauchgefühl in messbare Fakten verwandelt. Eine schriftliche Erfassung macht schleichende Veränderungen im Bestand frühzeitig sichtbar. Sie dient im Management als verlässliche Entscheidungsgrundlage, sichert die Objektivität und ermöglicht eine präzise Erfolgskontrolle von Maßnahmen wie einem veränderten Weidemanagement oder einer Änderung der Klauenpflegeroutine.

Hitzestress bei Mutterkühen

Während extremer Hitzeperioden zeigen die Tiere Verhaltensweisen, die als Indikatoren Rückschlüsse auf das Anpassungsvermögen möglich machen. An sehr heißen Tagen sollte eine visuelle Bewertung der Atmungsfrequenz erfolgen. Diese kann mithilfe des Panting-Scores (Score 0-4,5; nach Mader et al., 2016) eingeordnet werden. Bei einer Atemfrequenz von unter 60 Atemzügen pro Minute (Score 0) besteht kein Hitzestress und somit kein gesonderter Handlungsbedarf. Bei 90 bis 120 Atemzügen pro Minute mit zusätzlichem Speichelfluss und gelegentlicher Maulatmung (Score 2,5) sollte zusätzlich kühles Trinkwasser angeboten werden.

Kältestress bei Mutterkühen

Im Winter dient das Haarkleid als Indikator dafür, wie gut oder weniger gut sich die Tiere an sinkende Temperaturen anpassen können. Die Beurteilung sollte zu Beginn des Winters im November stattfinden. Das Winterhaarkleid sollte bei 60 % der Herde auf einem überwiegenden oder vollständigen Anteil des Körpers ausgebildet sein.

Vorgaben beim Witterungsschutz

Die rechtliche Grundlage in der Mutterkuhhaltung bildet die Tierschutznutztierverordung. Bezüglich des Witterungsschutzes für Mutterkühe werden im Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT, Merkblatt 85, 2006) Empfehlungen ausgesprochen, die jedoch nicht rechtlich bindend sind.

Managementbezogene Indikatoren

Managementbezogene Indikatoren beschreiben alle vom Tierhalter gesteuerten Maßnahmen, Kontrollen sowie Dokumentationspflichten, die die Herdengesundheit sichern. Sie ergeben sich im Gegensatz zu tierbezogenen Merkmalen aus den betrieblichen Abläufen.

Wasserverfügbarkeit (Dokumentation und Kontrolle):

festgelegte tägliche Kontroll- und Reinigungsintervalle der Tränken auf der Weide

Managementprotokoll zur Messung der Durchflussrate (mindestens 10-15 l/min in Trogtränken), um Engpässe bei Hitze zu verhindern

Futterverfügbarkeit (Weide- und Rationsmanagement):

Frequenz der systematischen Beurteilung des Ernährungszustandes (Body-Condition-Score – BCS) in kritischen Phasen wie Absetzen oder Abkalbung, um Unterversorgung frühzeitig auszugleichen

vorausschauende Weideplanung (Besatzdichte und Rotationsintervalle), die eine Mindestaufwuchshöhe des Grases garantiert

Schatten (Hitzeschutzmanagement):

Erstellung eines Hitzestress-Notfallplans, der festlegt, ab welchem Temperatur-Feuchtigkeits-Index (THI) zusätzliche Beschattungsflächen oder der Zugang zu Waldstücken bereitgestellt werden müssen

dokumentierte Prüfung der nutzbaren Schattenfläche pro Tier im Hochsommer (Richtwert: zirka 3 bis 4 m² Schattenplatz pro Kuh)

Kälteschutz (Witterungs- und Kälte­management):

festgelegtes Kontrollschema für Windschutzwände und die Trockenheit der Liegeflächen (Einstreumanagement) bei der ganzjährigen Außenhaltung im Winter

Fazit

Mutterkühe leisten durch ihre Robustheit und Raufuttereffizienz einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Pflege und Nutzung von Grünland. Zur Erhaltung der Tiergesundheit müssen gesetzliche Vorgaben zur Eigenkontrolle (§ 11 Absatz 8 TierSchG) erfüllt werden. Eine systematische Überwachung des Tierwohls ist dabei unerlässlich. Die Beurteilung erfolgt über eine Kombination aus management- und tierbezogenen Indikatoren – wie die Körperkondition –, die stets im Kontext der jeweiligen Rasse und der betriebsindividuellen Standortbedingungen betrachtet werden müssen.