Anfang März besuchten fünf junge Schweden die Lehranstalt für Forstwirtschaft in Bad Segeberg, um die deutsche Forstwirtschaft kennenzulernen und praktische Erfahrungen – insbesondere in der Starkholzernte – zu sammeln.
Drei Wochen lang arbeiteten sie gemeinsam mit den Forstwirtauszubildenden, lebten im Internat und nahmen an einem vielseitigen Programm aus Unterricht, Exkursionen und Praxis teil. Neben fachlichem Wissen entstanden dabei auch zahlreiche persönliche Kontakte und Freundschaften.
Austausch mit langer Tradition
Der Austausch mit schwedischen Forstschulen hat an der Lehranstalt eine lange Tradition. Seit Anfang der 2000er Jahre reisen jährlich Auszubildende aus Bad Segeberg nach Schweden, um dort unter anderem an Maschinenführerlehrgängen teilzunehmen und Land sowie Leute kennenzulernen. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist dies eine besondere Möglichkeit, die nicht allen offensteht. Aktuell besteht eine enge Partnerschaft mit der Naturbruksskolan in Svenljunga. Seit 2018 kommen im Gegenzug auch regelmäßig schwedische Schüler nach Deutschland. Der Austausch ist inzwischen etabliert und wird finanziell durch das Erasmus-Programm unterstützt. Lediglich in den Pandemiejahren musste der Austausch pausieren. In diesem Jahr wurden die schwedischen Gäste von zwei Lehrerinnen begleitet, die nach kurzer Zeit wieder abreisten. Zuvor nutzten sie die Gelegenheit, den Unterricht zu begleiten und selbst eine englischsprachige Unterrichtseinheit für die deutschen Auszubildenden zu gestalten. Für beide Seiten war dies eine besondere Herausforderung, da ausschließlich auf Englisch kommuniziert wurde. Am Ende zeigte sich, dass die Verständigung besser gelang als zunächst angenommen und dass es vor allem Mut braucht, eine Fremdsprache aktiv zu nutzen.
Einblicke in die Waldbewirtschaftung und Praxis
Der Austausch begann mit einer Einführung in die Arbeit der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer sowie einer gemeinsamen Stadtrallye durch Bad Segeberg. In gemischten Gruppen wurden Aufgaben und Rätsel gelöst, nachdem die Teilnehmenden an verschiedenen Punkten der Stadt gestartet waren. Neben Teamarbeit stand dabei vor allem die sprachliche Verständigung im Vordergrund.
Ein zentraler Bestandteil des Programms waren fachliche Exkursionen. So erhielten die Gäste in einem größeren Privatforstbetrieb einen vertieften Einblick in die deutsche Waldbewirtschaftung. Dabei wurden grundlegende Unterschiede zur schwedischen Praxis deutlich: Während dort häufig die produzierte Holzmenge im Vordergrund steht, legt man in Deutschland großen Wert auf die Qualität und Wertentwicklung einzelner Bäume. Entsprechend investieren Forstbetriebe viel Zeit und Pflege in hochwertige Einzelstämme. Dieser Ansatz war für die schwedischen Gäste zunächst ungewohnt.
Ein Besuch des Submissionsplatzes in Daldorf rundete diesen Eindruck ab. Die dort erzielten Spitzenpreise von teilweise über 10.000 € für einzelne Stämme verdeutlichten die wirtschaftliche Bedeutung hochwertiger Holzqualitäten.
Weitere Stationen führten unter anderem ins Kloster Preetz, wo die Bewirtschaftung laubholzdominierter Bestände sowie die Pflege von Jungbeständen im Fokus standen. Gleichzeitig bot sich hier die Gelegenheit, das duale Ausbildungssystem in Deutschland kennenzulernen, das sich deutlich von der stärker schulisch organisierten Ausbildung in Schweden unterscheidet. Ergänzt wurde das Programm durch Einblicke in den forstlichen Wegebau und die Bedeutung einer guten Erschließung für alle Phasen der Waldbewirtschaftung.
Verarbeitung, Technik und Exkursion
Auch die Verarbeitung des Rohstoffs Holz wurde thematisiert: Ein regionales Sägewerk, das vor allem hochwertige Eichenstämme aus einem Umkreis von rund 200 km verarbeitet, zeigte die Weiterverarbeitung und Vermarktung des Holzes. Die Produkte gehen überwiegend an Fußbodenhersteller in ganz Europa. Zudem wurde deutlich, wie wichtig Nebenprodukte wie Hackschnitzel für die Energiegewinnung, insbesondere für den Export nach Dänemark sind.
Ein weiterer Programmpunkt war der Einsatz eines Seilschleppers in der Lang- und Starkholzernte. Diese Technik ist in Schweden kaum verbreitet, da dort überwiegend mit Harvester und Forwarder im Kurzholzverfahren gearbeitet wird. Umgekehrt sorgte auch ein speziell für die Starkholzernte ausgerüsteter Harvester für großes Interesse. Trotz bekannter Technik zeigte sich, dass Anpassungen an größere Stammdimensionen und vielfältigere Bestände neue Anforderungen mit sich bringen.
Einen bleibenden Eindruck hinterließ zudem eine Exkursion in den Harz. Die Folgen der Trockenzeiten und der massiven Borkenkäferkalamitäten der vergangenen Jahre waren für die schwedischen Gäste deutlich sichtbar: großflächig abgestorbene Wälder und weit reichende Kahlflächen. Angesichts ähnlicher Herausforderungen durch den Klimawandel auch in Schweden wurde diese Erfahrung besonders intensiv wahrgenommen.
Praxis, Abschluss und Ausblick
Neben dem fachlichen Programm kam auch das gemeinsame Erleben nicht zu kurz. Ob beim Sportunterricht, beim Bouldern in Lübeck oder während eines Aufenthalts im Harz, die Zeit wurde intensiv genutzt. Aktionen wie eine nächtliche Brocken-Besteigung oder ein winterliches Bad in einem teilweise zugefrorenen Bergsee werden den Beteiligten sicherlich lange in Erinnerung bleiben.
Dass der Austausch nicht nur aus Zuschauen bestand, zeigte sich in den praktischen Arbeitsphasen: Zwei Wochen lang arbeiteten die schwedischen Gäste gemeinsam mit den deutschen Auszubildenden in den Wäldern rund um Bad Segeberg. Neben der Starkholzernte standen dabei weitere forstliche Tätigkeiten auf dem Programm.
Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Grillabend an der Lehranstalt. Anschließend traten die schwedischen Gäste ihre Rückreise per Fähre von Kiel nach Göteborg an. Der Gegenbesuch der deutschen Auszubildenden begann bereits zu Ostern und wird mit einer kleineren Gruppe bis Ende Mai fortgesetzt.
Der deutsch-schwedische Austausch bleibt damit ein fester und wertvoller Bestandteil der forstlichen Ausbildung. Er verbindet fachliche Qualifizierung mit praktischen Erfahrungen und internationalem Austausch.




