Sie werden bei Login in den Shop auch automatisch auf der Bauernblatt-Website eingeloggt und können sich dann zukünftig mit dem gleichen Passwort auf beiden Websites anmelden.
Kurz nach dem Veredlungstag des Deutschen Bauernverbandes in der vorigen Woche stürzte der Vereinigungspreis für Schlachtschweine um weitere 8 ct ab. Nichts zeigt die Ohnmacht der Schweinehalter deutlicher. Es regieren andere Kräfte: Afrikanische Schweinepest, China, hohe Energiepreise und eine Politik, die zu viel diskutiert und zu wenig bewegt. Was Schweinehalter besonders ärgert: Der heimische Markt wird gelenkt von Macht und Meinung. Lebensmittelhandel und Tierrechtler sägen am Ast von „5 mal D“. Und der Gastrobereich ist unsichtbar.
Was kann helfen? Fünf junge Landwirte aus Schleswig-Holstein zeigen Zukunftsmut. Sie wollen in höhere Haltungsformen investieren und ihre Betriebe diversifizieren. Sie fordern aber europaweit gleiche Standards, „5 mal D“ in den Regalen, weniger Bürokratie-Sand im Getriebe und längerfristige Abnahmeverträge. Auch wenn Schweinehalter jahrzehntelang mit der Unabhängigkeit von nachgelagerten Stufen gut gefahren sind, scheint es an der Zeit, gemeinsame Schritte zu gehen. Natürlich ist auch dies ein zweischneidiges Schwert: Während die Integratoren in Spanien für relativ stabile Preise sorgen, findet sich Dänemark seit Jahren immer wieder am unteren Preisende.
Dennoch sollte man sich mit Preismodellen beschäftigen, wie sie der niederländische Ökonom Gé Backus am Veredelungstag und Clemens Tönnies auf der Mitgliederversammlung des Netzwerkes Sauenhaltung vorgestellt haben. Tönnies machte lediglich einen Vorschlag; in den Niederlanden wird bereits gehandelt. Führende Supermarktketten garantieren einen im voraus festgelegten Preis für 50 % der Produktion, orientiert an den Erzeugungskosten. Anpassungen erfolgen lediglich auf Basis der Futtermittelpreise und des technischen Fortschritts. Die Berechnung erfolgt durch eine unabhängige Partei. Der Fokus liegt auf der Wertschöpfung für alle Marktteilnehmer.
Der niederländische Erfolg basiert auf Vertrauen, und das muss sich der deutsche Lebensmitteleinzelhandel erst erarbeiten. Allein Rewe fährt derzeit mit dem Dreiparteienvertrag ein nennenswertes und Vertrauen förderndes Programm für höhere Haltungsstufen in Schleswig-Holstein. Edeka hat sich deutlich zurückgezogen, die Discounter versprechen, etwas zu tun – irgendwann und ja nicht zu teuer.
85 % der Verbraucher orientieren sich am eigenen Haushaltsbudget, was verständlich ist. Nachhaltigkeit steht nur bei 15 % hoch im Kurs. Doch auch diese 15 % sollten unbedingt deutsche Produkte kaufen. Basis aller Überlegungen ist das Bekenntnis zu „5 mal D“, zur deutschen Erzeugung. Das ist auch der Wunsch der fünf Schweinehalter, die immer noch auf dieses Tier setzen.
Am Ende aber regiert der Markt. Die wichtigste Frage lautet deshalb: Warum soll der Verbraucher deutsches Schweinefleisch kaufen statt spanisches? Die Kosten sind es nicht. Ist es das Tierwohl? Die Regionalität? Das Thema Ernährungssicherheit? Der Geschmack? Nur wer diese Frage überzeugend beantwortet, schafft auch das „sechste D“: gekauft in Deutschland.
Worauf es beim Auf-den-Stock-Setzen heute ankommt und wie die Knickpflege der Zukunft aussehen könnte, erfuhren knapp 100 Gäste beim Aktionstag Knick in der vergangenen Woche in Groß Wittensee. Eingeladen hatten der Kreisbauernverband (KBV) Rendsburg-Eckernförde, der Landesverband der Lohnunternehmer und der Naturpark Hüttener Berge im Rahmen des Projektes „Knickwert“. Ein erstmalig vorgestelltes Modellvorhaben sorgte dabei für Aufsehen.
„Wir wollen diejenigen, die mit Knicks zu tun haben, zusammenbringen und gegenseitiges Verständnis für die verschiedenen Belange fördern“, erklärte Detlef Kroll, Vorsitzender des Naturparks Hüttener Berge. Eckhard Clausen, Vorsitzender des KBV Rendsburg-Eckernförde, unterstrich: „Wir müssen weiter ins Gespräch kommen und das Thema Knick von allen Seiten beleuchten.“ Als Eigentümer der Knicks hätten die Landwirte im schlimmsten Fall die Konsequenzen zu tragen, wenn etwas falsch gemacht werde. Rahmenbedingungen gemeinsam weiterzuentwickeln und nicht „missmutig“ auf die anderen Interessen zu blicken, müsse das Ziel sein. Die große Resonanz zum Aktionstag Knick belege laut Niels Schäfer, Geschäftsführer des Landesverbandes der Lohnunternehmer, das Interesse an der Knickpflege, zeige aber auch, „dass wir Themen haben, über die wir sprechen und diskutieren müssen“.
Die Greifersäge am Bagger erspart im Idealfall das manuelle Nachschneiden mit der Motorsäge. Foto: jh
Wann ist der Knick ein Knick?
Was einen Knick überhaupt zum Knick macht und durch welche rechtlichen Rahmenbedingungen er als Biotop gesetzlich geschützt ist, stellte Martin Eggeling aus dem Kieler Umweltministerium heraus. Der Referatsleiter erläuterte, wann sich ein Verstoß als Ordnungswidrigkeit oder als Sanktion auf die landwirtschaftlichen Prämien auswirken kann. Jede Beeinträchtigung des Knicks in seiner Funktion beziehungsweise seinem Bestand sei sanktionsbewehrt, wenn sie nicht erlaubt oder genehmigt worden sei. „Als Biotop gilt der Knick dann, wenn er da ist – auch wenn er noch nicht im Biotopverzeichnis aufgeführt ist“, erklärte Eggeling. Für Maßnahmen zur Pflege des Knicks bestehe keine grundsätzliche Verpflichtung, so der Referatsleiter, der das richtige Überhältermanagement, die zulässigen Maßnahmen zur Pflege von Knickwallflanke und Schutzstreifen am Acker sowie zum seitlichen Rückschnitt darstellte. Ein Auge müsse immer auf den besonderen Artenschutz geworfen werden, der das ganze Jahr gelte, sodass auch innerhalb der erlaubten Fristen Handlungen der Knickpflege gegebenenfalls nicht erlaubt seien.
Mit einer rotierenden Astsäge am Ausleger werden effektiv Hecken an Wegen und Straßen geschnitten. Foto: jh
Beratung schützt vor rechtswidrigem Handeln
Einen Überblick über die Schwerpunkte „Beratung“, „Prüfung“ und „Kontrollen“ bei Knickpflege, -beseitigung oder -neuanlage gab Kristina Achilles, Leiterin der Fachgruppe Naturschutz in der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Im Themenfeld Knick herrsche „viel Unsicherheit“, aber „Beratung schützt vor rechtswidrigem Handeln“, schilderte Achilles und appellierte: „Rufen Sie an, wenn Sie Fragen haben. Dann können wir entsprechend beraten, sodass es gar nicht erst zu rechtswidrigem Handeln kommt.“ Beraten werden könne am besten vor Ort am Knick, vereinzelt gehe dies auch mit Fotos oder Lageplänen. „Das Fällen von Bäumen mit einem Stammumfang von mehr als 2 m in 1 m Höhe ist einer der häufigeren Verstöße, die wir feststellen“, so Achilles, die zum Überhältermanagement auf das Knickschutz-Merkblatt des Kreises verwies.
Bei Verstößen gehe es auch um die Frage der Konditionalitätsrelevanz. „Unsere gesetzliche Grundlage ist das Naturschutzrecht, nicht das Prämienrecht“, erklärte Achilles. „Knick ist nicht gleich Knick, der genaue Blick lohnt sich“, betonte sie und plädierte, den Mehrwert des für Schleswig-Holstein typischen Landschaftselementes Knick zu sehen, anstatt ihn als Hindernis zu betrachten.
Detlef Kroll, Vorsitzender des Naturparks Hüttener Berge Foto: jhEckhard Clausen, Vorsitzender des KBV Rendsburg-Eckernförde Foto: jhFrederike Böttger, Referentin für Umwelt, Naturschutz und Strukturpolitik des Bauernverbandes Schleswig-Holstein Foto: jhMartin Eggeling, Referatsleiter im Kieler Umweltministerium Foto: jhKristina Achilles, Leiterin der Fachgruppe Naturschutz in der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde Foto: jhNiels Schäfer, Geschäftsführer des Landesverbands der Lohnunternehmer Foto: jhAndreas Oeding, Projektmanager des Knickwert-Projektes Foto: jh
Bauernverband fordert Augenmaß
Ob die Theorie zur Praxis passe, fragte Frederike Böttger, Referentin für Umwelt, Naturschutz und Strukturpolitik des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH). Einig sei man sich über die naturschutzfachliche und kulturhistorische Bedeutung der rund 60.000 km Knicks in Schleswig-Holstein. Wie die Knickpflegevorschriften etwa zum seitlichen Rückschnitt alle drei Jahre umgesetzt werden könnten, müsse jeder Betrieb mit Blick auf Fruchtfolge oder Brachestreifen einzeln für sich prüfen. „Als Bauernverband setzen wir uns weiter dafür ein, dass das Vorziehen der Frist für den Rückschnitt nach der Ernte möglich wird, da dies aus praktikabler Sicht am einfachsten umzusetzen ist und die größte Flexibilität für den Betrieb bringt“, erklärte Böttger.
Zum Überhältermanagement habe sich in der Beratung gezeigt, dass viele ein anderes Verständnis davon hätten, was ein Überhälter sei. „32 cm Durchmesser ist kein sehr großer Baum – ab da gilt er bereits als Überhälter“, mahnte Böttger. Unter Verweis auf den Schutz von Überhältern mit einem Stammumfang von mehr als 2 m warf die BVSH-Referentin die Frage auf, ob es sich dann noch um einen Knick handle und ob auf lange Sicht dann nicht nur noch diese Bäume stehen blieben. Fraglich sei, wie das Zielbiotop aussehen solle und ob nicht eine Änderung oder Flexibilisierung notwendig sei. Zur Zusammenrechnung mehrstämmiger Bäume als Überhälter erklärte Böttger, dass nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts Schleswig aus dem Mai der einzelne Stämmling dem geforderten Durchmesser entsprechen müsse und nicht zusammengerechnet werden dürfe. Dieses Urteil befinde sich derzeit in der Revision. Nach Auffassung des BVSH sei diese Regelung damit nicht haltbar und müsse zurückgenommen werden.
Böttger blickte auch auf die Gehilfenhaftung innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2023, nach der grundsätzlich der Prämienantragsteller bei Verstößen haftet und es unerheblich ist, wer den Verstoß begangen hat. Ihr Rat: Mitarbeiter, Lohnunternehmen oder Holzwerber sollten am Knick eingewiesen und nötigenfalls mit einem Handzettel versorgt werden. Böttgers Fazit mit Blick auf Knickpflege und Konditionalität lautete: „Im Zweifel lieber, auch bei der Unteren Naturschutzbehörde, nachfragen, statt teure Verstöße zu begehen.“ Bei einem Verstoß lohne sich laut Böttger die Einzelfallbetrachtung und rechtliche Beratung durch den jeweiligen Kreisbauernverband.
Knicks als Motor regionaler Wertschöpfung
Andreas Oeding, Projektmanager des „Knickwert“-Projekts, stellte die Vision des Vereins für eine Neustrukturierung der Knickpflege in Schleswig-Holstein vor. Die Idee „Systematische Knickpflege durch Refinanzierung für Landwirte“ solle das derzeit noch „ungesteuerte, individuelle Knicken“ ablösen und für alle eine Systematik bieten. „Der Knick ist heute sehr durchreguliert“, so Oeding, und bedeute nicht selten finanzielle Mehrbelastung oder maximal Kostenneutralität. Um eine nicht fachgerechte Knickpflege oder Prämienkürzungen zu vermeiden, sieht das Modellprojekt das zentrale Element eines Knickmanagements vor, bei dem etwa Knickpflegearbeiten durch einen Pool geschulter und zertifizierter Lohnunternehmen durchgeführt werden. Die Landwirte sollen laut Oeding eine Provision für das Auf-den-Stock-Setzen und für den Verkauf der Holzhackschnitzel erhalten. Nach Abschluss der Maßnahmen erfolge eine Kontrolle durch das Knickmanagement.
Vorteile seien eine direkte Wertschöpfung durch prozentuale Gewinnbeteiligung und die Senkung des Risikos einer Prämienkürzung. Für die Lohnunternehmen ergäben sich Oeding zufolge dauerhafte und langfristige (Folge-)Aufträge, die durch das Knickmanagement zwischen Landwirt und Lohnunternehmer vermittelt würden. Zudem könne ein naturschutzfachlicher Standard gehalten, die Dekarbonisierung durch Nutzen von Biomasse vorangetrieben und in der Regionalwitschaft damit Geld verdient werden. Für Oeding geht es vor allem um Systematik: „Wir können nicht alle Probleme der Knickpflege damit lösen, aber einen großen Teil.“
Vor allem zum Überhältermanagement und dem richtigen Umgang mit dem Knickschutzstreifen gab es reichlich Gesprächsbedarf. Foto: jh
In der anschließenden Fragerunde gingen die Meinungen zum Modellprojekt auseinander: So wurde etwa vor zusätzlicher Bürokratie gewarnt, auf der anderen Seite aber auch auf das Potenzial der regionalen Nutzung von Biomasse zur Defossilisierung hingewiesen, beispielsweise als Substituierung von Erdgas in der Industrie oder aber als Pflanzenkohle auf dem Acker.
Knickbotschafter Heiner Staggen: Modellprojekt mit Potenzial
„Das Projekt ist eine Möglichkeit, als Modellregion Landwirte, Lohnunternehmen und Naturschutz zu bündeln und eine Verwertung aus dem Knickholz zu bekommen mit der Chance, für die Zukunft Großes anzufangen“, zeigte sich Schleswig-Holsteins Knickbotschafter Heiner Staggen überzeugt.
Knickbotschafter Heiner Staggen Foto: jh
Das große Potenzial des hiesigen Knickholzes gehe teilweise nach Dänemark, „obwohl wir die Energie hier viel besser gebrauchen und nutzen könnten“, so Staggen. Eine systematische Pflege in einem richtigen Turnus sorge dafür, dass Knicks „besser nachwachsen und eher wiederkommen und neues Holz bilden“. Denke man dies in einem Turnus für die nächsten Jahre weiter, wären alle Knicks, die Teil des Projektes seien, einmal gepflegt, bevor der Lauf von Neuem starte. „Egal ob Flächen verkauft oder verpachtet werden: Der Knick bleibt und die Nutzung auch“, betonte Staggen. Wenn jemand die Hackschnitzel auf dem eigenen Betrieb nutzen wolle, sei auch dies natürlich möglich.
Mehrere Lohnunternehmen könnten sich laut Staggen eine Teilnahme vorstellen. Zwar müssten sie einen Teil der Einnahmen abgeben, doch hätten sie eine andere Arbeitsauslastung und Auftragslage über Jahre hinaus. Mit dem Knickmanagement werde den Landwirten ein Teil der Arbeit abgenommen. Zudem lasse das Projekt heimische Wertschöpfung in der Region, hob Staggen hervor.
Die Schleswig-Holsteinische Laub- und Nadelwertholzsubmission findet zusammen mit den Holzmengen des Landeswaldes am Dienstag, 16. Februar 2027, (Gebotsabgabe) beziehungsweise Donnerstag, 18. Februar 2027, (Ergebnisbekanntgabe) im ErlebnisWald Trappenkamp (Daldorf) statt. Am gleichen Termin werden die Kreisforsten Lauenburg ihre Submission auf dem Lagerplatz in Lanken ausrichten. Die Holzagentur (HOAG) erwartet ein gutes Ergebnis und gibt nachfolgend die Konditionen bekannt.
Das Holz wird in Daldorf gegen gesonderte Gebühr durch HOAG-Mitarbeiter permanent schneefrei gehalten. Ab 16. Januar 2027 werden Lose eingeteilt. Die Taxierung der Hölzer (Lose) ist für die Kalenderwoche 4 geplant. Nach der Taxierung erhalten die Lieferanten-Forsten ihr Losverzeichnis mit den Taxierwerten. Das Öffnen der Gebote im Verwaltungsgebäude des ErlebnisWaldes Trappenkamp erfolgt schließlich am 16. Februar 2027 ab 9 Uhr.
Am 18. Februar 2027 wird es spannend
Die Ergebnisbekanntgabe schließlich ist durch Auslegen der geprüften Ergebnislisten und Interpretation der Daten im Verwaltungsgebäude des ErlebnisWaldes Trappenkamp am Mittwoch, 18. Februar 2027, um 15 Uhr. Im Anschluss ist für die nicht bebotenen beziehungsweise nicht zugeschlagenen Lose ein Nachverkauf möglich.
Die Nutzungsgebühren für den Lagerplatz inklusive der Betreuung der Anlieferung, des Kostenbeitrags für das von der HOAG durchgeführte Schneefegen sowie die Verkaufsgebühren können bei der HOAG per E-Mail unter info@hoag.de oder unter Tel.: 0 45 51-88 20 88 erfragt werden.
Zwischen dem 15. Januar und 11. März 2027 bleiben aus Sicherheitsgründen die mit Zahlenschloss gesicherten Schranken geschlossen.
Welche Hölzer sollten angeliefert werden?
Qualität vor Masse: Eiche ist in guter Qualität sehr gefragt und erzielt laut Dr. Manfred Quer, dem Geschäftsführer der Holzagentur GmbH, gute bis sehr gute Preise. Insbesondere starkes Holz wird preisstabil nachgefragt. Sehr gute Aussichten bestehen für furnierhaltige Hölzer, gute Aussichten für B-Sägeholz ohne anhängendes C und für starkes B/C-Holz der Stärkeklasse 5+ in Dielenqualität. Für mittelstarkes A/B-Holz (harte Aushaltung) der Stärkeklasse 4 werden kleine, homogene Sammellose in fallenden Längen (qualitätsoptimiert) empfohlen. Auch hierfür werden gute Aussichten prognostiziert. Immer wieder gut gefragt sind Rosen-, Ast- beziehungsweise Wildeichen der Stärkeklasse 5+.
Esche wird nach der Prognose bei dimensionsstarken, geraden Stämmen ab Stärkeklasse 5+ einen sehr guten Preis erzielen. Normales B-Sägeholz sollte auch in diesem Jahr eher für den Freihandverkauf vorgesehen werden.
Andere Laubholzarten sind bei hochwertigster Güte und Dimension erwünscht (Nussbaum, Roteiche, Bergahorn, Kirsche).
Auch Besonderheiten wie Riegelesche, Riegelbergahorn, Ulme, Nussbaum, Esskastanie, Maserhölzer und so weiter sollten immer angeboten werden. Diese Stämme haben oft schon die besten Erlöse der Wertholzsubmission gebracht. Buche, Erle und Spitzahorn sowie Hainbuche und Birke hingegen sollte nicht geliefert werden.
Wie schon im vorigen Jahr wurden auch hochwertige Nadelhölzer erfolgreich submittiert. Furnierfähige, gut gezopfte Lärchen- und Douglasienblöcke ab Stärkeklasse 6+ sowie gerades A/B-Sägeholz (ohne anhängendes C) ab Stärkeklasse 5+ sollten gesondert geliefert werden. Kein Kiefernstammholz liefern. Besondere Holzarten wie Mammutbaum und Ähnliches sind willkommen.
Grundsätzlich bitte kein Käferholz (insbesondere Eichenkernkäfer), trockenes Holz oder Holz mit Metall liefern.
Fazit
Die HOAG erwartet bei geringerem Gesamtholzangebot ähnlich gute Ergebnisse wie in den Vorjahren. Eiche ist die erlösstärkste Holzart. Für hochwertigste Esche sind die Aussichten gut. Auch Besonderheiten sind gefragt. Lärchen und Douglasien sind sehr erfolgversprechend.
Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen (OV). Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände und der OV Lübeck vorgestellt – heute: der KLFV Pinneberg.
Junge LandFrauen nähen Herzkissen für Brustkrebs-Patientinnen.
Fotos: KLFV
Auf die Aktion „Tischlein deck dich“ ist die KLFV-Vorsitzende Ulrike Kühl besonders stolz: Woher kommt das, was wir täglich essen? Was liefert die Kuh, das Huhn? Wie wird Getreide zu Mehl und dann zu Brot? Einmal im Jahr organisiert der Kreisbauernverband die Aktion auf dem Amthof der Familie Pein in Appen, und der KLFV Pinneberg unterstützt sie. Aus den sich bewerbenden Klassen werden fünf ausgelost, die an dem Tag nacheinander Stationen auf dem Hof durchlaufen.
Auch am Tag des offenen Hofes am 14. Juni nahmen die LandFrauen wieder teil. Auf dem Buchenhof in Klein Offenseth boten sie Glitzertattoos an und – besonders beliebt – das Rennen mit Siku-Minitreckern. An einer Schnur aufgerollt, laufen sie um die Wette. „Die Kinder wollen unbedingt das Modell ihrer Lieblingsmarke haben und warten sogar, bis es frei wird“, erzählt Kühl lachend. Für die Gewinner gab es Radiergummis in Bienenform. Und natürlich wurde den Gästen die Arbeit der LandFrauen dargestellt.
„Mit Rosen bedacht“
Der Kreis Pinneberg ist das Baumschulen- und Rosenland in Schleswig-Holstein. 2021 hat der Zuchtbetrieb Tantau die ,LandFrauen-Rose‘ kreiert, eine bienenfreundliche Kleinstrauchrose. Damit können sich die LandFrauen auch auf Veranstaltungen gut präsentieren. Der Gartenbotschafter John Langley hielt einen Vortrag am 3. Oktober. Besonders beliebt ist das Adventskranzbinden in der Baumschule Wrage in Ellerhoop. Etwa 30 Personen an je einem Wochenendtag machen da mit – „gelernte Floristen und solche, die das noch nie gemacht haben, ein Happening mit Glühwein“, berichtet Jasmin Wrage.
Alle zwei Jahre organisiert reihum ein Ortsverein eine Fahrt für alle Vorstandsdamen, zuletzt zur Torfbahn im Himmelmoor bei Quickborn. Besonders gern erinnert sich die zweite Kreisvorsitzende Frauke Krohn an eine Fahrt mit dem „Tidenkieker“, einem Flachwasserboot, auf der Binnenelbe in der Haseldorfer Marsch. Sie ist derzeit auch Beisitzerin im Landesvorstand. In diesem Jahr lädt der OV Pinneberg zu einer Fahrt ins Blaue ein. In den Jahren dazwischen organisiert der Kreisverband eine Aktion oder Fahrt für die Vorstände.
Organisatorisch ist der Kreisverband vorn dran. „Wir waren die Ersten, die den gemeinsamen digitalen Terminkalender für alle Ortsvereine anregten“, so Ulrike Kühl. So kann jede Nutzerin auf einen Blick sehen, was im Umfeld angeboten wird, und „Veranstaltungs-Hopping“ machen, ohne sich durch die einzelnen OV-Seiten zu scrollen. IT-LandFrau Inke Studt-Jürs hat den Kalender entwickelt (siehe BB 15/2026), die KLFV Segeberg, Plön und Steinburg haben ihn übernommen. „Wir sind die Terminkalenderpioniere“, ist Kühl stolz.
Cidre, Pferde, Wasserski
Sehr aktiv im Kreis Pinneberg sind die Jungen LandFrauen (JLF) – mit rund 100 etwa ein Zwölftel der Mitglieder überhaupt. 27 Veranstaltungen haben sie im vergangenen Jahr angeboten – mehr als zwei pro Monat! Jasmin Wrage, die auch im Kreisvorstand für die IT-Versorgung zuständig ist, berichtet: Fotokurs, Käse machen, Glasperlen blasen, Tontauben schießen, Vogelhäuser bauen mit der Kreisjägerschaft, Cidre-Herstellung, im Juni gab es eine Fahrt auf Sylt. Mindestens zwei Mal im Jahr wird ein landwirtschaftlicher oder Lohnunternehmerbetrieb besucht, dazu im März die Horster Meierei und voriges Jahr die Pferdezucht des Holsteiner Verbandes in Elmshorn. Natürlich geht es auch sportlich zu: Mit Motorbooten sausten sie bei Neuendeich über die Elbe und auf Wasserskiern in der Arena in Pinneberg zusammen mit Segeberger, Dithmarscher und Plöner Jungen LandFrauen.
Pinneberg ist der kleinste Flächenkreis im Land und zugleich der bevölkerungsreichste. Dazu passend hat der KLFV zwar nur neun Ortsvereine, in diesen aber rund 1.200 Mitglieder. Die Nähe und Konkurrenz zu Hamburg machen Ulrike Kühl keine Sorgen. „Hamburg bietet alles, was das Kulturherz braucht – aber wir bieten noch mehr: das Gemeinschaftserlebnis!“
Am internationalen Getreidemarkt wächst die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme größerer Exporte aus der Schwarzmeerregion. Nach monatelangen gegenseitigen Angriffen Russlands und der Ukraine auf Häfen, Exportterminals und Handelsschiffe zeichnet sich zumindest diplomatische Bewegung ab. Die Türkei bemüht sich um sichere Transportkorridore und verhandelt darüber mit Russland und der Ukraine. Auch die USA prüfen entsprechende Vorschläge. Die Aussicht auf eine Entspannung hat die zuvor kräftig gestiegenen Weizenpreise zuletzt wieder unter Druck gesetzt. Allerdings ist eine Rückkehr zu normalen Exportverhältnissen noch längst nicht gesichert.
G20-Beratungen wecken entsprechende Hoffnungen
Auf der Tagesordnung des G20-Außenministertreffens Ende Oktober in Atlanta stand die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer. US-Außenminister Marco Rubio berichtete von wachsendem internationalen Interesse an einer begrenzten Waffenruhe zum Schutz von Getreide- und Energietransporten. Neben der Türkei hat auch Indien entsprechende Vorschläge unterbreitet. Eine gemeinsame Abschlusserklärung oder gar eine verbindliche Vereinbarung kam allerdings nicht zustande. Russland hat inzwischen bestimmte Getreidetransporte aus eigenen Häfen am Asowschen Meer wieder zugelassen. Die zunächst bis Mitte November befristete Öffnung betrifft unter anderem die Häfen Temrjuk und Kavkaz. Von einer vollständigen Normalisierung kann dennoch keine Rede sein. Die russischen Weizenausfuhren lagen von Juli bis September um 38 % unter dem Vorjahresniveau. Auch die Ukraine kann ihre früheren Exportmengen über alternative Transportwege nicht annähernd erreichen. Eine verlässliche Einigung könnte deshalb erhebliche Getreidemengen wieder auf den Weltmarkt bringen.
Getreidepreise geben deutlich nach
Die Hoffnung auf sichere Schwarzmeertransporte hat an den Terminbörsen bereits deutliche Spuren hinterlassen. An der Pariser Euronext fiel der Dezember-Weizenkontrakt innerhalb von zwei Wochen von rund 244 auf zuletzt etwa 228 €/ t. Allein gegenüber Anfang Oktober betrug der Rückgang rund 13 €. Auch in Chicago gerieten die Weizenkurse unter Druck. Der Dezembertermin verbilligte sich zwischen dem 16. und 29. Oktober von umgerechnet knapp 216 auf rund 199 €/t. Neben den politischen Entwicklungen belasteten Gewinnmitnahmen und eine zurückhaltende internationale Nachfrage. Der Hamburger Großhandel folgte der schwächeren Entwicklung. An der Hamburger Getreidebörse sank die Notierung für B-Weizen zwischen dem 13. und 27. Oktober von 248 auf 235 €/t. Futtergerste verbilligte sich im gleichen Zeitraum von 217 auf 205 €/t. Auch hierzulande mussten die Erzeuger Preisabschläge hinnehmen. In der 44. Kalenderwoche wurden für Brotweizen durchschnittlich 211,60 €/t ermittelt. Futterweizen erzielte 196,50 und Futtergerste 175,80 €/t.
Für B-Weizen der Ernte 2027 werden inzwischen nur noch 193 bis 199 €/t geboten. Während die hiesigen Landwirte das Preishoch für die Vermarktung der diesjährigen Ernte ausgiebig genutzt haben, sind für die kommende Ernte erst vergleichsweise geringe Mengen gehandelt worden. Ein relativ gutes Vermarktungsfenster für die kommende Ernte schließt sich somit gerade wieder. Wann und ob sich solch ein Vermarktungsfenster wieder öffnet, steht in den Sternen. Denn die in Russland und der Ukraine aufgestauten Getreidemengen werden über kurz oder lang ihren Weg in den Markt finden, ihn dann vielleicht sogar überschwemmen – mit entsprechenden Folgen für den Erzeugerpreis.
Wie Nährstoffeinträge in die Ostsee nachhaltig reduziert werden können und welche Maßnahmen besonders wirksam sind, war Thema der Fachtagung zum Aktionsplan Ostseeschutz, zu der am Montag vergangener Woche das Kieler Landwirtschaftsministerium und die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) gemeinsam nach Neumünster einluden.
„Wir wollen alle eine intakte Natur haben“, erklärte Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Für den Schutz der Ostsee hätten die fünf Ostseebeiräte bereits eine großartige Vorarbeit geleistet. Der Fokus liege dabei Freiwilligkeit und auf der Entwicklung von Maßnahmen, die betriebsindividuell passten.
Die Ministerin wies darauf hin, dass die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft seit Jahren rückläufig sind. Wissen, Technik und Engagement der Landwirte zahlten sich bereits aus. „Aber wir müssen weitere Innovationen schaffen“, appellierte sie.
Nach der Fertigstellung der Maßnahmenkataloge gelte es nun, die Maßnahmen in die Fläche zu bringen. Um die Leistungen der Landwirte sichtbar zu machen, gebe es mittlerweile die Möglichkeit, alle Maßnahmen auf der Plattform Endo-SH zu dokumentieren. Schmachtenberg erklärte: „Nur so wissen wir, was wirklich passiert, und nur so können wir die Erfolge nach außen bekannt machen.“
Gemeinsam im Einsatz für den Ostseeschutz (v. li.): Dr. Thorsten Reinsch, Moderator Dr. Lars Biernat, Johannes de Wall, Richard Bonse, Heinrich Mougin, Finja Schröder, Andreas Hobus, Achim Seidel, Dr. Peter Boysen (Vorsitzender Ostseebeirat Schlei) und Prof. Dominik Henrik Zak.
Nährstoffe halten
LKSH-Präsidentin Ute Volquardsen betonte: „Wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Ziele müssen in den Alltag der Betriebe passen.“ Die von der LKSH organisierten Praxistage hätten gezeigt, was funktioniere. Auch der Austausch untereinander sei wichtig. „Wir haben Zwischenfrüchte und Böden untersucht sowie reduzierte Bodenbearbeitung und Direktsaatverfahren vorgestellt“, schilderte Volquardsen. Die Oberfrage sei immer: Wie gelingt es, die Nährstoffe besser in der Pflanze oder im Boden zu halten? „Wir als Kammer wollen Verfahren erproben, auswerten und am Ende Empfehlungen in die Praxis geben“, beschrieb Volquardsen.
Mit der Ausweitung des Nmin-Messdienstes und dem Aufbau eines Beratungstools sollen die Landwirtinnen und Landwirte noch besser unterstützt werden. Sie zeigte sich überzeugt: „Wir können ganz viel erreichen, wenn wir Landwirtinnen und Landwirte mit auf den Weg nehmen.“
Hohe Eigenverantwortung
Heinrich Mougin, Vorsitzender des Ostseebeirats Wagrien-Fehmarn und Neustädter Bucht, unterstrich: „Wir haben in der Kürze der Zeit eine Menge erreicht und halten der hohen Erwartungshaltung stand.“ Die Zielvereinbarung Landwirtschaft und die Arbeit der Ostseebeiräte seien eine gelungene demokratische Antwort auf das drohende Ordnungsrecht. „Die Arbeit der Ostseebeiräte ist von hoher Eigenverantwortung geprägt“, unterstrich Mougin.
Richard Bonse, Vorsitzender des Ostseebeirats Eckernförder Bucht und Baltic Probstei, berichtete von verschiedenen Projekten in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel und dem Ingenieurbüro Ingus. „Wir sind für Forschung und Innovation, gegen Ordnungsrecht. Aber wir müssen alle mitmachen“, stellte er klar. Die Maßnahmen müssten dokumentiert werden. Er erwarte von Politikern, dass die oft bemühte Planungssicherheit keine Floskel bleibe. Bonse kritisierte in diesem Zusammenhang, dass im Rahmen des aufkommenden Wahlkampfs das Thema eines Nationalparks politisch wieder aufgemacht werde. „Wir wünschen uns vonseiten aller Behörden und Umwelt-NGO Offenheit und Unterstützung für die Ostseebeiräte“, so Bonse.
Pufferzonen schaffen
Prof. Dominik Henrik Zak von der Aarhus University in Dänemark stellte seine Forschung zu „Nieren in der Landschaft“ vor. Dazu zählt er beispielsweise Moorgebiete, die Wasser und Nährstoffe zurückhalten. Die meisten Moore seien jedoch für landwirtschaftliche Nutzung entwässert. Die Konsequenz sei eine zu hohe Nährstoffbelastung. Deswegen gebe es auch in dem skandinavischen Land einen Maßnahmenkatalog. Darin seien mehrere „kleine Nieren“ aufgeführt, etwa Ackerrandstreifen. Deren Wirkung sei jedoch gering, wenn die Nährstoffe durch die Drainagen in die Gewässer gelangten.
Andere Maßnahmen seien Rückhalteteiche oder „Fangbecken“ für Dränwasser. Wassergesättigte Randzonen könnten funktionieren, wenn die Bedingungen stimmten. Er nannte Rückhaltepotenziale von 30 % für Stickstoff (N) und 40 % für Phosphor (P). Am sinnvollsten seien integrierte Pufferzonen an Gewässern erster und zweiter Ordnung. Allerdings schwankten die N- und P-Konzentrationen im Bodenwasser in Abhängigkeit von Eisen- und Aluminiumgehalten sehr stark. Seine Schlussfolgerung: „Wir haben einen Koffer voller Lösungen, aber keine wirkt universell!“
Ideen und Grenzen
Dr. Thorsten Reinsch stellte für das Kieler Landwirtschaftsministerium die Zielvereinbarung Landwirtschaft im Rahmen des Aktionsplans Ostseeschutz vor. Die Nährstoffverluste sollen demnach auf den Gebieten der fünf Ostseebeiräte – rund 320.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche – bis 2035 um insgesamt 400 t N und 13 t P reduziert werden. Wichtige Werkzeuge seien dafür die landesweite Gewässerschutzberatung, die Ausweitung des Nitratmessdienstes und ein Online-Beratungstool, die bei der Wahl der passenden Maßnahmen unterstützten. Reinsch erläutere: „Nicht jede Maßnahme ist mit einer Förderung hinterlegt, aber es gibt auch eine etablierte Förderstruktur, mit der viele Maßnahmen unterstützt werden.“
In den Beiratsdiskussionen stoße man mitunter an Grenzen, aber es entstünden auch viele Ideen, die im Rahmen der Zielvereinbarung getestet werden könnten. „Die N-Überschüsse sind schon zurückgegangen und liegen derzeit bei etwa 60 kg N/ha“, berichtete der Ministeriumsvertreter. Unter anderem sei der Anbau von Zwischenfrüchten bereits stark gestiegen. Mehr Informationen zu den Ostseebeiräten im Internet: https://t1p.de/os-beiraete
Nur mit Glyphosat
Achim Seidel, Marktfruchtbau-Referent der Landwirtschaftskammer, stellte den Erkenntnisstand zu Verfahren der reduzierten Bodenbearbeitung und der Direktsaat vor. Diese könnten helfen, Nährstoffe im System zu halten. Er erklärte: „Jedes System der Bodenbearbeitung hat seine Vor- und Nachteile. Man muss gucken, was zu den Gegebenheiten vor Ort passt.“
Nach Seidels Ausführungen findet in den USA auf 37 % der Flächen Direktsaat statt, in Südamerika seien es sogar 70 %, in Deutschland allerdings weniger als 1 %. Heinrich Mougin führt dies auf die Unsicherheit zurück, ob Glyphosat über 2033 hinaus zugelassen werde, da das Totalherbizid in diesem System ein unabdingbares Werkzeug sei. Weitere Voraussetzung für eine erfolgreiche Systemumstellung ist laut Seidel die Umstellung der Fruchtfolge mit der sinnvollen Nutzung von Vorfruchteffekten und der Integration von Zwischenfrüchten. Er empfahl, das Verfahren der Direktsaat einfach einmal auszuprobieren, zum Beispiel nach Raps, wenn es viel Rest-N gebe, der bei einer Bodenbearbeitung viel stärker freigesetzt würde.
Hobus setzt auf Kleegras
Landwirt Andreas Hobus führt einen Milchvieh-Ackerbau-Betrieb in Dörphof, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Seit 2021 hat er sich im Modellprojekt Schlei engagiert. Viele seiner Flächen hätten seit diesem Zeitpunkt Kleegras gesehen, das er mittlerweile fest in seine Fruchtfolge integriert habe: In diesem Jahr wuchs es auf 50 der 226 ha Betriebsfläche.
Seinen Kühen dient die Kultur als energiereiche Futterpflanze. „Ende September 2021 waren die Kühe plötzlich wieder draußen“, schilderte Hobus, dessen Tiere vorher nicht auf die Weide kamen. In diesem Jahr seien sie 184 Tage auf der Weide gewesen. Den weiteren Energiebedarf der Milchkühe decke er mit Lieschkolbensilage, Weizen und Hafer aus eigener Erzeugung ab.
Seine N-Überschüsse hätten sich um mehr als die Hälfte reduziert, unter anderem weil er auf den Kleegrasflächen gar keinen Stickstoff einsetze. Das sei daher eine mehrfache Win-Situation. Von der Politik wünsche er sich daher eine praxisgerechte Kleegrasförderung.
Pilotflächen gesucht
Dr. Uta Ulrich von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) stellte ein Projekt zu Ackersenken und Dränteichen vor. Beide hätten „ein gutes Potenzial“, Nährstoffe zurückzuhalten. Nachdem die Literaturrecherche abgeschlossen sei, finde derzeit die Identifikation geeigneter Pilotflächen statt. Interessierte Betriebe könnten sich gern bei ihr melden (E-Mail: uulrich@hydrology.uni-kiel.de).
Untersucht würden Zu- und Abflüsse. Eine Kalkulation der Kosten für Umbau- und Unterhaltung finde ebenfalls statt. „Es muss individuell vor Ort entschieden werden, ob und in welcher Größe Dränteiche angelegt werden“, erläuterte Ulrich. Relevante Faktoren für die Wirksamkeit seien die Aufenthaltszeit des Wassers, Temperatur und Vegetation. Dränteiche benötigten in jedem Falle eine undurchlässige Schicht beziehungsweise eine Folie am Boden.
Hackschnitzel und Eisen
Finja Schröder vom Ingenieurbüro Ingus gab Einblicke in ein kurz vor dem Abschluss stehendes Gutachten zu Dränfiltern. Sie erklärte: „Drainagen sind Haupteintragsquelle für N und P in Oberflächengewässer.“
Zu den gängigsten Systemen gehörten reaktive Gräben. Diese würden mit Holzhackschnitzeln befüllt und mit einer Folie umkleidet, damit anaerobe Bedingungen herrschten. So könnten 20 bis 50 % N zurückgehalten werden, bevor das Wasser in die Vorfluter gelange. Ein P-Rückhalte-Effekt stelle sich jedoch erst im zweiten bis dritten Betriebsjahr ein. Ein anderes System nutze eisenummantelten Sand, der 23 bis 95 % des P binden könne. Probleme machten hier Verschlämmung und Verstopfung. Die Effizienz nehme außerdem mit der Zeit ab. Kombinierte Lösungen mit Hackschnitzeln und Eisensand hätten das höchste Rückhalte-Potenzial, seien bislang aber kaum erprobt. Auch die Langzeitwirkung sei unklar.
Die Vermeidungskosten beziffert Schröder mit 25 bis 213 €/kg N und 33 bis 8.500 €/kg P.
Auenfunktion nutzen
Johannes de Wall stellte ein Seen- und Auenprojekt zur Reduzierung von Nährstoffen in Gewässer vor, das im Wasser- und Bodenverband Ostholstein angesiedelt ist. Der Fokus liege auf zwölf Seen und ausgewählten existierenden Auenprojekten. Nach seinen Angaben hätten nur zwei von 62 berichtpflichtigen Seen einen guten Zustand nach EU-Wasserrahmenrichtlinie. Das belege den Handlungsbedarf. „Das Hauptproblem ist Phosphor“, so der Projektkoordinator. Er schilderte, dass es kaum naturnahen Auwald in Schleswig-Holstein gebe. Dabei dienten Intakte Auen der Retention von Nährstoffen. Deswegen sollten durch das Projekt Maßnahmen zur Verbesserung von Seen und Auen angeschoben werden. Interessierte könnten gern Kontakt aufnehmen: j.dewall@wbv-oh.de
Eine gründliche Stallreinigung entfernt Schmutz und verringert die mikrobielle Belastung vor dem nächsten Durchgang. Entscheidend sind die Vorbereitung, ein passender Reiniger und richtig eingesetzte Technik. Hoher Druck allein genügt nicht. Ebenso wichtig ist die Kontrolle von Stellen, die beim Waschen leicht übersehen werden. Der Waschtag ist erst beendet, wenn auch die schwierigen Stellen sauber sind.
Kotkrusten im Spaltenschlitz, Futterreste unter dem Trog und Beläge hinter Abtrennungen verschwinden nicht dadurch, dass die großen Flächen sauber aussehen. Organische Rückstände können Mikroorganismen enthalten und die nachfolgende Desinfektion beeinträchtigen.
Vorbereiten und einweichen
Vor der Nassreinigung wird das Abteil vollständig ausgestallt. Futterreste, Einstreu und grobe Kot- ansammlungen werden beispielsweise mit einer Schaufel entfernt. Bewegliche Einrichtungen werden herausgenommen oder so geöffnet, dass verdeckte Flächen erreichbar sind. Auch Treibbretter und andere wiederverwendbare Arbeitsmittel gehören in den Reinigungsplan. Empfindliche elektrische Bauteile müssen nach Herstellerangabe geschützt oder mit einem geeigneten anderen Verfahren gereinigt werden.
Bei der Trockenreinigung werden grobe Schmutzmengen sowie Stroh- und Faserreste entfernt. So müssen sie nicht aufwendig mit viel Wasser fortgespült werden, und weniger Material gelangt in die Gülle.
Auch wiederverwendbare Arbeitsmittel wie Treibbretter gehören in den Reinigungsplan.
Anschließend werden angetrocknete Rückstände gründlich eingeweicht. Eine fest installierte Anlage entlastet die Arbeitskräfte, erreicht aber nur die Flächen, auf die die Düsen ausgerichtet sind. Vor dem Start sind Funktion und Sprühbild zu prüfen. Flächen unter Einbauten oder hinter Abtrennungen benötigen gegebenenfalls eine zusätzliche Benetzung. Beim Einweichen mit der Lanze steht die gleichmäßige Befeuchtung mit wenig Druck im Vordergrund. Entscheidend ist, dass die Krusten tatsächlich aufweichen. Einweichen kann die anschließende Hochdruckarbeit deutlich verkürzen. In einem Versuch mit Ferkelaufzuchtbuchten verringerte es die aktive Waschzeit um 14 %, zusammen mit einem Reiniger um 27 %, jeweils gegenüber Hochdruckwaschen ohne vorheriges Einweichen. Im Gesamtwasserverbrauch einschließlich des Einweichwassers bestand kein statistisch gesicherter Unterschied. Zeitersparnis und Wassereinsparung sind deshalb getrennt zu beurteilen.
Reiniger gezielt einsetzen
Nach dem Einweichen werden die groben Verschmutzungen mit dem Hochdruckreiniger abgewaschen. Dadurch werden die Flächen für den anschließenden Reinigungsschaum freigelegt. Auch wenn sie bereits sauber aussehen, können noch Fett- und Eiweißbeläge zurückbleiben, in denen Mikroorganismen sitzen. Diese Beläge werden mit einem geeigneten Stallreiniger gelöst. Wird der Schaum dagegen auf dicke Schmutzschichten oder Krusten aufgetragen, erreicht er die darunterliegenden Flächen nur unzureichend. Die Auswahl des Reinigungsschaums richtet sich nach Verschmutzung und Material. Für organische Verschmutzungen wie Fett- und Eiweißbeläge eignen sich alkalische Reiniger. Gegen mineralische Ablagerungen wie Kalk werden saure Reiniger eingesetzt, die allerdings empfindliche Baustoffe und Metalle angreifen können.
Reinigungsschaum sollte auch auf glatten und senkrechten Flächen gut haften, damit die Reinigungslösung ausreichend Zeit hat, Schmutz und Fettbeläge zu lösen. Dabei gibt es Unterschiede in der Schaumqualität. Üblicherweise wird das gesamte Abteil eingeschäumt und nach der vom Hersteller angegebenen Einwirkzeit gründlich nachgereinigt. Der Schaum sollte dabei nicht eintrocknen.
Ob Hoch- oder Niederdrucktechnik: Schaumsystem, Wasserleistung und Reiniger müssen zusammenpassen. Damit die Konzentration stimmt, sollte die Dosiertechnik in regelmäßigen Abständen ausgelitert werden. Dadurch wird überprüft, wie viel Konzentrat tatsächlich im Verhältnis zur Wassermenge angesaugt wird. Auf die Einstellung am Dosierer allein ist kein Verlass.
Verdeckte Stellen mitreinigen
Nach der Einwirkzeit werden zunächst die Decke und die zugehörigen Einrichtungen gereinigt, anschließend der Boden und danach die Wände und Buchtenabtrennungen. An senkrechten Flächen wird in waagerechten, überlappenden Bahnen von oben nach unten gearbeitet. Abschließend wird der Boden nochmals nachgespült, um herabgelaufenen Schmutz und Reinigungsmittelreste zu entfernen. Erneut durch Spritzwasser verschmutzte Stellen werden ebenfalls nachgereinigt. Schmutzwasser darf nicht in angrenzende saubere Bereiche gelangen.
Auch Lüftungsöffnungen, erreichbare Lüftungsbauteile, Rohroberseiten und Vorsprünge gehören dazu. Unter Futtereinrichtungen, an Tränken und hinter Abtrennungen reicht das Waschen von vorn oft nicht aus. Bewegliche Teile werden geöffnet und verdeckte Flächen aus verschiedenen Richtungen gereinigt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Spaltenschlitze, Kanten, Trogunterseiten, Halterungen und Wand-Boden-Übergänge. Diese Stellen sowie raue oder beschädigte Flächen werden bei der abschließenden Sichtkontrolle gezielt auf verbliebene Verschmutzungen geprüft.
Technik auf die Fläche abstimmen
Beim Hochdruckreiniger zählen Arbeitsdruck und Wasserfördermenge gemeinsam. Der Wasserstrahl muss anhaftenden Schmutz lösen und ihn anschließend von der Fläche abtransportieren. Ein hoher Maximaldruck ersetzt deshalb nicht den ausreichenden Wasserdurchsatz. Für die Gerätebeurteilung sind die tatsächlich verfügbare Fördermenge bei Arbeitsdruck und die passende Düse aussagekräftiger als die größte Bar-Zahl im Prospekt. Auch die Wasserzuleitung muss die benötigte Menge liefern können. Die Flachstrahldüse verteilt Wasser fächerförmig. Eine Rotordüse bewegt einen konzentrierten Strahl kreisförmig, eine Pendeldüse führt ihn hin und her. Das verändert Arbeitsbreite und örtliche Beanspruchung. Konzentrierte Strahlen können hartnäckige Rückstände lösen, verlangen aber an empfindlichen oder vorgeschädigten Oberflächen besondere Vorsicht. Keine Düsenart passt pauschal zu jeder Fläche.
Der Reinigungsroboter übernimmt zuverlässig zunächst die Vorreinigung des Bodens und anschließend der Aufstallung, Wände und Decke.
Mit zunehmendem Arbeitsabstand nimmt die Auftreffkraft ab. Ein sehr geringer Abstand erhöht dagegen die örtliche Belastung und verkleinert die bearbeitete Fläche. Druck, Düse und Abstand werden an Untergrund und Verschmutzung angepasst. Beschichtungen, Fugen und geschädigter Beton verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sichtbare Schäden sind Anlass, die Einstellung zu ändern.
Warmwasser kann die Entfernung fettiger Rückstände unterstützen, benötigt aber zusätzliche Heizenergie. Da der Wasserstrahl auf dem Weg zur Oberfläche abkühlt, entspricht die dort wirksame Temperatur nicht der Einstellung am Gerät. Gut eingeweichter Stallschmutz lässt sich auch mit Kaltwasser und einem geeigneten alkalischen Reiniger gründlich entfernen. Wirtschaftlich zählt der Aufwand je gereinigtem Abteil: Arbeitszeit, Wasser, Energie und Mittelverbrauch.
Reinigungsroboter können nach dem Einweichen einen großen Teil der Vorwascharbeit übernehmen und die Mitarbeitenden körperlich und zeitlich entlasten. Je nach Modell übernehmen sie auch das Einweichen. Einige arbeiten mit vorgegebenen oder eingelernten Waschabläufen, andere erfassen die Stallgeometrie mithilfe von Sensoren. Nach der Vorreinigung wird der Reinigungsschaum aufgetragen. Anschließend folgen die gründliche Endreinigung und eine Sichtkontrolle durch die Mitarbeitenden, bei der verbliebene Verschmutzungen gezielt nachgearbeitet werden.
Zur Technik gehört auch der Arbeitsschutz. Hochdruckreinigung erzeugt feine Tröpfchen, die Mikroorganismen und andere belastende Bestandteile enthalten können. Geeigneter Augen-, Haut-, Gehör- und Atemschutz richtet sich nach Gefährdungsbeurteilung, Gerät und eingesetzten Mitteln. Eine passende Lanzenlänge, wechselnde Arbeitshaltung und Pausen können die Belastung verringern. Sicherheitsvorgaben für Lüftung und Güllegase gelten auch am Waschtag.
Kontrollieren und abtrocknen lassen
Nach dem Abspülen folgt eine Kontrollrunde, sobald die Sicht wieder frei ist. Die ursprüngliche Oberflächenstruktur muss erkennbar sein; sichtbare Kot-, Futter- und Schaumreste dürfen nicht zurückbleiben. Klares ablaufendes Wasser ersetzt nicht den Blick unter Einbauten. Ein weißes Tuch oder Küchenpapier kann Restschmutz sichtbar machen, ist aber kein Test auf Krankheitserreger.
Gefundene Rückstände werden nachgereinigt und erneut kontrolliert. Eine sichtbar saubere Fläche ist ein notwendiges praktisches Ziel, bedeutet aber nicht Keimfreiheit. Bei wiederkehrenden Problemen oder Verdacht auf bestimmte Krankheitserreger können gezielte mikrobiologische Untersuchungen in Abstimmung mit der bestandsbetreuenden Tierarztpraxis die Beurteilung ergänzen und die Auswahl eines geeigneten Desinfektionsmittels unterstützen. Für vergleichbare Ergebnisse sollten die Proben an festgelegten Kontrollstellen und zum gleichen Zeitpunkt im Reinigungsablauf genommen werden. Dokumentiert wird, wer wann gereinigt, kontrolliert, Proben genommen und gegebenenfalls nachgearbeitet hat.
Vor der Desinfektion werden Pfützen und Wasserreste aus Trögen und Tränkschalen entfernt. Man lässt die gereinigten Flächen ausreichend abtrocknen. Restwasser kann eine anschließend aufgebrachte Desinfektionslösung verdünnen. Wärme allein transportiert keine Feuchtigkeit aus dem Abteil: Für die Trocknung müssen auch Luftbewegung und Feuchteabfuhr stimmen. Die Dauer hängt von Klima, Oberfläche und Wasserbelastung ab und lässt sich nicht pauschal in Stunden festlegen. Trockenheit ist dabei keinesfalls ein Nachweis für Erregerfreiheit.
Damit endet die Reinigung an einem überprüfbaren Ergebnis: Die Flächen sind sichtbar sauber, verdeckte Stellen kontrolliert und grobe Restwassermengen beseitigt. Wie anschließend ein geeignetes Desinfektionsmittel ausgewählt und richtig eingesetzt wird und welche Orientierung die Liste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft bietet, behandelt ein folgender Beitrag.
Ackerbohnen reagieren empfindlich auf ungünstige Bodenverhältnisse. Wie im ersten Teil dieses Beitrags (siehe BB 44/2026 unter https://www.bauernblatt.com/ackerbohnen-ertraege-gezielt-verbessern/) erläutert, stellt insbesondere die vergleichsweise geringe Feinwurzeldichte hohe Anforderungen an die Bodenstruktur. Eine gute Bodengare und eine schonende Bestellung sind deshalb wichtige Voraussetzungen für hohe Erträge.
Welche Verfahren sich in der Praxis bewährt haben, zeigen Beispiele aus Schleswig-Holstein.
Gute Bodenvorbereitung
Eine gezielte Bodenvorbereitung betreibt Frank Jessen, Ackerbauer auf mildem Land in Angeln. Innerhalb einer siebenjährigen Fruchtfolge – bei ihm hat wegen der sieben Jahre auch der Raps noch Mut zu wachsen – stellt Jessen die Bohne im Anschluss an eine zweijährige Grassamenvermehrung. Gras hat noch deutlich mehr Feinwurzeln als Getreide. Nach mehreren Jahren intensiver Krumendurchwurzelung ist die Struktur des Bodens gut entwickelt. Das Gras legt Jessen als Untersaat in einer Sommergerste an. So entstehen nahezu drei Jahre Bodenruhe ohne Störung und Belastung. Das wiederum erlaubt eine starke Vermehrung der tief grabenden Regenwürmer, die Bohnenwurzeln mit ihren Gängen den Weg in tiefere Bodenschichten erleichtern.
Landwirt Frank Jessen aus Angeln bereitet den Boden mit mehrjähriger Grassamenvermehrung und bewusst wenigen Arbeitsgängen für den Ackerbohnenanbau vor. Foto: Jessen
Innerhalb des gesamten Fruchtfolgeverlaufes sorgt Jessen für einen hochwertigen Ackerbau: weite Fruchtfolge, diverse organische Düngung, gut entwickelte Pflanzenbestände, schonende Bodenbearbeitung mit leichter Technik, breite Reifen, auch Zwillingsbereifung, und geringer Reifendruck; zudem das Beachten der richtigen pflanzenbaulichen Termine und das Vermeiden von Arbeit bei Nässe durch eine schlagkräftige, leichte Technik wie eine 5 m breite Zinkendrille. Sowohl die Bodenvorbereitung als auch die Qualität der Bestellung sind in diesem Betrieb ganz auf das Erreichen des gewünschten garen Bodenzustandes mit Zugang zum Unterboden ausgelegt. Es werden langjährig 60 dt/ha Ackerbohnen auf einem Boden mit einer Ackerzahl von 40 geerntet.
Einheitliche Wege sind selten
Selten sind ackerbauliche Wege einheitlich. Zu unterschiedlich sind die Böden, die Jahre und die Menschen. Vorhandene Geräte werden genutzt, an guten Erfahrungen wird festgehalten. Einheitlich ist das Ziel: ein lockerer, krümeliger und nach unten offener Boden für die Bohne.
Zwischenfrucht: Die Zwischenfrucht wird in den vergangenen zehn Jahren zum Bodenaufbau verstärkt eingesetzt. Wenn die Vorfrucht früh räumt (Wintergerste), der Boden tief mit einem schmalen Grubberschar gelockert wird und die Überführung zur Kultur schadlos erfolgen kann, dann ist es ein Weg vorzugsweise auf den milderen, leichten Böden, die einen schadlosen Bodeneingriff im Frühjahr zur Beseitigung der Zwischenfrucht und Altverkrautung zulassen.
Frühjahrsfurche: Auch das ist auf mittleren, gleichmäßigen Böden ein Weg. Am besten bleibt der Boden dafür über Winter fest – nur Striegel, Federzinkenegge oder Kurzscheibenegge auf der vorausgehenden Stoppel. Jesko Ulrichs macht es oft so und sagt: „Ich pflüge im Frühjahr Lockerheit und Wärme in den Boden.“ Er erntet als Saatgutvermehrer durchaus einmal 70 dt/ha.
Winterfurche: Je wechselhafter und schwerer das Land, desto eher wird die klassische trockene Winterfurche angestrebt. Ist der Winter nicht zu nass, so wird zur Bohne oft mit Erfolg im Frühjahr ein nochmals lockernder, homogenisierender Grubberstrich gezogen – schmale Schare sind dabei von Vorteil.
Grubber: Sind die Schare schmal, die Zahl der Pferdestärken hoch und der Boden ausreichend trocken, dann ist auch das ein Weg für eine krumentiefe Bodenvorbereitung im Herbst.
Viele Wege gibt es auch bei der Bestellung
Bioackerbauer Dag Brodersen in der Nordfriesischen Marsch war zur Umstellung seines Betriebes vor zehn Jahren auf der Suche nach einer Antwort auf den starken Ackerfuchsschwanzbesatz in der Region. Die Lösung war die 8 m breite Sä- und Hackmaschine Cameleon aus Schweden. Diese leichte Zinkensämaschine läuft bei der Saat auf einer gut bereiften Aufsattelachse und der leichte Vierzylinderschlepper davor ebenfalls auf Breitreifen mit geringem Reifeninnendruck. So lässt sich die Bodenbelastung bei der Saat verringern. Die üblichen Wuchsdepressionen auf dem Vorgewende durch mehrfache Überfahrten mit hoher Achslast sind bei Brodersen kaum zu beobachten.
Leichte Zinkendrille: Eine leichte Zinkendrille in der Hydraulik wie bei Frank Jessen ist für viele Betriebe eine Möglichkeit zur Bodenschonung und ausreichenden Tiefenablage. 5 bis 6 m Arbeitsbreite vermindern den Spurenanteil, und es wird nur wenig Gewicht auf dem Boden abgestützt. Nach der Saat verbleibt ein nochmals leicht gelockerter Boden mit offener Oberfläche.
Lockerungssaat: Die Kombination der Saat mit einer tiefen Lockerung ist eine Option in erster Linie für leichte Böden. Auch die betont tiefe Ablage ist hier möglich – diese Böden sind ja locker und warm. 10 cm Ablagetiefe sind ein Vorteil für die Ausbildung der Bohnenwurzel. Sie ist zudem bei Frühjahrstrockenheit schneller am Wasser, und einem Vogelfraß kann vorgebeugt werden. Eine Claydon-Saat hat sich in vielen Betrieben zur Bohne etabliert. Auf dem Lübecker Stadtgut Krummesse hat sich Bewirtschafter Christoph Möller einen Schwergrubber mit Säeinheit dafür eingerichtet.
Auf dem Lübecker Stadtgut Krummesse setzt Christoph Möller bei der Aussaat von Ackerbohnen auf die Lockerungstiefsaat. Der Zugschlepper ist vorn und hinten mit Zwillingsbereifung ausgestattet. Foto: Gustav Alvermann
Universaldrille oder Kreiseleggen-Sämaschine: Soll keine zusätzliche Drille angeschafft oder im Lohn eingesetzt werden, so ist die heutige Sätechnik durchaus tauglich. Insbesondere auf schwerem, nassen Land ist eine Ablage tiefer als 6 cm oder gar eine Lockerung darunter ohnehin nicht sinnvoll – man arbeitet dann im zu feuchten Boden und riskiert Strukturschäden.
Direktsaat: Ob in Schleswig-Holstein nach gut entwickelter Zwischenfrucht eine Direktsaat sinnvoll ist oder sogar in den festen Boden aus dem Vorjahr, das muss die entsprechend motivierte Praxis selbst herausfinden. Die nassen Winter und regelmäßig feuchten Ernten mit Spurschäden sind Gegenargumente. Im Jahr 2026 spielten diese Probleme eine geringere Rolle. In anderen Jahren können sie jedoch wieder stärker ins Gewicht fallen.
Organische Düngung
Frühere Fachautoren wie Prof. Günter Kahnt aus Stuttgart-Hohenheim betonten es, und jüngere Erfahrungen belegen das auch: Rindermist macht Leguminosen besser. Die Hauptwirkung besteht wohl darin, dass die biologische Aktivität und damit die Gare des Bodens gestärkt werden. Die enthaltenen Nährstoffe werden auch ihren Teil beitragen.
Erfahrungen mit Mist
Garewirtschaft auf schwerem Boden: Schwerer Boden mit mehr als 20 % Ton ist im Frühjahr nicht so einfach von einer Zwischenfrucht in Richtung Kultur zu führen. Er geht daher meistens „schwarz“ über Winter, damit im Frühjahr mit nur einem Vorarbeitsgang das Saatbett fertig ist. Eine Lockerung erfolgt vorher im Spätsommer – im warmen Boden bei mittlerer Feuchte.
In einem konkreten Beispiel erfolgte eine Mistgabe von 20 t/ha Anfang September auf eine Getreidestoppel inklusive Grasuntersaat mit guter Durchwurzelung und energiereichem Grasaufwuchs; nachfolgend eine Schälfurche mit homogenisierender Kreiselegge und dann sechs Wochen Ruhe.
So vorbereitet entwickelt ein schwerer Boden durch die entstehende Bakterienaktivität eine stabile biologische Gare. Der gare Boden übersteht nach einem abschließenden Grubberstrich im Oktober auch den maritimen Winterregen und bietet gute Voraussetzungen für die Bohnenbestellung im nächsten Frühjahr. Nebeneffekt: Eine hohe mikrobiologische Bodenaktivität schafft nicht nur Gare, sondern fördert auch den Abbau von Unkraut- und Ungrassamen.
Leguminosenmüdigkeit: In den 1960er Jahren prüfte Prof. Georg Gliemeroth die Wirkung von Rindermist bei wiederholtem Bohnenanbau. Es ging um die Aktivierung eines hohen „antiphytopathogenen Potenzials“ durch organische Düngung. Im Versuch wurden Varianten mit und ohne Rindermist verglichen.
Im ersten Jahr wurden in beiden Varianten 40 dt/ha Bohnen geerntet. Im dritten Jahr des Bohnenanbaus bei Bodenbearbeitung ausschließlich mit dem Grubber brach der Ertrag ohne Mist infolge von Pilzkrankheiten auf 5 dt/ha ein. Der Pflug brachte noch die Hälfte des vollen Ertrags. Mit Mist blieb der Ertrag auf voller Höhe, auch bei ausschließlicher Grubberarbeit. Die Ergebnisse zeigen, dass organische Düngung den Krankheitsdruck verringern kann.
Nicht jeder hat guten Rindermist zur Verfügung. Es geht auch mit separierten Dickstoffen, ansatzweise auch mit Grünschnittkompost, Champost oder einem nicht zu trockenen Pferdemist. Der Boden braucht im Spätsommer attraktives Bakterienfutter und einen Impuls durch eine angemessene homogenisierende Bodenbearbeitung – und dann Ruhe. So wird er gar und biologisch aktiv und bietet gute Voraussetzungen für ein vitales Bohnenwachstum.
Weitere Artikel zur Thematik und auch zu Futterleguminosen unter www.bio2030.de
Fazit
Wie beide Teile dieses Beitrags zeigen, hängt der Erfolg im Ackerbohnenanbau von zahlreichen Faktoren ab. Die Schwachstelle dieser Pflanze ist ihr geringer Feinwurzelbesatz – sie zeigt mangelnde Nährstoffe, schlechte Bodengare und knappes Wasser sofort an. Der richtige Boden für die Bohne ist gelockert und feinkrümelig und hat einen offenen Übergang in den Unterboden. Die Wege dahin sind vielfältig. Eine organische Düngung im Spätsommer mit ausreichender Zeit zur Entwicklung einer starken biologischen Aktivität kommt den Ansprüchen der Bohne entgegen.
Die abschließende Bestellung stellt den Erhalt eines optimalen Bodenzustandes in den Vordergrund – mit Technik, Geduld und Sorgfalt.
Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW) veranstaltet jedes Semester zwei Interdisziplinäre Wochen (IDW), in denen Studierende über die regulären Lehrinhalte hinaus zusätzliche berufsrelevante Kompetenzen erwerben können. In der vergangenen Woche zeigte das Team des Bauernblatts 15 Studentinnen an zwei Tagen, wie journalistische Arbeit in der Praxis aussieht.
Recherchieren, Nachfragen, Einordnen und Schreiben. Um die Kernkompetenzen von Journalistinnen und Journalisten zu veranschaulichen, durften die Studentinnen selbst in die Rolle einer Journalistin oder einer Person des öffentlichen Lebens schlüpfen.
Am ersten Tag gab Dr. Robert Quakernack, Chefredakteur des Bauernblatts, den Teilnehmerinnen einen Einblick in fundamentale Gebiete der journalistischen Arbeit sowie in die Produktionsabläufe des Bauernblatts. Themen wie Medienkompetenz und Informationsbeschaffung, Charakteristika eines qualitativen journalistischen Berichts sowie die Vorraussetzungen für gute Foto- und Videoarbeit standen im Seminar in den Räumen der HAW auf der Agenda.
Für den zweiten Tag war die Simulation einer Pressekonferenz geplant. Das Thema: die jüngst aufgedeckten mutmaßlichen Missstände im von Tönnies geführten Schlachthof R. Thomsen in Kellinghusen. Zu diesem Zweck durften die Studentinnen die Rollen von Konzernchef Clemens Tönnies, der Agrarreferentin von Animal Rights Watch, Anna Schubert, der Tierschutzbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein, Katharina Erdmann, sowie des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Schweinehaltung im Bauernverband Schleswig-Holstein, Cedric Rieken, einnehmen. Zusätzlich gab es vier Journalistinnen, die die Akteure befragen durften.
Bauernblatt-Redakteur Sönke Hauschild begleitete die Pressekonferenz als Moderator, nahm Fragen der Journalistinnen entgegen und regte die Akteure dazu an, ihre Position zum Thema deutlich zu machen. Foto: Patrick Mühling
Die Pressekonferenz fand in den Räumen des Bauernblatts im Detlef-Struve-Haus statt und wurde zweimal mit jeweils der Hälfte der Teilnehmerinnen unter der Moderation von Bauernblatt-Redakteur Sönke Hauschild durchgespielt. Die Studentinnen gingen voll in ihren Rollen auf: Die Journalistinnen stellten kritische Fragen, und die Akteure versuchten ihr Bestes, um sich aus der Affäre zu ziehen und gleichzeitig ihre Botschaften zu senden.
Währenddessen musste die jeweils andere Gruppe Fotos für einen journalistischen Bericht schießen, der anschließend über die Pressekonferenz geschrieben werden sollte. Die Veranstaltung wurde nach Aussage der Studentinnen gut angenommen, und es wurde darum gebeten, sie im nächsten Jahr zu wiederholen.
Die Studentinnen, die als die Personen des öffentlichen Lebens im Vorfall auftraten, diskutierten ihre eingenommenen Positionen sogar untereinander. Fotos: Patrick MühlingJanna Plöger begab sich in die Rolle einer Journalistin für eine philosophische Zeitschrift und stellte den fiktiven Akteuren knifflige Fragen.Eine Seite der Studentinnen durfte sich als Journalistinnen versuchen und kritische Fragen an die Beteiligten richten.Mit der Rolle von Tönnies Chef, Clemens Tönnies, im Vorfall um den Schlachthof Thomsen in Kellinghusen taten sich die beiden ihn verkörpernden Studentinnen augenscheinlich schwer.Während die eine Seite schon aktiv dabei war, bereitete sich die zweite Gruppe auf ihren Teil vor.Einige Studentinnen demonstrierten echtes journalistisches Geschick beim Vorbringen ihrer Fragen und machten es den Personen auf dem Podium schwer.
Die Stimmung unter den Schweinehaltern ist auf dem Tiefpunkt, die Erwartungen an Politik und Handel sind hoch: Am Veredlungstag des Deutschen Bauernverbandes (DBV) im niederbayerischen Essenbach kamen Mitte Oktober rund 500 Teilnehmer zusammen, um Antworten auf ihre drängenden Fragen zu finden.
DBV-Veredlungspräsident Hubertus Beringmeier sprach von einer schwierigen, teilweise ruinösen Lage. Auch auf seinem eigenen Hof werde jeden Tag Geld verbrannt. Es handle sich nicht um einen normalen Schweinezyklus: Die Afrikanische Schweinepest in Spanien, eine stark ausgeweitete Erzeugung in China – inzwischen wieder 46 % der Weltproduktion – und Handelskonflikte kämen zusammen. Brasilien dränge mit Kosten von etwa 1,20 €/kg Schlachtgewicht auf den Weltmarkt. Selbst eine halbierte Produktion in Deutschland würde das Weltmarktproblem nicht lösen.
Handel kritisiert
Scharf kritisierte Beringmeier den deutschen Handel, der auf billige Importware ausweiche. Das sei ein Ausnutzen der Situation und nicht verantwortungsvoll. Deutschland dürfe nicht noch mehr Schlachthaken verlieren, sonst drohe regional ein Vermarktungsproblem für Schweine. Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) nutze nur etwas unter Einbeziehung von Außer-Haus-Verpflegung und ausländischer Ware. Beringmeier forderte daneben eine Herkunftskennzeichnung.
Wie angespannt die Lage ist, zeigten Wortmeldungen aus dem Saal. Ein Ringberater sagte, er sehe nicht, wie das Familieneinkommen noch zu sichern sei. Siegfried Jäger, Tierhaltungspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), mahnte: „Der Hut brennt.“ Es gebe so viele Betriebsaufgaben wie nie wegen einer fehlenden Perspektive.
Für einen emotionalen Moment sorgte Klaus-Peter Lichtinger, Ceres-Award-Gewinner 2026 in der Kategorie Schweine. Er könne keine euphorische Rede halten, meinte der Schweinehalter aus Niederbayern. Ihm brach die Stimme, als er kritisierte, dass die Lebensmittelhändler ihr Geld auf dem Buckel der Landwirte verdienten. „Wir müssen das mit unseren Familien aushalten”, klagte er unter Tränen.
Sabet: Existenzbedrohend
DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet nannte die Lage wirtschaftlich existenzbedrohend. Die Betriebe brauchten Entscheidungsspielräume und keine „Kalenderlandwirtschaft“. Zentral für einen Stallbau sei Planungssicherheit über Jahrzehnte. Sabet forderte die Finanzierung des Bundesprogramms Umbau der Tierhaltung (BUT) und ein Sonderförderprogramm für die Sauenhaltung; knapp 1.000 BUT-Anträge zeigten, dass die Betriebe investieren wollten.
Zur Sicherung der Liquidität verlangte sie, das EU-Düngemittelhilfspaket national bis zum maximalen Beihilferahmen von 180 Mio. € aufzustocken, 80 % der Direktzahlungen bereits im Herbst auszuzahlen, die CO2-Steuer für die Landwirtschaft abzuschaffen, die im Koalitionsvertrag vereinbarte steuerfreie Risikoausgleichsrücklage ebenso zügig umzusetzen wie einen Stopp für neue Vorgaben und einen Aufschub der Umbaufristen für das Deckzentrum und den Abferkelbereich.
Dr. Gé Backus vom niederländischen Think Tank Connecting Agri & Food stellte ein Preisstabilisierungssystem vor, das zwei Supermarktketten in den Niederlanden seit fünf Jahren anwendeten. Der jährliche Referenzpreis für 50 % der Produktion basiere auf den Erzeugungskosten und werde im Voraus festgelegt. Eine unabhängige Partei berechne ihn und berücksichtige dabei technologischen Fortschritt und die Entwicklung der Futterkosten.
Im Rechenbeispiel von Backus lag der Marktpreis bei 1,40 €/kg, der stabile Preis bei 2,02 €, im Schnitt ergaben sich 1,71 €. Liege der stabile Preis nach fünf Jahren niedriger als der Marktpreis, zahle der Marktpartner dem Tierhalter die Differenz; im umgekehrten Fall gelte das nicht. Backus warb für einer Partnerschaft in der Kette. An Ende gelte: „Den Kuchen zu verteilen ist einfacher, wenn man ihn größer macht.“
30 % über Nachbarländern
Stefan Müller, geschäftsführender Gesellschafter eines mittelständischen Verarbeiters in Süddeutschland, räumte ein, den Kampf um den Preis könne Deutschland nicht gewinnen: Sinke der Preis in Deutschland, ziehe dies Europa nach unten. „Wir sind in vielen Punkten die Besten, aber nicht die Günstigsten“, so der Verarbeiter. Auf Erzeugerstufe liege Deutschland bei den Kosten 20 bis 30 % über den Nachbarn. Die Verarbeitung sei personal- und energieintensiv; Mindestlohn, Energiepreise und vielfältige Auflagen sorgten für Wettbewerbsnachteile.
Müller zeigte sich offen für Modelle wie in den Niederlanden, verlangte aber ein Bekenntnis aller Seiten zur Lieferkette. Backus egänzte in der Podiumsdiskussion, Preisschwankungen wirkten positiv auf die Effizienz der Erzeugung, aber ein Absturz von 2,20 auf 1,40 €/kg in kürzester Zeit sei schwer zu verkraften.
Die bayerische Landesbäuerin und CDU-Europaabgeordnete Christine Singer ärgerte sich, dass die Politik die Ernährungssicherung in Reden auf eine Stufe mit der Verteidigungsfähigkeit stelle, dies aber im Alltag nicht ernst nehme. Die Vorschläge der EU-Kommission zur Europäischen Agrarpolitik nach 2027 dienten aus ihrer Sicht lediglich dazu, Haushaltslöcher aus dem Agrartopf zu stopfen.
Ziemlich dumm
Prof. Eberhard Hauenhorst vom Bundeslandwirtschaftsministerium nannte es „ziemlich dumm“, in der aktuellen geopolitischen Lage die heimische Landwirtschaft abzubauen. Beim Thema Bürokratie wolle das Ministerium Ermessensspielräume schaffen und Doppelerfassungen vermeiden. Er sei aber manchmal entsetzt vom Gegenwind aus den Bundesländern, plauderte der studierte Tierarzt aus dem Nähkästchen. Zur Exportstrategie nannte er erste Erfolge, etwa mit den Philippinen, während China wegen der Seuchensituation in Europa schwierig bleibe.
Hans-Benno Wichert, Vizepräsident im Landesbauernverband Baden-Württemberg, warnte in der Diskussion, man dürfe die Branche nicht alle paar Jahre an die Wand fahren und gucken, wer übrig bleibe. Der Kandidat für die Nachfolge Joachim Rukwieds im Landesverband forderte ein Preissystem wie in den Niederlanden. Dem schloss sich Beringmeier an.
Rainer: BUT wird finanziert
Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) betonte in seinem Online-Beitrag, Deutschland brauche Tierhaltung. Das Liquiditätsprogramm 2 mit wesentlich höherer Zinsverbilligung stehe kurz vor dem Abschluss und starte noch in diesem Jahr. Das Dünger- und Energiekrisenpaket stelle 60 Mio. € antragslos bereit. Bei den Direktzahlungen 2027 werde man den Spielraum von 4,9 Mrd. € ausschöpfen. Die Risikoausgleichsrücklage ist aus Rainers Sicht eines der wichtigsten Werkzeuge; sie brauche noch die Notifizierung aus Brüssel. Der Minister sagte zu, das BUT durchzufinanzieren, was Applaus auslöste. Ob der Zeitrahmen um ein Jahr verschoben wird, werde geprüft. Zurückhaltend blieb der Niederfranke bei einem Sonderprogramm für Sauenhalter über 200 Mio. €: Er wolle es, könne es aber nicht versprechen. Die Fristverschiebung für Deckzentrum und Abferkelung sei megaschwierig. Eine Ausstiegsprämie, wie ein bayerischer Landwirt sie forderte, lehnte Rainer ab. Zugleich nahm er die Verbraucher in die Pflicht: Wer Landwirte unterstützen wolle, müsse regional und national einkaufen.
Rainer möchte die Bioenergie durch eine Absenkung des Steuersatzes stärken. Auf die Schadnagerbekämpfung angesprochen, berichtete er, die Lehrgangspflicht sei bis 2030 ausgesetzt. Er wolle diese an die Pflanzenschutzschulung anhängen und auch diese nur alle sechs Jahre vorschreiben.
VEZG-Preis in der Diskussion
Mathias Klahsen, Geschäftsführer der VEZG, verwies auf 1,2 % mehr Schlachtungen in der EU im ersten Halbjahr 2026. Laut Interpig-Studie erzeuge Deutschland mit durchschnittlich 2,05 €/kg Schlachtgewicht am teuersten, im brasilianischen Mato Grosso liege der Wert bei 1,15 €. Der Verbrauch sei mit 35,5 kg pro Kopf konstant, die Kühlhäuser voll, er erwarte aber eine Frühjahrsbelebung. Die VEZG will die wöchentliche Preisempfehlung beibehalten und über Langfristpreise bei Tieren aus der Initiative Tierwohl (ITW) oder „5 mal D“ sprechen.
Beringmeier betonte, der DBV stehe zum VEZG-Preis. Gerade in den letzten Wochen habe man erlebt, wie ein großes Schlachtunternehmen ein eigenes Preissystem zu etablieren versuche – „das wollen wir nicht”, stellte der Westfale klar. Für Süddeutschland kündigte Jäger dennoch weiteren Diskussionsbedarf an.
ITW-Geschäftsführer Robert Römer erläuterte, ab 2027 werde die Nämlichkeit auf die Ferkelerzeugung ausgeweitet. Es gebe Einstiegserleichterungen; das Tageslichtkriterium sei für neue Ferkelerzeuger bis Ende 2028 ausgesetzt. Mäster sollten den Status „Nämlich ab Geburt“ bis Ende April anstreben.
Schlechtester Zeitpunkt?
Norbert Marcher von den Marcher Fleischwerken, einem österreichischen Familienunternehmen mit bayerischen Standorten in Vilshofen und Landshut, gab sich zuversichtlich: Der Fleischkonsum bleibe hoch, der Absatz von Fleischersatz trete auf der Stelle. Der Schweinepreis liege Marcher zufolge inflationsbereinigt auf dem Tiefpunkt der letzten 25 Jahre. „Jetzt auszusteigen ist der schlechteste Zeitpunkt“, zeigte er sich überzeugt. Aktuell trage die Landwirtschaft das Marktrisiko allein, Marcher forderte Lieferverträge mit festen Preisbändern. Am selben Tag sackte der Preis für Schweinefleisch um 8 ct/kg auf 1,32 €.
Das Thünen-Institut stellte eine Umfrage zur Resilienz der Schweinehaltung vor. Demnach könnten 89 % der Höfe die betrieblichen Funktionen einen Tag lang aufrechterhalten, nach vier Tagen seien es noch 50 %. Rund 90 % der Sauenhalter und Mäster verfügten über ein Notstromaggregat, zwei Drittel hätten einen Notfallplan. Die Forscher planen einen Resilienzindex, mit dem Betriebe sich überprüfen können.
Nerven liegen blank
Beringmeier räumte abschließend ein, die Nerven lägen blank, zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Branche aus dem Tief komme. Er könne sich ein Preismodell wie in den Niederlanden vorstellen. Das setze aber voraus, dass die Abnehmer mitmachten und dass am Ende eine schwarze Zahl stehe. Beringmeier warnte: „Was jetzt an Struktur verloren geht, lässt sich nicht wiederherstellen.“ Er betonte auch die Bedeutung des Exports, schließlich würden 25 kg vom Schwein nicht in Deutschland verzehrt. Jäger forderte einen bayerischen Weg mit einem Schweineförderfonds, um Fleisch besser am Markt zu platzieren.