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Optimale Auslaufgestaltung für Sauen

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Mit der Novellierung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wird ab 2029 die Gruppenhaltung im Deckzentrum mit Kurzzeit­fixierung und einer Mindestfläche von 5 m2 pro Sau bis zur ersten Besamung verpflichtend. Die Phase unmittelbar nach dem Absetzen stellt aufgrund sozialer Dynamiken wie Rangordnungskämpfen und beginnenden Rauscheverhaltens erhöhte Anforderungen an Stallgestaltung und Management. Zudem zeigt eine Umfrage unter norddeutschen Ferkelerzeugern, dass die Umsetzung des geforderten Platzangebotes von vielen Betrieben als bauliche und organisatorische Herausforderung wahrgenommen wird.

Eine mögliche Option zur Flächenerweiterung und Schaffung weiterer Funktionsbereiche ist die Integration eines Auslaufs in das bestehende Haltungssystem. Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Gestaltung ist jedoch eine fundierte Kenntnis darüber, wie ein solcher Auslauf tatsächlich genutzt wird, welche Einflussfaktoren wirksam sind und welche Anforderungen sich daraus ableiten lassen.

Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen des vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geförderten Projektes „Zukunftsfähige und innovative Stallbaukonzepte für Sauenhaltung und Aufzuchtferkel“ (Zissau) die Nutzung eines Auslaufs in einem konventionellen Ferkelerzeugerbetrieb systematisch untersucht (siehe Fotos) und erste Ergebnisse auf der 76. Hochschultagung der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) vorgestellt. Ziel war es, auf Grundlage von wissenschaftlichen Verhaltensbeobachtungen praxisrelevante Hinweise für die Auslaufgestaltung im Deckzentrum abzuleiten. Hierfür wurden im Zeitraum von März bis August 2023 über mehrere Versuchsdurchgänge insgesamt 85 Sauen in zwei Gruppen beobachtet, wobei der Beobachtungsschwerpunkt auf den ersten vier Tagen nach dem Absetzen (Tag 0 bis Tag 3) lag. Mithilfe von Videoaufzeichnungen wurden der Aufenthalt im Auslauf sowie die Aktivitätsausprägung jeder Sau (aktiv/ruhend) erfasst. Ergänzend wurden Witterungsparameter, ein Hitzestressindex, tierindividuelle Merkmale sowie die Gruppenzusammensetzung als potenzielle Einflussfaktoren auf den Aufenthalt im Auslauf in die Auswertung einbezogen.

Versuchsaufbau im Deckzentrum eines konventionellen Ferkelerzeugers: Installierte Versuchstechnik mit Kameras und Wetterstation

Differenzierte Nutzung des Auslaufs

Die Auswertung der Verhaltensbeobachtungen zeigte eine klar strukturierte, tageszeitlich differenzierte Nutzung des Auslaufs (siehe Abbildung). Während in der Nacht und in den frühen Morgenstunden weniger als 15 % der Sauen im Auslauf anwesend waren, nahm der Anteil an Sauen im Auslauf nach der Morgenfütterung deutlich zu. Die Hauptnutzungszeiten lagen dabei am Vormittag und am späteren Nachmittag, bevor die Präsenz gegen Abend wieder abnahm.

In engem Zusammenhang damit stand das Liegeverhalten, das ein differenziertes Muster erkennen ließ (siehe Abbildung). In den Nacht- und späten Abendstunden befanden sich zwar nur wenige Sauen im Auslauf, die dort anwesenden Tiere lagen jedoch überwiegend. Dies deutet darauf hin, dass der Auslauf in dieser Phase punktuell als Ruheort einzelner Tiere genutzt wurde, während der überwiegende Teil der Sauen den Innenbereich für den nächtlichen Schlaf nutzte. Mit dem deutlichen Anstieg der Aufenthalte am Vormittag nahm der Liegeanteil im Auslauf stark ab. In dieser Phase dominierte somit die Funktion als Aktivitäts- und Sozialraum. Am Nachmittag zeigte sich dann erneut eine hohe Präsenz, nun jedoch in Verbindung mit einem Liegeanteil von über 60 %. Der Auslauf wurde demnach weiterhin intensiv frequentiert, erfüllte jedoch zunehmend die Funktion eines Ruhe- und Komfortbereichs.

Der Auslauf wird somit je nach Tageszeit für unterschiedliche Funktionen genutzt. Er dient sowohl als Aktivitäts- und Sozialraum als auch als Ruhebereich. Eine bedarfsgerechte Gestaltung sollte diese funktionale Dynamik berücksichtigen. Komfortable Liegeflächen mit geeigneter Bodenbeschaffenheit (zum Beispiel elastische oder strukturierte Unterlagen) sind ebenso sinnvoll wie Struktur- und Beschäftigungselemente.

Soziale Dynamiken

Auch die sozialen Dynamiken wurden insbesondere in der Betrachtung der ersten Tage nach dem Absetzen deutlich. Am Absetztag zeigte sich eine auffallend starke Nutzung des Auslaufs, wohingegen Ruheverhalten nur selten zu beobachten war. Offenbar führten das verstärkte Erkundungsverhalten und die Rangordnungskämpfe zu einer insgesamt erhöhten Gruppenaktivität. In den darauffolgenden Tagen nahm der Anteil an Sauen im Auslauf ab, während der Ruheanteil anstieg. Dies weist auf eine fortschreitende soziale Stabilisierung und die Anpassung an die neue Gruppensituation hin. Am dritten Tag nach Absetzen erhöhte sich die Auslaufpräsenz der Sauen erneut, was vermutlich im Zusammenhang mit dem Einsetzen des Rauscheverhaltens steht.

Versuchsgruppen mit größeren Paritätsunterschieden innerhalb ihrer Gruppe nutzten den Auslauf im Durchschnitt seltener, was auf verstärkte soziale Konflikte oder Verdrängung unterlegener Tiere hindeuten kann. Entsprechend können ein ausreichendes Platzangebot, Rückzugsmöglichkeiten, visuelle Barrieren sowie mehrere Ein- und Ausgänge dazu beitragen, soziale Konflikte zu reduzieren und den Auslauf für alle Sauen zugänglich zu gestalten.

Darüber hinaus zeigten sich deutliche Einflüsse der Witterung auf den Aufenthalt im Auslauf. Niederschlag verringerte sowohl den Anteil der Sauen als auch den Liegeanteil im Auslauf. Sonneneinstrahlung erhöhte grundsätzlich die Aufenthaltsanteile, beeinflusste jedoch das Liegeverhalten tageszeitabhängig. Moderate Sonneneinstrahlung am Morgen wurde offenbar gezielt zum Ruhen im Auslauf genutzt, während der Liegeanteil bei intensiver Einstrahlung zur Mittags- und Nachmittagszeit abnahm. Bei erhöhter thermischer Belastung (Hitzestressindex) reduzierte sich die Nutzung des Auslaufs insgesamt. In den Morgenstunden hielten sich Sauen auch in beginnenden Hitzestresssituationen im Auslauf auf, lagen dabei jedoch häufiger.

Witterungsschutz spielt demzufolge eine zentrale Rolle. Teilüberdachungen bieten Schutz bei Niederschlag und intensiver Sonneneinstrahlung, ohne die gezielte Nutzung zum Sonnenbaden bei moderaten Bedingungen einzuschränken. Zusätzlich sollten bei steigender thermischer Belastung Maßnahmen zur Abkühlung berücksichtigt werden, wie Sauduschen, Mikro-Suhlen oder ein jederzeit zugänglicher klimatisierter Innenbereich.

Dynamische Nutzung im Auslauf

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass ein Auslauf weit mehr als eine reine Flächenerweiterung ist. Seine Nutzung ist dynamisch und wird maßgeblich durch Tageszeit, soziale Prozesse und Witterung beeinflusst. Der Auslauf kann je nach Situation unterschiedliche Funktionen als Aktivitäts- und Sozialraum, als Rückzugsort für einzelne Tiere oder als Ruhebereich haben. Eine bedarfsgerechte Gestaltung muss diese funktionale Variabilität berücksichtigen. Neben ausreichend Platz sind strukturierende Elemente, konfliktmindernde Gestaltung (wie Sichtbarrieren, mehrere Zugänge) und witterungsangepasste Bereiche entscheidend. Wissenschaftlich fundierte Verhaltensanalysen liefern dazu eine belastbare Grundlage, die konkrete Ausgestaltung bleibt aber eine betriebsindividuelle Managementaufgabe.

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMLEH).

Fazit

Der betrachtete Auslauf im Deckzentrum wurde tageszeitlich und situationsabhängig unterschiedlich genutzt. Er diente sowohl als Aktivitäts- und Sozialraum als auch als Ruhebereich. Gestaltung und Management sollten diese funktionale Dynamik sowie soziale und klimatische Einflussfaktoren gezielt berücksichtigen.

Nährstoffversorgung im Mais richtig planen

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Nach einem schneereichen Jahresbeginn und den darauffolgenden Niederschlägen sind viele Böden in Schleswig-Holstein derzeit stellenweise noch wassergesättigt. Mit der inzwischen anhaltend stabileren Witterung und steigenden Temperaturen beginnen die Flächen jedoch zunehmend abzutrocknen. In vielen Regionen laufen daher bereits die ersten Vorbereitungen für die Maisaussaat, und auch die Planung der Düngung rückt in den Fokus.

Vor dem Aufbringen von Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff (N) und Phosphat (P) ist nach den Vorgaben der Düngeverordnung (DÜV) eine Düngebedarfsermittlung (DBE) durchzuführen. Sie bildet die Grundlage für eine bedarfsgerechte und rechtskonforme Nährstoffversorgung der Kultur. Neben der effizienten Nutzung von Stickstoff spielt im Maisanbau insbesondere eine ausreichende Phosphatversorgung in der frühen Jugendentwicklung eine wichtige Rolle. Versuche der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) zeigen, dass neben der klassischen Düngung auch weitere Ansätze zur Platzierung von Nährstoffen Möglichkeiten bieten, die Effizienz der Maisdüngung weiter zu verbessern.

Notwendige Düngebedarfsermittlung

Der N-Düngebedarf von Silomais richtet sich nach dem durchschnittlichen Ertragsniveau der jeweiligen Fläche. Die Grundlage bildet der mittlere Ertrag der vergangenen fünf Jahre auf den betriebseigenen Flächen. Dieser wird mit dem Basisertrag nach DÜV abgeglichen und durch Zu- oder Abschläge angepasst. Je 50 dt/ha FM Ertragsabweichung zum Basisertrag können maximal 10 kg/ha N zusätzlich angesetzt werden. Liegen die Erträge unter den Basiserträgen, sind je 50 dt/ha FM Abschläge von 15 kg/ha N vorzunehmen.

Neben dem ertragsabhängigen Bedarf werden in der DBE weitere standortspezifische Faktoren berücksichtigt. Dazu gehören der Nmin-Wert des Bodens im Bereich von 0 bis 90 cm, die anzurechnenden N-Mengen aus organischer Düngung zur Vorkultur des Vorjahres sowie die Nachlieferung aus dem Humusgehalt des Bodens. Auch Vorfrüchte und Zwischenfrüchte werden bei der Berechnung berücksichtigt. Erst nach Abzug dieser Faktoren ergibt sich der tatsächlich zulässige N-Düngebedarf der jeweiligen Fläche. Liegen für die vorgesehenen Maisflächen keine eigenen Nmin-Untersuchungen vor, können auch die aktuellen Ergebnisse des Nitratmessdienstes Teil 2 der LKSH herangezogen werden. Diese werden regelmäßig im Frühjahr veröffentlicht und geben einen Überblick über die Nmin-Werte der verschiedenen Boden- und Standortgruppen im Land. Neben diesen Daten der Offizialberatung können auch Nmin-Analyseergebnisse der zuständigen Wasserschutzgebietsberatung sowie der vor Ort tätigen Grundwasserschutzberatung zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie herangezogen werden. Eine standortangepasste DBE ist damit eine notwendige Grundlage für eine effiziente und zugleich rechtssichere Maisdüngung.

Besonderheiten in der N-Kulisse

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG) zur Bayerischen Landesdüngeverordnung besagt, dass die bundeseinheitliche Ermächtigungsgrundlage für sämtliche Landesdüngeverordnungen und damit auch für die schleswig-holsteinische Landesdüngeverordnung nicht ausreichend ist. Der Bund ist daher aufgefordert, zeitnah für eine rechtssichere gesetzliche Grundlage zu sorgen. Aufgrund der festgestellten fehlenden Ermächtigungsgrundlage gelten derzeit im gesamten Landesgebiet die Vorgaben der bundesrechtlichen Düngeverordnung. Verstöße gegen die verschärften Vorgaben der Landesdüngeverordnung in den Roten Gebieten werden aktuell nicht geahndet. Festgestellte Verstöße führen weder zu Kürzungen der Direktzahlungen noch zu Ordnungswidrigkeitenverfahren. Zum Schutz von Grundwasser und Gewässern wird weiterhin empfohlen, die bisherigen Vorgaben der Landesdüngeverordnung in der Düngeplanung zu berücksichtigen (https://t1p.de/LandesduengeVO).

Phosphatversorgung im Jugendstadium

Mais reagiert besonders in der Jugendentwicklung empfindlich auf eine unzureichende Phosphatversorgung. Gleichzeitig ist die Aufnahmefähigkeit der jungen Pflanzen in dieser Phase noch begrenzt. Deshalb ist es wichtig, den Nährstoff möglichst wurzelnah und in einer gut pflanzenverfügbaren Form bereitzustellen. In der Praxis erfolgt dies häufig über eine mineralische Unterfußdüngung zur Saat.

Der Phosphatbedarf richtet sich nach dem durchschnittlichen Ertragsniveau sowie nach der Gehaltsklasse des Bodens. Ab einer Bodenversorgung von 25 mg P2O5 je 100 g Boden nach der DL-Methode darf nach DÜV nur noch die über die Düngebedarfsermittlung ermittelte P-Abfuhr gedüngt werden. Im Rahmen einer Fruchtfolge kann die voraussichtliche Phosphatabfuhr für einen Zeitraum von höchstens drei Jahren zugrunde gelegt werden. Bei der Kombination von mineralischer Unterfußdüngung und organischer Düngung über Gülle oder Gärsubstrat müssen die bereits eingetragenen Phosphatmengen daher immer berücksichtigt werden. Zur Sicherung der Phosphatversorgung in der Jugendentwicklung sind etwa 20 kg/ha P2O5 bei ausreichender Bodenversorgung und regelmäßiger organischer Düngung häufig ausreichend.

Eine Alternative zur deutlichen Reduzierung der klassischen P-Unterfußdüngung bei gleichzeitiger Absicherung einer guten Jugendentwicklung bietet der Einsatz von Mikrogranulaten in der Saatbanddüngung als Ersatz der mineralischen Unterfußdüngung. Der Unterschied zur klassischen Unterfußdüngung liegt in erster Linie im Applikationsort des Düngemittels. Die Mikrogranulate werden direkt an das Korn im Säschlitz gelegt, wodurch ein direkter Kontakt zwischen Granulat und Saatgut entsteht. Langjährige Versuchsergebnisse der LKSH zeigen, dass auf gut mit Phosphat versorgten Böden eine Saatbanddüngung die klassische Unterfußdüngung ersetzen kann. Die Ergebnisse dazu finden sich in Grafik 1.

Neben der mineralischen Düngung kann auch die organische Unterfußdüngung einen Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten. In mehrjährigen Versuchen der LKSH konnte gezeigt werden, dass mit Nitrifikationshemmern versetzte Güllen oder Gärsubstrate ein Nährstoffdepot im Wurzelbereich der Maispflanzen bilden. Dadurch kann der Nährstoffbedarf des Maises häufig ohne zusätzliche mineralische N- oder P-Unterfußdüngung gedeckt werden, ohne dass Ertragsverluste auftreten. In der Vergangenheit wurden Versuche in der Regel mit einer Bodenbearbeitung vor der Gülleablage verbunden. Mittlerweile fokussieren sich die Versuche auf die streifenweise Bodenbearbeitung (Strip-Till) mit gleichzeitiger Ablage von Wirtschaftsdüngern in den Boden. Durch die Platzierung der Nährstoffe im gelockerten Streifen stehen Stickstoff und Phosphor den jungen Pflanzen frühzeitig zur Verfügung. Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der Bodenoberfläche ungestört und mit Ernteresten bedeckt. Dadurch können die Bodenstruktur stabilisiert und das Risiko von Bodenabtrag verringert werden. Vor dem Hintergrund des Gewässerschutzes und der Bemühungen zur Reduzierung von Nährstoffeinträgen in die Ostsee werden solche Verfahren zunehmend untersucht, da Erosion und oberflächlicher Bodenabtrag zum Transport von Nährstoffen beitragen können.

Versuche der LKSH zeigen, dass eine solche Nährstoffplatzierung in Kombination mit streifenförmiger Lockerung auch unter Praxisbedingungen funktionieren kann. Am Standort Hüsby wurden in Versuchen unterschiedliche Varianten der Gülledüngung im Strip-Till-Verfahren untersucht. Dabei wurde auch geprüft, ob durch die Zugabe von Magnesiumsulfat in Form von Kieserit zur Gülle eine Struvitbildung angeregt werden kann. Struvit entsteht durch eine Ausfällungsreaktion zwischen Ammonium, Phosphat und Magnesium und bindet Stickstoff und Phosphor in einer stabileren Form. Diese Nährstoffe werden im Boden nur langsam gelöst und sind dadurch über einen längeren Zeitraum hinweg pflanzenverfügbar vorhanden. Das Ergebnis des Versuches ist in Grafik 2 dargestellt. Trotz einer im kühlen Frühjahr teilweise etwas verzögerten Jugendentwicklung im Strip-Till-Verfahren zeigte sich im weiteren Vegetationsverlauf eine gleichmäßige Bestandesentwicklung. Insgesamt erwies sich die Kombination aus streifenweiser Bodenbearbeitung und gezielter Nährstoffplatzierung im Vergleich zur flächigen Lockerung mit dem Grubber als vorteilhaft.

Organische Düngung effizient nutzen

Auf vielen Maisstandorten spielt die organische Düngung eine zentrale Rolle in der Nährstoffversorgung. Insbesondere auf Betrieben mit Rinderhaltung oder Biogasanlagen stehen häufig größere Mengen an Gülle oder Gärsubstrat zur Verfügung. Ein großer Teil des Stickstoffbedarfs kann daher bereits über Wirtschaftsdünger gedeckt werden. Langjährig organisch gedüngte Böden zeichnen sich häufig durch eine erhöhte Stickstoffnachlieferung aus dem Boden aus. Durch die vergleichsweise späte Beschattung der Flächen und günstige Bedingungen für die Mineralisation im Frühjahr kann zusätzlich Stickstoff freigesetzt werden. Diese standortspezifische Nachlieferung sollte bei der Planung der Düngung berücksichtigt werden. Damit die in den Wirtschaftsdüngern enthaltenen Nährstoffe möglichst effizient genutzt werden können, ist eine verlustarme Ausbringung entscheidend. Nach DÜV wird im Jahr der Ausbringung eine Mindestwirksamkeit von 60 % des Gesamtstickstoffs bei Rindergülle und Gärsubstrat sowie 70 % bei Schweinegülle angerechnet. Allerdings gilt es zu bedenken, dass immer mindestens der ermittelte Gehalt an NH4-N berücksichtigt werden muss. Um diese Nährstoffmengen tatsächlich pflanzenverfügbar zu machen, sollten Ammoniakverluste möglichst gering gehalten werden. Eine große Bedeutung hat daher die zügige Einarbeitung organischer Düngemittel nach der Ausbringung. Organische und organisch-mineralische Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff müssen auf unbestelltem Ackerland spätestens innerhalb einer Stunde nach Beginn der Ausbringung eingearbeitet werden. Neben der optimalen Ausbringtechnik ist auch eine regelmäßige Analyse der Wirtschaftsdünger sinnvoll, um die enthaltenen Nährstoffmengen in der Düngeplanung korrekt berücksichtigen zu können.

Grundnährstoffe und pH-Wert beachten

Neben Stickstoff und Phosphat sollten auch weitere Nährstoffe in der Düngeplanung berücksichtigt werden. Für eine stabile Entwicklung der Maisbestände ist eine ausgewogene Versorgung mit Kalium, Magnesium und Schwefel erforderlich. Besonders auf leichten und trockenen Standorten spielt eine ausreichende Kaliumversorgung eine wichtige Rolle für die Wasseraufnahme und die Standfestigkeit der Pflanzen. Ein Teil des Kaliumbedarfs kann bereits über Wirtschaftsdünger wie Gülle oder Gärsubstrat abgedeckt werden. Je nach Nährstoffgehalt der eingesetzten Dünger kann dennoch eine ergänzende Düngung notwendig sein. Häufig wird hierzu Korn-Kali eingesetzt, wodurch gleichzeitig auch Schwefel bereitgestellt wird. Wie sich der Bedarf an Grund- und Mikronährstoffen aus Bodenuntersuchung und Ertragsniveau ableiten lässt, zeigt die Beispielberechnung in der Tabelle. Auf Grundlage der ermittelten Bodenversorgung und der erwarteten Nährstoffabfuhr kann der verbleibende Düngebedarf für die jeweiligen Nährstoffe berechnet und gezielt ergänzt werden. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Nährstoffverfügbarkeit ist der pH-Wert des Bodens. Silomais reagiert empfindlich auf zu niedrige pH-Werte. Liegt der pH-Wert unter dem optimalen Bereich, kann die Aufnahme wichtiger Nährstoffe eingeschränkt sein. Durch regelmäßige Kalkgaben lässt sich der pH-Wert stabilisieren, und gleichzeitig kann über geeignete Kalkdünger auch der Magnesiumbedarf des Bodens berücksichtigt werden.

Fazit

Eine sorgfältige Planung der Maisdüngung bildet die Grundlage für stabile Erträge und eine effiziente Nutzung der eingesetzten Nährstoffe. Ausgangspunkt ist immer eine standortangepasste Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat nach den Vorgaben der Düngeverordnung. Darüber hinaus sollten auch die Beiträge aus organischen Düngemitteln sowie die Nährstoffnachlieferung des Bodens in der Düngeplanung berücksichtigt werden. Versuche der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zeigen, dass neben der klassischen Düngung auch eine gezielte Platzierung der Nährstoffe im Wurzelraum der Pflanzen Vorteile bieten kann. Verfahren wie die streifenweise Bodenbearbeitung mit gleichzeitiger Ablage von Wirtschaftsdüngern können dazu beitragen, die Nährstoffeffizienz zu erhöhen und die Jugendentwicklung der Maispflanzen zu unterstützen. Neben der Versorgung mit Stickstoff und Phosphat sollten auch die ausreichende Versorgung mit weiteren Nährstoffen sowie ein stabiler pH-Wert des Bodens im Blick behalten werden.

Wasserverfügbarkeit im Forst

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Die zunehmende Unvorhersehbarkeit der Wasserverfügbarkeit im Wald – insbesondere in der Vegetationszeit – stellt viele Forst­betriebe vor Herausforderungen. Neben den waldbaulichen Möglichkeiten der Baumartenwahl steht bei entsprechenden Ge­ländebedingungen und Bodenvoraussetzungen auch der Was­serrückhalt als Methode zur Verfügung. Ein Ziel dieser meist klein­räumigen Maßnahmen ist die Verbesserung des Wald-Mikroklimas durch Kühlungseffekte, insbesondere in den Sommermonaten.

Die Wasserrückhaltung der Winterniederschläge kann in trockeneren Frühjahren einen Puffer in der Wasserverfügbarkeit für den Laubaustrieb darstellen. Dabei spielt die dezentrale Wasserrückhaltung zunehmend eine größere Rolle.

Zur Veranschaulichung der praktischen Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserverfügbarkeit im Wirtschaftswald haben das Landesamt für Umwelt – Dezernat 51 – und die Kreisforsten Herzogtum Lauenburg kürzlich zur Nachmittagsexkursion eingeladen. Zusammen mit der Integrierten Station Lauenburgische Landschaften mit Sitz in Mölln konnten die Kreisforsten in den letzten Jahren an verschiedenen Forstorten bereits Wasserrückhaltemaßnahem in unterschiedlichem Umfang realisieren. Die interessierten Teilnehmer deckten ein breites Spektrum des Waldbesitzes ab und folgten der Exkursionsleitung gern zu den drei Waldbildern im Forstort Bälau in den letzten verschneiten Wintertagen.

Die durch den Revierleiter Jan Staecker vorgestellten Waldbilder boten das gesamte Portfolio an Herausforderungen, die in diesem Thema stecken.

Wiedervernässter Buchenstandort

Eindruck des Vernässungsstandes im Spätsommer 2025 Foto: Christiane Herty

Am ersten Waldbild wurden die Möglichkeiten für einen noch nicht wiedervernässten Bruchwaldstandort diskutiert. An dieser Stelle grenzt der Wald an eine landwirtschaftliche Fläche, sodass die Frage der Wasserrückhaltung auch eine Frage der nachbarschaftlichen und gewässerrechtlichen Situation ist.

Die Waldbilder zwei und drei liegen innerhalb des Waldes im Eigentum der Kreisforsten, sodass diese Fragen einer Umsetzung nicht im Wege standen. Beide Waldbilder zeichnen sich durch Geländesenken aus, die in unterschiedlichem Maße durch die Anlage von Lehmstauen zum Wasserrückhalt beitragen. Eine Überlaufrinne sorgt an beiden Stellen dafür, dass das Wasser die Lehmdämme bei einem Überangebot an Wasser umlaufen kann. Die Einstellung der für die jeweilige Situation idealen Stauhöhe führt durch gute Planung und unter Zuhilfenahme eines Höhenmodells sowie der vorliegenden Standortkartierung zum Erfolg.

Die Teilnehmer erhielten zahlreiche praktische Informationen zum Ablauf des Projektes von der Planung bis zur Umsetzung. Malte Festersen von der Integrierten Station zeigte die in Bälau verwendeten Gerätschaften, unter anderem einen selbst entworfenen Schlitten sowie das schwedische Eiserne Pferd. Dieses kleine, motorbetriebene Hilfsmittel sorgt mit Ketten und geringem Bodendruck für den Transport des Lehms zu seinem Bestimmungsort und erleichtert die Maßnahmenumsetzung sehr. Auch andere Gelände- und Standortsituationen wurden für die Umsetzung besprochen.

Die Maßnahmen in Bälau wurden vor gut einem Jahr umgesetzt. Revierleiter Jan Staecker zeigte sich mit den neu entstandenen Situationen sehr zufrieden und vermutet einen Gewinn für die Vitalität des angrenzenden Buchenbestandes. Dies bleibt für die Zukunft weiter zu beobachten.

Verschiebung von Lebensraumtypen

Eisernes Pferd im Einsatz Foto: Jeanine Wagner

In waldgeprägten Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebieten ist die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts in der Regel ein Ziel des Managementplans. Die Umsetzung kann zu kleinräumigen Verschiebungen der Lebensraumtypen (LRT) führen, zum Beispiel wenn sich ein buchengeprägter Wald-LRT zu einem erlengeprägten LRT entwickeln. Auch wenn die LRT-Anteile innerhalb eines FFH-Gebietes grundsätzlich erhalten bleiben sollen, werden sich dabei möglicherweise langfristig Veränderungen ergeben. Eine kleinräumige Veränderung der LRT im Gebiet kann somit ein Ausdruck eines erreichten Managementziels sein. Sterben Einzelbäume in der Übergangsphase ab, kann sich die Strukturvielfalt durch Biotopbäume und Totholz erhöhen. Sollte das Ausmaß einer möglichen Veränderung größere Flächen oder seltene LRT umfassen, bietet sich die Rücksprache mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde und dem Landesamt für Umwelt (LfU) im Vorfeld an. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Zuordnung zu den LRT in der Regel über die krautige Vegetation hergestellt wird.

Mit zahlreichen Eindrücken und der einen oder anderen Umsetzungsidee erreichten die Teilnehmer nach drei Stunden wieder den Ausgangspunkt.

Starke Frauen gestalten ihre Zukunft

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Von Oktober 2025 bis Mitte März 2026 haben 23 motivierte Teilnehmerinnen am 47. BAFF-Grundkurs in Osterrönfeld teilgenommen – mit großem Engagement, Offenheit und dem Willen, sich weiterzuentwickeln.

In insgesamt 18 Bausteinen wurde nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch die persönliche Entwicklung gefördert. Zu den Bausteinen im Grundkurs gehörten unter anderem Themen wie betriebliche Altersvorsorge, das digitale Agrarbüro, Besteuerung in der Landwirtschaft, Büroorganisation und Zeitmanagement sowie Mitarbeiterführung auf dem Hof. Besonders spannend in diesem Kurs: Gleich zu Beginn stellten sich die Teilnehmerinnen unter der Überschrift „Mein Platz auf dem Hof heute“ vor. Sechs Monate später, zum Abschluss, wurde genau dieses Thema erneut aufgegriffen – mit beeindruckenden Ergebnissen. Es war deutlich zu sehen, wie sehr sich die Frauen im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben und wie klar sie heute ihren Platz auf dem Betrieb beschreiben können. Am Abschlusstag präsentierten die Teilnehmerinnen ihre Ergebnisse in einer tollen, wertschätzenden Runde – ein gelungener Abschluss dieser intensiven Qualifizierung.

Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer, Ute Volquardsen (r.), überreichte den Teilnehmerinnen des BAFF-Grundkurses ihre Urkunden.

Neben vielen fachlichen Inhalten konnten ganz konkrete Fortschritte erzielt werden: Notfallordner wurden erstellt und gefüllt, die Digitalisierung in den Büros auf den Betrieben vorangebracht und wichtige Strukturen geschaffen. „Vor allem aber haben die Frauen im Laufe der Qualifizierung deutlich an Selbstbewusstsein gewonnen. Sie haben sich einen bunten Strauß an Wissen erarbeitet, der ihnen ermöglicht, aktiv mitzureden, Verantwortung zu übernehmen und auf den Betrieben sichtbar zu sein“, freut sich Anette Störtenbecker, die als Agrarreferentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein die Absolventinnen der BAFF-Kurse betreut. Auch der Aufbaukurs in Bredstedt konnte Anfang März nach sechs Bausteinen erfolgreich mit vielen Teilnehmerinnen abgeschlossen werden. Herzlichen Glückwunsch an alle Absolventinnen zu ihrer starken Leistung.

Die Teilnehmerinnen des BAFF-Grundkurses vor der Landwirtschaftskammer in Rendsburg
Auch der BAFF-Aufbaukurs ging Mitte März in Bredstedt zu Ende.

Save the Date

Forum für Frauen in der Landwirtschaft des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein

Am: 27. Mai, 11 bis 17 Uhr

Ort: Investitionsbank
Schleswig-Holstein (IB.SH)

Ostern ohne Eier?

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„Knapp, aber nicht dramatisch“, so wird die aktuelle Versorgungssituation mit Eiern im Lebensmittelhandel beschrieben. Es ist also genug Angebot da, bei einzelnen Haltungsformen oder Sortierungen kann es jedoch Lücken geben. Während in vielen anderen Bereichen in der Landwirtschaft die Erzeugerpreise aktuell nicht kostendeckend sind, berichten die Geflügelhalter von einer regen Nachfrage und stetigen Preisaufschlägen für Schlachtgeflügel und vor allem für Eier.

Seuchenzug verringert das Angebot

Dennoch ist die Stimmung auch in dieser Branche nicht ungetrübt. Denn eine Ursache des knappen Eierangebotes sind Ausbrüche der Geflügelpest auf vielen Betrieben. Das Friedrich-Loeffler-Institut meldete zuletzt etwa 20 neue Ausbrüche in Deutschland im Monat. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland aufgrund der Vogelgrippe mehrere Hunderttausend Tiere gekeult. Der Wiederaufbau der Bestände zieht sich hin. Dazu kommt das Seuchengeschehen in den Nachbarländern. Bei einem Selbstversorgungsgrad von 75 % ist Deutschland auf Importe angewiesen. Wichtigster Lieferant sind die Niederlande, gefolgt von Polen. Bereits im vorigen Jahr sorgte eine ähnliche Situation für einen Anstieg der Erzeugerpreise. So lag die Weser-Ems-Notierung für ein M-Ei zu Ostern 2024 noch bei 15,9 ct, stieg dann Ostern 2025 auf 18,75 ct und erreichte in der vorigen Woche 20,65 ct. In den letzten Wochen vor dem Osterfest war die Angebotssituation so knapp, dass viele Erzeuger nicht mehr die vertraglich gebundenen Packstellen beliefert, sondern die Eier selbst am freien Markt verkauft haben. Dafür wurden dann auch Vertragsstrafen in Kauf genommen. Höhere Erzeugerpreise sind notwendig, da ebenso die Kosten der Eierproduktion durch höhere Löhne, steigende Energiepreise und hohe Auflagen stetig steigen. Im vergangenen Jahr zahlten Verbraucher im Durchschnitt 2,02 € für eine Zehner-Packung Eier aus Bodenhaltung. Aktuell kostet die günstigste Packung vielerorts etwa 2,49 €.

Lokale Lieferketten als Vorteil

Zuletzt haben Presseberichte dafür gesorgt, dass sich Verbraucher stärker mit Eiern eindeckten. Gefragt sind aktuell vor allem weiße Eier zum Färben. Die Eiernachfrage ist jedoch auch insgesamt gestiegen. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2023 noch bei 236 Eiern und hat sich bis 2025 auf 252 Eier erhöht. Eier profitieren von ihrem Image als vergleichsweise günstige Eiweißquelle und damit Fleischersatz und passen in aktuelle Ernährungstrends. So trifft eine wachsende Nachfrage auf ein ohnehin knappes Marktangebot. Während die Importware meist in den Verarbeitungsbereich geht, versorgen sich viele Supermärkte mit Eiern aus der direkten Umgebung. Diese „Frühstückseier“ stammen also von benachbarten Höfen. So wird auf lange Transportwege verzichtet und die lokale Wirtschaft unterstützt. Es senkt zudem die Abhängigkeit von Importen. Wenn jedoch die lokalen Betriebe zum Beispiel von der Geflügelpest betroffen sind, können die Händler nicht einfach woanders einkaufen beziehungsweise müssen sich erst mit etwas Aufwand neue Lieferanten suchen. Durch diese bodenständigen Lieferketten steigt so die Anfälligkeit für Preisschwankungen. Insgesamt ist diese regionale Versorgung aber ein Pluspunkt für das Ei. Die Branche setzt damit um, was sich Verbraucher für andere Produkte wünschen. Daher lässt sich eine Knappheit in den Tagen vor dem Osterfest gut verkraften.

Weniger Fläche, aber Einschränkungen bleiben

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Im Dezember sprach Felix Schwartz aus Sörup offen über Existenzängste. Rund 55 ha seiner Flächen sollten damals Teil eines geplanten Naturschutzgebietes am Winderatter See werden – für den Milchviehbetrieb mit Jerseyherde ein Szenario mit ungewissem Ausgang. Drei Monate später klingt die Lage weniger dramatisch. Entwarnung will der Landwirt dennoch nicht geben.

In einer Informationsveranstaltung des Landesamtes für Umwelt (LfU) im Grundhofer Krug wurde jetzt der aktuelle Stand der Planungen vorgestellt. Rund 80 bis 100 Interessierte und Betroffene waren gekommen, um sich über das geplante Naturschutzgebiet Winderatter See, Tal der Kielstau und Umgebung zu informieren.

Zentrale Botschaft des Abends: Statt rund 500 ha umfasst der aktuelle Entwurf der Gebietskulisse nun rund 342 ha. Bei Schwartz wären nach aktuellem Stand nur noch etwa 20 ha betroffen.

„Das ist mit der Situation im Dezember nicht mehr zu vergleichen“, sagt Schwartz. Damals habe große Unsicherheit geherrscht, verbunden mit der Sorge, den Betrieb in seiner jetzigen Form nicht fortführen zu können. Heute sei die Lage „deutlich entschärft“, auch wenn ein fader Beigeschmack bleibe.

Dass es zu dieser Anpassung kam, ist nach Darstellung des LfU auch Ergebnis zahlreicher Gespräche mit Betroffenen. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung habe es Abstimmungen mit Eigentümern und Bewirtschaftern gegeben. Ein Prozess, der aus Sicht vieler Beteiligter Wirkung gezeigt hat.

Einschränkungen bleiben

Die nun vorgestellten Regelungen greifen weniger stark in die Bewirtschaftung ein als zunächst befürchtet. Grünland darf weiterhin genutzt werden, auch Beweidung und Mahd bleiben grundsätzlich möglich. Feste Vorgaben zu Schnittzeitpunkten oder eine Begrenzung der Schnitthäufigkeit sind nicht vorgesehen.

Allerdings gibt es Einschränkungen: Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf Grünlandflächen künftig nicht mehr zulässig, ein Umbruch sowie die Umwandlung in Ackerland sind ausgeschlossen. Auch eine Intensivierung der Entwässerung ist nicht erlaubt. In Gewässerrandstreifen gelten zusätzliche Vorgaben, etwa Einschränkungen bei der Düngung.

Betroffen sind auch Jäger, Forstwirte, Anwohner, Besucher und Angler, etwa durch zusätzliche Vorgaben wie bei der Kitzrettung, wo Drohneneinsätze unter Umständen genehmigungspflichtig sind.

Für Ackerflächen sind insbesondere im 25 m breiten Randstreifen an der Kielstau Einschränkungen vorgesehen. Dort sind weder Düngung noch Pflanzenschutzmittel oder ein Umbruch zulässig. Für diese Flächen besteht die Möglichkeit eines finanziellen Ausgleichs.

Auch wenn zentrale Befürchtungen, etwa eine drastische Reduzierung der Schnittnutzung, sich nicht bestätigt haben, sieht Schwartz weiterhin Herausforderungen. „Der Betrieb läuft erst einmal ganz normal weiter“, sagt er. Anpassungen könnten sich aus den indirekten Folgen der Auflagen ergeben. Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel könne bei starkem Unkrautdruck zum Problem werden. Auch die Futterqualität und -menge könnten langfristig beeinflusst werden. „Das muss man dann sehen und darauf reagieren“, so Schwartz. Im Zweifel könne zusätzlicher Futterzukauf notwendig werden.

Wirtschaftlichkeit infrage

Ein zentraler Kritikpunkt bleibt die wirtschaftliche Seite. Für Einschränkungen auf Grünlandflächen ist derzeit keine direkte Entschädigung vorgesehen.

Während für Ackerflächen Ausgleichszahlungen möglich sind, müssen Grünlandbewirtschafter auf freiwillige Programme wie den Vertragsnaturschutz ausweichen. Diese sind jedoch an zusätzliche Auflagen gebunden und nicht garantiert. „Am Ende bedeutet das für uns vor allem mehr Aufwand, mehr Bürokratie und mehr Unsicherheit“, beschreibt Schwartz die Situation.

Die bestehenden Pachtverträge liefen unabhängig davon weiter. Auch die Frage nach möglichen Wertverlusten von Flächen wurde angesprochen. Seitens des LfU wurde dies verneint, eine Einschätzung, die im Publikum nicht überall auf Zustimmung stieß.

Gleichzeitig wurde auf der Veranstaltung deutlich, dass es sich beim geplanten Schutzgebiet nicht um ein kurzfristiges Vorhaben handelt. Planungen existieren nach Angaben des LfU bereits seit Jahrzehnten. Große Teile der Flächen befinden sich bereits in öffentlicher Hand oder wurden gezielt für Naturschutzzwecke entwickelt.

Das Gebiet rund um den Winde­ratter See gilt als ökologisch wertvoll. Moorige Niederungen, extensiv genutztes Grünland und Gewässer bieten Lebensraum für zahlreiche Arten – von Wiesenvögeln über Amphibien bis hin zu Insekten. Ziel der Unterschutzstellung ist es vor allem, Nährstoffeinträge zu reduzieren und bestehende Lebensräume langfristig zu sichern.

Mit der Informationsveranstaltung ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Der Verordnungsentwurf soll öffentlich ausgelegt werden, Stellungnahmen können abgegeben werden. Diese werden anschließend geprüft und fließen gegebenenfalls in die endgültige Fassung ein.

Zeitplan unklar

Das LfU strebt einen Abschluss des Verfahrens noch in diesem Jahr an. Der Zeitplan hängt aber maßgeblich davon ab, wie viele Stellungnahmen eingehen und wie aufwendig deren Prüfung ausfällt.

„Wir werden auf jeden Fall eine Stellungnahme abgeben“, sagt Schwartz. Ob und in welchem Umfang diese berücksichtigt werde, sei jedoch offen. Hier setze man auf die zugesagte Einzelfallprüfung. Für den Milchviehbetrieb in Sörup bleibt es eine gemischte Bilanz. Die ursprünglichen Existenzsorgen haben sich nicht bestätigt, der Betrieb kann voraussichtlich weitergeführt werden. Gleichzeitig bleiben wirtschaftliche Risiken und ein erhöhter Abstimmungsbedarf. „Es ist besser geworden, aber ganz zufrieden kann man damit nicht sein“, fasst Schwartz zusammen. Entscheidend sei nun, dass sich die Rahmenbedingungen perspektivisch nicht weiter verschärften und Planungssicherheit bestehe. 

Foto: Thore Groth
Foto: Thore Groth
Foto: Thore Groth


Eier in schmucken Drahthüllen

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Heide Riedel aus Schönberg im Kreis Plön war über viele Jahre eine gern gesehene Ausstellerin rund ums Ei. Ob bei den traditionellen Ostereiermärkten im Tönninger Packhaus, Heikendorfer Künstlermuseum oder Eutiner Ostholstein-Museum, ihre Kreationen präsentierte sie mit Herzblut und Freude einem interessierten Publikum. Doch nun soll es gut sein. Die 88-Jährige zeigt für das Bauernblatt ein letztes Mal ihre kunstvoll mit Draht ummantelten Werke.

Mit der Teilnahme am diesjährigen Ostereiermarkt im Heikendorfer Künstlermuseum setzte Heide Riedel einen Schlusspunkt. Als wohl älteste Mitwirkende verkündete sie das Ende. Nun solle es gut sein, entschied die hochbetagte Seniorin. „Alle Rohlinge, die ich noch in meinem Fundus hatte, sind jetzt aufgebraucht“, erzählt sie.

Dekorative Eier im Drahtgeflecht sind zum Osterfest ein hübscher ­„Ei-Catcher“.
Foto: Silke Bromm-Krieger

In ihrem Apartment hat die Künstlerin in Pappschächtelchen noch eine hübsch verzierte Eierauswahl bruchsicher verwahrt, zur Erinnerung in zwei Alben Fotos ihrer schönsten Werke versammelt. Ob ihr das Abschiednehmen von der lieb gewonnenen Beschäftigung schwerfalle? Riedel hält kurz inne, überlegt und sagt voller Überzeugung: „Nein.“ Über die Zeit habe sie leise schleichend gemerkt, dass ihre Augen nicht mehr so wollten und es für ihre Hände zunehmend anstrengender wurde, mit dem störrischen, unflexiblen Material Draht umzugehen. „Jetzt will ich mich nur noch meinen Handarbeiten widmen. Ich bin begeisterte Quilterin und gestalte gern Patchworkdecken. Da habe ich es mit angenehm weichen Stoffen zu tun“, meint sie. Dass Riedel eine künstlerische und kreative Ader hat, kommt nicht von ungefähr.

So war ihr Urgroßvater Hofjuwelier des dänischen Königs, ihre Tante Käte Lassen (1880-1956) eine bedeutende Malerin und Glaskünstlerin. Sie selbst absolvierte von 1969 bis 1975 an der Fachhochschule und Werkkunstschule Schwäbisch Gmünd eine Ausbildung zur Gestaltenden Goldschmiedin und legte anschließend die Meisterprüfung ab. Von 2006 bis 2007 qualifizierte sie sich in einer Fortbildung zur Restauratorin im Gold- und Silberschmiedehandwerk. Im Berufsleben war sie selbstständige Goldschmiedemeisterin und nahm parallel regelmäßig an ausgewählten Kunsthandwerkermärkten wie dem Goldschmiedemarkt auf Antik Hof Bissee teil. Um ihr Angebot zu erweitern, fing sie irgendwann an, Eier aus dünnen Drahtgeflechten in Kupfer und Silber zu gestalten. Der Zuspruch der Kundschaft zu den zarten Kreationen blieb hinter den Erwartungen, und Riedel überlegte, wie sie ihre Eierkunst weiterentwickeln könnte. Eine Begegnung mit Dr. Klaus-Dieter Hahn (†), dem damaligen Leiter des Ostholstein-Museums, brachte für sie überraschende Impulse und Erkenntnisse. Der Heimatforscher, der selbst verzierte Ostereier sammelte und den Ostereiermarkt im Ostholstein-Museum ins Leben rief, machte sie mit der Tradition der slowakischen Drahtostereier-Herstellung bekannt. Er gab ihr auch entsprechende Literatur mit auf den Weg. Besondere Aufmerksamkeit fand ein Katalog mit dem Titel „Gebogen und gebunden“ des Považské múzeum in Žilina. Es ist das einzige Museum in der Slowakei, das sich intensiv mit der Erforschung und Dokumentation der Drahtbinderei und mit dem Aufbau einer Datenbank internationalen Maßstabs zu diesem Thema befasst.

Jedes Ei ist ein unwiederbringliches Unikat.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Riedel las in der Publikation, dass das Umflechten der Eier mit Drahtnetzen in der Slowakei auf eine lange Tradition zurückgeht und dort vermutlich schon im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einem typischen, einheimischen Handwerk wurde. Die Drahtbinderei entstand als zusätzliche Einnahmequelle der männlichen Bevölkerung in Zeiten von Missernten. Die umflochtenen Eier waren dabei nur ein Produkt der vielfältigen Drahtbinderei-Erzeugnisse. Die luftigen Konstruktionen wurden ausschließlich in feinster Handarbeit hergestellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als sich die politische Ordnung in Europa veränderte, begann dort der Niedergang der Drahtbinderei, nach dem Zweiten Weltkrieg war sie in ihrer ursprünglichen Form verschwunden. Erst ab 1989 keimten ein neues Interesse und eine neue Bewertung der traditionellen Kultur auf, die in der Slowakei zu einer Wiederbelebung des Handwerks führten.

Autodidaktisch erlernt

Nach der Fachlektüre und dem Anschauen unzähliger Fotos fuchste sich die Künstlerin mit Elan ins unbekannte Metier hinein. „Es müssen zu Ostern ja nicht immer nur bemalte Eier sein“, dachte sie sich. Autodidaktisch erlernte sie verschiedene Drahtbinde- und Umflechtungstechniken, was sich zunächst als recht mühsam herausstellte. Doch sie ließ nicht locker, wusste, dass Übung die Meisterin macht, und experimentierte mit farbig lackiertem Kupferdraht sowie Gold- und Silberdraht.

„Für die Drahtbindetechnik benötigt man für jedes Ei einen etwa 6 bis 7 m langen Draht, den man in vielen kleinen Schlingen um das Ei legt. Nach einigen Versuchen lernte ich je nach Häufigkeit und Dichte der Schlingen, immer wieder neue Muster zu entwerfen und zu verwirklichen“, blickt sie zurück. Beim Gestalten habe sich zudem herausgestellt, dass das Hühnerei von seiner Größe und Form her am besten dafür geeignet sei.

Draht, Schere, Ei: Für die Drahtbinderei braucht es neben einer künstlerischen Hand nur wenig Material.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Im Jahr 2012 nahm sie mit ihren Eiern im Drahtgewand erstmals am Friedrichstädter Ostereiermarkt teil. Die Premiere verlief erfolgreich, sodass sie in der Folge am Ball blieb. Sie beobachtete auch, dass sie mit ihrer Art der Gestaltung auf den Märkten die Einzige war. „Meist fing ich im Herbst mit dem Drahtbinden an, sodass ich dann für die Märkte im Frühjahr genügend Exponate zusammenhatte“, berichtet sie. Die filigrane Arbeit sei manches Mal eine Herausforderung gewesen. „So nebenbei kann man das Drahtbinden nicht betreiben. Es erfordert viel Zeit, eine leichte Hand, eine hohe Konzentration, jede Menge Fingerspitzengefühl, Geschick und Geduld. Stundenlang am Stück kann man sich nicht damit beschäftigen. Es braucht zwischendurch Pausen“, weiß sie aus Erfahrung.

Blütenartige Schlaufen

Damit man sich das alles besser vorstellen kann, will sie spontan die Kunst des Drahtbindens anschaulich an einem Ei demonstrieren. Doch ein dafür benötigter Rohling ist, wie bereits eingangs erwähnt, in ihrem Haushalt nicht mehr vorhanden. Die Künstlerin behilft sich kurzerhand mit einem rohen Hühnerei aus der Küche. Verschärfte Bedingungen! Wenn das gute Stück versehentlich kaputtgehen sollte, gibt’s Rührei. Doch davon lässt sie sich nicht beirren. Sie schneidet beherzt ein langes Stück Draht von der Rolle ab und beginnt, daraus einen kleinen Ring zu formen, um den sie mit flinker Hand fünf blütenartige Schlaufen fädelt. Die erste Runde um den Ring ist so geschafft. An ihr legt sie die nächsten Runden an, bis das Gebilde eine Ausweitung von etwa 1 bis 2 cm erreicht hat.

Ein kleiner Ring, um den blütenartig Schlaufen gefädelt werden, steht am Anfang eines jeden Werkprozesses.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Jetzt kommt das Ei ins Spiel, denn das Geflecht muss nun vorsichtig ans Oval angepasst werden. Weiter gestaltet sie Schlaufe um Schlaufe, während sie das noch flexible und wackelig auf dem Ei liegende Drahtgeflecht gleichzeitig gut festhalten muss, bis sie zur Mitte des Eis gelangt. In diesem Stadium zieht sich der Draht selbst fest und schmiegt sich an die Form des Eis an. „Zu Beginn sind mir im Werkprozess etliche Eier kaputtgegangen. Das war schade, weil ein begonnenes Drahtgebilde nicht automatisch auf ein anderes Ei passt. Da war dann die vorherige Mühe wertlos.“ Für bestimmte Muster zeichnete sich Riedel eigene Kreuzstichvorlagen, wie sie bei textilen Techniken zur Herstellung von Spitzen und Häkelmustern verwendet werden. Akribisch arbeitete sie nach dieser Anleitung, zählte Kästchen für Kästchen genau ab.

Mit 88 Jahren geht Heide Riedel in den Eierkunst-Ruhestand.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Was sie an der Drahtkunst so fasziniert und geliebt habe? „Das Spannende war, dass man anfangs nie wusste, wie das tatsächliche Endergebnis aussehen würde. Das komplette Muster ergab sich erst zum Schluss, wenn ich in der letzten Runde des Umflechtens angekommen war“, antwortet die Rentnerin. Auch mit den eigenen Händen unwiederbringliche Unikate geschaffen zu haben, die andere Menschen erfreuten, habe sie froh gemacht. Ein seltenes altes Handwerk lebendig zu halten, ebenso. Als wir uns an der Haustür voneinander verabschieden, kommt bei Heide Riedel vielleicht doch noch ein kleines bisschen Wehmut auf. „Dann ist das jetzt wohl das Ende der Karriere“, sagt sie, während ein verhaltenes Lächeln um ihre Mundwinkel huscht.

Aktuelle Erkenntnisse aus der Bodenkunde, Teil 1

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Mit dem NordLink wurde 2021 eine rund 623 km lange 525-kV-Hochspannungs-Gleichstromverbindung zwischen Deutschland und Norwegen in Betrieb genommen, um Erneuerbare Energien auszutauschen. Das überwiegend als Seekabel ­verlegte Kabelsystem erreicht bei Büsum das Land und verläuft bis zur Konverterstation in Wilster rund 54 km als Erdkabel, der Großteil durch landwirtschaftlich genutzte Böden. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten im Jahr 2020 konnten viele Landwirte ihre Flächen bereits im darauffolgenden Jahr wieder bewirtschaften. Dennoch stellt sich die Frage nach langfristigen Auswirkungen auf Bodenstruktur und Ertrag.

Bedeutsam sind dabei besonders die mit der Bodenbewegung einhergehende Störung der Bodenstruktur und Veränderungen der Bodeneigenschaften. Um die bodenkundlichen und pflanzenbaulichen Auswirkungen zu untersuchen, führte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel 2024 und 2025 ein Monitoring durch.

Monitoring der HAW Kiel

Im Rahmen des Monitorings wurden im Zeitraum 2024 bis 2025 von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel im Fachbereich Agrarwirtschaft, Fachgebiet Bodenkunde und Pflanzenernährung, insgesamt zehn Flächen mit Silomais, drei Flächen mit Wintergerste und vier Flächen mit Winterweizen untersucht. Um jeweils die gesamte Fläche zu betrachten, wurden die Bestände mit einer Drohne überflogen und multispektrale Aufnahmen erstellt. Anschließend ­wurde ein Pflanzenindex (NDVI/NDRE/­MSAVI) je Pixel berechnet, um die photosynthetisch aktive Biomasse zu quantifizieren. Die Entnahme von Ernteproben in unterschiedlichen Indexbereichen (niedrig, mittel und hoch) ermöglichte die Erstellung einer Korrelation zwischen Index und Ertrag. Im Anschluss wurden der Bereich der Trasse und ein flächenspezifischer Referenzbereich gegenübergestellt und verglichen (siehe Abbildung 1).

Ertragsdifferenzen zwischen −1 % und −12 %

Die Erträge (siehe Tabelle) im Bereich der Kabeltrasse lagen auf allen untersuchten Flächen unter dem Ertrag in der Referenz (unbeeinflusster Bereich). Insgesamt lagen die Ertragsdifferenzen zwischen minus 1 % und minus 12 %. Dabei ließ sich keine Kulturart mit besonders hohen oder mit besonders niedrigen Ertragsunterschieden erkennen. Die Unterschiede beim Silomais waren 2024 tendenziell höher. Dies ist wahrscheinlich auf Witterungsunterschiede während der Vegetationsperiode in den entsprechenden Jahren zurückzuführen. Bei etwas höheren Temperaturen und besser verteilten Niederschlägen im Sommer fielen die Ertragsunterschiede beim Silomais 2025 etwas geringer aus. Zu berücksichtigen ist, dass 2024 das vierte Erntejahr nach den Bauarbeiten war und im Jahr 2025 der Bau bereits fünf Jahre zurücklag.

Insgesamt lagen die ermittelten Erträge auf einem für die Region typischen Niveau. Bedeutsam ist, dass mit der angewendeten Methodik nicht unterschieden werden kann, inwieweit die verringerten Erträge auf den Einbau der Kabel (Bodenbewegung) oder den Betrieb des Erdkabels und die daraus resultierende Wärmeabgabe zurückzuführen sind.

Erhöhte Bodentemperatur in den Kabelgräben

Neben den Ertragserhebungen wurden Bodenuntersuchungen und -temperaturmessungen durchgeführt. Auf drei Flächen wurden Temperatursensoren installiert, die Bodentemperatur und Bodenwassergehalt in 10 cm, 30 cm und 45 cm Tiefe erfassen. Dabei ließen sich auf allen drei Feldern höhere Temperaturen im Kabelgraben feststellen. Diese lagen auf einer der Flächen im Zeitraum vom 15. November 2025 bis zum 15. Februar 2026 in 45 cm Tiefe bei im Mittel plus 1,25 K. In 10 cm Tiefe ließ sich noch eine Erhöhung der Temperatur um plus 0,69 K feststellen (vergleiche Abbildung 2). In 1 m Entfernung zum Kabelgraben konnten keine signifikanten Erhöhungen der Bodentemperatur mehr festgestellt werden. Auf den anderen Flächen lagen die Werte in einem ähnlichen Bereich. Während der Sommermonate ließen sich im Kabelgraben tendenziell geringere und über die niederschlagsreichen Herbstmonate höhere Bodenwassergehalte feststellen.

Veränderte Bodeneigenschaften

Um den Einfluss auf weitere relevante Bodenparameter zu erfassen, wurden auf zwei Flächen Bodenproben (Stechzylinder und Bohrstock) im Kabelgraben und außerhalb (Referenz) entnommen. Offensichtlich hat das Befüllen des Kabelgrabens dazu geführt, dass ab einer Tiefe von zirka 30 cm höhere Sand- und entsprechend geringere Schluff- und Tongehalte vorzufinden waren. Auch das Porensystem ist durch die Baumaßnahme nachhaltig verändert worden: Während sich auf den Referenzen die Wasserleitfähigkeit zwischen Ober- und Unterboden nicht unterschied, konnte im Bereich der Kabelgräben unterhalb des Bearbeitungshorizontes eine geringere Wasserleitfähigkeit festgestellt werden. Dies deutet daraufhin, dass die Porenkontinuität, die Ober- und Unterboden funktional miteinander verbindet, durch Regenerationsprozesse auch nach fünf Jahren noch nicht vollständig wiederhergestellt ist.

In Dithmarschen sind und werden zahlreiche Erdkabel verlegt.

Fortführung im Jahr 2026

Für das Erntejahr 2026 ist eine Fortführung des Monitorings auf weiteren Flächen vorgesehen. Dabei kann voraussichtlich auch die 2025 entstandene Erdkabeltrasse BorWin 6 auf Ertragsunterschiede untersucht werden, um die Auswirkungen im ersten Jahr nach dem Einbau des Kabelsystems zu quantifizieren. Zudem sind durch die Auswertung weiterer Bodenparameter zusätzliche Erkenntnisse hinsichtlich des Regenerationsverhaltens der Böden in Dithmarschen zu erwarten.

An dieser Stelle muss bedacht werden, dass die Auswirkungen von Erdkabeltrassen von zahlreichen Faktoren wie der Bodenart, der Auslastung des Kabels, der Qualität der Bauarbeiten sowie den Witterungsbedingungen abhängen. Auch die Folgebewirtschaftung kann die Auswirkungen beeinflussen. So können der Anbau intensiv bewirtschafteter Kulturarten wie Kartoffeln oder wendende Bodenbearbeitung die Regeneration des Bodens verzögern, während Ertragsdepressionen mit dem Anbau strukturfördernder Arten minimiert werden können.

Fazit

Die NordLink-Trasse führte in den Erntejahren 2024 und 2025 auf den 17 untersuchten Flächen zu geringeren Erträgen im Bereich der Trasse zwischen 1 % und 12 %. Somit ließen sich auch vier beziehungsweise fünf Jahre nach dem Einbau noch Ertragsdepressionen im überwiegend jedoch einstelligen Bereich feststellen. Diese Ergebnisse decken sich mit Ergebnissen aus Testfeldern im Bereich des SüdLinks und der Literatur. Weitere Untersuchungen in der kommenden Vegetationsperiode versprechen zusätzliche Erkenntnisse besonders hinsichtlich des Regenerationsverhaltens der Marschen in Dithmarschen. Insgesamt sind die dargestellten Ergebnisse als vorläufig zu interpretieren.