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Grünes Sofa auf der Norla

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Die 76. Norla ist erfolgreich am Sonntag zu Ende gegangen. In der Kammer-Halle ging es um Innovationen, die Ausbildung und ein völlig neues Format wurde etabliert.

Unter dem Motto Menschen, Meinungen, Landwirtschaft nahmen prominente Schleswig-Holsteiner auf unseren grünen Sofas Platz und beantworteten teilweise auch persönlich Fragen rund um den Agrarsektor. Wer es verpasst hat, die Interviews sind auf dem Instagram-Kanal der Landwirtschaftskammer SH zu finden.

EM Vielseitigkeit der Junioren und Jungen Reiter

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Für den deutschen Vielseitigkeitsnachwuchs hat sich die weite Anreise nach Segersjö in Schweden gelohnt: Sie holten viermal Gold, Silber und Bronze. Unter den Reitern waren auch der Fehmaraner Mathies Rüder, der mit gleich zwei goldenen Medaillen nach Hause fuhr, und Iliane Hannalisa Hein, die Gold und Silber mit zurück nach Boren, Kreis Schleswig-Flensburg, brachte.

„Wir hatten eine tolle Woche in Schweden, mit sehr guten Bedingungen, und sportlich hat es auch gut gepasst“, resümierte Mathies Rüder. „Mit zwei Goldmedaillen nach Hause zu fahren ist ein ganz besonderes Gefühl.“

Der 21-Jährige war mit seinem schwedischen Warmblut Hjoptimus sehr gut ins Turnier gekommen. Mit seiner persönlichen Bestleistung setzte er sich gleich zu Beginn auf den zweiten Platz der Jungen Reiter und blieb danach im Gelände fehlerfrei. Doch das abschließende Springen stellte sich als anspruchsvoll heraus. Nur drei Reitern gelang eine Nullrunde. Unter ihnen war auch Rüder, der seine Erfahrung im Parcours voll ausspielen konnte. Er gewann im Springen schon Große Preise und im vergangenen Jahr sein erstes Weltranglistenspringen. Mit 23,7 Minuspunkten beendete er die EM als einziger mit seinem Dressurergebnis und durfte sich als Europameister feiern lassen.

Teamkollegin Pita Schmid aus Sachsen holte Bronze, der Hesse Carl Voigt kam auf Platz vier. So gewannen die Jungen Reiter Mannschaftsgold mit 30 Punkten Abstand zu den zweitplatzierten Briten.

Bei ihren ersten Europameisterschaften holten Iliane Hannalisa Hein und Akeby’s Quemiro Silla Gold mit der Mannschaft und Silber im Einzel. Foto: FEI/Kim C Lundin

Bei den Junioren schaffte Jona Isabell Heine aus Ammersbek, Kreis Stormarn, mit Chantilly Nullrunden im Gelände und Springen und beendete ihre EM-Premiere auf Platz sechs. Die anderen deutschen Starter waren sogar noch besser. Die Rheinländerin Teresa Leowald setzte sich direkt an die Spitze, dicht gefolgt von der amtierenden Deutsche Meisterin, Iliane Hannalisa Hein mit Akeby’s Quemiro Silla. Damit übernahmen die Junioren direkt die Führung und gaben sie nicht wieder her. Mit vier fehlerfreien Runden im Springen – lediglich ein Zeitfehler kam hinzu – bewiesen die vier ihre Dominanz und sicherten sich unangefochten die Goldmedaille. Auch in der Einzelwertung blieben die deutschen Paare vorn: Gold für Leowald und Silber für Hein.

„Es war eine tolle Woche mit einem bombastischen Team“, befand die Vizeeuropameisterin und freute sich, dass „Smoky“, wie sie ihren Wallach aus der Familienzucht nennt, sich von einem ängstlichen Fohlen zu einem so tollen Vielseitigkeitspartner entwickelt hat. Auch ihre Mutter Susan Hein ist stolz auf die beiden: „Iliane hat eine mentale Entwicklung zu einem selbstbewussten, mündigen Athleten hingelegt“, findet sie. Nach dem Geländeritt schwärmte Iliane dann auch: „Das ist wie fliegen. Smoky war so toll, ich konnte den Geländeritt richtig genießen.“

Tafeltrauben – süß und fruchtig

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Speziell für den Verzehr gezüchtete Tafeltrauben sind ein ganz besonderer Genuss. Auch wenn der Norden Deutschlands nicht unbedingt als Weinanbaugebiet bekannt ist, gedeihen die frostharten Weinreben auch hier. Und mit ein paar Tricks lassen sich besonders große und süße Trauben ernten.

Wer den Anbau von Weintrauben ausprobieren möchte, wählt am besten eine der unten aufgeführten Sorten der Tafeltraube. Wichtigste Voraussetzung ist ein warmer, vollsonniger Standort, der ausreichend Wind- und Frostschutz bieten sollte. In Frage kommt dafür zum Beispiel eine geschützte Hauswand Richtung Südosten oder Südwesten. Der pH-Wert des Boden liegt im Idealfall zwischen 5 und 7,5. Eine lockere, tiefgründige und wasserdurchlässiger Beschaffenheit des Bodens ist ideal. Tipp: Keinesfalls in verdichteten oder mit Bauschutt durchsetzen Boden pflanzen. Im Zweifel besser in einem großen, sehr standfesten Kübel kultivieren.

In der laublosen Zeit ist die Erziehungsform gut erkennbar. Foto: Karin Stern

Trauben bilden sich an den einjährigen Trieben, die zweijährigem Holz entspringen. Daher ist der entsprechende Schnitt eine weitere Einflussgröße hinsichtlich des Ertrags. Ungeschnitten können die Triebe starkwüchsiger Sorten schon mal 10 m Länge erreichen. Um das Fruchtwachstum zu fördern, nehmen Sie einen kräftigen Rückschnitt des Fruchtholzes bereits im Spätwinter vor. Hier sind der sogenannte Zapfenschnitt und der Streckerschnitt zu unterscheiden, in Abhängigkeit von der Wuchskraft der jeweiligen Sorte. Zudem sind weitere Schnitte im Frühjahr und Sommer notwendig, um das Längenwachstum zu begrenzen.

Eine Bodenbedeckung aus Mulch hält die Feuchtigkeit im Erdreich. Foto: Karin Stern

Düngung und Wasserversorgung beeinflussen ebenfalls den Ertrag. Weintrauben weisen keinen hohen Feuchtigkeitsbedarf auf, sollten aber dennoch bei andauernder Trockenheit etwas Wasser erhalten. Erkundigen Sie sich beim Kauf der Pflanze nach einer Düngeempfehlung für Ihre Sorte. Stickstoff setzen Sie am besten vorsichtig ein, denn ein Zuviel davon begünstigt vor allem die Blattentwicklung und damit auch Blattkrankheiten.

Zudem kann es sinnvoll sein, einen zu starken Fruchtbehang bereits im Juni herauszuschneiden. Die verbleibenden Trauben (etwa zehn Stück pro Pflanze beziehungsweise zwei Fruchtstände pro Trieb) werden in der Folge besser mit Nährstoffen versorgt, entwickeln sich größer und reichern mehr Zucker an. Ebenfalls im Juni gilt es, alle aus dem alten Holz austreibenden Wasserschosser an ihrer Basis herauszuschneiden. Sie stehen in direkter Konkurrenz zu den Fruchttrieben. Im Juli und August brechen Sie die aus den Haupttrieben entspringenden Seitentriebe heraus. Das ist vergleichbar mit dem Ausgeizen bei Tomaten. Diese Triebe nehmen den Trauben Licht und Sonne weg. Schneiden Sie dabei auch störende Blätter weg, die Schatten auf die Trauben werfen. Tipp: Bei jedem Arbeitsgang immer auf Krankheiten oder Schädlinge achten und die befallenen Blätter gleich über die Mülltonne entsorgen.

Kranke Blätter sollten so schnell wie möglich entfernt werden. Foto: Karin Stern

Für die Neupflanzung einer Weinrebe bietet sich der April an. Containerware kann noch bis in den Sommer hinein gepflanzt werden. Das Pflanzloch sollte etwa 50 cm tief sein (Sohle ebenfalls lockern). Setzen Sie die Pflanze etwas schräg zum Spalier ein und achten Sie darauf, dass die Veredelungsstelle oberhalb der Erde liegt. Wer mag, kann aus einer Weinrebe locker eine 6 m breite Spalierpflanze ziehen. Die im Handel angebotenen Tafeltrauben sind mit ihren zwittrigen Blüten allesamt selbstfruchtbar. Eine Pflanze ist also ausreichend, um Trauben ernten zu können. Frühe Sorten reifen bereits im August, späte gegen Ende September oder gar Anfang Oktober. Der richtige Erntezeitpunkt ist an der sortentypischen Beerenfarbe und natürlich auch am Geschmackstest erkennbar. Leider sind auch Vögel und Wespen sehr an den süßen Beeren interessiert. Vogelschutznetze halten nur Vögel fern, Wespen schlüpfen durch die Maschen.

Ein solch dichter Blätterteppich macht die Pflanzen sehr anfällig für Mehltau. Foto: Karin Stern

Wer noch eine nichtresistente Sorte im Garten hat, kennt das Problem mit Mehltau. Die Beerenhaut platzt auf, ein weißer Belag überzieht die Blätter (Echter Rebenmehltau) oder sie sterben vorzeitig ab und die Beeren vertrocknen (Falscher Mehltau). In beiden Fällen sind infiziertes Laub und kranke Beeren über die Mülltonne zu entsorgen. Vorbeugend hilft das Auslichten der Ranken, damit das Laub schneller abtrocknet und weniger gefährdet ist. Eine Alternative besteht in der Neupflanzung einer pilzfesten Sorte.

Empfehlenswerte, weitgehend pilzfeste Traubensorten (Auswahl):

Lakemont: grüne Trauben, kernarm, mittelgroße Früchte
Phoenix: gelbe Trauben, mittelgroß, muskatähnliches Aroma
Muscat bleu: blaue Trauben, hervorragender Geschmack, sehr robust
Romulus: grüne Trauben, starkwüchsig, weitgehend kernlose Früchte
Venus: blaue Trauben, groß und kernarm, sehr winterhart
Vanessa: rosafarbene Trauben, kernarm, große Früchte, tolerant gegen Pilzkrankheiten
Frumoasa Alba: gelbe Traube, kernarm, sehr aromatisch

Tafeltrauben lassen sich auch an einer Pergola ziehen. Foto: Karin Stern
Als Kletterhilfe wurde hier ein hölzernes Gerüst an der Klinkerwand befestigt. Foto: Karin Stern
Mit der richtigen Sortenwahl legt man den Grundstein für eine gute Ernte. Foto: Karin Stern
Reifende blaue Trauben. Foto: Karin Stern
An einer nach Süden ausgerichteten Mauer fühlt sich die Tafeltraube wohl. Foto: Karin Stern
Mit Hilfe einiger Bambusstangen lassen sich die Triebe fächerförmig aufleiten. Foto: Karin Stern
Bei Reihenpflanzung im Garten sind die Reben auf ein Stützgerüst aus Draht angewiesen. Foto: Karin Stern
Baumschulen bieten auch Weinreben für Topfkultur an. Foto: Karin Stern


Von Moorvernässung bis Hotel Mama

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Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen (OV). Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände und der OV Lübeck vorgestellt – heute: der KLFV Schleswig.

Der KLFV Schleswig umfasst das Gebiet des gleichnamigen Altkreises, denn die LandFrauen haben die politische Vereinigung der Kreise Flensburg-Land und Schleswig nicht mitgemacht. Der Altkreis war ein Binnenkreis fast ohne Meeresküste, wenn man von dem Zipfel Schleimünde absieht. Zum Gebiet gehören ein Teil von Angeln sowie die Eider-Treene-Sorge-Region. Und gerade die bereitet der Landbevölkerung einige Sorgen. Hier soll das größte Projekt des Landes zur Wiedervernässung ehemaliger Moorgebiete stattfinden.

Neben zahlreichen Informationsveranstaltungen der Landesregierung und des Bauernverbandes informieren auch die LandFrauen über dieses Thema, zum Beispiel im Gemeindehaus Stapel in diesem Jahr. Bereits 2023 hatten sie eine Begehung mit dem Kreisbauernverbandsvorsitzenden Klaus-Peter Dau in dem Gebiet unternommen. „Es betrifft nicht nur die Landwirte dort, sondern auch die Allgemeinbevölkerung“, sagt die KLFV-Vorsitzende Sylke Messer-Radtke, die zugleich Vizepräsidentin des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein ist, „es können auch Kreisstraßen von zeitweiser Überflutung betroffen sein, etwa zwischen Tetenhusen und Meggerdorf.“

Lesung und Filme über den Norden

Auch mit der Gesundheit insbesondere im Alter beschäftigen sich die LandFrauen, etwa mit einer jährlichen Veranstaltung in der Familienbildungsstätte in Schleswig, die zum Teil auf Plattdeutsch stattfindet, dieses Jahr zum Thema „Plötzlich pflegebedürftig – was nun?“. Auch mit dem Arbeitskreis Frauengesundheit des Kreises wird eng kooperiert. Im Februar besuchen sie regelmäßig ein Seminar in der Akademie Sankelmark, in diesem Jahr zum Thema „KI – Fluch oder Segen?“, das vom „Schwester-KLFV“ Flensburg aus dem Jahr vorher übernommen wurde.

Vorstellung der Herzkissen-Aktion des OV Süderbrarup auf dem Landmarkt in Schloss Got­torf Fotos: KLFV

Anlässlich des 100. Geburtstages von Siegfried Lenz hat Dr. Maren Ermisch einen Vortrag über den Schriftsteller mit Lesung und Fotografien in der Waldkapelle Tetenhusen gehalten. Der Gottorfer Landmarkt in Schleswig wurde mit einem Stand als Informationsplattform genutzt.

Im September wird seit 2022 zum Kinoabend im „Kapitol“ in Schleswig eingeladen – „bestbesucht“, etwa jüngst die Verfilmung von Dörte Hansens Bestseller „Mittagsstunde“ oder in diesem Jahr der Amrum-Film von Fatih Akin. Jedes Jahr findet eine Arbeitstagung statt, alle zwei Jahre in Form einer Dorfbereisung, die der besuchte Ortsverein organisiert. Einmal im Sommer lädt die Kreisvorsitzende Messer-Radtke die Ortsvorstände zu sich zum Kaffee im Garten ein, um den Austausch zu pflegen.

Auch auf Ortsvereinsebene geschieht viel. Die OV Süderbrarup und Kappeln nähen Herzkissen für Brustkrebspatientinnen – eine Aktion mit der Landjugend. Die wird von den KreisLandFrauen auch beim Berufswettbewerb unterstützt. Der OV Ekebergkrug besucht die Mühle Anna und Schloss Glücksburg. Der OV Tetenhusen bietet Kurse zu Selbstverteidigung und Erster Hilfe an. Eine Modenschau in der „Traumklamotte“ in Viöl plant der OV Börm im September. Im November diskutieren die Land-Grazien im Dörps­treff in Börm zu der Frage „Häusliche Gewalt auf dem Dorf – gibt‘s das überhaupt?“. Der OV Süderbrarup bereiste Anfang Juni mehrere Tage den Spreewald, der OV Mittlere Treene fährt im August nach Bremen. „Algen – gesunde Wirkstoffe aus dem Meer“ lautet ein Vortrag beim OV Kropp im November.

Junge LandFrauen – peppig und preppig

Auch die Jungen LandFrauen sind im Kreisteil Schleswig aktiv. Im vergangenen Jahr gab es zwei ­Meal-Prep-Veranstaltungen (Vorkochen, um Zeit, Geld und Kalorien zu sparen), einen Dorfflohmarkt, die Besichtigung der Geestfrisch Meierei, die Teilnahme an der landesweiten Baumpflanz-Challenge und den beliebten Adventskalender-Tausch.

Immer noch erhältlich ist das Buch des KLFV Schleswig „Tschüss – Hotel Mama!“, das jungen Leuten Tipps für den Umzug und für die Zeit in der ersten eigenen Wohnung gibt – für 7,90 € unter sylke.messer.radtke@gmail.com

Importbann greift ab sofort

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Die EU macht ernst. Wie erwartet wird Brüssel ab sofort vorerst kein Rindfleisch mehr aus Brasilien in den gemeinsamen Binnenmarkt lassen. Der Regierung in Brasília sei es bisher nicht gelungen sicherzustellen, dass für den europäischen Markt bestimmtes Fleisch nicht mit antimikrobiellen Wachstumsförderern in Kontakt gekommen sei, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission mit. Ausreichende Nachweise seien bisher nicht erbracht worden.

Vorerst gilt der Importbann auch für Geflügelfleisch sowie Honig. Laut der Sprecherin sind gegenwärtig aber noch Experten der EU mit entsprechenden Audits vor Ort beschäftigt, die sich noch einige Tage ziehen könnten. Sollten die Ergebnisse die Brüsseler Behörde zufriedenstellen, dürfte sie beide Erzeugnisse kurzfristig wieder zur Einfuhr zulassen. Nach Angaben der Sprecherin kann es jedoch noch mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis die Resultate der aktuellen Prüfung vorliegen.

Die brasilianischen Behörden haben der Kommissionssprecherin zufolge beim Rindfleisch den Nachweis bislang nicht erbracht, dass die Masttiere über ihre gesamte Lebensdauer hinweg – rund 24 Monate – unbehandelt geblieben sind. Verboten sind sowohl in der EU untersagte Wirkstoffe als auch nach EU-Recht als Reserveantibiotika für die Humanmedizin deklarierte Mittel. Wann der Importbann für Rindfleisch aufgehoben werden kann, ist laut der Sprecherin „aktuell nicht absehbar“.

Laut Zahlen der Statistikbehörde Eurostat hat die Europäische Union im vergangenen Jahr 119.637 t Rindfleisch zu Schlachtgewichtäquivalenten importiert. Das entsprach 26,5 % der gesamten EU-Rindfleischeinfuhren. Zum Vergleich: 2024 waren es 87.603 t. Dies entspricht einem Anstieg innerhalb eines Jahres um rund 37 %. Inwiefern die drei übrigen Mercosur-Staaten Argentinien, Paraguay und Uruguay die nun wegfallenden Importe aus Brasilien kompensieren können, ist unklar. age

Schweiz und China bauen Zölle ab

Überarbeitetes Freihandelsabkommen

Die Schweiz und China haben ihr seit dem 1. Juli 2014 geltendes Freihandelsabkommen überarbeitet. Während nach Angaben des eidgenössischen Departements für Wirtschaft im bestehenden Abkommen fast alle chinesischen Importe in die Schweiz zollfrei erfolgten, war dies nur für knapp die Hälfte der Schweizer Exporte nach China der Fall. Dieses Ungleichgewicht wurde nun behoben. Mittelfristig werden 99,8 % der Schweizer Ausfuhren nach China vollständig zollbefreit, davon 77,5 % ab Inkrafttreten des optimierten Abkommens. Für die restlichen Exporte gilt die Zollbefreiung nach Ablauf einer Abbaufrist von fünf bis maximal zehn Jahren.

Mittelfristig werden 99,8 % der Schweizer Ausfuhren nach China vollständig zollbefreit. Foto: KI

Im Agrarbereich gilt die vollständige Zollbefreiung für Käse sowie Röstkaffee und kaffeebasierte Zubereitungen nach zehn Jahren. Diese Produkte erhielten bislang Teilkonzessionen oder waren ausgeschlossen. Weitere Schweizer Agrarexportprodukte wie Schokolade, Baby- und Kleinkindnahrung, Wein und Trockenfleisch sind bereits unter dem bestehenden Freihandelsabkommen zollbefreit.

Die Schweiz hatte sich bereits im bestehenden Abkommen verpflichtet, keine Importzölle auf Industrieprodukte aus China zu erheben. Das optimierte Abkommen deckt 97,3 % der chinesischen Ausfuhren im Agrarbereich ab, 80,1 % davon zollfrei. Bei den für die Schweiz sensibleren Produkten wurde eine Reduktion oder Beseitigung von Zöllen innerhalb der bestehenden WTO-Zollkontingente unter Berücksichtigung der saisonalen Einschränkungen vereinbart. Dies betrifft beispielsweise diverse Früchte und Gemüse sowie Fruchtsäfte.

Darüber hinaus wurden spezifische Interessen Chinas berücksichtigt, wie etwa Hunde- und Katzenfutter, Sonnenblumenkerne sowie verschiedene Ölsaaten und Samen. Verarbeitete Landwirtschaftsprodukte aus China unterliegen weiterhin dem Preisausgleichsmechanismus. Die Konzessionen seien der Regierung zufolge mit der schweizerischen Agrarpolitik vereinbar. age

Exportprobleme und Geldmangel

gefährden die Herbstaussaat

Ackerbauern in Russland unter Druck

Laut Arkady Zlochevsky sind die Getreidepreise in Russland stark gesunken. Foto: Imago

Die aktuellen Probleme beim Getreideexport lassen in Russland ernste Sorgen um die Ernte 2027 aufkommen. Grund dafür ist laut Darstellung des Portals agroinvestor die anstehende Aussaatperiode für das Wintergetreide, für die vielen Landwirten nun schlicht das Geld fehlt. Arkady Zlochevsky, Präsident der Russischen Getreideunion (RGU), wies darauf hin, dass die Getreidepreise am heimischen Markt bereits stark gesunken seien, weil durch die fehlenden Exporte die neue Ware nicht vom Markt komme.

Um an Geld zu gelangen, müssten die Betriebe zumindest einen Teil ihrer Ernte verkaufen, betonte Zlochevsky. Allerdings zeigten potenzielle Käufer in Erwartung neuer Preistiefs vielfach kein Interesse. Außerdem hätten die Ackerbauern zu wenig Kapazitäten, um die neuen Erntemengen zwischenzulagern. Darüber hinaus seien neue Kredite nur schwer zu bekommen, während die Rückzahlung bereits aufgenommener Gelder weiterlaufe.

„Infolgedessen bleibt nur noch der Bankrott“, brachte es der RGU-Präsident auf den Punkt. Helfen könne hier der Staat, indem er beispielsweise ein Moratorium für die Rückzahlungen von Darlehen verhänge oder zumindest eine zeitliche Verschiebung anordne. Eine weitere Möglichkeit wären die bereits angedachten staatlichen Interventionskäufe.

Das Moskauer Landwirtschaftsministerium dürfte indes alles daransetzen, das Produktionsniveau beim Getreide zu halten. Eine Verkleinerung der Aussaatfläche sei eine Verletzung der Ernährungssicherheit, ein Prozess, der völlig unkontrollierbar sei, warnte der stellvertretende Ressortchef Maxim Borovoy auf einem Branchentreffen. Er gab sich zuversichtlich, dass die Probleme mit den Exporten überwunden würden. Das Ministerium hat bereits staatliche Interventionskäufe von Getreide vorgeschlagen, um Überschüsse vom Markt zu nehmen und den Getreidepreis zu stabilisieren. age

Trump und der Burgerpreis

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Der US-Präsident Donald Trump, bekennender Fast-Food- und Burger-Freund, hatte in seinem Präsidentschaftswahlkampf versprochen, die „zu hohen Lebensmittelpreise“ zu senken. Stattdessen stiegen vor allem die Rindfleischpreise weiter deutlich an: gegenüber Juli 2023 um über 35 %. Nun will er die hohen Hackfleischpreise in den USA mit zollfreien Rindfleischimporten drücken. Auch dies eine überraschende Aktion, hatte er doch in seinem Wahlkampf ebenfalls versprochen, die US-Industrie und Landwirtschaft durch hohe Importzölle vor Billigimporten zu schützen.

Donald Trump will nun vor den wichtigen Midterm-Wahlen am 3. November den Burger billiger machen, indem für 90 Tage bis zu 300.000 t Rindfleisch für die Hackfleischproduktion zollfrei ins Land kommen sollen, es soll dann 25 % unter dem aktuellen Marktpreis angeboten werden. Die Regierung argumentiert, die Zollpause verschaffe den Verbrauchern angesichts hoher Lebensmittelkosten schnelle Entlastung. Da vor allem mageres Rindfleisch importiert werden soll, zielt diese Aktion auf den Hackfleischmarkt. Damit will Trump Privathaushalte beim Einkauf entlasten.

US-Rinderbestände sinken drastisch

Ob die angekündigte Preissenkung tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt, ist jedoch offen. Es wird bezweifelt, dass die Importe groß genug sind, um den strukturellen Engpass zu lösen, und befürchtet, dass die Politik für einen kurzfristigen Preiseffekt die langfristige Stabilisierung der US-Rinderproduktion aufs Spiel setzt, denn die Ursachen für die hohen Preise liegen anderswo: Die US-Rinderbestände, am 1. Januar 2026 waren es 86,2 Millionen Rinder und Kälber, sind auf dem niedrigsten Stand seit 1951, seit 75 Jahren. Der historische Tiefstand der US-Rinderbestände resultiert aus extremen Wetterereignissen, wirtschaftlichen Belastungen und biologischen Faktoren. Weite Teile der USA, besonders die Great Plains, leiden seit Jahren unter anhaltenden Dürreperioden. Weil Zukauffutter wie Heu und Mais extrem teuer geworden ist, waren viele Rancher gezwungen, ihre Tiere frühzeitig zu schlachten. Wegen der Dürre wurden über Jahre hinweg massenhaft Färsen geschlachtet, was zu historisch kleinen Kälberjahrgängen führte. Rancher kämpfen zusätzlich mit drastisch gestiegenen Preisen für Futter und Düngemittel, Treibstoff und Energie, Versicherungen und Kreditzinsen. Das Durchschnittsalter der US-Rancher beträgt mittlerweile 58 Jahre. Die körperlich harte Arbeit in Kombination mit dem wirtschaftlichen Risiko hat viele ältere Landwirte dazu bewogen, die guten Viehpreise zu nutzen, also ihre Herde komplett zur Schlachtung zu geben. Letztendlich ist der Rinderzyklus bekanntlich träge. Von der Entscheidung, eine Kuh zu decken, bis zur Schlachtreife des Kalbes vergehen knapp drei Jahre. So dauert der Wiederaufbau der Herden viele Jahre. US-Rancher laufen deshalb Sturm gegen Trumps Idee, Rindfleisch zollfrei zu importieren, da sie fürchten, dass billige Importe die Erzeugerpreise drücken und den mühsamen Wiederaufbau der US-Herden finanziell ausbremsen. Letztendlich ignoriert auch diese Trump-Aktion die wahren Probleme, typisch für alle mit populistischen Parolen an die Macht gekommenen Politiker.

Weltweit sinkende Rindfleischproduktion

Die weltweite Rindfleischproduktion wird in diesem Jahr um 1,1 Mio. t zurückgehen. Die Rückgänge betreffen alle großen Produzenten: Brasilien, die USA, Argentinien, China und die EU. Zwar geht auch der weltweite Verbrauch zurück, aber grundsätzlich sollten auch deutsche und europäische Mastrinderhalter von weiter stabilen Märkten und auskömmlichen Preisen ausgehen können. 

Freiheit mit Meerblick

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Wenn Noah aus dem Fenster seines Klassenzimmers guckt, dann schaut er auf das Meer, auf die Nordsee. Heute, an diesem sonnigen, fast windstillen Herbsttag, blinzelt das glatte Meer im Sonnenschein um die Wette. Noahs Blick reicht bis zum weiten Horizont. Kein Haus, keine Straße, keine Leute, rein gar nichts versperrt ihm die Sicht.

„Letzte Woche hatten wir den ersten Herbststurm, und da überschwemmte das Nordseewasser das Land“, erzählt Noah. Nur noch die zehn Hügel, auf denen die Häuser der Halligbewohner stehen, die sogenannten Warften, ragten aus der Nordsee heraus“, erzählt der zwölfjährige Schüler.

Schule in mini: Auf der Hallig ist die Anzahl der Schüler überschaubar.
Foto: Jörg Böthling

Ob er dann Angst hat? „Nö, eigentlich nicht“, antwortet der Siebtklässler im kleinen Kreis der Schüler, die auf die Schule der Hallig Hooge gehen. Insgesamt vier Mädchen, vier Jungen, vier Geschwisterpaare, fünf Klassen, ein großer Unterrichtsraum – mehr nicht, eine Schule in mini. Überschaubar, jeder kennt jeden ziemlich genau auf diesem Fleckchen Land inmitten der Nordsee. „Wir sind nie genug“, umschreibt Noah den einfachen Umstand, dass nicht viele Kinder auf dem Eiland leben. Viel zu wenige, um beispielsweise eine Fußballmannschaft zu bilden auf der Hallig, wie die Nordseeinseln ohne Seedeich heißen, nur 1 km breit und 4 km lang, größer nicht. Obwohl es an Mitspielern mangele, seien die Halligkinder allesamt sehr sportlich, so Lehrerin Franziska Dost, hätten sie doch auf dem Eiland mit 100 Einwohnern viel Freiraum, um sich ungehindert zu bewegen.

Nach der Schule, am frühen Nachmittag, fährt Noah mit seinem E-Fahrrad gen Westen. Es gibt nur eine einzige Straße, kein Auto kommt ihm entgegen, auch keine Fußgänger, keine Fahrradfahrer. Noah ist allein. Nur ein paar Austernfischer singen ihr Lied: „Liep, liep, liep.“ Ein Reiher steht regungslos im Wassergraben, der entlang der Straße führt. Schon nach ein paar Minuten hat Noah sein Ziel erreicht – dort, wo die Hallig endet, wo eine Steinkante das flache Land vor dem Meer schützt.

Freier Blick von der Schule auf das Wattenmeer
Foto: Jörg Böthling

Von Weitem ist der Leuchtturm auf der Nachbarinsel Amrum zu erkennen. In der Nacht sendet er für die Seefahrer Leuchtsignale. Noah steigt von seinem Rad und zeigt auf den kleinen Strandsteifen, der im Sommer eine der beliebten Badestellen ist. „Jetzt im Herbst sammele ich hier meine Muscheln“, sagt der Junge von Hooge mit strahlendem Gesicht. Herzmuscheln, Plattmuscheln, Miesmuscheln, Austern und die schönen Wellhornschnecken. Das Nordseewasser plätschert sanft am Strand. „Heute Nachmittag haben wir Hochwasser (Flut), hätten wir jetzt Niedrigwasser (Ebbe), würde der Meeresboden trockenliegen“, erklärt Noah, „dann ist hier Watt.“ Ob er sich mit Ebbe und Flut gut auskennt? Der Zwölfjährige gibt eine ehrliche Antwort. „Das Wasser kommt und geht. Das reicht mir zu wissen. Alles andere rund um dieses Thema ist ziemlich schwer zu erklären.“

Da hat Noah vollkommen recht. Daher sei kurz erwähnt, dass Mond und Sonne dafür sorgen, dass das Wasser alle sechs Stunden kommt und geht. Überall auf der Welt ist dies in Küstenregionen zu beobachten. Auf Hooge ist dieses Naturphänomen besonders eindrucksvoll zu erfahren, ist doch auf diesem Eiland in der Nordsee an jedem Punkt das Kommen und Gehen der Nordsee zu beobachten. Und: Je mehr Wind, je mehr Sturm, desto höher läuft das Meer auf. Und manchmal ist die gesamte Hallig unter Wasser, und dann lugen nur noch die Warften aus den Fluten. In solchen Momenten, die mehrmals im Jahr auftreten können, müssen auch die Rinder, Schafe und Pferde von den Weiden rechtzeitig auf die höher gelegenen Stellen gebracht werden. Aber zurück zum bunten Muschelsortiment von Noah. Er lagert es in einem kleinen Schuppen auf der Hanswarft, wo er mit seinen Eltern Frederike und Kai und seinen beiden Brüdern lebt. Würden wir Noah in den Sommerferien besuchen, dann könnten wir ihn als Muschelverkäufer am kleinen Hafen von Hooge erleben.

Noah hat einen kleinen Verkaufsstand, an dem er seine Muscheln an Touristen verkauft.
Foto: Jörg Böthling

Mit seinem kleinen Verkaufsstand bietet er dann den Touristen, charmant und wahrlich nicht auf dem Mund gefallen, seine Funde an. Mit viel Erfolg, wie sein Vater Kai verrät. Sein Sohn lächelt schelmisch. Kein Wunder, dass Noah als Wahlfach gern Wirtschaft gewählt hätte. Aber nicht nur Muscheln spielen eine große Rolle bei Noah, sondern auch die Haustiere der Familie. Während der Hund Mailo, ein Australian-Shepherd-Bordercollie, in der Wohnung der Hillmanns lebt, sind die beide Kaninchen Tofi und Schnuffel im Stall eines Nachbarhauses untergebracht. Genauso wie die beiden Pferde seiner Mama: Monti, eine sehr hübsche Stute der Rasse Tinker sowie ein süßes Shetland-Pony mit dem Namen Ikarus. Wer Tiere hat, muss auf sie achtgeben, muss sie pflegen, muss sie ausmisten und regelmäßig füttern und tränken.

Lehrer Fabian Lunkeit musiziert mit den Schülern. Der Halliglehrer ist begeistert von seinem Arbeitsplatz.
Foto: Jörg Böthling

Kein Zweifel, die Natur nimmt im Leben von Noah einen großen Raum ein. Für seine Lehrerin Franziska Dost prägten die reiche Naturerfahrung und das behütete Halligleben die Kinder sehr. „Ihre Eigenständigkeit ist ausgeprägt. Auch außerhalb der Schule müssen sie vieles allein mit sich klären und abmachen“, weiß die 31-jährige Pädagogin, die sich mit ihrem Kollegen Fabian Lunkeit den Unterricht in der kleinen Halligschule teilt. Der 40-Jährige ist voll Begeisterung über seinen Arbeitsplatz. „Hier kann ich auf jede Schülerin und jeden Schüler eingehen. Hier haben wir als Schule noch Zeit und Raum, um Lerninhalte von allen Seiten zu beleuchten, und können diese im Detail auch praktisch ausprobieren“, freut sich Lunkeit. Ausnahmsweise hat er seinen Dackel mit in die Schule genommen, sehr zur Freude der Schülerschaft. Jeder nimmt den kleinen Vierbeiner einmal in den Arm, und am Ende liegt der Hund seelenruhig unter dem großen Klassenbildschirm.

Wer Lehrer an einer Minischule wie der auf Hooge ist, muss über den Tellerrand gucken wollen und sollte bereit sein, sich auch außerhalb der eigenen Kernfächer zu engagieren. Ob nun Mathe, Sport, Geografie, Wirtschaft oder auch Kerzenziehen im Werkkeller, es wäre gut, wenn die Halliglehrer von allem etwas verstehen. Oder rasch zur Gitarre greifen können, um das Lied für den anstehenden Laternenumzug zu üben. Lunkeit kann es. Er streicht über die Gitarrensaiten, und seine kräftige Stimme füllt den Raum, obwohl die acht Schulkinder anfänglich – noch nicht ganz textsicher – nur mitsummen.

Noah mit Tinker-Stute Monti – die Haustiere der Familie spielen für ihn eine große Rolle.
Foto: Jörg Böthling

Auch wenn Hooge im Vergleich zu vielen anderen Orten dieser Welt dem Paradies nahekommt, geht es doch nicht immer paradiesisch zu. Auch hier gibt es einen Alltag, auch hier gibt es Langeweile, auch Probleme mit Mitschülern. Und auch das E-Learning am Computerbildschirm mit einer Englischlehrerin, zu dem auch zwei Schülerinnen anderer Halligen zugeschaltet sind, hat seine Tücken. Auch wenn die Verbindung in Ton und Bild klappt – es macht einfach nicht immer Spaß. Das ist auf Hallig Hooge nicht anders als anderswo.

Und Noah, der vor zwei Jahren mit seiner Familie vom Festland nach Hooge gezogen ist, vermisst seine alten Freunde aus der früheren Grundschule. „Manchmal telefoniere ich mit ihnen und spiele mit ihnen übers Internet Playstation. Die fehlen mir manchmal schon“, sagt Noah, als er am Abend seine Kaninchen füttert. Dagegen fehlt es an Nordseekrabben, die er so gern isst, überhaupt nicht. Denn die schwimmen reichlich im Wattenmeer und werden von Fischern rund ums Jahr gefangen. „Dann mag ich die tollen Sonnenaufgänge und -untergänge, die es hier so oft gibt“, schwärmt Noah. Und das Allerwichtigste: „Ich liebe die Freiheit, die ich hier auf der Hallig habe.“

Höherer Hofeswert – höhere Abfindung?

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Wer über die Hofnachfolge nachdenkt, rechnet heute mit anderen Größenordnungen als noch vor wenigen Jahren. Flächen und Gebäude sind im Wert gestiegen, Betriebe sind gewachsen – und seit Anfang 2025 gelten auch für die Abfindung weichender Erben nach der Höfeordnung neue Rechengrößen. Aus dem Einheitswert ist im Zuge der Grundsteuerreform der Grundsteuerwert geworden. Und der kann deutlich höher ausfallen. Steigen dadurch auch die Abfindungen an weichende Erben – und damit die finanziellen Belastungen für Hofnachfolger?

Für die Vererbung landwirtschaftlicher Betriebe gelten in Schleswig-Holstein – wie auch in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg – besondere Regeln. Die Höfeordnung soll dazu beitragen, landwirtschaftliche Betriebe über Generationen als wirtschaftliche Einheit zu erhalten. Ist ein Betrieb Hof im Sinne der Höfeordnung, fällt er im Erbfall grundsätzlich einem Hoferben zu. Die übrigen Erben gehen deshalb nicht leer aus: An die Stelle ihrer Beteiligung am Hof tritt eine Abfindung in Geld. Wie hoch diese Abfindung ausfällt, hängt unter anderem vom jeweiligen Erb-anteil ab. Für die Bewertung des Hofes gelten jedoch besondere Regeln.

Und genau diese Regeln haben sich zum 1. Januar 2025 geändert. Das klingt zunächst nach dem bloßen Austausch zweier Rechengrößen. Tatsächlich ändert die Reform aber mehr – und kann damit auch die Abfindungen deutlich verändern.

Was hat sich geändert?

Auslöser der Reform war die Neuregelung der Grundsteuer. Mit dem Wegfall der bisherigen Einheitswerte brauchte auch die Höfeordnung eine neue Bewertungsgrundlage. Zunächst ändern sich dadurch die Wertgrenzen für die Hofeigenschaft (siehe Tabelle 1). Bis Ende 2024 war ein landwirtschaftlicher Betrieb grundsätzlich Hof im Sinne der Höfeordnung, wenn sein Wirtschaftswert mindestens 10.000 € betrug. Zwischen 5.000 und 10.000 € konnte der Betrieb auf Antrag Hof im Sinne der Höfeordnung werden. Seit 2025 gelten hierfür Grundsteuerwerte von 54.000 € beziehungsweise 27.000 €.

Für die Hofnachfolge noch bedeutsamer ist die Änderung des Hofeswertes. Bis Ende 2024 wurde dieser grundsätzlich mit dem Eineinhalbfachen des zuletzt festgesetzten Einheitswertes angesetzt. Seit 2025 beträgt der Hofeswert 60 % des Grundsteuerwertes. Gleichzeitig wurde die Untergrenze verändert, die nach Abzug der den Hof treffenden Verbindlichkeiten für die Berechnung der Abfindung mindestens verbleibt: Statt bislang einem Drittel des Hofeswertes ist es nun ein Fünftel.

Die Reform verändert damit gleich mehrere Stellschrauben der Abfindungsberechnung. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt ein einfaches Zahlenbeispiel.

Was bedeutet die Reform in Euro?

Angenommen wird ein landwirtschaftlicher Betrieb mit rund 50 ha Eigentumsfläche, einem bisherigen Einheitswert von 60.000 € und einem neuen Grundsteuerwert von 400.000 €. Der Betrieb weist Verbindlichkeiten von 150.000 € auf. Der Betriebsinhaber ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ein Kind soll den Hof übernehmen. Bei gesetzlicher Erbfolge und Zugewinngemeinschaft entfällt auf den Ehepartner grundsätzlich die Hälfte und auf die beiden Kinder jeweils ein Viertel.

Nach bisherigem Recht ergab sich aus dem 1,5-fachen Einheitswert ein Hofeswert von 90.000 €. Nach neuem Recht werden 60 % des Grundsteuerwertes angesetzt. Der Hofeswert steigt damit auf 240.000 €.
Nach altem Recht übersteigen die Verbindlichkeiten den Hofeswert. Deshalb greift die damalige Untergrenze für den Mindestanspruch: Mindestens ein Drittel des Hofeswertes, hier 30.000 €, ist als Abfindungsbasis anzusetzen.

Nach neuem Recht sieht die Rechnung anders aus. Vom Hofeswert von 240.000 € verbleiben nach Abzug der Verbindlichkeiten noch 90.000 €. Die 90.000 € liegen über dem neuen Mindestanspruch von 48.000 € und bilden deshalb die Abfindungsbasis. Bei einer lebzeitigen Übergabe wird die Versorgung des Ehepartners vielfach über ein Altenteil geregelt. Auch solche den Hof treffenden Verpflichtungen können für die Abfindungsberechnung von Bedeutung sein.

Für das weichende Kind zeigt sich die Wirkung der Reform besonders deutlich: Bei einem Erbanteil von einem Viertel steigt die rechnerische Abfindung in unserem Beispiel von 7.500 € auf 22.500€ – sie verdreifacht sich. Das Beispiel macht damit vor allem eines deutlich: Mit den höheren Hofeswerten gewinnt auch die Frage an Bedeutung, welche Verbindlichkeiten bei der Berechnung berücksichtigt werden können. Doch ist eine solche Verdreifachung auch in der Praxis typisch?

Was wird vom Hofeswert abgezogen?

Vom Hofeswert werden die sogenannten Nachlassverbindlichkeiten abgezogen, die den Hof treffen und vom Hofnachfolger zu tragen sind. Dazu gehören insbesondere betriebliche Schulden. Auch bereits bestehende Altenteilsverpflichtungen – etwa gegenüber der Großelterngeneration – sowie das bei der Hofübergabe vereinbarte Altenteil der Abgeber sind zu berücksichtigen. Altenteilsleistungen werden dabei mit dem heutigen Wert der voraussichtlich noch zu erbringenden Leistungen angesetzt. Wie hoch dieser Wert ausfällt, hängt vor allem von der Höhe der vereinbarten Leistungen und der statistischen Lebenserwartung der Altenteiler ab.

Was zeigt die Praxis in Schleswig-Holstein?

Antworten darauf liefert eine Analyse der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel von rund 1.200 landwirtschaftlichen Betrieben in Schleswig-Holstein. Für jeden Betrieb wurde die Abfindung nach alter und neuer Höfeordnung berechnet. Dabei wurden neben den betrieblichen Verbindlichkeiten auch betriebstypische Altenteilsleistungen berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Unterschied: Der Hofeswert nach neuer Höfeordnung liegt im Durchschnitt beim 3,3-Fachen des bisherigen Hofeswertes. Auch die Abfindungen steigen, allerdings weniger stark: Sie erreichen im Mittel etwa das 2,2-Fache des bisherigen Wertes. Ein wesentlicher Grund dafür ist der erweiterte Abzug der den Hof treffenden Verbindlichkeiten.

Auch nach der neuen Berechnung greift deshalb für fast 90 % der untersuchten Betriebe – wie bereits nach altem Recht – der gesetzliche Mindestwert. Dieser liegt aufgrund der neuen Bewertungsgrundlage allerdings ebenfalls höher als bisher. Die Abfindungen steigen also – aber vielfach deutlich weniger stark, als die neuen Hofeswerte zunächst vermuten lassen.

Was folgt daraus für die Hofnachfolge?

Die Reform der Höfeordnung kann die Abfindungen weichender Erben spürbar erhöhen. Wie hoch die Belastung für den Hofnachfolger tatsächlich ausfällt, hängt jedoch stark von der Situation des einzelnen Betriebes ab. Neben dem Grundsteuerwert spielen insbesondere die bestehenden Verbindlichkeiten eine wichtige Rolle. Auch vereinbarte Altenteilsleistungen können dabei von erheblicher Bedeutung sein.

Die Berechnung nach der Höfeordnung ist dabei nicht mit dem Ergebnis einer geplanten Hofübergabe gleichzusetzen. Sie zeigt vielmehr, was gilt, wenn keine abweichenden Vereinbarungen getroffen werden. In der Praxis wird die Hofnachfolge häufig bereits zu Lebzeiten gestaltet. Dabei können beispielsweise die Versorgung der Übergeber über ein Altenteil und die Abfindungen der weichenden Erben individuell vereinbart werden. Auch die pauschale Berechnung des Hofeswertes mit 60 % des Grundsteuerwertes muss nicht in jedem Fall das letzte Wort sein: Werden Besonderheiten des Hofes durch diesen Wert nicht ausreichend berücksichtigt, sind Zu- oder Abschläge auf Verlangen möglich.

Daneben kann weiteres Vermögen vorhanden sein, das gar nicht zum Hof im Sinne der Höfeordnung gehört. Dazu können beispielsweise ein vermietetes Wohnhaus oder die Beteiligung an einer eigenständigen gewerblichen Biogasgesellschaft gehören. Solche Vermögenswerte werden nicht über einen Zuschlag zum Hofeswert erfasst, sondern müssen bei der Nachfolge gesondert berücksichtigt werden.

Fazit

Höhere Hofeswerte bedeuten nach der Reform häufig auch höhere Abfindungen. Wie hoch diese am Ende ausfallen, entscheidet aber nicht der Grundsteuerwert allein. Verbindlichkeiten, Altenteil, weiteres Vermögen und die Vereinbarungen innerhalb der Familie spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die neue Höfeordnung liefert somit eine neue Rechengröße – eine gute Hofübergabe bleibt jedoch auch künftig mehr als eine einfache Rechenaufgabe.

Ruhiger Marktverlauf im August

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Trotz bestem Wetter und damit naturgemäß etwas eingeschränkter Käuferpräsenz konnte der Markt am 13. August nahezu komplett geräumt werden. Trotz der laufenden Erntearbeiten fanden zahlreiche Interessenten den Weg zur Auktion oder hatten die Mitarbeiter der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG (RSH eG) im Vorfeld mit der Durchführung von Kaufaufträgen betraut, sodass qualitätsvolle Tiere weiterhin Abnehmer fanden. Gegenüber den vorangegangenen Auktionen gaben die Preise für die abgekalbten Tiere nach. Einige wenige nicht marktgerechte Tiere blieben im Überstand. Der schwarzbunte, homozygot hornlose „Danol“-Sohn „Eiger PP“ aus der Zucht von Detlef Bähnke, Schashagen, wurde für 2.100 € zugeschlagen, ein weiterer blieb im Überstand.

Qualitätsorientierte Nachfrage

Bei den weiblichen Tieren zeigte sich ein differenziertes Bild: Färsen mit ordentlichen Einsatzleistungen und entsprechendem funktionalen Exterieur waren auch weiterhin gefragt und erzielten solide Preise. Färsen, deren Kalbung bereits weiter zurückliegt oder die unter den gegebenen Marktbedingungen als nicht marktgerecht anzusehen sind, erzielten Vermarktungserlöse mit teilweise deutlichen Preisabschlägen. Der Trend zum qualitätsorientierten und differenzierten Bieten hält weiter an, was durch die realisierte Preisspanne von 1.400 € bis 3.050 € deutlich wurde.

Preissiegerin der Auktion war die schwarzbunte „Lionel“-Tochter der Zuchtstätte Milchhof Wesenberg, Thomas Schmahl, Wesenberg, die vom Auktionator Claus-Peter Tordsen für einen hiesigen Interessenten bei 3.050 € zugeschlagen wurde. Sie gefiel durch ihren modernen Typ, stand im mittleren Rahmen mit viel Kaliber, Topfunda­ment und einer mit 46 kg bemerkenswerten Einsatzleistung. Die euter- und körperstarke „EBH Eider“ (Vater: „Ambrose“) erzielte 2.850 €, sie kommt aus der Zucht der Engelbrecht GbR, Bokholt-Hanredder, und konnte zudem noch einen genomischen Zuchtwert von 127 RZG vorweisen.

Hans-Joachim Lüer, Niendorf, stellte mit der rahmigen „Skater“-Tochter „Davos“ eine hochleistende Färse aus überaus leistungsstarkem Kuhstamm vor, die 2.750 € erzielte. „KAX Dagmar“, eine „Merryguy“-Tochter der Rinderzucht Kaack GbR, Mözen, Kaack Holsteins, überzeugte einen heimischen Käufer, der sie vor allem aufgrund ihres überaus drüsigen Euters für 2.650 € ersteigerte. Die schwarzbunten Färsen erreichten durchschnittlich 2.212 €.

Bei den Angler-Färsen sicherte sich die Preisspitze mit 2.600 € die harmonische „Diesel“, eine „Vojens“-Tochter von Volker Asmussen, Dannewerk, die aus einer langlebigen Kuhfamilie stammt. Der durchschnittliche Zuschlagspreis der Angler-Färsen lag bei 2.266 €. Zwei Rotbuntfärsen erzielten jeweils 2.000 €. Drei Kreuzungsfärsen wurden für durchschnittlich 1.917 € vermarktet.

Gute Tiere bleiben gefragt

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Färsen mit ordentlicher Einsatzleistung und entsprechendem funktionalen Exterieur auch weiterhin gefragt sind. Die geringeren Zuschlagspreise waren in Anbetracht der aktuellen Milchpreismisere erwartbar und spiegeln die momentan schlechte Stimmung der Milcherzeuger wider. Dies bietet andererseits aber auch Chancen für potenzielle Kaufinteressenten, ihre Bestandsergänzung jetzt konkret zu planen und zu realisieren. Dabei können zur innerbetrieblichen Selektion die gegenwärtig noch vergleichsweise freundlichen Vermarktungserlöse für abgehende Tiere genutzt werden. Für Käufer bestehen somit aktuell gute Einkaufsmöglichkeiten bei der Bestandsergänzung.

Die nächste Auktion der RSH eG findet am 17. September im Vermarktungszentrum in Dätgen, direkt an der Autobahnabfahrt Bordesholm gelegen, statt. Angeboten werden Tiere, die ausschließlich aus BHV1- und BVD/MD-freien Betrieben stammen. Anmeldungen der Auktionstiere sind bis Montag, 31. August, an die RSH eG, Neumünster, unter Tel.: 0 43 21-90 53 07, Fax: 0 43 21-90 53 95 oder per E-Mail an s.rahn@rsheg.de zu richten.

Akuter Notfall im Kälberstall

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Die Tympanie ist eine häufige und potenziell lebensbedrohliche Verdauungsstörung bei Kälbern. Sie entsteht durch eine übermäßige Gasansammlung im Pansen beziehungsweise Vormagen, die nicht ausreichend abgeführt werden kann. Besonders in den ersten Lebenswochen sind Kälber anfällig, da ihr Verdauungssystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Die Ursachen sind vielfältig und lassen sich in physiologische, fütterungs- sowie managementbedingte Faktoren einteilen.

Typisches Anzeichen der Tympanie ist die sichtbare Aufblähung der linken Bauchseite, die zu Unruhe, erschwerter Atmung bis hin zur Maulatmung führt und schließlich intensives Blöken durch Schmerz und Atemnot bedingt.

Der Krankheitsverlauf zeichnet sich zu Beginn durch eine erhöhte Pansentätigkeit mit gesteigerter Gasbildung aus. Pansen und Netzmagen werden durch die Gas-ansammlung deutlich überdehnt und komprimieren so Lunge und Blutgefäße. Infolgedessen ist der Sauerstoffaustausch ungenügend. Der Körper übersäuert, und die Herzleistung ist eingeschränkt. Werden keine oder zu späte Maßnahmen getroffen, kann die Krankheit durch Atemlähmung und Kreislaufversagen zum Tod führen.

Neben der Pansentympanie kann in seltenen Fällen auch eine Labmagentympanie beobachtet werden. Diese äußert sich durch rechtsseitiges Aufblähen und geht weder mit freien Gasansammlungen noch stabilem Schaum im Pansen einher. Bei gleichen Symptomen kann es sich, je nach zugrunde liegender Ursache, um verschiedene Formen der Tympanie handeln. Eine sichere Unterscheidung ermöglicht eine zielführende Behandlung und Eingrenzung von ursächlichen Faktoren.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Formen der Tympanie:

Primäre (schaumige) Tympanie

Diese entsteht meist durch die Aufnahme von leicht fermentierbaren Futtermitteln wie jungem, eiweißreichem Grünfutter, etwa Klee und Luzerne, oder durch eine zu hohe Aufnahme von Kraftfutter. Während der Fermentation bildet sich stabiler Schaum im Pansen, der das Gas bindet und so ein Entweichen verhindert.

Sekundäre Tympanie

Die sogenannte freie Gas-ansammlung wird durch mechanische oder funktionale Störungen wie Schlundverstopfung, Infektionen oder Lähmungen der Pansenmotorik verursacht.

Physiologische Ursachen

Der Pansen junger Kälber ist noch nicht so weit entwickelt, dass er vollständig funktionsfähig ist. Dadurch kann entstehendes Gas schlechter ausgeleitet werden. Gleichzeitig sorgt der sogenannte Schlundrinnenreflex dafür, dass Milch direkt in den Labmagen gelangt. Funktioniert dieser nicht richtig, gelangt Milch in den Pansen und verursacht dort Gärprozesse, die typischerweise Gas produzieren. Milch im Pansen führt zur Bildung von Milchsäure, einer Absenkung des pH-Wertes unter 6,0 und Reizungen der Pansenschleimhaut. Die Folge ist chronisches Kümmern.

Kälber wirken lustlos, magern ab, zeigen stumpfes Fell und knirschen mit den Zähnen. Beim Abhören ist zudem ein plätscherndes Geräusch im Pansen zu vernehmen. Solche sogenannten Pansentrinker entwickeln eine chronische Pansentympanie. Das Drenchen trinkunwilliger Kälber hinterlässt immer Milchrückstände im Pansen, die zu Fehlgärungen führen. Soweit möglich sollte deshalb auf das Drenchen verzichtet werden.

Es ist bekannt, dass die Anfälligkeit für Pansenblähungen tierindividuell ist. Es wird unterschieden zwischen schwach und hoch blähungsempfänglichen Tieren. Diese Eigenschaft ist erblich. Hoch blähungsempfängliche Tiere zeichnen sich unter anderem durch ihre geringe Fresslust aus. Hinzu kommen eine kürzere Verweilzeit des Futters im Verdauungstrakt bei hoher Passagerate und eine schlechte Kauintensität mit geringer Speichelbildung. Zudem sammelt sich bei hoch anfälligen Tieren oftmals mehr Flüssigkeit beziehungsweise mehr Inhalt im Pansen. Schließlich weisen diese Tiere oftmals eine veränderte Pansenmotorik auf.

Infektionen und Erkrankungen

Der Vagusnerv steuert die Bewegungen von Pansen, Netzmagen und Blättermagen. Er sorgt für den Transport des Futters und das Rülpsen, um Gase aus dem Pansen zu befördern. Eine Entzündung oder Verletzung des Nervs, beispielsweise durch Fremdkörper im Netzmagen, Pansenazidose oder Entzündungen in der Bauchhöhle, führen zu einer verminderten oder gestörten Motorik. Durch den Ausfall der gesunden Pansenmotorik kann produziertes Gas nicht ausgeleitet werden, und chronische Pansentympanien entstehen.

Infektionen des Magen-Darm-Traktes können in seltenen Fällen durch den Übertritt der Erreger durch die Darmwand den Vagusnerv schädigen und die Entstehung einer Tympanie fördern. Atemwegserkrankungen können zudem zu Entzündungen des Kehlkopfes führen, die durch begleitende Schmerzen eine Abgabe der Gase verhindern.

Sonderfall Labmagentympanie

Das Aufblähen des Labmagens kommt eher selten vor. Eine rechtsseitig betonte Gasansammlung könnte ein erster Hinweis für einen aufgeblähten Labmagen sein. Trotz bisher noch nicht abschließend geklärter Ursache sind einzelne Faktoren bekannt, die eine solche Labmagentympanie begünstigen. Das Vorkommen von Gas produzierenden Fäulniserregern, zum Beispiel Clostridium perfringens Typ A, kann hier eine Tympanie verursachen.

Ein weiterer Risikofaktor ist ein zu hoher Gehalt an leicht fermentierbaren Kohlenhydraten. Im Tränkemanagement ist zudem auf die richtige Dosierung von Milchaustauschern zu achten. Wird die Dosierung zu hoch gewählt, entstehen im Mischprozess unweigerlich Klumpen. Zu niedrige Dosierungen (unter 80 mg MAT/l) bedingen eine unvollständige Gerinnung im Labmagen. Für die Ad-libitum-Tränke dürfen daher nur Milchaustauscher eingesetzt werden, die sich sicher nicht entmischen.

Tritt trotz umsichtigen Managements eine Labmagentympanie auf, sollte der Tierarzt zurate gezogen werden. Da der Labmagen nicht über den Schlund zu erreichen ist, bleiben Versuche, das Gas über eine Schlundsonde abzulassen, erfolglos. Wenn kein Schaum an der Spitze der Schlundsonde sichtbar ist, ist eine Labmagentympanie wahrscheinlich.

Fütterungsbedingte Ursachen

Ein Großteil der behandlungswürdigen Tympanien bei Kälbern hängt direkt mit der Fütterung und deren Management zusammen. Wenn Milch zu schnell, zu kalt oder in zu großen Mengen aufgenommen wird, kann sie in den Pansen gelangen statt direkt in den Labmagen. Dort kommt es zu Fehlgärungen, die Gas produzieren. Wird Kraftfutter in zu großen Mengen oder in ungeeigneter Zusammensetzung angeboten, kann dies zu einer instabilen Pansenflora führen.

Schnell fermentierbare Kohlenhydrate begünstigen zudem die Gasbildung. Neben Menge und Zusammensetzung ist vor allem die einwandfreie Qualität zu gewährleisten und regelmäßig zu prüfen. Schimmel oder anderweitiger Verderb provozieren Fehlgärungen und erhöhen das Risiko einer Tympanie erheblich. Angefrorenes beziehungsweise zu kurz gehäckseltes Futter verliert seine Strukturwirksamkeit und sorgt bei gleichzeitig erhöhter Abbaubarkeit der organischen Substanz für vermehrte Gasbildung.

Managementbedingte Ursachen

Neben der Fütterung spielt auch das Haltungsmanagement eine entscheidende Rolle. Unregelmäßige Fütterungszeiten führen zu Stress und Verdauungsstörungen, wodurch die Gasbildung begünstigt wird. Schlechte Hygiene, insbesondere unsaubere Tränkeeimer oder Nuckel können Krankheitserreger übertragen, die das Gleichgewicht der Darmflora stören. Stressfaktoren wie Transport, Umstallung oder Rangkämpfe schwächen das Immunsystem und können indirekt Verdauungsprobleme verursachen.

Behandlung im Akutfall

Bild 2:

Ein Pansenstich- oder Schraubtrokar kann bei wiederholtem Aufblähen vom Tierarzt eingesetzt werden. Foto: Hauke Seydler

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schweregrad. Die Entgasung des Pansens durch eine Schlundsonde ist die erste Maßnahme bei Verdacht auf eine freie Gasansammlung. Über die Sonde kann das Gas direkt entweichen. Sollte dies nicht möglich sein, kann das Gas als Notfallmaßnahme über eine Kanüle direkt aus dem Pansen abgelassen werden.

Kommt es zu wiederholtem Aufblähen, kann der Tierarzt einen Trokar einsetzen. Bei schaumiger Tympanie werden Substanzen verabreicht, die den Schaum im Pansen zerstören, zum Beispiel Pflanzenöle, Paraffinöl oder spezielle tierärztliche Präparate auf Silikon­ölbasis oder Poloxalene als Antizymotika. Eine medikamentöse Therapie sollte eine Förderung der Pansenmotorik und die Behandlung möglicher Grunderkrankungen, zum Beispiel Infektionen, abdecken.

Fazit

Die Tympanie bei Kälbern ist ein akuter Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Eine korrekte Diagnose und sofortige Entlastung des Pansens sind entscheidend für das Überleben des Tieres. Die Ursachen sind vielfältig und als Faktorenerkrankung nicht immer klar abgrenzbar. Eine sorgfältige Fütterung, gute Hygiene und stressarme Haltung sind entscheidend, um das Risiko zu minimieren.