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Schmerzbeurteilung bei Rindern

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Schmerz zu definieren oder zu objektivieren ist sehr schwierig, da er eine individuelle Erfahrung darstellt. Ein möglichst frühzeitiges Erkennen von Schmerzen ist eine grundlegende Voraussetzung für deren Linderung und damit für das Wohlergehen und eine hohe Leistung. Bei Milchkühen allerdings – abstammend von Wildtieren, die als Beutetiere von Natur aus stoisch reagieren, um nicht die Aufmerksamkeit von Raubtieren auf sich zu ziehen – ist die Erkennung besonders schwierig.

Es wird oft fälschlicherweise angenommen, dass Kühe weniger empfindlich seien, daher wird eine Schmerzbeurteilung häufig gar nicht vorgenommen. Das Schmerzempfinden ist aber bei allen höheren Wirbeltieren ähnlich. Der Unterschied von Rindern zu anderen Tierarten und dem Menschen liegt in ihren Verhaltensreaktionen auf Schmerzen.

Bei einer Befragung unter britischen Veterinären ergab sich, dass es zum einen deutliche Unterschiede in der Schmerzbeurteilung bei Rindern zwischen Männern und Frauen und zum anderen Unterschiede im Hinblick auf das Abschlussjahr gibt: Weibliche Befragte und jüngere Absolventen neigten dazu, für die meisten Erkrankungen einen höheren Schmerz-Score abzugeben. Auch gaben Rinderpraktiker, die routinemäßig mit Schmerzmitteln behandelten, höhere Schmerzpunktzahlen als diejenigen, die keine Schmerzmittel einsetzten.

Schmerzsignale bei Rindern

Gut wahrnehmbar sind Zähneknirschen und Stöhnen, der Blick ins Leere („Schmerzgesicht“: leicht gerunzelte Augenlider, Ohren zurückgestellt, weite Nasenöffnungen) und – allerdings sehr selten – Schmerzbrüllen. Diese Verhaltensweisen treten bei starken Schmerzen auf, die auch sofort behandelt werden sollten. Allerdings ist es ebenso notwendig, auch auf subtilere Schmerzverhaltensweisen zu achten, um auch geringe bis mäßige Schmerzen erkennen zu können und so zu verhindern, dass die Schmerzen über längere Zeit anhalten und im schlimmsten Fall nicht mehr therapierbar sind.

Abweichungen von den normalen täglichen Aktivitätsmustern (sowohl erhöhte als auch reduzierte tägliche Liegezeit) können auch auf schmerzhafte Zustände und Krankheiten bei Kühen hinweisen. Je nach Schmerzursache, Schweregrad und Zeitpunkt kann es zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, die entsprechend interpretiert werden sollten. So verkürzen Kühe mit klinischer Mastitis aufgrund der Schmerzen, die durch das geschwollene Euter beim Liegen verursacht werden, ihre Liegezeit. Lahme Kühe zeigen jedoch im Vergleich zu nicht lahmen Kühen längere Liegezeiten. Technische Hilfsmittel, beispielsweise digitale Sensoren und Herdenmanagementprogramme, unterstützen das Erfassen und Auswerten der gewonnenen Daten beziehungsweise der Beobachtungen.

Durch Schmerzen kann auch das Liegeverhalten negativ beeinträchtigt werden, was Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit mit sich bringt.

Gibt es einen Schmerz-Biomarker?

Obwohl eine genaue Schmerzeinschätzung für das Wohlergehen der Tiere von großer Bedeutung ist, wurde bislang noch kein endgültig validierter Biomarker für Schmerzen bei Rindern etabliert. Um die objektive Schmerzerkennung voranzubringen, untersuchte eine Forschungsgruppe (Cohen-Zinder, Miri et al., Biotinidase as a novel biomarker for pain assessment in dairy cattle. Pain Rep. 2025) die Dynamik der Blutplasmawerte des Enzyms Biotinidase bei Milchkühen als Reaktion auf drei unterschiedliche schmerzauslösende Reize (Kältebrandmarkierung, Capsaicin-Creme, spontane Mastitis) im Vergleich zu Cortisol und Substanz P.

Eine grundlegende Einschränkung dieser Studie, die für die gesamte Schmerzforschung bei Tieren gilt, ist die Schwierigkeit, die Sensitivität von Biomarkern ohne subjektives Feedback wie selbst berichtete Schmerzwerte zu bestimmen. Es zeigten sich erhöhte Biotinidase-Werte sowohl bei den experimentell hervorgerufenen als auch bei natürlich auftretenden Schmerzreizen innerhalb einer halben Stunde nach Schmerzeintritt, was diesen Wert als zuverlässigen Schmerzbiomarker qualifiziert (während die Aussagekraft von Cortisol und Substanz P in mehreren Bereichen eingeschränkt war).

Allerdings reagiert Biotinidase – ähnlich wie Cortisol und Sub­stanz P – bei zahlreichen physiologischen Signalwegen und nicht ausschließlich schmerzspezifisch. Daher schlagen die Studienautoren vor, mehrere Biomarker und verhaltensbezogene Indikatoren zu kombinieren, um eine aussagekräftige Schmerzerkennung auf hohem Level zu ermöglichen. Eine Möglichkeit dazu bietet die Schmerzskala, die von einer Gruppe von Forschenden aus Dänemark entwickelt wurde (Gleerup, Karina Bech et al., Pain evaluation in dairy cattle, Applied Animal Behaviour Science, 2015). Sie bietet eine Schmerzbeurteilung auf der Grundlage von Verhaltensweisen. Unter anderem werden hier die Aufmerksamkeit der Kuh, ihre Rücken- und Kopfhaltung, die Position der Ohren und der Gesichtsausdruck beobachtet und mit Punkten bewertet.

Möglichkeiten im Schmerzmanagement

Als erste Maßnahme sollte die Schmerzursache beseitigt werden. Aber häufig ist das nicht vollständig möglich und reicht allein nicht aus, um das Wohlbefinden des Tieres wiederherzustellen.

Das Schmerzempfinden lässt sich mittels verschiedener Wirkstoffe (Analgetika) im Rahmen einer symptomatischen Therapie auf mehreren Wegen beeinflussen. Bei entzündlichen Prozessen, beispielsweise Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen und Euterentzündungen, bieten sich Kortikosteroide und Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAID, beispielsweise die Wirkstoffe Meloxicam, Ketoprofen, Flunixin) an. Sie reduzieren Entzündungssymptome, sodass die Tiere eher wieder fressen. Da sie auch die Sensibilität der Schmerzrezeptoren herabsetzen, werden sie beispielsweise auch im Vorfeld des Enthornens von Kälbern eingesetzt (Verabreichung ungefähr eine halbe Stunde vorher, damit sie bereits während des eigentlichen Enthornens ihre Wirkung entfalten können, einige Minuten vor dem Enthornen Gabe von Xylazin zur Stressverminderung). Um das Entzündungsgeschehen abzuschwächen, das oftmals bei Kühen mit Schwergeburten gesehen wird, und um das Wohlbefinden zu verbessern, werden häufig Kortikosteroide verabreicht. In einer Studie führte das Kortikosteroid Dexamethason zu Veränderungen der Verhaltensmessungen, die auf eine Verringerung der Beschwerden hindeuten könnten, allerdings verringerte sich auch die Milchleistung im ersten Monat nach dem Abkalben. Daher wird diese Behandlung nicht für den routinemäßigen Einsatz empfohlen. Krampflösende Medikamente (Spasmolytika) lösen die Verkrampfungen der glatten Muskulatur, zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt im Rahmen eines Durchfallgeschehens oder bei einer Kolik. Wirkstoffbeispiele in diesem Bereich sind Butylscopolamin und Metamizol. Lokalanästhetika betäuben die Schmerzrezeptoren und verhindern so ein Weiterleiten des Schmerzreizes in das Gehirn. Sie werden zur örtlichen Betäubung des Operationsfeldes, zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt oder einer Labmagenoperation, beim Enthornen (bei Kälbern über sechs Wochen Pflicht), bei Klauenoperationen oder in Kombination mit Xylazin bei Nabeloperationen eingesetzt. Xylazin dient der Analgesie, Sedation und zur Muskelentspannung, allein reicht es allerdings nicht zur Schmerzausschaltung.

Fazit

Schmerzen führen immer zu einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens, was letztendlich das Erbringen einer hohen Leistung unmöglich macht. Wachstumsverzögerungen, eine verringerte Fruchtbarkeit und eine sinkende Milchleistung können die Folgen sein. Genaues Hinsehen und das Hineindenken in die besonderen Verhaltensweisen von Rindern lohnen sich also in jedem einzelnen Fall.

Optimalen Erntetermin wählen und sauber konservieren

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Auswertungen von Laboranalysen von Heu und Heulage für die Pferdefütterung zeigen die Tendenz, dass die Grünlandbestände häufig zu spät geschnitten werden. Das macht sich durch zu geringe Gehalte an Rohprotein und praecaecal verdaulichem Rohprotein sowie hohe Gehalte an Rohfaser bemerkbar. Parallel zum Sinken des Futterwerts steigt die Keimbelastung in physiologisch älteren Pflanzenbeständen.

Labore wie die Landwirtschaftliche Kommunikations- und Servicegesellschaft mbH in Lichtenwalde veröffentlichen regelmäßig Ergebnisse zu den untersuchten Heuchargen der vergangenen Jahre (https://t1p.de/­pferdeheuchargen). Neben dem allgemeinen Trend zu späten Ernteterminen zum Ende der Gräserblüte bis hin zu komplett überständigem Gras werden die Flächen häufig nicht oder stark reduziert gedüngt, was sich ebenfalls negativ auf den Proteingehalt auswirkt. Für die Rationsplanung und eine bedarfsgerechte Fütterung der Tiere sind somit die Inhaltsstoffangaben in Futterwerttabellen, die sich auf den optimalen Erntetermin beziehen, nicht aussagekräftig; eine eigene Laboranalyse ist unerlässlich. Unter Umständen ist es erforderlich, eine zusätzliche Komponente als Proteinquelle zu verwenden, um bei reiner Heufütterung eine Unterversorgung zu vermeiden.

Der optimale Erntetermin für die Pferdefütterung ist zu Beginn bis Mitte der Blüte der Gräser. Dann entspricht sowohl der Rohfaser- als auch der Rohproteingehalt den Ansprüchen der Tiere.
Überständiges Gras weist einen geringeren Futterwert und einen höheren Besatz mit Schadkeimen auf.

Vorteile einer frühen Ernte

Durch eine Ernte im optimalen Nutzungsstadium der Gräser kann dem entgegengewirkt werden. Der für die Pferdefütterung erforderliche Rohfasergehalt von 25 bis 32 % in der Trockenmasse (TM) wird erreicht, sobald sich die Gräser in der Blüte befinden. Die Landwirtschaftskammer veröffentlicht als Orientierung die Ergebnisse der Reifeprüfung Grünland für die Heustandorte auf der Homepage (https://t1p.de/gruenland-reifepruefung) und via Instagram. Die Kenntnis der eigenen Bestände und ein Begehen der Flächen sind jedoch unverzichtbar, um rechtzeitig auf die Ernte vorbereitet zu sein. Je nach Wetter und Wahl der Konservierungsform reicht für die Ernte ein Zeitfenster von bis zu drei Tagen aus (Silage oder Heulage), für Bodenheu ist eine längere Schönwetterperiode erforderlich.

Während der Konservierung reduziert sich die Zahl der epiphytischen Mikroorganismen, die in der Natur auf den Pflanzen leben, im Optimalfall tritt Keimruhe ein. Da physiologisch ältere Pflanzen stärker mit Hefen und Schimmelpilzen besiedelt sind, wirkt sich ein früherer Erntezeitpunkt auch positiv auf die Mikroflora aus: Es müssen weniger Schadkeime unschädlich gemacht werden.

Konservierungsprinzip Silierung

Bei der Silierung wandeln Milchsäurebakterien, die natürlich auf den Pflanzen vorkommen, Zucker zu Milchsäure und geringen Mengen Essigsäure um, dadurch sinkt der pH-Wert ab, und Schadkeime werden gehemmt (siehe Abbildung). Voraussetzung ist ein konsequenter Luftabschluss, also anaerobe Bedingungen, der möglichst fest gepresste Ballen wird hierfür mit Stretchfolie umwickelt. Silagen mit einem TM-Gehalt von 45 bis 50 % sind durchaus auch für die Pferdefütterung geeignet, sofern der Rohfasergehalt den Anforderungen entspricht. So konserviertes Futter zeichnet sich durch deutlich geringere Zucker- und Fruktangehalte aus. Bei TM-Gehalten von über 50 bis 75 % handelt es sich um Heulage (Gärheu oder Haylage).

Bei den in der Pferdehaltung besonders beliebten sehr trockenen Heulagen oder bei gewickeltem Feuchtheu (75 bis 85 % TM) findet aufgrund der geringen Wasserverfügbarkeit meist nur eine gering ausgeprägte, manchmal auch gar keine Milchsäuregärung statt, und dementsprechend wird der pH-Wert nur minimal abgesenkt. Im oberen TM-Bereich beruht die konservierende Wirkung nach der Veratmung des Restsauerstoffs vor allem auf der sich im Ballen ausbildenden Kohlendioxid-Atmosphäre und der geringen Verfügbarkeit von Wasser. Allerdings findet bei sehr trockener Heulage oft nicht genug Restatmung statt, sodass Luftsauerstoff in geringen Mengen im Ballen verbleibt. Wenn durch die mikrobielle Atmung frei werdendes Wasser insbesondere in den Randschichten kondensiert, bieten diese nun etwas feuchteren Schichten in Kombination mit dem noch verfügbaren Sauerstoff noch ausreichend gute Lebensbedingungen, um Schimmelpilzen und Hefen Wachstum zu ermöglichen.

Bis zur Verfütterung ist eine Lagerdauer von acht Wochen einzuhalten, um sicherzugehen, dass die mikrobiologischen Prozesse abgeschlossen sind. Nach dem Öffnen sind Heulagen nur kurz lagerfähig und deshalb möglichst innerhalb von wenigen Tagen zu verbrauchen, bei sommerlichen Temperaturen innerhalb eines Tages. Der einsetzende aerobe Verderb geht meist mit einer deutlichen Temperatur­erhöhung einher.

Ein befestigter Untergrund des Ballenlagerplatzes verhindert eine Beschädigung durch Mäuse von unten. Rundballen werden stehend gelagert, möglichst ohne Seitenkontakt. Die Ballen sind vor Beschädigung durch Vögel, Katzen und Nagetiere zu schützen, zudem sind sie kein Kinderspielplatz.

Konservierungsprinzip Trocknung

Eine andere Möglichkeit, Gras zu konservieren, ist die Trocknung, also der Wasserentzug. Bei TM-Gehalten über 86 % handelt es sich um Heu. Bei reiner Bodenheugewinnung wird ein so hoher Trocknungsgrad leider nicht immer erreicht. Für die Produktion von Heu sind eine längere Feldliegezeit und mehr Arbeitsgänge erforderlich. Durch die mechanische Beanspruchung des Ernteguts beim Kehren, insbesondere wenn der Trocknungsgrad steigt, kommt es zu den sogenannten Bröckelverlusten: Die feinen Blätter der Gräser und Kräuter gehen verloren. Da in diesen Pflanzenteilen das meiste Protein enthalten ist, weist Heu einen geringeren Proteingehalt auf als von derselben Fläche erzeugte feuchtere Heulage. Etwa ein bis zwei Stunden vor dem Pressen wird geschwadet, das Pressen erfolgt noch bei Sonnenschein. Die Ballen werden locker gepresst, um eine gute Belüftung zu ermöglichen.

Bei Beschädigungen der Folie ist die Gasdichtigkeit nicht mehr gewährleistet. Je nach Dauer des Sauerstoffzutritts ist nur die äußerste Schicht von Verderb betroffen, dieser kann sich jedoch auch bis tief in den Ballen erstrecken. 

Für die Lagerung ist ein Schutz vor der Witterung erforderlich, hier kommt neben der Hallenlagerung eine Abdeckung mit einem wasserabweisenden, aber luftdurchlässigen Vlies infrage. Eine gute Luftzirkulation ist sicherzustellen, zum Beispiel durch Lagerung auf Paletten, zudem sind Abstände zwischen den Ballen wichtig. In der sogenannten Schwitzphase finden noch Atmungsprozesse der epiphytischen Mikroflora statt, bei denen das Pflanzenmaterial nachtrocknet und entstehendes Wasser über die Luft abgeführt wird. Dabei kann es insbesondere bei zu feucht gepresstem Material zu einer Erwärmung der Heuballen bis hin zu Selbstentzündung kommen, deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle der Ballentemperatur sinnvoll. Diese Schwitzphase dauert bis zu acht Wochen, danach sollte die Keimruhe eingetreten sein, und das Heu darf verfüttert werden.

Probleme mit Lagerpilzen treten häufig dann auf, wenn das Heu zum Zeitpunkt der Ernte noch zu feucht war, die Ballen zu fest gepresst wurden oder die Luftzirkulation während der Schwitzphase nicht sichergestellt wurde, die Feuchtigkeit also nicht abtransportiert werden konnte. Auch Rückbefeuchtung durch Kondenswasser, zum Beispiel als Tropfen von der Decke, oder durch zu hohe Luftfeuchtigkeit im Herbst und Winter kann bei guten Heuqualitäten zu einer späteren Lagerverpilzung führen.

Qualitätsverbesserung durch Zusätze

Betriebe, die sich nicht mit mittelmäßiger Heu- oder Heulagequalität abfinden wollen, überprüfen zunächst das Erntemanagement und die Lagerbedingungen. Bei Heulage kann es beispielsweise helfen, bei einem höheren Feuchtegehalt als üblich zu pressen, sodass tatsächlich noch Silierung möglich ist. Bei TM-Gehalten bis zu 60 % kann auch der Einsatz eines geeigneten biologischen Siliermittels zu einer Qualitätsverbesserung führen. Hierzu hat die Landwirtschaftskammer in den vergangenen Jahren Versuche durchgeführt (https://t1p.de/futter-und-substratkonservierung). Bei höheren Trockenmassegehalten sind nur noch chemische Siliermittel wirksam. Für Heu sind spezielle Konservierungsmittel erhältlich. Für alle Zusätze sind die Einhaltung der empfohlenen Dosierung und eine homogene Verteilung essenziell.

Dichtigkeit der Ballen gewährleisten

Für Heulage oder gewickeltes Heu ist es ratsam, eine hochwertige Stretchfolie einzusetzen und mit mindestens acht Folienlagen zu wickeln. Bei einer geringeren Anzahl besteht das Risiko von Folienverletzungen beim Herabfallen des Ballens auf die Grasnarbe. Eine Reparatur mit Siloklebeband ist nur für die äußerste Lage möglich, die Gasdichtigkeit ist somit nicht garantiert. Gewickelte Ballen sind sofort auf den möglichst befestigten Lagerplatz zu bringen, die meisten Schäden durch Vögel (Krallen und Picken) entstehen in den ersten 24 Stunden bei Verbleib auf der Fläche. Rundballen werden stehend und ohne Seitenkontakt gelagert, um die Dichtigkeit zu gewährleisten und Schimmelbildung vorzubeugen. Vogelschutznetze und ein gutes Schadnagermanagement sind ebenfalls erforderlich.

Sensorische Qualitätskontrolle

Vor der Verfütterung von Heulage und Heu ist es ratsam, einerseits eine Laboranalyse zur Rationsberechnung zu beauftragen, andererseits regelmäßig eine sensorische Überprüfung der Qualität vorzunehmen. Gute Heulage riecht angenehm leicht säuerlich und aromatisch. Gerüche nach Essigsäure (stechend) oder Buttersäure (ranzig) und Röstaromen weisen auf Fehlgärungen hin. Ein muffiger oder fauliger Geruch oder Strukturverlust (Pflanzen sind schmierig/schleimig) zeigen aeroben Verderb an. Hefen sind zunächst als kleine, weiße Pünktchen (etwa so groß wie ein Stecknadelkopf) zu erkennen. Myzelartige Strukturen gehen oft auf Schimmelpilze zurück. Entgegen einer weit verbreiteten Irrmeinung sind weder Milchsäurebakterien noch Siliermittel mit bloßem Auge auf der Silage/Heulage zu erkennen.

Gutes Heu weist einen sehr guten, aromatischen Heugeruch auf und riecht weder muffig noch brandig. Es hat eine ähnliche Farbe (grünlich bis bräunlich) wie das Erntegut und ist rau und steif im Griff. Ideal ist keine oder nur eine sehr geringe Staubentwicklung.

Fazit

Ein früher Erntetermin zu Beginn bis Mitte der Blüte der Gräser ist für die Pferdefütterung anzustreben. Dann entspricht sowohl der Rohfaser- als auch der Rohproteingehalt den Ansprüchen der Tiere, zudem ist die Belastung mit Schadkeimen, die mithilfe der Konservierung reduziert werden muss, deutlich geringer.

Erwartungen wurden übertroffen

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Die Erwartungen im Vorfeld der Mai-Auktion der Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH) in Dätgen waren eher verhalten. Gründe dafür waren der Milchmarkt ohne wesentliche Impulse für die Erzeugerpreise sowie eine gegenüber den vorangegangenen Absatzveranstaltungen begrenzte Käuferpräsenz aufgrund der Silageernte. Dennoch zeigte sich erneut, dass Qualitätsrinder weiterhin gefragt sind. Bis auf wenige Ausnahmen konnten die angebotenen Tiere vermarktet werden.

Das kleine Bullenangebot überzeugte durch gut Qualität. Einziger Rotbuntbulle im Angebot war der rahmige und typstarke „Elanko“ („Rocket RDC“ x VG 85 „Spread P“) aus der Zucht von Stefan Voß, Nehms. Der Zuschlag fiel bei 2.900 €.

Die aufgetriebenen Schwarzbuntbullen erzielten im Schnitt 2.900 €. Die Preisspitze von 3.100 € wurde dabei gleich zweimal erreicht, und zwar für Tiere aus der Zuchtstätte Milchhof Broosch GbR, Techau. Zum einen handelte es sich um den homozygot hornlosen und harmonischen „Egmont PP“, einen Sohn des breit eingesetzten RSH-Vererbers „Dax PP“, zum anderen um den typstarken und heterozygot hornlosen „Einar P“ (Vater: „Caban“). Beide Vatertiere überzeugten durch ihre überdurchschnittliche Bemuskelung.

Bei den weiblichen Tieren entfiel das auftriebsstärkste Kontingent auf die Schwarzbunten. Hier wurde flott und qualitätsorientiert geboten. Der Durchschnittspreis lag bei 2.340 € und damit nur knapp unter dem Niveau der vorangegangenen Auktion. Die teuerste schwarzbunte Färse, „Dona“ („Geronimo“ x GP 84 „Vivico“), ein langes, überragend körperstarkes, ausgeglichenes und genetisch hornloses Tier aus der Zucht des Milchhof Wesenberg, Thomas Schmahl, Wesenberg, wurde von einem hiesigen Käufer für 3.000 € erworben.

Aufgewertet wurde das schwarzbunte Verkaufskontingent durch eine Betriebskollektion der Timm GbR, Krumstedt, die mit überdurchschnittlicher Kapazität in Verbindung mit hohen Einsatzleistungen und sehr guten Eutern überzeugte. Dies honorierten die Käufer mit einem Durchschnittspreis von 2.436 €.

Das Kontingent der Angler Färsen wurde vom Auktionator Claus-Peter Tordsen im Durchschnitt für 2.256 € zugeschlagen. Hier hatte Agnes Greggersen, Hasselberg, mit ihrer genetisch hornlosen ­„Dolly“, einer Tochter von „Volt P“, die Nase vorn. Bei 2.600 € fiel der Hammer für einen Käufer aus Niedersachsen.

Die rotbunten Färsen erreichten im Durchschnitt 2.209 €. Mit jeweils 2.450 € waren zwei Färsen aus dem Bestand von Willem Lüschow, Huje, die teuersten. Dabei handelte es sich um „Dreieck“, eine Tochter von „Stanfort P“, sowie um die genetisch hornlose „Drei“, (Vater: „Say PP“). Beide überzeugten durch sehr flache Euter und viel Körperharmonie.

Fazit

Die Nachfrage nach ­weiblichen Tieren ist ungebrochen. Der Trend zum qualitätsorientierten und differenzierten Bieten setzt sich konsequent fort. Auch wenn das Preisniveau gegenüber der April-Auktion etwas nachgab, wurde insgesamt flott geboten. Nach wie vor honorieren die Käufer ordentliche Einsatzleistungen sowie den Betriebsstatus „GVO-frei“. Mittelrahmige Tiere mit Vorteilen in den Körpermerkmalen erzielen dabei deutliche Preisvorteile. Zu beachten ist, dass für interessierte Käufer in der gegenwärtigen Marktsituation gute Einkaufsmöglichkeiten für abgekalbte Färsen zur Bestandsergänzung bestehen, die genutzt werden sollten.

Die nächste Auktion der RSH eG findet am 16. Juli im Vermarktungszentrum in Dätgen statt. Angeboten werden Tiere, die ausschließlich aus BHV1- und BVD/MD-freien Betrieben stammen. Anmeldungen der Auktionstiere sind dafür bis Montag, 29. Juni an die RSH, Neumünster unter Tel.: 0 43 21-905-307, Fax: 0 43 21-905-395, E-Mail: s.rahn@rsheg.de zu richten.

Vier Tage Messe, viele Monate Vorbereitung

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Wenn Anfang September die Norla ihre Tore öffnet, ist der Landjugendpavillon längst vorbereitet. Hinter dem Messeauftritt des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein stehen zahlreiche Ehrenamtliche und viele Stunden Planung in der Projektgruppe Norla. Was die Arbeit hinter den Kulissen ausmacht, warum sich das Engagement lohnt und was die Norla für ihn persönlich besonders macht, erzählt Sören Schatt, erster stellvertretender Vorsitzender des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein und Hauptverantwortlicher für den Landjugendauftritt auf der vorigen Norla.

Du bist erster stellvertretender Vorsitzender des Landjugendverbandes und warst im vergangenen Jahr hauptverantwortlich für den Landjugendauftritt auf der Norla. Was gehörte bei einer so großen Messe eigentlich alles zu deinen Aufgaben?

Sören Schatt: In erster Linie ging es darum, die Helfer so einzuteilen, dass niemand benachteiligt wird. Es war darauf zu achten, dass die Pausenzeiten eingehalten werden, gerade weil es im vergangenen Jahr auch sehr warm war. Ein gutes Team zu haben, ist also das A und O.

Die Wand „Bauer sucht Frau“ erfreut sich wachsender Beliebtheit. Foto: Thore Groth

Zudem ist die Verpflegung wichtig, nicht nur zu den Hauptmahlzeiten, sondern auch die kleinen Dinge zwischendurch. Ein kurzes Gespräch mit den Helfern oder eine kleine Stärkung können an langen Messetagen viel ausmachen. Außerdem ist man als Zuständiger für die Norla auch Ansprechperson für Gäste und Interessierte, die uns im Landjugendpavillon besuchen.

Da wir auch Politikerinnen und Politiker oder Gäste aus befreundeten Verbänden empfangen, ist es wichtig, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihnen die Anliegen und Ideen der Landjugend mit auf den Weg zu geben. Das geht natürlich nicht allein, sondern nur gemeinsam mit unserem Landesvorstand und dem Agrarausschuss. Der Agrarausschuss hat bei landwirtschaftlichen Themen die Nase vorn, während der Landesvorstand sowohl jugendpolitische Themen als auch die Zukunft des ländlichen Raumes im Blick hat.

Die Vorbereitung beginnt schon Monate vor der Messe. Was muss alles organisiert werden, damit der Stand an den vier Messetagen erfolgreich laufen kann?

In erster Linie muss über die Verpflegung gesprochen werden. Dabei geht es nicht nur um das Essen für unsere Helfer, sondern auch um alles, was wir für den Verkauf und unsere Aktionen am Pavillon benötigen. Waffelteig, Getränke, Material für das Kinderschminken oder weitere Mitmachaktionen müssen rechtzeitig geplant und eingekauft werden. Des Weiteren überlegen wir uns, wer welche Aufgabenbereiche übernimmt. Wir erstellen Einsatzpläne, schauen, wer wann am Stand ist und wer welche Verantwortung übernimmt. Außerdem schauen wir uns an, welche Punkte im vergangenen Jahr noch nicht optimal gelaufen sind und wie wir diese verbessern können.

Kinderschminken gehört zu den Traditionen, die auf keiner Norla fehlen dürfen. Foto: Sören Schatt

Auch der Pavillon selbst muss vorbereitet werden. Er wird gereinigt, eingerichtet, Schilder werden aufgehängt und alles für die vier Messetage vorbereitet. Viele Dinge, die Besucher später als selbstverständlich wahrnehmen, entstehen bereits lange vor der Eröffnung am Donnerstag. Und zuletzt muss auch die Politikaktion vorbereitet werden. Dafür findet sich eine eigene Projektgruppe zusammen.

Was macht die Norla-Zeit für dich persönlich besonders?

Die Norla ist vor allem eines: eine superinteressante und informative Veranstaltung über mehrere Tage. Man knüpft Kontakte, kommt teilweise mit hochrangigen Politikerinnen und Politikern ins Gespräch und trifft immer wieder spannende Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Mindestens genauso wichtig sind natürlich die Leute vor Ort. Man sieht, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind. Daran kann ich mich nie sattsehen, und darauf freue ich mich jedes Mal.

Viele verbinden die Norla mit Arbeit, Gemeinschaft und guter Stimmung. Wie hast du die Atmosphäre am Landjugendpavillon erlebt?

Genau das beschreibt es am besten: mit verschiedenen Landjugendlichen etwas Gutes zu erschaffen. Das ist eben zu 100 % das Landjugendgefühl, das jeder einmal erlebt haben muss.

Die Politikaktion wird im Vorfeld von einer eigenen Projektgruppe geplant. Foto: Sören Schatt

Gab es 2025 einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mit Daniel Günther (CDU) eine Waffel an einem Tisch zu essen, war schon ein sehr großes Highlight. Am Ende sind es aber oft die kleinen Dinge und Begegnungen, die einem im Kopf bleiben, gerade im Kontakt mit den Helfern aus ganz Schleswig-Holstein.

Warum lohnt es sich aus deiner Sicht, in der PG Norla und/oder als Helfer vor Ort mitzumachen?

Kurz gesagt: wegen des Landjugendgefühls. Es gibt aber auch für jeden etwas zu tun. Für die einen ist es das Kinderschminken, für die anderen das Ansprechen von Leuten vor dem Pavillon. Andere betreuen unsere beliebte „Bauer sucht Frau“-Wand, stehen beim „Hau den Lukas“, backen Waffeln oder helfen bei der Verpflegung und Organisation im Hintergrund. Wir haben für jeden den passenden Job.

Du bist in diesem Jahr wieder dabei. Worauf freust du dich angesichts der kommenden Norla besonders?

Ich freue mich vor allem darauf, wieder eine gelungene Veranstaltung zusammen mit den vielen Helfern und Helferinnen zu organisieren, Leute wiederzutreffen und die Kritikpunkte des vergangenen Jahres so umzusetzen, dass für alle ein noch besseres Event daraus entsteht. Die Vorfreude ist auf jeden Fall auch drei Monate vorher schon da.

Während der vier Tage Messe sind viele Dinge zu beachten und zu betreuen.

Mitmachen erwünscht

Wer die Norla einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchte, kann sich bereits jetzt als Helfer für den Landjugendpavillon anmelden. Unterstützung ist sowohl an einzelnen Tagen als auch während der gesamten Messezeit möglich. Darüber hinaus freut sich der Landjugendverband jederzeit über Interessierte, die sich in der Projektgruppe (PG) Norla an der Planung und Organisation beteiligen möchten.

Weitere Informationen gibt es in der Geschäftsstelle des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein. Die Anmeldung als Helfer ist unter landjugend-sh.de möglich. Interessierte für die PG Norla können sich direkt bei Bildungsreferentin Jaenne Albert melden.

Wenn die Grätsche als Grünlandumbruch gilt

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Bundestrainer Julian Nagelsmann steht in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft ohnehin unter Druck. Jetzt aber sorgt das Bundeskabinett mit einem Fußballfeld-Naturflächenbedarfsgesetz (FfNatG) beim DFB-Coach für schlaflose Nächte. Dem FfNatG-Entwurf zufolge sind 10 % der Rasenfläche bei Spielen mit deutscher Beteiligung für urbane Biodiversität zu reservieren. Nagelsmann reagiert entsetzt: Stadien seien keine Spielwiese für grüne Fantasten, denen die Bindung zum Fußball fehle. Umweltschutz sei wichtig, aber bitte am Spielfeldrand.

Unbeeindruckt äußert Umweltminister Carsten Schneider (SPD) gegenüber Journalisten, nach der WM auch den Waldanteil auf verödeten deutschen Fußballflächen anheben zu wollen. Im ersten Schritt auf 10 %, weitere Anhebungen könnten mit freiwilligen Verpflichtungen zur Anlage von Knicks an der Westkurve verrechnet werden. Jährlich sei die Entwicklung zu dokumentieren und staatlich zu kontrollieren. Die Kontrollkosten habe der Stadionbetreiber zu tragen. Auf der verbleibenden Fläche gelte das Grätschen ab sofort als Grünlandumbruch und werde verboten.

Schneider bekommt Beistand vom Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) aus Schleswig-Holstein: Es sei unverantwortlich, wie der DFB den Naturschutz vernachlässige. Die Rasenfläche werde seit Jahrzehnten massiv überdüngt. Der leichtfertige Einsatz von Pestiziden ermögliche eine Grasmonokultur mit negativen Auswirkungen auf die Biodiversität. Deutsche Stadien seien das Paradebeispiel für eine rückwärtsgewandte, einseitig von ökonomischen Interessen geleitete Wirtschaft.

„Es gibt keinen heiligen Rasen. Wir machen Schluss mit ausgeräumten Stadionlandschaften. Naturschutz muss im Sinne der Sozialpflichtigkeit des Eigentors, äh, Eigentums gerade von der Wirtschaft gelebt werden“, fordert Minister Goldschmidt im Interview auf dem gepflasterten Parkplatz seines Ministeriums.

Schneider wirbt dafür, die Chancen des Biofußballs zu sehen und Fördermittel für eine ökologische Inwertsetzung der monotonen Rasenflächen in Anspruch zu nehmen. Auch ethisch sei der konventionelle Rasenfußball infrage zu stellen. „Wir haben heute Alternativen, deshalb brauchen wir eine neue Begründung für reine Rasenflächen.“ Der Umweltkollege aus dem Norden wird deutlich: Wer die Sportförderung nutze, der müsse auch etwas dafür tun. Geld für ein Weiter-so werde es mit ihm nicht geben. Der Bürger wolle für seine Steuermittel eine Gegenleistung. Das Fußballspiel allein reiche da nicht.

Nagelsmann droht: „Dann machen wir die Tore zu!“ Immerhin, über die Medien reagiert Schneider mit Verständnis: „Ich bin dafür, die Eintrittspreise zu erhöhen. Die Zuschauer sind längst bereit, für Umwelt- und Klimaschutz mehr zu zahlen.“ Goldschmidt erteilt Nagelsmann sogar Nachhilfe in Sachen Unternehmenserfolg: „Statt weiter auf Wachstum zu setzen, schießen Sie endlich weniger Tore, dafür mit höherer Qualität.“ Die Gesellschaft sage immer häufiger Nein zu konventionellen Pestizid-Kunstdünger-Massentorschüssen. Fußball dürfe im Stadion nicht alles bestimmen. Es gehe auch um eine Heimat für den Wolf …

… so weit der Blick in die Zukunft. Unrealistisch? Heute schon Wirklichkeit – in der deutschen Landwirtschaft.

Qualitätsausschuss tagte bei Wilhelm Brandenburg

Anfang Juni kam der Qualitätsausschuss bei der Landwirtschaftskammer zu seiner vierteljährlichen Sitzung zusammen. Dieses Mal trafen sich die Mitglieder am Standort der Wilhelm Brandenburg GmbH & Co. OHG in Timmendorfer Strand.

Im Rahmen einer Betriebsbesichtigung erhielten die Ausschussmitglieder Einblicke in die Produktionsabläufe des Unternehmens. Am Standort wird ein breites Sortiment an Fleischwaren hergestellt. Dabei liegt der traditionelle Schwerpunkt auf streichfähigen Aufschnitten, allen voran der Rügenwalder Teewurst. Das Rezept für die Gewürzmischung ist Familiengeheimnis. Noch heute stellt nur Wilhelm Brandenburg selbst die Gewürzmischung hinter verschlossenen Türen zusammen. Dieses Recht besitzen deutschlandweit nur drei Familien.

Auch Regionalität spielt eine große Rolle bei der Vermarktung. Ausschließlich aus heimischem Gütezeichen-Markenfleisch wird das Sortiment unter der Marke Timmendorfer hergestellt. Das Sortiment wird auch als SB-Ware über die Märkte der Rewe-Gruppe vertrieben. Seit Kurzem wird für das Timmendorfer-Sortiment nur noch Schweinefleisch aus Haltungsstufe 3 eingesetzt.

Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung fand die Sitzung des Qualitätsausschusses statt. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war die Überarbeitung des Handbuches, um dieses an die ab September geltenden EU-Regelungen der EmpCo-Richtlinie anzupassen. Darüber hinaus informierte sich der Ausschuss über die kommenden Veranstaltungen, an denen sich das Gütezeichen Schleswig-Holstein beteiligen wird. Ein weiterer Schwerpunkt war der Social-Media-Auftritt von Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein auf Instagram und Facebook.



Tasdorfer Turniertage

Mit zwei Schwerpunkten fanden auch in diesem Jahr die Tasdorfer Turniertage im Kreis Plön statt: Zwei Tage Gelände und drei Tage Springen sowie einige Dressurprüfungen standen auf dem Mammutprogramm. Mit dabei waren Amateure und Profis, junge und erfahrene Reiter und Pferde. Die Gastgeber und Nachbarn Sophie Vogg und Harm Sievers zeigten sich nach den fünf Turniertagen zufrieden und dankbar.

Die ersten goldenen Schleifen wurden schon am Dienstag und Mittwoch auf dem Geländeplatz verliehen. Los ging es mit einer Geländepferdeprüfung der Klasse A, zugleich Qualifikation für die Bundeschampionate. Hier dominierte mit der Traumnote 9,5 die für den Reit- und Fahrverein Großenwiehe, Kreis Schleswig-Flensburg, startende Finnin Lotte Palmgren mit ihrem Holsteiner Wallach Udo J. Das Paar gewann auch gleich noch die Geländepferdeprüfung der Klasse L*.

„Hier kann ich Training und Turniererfahrung aufs Beste verbinden“, sagte Anna Siemer aus dem niedersächsischen Luhmühlen. Sie gewann den Stilgeländeritt der Klasse L* mit dem gekörten Trakehner Hengst Sturmpfeil.

Turnierveranstalterin Sophie Vogg war von den ersten Tagen begeistert: „Alles in allem ein perfekter Start für alles, was jetzt am Wochenende noch kommt.“ Und da kam noch einiges.

Ab Freitag nahm das Turnier erneut Fahrt auf: Das klassische Programm bot Springprüfungen der Klassen E bis S. Dazu kamen das Holsteiner Schaufenster sowie eine Station der Röschmann Team Trophy. Letztere gewann zur großen Freude des Veranstalterteams die Heimmannschaft des Husberger Reitvereins.

Im Holsteiner Schaufenster der U25-Reiter siegte Tomma Thiesen. Sie hatte sich unmittelbar nach ihrem CSI4*-Debüt in Hohen Wie­schendorf auf den Weg nach Tasdorf gemacht. Doch dem Shootingstar der Springszene reichte eine goldene Schleife nicht. Am Sonntagnachmittag holte Thiesen sich die zweite im Youngster-Zweiphasenspringen der Klasse S mit der Holsteiner Stute Harley Quinn AS. Silber gab es gleich dazu, diesmal mit dem Holsteiner Calletino. „Grasplätze werden generell weniger. Umso schöner, dass Tasdorf eins meiner Lieblingsturniere ist und meine Pferde hier gern gehen“, sagte sie zufrieden.

Mit dem Großen Preis von Tasdorf stand schließlich der Höhepunkt des Wochenendes auf dem Programm. Für das Stechen der S-Springprüfung hatten sich elf Reiter qualifiziert. Es siegte Philipp Battermann-Voss aus Schülp, Kreis Rendsburg-Eckernförde, mit seinem Holsteiner Hengst Lyotard. Der neunjährige Dunkelbraune war bereits Zehnter bei der Weltmeisterschaft der jungen Springpferde und wurde von seinem Reiter selbst ausgebildet. „Dieser Sieg ist bisher sein größter Erfolg. Er ist mutig, leistungsbereit und vorsichtig“, sagte Battermann-Voss und fügte hinzu: „Das Turnier in Tasdorf hat eine unglaublich lange Tradition, vor allem für mich, weil wir mit der Familie Sievers eng befreundet sind.“

An zweiter Stelle rangierte der Fehmaraner Mathies Rüder mit seiner Holsteiner Stute Carlesta. Es folgte der in Tasdorf beheimatete Australier Tom Tarver-Priebe mit seinem Holsteiner Hengst Cornet’s Caruso.

Am Ende strahlten nicht nur die Sieger und Platzierten, sondern auch die Veranstalter Sophie Vogg und Harm Sievers. Vor allem aber machte Vogg klar: „Ohne den außerordentlichen Einsatz unserer ehrenamtlichen Helfer und ohne die Sponsoren könnte das so nicht stattfinden. Genau sie sind es, die unser Turnier zusammenhalten und es ausmachen.“ Sievers fügte hinzu: „Das war das beste Turnier, das wir je gemacht haben. Und für das nächste Jahr planen wir genau das wieder.“ pm

Die Pflegeleichten für jeden Garten

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Mit den nachfolgenden Pflanzen ist erfolgreiches Gärtnern garantiert, denn sie gedeihen prächtig ohne viel Zutun und blühen dabei auch noch wochenlang. Sämtliche Arten können jetzt noch gepflanzt werden. Eines jedoch gleich vorneweg: Auch pflegeleichte Pflanzen haben Ansprüche hinsichtlich der Lichtverhältnisse, der Bodenbeschaffenheit und der Versorgung mit Nährstoffen und Wasser. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, zeigen sie sich ganz ohne großen Aufwand von ihrer schönsten Seite.

Die schlanken Blütenstiele der Pfirsichblättrigen Glockenblume machen sich gut als Zaungucker. Foto: Karin Stern

Beginnen wir nun unsere Reise durch das Reich der Pflegeleichten. Frauenmantel (Alchemilla mollis) ist ein toller Bodendecker für nährstoffreichen, leicht feuchten Boden in Sonne und Halbschatten. Auf Lehmboden wächst er besonders gut. Vom Austrieb bis zum Herbst schmücken seine samtigen Blätter den Garten. Die gelben Blütenrispen recken sich von Juni bis Juli 30 bis 50 cm hoch. Zur gleichen Zeit öffnen sich die weißen oder violetten Blüten der Pfirsichblättrigen Glockenblume (Campanula persicifolia). Sie mag es sonnig und liebt sandig-lehmigen Boden, der ausreichend feucht sein sollte. An halbschattigen Standorten verträgt sie auch etwas mehr Trockenheit. Mit 80 cm Höhe ziehen die schlanken Blütenstiele den Blick auf sich. Auch die Sommermargerite ist von Juni bis August mit einem imposanten, 70 bis 100 cm hohen Flor eine eindrucksvolle Erscheinung. Sie bevorzugt einen lockeren, durchlässigen Boden. Mit Nässe oder schwerem Boden kommt die Sommermargerite (Leucanthemum maximum) nicht zurecht. Tipp: Alle drei Jahre im Frühjahr zur Verjüngung teilen.

Frauenmantel und Sommersalbei ergänzen sich optisch. Foto: Karin Stern
Margeriten gehören einfach in jeden Garten. Foto: Karin Stern


Die Berg-Waldrebe schmückt hier einen Torpfosten. Foto: Karin Stern

Von Mai bis Juni präsentiert die Berg-Waldrebe (Clematis montana) ihre Blüte. Die anspruchslose unter den Clematis braucht keinen Schnitt, mag Sonne wie Halbschatten und erkrankt nicht an der Clematis-Welke. Die unschlagbar robuste Katzenminze (Nepeta x faassenii) verträgt sogar Trockenheit und schweren Boden. Im Mai und Juni zeigt sie ihren violetten oder hellblauen Flor. Einziger Nachteil: die unwiderstehliche Anziehungskraft auf Katzen, die sich auch gern in der Staude wälzen. Das völlig unkomplizierte Sonnenauge (Heliopsis helianthoides) gedeiht in jedem nährstoffreichen, durchlässigen Boden in voller Sonne. Es verträgt sogar Trockenphasen. Die Blüte zeigt sich auf 80 bis 130 cm hohen Stielen von Juli bis September. Zur gleichen Zeit erfreut der Sonnenhut (Rudbeckia fulgida) in nährstoffreichem, nicht zu trockenem Boden an sonniger Stelle. Bis zum Frost hingegen zieren die violetten Blütenstände des Eisenkrauts (Verbena bonariensis) den Garten. Es liebt volle Sonne und gedeiht in jedem normalen Gartenboden. Die fehlende Winterhärte gleicht das Eisenkraut durch Selbstaussaat aus.

Die Katzenminze ist eine sehr robuste Staude. Foto: Karin Stern
Die hohen Formen des Sonnenauges sind leider nicht sehr weit verbreitet. Foto: Karin Stern
Eisenkraut erhält sich am optimalen Standort über die Selbstaussaat. Foto: Karin Stern


Ganz ohne jedes Zutun bildet das Chinaschilf (Miscanthus sinensis) prächtige Horste aus, Sonne und leicht feuchter, nährstoffreicher Boden vorausgesetzt. Je nach Sorte wächst das Gras 70 bis 250 cm hoch. Die Blütenrispen zeigen sich ab August. Die Blaublatt-Funkie (Hosta sieboldiana) ‚Elegans‘ kommt auf jedem Boden im Schatten oder Halbschatten zurecht. Allerdings mag sie weder Nässe noch Kalk. Über den ornamentalen Blättern erheben sich von Juni bis Juli 50 bis 80 cm hohe Blütenstiele. Auch die frostharte Ball-Hortensie (Hydrangea arborescens) ‚Annabelle‘ mag Schatten und leicht feuchten, nährstoffreichen Boden. Unter diesen Bedingungen beeindrucken die weißen Blütenbälle von Juni bis September in 100 bis 150 cm Höhe. Der bodendeckende Günsel (Ajuga reptans) ist ebenfalls ein Schattenkind für lehmigen Boden. An etwas feuchteren Standorten verträgt er auch mehr Sonne. Die Blüte zeigt sich von April bis Mai.

Chinaschilf bietet eine breite Sortenauswahl mit unterschiedlichen Wuchshöhen und -formen. Foto: Karin Stern
Die Blüte der Blaublatt-Funkie gibt es als Zugabe zum Blattschmuck. Foto: Karin Stern
Ball-Hortensie wurden hier als Wegbegleiter verwendet. Foto: Karin Stern
,Atropurpurea‘ ist eine rotlaubige Sorte des Kriechenden Günsels. Foto: Karin Stern


Der Sommer-Salbei (Salvia nemorosa) braucht für gutes Gedeihen volle Sonne und nährstoffreichen, lockeren Boden. Auf 40 bis 60 cm hohen Stielen zeigen sich von Mai bis Juni seine violettblauen, weißen oder rosafarbenen Blütenähren. Von Rot bis Gelb reichen die Blütenfarben der Sonnenbraut (Helenium). Sie eignet sich für sonnige Beete mit nicht zu trockenem, lockerem Boden. Je nach Sorte schwankt die Höhe zwischen 80 und 140 cm und die Blütezeit zwischen Juli und September. Der wintergrüne Felsen-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum) ist extrem anpassungsfähig. Er wächst so gut wie überall, selbst im trockenen Schatten. Die Blüte des Bodendeckers erscheint von Mai bis Juli.

Sommer-Salbei ,Amethyst‘ überzeugt als blütenreiche und pflegeleichte Staude. Foto: Karin Stern
Sonnenbraut ,Salsa‘ verzweigt sich schön. Sie wächst kompakt und sehr standfest. Foto: Karin Stern


Tipp: Wer ein wenig Aufwand nicht scheut, kann mit dem richtigen Schnitt die Blütezeiten mancher Pflanzen sogar verlängern. Bei Sommermargerite, Sonnenauge und Sonnenhut funktioniert das durch Ausputzen der Blütenstiele am Stängelgrund. Der Austrieb frischer Blätter lässt sich mit einem kompletten Rückschnitt nach der Blüte bei Frauenmantel, Sommermargerite, Katzenminze, Sommer-Salbei und Sonnenbraut anregen. Mit etwas Glück folgt sogar eine Nachblüte, wenn die Pflanzen anschließend gut mit schnell verfügbarem Dünger und Wasser versorgt werden. Wer für buschigeren Wuchs und mehr Standfestigkeit sorgen möchte, kürzt Sonnenbraut Ende Mai, Anfang Juni um 15 cm ein. Dadurch verschiebt sich die Blütezeit ein wenig nach hinten.

Felsen-Storchschnabel wird manchmal auch unter der Bezeichnung Balkan-Storchschnabel angeboten. Foto: Karin Stern

Artenschutz im Wandel der Zeit

Nutrias, auch Sumpfbiber oder Biberratten genannt, tauchen seit einigen Jahren immer häufiger im Landschaftsbild auf. Als sogenannte invasive Art, zu denen aktuell auch der Marderhund und der Waschbär zählen, hat die Nutria neben der mit dem Einzug fremder Arten einhergehenden Veränderung der heimischen Flora und Fauna eine besondere Eigenart, die nicht nur Naturschützern oder Jägern Kopfzerbrechen macht. Im Umfeld von Teichen, Tümpeln, Flüssen oder Sielzügen im Marschland lebend, bedeutet der bis zu 10 kg schwere Nager ein erhebliches Schadenspotenzial für Böschungen, Uferbefestigungen oder Wall- und Deichanlagen.

Die Wühltätigkeit und die dabei oberhalb der Wasserlinie entstehenden Baue schaffen bedrohliche Hohlräume in den Gewässer- und Hochwasserschutzanlagen. Deswegen werden inzwischen je nach Schadenslage Prämien für den Fang gezahlt. Diese sind unterschiedlich zu beantragen und variieren je nach Kommune oder Gewässerverband.

Dass die ursprünglich in Südamerika beheimatete Nutria inzwischen eine ernst zu nehmende Bedrohung nicht nur für Deiche und Böschungen darstellt, wird aus dem Monitoring des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein ersichtlich. Alle fünf Jahre wird das Monitoring aktualisiert. Allein zwischen 2015 und 2020 hat sich das Vorkommen zwischen Nord- und Ostsee etwa verdoppelt. Die Auswertung für das Jahr 2025 laufe, sagt René Hartwig, akademischer Jagdwirt aus dem Landesjagdverband Schleswig-Holstein (LJV). Dabei dürfe die Flächendeckung inzwischen als landesweit betrachtet werden. Weiße Flecken würden kaum übrig bleiben, befürchtet Hartwig.

Invasive Arten können nur im Einklang zwischen Politik, Jägerschaft und Naturschutz erfolgreich zurückgedrängt werden. Immerhin hat das Land Schleswig-Holstein das Thema nicht auf die leichte Schulter genommen und allein für die Bejagung invasiver Arten jetzt 50.000 € zur Verfügung gestellt. Damit könnte unter anderem die Anschaffung moderner Fallensysteme finanziert werden. Noch können keine Anträge gestellt werden. Aktuell werde an der Ausgestaltung der Vergabebedingungen gearbeitet, sagt Hartwig. Die Bejagung sollte allerdings landesweit erfolgen und dabei auch Naturschutz- oder Stiftungsflächen einschließen, sagt er. Allein könnten die Jäger es in ihren Revieren nicht richten. Wenn ausgeklammerte Lebensräume als Rückzugsflächen bestehen, kann es nicht funktionieren. „Es geht nur miteinander“, sagt Hartwig.

Große Fruchtbarkeit

Zwei Jungtiere aus dem letzten Winter in einem Kieler Revier. Beide erlegten Nutrias hatten erfrorene Schwänze. Die Erlegung sei praktizierter Tierschutz, hieß es.
Fotos (3): Blickpunkt-SH

Dass die Nutria in der Bejagung der sogenannten Neozoen, also eingewanderter oder eingeschleppter Arten, inzwischen einen vorderen Rang einnimmt, liegt an ihrer Lebensweise, die nicht nur eine hohe Populationsdynamik aufweist. Bei einer ganzjährig möglichen Befruchtung und einer Tragzeit von knapp fünf Monaten (19 Wochen) mit etwa sechs bis acht Jungtieren und einer bereits mit einem halben Jahr eintretenden Geschlechtsreife sind zwei Würfe im Jahr keine Seltenheit. Deswegen befürchten örtliche Jäger aus den Revieren im kommenden Jahr eine explosionsartige Ausbreitung. Allein im Jagdjahr 2022 und 2023 wurden in Schleswig-Holstein 2.405 Nutrias erlegt. Im Jagdjahr 2023 und 2024 waren es bereits 7.352 Tiere. Das wird nur von 11.945 Marderhunden im Vergleichsjahr übertroffen.

Konkurrenz für Schilfbrüter

Außer der Wühltätigkeit bereitet die Lebens- und Ernährungsweise der Nutria weitere Probleme. So besteht das Potenzial, ganze Schilfbestände kahl zu fressen und so unter anderem massiv in verbleibende Brutareale von Schilfbrütern einzugreifen. Auf die Ausbreitung dürften auch die Winterverluste kaum einen hohen Einfluss haben, befürchten die Beobachter. So trugen im vergangenen Winter viele Nutrias und besonders deren Jungtiere Erfrierungen an den Schwänzen und auch den Schwimmhäuten zwischen den Zehen der Hinterfüße davon. Frost, Eis und verharschter Schnee sind wenig geeignet für das dauerhafte Überleben der ursprünglich aus subtropischen und gemäßigten Arealen in Südamerika stammende Nutria. Trotzdem bleibt das Problem der massiven Ausbreitung bestehen.

Verwertung der Nutrias

Die Bejagung mit der Falle ist die erste Wahl und, mit modernen Multimediameldern versehen, eine effektive und im Revier bis hin zu Naturschutzbereichen wenig störende Methode zur Bejagung.

Ein Trost für die aktiven Jäger, die viel Zeit und Geld in die Fallenjagd investieren, ist die Beute selbst. Nutrias gehören immer häufiger zum Angebot in gehobenen Küchen. Das Fleisch des reinen Pflanzenfressers, der auf den ersten Blick wie eine viel zu groß geratene Ratte in bräunlichem Kleid oder wie ein kleiner Biber ohne dessen charakteristische Schwanzkelle daherkommt, ist eine echte Delikatesse und ausgesprochen fein. In der Küche macht die Nutria deswegen nicht nur als Burger, Ragout, Gulasch oder auch feinstes Filet eine gute Figur. Der im Gegensatz zum viel kleineren Bisam mit seinem abgeplatteten Schwanz drehrunde und spärlich behaarte Schwanz der Nutria und das nagetiertypische Aussehen werden dabei besser ausgeblendet. Inzwischen ist das Wild auf so manch moderner Speisekarte in der Gastronomie zu finden. Auch der Balg, also das Fell, hat seinen Reiz, sollte aber für eine Verwertung als Bekleidung von erfahrenen Händen zugerichtet werden.

Problematisch kann die Begegnung zwischen Hunden und Nutrias werden. Das gilt selbst für gestandene Jagdhunde, wie Schweißhundeführer und Kitzretter Hinnerk Bellmann von der Wildtierrettung Segeberger Heide e. V. zu berichten weiß. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat der Jäger allein im Kreis Plön im Wankendorfer Raum 70 Nutrias gefangen und erlegt. Trotz Bellmanns jagdlicher Erfahrung musste er dabei Lehrgeld zahlen.

Der Alpenländische Dachsbrackenrüde Aaron ist als Schweißhund im Alter von zehn Jahren ein erfahrener Jagdbegleiter. Der Kampf mit einer ausgewachsenen Nutria brachte dem Rüden 14 Stiche beim Tierarzt ein, um die Wunden im Gesicht zu nähen. Foto: Hinnerk Bellmann

Nachsuche mit Folgen

So wurde der Hundeführer zu einer Nachsuche auf ein Damwildkalb nach Schillsdorf gerufen. Die Suche mit dem Alpenländischen Dachsbrackenrüden Aaron führte dabei durch einen von Brombeergestrüpp gesäumten Graben. Schweiß führte in das Brombeergestrüpp. Als der gestandene Rüde ohne Schweißleine zur Kontrolle in das Gestrüpp geschickt wurde, kam spontan heftiger Kampflärm auf. Eine ausgewachsene Nutria von geschätzt 10 kg Körpergewicht und Hund Aaron schossen als „Kampfkugel“ aus den Brombeeren. Zurück blieb nach beherztem Einsatz des Hundeführers, der mit einem Sprung in den Graben dazwischenging und die Kontrahenten trennen konnte, ein geschlagener Rüde mit schweren Bisswunden vom Behang bis in das Gesicht hinein. Das Ergebnis waren nach dem Tierarztbesuch ein um 1.500 € ärmerer Jäger und ein mit 14 Stichen genähter Jagdhund mit spürbar angeschlagenem Stolz. Dass Bellmanns Geschichte kein Einzelfall ist, wissen einige Jäger zu berichten. Die rötlichgelben, meißelscharfen Schneidezähne der Nutria sind keineswegs nur hoch spezialisierte Werkzeuge zum Zerbeißen von Pflanzenmaterial. Verbunden mit einer durchaus eindrucksvollen Wehrhaftigkeit können Nutrias bei Begegnungen mit Hunden ernsthafte Gegner sein. Ungetrübtes Herumtollen von Hunden in Ufer- oder Schilfbereichen und fröhliches Planschen im Wiesengraben, wo im Allgemeinen ohnehin Leinenpflicht besteht, seien deswegen keine gute Idee, meinen die Jäger.

Nutrias verfügen mit vier meißelscharfen Schneidezähnen nicht nur über ein hervorragendes Beiß- und Nagewerkzeug, mit dem sie sogar unter Wasser fressen können, sondern auch über eine messerscharfe Verteidigungswaffe. Überrascht wissen sich die Nager durchaus auch gegen allzu neugierige Hunde zu wehren.

Moskau sieht großes Potenzial

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Russland sieht erhebliches Potenzial für Agrarausfuhren nach China, auch bei Fertigwaren. Für eine Erweiterung des Handels müssten die Exporteure allerdings größere Anstrengungen an den Tag legen, betonte der Leiter des dem Moskauer Landwirtschaftsministerium angegliederten Bundeszentrums Agroexport, Ilya Ilyushin, bei einem Treffen zwischen russischen Unternehmen und Vertretern der chinesischen Online-Plattform JD Global.

Ilyushin hob hervor, dass viele russische Exportunternehmen bereits auf chinesischen Online-Plattformen vertreten seien; für eine erfolgreiche Vermarktung sei das unerlässlich.

Handel ausgeweitet

Der russische Landwirtschaftsattaché in China, Dmitry Klishin, hob nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax hervor, dass bereits ein erheblicher Anteil der chinesischen Internetnutzer Lebensmittel über Online-Marktplätze kaufe. Deshalb sei die Präsenz russischer Produkte auf chinesischen Online-Plattformen nicht nur eine Möglichkeit, das Handelsvolumen zu steigern, sondern der Schlüssel, um die Bekanntheit russischer Marken bei den chinesischen Verbrauchern zu steigern.

Laut der JD Global-Managerin Sally Wang biete der 2014 gegründete Cross-Border-Channel einen einfacheren und effizienteren Zugang zum chinesischen Markt. Für den Verkauf von Lebensmitteln reiche ein Nachweis der Geschäftsregistrierung bei der nationalen Zollverwaltung. Für manche Lebensmittel sei selbst dieser nicht erforderlich.

2025 hat Russland landwirtschaftliche Güter im Wert von rund 6,6 Mrd. € nach China exportiert. In diesem Jahr ist der Handel sprunghaft gestiegen. Allein im ersten Quartal 2026 überschritten die russischen Lieferungen in die Volksrepublik die Marke von 2,6 Mrd. € und lagen damit deutlich über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Vorwurf: Korruption

Unterdessen wurde bekannt, dass Rusagro, einer der größten Agrarkonzerne in Russland, künftig unter staatlicher Leitung steht. Wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtet, hat laut Gerichtsbeschluss vom 5. Mai die Russische Landwirtschaftsbank eine Mehrheitsbeteiligung von rund 65 % erhalten und damit die Kontrolle über das Unternehmen übernommen. Der entsprechende Eintrag im Handelsregister erfolgte Ende Mai.

Rusagro wurde 1995 von Wadim Moschkowitsch gegründet. Gegen ihn laufen in Russland derzeit mehrere Strafverfahren wegen Korruption, Betrug sowie Veruntreuung. Dem Konzernchef wird zudem vorgeworfen, seine politische Stellung als Mitglied des Föderationsrats, der zweiten Kammer des russischen Parlaments, ausgenutzt zu haben, um sich wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Auf dieser Basis ordnete ein Gericht die Einziehung seiner Unternehmensanteile an. Auch die Aktienpakete seiner Frau und weiterer Familienmitglieder wurden in staatliche Hand gelegt.

Die Landwirtschaftsbank hob hervor, dass das operative Management von Rusagro in den Händen des aktuellen Führungsteams bleibe. Hauptaufgabe aller Verantwortlichen sei es jetzt, die Stabilität des Unternehmens und seiner Marktpositionen zu sichern. Die Übertragung der Vermögenswerte von Rusagro werde die Kontinuität der Geschäftstätigkeit und die weitere Entwicklung des Konzerns nicht beeinträchtigen. age

Rapsöl erneut Spitzenreiter

Speiseölmarkt

Deutsche Verbraucher wissen die Vorzüge heimischen Rapsöls zu schätzen. Foto: Imago

Deutschlands Verbraucher greifen nach wie vor gern zu Rapsöl. Das zeigen nach Angaben der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) Daten zu Einkaufsmengen, die von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft auf Basis von Zahlen der YouGov CP Germany ermittelt wurden. Demnach war Rapsöl im vergangenen Jahr mit einem Marktanteil von 40 % erneut das meistgekaufte Speiseöl in privaten Haushalten.

Laut Ufop gingen 2025 etwa 86,5 Mio. l Rapsöl in den Markt. Klar dahinter folgten Sonnenblumenöl mit etwa 63 Mio. l und Olivenöl mit 38,6 Mio. l. Insgesamt kauften die Bundesbürger rund 214 Mio. l Speiseöle ein; das war ungefähr so viel wie im Jahr davor. Auch im Biosegment bleibt Rapsöl der Ufop zufolge eine feste Größe; rund 4,5 Mio. l wurden 2025 verbraucht. Insgesamt belief sich der Absatz von Biospeise­ölen auf rund 28,3 Mio. l.

Laut Ufop-Geschäftsführer Stephan Arens schätzen die Verbraucher insbesondere die vielseitige Verwendbarkeit, die heimische Herkunft und die ernährungsphysiologischen Eigenschaften von Rapsöl. Es zeichne sich durch ein ausgewogenes Fettsäurenmuster mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren aus. Aufgrund seiner Zusammensetzung werde Rapsöl auch von Ernährungsexperten empfohlen. Gleichzeitig stamme ein Großteil des in Deutschland angebotenen Rapsöls aus heimischem Anbau und regionaler Verarbeitung. age