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Zahlen zum landes- und bundesweiten Ausbau der Photovoltaik im Jahr 2025 präsentierte der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (LEE SH) in der vergangenen Woche in Kiel. Trotz eines Rekordzubaus im Land gestalten sich Perspektiven und energiepolitische Rahmenbedingungen derzeit herausfordernd.
Der zuletzt vielversprechende Weg beim Ausbau der Photovoltaik aus den vergangenen Jahren relativiere sich inzwischen, schilderte der Geschäftsführer des LEE SH, Marcus Hrach: „Mit 16,4 GWp lagen wir im Jahr 2025 knapp unter dem Höchstwert von 17 GWp aus dem Jahr zuvor.“ Der hohe Zielerreichungsgrad im Gesamtausbau entstehe vor allem durch die Übererfüllung der vergangenen Jahre. Um bis 2030 das bundesweite Ausbauziel von 215 GW zu erreichen, seien laut LEE SH nach den 2025 installierten 117 GW jährlich nun 19,6 GWp an Zubau nötig. Der Anteil Schleswig-Holsteins an der bundesweit installierten Gesamtleistung betrug 3,93 % im Jahr 2025.
Für das nördlichste Bundesland sprach Hrach von einem Rekordzubaujahr mit 822 MWp, somit waren 4,6 GW PV-Leistung im Land 2025 installiert. Damit sei man zwar auf Kurs, jedoch noch ein Stück weit von den durch den LEE SH berechneten notwendigen 10 GW bis 2030 entfernt. Erstmals liege der schleswig-holsteinische Anteil am bundesweiten Zubau über den vom LEE SH als notwendig erachteten 4,65 %. Gut zur Hälfte sei die 2025 neu installierte Leistung auf Gebäuden entstanden. Falle jedoch die Förderung für kleine Dachanlagen weg, wie aktuell von der Bundesregierung geplant, werde es mit der anvisierten etwa hälftigen Verteilung zwischen Dach- und Freiflächen-PV schwierig. „Der Erfolg des weiteren Zubaus hängt nun an der Notwendigkeit eines Rahmenvertrages der Bundesregierung, damit der Ausbau wirtschaftlich tragfähig ist und ins System integriert werden kann“, schilderte Christian Andresen, Vorstandsvorsitzender des LEE SH.
Im Jahr 2025 sind dem Verband zufolge 3,1 Mrd. € an Redispatch-Kosten aufgewendet worden: „Der Anteil der Erneuerbaren Energien daran beträgt aber nur 433 Mio. €, der Rest entfällt auf fossile Anlagen, die diese hohen Kosten, besonders durch die Gasabhängigkeit, aufgeworfen haben“, verdeutlichte Andresen. Falsche Signale aus der Bundespolitik störten den weiteren Ausbau im Bereich PV empfindlich. Trotz eines schlechten Windjahres 2025 habe vor allem die Einspeiseleistung der Solarenergie dazu beigetragen, die Erneuerbare Stromproduktion hoch zu halten. „Das zeigt, wie wichtig es ist, nicht eine, sondern alle Erneuerbaren Technologien auszubauen“, erläuterte Andresen. In diesem Zuge verwies er auf die Leistungsfähigkeit heutiger Solarmodule: Während für die Erzeugung von 1 MW im Jahr 2008 noch 7 ha benötigt worden seien, könnten heute auf 1 ha bereits 1,3 MW Strom produziert werden.
Moin aus dem echten Norden! In Heide schlug Ende April das Herz der deutschen Landjugend. Für uns als Landesvorstand der Landjugend Schleswig-Holstein war es eine besondere Ehre: Wir durften die Bundesmitgliederversammlung (Bumi) des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) bei uns in Heide ausrichten.
Schon am Freitagabend füllte sich die Jugendherberge in Heide mit Leben. Aus allen Himmelsrichtungen reisten die Delegierten der Landesverbände an, um gemeinsam die Weichen für die Verbandsarbeit zu stellen. Nach der offiziellen Begrüßung durch den Bundesvorstand und uns als gastgebenden Landesvorstand verwandelte sich der Speisesaal schnell in einen Ort des Austauschs. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie schnell die Distanzen zwi-schen Bayern, Sachsen oder Niedersachsen schmelzen, sobald die ersten Fachgespräche und persönlichen Anekdoten über den Tisch wandern. Das Netzwerken am ersten Abend legte den Grundstein für eine Atmosphäre, die das gesamte Wochenende prägen sollte: konstruktiv, herzlich und tief im Ehrenamt verwurzelt.
Die Bumi-Besucher erkundeten im Watt die Natur bei Wind und Kälte mit allen Sinnen. Foto: BDL/Gräschke
Der Sonnabendvormittag war ganz dem Austausch und den Berichten der verschiedenen Arbeits-kreise gewidmet. Neben den intensiven Diskussionen rund um den Deutschen Landjugendtag (DLT), der in diesem Jahr in Hameln stattfinden wird, standen auch der Tag des offenen Hofes sowie wichtige Satzungsänderungen im Mittelpunkt. Die Arbeitskreise informierten über ihre aktuellen Projekte und Herausforderungen, wodurch ein lebendiges Bild der vielfältigen Aktivitäten entstand. Während der Versammlung wurden die vorgeschlagenen Satzungsänderungen engagiert debattiert und schließlich zur Abstimmung gebracht. Besonders betont wurde die Bedeutung einer aktiven Beteiligung aller Landesverbände, damit der DLT in Hameln mit einer bunten und starken Gemeinschaft gefeiert werden kann.
Nach der intensiven Arbeit im Tagungsraum war es Zeit, unseren Gästen die herbe Schönheit Dithmarschens näherzubringen. Das Wetter präsentierte sich dabei von seiner authentischsten Seite: norddeutsch-kalt und mit ordentlich Wind um die Nase. Davon ließen sich die rund 65 Teilnehmenden jedoch nicht beirren. Während die eine Hälfte der Gruppe sich mutig in das kalte Watt der Nordsee wagte, erkundete der andere Teil das Kohlosseum in Wesselburen.
Im Watt wurde die Natur mit allen Sinnen erlebt, während in Wesselburen die Kohlgeschichte Dithmarschens im Vordergrund stand. Als größtes zusammenhängendes Kohlanbaugebiet Europas hat die Region einiges zu bieten, das über das bloße Feld hinausgeht. Bei einer Sauerkrautverkostung konnten sich die Landjugendlichen durch verschiedene Sorten probieren und lernten dabei eine Menge über die Veredelung dieses traditionellen Produkts. Es war ein Nachmittag, der den Kopf frei pustete und gleichzeitig den Stolz auf unsere regionale Landwirtschaft stärkte.
Projekte, Abschiede, Emotionen
Ein fester Bestandteil jeder Bumi ist die Vorstellung eines Projekts, das im gastgebenden Verband besonders erfolgreich läuft. Wir durften in diesem Rahmen unsere Politikaktion auf der Norla in Rendsburg präsentieren. Im Jahr 2025 haben wir dort das Konzept eines „Landjugend-Ruckzuck“ umgesetzt. Ziel ist es, politische Schwerpunkte wie das Ehrenamt, die Situation der Junglandwirtinnen und Junglandwirte, aktuelle Agrarpolitik und die Entwicklung ländlicher Räume so aufzubereiten, dass sie sowohl Politiker als auch die Jugend begeistern.
Im Kohlosseum in Wesselburen lernten die Teilnehmenden aus dem gesamten Bundesgebiet jede Menge über den Kohlanbau in Dithmarschen. Foto: Sören Schatt
Sehr persönlich wurde es dann am Abend. Nach dem gemeinsamen Abendessen stand die Verabschiedung langjähriger Bundesvorstandsmitglieder auf dem Programm. Es war uns ein wichtiges Anliegen, Leon Ranscht, Maike Delp, Anne-Kathrin Meister und Theresa Schmidt für ihren unermüdlichen Einsatz zu danken. In den Reden wurde deutlich, wie viel Herzblut in diese Ämter geflossen ist. Der Abschied war hochemotional und erinnerte uns alle daran, dass Landjugendarbeit zwar oft anstrengend ist, aber Freundschaften und Erfahrungen fürs Leben schafft.
Neuwahlen und Blick nach vorn
Wer dachte, der Sonntag würde ruhig beginnen, hatte die Rechnung ohne unseren musikalischen Weckdienst gemacht. Um die Lebensgeister für den letzten Versammlungstag zu wecken, dröhnte „An der Nordseeküste“ durch die Flure der Jugendherberge. So startete die Gruppe wach und mit einem Schmunzeln in die anstehenden Neuwahlen.
Die Ergebnisse brachten jedoch auch eine Herausforderung mit sich: Im neuen Bundesvorstand, Marthe Vellguth, Lars Ruschmeyer, Christian Leu und Paul Krug, konnten nicht alle Sitze besetzt werden. Von ursprünglich sechs Mitgliedern ist das Gremium nun auf vier geschrumpft. Das bedeutet für uns alle: Auf der nächsten Bumi im Herbst in Berlin stehen Nachwahlen an. Wir können nur jeden ermutigen, der Lust auf Gestaltung hat, sich einzubringen – Bewerbungen sind jederzeit willkommen.
Zum Abschluss wurde die Gelegenheit genutzt, den Geschäftsstellen und natürlich uns als gastgebendem Verband für die Organisation zu danken. Doch auch wir als Landesvorstand möchten Danke sagen. Es war ein fantastisches Wochenende mit einer großartigen Truppe. Die Energie, die konstruktiven Gespräche und die gute Laune trotz des windigen Wetters haben gezeigt, dass die Landjugend bereit für die Aufgaben der Zukunft ist. Wir haben uns gefreut, den Rest der Republik bei uns begrüßen zu dürfen, und blicken voller Vorfreude auf die nächsten Treffen.
Am 21. April proklamierte die Tierschutzorganisation Vier Pfoten den Meat Exhaustion Day. Dieser Tag soll den Zeitpunkt im Jahr markieren, an dem die empfohlene Fleischmenge je Mensch aufgebraucht ist. Gut einen Monat vorher startete die Initiative Fleisch „Das große Angrillen“, eine Kampagne für Schweinefleisch mit der Zeitung „Bild“ als Partner. Das Bauernblatt hat die Geschäftsführerin der Initiative, Dr. Kirsten Otto, zu Erfolgsfaktoren und Zielen befragt.
Die Initiative Fleisch agiert in einem emotional extrem aufgeladenen Spannungsfeld zwischen Tierwohl-Debatten, Klimaschutz und der wirtschaftlichen Existenz der Erzeuger. Wirkt Ihr Motto „Iss was dir schmeckt“ deshalb etwas defensiv?
Kirsten Otto: Das Spannungsfeld zwischen Tierwohl, Klimaschutz und wirtschaftlicher Realität ist real und aufgeladen, aber genau deshalb haben wir uns bewusst für einen anderen Weg entschieden. Wir steigen nicht in jeden Konflikt ein, wir erklären nicht und rechtfertigen uns nicht, sondern setzen ein klares Zeichen für Selbstbestimmung. „Iss was dir schmeckt“ ist keine Defensive, sondern eine Einladung für gegenseitiges Verständnis und Respekt. Und in einem Diskurs, der so oft moralisierend und polarisierend geführt wird, ist eine einladende, offene Haltung vielleicht die mutigste Entscheidung, die man treffen kann.
Wie groß ist bei Ihrer Arbeit der Anteil an Krisenmanagement, und was ist aktive Gestaltung?
Das Thema Fleisch ist gesellschaftlich aufgeladen, und wir beobachten den öffentlichen Diskurs kontinuierlich, auch mit Hinblick auf Krisenpotenzial: Was wird diskutiert? Welche Narrative entstehen? Wenn es nötig ist, reagieren wir sachlich, schnell und faktenbasiert. Aber das ist nicht unser Kerngeschäft. Aktive Gestaltung bedeutet für uns, Themen zu besetzen, bevor sie uns treffen. Mit Formaten wie „Wissen, was schmeckt“ setzen wir Narrative rund um Ernährung und räumen mit Mythen auf. Kampagnen wie „Schwein gehabt“ oder „Iss was dir schmeckt“ schaffen wir darüber hinaus positive Bilder und laden Menschen ein, Fleisch wieder unbeschwert zu genießen.
Fleisch ist ein kulturelles Identitätsmerkmal, vegane Lebensweise oft ein Lebensstil. Wie geht die Initiative mit solchen gegensätzlichen Einstellungen um?
Was jemand isst, ist eine persönliche Entscheidung, geprägt von Herkunft, Werten, Gewohnheiten und ja, auch von Kultur und Identität. Fleisch ist für viele Menschen in Deutschland tief verwurzelt. Gleichzeitig respektieren wir, dass andere Menschen andere Entscheidungen treffen. Genau deshalb heißt unsere Kampagne „Iss was dir schmeckt“. Wir laden ein, offen und ohne Urteil miteinander über Essen zu sprechen. Denn am Ende verbindet uns alle eines: Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme, es ist Genuss, Gemeinschaft und Lebensfreude.
Sie wollen mit Mythen aufräumen. Doch Fakten allein ändern kein Verhalten. Verfolgen Sie auch eine Strategie der Emotionalisierung des Fleischgenusses?
Ja, ganz bewusst. Unser Spot „Schwein gehabt“ ist dafür ein gutes Beispiel. Das Zischen, das Duften und die Gemeinschaft am Grill sind Bilder, die Emotionen auslösen. Gleichzeitig stehen wir für faktenbasierte Aufklärung, etwa über Ernährungsmythen, Nährwerte und Fragen rund um eine ausgewogene Ernährung mit Fleisch. Mit Formaten wie „Wissen, was schmeckt“ räumen wir mit gängigen Missverständnissen auf und geben Menschen eine sachliche Grundlage für ihre eigene Entscheidung. Für uns gehören Emotionen und Fakten zusammen, denn Emotionen schaffen Nähe, und Fakten schaffen Vertrauen. Beides ist notwendig, um Menschen langfristig zu erreichen.
Was unterscheidet die Initiative Fleisch von Branchenverbänden wie dem Bauernverband oder dem Verband der Fleischwirtschaft?
Wir richten uns direkt an die Gesellschaft, an Menschen, die täglich Entscheidungen rund ums Essen treffen. Unser Ton ist einladend und offen, wir sprechen über Genuss, Gemeinschaft und Selbstbestimmung. Mit „Iss was dir schmeckt“ setzen wir uns dafür ein, dass jeder Mensch frei und ohne Druck entscheiden kann, was auf den Teller kommt.
Geht es darum, den Fleischkonsum bei Flexitariern zu stabilisieren, oder eher darum, das ramponierte Image der Branche bei der jungen Generation zu reparieren?
Unser Ziel ist nicht, mehr Fleisch zu verkaufen. Unser Ziel ist, dass Menschen ihre Ernährungsentscheidung frei und selbstbestimmt treffen können, ohne Belehrung von irgendeiner Seite: die Entscheidung, am Sonntagmittag ein Schnitzel zu genießen, ohne sich dafür erklären zu müssen. Die Entscheidung, beim Familiengrillen um eine vegetarische Alternative zu bitten, ohne einen Kommentar zu erwarten. Denn was auf dem Teller landet, ist eine persönliche Entscheidung.
Wir stehen für das Lebensmittel Fleisch, das auch in Zukunft relevant bleiben wird. Dass Unternehmen ihr Portfolio diversifizieren, ist eine unternehmerische Entscheidung. Ob echtes Fleisch oder Alternativen, entscheidend ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher informiert sind und frei wählen können.
Vertritt die Initiative das Produkt Fleisch oder die Fleischbranche?
Als Initiative Fleisch bringen wir Fakten, Wissen und unterschiedliche Perspektiven rund um das Lebensmittel Fleisch zusammen. Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben und einen offenen, sachlichen Dialog über Ernährung, Herkunft und Verantwortung zu ermöglichen. Die Branche, die dahintersteht, gehört selbstverständlich dazu, denn sie macht es möglich, dass hochwertige Lebensmittel auf deutschen Tellern landen. Unser Fokus liegt aber klar auf dem Dialog mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Große Fleischkonzerne sehen sich als Protein-Produzenten, inklusive Laborfleisch, Insekten- oder Pflanzenprotein. Verteidigen Sie ein Produkt, dessen Hersteller die Zukunft längst woanders suchen?
Wir stehen für das Lebensmittel Fleisch, das auch in Zukunft relevant bleiben wird. Dass Unternehmen ihr Portfolio diversifizieren, ist eine unternehmerische Entscheidung. Ob echtes Fleisch oder Alternativen – entscheidend ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher informiert sind und frei wählen können.
Wie setzt sich Ihr Budget zusammen? Wer hat bei Kampagnen ein Mitspracherecht? Besteht die Gefahr, dass die Interessen der Landwirte denen der Industrie untergeordnet werden?
Hinter der Initiative Fleisch steht die gesamte Wertschöpfungskette, von der Landwirtschaft bis zur Verarbeitung. Jeder beteiligte Betrieb leistet einen festen Beitrag pro Schlachttier, so entsteht eine gemeinsame Finanzierungsbasis, die keinen bevorzugt. Wie das Geld eingesetzt wird, entscheidet ein Steuerungsgremium mit 15 Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft und Fleischwirtschaft gemeinsam. Gerade diese breite Aufstellung ist unsere Stärke: Wir sprechen nicht nur für einen Teil der Kette, sondern für das gemeinsame Anliegen.
Woran messen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit? Geht es um mediale Reichweiten, oder tracken Sie die Veränderung der gesellschaftlichen Akzeptanz gegenüber Fleischprodukten? Sehen Sie bereits Trendwenden?
Reichweite und Impressions sind wichtige Indikatoren, aber nicht das Ziel. Wir messen Erfolg daran, ob wir Menschen erreichen, die dem Thema Fleisch gegenüber ambivalent sind, und ob wir einen Beitrag zu einer neuen, sachlicheren Gesprächskultur leisten. Dazu nutzen wir neben Mediadaten auch regelmäßige Umfragen und beobachten kontinuierlich, wie über Fleisch gesprochen wird, welche Themen bewegen, welche Tonalität dominiert und wo der Dialog gerade steht. So bekommen wir ein realistisches Bild davon, wie sich die Stimmung in der Gesellschaft jenseits von reinen Klickzahlen entwickelt. Darüber hinaus befinden wir uns in der Konzeption einer eigenen Studie zu Konsumverhalten und gesellschaftlichen Einstellungen zu Fleisch. Über die Inhalte sprechen wir gern im Zuge der Veröffentlichung. Ob sich das in messbaren Trendwenden niederschlägt, ist ein langfristiger Prozess, den wir aber aktiv begleiten.
Wie ist der Geflügelbereich eingebunden, der mit seiner Kampagne durchaus erfolgreich ist?
In der Initiative Fleisch engagieren sich Unternehmen der Fleischwirtschaft, die sich für Transparenz und einen offenen, sachlichen Dialog über Fleisch einsetzen. Gemeinsam bringen wir Fakten und Perspektiven zusammen, fördern Verständnis und setzen auf eine verantwortungsvolle Kommunikation rund um das Lebensmittel Fleisch in Deutschland. Jede Initiative, die in diesem Sinne aufklärt und informiert, begrüßen wir. Wir sehen uns dabei nicht als Konkurrenz, sondern als Teil eines größeren, gemeinsamen Dialogs.
Amil Hota von der deutschen Geflügelwirtschaft kommentiert die Wachstumskurve seiner Branche so: „Wir haben den positiven Trend nicht geschaffen, aber wir sorgen dafür, dass er von deutschen Höfen bedient wird.“ Kann man Trends überhaupt beeinflussen?
Das Zitat beschreibt sehr treffend, was Kommunikation leisten kann und was nicht. Trends entstehen nicht durch Kampagnen, sondern durch gesellschaftliche Stimmungen, kulturelle Verschiebungen und veränderte Lebensrealitäten. Kommunikation allein schafft diese Trends nicht, kann sie aber aufgreifen, sichtbar machen und verstärken. Das gilt auch für uns. Wir maßen uns nicht an, den Fleischkonsum zu lenken oder gesellschaftliche Trends zu erzeugen. Was wir stattdessen tun, ist, den Rahmen zu gestalten, in dem über Fleisch gesprochen wird. Denn wenn dieser Rahmen offener und respektvoller wird, können Menschen ihre Entscheidung frei und mit gutem Gefühl treffen.
Haben Sie keine Sorge, dass die Initiative Fleisch schon durch ihren Namen an die Probleme der Branche erinnert? Wäre es strategisch nicht klüger, die Kommunikation über die Marken laufen zu lassen?
Im Gegenteil. Wir stehen bewusst und selbstbewusst zu unserem Namen. Fleisch ist kein Reizwort, sondern ein Lebensmittel mit Geschichte, Kultur und Geschmack. Wer den Namen vermeidet, signalisiert Unsicherheit. Fleisch gehört zur Lebensrealität von Millionen Menschen und verdient eine faire Auseinandersetzung. sh
Attraktive und robuste Blütenstauden wie Storchschnabel oder Steppensalbei sind in vielen Gärten anzutreffen. Doch neben diesen bekannten Arten gibt es unter den Stauden viele unbekannte Schönheiten zu entdecken, die jeden Garten bereichern.
Zu ihnen gehört die bildschöne Orchideenprimel (Primula vialii), die von Juni bis Juli mit ihren zweifarbig wirkenden Blütenähren begeistert. Der Blütenstand erhebt sich bis in 30 cm Höhe aus einer Blattrosette. Dieser Staude gefällt es ausgezeichnet in der Gesellschaft von Rhododendren oder an einem halbschattigen Platz am Teichufer. Ein ausreichend feuchter, humoser und kalkarmer Boden wird bevorzugt. Am frischen Gehölzrand machen sich Leberblümchen (Hepatica), Funkien (Hosta) und Akelei (Aquilegia) gut in der Nachbarschaft. Leider ist die Orchideenprimel selbst am optimalen Standort nicht sehr langlebig. Sie lässt sich aber leicht aus Samen heranziehen oder sorgt über die Selbstaussaat für Nachwuchs.
Die gesprenkelten Blüten der Krötenlilie erinnern an Orchideen.Foto: Karin SternKrötenlilie ,Alba‘ zeigt von Ende August bis in den Oktober hinein ihren Blütenschmuck. Foto: Karin Stern
Eine wunderbare Bereicherung für den Garten ist die Krötenlilie (Tricyrtis hirta). Auf saurem und humosem Boden kommen die attraktiven Blüten zusammen mit Farnen und Gräsern in der Nachbarschaft von Rhododendren perfekt zur Geltung. Doch sie wächst nicht nur gern im Unterholz, sondern fühlt sich auch im Schatten von Mauern wohl. Hier zeigen sich im September an etwa 50 cm hohen Stielen kleine Blütenbüschel mit gesprenkelten, weißlich-lilafarbenen Blättern. Mit ihrem orchideenähnlichen Aussehen verbreiten sie den ganzen September lang exotisches Flair. Wichtig ist ein feuchter, kalkarmer und locker-humoser Boden an einem halbschattigen bis schattigen Standort. Die Neupflanzung wird am besten im Frühjahr vorgenommen. Im ersten Winter sollte die Krötenlilie mit Laub oder Reisig abgedeckt werden. Sortentipp: ‚Sinonome‘ (60 bis 80 cm hoch, gut verzweigte Blütenstände), ‚Empress‘ (Hybride, 70 bis 80 cm hoch, üppige Blüte).
Mit dem Gebogenen Lerchensporn erlebt man sein blaues Wunder im Frühjahr.Foto: Karin Stern
Die verschiedenen Arten des Lerchensporns (Corydalis) lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die Knollen bildenden Arten blühen bereits im zeitigen Frühjahr und ziehen nach der Blüte schnell wieder ein. Die staudigen Arten hingegen bilden meist buschige Horste und schmücken mit ihrem dekorativen Laub bis zum Herbst. Die Hybridsorten des Gebogenen Lerchensporns (Corydalis flexuosa) vereinigen die Vorteile beider Gruppen. ‚Porcelain Blue‘ zeigt eine blaue Blüte von April bis Mai, zieht im Sommer nicht ein, erfreut im Herbst an optimalen Standorten mit einer Nachblüte und behält sogar im Winter das Laub. Die Staude gehört zu den Schatten liebenden Arten, gedeiht aber auch noch gut im Halbschatten auf durchlässigem, leicht trockenem bis frischem Boden.
An Alpenveilchen erinnern die zahlreichen, auf bis zu 50 cm langen Stielen sitzenden Blüten der Götterblume. Foto: Karin Stern
Etwas mehr Sonne hingegen liebt die Götterblume (Dodecatheon meadia). Ihre einmalige, interessante Blütenform begeistert Gärtner mit dem Blick für das Besondere. Doch die Liebhaberpflanze verlangt etwas Geduld, denn erst im Laufe der Jahre bilden sich dichte Horste. Im Steingarten oder in der Nachbarschaft von niedrigen Seggen (Carex) oder Farnen wirkt die Kleinstaude überaus apart. Für die Neupflanzung empfiehlt sich der Frühjahrstermin an einem sonnigen Standort mit durchlässigem, frischem und kalkfreiem Boden. Tipp: Die Götterblume zieht über den Sommer vollständig ein, daher unbedingt die Pflanzstelle markieren. Die Nachbarpflanzen füllen im Idealfall die entstehende Lücke.
Die gelben, fleischigen Blüten der Wachsglocke sitzen an bogig überhängenden Stielen. Foto: Karin Stern
Die Wachsglocke (Kirengeshoma palmata) kommt in Kombination mit Herbst-Anemone (Anemone hupehensis), Silberkerze (Cimicifuga) und Schaublatt (Rodgersia) schön zur Geltung. Ab August zeigen sich die glockenförmigen Blüten an 1 m hohen Stielen. Auch die ahornähnlichen Blätter sind sehr dekorativ. Sie schmücken schon lange vor der Blüte. Der wertvolle und langlebige Spätblüher stammt aus Japan und ist immer noch etwas Besonderes in unseren Gärten. Am besten entwickelt sich die Staude auf lockerem, humosen, nährstoffreichen Boden.
Eine attraktive Schmuckstaude für das sonnige Beet ist der unverwüstliche Balkan-Bärenklau (Acanthus hungaricus). Seine ornamentalen Blätter und die eindrucksvolle Blütenpracht ergeben einen imposanten Blickfang. Auch die Samenstände zieren noch lange nach der Blüte. Die Staude benötigt jedoch einige Jahre, um ihre volle Schönheit zu entfalten. Man gibt ihr einen frischen, tiefgründigen und nährstoffreichen Boden in sonniger bis halbschattiger Lage. Auch etwas trockenere Standorte werden gut vertragen. Auf winternasse Böden oder gar Staunässe reagiert der Bärenklau jedoch empfindlich. Am besten wird die Staude als Akzentgeber in der Rabatte oder als Solitär verwendet. Hier kommt sie gut vor Steinmauern oder Treppen zur Geltung.
Der Balkan-Bärenklau braucht etwas Zeit, um seine volle Schönheit zu entfalten. Foto: Karin SternÜber den lippenförmigen Blüten des Bärenklaus sitzen grünviolette Hochblätter. Foto: Karin SternDer Balkan-Bärenklau braucht etwas Zeit, um seine volle Schönheit zu entfalten. Foto: Karin Stern
Der Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora) ist eine vielseitig verwendbare Wildstaude. Foto: Karin Stern
Nicht unerwähnt bleiben darf mit dem Großblütigen Fingerhut (Digitalis grandiflora) eine dekorative Wildstaude für sonnige Standorte mit normalem Gartenboden. Diese in allen Teilen giftige Art präsentiert hohe, dicht besetzte Blütentrauben und sorgt über die Selbstaussaat für Nachwuchs. Der Großblütige Fingerhut fügt sich sehr gut in naturnahe Gestaltungen oder am Gehölzrand ein.
Der Frühling kommt, und es juckt allen Pflanzenfreunden in den Fingern. Am 30. April gab nun die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ute Volquardsen, den Startschuss für die diesjährige Saison der Beet- und Balkonpflanzen sowie Sommerblumen.
Auf dem Blumenhof Pein in Halstenbek, einer familiengeführten Einzelhandelsgärtnerei, konnten Betriebsinhaber Werner Pein, Tochter Vivian Pein, Inga Balke für den Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland sowie Ute Volquardsen zahlreiche Pressevertreter begrüßen. In Bild und Ton wurde dabei festgehalten, wie die Ehrenvertreter im Anschluss Kübel bepflanzten und Werner Pein diese dem Bürgermeister der Gemeinde Halstenbek, Jan Krohn, zur weiteren Verwendung vor dem Halstenbeker Rathaus spendete. Unter den dabei verwendeten Pflanzen war auch die rosafarbene Petunie ,Zarte Marte‘, die von einem Gremium aus Zierpflanzenbauexperten zur Pflanze des Jahres im Norden 2026 gekürt wurde. Der Blumenhof Pein und viele andere familiengeführte Einzelhandelsgärtnereien in Schleswig-Holstein nehmen dabei an der Zertifizierung „Im Norden gewachsen“ teil, einem Zertifizierungssystem für lokal produzierte Zierpflanzen, das im Rahmen des Gütezeichens Schleswig-Holstein auditiert wird.
Bereits im sechsten Jahr luden die Veranstalter zu den Kleinsolter Turniertagen auf der Anlage der Familie Blunck im Kreis Schleswig-Flensburg ein. Mit Prüfungen von Klasse E bis S, Kreismeisterschaftswertungen, dem Kuschel Cup und einer Dreisternepremiere war für sportliche Höhepunkte gesorgt.
Der Turnierauftakt gehörte traditionsgemäß den jungen Pferden, und die zeigten sich von ihrer besten Seite. Ein besonderes Ausrufezeichen setzte Melanie Klein: Das dritte Jahr in Folge gewann sie die Dressurpferdeprüfung der Klasse S, diesmal mit dem siebenjährigen Denicio und der Note 8,0. Dahinter reihten sich Niklas Müller mit Ibiza’s Boy sowie Kerstin Rabeler mit Donna Lucia RA ein.
Der Sonnabend begann mit viel Wind und einem Gänsehautmoment: Der Kuschel Cup startete in seine fünfte Saison. Knapp 30 Nachwuchstalente eröffneten den Tag mit tollen Ritten. Für große Emotionen sorgte Helene Marie Schlüter, die sich mit Petit Cherry Blossom und einer 8,2 den Sieg sicherte – Freudentränen inklusive. Die flossen auch bei der zweitplatzierten Enya Lynn Zitzmann. Dahinter rangierte Emily-Pauline Dau. Die besten drei sicherten sich damit ihre Finaltickets.
Am Nachmittag wurde es anspruchsvoll. Im St. Georg Special setzte sich Morlin Jochimsen mit Inspire durch. Gastgeberin Luisa Erichsen glänzte nicht nur mit Platz zwei im Sattel von Sweet Remember, sondern wurde auch mit dem Fairnesspreis für pferdegerechtes Reiten ausgezeichnet. Dahinter folgte Ken-Christian Horst mit seinem Wallach Dareios del Cuore.
Das große Highlight des Turniers war die Intermediaire II auf Dreisterneniveau. Hier zeigte die Flensburgerin Leonie Ottmar eine beeindruckende Leistung und dominierte das Starterfeld gleich doppelt: Sieg mit Don Horatio (72,081 %) und Platz zwei mit De Luca. Auf Rang drei komplettierte Melanie Klein das starke Ergebnis mit Floris Grey, mit dem sie ebenfalls die 70-%-Marke knackte: ein würdiger Abschluss für einen hochklassigen Turniertag.
Bei strahlendem Sonnenschein, vollen Rängen und bester Stimmung wurde der Sonntag zu einem echten Fest. In der S*-Dressur schrieb Gastgeberin Luisa Erichsen ihre ganz persönliche Geschichte. Mit ihrer achtjährigen Sweet Remember sicherte sie sich ihren ersten Sieg in der schweren Klasse, und das vor heimischem Publikum. Ein Moment, der nicht nur sie, sondern auch viele Zuschauer sichtlich bewegte.
Neben all den sportlichen Erfolgen blieben vor allem die Atmosphäre, die stilvollen Siegerehrungen, das gute Miteinander und die vielen kleinen Details in Erinnerung. „Im Vorfeld ist es immer viel Organisation. Ohne unser Team und unsere Stallgemeinschaft wären die Kleinsolter Turniertage nicht zu stemmen“, sagte Veranstalterin Gisela Blunck-Erichsen. „Viele aus den eigenen Reihen sind Helfer, Sponsor und Unterstützer zugleich. Jeder packt mit an. Auch freuen wir uns über den großen Zuspruch der Reiter, die nicht nur die guten Bedingungen und die tolle Atmosphäre loben, sondern auch mit Sponsoring unterstützen. Wir wissen, dass das alles in diesen Zeiten nicht selbstverständlich ist.“
Nach dem Ende der EU-Milchquotenregelung zum 1. April 2015 kam es zu einer Steigerung der Milchproduktion. Zwischen 2015 und 2024 erhöhten sich die Kuhmilchanlieferungen in der gesamten Europäischen Union um mehr als 7 %. Allerdings gab es in den wichtigen Produktionsländern Deutschland, Österreich und Frankreich unterschiedliche Entwicklungen. Wie diese aussehen, zeigt eine Analyse der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), der österreichischen Agrarmarkt Austria (AMA) und der französischen Agrarbehörde FranceAgriMer.
Laut Bericht waren in den drei Ländern die Milchmengen schon kurz vor dem Ende der Quotenregelung gestiegen. In Deutschland hatte es bereits seit 2007 einen starken Anstieg der Milcherzeugung und -anlieferung gegeben, der sich bis zum Quotenende fortsetzte. Danach blieb die Milcherzeugung weitgehend konstant und schwankte zwischen 32,5 Mio. t und 33,1 Mio. t pro Jahr.
Parallel zur Milcherzeugung stieg zum Ende der Quotenregelung die Zahl der Milchverarbeitungsbetriebe in Deutschland sprunghaft an. Seitdem ist sie jedoch rückläufig, liegt aber noch über dem Stand von 2015. Auch die Zahl der Kuhmilch-Erzeugerorganisationen zeigte laut Bericht nach dem Quotenende einen Anstieg. Im Jahr 2015 wurden 144 gezählt, worauf ein deutliches Wachstum folgte. Bis 2024 stieg die Zahl auf 179 Erzeugerorganisationen, was einer Erhöhung um rund 24 % entspricht. Das spiegelt die zunehmende Bedeutung von Milcherzeugerorganisationen für Landwirte wider.
Anders sah es in Österreich aus. Dort fehlen Erzeugerorganisationen in der Milchbranche fast völlig. Dies hängt den Marktexperten zufolge mit dem nachgelagerten Bereich zusammen, der in dem Alpenland weitgehend in Form von Genossenschaften organisiert ist. Das Auslaufen der Milchquote hatte in Österreich einen deutlichen Einbruch der Erzeugerpreise, einen vorübergehenden Produktionsanstieg und vermehrte Betriebsaufgaben, Meiereischließungen sowie Anpassungen der Handelsströme zur Folge. Viele dieser Entwicklungen seien jedoch laut Bericht eher auf den allgemeinen Strukturwandel im ländlichen Raum seit dem EU-Beitritt des Landes im Jahr 1995 zurückzuführen.
In den vergangenen drei Jahrzehnten war der österreichische Milchmarkt durch ein deutliches Produktionswachstum gekennzeichnet. Während 1995 eine Gesamtmenge von 2,29 Mio. t Rohmilch angeliefert wurde, waren es 2024 rund 3,58 Mio. t; das war ein Plus von 56 %. 2015 waren 3,10 Mio. t Milch erfasst worden. Allerdings hat die Abschaffung der Quoten den Strukturwandel stark befeuert. Im Jahr 2015 zählte Österreich insgesamt 29.124 Milch liefernde Betriebe; 2024 waren es nur noch 21.557. In den vergangenen drei Jahrzehnten haben fast drei Viertel der Milchviehbetriebe aufgegeben. Im Jahr 1995 waren es noch 83.793.
In Frankreich hatte die Milcherzeugung dem Bericht zufolge 2014 einen Höhepunkt erreicht. Nach dem Auslaufen der Quoten brach die Produktion aufgrund einer Milchpreiskrise ein. Der Standardmilchpreis verzeichnete insbesondere in den Monaten vor dem Quotenende starke Rückgänge und lag im ersten Quartal 2015 um 20 % unter dem des Vorjahreszeitraums. Die Zahl der Milchbauern, die bereits vor dem Quotenende rückläufig war, sank zwischen 2015 und 2024 um rund ein Drittel. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Milchabnahme pro Betrieb an, und zwar um 41 %. Neben einer Erhöhung der durchschnittlichen Herdengröße wirkte sich hier eine Steigerung der Milchleistung pro Kuh aus.
Darüber hinaus begann kurz nach dem Ende der Quote im französischen Milchsektor eine dritte Umstellungswelle hin zur Bioproduktion. Zwischen Januar 2015 und Januar 2022 legte die Zahl der Biomilcherzeuger um fast 40 % zu. Der Anteil von Biomilch an der gesamten Milchanlieferung stieg von 2,3 % im Jahr 2015 auf 5,5 % im Jahr 2022. Allerdings ist dieser Anteil seitdem rückläufig; im ersten Halbjahr 2025 lag er durchschnittlich bei 4,9 %. age
EMB pocht auf Lieferverzicht
Das European Milk Board (EMB) hat an die EU-Kommission appelliert, sofort den freiwilligen Milchlieferverzicht gegen Entschädigung zu aktivieren. Am europäischen und globalen Milchmarkt sei eine neue Eskalationsstufe erreicht, erklärte der Dachverband des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Brüssel. Die Milcherzeugung sei sehr stark gestiegen und lege weiter zu. Die Rekordproduktionsmengen trieben Europa in einen Preiskollaps. Eine solche Entwicklung liege deutlich außerhalb normaler Marktschwankungen und führe direkt in eine neue schwere Krise.
Nach Ansicht des EMB ist der freiwillige Lieferverzicht das zentrale Instrument, um die Milchmengen zu stabilisieren und einen weiteren Preisverfall zu verhindern. Die Mengen müssten herunter, um für stabile Erzeugerpreise zu sorgen, so der Verband. Nur so könne man Perspektiven für die nächste Generation von Landwirten sichern. Schon jetzt gäben immer mehr Betriebe auf. Besonders junge Erzeuger hätten keine Perspektive, wenn Märkte dauerhaft instabil blieben und die Preise sich unter den Produktionskosten bewegten.
Konkrete Pläne für ein Joint Venture von BDM und Milchindustrieverband für einen Milchmarkt-Krisdenindex existieren indes – trotz zuvor anderslautender Meldungen (siehe BB 16/2026) – nicht.
Die Blüten der Wandelröschen werden gern von Insekten besucht. Fotos: Karin Stern
Das Wandelröschen stammt aus den tropischen Regionen Amerikas. Es wird bevorzugt als Kübel- und Topfpflanze kultiviert, macht aber auch in den Randbereichen von Beeten und Rabatten eine gute Figur. Ein besonderer Hingucker sind Hochstämmchen mit kompakter, reich blühender Krone.
Wer leuchtende Sommerfarben wie Gelb, Orange, Rosa, Karminrot oder Weiß bevorzugt, sollte beim Wandelröschen beherzt zugreifen. Die Blütenstände wechseln ständig die Farbe, was sich in der Bezeichnung „Wandelröschen“ ausdrückt. Die Knospen des jeweiligen Blütenstandes öffnen sich immer von außen nach innen. Daher blühen die letzten Knospen in der Mitte des Blütenstandes gerade auf, wenn sich die äußeren Knospen mit zunehmendem Alter schon wieder farblich verändern. Der jeweilige Farbton wird immer dunkler und kann im Abblühen sogar in eine andere Farbe umschlagen. Da die Blütenköpfe aus einer Vielzahl an Einzelröhrenblüten bestehen, zeigen sich immer wieder neue, ganz individuelle Kompositionen aus meist zwei bis drei Farben. Manche Sorten mit gering ausgeprägtem Farbumschlag wirken hingegen fast einfarbig. Das beeindruckende Schauspiel hält von Mai bis Oktober an. Damit zählt das Wandelröschen zu den Dauerblühern auf Balkon und Terrasse.
Zweifarbiger Blütenspaß mit der Sorte ‚Sonia‘Das reich blühende Hochstämmchen ist eine Augenweide.
Einen besonders reichen Blütenflor entwickelt die Pflanze am richtigen Standort und bei optimaler Pflege. Wandelröschen mögen volle Sonne und einen warmen, wind- und möglichst auch regengeschützten Platz. Je schattiger der Standort, desto spärlicher fällt die Blüte aus. Während kühlerer Phasen kann es auch einmal zum Wachstumsstillstand kommen. Steigen die Temperaturen, wächst und blüht das Wandelröschen weiter. Wer laufend Verblühtes entfernt, fördert die Neubildung von Blüten.
Wichtig ist ein hochwertiges, durchlässiges und kalkfreies Kübelpflanzensubstrat (hier sollte man nicht sparen) oder die Auspflanzung in humose, frische, kalkarme und nährstoffreiche Erde. Sinnvoll ist zudem die Gabe eines Langzeitdüngers für blühende Balkonpflanzen. Alternativ empfiehlt sich die flüssige Düngung mit dem Gießwasser bis August. Wandelröschen bevorzugen eine gleichmäßige Wasserversorgung. Da sie etwas kalkempfindlich sind, verwendet man am besten Regenwasser. Tipp: Kein Wasser im Untersetzer stehen lassen, da die tropischen Schönheiten empfindlich auf Staunässe reagieren. In heißen Sommern blühen Wandelröschen besonders üppig. Die Blüten werden gern von Bienen und Schmetterlingen besucht.
Das breite Farbspektrum der Blüten umfasst auch neutrales Weiß.
Der Handel bietet verschiedene Wuchsformen an, sodass für jeden Verwendungszweck die richtige Pflanze zu finden ist. In den letzten Jahren werden verstärkt kompakte, klein bleibende Sorten als Saisonpflanzen angeboten. Sie lassen sich wunderbar mit anderen Topfblühern kombinieren. Hübsch wirken sie auch im Balkonkasten oder als Unterpflanzung für Hochstämmchen. Die zweifarbigen Sorten der Bandana-Serie gelten als die mit den größten Blüten (Sortentipp: ‚Bandana Pink‘). Die Esperanta-Serie hingegen zeichnet sich durch lange Blühzeiten der Einzelblüten und einen reduzierten Samenansatz aus (Sortentipp: ‚Esperanta Compact Red‘ punktet mit leuchtend rot-gelben Blüten, ‚Esperanta Lemon‘ mit hellgelben Blüten). Wer einen bunten Farbenstrauß aus Orange, Gelb, Violett und Rosa bevorzugt, pflanzt ‚Calippo Tutti Frutti‘. Sie ist wohl eine der beliebtesten Sorten.
‚Esperanta Orange‘ zeigt ein klares Orange.Mit ihrer üppigen Blüte wissen Wandelröschen zu beeindrucken.Mit kräftigen Farben imponiert die Sorte ‚Colibri‘.
Auch als Hochstämmchen machen Wandelröschen eine tolle Figur. Sie werden im Gegensatz zu den niedrigen Saisonpflanzen mehrjährig gezogen. Den Winter verbringen sie an einem hellen, frostfreien Ort bei 6 bis 10 °C. In dieser Zeit sollte das Substrat nicht vollständig austrocknen. Zu Beginn des Neuaustriebs im März wird es Zeit für den Erhaltungsschnitt. Dafür werden die Triebe des Hochstämmchens auf eine Länge von 10 bis 15 cm eingekürzt. Dies fördert die Bildung kräftiger, vitaler und vor allem blühwilliger Jungtriebe. Alte Triebe sind blühfaul, daher sollte man beim Schnitt keine falsche Zurückhaltung an den Tag legen.
Mit der Düngung beginnt man erst, wenn der Neuaustrieb vollständig entwickelte Blätter aufweist. Tipp: Im Winterquartier kommt es schnell zum Befall mit Spinnmilben oder Grauschimmel. Man sollte daher regelmäßig kontollieren und auch an den Blattunterseiten auf einen Befall mit der Weißen Fliege achten. Vorbeugend kann der fällige Rückschnitt auch schon beim herbstlichen Einräumen vorgenommen werden. Die Vermehrung des Wandelröschens erfolgt ganz einfach über Kopfstecklinge im Frühsommer.
‚Ponte‘ bringt Rosatöne und Gelb ins Spiel.‚Esperanta Lemon‘ zeigt einen weniger ausgeprägten Farbwechsel und erscheint fast einfarbig gelb.‚Herrenhausen‘ leuchtet kraftvoll und auffällig.
Die Rolle der Frauen in Landwirtschaft und Gesellschaft stärken, Demokratie stabilisieren und sich gegen Verein- nahmungen des ländlichen Raumes durch Rechtsextreme verwahren – das waren die Themen des Forums des Land- Frauenverbandes (LFV) Schleswig-Holstein am vergangenen Sonnabend. Über 300 Delegierte und Gäste waren ins neue Deula-Schulungszentrum in Rendsburg-Süd gekommen.
„Was wir brauchen in bewegten Zeiten, ist der Schulterschluss. Wir dürfen uns im ländlichen Raum nicht abhängen lassen“, sagte LFV-Präsidentin Claudia Jürgensen. Sie trug wie alle Redner und viele Ehrengäste des Tages die „Awareness-Schleife“ des dlv als Zeichen der Solidarität: Die UNO hat 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Dass dieser Schulterschluss auch zur Stärkung der Demokratie unverzichtbar ist, zog sich als roter Faden durch die weiteren Beiträge.
LFV-Präsidentin Claudia Jürgensen: „Wir brauchen einen Schulterschluss.“
Mühsam erkämpfte Gleichberechtigung werde rückgängig gemacht, längst überholt geglaubtes Rollenverständnis der Frau wieder salonfähig, so Jürgensen. „Eure Torten sind der Renner, aber auf Bundesebene ist unser Kuchen politisch“, rief sie den LandFrauen zu.
Wie wichtig die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft ist, strich der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), Klaus-Peter Lucht, heraus. Bei Ausfällen übernähmen die Frauen selbstverständlich die Aufgaben auf dem Hof. Im Zuge der Diversifizierung „werden wir alle Multiunternehmer, das geht nicht ohne Frauen“. Allerdings hinkt Deutschland beim Anteil weiblicher Betriebsleitender hinter anderen EU-Ländern her. Der Bauernverband müsse „jünger und weiblicher“ werden, so Lucht. „Mit Frauen werden die Diskussionen besser, sie bekommen andere Blickwinkel.“ In den Referaten des Hauptamtes des BVSH seien inzwischen mehr Frauen als Männer beschäftigt.
LandFrauen als Vorbilder
Zur Stärkung der Demokratie setzt Lucht, der sich gegen Extremismus, egal von welcher Seite, aussprach, auf die Mitte der Gesellschaft. „Sie muss sichtbar und hörbar sein. Wir können uns nicht leisten, auf demokratisch denkende Menschen zu verzichten.“ Da seien die LandFrauen seit jeher Vorbilder.
Das Gastreferat mit dem Titel „Demokratie beginnt nebenan: Rechtsextremismus im ländlichen Raum erkennen und begegnen“ hielt Lyn Blees von den Regionalen Beratungsteams (rbt) gegen Rechtsextremismus Schleswig-Holstein (www.rbt-sh.de). Deren Beratungen sind dank Förderung kostenlos von vier Büros in Flensburg, Itzehoe, Kiel und Lübeck aus. Zuvor hatte die LFV-Präsidentin das AfD-Strukturpapier „Raus aufs Land“ aus Rheinland-Pfalz erwähnt, in dem aufgefordert worden sei, „den ländlichen Raum einzunehmen“.Man hätte diese Hilfsangebote für ein erfreuliches Konzept halten können, doch diese Leute seien nur darauf aus, Leerräume zu füllen, wo es schlimm aussehe und wo jemand gebraucht werde.
Rechte gehen aufs Land
„Rechtsextreme nutzen den ländlichen Raum als Rückzugs- und Wirkungsraum“, bestätigte Lyn Blees. „Sie finden dort ungestörte Ruhe, Platz und mangelnde Daseinsvorsorge.“ Dies werde umgesetzt durch Immobilienkauf, durch Vereinnahmung von oft einzig verbliebenen sozialen Orten wie Bürgerzentren oder Jugendtreffs oder durch rituelle Feiern fern von belebten Plätzen wie eine Sonnwendfeier am Plöner See oder ein rechtes Wikingertreffen bei Haithabu. Rechtsextreme „kümmerten“ sich um die Anliegen der Bevölkerung, machten sportliche oder gesellige Angebote (Dämmerschoppen, Bratwurststand) oder ließen sich in Vereinsvorstände oder Ortsgremien wählen, um dann nach und nach ihre Inhalte zu propagieren.
Gewalt nimmt zu
BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht: „Mit Frauen werden Diskussionen besser.“
Ein verbindendes Kennzeichen des Rechtsextremismus sei laut Blees die „Ungleichwertigkeitsvorstellung“ von Menschen: „Manche sollen mehr wert sein als andere, es richtet sich gegen das schiere Dasein bestimmter Gruppen.“ Das schlage sich auch nieder in Befürwortung von Diktatur und Verharmlosung des NS-Regimes. In der deutschen Bevölkerung ernteten solche Vorstellungen zwar nur bei 3,3 % komplette Zustimmung, aber bei 20,6 % doch eine teilweise. „Die Ansichten sind gesellschaftlich stark verankert, junge Leute machen da keine Ausnahme.“ Die Folge davon sei die Zunahme rechter Delikte und von Gewalt gegen Migranten oder politische Gegner – zum Beispiel die Brandanschläge auf Büros der demokratischen Parteien in Flensburg Anfang April.
Wie sich dagegen wehren? Sich positionieren für Toleranz, Vielfalt und Gleichberechtigung, wie es etwa der Turnverein Grundhof getan habe, rät Lasse von Bargen von den rbt, und solche Prinzipien in Satzungen verankern. Wenn in Sitzungen rechtsradikale Parolen geäußert würden, die Rede unterbrechen und auf die Tagesordnung verweisen. Bei entsprechenden Sprüchen eine Antwort parat haben, denn „wer schweigt, erweckt den Eindruck, er stimme zu“. Etwa so: „Was meinen Sie genau?“ – „Wann und wo war das?“ – „Was hätte Ihre Meinung für Konsequenzen?“ Wenn einem spontan nichts anderes einfällt, zumindest: „Ich bin nicht dieser Meinung!“
Die anschließenden Fragen aus dem Saal, die eher Ergänzungen waren, zeigten, wie bewusst und ernst den LandFrauen das Thema ist. Eine LandFrau aus Berkenthin empfahl einen Workshop, der ihr bei der Konfrontation mit Parolen geholfen habe. Als Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Schluss das Grußwort hielt, betonte er die Bedeutung der LandFrauen für den demokratischen Zusammenhalt der Gesellschaft (siehe Seite 7).
Für 13 Teilnehmende ging es Mitte April hoch hinaus: Beim Kletterseminar in der KletterBar in Kiel konnten sie verschiedene Disziplinen kennenlernen und sich praktisch ausprobieren. Das Seminar war als Teambuilding-Angebot des Landjugendverbandes angelegt und wurde von zwei professionellen Trainern begleitet.
Begonnen wurde um 10 Uhr im Boulderbereich. Spielerisch näherten sich die Teilnehmenden dem Klettern an und sammelten erste Erfahrungen auf Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Beim Bouldern wird ohne Sicherung in Absprunghöhe von bis zu 4 m geklettert, was vor allem Technik und Körpergefühl fördert.
Das Bouldern bis zu 4 m Höhe fördert besonders Klettertechnik und Körpergefühl. Foto: Levke Wieben
Im Anschluss folgte das Seilklettern in Höhen von bis zu 12 m. Die Teilnehmenden lernten, wie sie Klettergurte korrekt anlegen und sich gegenseitig sichern. Geklettert wurde in Dreiergruppen mit klar verteilten Rollen: Kletterer, Sicherer und eine zusätzliche Absicherung durch eine dritte Person. Ein besonderes Highlight war das Erklettern eines künstlichen Baumes. In der Krone angekommen, konnten sich Mutige auf einem Stumpf ausbalancieren – eine Übung, die nicht nur Kraft, sondern auch Vertrauen erforderte.
Nach einer Mittagspause wurde die Höhe weiter gesteigert: Bis zu 16 m ging es nun beim Seilklettern nach oben. Neu hinzu kam der sogenannte Kletterautomat (Autobelay), der das Sichern übernimmt. Dabei wird man nach einem kurzen freien Fall sanft und kontrolliert herabgelassen. Dieses ungewohnte Gefühl erforderte zunächst etwas Überwindung, wurde aber von vielen Teilnehmenden schnell als spannende Erfahrung angenommen.
Zum Abschluss wurde das Außengelände genutzt. Bei sonnigem Wetter wurden weitere Boulder-Routen geklettert, bis schließlich die Kräfte nachließen. Am Ende des Tages waren sich alle einig: Erschöpft, aber zufrieden und mit vielen neuen Eindrücken ging es zurück nach Hause.
Beim Seilklettern ging es unter gegenseitiger Sicherung in Höhen von bis zu 16 m. Foto: Paul Weniger