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Frühjahrsvielseitigkeit in Bad Segeberg

Mit der Frühjahrsvielseitigkeit starteten die Buschreiter in Bad Segeberg in die Saison. In der A**- und der L**-Prüfung mischten sich wieder einmal Amateure und Profis. Bei bestem Turnierwetter eroberten mehr als 150 Reiter mit knapp 200 Pferden das Gelände im Ihlwald sowie das Viereck und den Parcours auf dem Landesturnierplatz.

Auch in diesem Jahr wurde während der Frühjahrsvielseitigkeit für die Deutschen Jugendmeisterschaften (DJM) gesichtet, die Anfang Juni im niedersächsischen Luhmühlen stattfinden. Angelockt von der Chance, sich zu empfehlen, war eine Vielzahl an Nachwuchsreitern, auch aus den benachbarten Bundesländern, nach Bad Segeberg gekommen, um die L**-Prüfung zu reiten.

Einer davon war Justus von Paepcke aus Lehmkuhlen, Kreis Plön. Der 15-Jährige konnte mit dem ehemaligen Olympiapferd Carjatan S eine Abteilung für sich entscheiden. Mit der zweitbesten Dressur aller Reiter und einem fehlerfreien Gelände setzte er sich trotz eines Fehlers im Parcours durch. Damit stellte das Paar, das im vergangenen Jahr auf dem zweiten Platz gelegen hatte, seine Leistungsfähigkeit einmal mehr unter Beweis.

„Es war super, die Sichtung hier zu haben“, resümierte Tabea Henze. Die Leistungskoordinatorin des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein (PSH) verschaffte sich einen guten Überblick. „Es sind in diesem Jahr auch Teilnehmer dabei gewesen, die in der vergangenen Saison noch im Bundesnachwuchschampionat, also in Klasse A**, geritten sind. Die haben den Sprung auf L** richtig gut geschafft“, freute sie sich. Das sei auch ein Ergebnis der Jugendarbeit der vergangenen Jahre. Nun guckt sie gespannt in Richtung DJM.

Sieg für Körner in Klasse L

Die zweite Abteilung der Klasse L** gewann Tom Nikolas Körner. Der Medizinstudent, der auf dem Gestüt Tasdorf, Kreis Plön, trainiert, hatte erneut seinen erfahrenen Chip Chap ZH gesattelt. „Chip Chap war mit seinen mittlerweile 17 Jahren frischer denn je und hat in allen drei Disziplinen tolle Leistungen gezeigt“, freute sich Körner.

Im Herbst hatte der Reiter in Bad Segeberg den dritten Platz im Geländeritt mit Stilwertung der Klasse L** geholt und sich dabei den Finger gebrochen. „Der ist glücklicherweise wieder gut verheilt“, stellte er klar. Der Hinderniskomplex, an dem der Unfall vor einem halben Jahr passiert war, war wieder mit von der Partie. „Diesmal habe ich ihn besser vorbereitet und geritten, und wir konnten ohne Knochenbrüche ins Ziel kommen“, berichtete Körner, der schon mit einer guten Dressur und einem fehlerfreien Springen am Sonnabend auf Sieg gesetzt hatte.

Zweite wurde seine Stallkollegin Rebecca-Juana Gerken. Mit Cadillac, einem achtjährigen Holsteiner von Cas­cadello, landete sie vor der Hamburgerin Emma Fischer und Homerun for Glory. Die Juniorin, die im vergangenen Jahr bei der Ponyeuropameisterschaft mit dem Team Bronze geholt hatte, und der elfjährige Holsteiner von Hermes de Lux sind seit dem vergangenen Jahr ein Team und empfahlen sich ebenfalls für die DJM.

Viele Nennungen in Klasse A

Für die A**-Prüfung hatten die Veranstalter wieder einmal die meisten Nennungen erhalten. Hier wurde in drei Abteilungen gewertet, aufgeteilt nach Ranglistenpunkten.

Eine davon gewann Dirk Schrade. „Das war toll mit dem Wetter heute, und dass es nachts ein bisschen geregnet hat, tut der Strecke in Bad Segeberg immer gut“, resümierte er am Sonntag. Der Profi aus Heidmühlen, Kreis Segeberg, hatte zwei Pferde dabei. Mit Bacalar startete er in Klasse L**, zeigte eine der besten Dressurprüfungen, blieb im Parcours fehlerfrei und ließ es dann im Gelände langsam angehen. Die neunjährige Holsteiner Stute von Constanzenhof‘s Barcley war auch schon auf S-Niveau erfolgreich und hatte so einen guten Start in die Saison.

Mia Sophie Klonowski (v. li.), Dirk Schrade und Marie Degner konnten ihre jeweilige Abteilung in der Klasse A** für sich entscheiden. Foto: Photo-Rocket

Schrade, Mannschaftsolympiasieger von 2012, hatte auch noch den sechsjährigen Crossfighter dabei. Der Sohn des Cascadello wurde von seiner langjährigen Sponsorin Freya Rethmeier selbst gezogen. Im vergangenen Jahr hatte Schrade ihn bei den Bundeschampionaten vorgestellt, doch „da war er noch nicht ganz so weit“. Über den Winter habe der Youngster einen Riesensprung nach vorn gemacht. „Das hat er hier super gemacht“, befand Schrade. Crossfighter soll jetzt im „normalen Sport“ laufen, also in Vielseitigkeitsprüfungen der Klasse L* und gegen Ende des Jahres gern L**.

Die zweite Abteilung gewann die Kielerin Mia Sophie Klonows­ki mit ihrer Trakehner Stute Daybreaker. Die 14-jährige Reiterin hat damit den Sprung in die Klasse A eindrucksvoll gemeistert. Die dritte Abteilung entschied Marie Degner für sich. Die Reiterin des Pferdesport- und Fördervereins Süseler Baum, Kreis Ostholstein, hatte im vergangenen Jahr eine Turnierpause eingelegt und startet nun mit der achtjährigen italienischen Stute Cloelinda durch.

„Das waren zwei tolle Prüfungen“, befand Matthias Karstens. Der Geschäftsführer des veranstaltenden PSH schränkte allerdings ein: „Die Parcours waren durchaus selektierend.“ So gab es Verweigerungen, Vorbeiläufer und auch Stürze. „Beide Prüfungen waren auf Zweisterneniveau ausgeschrieben. Das ist für viele nach der Winterpause schon eine größere Herausforderung“, erklärte Karstens. Dabei habe der Parcourschef Torben Mölleken nicht am oberen Ende aufgebaut: „Ich denke, er hat ein gutes Mittelmaß gefunden.“

Rhabarber sollte in keinem Garten fehlen

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Obst oder Gemüse? Genau genommen gehört Rhabarber zu den Stielgemüsen. Aufgrund seines säuerlichen Aromas wird er bei uns aber fast immer gesüßt und wie Obst verwendet. So hilft er, die obstarme Zeit zwischen den letzten (Lager-)Äpfeln und den ersten Erdbeeren zu überbrücken. Die ausdauernde Staude braucht viel Platz und reichlich Nährstoffe, ist darüber hinaus in der Kultur aber anspruchslos und sollte in keinem Garten fehlen.

Rhabarber zählt zu den Knöterichgewächsen und ist als solches mit Buchweizen und Sauerampfer verwandt. Er gehört zu den Pflanzen, die zuerst als Heilpflanze kultiviert und viel später erst auch als Nahrungspflanze entdeckt wurden. In der chinesischen Medizin wurde Rhabarberwurzel schon um 2700 vor unserer Zeitrechnung genutzt. Allerdings handelte es sich dabei nicht um unseren Gemüserhabarber (Rheum rhabarbarum), wegen seiner Blattform auch Krauser Rhabarber genannt, sondern um den Medizinalrhabarber (Rheum palmatum). In Europa wurde Medizinalrhabarber seit dem 16. Jahrhundert in Klostergärten angebaut. Heute wird die große Staude mit stark gelappten, am Rand spitz zulaufenden Blättern und rosafarbenen bis roten Blütenständen auch als beeindruckende Zierpflanze verwendet.

Beim Medizinalrhabarber steckt die Heilkraft in der Wurzel … Foto: Anke Brosius
… aber Blätter und Blüten sind eine Zierde. Foto: Anke Brosius


Von den Maßen her ist der Gemüserhabarber nicht weniger eindrucksvoll. Schon zu Beginn des Austriebs lassen die rundkuppigen Blattknospen ahnen, dass hier Großes wachsen wird. Die Blattstiele können bis zu 1 m lang werden, die gewellten Blätter einen Durchmesser von 60 cm erreichen. Wenn Rhabarber im Mai bis Juni blüht, kann der grünlichweiße Blütenstand bis zu 2 m hoch werden. So zeitig die großen Blätter im Frühjahr austreiben, so früh ziehen sie im Spätsommer bereits wieder ein.

Hier entfaltet sich Großes: Rhabarber im Austrieb. Foto: Anke Brosius

Rheum rhabarbarum stammt ursprünglich vermutlich aus Ostsibirien und der Mongolei. Nach Europa kam er erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts und wurde zuerst in England kultiviert, wo er auch mit dem Bulgarischen Rhabarber (Rheum rhaponticum) gekreuzt wurde. Schon früh waren das Zuchtziel nicht nur dicke und saftige, sondern auch möglichst rot gefärbte Stiele, da rotstielige Sorten weniger Säure enthalten und entsprechend milder schmecken. Trotzdem existieren bis heute auch Sorten (‚Verte de Lina Cavin‘, ‚Gigant‘), deren Stängel weitgehend grün sind. In norddeutschen Gärten ist Rhabarber seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu finden.

Pflanzung gut vorbereiten

In der Regel wird man Rhabarber nicht aus Samen, sondern aus Wurzelablegern anziehen oder erste Jungpflanzen kaufen, zumal ein oder zwei Pflanzen für einen mittelgroßen Haushalt meist genügend Ertrag abwerfen. Bei Vermehrung durch Aussaat ist nicht nur die Qualität der Pflanzen immer für eine Überraschung gut, man muss sich auch mehrere Jahre bis zur ersten Ernte gedulden.

Die Pflanzung erfolgt nach Möglichkeit im Herbst, wobei für jede Pflanze mindestens 1 m2 vorgesehen werden sollte. Rhabarber stellt keine großen klimatischen Ansprüche, er gedeiht im Halbschatten ebenso gut wie in der Sonne. Um dicke, saftige Stiele zu ernten, sollte der Boden allerdings ausreichend feucht und fruchtbar sein. Schwach saure Böden sind günstiger als kalkhaltige. Da die Staude viele Jahre am gleichen Ort bleiben kann, sollte schon bei der Pflanzung auf reichliche Humusversorgung mit gut vererdetem Mist oder Kompost plus Hornspänen geachtet werden. Um den fleischigen Wurzeln das Wachstum in die Tiefe zu erleichtern, sollte der Boden an der Pflanzstelle zudem etwa zwei Spaten tief gelockert werden.

Vegetativ vermehrter Rhabarber kann ab dem zweiten Jahr nach der Pflanzung beerntet werden, wobei man im ersten Erntejahr nicht zu viel nehmen sollte, um die heranwachsende Pflanze nicht zu sehr zu schwächen. Die Ernte beginnt, sobald die ersten Blattstiele und Blätter vollständig entwickelt sind, meist im April, in kühlen Gegenden auch erst ab Mai. Werden die Stiele abgeschnitten, können die Stummel faulen. Besser ist es, sie sorgfältig herauszudrehen. Damit die Pflanze weiterwachsen kann, müssen immer genügend Stängel an der Pflanze verbleiben. Die bei jeder Stangenernte anfallenden Blätter sind ihres hohen Oxalsäuregehalts wegen gänzlich ungenießbar, können aber für den Schneckenfang sowie für Brühen und Jauchen zur Schädlingsregulierung genutzt werden.

Rhabarber schmeckt auch herzhaft

Grünstängelige Sorten eignen sich gut zur Fruchtweinherstellung. Foto: Anke Brosius

Rhabarber schmeckt so sauer, dass auch die Stängel roh kaum genießbar sind, weshalb das Stielgemüse praktisch immer gekocht, gedünstet oder gebacken wird. Die Klassiker sind bei uns Rhabarberkompott oder -kuchen, wobei zum Süßen neben Zucker heutzutage auch gern Bananen verwendet werden. Nicht nur in Ostasien, woher der Rhabarber ursprünglich stammt, gibt es jedoch auch herzhafte Zubereitungsarten. So finden sich in der internationalen Küche Curryrezepte, bei denen Rhabarber mit Zwiebeln, Linsen oder Süßkartoffeln kombiniert wird. Rhabarber-Chutney passt zu gebratenem Fisch oder zu Hackbällchen.

Zur Herstellung von Säften und Fruchtwein eignen sich die Stangen, die neben Oxalsäure auch Zitronen- und Apfelsäure enthalten, ebenfalls gut. Wird Rhabarber blanchiert und das Kochwasser weggeschüttet, sinkt der Oxalsäuregehalt, zugleich aber auch die Menge an Vitaminen. Während zur Verwendung für Rhabarberkuchen milderen Sorten der Vorzug gegeben wird, kann etwas mehr Säure in Marmeladen und Chutneys durchaus erwünscht sein.

Wegen ihres fruchtigen Aromas beliebt ist die Sorte ‚Frambozen Rood‘, deren Stiele rotschalig, innen aber grün sind. Am mildesten schmecken Rhabarbersorten mit rot durchgefärbten Stielen. Traditionell bekannt sind ‚Holsteiner Blut‘ und ‚Elmsjuwel‘, daneben gibt es viele weitere Sorten mit Namen wie ‚Canada Red‘ oder ‚Red Valentine‘.

Rotstielige Sorten sind milder im ­Aroma. Foto: Anke Brosius

Für eine längere Ernte kann man frühe und späte Sorten kombinieren. Während ‚Red Valentine‘ und ‚Frambozen Rood‘ im Frühjahr eher spät austreiben, starten die rotschalige Rhabarbersorte ‚Rosara‘ und die englische ‚Timperley Early‘ besonders früh durch. Die Stiele der Letzteren sind grün bis blassrot gefärbt, aber so zart, dass sie nicht geschält werden müssen. Insbesondere alte Sorten wie ‚Holsteiner Blut‘ benötigen eine ausreichende Kälteperiode im Winter, um im Frühjahr auszutreiben, und können auf zunehmend milde Winter nicht nur mit verzögertem Austrieb, sondern auch mit mangelhafter Ausfärbung reagieren. Neuere Züchtungen kommen mit weniger Winterkälte aus.

Treibtöpfe verfrühen die Ernte

Wer mit Ungeduld auf die erste frische Ernte wartet, kann sich mit einem Trick behelfen: Das Überstülpen von Treibtöpfen führt nicht nur zu einem früheren, sondern auch zu einem besonders zarten und milden Austrieb. Sehr dekorativ sind spezielle Bleichtöpfe. Man kann aber auch große Blumentöpfe aus Ton verwenden oder ein Brettergerüst bauen, über das Säcke gelegt werden. Bei Blumentöpfen aus Kunststoff muss man auf ausreichende Belüftung achten, damit der austreibende Rhabarber nicht fault. Die Treibgefäße werden im zeitigen Frühjahr über die ersten Triebspitzen gestülpt. Bei einigermaßen sonnigem Frühlingswetter ist eine erste Ernte etwa vier Wochen später möglich. Ab diesem Zeitpunkt sollte man die Treibtöpfe entfernen und die Pflanzen im vollen Licht weiterwachsen lassen.

Vorgetriebener Rhabarber schmeckt besonders zart. Foto: Anke Brosius

Stiele von Blättern, die sich gerade voll entfaltet haben, sind am zartesten und schmecken am mildesten. Im Hausgarten kann man Rhabarber während der Saison jederzeit nach Bedarf ernten, wobei man immer mindestens die Hälfte der Blätter an der Pflanze belassen sollte, um weiteres Wachstum zu ermöglichen. Rhabarberstangen lassen sich in ein feuchtes Tuch eingeschlagen im Kühlschrank oder im kühlen Keller auch einige Tage aufbewahren.

Zwar enthalten die saftigen Stiele relativ viel Vitamin C, zudem Vitamin A, B-Vitamine und Mineralstoffe, aber auch viel Oxalsäure, die dem Körper Kalzium entzieht. Wer an Nierenerkrankungen oder Gicht leidet, sollte deshalb gar keinen Rhabarber essen. Da auch Gartenrhabarber abführende Wirkstoffe enthält, kann bei empfindlichen Personen der Verzehr größerer Mengen zu Durchfall führen. Ansonsten schadet gesunden Menschen ein mäßiger Genuss nicht, zumal die Saison kurz ist. Auch weil der Oxalsäuregehalt im Laufe des Sommers ansteigt, endet die Rhabarbersaison traditionell zu Johanni, am 24. Juni.

Ende Juni ist Schluss

Rhabarber treibt eindrucksvolle Blüten. Foto: Anke Brosius

Dass die Pflanzen danach in Ruhe gelassen werden, verhilft ihnen auch zu neuer Kraft. Schließlich können Rhabarberstöcke bei guter Pflege sieben bis zwölf Jahre auf dem gleichen Platz stehen und Ertrag bringen. Dazu gehört neben ausreichender Wasserversorgung bei anhaltender Trockenheit eine jährliche Düngergabe. Ideal ist gut verrotteter Rindermist im Spätherbst, auf nährstoffreichen Böden kann Kompost genügen. Ob es nötig ist, sich entwickelnde Blüten frühzeitig auszubrechen, ist umstritten und hängt vor allem von der Wuchskraft der Staude ab.

Wenn die Pflanzen nach vielen Jahren trotz guter Pflege im Ertrag nachlassen, ist es Zeit zum Teilen. Dafür werden die Wurzelstöcke im Herbst vorsichtig ausgegraben und mit einem scharfen Spaten so durchtrennt, dass jedes Wurzelstück mindestens eine, besser mehrere Triebspitzen besitzt. Die neuen Rhabarber werden an einem frischen Platz in gut gelockerten und gedüngten Boden so tief gepflanzt, dass die Wurzeln gut mit Erde bedeckt sind.

Mehr Schweine und weniger Rinder

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Europas Bestand an Hausschweinen wird bis Ende dieses Jahres wachsen, während die Bestände an Rindern, Schafen und Ziegen schrumpfen. Davon geht das Statistische Amt der EU (Eurostat) aus. Die Zahl der im vierten Quartal 2026 EU-weit gehaltenen Schweine schätzte die Behörde jetzt auf 61,2 Millionen Stück; das wären 3,2 % mehr als im Vergleichszeitraum 2025.

Das mit 12,0 % größte Wachstum des Schweinebestands erwartet Eurostat in Spanien. Im vierten Quartal 2026 werden dort laut der Prognose 15,8 Millionen Schweine oder rund ein Viertel des europäischen Gesamtbestands gehalten. Und auch für andere große Erzeugerländer prognostiziert Eurostat ein Wachsen der Schweineherde, und zwar für Deutschland um 3,8 % auf 9,5 Millionen Tiere, für Dänemark um 3,1 % auf 8,0 Millionen Tiere und für Frankreich um 2,3 % auf 5,6 Millionen Tiere.

Dagegen rechnen die Statistiker für den Rinderbestand in der EU mit einer Verkleinerung bis zum zweiten Semester 2026 auf 11,4 Millionen Tiere, was 4,2 % weniger wären als im Vergleichszeitraum 2025. In Frankreich und Deutschland sieht Eurostat wenig Bewegung. Hier sollen die Vorjahreszahlen mit 2,63 Millionen und 1,7 Millionen Rindern nur um 0,4 und 0,6 % unterschritten werden. In Irland stehen die Zeichen derweil auf einen deutlicheren Bestandsabbau, geschätzt um 5,2 % auf 0,9 Millionen Tiere. Dagegen scheint Spanien auch in der Rinderhaltung auf Wachstumskurs zu bleiben. Eurostat sagt hier eine Aufstockung um 2,7 % auf 1,1 Millionen Tiere voraus.

Für die Ziegen- und Schafhaltung in der EU zeichnet Eurostat ein stark negatives Zukunftsszenario. Demnach wird der Schafbestand in den Mitgliedstaaten im zweiten Halbjahr 2026 mit insgesamt 12,2 Millionen Tiere um etwa 17,8 % kleiner sein als im Vorjahreszeitraum, auch wegen einer drastischen Herdenverkleinerung in Spanien um 40,4 % auf 2,3 Millionen Tiere. Der Ziegenbestand soll zugleich um 17,1 % auf 1,9 Millionen Tiere schrumpfen. Für Griechenland als wichtigstes Erzeugerland wird von einer Verkleinerung um 2,6 % auf 0,8 Millionen Ziegen ausgegangen.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) geht in seinem Halbjahresbericht zur EU-Viehhaltung ebenfalls von einer Abstockung des Rinderbestands in den Mitgliedstaaten in diesem Jahr aus. Steigende Kosten, strenge Umwelt- und Tierschutzvorgaben sowie Krankheiten verminderten die Rentabilität der Produktion, so die Einschätzung des USDA. Auch für den EU-Schweinebestand prognostiziert das Ministerium – anders als Eurostat – einen Rückgang. Der Preis werde weiter durch ein Überangebot und Handelsbarrieren unter anderem aufgrund von Seuchen und Zöllen belastet. Das erzwinge eine Verkleinerung der Bestände und einen Rückgang der Schlachtzahlen. age

IGC-Report: Iran-Krieg trübt die Aussichten

Nachdem die Getreideproduktion in der Saison 2025/2026 voraussichtlich einen historischen Hochstand von 2,47 Mrd. t erreichen wird, dürfte die darauffolgende Ernte beeinflusst durch den Iran-Krieg wieder spürbar schlechter ausfallen.

So zeichnet sich für 2026/2027 laut dem aktuellen Report des Internationalen Getreiderates (IGC) bereits eine rückläufige Erntemenge ab. Demnach wird die weltweite Produktion von Weizen und Grobgetreiden voraussichtlich um 53 Mio. t unter dem Rekordwert der Vorsaison liegen und rund 2,42 Mrd. t erreichen. Trotz einer erwarteten leichten Abschwächung im Wachstum des Verbrauchs wird die Nachfrage weiter steigen. Prognosen gehen von einem Anstieg um 17 Mio. t auf insgesamt 2,44 Mrd. t aus.

Laut dem IGC-Bericht sorgten zuletzt die anhaltenden Angriffe der USA und Israels auf den Iran für Besorgnis über mögliche Störungen in den globalen Agrarlieferketten. Besonders im Fokus stehen steigende Düngemittelpreise sowie höhere Energiekosten, was in Kombination die Ernten weltweit schmälern könnte.

Wie die Londoner Experten in ihrem Report erläutern, wurden über die Straße von Hormus bis zu deren Sperrung rund 20 % des weltweit verschifften Flüssigerdgases transportiert. Demnach ist die Region ein wichtiges Zentrum für die Produktion und den Handel von Düngemitteln. Bis zu 35 % der weltweiten Harnstoffexporte und 30 % der Ammoniaklieferungen stammten von dort. Infolge der Sperrung der Schiffspassage sowie der Schließung einzelner Produktionsanlagen sei es zu einem deutlichen Anstieg der Düngemittelpreise gekommen.

Laut dem IGC dürfte für viele Getreide- und Ölsaatenproduzenten auf der Nordhalbkugel die Versorgung für die anstehende Frühjahrssaison zwar noch gesichert sein. Sollte sich die Krise jedoch weiter verschärfen, könnten insbesondere in anderen Weltregionen die Anbauentscheidungen beeinflusst werden. Vor allem Teile Asiens und Afrikas sind dem Report zufolge stark auf Düngemittellieferungen aus der Golfregion angewiesen.

Langfristig, so der IGC, könnte eine anhaltende Störung der Lieferketten dazu führen, dass Landwirte bei höheren N-Preisen ihre Düngestrategie neu ausrichten. Dies hätte potenziell weitreichende Folgen für Ernteerträge und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte weltweit, heißt es in dem Report. age

Grünlandertrag: Der unbeachtete Parameter

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Bei den klassischen Ackerkulturen ist der Trockenmasseertrag ein anerkannter und wichtiger Parameter, der bei der Ernte erhoben und zwischen den Jahren verglichen wird. Jede Dezitonne mehr ist ein Erfolg. Im Gegensatz dazu werden im Futterbau die Erträge vom Dauergrünland und Ackergras in den meisten Fällen lediglich geschätzt oder gar nicht beachtet. Das kann bei oder nach der Ernte unerwünschte Konsequenzen haben.

Für Betriebe mit Biogasanlagen, die während der Ernte Futter zukaufen, ist die Fuhrwerkswaage unverzichtbar, da die so erfassten Mengen in der Regel die Basis für die Abrechnung bilden. Im Gegensatz dazu verfügen viele tierhaltende Betriebe über keine eigene Wiegemöglichkeit. Für Stoffstrombilanzen oder zur Düngebedarfsermittlung werden die Erträge häufig nur grob geschätzt, beispielsweise über die Vermessung des Silos (Volumen) und unter Zuhilfenahme von Orientierungswerten für die Verdichtung oder über eine Rückrechnung auf Basis der entnommenen Futtermengen.

Nutzen der Ertragserfassung

Wer bei der Grasernte die Erträge tatsächlich erfasst, hat einerseits einen besseren Überblick darüber, ob die Futterreserven für das ganze Jahr reichen, und kann im Bedarfsfall mit einem Zukauf reagieren. Andererseits erfolgt die Dosierung von Siliermitteln pro Tonne Frischmasse, und dabei gilt: Nur wer misst, kann auch steuern. Im Falle von biologischen Siliermitteln auf Basis von Milchsäurebakterien (MSB), die vor der Anwendung in kaltem Leitungswasser gelöst werden, sind übliche Dosierungen 1-2 g/t. Dann reicht ein 100-g-Gebinde entweder für 100 t oder 50 t Erntegut. Der Kasten zeigt anhand eines Beispiels für die Ernte mit dem Ladewagen, wie bei der Berechnung der benötigten Aufwandmenge vorzugehen ist.

Eine Unkenntnis der schlagspezifischen Erntemengen führt entweder zu einer Überdosierung, die unnötige Kosten verursacht und eventuell dazu führt, dass die obersten Schichten unbehandelt bleiben, wenn zu wenig Siliermittel vorrätig ist, oder zu einer Unterdosierung. Je nachdem, wie stark die Unterdosierung ist, können sich die MSB noch gegenüber dem natürlichen Keimbesatz durchsetzen, das gewünschte Ergebnis wird trotzdem ganz oder zumindest teilweise erzielt. Bei einer starken Unterdosierung besteht jedoch das Risiko, dass die zugegebenen MSB im Konkurrenzkampf um den in den Futterpflanzen begrenzt verfügbaren Zucker unterlegen sind. Dann wird das gewünschte Ergebnis möglicherweise nicht erreicht, die Kosten für das Siliermittel sind jedoch trotzdem angefallen. Da MSB nicht beweglich sind, können sie nur dort wirken und sich vermehren, wo sie über die Applikationstechnik verteilt wurden.

Unterdosierung chemischer Siliermittel

Der Einsatz chemischer Siliermittel (Säuren oder Salzlösungen), die eine höhere Wirkungssicherheit als die biologischen Zusätze bieten, ist in der Regel mit höheren Aufwandmengen verbunden, die zudem an den Trockenmassegehalt (TM) anzupassen sind. Die DLG-geprüften Mittel wirken entweder gegen Fehlgärungen (Wirkungsrichtung 1) und/oder sichern die aerobe Stabilität der Silage (Wirkungsrichtung 2). Die Aufwandmengen liegen zwischen 3 und 6 l/t Erntegut, wobei die höchsten Dosierungen immer dann erforderlich sind, wenn die Silierbedingungen schlecht oder ungünstig sind: zu nass, verschmutzt, durch Regen beeinträchtigt, zuckerarm oder zu trocken. Unterdosierungen können eine partielle Hemmung besonders empfindlicher Schadkeime bewirken. Dadurch fällt für die nicht so empfindlichen Schadkeime die natürliche Konkurrenz weg, und sie können sich gegebenenfalls noch stärker vermehren. Im Falle einer zu geringen Dosierung von propionsäurehaltigen Mitteln wird den Hefen, die für die Nacherwärmung verantwortlich sind, zusätzliches „Futter“ angeboten.

Die Tabelle zeigt eine Beispielberechnung der Aufwandmengen für ein chemisches Siliermittel, das je nach TM-Gehalt mit 3 l/t oder 4 l/t dosiert wird. Für die Erträge der Grünlandflächen wurden Daten des Lehr- und Versuchsgutes Futterkamp aus dem Jahr 2024 zugrunde gelegt. Im ersten Schnitt wurde ein durchschnittlicher Ertrag von 6,9 t/ha erzielt, jedoch traten große Schwankungen zwischen den einzelnen Flächen auf (4,0 bis 8,9 t/ha). Im Falle einer erforderlichen Dosierung von 4 l/t und unter Zugrundelegung des Mittelwertes wären 28 l/ha auszubringen. Ohne Anpassung an den tatsächlichen Ertrag kommt es auf ertragsärmeren Flächen zu einer Überdosierung und auf den ertragreicheren Flächen zu einer deutlichen Unterdosierung.

Fuhrwerkswaage und TM-Bestimmung

In Betrieben, die über eine eigene Fuhrwerkswaage verfügen, wird jeder Abfahrwagen vor und nach dem Abladen des Ernteguts gewogen, um die Frischmasseerträge zu bestimmen. Alternativ kann auch eine mobile Achslastwaage genutzt werden. Idealerweise wird das Erntegut nach dem Abladen zur TM-Bestimmung beprobt, wobei pro Fläche meist nur eine Mischprobe gezogen wird. Inwieweit dieser eine Wert repräsentativ für die gesamte Fläche ist, ist fraglich. Eine engmaschige Beprobung des Ernteguts scheitert jedoch an der Verfügbarkeit von Personal und Trocknungskapazität (Mikrowelle, Heißluftfritteuse, Ofen). Wenn die Auswertung wie praxisüblich erst nach der Ernte erfolgt, sind keine kurzfristigen Reaktionen möglich.

Ertragserfassung am Feldhäcksler

Seit Beginn der 2000er Jahre erlangte die Ertragserfassung am Feldhäcksler Praxistauglichkeit (Abbildung 1). Basis ist die Messung des Gutstroms bei der Ernte über die Vorpresswalzen (Drehzahl und Auslenkung mittels Winkelmesser). In Kombination mit Messtechnik auf Basis der Nahinfrarotspektro­skopie (NIRS, optionale Ausstattung, Abbildung 2), die den Feuchtegehalt und die Inhaltstoffe des Ernteguts kontinuierlich misst, und GPS-Unterstützung zur digitalen Ertragskartierung bieten viele Hersteller diese Technik mittlerweile serienmäßig an.

Bei der Ertragserfassung mit einer mobilen Achslastwaage wird das Gewicht des Gespanns direkt bei der Überfahrt erfasst. Es ist auf eine gleichmäßige, langsame Überfahrtgeschwindigkeit zu achten. Foto: Malin Bockwoldt

Da die Sensoren nicht direkt in Tonnen, sondern nur physikalische Größen wie Kraft, Druck oder Drehmoment messen, ist für eine hinreichende Genauigkeit der Ertragserfassung mehrmals täglich eine Kalibration erforderlich. Das System muss „lernen“, wie diese Werte zur echten Masse passen. Für die Kalibrierung wird zunächst von einem möglichst homogenen Bestand bei gleichmäßiger Fahrweise eine Referenzmenge geerntet, zum Beispiel zwei bis drei volle Abfahrwagen, die anschließend mittels einer Fuhrwerkswaage gewogen werden. In der Kalibriermaske des Bedienterminals wird das reale Nettogewicht (Ist-Gewicht) eingegeben. Zur Berechnung des Kalibrierfaktors wird das Ist-Gewicht durch die geschätzte Masse (Soll-Gewicht) geteilt, alle folgenden Messungen werden damit korrigiert. Es ist auch möglich, bereits erhobene Messwerte mithilfe des Kalibrierfaktors zurückzurechnen, beispielsweise wenn aufgrund großer Feld-Hof-Entfernungen ein zeitlicher Versatz zwischen Messung und Wiegung entstanden ist.

Wechselnde Bedingungen erfordern eine erneute Kalibrierung, zum Beispiel beim Wechsel von Ackergras zu Dauergrünland, bei sich änderndem Anwelkgrad oder bei Veränderung der Schnittlänge. Typische Fehlerquellen, die zu fehlerhaften Ergebnissen führen, sind ungenaue Waagen, ungleichmäßige Fuhren sowie Stop and Go beim Häckseln.

Wenn keine Fuhrwerkswaage zur Verfügung steht, nutzen Lohnunternehmen häufig Abfahrwagen mit Wiegezellen oder hydraulischer Federung zur Gewichtsbestimmung des Ernteguts. Mit zunehmender Last steigt der Hydraulikdruck im Federzylinder an und wird mittels Sensoren erfasst (Ist-Druck in Bar). Für die Umrechnung nutzt die Steuerung die Kennlinie aus Druck, Achslast und Gesamtgewicht, dabei werden die Anzahl der Achsen, die Geometrie des Fahrwerks und die Hebelverhältnisse berücksichtigt. Die statische Erfassung, bei der das Fahrzeug ruhig auf gerader Fläche und ohne Zug auf der Deichsel steht, ist genauer als die dynamische. Auch hier ist eine regelmäßige Kalibrierung erforderlich. Die Wiegung ist empfindlich gegenüber Schrägstand (Hanglage), Temperatur (Öl dehnt sich aus), Bewegung im System, Deichsellast am Schlepper und einer unterschiedlichen Beladungsverteilung.

Inhaltstoffe über NIRS bestimmen

Die optional verfügbare Ausstattung des Feldhäckslers mit NIRS-Technik ermöglicht die kontinuierliche Bestimmung des TM-Gehaltes sowie der Rohnährstoffe (Abbildung 2). Dadurch ist es möglich, nicht nur Frischmasseerträge schlagspezifisch zu erfassen, sondern auch die Trockenmasseerträge. Da im Gegensatz zur oben beschriebenen Vorgehensweise nicht nur ein Mittelwert für den TM-Gehalt des ganzen Schlages angenommen wird, ist das Ergebnis belastbarer. Zwar ist die NIRS-Messung am Häcksler nicht so genau wie eine TM-Bestimmung im Labor, jedoch wird über die Vielzahl der Messungen trotzdem eine hinreichende Genauigkeit erreicht. Allerdings wird das Verfahren bei Streitigkeiten vor Gericht nicht akzeptiert.

Schlagspezifische ­Informationen zu den Gehalten an Rohasche, Rohfaser, Rohprotein und Energie, die nach der Ernte abrufbar sind, können bei der Entscheidung helfen, für welche Tiergruppe die Grassilage geeignet ist oder ob Anpassungen im Flächen- und Erntemanagement erforderlich sind. Eine mögliche Fehlerquelle ergibt sich bei sehr trockenem (mehr als 45 % TM) oder zuckerreichem Erntegut, wenn es am Messfenster „festklebt“. Da eine Reinigung des Messfensters nur einen kurzzeitigen Effekt hat, ist die Ernte bei geringeren Anwelkgraden zu präferieren.

Anpassungen im Ernteprozess

Moderne ­Applikationstechnik für biologische Siliermittel stimmt automatisch die Dosierung auf den Durchsatz des Ernteguts ab, das Siliermittel wird also ertragsabhängig zudosiert. Die großen Durchsatzmengen chemischer Siliermittel können bei hoher Ernteleistung auch einmal 300 l/h betragen. Dies erfordert meist den Einsatz mehrerer separater Dosierpumpen. Hier sind nach wie vor Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Kopfarbeit des Häckslerfahrers gefragt, jedoch ist mit der Ertragserfassung die Möglichkeit gegeben, die Dosiermengen besser und genauer zu justieren. So lassen sich Über- und Unterdosierungen vermeiden.

Auch die theoretische Häcksellänge lässt sich mit einem Handgriff verstellen. Bei nassem/jungem Erntegut wird länger und bei trockenem/altem Gras kürzer gehäckselt. Es gibt auch schon Systeme, bei denen die Häcksellänge automatisch angepasst wird. Dadurch kann bereits im Häcksler die Verdichtung im Silo beeinflusst werden.

Fazit

„Messen und Wiegen ist der Anfang allen Handelns.“ Das gilt auch für die Planung und Durchführung der Gras­ernte. Moderne Technik am Feldhäcksler kann Frisch- und Trockenmasseerträge sowie die Inhaltsstoffe des Ernteguts kontinuierlich und damit teilflächenspezifisch erfassen und ermöglicht zudem eine genauere Dosierung von Siliermitteln.

Milcherzeugung 4.0: Was Spitzenbetriebe bewegt

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Welche Faktoren entscheiden künftig über den Erfolg in der Milcherzeugung? Auf dem diesjährigen DLG-Forum der Spitzenbetriebe Milchvieherzeugung im hessischen ­Hohenroda standen Künstliche Intelligenz (KI), Klimabilanzen und Ökonomie im Fokus.

Innerhalb kurzer Zeit war die Veranstaltung in diesem Jahr ausgebucht. Das zeigt, dass das diesjährige Programm bei den Praktikern erneut Anklang gefunden hat.

Plenumsvorträge und Denkanstöße

Die ökonomische Auswertung des Wirtschaftsjahres 2024/2025 der Spitzenbetriebe aus ganz Deutschland wurde zum Auftakt der Veranstaltung von Dr. Steffan Weber, LMS Agrarberatung Rostock, vorgestellt. Hier waren nicht nur die Zahlen der Betriebszweigauswertung ein Thema, sondern auch die berechneten Klimabilanzen wurden vorgestellt. Zur Ökonomie war die Kernaussage, dass bei Betrachtung der vergangenen 20 Jahre eine positive Perspektive bestehe, da die Produktionskosten im Vergleich zum Milchpreis nicht so stark gestiegen sind. Jedoch werden hier Managementunterschiede bei zunehmenden Volatilitäten immer entscheidender. Die unsichere aktuelle Milchpreislage wird sich somit auch auf die Betriebszweigergebnisse von 2025/2026 negativ auswirken.

Auf der jährlichen Tagung der DLG-Spitzenbetriebe in der Milcherzeugung standen insbesondere die Themen Fütterung, Sensortechnologie und Tiergesundheit im Fokus, zunehmend auch im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz. Foto: Josephine Hahn

Auch die bewusst verlängerte Zwischenkalbezeit wurde im Plenum angesprochen. Dr. Anke Römer vom Institut für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern stellte hierzu mögliche Strategien vor. Dabei betonte sie, dass die Entscheidung zu einer verlängerten Laktation vor allem tier- und betriebsindividuell getroffen werden sollte. Es wurden verschiedene Tools und Hilfestellungen zur Umsetzung vorgestellt und noch einmal auf die Schlüsselindikatoren hingewiesen. Die Körperkondition, die Persistenz und die Gesundheit müssen tierindividuell berücksichtigt werden. Ein langsames Heranwagen und bewusste Entscheidungen sowie das richtige Management passend zur Herde sind hier die Schlüssel zum Erfolg bei der Entscheidung für das System.

Der Abendvortrag befasste sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz oder eher „Kollaborative Intelligenz“. Sanjay Sauldi, Direktor der European Digital Business Institute & Academy, versetzte viele anwesende Köpfe mit seinem Vortrag ins Grübeln. Nach seiner Prognose wird der Einsatz von KI einen massiven Effizienzschub nach sich ziehen und Berufsfelder in Teilen oder vollständig ersetzen. Prozessoptimierung und Zeitersparnis durch den Einsatz von KI könnten auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb angewendet werden. Nach Darstellung der sechs KI-Ebenen und deren unterschiedlicher Funktionsweisen sowie Stärken und Schwächen hinterließen verschiedene Anwendungsbeispiele bei dem einen oder anderen Eindruck und schufen Inspiration.

Eindrücke aus Argentinien

Anregungen und Einblicke gab es auch beim Vortrag von Maren Ebinger. Sie ist Großtierärztin mit dem Schwerpunkt Milcherzeugung und Dozentin an der Universität Buenos Aires in Argentinien. Sie stellte in ihrem Vortrag nicht nur die Positionen und Handelsstrukturen der Milcherzeugung in Argentinien dar, sondern nahm auch mit ihrem Vortrag das Auditorium auf einen Betrieb nach Argentinien mit. Bilder und Videos zeigten, wie die Milchviehwirtschaft in Argentinien praktiziert wird. Eine große Herausforderung in der Unternehmensführung ist die schwankende und teils hohe Inflation. Auch Investitionen sind teuer, wenn sie über Fremdkapital finanziert werden, denn mehrstellige Zinsprozentsätze bei der Aufnahme von Krediten sind üblich.

Praxisberichte und fachlicher Austausch

Die Arbeitskreise der Konferenz greifen ganzheitlich Themen auf, die in der Milchkuhhaltung immer wieder auftauchen, und verbinden Praxisberichte mit fachlichem Austausch. Das Thema KI wurde auch im ersten Arbeitskreis unter dem Motto „Starten statt warten!“ angesprochen. Künstliche Intelligenz ist auf den landwirtschaftlichen Betrieben noch nicht in der Breite vertreten. Zusammen mit den Referenten Dennis Welleweerd, Milchkuhhalter, und Esther Achler-Stubbe, beide von der Farmers Factory, arbeiteten die Teilnehmer selbst mit dem Thema KI. Ohne Vorwissen oder komplizierte Technik wurden den Teilnehmern Werkzeuge an die Hand gegeben, um den Büro- und Managementalltag leichter zu gestalten.

Alternative Anlagen und Mechanisierungsstrategien

Im zweiten Arbeitskreis stand das Thema „Außerlandwirtschaftlicher Kapitalaufbau“ im Fokus. Wachstum, sei es durch Stallbau oder Effizienzsteigerung, ist in vielen Betrieben ein Thema. Jedoch gewinnen auch alternative Investitionen immer mehr an Präsenz. Dr. Bodo-Wolfram Hager, Experte für außerlandwirtschaftliche Anlagemöglichkeiten, zeigte alternative Strategien auf. Vor- und Nachteile von Aktien, Aktienfonds, ETF, Immobilien, Gold, Versicherungen, Anleihen und geschlossenen Beteiligungen wurden diskutiert. Sowohl die persönlichen Ziele und Erwartungen als auch Kosten- und Zeitaufwand, Anlagehorizont mit Renditeerwartungen und der wichtige Aspekt der Kapitalsicherheit spielen beim Thema Kapitalaufbau eine wichtige Rolle.

Der Arbeitskreis drei behandelte die Frage, ob Grassilage besser in Eigen- oder Fremdmechanisierung erzeugt werden sollte, da sich Betriebe stark in Kosten und Futterqualität unterscheiden und es keine pauschale Lösung gibt. Anhand von zwei Praxisbeispielen wurde das Thema veranschaulicht. Thilo Dobbehaus, Betrieb Tantzen-Dobbehaus GbR, berichtete über seine Erfahrungen mit vollständiger Fremdmechanisierung durch ein Lohnunternehmen. Lea Müller, Betrieb Weidenhof, stellte ihr Konzept der Eigenmechanisierung vor. Ergänzend gab Heinz-Günter Gerighausen, Experte für Arbeitserledigungskosten und Prozessketten der Qualitätssilage, einen fachlichen Überblick über Kostenstrukturen und Effizienzpotenziale. Dabei wurde betont, dass weniger die Wahl des Systems entscheidend sei, sondern die konsequente Umsetzung.

Die Tagung war vollständig ausgebucht und der Saal entsprechend mit Praktikern gefüllt, die den Austausch sowie neue Impulse suchten. Foto: Nicola Bock

Rationsberechnung und Eutergesundheit im Fokus

Dr. Detlef Kampf, Dr. Bernd Losand (beide Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, DLG) und Jennifer Brandl von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft boten die Gelegenheit, das neue System der Milchkuhfütterung nach GfE-Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen (2023) besser zu verstehen und Fragen zur konkreten Handhabung zu diskutieren. Das Verständnis der geänderten Kenngrößen und Zusammenhänge wurde in diesem Arbeitskreis vorgestellt und geklärt, welche Parameter künftig für eine Rationsberechnung benötigt werden.

Antibiotika und Eutergesundheit waren die Stichpunkte im fünften Arbeitskreis. Der Betrieb von Florian Bornholdt hat zusammen mit Betriebstierarzt Matthias Gösling und Herdenmanagerin Sandra Jessen die Eutergesundheit nachhaltig verbessern können. Der Betrieb melkt derzeit 13.000 kg ECM pro Kuh an Melkrobotern und nutzt zusätzlich zu den Roboterdaten das System Cow-Manager. Zusammen mit dem Betriebstierarzt stellten sie Datenverwaltung und Nutzung der einzelnen Systeme vor und zeigten Handlungsschemata, die dem Betrieb bei der Strukturierung und einheitlichen Arbeitsweise geholfen haben. Technik, Management und Tierwohl werden hier Hand in Hand betrachtet.

Melkautomation in größeren Beständen

Das Thema automatisches Melken wurde auch im Arbeitskreis sechs aufgegriffen. Hier war jedoch die Fragestellung, wie automatisches Melken in größeren Beständen umgesetzt werden kann. Praktiker mit Einzelanlagen/Doppelboxen und Batchmilking diskutierten ihre Beweggründe und arbeiteten Stärken sowie Schwächen aus. Von Investitionskosten und baulichen Voraussetzungen bis hin zu laufenden Kosten wurden diskutiert und herausgearbeitet, worauf im Betrieb, bei den Menschen und der Technik geachtet werden muss.

Im siebten Arbeitskreis wurde auf das Thema Treibhausgas (THG)-Bilanzen eingegangen. Zuerst wurde geklärt, welche Daten benötigt werden, wie die Auswertung erfolgt und welche Kennzahlen entscheidend sind. Friederike Hansen von der Hansen Freiheit GbR hat im Rahmen ihrer Masterarbeit eine THG-Bilanz für ihren Betrieb erstellt. In ihrem Beitrag präsentierte sie diese Ergebnisse und stellte sie dem CO2-Fußabdruck von DLG-Spitzenbetrieben gegenüber. Dabei zeigt sie Zusammenhänge zwischen produktionstechnischen und wirtschaftlichen Kennzahlen und dem CO2-Ausstoß je Kilogramm Milch. Abschließend wurden betriebliche Stellschrauben und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der THG-Bilanz diskutiert, wobei der Fokus auf praxisnahen Ansätzen und dem Austausch von Erfahrungen lag.

Fazit

Großes Interesse an der Veranstaltung bestätigt, dass auch in diesem Jahr die Themen wieder den Nerv der Praxis getroffen haben und immer wieder Impulse gesetzt werden.

Steigende Volatilität und weiter unsichere Milchpreise beeinflussen weiter stark die Betriebszweigergebnisse.

Management wird immer entscheidender. Betriebsindividuelle Entscheidungen können über den Erfolg entscheiden.

Digitalisierung ist eine Hürde für viele Betriebe, aber auch eine große Chance bei richtiger Umsetzung.

Waldverjüngung natürlich nutzen

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Bäume vermehren sich über ihre Samen. Diese können sehr klein sein, wie der Samen einer Fichte, oder sehr groß und von einer Frucht umgeben, wie bei einer Eichel. Sind die Samen ausgereift, werden sie rund um den Baum verteilt. Jede Baumart besitzt ihre eigene Strategie zur Samenvermehrung. Sehr leichte Samen werden beispielsweise vom Wind davongetragen, andere fallen direkt zu Boden. Der Wind trägt den Samen des Bergahorns mit seiner propellerartigen Frucht über 100 m weit. Die Eichel hingegen fällt plump vom Baum herunter. Sie ist darauf angewiesen, dass Tiere, beispielsweise der Eichelhäher oder das Eichhörnchen, sie irgendwo als Vorrat verstecken und im Winter vergessen.

Am Boden angelangt, beginnen die Samen im Frühling zu keimen. In diesem Stadium nennt man den Baum Keimling. Auf diesem Weg verjüngt sich der Wald ganz natürlich und ohne menschlichen Einfluss.

Je Hektar können auf diese Weise jedes Jahr Hunderttausende kleiner Bäumchen sprießen. Es entwickelt sich ein Konkurrenzkampf um die natürlichen Ressourcen Wasser, Licht und Nährstoffe. Das Ziel besteht darin, sich möglichst schnell in Richtung Sonne zu entwickeln und das Nachbarbäumchen zu überwachsen. Dadurch ergibt sich für den Einzelbaum ein Vorteil, und es entsteht eine natürliche Selektion.

Vorteile von Naturverjüngung

Eichennaturverjüngung

Wie bereits beschrieben, schafft die Natur es, Hunderttausende kleiner Bäume je Hektar zu pflanzen, der Mensch hingegen nur 2.500 bis 10.000 je Hektar. Denn Bäume zu pflanzen, kostet vor allem Zeit und Geld. Das sind gleich zwei Vorteile der Naturverjüngung. Die Verjüngung bietet mit einer so hohen Zahl von jungen Bäumen eine gute Basis für eine natürliche Auslese. Durch den unausweichlichen Konkurrenzkampf ist es wahrscheinlicher, dass sich der Baum durchsetzt, der am besten an den jeweiligen Standort angepasst ist und am schnellsten wächst. Der zweite Vorteil ist die Ersparnis von Kosten. Jeder künstlich gepflanzte Baum kostet Geld. Die Kosten variieren dabei zwischen 1 und 5 €, in Abhängigkeit von der Baumart, Größe und dem Arbeitsaufwand. Die Natur macht ihren Job hingegen völlig kostenlos.

Betrachtet man den Wald mit Blick auf den Klimawandel, dann haben die Bäume, die gut an den Standort angepasst sind und den einen oder anderen trockenen Sommer und starken Sturm überstanden haben, die besten Überlebenschancen. Genau diese werden auch nur ihre Samen weitergeben können. Die Chance, dass die Nachkommen ebenfalls besser gegen den Klimawandel gewappnet sind, ist demnach höher.

Weiter werden die Bäumchen in den Baumschulen gut gedüngt und verschult. So nennt man die Entnahme aus dem Boden und das Umpflanzen. Spätestens wenn die Bäume aber in den Wald gebracht werden, müssen sie aus dem Boden. Dabei werden die Wurzeln geschädigt und der Baum geschwächt. Im Wald können die Bäume, die aus natürlicher Verjüngung entstanden sind, ihre Wurzeln ungestört von Beginn an entwickeln. Außerdem gibt es im Wald keinen künstlichen Dünger. Baumschulpflanzen können dagegen einen Pflanzschock erfahren. Das heißt, dass der Unterschied zwischen Baumschulerde und Waldboden so groß ist, dass die Bäumchen kränkeln oder gar sterben. Gut gedüngte Pflanzen schmecken auch lecker und werden vom Wild häufiger verbissen.

Für Baumschulpflanzen erntet man die Samen von sogenannten Mutterbäumen mit besonderer Qualität, häufig mit besonderem Augenmerk auf die Qualität des Stammes, der für gutes Holz sorgt. Diese Samen werden immer und immer wieder genutzt. Damit werden aber auch immer nur die gleichen Gene verbreitet. Im Wald verjüngt sich hingegen jeder Baum, der dort steht. Der Genpool bleibt also deutlich differenzierter und verarmt nicht.

Nachteile der Naturverjüngung

In Deutschland ist in den vergangenen Jahren eine Fläche so groß wie das Saarland durch Borkenkäfer, Dürre und Stürme entwaldet worden. Nun heißt es aufzuforsten. Försterinnen und Förster, Forstwirtinnen und Forstwirte, zahlreiche Projekte und fleißige Bürgerinnen und Bürger pflanzen die Bäume für den Wald von morgen. Aber wieso machen sie das, wenn die Natur doch so einen guten Job macht? Klar würde auf diesen sogenannten Freiflächen auch wieder Wald entstehen. Da aber kaum Mutterbäume auf den Flächen stehen, würde die Birke die Fläche besiedeln. Ihre Samen sind leicht, fliegen weit und keimen zudem auf fast jedem Boden. Die Birke wächst zwar schnell, ihr Holz ist in seiner Verwendung jedoch sehr eingeschränkt. Beispielsweise lässt sich das Holz der Birke nicht für den Bau von Dachstühlen nutzen, und im Außenbereich beginnt es schnell zu verrotten. Ziel ist es allerdings, auf dem Großteil der Waldfläche Deutschlands einen Wald zu schaffen, der den nachhaltigen Rohstoff Holz erzeugt.

Es sollen also andere Baumarten wachsen, deren Holz man besser nutzen kann. Die Fichte, die meist auf den entwaldeten Flächen stand und noch dort wächst, würde sich natürlich verjüngen. Die gleiche Baumart am gleichen Ort zu haben, die zuvor wegen der Folgen des Klimawandels eingegangen ist, ist jedoch nicht zielführend. Es müssen also noch andere Baumarten investiv gepflanzt werden. Dazu nutzt man Jungpflanzen aus den Baumschulen.

Die Wälder in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein sind mit einem Waldanteil von 11 % im Vergleich zu anderen Bundesländern relativ wenig Wälder zu finden. Die kleinen, aber feinen Wälder sind jedoch häufig bunt gemischt mit verschiedenen Laub- und Nadelholzarten und darüber hinaus ökologisch sehr wertvoll. Gerade im Privatwald handelt es sich häufig um kleine Waldflächen in Insellagen, umgeben von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Wenn in diesen klein parzellierten Wäldern die Bäume ein bestimmtes Alter und eine bestimmte Dimension erreicht haben, stellt sich aus forstwirtschaftlicher Sicht die Frage nach der nächsten Waldgeneration. Hier spielen nun verschiedene Überlegungen eine Rolle. Aus welchen Baumarten besteht der Ausgangsbestand? Möchte man diese Baumarten auch in der nächsten Waldgeneration im Bestand vorfinden? Wie ist die örtliche Schalenwildsituation? Wie ist die standörtliche Prognose in Bezug auf die zukünftigen klimatischen Veränderungen?

Naturverjüngung in einem geschädigten Fichtenbestand

Kommt der Bewirtschaftende zu dem Schluss, dass die Altbäume geeignet wären für die nächste Waldgeneration, muss die technische Umsetzung geprüft werden. Hierbei lässt sich häufig feststellen, dass bei Entnahme der Altbäume zwar genügend Licht für eine mögliche Naturverjüngung an den Boden kommt, diese jedoch durch anhaltenden Schalenwildverbiss nicht aufläuft und der Waldboden schnell verkrautet. Auch findet eine Entmischung durch Wildverbiss statt, sodass Keimlinge verschiedener Baumarten auf einige wenige Arten reduziert werden. Das Schalenwildmanagement liegt jedoch häufig nicht in der Hand der Kleinst­privatwaldbesitzenden, sodass an der Stelle den hohen Wilddichten nicht entgegengewirkt werden kann.

Um dem Verlust und der Entmischung entgegenzuwirken, kann man die Flächen einzäunen und zusätzlich mit einem Kratzverfahren mittels eines Baggers den Oberboden freilegen. So ist der Boden empfänglich für Naturverjüngung und kann unter Umständen auch im Jahr nach der Maßnahme noch neue Keimlinge aufnehmen. Bei fehlender Naturverjüngung oder fehlenden gewünschten Baumarten können die gezäunten und gekratzten Areale im Anschluss immer noch investiv durch Pflanzung ergänzt werden.

Derzeit werden im ganzen Bundesland durch die Bezirksförster der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein solche Gatter für Naturverjüngung auf verschiedenen Böden und in unterschiedlichen Ausgangssituationen angelegt. Neben dem positiven Effekt der geringen Investition in Zeiten von knappen Mitteln bietet dieses Verfahren noch einen weiteren Vorteil. Die Natur zeigt uns, welche Baumarten ohne Wildeinfluss auf natürliche Weise nachwachsen. Interessierten Waldbesitzern wird empfohlen, mit offenen Augen durch ihren Wald zu gehen und sich beraten zu lassen.

Entrümpelt kommt die Homepage besser

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„Digitalisierung – wir wollen sie alle, aber wir müssen auch alle dabei mitnehmen“, sagt LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen. Dabei kann Inke Studt-Jürs helfen. Wie kann eine Webseite ansprechend und nutzerfreundlich gestaltet werden? Wie sind dort Termine schnell und übersichtlich zu finden? Bei diesen und anderen digitalen Themen berät die Fachfrau landesweit und darüber hinaus Kreis- und Ortsvereine der LandFrauen.

An der Andreas-Hermes-Akademie in Bonn hat sich Inke Studt-Jürs ihr Grundwissen angeeignet. „Modellprojekt IT-LandFrauen“ des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) hieß der Kurs, der 2002 ein Jahr lang alle sechs bis acht Wochen für ein verlängertes Wochenende stattfand – acht Präsenzveranstaltungen und weitere Treffen als „virtuelles Klassenzimmer“ von zu Hause aus. „Was heute als Videokonferenz normal ist, war damals ganz neu“, sagt sie. 2003 machte sie sich selbstständig, bildet sich ständig weiter. „Inzwischen hat sich ja alles technisch dreimal überholt.“

Inke Studt-Jürs berät die LandFrauen in digitalen Fragen. Foto: Tonio Keller

Studt-Jürs lebt in Weede, ist Mitglied im Ortsverein (OV) Neuengörs der LandFrauen und zweite stellvertretende Vorsitzende im KreisLandFrauenverband (KLFV) Segeberg. Sie berät überwiegend die LandFrauen landesweit und in Niedersachsen, aber auch andere Vereine, Unternehmerinnen und Firmengründer. Ein Schwerpunkt ist die Gestaltung von Webseiten. Auch gibt sie Kurse und hält Vorträge im digitalen Bereich, etwa zu Vereinsverwaltung und -buchhaltung, zur effektiven Nutzung von Sozialen Medien und neuerdings auch von Künstliche-Intelligenz (KI)-Tools – „Willkommen im Zeitalter der schlauen Maschinen“. Eine Pressemeldung oder Bilder schnell verschicken? Termine koordinieren, obwohl ein Teil der Nutzerinnen kein WhatsApp hat? Für all das gibt es technische Möglichkeiten. Aktuell ist ihr Vortrag „Mein digitaler Nachlass“ im Angebot.

Webseiten aktuell halten

Heute haben alle KreisLandFrauenverbände in Schleswig-Holstein eine eigene Webseite – entweder mit Studt-Jürs erstellt oder im Rahmen eines anderen Seminars. Die meisten Ortsvereine haben eine, aber nicht alle. Ihre Ratschläge? „Manche Webseiten sollten regelmäßiger gepflegt und aktualisiert werden.“ So etwa, wenn die Rubrik „Aktuelles“ zurückgeht bis 2017, aber voran nur bis 2024. Für eine Nutzerin ist es unpraktisch, wenn ihr zu viele überholte Eintragungen entgegenkommen. „Die Webseite ist nicht das Archiv des Vereins, sondern sein Aushängeschild. Alte Berichte sind nach spätestens zwei Jahren uninteressant, die Leute wollen wissen, was aktuell los ist“, betont die Digitalbetreuerin.

Dafür ist der kreisweite Übersichtskalender hilfreich, den die KLFV Segeberg, Plön, Steinburg und Pinneberg eingerichtet haben. Die Ortsvereine schicken Studt-Jürs ihr Jahresprogramm, und das pflegt sie mit dem Kreisprogramm und wichtigen Landestreffen dort ein. So kann jede Nutzerin auf einen Blick sehen, was im nahen Umfeld angeboten wird, ohne sich durch die einzelnen OV-Homepages zu scrollen. „Vielleicht habe ich einen bestimmten Vortrag verpasst und schaue, wo er demnächst noch gehalten wird.“

Übersichtlich und ruhig gestaltet: die Webseite des KLFV Segeberg

Foto: Screenshot

Keine Termine als PDF

Besonders ungünstig findet es Studt-Jürs, wenn Terminkalender als fertiges PDF eingestellt sind. Nicht nur, dass diese oft überladen und schwer zu entziffern sind – insbesondere auf dem Handy –, sie können auch von Suchmaschinen nicht ausgelesen werden, zumindest heute noch nicht. Sprich, man findet Stichworte dort nicht über Google. Außerdem sind diese Ansichten nicht barrierefrei, zum Beispiel für Sehbehinderte, die zum Lesen eine zusätzliche Software nutzen. Überhaupt sind viele Webseiten nicht für mobile Endgeräte optimiert. „Mehr als 50 % nutzen sie – mobile first!“

Wichtig ist auch, Besucher geschmeidig durch die Webseite zu führen. „Die Hauptnavigation sollte nicht mehr als sieben Punkte umfassen“, empfiehlt die Beraterin. „Was interessiert die Frau, die nach Aktivitäten sucht, am meisten? Das sollte auf der Homepage sehr bald kommen.“ Es kann zu einer wahren Schnitzeljagd werden, bis man herausbekommt, wo sich die Ortsvereine versteckt haben oder wo Kontaktdaten zu finden sind. Oder die Vorstandsdamen erscheinen nur als Gruppenbild ohne Namen und Funktionen. „Vorteilhaft sind Schnelleinstiege von der Startseite zu Terminen, Ortsvereinen und zu den Jungen LandFrauen. Übrigens: Auch diese Generation, die man als Digital Native einschätzt, tritt zuweilen mit überladenen PDF als Terminseiten auf!“

Und schließlich geht es auch um eine ansprechende Optik – ruhig, nicht mit wanderndem Bildmaterial. Und mit guten, ausgesuchten Fotos. Was es bei diesen zu beachten gibt, ist ein eigenes Thema.

Die Webseite von Inke Studt-Jürs: www.studt-juers.de

Save the Date

Das Forum für Frauen in der Landwirtschaft findet am 27. Mai von 11 bis 17 Uhr statt. Neben Grußworten von Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU), des Vorstandsvorsitzenden der IB.SH, Erk Westermann-Lammers, und der LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen erwarten die Teilnehmerinnen eine Talkrunde und Workshops zu den Themen:

– Absicherung der Frauen

– ein eigenes Standbein

– meine Rolle auf dem Betrieb

Darüber hinaus hält Kathrin Volquardsen (die landmarie) einen Motivationsvortrag.

Anmeldungen sind per E-Mail bis zum 13. Mai möglich:

buero@landfrauen-sh.de

Ein schaler Beigeschmack bleibt

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Es gibt Bilder, die brennen sich ins Gedächtnis ein.  Vor sechs Jahren waren es im Meldorfer Speicherkoog Bilder von hungernden und toten Pferden, deren Rippen sich unter dem struppigen Winterfell abzeichneten. Der Winter 2019/2020 markiert ein dunkles Kapitel für den Naturschutz, als bis zu 16 Koniks in einem prestigeträchtigen Beweidungsprojekt verendeten.

In diesem Januar endete das gerichtliche Verfahren nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem Kompromiss. Statt eines klassischen Urteils wählte das Landgericht Itzehoe den Weg der Geldauflage gegen zwei Verantwortliche. Formal ist die Sache damit erledigt.

Für Dr. Lennart Schmitt, stellvertretender Generalsekretär im Bauernverband Schleswig-Holstein, bleibt ein „schaler Beigeschmack“. Er stellt die Frage nach der Verantwortung in Projekten, die das Tierwohl dem ökologischen Ideal unterordnen.

Scheitern mit Ansage

Dabei war die Zielsetzung gut gemeint. Ursprünglich sollten die Koniks als „ökologische Rasenmäher“ die Vegetation im Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch im Speicherkoog kurz halten. Ein idyllischer Plan, der aber an eklatantem Nahrungsmangel zerschellte.  Es war ein Scheitern mit Ansage.

Seit 2005 wurde im Schutzgebiet, das dem Wiesenvogelschutz und einem Rastvogelmanagement dienen soll, eine kleine Konikherde zur ganzjährigen Beweidung eingesetzt. Institutionelle und individuelle Fehler, kombiniert mit falschen Annahmen und einer schwierigen Witterung führten zur Katastrophe.

Der Bestand wuchs unkontrolliert auf bis zu 100 Tiere. Für den Vogelschutz notwendige Maßnahmen wie die Entfernung von Bäumen und Büschen nahmen den Koniks den winterlichen Witterungsschutz. Eine Vernässung der Flächen nahm ihnen die trockenen Standorte. Der Nabu selbst unternahm keine Vor-Ort-Kontrollen.

Ursächlich ist laut Nabu aber auch, dass ihm vom damaligen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume die Möglichkeit genommen wurde, die Zahl der Tiere zu reduzieren. Eine dafür benötigte Fanganlage wurde abgebaut. So nahm das Geschehen seinen Lauf.

Können wir helfen?

Anfang März 2020 legten protestierende Landwirte Heuballen vor der Nabu-Geschäftsstelle in Neumünster ab. Ein Plakat der Bauern bot Hilfe an: „Können wir euch helfen? Wir wissen, was wir tun, wir haben das gelernt.“

Erst ein halbes Jahr nach dem Vorfall, im September 2020, benannte das Landesamt für Umwelt in Flintbek das offensichtliche Problem: „Vor diesem Hintergrund ist das Schutzgebiet Wöhrdener Loch für eine ganzjährige Konikbeweidung schon aus Tierschutzgesichtspunkten konzeptionell nicht mehr geeignet.“

Doch nicht nur konzeptionell wurden Fehler gemacht. Die Tiere wurden von den betreuenden Schäfern nicht ausreichend überwacht. Als Projektverantwortlicher geriet der Nabu in die Kritik: Die vorgeschriebene Aufsichtspflicht über die Tierhalter wurde vernachlässigt.

Nüchterne Reaktion

Die Reaktion des Nabu auf das Ende des Verfahrens fällt bemerkenswert nüchtern aus. Man bedauere den Vorfall nach wie vor, betont Geschäftsführer Thomas Rothmund. Die Konsequenz des Verbandes lautet: Rückzug. Der Nabu wird künftig nicht mehr als Halter von Weidetieren in Erscheinung treten.

Die Begründung: Tierhaltung gehöre nicht zur Kernkompetenz des Verbandes. Man verstehe zwar theoretisch, wo Beweidung sinnvoll sei, könne die praktische Umsetzung, also die tägliche Arbeit am Tier, aber nicht leisten. Der Nabu will sich aber gegenüber den Naturschutzbehörden aktiv dafür einsetzen, dass eine extensive Beweidung an den richtigen Standorten durch die richtigen Fachleute verfolgt werde.

Bauernverband überrascht

Für Lennart Schmitt drängt sich die Frage auf, ob nicht bereits deutlich früher hätte erkannt werden müssen, in welche Richtung sich das Projekt entwickelte – und ob die Antwort nur im vollständigen Rückzug bestehen könne.

Es überrascht den Bauernverbandsvertreter, dass der Nabu nicht den Versuch unternimmt, es besser zu machen: „Ein Abwurf ist kein Grund, das Reiten insgesamt aufzugeben. Entscheidend ist, ob man bereit ist, die Ursachen aufzuarbeiten, Strukturen zu verbessern und erneut Verantwortung zu übernehmen“, so die mahnenden Worte aus dem Bauernverband.

Der Fall Speicherkoog zeigt ein strukturelles Defizit: Die Verantwortung wurde auf Schäfer abgeschoben, die Verträge nicht erfüllt haben sollen, während die planerische Gesamtleitung beim Nabu verblieb. Ein klassisches Kompetenzwirrwarr auf Kosten der Tiere.

Vom „hohen Ross“?

Besonders pikant werde die Situation dadurch, dass das Auftreten des Naturschutzbundes ansonsten nicht von Zurückhaltung geprägt sei, wie Schmitt dem Bauernblatt gegenüber formuliert.

In Richtung der landwirtschaftlichen Praxis erkläre der Nabu häufig vom hohen Ross, wie Tierhaltung, Bewirtschaftung und Naturschutz idealerweise auszusehen hätten. Komme es jedoch im eigenen Verantwortungsbereich zu katastrophalen Fehlern, scheine die Bereitschaft zur Fehlerkorrektur gering.

Stille beim Nabu

Dabei bleibe laut Schmitt unstrittig, dass die extensive Weidetierhaltung ein Stille beim Nabu Baustein für den Naturschutz sei. Ebenso klar sei aber, dass sie Fachwissen, Erfahrung und kontinuierliche Betreuung erfordere – Qualitäten, die in der landwirtschaftlichen Praxis tagtäglich gelebt würden.

Der Nabu hat sich für die Stille entschieden; die handelnden Personen von damals seien nicht mehr im Verband tätig, lautet die vorsichtig formulierte Antwort. Es sei zwar denkbar, dass diese Erkenntnis damals frühzeitiger und transparenter hätte kommuniziert werden können, gibt Rothmund zu. Auf diese Erkenntnis folgt allerdings sofort Kritik an den Kritikern: Die Vorgänge hätten aufgezeigt, „dass in manchen Teilen der Öffentlichkeit von einer differenzierten und einer den Tatsachen entsprechenden Bewertung der Rolle des Nabu nach sechs Jahren nicht mehr ausgegangen werden kann“. sh

Koniks sind eine robuste Ponyrasse aus Mittel- und Osteuropa. Sie finden in der Pflege von Naturschutzgebieten Verwendung.  Foto: Imago

Weniger düngen?

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Seit fünf Wochen tobt der Krieg zwischen dem Iran auf der einen und Israel und den USA auf der anderen Seite. Neben dem menschlichen Leid vor Ort sind die Auswirkungen weltweit zu spüren. Hierzulande haben vor allem die Treibstoff- und die Düngemittelpreise deutlich angezogen. An den hiesigen Tankstellen ist der Dieselpreis von zirka 1,60 auf 2,50 €/l gestiegen. Die Forderungen für Harnstoff haben sich von 470 auf 800 €/t fast verdoppelt. Auch für andere Betriebsmittel wie Strom und Erdgas werden deutliche Preisaufschläge erwartet, sollte sich die Situation im Iran-Krieg nicht entspannen.

Starke Abhängigkeit

Wie in vielen anderen Bereichen zeigt sich hier die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Import fossiler Brennstoffe. Bereits vor dem Iran-Krieg war die Situation der hiesigen Landwirtschaft kritisch. Viele Betriebszweige arbeiten nicht kostendeckend. Gerade der Ackerbau leidet unter den seit Jahren rückläufigen Erlösen für viele Ackerfrüchte. Aber auch die Milcherzeugung ist mit dem Einbruch der Auszahlungspreise konfrontiert. Durch die hohen Energie- und Düngerpreise sorgen sich viele nicht nur um das Schicksal etlicher landwirtschaftlicher Betriebe, es gibt auch Stimmen, die von der möglichen Gefahr einer Lebensmittelknappheit sprechen. Vorerst sind die Märkte jedoch gut versorgt. Große Lagervorräte an Getreide und Ölfrüchten verhindern aktuell einen Anstieg der Kurse an Terminmärkten, wie er sonst beobachtet wurde, wenn Krisen die Rohstoffmärkte erschütterten.

Höhere Erlöse wären für die Landwirte jedoch wichtig, um die höheren Betriebsmittelpreise auszugleichen. Damit wird die Situation zunehmend kritisch. Während einige Stimmen die Politik zu Hilfe rufen, suchen andere Betriebsleiter nach betrieblichen Anpassungsmöglichkeiten. Einige Optionen wären: Man kann bei der Frühjahrsaussaat auf weniger intensive Früchte wie Leguminosen setzen. Dadurch kann man auch mineralischen Stickstoff in der Folgefrucht einsparen. Für den Herbst kann man Zwischenfrüchte zur Stickstoffbindung aussäen. Bei den Feldarbeiten sollte man Möglichkeiten zur Dieseleinsparung nutzen. Mittelfristig gibt es Einsparungsmöglichkeiten durch die Nutzung von eigener Energie wie Photovoltaik in Verbindung mit einem Batteriespeicher oder einer Hackschnitzelheizung. Der wichtigste Hebel ist meist nicht eine einzige große Investition, sondern sind viele kleine Maßnahmen: weniger Überfahrten, präzisere Düngung, eigener Solarstrom und bessere Nutzung organischer Dünger. So sinkt die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen – und der Betrieb wird robuster gegen Preissprünge.

Alles Bio?

Auch die komplette Umstellung auf biologische Landwirtschaft käme für einige Betriebe infrage. Die Erlöse für Bioerzeugnisse sind in den letzten Jahren erstaunlich stabil geblieben. Aktuell reicht das Angebot an heimischer Produktion in vielen Bereichen nicht für die Nachfrage aus. Allerdings ist Bio nicht automatisch die wirtschaftlich beste Antwort für jeden Betrieb. Es gibt auch Nachteile, so steigt die Arbeitsbelastung deutlich. Die Umstellung dauert meist zwei Jahre und funktioniert nur, wenn es für die Produkte einen sicheren Markt und Preisaufschlag gibt. Aber mit Blick auf weniger Einsatz von fossiler Energie ist meist ist nicht die komplette Umstellung der entscheidende Hebel, sondern dass konventionelle Betriebe einige „Bio-Prinzipien“ übernehmen.

Energie- und Düngerpreise: Bioland sieht Ökoanbau als Lösung

Als Lehre aus der aktuellen Energie- und Düngepreismittelkrise sollte der Bund die Ökolandwirtschaft stärker fördern. Das forderte Bioland in der vergangenen Woche und verwies darauf, dass der Ökoanbau nicht auf fossilen Dünger angewiesen sei.

Hintergrund ist, dass die Preise für Rohöl und Erdgas sowie für erdgasbasierte Stickstoffdüngemittel massiv angestiegen sind, nachdem der Iran die Straße von Hormus gesperrt hat. Aber auch Phosphordünger sind indirekt betroffen: einerseits durch die gestiegenen Energiekosten und andererseits durch den Preisanstieg für Schwefel.

Verletzbarkeit des globalen Ernährungssystems

Für Bioland-Präsident Jan Plagge führt die Krise „eindrücklich vor Augen, wie verletzlich unser globalisiertes Ernährungssystem ist“. Aus dieser Abhängigkeit müsse man sich dringend befreien. „Das ist kein ideologisches Weltverbesserungsthema, es geht dabei um unsere Ernährungssouveränität“, mahnte Plagge. Schließlich hänge man bei den fossilen Energien „nicht unerheblich auch von den Launen einiger besonders einflussreicher Staatschefs ab“, kommentierte er.

Leguminosen statt Mineraldünger

Statt auf Mineraldünger aus fossilen Energien setzt der Ökolandbau Bioland zufolge unter anderem auf Leguminosen, die Stickstoff aus der Luft binden. Ein mehrjähriger Kleegrasanbau könne auch für stark zehrende Nachfrüchte genug Stickstoff bereitstellen. Der Gesamtbedarf an fossilen Energien sei dadurch auf Biobetrieben geringer als auf konventionell wirtschaftenden, ist man bei dem nach Hektaren und Mitgliedern größten deutschen Ökoanbauverband überzeugt.

Bioland-Politikleiterin Carolin Pagel erwartet von der Bundesregierung entschlossenes, strategisches Handeln und dass sie die aktuelle Krise als Weckruf nutze. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) müsse dafür die Biostrategie „auf solide Füße stellen“, anstatt sie abzuwickeln. Auch müsse sichergestellt werden, dass der Ökolandbau in der kommenden Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028 angemessen gefördert werde. Ebenso sollte die Biolandwirtschaft im neuen Düngerecht und der Wiederherstellungsverordnung entsprechend berücksichtigt werden, so Pagel.