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Konstruktiver Umgang mit Konflikten

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„Du musst dir endlich mal angewöhnen, pünktlich zu sein. Andere schaffen das ja schließlich auch!“ Sätze wie diesen hat sicher jeder schon einmal gehört – oder selbst ausgesprochen. Sie kommen beim Gegenüber häufig als Vorwurf an, verursachen Schuldgefühle, verletzen und erzeugen eher Widerstand, als eine Verhaltensänderung zu bewirken. Wie äußere ich mich konstruktiv? Wie gehe ich mit Emotionen in Konflikten um? Was mache ich, wenn jemand dichtmacht? Auf diese Fragen hat das Seminar „Umgang mit Konflikten“ Antworten parat.

Gruppenarbeit: Jutta Junge, Christa Emcke und Angela Gripp formulieren Ich-Bot­schaften.

Dreizehn Frauen sitzen am großen Tisch, um sich einen ganzen Tag lang mit dem Thema „Konflikte“ auseinanderzusetzen. „Welche Erwartungen habt ihr an diesen Tag?“, fragt Christine Gribat in die Runde. Die Diplom-Sozialpädagogin begleitet als erfahrene Seminarleiterin, Coach und Referentin Menschen und Organisationen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung und leitet das Seminar des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein. Schnell füllt sich das Flipchart mit Themen, die den Teilnehmerinnen unter den Nägeln brennen. Vor allem wünschen sie sich praxisnahe Tipps für ihren Alltag, für Konflikte in der Familie, im Job und im Ehrenamt. Damit kann Gribat dienen: „Ihr bekommt alle am Ende dieses Tages einen Erste-Hilfe-Koffer für den Umgang mit Konflikten mit nach Hause.“

Wie Konflikte entstehen

Christine Gribat gibt Teilnehmerinnen Werkzeug an die Hand.
Fotos: Dr. Claudia Kleimann-Balke

Konflikte entstehen häufig, wenn die beabsichtigte Aussage und die wahrgenommene Botschaft auseinanderfallen – etwa, wenn eine sachliche Information als persönliche Kritik verstanden wird. „Wenn die Beziehungsebene durch Wertschätzung und Vertrauen sicher und stark ist, kann auf der Sachebene jeglicher Austausch stattfinden. Wenn aber unser Gegenüber nur den leisesten Hauch von persönlicher Kritik wittert, ist die Beziehungsebene ganz schnell getriggert“, fasst Christine Gribat zusammen. „Hinter Konflikten wohnen immer unerfüllte Bedürfnisse. Das muss uns klar sein. Dann können wir viele vermeiden.“ Zum Beispiel indem man versucht, Schuldzuweisungen in konstruktive Gespräche umzuwandeln.

Grau ist alle Theorie

Während einer Gruppenarbeit sollen die Teilnehmerinnen nun ausprobieren, wie verschiedene Botschaften zur gleichen Situation wirken können. Eine Situation mit Konfliktpotenzial: Vera erklärt Hannah eine Anwendung am PC. Hannah versteht es nicht sofort. Vera ist etwas genervt und sagt: „Sag mal, hast du das denn immer noch nicht verstanden?“ Diese sogenannte Du-Botschaft verletzt Hannah, die sich ziemlich dumm vorkommt. Die Aufgabe ist es, eine Ich-Botschaft zu formulieren, die konstruktiv ist. „Ich merke, dass meine Erklärung noch nicht verständlich war. Ich würde es gern anders versuchen.“ Diese Botschaft impliziert ein Hilfsangebot. Nach diesem Schema bearbeiten die Teilnehmerinnen einige Beispiele und spüren den Unterschied sozusagen am eigenen Leib. „Ich-Botschaften sind keine Zuckerwatte“, erklärt Christine Gribat. „Sie sind nur eine Form der Kommunikation, die uns an so einer Stelle weiter bringt als die direkte Konfrontation.“ Es hilft, einmal die Perspektive zu wechseln und Trigger des Gegenübers zu vermeiden.

Ein paar Tipps zum Mitnehmen

Natürlich gibt es auch für den Umgang mit Konflikten keine Universallösung, aber man kann Werkzeuge immer wieder anwenden und ausprobieren, um die beste Lösung für sich selbst zu finden. „Kleine Anlässe kann man als Übung verstehen“, rät die Trainerin. „Bedürfnisse erspüren und selbst äußern – das sind erste Schritte für eine gute Kommunikation, die Konflikte vermeidet oder beendet.“ Es gilt auch, selbst Geduld zu haben und Situationen auch einmal auszuhalten. Gribat empfiehlt Kraftsätze. „Die sind unglaublich wichtig, weil wir sie für uns selbst denken können. Beispielsweise: Ich möchte das so stehen lassen. Das heißt nicht, dass ich dem Gegenüber recht gebe, sondern macht klar, dass wir unterschiedliche Standpunkte haben.“

Dörte Bornholt, Beate Peters, Anja Moczkuhn, Susanne Lutze, Silke Wieben, Heidi Kopp, Chistine Gribat, Jessica Jessen, Yoli Manowski, Christa Emcke, Petra Fahje, Jutta Junge, Angela Gripp und Karin Ehler (v. li.) haben viel mitgenommen und können nun im Umgang mit Konflikten etwas ändern.

Konflikte sind häufig etwas ganz Persönliches zwischen zwei Menschen. Sie sind unbequem, können aber auch Chancen sein, weil sie zu einem positiven Prozess beitragen können. In jedem Fall kosten sie Kraft.

Am Ende des Seminars blicken die Teilnehmerinnen mit neuen Möglichkeiten auf Konflikte. Nun gilt es, das Gelernte in die Praxis zu transportieren. „Ich gehe voller Motivation nach Hause. Nun weiß ich um einige Fehler und kann daran arbeiten“, erzählt Angela Gripp. Auch Jutta Junge geht mit einem Vorsatz aus dem Seminar: „Konflikte gibt es weltweit. Vielleicht kann ich etwas mitnehmen, um ihnen im Kleinen etwas entgegenzusetzen.“

Krise am Schweinemarkt

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Foto: Imago

Am deutschen Schlachtschweinemarkt bleibt die Stimmung gedrückt. Mit 1,40 €/kg Schlachtgewicht ging die VEZG-Notierung auf ein für die Mäster nicht mehr wirtschaftlichen Niveau zurück. Das umfangreiche Lebend­angebot lässt sich zwar überwiegend absetzen, zusätzliche Mengen finden jedoch nur schwer Abnehmer. Der Feiertag am 3. Oktober hat die Schlachtzahlen reduziert und regional für Überhänge im Lebendhandel gesorgt. Eine nachhaltige Belebung des Fleischgeschäfts ist weiterhin nicht erkennbar.

Günstige Wurstwaren

Mit deutlichen Preisnachlässen versuchen Aldi und Lidl nun, den Absatz von Fleisch- und Wurstwaren anzukurbeln. Ob davon auch die Erzeuger profitieren, ist allerdings fraglich.

Das eigentliche Problem liegt nicht allein in Deutschland. Selbst wenn man hierzulande wöchentlich einige Hunderttausend Schweine weniger erzeugt würden, wäre der europäische Markt damit kaum entlastet. Solange große Produktionsländer wie Spanien, Dänemark und die Niederlande ihre Überschüsse nicht ausreichend auf Drittlandsmärkten unterbringen können, drängen diese Mengen auf den europäischen Binnenmarkt. Gleichzeitig konkurriert die EU auf dem Weltmarkt mit kostengünstigeren Anbietern aus den USA und Brasilien. Hohe Produktions-, Energie- und Arbeitskosten sowie zusätzliche Auflagen erschweren insbesondere deutschen Betrieben den Wettbewerb. Zuletzt konnten zwar weitere Absatzmärkte für deutsches Schweinefleisch erschlossen werden. Die dort absetzbaren Mengen reichen jedoch bei Weitem nicht aus, um den seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest weggefallenen chinesischen Absatzmarkt zu ersetzen.

Auch die langfristigen Nachfrageaussichten bieten wenig Hoffnung. Während die FAO bis 2035 weltweit einen leicht steigenden Schweinefleischverbrauch erwartet, dürfte der Konsum in Europa weiter zurückgehen. Veränderte Ernährungsgewohnheiten und der rückläufige Pro-Kopf-Verbrauch begrenzen die Absatzmöglichkeiten. Eine Entlastung kann daher vor allem durch zusätzliche Exportmärkte oder eine Anpassung der europäischen Produktion entstehen.

Haltungsform 3 als Ausweg?

Besonders schwierig ist die Situation für Betriebe, die in höhere Haltungsformen investiert haben. Programme wie Haltungsform 3 oder die Strohschweinehaltung versprechen zwar Zuschläge, verursachen aber erhebliche Mehrkosten. Entscheidend ist, ob die vereinbarten Zuschläge dauerhaft gezahlt und die Tiere zuverlässig abgenommen werden. Fehlen verbindliche Abnahmegarantien, wird der Umbau für die Landwirte zum wirtschaftlichen Risiko.

In Schleswig-Holstein verschärft die unsichere Schlachtstruktur die Lage zusätzlich. Mit dem Wegfall des Schlachtstandortes Perleberg werden Transportwege und Vermarktungsmöglichkeiten zu einer Herausforderung. Gerade für kleinere Betriebe und besondere Haltungsprogramme sind verlässliche regionale Absatzwege entscheidend.

Für die Schweinehalter zeichnet sich kurzfristig keine grundlegende Besserung ab, auch vor dem Hintergrund eines möglichen erneuten Schweinestaus zum Jahresbeginn 2027. Ohne eine spürbare Entlastung des europäischen Marktes, verlässliche Vermarktungsverträge und eine angemessene Vergütung höherer Haltungsstandards dürfte sich der Strukturwandel weiter beschleunigen.

Wenn aus Fäden Kunstwerke werden

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Fünf großformatige Tapisserien aus 75 Jahren künstlerischen Schaffens zeigt der Museumsberg Flensburg derzeit im Hans-Christiansen-Haus in der Ausstellung „Die Geheimnisse des Alltäglichen“. Der Kieler Künstler Peter Horn verbindet darin eine von ihm weiterentwickelte Webtechnik mit ungewöhnlichen Motiven. Ein genauer Blick offenbart nicht nur unzählige Fäden, sondern auch die Entwicklung seines künstlerischen Schaffens.

Aus der Entfernung sind es Bilder. Erst wer näher herantritt, erkennt Wollfäden, dicht an dicht gesetzt und Reihe für Reihe von Hand gewebt. Dicke und dünne Fäden erzeugen beinahe fließende Farbübergänge. „Für einen Teppich kann man grob ein Jahr rechnen“, erklärt Dr. Michael Fuhr, Direktor des Museumsbergs Flensburg. Fünf dieser großformatigen Arbeiten hängen hier noch bis zum 6. Dezember. Sie gruppieren sich rund um das von Heinrich Sauermann für die Pariser Weltausstellung 1900 entworfene Pariser Zimmer. Dass moderne Bildweberei gerade hier ihren Platz findet, passt auch historisch. Weben besitzt im Norden eine lange Tradition. Horn knüpft handwerklich daran an, geht künstlerisch jedoch einen eigenen Weg.

In „Mercurius 2“ wird der Planet Merkur zum Motiv. An dem Werk lässt sich Horns besondere Webtechnik erkennen, bei der unterschiedlich gefärbte dünne Fäden fließende Farbabstufungen erzeugen.
Foto: Museumsberg Flensburg

Mit 15 Jahren kam Horn durch seine Mutter erstmals mit dem Weben in Berührung. Sie fertigte Gebrauchstextilien wie Möbelstoffe und Tischdecken und weckte damit sein Interesse an der Technik. Seit den 1970er Jahren widmete Horn sich professionell der Bildweberei. Heute gilt der 90-Jährige als ältester praktizierender Bildweber Deutschlands. Für die Ausstellung standen Fuhr als Kurator bis zu 30 Arbeiten zur Auswahl. Fünf Tapisserien unterschiedlicher Schaffensphasen nahm er schließlich auf. Neben der künstlerischen Entwicklung spielten Format, Farbe und Wirkung im Raum eine Rolle.

Mit seinen Frühwerken sei Horn zunächst nicht ganz glücklich gewesen, erzählt Fuhr schmunzelnd. Künstler blickten auf ihre älteren Arbeiten häufig kritischer. Gerade an ihnen lasse sich jedoch nachvollziehen, wie sich Horns Bildsprache und Technik über Jahrzehnte entwickelt haben. Am Ende habe sich auch Horn mit der Auswahl angefreundet. Grundlage von Horns Bildweberei ist eine alte Technik: Kettfäden werden auf einen Hochwebstuhl gespannt, das Bild entsteht von unten nach oben. Eine Vorlage in Originalgröße liegt hinter den Fäden und dient dem Künstler während der Arbeit als Orientierung. Dieses traditionelle Verfahren entwickelte Horn jedoch weiter.

„Keine Angst, General“ (1989): Ausgangspunkt der Tapisserie war das Foto eines anonymen argentinischen Soldaten aus dem Falklandkrieg. Während des Webens entwickelte Horn die ursprüngliche Vorlage weiter und ergänzte im oberen Teil einen Farbverlauf.
Foto: Thore Groth

Besonders auffällig sind seine fließenden Farbübergänge. Dafür wechseln sich ein dicker Wollfaden und vier dünnere Fäden ab. Während die dickeren Fäden dieselbe Farbe behalten können, variiert Horn die Farben der dünnen. So entstehen Abstufungen, die aus einiger Entfernung beinahe wie gemalt wirken. „Mercurius 2“ aus dem Jahr 1998 zeigt dieses Prinzip besonders deutlich: Dunkelblaue dicke Fäden treffen dort auf unterschiedlich gefärbte dünne Fäden. Fuhr schreibt diese besondere Webtechnik Horn selbst zu.
Dabei ist das Weben keineswegs die bloße Übertragung einer fertigen Vorlage. Für seine früheren Arbeiten fertigte Horn Collagen aus Fotografien, Zeitungsausschnitten und anderen Bildelementen an und übertrug selbst deren Risskanten in das Gewebe. Während der monatelangen Arbeit veränderte er seine Entwürfe jedoch immer wieder, ergänzte Farben oder entwickelte einzelne Elemente weiter.

Eine zusätzliche Schwierigkeit: Horn webt seine Tapisserien von der Rückseite. Das endgültige Bild sieht er während der Arbeit deshalb selbst nicht vollständig. Erst wenn das fertige Werk mit mehreren Helfern vom Webstuhl genommen und umgedreht wird, zeigt sich das Ergebnis. Horn habe in diesem beinahe zeremoniellen Moment jedes Mal Sorge gehabt, ob ihm das fertige Werk tatsächlich gefalle, berichtete er bei der Ausstellungseröffnung. Bislang sei es immer gut gegangen.

Wie frei Horn mit seinen Vorlagen umgeht, zeigt sich an „Keine Angst General“ von 1989. Ausgangspunkt war das Foto eines anonymen argentinischen Soldaten aus dem Falkland-Krieg. Den unteren Teil der ursprünglichen Collage übertrug Horn mitsamt den sichtbaren Risskanten in das Gewebe. Während des Webens entschied er sich jedoch, das Motiv nach oben zu erweitern. Fuhr verweist zu dem dort ergänzten Farbverlauf auf Goethes Farbenlehre. Die vorbereitete Vorlage bleibt bei Horn damit Ausgangspunkt, nicht unveränderlicher Bauplan.

Kosmische Motive tauchen in mehreren Arbeiten dieser Phase auf. In „Wasserstände für Kerkyra“ von 1983 integrierte er Aufnahmen des Mars; auch in „Datumsgrenze“ von 1990 verbindet Horn zwei Selbstporträts und zeitgenössische Bildelemente mit der Marsoberfläche. Der Titel verweist auf die Datumsgrenze im Pazifik und spielt zugleich damit, über Zeit und das eigene Älterwerden nachzudenken.

„Wasserstände für Kerkyra“ (1983): Fotografien, Zeitungsausschnitte und andere Fundstücke dienten Peter Horn in dieser Schaffensphase als Grundlage seiner Collagen. In „Wasserstände für Kerkyra“ integrierte er unter anderem Aufnahmen des Mars.
Foto: Thore Groth

Einige Jahre später rückte der Blick ins All noch stärker in den Mittelpunkt. In „Mercurius 2“ von 1998 nimmt der Planet selbst einen großen Teil des Motivs ein. Fuhr hält beim Betrachten kurz inne: Ein wenig habe das etwas von Science-Fiction, meint er. Gerade darin liegt für ihn auch ein Reiz der Arbeiten: Wer länger davorsteht, kann immer wieder Neues entdecken und eigene Interpretationen entwickeln.

Eine deutliche Veränderung von Horns Arbeitsweise brachte schließlich ein Tremor, also ein unwillkürliches Zittern seiner Hände, mit sich. Die aufwendigen Collagen traten in den Hintergrund. Stattdessen begann Horn, eine kleine Kamera fast immer bei sich zu tragen und spontane Aufnahmen festzuhalten. Die verwackelten Fotografien wurden zur Grundlage neuer Arbeiten. „Prater 2“ von 2012 macht diesen Wandel besonders sichtbar. Die bei der Aufnahme entstandenen Unschärfen, Streifen und Schlieren übertrug Horn bewusst in die Bildweberei. Das Ergebnis wirkt aus der Entfernung beinahe abstrakt und geht doch auf ein konkretes Foto zurück. Für Fuhr liegt darin eine besondere Stärke Horns. Wo ein Foto eigentlich scharf und deutlich sein soll, machte Horn gerade die Unschärfe zum künstlerischen Prinzip und übersetzte sie Faden für Faden in seine Bildweberei.

„Prater 2“ (2012): Grundlage von „Prater 2“ war eine durch Horns Tremor verwackelte Fotografie. Unschärfen, Streifen und Schlieren der Aufnahme übertrug der Künstler bewusst in seine Bildweberei.
Foto: Thore Groth

Auch mit 90 Jahren arbeitet Horn weiter am Webstuhl. Während er früher stundenlang weben konnte, sei heute nach etwa einer Stunde konzentrierter Arbeit die Erschöpfung deutlich zu spüren, berichtet Fuhr. In dieser Zeit entstehen gerade einmal drei bis vier Reihen. Fehler verzeiht das Material dabei kaum: Ist ein falscher Faden erst einmal eingewebt, lässt er sich nur schwer korrigieren. Früher färbte Horn seine Wolle selbst, gab dies aber auf, weil ihm dafür zu viel Zeit am Webstuhl verloren ging. Das Material stammt unter anderem aus England und Schweden. Wichtig ist ihm vor allem die Beständigkeit der Farben, weshalb er die Wolle beispielsweise auf ihre Reaktion auf Sonnenlicht prüft.

Was dieser Aufwand in Geld wert ist, lässt sich kaum beziffern. Jede Tapisserie ist ein Unikat, das vollständig von Hand entsteht und in dem unzählige Arbeitsstunden stecken. Horn hat zwar Werke verkauft, doch allein die investierte Arbeitszeit lässt sich über einen Verkaufspreis kaum abbilden. Für den Museumsberg bleibe die Hoffnung, dass eine seiner Tapisserien einmal als Schenkung Eingang in die Sammlung finde, so der Museumsdirektor.

Erst aus der Nähe offenbart sich die besondere Wirkung von Horns Arbeiten. Aus der Entfernung erscheint ein Motiv, beim Herantreten werden einzelne Fäden, Farbübergänge und die Spuren eines langen Arbeitsprozesses sichtbar. Fuhr ist überzeugt, dass sich damit auch der Blick auf andere gewebte Arbeiten verändert.

Wer einmal gesehen hat, was hinter Horns Tapisserien steckt, werde anschließend auch andere Teppiche mit anderen Augen betrachten. So erklärt sich am Ende auch der Titel der Ausstellung: Manchmal offenbaren sich „Die Geheimnisse des Alltäglichen“ eben erst, wenn man genauer hinsieht. 

Erntekrone für das MLLEV

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Nach der Ernte ist bekanntermaßen die Zeit der Erntekronen. Ende September ging es für den Kreislandjugendverband (KLV) Steinburg, den Agrarausschuss sowie einen Teil des Landesvorstandes des Landjugendverbandes zu Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) ins Kieler Landwirtschaftsministerium (MLLEV).

Der KLV Steinburg hatte in diesem Jahr die Aufgabe übernommen, für das MLLEV die Erntekrone zu binden und für die Übergabe ein paar Worte vorzubereiten. Nachdem die Erntekrone zu Beginn an die gut gelaunte Ministerin übergeben und mit ihrer tatkräftigen Unterstützung aufgehängt worden war, hielt Rike Fleischer vom KLV Steinburg eine Rede über das vergangene Jahr und insbesondere über das zurückliegende Erntejahr. Dabei blickte sie mit Bezug auf Besonderheiten aus dem Kreis Steinburg unter anderem auf extreme Hagelschauer und schwere Unwetter kurz vor der Ernte zurück.

Man sei dankbar für das vergangene Erntejahr und sehe die Erntekrone als Zeichen der Dankbarkeit für die Ernte trotz der Wetterextreme, die auch in Schleswig-Holstein zunähmen. Rike Fleischer appellierte zudem dazu, gemeinsam den ländlichen Raum für junge Menschen attraktiv zu gestalten und zu halten, da dieser insbesondere für die Landjugend und die Kreislandjugend von großer Bedeutung sei.

Danach ging es in einen konstruktiven und inhaltlich wichtigen Austausch mit der Ministerin. Dabei bestand auf Augenhöhe Raum für Fragen und Themen vonseiten der Landjugend, aber ebenso für Fragen der Ministerin an die Landjugendlichen.

Der Landesvorstand und der Agrarausschuss schätzen den regelmäßigen Austausch mit dem MLLEV im Rahmen der Erntekronenübergabe sehr. Zugleich ist es eine schöne Tradition, dass jedes Jahr ein anderer Kreislandjugendverband aus Schleswig-Holstein die Aufgabe übernimmt, die Erntekrone für das Ministerium zu binden und persönlich zu überreichen.

Was Jungbaumpflege der Landwirtschaft bringt

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Bäume in Hecken oder an Straßen gehören vielerorts zum Bild landwirtschaftlicher Flächen. Sie schützen vor Wind und Erosion, doch tief hängende Äste können die Bewirtschaftung stören. Wer junge Bäume konsequent pflegt, kann gesunde Bäume mit höheren Kronen ziehen, unter denen Unterkulturen mehr Licht bekommen und besser wachsen können. Selektives Aufasten ist eine Möglichkeit, Nutzungskonflikten frühzeitig vorzubeugen und zugleich die Entwicklung der Bäume zu fördern.

Die Hitzewelle im Sommer hat Menschen und Tiere wieder spüren lassen, wie wichtig in Zeiten sich ändernder klimatischer Bedingungen Bäume und Sträucher sind. Sie kühlen, speichern Wasser, binden Kohlenstoff, fördern die Biodiversität und erhöhen unsere Lebensqualität. Das gilt auch für die Landwirtschaft. Am Rand von Äckern bremsen sie zusätzlich den Wind und vermindern Erosion. Nutztieren spenden sie wichtigen Schatten. Doch nicht nur die Landwirtschaft spürt den Klimawandel. Auch Bäume leiden unter Hitzewellen, Trockenperioden und Extremwetterereignissen. Umso wichtiger ist eine fachgerechte Pflege. Werden störende Äste erst entfernt, wenn sie bereits große Durchmesser erreicht haben, entstehen entsprechend große Schnittwunden.

Wer junge Bäume früh pflegt, profitiert langfristig.

Frühe Pflege vermeidet große Wunden

Nach Pflanzung und Anwuchspflege werden Bäume häufig über viele Jahre nicht weitergepflegt. Das zeigt sich beispielsweise an den Rändern von Äckern oder Straßen: Solange ihre Äste nicht stören, wachsen die Kronen der Bäume ungestört in Richtung angrenzender Äcker oder Fahrbahnen. Irgendwann ragen sie in den für landwirtschaftliche Maschinen, Autos oder Fahrräder vorgesehenen Raum. Werden dann inzwischen sehr dicke Äste entfernt, hat das für die Bäume Folgen. Große Schnittwunden können schlechter abgeschottet werden und Eintrittspforten für Holz zersetzende Pilze bilden, die die Lebenserwartung von Bäumen verkürzen.

Der Baumbiologe Andreas Roloff schätzt, dass Stadtbäume durchschnittlich nur halb so alt werden, wie sie könnten, und Straßenbäume sogar nur ein Viertel ihrer möglichen Lebensdauer erreichen. Bäume, die wegen solcher Schnittwunden kürzer leben, können zusätzliche Kosten verursachen: Es ist deutlich aufwendiger, Bäume, die in der Jugend nicht ausreichend gepflegt wurden, nachträglich zu erziehen. Oft müssen sie zudem früher ersetzt werden.

Selektives Aufasten spart Arbeit und Kosten

Werden junge Bäume konsequent gepflegt und „erzogen“, lassen sich spätere Eingriffe und Nutzungskonflikte reduzieren. Die BaumLand-Kampagne und die Obstbaumschnittschule setzen dabei auf das sogenannte selektive Aufasten nach Michael Grolm. Es ähnelt dem in der Baumpflege bekannten Holländer Modell, bietet jedoch detaillierte Anleitungen für die Praxis. Was bedeutet selektives Aufasten? Die Baumkrone wird durch den Schnitt gezielt nach oben verlagert. Dabei sollen entfernte Äste möglichst kleine Wunden hinterlassen und das sogenannte Wundverhältnis stimmen. Außerdem gilt es, eine dominante Stammmitte zu erziehen, um zu vermeiden, dass sich konkurrierende Stämmlinge entwickeln.

Diese Kirsche wurde regelmäßig selektiv aufgeastet. Ziele sind ein gerader, astfreier Stamm und eine entsprechend hoch ansetzende Krone.

Mit dieser Technik sollen gesunde Bäume mit hoher Krone und stabilen Stämmen herangezogen werden, die lange an Äckern, auf Weiden oder an Straßen stehen können. Für Landwirtinnen und Landwirte haben hohe Kronen zudem den Vorteil, dass der Schatten dieser Bäume schneller über Unterkulturen wandert und diese dadurch mehr Licht bekommen. Auch Betriebe, die auf Agroforst setzen, profitieren, denn für die Erzeugung von hochwertigem Wertholz sind gerade und astfreie Stämme gefragt.

Um solche Bäume heranzuziehen, ist es nötig, sie jung und früh zu pflegen und in regelmäßigen Abständen zu schneiden.

Aufasthöhe und Schnitt planen

Zunächst sollte ein klares Ziel für die finale Kronenhöhe definiert werden. Dabei muss das Lichtraumprofil berücksichtigt werden. Das ist der Raum unter der Krone, der für den Verkehr oder die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen frei bleiben muss. Damit ihre Kronen nicht zu tief hängen, müssen Bäume über das gewünschte Lichtraumprofil hinaus aufgeastet werden. Für ein 4,5 m hohes Lichtraumprofil bedeutet das nach Angaben der Autoren eine Aufasthöhe von mindestens 7 m.

Bei jungen Bäumen zur Wertholzproduktion ist es außerdem sinnvoll, sich mit der Aufasthöhe an möglichen Verwendungszwecken zu orientieren. Soll das Holz beispielsweise zu Türen verarbeitet werden, sind diese etwa 2 m hoch. Auf diese Standardhöhe sollte Verschnitt aufgeschlagen werden. Dafür braucht es ungefähr 2,20 m lange Stämme. Passend zu diesen Maßen sollten die finalen Aufasthöhen gewählt werden, also zum Beispiel etwa 4,40 m, 6,60 m oder 8,80 m.

Je nach Baumart und Vitalität sollten Jungbäume nach dem Pflanzschnitt in den ersten 15 bis 25 Jahren alle ein bis vier Jahre gepflegt werden, abhängig von Zuwachs, Baumart und Alter. Anders als oft an Straßenbäumen zu erkennen, wird beim selektiven Aufasten von oben nach unten geschnitten, also von der Baumspitze zum Kronenansatz.

Dabei sind der Astdurchmesser und das Verhältnis zwischen Schnittwunde und Stamm entscheidend. Äste, die entfernt werden, sollten maximal halb so dick sein wie der Stamm. Bei schnittempfindlichen Arten wie Walnuss oder Birke ist ein Drittel besser. Für den Durchmesser der Schnittwunden gilt die Faustregel: Schnittwunden sollten nicht größer sein als 5 cm im Durchmesser.

Stimmt das Verhältnis zwischen Schnittwunden und Stammdurchmesser, können vitale Bäume auch Schnittwunden bis 10 cm vertragen. Bei einem ungünstigen Verhältnis können sie Wunden nicht abschotten.

Besonders Kirschen sind für die Wertholzerzeugung empfindlicher. Bei ihnen sollten die Wunden maximal 3 cm Durchmesser haben. Für hochwertiges Wertholz sollten auch bei anderen Baumarten wie Eiche, Linde oder Ahorn die Wunden nicht größer als 4 cm sein.

Äste, bei denen das Wundverhältnis nicht stimmt, werden nicht sofort vollständig entfernt, sondern zunächst gekürzt. Entfernt werden sie erst in den Jahren danach, wenn das Verhältnis zwischen Astdurchmesser und Stamm günstiger geworden ist. Bei einem Schnittdurchgang sollten außerdem Wunden direkt über- oder nebeneinander vermieden ­werden.

Auch die Wurzeln berücksichtigen

Bei der Wertholzproduktion in Agroforstsystemen empfehlen die Autoren, von Beginn an bis an den Gehölzstreifen zu ackern und dabei einen Abstand von 0,5-1 m zu den zu erwartenden Stämmen einzuhalten. So werden in die Ackerfläche hineinragende Wurzeln beschnitten, bevor sie zu groß werden, und wachsen unter die Pflugtiefe. Langfristig soll dies zu weniger Konflikten zwischen Ackerbau und Baumwurzeln führen. Werden die Wurzeln durch Pflügen zu spät oder zu selten gekürzt, können auch an unterirdischen Wurzeln große Wunden entstehen. Wie oberirdische Wunden können diese die Lebenserwartung von Bäumen verkürzen.

Auch Landwirtinnen und Landwirte mit Grünland sollten die Wurzelentwicklung an den Feldrändern frühzeitig berücksichtigen. Damit Bäume und Gras hier nicht um Nährstoffe konkurrieren, können die Wurzeln mit 0,5-1 m Abstand zu den erwarteten Stämmen mit Beetpflügen, Fräsen, tiefen Grubberzinken, Scheibensechen oder Tiefenlockerern bearbeitet werden. Die Bearbeitung sollte mindestens 30 cm tief erfolgen, um die Wurzelentwicklung stärker in die Tiefe zu lenken.

Leitfaden „Selektives Aufasten Schritt für Schritt“

Wie Bäume nach der Methode des selektiven Aufastens gepflegt werden, können Interessierte in einem Leitfaden der BaumLand-Kampagne und Obstbaumschnittschule hier nachlesen: https://baumland-kampagne.de/wp-content/uploads/2026/09/selektives-aufasten-leitfaden.pdf

Fazit

Eine frühzeitige und regelmäßige Jungbaumpflege kann langfristig den Pflegeaufwand und Konflikte mit der landwirtschaftlichen Nutzung reduzieren. Haben Bäume die finale Kronenhöhe erreicht, brauchen sie deutlich weniger Pflege. Ziel sind langlebige, stabile Bäume, die ihre Funktionen in der Agrarlandschaft erfüllen und – bei entsprechender Nutzung – hochwertiges Wertholz liefern können.


Agroforst und Knicks

Agroforststreifen gelten als landwirtschaftliche Nutzung und unterliegen keinem gesetzlichen Biotopschutz. Für die Pflege von Bäumen (Überhältern) in Knicks gelten dagegen zusätzlich die Vorschriften zur Knickpflege. Knicks sind gesetzlich geschützte Biotope; die entsprechenden Vorgaben sind bei Pflegemaßnahmen zu beachten. Kerstin Ebke
, Landwirtschaftskammer SH


Drittes Beteiligungsverfahren erforderlich

Im Rahmen des zweiten Beteiligungsverfahrens zur Neuaufstellung der Regionalpläne Windenergie sind rund 1.100 Stellungnahmen eingegangen. Die Auswertung im Innenministerium ist weitgehend abgeschlossen. Bereits jetzt wird deutlich, dass die Pläne aufgrund der Stellungnahmen in einigen Bereichen überarbeitet werden und deshalb ein drittes Beteiligungsverfahren erforderlich sein wird. Das hat Innenministerin Magdalena Finke (CDU) am Dienstag dem Kabinett mitgeteilt.

„Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir bei der geplanten und auch aufgrund der Energiewende und bundesrechtlicher Vorgaben zwingend notwendigen Ausweisung neuer Flächen für die Windenergie den größtmöglichen Schutz von Mensch, Tier und Natur im Blick behalten. Um dies sicherzustellen, sind die Rückmeldungen der Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner, der Kommunen, Vereine und Verbände so wichtig. Aufgrund dieser Stellungnahmen und der daraus folgenden Änderungen werden wir kurzfristig ein drittes Beteiligungsverfahren starten. Die Anhörung wird, wie schon in der zweiten Runde, auf die Änderungen beschränkt. Die Zielsetzung, die Pläne so schnell wie möglich festzusetzen und damit die Flächenbeitragswerte zu erreichen, bleibt unverändert“, so Finke.

Die möglichen Änderungen sind unter anderem wegen Rückmeldungen der Bundeswehr, Änderungen der Wohnbebauung und Umspannwerken oder neu hinzugekommener oder weggefallener Großvogelhorste nötig. Von den bislang geplanten 401 Vorranggebieten Windenergie sind möglicherweise etwa 60 Flächen von erneuten Änderungen betroffen. Einige dieser Flächen werden voraussichtlich größer, andere kleiner. Auch mit den geänderten Plänen werden die Flächenbeitragswerte, die das Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) von Schleswig-Holstein fordert, erreicht.

Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) erklärt zu der erneuten Auslegung der Regionalpläne Wind: „Gute und ausgewogene Regionalpläne mit starker Rückendeckung in den Regionen sind die Basis für unsere kraftvolle Energiewende in Schleswig-Holstein. Qualität geht deshalb vor Schnelligkeit. Anfang nächsten Jahres werden wir mit neuen Regionalplänen eine rechtssichere Grundlage für den weiteren zügigen Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein haben.“

Es ist vorgesehen, dass das Kabinett im November über die dann dritten Entwürfe der Regionalpläne Windenergie entscheiden wird. Die Pläne werden unmittelbar im Anschluss im Internetportal BOB SH veröffentlicht. Eine Möglichkeit zur Stellungnahme wird dann voraussichtlich vom 18. November bis 18. Dezember bestehen. Dieses Beteiligungsverfahren wird sich erneut nur noch auf die dann veränderten Flächen beziehen.

„Dadurch wird sich das gesamte Verfahren voraussichtlich um etwa sechs Wochen verlängern und nicht mehr in diesem Jahr abgeschlossen werden, sondern Anfang 2027. Diese überschaubare Verzögerung nehmen wir in Kauf, um die berechtigten vorgebrachten Interessen berücksichtigen zu können“, so die Innenministerin.

Den Ausbau der Windenergie in Schleswig-Holstein würde ein drittes Beteiligungsverfahren darüber hinaus nicht ausbremsen, da Windkraftanlagen bereits jetzt genehmigt werden können, die in den rund 90 % der Vorranggebiete vorgesehen sind, die sich in den ersten beiden Beteiligungsverfahren bestätigt haben.

Rückblick auf die Kunstgeschichte Schleswig-Holsteins

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Mit gleich zwei spannenden Sonderausstellungen lädt der Museumsberg Flensburg zu einem Besuch in das Hans-Christiansen-Haus und in das Heinrich-Sauermann-Haus ein: „Die Geheimnisse des Alltäglichen“ des Kieler Künstlers Peter Horn verbindet eine von ihm weiterentwickelte Webtechnik mit ungewöhnlichen Motiven. „Bonn-Berlin-Flensburg“ zeigt die Sammlung der Landesvertretung Schleswig-Holstein in Bonn seit den 1950er Jahren, die 2024 wiederentdeckt wurde und nun erstmals in einem Museum präsentiert wird.

Historische Stadtansichten, Landschaftsbilder, Werke aus der Renaissance bis hin zu zeitgenössischer Kunst – es ist ein buntes Sammelsurium an Werken, die einst in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung in Bonn hingen. „Seit den 1950er Jahren war die Vertretung in zwei Gründerzeitvillen untergebracht, deren Räume mit Werken schleswig-holsteinischer Künstlerinnen und Künstler ausgestattet wurden“, so die Ausstellungsbeschreibung. „Wer mit dem Sammeln angefangen hat, nach welchen Kriterien gesammelt wurde oder ob es jemals so etwas wie ein Sammlungskonzept gab, konnten wir nicht rekonstruieren. Es gibt dazu keine schriftlichen Unterlagen. Was es gibt, sind die Kunstwerke, die übrig geblieben sind“, berichtet Museumsdirektor Dr. ­Michael Fuhr.

Museumsdirektor Dr. Michael Fuhr
Fotos: Iris Jaeger

Seit 17 Jahren gehört er dem Kunstbeirat der Landesvertretung Schleswig-Holstein an und kann sich gut an den Tag im Jahr 2024 erinnern, als er zusammen mit der Geschäftsführerin des Kunstbeirates, Heike Muß, in den Keller der schleswig-holsteinischen Landesvertretung in Berlin stieg, um die wiederentdeckte Sammlung zu sichten. Mit dem Umzug von Bonn nach Berlin in den 1990er Jahren gelangten die Kunstwerke in den Keller, wo sie 20 Jahre unbeachtet lagen. Bei Ausbauarbeiten fand man dann in einer Ecke den großen Stapel an Bildern und wusste sie zunächst nicht zuzuordnen, bis eine Recherche ergab, dass es sich um die Werke handelte, die einst in Bonn hingen.

Als die Landesvertretung beim Kunstbeirat wegen einer Sichtung anfragte, habe er sich bereit erklärt, das zu übernehmen, erzählt Fuhr. „Wir dachten, wir seien nach einer Stunde oder so durch damit.“ Einen Tag später seien sie in völlig verdreckter Kleidung zurückgekehrt. „Die Werke waren dermaßen schlecht gelagert und mit einer 20 Jahre alten Schicht aus Staub und Dreck bedeckt“, so Fuhr weiter. Einige Bilder wurden beim Transport beschädigt, Rahmen waren kaputt, empfindliche Werke aus Papier lagen da ohne Glas, einzelne Ölbilder hatten Löcher oder waren zerkratzt.

Nach der Bestandsaufnahme einigte man sich im Kunstbeirat darauf, einen Teil der Sammlung 2025 in der Landesvertretung in Berlin auszustellen. Vorab aber mussten die beschädigten Werke restauriert werden, Grafiken neu gerahmt sowie neue Passepartouts angefertigt werden. Dafür habe man die Werke nach Flensburg geholt und nach der Restaurierung wieder nach Berlin geschickt. „Die Landesvertretung hat dafür eigentlich weder die Mittel noch das Personal, wir schon. Da ich ein städtisches Museum vertrete, muss ich auch die Interessen der Stadt Flensburg vertreten. Und bei Verwendung städtischer Mittel sollte Flensburg etwas davon haben“, berichtet Fuhr. Und so habe man sich darauf geeinigt, dass diese Sammlung der Landesvertretung nach Ende der aktuellen Ausstellung auf dem Museumsberg in Flensburg verbleibt, damit die Bilder dauerhaft bewahrt und öffentlich zugänglich bleiben. Während im vergangenen Jahr in Berlin nur ein Teil der Sammlung zu sehen war, werden jetzt alle Bilder in der Sonderausstellung im Heinrich-Sauermann-Haus gezeigt – knapp 50 Stück. „Einige Werke haben Kampfspuren zurückbehalten, die man auch noch sieht, einige konnten noch gar nicht restauriert werden, da ist dann noch mitunter eine dicke Schicht Nikotin drauf, wie bei dem Gemälde ,Allee‘ von Willi Langbein aus dem Jahr 1949.“

„In den 1950er Jahren, da saß dann vielleicht auch einmal ein Konrad Adenauer mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten zusammen, sie haben gern Zigarren geraucht, und das Bild hing eben daneben. Diese Bilder sind Zeitzeugen, die ihre Spuren davongetragen haben“, so Fuhr.

„Allee“, 1949, von Willi Langbein
Foto: Iris Jaeger

Die historischen Stadtansichten, Trachtendarstellungen und Landkarten gehören zu den Anfängen der Sammlung. „Zahlreiche Darstellungen zeigen Kiel, daneben finden sich Ansichten von Plön, Ratzeburg, Flensburg und anderen Städten. Vieles sind Auflagendrucke oder gerahmte Kalenderblätter – doch auch einige bemerkenswerte Stücke haben sich erhalten. Dazu zählt ,Die Reinholdesborch‘, die älteste erhaltene Stadtansicht Rendsburgs, ein kolorierter Kupferstich von Braun und Hogenberg um 1583“, können die Besucher auf einem der Saalbanner in der Ausstellung lesen.

Etliche Bilder tragen Widmungen, die tief blicken lassen, was die Beziehungen zwischen Künstlern, Sponsoren und Politikern angeht: „Einige der Stadtansichten haben wir verkehrt herum aufgehängt, weil wir als Kunsthistoriker die Rückseiten spannender fanden als die Vorderseiten“, so der Museumsdirektor. Viele Werke gelangten als Schenkungen in die Landesvertretung, etwa von Baufirmen oder Interessenvertretern. Manche dieser Schenkungen erzählten ihre Geschichte vor allem auf der Rückseite. Deshalb zeigten einige Bilder die Widmung statt des Motivs, lautet die Erklärung dazu.

Prägedruck von Bernhard Schwichtenberg „Heide – kämpferisch“, 1997
Foto: Iris Jaeger

Auch Künstler schenkten der Landesvertretung Werke – nicht ­ selten als Ausdruck persönlicher oder politischer Beziehungen. So widmete der Grafiker und Objektkünstler Bernhard Schwichtenberg 1997 der damaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) den Prägedruck „Heide – kämpferisch“. Auch der Maler Ernst Günter Hansing schenkte der Landesvertretung ein Werk: Sein abstrahiertes Porträt von Papst Paul VI. trägt die Widmung „Der Vertretung des Landes Schleswig-Holstein zum Dank. 1977“. Wofür Hansing dankte, ist heute nicht mehr bekannt, „und warum ausgerechnet ein Papst darauf abgebildet ist fürs protestantische Schleswig-Holstein, wird für immer ein Rätsel bleiben“, ergänzt Fuhr.

Und auch wenn kein konkretes Sammlungskonzept zu erkennen ist, so lassen besonders die Werke der 1950er und 1960er Jahre eine kulturpolitische Haltung erkennen, die über den bloßen Erwerb von Kunst hinausging. „Man hat sich damals bewusst dafür entschieden, Werke von Künstlerinnen und Künstlern zu kaufen die es in der Nachkriegszeit besonders schwer hatten. Dazu gehörten Horst Skodlerrak, Annemarie Ewertsen oder auch Leonore Vespermann. Überhaupt ist festzustellen, dass in der Auswahl für damalige Zeiten erstaunlich viele Künstlerinnen aus Schleswig-Holstein vertreten sind“, betont Michael Fuhr.

Einige der wiedergefundenen zeitgenössischen Werke mit schleswig-holsteinischer Gegenwartskunst seien zudem eine gute Ergänzung der bestehenden eigenen Sammlung. „Sie schließen einige Lücken.“ Neben bekannten Künstlern wie Ernst Günter Hansing, Siegward ­ Sprotte und Jan Koblasa begegnen uns heute weniger bekannte Namen wie Ilse Willers oder Albert Christoph Reck, „der ist wirkliche eine Entdeckung, seine Biografie hat mich fasziniert“, so Fuhr.

Und so erzählt die Sammlung nicht nur von Kunst, sondern auch von Neuanfang, Erinnerung und dem Wandel kultureller Wertvorstellungen. Weitere Informationen unter www.museumsberg.de

Ehemalige Landesvertretung Schleswig-Holstein in Bonn, 1979
Foto: Bundesarchiv
Widmung auf einer der Rückseiten der Bilder
Foto: Iris Jaeger
O.T., 1989, Klaus Vonderwerth
Foto: Museumsberg Flensburg
Boot im Hafen, 1954, Leonore Vespermann
Foto: Museumsberg Flensburg
Porzellanservice der niedersächsischen Porzellanmanufaktur Fürstenberg, eine Sonderanfertigung für die gemeinsame Landesvertretung von Niedersachsen und Schleswig-Holstein in Berlin 1990er Jahre; gezeigt werden die damaligen Logos der beiden Bundesländer. Nachdem diese für den Dienstgebrauch durch andere ersetzt wurden, besteht für das Geschirr keine Verwendung mehr und wurde ebenfalls dem Museumsberg geschenkt.
Foto: Iris Jaeger
Widmung für Björn Engholm, 1992
Foto: Iris Jaeger
Pietà, 1980, Jan Koblasa
Foto: Museumsberg Flensburg
„Haubarg“, Albert Johannsen
Foto: Iris Jaeger


Stehende Kleingewässer als Senken und Quellen

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Stehende Kleingewässer sind oft enger mit ihrer Umgebung verbunden, als es auf den ersten Blick erscheint. Ob Pflanzenschutz­mittel aus angrenzenden Flächen in ein Gewässer gelangen, hängt nicht nur davon ab, welche Wirkstoffe eingesetzt werden. Ebenso wichtig sind die Wasserwege, über die das Gewässer mit seinem Umfeld verbunden ist, etwa Bodenwasser, Drainagen oder das oberflächennahe Grundwasser. Über diese Verbindungen können Pflanzenschutzmittel und ihre Transformationsprodukte, also Abbau- und Umwandlungsprodukte, in Kleingewässer eingetragen, dort zeitweise gespeichert und unter bestimmten Bedingungen wieder weitergegeben werden. Untersuchungen an zwei stehenden Kleingewässern im norddeutschen Tiefland zeigen, wie stark solche hydrologischen Verbindungen die Befunde im Wasser prägen können.

Für Landwirtschaft, Beratung und Gewässerschutz sind die genannten Zusammenhänge relevant, weil Rückstände häufig nicht auf eine einzelne Anwendung oder einen einzelnen Eintragspfad zurückgeführt werden können. Vielmehr wirken Bewirtschaftung, Niederschläge, Bodenfeuchte, Stoffeigenschaften und die Wasserwege am Standort zusammen.

Kleine Gewässer mit großer Bedeutung

Stehende Kleingewässer wie Weiher, Teiche oder kleine Seen gehören in vielen deutschen Agrarlandschaften zum Landschaftsbild. Für Deutschland wird ihre Zahl auf mehr als 300.000 geschätzt. Im norddeutschen Tiefland prägen sogenannte Sölle, eiszeitlich entstandene Senken mit offener Wasserfläche, vielerorts die Landschaft. Viele dieser Gewässer sind flach, verändern sich im Jahresverlauf stark und fallen vorübergehend teilweise oder vollständig trocken. Gerade ihre Vielzahl und diese Dynamik machen sie ökologisch wertvoll. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, dienen als Trittsteine zwischen Habitaten und tragen zur Strukturvielfalt der Agrarlandschaft bei. Gleichzeitig sind sie Teil des Wasser- und Stoffhaushalts: Sie halten Wasser zurück, speichern Stoffe zeitweise und stehen mit Boden, Grundwasser und angrenzenden Ackerflächen in Verbindung. In der Gewässerüberwachung werden solche Systeme jedoch weniger systematisch betrachtet als größere Seen und Fließgewässer. Besonders Einträge von Pflanzenschutzmitteln und ihren Transformationsprodukten aus dem Umfeld können sich in kleinen Gewässern schnell bemerkbar machen.

Zwei Fallbeispiele aus Schleswig-Holstein

Wie diese Zusammenhänge konkret aussehen können, zeigen zwei intensiv untersuchte Kleingewässer in Schleswig-Holstein. Beide liegen in einer konventionell bewirtschafteten Ackerlandschaft in einer jungmoränengeprägten Region mit flachem Relief, unterschiedlichen Böden und oberflächennahem Grundwasser.

Über zwei Jahre hinweg wurden Pflanzenschutzmittel und Transformationsprodukte in den Gewässern, im oberflächennahen Grundwasser, in angrenzenden Böden und an einem Standort auch in einer zufließenden Drainage untersucht. Ergänzt wurden die Messungen durch hydrologische Untersuchungen und Informationen zu den auf den benachbarten Flächen eingesetzten Wirkstoffen. Diese Kombination ist wichtig, da eine einzelne Wasserprobe zwar zeigt, ob ein Stoff im Gewässer vorhanden ist, aber nur begrenzt erklärt, auf welchem Weg er dorthin gelangt ist.

Mit dem sogenannten Tracer-Verfahren wurden mit speziellen Farbstoffen zum Beispiel die Fließwege des Wassers gemessen.

Auf den ersten Blick wirkten die beiden Gewässer ähnlich: klein, von einem schmalen Grünstreifen eingefasst und in Ackerflächen eingebettet. Im Wasserhaushalt zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede. Ein Gewässer war über ein Drainagenetz stärker an schnelle Zu- und Abflüsse gekoppelt und verhielt sich zeitweise wie ein Durchflusssystem. Das andere war stärker vom Austausch mit dem oberflächennahen Grundwasser geprägt, mit längeren Verweilzeiten und ausgeprägteren saisonalen Schwankungen des Wasserstands.

Wasserwege entscheiden über Einträge

Ob Pflanzenschutzmittel ein Kleingewässer erreichen, hängt nicht allein von der Entfernung zur behandelten Fläche ab. Direkte Einträge über Abdrift oder Oberflächenabfluss sind grundsätzlich möglich. In den beiden untersuchten Gewässern spielten jedoch vor allem Drainagen und oberflächennahes Grundwasser eine wichtige Rolle.

Am drainagebeeinflussten Standort waren Feld und Gewässer vergleichsweise schnell miteinander verbunden. Nach Niederschlägen konnte Wasser aus dem Schlag rasch in Richtung Gewässer transportiert werden. Am anderen Standort verlief der Austausch über das oberflächennahe Grundwasser langsamer, konnte dafür aber länger anhalten und Einträge zeitlich verzögern. Zusätzlich veränderten schwankende Wasserstände, Zu- und Abflüsse sowie sinkende Grundwasserstände im Jahresverlauf die Verbindung der Gewässer mit ihrem Umfeld. Für die Bewertung eines Kleingewässers reicht deshalb der Blick auf den unmittelbaren Gewässerrand nicht aus. Je nach Standort können Drainagen, oberflächennahes Grundwasser und Bodenspeicher wesentlich mitbestimmen, wann und in welchen Konzentrationen Stoffe auftreten.

Stoffeigenschaften prägen die Befunde

Die unterschiedlichen hydrologischen Bedingungen spiegelten sich auch in den gemessenen Konzentrationen wider. Hohe Konzentrationen im Oberflächenwasser traten vor allem dann auf, wenn nach einer Anwendung Niederschläge fielen, die Böden zunehmend feucht waren und Stoffe in Richtung Gewässer transportiert wurden. Am drainagebeeinflussten Standort zeigten sich unter solchen Bedingungen kurze, teilweise ausgeprägte Belastungsspitzen. Im stärker grundwassergeprägten Gewässer hielten Konzentrationen dagegen länger an.

Welche Stoffe auf welchem Weg transportiert werden, hängt auch von ihren Eigenschaften ab. Weniger mobile Wirkstoffe, die stärker an Bodenpartikel gebunden werden, wurden am drainagebeeinflussten Standort vor allem im Zusammenhang mit schnellen Drainageabflüssen sichtbar. Die Drainage kann dabei wie eine Abkürzung wirken und Stoffe rasch in Richtung Gewässer transportieren. Dazu gehörten beispielsweise Diflufenican, Tebuconazol und Prothioconazol. Letzteres zeigt diesen Zusammenhang besonders deutlich, da es vergleichsweise kurzlebig ist. Wird der Wirkstoff im Gewässer nachgewiesen, spricht dies für einen schnellen Eintrag nach der Anwendung. Mobilere Herbizide wie Flufenacet oder Metazachlor können dagegen leichter in tiefere Bodenschichten verlagert werden und von dort auch über das Grundwasser in Gewässer gelangen.

Auch die Bodenfeuchte wurde gemessen. Sie beeinflusst unter anderem, wie lange Pflanzenschutzmittel im Boden bleiben.

Besonders auffällig waren Transformationsprodukte wie Metazachlor-ESA, Metazachlor-OA und Flufenacet-ESA. Sie fanden sich nicht nur im Gewässer selbst, sondern auch in seinem Umfeld, und das über weite Teile des Untersuchungszeitraums. Teilweise wurden sie auch nachgewiesen, ohne dass für den Untersuchungszeitraum eine Anwendung der zugehörigen Wirkstoffe auf den angrenzenden Flächen dokumentiert war. Pflanzenschutzmittel müssen daher nicht zwingend von der direkt umgebenden Fläche stammen. Sie können auch aus weiter entfernten Bereichen des Zustromgebiets eingetragen oder aus Bodenschichten später wieder mobilisiert werden. Für die Einordnung von Befunden reicht der Blick auf die letzte Anwendung deshalb nicht aus. Ebenso wichtig ist, wie Stoffe im Boden und im Wasser transportiert werden.

Auch die angrenzenden Böden wirken mit

Die angrenzenden Ackerböden sind nicht nur Transportweg, sondern auch Speicher- und Umwandlungsraum für Pflanzenschutzmittel und ihre Transformationsprodukte. In den untersuchten Bodenprofilen fanden sich sowohl aktuell eingesetzte Wirkstoffe als auch ältere Rückstände. Mobile Stoffe und insbesondere mobile Transformationsprodukte wurden eher in tiefere Bodenschichten verlagert. Weniger mobile, stärker an Bodenpartikel gebundene Wirkstoffe blieben häufiger in den oberen Bodenzonen zurück. Das trägt dazu bei, dass Befunde im Gewässer zeitlich sehr unterschiedlich auftreten können. Kurzfristige Konzentrationsspitzen nach Niederschlägen können auf frische Einträge oder schnelle Transportprozesse hinweisen. Länger anhaltende oder zeitversetzte Befunde können dagegen darauf hindeuten, dass Stoffe zuvor im Boden gespeichert, umgewandelt oder in tiefere Schichten verlagert wurden. Bei späteren Niederschlägen oder veränderten Wasserständen können sie erneut mit Bodenwasser, Drainageabfluss oder oberflächennahem Grundwasser in das Gewässer gelangen.

Über zwei Jahre hinweg wurden Pflanzenschutzmittel und ihre Transformationsprodukte in den Gewässern untersucht.

Kleingewässer: Zugleich Senke und Quelle

Zusammengenommen zeigen diese Prozesse, dass Kleingewässer Pflanzenschutzmittel nicht nur aufnehmen, sondern unter bestimmten Bedingungen auch wieder abgeben können. Zunächst können sie als Senken wirken, wenn Wirkstoffe im Wasserkörper verbleiben, im Sediment gebunden oder durch Abbau- und Umwandlungsprozesse verändert werden. Dadurch können Konzentrationsspitzen abgeschwächt und Stoffe vorübergehend im System gehalten werden. Ein Kleingewässer kann jedoch auch zur Zwischenstation werden. Strömt Wasser aus dem Gewässer in Richtung des oberflächennahen Grundwassers ab, wird über Drainagen weitergeleitet oder werden gespeicherte Rückstände erneut mobilisiert, können Stoffe das Gewässer zeitversetzt wieder verlassen. So können sie auch in nachgelagerte Wassersysteme gelangen.

Ob ein Gewässer Stoffe eher zurückhält, durchleitet oder später wieder abgibt, hängt somit vom jeweiligen Standort ab. Entscheidend sind Wasserwege, Verweilzeiten, Stoffeigenschaften und Bewirtschaftung. Je nach Ausprägung dieser Faktoren kann ein Kleingewässer Rückstände eher zurückhalten, weitertransportieren oder zeitverzögert wieder abgeben.

Was das für Schutz und Praxis bedeutet

Aus dieser Doppelrolle ergeben sich mehrere Konsequenzen:

• Einzelne Wasserproben reichen für die Bewertung kleiner stehender Gewässer häufig nicht aus.

• Kurzzeitige Belastungsspitzen nach Niederschlägen oder schnellen Drainageabflüssen können leicht verfehlt werden.

• Zeitverzögerte Einträge lassen sich nur erkennen, wenn das Gewässer gemeinsam mit seinem Standort betrachtet wird.

Für den Schutz der Gewässer kommt es deshalb darauf an, Kleingewässer nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit ihrem Standort zu betrachten. Entscheidend ist nicht nur, dass ein Kleingewässer innerhalb oder an Rand einer landwirtschaftlichen Fläche liegt. Wichtig ist auch, wie eng es über Drainagen, Bodenwasser oder oberflächennahes Grundwasser mit den umliegenden Flächen verbunden ist. Diese Verbindungen beeinflussen maßgeblich, wann und auf welchem Weg Pflanzenschutzmittel im Gewässer auftreten.

Praktische Ansatzpunkte gibt es vor allem dort, wo Eintragspfade beeinflusst werden können. Pufferstreifen, dauerhafte Vegetation am Gewässerrand und eine angepasste Bodenbearbeitung können Abdrift, Oberflächenabfluss und Sedimenteinträge verringern. Bei Einträgen über Drainagen oder oberflächennahes Grundwasser stoßen solche Maßnahmen dagegen an Grenzen. Dann werden Standortkenntnis, Beratung sowie die Wahl von Wirkstoff und Anwendungstermin besonders wichtig, etwa vor angekündigten Starkniederschlägen oder bei bereits wassergesättigten Böden.

Wie weit reichen die Erkenntnisse?

Die Ergebnisse beruhen auf zwei intensiv untersuchten Kleingewässern im norddeutschen Tiefland. Übertragbar sind daher vor allem die beschriebenen Prozesse, nicht jedoch die einzelnen Messwerte. Entscheidend ist die gemeinsame Betrachtung von Gewässer, angrenzenden Böden, oberflächennahem Grundwasser, Drainage und Bewirtschaftung.

Unter vergleichbaren Rahmenbedingungen, etwa bei oberflächennahem Grundwasser, Drainagen oder starken saisonalen Wasserstandsschwankungen, können ähnliche Eintrags- und Transportprozesse auftreten. Das gilt auch für Nährstoffe oder andere potenzielle Schadstoffe, die über ähnliche Wasserwege transportiert werden.

Fazit

Kleingewässer sind aktive Schnittstellen im Stoffhaushalt der Agrarlandschaft. Sie können Pflanzenschutzmittel und ihre Transformationsprodukte aufnehmen, zeitweise zurückhalten und unter bestimmten Bedingungen wieder weitergeben. Welche Rolle ein Gewässer übernimmt, hängt vom konkreten Standort ab. Wasserwege, Verweilzeit, Stoffeigenschaften und Bewirtschaftung bestimmen gemeinsam, ob Rückstände eher gespeichert, weitergeleitet oder zeitversetzt wieder mobilisiert werden. Kleingewässer können damit je nach Standort und Situation Senken, Zwischenspeicher und sekundäre Quellen sein. Befunde im Wasser sollten deshalb standortbezogen eingeordnet werden, da der Blick auf die letzte Anwendung allein nicht immer ausreicht. Gerade weil die vielen Kleingewässer ökologisch wertvolle und naturschutzfachlich relevante Landschaftselemente sind, sollten sie stärker in Beratung, Monitoring und Flächenmanagement berücksichtigt werden. So lassen sich Risiken besser bewerten und der Gewässerschutz gezielter mit der landwirtschaftlichen Praxis verbinden.

Ein Staatssekretär wird Umweltaktivist

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Der „ewige“ Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, dankt ab. Doch noch ist die Zeit nicht reif für einen Nachruf. Flasbarth wechselt lediglich die Seiten. Medienberichten zufolge heuert der 64-Jährige als Chef bei der European Climate Foundation (ECF) mit Sitz in Den Haag an. Für Kritik sorgt der direkte Wechsel aus der Politik in den Umweltlobbyismus. Doch darin hat Flasbarth Übung.

Er formte aus dem mitgliederstarken, aber unscheinbaren Natuschutzbund Deutschland (Nabu) ab 1992 eine schlagkräftige Umweltschutzlobby. Der Erfolg verhalf ihm 2003 zum Posten eines Abteilungsleiters im Bundesumweltministerium und 2009 zum Präsidentenschreibtisch im Umweltbundesamt (UBA). 2013 kehrte er unter Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) als Staatssekretär zurück. Flasbarth ist das 1,5-Grad-Ziel im Pariser Klimaabkommen zu verdanken. Großen Einfluss übte er auf die Energiewende, die Strategie zur biologischen Vielfalt, das Klimaschutzprogramm 2030, das Aktionsprogramm Insektenschutz, das nationale Gentechnik-Moratorium oder kürzlich noch das Thema Düngerecht aus.

Der Mann aus dem Pott scheut keine Provokation. Als Nabu-Chef formulierte er 2001: „Wir betreiben eine Landwirtschaft, die von Agrarökonomen gedacht wird, die von Chemikern bedient wird und der die Biologie abhandengekommen ist.“ 2013 gab das UBA eine Broschüre zum Klimawandel heraus, die klimawandelkritische Journalisten namentlich an den Pranger stellte. Zur Hilfe kam Flasbart das Verwaltungsgericht Halle, das eine Klage mit der interessanten Begründung abwies, das UBA sei nicht zur Neutralität verpflichtet. 2017 initiierte das Umweltministerium unter Flasbarth eine Plakatkampagne mit angeschärften Bauernregeln: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist die Schweinezucht zu klein.“

Auch Josef Tumbrinck wechselte vom Nabu ins Umweltministerium, Jennifer Morgan von Greenpeace International ins Außenministerium, Silvia Bender vom Bund für Umwelt und Naturschutz zu Agrarminister Özdemir. Niemand aber wechselt so nonchalant wie Flasbarth. Jetzt also die ECF. Gefördert durch US-Großstiftungen setzt die Organisation mit 273 Mitarbeitern vor allem auf Europa. Ihre Roadmap 2050 zur Dekarbonisierung der Wirtschaft gilt als einflussreich. Die wichtigste europäische Klimastiftung begleitete den Green Deal und die Klimagesetzgebung mit Analysen und Lobbyarbeit über geförderte Partner. Auch ihretwegen sind Europas Energiepreise deutlich höher als die der USA. Mit einem Jahresbudget von 258 Mio. € finanziert sie Umweltverbände, Denkfabriken, Forschungsinstitute und Bürgerinitiativen. Die ECF unterstützt das Oxford Climate Journalism Network. Sie gründete die Denkfabrik Agora Energiewende mit.

Flasbarth – genauer: das Bundesumweltministerium – förderte die ECF im vorigen Jahr mit knapp 670.000 €. Das ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Doch wertvoller ist ein ehemaliger Staatssekretär, der das Ministerium von innen kennt. Flasbart ist ideologisch gefestigt, taktisch versiert und fachlich schwer zu schlagen. Sein Einfluss auf Interessenvertreter und Journalisten ist groß. Für die ECF ist er ein Glücksgriff. Der scheidende Staatssekretär ändert seine Position, sein Einfluss bleibt. Mit dem Wechsel rücken staatliche Klimapolitik und private Unterstützer noch enger zusammen. Demokratie geht anders, doch Kritik an seinem Aktivismus hat Flasbarth noch nie gestört.

Viele Landwirte hätte ihm den zumindest aus Sicht der Umweltlobby wohlverdienten Ruhestand ebenso gegönnt.

Düngeverordnung – aktueller Stand

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Derzeit erreicht die Landwirtschaftskammer täglich eine Vielzahl an Nachfragen zur Weiterentwicklung der Düngeverordnung, insbesondere aufgrund aktueller Presseberichte.

Hintergrund ist, dass sich die Agrarminister der Bundesländer darauf verständigt haben, welcher Weg zur Neuausrichtung des Düngerechts beschritten und weiterverfolgt werden soll. Diskutiert werden verschiedene Varianten mit und ohne die Ausweisung von Roten Gebieten und der Möglichkeit einer Wahlfreiheit der Bundesländer für eine Variante. Für die Praxis in Schleswig-Holstein bleiben die allgemeinen Vorgaben der bundesrechtlichen Düngeverordnung maßgeblich. Die zusätzlichen Anforderungen in den Roten Gebieten werden aktuell nicht vollzogen. Diskutierte Änderungen sind noch keine verbindlichen Vorgaben. Die LKSH begleitet den Prozess fachlich, sofern möglich, verfolgt die Entwicklungen und informiert, sobald konkrete Änderungen und deren Auswirkungen für die Betriebe fest­stehen.