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PSM-Dokumentation: Neue Vorgaben ab 2026

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Berufliche Anwender von Pflanzenschutzmitteln sind seit Jahren verpflichtet, jeden Pflanzenschutzmitteleinsatz vollständig zu dokumentieren. Diese Pflicht ergibt sich aus Artikel 67 der EU- Verordnung (EG) 1107/2009 sowie dem § 11 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG). Bisher beinhalteten diese Aufzeichnungen Angaben zur Bezeichnung des Pflanzenschutzmittels, zum Zeitpunkt der Anwendung, zur verwendeten Menge, zur behandelten Fläche und zu der Kulturpflanze, für die das Pflanzenschutzmittel verwendet wurde. Seit dem 1. Januar 2026 sind nun neue rechtliche Vorgaben für die Dokumentation in Kraft getreten.

Weiterhin müssen von beruflichen Anwendern alle Pflanzenschutzmittelanwendungen lückenlos erfasst werden, allerdings muss die Dokumentation jetzt deutlich umfassender sein. Grundlage hierfür ist die Durchführungsverordnung (EU) 2023/564 der Kommission vom 10. März 2023. Im Rahmen dieser Verordnung werden die Anforderungen an die Aufzeichnungen über Pflanzenschutzmittel in der gesamten EU neu geregelt und konkretisiert. Zusätzlich schreibt die oben genannte Durchführungsverordnung vor, dass diese Aufzeichnungen künftig in einem elektronischen, maschinenlesbaren Format geführt werden müssen.

Eine bereits beschlossene Änderung im ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel der EU ­(SCoPAFF) hat den Mitgliedstaaten gestattet, die Verpflichtung zur elektronischen Aufzeichnung in einem maschinenlesbaren Format um ein Jahr auf den 1. Januar 2027 zu verschieben. Davon wurde in Deutschland Gebrauch gemacht, sodass die elektronische, maschinenlesbare Form bei uns erst ab diesem Stichtag verpflichtend wird. Dennoch ist die Empfehlung, sich ungeachtet der Fristverlängerung bis zum 1. Januar 2027 frühzeitig mit der elektronischen Dokumentation von Pflanzenschutzmittelanwendungen auseinanderzusetzen. ­Zusammengefasst: Seit dem 1. Januar 2026 müssen alle Pflanzenschutzanwendungen gemäß den neuen gesetzlichen Vorgaben vollständig und umfassend dokumentiert werden. Die elektronische, maschinenlesbare Form wird ab dem 1. Januar 2027 verbindlich. 

Es ist gesetzlich vorgegeben, dass die Pflanzenschutzmittelaufzeichnungen unverzüglich geführt werden müssen. Der Begriff „unverzüglich“ bedeutet, dass eine Handlung so schnell erfolgt wie unter den gegebenen Umständen möglich, ohne schuldhaftes Zögern.

Wird die Anwendung zunächst nicht elektronisch erfasst, muss spätestens innerhalb von 30 Tagen eine Umwandlung in ein elektronisches, maschinenlesbares Format erfolgen – dies gilt verbindlich erst ab dem 1. Januar 2027.

Die Pflanzenschutzmittelaufzeichnungen sind, wie bisher auch, mindestens drei Jahre lang aufzubewahren. Die Frist wird gerechnet ab Beginn des Folgejahres nach Entstehung der Daten. Das heißt, die Anwendungen aus dem Jahr 2025 sind bis Ende 2028 aufzubewahren.

Die seit dem 1. Januar 2026 geforderten Angaben sind in Tabelle 1 aufgeführt. Die bisherigen gesetzlichen Anforderungen bleiben darüber hinaus auch weiterhin bestehen.

Die Aufzeichnungen müssen der zuständigen Behörde, in Schleswig-Holstein ist das der Pflanzenschutzdienst bei der Landwirtschaftskammer, nur auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden. Es gibt keinen automatischen Abruf der Daten. Die Aufzeichnungen können im Rahmen von Fachrechtskontrollen vom Pflanzenschutzdienst geprüft werden.

Nicht aufzeichnungspflichtig ist der Zweck der Anwendung, zum Beispiel der Schaderreger, gegen den die Anwendung gerichtet war. Aus betrieblichem Interesse, insbesondere zur langfristigen Erfolgskontrolle und zum Resistenzmanagement, ist es empfehlenswert, die Indikation trotzdem mit aufzuzeichnen.

Neue Angaben im Überblick

EPPO-Code:

Der EPPO-Code ist ein standardisiertes alphanumerisches Codierungssystem der Europäischen und Mediterranen Organisation für Pflanzenschutz (EPPO). Damit werden jede Pflanze und jeder Schaderreger in Kurzform codiert. Das System erleichtert den internationalen Austausch relevanter Informationen und kann für jede Kulturpflanze unter https://gd.eppo.int/ recherchiert werden. Im Rahmen der Dokumentation sollen die EPPO-Codes der behandelten Kulturpflanze aufgezeichnet werden, nicht die der Schaderreger. Einige Beispiele für EPPO-Codes, die in der Landwirtschaft und im Gartenbau am häufigsten vorkommen, finden sich in Tabelle 2.

Es wird empfohlen, die EPPO-Codes so zu dokumentieren, wie die eingesetzten Pflanzenschutzmittel zugelassen sind. Das heißt, wenn ein Pflanzenschutzmittel zum Beispiel für die Anwendung in Zierpflanzen zugelassen ist, dann lautet der EPPO-Code NNNZZ für Zierpflanzen. Ist die Zulassung beschränkt auf eine bestimmte Kultur innerhalb der Zierpflanzen, dann sollte auch nur der EPPO-Code dieser Kultur verwendet werden, zum Beispiel Kultur Weihnachtsstern, EPPO-Code EPHPU.

BBCH-Stadium:

Die BBCH-Stadien sind ein standardisiertes System zur Beschreibung der unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Pflanzen. Diese Entwicklungsstadien sind unterteilt in zehn Makrostadien mit weiteren Mikrostadien. Die BBCH-Skala dient der vereinfachten Beschreibung des Entwicklungsstandes der Kulturpflanzen. Sie wurde entwickelt, um die Entwicklungsstadien von Pflanzen einheitlich zu codieren, und wird für viele landwirtschaftliche Kulturpflanzen sowie für Obst und Beeren verwendet. Entsprechende Übersichten zu den unterschiedlichen BBCH-Stadien finden sich zum Beispiel auf den Internetseiten des Julius-Kühn-Institutes unter: https://t1p.de/cr73z

Bei der Dokumentation muss das jeweilige BBCH-Stadium nur angegeben werden, wenn die Anwendung des Pflanzenschutzmittels auf bestimmte Entwicklungsstadien begrenzt ist. So ist zum Beispiel bei bestimmten Wachstumsreglern der Einsatz begrenzt auf den Zeitraum zwischen dem Beginn der Bestockung bis zum Ein-Knoten-Stadium oder bei einigen Insektiziden die Anwendung nur bis ES 59 erlaubt. Nur in diesen Fällen ist die Angabe des BBCH-Stadiums relevant und erforderlich.

Flächenangabe:

Bisher war es ausreichend, wenn die betriebsinterne Flächenbezeichnung, zum Beispiel „Hinterm Hof“, verwendet wurde, um die behandelte Fläche zu dokumentieren.

Betriebe, die einen Sammelantrag stellen, müssen nun als Flächenangabe die Flächeneinheit aus dem geodatenbasierten Beihilfeantrag in der Dokumentation angeben (FLIK-Nummer). In Betrieben, die keinen Sammelantrag stellen, kann die betriebsinterne Flächenbezeichnung aktuell weiter genutzt und, wenn möglich, einer Georeferenz zugeordnet werden (GPS-Punkt).

Startzeitpunkt (Uhrzeit):

Neben dem Datum der Anwendung ist nun gegebenenfalls auch der Startzeitpunkt der Anwendung zu dokumentieren. Dies ist insbesondere dann erforderlich, wenn die Anwendung des Pflanzenschutzmittels auf ein im Rahmen der Zulassung festgesetztes Zeitfenster beschränkt ist. So dürfen zum Beispiel Pflanzenschutzmittel mit der Kennzeichnung NB6621 auf blühenden oder von Bienen beflogenen Pflanzen erst nach dem täglichen Bienenflug bis 23 Uhr angewendet werden. Auch für den Einsatz bestimmter clomazonehaltiger Pflanzenschutzmittel gibt es im Rahmen der Anwendungsbestimmung NT127 zeitliche Vorgaben, die einzuhalten und dann auch mit dem Startzeitpunkt der Anwendung zu dokumentieren sind.

Zulassungsnummer

Die genaue Bezeichnung des verwendeten Pflanzenschutzmittels gehört schon seit vielen Jahren zu den geforderten Angaben im Rahmen der Dokumentation. Seit dem 1. Januar 2026 muss neben dem Mittelnamen nun auch die Zulassungsnummer des verwendeten Pflanzenschutzmittels dokumentiert werden. Damit eine eindeutige Identifikation möglich ist, erhält ein Pflanzenschutzmittel im Rahmen der Zulassung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eine einmalige, achtstellige Zulassungsnummer, die auf jedem Pflanzenschutzgebinde oder Etikett aufzudrucken ist. 

Die ersten beiden Ziffern der Zulassungsnummer sind die sogenannten Generationsnummern. Sie geben Aufschluss über eine mögliche Anschlusszulassung des Pflanzenschutzmittels. Diese Anschlusszulassungen werden wie neue Zulassungen behandelt, da häufig Umformulierungen stattgefunden haben oder andere Beistoffe verwendet wurden. Dabei kann es, wie in dem folgenden Beispiel dargestellt, auch passieren, dass zeitgleich zwei Zulassungen angewendet werden können.

In einigen Fällen gibt es zwischen den beiden namentlich gleichen Mitteln Unterschiede in den Anwendungsgebieten oder den Anwendungsbestimmungen.

So ist das im Beispiel genannte Mittel Boxer mit der Zulassungsnummer 043838-00 in Wintergetreide und Kartoffeln zugelassen, nicht aber in Ackerbohnen. Diese dürfen im Rahmen der Aufbrauchfrist nur noch mit Boxer mit der Zulassungsnummer 033838-00 behandelt werden. Ein genauer Blick in die aktuelle Gebrauchsanweisung des verwendeten Pflanzenschutzmittels ist daher empfehlenswert.

Anwendungen durch Dritte

Zunächst müssen Unternehmen, die für andere Pflanzenschutzmittel anwenden, ihre Tätigkeit beim Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein angezeigt haben.

Verantwortlich für die Dokumentation ist nach den gesetzlichen Vorgaben der berufliche Anwender, das ist in der Regel der Fahrer der Pflanzenschutzspritze.

Der Dienstleister muss vollständige und ordnungsgemäße Aufzeichnungen nach den aktuell gültigen Vorgaben führen. Außerdem ist vorgeschrieben, dass der auftraggebenden Person vom Dienstleister unverzüglich und uneingeschränkt Zugang zu den Aufzeichnungen gewährt oder eine Kopie der Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt wird. Die Angaben sollten von der auftraggebenden Person auf Vollständigkeit und Plausibilität überprüft werden, da die Dokumentation auch im Rahmen der Konditionalität überprüft wird.

Was passiert ab 2027?

Mit dem Inkrafttreten der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2203 der Kommission vom 31. Oktober 2025 ergeben sich ab dem 1. Januar 2027 bedeutende Änderungen hinsichtlich der elektronischen Dokumentationsform für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Ab diesem Datum sind sämtliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln verpflichtend in elektronischer und maschinenlesbarer Form zu dokumentieren. Wird die Anwendung zunächst nicht elektronisch erfasst, muss spätestens innerhalb von 30 Tagen eine Umwandlung in ein elektronisches, maschinenlesbares Format erfolgen. 

Für die Erfüllung der digitalen Dokumentationspflicht ab 2027 können Betriebe zum Teil auf bereits etablierte Lösungen zurückgreifen. Viele gängige Ackerschlagkarteien erfüllen in der Regel die Anforderungen der neuen Dokumentationspflichten und bieten bereits zum jetzigen Zeitpunkt eine zuverlässige Möglichkeit zur Erfassung relevanter Daten.

Für Betriebe, die bisher ohne digitale Ackerschlagkartei arbeiten und nur in einem überschaubaren Rahmen Pflanzenschutzmittel anwenden, bietet sich die kostenfreie Nutzung des Programms PSM-DOK an (https://psmdok.de/). Darüber hinaus wird auf Bundesebene an dem Programm DiPAgE (Digitale Pflanzenschutz-Anwendungsdaten-Erfassung) gearbeitet. Dieses soll im Laufe des Jahres 2026 kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Fazit

Die neuen Anforderungen im Bereich der Dokumentation von Pflanzenschutzmitteln stellen die Betriebe seit dem 1. Januar 2026 vor neue Herausforderungen. So müssen die bisherigen Angaben zum Pflanzenschutzmitteleinsatz konkretisiert und bei Relevanz entsprechend zusätzliche Punkte dokumentiert werden. Ab 2027 darf die Dokumentation nur noch in einem elektronischen, maschinenlesbaren Format erfolgen. Es wird empfohlen, sich schon im Laufe dieses Jahres mit den entsprechenden Programmen vertraut zu machen.

Das gezeichnete Leben eines großen Erzählers

„Es war einmal …“, mit diesen Worten beginnen meist uns bekannte Märchen. Im Günter Grass-Haus in Lübeck betiteln sie eine neue Sonderausstellung, die einem der bedeutendsten Bilderbuchkünstler unserer Zeit gewidmet ist: Helme Heine.

„Lübecker Freunde“ lautet der Titel dieser Zeichnung.
Foto: Helme Heine Art

„Echte Freunde sind unbesiegbar“ – so lautet das Credo der drei Freunde Johnny Mauser, Franz von Hahn und Schwein Waldemar aus Mullewapp. Die von Helme Heine geschaffenen Figuren durchleben in vielen Geschichten Höhen und Tiefen des Lebens. Jeder hat sofort die drei vor Augen, wie sie mit dem Fahrrad durch die Landschaft fahren – Franz von Hahn sitzt auf dem Lenker, Johnny und Waldemar jeweils auf einem der Pedale. Auch der kleine grüne Drache Tabaluga aus dem Rockmärchen von Peter Maffay, Rolf Zuckowski und Gregor Rottschalk wurde von Helme Heine und seiner Frau Gisela von Radowitz erschaffen und ist wie die Freunde weltbekannt.

Helme Heine verstarb im vergangenen Jahr im November in seiner Wahlheimat Neuseeland. Die Ausstellung ist eine erste Retrospektive nach seinem Tod und lässt die immense Bandbreite seines künstlerischen Schaffens lebendig werden. Neben den bekannten Kinderbuchfiguren und Klassikern seiner Schaffenszeit sind vor allem neuere Arbeiten von Helme Heine zu sehen, die sich mit aktuellen Themen beschäftigen, die dem Künstler am Herzen lagen: die Folgen der Klimakrise, die Risiken Künstlicher Intelligenz, die anhaltende Ungleichheit der Geschlechter, Migration, Demokratie und Frieden. Mit seinem charakteristisch feinen Humor hält er uns zeichnerisch den Spiegel vor und bringt mit Linien und Farben seine Gedanken zu Papier. „Das ist das Beeindruckende an Helme Heine, dass er bei aller Kritik an vielen Dingen trotzdem immer auch ein Stück Optimismus und Fröhlichkeit in seine Werke gebracht hat“, zeigte sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther bei der Eröffnung der Ausstellung Ende April begeistert. Gerade in diesen Zeiten, in denen man angesichts all der Verrücktheiten in der Welt lieber Trübsal blasen wolle, sei es wichtig, sich ein bisschen Humor und Optimismus zu bewahren.

Kurator Carl Manzey (li.) und Helme Heines Sohn Christoph von Radowitz gaben bei der Vernissage Einblicke in die Ausstellung und in die Arbeit Helme Heines.
Foto: Iris Jaeger

„Er hat viel mehr Zeit damit zugebracht, eine Idee zu entwickeln, als damit, sie am Ende umzusetzen“, wusste Helmes Sohn Christoph von Radowitz zur Vernissage von der Arbeit seines Vaters zu berichten. Das sei auch bei den Werken so gewesen, die er auf Anfrage extra für das Günter Grass-Haus angefertigt hat und die auf den Nobelpreisträger sowie auf die Stadt Lübeck Bezug nehmen: Die Freunde vor dem Holstentor, ein Butt am Haken von Grass, der auf einem Buch steht, der kleine Oskar Matzerath, der mit seiner Blechtrommel wie der Rattenfänger von Hameln politisch und gesellschaftlich kritische Bücher vom Holstentor weglockt – allesamt ein Ausdruck besonderer Wertschätzung für Günter Grass und die Stadt Lübeck.

Erstmals werden diese Arbeiten in der Ausstellung präsentiert und durch Dokumentationen ergänzt, die den letzten, bewegenden Besuch der Kuratoren Carl Manzey, wissenschaftlicher Volontär im Günter Grass-Haus, und Dr. Jörg-Philipp Thomsa, Direktor des Günter Grass-Hauses, beim Künstler im bayerischen Prutting kurz vor seinem Tod zeigen. Ein Besuch, der die Arbeit an der Ausstellung auf besondere Weise prägte und inspirierte, „eben weil es darum geht, das Werk von Helme Heine und sein Lebenswerk hier abzubilden“, so Manzey.

„Die Freunde vor dem Holstentor“
Foto: Helme Heine Art

Umso mehr habe es ihn gefreut, als Carola und Christoph von Radowitz ihm gerührt attestierten, dass die von ihm kuratierte Ausstellung die Seele Helme Heines widerspiegele. Heines Zweifel zu Lebzeiten, das geschriebene Wort, das Handgeschriebene würden sterben, die Bilderwelt und die KI würden das Wortzeitalter ablösen und Lesen sei nicht mehr in, konnte Buchautorin und Illustratorin Cornelia Funke in einer Gesprächsrunde mit Daniel Günther und Dr. Jörg-Philipp Thomsa im Rahmen der Ausstellungseröffnung widerlegen: „Ich glaube, dass das Wort auf so viele Weisen lebt. Eigentlich geht es auch gar nicht so sehr nur um Worte, sondern vielmehr um Geschichten. Ich glaube, wir alle brauchen und wollen ständig Geschichten, die ganze Welt ist aus Geschichten gemacht.“

Bis zum 10. Januar 2027 können kleine und große Besucher auf eine farbenfrohe und poetische Entdeckungsreise durch die Bilderwelt Helme Heines gehen. Weitere Informationen finden sich auch unter www.grass-haus.de

Die Eröffnungsveranstaltung im Lübecker Günter Grass-Haus war sehr gut besucht.
Foto: Iris Jaeger
Auch das war Helme Heine: Kreativ-fantasievoll mit einer feinen Prise Humor brachte er seine Gedanken zu aktuellen Themen wie der Klimakrise zu Papier.
Foto: Iris Jaeger
Museumsdirektor Dr. Jörg-Philipp Thomsa, Buchautorin und Illustratorin Cornelia Funke und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (v. li.) unterhielten sich über das Lesen, über aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehnisse und Helme Heines Zweifel zur Zukunft von Büchern und Handgeschriebenem.
Foto: Iris Jaeger
Cornelia Funke im Gespräch mit einem ihrer jungen Fans.
Foto: Iris Jaeger
Cornelia Funke, bekannt unter anderem für ihre Tintenwelt-Reihe, signierte im Garten des Günter Grass-Hauses Bücher.
Foto: Iris Jaeger
„Der Butt am Haken“ – Eines der Bilder, die Helme Heine eigens für das Günter Grass-Haus anfertigte und Bezug auf den Nobelpreisträger und dessen Werke nimmt.
Foto: Helme Heine Art
Der kleine grüne Drache Tabaluga stammt ebenfalls aus der Feder Helme Heines und dessen Frau Gisela von Radowitz
Foto: Helme Heine Art
Helme Heine „Es war einmal …“, so lautet auch der Titel der Sonderausstellung im Günter Grass-Haus, die bis 10. Januar 2027 zu sehen ist.
Foto: Helme Heine Art
Im Zentrum der Ausstellung stehen Angebote für Kinder. Herzstück ist ein begehbares „Mullewapp“-Dorf aus Holz.
Foto: Iris Jaeger
Eines der „Freunde“-Motive, das an die Bremer Stadtmusikanten erinnert, nur dass das kleinste Tier unten ist und das größte und schwerste oben.
Foto: jae/Illustration: Helme Heine


Messe Outdoor: Hauptsache draußen sein

Auf der diesjährigen Outdoor wurde über aktuelle Themen aus Jagd, Angeln und Umwelt gesprochen. Die Outdoor-Messe für Jäger, Angler und naturbegeisterte Menschen war nicht nur für die ganze Familie einen Besuch wert, sondern auch ein Einkaufserlebnis der besonderen Art. Im teilweise internationalen Angebot von Waffen- und Angeltechnik bis Camping- und Outdoorausrüstung, vom Angelschirm bis zum Luxuscamper war für fast jeden Geschmack und Geldbeutel etwa dabei. So manches Messeschnäppchen fand dabei seinen Liebhaber.

Hinter und neben den Ausstellungshallen allerdings gab es jede Menge Fachvorträge, spannende Reiseerlebnisse und Tipps für die nächste eigene Reise. Auch ging es um brandaktuelle Fragen, die durchaus emotional und heiß diskutiert wurden und sich sozusagen direkt vor der eigenen Haustür abspielen.

Prädatoren und Neozoen sorgen für Probleme

Wels in der Dose? „Nein, aber ein kleines, originelles Geschenk für Angler“, schmunzelt Stefan Buschmann. Die Dose verbirgt einen Gürtel mit Fischmotiv auf der Schnalle.
Fotos: Ralf Seiler

In den Diskussionen bewegten Themen wie die Entwicklung und Ausbreitung von Prädatoren, also Räubern am Ende der Nahrungskette wie dem Wolf, ersten Goldschakalen im Land oder bei den Anglern, Fischern und Teichbewirtschaftern der Kormoran und der Fischotter. Ein Dutzend vom Wolf gerissene Schafe seien nun einmal ein Trauerspiel für den Halter und seine Familie, hieß es da aus den Reihen der Jägerschaft. Die erhalte jetzt Rechtssicherheit, wenn es etwa um die Entnahme, also die Erlegung eines sogenannten Problemwolfs gehe, erklärte hierzu Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Der Wolf sei nicht nur flächendeckend zurück im Land, sondern aktuell auch im Jagdrecht. Hierbei gehe es um kluge und angemessene Entscheidungen ohne Ideologie. Allerdings schreibt nicht nur der Wolf seine ganz eigene „Erfolgsgeschichte“, war zu erfahren. So zählt der Kormoran als Fisch fressender Großvogel mit einem Tagesbedarf von etwa 300 bis 500 g Fisch pro Tag bei größeren Ansammlungen zu den echten Problemarten. „Allerdings gehört der Kormoran auch als alte heimische Art in die Landschaft“, meinte hierzu Johannes Radtke vom Landesangelverband (LAV). Nur müssten eben Regelungen für den Umgang mit ihm an sensiblen Fließgewässern mit Kieslaichern wie der Bachforelle, Äschen oder dem Lachs geschaffen werden. Auch der inzwischen wieder landesweit vertretene Fischotter habe mit geschätzt etwa 1.500 Tieren Potenzial, den letzten Teichbewirtschaftern Sorgenfalten auf die Stirn zu zeichnen, weiß Radtke. Überhaupt haben die sogenannten Neozoen zugenommen, zu denen auch Waschbär, Marderhund, sogar der Bisam und zuletzt der Nutria zählen. Besonders der pflanzenfressende Nutria hat allerdings echtes Sprengpotenzial. Mit einer extremen Vermehrungsrate von zwei bis drei Würfen mit je fünf bis acht Jungen pro Jahr und einer Geschlechtsreife mit nur etwa einem halben Jahr stelle der Einwanderer durch seine Grabtätigkeit besonders für Ufer und Deiche eine Gefahr dar, meinte hierzu auch Olaf Weddern von der Wildtierrettung Segeberger Heide. Dabei zeige sich der immerhin 4 bis 8 kg schwere Pflanzenfresser mit seinen langen, messerscharfen Vorderzähnen durchaus als ernst zu nehmender Gegner, selbst für gestandene Jagdhunde. Der ein wenig tollpatschig und plump wirkende Marderhund, der seinen Weg aus Pelztierfarmen in das Land gefunden hat, verdrängt möglicherweise den Rotfuchs. Der muss sein Revier außerdem inzwischen wieder mit dem Wolf, aber eben auch Marderhund, Waschbär und sogar Goldschakal teilen.

Invasive Arten bereiten nicht nur an Land Sorgen

In den Flüssen und Kanälen vermehren sich ursprünglich in Osteuropa heimische kleine Grundeln explosionsartig. Hinzu kommen Arten wie der Wolga-Zander oder die Pazifische Auster in der Nordsee. All das sorge für Verschiebungen, die besondere Herausforderungen für die Fachverbände der Jäger und Angler darstellten, hieß es auf der Messe. Dem mit gesundem Augenmaß entgegenzutreten, erfordere eine gute und kluge Zusammenarbeit mit den hier engagierten Verbänden und der Landespolitik. Die im Norden Deutschlands einzigartige Messe Outdoor sei daher auch diesbezüglich eine willkommene Gelegenheit, Gespräche auf Augenhöhe zu führen, sagten Vertreter aus der Jägerschaft, der Angler, der Landwirte und aus der Politik.

Ein toller Tag für die ganze Familie, meint Krabbenfischer und Jäger Sven Jensen, der sich von Pellworm aus auf den Weg in die Holstenhallen gemacht hatte und die Messe mit Sohn Fritz (7) und Tochter Emmy (10) besuchte. Bei Hutmacherin Karin Zeisberger wurden die drei fündig.

Im Einsatz für Frühchen und Frauensicherheit

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Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen (OV). Sie vermitteln Informationen über Fort- und Weiterbildungen und übergreifende Veranstaltungen und regen den Austausch und die Vernetzung untereinander an. Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände vorgestellt – heute: der KLFV Dithmarschen.

„Wir kümmern uns auch um sozialkritische Themen, die nicht lustig sind, wir sind kein Spaß­verein“, sagt Nicole von Eitzen (OV Hennstedt), erste Ansprechpartnerin im Teamvorstand des KLFV Dithmarschen. Größtes aktuelles Thema: Das Perinatalzentrum im Westküstenklinikum Heide droht endgültig geschlossen zu werden. Zwar kann dort weiterhin entbunden werden, doch Frühchen würden nicht mehr versorgt. Die nächsten Standorte dafür sind Itzehoe, Flensburg oder Kiel. Inzwischen ist die Herabstufung des Perinatalzentrums in Heide aufgrund geringer Frühchenzahlen bereits erfolgt, doch sind ein Eilantrag des Krankenhauses und Klagen von Politikern beim Bundesverfassungsgericht in der Schwebe.

Öffentlichkeit schaffen

Die Schließung zu verhindern, ist ein Hauptanliegen des KLFV Dithmarschen gemeinsam mit dem KLFV Nordfriesland. Sie haben zwei Podiumsdiskussionen organisiert und eigens dafür ein Plakat entworfen. In Meldorf waren Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs dabei, der Chefarzt für Kinderheilkunde des Westküstenklinikums, Dr. Thorsten Wygold, Landtagsabgeordnete, weitere Fachleute und Politiker. Hebammen, Krankenschwestern und -pfleger sowie betroffene Eltern waren stark vertreten. In Mildstedt bei Husum fand die zweite Podiumsdiskussion mit dem KLFV Nordfriesland statt. „Gehört werden wir schon, aber keiner will es bezahlen“, sagt Ulrike Ruge, die zweite Ansprechpartnerin des KLFV Dithmarschen, und von Eitzen ergänzt: „Das Krankenhaus wird abgestraft für seine gute Arbeit!“

Öffentlichkeit herzustellen ist für die LandFrauen die beste und vielleicht einzige Methode, hier noch etwas zu bewegen. Als weiteren Beitrag haben sie im vergangenen Jahr ein Benefizkonzert mit dem Watt’n Chor in Wöhrden veranstaltet, der Erlös von 2.250 € wurde für die Anschaffung einer Kühlmatte für gestorbene Frühchen gespendet, damit sich die Eltern gebührend verabschieden können.

Frühchen im Perinatalzentrum Heide Foto: Göntje Engel

Ein weiteres „nicht lustiges“ Thema, mit dem sich die LandFrauen befassen, ist Gewalt gegen Frauen. An den LandFrauenverband Schleswig-Holstein haben sie Anträge gestellt, Aktivitäten zu forcieren, die zum Ziel haben, Femizide zu verhindern – also Tötungsdelikte, die an Frauen aufgrund ihres Geschlechts begangen werden – sowie Stalking früher zu ahnden. „Bisher kann man sich erst nach sechs Monaten an die Polizei wenden, da ist eine Gewaltspirale oft schon in Gang gekommen“, erklärt Ruge. Auch Stalking über Soziale Medien soll stärker ins Visier genommen werden.

Gesundheit und Spaß

Gesundheitsthemen stehen auch auf Kreis- und Ortsvereinsebene vornan, vor allem bei der Prävention: über Autofahren im Alter, zur Vorsorge gegen Sturz, gegen Brustkrebs, aber auch gegen Hodenkrebs. „Auch Männer kommen zu unseren Veranstaltungen“, sagt von Eitzen, und Ruge merkt scherzhaft an: „Bei einer Brauereibesichtigung kamen etliche.“ Der Umgang mit KI ist ebenso ein aktuelles ernstes Thema wie Aufklärung zum Enkeltrick.

„Kein Spaßverein“ ist natürlich eine provokante Übertreibung: Geselligkeit kommt nicht zu kurz bei den Dithmarscher LandFrauen, etwa bei Fahrten ins Alte Land, die Lüneburger Heide oder den Spessart oder bei einer Cocktail-Schulung. „Die meisten Ortsvereine feiern derzeit 75-jähriges Bestehen, sie haben sich schnell nach der Gründung des Landesverbandes zusammengeschlossen und die Bildung im ländlichen Raum vorangebracht“, sagt Ruge. Auch die Jungen LandFrauen sind in Dithmarschen aktiv, bieten etwa eine Single-Party an, Yoga am Deich, Ausflüge und Bastel-Treffen sowie Besichtigungen von landwirtschaftlichen Höfen.

Ein fester Termin für die LandFrauen ist der traditionelle Kohlanschnitt, bei dem die Vorsitzende ein Grußwort spricht. Dieses Jahr findet er bereits zum 40. Mal statt, am 22. September in Hemme.

KLFV Dithmarschen

18 Ortsvereine

etwa 2.850 Mitglieder

– Albersdorf-Österdörfer

– Am Klev

– Brunsbüttel

– Büsum

– Burg

– Dellstedt

– Heide

– Hennstedt

– Lunden

– Marne

– Meldorf-Geest

– Meldorf-Marsch

– Nordhastedt

– St. Michaelisdonn

– Süderhastedt

– Tellingstedt

– Weddingstedt

– Wesselburen

Kommt jetzt der Wettermarkt?

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Die durchschnittlichen Erzeugerpreise für B-Weizen auf Landhandelsebene dümpeln seit Monaten auf einem extrem niedrigen Niveau. Die Grenze von 200 €/t wurde Mitte April des vergangenen Jahres ein letztes Mal überschritten und dann nie wieder. Auch an der Warenterminbörse in Paris konnten sich die Kurse der jeweiligen Frontmonate nur vereinzelt und sehr mühselig über der Marke von 200 €/t halten. Grund dafür waren und sind die Rekordernten in allen wichtigen Weizen-Anbauregionen dieser Welt und die damit verbundenen deutlich gestiegenen globalen Endbestände. Diese Erntemengen wiegen so schwer, dass sich die Weizenkurse als relativ resistent gegenüber sämtlichen Marktimpulsen erwiesen haben.

Neue Ernte rückt ins Blickfeld

Normalerweise können die Agrarrohstoffe von internationalen Krisen profitieren. Doch selbst der Iran-Krieg konnte die Weizenkurse nicht zu neuem Leben erwecken, auch weil keine Angebotsknappheit zu befürchten war. So weilt der aktuelle Fronttermin kurz vor seinem Auslaufen weiterhin unter 200 €/t, und die Erzeugerpreise der alten Ernte kommen im Durchschnitt nicht über die 180 €/t. Es besteht auch wenig Aussicht, dass sich hieran noch etwas ändert. Deutlich mehr Dynamik ist derzeit allerdings in den Preisen für die neue Ernte. Hier bewegen sich die durchschnittlichen Erzeugerpreise um gut 10 €/t über dem Niveau der alten Ernte, und auch die Börsenkurse sind im Aufwind. Auch wenn wir von einem zufriedenstellenden Preisniveau noch weit entfernt sind, ist durch das aktuelle Marktumfeld dennoch ein positiver Trend zu verzeichnen. Der Hauptgrund für diese positive Stimmung ist die aktuelle Dürre in wichtigen Anbaugebieten in den USA. Diese Dürre erstreckt sich über die gesamten südlichen Plains, also die Bundesstaaten North Dakota, South Dakota, Nebraska, Kansas, Oklahoma und Texas. Hier wird inzwischen davon ausgegangen, dass ein großer Teil der Dürreschäden irreparabel ist. Entsprechend reagierten die Börsenkurse in Chicago mit deutlichen Ausschlägen. Auch in Europa erhofft man sich nun für die kommende Saison, klassische Exportdestinationen, die zuletzt an die Amerikaner verloren gegangen waren, wieder zurückgewinnen zu können. Daher folgten die Kurse an der Matif den Kursen in Chicago, allerdings nicht in vollem Umfang. Etwas gedämpft wurden die Kurse in Europa durch die zuletzt weiter nach oben korrigierte kommende europäische Weizenernte.

Weizenproduktion sinkt in wichtigen Exportnationen

Das USDA hat in dieser Woche einen ersten Ausblick auf die kommende globale Weizenernte gegeben. In Europa bleibt die kommende Weizenernte trotz der letzten Korrekturen deutlich hinter der des Vorjahres zurück. Ebenso verhält es sich in den USA, in Kanada, Australien und Argentinien, Kasachstan und der Ukraine. Hier sind die Rückgänge (außer in den USA) hauptsächlich auf eine geringere Anbaufläche zurückzuführen. In Russland geht man von einer erneut sehr hohen Ernte aus, ähnlich dem Vorjahresniveau. Dies alles führt dazu, dass die globalen Endbestände wieder werden und die Weizenkurse somit wieder „empfänglicher“ für Impulse aus dem Marktumfeld werden. Daher sollten die Entwicklungen in den nächsten Wochen genau im Auge behalten werden. Hier können sich Vermarktungsmöglichkeiten für die neue Ernte ergeben, auch wenn mit großen Preissprüngen realistischerweise nicht zu rechnen ist.

Rekordzubau mit wechselhaften Aussichten

Zahlen zum landes- und bundesweiten Ausbau der Photovoltaik im Jahr 2025 präsentierte der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (LEE SH) in der vergangenen Woche in Kiel. Trotz eines Rekordzubaus im Land gestalten sich Perspektiven und energiepolitische Rahmenbedingungen derzeit herausfordernd.

Der zuletzt vielversprechende Weg beim Ausbau der Photovoltaik aus den vergangenen Jahren relativiere sich inzwischen, schilderte der Geschäftsführer des LEE SH, Marcus Hrach: „Mit 16,4 GWp lagen wir im Jahr 2025 knapp unter dem Höchstwert von 17 GWp aus dem Jahr zuvor.“ Der hohe Zielerreichungsgrad im Gesamtausbau entstehe vor allem durch die Übererfüllung der vergangenen Jahre. Um bis 2030 das bundesweite Ausbauziel von 215 GW zu erreichen, seien laut LEE SH nach den 2025 installierten 117 GW jährlich nun 19,6 GWp an Zubau nötig. Der Anteil Schleswig-Holsteins an der bundesweit installierten Gesamtleistung betrug 3,93 % im Jahr 2025.

Für das nördlichste Bundesland sprach Hrach von einem Rekordzubaujahr mit 822 MWp, somit waren 4,6 GW PV-Leistung im Land 2025 installiert. Damit sei man zwar auf Kurs, jedoch noch ein Stück weit von den durch den LEE SH berechneten notwendigen 10 GW bis 2030 entfernt. Erstmals liege der schleswig-holsteinische Anteil am bundesweiten Zubau über den vom LEE SH als notwendig erachteten 4,65 %. Gut zur Hälfte sei die 2025 neu installierte Leistung auf Gebäuden entstanden. Falle jedoch die Förderung für kleine Dachanlagen weg, wie aktuell von der Bundesregierung geplant, werde es mit der anvisierten etwa hälftigen Verteilung zwischen Dach- und Freiflächen-PV schwierig. „Der Erfolg des weiteren Zubaus hängt nun an der Notwendigkeit eines Rahmenvertrages der Bundesregierung, damit der Ausbau wirtschaftlich tragfähig ist und ins System integriert werden kann“, schilderte Christian Andresen, Vorstandsvorsitzender des LEE SH.

Im Jahr 2025 sind dem Verband zufolge 3,1 Mrd. € an Redis­patch-Kosten aufgewendet worden: „Der Anteil der Erneuerbaren Energien daran beträgt aber nur 433 Mio. €, der Rest entfällt auf fossile Anlagen, die diese hohen Kosten, besonders durch die Gasabhängigkeit, aufgeworfen haben“, verdeutlichte Andresen. Falsche Signale aus der Bundespolitik störten den weiteren Ausbau im Bereich PV empfindlich. Trotz eines schlechten Windjahres 2025 habe vor allem die Einspeiseleistung der Solarenergie dazu beigetragen, die Erneuerbare Stromproduktion hoch zu halten. „Das zeigt, wie wichtig es ist, nicht eine, sondern alle Erneuerbaren Technologien auszubauen“, erläuterte Andresen. In diesem Zuge verwies er auf die Leistungsfähigkeit heutiger Solarmodule: Während für die Erzeugung von 1 MW im Jahr 2008 noch 7 ha benötigt worden seien, könnten heute auf 1 ha bereits 1,3 MW Strom produziert werden.

Austausch, Beschlüsse und echtes Nordsee-Feeling in Heide

Moin aus dem echten Norden! In Heide schlug Ende April das Herz der deutschen Landjugend. Für uns als Landesvorstand der Landjugend Schleswig-Holstein war es eine besondere Ehre: Wir durften die Bundesmitgliederversammlung (Bumi) des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) bei uns in Heide ausrichten.

Schon am Freitagabend füllte sich die Jugendherberge in Heide mit Leben. Aus allen Himmelsrichtungen reisten die Delegierten der Landesverbände an, um gemeinsam die Weichen für die Verbandsarbeit zu stellen. Nach der offiziellen Begrüßung durch den Bundesvorstand und uns als gastgebenden Landesvorstand verwandelte sich der Speisesaal schnell in einen Ort des Austauschs. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie schnell die Distanzen zwi-schen Bayern, Sachsen oder Niedersachsen schmelzen, sobald die ersten Fachgespräche und persönlichen Anekdoten über den Tisch wandern. Das Netzwerken am ersten Abend legte den Grundstein für eine Atmosphäre, die das gesamte Wochenende prägen sollte: konstruktiv, herzlich und tief im Ehrenamt verwurzelt.

Die Bumi-Besucher erkundeten im Watt die Natur bei Wind und Kälte mit allen Sinnen. Foto: BDL/Gräschke

Der Sonnabendvormittag war ganz dem Austausch und den Berichten der verschiedenen Arbeits-kreise gewidmet. Neben den intensiven Diskussionen rund um den Deutschen Landjugendtag (DLT), der in diesem Jahr in Hameln stattfinden wird, standen auch der Tag des offenen Hofes sowie wichtige Satzungsänderungen im Mittelpunkt. Die Arbeitskreise informierten über ihre aktuellen Projekte und Herausforderungen, wodurch ein lebendiges Bild der vielfältigen Aktivitäten entstand. Während der Versammlung wurden die vorgeschlagenen Satzungsänderungen engagiert debattiert und schließlich zur Abstimmung gebracht. Besonders betont wurde die Bedeutung einer aktiven Beteiligung aller Landesverbände, damit der DLT in Hameln mit einer bunten und starken Gemeinschaft gefeiert werden kann.

Nach der intensiven Arbeit im Tagungsraum war es Zeit, unseren Gästen die herbe Schönheit Dithmarschens näherzubringen. Das Wetter präsentierte sich dabei von seiner authentischsten Seite: norddeutsch-kalt und mit ordentlich Wind um die Nase. Davon ließen sich die rund 65 Teilnehmenden jedoch nicht beirren. Während die eine Hälfte der Gruppe sich mutig in das kalte Watt der Nordsee wagte, erkundete der andere Teil das Kohlosseum in Wesselburen.

Im Watt wurde die Natur mit allen Sinnen erlebt, während in Wesselburen die Kohlgeschichte Dithmarschens im Vordergrund stand. Als größtes zusammenhängendes Kohlanbaugebiet Europas hat die Region einiges zu bieten, das über das bloße Feld hinausgeht. Bei einer Sauerkrautverkostung konnten sich die Landjugendlichen durch verschiedene Sorten probieren und lernten dabei eine Menge über die Veredelung dieses traditionellen Produkts. Es war ein Nachmittag, der den Kopf frei pustete und gleichzeitig den Stolz auf unsere regionale Landwirtschaft stärkte.

Projekte, Abschiede, Emotionen

Ein fester Bestandteil jeder Bumi ist die Vorstellung eines Projekts, das im gastgebenden Verband besonders erfolgreich läuft. Wir durften in diesem Rahmen unsere Politikaktion auf der Norla in Rendsburg präsentieren. Im Jahr 2025 haben wir dort das Konzept eines „Landjugend-Ruckzuck“ umgesetzt. Ziel ist es, politische Schwerpunkte wie das Ehrenamt, die Situation der Junglandwirtinnen und Junglandwirte, aktuelle Agrarpolitik und die Entwicklung ländlicher Räume so aufzubereiten, dass sie sowohl Politiker als auch die Jugend begeistern.

Im Kohlosseum in Wesselburen lernten die Teilnehmenden aus dem gesamten Bundesgebiet jede Menge über den Kohlanbau in Dithmarschen. Foto: Sören Schatt

Sehr persönlich wurde es dann am Abend. Nach dem gemeinsamen Abendessen stand die Verabschiedung langjähriger Bundesvorstandsmitglieder auf dem Programm. Es war uns ein wichtiges Anliegen, Leon Ranscht, Maike Delp, Anne-Kathrin Meister und Theresa Schmidt für ihren unermüdlichen Einsatz zu danken. In den Reden wurde deutlich, wie viel Herzblut in diese Ämter geflossen ist. Der Abschied war hochemotional und erinnerte uns alle daran, dass Landjugendarbeit zwar oft anstrengend ist, aber Freundschaften und Erfahrungen fürs Leben schafft.

Neuwahlen und Blick nach vorn

Wer dachte, der Sonntag würde ruhig beginnen, hatte die Rechnung ohne unseren musikalischen Weckdienst gemacht. Um die Lebensgeister für den letzten Versammlungstag zu wecken, dröhnte „An der Nordseeküste“ durch die Flure der Jugendherberge. So startete die Gruppe wach und mit einem Schmunzeln in die anstehenden Neuwahlen.

Die Ergebnisse brachten jedoch auch eine Herausforderung mit sich: Im neuen Bundesvorstand, Marthe Vellguth, Lars Ruschmeyer, Christian Leu und Paul Krug, konnten nicht alle Sitze besetzt werden. Von ursprünglich sechs Mitgliedern ist das Gremium nun auf vier geschrumpft. Das bedeutet für uns alle: Auf der nächsten Bumi im Herbst in Berlin stehen Nachwahlen an. Wir können nur jeden ermutigen, der Lust auf Gestaltung hat, sich einzubringen – Bewerbungen sind jederzeit willkommen.

Zum Abschluss wurde die Gelegenheit genutzt, den Geschäftsstellen und natürlich uns als gastgebendem Verband für die Organisation zu danken. Doch auch wir als Landesvorstand möchten Danke sagen. Es war ein fantastisches Wochenende mit einer großartigen Truppe. Die Energie, die konstruktiven Gespräche und die gute Laune trotz des windigen Wetters haben gezeigt, dass die Landjugend bereit für die Aufgaben der Zukunft ist. Wir haben uns gefreut, den Rest der Republik bei uns begrüßen zu dürfen, und blicken voller Vorfreude auf die nächsten Treffen.

Fleisch bleibt auch in Zukunft relevant

Am 21. April proklamierte die Tierschutzorganisation Vier Pfoten den Meat Exhaustion Day. Dieser Tag soll den Zeitpunkt im Jahr markieren, an dem die empfohlene Fleischmenge je Mensch aufgebraucht ist. Gut einen Monat vorher startete die Initiative Fleisch „Das große Angrillen“, eine Kampagne für Schweinefleisch mit der Zeitung „Bild“ als Partner. Das Bauernblatt hat die Geschäftsführerin der Initiative, Dr. Kirsten Otto, zu Erfolgsfaktoren und Zielen befragt.

Die Initiative Fleisch agiert in einem emotional extrem aufgeladenen Spannungsfeld zwischen Tierwohl-Debatten, Klimaschutz und der wirtschaftlichen Existenz der Erzeuger. Wirkt Ihr Motto „Iss was dir schmeckt“ deshalb etwas defensiv?

Kirsten Otto: Das Spannungsfeld zwischen Tierwohl, Klimaschutz und wirtschaftlicher Realität ist real und aufgeladen, aber genau deshalb haben wir uns bewusst für einen anderen Weg entschieden. Wir steigen nicht in jeden Konflikt ein, wir erklären nicht und rechtfertigen uns nicht, sondern setzen ein klares Zeichen für Selbstbestimmung. „Iss was dir schmeckt“ ist keine Defensive, sondern eine Einladung für gegenseitiges Verständnis und Respekt. Und in einem Diskurs, der so oft moralisierend und polarisierend geführt wird, ist eine einladende, offene Haltung vielleicht die mutigste Entscheidung, die man treffen kann.

Wie groß ist bei Ihrer Arbeit der Anteil an Krisenmanagement, und was ist aktive Gestaltung?

Das Thema Fleisch ist gesellschaftlich aufgeladen, und wir beobachten den öffentlichen Diskurs kontinuierlich, auch mit Hinblick auf Krisenpotenzial: Was wird diskutiert? Welche Narrative entstehen? Wenn es nötig ist, reagieren wir sachlich, schnell und faktenbasiert. Aber das ist nicht unser Kerngeschäft. Aktive Gestaltung bedeutet für uns, Themen zu besetzen, bevor sie uns treffen. Mit Formaten wie „Wissen, was schmeckt“ setzen wir Narrative rund um Ernährung und räumen mit Mythen auf. Kampagnen wie „Schwein gehabt“ oder „Iss was dir schmeckt“ schaffen wir darüber hinaus positive Bilder und laden Menschen ein, Fleisch wieder unbeschwert zu genießen.

Fleisch ist ein kulturelles Identitätsmerkmal, vegane Lebensweise oft ein Lebensstil. Wie geht die Initiative mit solchen gegensätzlichen Einstellungen um?

Was jemand isst, ist eine persönliche Entscheidung, geprägt von Herkunft, Werten, Gewohnheiten und ja, auch von Kultur und Identität. Fleisch ist für viele Menschen in Deutschland tief verwurzelt. Gleichzeitig respektieren wir, dass andere Menschen andere Entscheidungen treffen. Genau deshalb heißt unsere Kampagne „Iss was dir schmeckt“. Wir laden ein, offen und ohne Urteil miteinander über Essen zu sprechen. Denn am Ende verbindet uns alle eines: Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme, es ist Genuss, Gemeinschaft und Lebensfreude.

Sie wollen mit Mythen aufräumen. Doch Fakten allein ändern kein Verhalten. Verfolgen Sie auch eine Strategie der Emotionalisierung des Fleischgenusses?

Ja, ganz bewusst. Unser Spot „Schwein gehabt“ ist dafür ein gutes Beispiel. Das Zischen, das Duften und die Gemeinschaft am Grill sind Bilder, die Emotionen auslösen. Gleichzeitig stehen wir für faktenbasierte Aufklärung, etwa über Ernährungsmythen, Nährwerte und Fragen rund um eine ausgewogene Ernährung mit Fleisch. Mit Formaten wie „Wissen, was schmeckt“ räumen wir mit gängigen Missverständnissen auf und geben Menschen eine sachliche Grundlage für ihre eigene Entscheidung. Für uns gehören Emotionen und Fakten zusammen, denn Emotionen schaffen Nähe, und Fakten schaffen Vertrauen. Beides ist notwendig, um Menschen langfristig zu erreichen.

Was unterscheidet die Initiative Fleisch von Branchenverbänden wie dem Bauernverband oder dem Verband der Fleischwirtschaft?

Wir richten uns direkt an die Gesellschaft, an Menschen, die täglich Entscheidungen rund ums Essen treffen. Unser Ton ist einladend und offen, wir sprechen über Genuss, Gemeinschaft und Selbstbestimmung. Mit „Iss was dir schmeckt“ setzen wir uns dafür ein, dass jeder Mensch frei und ohne Druck entscheiden kann, was auf den Teller kommt.

Geht es darum, den Fleischkonsum bei Flexitariern zu stabilisieren, oder eher darum, das ramponierte Image der Branche bei der jungen Generation zu reparieren?

Unser Ziel ist nicht, mehr Fleisch zu verkaufen. Unser Ziel ist, dass Menschen ihre Ernährungsentscheidung frei und selbstbestimmt treffen können, ohne Belehrung von irgendeiner Seite: die Entscheidung, am Sonntagmittag ein Schnitzel zu genießen, ohne sich dafür erklären zu müssen. Die Entscheidung, beim Familiengrillen um eine vegetarische Alternative zu bitten, ohne einen Kommentar zu erwarten. Denn was auf dem Teller landet, ist eine persönliche Entscheidung.

Wir stehen für das Lebensmittel Fleisch, das auch in Zukunft relevant bleiben wird. Dass Unternehmen ihr Portfolio diversifizieren, ist eine unternehmerische Entscheidung. Ob echtes Fleisch oder Alternativen, entscheidend ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher informiert sind und frei wählen können.

Vertritt die Initiative das Produkt Fleisch oder die Fleischbranche?

Als Initiative Fleisch bringen wir Fakten, Wissen und unterschiedliche Perspektiven rund um das Lebensmittel Fleisch zusammen. Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben und einen offenen, sachlichen Dialog über Ernährung, Herkunft und Verantwortung zu ermöglichen. Die Branche, die dahintersteht, gehört selbstverständlich dazu, denn sie macht es möglich, dass hochwertige Lebensmittel auf deutschen Tellern landen. Unser Fokus liegt aber klar auf dem Dialog mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Große Fleischkonzerne sehen sich als Protein-Produzenten, inklusive Laborfleisch, Insekten- oder Pflanzenprotein. Verteidigen Sie ein Produkt, dessen Hersteller die Zukunft längst woanders suchen?

Wir stehen für das Lebensmittel Fleisch, das auch in Zukunft relevant bleiben wird. Dass Unternehmen ihr Portfolio diversifizieren, ist eine unternehmerische Entscheidung. Ob echtes Fleisch oder Alternativen – entscheidend ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher informiert sind und frei wählen können.

Wie setzt sich Ihr Budget zusammen? Wer hat bei Kampagnen ein Mitspracherecht? Besteht die Gefahr, dass die Interessen der Landwirte denen der Industrie untergeordnet werden?

Hinter der Initiative Fleisch steht die gesamte Wertschöpfungskette, von der Landwirtschaft bis zur Verarbeitung. Jeder beteiligte Betrieb leistet einen festen Beitrag pro Schlachttier, so entsteht eine gemeinsame Finanzierungsbasis, die keinen bevorzugt. Wie das Geld eingesetzt wird, entscheidet ein Steuerungsgremium mit 15 Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft und Fleischwirtschaft gemeinsam. Gerade diese breite Aufstellung ist unsere Stärke: Wir sprechen nicht nur für einen Teil der Kette, sondern für das gemeinsame Anliegen.

Woran messen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit? Geht es um mediale Reichweiten, oder tracken Sie die Veränderung der gesellschaftlichen Akzeptanz gegenüber Fleischprodukten? Sehen Sie bereits Trendwenden?

Reichweite und Impressions sind wichtige Indikatoren, aber nicht das Ziel. Wir messen Erfolg daran, ob wir Menschen erreichen, die dem Thema Fleisch gegenüber ambivalent sind, und ob wir einen Beitrag zu einer neuen, sachlicheren Gesprächskultur leisten. Dazu nutzen wir neben Mediadaten auch regelmäßige Umfragen und beobachten kontinuierlich, wie über Fleisch gesprochen wird, welche Themen bewegen, welche Tonalität dominiert und wo der Dialog gerade steht. So bekommen wir ein realistisches Bild davon, wie sich die Stimmung in der Gesellschaft jenseits von reinen Klickzahlen entwickelt. Darüber hinaus befinden wir uns in der Konzeption einer eigenen Studie zu Konsumverhalten und gesellschaftlichen Einstellungen zu Fleisch. Über die Inhalte sprechen wir gern im Zuge der Veröffentlichung. Ob sich das in messbaren Trendwenden niederschlägt, ist ein langfristiger Prozess, den wir aber aktiv begleiten.

Wie ist der Geflügelbereich eingebunden, der mit seiner Kampagne durchaus erfolgreich ist?

In der Initiative Fleisch engagieren sich Unternehmen der Fleischwirtschaft, die sich für Transparenz und einen offenen, sachlichen Dialog über Fleisch einsetzen. Gemeinsam bringen wir Fakten und Perspektiven zusammen, fördern Verständnis und setzen auf eine verantwortungsvolle Kommunikation rund um das Lebensmittel Fleisch in Deutschland. Jede Initiative, die in diesem Sinne aufklärt und informiert, begrüßen wir. Wir sehen uns dabei nicht als Konkurrenz, sondern als Teil eines größeren, gemeinsamen Dialogs.

Amil Hota von der deutschen Geflügelwirtschaft kommentiert die Wachstumskurve seiner Branche so: „Wir haben den positiven Trend nicht geschaffen, aber wir sorgen dafür, dass er von deutschen Höfen bedient wird.“ Kann man Trends überhaupt beeinflussen?

Das Zitat beschreibt sehr treffend, was Kommunikation leisten kann und was nicht. Trends entstehen nicht durch Kampagnen, sondern durch gesellschaftliche Stimmungen, kulturelle Verschiebungen und veränderte Lebensrealitäten. Kommunikation allein schafft diese Trends nicht, kann sie aber aufgreifen, sichtbar machen und verstärken. Das gilt auch für uns. Wir maßen uns nicht an, den Fleischkonsum zu lenken oder gesellschaftliche Trends zu erzeugen. Was wir stattdessen tun, ist, den Rahmen zu gestalten, in dem über Fleisch gesprochen wird. Denn wenn dieser Rahmen offener und respektvoller wird, können Menschen ihre Entscheidung frei und mit gutem Gefühl treffen.

Haben Sie keine Sorge, dass die Initiative Fleisch schon durch ihren Namen an die Probleme der Branche erinnert? Wäre es strategisch nicht klüger, die Kommunikation über die Marken laufen zu lassen?

Im Gegenteil. Wir stehen bewusst und selbstbewusst zu unserem Namen. Fleisch ist kein Reizwort, sondern ein Lebensmittel mit Geschichte, Kultur und Geschmack. Wer den Namen vermeidet, signalisiert Unsicherheit. Fleisch gehört zur Lebensrealität von Millionen Menschen und verdient eine faire Auseinandersetzung. sh

Unbekannte Schönheiten

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Attraktive und robuste Blütenstauden wie Storchschnabel oder Steppensalbei sind in vielen Gärten anzutreffen. Doch neben diesen bekannten Arten gibt es unter den Stauden viele unbekannte Schönheiten zu entdecken, die jeden Garten bereichern.

Zu ihnen gehört die bildschöne Orchideenprimel (Primula vialii), die von Juni bis Juli mit ihren zweifarbig wirkenden Blütenähren begeistert. Der Blütenstand erhebt sich bis in 30 cm Höhe aus einer Blattrosette. Dieser Staude gefällt es ausgezeichnet in der Gesellschaft von Rhododendren oder an einem halbschattigen Platz am Teichufer. Ein ausreichend feuchter, humoser und kalkarmer Boden wird bevorzugt. Am frischen Gehölzrand machen sich Leberblümchen (Hepatica), Funkien (Hosta) und Akelei (Aquilegia) gut in der Nachbarschaft. Leider ist die Orchideenprimel selbst am optimalen Standort nicht sehr langlebig. Sie lässt sich aber leicht aus Samen heranziehen oder sorgt über die Selbstaussaat für Nachwuchs.

Die gesprenkelten Blüten der Krötenlilie erinnern an Orchideen. Foto: Karin Stern
Krötenlilie ,Alba‘ zeigt von Ende August bis in den Oktober hinein ihren Blütenschmuck. Foto: Karin Stern


Eine wunderbare Bereicherung für den Garten ist die Krötenlilie (Tricyrtis hirta). Auf saurem und humosem Boden kommen die attraktiven Blüten zusammen mit Farnen und Gräsern in der Nachbarschaft von Rhododendren perfekt zur Geltung. Doch sie wächst nicht nur gern im Unterholz, sondern fühlt sich auch im Schatten von Mauern wohl. Hier zeigen sich im September an etwa 50 cm hohen Stielen kleine Blütenbüschel mit gesprenkelten, weißlich-lilafarbenen Blättern. Mit ihrem orchideenähnlichen Aussehen verbreiten sie den ganzen September lang exotisches Flair. Wichtig ist ein feuchter, kalkarmer und locker-humoser Boden an einem halbschattigen bis schattigen Standort. Die Neupflanzung wird am besten im Frühjahr vorgenommen. Im ersten Winter sollte die Krötenlilie mit Laub oder Reisig abgedeckt werden. Sortentipp: ‚Sinonome‘ (60 bis 80 cm hoch, gut verzweigte Blütenstände), ‚Empress‘ (Hybride, 70 bis 80 cm hoch, üppige Blüte).

Mit dem Gebogenen Lerchensporn erlebt man sein blaues Wunder im Frühjahr. Foto: Karin Stern

Die verschiedenen Arten des Lerchensporns (Corydalis) lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die Knollen bildenden Arten blühen bereits im zeitigen Frühjahr und ziehen nach der Blüte schnell wieder ein. Die staudigen Arten hingegen bilden meist buschige Horste und schmücken mit ihrem dekorativen Laub bis zum Herbst. Die Hybridsorten des Gebogenen Lerchensporns (Corydalis flexuosa) vereinigen die Vorteile beider Gruppen. ‚Porcelain Blue‘ zeigt eine blaue Blüte von April bis Mai, zieht im Sommer nicht ein, erfreut im Herbst an optimalen Standorten mit einer Nachblüte und behält sogar im Winter das Laub. Die Staude gehört zu den Schatten liebenden Arten, gedeiht aber auch noch gut im Halbschatten auf durchlässigem, leicht trockenem bis frischem Boden.

An Alpenveilchen erinnern die zahlreichen, auf bis zu 50 cm langen Stielen sitzenden Blüten der Götterblume. Foto: Karin Stern

Etwas mehr Sonne hingegen liebt die Götterblume (Dodecatheon meadia). Ihre einmalige, interessante Blütenform begeistert Gärtner mit dem Blick für das Besondere. Doch die Liebhaberpflanze verlangt etwas Geduld, denn erst im Laufe der Jahre bilden sich dichte Horste. Im Steingarten oder in der Nachbarschaft von niedrigen Seggen (Carex) oder Farnen wirkt die Kleinstaude überaus apart. Für die Neupflanzung empfiehlt sich der Frühjahrstermin an einem sonnigen Standort mit durchlässigem, frischem und kalkfreiem Boden. Tipp: Die Götterblume zieht über den Sommer vollständig ein, daher unbedingt die Pflanzstelle markieren. Die Nachbarpflanzen füllen im Idealfall die entstehende Lücke.

Die gelben, fleischigen Blüten der Wachsglocke sitzen an bogig überhängenden Stielen. Foto: Karin Stern

Die Wachsglocke (Kirengeshoma palmata) kommt in Kombination mit Herbst-Anemone (Anemone hupehensis), Silberkerze (Cimicifuga) und Schaublatt (Rodgersia) schön zur Geltung. Ab August zeigen sich die glockenförmigen Blüten an 1 m hohen Stielen. Auch die ahornähnlichen Blätter sind sehr dekorativ. Sie schmücken schon lange vor der Blüte. Der wertvolle und langlebige Spätblüher stammt aus Japan und ist immer noch etwas Besonderes in unseren Gärten. Am besten entwickelt sich die Staude auf lockerem, humosen, nährstoffreichen Boden.

Eine attraktive Schmuckstaude für das sonnige Beet ist der unverwüstliche Balkan-Bärenklau (Acanthus hungaricus). Seine ornamentalen Blätter und die eindrucksvolle Blütenpracht ergeben einen imposanten Blickfang. Auch die Samenstände zieren noch lange nach der Blüte. Die Staude benötigt jedoch einige Jahre, um ihre volle Schönheit zu entfalten. Man gibt ihr einen frischen, tiefgründigen und nährstoffreichen Boden in sonniger bis halbschattiger Lage. Auch etwas trockenere Standorte werden gut vertragen. Auf winternasse Böden oder gar Staunässe reagiert der Bärenklau jedoch empfindlich. Am besten wird die Staude als Akzentgeber in der Rabatte oder als Solitär verwendet. Hier kommt sie gut vor Steinmauern oder Treppen zur Geltung.

Der Balkan-Bärenklau braucht etwas Zeit, um seine volle Schönheit zu entfalten. Foto: Karin Stern
Über den lippenförmigen Blüten des Bärenklaus sitzen grünviolette Hochblätter. Foto: Karin Stern
Der Balkan-Bärenklau braucht etwas Zeit, um seine volle Schönheit zu entfalten.
Foto: Karin Stern


Der Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora) ist eine vielseitig verwendbare Wildstaude. Foto: Karin Stern

Nicht unerwähnt bleiben darf mit dem Großblütigen Fingerhut (Digitalis grandiflora) eine dekorative Wildstaude für sonnige Standorte mit normalem Gartenboden. Diese in allen Teilen giftige Art präsentiert hohe, dicht besetzte Blütentrauben und sorgt über die Selbstaussaat für Nachwuchs. Der Großblütige Fingerhut fügt sich sehr gut in naturnahe Gestaltungen oder am Gehölzrand ein.

Start der Sommerblumensaison

Der Frühling kommt, und es juckt allen Pflanzenfreunden in den Fingern. Am 30. April gab nun die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ute Volquardsen, den Startschuss für die diesjährige Saison der Beet- und Balkonpflanzen sowie Sommerblumen.

Auf dem Blumenhof Pein in Halstenbek, einer familiengeführten Einzelhandelsgärtnerei, konnten Betriebsinhaber Werner Pein, Tochter Vivian Pein, Inga Balke für den Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland sowie Ute Volquardsen zahlreiche Pressevertreter begrüßen. In Bild und Ton wurde dabei festgehalten, wie die Ehrenvertreter im Anschluss Kübel bepflanzten und Werner Pein diese dem Bürgermeister der Gemeinde Halstenbek, Jan Krohn, zur weiteren Verwendung vor dem Halstenbeker Rathaus spendete. Unter den dabei verwendeten Pflanzen war auch die rosafarbene Petunie ,Zarte Marte‘, die von einem Gremium aus Zierpflanzenbauexperten zur Pflanze des Jahres im Norden 2026 gekürt wurde. Der Blumenhof Pein und viele andere familiengeführte Einzelhandelsgärtnereien in Schleswig-Holstein nehmen dabei an der Zertifizierung „Im Norden gewachsen“ teil, einem Zertifizierungssystem für lokal produzierte Zierpflanzen, das im Rahmen des Gütezeichens Schleswig-Holstein auditiert wird.