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Bioland sieht Ökoanbau als Lösung

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Als Lehre aus der aktuellen Energie- und Düngepreismittelkrise sollte der Bund die Ökolandwirtschaft stärker fördern. Das forderte Bioland in der vergangenen Woche und verwies darauf, dass der Ökoanbau nicht auf fossilen Dünger angewiesen sei.

Hintergrund ist, dass die Preise für Rohöl und Erdgas sowie für erdgasbasierte Stickstoffdüngemittel massiv angestiegen sind, nachdem der Iran die Straße von Hormus gesperrt hat. Aber auch Phosphordünger sind indirekt betroffen: einerseits durch die gestiegenen Energiekosten und andererseits durch den Preisanstieg für Schwefel.

Verletzbarkeit des globalen Ernährungssystems

Für Bioland-Präsident Jan Plagge führt die Krise „eindrücklich vor Augen, wie verletzlich unser globalisiertes Ernährungssystem ist“. Aus dieser Abhängigkeit müsse man sich dringend befreien. „Das ist kein ideologisches Weltverbesserungsthema, es geht dabei um unsere Ernährungssouveränität“, mahnte Plagge. Schließlich hänge man bei den fossilen Energien „nicht unerheblich auch von den Launen einiger besonders einflussreicher Staatschefs ab“, kommentierte er.

Leguminosen statt Mineraldünger

Statt auf Mineraldünger aus fossilen Energien setzt der Ökolandbau Bioland zufolge unter anderem auf Leguminosen, die Stickstoff aus der Luft binden. Ein mehrjähriger Kleegrasanbau könne auch für stark zehrende Nachfrüchte genug Stickstoff bereitstellen. Der Gesamtbedarf an fossilen Energien sei dadurch auf Biobetrieben geringer als auf konventionell wirtschaftenden, ist man bei dem nach Hektaren und Mitgliedern größten deutschen Ökoanbauverband überzeugt.

Bioland-Politikleiterin Carolin Pagel erwartet von der Bundesregierung entschlossenes, strategisches Handeln und dass sie die aktuelle Krise als Weckruf nutze. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) müsse dafür die Biostrategie „auf solide Füße stellen“, anstatt sie abzuwickeln. Auch müsse sichergestellt werden, dass der Ökolandbau in der kommenden Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028 angemessen gefördert werde. Ebenso sollte die Biolandwirtschaft im neuen Düngerecht und der Wiederherstellungsverordnung entsprechend berücksichtigt werden, so Pagel.

Reesdorf: Die Vorfreude aufs Feiern

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Den Sonnabend, 16. Mai, dürften sich nicht nur die Mitglieder von Landjugendvereinen dick im Kalender markiert haben: Ab 21 Uhr steigt auf dem Hof Sellmer in Reesdorf wieder eine der größten Scheunenfeten in Schleswig-Holstein. Zahlreiche Gäste erwarten die Organisatoren der Landjugend Flintbek auf dem Hofgelände von Familie Sellmer an der K 15. Die Vorbereitungen erfordern jede Menge Arbeit – und trotzdem freuen sich die Macher um die Vorsitzende Marthe Petersen riesig auf das Event.

Der Countdown für die Scheunenfete begann bereits im Januar mit der Planung. In diesen Zeitraum fiel auch eine Begehung des Hofgeländes mit vielen Besuchern: Vertreter von Polizei, Sanitätern, Feuerwehr und Gemeinde Reesdorf, dem zuständigen Amt Bordesholm und des beauftragten Sicherheitsdienstes inspizierten die Maschinenhalle als zentrale Partylocation und das dazugehörige Hofgelände. Für Fragen und Erklärungen standen die Hofbetreiber Sylvie und Tobias Sellmer sowie die Landjugend Flintbek um ihre Vorsitzenden Marthe Petersen und Ben Sander bereit.

Hofbetreiberin Sylvie Sellmer wird auch ihren Kaltblutwallach Comet für die Scheunenfete ausquartieren. Foto: Sven Tietgen

Die Begehung ist aber über die Jahre immer eine entspannte Aktion gewesen. „Wir haben nie Probleme gehabt“, erzählt Sylvie Sellmer. Die Scheunenfete in Reesdorf ist bereits ein Klassiker: 1994 wurde die Maschinenhalle gebaut, ein oder zwei Jahre später stieg dort die erste Party. Rund 600 Gäste feierten bei der Premiere, erinnert sich Tobias Sellmer: „Damals kam man noch ohne Security und Auflagen aus.“ Das Organisationsteam der Landjugend freut sich schon auf die heiße Phase der Vorbereitung. Zunächst räumt Familie Sellmer die Maschinenhalle aus, auch das Strohballenlager unter dem Vordach muss weichen.

Größtenteils kommen die Partygäste aus der Region, manche reisen auch aus anderen Landesteilen an. Foto: Landjugend Flintbek

Weiter werden die mobilen Pferdeboxen sowie die Sattelschränke abgebaut und an anderer Stelle untergebracht. Die rund 40 Pensionspferde sowie der Schleswiger Kaltblutwallach Comet von Silvie Sellmer, die sonst im benachbarten Stall stehen, wechseln auf die Weide. „Mit der Musikbeschallung haben die Tiere überhaupt keine Probleme, die sind völlig tiefenentspannt und eher neugierig, was sich auf dem Hof so tut“, sagt sie.

Am Dienstag, 12. Mai, startet um 19 Uhr in der leer geräumten Halle der Vorverkauf. 12 € kosten die Tickets, noch am gleichen Abend dürften die meisten Eintrittskarten verkauft sein. „Das ist schon stark, wenn dann plötzlich Massen von Leuten auf den Hof kommen und viel Vorfreude mitbringen“, sagt die 18-jährige Marthe Petersen, die sich bereits seit drei Jahren im Vorstand der Laju Flintbek engagiert. Zum anschließenden Aufbau rücken dann bis zu 100 Helferinnen und Helfer an. Das gesamte Fetenareal wird eingezäunt, Fluchtwege werden ausgewiesen, Toiletten aufgestellt und zwei Weideflächen zum Parkplatz umfunktioniert.

Dazu werden vier Tresen aufgebaut sowie Ess- und Getränkestände installiert. „Vier Tresen sind uns schon wichtig, damit die Besucher nicht Schlange stehen müssen“, erklärt Lager- und Getränkewart Anton Stavrinidis-Schulze. Die Aufbauphase wie der anschließende Abbau am Sonntag entschädigen ein bisschen dafür, dass die Organisatoren nicht mitfeiern können. „Der gemeinsame Aufbau stärkt unsere Gemeinschaft, man lernt die Leute noch besser kennen, das ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl“, schwärmt die angehende Landwirtin Marthe Petersen.

Das Team um Rike Sjut, René Krzyschan, Alex Sellmer, Marthe Petersen, Ben Sander und Anton Stavrinidis-Schulze (v. li.) freut sich auf die Fete. Foto: Sven Tietgen

Die Partygäste kommen größtenteils aus der Region, viele reisen aber auch aus anderen Landesteilen an. Und längst strömen nicht nur junge Leute auf das Hofgelände. „Hier sind alle Generationen dabei, man klönt miteinander, feiert, und alle haben gute Laune, das macht schon Spaß“, erklärt der 23-jährige Ben Sander, von Beruf Anlagenmechaniker. „Wir sind, was verschiedene Handwerke und Berufe angeht, breit aufgestellt, das ist für solche Aufbauaktionen echt praktisch“, freut sich Marthe Petersen. Jetzt wünschen sich die Macher noch interessierte Sponsoren zur Unterstützung der Scheunenfete (Kontakt: landjugend-flintbek@web.de).

Freuen können sich letztlich alle Laju-Mitglieder: Vom Erlös der Scheunenfete finanziert die rund 300 Mitglieder zählende Landjugend Flintbek zu einem erheblichen Teil Fahrten, Ausflüge und Veranstaltungen. Mit den Geldern werden auch Eintrittsgelder bezuschusst oder Verpflegungskosten übernommen. Und: Die Auf- und Abbauhelfer werden nach der Party zu einer Wochenendtour nach Dänemark eingeladen.

Sinnlich-poetische Blumenstillleben

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Mit ihren Installationen „Grain“ und „The Field“ aus Getreide, Blüten und Pflanzenteilen wusste die britische Künstlerin Rebecca Louise Law bereits Anfang März im Jahr100Haus in Molfsee und im Jüdischen Museum Rendsburg zu beeindrucken (siehe BB 10/2026). Nun setzt sich ihre Ausstellungsreihe mit „Honesty“ und „Florilegia“ im Gottorfer Globushaus sowie in der Reithalle auf der Museumsinsel Schloss Gottorf in Schleswig fort. „State of Nature“, wie die Gesamtausstellung aller vier Standorte betitelt ist, ist mehr als nur das Anschauen von Kunst, es ist ein sinnlich-poetisches Erleben von Natur im Innenraum.

Tausende silbrig schimmernde Lunaria-Blätter, zu luftigen Girlanden gebunden, verwandeln den Ausstellungsraum im Gottorfer Globus.
Foto: Iris Jaeger

In Girlanden hängen Tausende Silberblätter von der Decke des Ausstellungsraumes im Gottorfer Globushaus. Sie schimmern wie Mondlicht, was sich auch im botanischen Namen des Silberblatts widerspiegelt: Lunaria annua, wie Luna, der Mond. Thematisch schließt sich das an den Globus an, der im Inneren den Sternenhimmel zeigt. Vor zwei Jahren entstand die Idee, im Barockgarten des Schlosses eine Ausstellung zu organisieren, die den Aspekt des „Gottorfer Codex“ aufgreift. „Der ,Gottorfer Codex‘ ist ein vierbändiger Pflanzenatlas, der von Hans Simon Holtzbecker im Auftrag Herzog Friedrichs III. von Schleswig-Holstein-Gottorf von 1649 bis 1659 erstellt wurde. Unter Herzog Friedrich wurde nördlich des Gottorfer Schlosses der sogenannte Neuwerkgarten angelegt, ein frühbarocker Terrassengarten, der neben dem berühmten Globushaus auch mit einer Vielzahl exotischer Pflanzen geschmückt wurde“, lautet dazu eine Beschreibung. Mit „Honesty“, übersetzt Wahrhaftigkeit, soll der botanische Reichtum des Gartens aufgegriffen werden.

Und wie ein Samen, den man in die Erde legt, der dann aufkeimt und erblüht, reifte die Ausstellungsidee ebenso weiter. So kam es, dass jetzt vier Museumsstandorte in Schleswig-Holstein die einzigartigen Installationen von Rebecca Louise Law präsentieren. Für die Landesmuseen ist es eine Premiere und für die Künstlerin eine der größten Ausstellungen, die sie bislang realisiert hat.

Entstanden sind Erfahrungsräume mit einzigartigen und überwältigenden Blumenstillleben, die durch die Begehbarkeit und das sinnliche Erleben in den Bann ziehen und faszinieren. Der Duft, die Anzahl an Blüten, einzeln aufgefädelt auf Draht, die raumgreifenden Dimensionen machen diese vier Ausstellungen so besonders. Höhepunkt dieser Kunstschau ist die Retrospektive der Britin in der Reithalle.

Blick von unten in die beeindruckende Installation aus Millionen getrockneter Blüten und Pflanzen
Foto: Iris Jaeger

Mehr als eine Million getrockneter Blumen und Blätter aus Sammlungen von 20 Jahren hängen dort an Drähten von der Decke, jede Blüte und jedes Blatt wurde einzeln aufgefädelt von vielen helfenden Händen – Menschen und Erlebnisse, an die sich die Künstlerin gern zurückerinnert. Allein für die vier aktuellen Ausstellungen haben sich mehr als 320 Freiwillige seit 2024 in Molfsee, Rendsburg und auf der Museumsinsel in Blomentüddel-Clubs getroffen, um Blüte für Blüte, Halm für Halm auf Kupferdraht aufzufädeln. Mehr als 12.000 Haferhalme, 7.000 Lunariablätter, 5.000 Weizenähren und 6.000 weitere Trockenblumen wurden in den Treffen verarbeitet.

Mensch und Natur hängen unweigerlich miteinander zusammen, das Enstehen und Vergehen von Leben, das Wirken der Menschen in der Natur, der Umgang mit Natur sowie das Thema Nachhaltigkeit sind die bestimmenden Aspekte in der Kunst von Rebecca Louise Law. Aus der Malerei kommend, werden neben den Installationen auch Skizzen und Gemälde aus 20 Jahren Schaffenszeit gezeigt, die diese Aspekte aufgreifen und wiedergeben. Alles Leben, das ensteht, ist von einer schützenden Hülle umgeben. Cocooning ist ein weiterer Aspekt in der Kunst der Britin, dem ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet ist. Wie wichtig der Künstlerin das Thema Nachhaltigkeit ist, zeigt sich zudem in ihren Werken, in denen sie das bei Fädelaktionen ausschüssige Material aufgefegt und wiederverwendet hat. In Schaukästen finden sich diese Reste aus Pflanzen und Draht bunt zusammengemischt wieder sowie in mit Draht gewebten Wandbildern. Zu sehen sind auf der Empore auch ihre Tagebücher, in denen sie ihre Faszination für Pflanzen und Natur sowie ihre Beobachtungen und Empfindungen in Gedichten, Texten und Zeichnungen festhält. Dort wurden zudem gemütliche Sitzecken zum Lesen und Betrachten eingerichtet.

Für das Erleben aller vier Ausstellungen gibt es ein spezielles Law-Ticket für den Sonderpreis von 29 €. Weitere Informationen unter
www.landesmuseen.sh

Aus Pflanzen gewobene Wandbilder sind Teil der Ausstellung in der Reithalle auf der Museumsinsel in Schleswig.
Foto: Iris Jaeger
Nachhaltigkeit ist eine Herzensangelegenheit der Künstlerin und so werden alle Pflanzenreste und ausschüssiges Material nach Blumenbindeaktionen zusammengekehrt und wiederverwendet.
Foto: Iris Jaeger
Zeichnungen und Gemälde aus 20 Jahren Schaffenszeit zu der Entstehung von Leben und der Beziehung von Mensch und Natur sind ebenfalls in der Reithalle zu sehen.
Foto: Iris Jaeger
Rebecca Louise Law kommt von der Malerei, bis sie die Blumeninstallationen für sich entdeckte.
Foto: Iris Jaeger
Entstehen und Werden von Leben, umwirkt von einer schützenden Umgebung wie in einem Nest
Foto: Iris Jaeger
Rebecca Louise Law vor einem ihrer Wandbilder aus Pflanzen
Foto: Iris Jaeger


KI verstehen, bewerten, anwenden

Künstliche Intelligenz (KI) wird derzeit intensiv diskutiert. Nachdem im Bauernblatt in einer Digitalisierungsreihe verschiedene technische Lösungen vorgestellt worden sind, geht dieser Beitrag abschließend der Frage nach, wie landwirtschaftliche Betriebe KI realistisch bewerten und einsetzen können. Denn Künstliche Intelligenz gilt als Hoffnungsträger für landwirtschaftliche Betriebe. Sie soll Arbeitsentlastung schaffen, Entscheidungen unterstützen und den Einsatz von Ressourcen effizienter machen. Gleichzeitig wirft ihr zunehmender Einsatz neue Fragen zu Kosten, Datennutzung und Nachvollziehbarkeit auf.

Künstliche Intelligenz wird häufig als Antwort auf zahlreiche aktuelle Herausforderungen dargestellt. Sie verspricht eine spürbare Entlastung durch automatisierte Abläufe und digitale Unterstützung im Betriebsalltag. Darüber hinaus sollen KI-gestützte Systeme fundiertere Entscheidungen ermöglichen, indem sie Vorhersagen liefern und Zusammenhänge erkennen, die für Menschen nur schwer erfassbar sind. Auch Einsparpotenziale durch einen gezielteren Einsatz von Betriebsmitteln werden häufig hervorgehoben. Gleichzeitig steht KI unter erheblichem politischem und gesellschaftlichem Erwartungsdruck, da sie als technologische Lösung erscheint, um Wirtschaftlichkeit, Umweltauflagen und gesellschaftliche Anforderungen miteinander zu verbinden.

Wo Chancen liegen – und wo Grenzen beginnen

Im betrieblichen Alltag wird deutlich, dass KI kein Selbstläufer ist. Ihre Leistungsfähigkeit hängt maßgeblich von der Qualität der verfügbaren Daten ab. Sind diese lückenhaft oder fehlerbehaftet, liefern auch lernende Systeme keine verlässlichen Ergebnisse. Zudem existieren keine universell einsetzbaren Anwendungen, die für alle Betriebe und Fragestellungen gleichermaßen geeignet sind. Hohe Investitionen in Technik, Software und Schulungen stellen für viele Betriebe eine zusätzliche Hürde dar. Erschwerend kommen infrastrukturelle Einschränkungen hinzu, etwa unzureichende Internetverbindungen in ländlich geprägten Regionen.

Datenhoheit und Nachvollziehbarkeit

Ein sensibler Aspekt beim Einsatz KI-basierter Lösungen ist die Frage nach der Kontrolle über betriebliche Daten. Viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter fragen sich, wer Zugriff auf diese Informationen erhält und zu welchen Zwecken sie genutzt werden. Hinzu kommt, dass zahlreiche Systeme als sogenannte Blackbox arbeiten. Sie liefern Handlungsempfehlungen, ohne dass der zugrunde liegende Entscheidungsprozess transparent dargestellt wird. Überzogene Erwartungen, die durch Marketingversprechen geweckt werden, führen in der praktischen Anwendung nicht selten zu Ernüchterung.

KI im Alltag oft unbemerkt im Einsatz

Auf vielen Höfen kommen lernende Systeme bereits heute zum Einsatz, ohne bewusst als solche wahrgenommen zu werden. Ziel zahlreicher Angebote ist es, digitale Verfahren verständlich aufzubereiten und praxisnah nutzbar zu machen. Konkrete Beispiele, Schritt-für-Schritt-Hilfen sowie unabhängige Informationsangebote sollen den Einstieg erleichtern. Digitale Wissensangebote werden dabei zunehmend online und kostenfrei bereitgestellt.

Generative KI für Texte, Daten und Ideen

Neuere KI-Modelle werden verstärkt für unterstützende Aufgaben genutzt. Dazu zählt die Erstellung von Texten, etwa für Hofvorstellungen oder Beiträge in Sozialen Netzwerken. Auch bei der Strukturierung und Zusammenfassung von Informationen, beispielsweise aus Tierarztunterlagen oder Tabellenkalkulationen, finden solche Systeme Anwendung. Darüber hinaus helfen sie bei der Entwicklung neuer Ideen, etwa bei der Planung von Direktvermarktungsmaßnahmen oder der Ausgestaltung von Kundendialogen.

KI als bewusst eingesetztes Werkzeug

Einige Anwendungen treten gezielt als KI-Werkzeuge auf. Virtuelle Agrarassistenten unterstützen bei Düngeplanung, Pflanzenschutzfragen und organisatorischen Aufgaben im Betrieb. Sie helfen außerdem bei der Erstellung von Berichten, Übersetzungen oder Texten. Andere Lösungen ermöglichen eine sprachbasierte Dokumentation von Arbeiten. Tätigkeiten lassen sich direkt während der Ausführung erfassen und automatisch mit Standort- und Kontextinformationen verknüpfen.

Unsichtbare Helfer im Hintergrund

Neben diesen offen sichtbaren Anwendungen arbeitet KI häufig unauffällig im Hintergrund. Herdenmanagementsysteme werten Bewegungsdaten aus, um Hinweise auf Brunst oder mögliche Gesundheitsprobleme zu liefern. Auch Systeme zur Fütterungs- und Klimasteuerung passen Abläufe automatisch an, basierend auf Sensordaten und lernenden Algorithmen. Bild- und Sensordaten aus Drohnen oder Kameras werden genutzt, um Unkrautaufkommen, Futterqualität oder Tierbewegungen auszuwerten.

Integrierte Systeme in der Praxis

Ein Beispiel für den integrierten Einsatz lernender Systeme ist das Gesundheitsmonitoring bei Kälbern. Mithilfe digitaler Auswertungen lassen sich Auffälligkeiten frühzeitig erkennen, wodurch eine gezieltere Betreuung möglich wird.

Fazit

Künstliche Intelligenz eröffnet viele Möglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe – von einfachen Chat-Anwendungen über softwaregestützte Analysen bis hin zu bildverarbeitenden Systemen und mobilen Anwendungen. Entscheidend ist jedoch, die eigenen Erwartungen realistisch einzuordnen und digitale Werkzeuge gezielt dort einzusetzen, wo sie den Betriebsalltag tatsächlich sinnvoll unterstützen.

Passt. Aufeinander. Auf.

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Landwirtschaft ist ein hartes Geschäft. Der Landwirt ist Mengenanpasser im Markt und Wetteranpasser in der Natur. Jedes Jahr bekommt er eine ehrliche Rückmeldung, was er auf dem Hof richtig gemacht hat. Ebenso ehrlich ist ein funktionierender Markt. Eine ehrliche Rückmeldung würde sich nicht nur der Landwirt von der Politik wünschen. Doch die agiert in Legislaturperioden, während er selbst zwischen langen Investitionszeiträumen und dem noch längeren Generationenvertrag hängt.

Bäuerinnen und Bauern können stolz sein auf das, was sie täglich auf ihren Schultern tragen. Die Arbeit auf dem Hof ist auch deshalb hoch befriedigend, weil sie mit Leben zu tun hat: Nicht nur die erzeugten Nahrungsmittel sind Mittel zum Leben, sondern auch das, was damit einhergeht: der vielfältige ländliche Raum, der Schutz der Böden und Gewässer, die Artenvielfalt – man denke nur an das Knicknetz im Land. Das passt.

Lasten gehören zum Leben. Ein alter Mann sagte rückblickend: „Die schwerste Last im Leben ist es, keine Last zu tragen.“ Doch Druck, insbesondere die teils irre Bürokratie, kann einem den letzten Nerv rauben. Kommen schlechte Preise oder persönliche Probleme hinzu, kracht es schnell. Man verliert die Übersicht und irgendwann den Mut. Ab dem Moment reagiert jeder anders. Mancher Halm biegt sich im Wind, ein anderer knickt oder bricht ab. Passt auf!

Familie, Gesundheit, Erfolg können als Halmverstärker wirken. Doch am Ende entscheidet sich im Inneren eines jeden, wie man die Welt und sich selbst betrachtet. Der Begriff „Seele“ drückt aus, dass der Mensch mehr ist als eine gut geölte Maschine. Er besteht nicht nur aus Händen zum Anpacken und einem Kopf zum Denken. Die Seele ist das, was jeden Menschen als Wesen ausmacht, das es so kein zweites Mal gibt. Die Seele sinniert, sie fühlt und hat ein Bewusstsein. Sie muss auch einmal „baumeln“. Sie braucht Gemeinschaft: Fürsorge, Entspannung und einen Sinn im Leben.

Passt aufeinander auf! Menschen sind füreinander gemacht. Doch die viele Arbeit auf dem Hof kann ebenso einsam machen, wie ungelöste Probleme oder eine individuelle Sensibilität, die vorschnell abgetan wird. Es braucht Gespräche, nicht nur über Fachthemen, sondern auch über die eigene Seele – und die des anderen. Laden wir uns ein. Nehmen wir uns wahr. Nehmen wir uns mit hinein ins Leben.

Das Gespräch kann eine Erste Hilfe sein. Daneben gibt es zahlreiche weitere: Das Sorgentelefon – die Nummer steht in jeder Ausgabe des Bauernblattes. Oder Angebote der SVLFG (Seite 11). Auch der Glaube kann helfen, einen Sinn über das „Maschinendasein“ hinaus zu entdecken.

1906 wurde das Morsesignal SOS auf einer Funkkonferenz in Berlin als weltweites Seenotrufzeichen eingeführt. Es wurde gewählt, weil es einfach zu übermitteln und unverwechselbar ist. Aus der Buchstabenfolge entstand im Nachhinein „Save Our Souls“. Manchmal braucht es schnelle Hilfe.

36 Jahre im Holsteiner Verband engagiert: Hans Heinrich Klose

Für sein 36-jähriges Engagement im Körbezirk Segeberg wurde Hans Heinrich Klose aus Weddelbrook, Kreis Segeberg, vom Holsteiner Verband mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Hans Heinrich Klose wuchs auf dem elterlichen Hof in Weddelbrook auf. Als Kind bekam Klose, den viele kurz „Heiner“ nennen, ein eigenes Pony. „Mit ihm habe ich so herumgetüdelt und bin etwas geritten“, erzählt er. Wie genau er zur Holsteiner Zucht kam, kann der 68-Jährige heute selbst nicht mehr genau sagen: „Irgendwie interessierte ich mich für die Zucht und kaufte ein Stutfohlen. Dreijährig brachte ich es zum Hengst. So bin ich langsam in das Zuchtgeschehen hineingerutscht.“ Schließlich begann er, im kleinen Rahmen zu züchten.

Der Holsteiner Verband ist in 13 Körbezirke aufgeteilt. Seit 1990 engagierte sich Klose im Körbezirk Segeberg zuerst als Ersatzdelegierter, später als Hauptdelegierter und zweiter Vorsitzender. Schließlich wurde er zum ersten Vorsitzenden gewählt, ein Amt, das er 24 Jahre lang ausübte. In diesem Jahr stellte er sich nicht mehr zur Wahl. „Es war eine schöne Zeit, doch alles hat irgendwann ein Ende“, sagt er. Besonders die Zusammenarbeit mit den anderen Züchtern habe ihm über die Jahre hinweg sehr viel Spaß gemacht: „Als Vorstand haben wir viele Veranstaltungen, Stutbucheintragungen oder Fohlenregistrierungen organisiert. Nie gab es Streit unter uns. Wir konnten immer über alles reden.“

Der ehemalige Vorsitzende bedauert, dass sich die Zucht und die Bedingungen für Züchter in den vergangenen Jahren sehr verändert hätten: „Bäuerliche Pferdezucht, wie sie früher üblich war, gibt es kaum noch. Gerade diese Züchter haben die Körbezirke hochgehalten und sich stark engagiert. Wegen der enorm gestiegenen Pferdehaltungs- und Tierarztkosten geben immer mehr Züchter auf. Es ist kaum noch möglich, Pferde kostendeckend zu ver­markten.“

Vielen Mitgliedern des Holsteiner Verbandes ist Heiner Klose auch als „Peitschenführer“ bekannt. „Auch hier bin ich eher zufällig und fast sogar ungewollt hineingeraten. Vor 30 Jahren wurden vom Holsteiner Verband Helfer gesucht, und seither habe ich als ehrenamtlicher Peitschenführer bei vielen Aktionen und Veranstaltungen geholfen“, berichtet er. Für sein außerordentliches Engagement wurde Klose auf der diesjährigen Körbezirksversammlung des Kreises Segeberg mit der Goldenen Ehrennadel des Holsteiner Verbandes ausgezeichnet.

Pferde werden auch in Zukunft ein fester Bestandteil im Leben des Weddelbrookers bleiben. In den vergangenen 25 Jahren reduzierte er die Landwirtschaft immer mehr und stellte den Betrieb zusammen mit seiner Frau Astrid schließlich vollständig auf Pferdehaltung um. Heute betreiben die beiden einen Reiterhof mit Pensionspferdehaltung und bieten Kinderreitunterricht an. „Uns ist es sehr wichtig, Kindern und Jugendlichen den verantwortungsvollen Umgang mit dem Pferd zu vermitteln. Außerdem sollte der Spaß am Reiten natürlich auch nicht zu kurz kommen“, sagt er.

Selbst reitet Klose heute nicht mehr, doch er hält weiterhin zwei Holsteiner Zuchtstuten. Auch zukünftig möchte er im kleinen Rahmen weiterzüchten und damit dem Holsteiner Verband die Treue halten.

Bildungsministerin übergibt Förderbescheid

Am 31. März erhielt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein aus den Händen der Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke (CDU) den diesjährigen Förderbescheid für die Förderung der überbetrieblichen Ausbildung (ÜA) in den Agrarberufen.

Seit dem Jahr 2022 profitieren auch die Grünen Berufe neben dem Handwerk von dieser Förderung aus Landesmitteln und dem Europäischen Sozialfonds (ESF), die in den vergangenen Jahren knapp 30 € pro Teilnehmertag in der ÜA betrug. Förderberechtigt sind dabei Auszubildende aus Betrieben der freien Wirtschaft, die keine anderweitigen öffentlichen Förderungen für die Ausbildungsleistung erhalten. Sogenannte Regiebetriebe wie Städte, Kommunen oder Träger sowie Umschüler sind entsprechend ausgenommen. Der förderberechtigte Grüne Berufsstand mit ÜA-Lehrgängen an den Standorten Futterkamp, Ellerhoop, Malente, Segeberg sowie der Deula in Rendsburg profitiert dabei unmittelbar durch im Vergleich zur ungeförderten ÜA niedrigere Lehrgangskosten.

„Frontalangriff“ auf die Erneuerbaren

Scharfe Kritik an der Politik von Bundeswirtschaftsministerin Ka­therina Reiche (CDU) hat der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) geübt. Die vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) verfolgten energiepolitischen Pläne seien ein „Frontalangriff“ auf die Energiewende, sagte BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser in Berlin. Der BEE-Vizepräsident und Vertreter der Solarwirtschaft in dem Dachverband, Carsten Körnig, sprach vom „größten Angriff auf unsere Branche seit 15 Jahren“.

Dem BEE zufolge bremsen die Entwürfe zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes sowie das geplante Netzpaket den „dringend notwendigen Ausbau“ der Erneuerbaren Energien (EE), von Speichern und von Netzen aus, sollten sie unverändert Gesetzeskraft erlangen.

Dabei führe der Krieg der USA und Israels gegen den Iran – nach dem russischen Angriff auf die Ukraine – „zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre“ die Risiken der Abhängigkeit von fossilen Energieimporten vor Augen, warnte Heinen-Esser. Um sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen, müsse die „heimische, dezentrale und importunabhängige Energieversorgung gestärkt werden“, forderte die BEE-Präsidentin. Die Pläne der CDU-­Bundeswirtschaftsministerin, etwa zum Redispatch-Vorbehalt oder zu Förderende und Direktvermarktungspflicht für kleine EE-Erzeuger, würden stattdessen sämtlichen Erneuerbaren auf die eine oder andere Weise schaden.

„Dieses Ausbremsen schadet nicht nur dem Wirtschaftsstandort insgesamt, es passt auch nicht zum gerade erst im Kabinett verabschiedeten Klimaschutzprogramm oder dem Bekenntnis zum 80 %-EE-Ausbauziel bis 2030“, sagte Heinen-Esser.

Erneuerbare sind „kriegstauglich“

Der BEE legte ein eigenes Papier mit Maßnahmen vor, mit denen die Unabhängigkeit Deutschlands von Energieimporten gestärkt, Investitionen abgesichert und die Effizienz der Energiewende gesteigert werden könnten. Die Vorschläge umfassen unter anderem Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus, zur Senkung der Redispatchkosten, zur Verbesserung der Planungssicherheit für Investoren sowie zur Umsetzung der Energiewende im Wärmesektor.

Neben Planungssicherheit für Anlagenbetreiber brauche es laut BEE eine Beschleunigung des Ausbaus der Wind-, Solar- und Bioenergie sowie der Wasserkraft und Geothermie. Für den Stromsektor sollte auf Grundlage von Biogas, Biomethan und Holzenergie ein steuerbares Back-up geschaffen werden. Ein solches dezentrales Stromsystem sei „kriegstauglich“, betonte BEE-Vizepräsident Horst Seide mit Blick auf die geopolitischen Verwerfungen.

Redispatch-Kosten senken

Um den Netzausbau zu beschleunigen und gleichzeitig die Ausbaukosten zu senken, fordert der BEE mehr Standardisierungen etwa bei Baukomponenten und eine umfassende Entbürokratisierung der Planungsprozesse. Dem kostspieligen Redispatch sollte begegnet werden, indem man unter anderem die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten (NVP) stärke und dadurch die Netzinfrastruktur effizienter nutze. Abregelungen sollten zudem nicht mehr an der Energieerzeugungsanlage, sondern vor den NVP erfolgen, damit überschüssiger Strom leichter beispielsweise in Batteriespeichern zwischengespeichert werden könne. Auch sollten Regelungen eingeführt werden, die eine flexible Stromnachfrage von Großabnehmern anreizten.

Der BEE drängt zudem darauf, bei der Energiewende nicht primär auf Großprojekte zu fokussieren, sondern den EE-Ausbau weiterhin „verbrauchs- und bürgernah“ zu gestalten. So müssten Photovoltaik-Dachanlagen weiterhin gefördert werden, auch um Akzeptanz für die Energiewende zu sichern. Im Bereich der Bioenergie sollte ein „Umbau“ der Bestandsanlagen erfolgen, hin zu mehr Flexibilisierung. Bis 2040 könnten laut BEE so bis zu 24 GW flexibler Leistung bereitgestellt werden – ohne neue Gaskraftwerke bauen zu müssen. Für die Wärmeenergie brauche es zudem bei der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes ambitioniertere Vorgaben für die geplante Bioenergie-Quote sowie die sogenannte Bio-Treppe. Zudem sollten gleichwertige Erneuerbare Energietechnologien technologieoffen als Erfüllungsoptionen innerhalb der Bio-Treppe anerkannt werden, so der BEE.

Die Fohlenzeit beginnt

Die Narzissen blühen, die ersten Tulpen entfalten ihre Blüten, die Zeit ist umgestellt, das Frühjahr hat angefangen. Damit beginnt auch die Fohlenzeit.

Bei Kyra und Frank Fritze in Neumünster ist Ende März das erste von fünf Fohlen zur Welt gekommen. Der kleine Hengst von Drummer TN aus der Oana von Grandorado-Caretino hat schon erfolgreiche Verwandte – unter anderem ist Oana die Halbschwester von drei gekörten Hengsten. „Wir freuen uns sehr über dieses ausdrucksstarke, typvolle Fohlen“, sagt Frank Fritze. So wie seine Frau und er warten im ganzen Land die Züchter auf ihre Fohlen. Bis Juni werden die meisten geboren sein.

Sommer aus der Knolle

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Wer jetzt die Knollen und Zwiebeln von Gladiolen und Lilien, Montbretien und Wunderblumen in Beete und Töpfe pflanzt, kann sich auf einen blütenreichen Sommer freuen.

Mit ihren weißen Blüten bringt die Sterngladiole Helligkeit in halbschattige Bereiche. Foto: Karin Stern

Die Gladiole (Gladiolus) erfreut sich nach Jahren in der Versenkung nun wieder zunehmender Beliebtheit. Charmant sind vor allem die Zwergsorten für den Kübel. Die höheren Hybrid-Sorten eignen sich wegen ihres geringen Platzbedarfs auch für schmale Pflanzstreifen an Haus oder Terrasse. Sie werden einfarbig meist als „Edel-Gladiolen“ und mehrfarbig als „Schmetterlings-Gladiolen“ angeboten. Sie passen perfekt in jedes Blumen- und Staudenbeet, sofern der Standort sonnig und der Boden gut durchlässig ist. Wie es sich für Diven gehört, brauchen sie von allem viel: Viel Sonne, viel Wasser, viel Dünger. Als Gegenleistung füllen die Glockenblüten der Gladiolen Sommerbeete mit lauten Tönen – und das über Wochen hinweg. Tipp: Gladiolen immer in Gruppen von fünf bis 15 Knollen pflanzen. Vorteilhaft sind Ton-in-Ton-Kombinationen oder zwei aufeinander abgestimmte Blütenfarben. So kommt die Farbstärke des Flors am besten zur Geltung.

Die Byzantinische Wildgladiole wächst hier wie zufällig eingestreut zwischen Sternkugellauch. Foto: Karin Stern
Mit ihrem schlanken Wuchs eignen sich Gladiolen gut für die Bepflanzung schmaler Streifen. Foto: Karin Stern


Lilien sind als Schnittblumen sehr geschätzt. Foto: Karin Stern

Bei den Wildarten der Gladiole handelt es sich meist um niedrigere, züchterisch nur wenig veränderte Arten und Sorten. Viel zu selten ist die anmutige Sterngladiole (Gladiolus murielae) zu sehen. Mit ihren weißen Blüten verwandelt sie halbschattige Ecken in lichte Plätze und eignet sich zudem hervorragend zur Pflanzung in größere Gefäße. Am besten verwendet man die Sterngladiole großzügig, denn die Stiele machen sich mit ihren fünf bis sechs Einzelblüten toll in der Vase. Auch die Wildgladiole, manchmal als Byzantinische Siegwurz (Gladiolus communis ssp. byzantinus) angeboten, ist in unseren Gärten eine Rarität. Über dem schwertförmigen Laub erhebt sich im Mai und Juni der kräftige, bis zu 70 cm hohe Blütenstand, an dem zehn bis fünfzehn purpurrote Einzelblüten hängen. Diese Art fügt sich in Rabatten und naturhafte Gestaltungen gleichermaßen gut ein. Wichtig ist ein durchlässiger, eher trockener Boden in voller Sonne. Tipp: Die Wildgladiole ist eine wunderschöne Schnittblume.

Inkalilien lassen sich problemlos im Kübel bei 10 bis 15 °C überwintern. Foto: Karin Stern

Mit nur wenig Zuwendung kommen die eleganten Lilien aus. Ihre Blütenpracht und ihr Duft fesseln Gärtner seit Generationen Auch hier findet sich mit Trompetenlilie (Lilium-aurelian-Hybriden), Madonnenlilie (Lilium candidum), Riesen-Türkenbund-Lilie (Lilium henryi), Tiger-Lilie (Lilium lancifolium var. splendens), Türkenbund-Lilie (Lilium martagon), Königs-Lilie (Lilium regale), Feuerlilie (Lilium bulbiferum) und den vielen Hybrid-Sorten ein fast unüberschaubares Angebot. Wer die Lilien nach dem Prinzip „sonniger Kopf, schattiger Fuß“ pflanzt, liegt in der Regel richtig. Dennoch sollte man sich beim Kauf der jeweiligen Art nach den Ansprüchen an Licht und Boden erkundigen, denn die Bedürfnisse unterscheiden sich durchaus. Nach dem Kauf werden die Zwiebeln möglichst zügig gepflanzt, ansonsten vertrocknen sie recht schnell. Madonnen-, Türkenbund- und Feuerlilien zählen zu den klassischen Bauerngartenpflanzen. Hier kombiniert man sie mit Stauden und Einjährigen. Farblich dezente Begleiter oder ein ruhiger Gehölzhintergrund heben die Wirkung der großen Lilienblüten hervor. Tipp: Lilien werden häufig von Lilienhähnchen, einem roten Käfer, befallen. Er und seine Larven fressen das Laub, daher ist regelmäßig zu kontrollieren und abzusammeln.

In die Rubrik „besondere Schönheit“ fällt die Wunderblume (Mirabilis jalapa). Sie bildet an einer Pflanze verschiedenfarbige Blüten aus. Das Spektrum reicht dabei von Weiß über Gelb und Pink bis hin zu Rot. Die zwischen 60 und 100 cm hohe Pflanze öffnet erst am späten Nachmittag ihre Blüten, und das sogar ziemlich pünktlich zur selben Zeit. In England wird die Pflanze daher „Vier-Uhr-Blume“ (Four o‘clock) genannt. Die Schönheit braucht einen vollsonnigen, warmen und geschützten Standort. Verblühtes ist regelmäßig zu entfernen, reichlich Wasser und Dünger sind ebenfalls gern gesehen.

Die Wunderblume ist eine mehrfarbige Schönheit, die ihre Blüten erst am späten Nachmittag öffnet. Foto: Imago

Natürlich dürfen auch ein paar Tipps für den guten Start nicht fehlen. Sämtliche Sommerzwiebelblumen lieben durchlässiges Substrat. Bei schwerem Boden vermischt man diesen mit Sand und gibt zusätzlich eine Kiesschicht als Drainage auf den Boden des Pflanzlochs. Alternativ pflanzt man die Knollen gleich in den Topf. Sie kommen im April, spätestens bis Mitte Mai in die Erde. Die jeweiligen Pflanztiefen und -abstände stehen auf der Verpackung. Bei der Pflanzung ins Freiland müssen die jungen Triebe unbedingt vor Spätfrösten geschützt werden. Wer die Knollen ab Mitte April in Töpfen vorzieht, erfreut sich drei bis vier Wochen früher an den Blüten. Da die meisten Knollen und Zwiebeln von sommerblühenden Blumen keinen Frost vertragen, müssen sie im Herbst ausgegraben werden. Dafür kürzt man zunächst die Stängel auf 10 bis 15 cm ein, entfernt die Erde von den Knollen und legt diese möglichst trocken in Kisten. Die Lagerung erfolgt am besten in einem dunklen Raum bei etwa 10 °C.

Der winterharte Dolden-Milchstern verbreitet mit seinen hübschen Blütenrispen in jedem Garten sommerliches Flair. Foto: Karin Stern

Weitere sommerblühende Zwiebel- und Knollenblumen (Auswahl): Kronenanemone (Anemone coronaria), Indisches Blumenrohr (Canna indica), Dahlien (Dahlia), Milchstern (Ornithogalum thyrsoides), Montbretien (Crocosmia), Inkalilie (Alstroemeria).

So üppig blüht das Indische Blumenrohr, wenn die Rhizome noch im April in Töpfe gesetzt und im Warmen vorgezogen werden. Foto: Karin Stern
Mit niedrigen Sorten der Dahlien lassen sich gezielt einzelne Akzente setzen. Foto: Karin Stern
Vor dem dunklen Hintergrund kommen die Blüten der Montbretie gut zur Geltung. Foto: Karin Stern

Die Kronenanemone entfaltet ihre Blütenschalen auf 30 bis 40 cm hohen Stielen. Foto: Karin Stern