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Wachstumsrisiko für junge Bäume minimieren

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Brombeerrechen nach der Arbeit Foto: Dr. Jörg Hittenbeck

Im Folgenden sollen die Vorteile, die Anwendung, die Grenzen sowie die Kosten des Brombeer-Rechens für die nachhaltige Kultur- und Jungwuchspflege im Wald hervorgehoben werden.

Bei der Wiederanpflanzung eines neuen Waldes sind eine ordentlich durchgeführte Pflanzung und die spezifische Baumartenwahl je nach Standort und klimatischen Bedingungen nur der erste Schritt. Anschließend sollten sich die Waldbesitzenden und Forstleute Gedanken um die Kultur- und Jungwuchspflege machen. Gerade die gut und sehr gut mit Nährstoffen versorgten Böden in Schleswig-Holstein, Folge steigender Stickstoffeinträge in den vergangenen Jahren, lassen Himbeere, Adlerfarn und Brombeere zu einem Wachstumsrisiko für die jungen Bäume werden. Diese Vegetation konkurriert mit den jungen Bäumen um Licht und Wasser. Wenn der Mensch in dieser Situation nicht eingreift, kümmern die Pflänzchen vor sich hin oder gehen ganz unter. Zum Einsatz kommt an dieser Stelle bisher häufig der Freischneider.

Aus Süddeutschland ist nun seit einigen Jahren eine „einfache“ Alternative auf dem Markt, der sogenannte Brombeer-Rechen. Dieser wurde an der Bayerischen Waldbauernschule ausführlich von Forstwirt-Auszubildenden getestet. Mittlerweile ist die Lehranstalt für Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer in Bad Segeberg mit diesem Werkzeug ausgestattet, um den Rechen ausgiebig zu testen.

Der Brombeer-Rechen ist ein manuelles Werkzeug zur Pflege von Jungpflanzen im Wald, insbesondere zur Bekämpfung von Brombeeren und anderen Beikräutern, die junge Bäume überwuchern und deren Wachstum behindern können. Das Werkzeug ist patentrechtlich geschützt und wird als Alternative zum motorisierten Freischneider empfohlen.

Benutzerfreundlichkeit und Pfleglichkeit

Die Handhabung ist sehr ergonomisch gestaltet und ermöglicht eine schonende Arbeitshaltung. Es kommt nicht zu schädlichen Abgasen, da kein Benzin benötigt wird. Des Weiteren ist die Übungsschwelle sehr gering. Daher ist das Werkzeug auch für weniger erfahrene Anwender geeignet.

Der Einsatz des Rechens reduziert das Risiko, junge Kulturpflanzen versehentlich zu beschädigen oder zu entfernen. Auch wird ein gezieltes Freistellen ermöglicht, und die Naturverjüngung kann gezielt als Ersatz für ausgefallene Pflanzen gefördert werden.

Praxisvergleiche zeigen, dass der Arbeitsfortschritt mit dem Brombeer-Rechen schneller sein kann als mit dem Freischneider, ohne Verlust von Kulturpflanzen.

Umweltverträglichkeit und Schonung der Bodenfauna

Durch die manuelle Arbeitsweise werden Kleintiere wie Igel und andere Bodenbewohner nicht gefährdet oder verletzt.

Erhalt der Biodiversität: Beim Einsatz des Brombeer-Rechens wird der Begleitwuchs (zum Beispiel Blühpflanzen) lediglich geknickt, nicht entfernt. Diese Pflanzen können weiterblühen und bieten Lebensraum sowie Nahrung für Insekten und andere Tiere.

Während ein Freischneider alles abschneidet und damit Blühpflanzen und Lebensräume zerstört, lässt der Brombeer-Rechen viele Pflanzen am Leben und fördert so die Artenvielfalt.

Kosten des Brombeer-Rechens

Es entstehen deutlich geringere Anschaffungskosten als für einen Freischneider (weniger als ein Viertel) und keine laufenden Kosten für Treibstoff und Wartung.

Anwendung und ihre Grenzen

Die verholzten Triebe von Brombeeren werden durch das Herunterdrücken geknickt, was deren Wachstum schwächt. Der ideale Anwendungszeitraum ist im Frühjahr, bevor die Kulturpflanzen überwachsen werden. Dabei ist eine Anwendung pro Jahr meist ausreichend. Zu spätes Arbeiten (Juli/August) kann zu Schäden an den Kulturpflanzen führen.

Der Brombeer-Rechen eignet sich nur für starre beziehungsweise verholzende Triebe (zum Beispiel Brombeere, Brennnessel, Springkraut). Für elastische Pflanzen wie Gräser ist das Werkzeug ungeeignet. Wichtig ist, den Begleitwuchs zu knicken, nicht abzutrennen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Deshalb sollte immer eine stumpfe Metallleiste montiert sein, die genau diese Schädigung hervorruft. Damit können auch schwache Gehölztriebe, etwa von Haselnuss oder Holunder, gebrochen werden.

Fazit

Der Brombeer-Rechen ist eine kostengünstige, umweltfreundliche und effektive Ergänzung für die Kulturpflege im Wald. Er bietet Vorteile in Ergonomie, Naturschutz und Kosten, hat aber auch spezifische Grenzen. Die Wahl des Werkzeugs sollte immer an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden.

Beispiel für die Anwendung: Ein Waldbesitzer kann mit dem Brombeer-Rechen im Frühjahr gezielt Brombeerranken um junge Eichenpflanzen herum herunterdrücken, ohne diese zu beschädigen. Dadurch wird das Wachstum der Brombeeren gehemmt, und die Jungpflanzen erhalten mehr Licht und Platz zum Wachsen.

Demokratie beginnt nebenan

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Mit der Qualifizierung zur Demokratie-Lotsin begegnet der LandFrauenVerband wachsendem Antifeminismus, Rechtsextremismus und generell demokratiefeindlichen Strömungen.

Unsere Arbeit in den LandFrauenvereinen ist gelebte Demokratie“, betont LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen. Gemeinsam mit Vertreterinnen aus Haupt- und Ehrenamt des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein hat sie eine Proberunde durch die neue Qualifikation zur Demokratie-Lotsin gedreht – sozusagen im Schnelldurchlauf. „Demokratie ist so wertvoll. Wir alle müssen sie schützen. Als Verband ist es uns wichtig, Frauen im Einsatz für Demokratie zu stärken und ihnen geeignete Hilfsmittel und Know-how an die Hand zu geben.“

Was ist gut an Demokratie? Lena Haase, Claudia Jürgensen und Frauke Krohn (v. li.) haben mit der Beantwortung dieser Aufgabe kein Problem.

Der Tag steht ganz im Zeichen der Demokratie – und derer, die sie nicht wertschätzen, diffamieren, mit Füßen treten oder missachten. Für Lyn Blees und Lasse von Bargen ist das tägliches Geschäft, denn sie gehören zu den Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus Schleswig-Holstein (RBT SH). Sie beraten da, wo viele fassungslos und hilflos sind, schulen Institutionen und Privatpersonen. In Workshops und Seminaren bilden sie Engagierte weiter und zeigen ihnen Handlungsoptionen auf. Gemeinsam mit dem LandFrauenVerband Schleswig-Holstein und dem Kieler Antigewalt- und Sozialtraining e.V. (KAST) bieten sie ab November die dreiteilige Qualifikation zur Demokratie-Lotsin an. In drei Modulen geht es, knapp zusammengefasst, um das Erkennen von demokratiefeindlichen Strömungen, Antifeminismus und speziell Rechtsextremismus, sowie das Einstehen für Menschenrechte. Dabei werden auch die Gründe beleuchtet, die Menschen dazu bewegen, sich rechtsextremer Ideologie oder rechtsextremen Einstellungen zuzuwenden. Untermauert und veranschaulicht werden die theoretischen Einheiten durch praxisnahe Übungen und offene Diskussionen.

Auf dem Workshop-Tisch liegen 30 Fotos verschiedener Symbole. Sie sind auf Plakate gedruckt, an Hauswände gesprayt oder auf Jacken gestickt. Viele hat man schon gesehen, nutzt sie möglicherweise selbst – nicht ahnend, dass sie ihre harmlose Bedeutung längst zugunsten demokratiefeindlicher und speziell rechtsextremer Ideologie eingebüßt haben. So haben sich rechtsradikale Gruppierungen beispielsweise das Handzeichen für „alles okay“ angeeignet. „Sie nutzen bewusst harmlose Zeichen wie dieses (Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis geformt und die drei übrigen Finger abgespreizt) und deuten es für ihre Zwecke um. In ihren Kreisen steht es für ,White Power‘ – und niemand kann ihnen die Verwendung in der Öffentlichkeit verbieten, weil es ursprünglich keinen rechtsextremen Hintergrund hat“, erklärt Lyn Blees. In der Übung suchen die Teilnehmerinnen passende Paare, und schnell wird klar, dass viele Symbole im Alltag gar nicht wahrgenommen oder als rechtsextrem erkannt werden. „An vielen bin ich vermutlich bereits vorbeigegangen, ohne sie zu bemerken“, erzählt Anette Störtenbecker. „Die Übung hat mich dafür sensibilisiert. In Zukunft werde ich sicher genauer hinsehen.“

Eine weitere Praxiseinheit versetzt die Teilnehmerinnen in verschiedene unangenehme Situationen, die alle im Zusammenhang mit abwertenden Denkansätzen und Rechtsextremismus stehen: Eine abwertende Bemerkung über Homosexuelle an der Bushaltestelle oder die rassistische Äußerung während der Versammlung des Ortsvereins. Die Frage, die sich stellt, ist: Wie geht man damit um? Dafür gibt es leider keine Patentlösung. Vielmehr muss man versuchen, die Situation richtig einzuschätzen, Haltung zu zeigen, ohne rechten Haltungen eine Bühne zu bieten und vor allem sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. In der Qualifikation werden deshalb angemessene Handlungsstrategien vermittelt und in praktischen Übungen erprobt.

Häufig muss man zweimal hinsehen, um zu erkennen, welches Symbol im rechtsextremistischen Zusammenhang steht. Fotos: Dr. Claudia Kleimann-Balke

„Diese Fallbeispiele haben mir richtig gut gefallen“, sagt Claudia Jürgensen. „Sie machen klar, wie nah das Problem ist und dass Rechtsextremismus längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Mich macht das sehr betroffen. Es ist wichtig, etwas dagegen zu unternehmen. Wir wollen Antworten geben und handeln können – wegzusehen kommt nicht infrage.“

Hohe Dieselpreise – teure Ernte

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Die Freude über die zum Erntebeginn gestiegenen Getreide- und Rapspreise wird durch deutlich höhere Betriebsmittelkosten getrübt. Neben höheren Forderungen für Düngemittel hat vor allem der Dieselpreis binnen weniger Wochen wieder kräftig angezogen. Für viele Ackerbaubetriebe kommt dies zur ungünstigsten Zeit, denn während der Ernte laufen Mähdrescher, Schlepper und Transportfahrzeuge nahezu im Dauereinsatz. Anders als in vielen Wirtschaftsbereichen gibt es in der Landwirtschaft bislang kaum technische Alternativen zum Dieselmotor. Die steigenden Kraftstoffkosten schlagen deshalb unmittelbar auf die Produktionskosten durch.

Auffällig ist, dass sich der Dieselpreis zuletzt deutlich stärker erhöht hat als der Rohölpreis. Während Rohöl unter den Höchstständen des Frühjahrs notiert, haben sich die Dieselpreise wieder dem damaligen Niveau angenähert. Ursache hierfür ist weniger der Rohölmarkt als vielmehr die angespannte Versorgung mit Dieselkraftstoff. Mehrere Raffinerien im Nahen Osten arbeiten weiterhin eingeschränkt. Gleichzeitig haben russische Exportbeschränkungen und Schäden an russischen Raffinerieanlagen durch ukrainische Angriffe das weltweite Angebot verknappt. Russland hat seine Dieselexporte daraufhin gestoppt. Analysten berichten zudem von ungewöhnlich niedrigen Dieselvorräten in Europa. Entsprechend sind die Raffineriemargen – also der Preisaufschlag zwischen Rohöl und Diesel – auf außergewöhnlich hohe Werte gestiegen.

Muss der Staat eingreifen?

Deutschland hat wegen seiner hohen Steuern die höchsten Dieselpreise in Europa. Aktuell wird eine Preisobergrenze für Diesel und Benzin diskutiert. Markt­experten sehen dies kritisch, da dadurch der Preis seine Steuerungsfunktion für Angebot und Nachfrage verliert. Es nützt kein günstiger Preis, wenn kein Diesel mehr vorhanden ist. Zudem gibt es Stimmen, die hohe Preise für importierte, fossile Brennstoffe begrüßen, da dadurch die Energie- und Verkehrswende Rückenwind bekomme. Aktuell ist besonders Europa betroffen, da der Kontinent einen Teil seines Dieselbedarfs durch Importe deckt. Fällt dieses Angebot teilweise aus, lässt sich die Versorgung kurzfristig nur schwer ersetzen. Zusätzliche Raffineriekapazitäten lassen sich nicht innerhalb weniger Wochen schaffen. Die Lage könnte sich in den kommenden Wochen weiter zuspitzen. Die europäischen Dieselvorräte drohen bis zum Jahresende auf ein Mehrjahrestief zu fallen. Auch wenn das Rohölangebot wieder steigt, sorgen die weltweit knappen Raffineriekapazitäten vorerst weiterhin für Engpässe im Dieselangebot.

Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies einen deutlichen Kostenanstieg in einer arbeitsintensiven Phase des Jahres. Gleichzeitig verteuern sich auch Transportleistungen und andere dieselabhängige Dienstleistungen.

Ob sich die höheren Kraftstoffkosten dauerhaft auf die Produktionskosten auswirken, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der internationalen Energiemärkte ab. Sollten sich die Dieselvorräte durch neue Importwege wieder normalisieren oder zusätzliche Raffineriekapazitäten verfügbar werden, könnte sich der Preisauftrieb abschwächen. Bis dahin müssen sich die Betriebe jedoch auf ein deutlich höheres Kostenniveau einstellen. Höhere Erzeugerpreise für Getreide und Raps können diese Mehrbelastung nur teilweise ausgleichen.

Geänderte Frist für den seitlichen Rückschnitt in der Knickpflege beachten

Zum Beginn der Erntesaison möchten wir daran erinnern, dass das seitliche Aufputzen des Knicks erst ab Herbst zulässig ist. Die seit einigen Jahren bestehende Frist für den seitlichen Rückschnitt ist zudem seit dem vergangenen Jahr um zwei Wochen vorgezogen worden.

Der seitliche Rückschnitt darf nun bereits ab dem 17. September erfolgen und ist nur noch bis zum 14. Februar (15. Februar in Schaltjahren) erlaubt.

Die Frist für das Auf-den-Stock-Setzen von Knicks bleibt unverändert und gilt weiterhin vom 1. Oktober bis zum 28. Februar (29. Februar in Schaltjahren). Damit gelten künftig für die beiden Pflegemaßnahmen unterschiedliche Zeiträume. Die üblichen Regelungen für den seitlichen Rückschnitt müssen weiterhin eingehalten werden. Die Gehölze dürfen nur bis auf einen Abstand von 1 m vom Knickwallfuß und bis zu einer maximalen Höhe von 4 m zurückgeschnitten werden. Die Maßnahme ist außerdem nur alle drei Jahre und frühestens drei Jahre nach einem Auf-den-Stock-Setzen zulässig.

Während der Sommermonate bleiben die händische Herausnahme einzelner Zweige sowie das händische Freischneiden von Feldeinfahrten oder Weidezäunen zur Sicherstellung der Stromdurchleitung zulässig. Für weitere Informationen und Beratung steht der Fachbereich Umwelt und Gewässerschutz gern zur Verfügung unter: knick@lksh.de

„Wir machen vielen Menschen eine Freude“

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Sie ist 9 m lang, 3 m breit und hat eine mechanisch bedienbare Frontklappe. Sie ist mit einem 18-PS-Innenbord-Diesel ausgestattet, ergänzt um einen 2014 installierten Elektroantrieb. Die Bargener Fähre mit Anlegern in Erfde/Bargen, Kreis Schleswig-Flensburg, und Delve/Schwienhusen, Kreis Dithmarschen, befördert von Mai bis September Fußgänger und Radfahrer über die an der Stelle 108 m breite Eider. Damit ist sie nicht nur eine einzigartige Touristenattraktion mit wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung für das Eider-Treene-Sorge-Gebiet – sie verbindet Regionen und Menschen. In diesem Jahr feiern sie und der Verein Bargener Fähre 25-jähriges Bestehen mit gesonderten Jubiläumsveranstaltungen.

Uwe Paulsen, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Verein Bargener Fähre, hält das Ruder fest in der Hand. Foto: Iris Jaeger

Dazu gehörte auch vor Kurzem der Fähr-Cup, ein Wettrennen mit rein muskelbetriebenen Wasserfahrzeugen unter der Leitung von Fährmann Jochen Gosch. Sieben Teams mit Tret- und Ruderbooten, Stand-up-Paddleboards und Faltkajaks gingen an den Start und lieferten sich ein spannendes Rennen, begleitet von der Fähre mit Regatta-Publikum an Bord. Nicht die Schnellsten, aber definitiv Hingucker waren der handgefertigte Einbaum sowie ein mit Büffelleder bezogenes Kajak des Steinzeitparks Dithmarschen in Albersdorf. „Aber eigentlich gab es auch gar keine Verlierer bei dem Rennen“, berichtet Uwe Paulsen, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Fährverein, von der Spaßveranstaltung. Alle Boote erreichten die Zielmarke und wurden mit einem Präsent belohnt. Der Fährvereinsehrenvorsitzende Claus Hansen hatte aus Feldsteinen und Metallstangen Fische als Gartenstecker hergestellt.

Bereits vor einigen Jahren habe es hier ein kleines Wettrennen gegeben unter der Überschrift „Steinzeit trifft Neuzeit“, in dem zwei Kollegen vom Fährverein gegen ein Team des Steinzeitparks Dithmarschen mit Museumspädagoge und Experimentalarchäologe Werner Pfeifer antraten. „Leider war der Einbaum für zehn Personen nicht so geeignet und fing nach einigen Metern an, vom Bug her vollzulaufen, sodass die Besatzung das Boot verlassen musste“, erzählt Paulsen von den Anfängen der Begegnung. Es habe dann auch einen Gegenbesuch im Steinzeitpark gegeben. Daraus entstand eine Art Freundschaft und Tradition, die über das Jubiläum hinaus beibehalten werden soll.

Ein Hingucker beim Fähr-Cup war der Einbaum des Steinzeitparks Dithmarschen. Foto: privat

Am 1. Mai startete die 25. Fähr- und Jubiläumssaison mit einem feierlichen Empfang im Stapelholm Huus in Bargen. Neben dem Fähr-Cup sorgten das Mittsommernachtskonzert sowie „Rock an der Fähre“ für einzigartige Jubiläumsmomente. Am vergangenen Wochenende fand ein gemeinsamer, flussübergreifender Gottesdienst der Kirchengemeinden Delve und Erfde mit zwei Taufen am Fähranleger in Bargen statt. Für Gänsehautmomente dürften auch am 15. August die „Hörnerklänge über die Eider“ sorgen, wenn Jagdhornbläser aus Dithmarschen und Stapelholm auf beiden Seiten der Eider musizieren, bevor die Dithmarscher dann mit der Fähre über die Eider nach Bargen zum feierlichen Ausklang geholt werden.

Im Oktober werden die Höhepunkte des Jubiläumsjahres, des Vereins und der Fähre sowie der Veranstaltungen in dem Film „25 Jahre Fährverein Bargener Fähre“ zu sehen sein, den ein Filmklub ehrenamtlich zusammengestellt hat: „Der wird dann in Erfde in Rahn‘s Gasthof der Öffentlichkeit präsentiert und stellt einen würdigen Abschluss der Saison dar“, ist sich Uwe Paulsen sicher. Aber auch ohne Jubiläum wird den Fährleuten in der Saison nicht langweilig. Uwe Paulsen zeigt den Terminkalender für Juli und August – alle Tage sind mit einem grünen oder roten Balken hinterlegt. „Rot sind die Querfahrten, und Grün sind die Längsfahrten“, so Paulsen.

Die Fähre ist in den Sommermonaten gut ausgebucht. Foto: Iris Jaeger

In der Saison quert die Fähre die Eider von Bargen nach Delve und zurück immer sonnabends und sonntags von 10 bis 19 Uhr und setzt dabei Radfahrer und Fußgänger über. Die Fähre ist aufgrund ihrer Bauart zudem behindertengerecht ausgelegt und kann auch Rollstuhlfahrer mitnehmen. Unter der Woche und auch an Wochenenden finden Thementouren in Längsfahrt auf der Eider statt, beispielsweise die Naturerlebnisfahrten, Mondscheintouren, Dämmerungsfahrten, Schleusentouren oder aber auch eine Sternschnuppentour am 12. August. „Und dann haben wir ja auch noch Hochzeiten an Bord, denn wir sind anerkannte Außenstelle der Standesämter Amt Eider und Amt Kropp-Stapelholm“, erklärt Paulsen.

25 Personen haben Platz auf der Fähre. Für größere Gruppen bietet der Verein auf Anfrage „Fähre und Wagen“ an. Die Gruppe werden dann geteilt, ein Teil fährt auf der Fähre bis zu einem Hof im Delver Koog, der andere Gruppenteil folgt in einem von einem Oldtimer gezogenen Planwagen. Auf der Rücktour wird dann getauscht. „So erleben die Mitfahrenden die Natur und Landschaft sowohl an Land vom Planwagen aus sowie auf dem Wasser auf der Fähre. Das ist richtig schön und gefällt allen immer sehr. Wir machen vielen Menschen damit eine Freude“, so Paulsen. Und das sei etwas, das die vielen Ehrenamtler auch bei der Stange halte, „nach jeder Fahrt dieses Feedback und Lob zu bekommen, das freut alle und motiviert zum Weitermachen“.

350 Mitglieder zählt der Verein, davon sind 24 ehrenamtlich als Fährmänner und -frauen tätig, die für das Fahren der Fähre eine Prüfung vor dem Wasser- und Schifffahrtsamt abgelegt haben. Unterstützt werden sie bei ihren Touren auch von Gaststätten in Erfde und Delve: „Die Fahrgäste, die mit Bussen zu uns kommen, lieben es, wenn es an Bord Kaffee und Kuchen oder etwas zu essen gibt“, weiß Uwe Paulsen. Dafür komme die Gastwirtin Anja Dührsen aus Delve mit an Bord und serviere ihren Kaffee und selbst gebackenen Kuchen, das sei auch nicht selbstverständlich. 

Das Fährhaus am Bargener Anleger ist Vereinstreff und liefert per Solaranlage den Strom für den E-Motor der Fähre. Foto: Iris Jaeger

Auf das Jahr 1554 geht die älteste urkundliche Erwähnung der Bargener Fähre zurück. Bis 1961 stellte sie eine wichtige Verbindung zwischen Stapelholm und Dithmarschen dar. Mit dem Bau der Straßenbrücke bei Pahlen stellte sie ihren Betrieb 1961 ein, bis 1999 der ehemalige Erfder Bürgermeister, Hans-Dieter Schulz, die Idee hatte, den Fährbetrieb als Touristenattraktion in der Urlaubsregion wiederaufleben zu lassen. Am 26. Mai 2001 ging die „Bargener Fähr“ wieder auf Fahrt, und es gründete sich der Verein mit dem aktuell amtierenden Vorsitzenden Arne Hansen. Die Fähre ist im Besitz der Gemeinden Erfde und Delve und verbindet nicht nur Regionen, sondern auch Menschen, sehr zur Freude der durchschnittlich 5.000 Gäste pro Saison. Weitere Informationen unter www.bargener-faehre.de

Nachwuchsmangel gefährdet Zukunftsfähigkeit

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Ein Bündnis aus Agrar-Jugendverbänden – namentlich der Bund der Deutschen Landjugend (BDL), Junges Bioland, die junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands, Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerk, Bündnis JöLL, Bündnis Junge Landwirtschaft – setzt sich gemeinsam für eine zielgerichtete und innovative Förderung junger Landwirtinnen und Landwirte ein.

Neben Investitionsbeihilfen sollen Niederlassungsbeihilfen besonders Betriebe mit tragfähigen Konzepten berücksichtigen, die nachweislich Umwelt-, Klima-, Biodiversitäts- oder Tierwohlleistungen oder auch gemeinwohlorientierte Leistungen erbringen. Eine erhöhte Fördersumme für Frauen wird ebenfalls gefordert: Bisher sind nur 11 % der Betriebsleitungen Frauen. Die Verbände begrüßen ausdrücklich, dass die EU-Kommission den Generationenwechsel zu einem Schwerpunkt ihrer künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) machen wolle. Angesichts der demografischen Entwicklung in der Landwirtschaft seien nun jedoch verbindliche finanzielle Zusagen erforderlich. Die von EU-Agrarkommissar Christophe Hansen vorgeschlagene Zielmarke von 6 % des nationalen GAP-Budgets für Junglandwirtinnen und -landwirte müsse dazu in der kommenden Förderperiode verbindlich in den GAP-Haushaltsplan integriert werden. Dieses Budget ist mindestens erforderlich, um dem demografischen Umbruch wirksame Maßnahmen entgegenzusetzen.

Der Handlungsbedarf ist aus Sicht der Verbände dringlich: Nur 6 % der Landwirtinnen und Landwirte in der Europäischen Union sind jünger als 35 Jahre, während mehr als die Hälfte älter als 55 Jahre sind. Auch in Deutschland ist die Altersstruktur ähnlich. Zudem ist bei einem Großteil der Betriebe die Hofnachfolge bislang ungeklärt.

„Junge Menschen stehen beim Einstieg in die Landwirtschaft vor enormen finanziellen Herausforderungen. Wer heute einen Betrieb übernimmt oder neu gründet, muss oft hohe Investitionen tätigen, bevor überhaupt Einkommen erwirtschaftet werden kann. Deshalb braucht es gezielte Unterstützung und verlässliche Förderstrukturen“, erklärt Lars Ruschmeyer vom BDL. Besonderen Nachholbedarf sehen die Jugendverbände bei der Förderung von Frauen in der Landwirtschaft. Derzeit werden lediglich rund 11 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von Frauen geleitet. Deshalb sprechen sich die Verbände dafür aus, Frauen bei Betriebsgründungen und Hofübernahmen gezielt mit höheren Fördersummen für die Niederlassung zu unterstützen.

Für die nationale Umsetzung der GAP nach 2027 fordern die Verbände unter anderem:

– die Einführung von Existenzgründungsprämien in allen Bundesländern

– erhöhte Investitionsbeihilfen bei Hofübernahmen und Neugründungen

– die Berücksichtigung von Umwelt-, Klima-, Biodiversitäts- und Tierwohlleistungen bei der Fördervergabe

– den Ausbau kos­tenfreier Beratungsangebote

Darüber hinaus sprechen sich die Verbände für bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen bei der Vergabe von Existenzgründungsförderungen aus, um Transparenz und Planungssicherheit zu gewährleisten.

Lars Ruschmeyer erklärt: „Wer den Generationenwechsel in der Landwirtschaft will, muss jungen Menschen gezielt Anreize bieten. Existenzgründungsprämien und Investitionsbeihilfen tragen dazu bei, innovative und wirtschaftlich tragfähige Betriebskonzepte umzusetzen, regionale Wertschöpfung zu stärken und die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.“

Das Positionspapier ist abrufbar unter: https://t1p.de/1ktxh

Kabinettsentwurf „unverständlich und fahrlässig“

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Kabinettsentwurf einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Trotz eindringlicher Warnungen und konkreter Änderungsvorschläge aus der Praxis übernimmt die Bundesregierung den hoch umstrittenen Referentenentwurf unverändert.

„Angesichts der geopolitischen Lage und der anhaltenden Abhängigkeit von Energieimporten ist es unverantwortlich, auf dezentrale Erzeugungskapazitäten zu verzichten und Wertschöpfung aus dem ländlichen Raum abzuziehen. Es ist daher unverständlich und fahrlässig, dass die Bundesregierung die Vorschläge der Praxis schlicht ignoriert hat. Der Kabinettsentwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2027 riskiert sehenden Auges den schrittweisen Abbau gesicherter heimischer Bioenergieleistung im Gigawattbereich zu einem Zeitpunkt, in dem Deutschland fossile Energiepreise in teilweise ungekannter Größenordnung zu finanzieren hat. Auch dem Versprechen aus dem Koalitionsvertrag, Bestandsanlagen eine echte Zukunftsperspektive zu bieten, wird der Entwurf nicht gerecht. Während für fossile Großkraftwerke ohne nennenswerte Diskussion Fördersätze gezahlt werden, die weit oberhalb der Finanzierungskosten von Bioenergieleistung liegen, verweigert man der heimischen, gesicherten und nachhaltigen Bioenergie die wirtschaftliche Grundlage“, moniert Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB).

Die vorgesehenen Ausschreibungsvolumina seien laut der Bioenergieverbände im HBB de facto ein Sterbepfad für den Biogasanlagenbestand. Die Zielmarke von 9,5 GW installierter Leistung im Jahr 2035 entspreche bereits der heutigen Leistung der Bioenergie im Stromsektor. Bei gleichzeitig ansteigenden Flexibilitätsanforderungen, also der Notwendigkeit, mehr Leistung zu installieren, sinke laut der Analyse der Verbändegemeinschaft faktisch die Strommenge deutlich, und Hunderte Anlagen müssten endgültig stillgelegt werden.

Daneben soll laut dem Kabinettsentwurf auch die Ausschreibung für hochflexible Biomethan-Blockheizkraftwerke gestrichen werden. Auch dies sei angesichts der neuen, umfangreichen Förderung von Erdgaskraftwerken nicht vermittelbar. Dabei könnten nach Prognosen des HBB allein durch die Flexibilisierung des Biogasanlagenbestands kurzfristig bis 2030 12 GW gesicherte, flexible und Erneuerbare Leistung bereitgestellt werden, die für ein resilientes Energiesystem und zum Ausgleich der schwankenden Solar- und Windstromproduktion dringend gebraucht würden. Nicht zuletzt komme dazu noch die Leistung von Holzheizkraftwerken, Biomethan-Blockheizkraftwerken und anderen Bioenergieanlagen.

„Wir setzen nun auf die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, den Kabinettsentwurf im parlamentarischen Verfahren zu korrigieren. Was wir jetzt brauchen, ist ein Biomassepaket 2.0, das Investitionen anreizt, statt sie durch mangelnde Perspektiven zu verhindern“, schließt Rostek.

Feldhygiene verstärkt in den Blick nehmen

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Die Bedeutung einer konsequenten Feldhygiene nimmt in der Landwirtschaft stetig zu. Mit der Ausbreitung schwer bekämpfbarer Ungräser wie Ackerfuchsschwanz, Weidelgräsern oder Erdmandelgras wächst die Gefahr, Samen und Bodenpartikel über Maschinen von Schlag zu Schlag zu verschleppen. Zunehmend größere Betriebe, längere Transportwege und ein ansteigender überbetrieblicher Maschineneinsatz erhöhen die Anforderungen an eine effektive Maschinenreinigung. Diesem Thema widmete sich ein umfangreicher Walzenvergleich im Frühjahr.

Im Mittelpunkt des Versuchs stand ein Amazone-Universalgrubber Cenio 4000-2 Super. Dieser zeichnet sich durch einen dreibalkigen Aufbau mit knapp 31 cm Strichabstand aus. Das Gerät ist mittig hydraulisch geklappt und wird in der Dreipunkthydraulik des Schleppers getragen. Neben der hydraulischen Arbeitstiefenverstellung ist die Druckfeder-Überlastsicherung als Sonderausstattung zu nennen. Unterschiedliche Scharvarianten stehen zur Verfügung, eingesetzt wurde das 360-mm-C-Mix-Flügelschar. Verglichen wurden drei unterschiedliche Walzenkonzepte:

Doppel-Federringwalze

Keilringwalze mit Matrixreifenprofil

U-Profilwalze

Ziel war es, den tatsächlichen Erdanhang sowie den Zeit-, Wasser- und Strombedarf für die Reinigung unter praxisnahen Bedingungen zu erfassen. Dafür wurden sämtliche Maschinen nach der Bearbeitung von 1 ha gewogen, anschließend mechanisch abgeklopft, erneut gewogen und schließlich vollständig mit einem Hochdruckreiniger gesäubert. Die abgeklopfte Erde wurde entsprechend den einzelnen Arbeitselementen (Zinkenfeld, Einebnung, Walze) zusammengekehrt und auf einer Viehwaage verwogen. Neben den Gewichten wurden auch Wasser- und Stromverbrauch sowie die Reinigungsdauer dokumentiert.

Drei Standorte für belastbare Ergebnisse

Um unterschiedliche Bodenverhältnisse abzubilden, fanden die Versuche auf drei Standorten rund um das Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW) statt:

Fläche Düsse: lehmiger Schluffboden – 66 Bodenpunkte

Fläche Sand: humoser Sandboden – 26 Bodenpunkte

Fläche Tümpel: schwerer, bindiger Lößboden – 74 Bodenpunkte

Die Bearbeitbarkeit war auf allen Flächen bei mittlerer bis hoher Bodenfeuchte gut. Die Arbeitstiefe lag bei etwa 15 bis 18 cm. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass nicht nur die Walzenbauart, sondern insbesondere die Bodenbedingungen den Erdanhang beeinflussen. Während auf Sandstandorten vergleichsweise geringe Anhaftungen auftraten, stieg der Erdanhang auf feuchten und bindigen Böden deutlich an.

Bei derartigen Verschmutzungen helfen nur viel Wasser, wenig Druck und, wenn möglich, das Material nicht antrocknen zu lassen. Der Aufwand, solche Maschinen zu reinigen, ist hoch – die Kosten, auf Flächen im schlimmsten Fall innerhalb weniger Jahre keine Produktion mehr durchführen zu können, sind in jedem Fall höher.

Überraschende Erkenntnisse zum Erdanhang

Besonders interessant: Viel Erdanhang bedeutet nicht automatisch einen hohen Reinigungsaufwand. Die U-Profilwalze zeigte im Versuch zwar den größten Erdanhang, im Mittel der drei Standorte 124 kg. Gleichzeitig ließ sich die anhaftende Erde jedoch besonders leicht entfernen. Eine Erklärung ist, dass die Erde unmittelbar nach der Bearbeitung entfernt wurde. Angetrocknete und festgesetzte Erde in den Ringen lässt sich erfahrungsgemäß nur sehr schlecht entfernen. Mit Hammereinsatz ließen sich zwischen 94 und 98 % der Erde bereits vor der Hochdruckreinigung abklopfen – Spitzenwert. Die Keilringwalze mit Matrixreifenprofil wies insgesamt den geringsten Erdanhang auf (zwischen 2 und 5 kg wurden mit dem Hammer abgeklopft), während sich bei der Doppel-Federringwalze (zwischen 17 und 56 kg Erde konnten abgeklopft werden) die Erde häufig in den Zwischenräumen und auf der Ringinnenseite verteilte und dadurch schwerer vollständig zu entfernen war. Zu berücksichtigen ist in diesem Fall aber, dass beim Einsatz des Grubbers mit der Keilringwalze nur 30 % der gesamten Erdanhaftung abgeklopft und zirka 70 % abgewaschen wurden. Sie eignet sich nach getaner Arbeit daher weniger gut zur Reinigung auf dem Acker als andere Walzen. Der größte Anteil der anhaftenden Erde befand sich unabhängig vom Walzentyp stets an der Walze selbst. Zinkenfeld und Einebnung tragen nur marginal zur gesamten Erdanhaftung bei. Im Mittel konnten über die neun Varianten – drei Walzentypen und drei Standorte – 68 % der Erde abgeklopft werden. Zirka 32 % wurden anschließend noch abgewaschen. Dabei waren die Schwankungen je nach Standort und Walzentyp sehr hoch. Der Walzenvergleich verdeutlichte, dass im Durchschnitt 100 kg Erde vom gesamten Gerät abgeklopft und abgewaschen wurden.

Reinigungszeit: Walzenbauform entscheidet

Noch deutlicher wurden die Unterschiede beim Zeitbedarf für die Maschinenreinigung. Die Wahl der Walze hatte einen wesentlich größeren Einfluss auf den Reinigungsaufwand als der Standort selbst. Im Mittel dauerte die Reinigung knapp 25 min. Je mehr Erde noch anhaftete, beispielsweise an der Keilringwalze mit Matrixreifenprofil, desto länger dauerte das Reinigen (bis zu 34 min). Die U-Profilwalze ermöglichte gegenüber der Doppel-Federringwalze Zeitersparnisse von rund 30 bis 40 %. Gleichzeitig zeigte sich, dass bei schwierigen Bodenverhältnissen die Walzenreinigung häufig mehr als die Hälfte der gesamten Reinigungszeit beansprucht. Gerade auf feuchten, bindigen Böden steigt der Zeitbedarf erwartungsgemäß erheblich.

Sind im Betrieb Problemstandorte bekannt, sollten die Maschinen nach der Bearbeitung auf diesen Flächen gründlich mit Wasser gereinigt werden. Nur so kann wirklich sichergestellt sein, dass keine Erde mehr an den Maschinen haftet. Halb ausgeklappt ließ sich der Universalgrubber am besten reinigen.

Verbrauch folgt dem Zeitbedarf

Ähnliche Zusammenhänge ergaben sich beim Ressourcenverbrauch. Der größte Anteil des Wasserverbrauchs entfiel folgerichtig auf die Reinigung der Walze. Besonders nach der Bearbeitung der Fläche Tümpel mit schweren Böden stieg der Bedarf deutlich an. Im Mittel lag der Wasserverbrauch bei 430 l. Für eine gründliche Reinigung ist mit zirka 2,3 kWh Stromverbrauch zu rechnen.

Die U-Profilwalze erwies sich auch hier als effizienteste Variante und benötigte 40 bis zu 45 % weniger Wasser als die Vergleichswalzen. Da der Stromverbrauch unmittelbar mit der Laufzeit des Hochdruckreinigers zusammenhängt, zeigte sich erwartungsgemäß eine enge Korrelation zwischen Reinigungsdauer, Wasser- und Energieverbrauch.

Feldhygiene verursacht messbare Kosten

Wie hoch der Aufwand im Betriebsalltag tatsächlich sein kann, verdeutlicht ein Rechenbeispiel für einen fiktiven 152-ha-Betrieb. Dabei wird davon ausgegangen, dass mit vergleichbarem Grubber jede Fläche 1,5-mal bearbeitet wird und auf der Hälfte der angenommenen 70 Schläge aufgrund von ackerbaulichen Herausforderungen wie Weidelgras eine Reinigung erfolgt.

Wer die Maschine nach der Hälfte aller Bodenbearbeitungen vollständig reinigt, investiert jährlich knapp 22 Stunden reine Arbeitszeit. Dabei wurden die Wege vom Feld zum Reinigungsplatz sowie etwaige Rüstzeiten aufgrund individueller Gegebenheiten außen vor gelassen. Hinzu kommen rund 22,5 m3 Wasser und etwa 119 kWh Strom. Unter den angenommenen Kosten ergibt sich ein jährlicher Reinigungsaufwand von rund 680 € für das Arbeitsgerät Grubber. Rechnet man mit durchschnittlich 100 kg Erd-
anhang bei einem 4-m-Grubber, könnten bei fehlender Reinigung mehr als 10 t Erde zwischen den Schlägen verschleppt werden. Sicherlich bleibt ein Teil der Erde über längere Zeit fest an der Maschine, das Potenzial zur Verschleppung ist allerdings gegeben. Die Vorstellung, Erde im Gewicht von 100 kg von einer Problemfläche zur nächsten ackerbaulich unproblematischen Fläche zu tragen, sollte auf jedem Betrieb das Bewusstsein für das Thema Reinigung wecken. Untersuchungen zeigen, dass in 1 kg Erde je nach Standort grundsätzlich mehrere 100 bis 1.000 Samen stecken. Die Kosten, die für den Reinigungsaufwand im Beispiel entstehen, sind im Verhältnis zum potenziellen Verlust der Anbaumöglichkeit von Kartoffeln, Zuckerrüben und Co. nach mehreren Jahren ausgelassener oder halbherzig durchgeführter feldhygienischer Maßnahmen zu vernachlässigen. Daher sollte das Thema Feldhygiene und Maschinenreinigung wieder deutlich präsenter werden.

Praktische Empfehlungen

Aus den Versuchsergebnissen lassen sich mehrere Empfehlungen ableiten: Eine Grobreinigung mit dem Hammer direkt auf dem Feld reduziert den späteren Aufwand erheblich. Je nach Walzentyp ließen sich so bereits bis zu 98 % der Erde entfernen. Ebenso lohnt sich die Auswahl eines geeigneten Walzentyps nicht nur hinsichtlich der ackerbaulichen Vorzüge, sondern auch unter dem Aspekt der Feldhygiene. Gummierte Walzen ließen sich durch den reinen Hammereinsatz nicht so gut reinigen. Hier lagen die Ergebnisse zwischen 20 und 50 % abgeklopfter Erde. Erklären lässt sich dies über die Pufferwirkung von Gummi beim Einsatz von Metall. Schwingungen werden nicht beziehungsweise weniger stark übertragen als bei Walzen aus Stahl. Für die Hochdruckreinigung empfiehlt sich eine halb geklappte Maschinenstellung, da alle Arbeitsbereiche gut erreichbar bleiben. Außerdem sollte systematisch gearbeitet werden – beispielsweise von links nach rechts sowie von oben nach unten – und geeignete Schutzausrüstung getragen werden. In Extremsituationen wie nach der Einarbeitung von Gülle mit einer Scheibenegge helfen eine hohe Wassermenge, wenig Druck und zudem, die Erde möglichst nicht antrocknen zu lassen. Frische Erde lässt sich immer noch am besten entfernen.

Fazit

Der Versuch macht deutlich, dass Feldhygiene längst mehr ist als ein Nebenaspekt der Bodenbearbeitung. Gespräche mit unterschiedlichen Herstellern von Landtechnik bestätigen diese Erkenntnis. Die Anfragen zum Thema Erd­anhaftung werden aus den bereits genannten Gründen spürbar häufiger. Die Kon­struktion der Walze beeinflusst nicht nur den Erdanhang, sondern auch den Reinigungsaufwand und damit Zeit-, Wasser- und Energiekosten erheblich. Besonders die U-Profilwalze zeigte trotz erwarteter hoher Erdanhaftung deutliche Vorteile bei der Reinigbarkeit. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies: Bereits bei der Auswahl der Arbeitswerkzeuge können wichtige Beiträge zur Reduzierung von Verschleppungsrisiken und zur Senkung der Betriebskosten geleistet werden. Gleichzeitig gilt, dass der Grubber nur eines von vielen Anbaugeräten ist, das in der Produktionskette in den direkten Kontakt mit Boden kommt. Eine konsequente Feldhygiene umfasst auf Betriebsebene grundsätzlich alle Gerätschaften.

Angebotsbereicherung mit drei Betriebskollektionen

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Die Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH) führte erstmalig im Juli eine Auktion in Dätgen durch. Das Angebot konnte in allen ­Kategorien vollständig vermarktet werden, und die Erlöse lagen über den Erwartungen.

Das kleine Aufgebot an schwarzbunten Bullen bestand nur aus genetisch hornlosen Bullen. Im Schnitt wurden sie für 3.000 € zugeschlagen. Teuerster Bulle war „Cubaloo P“ von der Rinderzucht Thies/Gröhn GbR in Stuvenborn. Der hornlose „Camron P“-Sohn überzeugte bereits bei der Körung mit sehr viel Stärke, einem sehr guten Fundament und stammt aus einer Bullenmütterfamilie aus dem Zuchtprogramm der RSH. Nach einem spannenden Bieterduell konnte der Auktionator ihn bei 3.600 € zuschlagen.

Betriebskollektionen bereichern Auktion

Gleich drei Betriebe stellten auf dieser Auktion Betriebskollektionen, die alle mit viel Qualität überzeugen konnten. Den Beginn machte die Engelbrecht GbR aus Bokholt-Hanredder. Die Kollektion bestand aus zwei Kühen und fünf Färsen, die sich alle sehr leistungsbereit im Ring zeigten. Die beiden Zweitkalbskühe wurden für je 2.400 € zugeschlagen, die Färsen kosteten im Schnitt 2.620 €. Teuerste Färse mit 2.750 € war „Enne“, die mit einer ersten Kontrolle von mehr als 40 kg Milch glänzen konnte. Direkt im Anschluss wurde die Kollektion von Malte Krohn aus Kummerfeld im Ring versteigert.

Die acht Färsen zeigten sich als absolute Produktionsfärsen, die mit Einsatzleistungen von fast 40 kg überzeugen konnten. Die geringe Preisspanne von 2.300 € bis 2.700 € verdeutlicht die Einheitlichkeit der Betriebskollektion, im Schnitt wurde die Kollektion für 2.538 € zugeschlagen. Die dritte Kollektion stellte der Betrieb Milchhof Wesenberg, Thomas Schmahl aus Groß Wesenberg. Die Betriebskollektion bestand aus sechs Holsteinfärsen und einer Braunviehfärse. Die enorm bemuskelte Braunviehfärse kostete 3.100 €, insgesamt erzielte die gesamte Kollektion 2.700 € im Durchschnitt. Teuerste Färse war die rotbunte Färse „Davos P“ von „Boeing-Red“. Die kapitale und mit viel Power ausgestattete Färse erlöste 3.200 € und wird in Zukunft im Kreis Rendsburg-Eckernförde gemolken.

Färse „Washington“ wusste zu überzeugen

Die schwarzbunten Färsen insgesamt kosteten im Durchschnitt 2.471 €. Teuerste Färse war die großrahmige und leistungsbereite „Picard“-Tochter „Washington“ von der Heidehof GbR aus Timm­aspe. „Washington“ geht auf die bekannte „Jefferson“-Tochter „Joyce“ zurück, die mit einer Lebensleistung von 143.000 kg aufwarten kann. Ebenfalls hat sie bei der Verbandsschau Neumünster am Abend einen Siegertitel erringen können. Die zwei schwarzbunten Kühe im Angebot stammten beide von Jens Gerken aus Pölitz und erlösten im Durchschnitt 2.375 €.

Das kleine Kontingent der rotbunten Färsen erlöste im Schnitt 2.900 €, die teuerste Färse war dabei die bereits erwähnte „Davos P“ aus der Betriebskollektion von Thomas Schmahl.

Die nächste Auktion findet am 13. August in Dätgen statt, und die Rinderzucht Schleswig-Holstein hofft, dass zahlreiche Anmeldungen erfolgen und damit den Auktionsstandort Dätgen attraktiv gestalten.

In der Praxis zählt, was hilft

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Um auch in größer werdenden Würfen möglichst alle Ferkel aufzuziehen, gilt es einige Punkte zu beachten und anders zu bewerten als früher. Dazu gehören unter anderem eine gezielte Vorbereitungsfütterung der Sau sowie Betreuungsmaßnahmen während der Geburten.

Die züchterische Entwicklung der Wurfgröße hat sich gegenüber den Vorjahren zwar verlangsamt, sie geht aber trotzdem weiter. Das belegen überregionale Auswertungen wie die Zahlen aus den nordwestdeutschen Erzeugerringen: Dort wurden im vergangenen Jahr im Mittel 15,8 lebend geborene Ferkel bei einer zunehmend besseren Verlustsituation von 12,9 % je Wurf gezählt. Dabei gibt es jedoch große betriebliche Unterschiede. Auch verzeichnen Herkünfte mit mehr lebend geborenen Ferkeln mehr Ferkelverluste. In vielen Betrieben im Bundesgebiet wird damit eine Schwelle für die Wurfgröße überschritten, die früher als kritisch für die Vitalität der Saugferkel galt: Wenn züchterisch nicht gegengesteuert wird, steigt bei mehr als 16 insgesamt geborenen Ferkeln der Anteil an Leichtgewichten mit weniger als 1.000 g Geburtsgewicht von etwa 10 % auf fast 20 %. Und diese leichten Ferkel haben ein Verlustrisiko von mehr als 30 %.

Gute und schlechte Startbedingungen

Viele Auswertungen zeigen, dass eine verlustarme Aufzucht von Saugferkeln in der Regel erst ab einem Geburtsgewicht von 1.200 g möglich ist. Die geringsten Verlustraten werden bei einem Geburtsgewicht von 1.600 g festgestellt. Entscheidend ist jedoch nicht das mittlere Gewicht pro Ferkel, sondern die Streuung der Geburtsgewichte. Als physiologische Ursache für diese Ungleichverteilung gilt die Gefäßdichte der Plazenta und damit die Nährstoffversorgung der ungeborenen Ferkel während der Trächtigkeit.

In der Folge haben die leichten Ferkel bei der Geburt von vornherein weniger Energiereserven und eine im Verhältnis zum Körpergewicht größere Körperoberfläche. Sie tragen dadurch ein größeres Risiko, zu unterkühlen und weniger Kolostralmilch abzubekommen. Dadurch fehlen ihnen Energie (Hypoglykämie) und Schutzstoffe (Hypogammaglobulinämie). In der Konsequenz leiden die Leichtgewichte deutlich häufiger an infektiösen Faktorenerkrankungen wie Durchfällen und Gelenkentzündungen und haben dadurch ein größeres Risiko, verloren zu gehen.

Lange Geburten belasten

Ein weiterer wichtiger Vitalitätsfaktor ist in der Geburtsgeschwindigkeit zu sehen, die unter anderem über die Fütterung und Konditionierung der Sauen beeinflusst werden kann: Die Tiere sollten in den Tagen vor der Geburt ein Futter mit ausreichend dickdarmverdaulicher Faser erhalten, damit die Verdauung in Gang bleibt. Gleichzeitig muss das Futter genug Energie und Protein liefern, um die Sauen auch nach einigen Stunden Geburt noch bei Kräften zu halten.

Das gilt es heute viel höher zu bewerten als früher, denn die Dauer der Geburten steigt seit Jahren. Während eine durchschnittliche Geburt früher etwa vier Stunden dauerte, ferkeln die Sauen heute sechs Stunden und länger. Je nach Herkunft nimmt dabei der zeitliche Abstand zwischen den geborenen Ferkeln auch mit der Wurfgröße zu. Als Faustzahl gilt hier, dass das Doppelte des spontanen Abstandes der Ferkel untereinander nicht überschritten werden sollte (höchstens 35 min zwischen zwei Ferkeln). Betriebe mit sehr niedrigen Verlustraten (unter 10 %) holen alles, was nach einer guten halben Stunde nicht da ist. Versuche zeigen: Sofern die Eingriffe hygienisch und tierschonend durchgeführt werden, steigt der Anteil der Sauen mit zu behandelnden Nachgeburtsproblemen um weniger als 2 %. Eingriffe sind kein Kinderspiel, der Vorteil aber überwiegt. Um die Geburten effizient zu betreuen, ist es sinnvoll, diese hormonell einzuleiten. Bei den heute durchweg längeren Tragezeiten sollten aber nur Geburten eingeleitet werden, die länger als das mittlere Herdenmittel dauern. Die Ferkel nehmen im Mutterleib ungefähr 30 g pro Tag zu. Um zu bestimmen, ob das 116 oder sogar 117 oder mehr Tage sind, muss richtig gerechnet werden. Der Tag der letzten Besamung gilt dabei als erster Trächtigkeitstag.

Dazu kommt: Heute wie früher verringert sich der Antikörpergehalt im Kolostrum, je länger die Geburt dauert. Er geht innerhalb der ersten vier Stunden von 30 % auf 16 % zurück. Bei angenommenen 16 Ferkeln je Wurf und sechs Stunden Geburtsdauer bekommen die erstgeborenen vier Ferkel damit rund 50 % mehr Abwehrkräfte als die letzten vier Tiere des Wurfs. Das hat Konsequenzen, denn Ferkel mit einem hohen maternalen Antikörperspiegel bilden später auch selbst mehr Antikörper.

Biestmilch rettet Leben

Somit ist die Bedeutung der Kolostralmilch als erste Lebensversicherung der Ferkel noch gestiegen. Denn während sich die Menge der reifen Milch in Grenzen der Nachfrage und damit der Wurfgröße anpasst, bilden die Sauen die Biestmilch ganz unterschiedlich. Der Durchschnitt liegt bei 3,5 l, die Spanne reicht von etwa 1 bis 4,5 l je Sau. Mit zunehmender Wurfgröße und gleichzeitig abnehmender Kolostrumqualität im Verlauf der ersten Stunden wird die „flüssige Lebensversicherung“ zunehmend knapp. Je größer dann die Würfe werden, desto mehr Ferkel teilen sich die vorhandene Kolostralmilchmenge, wobei 300 g je Ferkel als ein Optimum und knapp 200 g als ein Minimum angesehen werden.

In allen Versuchen eindeutig zeigte sich der Zusammenhang zwischen der Überlebensrate und der Zeitdauer bis zur ersten Biestmilchaufnahme. Ferkel, die in Versuchen 10 min nach der Geburt am Gesäuge waren, konnten wir quasi ausnahmslos aufziehen. Sie kommen fast alle durch. Bei den nicht so vitalen Ferkeln, die bis zu 60 min brauchten, um das Gesäuge zu erreichen, betrug die Verlustrate fast 40 %. Und die Problemferkel, bei denen mehr als eine Stunde bis zur ersten Milchaufnahme vergeht, haben ein Verlustrisiko von bis zu 100 %, wie die Abbildung zeigt. Alle darin eingegangen Werte sind statistisch unkorrigiert. Der Effekt ist somit sehr robust.

Daher kann es für große Würfe sinnvoll sein, nach dem ersten gemeinsamen Säugen des gesamten Wurfes die schweren Ferkel für zwei Stunden wegzusperren, um den kleineren Wurfgeschwistern eine Chance auf mehr Kolostralmilch zu geben (Split-Nursing). Da die Gesamtmenge nicht steigt, geht es auch darum, nur den richtigen (kräftigen) Ferkeln etwas abzuziehen und das Risiko einer zu geringen Kolostralmilchversorgung von den kleinen auf die großen Ferkel zu übertragen. Werden in den Moment, in dem mehr Ferkel als Zitzen an der Sau sind, die richtigen Separationskandidaten (zwei bis drei) ausgewählt und jeweils nur zwei Stunden getrennt, dann ist eine Verringerung der Ferkelverlustrate um 5 bis 6 % möglich.

Es ist zwar offensichtlich, dass leichtere Ferkel mit geringeren Körperreserven und dem höheren Auskühlungsrisiko länger brauchen, um sich an das Gesäuge vorzuarbeiten und Kolostralmilch aufzunehmen. Vitale Ferkel sind aber nicht nur aufgrund ihrer Geburtsmasse in kürzerer Zeit am Gesäuge. Es muss daneben noch andere, zum Teil saisonale Vitalitätsfaktoren geben, die im Bereich der Tragezeit zu suchen sind und die unterschiedliche Vitalität und Verlustrate der Ferkel aus verschiedenen Durchgängen erklären. Diese Zusammenhänge kommen unter Verwendung der modernen Haltungssysteme (Bewegungsbuchten) noch stärker zum Tragen als früher, denn die Wege vom Ort der Geburt bis zum Ferkelnest sind oft mehrfach länger als früher.

Versuch macht klug

Im Rahmen langjähriger Untersuchungen im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch sowie in sächsischen Praxisbetrieben wurden in den vergangenen Jahren verschiedene, sich aus diesen Zusammenhängen ergebende Maßnahmen rund um die Geburt auf den Prüfstand gestellt. Die Ergebnisse werden in der Tabelle auch im Hinblick auf die Bedeutung des gefundenen Effektes zusammengefasst.

Den größten Einfluss hat die Sau selbst, ihre Gesundheit, die über Konditionsfütterung und Vorbereitung auf die Geburt beeinflusst werden kann (siehe Tabelle). Wichtig sind heute Fütterungsmaßnahmen zur Verminderung von Koprostase (Kotstau im Dickdarm) und zur Verbesserung der Kalzium-Mobilisierung.

Die Tiere dürfen nicht verfettet in den Abferkelstall kommen, und die Verdauung muss auch zur Geburt in Schwung gehalten werden. Das Fundament für komplikationsarme Geburten von unversehrten und zum Kupierverzicht geeigneten Ferkeln wird bereits in der Transferfütterung der Sauen vor der Geburt gelegt (Faser und Kalzium). Leider ist es nicht möglich, die Sauen sowie Milchrinder zur Ca-Mobilisierung zu erziehen. Spezialergänzungsfuttermittel wie Lachsöl oder funktionelle Lignozellulose können Vorteile für ältere Sauen bringen. Traubenzucker hilft zeitlich nur kurz, viel nachhaltiger wirkt Energie aus dem Dickdarm. Zuletzt hat auch der Einsatz von Protein tierischen Ursprungs (VTP) Effekte gezeigt. Wichtiger sind aber ein schlüssiges Fütterungskonzept und die Gleichheit der Futterkomponenten.

Mit der Fruchtbarkeit nimmt die Bedeutung der typischen Faktorenerkrankung MMA (Mastitis, Metritis, Agalaktie) sogar noch zu. Sie zeigt sich heute aber eher in subklinischen Verlaufsformen (Peripartales Hypogalaktie-Syndrom, PHS). Sie ist unauffälliger, kommt aber offensichtlich umso häufiger vor. Während Futterzusätze, die den Energiestoffwechsel unterstützen, deutlichere Effekte bei älteren Sauen zeigten, führte der Einsatz von Produkten mit schmerzlindernder und entzündungshemmender Wirkung nach der Geburt eher zu Effekten bei jüngeren Sauen und ihren Ferkelverlustraten. Entzündungshemmende Stoffe (zum Beispiel Polyphenole) ohne schmerzlindernde Wirkung brachten dagegen keine Verbesserung. Es wird geschlossen, dass die Wirkung darauf beruht, dass die Sauen ohne Nachgeburtsschmerzen bei der so wichtigen Kolostralmilchabgabe ruhiger sind, sodass diese nachhaltiger abläuft. Ruhe ist also oberstes Gebot, auch für die Betreuung.

Geburten gezielt betreuen

Während der Einsatz von Zusatzstoffen bei den Sauen Wirkung zeigen kann, brauchen Ferkel ausreichende Geburtsgewichte, zügige Geburten, Kostralmilch und Wärme und sonst eigentlich nichts. Deshalb sollte eine Geburtsbetreuung obligatorisch sein. Ein systematisches Ferkelversetzen (auch an Ammen) sowie das Füttern beziehungsweise Drenchen untergewichtiger Ferkel mit Kolostralmilch sollte ebenfalls zur Routine erfolgreicher Ferkelerzeugerbetriebe gehören. Keinesfalls sollte bei der Masse der heute geborenen Ferkel, der Blick für das Einzeltier verloren gehen.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Entwicklung der Fruchtbarkeitsleistungen nach wie vor ein dynamischer Prozess ist, der unsere Sauen auch physiologisch verändert hat. Das erfordert eine Anpassung auch etablierter Managementmaßnahmen von der Besamung bis zur Geburt. Die Effekte sind umso nachhaltiger, je kleiner der Organismus ist, an dem die Maßnahmen angewendet werden. Deshalb ist die Geburt so ein wichtiges Zeitfenster, in dem die Entwicklung für ein ganzes Schweineleben beeinflusst wird: Die Sauenhalter sind also gut beraten, sich in dieser Zeit voll auf die Sauen und Ferkel zu konzentrieren und bei Bedarf steuernd oder helfend einzugreifen – wobei einige wichtige Weichen offenbar bereits in der Frühträchtigkeit gestellt werden. Eine zusammenfassende Bewertung aller in Erprobungen durchgeführten Maßnahmen zeigt die Tabelle.

Fazit

Hohe ­Fruchtbarkeitsleistungen haben physiologische Konsequenzen: Sie provozieren abnehmende Geburtsgewichte und (Kolostral-)Milchmenge je Ferkel sowie verlängerte Geburten. Der wichtigste Vitalitätsfaktor ist das Geburtsgewicht, der zweitwichtigste die Geburtsgeschwindigkeit. Das heißt, je zügiger die Ferkel geboren werden (Abstand maximal 2 x 17 min), desto vitaler sind sie. Die Geburtsbetreuung hilft somit, die Vitalität zu steigern. Totgeburten sind nachweislich eher die Folge von langen Geburten und weniger die Ursache. Ferkel brauchen Reserven (1.200 g Geburtsgewicht), Wärme (Ferkelnester 0,065 m², unter 40 °C; Raumtemperatur 21 °C) und Kolostralmilch (200 g bis 300 g), sonst eigentlich nichts. Dabei beeinflussen sich Vitalität und Kolostralmilchaufnahme gegenseitig, drei Kolostralmilchgaben sollten heute von der biologischen Mutter stammen. Das zeitweise Wegsperren starker zuerst geborener Ferkel (Split-Nursing) überträgt das Risiko von den kleinen auf die großen Ferkel. Es hilft, aber nur bei Auswahl der richtigen Anzahl geeigneter Ferkel. Viele Weichen (Milchleistung, Nekrosen) werden vor der Geburt gestellt (Dickdarmgesundheit, Komponentengleichheit, Futterumstellung). Dafür muss das Sauenfutter für die speziellen Bedürfnisse vor und nach der Geburt optimiert werden, aber nicht kompliziert sein. Spezialergänzungsfuttermittel (Lachsöl, funktionelle Lignozellulose) können Vorteile für ältere Sauen bringen (Geburtsverlauf beziehungsweise Geburtsgeschwindigkeit), Entzündungshemmer bringen eher Vorteile für junge Sauen und Ferkel. Dazu kommen auch Maßnahmen nach der Geburt. Eine orale Eisenversorgung führt je nach Verfahren nicht zu dem gleichen optischen Gesamteindruck hinsichtlich der Körperfärbung der Ferkel, kann dafür aber einen Vorteil für die Tiergesundheit haben. Auch etablierte Managementmaßnahmen von der Besamung bis zur Geburt sollten überdacht und angepasst werden.