Sie werden bei Login in den Shop auch automatisch auf der Bauernblatt-Website eingeloggt und können sich dann zukünftig mit dem gleichen Passwort auf beiden Websites anmelden.
Der flächendeckende Start der Ernte ist in dieser Woche nach Stabilisierung des Wetters erfolgt. Die Entwicklung der Getreidebestände wurde in diesem Jahr maßgeblich durch die Witterung geprägt.
Nach einem überwiegend trockenen Frühjahr beschleunigte die ausgeprägte Hitze Ende Juni die Abreife vieler Bestände. Gleichzeitig sorgten regional kräftige Gewitter für sehr unterschiedliche Bedingungen. Entsprechend unterschiedlich präsentieren sich die Bestände.
Noch ist es zu früh, um belastbare Aussagen zu Erträgen und Qualitäten zu treffen. Die ersten Druschergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet und liefern eine erste Einschätzung über die Auswirkungen der Trockenheit und der hohen Temperaturen.
Regional rechnet Achim Seidel, Referent für den Bereich Marktfruchtbau und Getreide der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, mit unterschiedlichen Ergebnissen. Während tiefgründige und gut wasserversorgte Standorte die Trockenphase vielfach besser überstanden haben, könnten insbesondere auf leichteren Böden Mindererträge auftreten.
Auch der Erntebeginn fiel in diesem Jahr regional unterschiedlich aus.
Wenn sich vom Frühsommer bis in den Spätherbst kleine, gelbliche Kügelchen am Pferdefell zeigen, ist das ein Hinweis auf die Magendasselfliege. Gelangen die Larven ins Pferd, drohen Entzündungen in Maul und Magen. Zur richtigen Bekämpfung ist der Zeitpunkt der Entwurmung wichtig.
Gegen Dasselfliegen wirken zwar Wurmkuren, doch sie gehören nicht zu den Würmern, sondern zu den Fliegen, genauer gesagt zur Gattung Gasterophilus. Die Art Gasterophilus intestinalis, auch Pferdemagenbremse genannt, ist unter Pferdehaltern besonders bekannt, weil ihre gelblichen Eier auf dem Fell gut sichtbar sind und häufig in großer Zahl auftreten.
Aufgrund ihrer Behaarung erinnern Dasselfliegen an zu klein geratene Hummeln. Beim Anflug geben die knapp 2 cm großen Fliegen ein relativ lautes Summen von sich, das viele Pferde nervös macht. Ihr Lebenszyklus ist durchaus interessant.
Dasselfliegen kleben je nach Witterung von Frühsommer bis Spätherbst ihre Eier an das Pferdefell, meist an Vorderbeine, Brust, Schulter oder Flanke. Lecken oder knabbern die Pferde daran, nehmen sie die Larven auf. Diese bohren sich dann in Zunge, Gaumen oder Mundschleimhaut und bleiben dort für wenige Wochen. In dieser Phase können sich Entzündungen im Maul sowie Kau- und Schluckbeschwerden bemerkbar machen.
Die bevorzugten Stellen der Magendasselfliege sind Vorderbeine, Brust, Schulter und Flanke. Foto: Sven und Peggy Morell
Danach wandern die Larven weiter in den Magen und heften sich dort mit ihren starken Mundhaken an die Magenschleimhaut, was zu Magenschleimhautentzündungen mit Geschwürbildung führen kann. Mögliche Symptome sind Koliken, Durchfall oder Gewichtsabnahme. Die Larven verbleiben mehrere Monate im Magen und werden dann, wenn nicht entwurmt wird, pünktlich zur nächsten Weidesaison mit dem Kot wieder ausgeschieden. Im Erdboden verpuppen sie sich, bis nach weiteren vier Wochen die adulten Dasselfliegen schlüpfen. Diese legen direkt nach der Paarung ihre Eier im Pferdefell ab, und der Zyklus beginnt von vorn. Die adulten Tiere sterben kurz nach der Eiablage.
Eier rasch entfernen
Am besten ist es, wenn die Larven gar nicht erst ins Pferd gelangen. Daher sollten die kleinen Eier, die am Pferdefell kleben und gut mit bloßem Auge zu erkennen sind, möglichst schnell entfernt werden. Einfaches Abbürsten oder Absammeln funktioniert allerdings nicht, da die Eier sehr fest am Fell haften. Es gibt jedoch verschiedene andere Methoden, um sie effektiv zu entfernen:
– Spezielle Dasselfliegenmesser haben eine geschwungene, fein gezähnte Klinge. Sie entfernen die Eier zuverlässig und sind mit meist weniger als 10 € sehr preiswert erhältlich.
– Die Eier lassen sich auch mit einem Einmalrasierer abstreifen, ohne dabei unnötig Fell zu entfernen. Dabei ist Vorsicht geboten, denn ein Pferd kann sich jederzeit ruckartig bewegen. Von einfachen Rasierklingen ist dringend abzuraten, da hier ein hohes Risiko für Schnittverletzungen bei Pferd und Mensch besteht.
– Mit einem Noppenhandschuh, Gummistriegel oder Bimsstein kann man über die betroffenen Stellen reiben.
– Mit warmem Wasser und etwas Shampoo können die Eier abgewaschen werden. Bei Bedarf hilft zusätzlich ein Noppenhandschuh, Gummistriegel oder Bimsstein.
Das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP), ein europäisches Expertengremium für Parasiten bei Haustieren, empfiehlt das Entfernen der Eier mit einem speziellen Dasselmesser oder durch gründliches Waschen der Haare mit warmem, insektizidhaltigem Wasser ausdrücklich, schränkt aber ein: „Allein sind diese flankierenden Maßnahmen jedoch in der Regel nicht ausreichend, um eine gastrointestinale Infektion zu verhindern.“
Gezielt entwurmen
Deshalb ist die anschließende Entwurmung wichtig. Um den Entwicklungszyklus der Dasselfliegen zu unterbrechen, haben sich Wurmkuren mit den Wirkstoffen Ivermectin oder Moxidectin (makrozyklische Laktone) bewährt.
Ganz entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt, wie Prof. Georg von Samson-Himmelstjerna, Direktor des Instituts für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin an der Freien Universität Berlin, gemeinsam mit Prof. Karsten Feige, Direktor der Klinik für Pferde der Tierärztlichen Hochschule Hannover, im Podcast der Gesellschaft für Pferdemedizin (Folge 27: Endoparasiten) betont: „Dasselfliegen sind von etwa Juni bis Oktober/November aktiv. Nach dem ersten Nachtfrost fliegen sie nicht mehr, dann ist Schluss.“ Während der Wanderung könnten die Larven nicht erfasst werden, diese müssten erst im Magen ankommen, erklärt Feige. Eine zu frühe Wurmkur solle daher vermieden werden.
Der richtige Zeitpunkt der Herbstwurmkur entscheidet darüber, ob die Dasselfliegenlarven erfasst und somit eliminiert werden. Foto: Sven und Peggy Morell
Auch das ESCCAP gibt einen günstigen Zeitpunkt an: „Da die Aktivität der Fliegen mit dem Einsetzen der ersten Frosttemperaturen sistiert, sollte eine geeignete Behandlung des Pferdes im Spätherbst (zum Beispiel im frühen November) sämtliche vorhandenen Larven entfernen.“
Zu lange mit der Behandlung zu warten, ist allerdings auch nicht empfehlenswert, da sonst die beschriebenen Magenprobleme auftreten können. Die ESCCAP-Leitlinien empfehlen bei der Aufstallung im November oder Dezember ohnehin eine Entwurmung mit makrozyklischen Laktonen, sowohl für adulte Pferde im Rahmen der strategischen Entwurmung als auch für Jungtiere und Fohlen. (Achtung: Moxidectin ist für Fohlen nicht zugelassen. Packungsbeilage beachten beziehungsweise mit dem Tierarzt besprechen!) Mit dieser Wurmkur werden die Larvenstadien der Dasselfliege zuverlässig eliminiert. Gleichzeitig werden weitere relevante Parasiten wie kleine und große Strongyliden mitbehandelt.
Häufig wird zudem empfohlen, alle Pferde eines Bestandes gegen Dasselfliegen zu entwurmen, um eine erneute Infektion zu verhindern. „Der Entwurmungsplan sollte immer gemeinsam mit dem Tierarzt individuell auf den jeweiligen Betrieb abgestimmt werden“, so die Empfehlung des ESCCAP.
Immer seltener
Feige berichtet aus dem Klinikalltag, dass bei Magenspiegelungen zwar „hin und wieder“ Larven der Dasselfliege entdeckt würden, diese jedoch „nicht das wesentliche Problem oder die Ursache von Magengeschwüren“ darstellten. Insgesamt hätten Dasselfliegenlarven für die Entstehung von Magengeschwüren „im Moment nur eine untergeordnete Bedeutung“. Nichtsdestotrotz können sie insbesondere bei starkem Befall Magengeschwüre, Blutarmut oder in seltenen Fällen sogar einen Magendurchbruch mit nachfolgender Bauchfellentzündung verursachen.
Die Experten Feige und von Samson-Himmelstjerna betonen übereinstimmend, dass Magendasselfliegen bei Pferden „nicht mehr ganz so häufig“ vorkämen. „In den vergangenen Jahren ist die Häufigkeit sehr zurückgegangen“, so der persönliche Eindruck von Samson-Himmelstjerna. Er vermutet, dass die etablierten Entwurmungsprogramme zu diesem Rückgang beigetragen haben.
Dennoch sollten Pferdehalter aufmerksam bleiben und ihre Tiere regelmäßig auf die typischen Eier im Fell absuchen. Denn weiterhin gilt: Die Eier müssen möglichst frühzeitig entfernt werden, bevor die Larven überhaupt ins Pferd gelangen.
Dasselfliegenarten
In Deutschland sind vor allem vier Dasselfliegenarten beim Pferd bekannt, die sich in Häufigkeit und Infektionsweg unterscheiden:
Die beim Pferd am häufigsten vorkommende Art ist Gasterophilus intestinalis. Ihre gelblichen Eier haften bevorzugt an Vorderbeinen, Brust oder Flanke und sind für Pferdehalter gut sichtbar. Die Larven entwickeln sich bereits im Ei und werden vom Pferd durch Ablecken oder Beknabbern aufgenommen, sodass sie über Maul und Rachen in den Magen gelangen.
Gasterophilus nasalis ist ebenfalls weit verbreitet. Diese Art legt ihre Eier an Kinn- und Backenhaaren ab. Die frisch geschlüpften Larven dringen direkt durch die Haut ein, was sich häufig durch aufgeraute oder weißlich verfärbte Haare im Backenbereich zeigt. Anschließend wandern sie zum Maul und werden abgeschluckt, bevor sie sich im Magen weiterentwickeln.
Gasterophilus inermis kommt in Deutschland seltener vor, hinterlässt jedoch ein sehr charakteristisches Bild. Die Larven schlüpfen aus den an den Backen abgelegten Eiern und wandern in der Haut Richtung Maulwinkel. Entlang dieser Strecke entstehen entzündliche Veränderungen, die als „Streifensommerekzem“ bekannt sind. Erst danach gelangen die Larven in das Maul und schließlich in den Magen.
Gasterophilus pecorum kommt in Deutschland seltener und meist nur regional begrenzt vor. Bedeutender Unterschied: Die Eiablage erfolgt nicht am Pferd, sondern auf Grashalmen oder anderen Pflanzen. Beim Fressen werden die Larven aufgenommen und gelangen so in den Verdauungstrakt.
Bad Bramstedt ist seit 1910 anerkannter Kurort und besitzt auch einen Kurpark, der einerseits durch die dortige Kneippanlage und den Park der Sinne geprägt ist. Andererseits finden wir dort auch eine weitläufige Parkanlage mit geschwungenen Wegen, einem Fließgewässer, einer Teichanlage und einer interessanten Mischung aus mächtigen Altbäumen, seltenen Gehölzen und zahlreichen jungen und weiteren artenreichen Gehölzen.
Am Gesundbrunnen in Bad Bramstedt befindet sich die Stelle, an der 1681 die erste Heilquelle des Ortes entdeckt wurde und den Ursprung des Kurortes bildete. Heute ist Bad Bramstedt anerkannter Luftkurort und traditionsreiches Moorheilbad in Schleswig-Holstein und besitzt zahlreiche spezialisierte Fach- und Rehabilitationskliniken. Im Herzen des Holsteiner Auenlandes gelegen, gilt Bad Bramstedt mit seinen sechs Auen und über 20 Brücken auch als das kleine „Venedig des Nordens“. Wichtige Grünanlagen des Ortes sind durch die Lage an Auen und Fließgewässern geprägt. An der Drei-Auen-Brücke des Bad Bramstedter Kurparks fließen die Schmalfelder Au und die Ohlau zusammen und bilden den Fließgewässerbereich der Hudau, die ihrerseits im Zusammenfluss mit der Osterau bei Bad Bramstedt die Bramau ausbildet. Die Bramau fließt über die Stör in die Elbe und weiter in die Nordsee. Vor allem die Hudau prägt das Kurparkgebiet und bildet in weiten Bereichen die Nordgrenze des Parkareals.
Eines der Wasserelemente des Kurparks ist der zentrale Teich, den man umwandern kann. Foto: Hans-Dieter Reinke
So dienen Teile der Parkanlage als Überflutungsfläche, und in manchen feuchten Zeiten können Wege überschwemmt sein. Dann muss man auf die höher gelegenen Bereiche ausweichen, was aber auch einen Teil des Parkkonzeptes darstellt, in dem stehendes Wasser und Überflutungsräume als wertvolle, dynamische Lebensräume für Tiere und Pflanzen betrachtet werden.
Der Park der Sinne und Kneippanlagen
Im Garten der Sinne in Bad Bramstedt liegen mehrere Themengärten hintereinander. Foto: Hans-Dieter Reinke
Im Zentrum der Bad Bramstedter Kurparkanlage steht die Kneippanlage mit dem Garten der Sinne, der sich nahe der Köhlerhofbrücke über die Hudau befindet. Die 2006 in Zusammenarbeit mit dem Kneippverein des Ortes entwickelte Anlage bezieht sich auf die fünf Säulen der Kneipptherapie: die Ordnungstherapie, die Ernährungstherapie, die Bewegungstherapie, die Hydrotherapie und die Phytotherapie. In verschiedenen Themenräumen werden Aspekte der ganzheitlichen Betrachtungsweise von Körper, Geist und Seele nach den Ideen von Sebastian Kneipp (1821-1897) dargestellt. Er war ein katholischer Priester, der als Hydrotherapeut und Naturheilkundler bekannt geworden ist und dessen Wasserkuren und Kneipp-Medizin noch heute populär sind. Es gibt in Deutschland Kneipp-Kurorte und über 1.000 Kneippvereine, aber auch weitere in Europa und sogar weltweit.
Verschiedene Themengärten beschäftigen sich mit der Kneipp‘schen Lehre, in deren Zentrum die Wassertherapie steht. „Das Wasser ist das allererste, vorzüglichste und allgemeinste Heilmittel für den menschlichen Körper“, sagte Kneipp einst. In dem Garten des Wassers gibt es eine aus vielen Kneippanlagen bekannte Wassertretanlage und ein Armtauchbecken mit kaltem Wasser (zwischen 6 und 12 °C). Man kann Ruhephasen auf den Bänken und eine kleine Pause an der terrassierten Böschung der vorbeifließenden Hudau einlegen.
Der Garten des Wassers mit Kneipp‘scher Wassertretanlage und Armbecken ist ein zentrales Element des Gartens der Sinne. Foto: Hans-Dieter Reinke
Auf der anliegenden Rasenfreifläche im Garten der Bewegung sind freie Bewegungstherapien auch für Gruppen möglich. Die Info-Tafeln der Ernährungstherapie sind im Park der Sinne aktuell nicht zu sehen. Dafür geht es weiter mit dem Garten der Heilkräuter, der angeordnet ist nach sieben unterschiedlichen Krankheitsrichtungen. Gegen jedes Leiden ist ein Kräutlein gewachsen und ermöglicht Linderung und Heilung bei leichten Beschwerden ohne die oft gravierenden Nebenwirkungen sonstiger Heilverfahren. Hier finden sich beispielsweise Hopfen, Lavendel, Schnittlauch, Salbei, Frauenmantel, Erdbeere, Küchenschelle und zahlreiche weitere Kräuter mit unterschiedlichen Heilwirkungen.
Im Garten des Tastens sollen neben dem Tastsinn auch weitere Sinne des Menschen angesprochen werden, und er stellt einen Beitrag zur Bewegungstherapie dar. Zentrales Element ist ein Barfußpfad, wo auf verschiedenen Untergründen wie Feldsteinen unterschiedlicher Größe, Schotter, Holzspänen und Fichtenzapfen das Tastempfinden der Füße trainiert werden kann. Kleine Gehölze wie Ginster, Schmetterlingssträucher, Blauregen, aber auch Gräserhorste lockern das Ganze in den einzelnen Themengärten etwas auf.
Der Garten des Lebensrhythmus unterstützt in seiner Gestaltung die Ordnungstherapie. Vom Zentrum, dem Lebensmittelpunkt, weitet sich die Flächenanordnung spiralförmig aus. Die sich auflösende Stelenreihe bildet den Übergang zum weiteren Bereich des Kurparks.
Ökologische Vielfalt und Gehölz-Biodiversität
Vom Park der Sinne lohnt sich ein beschaulicher Gang in die übrigen Parkareale, die durch einen wertvollen Baumbestand aus Altbäumen und zahlreichen Gehölz-Neuanpflanzungen charakterisiert sind. Sie werden sorgfältig gepflegt und erhalten. „Der Park verbindet ökologische Vielfalt, landschaftliche Schönheit und Lebensraum für Tiere und Pflanzen“, sagt Markus Bartels, stellvertretender Leiter des Bauhofs, der nicht nur für den Kurpark, sondern auch für die übrigen Grünbereiche der Stadt verantwortlich ist. Mehr als 180 Baumarten sind in den Grünanlagen der Stadt zu finden, die meisten davon im Kurparkbereich. Hier sieht das Pflegekonzept auch vor, dass die große Rasenfläche im Kurpark nur zweimal im Jahr gemäht wird, um Wildkräuter und Blütenpflanzen zu fördern und um die Biodiversität durch unterschiedliche Blühphasen und Wuchshöhen zu erhöhen. „Auch die Überflutungsflächen in Teilen des Parks sorgen für dynamische Lebensräume für Pflanzen und Tiere“, betont Bartels, und so könne es durchaus sein, dass der große Teich oder auch die Hudau gelegentlich über ihre Ufer träten.
Sitzbank am Ufer der Hudau mit einigen Stromschnellen Foto: Hans-Dieter Reinke
Sehr schön ist der Verlauf der dahinplätschernden Hudau, an der es wie auch im übrigen Park immer wieder Bänke zum Verweilen gibt, beispielsweise an einer Stelle, an der eine Sohlgleite eingerichtet wurde. Hier fließt der Bach an größeren Steinen im Wasser zügig entlang. Der vorherige Sohlabsturz, der eine Barriere für wandernde Fischarten und Nahrungsorganismen darstellte, wurde entfernt, sodass Arten wie Lachs, Neunaugen und Meerforellen wieder durchgängig flussauf und -abwärts wandern können.
Neben den heimischen Gehölzen mit alten Eichen, Ulmen, Ahornen, Pappeln, mehrstämmigen Rotbuchen, Linden, Eschen und Hainbuchen fallen die vielen Baum- und Strauch-Neupflanzungen auf, die sich entlang der Wege und Freiflächen erstrecken. „Die Ziergehölze sorgen für saisonale Highlights mit Blüten im Frühjahr, Duft im Sommer und Farben im Herbst“, wie Bauleiter Bartels erklärt. Er erwähnt auch die insektenfreundlichen Bäume wie Linde, Ahorn, Weide und andere, die Wildbienen, Honigbienen und Schmetterlinge unterstützen. So findet man unter anderem den Bienenbaum auf dem Gelände, der von Juli bis September, wenn kaum noch andere Bäume blühen, mit vielen kleinen, weißen Blüten, die in Dolden stehen, besetzt ist und die massenhaft Blütenbesucher anlocken. Wichtig ist auch der Aspekt der frühen Blüte mit dem Silberahorn. Diese Bäume haben im Kurpark bereits 25 m Höhe erreicht und müssen zum Teil durch Baumpflegemaßnahmen mit Seilen in der Krone gesichert werden. Sie blühen intensiv im Februar bis März und sind eine wichtige Bienenweide. Auch die etwa 150 Magnoliensorten in der Stadt und im Kurpark – mit rund 215 Bäumen eine der größten kommunalen Sammlungen in Deutschland – blühen früh im Jahr, ebenso wie die Gehölzrarität des Judasbaumes, einer der schönsten Gehölzblüher, dessen rosa Blüten direkt aus den Ästen oder sogar aus dem Stamm wachsen und reichlich Nektar für Hummeln und Bienen anbieten.
Durch die Gehölzvielfalt gibt es immer wieder neue Blühaspekte im Kurpark wie diesen Judasbaum, an dem auch noch die reifen Früchte des vergangenen Jahres hängen. Foto: Hans-Dieter Reinke
Allein zehn verschiedene fremdländische Eichenarten, darunter Bambusblättrige Eiche, Sumpfeiche oder Schindeleiche, sind entlang der Wege zu finden. Aber auch weitere Besonderheiten wie Riesenmammutbaum, Urweltmammutbaum, Ginkgo, Esskastanie, Trompetenbaum, Tulpenbaum, Flügelnuss oder Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch sind anzutreffen. Eine sehr schöne Herbstfärbung bietet der Kuchenbaum, dessen abgefallene Blätter nach Karamell, Zuckerwatte oder Lebkuchen duften. Eine Beschilderung der vielen Besonderheiten im Park existiert bislang noch nicht, ist aber in nächster Zeit mit informativen QR-Codes geplant. Der stellvertretende Bauhofleiter Bartels zeigt sich insgesamt zufrieden mit den bisherigen Bemühungen und betont, dass Bad Bramstedt beispielhaft sehr gut zeigen könne, wie kommunale Pflanzstrategien gleichzeitig Biodiversität fördern, klimatische Anpassungen erbringen, die Aufenthaltsqualität erhöhen und eine unverwechselbare städtische Identität schaffen können.
Eine der Baumraritäten im Kurpark: die Flügelnuss Foto: Hans-Dieter Reinke
An der Drei-Auen-Brücke, wo die Hudau aus dem Zusammenfluss von Ohlau und Schmalfelder Au entsteht, treffen wir auf ein kleines, aber eindrucksvolle Birkenwäldchen aus Himalaja-Birken, wo man die nordische Birkenwaldstimmung auf einer Bank genießen kann. Weitere exotische Birken im Kurpark sind Papierbirken und Schwarzbirken.
Von der Drei-Auen-Brücke aus sind Wanderungen entlang der Schmalfelder Au oder der Ohlau und am Golfplatz wieder zurück möglich. Auch ein Abstecher in die Innenstadt ist lohnend: Es gibt das Torhaus des ehemaligen Bramstedter Gutes, die Maria-Magdalenen-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die Wiebke-Kruse-Figur am Brunnen und den steinernen Roland von 1693, der auch als Wahrzeichen der Stadt gilt. Nicht weit entfernt liegt die Osterauinsel mit einer kleinen Grünanlage am Zusammenfluss von Osterau und Mühlengraben.
Der Rindfleischmarkt steht aktuell gleich vor mehreren Herausforderungen. Eine davon ist die aktuelle Jahreszeit. Die Sommermonate mit der Ferien- und Urlaubszeit markierten schon immer einen saisonalen Tiefpunkt in der Rindfleischnachfrage der Verbraucher. Dies ist im letzten Jahr durch das extrem hohe Preisniveau und die knappe Versorgungslage nicht so aufgefallen. Erschwerend kommt dann genau zu dieser Zeit noch eine Hitzewelle in nahezu ganz Europa dazu mit Temperaturen, die wir hier gar nicht gewohnt sind. Das hat diesen saisonalen Effekt noch deutlich verstärkt. Aber der entscheidende Punkt ist die finanzielle Lage der Verbraucher. Bereits im letzten Jahr um diese Zeit haben wir davor gewarnt, dass die Gefahr bestehe, dass wir bei einem derart hohen Preisniveau den Verbraucher vom Rindfleisch „entwöhnen“. Bei 25 € für 1 kg Gulasch an der Fleischtheke war für viele Verbraucher die Schmerzgrenze überschritten, auch wenn sie dem Rindfleisch noch so wohlgesonnen waren. Und jetzt ist genau diese Befürchtung eingetreten. Verstärkt durch die hohen Preise für Heizöl und Kraftstoff hat der Rindfleischmarkt die Verbraucher regelrecht verloren. Das Ergebnis all dieser Einflussfaktoren sehen wir gerade. Trotz deutlicher Kürzungen der Schlachtmengen und sogar das Herausnehmen ganzer Schlachttage ist das aktuelle Rindfleischangebot deutlich bedarfsübersteigend. Die Bestellmengen des Großhandels lagen in den letzten Woche 70 bis 90 % unter den sonst üblichen Mengen.
Rinderbestände stabil
In dieser sensiblen Phase des Rindfleischmarktes kommt von den Bestandsentwicklungszahlen das falsche Signal. Denn während die Rinderbestände in Deutschland in den letzten zehn Jahren stark rückläufig waren, hat das hohe Preisniveau im letzten Jahr zu einer deutlichen Stabilisierung der Bestandszahlen geführt. So verzeichnete die Mai-Schätzung in diesem Jahr erstmals wieder ein leichtes Plus von 0,2 % auf nun wieder 10,4 Millionen Rinder in Deutschland. Dabei fällt eine deutlich unterschiedliche Entwicklung innerhalb Deutschlands auf. Während die west- und ostdeutschen Bundesländer steigende Bestandszahlen vermelden, kommt es bei uns in Schleswig-Holstein sowie in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zu weiterhin sinkenden Rinderzahlen. Auffällig ist allerdings, dass die Anzahl der Betriebe weiterhin konsequent rückläufig ist.
Weltweit sinkende Rindfleischproduktion
Der Weltmarkt spielt im Rindfleischsektor nicht so eine große Rolle wie in anderen Fleischmärkten, zum Beispiel dem Schweinebereich. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die weltweite Versorgungslage. Die weltweite Rindfleischproduktion wird nach neuesten Schätzungen in diesem Jahr um 1,1 Mio. t zurückgehen. Die Rückgänge verteilen sich dabei auf alle großen Produzenten wie Brasilien, die USA, Argentinien, China und die EU. Allerdings geht auch der weltweite Verbrauch zurück, und zwar mit –1,8 Mio. t noch etwas deutlicher. Somit ist der Rückgang im Verbrauch kein deutsches oder europäisches Phänomen, sondern das weltweit hohe Preisniveau hat auch für eine weltweit rückläufige Nachfrage gesorgt.
Somit waren die aktuellen Abschläge im Rindfleischbereich aus markttechnischer Sicht nicht nur vorhersehbar, sondern sie sind auch erforderlich, um den Verbraucher wieder abzuholen und ihn durch jetzt vermehrt angelaufene Werbeaktionen des Lebensmitteleinzelhandels wieder an das Rindfleisch zu „gewöhnen“.
Sie sind Pädagoginnen, Heilpraktikerinnen, Naturbegeisterte, arbeiten in Schulen, eigener Praxis, Museen oder ehrenamtlich und haben bei aller Verschiedenheit eines gemeinsam: das Zertifikat, das ihnen ein fundiertes Wissen in der Kräuterkunde bescheinigt.
Der LandFrauenVerband Schleswig-Holstein bietet seit 20 Jahren die entsprechende Fortbildungsmaßnahme in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume an. Und weil der Abschluss eines Kurses ja nie einen Schlusspunkt hinter das Lernen setzt, luden Dr. Astrid Hadeler vom Bildungszentrum und Dr. Gaby Brüssow-Harfmann vom LandFrauenVerband Schleswig-Holstein Anfang Juni zu einem Netzwerktreffen der Kräuterqualifizierten nach Eutin ein.
Heil- und Giftpflanzen im Küchengarten
Beim Rundgang durch den Schlossgarten bewunderten die Frauen auch die mehr als 200 Jahre alte Lindenallee.
Auf dem Programm standen unterschiedliche Einblicke in den historischen Küchengarten von Schloss Eutin. Lange Jahre lag das Areal im Dornröschenschlaf. Zur Landesgartenschau 2016 wurde das Gartengelände wiederhergestellt, und seither kümmern sich Ehrenamtliche hier darum, dass die Parzellen nach allen Regeln der Gartenkunst gepflegt werden. Neben einer Vielfalt an Gemüse- und Obstsorten sind hier ein Hildegard-von-Bingen-Garten sowie ein Heil- und Giftfpflanzengarten angelegt worden – besonders interessant für die Kräuterprofis. Und so fand man die bestens gelaunte Truppe am frühen Nachmittag um Jörg Hunke geschart. Er betreut den „Hexengarten“, in dem beispielsweise das Kleine Mädesüß und Färberkrapp gedeihen, und hat sichtliches Vergnügen daran, den Kennerinnen die Heil- und Giftpflanzen zu zeigen. Die Frauen sind buchstäblich mit allen Sinnen dabei, schauen ganz genau hin, beugen sich immer wieder tief über die Blüten, atmen den Duft tief ein, zerreiben Blättchen zwischen den Fingern, um das Aroma zu aktivieren. Wenn möglich, wird auch gekostet – vom Knoblauchschnittlauch zum Beispiel. Um die Eindrücke festzuhalten, werden Fotos gemacht. Auch Dr. Astrid Hadeler hält mit dem Smartphone drauf. „Ich bin begeistert von der Qualität der Pflanzen hier“, sagt sie, während neben ihr die Frage nach der Wirkung von Ehrenpreis gestellt wird. Eine der Kräuterkundigen weiß nicht nur, dass die Pflanze bei Gicht und rheumatischen Beschwerden helfen kann, sie erzählt auch die Legende eines Königs, der dank des Krautes Hilfe gegen einen Ausschlag erfuhr und ihm seinen Namen einbrachte.
Makroaufnahme: Auch Dr. Astrid Hadeler fotografierte die Kräuter.
Wissen an Kinder weitergeben
Dieser rege Austausch ist ein wesentlicher Grund für die Netzwerktreffen. „Es lohnt sich zu kommen“, meint Ulrike Meiß-Schröder. Sie arbeitet als Vertretungslehrkraft und schulische Assistentin in Westerrade und leitet dort auch die Kräuter-AG. Den Qualifizierungskurs hat sie 2015 absolviert. „Ich hatte einfach Interesse, mehr zu wissen. Gegärtnert habe ich schon immer“, erklärt sie. An der Kräuterkunde faszinieren sie die Vielfalt und die historische Dimension: „Kräuter haben immer schon geholfen“, sagt die Frau, die ihr Wissen an die Kinder weitergibt. In der AG stellt sie mit ihren Schützlingen Kräutersalz oder Kräuterzucker her, auch Honig mit Spitzwegerich wurde schon angemischt. „Das Wissen über Pflanzen und Kräuter geht zurück“, stellt die AG-Leiterin fest und setzt hinzu: „Ich bin froh, wenn die Kinder sich dafür interessieren und so auch die Bedeutung für die Insekten kennenlernen.“ Sie selbst kommt an keinem Garten vorbei. „Wenn ich unterwegs bin, schaue ich mir immer Gärten an“, verrät sie verschmitzt. Hat eine Kräuterkundige wie sie eigentlich ein Lieblingskraut? „Nein, ich mag sie alle“, antwortet Ulrike Meiß-Schröder.
Prachtvoll: Die Qualität der Pflanzen begeisterte.Marenka Paustian nimmt neue Ideen mit in den Wildpark Eekholt.
Viele Impulse für starke Frauen
Beim Netzwerktreffen wartet auch auf die erfahrenen Kräuterspezialistinnen die eine oder andere Neuentdeckung. Zumindest ist dieser Gedanke mit dem Besuch des Hildegard-von-Bingen-Gartens verknüpft. „Wir haben gezielt nach Kräutern gesucht, die man noch nicht kennt“, berichtet Dr. Gaby Brüssow-Harfmann am Rande. In Eutin wachsen Galgant, Bertram und Diptam: „Und Letzteren kannten wir alle noch nicht“, verrät Brüssow-Harfmann. Doch der Fokus liegt an diesem Tag nicht allein auf den Kräutern und ihren Wirkungsweisen: „Es ging auch um die Frage: Wer war Hildegard von Bingen?“, führt sie aus. Die Beschäftigung mit streitbaren, starken Frauen ist ein gewichtiges Statement in unruhigen Zeiten.
Ulrike Meiß-Schröder mag alle Kräuter und leitet eine Schul-Kräuter-AG. Fotos: Astrid JabsJörg Hunke führte die Kräuterqualifizierten durch den Gift- und Heilpflanzengarten.
Einer von vielen Impulsen, den die Frauen mitnehmen: „Ich bin wieder viel mehr drin im Thema, habe neue Ideen gesammelt“, resümiert Marenka Paustian, pädagogische Fachkraft im Wildpark Eekholt, während der Führung durch den Schlossgarten im Stil eines englischen Parks. Der Nieselregen, der den Rundgang begleitet hat, hat sich verzogen, und mit Blick auf die alten Bäume nennt Paustian einen weiteren Gewinn aus den Netzwerktreffen: „Es gibt tolle neue Orte zu entdecken!“
Die britischen Landwirte sollen längerfristige Planungssicherheit erhalten. Das zumindest verspricht die Farming Roadmap 2050, die das Landwirtschaftsministerium (DEFRA) Ende Juni vorgelegt hat. Ziel dieser grundlegenden Neuausrichtung sei es, die britische Landwirtschaft rentabler, produktiver, nachhaltiger und widerstandsfähiger zu gestalten.
Um das zu erreichen, will das DEFRA die Rahmenbedingungen für Investitionen und damit für betriebliches Wachstum verbessern. Dies soll unter anderem über einen besseren Zugang zu Wissen, Technologien und Lieferketten gelingen; weiter ins Detail geht das Agrarressort nicht.
Deutlich mehr Gewicht spricht das Ministerium kooperativen Modellen wie Genossenschaften zu, etwa bei gemeinsamen Einkäufen oder Investitionen, um Kosten zu senken, Risiken zu verteilen und darüber höhere Erträge zu erzielen. Aufgestockt werden soll ein Förderprogramm für Innovationen in der Landwirtschaft, das die Bereiche Robotik, Bodengesundheit und Wassermanagement in den Blick nimmt.
Prüfen will die Regierung, wie der tatsächliche wirtschaftliche Wert der Landwirtschaft gemessen werden kann. Damit will London sicherstellen, dass die Branche die ihr zustehende Anerkennung erfährt. Das DEFRA hält die alleinige Betrachtung des Anteils von 0,6 % an der Bruttowertschöpfung für irreführend, da hier nur die Primärproduktion erfasst sei.
Neue Kenngröße
Um eine neue Perspektive zu schaffen, soll gemeinsam mit dem nationalen Statistikamt eine ergänzende Kenngröße erarbeitet werden, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Verarbeitung über die Weiterverarbeitung bis hin zu Vertrieb und Einzelhandel einbezieht. Fortgeführt werden solle bis mindestens 2030 die Visa-Regelung für Saisonarbeitskräfte, um dem Gartenbausektor Planungssicherheit zu geben, betonte das DEFRA.
Nach den Worten von Landwirtschaftsministerin Emma Reynolds markiert der Fahrplan einen Wandel. „Der Fokus geht weg von der bloßen Konzentration auf die nächste Ernte hin zu einem Plan, der Landwirten langfristig Klarheit verschafft. Diese benötigen sie, um Innovationen voranzutreiben, zu investieren und voller Zuversicht für die kommenden Generationen zu wachsen“, betonte die Ressortchefin.
Sektorale Wachstumspläne
Um Gewinne und Produktivität zu steigern, will die Regierung zusammen mit der Branche sektorale Wachstumspläne erarbeiten. Starten will sie mit dem Gartenbau und der Geflügelwirtschaft. Dazu sollen Farmer, Einzelhändler und Investoren im Farming and Food Partnership Board zusammengebracht werden.
Darüber hinaus legt das DEFRA einen Fokus darauf, über das mit der EU angestrebte Abkommen über gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen (SPS) Handelshemmnisse zwischen dem EU- und dem britischen Markt abzubauen. Gleichzeitig sollen Erzeuger von Eier- und Frischprodukten rechtlich vor unlauteren Praktiken in der Lieferkette geschützt werden.
Damit die landwirtschaftlichen Betriebe resilienter werden, will das Agrarressort mit seiner Roadmap aufzeigen, wie Landwirte durch neue Technologien und ein intelligenteres Nährstoffmanagement Abhängigkeiten etwa von Düngemitteln verringern können.
Daneben wird dargelegt, wie sie die Bodengesundheit verbessern und das Wassermanagement optimieren können, um sich besser an Extremwetterereignisse und den Klimawandel anzupassen. Auch sollen mehrere staatliche Dienste schrittweise durch einen einheitlichen digitalen Zugang für Landwirte ersetzt werden.
Gleichzeitig verspricht das DEFRA den Farmern, über eine bessere Datenqualität den Zugang zu Märkten zu optimieren. Außerdem sollen Förderprogramme im Bereich Nachhaltigkeit zielgerichteter gestaltet werden.
Erleichterung und Skepsis
Der Bauernverband (NFU) reagierte erleichtert auf die seit zwei Jahren versprochene Farming Roadmap. Er sieht nun „echte Dringlichkeit“ geboten, den Fahrplan umzusetzen. NFU-Präsident Tom Bradshaw zeigte sich allerdings skeptisch hinsichtlich der fehlenden Details. „Auch wenn der Fahrplan voller Ambitionen steckt, mangelt es an konkreten Maßnahmen und noch mehr an den Mitteln für deren Umsetzung“, stellte Bradshaw fest.
Nach seiner Auffassung fehlt es vor allem an der entsprechenden langfristigen Finanzierung. Bislang werde das Risiko noch stärker auf die Schultern der Landwirte verlagert, die den Großteil der Investitionen aus betrieblichen Rücklagen stemmen sollten. Diese seien aber in den letzten Jahren durch explodierende Kosten und nicht tragfähige Margen aufgezehrt worden. „Somit bedarf es einer Partnerschaft von DEFRA, Finanzministerium und Landwirten, wenn diese Vision für die Landwirtschaft verwirklicht werden soll“, so der NFU-Präsident.
Nun müssen Taten folgen
Der britische Schweineerzeugerverband (NPA) wertete die in der Roadmap eingeschlagene Richtung als positiv. Nach seinem Dafürhalten würden die richtigen Prioritäten für die Landwirtschaft insgesamt gesetzt und zugleich die Hindernisse benannt, mit denen der Schweinesektor aktuell zu kämpfen habe. Gleichwohl versteht der NPA den Fahrplan keineswegs als fertiges Konzept, sondern allenfalls als Zielsetzung. Auch aus Sicht der Schweinehalter mangelt es an Details zur konkreten Umsetzung sowie zu der Frage, wie und wann bestehende Hürden beseitigt werden sollen.
Die Organisation britischer Landbesitzer (CLA) begrüßte die Roadmap ebenfalls. Sie mahnte aber, dass nun Taten folgen müssten. Die Farmer benötigten ein stabiles politisches Umfeld, mehr Klarheit über Förderprogramme, eine sinnvolle Reform des Planungsrechts sowie einen stärker koordinierenden Ansatz zu allen Themen des ländlichen Raumes.
age
Mit Beginn der Sommermonate wird das Jakobskreuzkraut (JKK) auf vielen Flächen in Schleswig-Holstein wieder deutlich sichtbar. Die gelb blühende Pflanze kommt insbesondere auf extensiv genutztem Grünland, Stilllegungsflächen, im Straßenbegleitgrün sowie entlang von Bahngleisen und Bahndämmen vor. Für die Landwirtschaft stellt ihr Auftreten nach wie vor eine erhebliche Herausforderung dar, denn das Jakobskreuzkraut enthält in allen Pflanzenteilen giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA). Diese können bei Pferden, Rindern und Schafen schwere Leberschäden bis hin zum Tod verursachen. Besonders problematisch: Die Giftstoffe bleiben auch nach der Konservierung in Heu und Silage wirksam.
Seit mehreren Jahren steht der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) deshalb mit der Deutschen Bahn in engem Austausch. Hintergrund sind regionale JKK-Hotspots entlang von Bahnstrecken. Durch die Luftverwirbelungen vorbeifahrender Züge können die Samen über weite Strecken verbreitet und in angrenzende landwirtschaftliche Nutzflächen eingetragen werden. Insbesondere dort, wo Futtergewinnungsflächen an Bahndämme grenzen, entsteht dadurch ein erheblicher Samendruck.
Größere Vorkommen rechtzeitig mitteilen
Die Deutsche Bahn hat ihre Bereitschaft bestätigt, auch künftig Bekämpfungsmaßnahmen auf betroffenen Flächen entlang der Bahngleise durchzuführen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass entsprechende Vorkommen rechtzeitig gemeldet werden. Landwirtinnen und Landwirte sowie andere Flächenbewirtschafter werden daher gebeten, größere JKK-Bestände auf Bahngelände ihren Kreisbauernverbänden mitzuteilen. Die Meldungen sollten möglichst präzise erfolgen und neben mehreren aussagekräftigen Fotos auch Angaben zum Streckenabschnitt, zur Fahrtrichtung sowie zu den Bahnkilometern „von-bis“ enthalten. Die Kreisgeschäftsstellen sammeln die Hinweise. Im Anschluss werden sie zur Jahresplanung an die zuständigen Stellen der Deutschen Bahn weitergeleitet. Auf dieser Grundlage können Bekämpfungsmaßnahmen für die folgende Vegetationsperiode vorbereitet werden.
Maßnahmen nicht auf allen Flächen zulässig
Die Durchführung etwa von Pflanzenschutzmaßnahmen ist nicht auf allen Flächen zulässig. Im Allgemeinen davon ausgenommen sind unter anderem Flächen des Naturschutzes, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, des Vertragsnaturschutzes und innerhalb von FFH- oder Natura-2000-Gebieten. Sollte eine JKK-Bekämpfung auf diesen Flächen beabsichtigt sein, ist eine Nachfrage im Vorwege bei den entsprechenden Institutionen (Stiftung Naturschutz, Landgesellschaft, Landesamt) sinnvoll, eventuell auch genehmigungspflichtig. Die Ausnahmemöglichkeiten reichen von einer Vorverlegung des Mulch- oder Mahdtermins bis hin zum Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf der betroffenen Fläche. Es handelt sich hierbei jedoch immer je nach Betroffenheit um Einzelfallentscheidungen der Institutionen.
JKK-Pflanzen an einem Bahndamm auf der Insel Sylt Foto: Harro Buchholz
Auf den Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein sind die Pächterinnen und Pächter angehalten, insbesondere entlang sensibler Nachbarflächen Pufferstreifen von 30 bis 50 m Breite durch Ausgraben oder (Mulch-)Mahd von JKK frei zu halten. Betroffene Bewirtschafter sollten daher frühzeitig das Gespräch mit den jeweiligen Pächtern oder zuständigen Regionalbetreuern suchen, wenn von angrenzenden Flächen ein erhöhter Sameneintrag ausgeht.
Darüber hinaus treten JKK-Bestände vielerorts an Straßenrändern, Böschungen und Banketten auf. Bei einer Gefährdung angrenzender Grünlandflächen empfiehlt sich eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit Gemeinden oder Straßenmeistereien, um mögliche Maßnahmen abzustimmen.
Intakter Bestand als beste Vorsorgestrategie
Unabhängig vom Standort gilt: Ein dichter und leistungsfähiger Grünlandbestand bleibt die beste Vorsorgestrategie gegen die Etablierung des Jakobskreuzkrautes. Eine angepasste Bewirtschaftung mit rechtzeitiger Nachsaat, Pflege und Bestandsführung reduziert die Ansiedlungsmöglichkeiten des JKK erheblich.
Wichtiger Hinweis: Das Betreten von Bahn- und Gleisanlagen ist auch zum Zweck der JKK-Bekämpfung ausdrücklich verboten und kann ordnungs- oder strafrechtliche Folgen nach sich ziehen. Beobachtete Bestände sollten daher ausschließlich dokumentiert und über die Kreisbauernverbände gemeldet werden.
Wenn Ende Juni fast 700 junge Menschen aus ganz Deutschland die Rattenfängerstadt Hameln erobern und der Norden mit dem Süden schnackt, dann ist wieder Deutscher Landjugendtag (DLT). Unter dem Jubiläumsmotto „… rattenscharf!“ hatte die Niedersächsische Landjugend (NLJ) zum 40. DLT eingeladen. Ein ganzes Wochenende lang standen fachlicher Austausch und jede Menge Begegnungen im Mittelpunkt – begleitet von hochsommerlichen Temperaturen.
Besonders war wieder der Sonderzug, der, wie auch 2024, mit der Landjugend Württemberg-Hohenzollern quer durch das Land angereist kam. Nach 13 Stunden Fahrt kamen die Süddeutschen in Hameln an. Die anderen Teilnehmer kamen mit dem Auto, zu Fuß oder mit der Bahn. Schon bei der Anreise am Freitag liefen die Teilnehmer gegen eine Hitzewand. Das Thermometer kletterte über 35 °C. Wer auf dem Zeltplatz Alpha One ankam, merkte schnell: Schatten war an diesen Tagen Mangelware. Doch die Landjugendlichen wussten sich zu helfen: Wassermelonen, kleine Pools und kalte Getränke gehörten genauso dazu wie gute Laune.
Abkühlung und Einblicke in den Steinkohlebergbau gab es auf einer der angebotenen Exkursionen. Foto: BDL/Gräschke
Offiziell eröffnet wurde das Wochenende am Freitagabend: Unter dem Motto „Landjugend ist bunt“ feierten die Teilnehmenden mit der Willkommensparty den Auftakt des DLT. Schnell kamen alte Bekannte und neue Gesichter ins Gespräch – schließlich ist genau dieser Austausch das Herzstück der Veranstaltung.
Nach dem Frühstück am Sonnabend wurde um 10 Uhr mit der Jugendveranstaltung in den Tag gestartet. Die Rheinische Landjugend führte das Theaterstück „Mission ImPotato“ auf, das beim Publikum für Ernsthaftigkeit, aber auch für Lacher und Applaus sorgte. Auf der Grünen Woche bereits einmal aufgeführt, kämpften die Darsteller nun mit der unerträglichen Hitze am Veranstaltungsort.
Mittags standen die Fachexkursionen auf dem Programm. Viele verschiedene Touren boten spannende Einblicke in Landwirtschaft, Handwerk und Industrie des umliegenden Weserberglandes. Die Landjugendlichen konnten die Region aus unterschiedlichsten Perspektiven kennenlernen: Einige besuchten das Käfermuseum, andere erkundeten zum Beispiel den erfrischend kühlen Hüttenstollen Osterwald, dazu gab es viel Spannendes über den alten Steinkohlebergbau und die dazugehörige Geschichte zu lernen.
Auch moderne Milchviehbetriebe mit automatischen Melksystemen oder innovativen Stallkonzepten mit Schwerpunkt auf Tierwohl und Hitzestressmanagement wurden besichtigt – ein Thema, das aktueller nicht hätte sein können. Technikinteressierte nutzten die Gelegenheit, das Unternehmen Reintjes Schiffsgetriebe kennenzulernen und Einblicke in die Fertigung moderner Schiffsantriebe zu erhalten.
Abends wurde auf der großen Landjugendparty gemeinsam gefeiert. Die Band Deep Passion sorgte für ausgelassene Stimmung bis in die Nacht. Auch kulinarisch hatte der DLT einiges zu bieten: Ob Schnitzel mit Kartoffeln oder Nudeln mit Geschnetzeltem – für das leibliche Wohl war dank der unermüdlichen niedersächsischen LandFrauen bestens gesorgt. Wer zwischendurch eine Abkühlung suchte, fand sie im Freibad nebenan.
Fachlicher Austausch und unzählige Begegnungen standen im Mittelpunkt des DLT. Foto: BDL/GräschkeInformationen zu Tierwohl und Hitzestressmanagement boten die Exkursionen zu Milchviehbetrieben. Foto: BDL/GräschkeMit Pools, Wassermelonen und kalten Getränken trotzten die Landjugendlichen der Hitze. Foto: BDL/Gräschke
Dass die Landjugend auch in ungewohnten Situationen zusammenhält, zeigte die Nacht auf Sonntag. Aufgrund einer heranziehenden Gewitterfront musste das Zeltlager vorübergehend geräumt werden, bis das Wetter eine sichere Rückkehr zuließ. Dank der guten Organisation verlief die Evakuierung ruhig und geordnet.
Mit der Abschlussveranstaltung am Sonntag ging ein ereignisreiches Wochenende zu Ende. Bevor sich die Teilnehmer auf den Heimweg machten, wurden noch Lunchpakete für die Rückreise ausgegeben. So traten auch die schleswig-holsteinischen Landjugendlichen den Heimweg zurück in den echten Norden an.
Der DLT hat wieder gezeigt, was die Landjugend deutschlandweit ausmacht: Die junge Generation auf dem Land hält zusammen, packt an und gestaltet die Zukunft aktiv mit. Die Gemeinschaft über Landesgrenzen hinweg, unvergessliche Erlebnisse und neue Gespräche machten das Wochenende in Hameln zu einer sehr gelungenen Veranstaltung – trotz tropischer Temperaturen. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Mal!
Dokumentations- und Berichtspflichten sollen laut dem jüngsten Reformpaket der Bundesregierung deutlich reduziert werden. Dass dies aber nur ein erster Schritt sein kann, verdeutlichte die Diskussion des erweiterten Vorstandes des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) mit Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes (UV) Nord, am Donnerstag vergangener Woche in Rendsburg.
BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht stellte klar: „Wir sind die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum.“ Er zeigte sich froh, dass der Zusammenhalt im Bauernverband trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage groß sei. Dies belegten die gut besuchten Kreisbauerntage im Juni. „Die Kommunikation innerhalb des Verbandes muss dafür funktionieren“, so Lucht.
Ernährungssouveränitätin die Landesverfassung
Mit Blick auf die Landtagswahl im kommenden Jahr betonte er die Überparteilichkeit des Verbandes. „Aber es gibt Parteien, die die Landwirtschaft weniger auf dem Schirm haben als andere“, so seine Beobachtung. Von der derzeitigen Landesregierung fordert er die Aufnahme der Ernährungssouveränität in die Landesverfassung. Damit würde man dem Vorbild Baden-Württembergs folgen. Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hatte seine Initiative Ende Juni auf dem Deutschen Bauerntag in Freiburg angekündigt.
Lucht kritisierte die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein. „Wir fordern, dass keine landwirtschaftlichen Flächen aus der Produktion genommen werden“, unterstrich der BVSH-Präsident. Er schilderte seinen Eindruck, dass viel im Dialogprozess Aufgebautes von der „Umweltseite“ wieder eingerissen werde, um das „Feindbild Landwirtschaft“ erneut aufzubauen und mehr Spendengelder zu generieren. Lucht betonte: „Wir brauchen hohe Erträge für eine effiziente Landwirtschaft.“ In der Düngeplanung mit gemessenen Nmin-Werten zu arbeiten sei beispielsweise viel zielgerichteter als eine pauschale Düngereduktion um 20 % unter Bedarf. Der Verband erwarte nun, dass die Politik Entscheidungen treffe, die die Landwirtschaft wieder nach vorn brächten. Sehr wichtig sei dem BVSH in diesem Zusammenhang der Schulterschluss mit dem UV Nord.
Hoher Gradunangreifbarer Fachlichkeit
Michael Thomas Fröhlich berichtete zu Beginn seines Vortrages, dass der UV Nord rund 10.000 Unternehmen mit zwei Millionen Mitarbeitenden in Hamburg und Schleswig-Holstein vertrete. Der Bauernverband habe ihm zufolge nach wie vor ein starkes politisches Gewicht. Andere Wirtschaftsbereiche wie der Maschinenbau oder das Baugewerbe spürten sehr schnell, wenn es in der Landwirtschaft nicht gut laufe. „Der hohe Grad an unangreifbarer Fachlichkeit“ habe dafür gesorgt, dass der Bauernverband nach den etwas unruhigen Jahren der Berliner Ampel-Koalition stärker dastehe als zuvor.
Als besondere Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft stellte er die hohen Lohnnebenkosten und die Rentenlasten heraus. „Bisher haben wir uns mit Kritik an der Bundesregierung noch sehr zurückgehalten“, schilderte Fröhlich. Er hoffe, dass aus den jüngsten Reformen „Schwung mitgenommen wird“, und forderte, dass den Bürgerinnen und Bürgern wieder Verantwortung zurückgegeben werde. Der UV-Nord-Hauptgeschäftsführer unterstrich: „Wir brauchen keinen Nanny-Staat, der alles regeln will.“
Nach seiner Analyse wanderten überproportional viele Wähler von der SPD zur AfD, weil sich viele Arbeiter nicht mehr mitgenommen fühlten. Wenn es die Politik nicht schaffe, mehr Eigenverantwortung zu geben und das Leistungsprinzip zu fördern, drohe ein „blaues Wunder“. Fröhlich erklärte mit Blick auf die Landesregierung in Kiel: „Im Moment sind wir mit Schwarz-Grün in einigen Bereichen nicht glücklich.“ Er kritisierte unter anderem den wachsenden Naturschutzbereich. Der BVSH habe hinsichtlich des Ostseeschutzes aber gute Arbeit geleistet, die ins Ordnungsrecht Verliebten wieder in eine richtige Bahn zu lenken. Die Grünen hätten jüngst einen massiven Aufwuchs an öffentlichen beziehungsweise Verwaltungsstellen betrieben. „Da gibt es ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil sie früher Überbürokratisierung kritisiert haben“, erklärte Fröhlich.
Ein wichtiges Ziel der Wirtschaft sei, das Arbeitszeitvolumen zu erhöhen und Arbeit lohnenswerter zu machen. Zuletzt sei ausschließlich die Sozialwirtschaft gewachsen. Viele Menschen hätten zu wenige Anreize, ein Job anzunehmen, wenn sie nur „einen Hauch“ mehr Geld bekämen als wenn sie nicht arbeiteten. Parteipolitisches Geplänkel helfe in diesem Zusammenhang nicht weiter. Jeden Tag gingen Industriearbeitsplätze in Deutschland verloren. „Viele Unternehmen wollen nicht mehr in Deutschland investieren, sondern verlagern die Produktion ins Ausland“, beobachtet Fröhlich. Leistungsanforderungen seien in der Gesellschaft viel zu sehr herabgesenkt worden.
Landwirtschaftliche Flächen unter Druck
„Soll die Zielvereinbarung Landwirtschaft zum Ostseeschutz an der Freiwilligkeit scheitern?“ Diese Frage warf BVSH-Vorstand Heinrich Mougin auf. Er habe den Eindruck, dass gewisse politische Kräfte ordnungsrechtliche Regelungen bevorzugten und am Ende vielleicht doch ein Nationalpark durchgesetzt werden solle. Vor diesem Hintergrund kritisierte er die geplante Meeresstation Ostsee als „Nationalparkverwaltung light“. Mehrere Schutzgebiete seien derzeit im Land im Vollzug. Zusätzlich gingen der Landwirtschaft durch die Fehmarnbelt-Querung und die Hinterlandanbindung etliche Tausend Hektar verloren. Die Stimmung in den Dörfern wende sich nach seiner Einschätzung zunehmend gegen die CDU.
BVSH-Referentin Maike Newe berichtete von einem Verordnungsentwurf des Kieler Umweltministeriums, Pflanzenschutzmittel zu verbieten, die sogenannte PFAS enthalten. Betroffen wären 38 Wasserschutzgebiete mit 56.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon 15.000 ha Ackerland. Laut Newe erarbeitet der BVSH derzeit eine Stellungnahme. Der Vorstand kritisierte, dass mit dieser Verordnung über EU-Recht hinausgegangen werde.
In Deutschland hat sich ein fatales Nullsummen-Denken breitgemacht: der Irrglaube, dass der Erfolg des einen auf der Ausbeutung des anderen beruht. Verteilgerechtigkeit ist ehrbar, Gewinnstreben verdächtig. Auch wenn die Berliner Koalitionsspitze bei der gesetzlichen Krankenversicherung und den Renten – weniger bei der Einkommensteuer – Reformen auf den Weg gebracht hat, bleibt das Bild intakt. Die wirtschaftliche Fitness Deutschlands ist in Gefahr, wenn Mehrleistung bestraft wird. Das war auch der Tenor des Landesvorstandes.
Es sind zum einen die Bürokratiekosten, die Zeit, Personal und Geld binden, das dringend für Arbeit und Investitionen gebraucht wird. Jede neue Verordnung bedeutet weniger Zeit am Tier oder auf dem Schlepper. Es braucht eine Umkehr: Nicht der Abbau von Vorschriften muss begründet werden, sondern ihr Fortbestand. Neue Verordnungen sollten im „Ländle“ künftig eine begrenzte Gültigkeit haben, erklärte der neue Ministerpräsident Baden-Württembergs, Cem Özdemir (Grüne). Bei den Berichts- und Dokumentationspflichten scheint auch Berlin erstmalig Ernst machen zu wollen. Bisher sind es Ankündigungen. Für die Umsetzung braucht es dann einen echten Kulturschock in den Amtsstuben. Pragmatisches Handeln, verbunden mit dem Eingehen kalkulierter Risiken, fängt bei der Amtsleitung an. Schnelle und unkomplizierte Genehmigungsverfahren sind die günstigste Investitionsförderung.
Damit zum Thema Steuern. Wer die öffentlichen Haushalte sanieren will, hat zwei Möglichkeiten: Ausgabenkürzungen oder eine höhere Belastung möglichst vieler Bürger. 1990 griff der Spitzensteuersatz beim 3,2-Fachen des Durchschnittseinkommens, heute beim 1,3-Fachen. Der britische Premier Winston Churchill meinte schon 1940: „Wenn eine Nation versucht, sich durch Steuern zu Wohlstand zu bringen, ist das, als würde ein Mann in einem Eimer stehen und versuchen, sich am Henkel hochzuziehen.“ Doch gefällt sich die deutsche Politik darin, mit Steuern zu steuern statt zu sparen: seien es Dienstfahrrad oder E-Auto, Balkonkraftwerk oder Zuckersteuer – oder der Tankrabatt, den auch der Deutsche Bauernverband gern verlängern wollte. Deshalb die Frage: Sind wir selbst überhaupt bereit, einen niedrigeren Steuersatz mit weniger Vergünstigungen zu bezahlen? Oder haben wir das Schmerzensgeld für staatliche Bevormundung zu lieb gewonnen?
Als Letztes die Abgaben: Gab Deutschland 1960 erst 18 % seiner Wirtschaftsleistung für Soziales aus, liegt die Quote heute bei 31 %. Klar, der Sozialstaat fängt die auf, die sich nicht selbst helfen können: Alte, Kranke, Kinder, Menschen in Not. Doch vergessen wird, dass die Mittel nicht vom Staat kommen, sondern von den wirtschaftlich Starken. Sozial ist, wer Leistung bringt. Man sollte ihnen das Leben erleichtern, statt sie in die Schwarzarbeit zu treiben oder ins soziale Netz zu locken. Das Erfolgsrezept der 1950er Jahre waren Fleiß, Ehrgeiz und das Streben nach Exzellenz. Das ist auch heute alternativlos. Dafür darf Nichtleistung nicht weiter belohnt werden. Das als soziales Problem zu erkennen, wäre der erste Schritt von der Nullnummer hin zu einer Win-win-Situation.
Dies sind alles keine neuen Erkenntnisse. Gebraucht wird ein Mentalitätswechsel.