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Alternative Antriebe: Zwischen Drang und Zwang

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Mehr Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen und weniger fossile Importe, autarke Energiekreisläufe auf dem Betrieb und reduzierte CO2-Emissionen. Dazu eine mögliche Weiterbetriebsperspektive für Biogasanlagen nach Auslaufen der EEG-Vergütung oder schlicht die Motivation, bestehende Prozesse weiterzuentwickeln. Die Gründe, auch in der Landtechnik auf dem eigenen Hof auf alternative Antriebe und selbst erzeugte Energien zu setzen, sind vielfältig. Die Branche kann dabei mit einem entscheidenden Pfund wuchern, indem sie die benötigten Rohstoffe und Energien selbst erzeugen und in regionalen Wertschöpfungsketten nutzen kann.

So lag die Importabhängigkeit der Bundesrepublik beim Rohstoff Erdöl, aus dem unter anderem Diesel raffiniert wird, laut Statista-Zahlen im Jahr 2024 bei 98 %. Rund 2,1 Mrd. l Diesel sind es, die in der deutschen Landwirtschaft jährlich verbraucht werden und die für 9 % der Treibhausgas-Emissionen des Sektors verantwortlich sind, wie das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe Straubing errechnete. Dem Statistischen Bundesamt zufolge gab die Bundesrepublik 2024 allein für den Import von Rohöl rund 44,72 Mrd. € aus. Das Geld hat vor allem eine bemerkenswerte Eigenschaft: Es fließt aus Deutschland ab. 

Dabei ist die Bereitschaft zur Umstellung auf alternative Antriebe keine Randerscheinung besonders idealistischer Betriebsleiter, sondern auf einem großen Teil der Höfe vorhanden. Dies zeigt eine Umfrage des Verbundprojekts „TrAkzeptanz“. Damit die viel beschriebene Innovationskraft aus der Landwirtschaft heraus in dieser Sache kein Lippenbekenntnis bleibt, gilt es, schrittweise in die Umsetzung zu kommen. Für leistungsintensive Tätigkeiten bei der Bodenbearbeitung oder im Transport wird auch weiterhin so schnell kein Weg an Kraftstoffen mit hoher Energiedichte vorbeiführen. Allerdings gibt es Anwendungsbereiche mit leichtem und mittelschwerem Leistungsbedarf, in denen etwa elektrische Alternativen eine Option sein können (siehe Beitrag „Am Diesel führt oft ein Weg vorbei“). So sind manche Emissionen unvermeidbar, wieder andere hingegen schon – hier kann die Branche vorangehen und Druck aus dem CO2-Kessel nehmen.

In Schleswig-Holstein nutzen Betriebe selbst erzeugten Photovoltaikstrom für elektrisch angetriebene Hoflader, Futtermischwagen oder Spaltenschieber (siehe Bauernblatt, Sonderheft Erneuerbare Energien Juli 2025). Aufbereitetes Biogas kommt in mittelschweren Schleppern oder Lkw zum Einsatz und ersetzt dort nicht unerhebliche Mengen an Diesel. Außer der eigenen Nutzung ist zudem der Verkauf an andere Betriebe via Tankstelle oder Lieferung denkbar. Auch autonom fahrende, solarbetriebene Feldroboter können Baustein einer postfossilen Landwirtschaft sein (siehe Bauernblatt 51/2025).

Doch solange Landtechnikhersteller ein breites Portfolio an nutzbaren Alternativen aufgrund fehlender politischer Planungs- und Rechtssicherheit vermissen lassen, ein stützendes Händlernetz fehlt und die „richtige“ Felgenfarbe noch immer eine zu große Rolle spielt, werden Maschinen mit alternativen Antrieben weiter ein misstrauisch beäugtes Dasein in der Nische fristen.

Über allem stehen bei einem Umstieg der Faktor der Zuverlässigkeit im betrieblichen Einsatz und die langfristige Planbarkeit in der Finanzierung. Trotz aller Fragezeichen gibt es handfeste Gründe, sich rechtzeitig mit tauglichen Alternativen zum Diesel zu beschäftigen und mit den veränderten Anforderungen Schritt zu halten. Der Druck aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft auf die Energie- und CO2-Kosten wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

Am Diesel führt oft ein Weg vorbei

Wie Antriebstechnologien jenseits des Diesels und die landwirt­schaftliche Produktion zusammenpassen und welche Lösungen es schon heute für die Praxis gibt, stand im Mittelpunkt der Tagung „Zukunft bewegen – Alternative Antriebe für eine nachhaltige Landwirtschaft“ des Kompetenzzentrums klimaeffiziente Land­wirtschaft. Rund 100 Gäste kamen dazu in der vorigen Woche in das Bildungszentrum der Deula nach Rendsburg.

Die Frage einer klimafreundlicheren und zugleich wirtschaftlich tragfähigen Ausgestaltung der Landwirtschaft beschäftige die Branche tagtäglich, erklärte Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Dies betreffe nicht nur den Klimaschutz, sondern auch Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Perspektiven für den ländlichen Raum. Während andere Wirtschaftsbereiche Prozesse zunehmend dekarbonisierten, seien bestimmte Emissionen der Landwirtschaft unvermeidbar. Ein besonderer Ansatzpunkt, Emissionen zu reduzieren, sei der Ministerin zufolge der Bereich von Energie und Technik. „Elf Prozent der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft sind auf stationären oder mobilen Energieverbrauch zurückzuführen“, erklärte Schmachtenberg. Alternative Antriebe müssten jedoch wirtschaftlich, praxistauglich und mit einer verlässlichen Infrastruktur versehen sein. Sie gab zu bedenken, dass besonders in Lohnunternehmen teilweise Millionenbeträge investiert würden: „Sie müssen heute Entscheidungen für die Zukunft treffen.“ Betriebe und Aufgaben seien zudem vielfältig, weshalb es unterschiedliche Lösungen brauche.

Obere Reihe (v. li.): Cornelia Schmachtenberg, Bernhard Osterburg und Dr. Edgar Remmele; Untere Reihe (v. li.): Prof. Maximilian Schüler, Oliver Müller und Kevin Mischker. Fotos: jh

Alternativen selbst produzieren

Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten sieht die Ministerin die Politik in der Verantwortung, die Branche bei der Transformation zu begleiten. Schmachtenberg verwies auf ein angekündigtes Programm zur Förderung Alternativer Antriebssysteme bei Landmaschinen des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Auch das Bundesverkehrsministerium habe kürzlich einen Förderaufruf für den Aufbau eines initialen Netzes zur Betankung schwerer Nutzfahrzeuge mit Wasserstoff veröffentlicht. „Die Alternativen zu fossilen Energieträgern können in der Landwirtschaft direkt produziert werden“, so Schmachtenberg. Dieses Alleinstellungsmerkmal sollte ins Auge gefasst werden. „Biogas und Photovoltaik sind Alltag auf landwirtschaftlichen Betrieben“, sagte die Ministerin.

Liefern, was der Sektor hergibt

Zur Entwicklung des Klimaschutzes in der Landwirtschaft erklärte Bernhard Osterburg vom Thünen-Institut, dass die Landwirtschaft als verursachender, aber auch betroffener Sektor vor allem durch die Bindung von Kohlenstoff Teil der Lösung sein könne. So entfielen auf den Sektor Landwirtschaft inklusive Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Lulucf) im Jahr 2023 THG-Emissionen in Höhe von 108,6 Mio. t CO2-Äq, was 14,7 % der deutschen Gesamtemissionen entspreche. Der Agraringenieur verdeutlichte jedoch auch, dass man Klimaschutz nicht allein in Deutschland organisieren könne. Zwar unterschreite die hiesige Landwirtschaft ihre Ziele nach Bundesklimaschutzgesetz, doch habe sie in den vergangenen Jahren „stark von den Credits gezehrt, die in den ersten Jahren aufgebaut“ worden seien. Die Frage laute daher, wie es künftig weitergehe. „Es ist eminent wichtig, jetzt die Dinge zu tun, die ab 2030 wichtig werden. Alle Sektoren sollten liefern, was sie können“, unterstrich Osterburg. Angesichts der Klimaschutzziele bis 2045 brauche es Maßnahmen wie die Umstellung des mobilen Kraftstoffeinsatzes auf Strom, Biodiesel und HVO. Der Weg einer höheren Bepreisung fossilen Diesels sei schmerzhaft, resümierte er, jedoch lasse sich diese durch Maßnahmen zu mehr Klimaschutz beantworten. „Ohne Rahmensetzung bekommen wir nicht genug Klimaschutz“, betonte Osterburg.

Knapp die Hälfte des Diesels elektrisch ersetzbar

Über den aktuellen Stand und Perspektiven zu alternativen Antrieben in der Landtechnik informierte Dr. Edgar Remmele, stellvertretender Leiter des Technologie- und Förderzentrums im Kompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) Straubing. Remmele zufolge ist die Elektrifizierung mobiler Maschinen im niedrigen und mittleren Leistungsbereich machbar und könne bis zu 1 Mrd. l von 2,1 Mrd. l in der deutschen Landwirtschaft verbrauchtem Diesel pro Jahr einsparen. Weiterhin notwendig seien dem Wissenschaftler zufolge auch Kraftstoffe mit hoher Energiedichte, denn Pflanzenölkraftstoffe und Biodiesel „sind verlässlich verfügbare und gut geeignete Energieträger für den mittleren und hohen Leistungsbereich“. Paraffinische Kraftstoffe, zu denen auch HVO zählt, seien gut geeignete, wenn auch teure Energieträger. Besonders bei einer nah gelegenen Biomethananlage beziehungsweise -tankstelle könne Methan aus Erneuerbaren Quellen eine sinnvolle Option sein. Wasserstoff hingegen ist aus Remmeles Sicht noch keine bevorzugte Variante. Die technisch möglichen Antriebsoptionen zwischen 2030 und 2045 für unterschiedliche Arbeitserfordernisse sind auf den Seiten des Kuratoriums für Technik undBauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) abrufbar unter https://t1p.de/bzuar

Bereitschaft zur Umstellung vorhanden

Eine im Rahmen des Verbundprojektes „Trakzeptanz“ unter 1.331 Befragten aus der Landwirtschaft durchgeführte Umfrage der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, davon 70 % Betriebsleiter, zeigte eine hohe Bereitschaft zur Umstellung auf Erneuerbare Antriebsenergien. Die drei wichtigsten genannten Gründe für eine Umstellung waren dabei die größere Unabhängigkeit des Betriebes durch Eigenversorgung, der Faktor „besser für die Umwelt und den Klimaschutz“ sowie der Umstand, dass die Wertschöpfung in der Landwirtschaft bleibt. Die drei meistgenannten Gründe gegen eine Umstellung waren demnach die höheren Anschaffungskosten, eine geringere Einsatzzeit bis zur nächsten Betankung beziehungsweise Aufladung sowie das fehlende Angebot an Traktoren.

Große Zustimmung fand vor allem die Elektrifizierung von Traktoren auf dem Betrieb, gefolgt von Biodiesel, Pflanzenöl und HVO. Die Zustimmung zum Einsatz von Biomethan und Grünem Wasserstoff fiel dagegen etwas geringer aus. Remmele verdeutlichte die lange Dauer, die der Austausch der Fahrzeuge brauche: Bei jährlich etwa 25.000 neu zugelassenen Traktoren für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung in Deutschland könne der Bestand von rund 466.000 Fahrzeugen theoretisch in 18,6 Jahren ausgetauscht sein.

Bei der Umstellung auf Erneuerbare Kraftstoffe entstünden für die Landwirtschaft nicht nur Nachteile, wie Remmele unterstrich: „Man holt sich Wertschöpfung in die Landwirtschaft und hat sichere Energiepreise, wenn man selbst den Rohstoff herstellt und Verarbeiter ist.“ Wenn CO2 und damit der fossile Dieselkraftstoff teurer werde, während die Erneuerbaren von diesem CO2-Aufschlag ausgenommen seien, werde ihre Nutzung im Laufe der Zeit immer günstiger. „Wir müssen da einfach herangehen. Die Landwirtschaft muss sich trauen umzustellen.“

Rechnerisch genügend Erneuerbare vorhanden

Modellszenarien einer postfossilen Landwirtschaft stellte Prof. Maximilian Schüler von der Technischen Hochschule Lübeck vor. Zumindest rechnerisch seien dazu in Schleswig-Holstein genug Erneuerbare Energien vorhanden, doch bestehe die Herausforderung darin, „sie zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen“ – und das zu den richtigen Kosten. In Summe brauche es rechnerisch 89 m2 Photovoltaikfläche pro Hektar, also weniger als 1 %, „um die Energie zu erzeugen, die wir heute als Diesel verbrennen“, rechnete Schüler vor. Diese Möglichkeiten passten zu den Potenzialen der Autonomisierung, Verkleinerung und Elektrifizierung. Dabei gehe es nicht darum, die Umstellung sofort zu vollziehen, aber die derzeitige Abhängigkeit von fossilen Ressourcen werde es „in 100 Jahren nicht mehr geben“, so Schüler.

Förderung durch die Rentenbank

Um dem Hemmnis höherer Anschaffungskosten von Traktoren mit alternativen Antrieben zu begegnen, stellte Oliver Müller von der Landwirtschaftlichen Rentenbank zu Beginn des zweiten Quartals 2026 ein Zeitfenster für eine darlehensbasierte Förderung in Aussicht. „Die Einführung alternativer Antriebstechnologien ist von vielen systemischen, aber auch betriebsindividuellen Faktoren abhängig“, so Müller. Im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums sei ein Anreizprogramm zur Investition in diese Technologien entstanden. Eine angekurbelte Nachfrage könne auch auf der Angebotsseite Anreize schaffen, so Müllers Einschätzung. Gefördert würden nicht nur landwirtschaftliche kleine und mittlere Unternehmen, sondern auch Lohnunternehmer, Maschinenringe und Betriebsgemeinschaften.

Jede vierte Biozwiebel autonom gehackt

Einen Baustein postfossiler Landwirtschaft kann etwa der Betrieb eines solarbetriebenen, autonomen Feldroboters darstellen. Kevin Mischker von der Firma Solar Energie Andresen aus Sprakebüll stellte hierzu den Feldroboter Farmdroid vor (siehe Bauernblatt 51/2025). „Es ist möglich, mit alternativen Antriebstechnologien wirtschaftlich zu sein“, so Mischker. Schon heute werde jede vierte in Deutschland gekaufte Biozwiebel mit dem Roboter gejätet.

Umrüstung in der Praxis und CO2-Preis

„Es geht!“, fasste Horst Seide aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg seine Erfahrungen in der Praxis voller Überzeugung zusammen. Der Landwirt und vormalige Präsident des Fachverbandes Biogas erwirtschaftet inzwischen 80 % seines Umsatzes mit Tankstellen beziehungsweise Erzeugung, Handel und Verkauf von Regenerativem Treibstoff. Als Betreiber von elf Bio-CNG-Tankstellen im Norden erklärte Seide, dass diese nach 15 Jahren inzwischen die „marktbeherrschende Stellung im Betrieb“ eingenommen hätten. Auf dem Hof kommen ein serienmäßiger New-Holland- und ein umgebauter John-Deere-Schlepper 7.250 R für den vollständigen oder teilweisen Betrieb mit CNG zum Einsatz. Auch ein umgebauter Teleskoplader oder der Betrieb der Beregnungen durch Gas sparten auf dem Betrieb erhebliche Mengen Diesel ein. „Je mehr wir THG-Bilanzen rechnen, desto interessanter wird die Technik. Treiber ist die CO2-Bepreisung eines Produktes“, schilderte Seide. 

Der Einladung des Kompetenzzentrums klimaeffiziente Landwirtschaft folgten rund 100 Besucher in das Bildungszentrum der Deula. Foto: jh

Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und Vorsitzende der Plattform Erneuerbare Antriebsenergien in der Land- und Forstwirtschaft, Klaus-Peter Lucht, verwies in der anschließenden Podiumsdiskussion auf die CO2-Einsparpotenziale der Branche. Grundvoraussetzung sei dabei jedoch die Wirtschaftlichkeit. Vor allem in der Tierhaltung gebe es seiner Einschätzung nach Möglichkeiten der Elektrifizierung von Maschinen. Schwankungen in der Politik, auch in Fragen der Besteuerung, seien beim Prozess der Transformation allerdings wenig hilfreich. Lucht verwies auf wachsende Betriebsgrößen und steigende Entfernungen zu den Flächen, hohe Maschinenpreise und Einsatzzeiten. Zudem werfe der Weg zu mehr Gaskraftwerken, wie von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) geplant, den ländlichen Raum zurück. „Es muss sich für uns rechnen, damit wir diesen Weg auch weitergehen können“, erklärte Lucht. 

Hans-Jürgen Kock, Präsident des Lohnunternehmerverbandes Schleswig-Holstein, sieht unter anderem Potenzial in einer Elektrifizierung im Leistungsbereich bis etwa 100 kW, betonte jedoch: „Wenn wir auf den großen Erntemaschinen eine Einsatzsicherheit haben wollen, sehe ich die Chance besonders zwischen Biodiesel und HVO100.“ Die gekauften Maschinen kämen bis zu 20 Jahre lang auf den Betrieben zum Einsatz, veranschaulichte Kock, weshalb es eine Technik brauche, die für verschiedene Baujahre gangbar sei. Tägliche Einsatzzeiten von „mal zehn, mal zwölf und auch mal 20 Stunden erfordern eine flexible Technik“. Zeit zum langen Laden, Tanken oder Umbauen gebe es oft nicht: „Wenn die Arbeit da ist, muss sie gemacht werden“, sagte Kock.


Ein Hörfunkbeitrag zur Veranstaltung ist im „Deutschlandfunk“ erschienen: https://www.deutschlandfunk.de/alternative-antriebe-in-der-landwirtschaft-100.html

Klimaschutz: Berlin füllt Pflichtenheft der Landwirtschaft

Die Bundesregierung treibt die Arbeit an einem neuen Klimaschutzprogramm voran. Wie aus einem vorab bekannt gewordenen Entwurf hervorgeht, ist für die Landwirtschaft eine Senkung der Treibhausgas (THG)-Emissionen aus der Tierhaltung und aus landwirtschaftlichen Böden vorgesehen. Eine zentrale Rolle soll zudem der verstärkten Nutzung Erneuerbarer Energien zukommen.

Laut dem Entwurf des Bundesumweltministeriums (BMUKN) sollen konkret unter anderem die Emissionen aus Wirtschaftsdüngern vorrangig mit einer zielgerichteten Investitionsförderung gesenkt, ein Methanmessprogramm in der Rinderhaltung aufgebaut und einzelbetriebliche Klimabilanzen harmonisiert werden. Auch die pflanzliche Ernährung soll gestärkt werden, genauso wie Biokraftstoffe.

Während die Landwirtschaft laut dem Klimaschutzprogramm auch 2024 mit 61 Mio. t CO2-Äq unterhalb ihrer festgelegten Jahresemissionsmenge von 67 Mio. t CO2-Äq verblieben ist und bis 2030 weiter kein Sorgenkind sein soll, wird die Lage danach anders beurteilt. „Mit Blick auf die aktuellen Projektionsdaten wird deutlich, dass der Landwirtschaftssektor ab 2030 seine THG-Minderungsdynamik steigern muss, um einen angemessenen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten“, heißt es im Entwurf. Dennoch erkennt die Bundesregierung an, dass viele der THG-Emissionen der Branche prozessbedingt und daher – anders als in den Energie erzeugenden und verbrauchenden Sektoren – nicht vollständig vermeidbar sind.

Bereits jetzt ist jedoch der Bereich Landnutzung, Landnutzungs­änderung und Forstwirtschaft ­(Lulucf) nicht auf dem Zielpfad: Nach den Ergebnissen der Treibhausgasprojektionen werden die Ziele für diesen Sektor im Jahr 2030 voraussichtlich nicht erreicht. Hier setzt das BMUKN im Entwurf auf die Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz. So sollen unter anderem die Klimaresilienz der Wälder gesteigert oder entwässerte Moorböden wiedervernässt werden.

Rolle der Landwirtschaft stärker berücksichtigen

Der Deutsche Bauernverband forderte, dass der Klimaschutzplan die Sonderrolle der Landwirtschaft in der Ernährungssicherung und als Teil der Lösung stärker herausstellen müsse. Laut DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet dürften Klimaschutzmaßnahmen der Zukunft „kein Showstopper bei der Wettbewerbsfähigkeit sein oder auf Bestandsreduktion oder Produktivitätsverlust abzielen“. Die geplante Investitionsförderung für Technik oder Maßnahmen zur Umstellung auf Biokraftstoffe finden Anklang beim DBV. Die Zielpfade bei den Kohlenstoffsenken sieht der Verband hingegen kritisch. Hier sei ein produktionsorientierter Ansatz weiterhin nur schwer erkennbar.

Die Familienbetriebe Land und Forst hingegen kritisieren die im Entwurf enthaltene Verordnungsermächtigung zur Anpassung der Waldbewirtschaftung bei Zielverfehlungen. „Hier wird versucht, die gescheiterte Novelle des Bundeswaldgesetzes durch die Hintertür wieder ins Spiel zu bringen“, erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Max von Elverfeldt. Die Branchenorganisation wertet dies als massiven Eingriff in das Eigentum und die Bewirtschaftung privater Wälder und fordert, die Passage zu streichen.

Bundesregierung zum Handeln verpflichtet

Das Klimaschutzprogramm soll darlegen, wie die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen will. Zuletzt hatte das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) am 29. Januar entschieden, dass das aktuelle Klimaschutzprogramm 2023 ergänzender Maßnahmen bedürfe, um das nationale Klimaziel einer Senkung der Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 65 % bis 2030 zu erreichen. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die zuvor bereits vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg recht bekommen hatte.

Unabhängig vom BVerwG-Urteil muss die Bundesregierung laut § 9 Absatz 1 Satz 1 Bundes-Klimaschutzgesetz spätestens zwölf Kalendermonate nach Beginn einer Legislaturperiode ein Klimaschutzprogramm beschließen. Da der 21. Deutsche Bundestag sich am 25. März 2025  konstituierte, ist die Frist dafür also bald erreicht. Die DUH kündigte bereits im Januar an, von ihrem Klagerecht Gebrauch zu machen, sollte die Bundesregierung ein ausreichendes Klimaschutzprogramm nicht rechtzeitig beschließen.

Impulse für die Landjugendarbeit

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Drei Tage lang, vom 11. bis 13. Februar, trafen sich die Bundesjugendreferenten der Landjugendverbände zum jährlichen Koordinierungstreffen im Tagungskloster am Frauenberg in Fulda. Für den Landjugendverband Schleswig-Holstein (LJV) nahm Bundesjugendreferent Thore Groth teil. Ziele des Treffens sind der fachliche Austausch, die gemeinsame Fortbildung und die Weiterentwicklung der Landjugendarbeit auf Bundes- und Landesebene.

Die Anreise nach Fulda verlief in diesem Jahr überraschend reibungslos, was in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich war. Nach gut sechseinhalb Stunden erreichte Thore die neuntgrößte Stadt Hessens, die mit ihren barocken Bauwerken und der Lage in der Rhön beeindruckt. Der anschließende Aufstieg zum über der Stadt thronenden Frauenberg war wie gewohnt schweißtreibend, bot aber zugleich eine eindrucksvolle Kulisse für die Tagung.

Wie demokratische Beteiligung im ländlichen Raum gestärkt werden kann, war eines der Tagungsthemen. Foto: Thore Groth

Pünktlich zum Mittagessen im inklusiv geführten Klostercafé trafen nach und nach die Bundesjugendreferenten sowie Sandra Schlee, Referentin für Jugendpolitik und Bildung beim Bund der Deutschen Landjugend (BDL), ein. In lockerer Runde wurden dann erste Themen gesammelt, die in die Tagesordnung aufgenommen wurden. Diskutiert wurde unter anderem das neue Schutzkonzept des BDL, das derzeit finalisiert wird und bereits umfangreiches Feedback aus den Landesverbänden erhalten hat. Weitere Punkte waren das jugendpolitische Engagement am Beispiel des Arbeitskreises Jugendpolitik, der sich seit Jahren als Erfolgsformat etabliert hat, sowie der Umgang mit Diskriminierung, Rassismus und Rechtsextremismus in den Verbänden. Einigkeit bestand darin, dass die Landjugend offen für alle bleibt und sich klar gegen demokratie- und menschenfeindliche Strömungen positioniert.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf internationalen Austauschformaten, Fördermöglichkeiten und dem Umgang mit internationalen Austauschlandjugendlichen beim Deutschen Landjugendtag sowie deren Begleitung. Der erste Tag klang mit einem gemeinsamen Abendessen in einem indischen Restaurant in Fulda aus.

Der zweite Tag begann bei für das norddeutsche Gemüt fast frühlingshaft anmutenden Temperaturen mit einem Gruppenfoto, bevor Gabriele Rohmann vom Archiv der Jugendkulturen einen Workshop zu Jugendkulturen und Subkulturen leitete. Dabei ging es um Mediennutzung, das Auftreten politischer Gruppen in Sozialen Netzwerken und die Auseinandersetzung junger Menschen mit diesen Inhalten. Neben den vielfältigen Bildungsangeboten des Archivs, wie Graffiti-Workshops und Ausstellungen, standen auch interaktive Elemente auf dem Programm: Die Teilnehmenden analysierten Texte und Liedinhalte und ordneten diese politischen Strömungen zu. Der Tag endete mit einem Besuch der Fuldaer Innenstadt, einem Abendessen sowie einer optionalen Bierprobe in einem gemütlichen Wirtshaus.

Am Freitag stand der Austausch mit Prof. Marion Näser-Lather von der Universität Innsbruck im Mittelpunkt, die online zum Forschungsprojekt „YouReAct – Young People in Remote Regions“ berichtete. Das Projekt untersucht, wie sich soziales Engagement junger Menschen in politisches Engagement überführen lässt und wie demokratische Beteiligung im ländlichen Raum gestärkt werden kann. Feldstudien fanden auch in Schleswig-Holstein statt, unter anderem in Sörup, Dagebüll und Wyk auf Föhr. Erste Ergebnisse zeigen eine ausgeprägte regionale Identität und ein starkes Gemeinschaftsgefühl, gleichzeitig aber Herausforderungen bei Perspektiven und Beteiligungsmöglichkeiten. Auffällig ist die Lücke in der Altersgruppe junger Erwachsener, die für Ausbildung oder Studium wegziehen, aber oft später zurückkehren. Gerade auf Föhr wurde zudem die Sorge um die Auswirkungen des Klimawandels deutlich, die für Inselbewohner eine zentrale Zukunftsfrage darstellt. Weitere Beobachtungen betrafen den Wandel der Dorfgemeinschaften, fehlende Räume für Jugendliche und die Bedeutung von Vereinen und Begegnungsorten. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Beteiligungsarbeit im Landjugendverband Schleswig-Holstein.

Neben der Weiterentwicklung der Landjugendarbeit gab es auch Gelegenheit, die Fuldaer Innenstadt zu besuchen. Foto: Thore Groth

Im abschließenden Block tauschten sich die Bundesjugendreferenten über ihre Arbeitsschwerpunkte aus, etwa Jugendbeteiligung, Medienkompetenz und Nachwuchsgewinnung für die Vorstandsarbeit. Diskutiert wurde, wie die Landjugend junge Menschen besser für ehrenamtliches Engagement begeistern kann, beispielsweise durch öffentliche Veranstaltungen und zielgruppengerechte Social-Media-Arbeit.

Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen mit Blick über Fulda ging es für Thore schließlich zurück nach Schleswig-Holstein. Die kleine Gruppe nutzte die restliche Zeit für einen abschließenden Stadtspaziergang in Richtung Bahnhof. Drei intensive, lehrreiche und für die Landjugendarbeit wichtige Tage gingen zu Ende. Das Treffen zeigte erneut, wie wertvoll der Austausch auf Bundesebene ist und welche Impulse sich für die Arbeit vor Ort gewinnen lassen, von der Jugendbeteiligung bis zur Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt.

Bühne frei für die regionale Rinderzucht

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Die Schau Neumünster am Abend 2026 erwies sich als rundum gelungene Veranstaltung. Hochwertige Töchtergruppen von Spitzenvererbern sowie hervorragend präsentierte Kühe ­aller ­Altersklassen und über fünf Rassen hinweg boten einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der regionalen Rinder­zucht. Auch die Jungzüchter nutzten die Bühne, um ihr Können und ihre Tiere einem breiten Publikum vorzustellen.

Den Auftakt bildete der Typwettbewerb der schwarzbunten Jungrinder, der mit zwei Richtklassen den Schauwettbewerb eröffnete. In der ersten Entscheidung setzte sich die schneeweiße „Armour“-Tochter „HSG Shine“ von Kai Schramm aus Wanderup an die Spitze. Sie überzeugte durch viel Adel, Harmonie und Ausstrahlung. In der Siegerauswahl verwies sie die sehr substanzvolle „Donna“ (von „Golldice“) aus der Zucht von Hendrik Vöge, Krummbek, auf den zweiten Platz, die besonders durch Rahmen und Kapazität gefiel.

Nachzuchten von hoher Qualität

„Precision“, aktuell Nummer eins der deutschen Topliste, präsentierte eine überzeugende Töchtergruppe. Seine Nachkommen zeigten sich milchtypisch, mit gut gelagerten, mittelbreiten Becken und erkennbarem Entwicklungspotenzial. Trockene, korrekte Fundamente mit paralleler Hinterbeinstellung sowie sehr gute Bewegungsabläufe rundeten den positiven Gesamteindruck ab. Besonders hervorgehoben wurden die exzellenten Euter mit guter Textur und optimaler Aufhängung. Auch in den Merkmalen Eutergesundheit, Persistenz und Futtereffizienz bestätigte der Bulle seine Vererbungsstärke.

Ebenso überzeugten die Töchter des Bullen „Soundmax“. Die harmonischen Kühe im mittleren Rahmen verfügten über breite, optimal gelagerte Becken sowie trockene Sprunggelenke mit funktionaler Hinterbeinwinkelung. Diese Merkmale lassen eine hohe Laufstalltauglichkeit erwarten. Unterstützt wurde dies durch eine sehr sichere Eutervererbung. „Soundmax“ eignet sich zudem für den Einsatz auf Färsen und hinterlässt vitale Kälber.

Den Siegertitel bei den schwarzbunten Nachzuchtkühen sowie den Titel Nachzucht-Champion über alle Rassen errang die „Soundmax“-Tochter „Comet“ von der Hachmann GbR aus Bevern. Mit „Duden“ von der Carstensen-Delfs GbR aus Rantrum ging auch der Titel der Reservesiegerin an eine „Soundmax“-Tochter. In der „Precision“-Nachzucht errang „Celeste“ von der Beecken-Wischmann GbR aus Henstedt-Ulzburg den 1a-Platz.

„Soundmax“-Tochter „Comet“ von der Hachmann GbR aus Bevern als Siegerin der Nachzuchten

Färsenklassen zeigen sich euterstark

Die drei Färsenklassen präsentierten sich auf einem außergewöhnlich hohen Niveau, insbesondere hinsichtlich der Euterqualität. Dies wurde von den Preisrichtern Cord Hormann und Klaus-Dieter Augustin mehrfach betont. Den Sieg sicherte sich die pechschwarze „Danina“ (von „Prince“) aus der Zucht von Dirk Huhne, Bergfeld. Sie setzte sich gegen die sehr konkurrenzstarke „HaH Lambada“ (von „Lambda“) aus der Züchtergemeinschaft Ralf Bauer und Hannes Höft, Rastorfer Passau, durch. Ausschlaggebend waren die größere Feinheit des Skeletts und der höhere Euterboden der Siegerin, während die Reservesiegerin mit mehr Substanz und einem besonders hohen Hintereuter überzeugte.

Hochspannung bei Zweitkalbskühen

Große Spannung herrschte in der Rubrik der Zweitkalbskühe, da hier mehrere Anwärterinnen auf den Grand-Champion-Titel antraten. Die Entscheidungen an den Klassenspitzen fielen entsprechend knapp aus. In der Siegerauswahl Jung überzeugte die „Bonum“-Tochter „Bonanza“ von Christian Fischer aus Brunsbek. Die sehr kompakte, schneeweiße Kuh punktete mit einem exzellenten Fundament und spielte ihre Stärken gekonnt aus. Den Reservesieg errang die euterstarke „HaH Carola“ von Andreas Bewerdorff aus Bockhorn.

Kühe mit drei und vier Kalbungen

Die Klassen der Kühe mit drei und vier Kalbungen zeichneten sich durch eine außergewöhnlich hohe Qualität aus. Die Gonnsen GbR aus Struckum stellte mit „GOG Atlanta“ (von „White“) eine Kuh, die den Preisrichter von Beginn an überzeugte. Besonders das ausdrucksstarke Seitenbild mit tiefer, offener Rippe sowie das hohe, breite Hintereuter gaben den Ausschlag. Sie setzte sich auch in der Siegerauswahl Mittel souverän durch. Reservesiegerin wurde die sehr jugendliche „HSG Alma“ von Kai Schramm aus Wanderup, die besonders mit ihrem sehr hohen und stark beaderten Euter zu gefallen wusste.

Alte Kühe top in Form

Die Altkuhklassen unterstrichen eindrucksvoll die große Langlebigkeit und die seit Jahren hohen und stetig wachsenden Tierwohlstandards unserer Mitgliedsbetriebe – was auch das Publikum mit kräftigem Applaus honorierte. Zur Siegerin wurde „Mitzy“ (von „Elude“) von Dirk Huhne aus Bergfeld gekürt, die sich erneut in hervorragender Form präsentierte. Der Reservesieg ging an die „Control“-Tochter „Soda“ von Henrik Holm und Hauke Jebens aus Hanerau-Hademarschen.

Geehrt für die höchste Lebensleistung wurde „Lillifee“ von Hans-Joachim Lüer aus Niendorf.

Besonders hervorzuheben ist die „NOG-Jeremy“-Tochter „Lilli­fee“ von Hans-Joachim Lüer aus Niendorf. Mit bislang über 124.000 kg Milch war sie nicht nur die älteste, sondern auch die leistungsstärkste Kuh der Schau. Diese Leistung wurde mit einer von der RBG Memmingen gestifteten Kuhglocke gewürdigt.

Überzeugende Qualität im Rotbunt-Ring

Den Auftakt im Rotbunt-Ring gestalteten die Jungzüchter. Vier Teilnehmer stellten sich dem Wettbewerb und präsentierten Tiere von hoher Qualität. Preisrichterin Juliane Hassbargen stellte die „Doral-Red“-Tochter „Sole“ von Dirk Huhne, Bergfeld, an die Spitze. Vorgeführt von Daniel Döring, überzeugte die „Jordy“-Tochter aus der bekannten „Supergirl“-Familie durch Adel und sehr gute Fundamente.

Nachzuchten wissen zu überzeugen

Bei den rotbunten Nachzuchten wurden Töchter der Bullen „Elektro P“ und „Mats DN“ vorgestellt. „Elektro P“, ein hornloser Red-Holstein-Bulle aus dem bekannten „Larissa“-Stamm von Phillip Ellerbrock aus Westerau, präsentierte eine sehr einheitliche, großrahmige Gruppe mit hervorragenden Eutern. Zur Siegerin kürte die Preisrichterin „Country P“ von Frank Sievers, Beidenfleth, vor „Curry“ von Karsten Kaack aus Ratzbek. Drei Tiere dieser Gruppe nahmen auch am weiteren Schauwettbewerb teil.

Gut herausgebracht zeigte sich die Nachzucht von „Elektro P“.

Große Aufmerksamkeit galt auch der Nachzucht von „Mats DN“, aktuell Spitzenreiter der Topliste Rotbunt-Doppelnutzung. Sechs Töchter aus Red-Holstein- und DN-Anpaarungen überzeugten mit ausgeprägtem DN-Typ, guten Fundamenten und funktionalen Eutern. Siegerin wurde die großrahmige „Mats-DN“-Tochter „Corinna“ von Jürgen Wiggers aus Brokdorf. Den zweiten Platz belegte „Colibri“ von Carsten Stöven.

Allrounder: Rotbunt-Doppelnutzung

Im Wettbewerb der DN-Kühe zeigten fünf Klassen eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der Rotbunt-Doppelnutzung. Zehn Kühe traten zur Siegerauswahl an. Zur Siegerkuh bestimmte Preisrichterin Maria Thiele die „Mats-DN“-Tochter „Bolivien“ von Dirk Blohm aus Klein Nordende. Die Zweitkalbskuh überzeugte mit ausgeprägtem DN-Typ, starkem Fundament sowie hohen Inhaltsstoffen von 4,77 % Fett und 3,92 % Eiweiß. Reservesiegerin wurde die kraftvolle „Bahlsen-DN“-Tochter „California“ von Thomas Hell aus Groß Sonnendeich.

Ein strahlendes Gesicht bei Züchter Ulf Blohm aus Klein Nordende für „Bolivien“, Siegerin Rotbunt-DN

Enge Entscheidungen bei Red Holsteins

Auch bei den Red Holsteins präsentierten sich vor allem die Färsenklassen sehr einheitlich. Den Sieg errang die jugendliche „Spectre-PP“-Tochter „Disco“ von Helge Jeß aus Owschlag, gezogen von Klaus Jürgen Wichmann aus Haby. Reservesiegerin wurde die „Elektro-P“-Tochter „Country P“ von Frank Sievers, die damit bereits ihren zweiten Titel an diesem Abend errang.

In den mittleren Klassen setzte sich die jüngere Zweitkalbskuh „Kolara“ von der Zuchtgemeinschaft Holm/Jebens aus Hademarschen durch. Reservesiegerin wurde hier die „Diamondbac“-Tochter „ELL Sunlight“ von Phillip Ellerbrock, die mit viel Typ und Kapazität überzeugte.

Supergirl war nicht zu schlagen

Ein Höhepunkt war die Klasse der Kühe mit vier Abkalbungen. Die vielfach ausgezeichnete „­Jordy“-Tochter „Supergirl“ von Dirk Huhne aus Bergfeld sicherte sich einen weiteren Siegertitel. Reservesiegerin Alt wurde die „Dice-Red“-Tochter „HaH Zulu“ von Andreas Bewersdorff aus Ruhwinkel, die besonders mit hervorragenden Übergängen und drüsigem Euter überzeugte.

Angler stellen den Juniorchampion

Die Angler-Abteilung der RSH eG war mit zwei Jungrinderklassen, fünf Kuhklassen sowie einer Nachzuchtgruppe vertreten und konnte sich dabei eindrucksvoll ­präsentieren.

Die Angler-Jungzüchter führten acht Top-Jungrinder im Ring vor, die von Preisrichter Michael Lang aus Hallblech im Allgäu in zwei Klassen gerichtet wurden. Die Betriebe Jacobsen aus Hohenlieth und Göttsche-Tobian aus Schwedeneck stellten jeweils drei Tiere. Reservesiegerin wurde die 1a-Färse der ersten Klasse, „GTR Elisa“, eine feinzellige „Heroo-P“ x „Thymian“-Tochter aus dem Betrieb Göttsche-Tobian. Den Siegertitel der Jungrinder errang ihre Stallgefährtin „GTR Darunia“, eine harmonische „Impalu“-Tochter aus der bekannten Angler Championkuh „Zelda“.

Die Zukunft der Angler-Zucht liegt beim gleichnamigen Vererber.

Zukunft – Nachzucht überzeugt

Der „Wild“-Sohn „Zukunft“ ist seit einem Jahr im Wiedereinsatz, und so war es sehr erfreulich, dass er auf der Schau eine Nachzuchtgruppe stellen konnte. Sechs Töchter präsentierten sich sehr einheitlich und gaben das lineare Profil des Bullen klar wieder. Die Zweitkalbskühe überzeugten mit ausreichend Rahmen und Stärke, breiten, geneigten Becken sowie sicheren Fundamenten. Die fest aufgehängten Euter mit starkem Zentralband rundeten den positiven Eindruck ab. Weitere Vorteile des Bullen sind Nutzungsdauer, Melkbarkeit, Robotereignung und ein günstiger Kalbeverlauf. Züchter Markus Fuschera-Petersen aus Fahrdorf stellte gleich vier Töchter in der Gruppe. Der 1a-Preis ging an die ausdrucksstarke „Riga“-Enkelin „Berberitze“ von Michael Petersen aus Taarstedt.

Junge und alte Kuhklassen

Den Auftakt bei den Schaukühen machten wie gewohnt die jungen Kühe. In der Klasse der einkalbigen Tiere gewann die „Unicus“-Tochter „Corni“ aus der Zucht von Markus Fuschera-Petersen den 1a-Preis. Die euterstarke Kuh wurde später Siegerin Jung und errang zudem den Juniorchampion-Titel über alle Rassen. Reservesiegerin Jung wurde die harmonische „Celma“ („Schlei“ × „Vlake“) von Michael Petersen aus Taarstedt.

Der stolze Juniorchampion „Corni“ von Markus Fuschera-Petersen aus Fahrdorf

In Klasse 3 traten sechs Kühe mit drei Abkalbungen an. Die „Vimo“-Tochter „Alice“ von der Andersen-Vogt GbR aus Roosgard wurde zur Siegerkuh Alt gekürt und überzeugte durch enormes Kaliber. Reservesiegerin wurde die „Wotan“-Tochter „Begonie“ von Michael Petersen aus Taarstedt. Besonders hervorzuheben ist „Tara EX 90“, die „Haithabu“-Enkelin, die nach ihrer achten Abkalbung als älteste Angler Kuh die Klasse 5 gewann.

Jersey-Kühe erneut vertreten

Zum zweiten Mal nach 2022 waren auch Jerseys vertreten. Sieben Betriebe stellten 14 Kühe. Diese wurden ebenfalls von Michael Lang gerichtet. Bei den jungen Jerseys gewann die euterstarke „Toryn“-Tochter „Cathy“ von der Bensenhof GbR aus Achtrup und wurde später Siegerin der Jerseys. In der Klasse der älteren Jerseys erhielt die dreikalbige „Highlight“, ebenfalls aus dem Stall der Bensenhof GbR, den 1a-Preis und die Reservesiegerschärpe.

„Cathy“ von der Bensenhof GbR aus Achtrup wird Siegerin der Jerseys.

Einstimmigkeit beim Grand Champion

In der abschließenden Grand-Champion-Auswahl fiel das einstimmige Urteil der Preisrichter auf „Mitzy“ von Dirk Huhne, Bergfeld. Sie sicherte sich damit den Titel Grand Champion Neumünster am Abend 2026.

Insgesamt konnte die RSH eG rund 3.500 Besucher aus aller Welt begrüßen, die maßgeblich dazu beitrugen, diese Schau als Goldstandard unter den deutschen Rinderschauen zu etablieren.

Grand Champion „Mitzy“ von Dirk Huhne aus Kasseedorf konnte sich am Ende durchsetzen.

Rettungshunde begeistern die Büsumer LandFrauen

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Großen Besuch erhielten die Büsumer LandFrauen: Die Rettungshundeführerin Britta Lehmusvirta war gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Rettungshundestaffel West-Holstein e. V. sowie fünf Hunden zu Gast.

Zum Auftakt stellte Britta Lehmusvirta ihren Schulbegleitungs- und Therapiehund Carlos vor, der sie täglich in die Büsumer Schule am Meer begleitet und dort Kinder der ersten bis vierten Klassen unterstützt.

Carlos hilft dabei, unruhige Kinder zu beruhigen, erleichtert den Zugang zu schüchternen Schülerinnen und Schülern und kann – stets mit Zustimmung der Eltern – auch Ängste vor Hunden abbauen. Die Kinder lesen ihm gern vor und üben so spielerisch ihre Lesefähigkeiten, während Carlos entspannt ein Nickerchen hält. Durch gemeinsame Spiele wird unter anderem das Marburger Konzentrationstraining durchgeführt, in der Sporthalle kommen Fang- und Laufspiele zum Einsatz. Sein Können bewies Carlos eindrucksvoll beim Memory- und Becherspiel sowie kleinen Rechenaufgaben, bei denen er die Pfote hob.

Im Anschluss stellte Britta Lehmusvirta auch ihren Rettungshund Jori vor, und die Mitglieder der Rettungshundestaffel berichteten von ihrer ehrenamtlichen Arbeit: Der Verein zählt 26 Mitglieder und 25 Hunde, darunter 14 ausgebildete Flächensuchhunde und ein Mantrailer.

Die Hunde sollen eine beruhigende Wirkung haben und die Schulkinder beim Konzentrationstraining unterstützen. Fotos: Gunthild Thede

Rund um die Uhr sind die Teams in den Kreisen Dithmarschen und Steinburg einsatzbereit. Bei der Flächensuche arbeiten die Hunde frei, ausgestattet mit Halsband, Glocke und Tracker. Nach vorheriger Windberechnung können sie in kurzer Zeit Flächen von bis zu 30.000 m² absuchen – eine wichtige Hilfe, besonders bei der Suche nach vermissten älteren Menschen.

Die Arbeit fordert die Hunde vor allem geistig durch intensive Nasenarbeit. Lob und Spiel gehören selbstverständlich dazu, auch wenn eine Suche einmal nicht erfolgreich ist. Die Einsätze und Übungen erfolgen stets in enger Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Zum Abschluss dankte die erste Vorsitzende der Büsumer LandFrauen, Annemarie Blas, für die eindrucksvollen Einblicke mit einer Spende. Die Hunde nutzten die Gelegenheit, sich ihre wohlverdienten Streicheleinheiten beim Publikum abzuholen.

Gunthild Thede/lfv

Kunst und Kochen

im Freilichtmuseum Molfsee

Foto: lfv sh

Im Rahmen der vierteiligen Ausstellung „State of Nature“ der Landesmuseen Schleswig-Holstein zieht ab dem 27. Februar „The Field“ von Rebecca Louise Law in das Jahr100Haus im Freilichtmuseum Molfsee ein. Hafer und Blumen wuchsen auf den Museumsfeldern, wurden gemeinsam geerntet, getrocknet und verarbeitet – ein Werk, das Nahrung, Landschaft, Handarbeit und Gemeinschaft auf besondere Weise verbindet.

Begleitend zur Ausstellung laden die LandFrauen am Sonntag, 1. März, von 14 bis 16 Uhr dazu ein, traditionelle und moderne Hafergerichte gemeinsam zuzubereiten, Wissen auszutauschen und die Speisen in geselliger Runde zu genießen.

Anmeldungen werden unter Tel.: 04 31-6 59 66 22 oder unter: service@landesmuseen.sh erbeten. Der kleine LandFrauenworkshop ist kostenlos, der Eintritt ins Freilichtmuseum beträgt 12 €. Text: Judith Bühlmeier

Hof Moorhörn gewinnt

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Schleswig-Holstein ehrt zum ersten Mal ausgewählte Projekte mit dem Zukunftspreis Landwirtschaft Schleswig-Holstein. Diese setzen die 24 Thesen des Dialogprozesses „Zukunft der Landwirtschaft“ bereits konsequent in die Praxis um.

Die Auszeichnung fand auf dem Hof Moorhörn in Passade, Kreis Plön, statt. Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg  (CDU) würdigte die Preisträgerinnen und Preisträger für ihre nachhaltige und zukunftsweisende Arbeit. „Die ausgezeichneten Betriebe und Projekte zeigen eindrucksvoll, dass der Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft nicht nur auf dem Papier stattfindet, sondern in der Praxis wirkt“, sagte Schmachtenberg. „Sie sind Leuchttürme für nachhaltige Innovation, die ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Akzeptanz miteinander verbinden.

Schleswig-Holstein profitiert von diesen Vorreitern, die den Wandel aktiv gestalten und Impulse für die gesamte Branche setzen.“ Der Zukunftspreis, initiiert vom Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV), wurde 2025 erstmals ausgeschrieben. Ziel ist es, praxisnahe Umsetzungen der 24 Thesen sichtbar zu machen, Nachahmung zu fördern und den Austausch innerhalb der Landwirtschaft zu stärken. Unter insgesamt 26 Bewerbungen aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette sowie von Bildungsinitiativen und Kooperationen wählte die Steuerungsgruppe des Dialogprozesses zur Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein die Preisträgerinnen und Preisträger aus.

Den zweiten Platz holte sich die Domäne Fredeburg, die zwischen Mölln und Ratzeburg liegt. Foto: Patrick Mühling

Der Preis ist mit insgesamt 10.000 € dotiert und wurde an drei Projekte vergeben. Den ersten Platz belegte Hof Moorhörn im Kreis Plön (5.000 €). Der Betrieb überzeugte durch eine Kombination aus Gefriertrocknung, die heimische Produkte ganzjährig verfügbar macht, konsequenter vollständiger Produktverwertung sowie der Nutzung Erneuerbarer Energien. Die Jury sah darin ein besonders gelungenes und zukunftsweisendes Gesamtkonzept, das als Vorbild für andere Betriebe in Schleswig-Holstein dienen könnte.

EinStückLand aus dem Kreis Segeberg belegte den dritten Platz beim Zukunftspreis. Foto: Patrick Mühling

Die Domäne Fredeburg GbR im Kreis Herzogtum Lauenburg (zweiter Platz, 3.000 €) habe durch die Verbindung von Landwirtschaft, regionalem Handwerk, Kulturveranstaltungen und Hofküche als sozialem Begegnungsort überzeugt. Die Jury würdigte damit ein Konzept, das lebendige ländliche Räume schaffe und gesellschaftliche Teilhabe fördere. EinStückLand im Kreis Segeberg (dritter Platz, 2.000 €) wurde für die Kombination aus einem besonders nachhaltigen Versand- und Vermarktungskonzept mit strohisolierten Kartons und gebündelten Bestellungen, Kooperation mit kleinen Betrieben, artgerechter Tierhaltung und nachhaltiger Verarbeitung ausgezeichnet.

Die Jury bewertet dies als ein praxisnahes Modell für nachhaltige Wertschöpfung. Ministerin Schmachtenberg betonte den politischen und gesellschaftlichen Wert der Initiative: „Der Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft hat gezeigt, dass Betriebe, Verbände, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Wissenschaft im ständigen Austausch Lösungen entwickeln können, die direkt in der Praxis wirken. Mit dem Zukunftspreis werden diese erfolgreichen Umsetzungen sichtbar gemacht, voneinander gelernt und der Innovationsgeist in Schleswig-Holsteins Landwirtschaft gestärkt.“pm/ Patrick Mühling

Bioschweine: Knapp und gesucht

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Der Bioschweinepreis ist im zweiten Halbjahr 2025 angestiegen, seitdem stabilisierten sich die Preise für Verbandsware bei zirka 4,80 €/kg SG auf hohem Niveau. Verbandsware stammt aus ökologischer Erzeugung nach Richtlinien von Anbauverbänden wie Bioland, Naturland oder Biokreis und ist direkt am jeweiligen Logo auf der Verpackung zu erkennen. Sie erfüllt höhere Standards als das EU-Bio-Siegel, etwa hinsichtlich Platzbedarf (mindestens 1,3 m² plus Auslauf) und Fütterung. Da die Produktionskosten durch die strengeren Auflagen höher sind, ist Verbandsware teurer als EU-Biofleisch. Die gute Nachricht für deutsche Produzenten: Deutsche Verbandsware fließt weiter gut ab und wird überall gesucht, ist also knapp. Dies wird von den Statistiken bestätigt: Maximal 1 % des deutschen Schweinebestandes wird ökologisch gehalten, bei Geflügel sind es immerhin 1,6 % und bei Rindfleisch 6,9 %. So ist es nicht verwunderlich, dass derzeit etwa ein Drittel des konsumierten Bioschweinefleischs aus Nachbarländern stammt. Die leichte Produktionssteigerung 2025 deckte bei Weitem nicht die Nachfrage.

Importe notwendig

Und so bieten sich Chancen für Anbieter aus Nachbarländern, die schon seit Längerem günstigere Bioschweine, sogenannte EU-Bioware entsprechend EU-Bio-Siegel, anbieten. Dänische Bioschweine etwa kosteten im Dezember 2025 zirka 3,45 €/ kg SG. Allerdings kommen zurzeit nur wenige Schweine von dort. Niederländische Bioschweine werden hierzulande seit Jahren umfangreich verarbeitet. Die Preise liegen in der Regel zwischen den deutschen und dänischen. Außerdem, und erst seit einigen Monaten in nennenswertem Umfang, kommen regelmäßig Bioschweine aus Spanien (?!) auf den deutschen Markt, ebenfalls zu deutlich günstigeren Preisen.

Verbandsware mit starker Marktposition

Verbandsware bleibt gefragt und ist ein wichtiges Verkaufsargument für viele LEH-Ketten. Bei einigen Wurstartikeln aber rudern manche Einzelhandelsketten zurück und verkaufen EU-Bio-Ware, die dann ohne Herkunftskennzeichnung aus verschiedenen EU-Nachbarländern stammen kann. Andere Handelsketten fahren zweigleisig und listen Verbandsware und günstigere EU-Bio-Ware gleichermaßen. Im Großen und Ganzen aber finden sich in allen Handelsketten, nur in jeweils unterschiedlichem Ausmaß, Artikel aus deutscher Verbandsware – und daran dürften sie auch weiter festhalten.

Ist deutsche Produktion steigerungsfähig?

Die zuletzt hohen Auszahlungspreise haben einige Landwirte motiviert, in die Bioschweinehaltung einzusteigen beziehungsweise sie auszuweiten. Insbesondere die Ferkelversorgung – über lange Zeit ein Flaschenhals – wird besser, da aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und dem Osten des Landes von neuen Sauenställen berichtet wird. Gleichzeitig geben aber auch immer wieder Betriebe auf. Auch 2025 dürften die Bioschweinepreise weitersteigen, da Nachfrage und Angebot nach wie vor auseinanderklaffen. Denn trotz der attraktiven Preise scheint der Bioschweinebestand zu stagnieren. Bestehende Biobetriebe müssen Stallerweiterungen oft ohne Förderung stemmen, da die Agrarinvestitionsförderprogramme meist nur für Neu- und Umbauten genutzt werden können. Auch gilt es, mit Immissionsschutzauflagen zurechtzukommen.

Carstens: „Wir können nicht zaubern, nur arbeiten“

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Landwirtschaftliche Praxis und Politik trafen auf dem Kreisbauerntag der Kreisbauernverbände (KBV) Schleswig und Flensburg aufeinander, der am Freitag vergangener Woche mit rund 150 Besuchern in Schleswig stattfand. Während die Verbandsvertreter dringende Unterstützung forderten, stellte die andere Seite klar, was aus ihrer Sicht realistisch möglich sei und welche Maßnahmen bereits ergriffen wurden.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Schleswig, Klaus-Peter Dau, sprach über Themen, die die Landwirtinnen und Landwirte in Schleswig-Holstein derzeit besonders umtreiben. Schwankende Preise am Markt, Ostseeschutz, Düngeverordnung, Bürokratieabbau sowie der Umbau der Tierhaltung standen auf der Agenda. Neben diesen Themen kam Dau auch auf das Dauergrünlanderhaltungsgesetz (DGLG) zu sprechen. Er forderte eine Abschaffung des Gesetzes und erklärte, dass die Landesregierung schon vor mehreren Jahren einer Evaluierung des Gesetzes zugestimmt habe. „Die Bewirtschaftung des Grünlands ist zusehends erschwert. Wir brauchen diese Flächen, um Silage herzustellen“, erklärte Dau. Die Abschaffung des DGLG würde „einen echten Beitrag zum Bürokratieabbau darstellen“.

Das Problem der Nachfolge

Klaus-Peter Dau fordert Erleichterungen bei der Grünlandbewirtschaftung und weitere Anstrengungen zum Bürokratieabbau. Foto: bb

Denn Bürokratie koste Zeit, die auf dem Hof fehle, und Geld, das nicht erwirtschaftet werde. Zudem sinke die Motivation bei den jungen Landwirtinnen und Landwirten, die einmal die Höfe übernehmen sollen. Dau erwartet deshalb von der Regierung eine Entlastung, denn ohne klare Zukunftsaussichten würden Schleswig-Holstein bäuerliche Betriebe und die Vielfalt des ländlichen Raumes verloren gehen. Auch auf das Thema Tierhaltung kam er zu sprechen. „Wer Tierwohl fordert, muss auch bereit sein, die Mehrkosten dauerhaft zu tragen“, sagte er und fuhr fort: „Niemand hat ein größeres Interesse an gesunden Tieren als wir. Die Debatte darf aber nicht ideologisch sein.“ Verbote ohne Alternativen führten nicht zu mehr Tierwohl, sondern zu Importen aus dem Ausland, so Dau.

Landesregierung stimmt zu

„Landwirtschaft ist systemrelevant“, sagte Otto Carstens, Staatssekretär im Kieler Landwirtschaftsministerium (MLLEV), direkt zu Anfang seines Vortrags und betonte, dass er das Amt übernommen habe, um sich unter anderem für die Belange des ländlichen Raumes einzusetzen. Er stimmte den Sorgen und Befürchtungen der anwesenden Landwirte weitestgehend zu, führte aber auch an, welche konkreten Maßnahmen das MLLEV bereits durchgesetzt habe – darunter die Einrichtung des Kompetenzzentrums Klimaeffiziente Landwirtschaft und den Aktionsplan Ostseeschutz. „Wir setzen bewusst auf Kooperation statt auf Auflagen – und das funktioniert“, unterstrich Carstens. Alle fünf Ostseebeiräte hätten bereits selbst erarbeitete Konzepte vorgelegt. Das sei also nicht durch politische Vorgaben geschehen.

Für den Staatssekretär gehört auch die Tierhaltung zu Schleswig-Holstein. Diese habe seit Generationen die Gesellschaft geprägt und verdiene politische Rückendeckung. Verbraucherinnen und Verbraucher erwarteten aber auch höhere Tierwohl-Standards. „Wenn wir den Umbau wollen, brauchen die Betriebe verlässliche Förderungen und Perspektiven“, erklärte Carstens.

DGLG bleibt

BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht benannte die aktuellen Probleme in der Landwirtschaft. Foto: Patrick Mühling

Zusammen mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat das MLLEV eine Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau eingerichtet.

„Eine Abschaffung des Dauergrünlandgesetzes wird es in dieser Amtsperiode jedoch nicht geben – das muss ich ganz klar so sagen“, erklärte er unter dem deutlich vernehmbaren Unmut der Anwesenden. Die verbleibende Amtszeit von knapp einem Jahr reiche, so Carstens, nicht aus, um kritische Änderungen an Gesetzen wie dem DGLG vorzunehmen. Er betonte allerdings, dass sein Ministerium es in kurzer Zeit geschafft habe, die Schadenersatzsumme für durch Wildgänse verursachte Ernteschäden im Rahmen der Wildgänserichtlinie von 350.000 € auf 1,2 Mio. € zu erhöhen. „In Zeiten knapper Kassen ist das eine richtig tolle Leistung. Wir wissen aber auch, dass Schadenersatz nicht das ist, was die Bauern wollen. Sie wollen ihre Arbeit machen“, gestand Carstens. Das MLLEV versuche, sich für eine Vergrößerung des Kreises an Menschen einzusetzen, die Gänse entnehmen dürften.

Kampf mit knappen Kassen

Er machte ebenfalls deutlich, dass er verstehe, dass viele landwirtschaftliche Betriebe die Vielzahl an Auflagen zu Recht als Belastung empfänden, jedoch setzten die öffentlichen Haushalte klare Grenzen, und es müsse bis 2030 1 Mrd. € eingespart werden. Durch die beschriebene schwierige Haushaltslage sei Prioritätensetzung das Stichwort.

„75 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein leben auf dem Land. Die Landwirtschaft und der ländliche Raum stehen im Mittelpunkt der Politik unseres Ministeriums, aber es muss auch für andere Belange aktuell Geld in die Hand genommen werden“, bekräftigte der Staatssekretär.

„Ernährung bleibt die Grundlage für alles. Dies geht aber nicht ohne Veränderungen“, so Malte Jacobsen, Vorsitzender KBV Flensburg. Foto: rq

Kenntnisse der Biologie erleichtern die Bekämpfung

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Der Schnee und die frostigen Temperaturen in diesem Winter haben kaum negativen Einfluss auf die Überwinterung der Stängelschädlinge. Mit steigenden Temperaturen gilt deshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Erwachen bersonders des Großen Rapsstängelrüsslers, denn dessen Zuflug in die Rapsbestände und der nachfolgende Schaden können zu spürbaren Ertragsverlusten führen (optisch: Verdrehen und Aufplatzen der Rapsstängel). Um dies zu vermeiden, reichen allein „Bauchgefühl“ oder nur der Blick auf die Wetterstation nicht aus, sondern die Gelbschale auf dem Acker bleibt das geeignete Hilfsmittel.

Kurzer Rückblick auf 2025: Im Frühjahr wurde auf den Schlägen zur Schaderregerüberwachung des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer an lediglich vier Standorten ein Zuflug von mehr als fünf Rapsstängelrüsslern festgestellt. Der Gefleckte Kohltriebrüssler trat vergleichsweise häufiger auf, zum Teil auch deutlich oberhalb der Bekämpfungsschwelle.

Die sauberen, möglichst nicht verblichenen Gelbschalen (kräftiges Gelb) müssen mit Wasser und etwas Spüli befüllt und zum Schutz von Bestäuberinsekten (Hummeln, Bienen et cetera) mit einem Gitter versehen werden. Von der Rapserdfloh-Überwachung übrig gebliebene Gelbschalen aus dem Herbst erfüllen diese Anforderungen nicht mehr. Je nach Wetterlage muss die Gelbschale regelmäßig alle paar Tage kontrolliert und gegebenenfalls das Wasser gewechselt werden. Sie sollte in der Höhe mit dem Bestand auch immer „mitwachsen“.

Die Gelbschalen sollten sauber und in einem leuchtenden Gelb in der Fläche stehen.

Geeignete Standorte für Gelbschalen

Der Große Rapsstängelrüssler kann schon bei Bodentemperaturen von zirka 5 °C erwachen. Aufgrund dieser Wetterabhängigkeit erfolgt dies jährlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Da der Große Rapsstängelrüssler auf den vorjährigen Rapsflächen überwintert und folglich auch dort erwacht, ist es ratsam, auf angrenzenden Befallsflächen des Vorjahresrapses (jetzt oft mit Winterweizen bestellt) eine Schale aufzustellen. Mindestens eine weitere Gelbschale wird dann noch im Randbereich zu diesen vorjährigen Rapsflächen aufgestellt, um die direkte Zuwanderung zu erfassen. Begrenzen auch noch Knicks oder Waldränder den aktuellen Rapsschlag, sollten auch dort Gelbschalen aufgestellt werden, denn in diesen Bereichen überwintert der Gefleckte Kohltriebrüssler (sowie Rapsglanzkäfer). Sind die Gelbschalen gut platziert, ist ihre Fängigkeit und damit die Aussagekraft deutlich erhöht (siehe Grafik).

Biologie bestimmt den Bekämpfungszeitpunkt

Der Große Rapsstängelrüssler sucht gleich nach dem Erwachen die nächstgelegenen Rapsschläge zur Eiablage auf. Die Weibchen sind bereits geschlechtsreif, sodass nach der Paarung die Eier sofort abgelegt werden können. Somit bleibt nicht viel Zeit für eine Behandlung, denn mit dem Vollzug der Eiablage beginnt auch schon die erste Schädigung des Rapses.

Das Weibchen scheidet bei der Herstellung der Ei-Nischen entsprechende Wuchsstoffe aus, die für die typischen Verdrehungen der Stängel verantwortlich sind. Die sich im Stängel entwickelnden Larven sind zudem vor Kontaktinsektiziden geschützt. Die Bekämpfung muss demzufolge zeitnah nach dem Zuflug, innerhalb von ein bis drei Tagen erfolgen. Das gilt auch, wenn nach dem Zuflug in die Bestände die Temperaturen sinken. Der Große Rapsstängelrüssler ist komplett schwarz gefärbt, wobei er durch seine dichte Behaarung eher grau wirkt.

Der Gefleckte Kohltriebrüssler benötigt für das Erwachen und die Einwanderung in die Rapsbestände normalerweise etwas höhere Temperaturen. In den vergangenen Jahren erfolgte dies jedoch oft zeitgleich mit dem Großen Rapsstängelrüssler. Den Gefleckten Kohltriebrüssler erkennt man, neben seiner geringeren Größe, was aber kein sicheres Unterscheidungsmerkmal in der Gelbschale ist, an dem weißen Fleck auf dem Rücken und den rotbraunen Füßen. Im Gegensatz zum Großen Rapsstängelrüssler vollzieht er erst einen Reifungsfraß, bevor er mit der Eiablage startet. Somit stehen für eine Bekämpfung, je nach Witterung, fünf bis zehn Tage zur Verfügung – je wärmer es ist, desto zügiger muss man handeln. Nach erfolgter Eiablage wachsen die Rapsstängel optisch weiterhin gerade weiter, sodass die Larven und somit der tatsächliche Befall äußerlich oft lange unentdeckt bleiben.

Im Inneren des Stängels fressen die Larven, infolgedessen ist das Innere verbräunt.
Nach der Eiablage des Großen Rapsstängelrüsslers reagiert die Rapspflanze mit Verdrehungen: nur an der Triebspitze (li.) oder Verdrehung der ganzen Pflanze (r.).

Bekämpfungsschwellen beachten

Aufgrund seiner höheren Schadwirkung besitzt der Große Rapsstängelrüssler eine niedrigere Bekämpfungsschwelle von mehr als fünf Käfern pro begitterter Gelbschale innerhalb von drei Tagen. Sie liegt beim Gefleckten Kohltriebrüssler im gleichen Zeitraum von drei Tagen bei mehr als 15 Käfern pro begitterter Gelbschale.

Bekämpfung nach Schwellenüberschreitung

Für die Bekämpfung beider Schädlinge sind nach wie vor die Pyrethroide (zum Beispiel Karate Zeon) das Maß aller Dinge. Zwar spielen beim Gefleckten Kohltriebrüssler bundesweit zunehmend Resistenzen eine gewisse Rolle, der alternative Wirkstoff Acetamiprid im Produkt Carnadine 200 kommt aber nicht an die Wirkungsgrade der Pyrethroide heran. Das Käferstadium des Großen Rapsstängelrüsslers reagiert derzeit weiterhin sensitiv auf die Pyrethroid-Behandlung.

Treten neben den Stängelschädlingen zugleich bekämpfungswürdige Rapsglanzkäfer im Bestand auf, kann Trebon 30 EC (B2; Pyrethroid Klasse I) zum Einsatz kommen. Mavrik Vita/Evure (B4) sollten, außer wegen ihrer aktuell fehlenden Stängelrüssler-Zulassung, aufgrund ihrer guten Wirkung und B4-Einstufung zur Rapsglanzkäfer-Bekämpfung vorgesehen werden.

Fazit

Das rechtzeitige Aufstellen der Gelbschalen ist für die Feststellung des Zuflugs von Stängelrüsslern weiterhin unverzichtbar. Insbesondere beim Großen Rapsstängelrüssler liegen Zuflug und Bekämpfung zeitlich sehr eng beieinander. Hier gilt es, die Prioritäten richtig zu setzen.

Generell sollten jegliche Behandlungen nur nach Überschreitung von Bekämpfungsschwellen erfolgen. Die Resistenzsituation gegen Pyrethroide ist inzwischen bei einigen Rapsschädlingen massiv angespannt. Hier gilt es, im System zu denken. Zum Beispiel trifft ein eigentlich unnötiger Pyrethroid-Einsatz gegen den Rapsglanzkäfer eventuell nicht bekämpfungswürdige Kohltriebrüssler und/oder zusätzlich frühe Kohlschotenrüssler. Auch die Auswirkungen auf die ganzjährig in den Beständen vorhandenen Rapserdflöhe sind inzwischen sehr deutlich spürbar. Diese Tiere sind immer als Nebeneffekt auch von den Frühjahrsmaßnahmen betroffen, sodass sich der Selektionsdruck über die Jahre massiv erhöht hat.