Der Saisonauftakt im Islandpferdesport wurde in Stapelfeld mit der traditionellen Norddeutschen Hengstparade eingeläutet. Die Mischung aus Zucht- und Sportevent auf hohem Niveau ist seit jeher das Markenzeichen der Veranstaltung des Islandpferde Zucht- und Sportvereins (IPZV) Nord.
Einige Jahre wurde die Norddeutsche Hengstparade im niedersächsischen Luhmühlen veranstaltet, bis die Pandemie zur Pause zwang. In diesem Jahr fungierte der Islandpferdehof Vindhólar von Maren Junge und Einar Hermannson wieder einmal als routinierter Gastgeber. Bei frühlingshaftem Wetter bevölkerten am Sonnabendnachmittag bereits rund 200 Zuschauer das weitläufige Gelände.
Die Hengstparade startete mit der Materialprüfung für Jungpferde, bei der neun Hengste und eine Stute vorgestellt wurden. Die beiden IPZV-Materialrichterinnen Barbara Frische und Suzan Beuk vergaben an acht der Hengste eine Note über 7,80. Mit diesem Ergebnis können sie beim jeweiligen Zuchtverband gekört werden.
Die höchste Gesamtnote des Tages (8,19) ging nach Niedersachsen, an den Rappen Appolló von Seppensen aus der Zucht von Marion und Sönke Müller. Der Graufalbe Vaskur von Godemoor aus der Zucht von Nina Venebrügge aus Großhansdorf, Kreis Stormarn, kam mit einer Note von 8,06 auf den vierten Platz und wurde damit bester Junghengst aus Schleswig-Holstein. Barbara Frische hob die „gute Qualität“ der gezeigten Hengste insgesamt sowie ihre „typliche Bandbreite“ hervor: Vom harmonischen Ponytyp bis hin zum langbeinig-eleganten Rassevertreter sei alles dabei gewesen, so die Zuchtrichterin.
Hochkarätiger Sport auf der Ovalbahn
Auf der Ovalbahn wurden am Sonnabend und Sonntag die Tölt- und Gangprüfungen ausgetragen. Das gut besetzte Starterfeld lieferte viele sehenswerte Ritte, die von den Richtern mit hohen Noten und von den Zuschauern mit viel Applaus bedacht wurden. Als spannend erwiesen sich einmal mehr die A-Finals, die ab Sonntagmittag auf dem Zeitplan standen.
Reiter aus Schleswig-Holstein konnten mit etlichen goldenen Schleifen im Gepäck die Heimreise antreten. Vier von zehn Siegen gingen allein an Reiter aus Ehndorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Der kleine Ort bei Neumünster, in dem gleich mehrere Islandpferdehöfe ansässig sind, wird nicht ohne Grund „Islandpferdedorf“ genannt.
Der Ehndorfer Johannes Pantelmann sicherte sich gleich zwei erste Plätze: Mit Blær frá Leirulæk siegte er in der Töltprüfung T4 und mit Edda frá Efra-Hvoli in der Töltprüfung T3. Weitere Siegesritte lieferten Daniel Schulz mit Jódís frá Kvistum im Töltpreis (T1) und seine Tochter Mirja Schulz mit Kopernikus vom Heesberg in der Töltprüfung T2. Damit war das goldene Ehndorfer Quartett komplett.
„Ich war stolz auf Kopernikus, er hat sich sehr schön und locker präsentiert“, freute sich Mirja Schulz nach dem Prüfungssieg, der sie sicherlich auch optimistisch auf die anstehende Saison blicken lässt. Die 13-Jährige ist seit 2021 Mitglied im U16-Kader des Islandpferde-Bundesverbandes, bei den „Futurity Kids“.
Erfolgreich mit der zweiten Generation
Ihr Kopernikus ist bei der Norddeutschen Hengstparade ein alter Bekannter, den viele Besucher wiedererkannt haben dürften. Wie sich sein Züchter Daniel Schulz erinnert, liegt Kopernikus‘ erster Auftritt auf der Bahn von Vindhólar genau 15 Jahre zurück. Inzwischen ist der 21-jährige Fuchshengst also schon mit der zweiten Generation der Familie Schulz im Sport unterwegs und dabei so erfolgreich wie früher.
Über den Sieg im Viergangpreis konnte sich Laura Steffens mit Bjartur vom Urstal freuen. Die Nordrhein-Westfälin verwies mit Sina Günther auf Manni vom Flókaberg und Marina Müller von Blumencron auf Gumi vom Störtal zwei Reiterinnen aus Schleswig-Holstein auf die Plätze.
Silber und Bronze im Fünfgangpreis gingen ebenfalls in schleswig-holsteinische Hände: Hinter Ronja Marie Müller aus Niedersachsen mit ihrem Gulltoppur frá Stað reihte sich Claudia Müller vom Hof Blumencron in Schulendorf, Kreis Herzogtum Lauenburg, auf Töfri von Blumencron ein. Es folgte Sina Müller, die seit einem halben Jahr einen Hof in Pinneberg betreibt. Für den Fünfgangpreis hatte sie Gear von der Igelsburg am Start, der 2017 bei der Weltmeisterschaft im niederländischen Oirschot für Deutschland in den Zuchtprüfungen gestartet ist.
Rückblickend sagte Sina Günther, sie sei besonders stolz auf das gute Abschneiden mit ihrem neunjährigen Farbwechslerhengst Manni: „Es war unser erster Viergangpreis und ich bin auf Sicherheit geritten, damit alles erst mal gut läuft.“ Nach der gelungenen Premiere habe sie nun für die nächsten Starts ein gutes Gefühl: „Da ist noch einiges mehr drin.“




