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USDA schätzt globale Weizenernte knapp unter Vorjahr

Junibericht ohne Überraschungen, doch Knappheiten bestätigen sich
Von Mechthilde Becker-Weigel
In seiner Junischätzung der Weizenernte 2022/23 geht das USDA für die EU-27 von 136,1 Mio. t aus, nach 138,4 Mio. t im Jahr 2021/22. Foto: Agrar-Press

Der jüngste Monatsreport des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) zum Weltgetreidemarkt hat aus Sicht der Marktteilnehmer keine Überraschungen gebracht. Das globale Weizenaufkommen in der Saison 2022/23 veranschlagt das USDA in seinem am vergangenen Freitagabend veröffentlichten Report auf 773,4 Mio. t (Vorjahr: 779 Mio. t). Das sind lediglich 1,4 Mio. t weniger, als die Washing­toner Experten bei ihrer Erstschätzung im Mai für möglich gehalten hatten.

Die hohe Ernteprognose für Weizen in Indien wurde wieder zurückgefahren. Im Vergleich zur Vormonatsschätzung wurde die Ernteerwartung um 2,5 Mio. t auf 106,0 Mio. t gekürzt, da extreme Temperaturen im März und April dort keine gute Kornfüllung zuließen.

Umgekehrt sind die Witterungsbedingungen in Russland bisher nahezu ideal, weshalb das USDA seine Vorhersage für die dortige Weizenernte von bisher 80 Mio. t auf 81 Mio. t heraufgesetzt hat. Seine Prognose für die EU-27 hat das US-Agrarressort gegenüber Mitte Mai nur um 0,4 Mio. t auf 136,10 Mio. t zurückgenommen, obwohl sich die französischen Weizenbestände in einem ungewöhnlich schlechten Zustand befinden. Aus Nordafrika bewegt sich aktuell eine Hitzewelle auf Europa zu. Deren Auswirkungen auf die Weizenerträge werden sich erst im Julibericht aus Washington ablesen lassen.

Da die Ukraine kriegsbedingt nicht im gewohnten Umfang Weizen exportieren kann, ist der Weltmarkt 2022/23 noch mehr als sonst auf Weizenlieferungen aus der EU angewiesen. Diese sieht das USDA im Monatsvergleich unverändert bei 36 Mio. t. Ganz entscheidend für das EU-Exportvolumen in der nächsten Kampagne wird sein, wie groß die diesjährige Weizenernte in Frankreich ausfällt, denn das Land ist der größte Weizen­erzeuger in der EU und ein wichtiger Anbieter auf dem Weltmarkt.

Der globale Weizenbedarf 2022/23 wird sich nicht vollständig aus der laufenden Produktion decken lassen. Das USDA geht deshalb davon aus, dass die globalen Weizenreserven im Saisonverlauf um weitere 12,5 Mio. t abgebaut werden, und zwar auf ein Sechsjahrestief von 266,9 Mio. t.

Da der USDA-Report weitgehend im Rahmen der Erwartungen lag, sind stärkere Kursbewegungen nach der Ernte- und Bilanzschätzung ausgeblieben. An den täglichen Kursveränderungen der europäischen Leitbörse Matif lässt sich derzeit vor allem der aktuelle Verhandlungsstand zur Öffnung der ukrainischen Schwarzmeerhäfen ablesen. Zuletzt hat es in den diversen Verhandlungsrunden keine substanziellen Fortschritte gegeben, was für einen bullischen Grundton sorgte. age

Gerstenernte im Süden der Ukraine hat begonnen

In der Ukraine hat die Getreideernte in der vorigen Woche (23. Kalenderwoche) unter Kriegsbedingungen begonnen. Nach Angaben des Nachrichtendienstes Ukrinform wurden die ersten Wintergerstenbestände in der Region Odessa und im ukrainischen Teil Bessarabiens geborgen.

Beim Ukrainischen Agrarrat (VAR), der landesweit etwa 1.100 Unternehmen mit insgesamt rund 3,5 Mio. ha Anbaufläche vertritt, wächst unterdessen die Sorge, was die Lagerung der neuen Ernte betrifft. Der Verbandsvorsitzende Andriy Dykun schätzt die aktuellen Bestände an Getreide und Ölsaaten aus der Ernte 2021 immer noch auf bis zu 23 Mio. t. Er wies darauf hin, dass die Agrar­exporte im Mai wegen der russischen Blockade der ukrainischen Schwarzmeerhäfen mit 1,7 Mio. t nicht einmal ein Drittel der sonst üblichen Ausfuhrmengen erreicht hätten. Damit sei klar, dass die vorjährigen Lagerbestände bis zur Haupternte in zwei bis drei Wochen nicht mehr geräumt werden könnten.

Dykun geht davon aus, dass im Herbst für mindestens 10 Mio. t kein professioneller Lagerraum zur Verfügung stehen wird. Er regt deshalb an, jetzt schnellstmöglich die Voraussetzungen für provisorische Lagermöglichkeiten zu schaffen und Kunststoffschläuche oder Silobags in möglichst großer Zahl zu importieren. Ungeachtet dessen drängt der Agrarratsvorsitzende darauf, alles für die Aufhebung der Hafenblockade und die Wiederaufnahme der Exporte über die Seehäfen zu unternehmen. Ansonsten drohe der Verlust großer Mengen an Getreide, da Provisorien nur für eine kurze Lagerzeit geeignet seien.

Derzeit sieht es trotz der in der vergangenen Woche erfolgten russischen Offerte zur Freigabe der Schwarzmeerhäfen nicht nach einer schnellen Lösung aus. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte noch einmal klar, dass man nur dann der Minenräumung der Hafengebiete und der Schaffung eines Transitkorridors im Schwarzen Meer zustimmen werde, wenn dieser von „Staaten, denen wir vertrauen können“, gesichert werde. Den russischen Vorschlägen traue er nicht, betonte Selenskyj. Er will daher weiter an alternativen Transportrouten arbeiten und die Kapazitäten für den Export per Bahn, Lkw oder Schiff über die Donau ausbauen. age

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