„Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Bauernverband und Ökolandbau eine gemeinsame Veranstaltung machen!“, sagte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz. Mit dieser Einschätzung stand er nicht allein. „Die Gräben werden flacher“, meinten auch die anderen Redner auf dem Podium. Anlässlich der kommenden Landtagswahl hatten der Bauernverband (BVSH) und der Landesverband Ökologischer Landbau (LVÖ) Vertreter der Landtagsparteien, der Landwirtschaft und des Naturschutzes eingeladen. Thema: Auf dem Weg zu 30 % Ökolandbau in Schleswig-Holstein.
Das Ziel 30 % Ökolandbau hat die Bundesregierung für Deutschland ausgewiesen – gegenwärtig sind es in Schleswig-Holstein 7 bis 8 %. Gegen eine Zunahme hatte in der Tat keiner der Redner in der Halle der Landwirtschaftskammer in Rendsburg etwas einzuwenden, nur müsse es für die Landwirte wirtschaftlich tragbar sein, und auch die erfolgreiche Vermarktung der Ökoprodukte wurde immer wieder problematisiert. Durchwegs positiv sah es der LVÖ-Vorsitzende Dr. Peter Boysen: „Die Landwirte sind bereit umzustellen, auch die Verarbeiter, die Händler und die Kunden.“ Als Gründe dafür nannte er fünf Aspekte: Schutz der Biodiversität, chemisch-physikalischen Umweltschutz, sparsamen Umgang mit Energie, Klimaschutz und wirtschaftliche Stärkung des ländlichen Raumes. Bei allen Punkten habe Ökolandbau viele Vorzüge, „und bei allen besteht Handlungsbedarf“!
„Wir bekennen uns klar zu den Zielen der Zukunftskommission, über die Wege müssen wir diskutieren“, betonte BVSH-Präsident Schwarz. Bio- und konventionelle Landwirtschaft hätten eine Ertragsdifferenz von 35 bis 50 %, wie solle die geschlossen werden? „Für Bio ist es verdammt schwer, mit den konventionellen Betrieben mitzuhalten.“ Auf lange Sicht sei die Förderung von Biolandbau so nicht durchzuhalten, postulierte er. Zum Thema Ernährungssicherheit in der derzeitigen Situation sagte er: „Wir wollen nicht aus Schleswig-Holstein heraus die Welt ernähren, aber wir kaufen uns die Deckung unserer Bedürfnisse auf dem Weltmarkt und beeinflussen ihn dadurch.“ Deshalb müsse die Effizienz gesteigert werden – sowohl in der konventionellen als auch in der Ökolandwirtschaft: „Die Intensität ist noch nicht auf allen Betrieben optimiert.“ Wenn dies so wäre, warum dann nicht 100 % Ökolandbau, fragte er provokativ? Er halte aber das Ziel, das Landeslandwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) genannt habe – nämlich 15 % – für realistischer. Letztlich gehe es darum, Brüche in der Entwicklung zu vermeiden, und um eine Effektivitätssteigerung in der Biolandwirtschaft und eine „ökologische Intensivierung der konventionellen“.
Mit Stefan Wendland sprach ein Milchbauer, der gerade auf Bio umstellt, für die Vereinigung „Land schafft Verbindung“ (LsV). Gibt es genügend Markt für Biomilch? Dazu müsse man mit finanziellen Hilfen Anreize schaffen. „Haben wir im Haushalt dafür genügend Geld?“, fragte er die anwesenden Politiker, was in der späteren Diskussion allerdings nicht beantwortet wurde.
Jürgen Leicher vom BUND betonte mit starken Worten die Dramatik des Artensterbens. Es sei dokumentiert, dass auf Ökoflächen mehr Arten siedeln als auf konventionellen, wenn auch weniger als auf Wildflächen. Ebenso sei die Situation beim Stickstoffeintrag in Seen und Fließgewässer dramatisch, 75 % der Messstellen bei Grundwasser zeigten Belastung. Dennoch lobte Leicher die Initiative „Zukunft der Landwirtschaft“: „Nehmen sie die 24 Thesen ernst und sorgen sie für den Rahmen“, appellierte er an die Politiker.
„Diese Thesen würden sich eignen für einen künftigen Koalitionsvertrag“, stimmte Oliver Kumbartzky (FDP) zu, Vorsitzender im Umwelt- und Agrarausschuss des Landtages und erntete einmütiges Nicken auf dem Podium. („Ich habe mich auf wilde Kontroversen eingestellt“, wunderte sich TV-Moderatorin Ann-Katrin Schröder.)
Die Möglichkeiten der Umsetzung wurden gleichwohl differenziert. „Wenn gute Böden gute Erträge zu hohen Preisen liefern, sind die Förderungen hinfällig“, gab Heiner Rickers (CDU) zu bedenken. „Dann wird mit guten Böden konventionell Geld verdient und auf schlechten Öko gemacht mit Förderung.“
„Es steht ja nicht geschrieben, dass 30 % in jedem Landkreis erreicht werden“, meinte Kirsten Eickhoff-Weber (SPD). Überhaupt wehre sie sich gegen ein pauschales Bild der Landwirtschaft: „Eine Menge konventioneller Betriebe wirtschaften nachhaltig. Wo die Bereitschaft zur Umstellung da sei, müsse auch Unterstützung da sein, „doch bei 7 % Ökolandbau müssen wir auch Geld für die 93 % haben“.
Dirk Kock-Rohwer von den Grünen, selbst Biobauer, wies noch einmal auf Artenschwund und Umweltzerstörung hin: „Die Biolandwirtschaft ist da ein großer Bringer!“ Als Ökolandwirt könne er heute davon vernünftig leben. – „Es ist aber auch viel passiert“, betonte Rickers: „Die Düngeverordnung hat viel gebracht. Reinsauen geht nicht mehr.“



