StartNachrichtenMarktMarktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 16

Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 16

Von Karsten Hoeck, LK-Markt
Foto: Pixabay

Schlachtrindermarkt: Ist die Party vorbei?

In diesem Frühjahr zeigte der Handel mit Schlachtrindern eine außergewöhnliche Entwicklung. Die hierzulande reduzierten Viehbestände sorgten für ein geringes Angebot an Schlachtkühen und Jungbullen. Dazu kam, dass auch aus den EU-Nachbarländern wenig Vieh nach Deutschland geliefert wurde. Ebenso hielt sich das Angebot aus Südamerika in Grenzen, da unter anderem der Transport der Kühlcontainer sehr teuer geworden ist. In der Corona-Zeit ist der Rindfleischabsatz in den Restaurants gesunken. Dagegen sind die Umsätze an den Kühltheken im LEH gestiegen. Hier ist vor allem regionale Ware gefragt. Auch die Fleischwarenindustrie ist verstärkt an Rindfleisch deutscher Herkunft interessiert. Trotz dieser positiven Vorzeichen war der Anstieg der Notierungen in diesem Frühjahr für alle Beteiligten überraschend. Der Kurs für den R3-Bullen erreichte Anfang April 5,90 €/kg SG und für O3-Schlachtkühe wurden zwischenzeitlich 5,00 €/kg SG geboten. Dies sind historische Höchststände. Noch im Dezember 2021 hat der Kurs für R3-Jungbullen bei 4,40€/ kg SG und für O3-Schlachtkühe bei 3,25 €/kg SG gelegen.

Seit Ostern rückläufige Notierungen

Doch bereits vor Ostern hat der Preisanstieg ein plötzliches Ende gefunden. Nachdem der Großhandel seinen Rindfleischbedarf für das Ostergeschäft eingekauft hatte, kamen von dort klare Signale, dass man nicht bereit sei, weitersteigende Notierungen im Fleischeinkauf zu akzeptieren. Die gestiegenen Energiepreise und die Preisaufschläge in allen anderen Bereichen haben die Nachfrage der Verbraucher nach Rindfleisch im LEH gebremst. Die zunächst wöchentlich steigenden Notierungen hatten viele Mäster veranlasst, Schlachtvieh zurückzuhalten. Dies wurde jetzt verstärkt angeboten. Die Schlachtungen wurden dagegen durch die fehlenden Arbeitstage zu Ostern reduziert. Der Angebotsüberhang sorgte dafür, dass die Notierungen nachgegeben haben.

Die weitere Entwicklung wird unterschiedlich beurteilt. Die Schlachtbetriebe vermuten noch eine große Anzahl an schlachtreifen Jungbullen in der Hand der Erzeuger. Diese könnten auch im weiteren Verlauf für Preisdruck sorgen, da edle Rindfleischartikel im Sommer weniger gefragt sind. Mit Blick auf die Kostenseite hoffen die Rinderhalter hierzulande dagegen, dass die Party im Schlachtrinderhandel noch etwas in die Verlängerung geht. Man verweist darauf, dass die Kurse bereits kurz nach Ostern wieder etwas heraufgesetzt worden sind, da sich die jüngsten Preisabschläge nicht komplett am Markt durchsetzen konnten. Die grüne Seite sieht noch zu viele Schlachtbetriebe mit hoher Aufnahmekapazität einem reduzierten Rinderangebot gegenüberstehen. Vor allem in Niedersachsen sollte sich der starke Wettbewerb der Abnehmer fortsetzen. Der Kampf um Marktanteile ist noch nicht entschieden. Diese Entwicklung sollte den jüngsten Preisrückgang bremsen.

EU-weit reduzierte Rinderbestände

Nach einer Prognose der EU-Kommission wird auch für das laufende Jahr mit einer EU-weit leicht rückläufigen Rindfleischproduktion gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr sollte das Angebot um 0,9 % sinken. Dies wird mit dem anhaltenden Strukturwandel in der Rinderhaltung begründet. Wegen der zu erwartenden hohen Futter- und Energiekosten wird teils mit zusätzlichen Schlachtungen bei niedrigen Gewichten gerechnet. Der Verbrauch dürfte 2022 in etwa stabil bleiben und sich im europäischen Durchschnitt bei 10,2 kg pro Kopf und Jahr einpendeln. Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sanken in den Jahren 2020 und 2021 die Außenhandelsaktivitäten. Sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten dürften sich in diesem Jahr der Handel wiederbeleben und größere Mengen an Rindfleisch ein- und ausgeführt werden. In Deutschland ist der Selbstversorgungsgrad mit Rindfleisch auf etwa 95 % gesunken. Damit ist man hierzulande auf Importe angewiesen, um den Bedarf zu decken. In der EU produzieren Länder wie Spanien, die Niederlande, Polen, Frankreich und Irland dagegen mehr Rindfleisch als sie selbst verbrauchen und können entsprechende Mengen ausführen.

Marktlage für die Woche vom 18. bis 24.4.2022

Getreide: Die Kurse für das knappe Angebot aus der alten Ernte sind wieder deutlich gestiegen. Exporte stützen den Markt.

Raps: Die Großhandelskurse für alterntige Ware sind auf über 1.000 €/t gestiegen. Die Landwirte haben kaum noch Angebot.

Futtermittel: Die Forderungen für Sojaschrot bleiben sehr hoch. Man rechnet mit einer guten Ernte in Südamerika.

Kartoffeln: Das Ostergeschäft hat den Absatz spürbar belebt. Die bisherigen Kurse für Qualitätsware können sich behaupten.

Schlachtrinder: Über Ostern hat sich das Angebot spürbar erhöht, die Kurse wurden zum Teil deutlich reduziert.

Schlachtschweine/-sauen: Vor Ostern blieb die Notierung unverändert. Erste Schlachter hatten bereits Preisabschläge gefordert.

Ferkel: Die offiziellen Basispreise bleiben unverändert. Vereinzelt werden vor allem freie Partien etwas günstiger angeboten.

Milch: Die Milchanlieferung bleibt weiter unter den Vorjahresmengen. Die Kurse für Milchprodukte bleiben weiter sehr hoch.

Schlachtlämmer/-schafe: Obwohl das Ostergeschäft nicht immer die Erwartungen erfüllt hat, blieben die Kurse stabil.

Markttendenz für die Woche vom 25.4. bis 1.5.2022

Getreide: Bis zum Abschluss der Saison wird mit einer regen Exportnachfrage gerechnet. Die Kurse für Vorkontrakte steigen.

Raps: Etwa ein Drittel der neuen Ernte ist bereits vorverkauft. Die Kurse steigen auch hier weiter an. Die Ertragsprognose ist schwierig.

Futtermittel: Die Kurse für Rapsschrot gaben etwas nach. Trotz des knappen Angebots dämpfen die hohen Preise die Nachfrage.

Kartoffeln: Die Spanne reicht von günstigen abfallenden Qualitäten über gute Qualitätsware bis zu teureren importierten Frühkartoffeln.

Schlachtrinder: Vor allem die Bullenpreise könnten nochmals reduziert werden. Viele Mäster stoppen die Anlieferung.

Schlachtschweine/-sauen: Abweichende Hauspreise sollen ausgeblieben sein. Die Witterung könnte die Grillfleischnachfrage beleben.

Ferkel: Viele Mäster zögern und beobachten die Entwicklung auf dem Schweinemarkt sowie die Futtermittelkurse.

Milch: Alle Artikel bleiben gefragt. MMP geht in den Export, Käsebestände sind gering und Butter ist in der Spargelsaison gefragt.

Schlachtlämmer/-schafe: Das Ende des islamischen Ramadan belebt die Nachfrage. Die Kurse steigen jedoch nur zögernd weiter an.

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