Es stehen Wahlen an im Bauernverband Schleswig-Holstein – von der Orts- über die Bezirks- und Kreisebene bis zum Landesvorstand. Einige Amtsinhaber treten nicht mehr an. Deshalb werden vor allem junge Landwirtinnen und Landwirte gesucht, die bereit sind, sich im Ehrenamt des Verbandes zu engagieren. Das Bauernblatt hat die Kreisvorsitzenden nach ihren Erfahrungen befragt – und warum sich das Ehrenamt auch für einen selbst lohnt.
Hans-Peter Grell (65) hat in Duvensee im Kreis Herzogtum Lauenburg einen Betrieb mit 550 Milchkühen und weiblicher Nachzucht, bewirtschaftet 400 ha. Im Bauernverband engagiert ist er seit rund 40 Jahren, angefangen bei den Junglandwirten. Kreisvorsitzender ist er seit fünf Jahren – aus Altersgründen darf er nicht mehr antreten. Seit 2002 ist er außerdem Bürgermeister der Gemeinde Duvensee.
Was hat Grell damals bewogen, sich ehrenamtlich zu engagieren? „Dinge für den Berufsstand gegenüber der Politik zu bewegen und dass der Berufsstand anerkannt bleibt und gewertschätzt wird“, sagt er. Man müsse ohnehin eine gewisse Form von Öffentlichkeitsarbeit machen, und mit einem Mandat könne man mehr Einfluss ausüben als ohne. „Man bekommt Kontakte zu Entscheidungsträgern. Der Bauernverband ist ein geachteter Gesprächspartner, weil der Berufsstand bodenständig ist.“
Die Kontroversen im Land seien vor zehn Jahren größer gewesen als heute, findet Grell. Der Landesverband gehe mehr auf Konsens als auf Konfrontation, und „das praktizieren wir vor Ort sehr intensiv“, betont er und gibt ein Beispiel: „Das Duvenseer Moor sollte Naturschutzgebiet werden. Vier betroffene Dörfer haben das verhindert. Heute regelt den Naturschutz ein Verein mit 380 Mitgliedern und 24 Gemeinden. Es ist ein guter Kompromiss, ein Vorzeigeobjekt.“ Im Kreisverband Herzogtum Lauenburg sei die Auseinandersetzung mit dem Naturschutz sehr intensiv, da es viele Landschaftselemente gebe, die dafür lukrativ seien: Seen und der höchste Anteil an Wald in Schleswig-Holstein. An deren Rändern seien auch die Landwirte betroffen, etwa bezüglich der Wasserwirtschaft.
Was möchte der Ehrenamtler jungen Landwirten, die sich engagieren, auf den Weg mitgeben? „Die Familie muss mitziehen“, sagt er. „Ich konnte den KBV-Vorsitz nur übernehmen, weil da mein Sohn bereits den Betrieb leitete.“
Ausgleich findet Hans-Peter Grell in der Musik: Er spielt Trompete bei der Original Duvenseer Blasmusik. Auch die Söhne spielen mit.
Der Fehler ist, nichts zu machen
Heiner Staggen, KBV Plön
Heiner Staggen (66) führt in Rendswühren-Schipphorst im Kreis Plön einen Milchviehbetrieb mit 150 Milchkühen und 180 Jungrindern und Kälbern. Er bewirtschaftet 187 ha Acker und 40 ha Dauergrünland. Besonderheiten des Betriebs sind Schulklassen auf dem Hof und Sortenversuche. Der Betrieb wurde 2017 für den schönsten Knick Schleswig-Holsteins ausgezeichnet. Staggen engagiert sich in landwirtschaftlichen Ämtern seit seinem 16. Lebensjahr, seit 15 Jahren ist er Kreisvorsitzender – auch er darf aus Altersgründen nicht mehr antreten. Unter anderem hat er Ehrenämter bei der Landwirtschaftskammer, der Erzeugergemeinschaft und im Gemeinderat.
„Der Bezirksvorsitzende hatte mich angesprochen, und ich hatte Lust, mit Gleichgesinnten eigene Vorstellungen durchzusetzen“, erinnert sich Staggen daran, wie er sich damals zum ersten Amt bereit erklärte. „Das Ehrenamt hat mich persönlich sehr weitergebracht, denn Problemstellungen anderer geben auch Rückschlüsse für den eigenen Betrieb.“ Man bekomme viele Kontakte und gesellschaftliche Anerkennung. „Ich habe immer Leute zur richtigen Zeit kennengelernt.“ Heute sei der Verband weiblicher geworden: „Junge Landwirtinnen sprechen mich an und fragen: Wie können wir uns engagieren?“ Das findet er gut.
Zum Kreisverband Plön gehören auch die Höfe im Bereich der Stadt Neumünster und im Osten von Kiel, dadurch habe man alle Ämter mehrfach. Eine Betriebslage am Stadtrand habe Nachteile durch mehr Verkehr und Erholungssuchende, aber Vorteile für Direktvermarktung und Pferdebetriebe.
Jungen Landwirtinnen und Landwirten gibt Heiner Staggen folgende Ratschläge: sich einbringen und Gleichgesinnte finden, um die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen; gute Netzwerke über moderne Medien nutzen; offen sein für Neues, auf Menschen zugehen, sich mit anderen Meinungen auseinandersetzen. Sein Fazit: „Man macht nichts verkehrt, der Fehler ist, nichts zu machen.“
Man ist an der Spitze der politischen Entwicklung
Friedrich Klose, KBV Stormarn
Friedrich Klose (63) ist am Rand von Trittau im Kreis Stormarn am Milchviehbetrieb Klose-Kühler KG beteiligt mit 300 Milchkühen, 350 ha und Biogas. Der Betrieb wurde beim Deutschen Bauerntag 2022 für zukunftsorientierte Ausbildung ausgezeichnet. In der Jugend war Klose Landjugendvorsitzender, seit 29 Jahren ist er im Kreisvorstand und seit fünf Jahren Kreisvorsitzender. Eine weitere Kandidatur ist aus Altersgründen nicht erlaubt. Klose sitzt unter anderem im Bildungsausschuss der Landwirtschaftskammer und im Prüfungsausschuss.
Der Antrieb, etwas zu verbessern, sei seine Motivation für sein Engagement, sagt er, ein besonderes Anliegen sei ihm die fachliche Kompetenz in der Bildung. Als Problem sieht er, dass junge Landwirte heute eine hohe Planungsunsicherheit vorfänden – „Das war früher einfacher“, sagt er: „Man weiß bei Investitionen nicht, ob sie in zwei Jahren noch politischen Bestand haben.“ Im Kreis Stormarn sei zudem die Nähe zu den Großstädten Hamburg und Lübeck prägend, die Flächenkonkurrenz sei dadurch enorm.
Den Verband empfindet Klose als „BV-Familie, in die ich richtig aufgenommen wurde. Man lernt interessante Leute kennen, spricht mit Entscheidungsträgern – und findet auch Gehör! Man bekommt Weitblick über den Betrieb hinaus, ist auf dem neuesten Stand der politischen Entwicklung und schon an der Entstehung beteiligt.“ Und man bekomme mit, wie viel das Hauptamt des Verbandes leiste.
Klose begrüßt, dass konventionelle und ökologische Landwirtschaft enger zusammengerückt seien. „Wir haben nur eine Landwirtschaft und dieselben Probleme. Wir haben bloß verschiedene Kunden.“
Junge Landwirtinnen und Landwirte, die sich engagieren möchten, sollten zu Hause den Rücken frei haben. „Der Betrieb muss auch funktionieren, wenn der Betriebsleiter nicht da ist. Es können schon mal zwei- oder dreimal in der Woche Termine anfallen, die kann man nicht ständig absagen.“ Am besten fange man mit nur einem Ehrenamt an und schaue dann, wie es für einen laufe.
Teambildung ist für Klose besonders wichtig – auf allen Ebenen. „Der KBV sollte nicht nur in einer Person sichtbar sein.“ Den Kreisvorstand informiert er regelmäßig über alle Themen, beteiligt die Junglandwirte und Bezirksvorsitzenden. Und man sollte eine positive Einstellung zu Veränderungen pflegen: „Wer sich zuerst mit einem Problem beschäftigt, ist der Entwicklung schon voraus.“
Keine Angst vor alten Schlaumeiern!
Lutz Schlünzen, KBV Ostholstein-Lübeck
Lutz Schlünzen hat seinen Ackerbaubetrieb (450 ha) mit Geflügelhaltung und Direktvermarktung in Lensahn-Nienrade im Kreis Ostholstein vor vier Jahren an seinen Sohn verpachtet. Seit etwa 25 Jahren ist er im Bauernverband engagiert, Kreisvorsitzender seit fünf Jahren – als 65-Jähriger darf er nun nicht mehr antreten. Unter anderem ist er auch Repräsentant der Landwirtschaftskammer. Und Schlünzen sitzt seit 28 Jahren im Kirchengemeinderat Lensahn und engagiert sich dort aktuell beim Thema Wiedervernässung von Kirchenpachtland.
„Wir brauchen eine Berufsstandsvertretung, um unsere Anliegen einzubringen. Wir haben uns zu sehr aus der Mitte der Gesellschaft heraus und in eine Opferrolle begeben“, lautet die Motivation für sein Engagement. Das aber gebe ihm viel Lebensqualität zurück. „Ich habe Menschen in allen möglichen Bereichen kennengelernt. Der dadurch gewonnene Weitblick bringt auch etwas für den eigenen Betrieb, etwa wenn man sich vor dem Kauf eines Düngerstreuers mit Kollegen austauscht. Wer einmal dabei ist und sich damit identifizieren kann, der wächst dabei und wächst hinein.“ Junge Menschen sollten nicht zu alt werden, bis sie in Verantwortung gingen.
Das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt im Verband nennt Schlünzen eine „Topgeschichte“. „Bei Problemen bekommt man sofort belegbare Argumente und Argumentationshilfe, kann Hintergründe erfragen. An die kommt man nur heran, wenn man mitmacht.“ In der heutigen Zeit sei alles viel schneller geworden. „Man fährt mit GPS, ist mit dem Handy immer erreichbar, programmiert Maschinen.“
Ackerbaulich verfügt der Norden des Kreises über beste Gebiete, außerdem gibt es hier die Prägung durch die alten adligen Güter. Eine Besonderheit im Kreis Ostholstein: Die Bauern sind auch betroffen von der Hinterlandanbindung der Fehmarnbeltquerung und der geplanten 380-kV-Leitung.
Als Tipps gibt Lutz Schlünzen jungen Landwirtinnen und Landwirten auf den Weg: „Habt keine Angst vor alten Schlaumeiern! Habt den Mut, Fragen zu stellen und Ideen in den Raum zu werfen, aber setzt auch Grenzen der eigenen Belastbarkeit und akzeptiert die Grenzen anderer!“




