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Pflanzen, die als „wildsicher“ gelten

Kaninchen und Rehen den Appetit verderben
Von Karin Stern
Die Goldgarbe ‚Walter Funcke‘ ist eine besonders farbintensive Sorte. Foto: Karin Stern

Das Wohnen im Grünen – wunderbar! Wenn nur die hungrigen Gartenbesucher nicht wären. Lassen sich Rehe und Kaninchen nicht fernhalten, kommt vielleicht die Umstellung auf wildsichere Gewächse infrage.

Johanniskraut ‚Hidcote‘ friert im Winter oft zurück. Der Neuaustrieb erfolgt im Frühjahr. Foto: Karin Stern

Rosenknospen und die zarten Triebe vieler Stauden sowie Sträucher sind auch bei Kaninchen und Rehen sehr beliebt. Haben sie einmal herausgefunden, wo die leckeren Pflanzen wachsen, finden die Tiere zuverlässig immer wieder den Weg in den Garten. Dabei wagen sie sich auch nah an Häuser und Terrassen heran. Eine Abwehrstrategie besteht darin, Hecken aus Pflanzen zu setzen, die die Tiere nicht mögen. Dazu zählt das Johanniskraut ‚Hidcote‘ (Hypericum). Es bildet mit einer Wuchshöhe von etwa 1 m allerdings nur eine niedrige Barriere gegen Rotwild und Hasen. Die schalenförmigen, gelben Blüten zeigen sich von Juni bis Oktober. Die Sträucher sind robust, langlebig und pflegeleicht. Man schneidet sie einfach am Ende des Winters bodennah zurück. Für höhere Hecken eignen sich bei passenden Standortverhältnissen auch Hortensien (Hydrangea) und Säckelblumen (Ceanothus). Beide Gehölze werden erfahrungsgemäß von Wild verschmäht.   

An geschützten Standorten kann die Säckelblume stattliche Ausmaße annehmen. Foto: Karin Stern

Doch die Liste der wildsicheren Gehölze ist noch länger. Links liegen gelassen wird der Amerikanische Amberbaum (Liquidambar styraciflua). Mit einer Höhe von 8 bis 20 m eignet er sich für große Grundstücke. Alternativ pflanzt man die nur 4 m hohe Zwergform ‚Gum Ball‘ mit attraktiver Kugelkrone. Im Herbst gibt es die spektakuläre orange-rot-violette Blattfärbung als Zugabe. Daneben gelten auch die 4 m hohe Strauchkastanie (Aesculus parviflora) und der Perückenstrauch (Cotinus cog­gygria) als „wildsicher“. Die Strauchkastanie fühlt sich in Sonne und Halbschatten auf normalem Gartenboden wohl. Ihre weißen, bis zu 30 cm langen, aufrechten Blütenrispen zeigen sich von Juli bis August. Der frühjährliche Austrieb ist leuchtend rot. Im Herbst nimmt das Laub eine goldgelbe Farbe an. Der Perückenstrauch braucht einen sonnigen, warmen Platz auf gut durchlässigem, kalkreichem Boden. ‚Royal Purple‘ ist eine empfehlenswerte Sorte mit intensiv schwarz-roten Blättern und auffälligen, perückenartigen Fruchtständen. Die Gelbe oder Pontische Azalee (Rhododendron luteum) darf nicht unerwähnt bleiben.  Der sommergrüne Strauch schmückt sich mit duftenden, gelben Blüten von Mai bis Juni. Im Herbst zeigt das Laub einen intensiven Gelb- oder Orangeton. Die Pflanze braucht einen nährstoffreichen, sauren Boden. Sie ist nicht zuverlässig wildsicher, treibt nach einem Verbiss jedoch schnell wieder aus.

Der Amberbaum benötigt einen sonnigen und geschützten Standort. Foto: Karin Stern
Die wunderschöne Blüte der Strauchkastanie zeigt sich von Juli bis August. Foto: Karin Stern
Der Perückenstrauch bringt mit seiner Blattfarbe Abwechslung in den Gehölzgarten. Foto: Karin Stern
Die Gelbe Azalee im Hintergrund rechts ist nicht zuverlässig wildsicher. Sie treibt nach einem Verbiss jedoch zügig wieder aus. Foto: Karin Stern


Auch im Staudenreich finden sich viele Arten, die Reh & Co. unbeachtet lassen. Unter den niedrigen Stauden gelten Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum), Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum), Christrose (Helleborus) und Purpur-Fetthenne ‚Atropurpureum‘ (Sedum telephium) als ungefährdet. Im mittelhohen Bereich empfehlen sich Silberraute ‚Silver Queen‘ (Artemisia ludoviciana), Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium), Himalaja-Wolfsmilch ‚Fireglow‘ (Euphorbia griffithii), Sonnenhut (Rudbeckia fulgida), Lampionblume (Physalis alkekengi) und die vielen Sorten der Trollblume (Trollius x cultorum).

Der Blutstorchschnabel ‚Feu d‘Automne‘ blüht von Juni bis September. Foto: Karin Stern
Silberraute ‚Valerie Finnis‘ liebt einen sonnigen Platz mit durchlässigem Boden. Foto: Karin Stern
Die glatten, glänzenden Wedel des Hirschzungenfarns sind ein echter Hingucker. Foto: Karin Stern
Himalaja-Wolfsmilch ‚Fireglow‘ bevorzugt einen nährstoffreichen, nicht zu trockenen Boden. Foto: Karin Stern
Die Lampionblume breitet sich gern aus. Foto: Karin Stern


Gestaltungsspielraum lassen die zahlreichen Sorten des Chinaschilfs (Miscanthus sinensis). Sie bieten hohe und niedrige Varianten mit Wuchshöhen zwischen 1 und 3 m. Zu achten ist bei der Sortenwahl auf die verschiedenen Blattzeichnungen und Blütenstände sowie die Wuchsform. Manche Sorten wachsen straff aufrecht, andere hängen malerisch über. Chinaschilf bevorzugt in der Regel einen sonnigen Standort. Nur einige wenige Sorten kommen auch gut im Schatten zurecht. Im Halbschatten fühlt sich der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) wohl. Die indigoblauen Blüten erscheinen in der Zeit von Juni bis Juli. Alle Teile der Pflanze sind stark giftig. Dies dürfte auch die Abneigung des Wildes erklären, die sich außerdem auf den giftigen Fingerhut (Digitalis purpurea) erstreckt. Für sonnige Bereiche empfiehlt sich die Gold-Garbe (Achillea filipendulina). Dank der breiten Sortenauswahl kann man mit ihr nicht nur farblich spielen, sondern auch mit Blütezeiten zwischen Juni und August sowie einer Nachblüte im September. Nur einige Beispiele: ‚Feuerland‘ blüht leuchtend rot, ‚Parker‘ goldgelb, ‚Heinrich Vogeler‘ schneeweiß und ‚Terracotta‘ orangebraun. Die Wuchshöhen liegen sortenabhängig im Bereich von 80 bis 120 cm.

Das Chinaschilf ‚Kleine Fontäne‘ überzeugt mit einem überhängenden Wuchs. Foto: Karin Stern
Der giftige Eisenhut wird von Wild nicht angerührt. Foto: Karin Stern
Der Fingerhut bleibt von Rehen unbehelligt, selbst wenn sie den Zaun überwinden sollten. Foto: Karin Stern
‚Parker‘ ist eine robuste, altbewährte Sorte der Goldgarbe. Foto: Karin Stern


Auch wenn alle bisher genannten Pflanzen erfahrungsgemäß von Wild gemieden werden – eine Garantie gibt es leider nicht. Junge Bäume schützt man daher zur Sicherheit mit Kunststoffmanschetten gegen Fege- und Verbissschäden. Ein Zaun oder die dichte, mindestens 170 cm hohe Hecke sind aufwendige, aber recht sichere Maßnahmen gegen unerwünschten Besuch. Mancher Gärtner hat gute Erfahrungen mit einem Produkt namens Wildstopp gemacht. Es enthält Blutmehl und wird auf gefährdete Pflanzen aufgesprüht. Der Geruch verscheucht Pflanzenfresser. Die Wirkung hält nach Herstellerangaben im Sommer bis zu zwei Monate und im Winter bis zu einem halben Jahr an.

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