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Kohlschotenrüssler und -mücke als mögliche Schotenschädlinge

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Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke treten nicht jedes Jahr im ertragsrelevanten Umfang auf. Glücklicherweise, denn sonst würden die bestehenden Bekämpfungslücken stark zu Buche schlagen. Der folgende Artikel beschreibt, was beim Pflanzenschutz zu beachten ist.

Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke waren lange Zeit unzertrennlich, jedenfalls ist das so in älteren Veröffentlichungen nachzulesen. Dem ist aber nicht so, denn sie können durchaus unabhängig voneinander auftreten. Zwar erleichtern die Fraßlöcher des Kohlschotenrüsslers in den Schoten die Eiablage der Mücke, aber sie schafft das, solange das Schotengewebe noch weich ist, auch ganz gut allein. Jahre mit stärkerem Auftreten der Mücke und damit verbundenen Schotenschäden ohne das Zutun des Rüsslers zeigen dies.

Welche Unterschiede bestehen?

Der Kohlschotenrüssler legt pro Schote ein Ei ab. Die Larve frisst nur drei bis fünf Samenkörner, sodass das Schadpotenzial nur bei stärkerem Befall wirklich relevant ist. Das wird auch anhand der Bekämpfungsschwelle sichtbar (Abbildung 1). Der Kohlschotenrüssler lässt sich bei Bewegungen im Bestand sehr schnell fallen, sodass es häufig schwierig ist, die genaue Anzahl festzustellen.

Die Pyrethroidresistenz ist mittlerweile sehr stark fortgeschritten. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Typ-I- (Mavrik Vita/Evure) oder Typ-II-Pyrethroide (zum Beispiel Karate Zeon) verwendet werden. Historisch gesehen ist das auch leicht erklärbar. Ein zeitlich frühes Auftreten des Rüsslers bedeutet zwangsläufig auch eine unfreiwillige Pyrethroidgabe aufgrund der Stängelrüssler- beziehungsweise Rapsglanzkäferbehandlung. Mit Erhöhung der Anwendungshäufigkeit steigt der Selektionsdruck und damit auch die Resistenzgefahr.

Zusätzlich bestand in der Vergangenheit die Blütenbehandlung aus einer kombinierten Maßnahme aus Fungizid und Insektizid, auch begünstig durch praktische Packlösungen der Industrie. Später zufliegende Kohlschotenrüssler kamen dann nur noch mit Teilmengen des Pyrethroides in Kontakt. Glücklicherweise gehört diese Praxis der Vergangenheit an.

Blühender Raps und Honigbienen und Imkerei gehören essenziell zusammen und prägen die Landschaft Schleswig-Holsteins.

Nach mehreren Jahren mit stärkerem Auftreten hielt sich der Zuflug der Kohlschotenmücke – mit Ausnahme einzelner Schläge im südlichen Dienstgebiet Schleswig-Holsteins – vergangenes Jahr in Grenzen. Nur ganz selten wurde von größeren Schäden und nachfolgenden Ertragseinbußen berichtet.

Die Kohlschotenmücke kann ein oder zwei Jahre auf ehemaligen Befallsflächen im Boden als Kokon überdauern. Für den Schlupf benötigt sie feuchten Boden und fliegt erst bei warmem, windstillem Wetter in die Rapsbestände ein. Je näher der aktuelle Raps an solchen Überdauerungsflächen liegt, umso größer ist die Gefahr. Die Zuflugbedingungen sind vorhersagbar – welche tatsächliche Befallsstärke daraus resultiert, aber nicht.

Die Larven der Kohlschotenmücke saugen an der Innenwand der Schote, Körner werden kaum ausgebildet.

Der Zuflug kann auch nur einige Stunden andauern, dafür in mehreren Wellen (Generationen) erfolgen. Die Feldränder sind am stärksten betroffen, da die Mücke nur selten weit in die Fläche vordringt. Das Schadpotenzial der Mücke ist deutlich höher als beim Rüssler, da pro Schote mehrere Eier abgelegt werden können. Die sich im Inneren entwickelnden Larven saugen an der Innenwand der Schote und den Körnern, was häufig zum kompletten Ausfall der Schote führt.

Nützlinge wie Schlupfwespen fördern

Nützliche Insekten tragen zur Bekämpfung von Rapsschädlingen bei. Bodenräuber wie räuberische Laufkäfer, Kurzflügler und Spinnen ernähren sich von zur Verpuppung abwandernden Larven. In der Blüte sind Schlupfwespenarten (Tersilochus ssp., Phradis ssp.) aktiv, die die Larven des Rapsglanzkäfers besiedeln und dort ihrerseits ihre Eier ablegen. Hier haben Insektizidspritzungen direkten Einfluss auf die Population der Schlupfwespen. Mavrik Vita/Evure würde teilweise diese Schlupfwespen schonen, andere Pyrethroide aber nicht.

Die nützlichen Schlupfwespen werden oft mit Kohlschotenmücken verwechselt. Hier lohnt der genaue Blick, denn Schlupfwespen parasitieren die ­Larven des Rapsglanzkäfers.
An dieser Pflanze sind einzelne Schoten von der Kohlschotenmücke betroffen.

Welche Strategie gibt es?

Streng genommen gibt es große Bekämpfungslücken. Zugelassen sind nur Pyrethroide. Diese wirken auf Kohlschotenrüssler aufgrund der Pyrethroidresistenz aber nur noch eingeschränkt. Gegen die Kohlschotenmücke sind die Pyrethroide zwar theoretisch voll wirksam, da stellt sich jedoch die Frage nach dem praktischen Erfolg der Kontaktmittel. Es drängt sich zum einen die Frage auf, wie die Kohlschotenmücke möglichst viel Wirkstoff aufnehmen kann. Zum anderen sind mehrere Zuflugwellen problematisch.

Da die Mücke nur bei warmem, windstillem Wetter fliegt, kann der Zuflug auch phasenweise über nur wenige Stunden erfolgen. Dann ist eine optimale Terminierung der Behandlung unmöglich. Versuchsergebnisse aus vergangenen Jahren haben den Pyrethroiden nur schlechte Wirkungsgrade beschieden. Zusätzlich hat ein Pyrethroideinsatz negative Auswirkungen auf die die Rapsglanzkäfer parasitierenden Schlupfwespen. Eine gewisse Ausnahme bietet Mavrik Vita/Evure, welches einige Schlupfwespen schont.

So gesehen besteht bei starkem Zuflug zur Schadensbegrenzung als einzige vertretbare Möglichkeit der Einsatz von Mavrik Vita/Evure als Randbehandlung zum Hauptzuflug der Mücke.

Pyrethroid-Typ-II-Produkte (Karate Zeon und Co.) werden nicht empfohlen. Aufgrund der NT-Auflage, wovon in dieser Saison deutlich mehr Flächen betroffen sind als vergangenes Jahr, ergeben diese besonders in kleinräumigen Strukturen keinerlei Sinn, da 5 m Abstand zum Knick eingehalten werden müssen.

Andere Produkte haben keine Zulassung. Mospilan SG/Danjiri als Neonicotinoid darf nur gegen Rapsglanzkäfer bis zum Stadium 59 eingesetzt werden (siehe Tabelle).

Fazit

Das Schadpotenzial der Kohlschotenmücke ist sehr stark abhängig von den jährlichen Gegebenheiten. Kleinräumige Strukturen, aktuelle Rapsschläge in der Nähe von Flächen mit Vorjahresbefall sowie günstige Schlupf- und Zuflugbedingungen sind dafür ausschlaggebend. Da die Mücke erst in die Bestände einfliegen muss und dabei keine weiten Strecken zurücklegt, sind klein strukturierte Schläge besonders stark gefährdet. Bei großen, windoffenen Flächen beschränkt sich die Gefährdung auf Randbereiche. Mit Wirkstoffverarmung und weiterer Zunahme von Resistenzen wie beim Kohlschotenrüssler treten Bekämpfungslücken zutage. Tritt der selten gewordene Fall ein, dass Rüssler und Mücke in bekämpfungswürdigem Umfang zum Zeitpunkt der Blüte auftreten, muss unbedingt der Bienenschutz berücksichtigt werden.

Auch Wildbienen finden im Raps Nahrung.

Rinder aktuell: Stickstoff- und Phosphoreinträge in die Umwelt vermindern

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Stickstoff- und Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft in die Umwelt stellen ein gesellschaftlich vielfach diskutiertes Thema dar. Der Schutz des Klimas und des Naturhaushaltes, die Reinhaltung von Luft und Wasser bestimmen daher immer mehr auch die landwirtschaftliche Produktionsweise.

Der Eintrag von Stickstoff aus der Landwirtschaft geschieht auf verschiedenen Wegen und hat unterschiedliche Auswirkungen. Ammoniakemissionen führen unter anderem zur Eutrophierung nährstoffarmer Ökosysteme, Lachgas ist 300-mal klimaaktiver als CO2, und aus dem Boden ausgewaschenes Nitrat gelangt ins Grundwasser. Phosphoreinträge durch Erosion oder Abschwemmung von Bodenpartikeln tragen maßgeblich zur Eutrophierung von Gewässern bei.

Zwischen der N- und P-Aufnahme und -Ausscheidung besteht eine enge Beziehung; jede Überversorgung führt zu vermeidbaren Emissionen.

Deutschland muss den Ammoniakausstoß bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Basisjahr 2005 um 29 % reduzieren, und da die Landwirtschaft hauptsächlich für die Ammoniakemissionen verantwortlich ist, müssen ganz besonders hier wirkungsvolle Maßnahmen etabliert werden. Für die Tierhaltung bedeutet dies die Reduzierung der Tierzahl oder aber die Verringerung der Stickstoffausträge je Tier beziehungsweise die Kombination aus beidem.

Versuche zur Eiweißreduzierung

Mittlerweile sind zahlreiche Fütterungsversuche mit Milchkühen zur Problematik der Stickstoffreduzierung durchgeführt worden. Grundsätzlich hatte dabei stets die Sicherstellung einer bedarfsdeckenden nXP-Versorgung der Kühe Priorität. Die Versorgung mit Rohprotein hingegen kann, abweichend hiervon, durchaus reduziert werden, was gleichbedeutend mit einer Verringerung der ruminalen Stickstoffbilanz (RNB) ist. Diese war in mehreren Versuchen um –1,5, mitunter sogar um –2 g/kg TM abgesenkt worden, ohne leistungsdepressive Effekte. Der Grund hierfür ist die Selbstregulation der Milchkuh. Ein Teil des mit dem Futter aufgenommenen Stickstoffs wird nicht ausgeschieden, sondern in die endogene Rezyklierung umgeleitet (ruminohepatischer Stickstoffkreislauf).

Die Auswirkungen einer reduzierten RNB auf die N-Ausscheidung und auf die N-Effizienz sind beachtlich. So zeigte eine Zusammenstellung mehrerer Fütterungsversuche, dass eine Absenkung des Rohproteingehaltes um durchschnittlich 2,7 Prozentpunkte die Ammoniakemissionen bei Rindern um 43 % reduzierte.

Milchharnstoff und Stickstoffausscheidung

Bekanntermaßen existiert einerseits eine enge Beziehung zwischen den N-Ausscheidungen im Harn und über die Milch und andererseits zwischen dem Milchharnstoffgehalt und den Ammoniakemissionen. Folglich ist der Milchharnstoffwert nicht nur zur Kontrolle der Futterproteinversorgung (in Beziehung zur Energieversorgung) geeignet, sondern auch für die Bewertung der N-Ausscheidungen einer Milchkuhherde.

So hat sich unter anderem die Schätzformel nach Bannink und Hindle, basierend auf dem Milchharnstoffgehalt, der Milchmenge und dem Milcheiweißgehalt, für die Berechnung der Stickstoffausscheidung von Kühen bewährt. Bei den in Schleswig-Holstein in der Milchleistungsprüfung stehenden Milchkühe zeigt sich, dass im Laufe der Jahre die Milchleistung anstieg, der mittlere Milchharnstoffgehalt aber abnahm. So nahm zum Beispiel im Jahr 2022 die pro Kuh erzielte Tagesmilchmenge um 6,2 kg gegenüber dem Jahr 1999 zu, während die Stickstoffausscheidung je Kuh und Laktationstag hingegen leicht abnahm (Tabelle 1).

Bezogen auf die erzielte Milchmenge (ECM) entsprach das im Jahr 1999 einer Stickstoffausscheidung je Kilogramm Milch und Laktationstag von 15,5 g, im Jahr 2010 von 13,1 g, im Jahr 2020 von 12,9 g und im Jahr 2022 von 11,8 g.

Versuche zur Phosphorreduzierung

Auch zur Phosphorreduzierung sind in den vergangenen Jahren vermehrt internationale und nationale Versuche durchgeführt worden. Während die 123 Holstein-Kühe der Versuchsgruppe in einer Studie für die ersten 165 Laktationstage und gelegentlich auch länger, bis 60 Tage nach einer positiven Trächtigkeitsuntersuchung, eine Futterration mit einem in Anlehnung an die jüngsten Anforderungen des National Research Council niedrigen P-Gehalt von 3,7 g/kg TM erhielten, war der P-Gehalt bei der Ration für die 124 Kühe der Kontrollgruppe mit 5,7 g/ kg TM deutlich erhöht und wesentlich oberhalb der allgemeinen Bedarfsempfehlungen.

Im Ergebnis dieser Studie erreichten die Versuchskühe eine durchschnittliche Tagesmilchleistung von 35,1 kg (3,92 % Fett, 2,90 % Eiweiß) und die Kontrollgruppentiere 34,9 kg Milch (3,98 % Fett, 2,91 % Eiweiß). Auch bezüglich der Tiergesundheit wurden keine Unterschiede zwischen beiden Tiergruppen registriert, außer beim Blutserum-P-Gehalt, der am 50. und 100. Laktationstag bestimmt wurde und bei den Versuchstieren durchschnittlich 6,1 beziehungsweise 6,2 mg/dl betrug, aber bei den Kühen der Kontrollgruppe mit 6,8 beziehungsweise 6,9 mg/dl höher war.

Nationale Studien wurden unter anderem von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen durchgeführt. In einem Versuch von Engelhard und Meyer wurde der P-Gehalt in der Ration für Milchkühe mit einer Tagesleistung von 41 kg pro Kuh von 4,2 g/ kg TM auf 3,7 g/kg TM abgesenkt. In der Studie von Denießen erfolgte eine Absenkung des P-Gehaltes von 4,6 g/kg TM auf 3,9 g/kg TM.

In beiden Untersuchungen wurde weder eine Depression der Futteraufnahme noch ein Milchleistungsabfall registriert. Die Studie von Denießen führte mit 52 g pro Tier und Tag zu fast 19 % geringeren P-Ausscheidungen der P-reduziert gefütterten Kühe als bei den praxisüblich gefütterten Kontrolltieren (64 g je Tier und Tag).

Erhebung in Schleswig-Holstein

Um einen Eindruck davon zu erhalten, welche Protein- beziehungsweise Stickstoffgehalte einerseits und welche Phosphorgehalte andererseits Milchkuhrationen in der Praxis enthalten, wurden im Sommer 2022 im Rahmen einer Masterthesis in 18 Milchkuhbetrieben Schleswig-Holsteins (Schleswig-Flensburg, Nordfriesland, Rendsburg-­Eckernförde, Kiel, Pinneberg) insgesamt 45 TMR-Proben auf diese Gehalte hin untersucht (Tabelle 2). Die TMR-Proben wurden jeweils in einem Zeitfenster von maximal vier Stunden nach der Futtervorlage an drei bis fünf verschiedenen Stellen vom Futtertisch gesammelt und anschließend im Labor der Fachhochschule nasschemisch auf den Rohprotein-/Stickstoff- sowie Phosphorgehalt untersucht.

N- und P-Gehalte der Milchkuhrationen

Der analysierte Rohproteingehalt betrug durchschnittlich 153 g/ kg TM (Tabelle 3). Da Futterprotein zu 16 % aus Stickstoff besteht, entspricht dies einem Stickstoffgehalt von 24,48 g/kg TM.

Für die Tagesmilchmenge von 31 kg, welche die Kühe im Durchschnitt der Betriebe erzielten, benötigen sie 3.054 g nXP (Erhaltungsbedarf bei 650 kg: 450 g; Leistungsbedarf für 31 kg Milch mit 3,35 % Eiweiß: 84 g/kg Milch). Bei einer Futteraufnahme von zum Beispiel 20 kg TM würde sich daraus ein notwendiger nXP-Gehalt von 153 g/kg TM ergeben. Daraus folgt bei einem analysierten XP-Gehalt von 153 g/kg TM eine ruminale Stickstoffbilanz (RNB) von 0 g/kg TM. Dazu wiederum passt der mittlere Milchharnstoffgehalt von knapp 200 mg/kg.

Für die Milchleistung von 31 kg würde bei wiederum angenommener TM-Aufnahme von zum Beispiel 20 kg eine P-Menge von 73 g ausreichen (Empfehlungen der GfE, 2001: P-Bedarf, g/Tag = 1,43 * (Milch, kg/ Tag + TM-Aufnahme, kg/Tag)). Diese P-Menge entspräche bei der unterstellten Futteraufnahme einem P-Gehalt von 3,65 g/kg TM. Im Mittel der analysierten Futterproben lag der P-Gehalt mit 3,8 g/kg TM in dieser Größenordnung.

Fazit

Eiweißreduzierungen sind bei hochleistenden Milchkühen möglich, eine bedarfsdeckende Versorgung mit nXP vorausgesetzt. Dabei sind ruminale N-Bilanzen im Bereich von 0 bis –20 g pro Kuh und Tag erstrebenswert, bei sehr gutem Fütterungsmanagement und hohen Futteraufnahmen sogar bis zu –30 g je Kuh und Tag möglich. Je niedriger die RNB ist, umso geringer werden die N-Ausscheidungen sein, bei laktierenden Kühen gut sichtbar anhand niedrigerer Milchharnstoffgehalte. Für diese sind Herdendurchschnittswerte unter 200 mg/kg Milch erstrebenswert. Auch bei der Phosphorversorgung sollten keinesfalls über die Empfehlungen hinausgehende Sicherheitszuschläge eingeplant werden. In der Regel sind bei Rationen für laktierende Kühe P-Gehalte über 4 g/kg TM zu vermeiden, zumal die bei der Bedarfsempfehlung seitens der GfE (2001) unterstellte P-Verwertung von 70 % höchstwahrscheinlich deutlich höher ist.

Lajus auf der Leinwand

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Für einen Mittwochabend war es im Schleswiger Kino außergewöhnlich voll, als der Film „Quo vadis Angeln?“ gezeigt wurde. Die Kreislandjugend Schleswig-Flensburg hatte zu diesem gemeinsamen Kinoabend eingeladen. 150 Landjugendliche kamen und brachten auch Familie und Freunde mit.

Gleich mehrere Landjugendliche, insbesondere aus der Landjugend Grundhof sind Teil des Films und berichten über ihre Erfahrungen sowie Hoffnungen und Erwartungen an die Zukunft. Dadurch wurde dem Kinopublikum einmal mehr deutlich bewusst, dass die Landjugend Teil dieses Wandels ist und ihren Beitrag leisten muss, um den Strukturwandel aufzuhalten. Dazu zählt auch, Rassen wie das Angler Rind zu schützen und zu erhalten.

Im Anschluss an die Vorstellung nahmen sich zwei der Filmemacher, Christina Paulsen-Schlüter und Johannes Tams, die Zeit, über die Entstehung des Films, die sich über sieben Jahre erstreckte, zu berichten.

Fazit

Der Film ist absolut empfehlenswert, und das nicht nur für Personen aus der Region. Für jeden, der in die Geschichte des Strukturwandels der Landwirtschaft eintauchen möchte, egal ob mit oder ohne landwirtschaftlichen Hintergrund, lohnt es sich, „Quo vadis Angeln“ zu schauen. Der Streifen bietet dabei eine gute Mischung aus Information und Unterhaltung und läuft aktuell noch bis zum Wochenende in Schleswig und am Dienstag, 25. April, in Ratzeburg. LS

Szenenfoto: Das Angler Rind hat im Film Symbolstatus. Foto: pm
Mit Christina Paulsen-Schlüter und Johannes Tams waren zwei der Filmemacher live zu Gast.

„Mittagsstunde“ im Kino

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Zum Kinoabend op Platt lädt der KLFV Herzogtum Lauenburg am Mittwoch, 3. Mai, um 19 Uhr ein. Gezeigt wird der Film „Mittagsstunde“ nach dem gleichnamigen Bestseller von Dörte Hansen in plattdeutscher Version mit Untertiteln. Bereits um 18 Uhr gibt es im Augustinum in Mölln für alle einen Begrüßungssekt. Gäste sind willkommen. Anmeldung bei Angelika von Keiser unter berkenthin@landfrauen-herzogtum.de

Sorgenkind Gesundheitswesen

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Um Millionenverluste, Personalmangel und Klinikschließungen, aber auch um die Frage, wie die Gesundheitsversorgung im Jahre 2025 aussieht, ging e in einer Diskussionsrunde in der Koogs­halle bei Bredstedt. Gut 250 Besucherinnen und Besucher kamen zu der von LandFrauen und das Klinikum Nordfriesland gemeinsam organisierten Versammlung.

Vier Impulsreferate bildeten die Grundlage für die anschließende Diskussion. Den Anfang machte Dr. Jens Lassen, Vorsitzender des Hausärzteverbands Schleswig-Holstein, aus Leck. Während seiner Ausführungen zu „Das Ende der Einzelpraxis? Haus- und Fachärzte auf dem Lande“ appelliert er an die Kultusminister und die Ministerpräsidenten der Länder, endlich den „Masterplan Medizinstudium 2020“ umzusetzen. Darin gehe es um mehr Studienplätze, eine praxisnahe Ausbildung und die Stärkung der Allgemeinmedizin. Lassen macht aber auch deutlich, dass junge Ärzte kaum mehr Interesse hätten, sich 70 Stunden pro Woche auf eigenes wirtschaftliches Risiko in die Patientenversorgung einzubringen. Neue Formen der Versorgung müssten gefunden werden, damit die Nachwuchsärzte in einem abgesicherten Angestelltenverhältnis praktizieren könnten. In diesem Punkt seien unter anderem auch die Kommunen gefordert.

Stephan W. Unger, Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, wartete in seinem Vortrag „Droht eine Katastrophe? Die Situation der klinischen Versorgung in der Fläche“ mit dramatischen Zahlen auf: Die Krankenhäuser in Deutschland machten aktuell jeden Monat 740 Mio. € Verlust. „Unsere Sorgen, Nöte und Wünsche haben wir Gesundheitsminister Lauterbach im Sommer bei einem Besuch in Husum vorgetragen – bislang passiert ist nichts“, fasst er zusammen.

Monika Steensen, seit 40 Jahren Hebamme im Krankenhaus Husum, schlug den Bogen zu geburtshilflichen Versorgung mit der rhetorische Frage: „Geburtshilfe in Schleswig-Holstein: Mehr als 100 Kilometer zum nächsten Kreißsaal?“. Sie führte dem Publikum vor Augen, wie Personalmangel, schlechte Vergütungen und das Haftungsrecht die geburtshilfliche Versorgung in Schleswig-Holstein inzwischen dezimiert hätten. Von einstmals 25 Geburtskliniken seien derzeit noch 18 übrig. Nach den Planungen aus Berlin könnte diese Zahl auf nur noch acht schrumpfen. Als Monika Steensen an die Politik appelliert, eine flächendeckende geburtshilfliche Versorgung zu erhalten, brandet Applaus auf.

Den letzten Impuls gab Silke Bichel, Pflegedirektorin im Klinikum Nordfriesland: Sie referierte über den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen, der bereits heute in Kliniken, Praxen und Altenheimen angekommen sei. Durch die Verrentung der „Babyboomer“ werde sich die klaffende Lücke noch weiter vergrößern. Diesem Trend sei nur durch mehr Wertschätzung für die Pflegeberufe, eine Ausweitung der pflegerischen Fachlichkeit, flexiblere Arbeitszeitmodelle und eine Entbürokratisierung zu begegnen. „Eine Studie zeigt, dass aktuell 300.000 Pflegekräfte in den Beruf zurückkehren würden, wenn die Bedingungen besser wären“, so Bichel.

Auf Nachfrage, wie es um den Einsatz von ausländischen Pflegekräften stehe, erläuterte sie, dass das Klinikum entsprechend aktiv sei. Allerdings müssten auch die Behörden Gas geben. Die Prüfung auf Anerkennung von ausländischen Ausbildungen und die Erteilung von Arbeitserlaubnissen verliefen viel zu schleppend.

Der Diskussionsabend des LandFrauenverbandes und des Klinikums Nordfriesland gab den Beteiligten auf jeden Fall einen sehr guten Einblick in die schwierige Situation, vor der das Gesundheitswesen steht. Klar wurde auch, dass auf politischer Ebene an vielen Stellschrauben nachjustiert werden muss. Die Botschaft vom Podium lautete auch, dass dabei alle Bürger mitwirken könnten, zum Beispiel indem sie ihre politischen Vertreter vor Ort ansprächen und mehr Druck aufbauten. Zudem werde künftig vielleicht auch wieder die Gemeindeschwester reaktiviert, wie es ein Besucher vorschlug. Und noch ein Aspekt wurde hervorgehoben: Neben jungen Auszubildenden seien in der Pflege auch bereits Personen aus anderen Berufsgruppen als Umschüler willkommen. Weitere Informationen dazu unter klinikum-nf.de/karriere

Michael Mittendorf/pm

Auf dem Podium (v. li.) Stephan W. Unger, Dr. Jens Lassen, Moderator Carsten Kock, Magret Albrecht, Monika Steensen und Silke Bichel Foto: Michael Mittenddorf/pm

Großes Fotoshooting 

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Im Rahmen des LandFrauenforums in Neumünster wurden zahlreiche LandFrauenFrauen für ihre Arbeit im Vereinsvorstand mit Ehrennadeln oder der Silbernen Biene ausgezeichnet. Martina Greve vom Kreisverband Steinburg wurde in Abwesenheit die Goldene Ehrennadel verliehen. Zugleich wurden neue Ortsvorsitzende und Team-Vorstände begrüßt. Maja Meiners bat alle zum Fototermin. Im aktuellen Bauernblatt erscheinen dazu zwei Bilderseiten.



Sandra Wiese vom OV Hessenstein (li.) wurde mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Ihre Nachfolge als Vereinsvorsitzende tritt Susanne Hoffmann an. Foto: Maya Meiners/lfv

„Wir können uns mehr Flächenverlust nicht leisten“

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Moore wiedervernässen und dabei die Landwirtschaft erhalten – ein Spagat, der Betroffene vor eine Zerreißprobe stellt, vor allem in der Eider-Treene-Sorge-Region. Um die Lage verständlich zu machen, haben Vertreter des Bauernverbandes Schleswig-Holstein Grünen-Landtagsabgeordnete (MdL) und -Mitarbeiter vor Ort getroffen: auf dem Hof Dau in Tetenhusen.

„Es beeindruckt mich, mit welchem Tatendrang die Menschen hier die Herausforderungen angehen“, bekundete Grünen-MdL und -Fraktionsvorsitzender Lasse Petersdotter. Dabei war die Betriebsvorstellung durch Klaus-Peter Dau (besonders die 1-MW-Holzschnitzelheizung für 170 Häuser im Dorf) nur das Warm-up für eine mehr als einstündige Fahrt durch die Tetenhusener und Meggerdorfer Feldmark, immer wieder mit Haltepunkten und Erklärungen.

Geführt wurden Petersdotter, der MdL und Landwirt Dirk Kock-Rohwer, die Grünen-Kreisvorsitzende SL Uta Bergfeld und weitere Grünen-Politiker und -Mitarbeiter von Gastgeber Dau, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes (KBV) Schleswig, Präsident Klaus-Peter Lucht, Thomas Hansen, KBV-Vorsitzender Nordfriesland und wie Dau im Landesvorstand, sowie Mitarbeitern im Hauptamt des BVSH.

Gespräch auf dem Hof Dau.  Fotos: Tonio Keller

Was sich der gut dutzendstarken Gruppe überall vermittelte: Wassermanagement ist eine komplexe, diffizile Angelegenheit. Dau: „Gefüllte Gräben haben nichts damit zu tun, ob das Land trocken und befahrbar ist.“ – Hansen: „Bei vier Wochen Ostwind ist es hier knochentrocken, da können wir vernässen, wie wir wollen.“ – Lucht: „Nicht die Nutzung lässt das Land absacken, sondern die Entwässerung, es braucht ein intelligentes Wassermanagement.“ – Dau: „Wir haben dazugelernt: Nicht nur immer abpumpen! Wasser im Winter anzustauen, tut uns nicht weh und verringert das Absacken.“

Einmütige Botschaft der Landwirtschaftsrepräsentanten: Wir wollen helfen, Moorflächen wiederzuvernässen, wo es sinnvoll ist, aber wir brauchen dafür Ersatz. Lucht: „Wir brauchen unbedingt Flächen, um die Milchwirtschaft in der Region zu erhalten. Wir können uns mehr Flächenverlust nicht leisten.“ Paludikultur könne eine Nische sein, für die Milchbauern biete sie jedoch keine Chance. Das Gebiet zwischen Eider, Treene und Sorge sei eine strukturschwache Region. „Wenn die Landwirtschaft hier weg ist, dann ist hier nichts mehr.“

Was der Bauernverband will: niedere, ohnehin feuchte Flächen vernässen, auf höheren wirtschaften. Und er drängt darauf, dafür Tauschmöglichkeiten zu schaffen, etwa über die Landgesellschaft, mit der derzeit Gespräche laufen.

Das Hindernis: Die Stiftung Naturschutz weigert sich bisher, Tauschflächen anzubieten. Und mehr noch, so die Kritik des Verbandes: Sie kaufe weiterhin Flächen auf dem Wege des Vorkaufsrechts des Landes, laut BVSH etwa 66 ha im Jahr schleswig-holstein-weit. Das Argument, diese Bauern würden ja freiwillig verkaufen, lässt der Verband nicht gelten: Landeigner seien nicht gleich Landbewirtschafter. Ein Bauer könne nicht sicher sein, ob er sein Pachtland nach Ablauf noch zur Verfügung habe.

Dass die Niederungsstrategie gemeinsam mit den Betroffenen vor Ort entwickelt werden soll, ist allgemeiner Konsens, und in den gegründeten Beiräten laufe das auch so – doch nicht auf der Handlungsebene. Hansen: „Die Stiftung macht sich auf den eigenen Weg und schafft Fakten!“

„Wo Interessen aufeinandertreffen, muss geredet werden“, war das Fazit von Pettersdotter. Er erkenne die regionalen Besonderheiten mit den Auswirkungen auf die Menschen, die hier leben, und werde solche Gespräche führen. Im Mai treffen sich Verbände und Ministerien das nächste Mal zur Niederungsstrategie. 

Video (5 min) mit O-Tönen:

Pflanzenschutz-Prognosemodell

Das Prognosemodell SkleroPro steht als Entscheidungshilfe unter isip.de  kostenlos zur Verfügung. Es zeigt schlagspezifisch an, ob eine Blütenbehandlung gegen Sclerotinia scleroti­orum erforderlich ist und ab wann die Applikation erfolgen sollte.

Mit diesem Modell können eigene Beobachtungen unterstützt werden. Auf der Eingabeseite müssen schlagspezifische Informationen wie der Termin des Knospenstadiums (ES 55 = Einzelblüten der Hauptinfloreszenz sichtbar und geschlossen als Beginn der Berechnung bis zur möglichen Infektion in der Blüte), die Fruchtfolge, die Ertragserwartung, der Rapspreis, die Pflanzenschutzmittelkosten und die Überfahrtskosten eingegeben werden. Das Modell ermittelt dann mithilfe von Witterungs­parametern die möglichen Infektionstermine. Eine wirtschaftliche Behandlung wird dann empfohlen, wenn die aktuell berechnete Summe des Infektionsindexes die Schwelle überschreitet. Bei allgemeinen Fragen zu Pflanzenschutz-Prognosemodellen erteilt die Autorin gern Auskunft unter shagen@lksh.de, Tel.: 04 31-94 53-387.

Schleswig-Holstein-Cup – Kampf der Landkreise

Die Teilnehmer des Schleswig-Holstein-Cups sind fleißig dabei, ihre Kilometer zu sammeln. Noch ist Zeit, und es kann sich einiges tun an der Spitze – vor allem in den Einzelwertungen. Silke Falkowski sammelt für den Kreis Schleswig-Flensburg und ist mit ihren Eseln als Säumerin zu Fuß unterwegs.

Im vergangenen Jahr stieß Silke Falkowski im Internet auf den Schleswig-Holstein-Cup. „Ich fand die Idee klasse, Kilometer mit dem Pferd zu sammeln“, erinnert sie sich. Nur hat sie keine Pferde, sondern Esel. Ihre Leidenschaft begann vor 14 Jahren mit dem Einzug der ersten beiden Hausesel Fanny und Felix. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Dirk Clausen betreibt Falkowski den Erlebnisbauernhof Hüsby, Kreis Schleswig-Flensburg. Inzwischen haben die beiden zehn eigene Esel und drei Einsteller, mit denen sie auch geführte Wanderungen anbieten.

Begeistert fragte Falkowski beim Verein für Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein nach, ob sie auch mit ihren Langohren am Cup teilnehmen könne. „Selbstverständlich! Klasse, der erste Esel“, lautete die Antwort. Los ging es. Zwar hielt sich die Kilometerzahl aufgrund der Gelassenheit der Esel stark in Grenzen, „doch steckte die Gelassenheit so sehr an, dass man mitunter die Zeit vergessen hat und einfach nur den Moment mitten in der Natur genossen hat“, berichtet Falkowski.

Im Gesamtranking des Schleswig-Holstein-Cups liegt der Kreis Schleswig-Flensburg mit bisher 4.066 km im Mittelfeld. An der Spitze ist noch immer der Kreis Segeberg mit inzwischen 12.094 km, es folgt Pinneberg mit 9.492 km. Die Segeberger haben zwar auch in der siebten Woche mit 1.598 km die größte Strecke zurückgelegt, doch die Pferdefreunde aus Pinneberg sind ihnen mit 1.391 km dicht auf den Fersen.

Auch die Kreise Ostholstein, Dithmarschen und Kiel-Plön waren in Woche sieben besonders fleißig und haben Plätze in der Wochenwertung gutgemacht. Das schlägt sich in der Gesamtwertung der durchschnittlichen Kilometerzahl pro Teilnehmer nieder: Kiel-Plön hat es hier hauchdünn auf Platz drei geschafft und nur noch einen minimalen Abstand zu Steinburg auf Platz zwei. Mit durchschnittlich 131 km pro Teilnehmer liegt Pinneberg in dieser Wertung deutlich in Führung.

Falkowskis Antwort auf die Frage, was man denn mit Eseln machen könne, ist immer: „Alles!“ Denn Esel seien Wanderkumpel, Spielkameraden, Zuhörer, Therapeuten, Grenzenaufzeiger und Seelentröster in einem. „Wenn man erst das Vertrauen der Tiere gewonnen hat, was wirklich kein Hexenwerk ist, kann man nahezu alles mit ihnen unternehmen“, schwärmt Falkowski.

So wandern sie und Dirk Clausen mit den Eseln quer durch die Republik. Sie waren schon an den unterschiedlichsten Orten, zum Beispiel im Ahrtal, im Harz, im Saarland und am Grünen Band, der ehemaligen innerdeutschen Grenze. „Der Strand in Eckernförde ist genauso spannend wie der Zwergzebuhof in Dannewerk direkt vor unserer Haustür, Haithabu oder auch der Kulturpfad Ellingstedt“, schwärmt sie. Ihre Esel sind außerdem in vielen Einrichtungen unterwegs. Bewohnern von Seniorenheimen, Kindern aus diversen Kita-Einrichtungen und auch Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen werde durch die Langohren regelmäßig ein Strahlen ins Gesicht gezaubert. pm

Ukrainischer Agrarunternehmer Lissitsa: „Wir müssen siegen“

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Das Präsidiumsmitglied des Ukrainian Agribusiness Club (UCAB) und Chef der Agrar-Unternehmensgruppe IMC, Dr. Alex Lissitsa, spricht im Interview über Landwirtschaft in Zeiten des Krieges, die Zukunft der Ukraine als Agrarexporteur und die Perspektive eines EU-Beitritts.

Seit mehr als einem Jahr ist Krieg in der Ukraine. Wie ist die Lage in den ländlichen Gebieten?

Die Situation ist weiter sehr schwierig. Der Krieg und seine schrecklichen Folgen sind Teil des Alltags. Wer über Land fährt, sieht Beerdigungen in nahezu jedem Dorf. Wir merken es auch unmittelbar in unserem Unternehmen. Wir unterstützen die Familien, die einen gefallenen Soldaten zu beklagen haben, der aus unserem Unternehmen oder zu Bodeneigentümern gehört, mit 1260 €. Die Höhe der ausgezahlten Gelder steigt von Woche zu Woche.

Sie sagten im Herbst vergangenen Jahres der Angriff der Russen habe die Ukrainer zusammengeschweißt. Ist von Kriegsmüdigkeit weiter keine Spur?

Nein, ich spüre davon nichts. Ich habe in den letzten Wochen unsere Betriebe besichtigt und mit vielen Menschen gesprochen. Die Stimmung ist gut. Der Winter war milder als befürchtet. Die Angriffe auf unsere Strom- und Wärmeversorgung hatten nicht die befürchteten Auswirkungen. Jetzt kommt der Frühling, und wir bereiten uns auf die Aussaat vor. Das Einzige, was tatsächlich die Stimmung trübt, sind einige Skandale auf der Regierungsebene, bei denen zumeist Korruption im Spiel ist, beispielsweise beim Einkauf von Nahrungsmitteln für die Armee durch das Verteidigungsministerium.

Sie hatten vor Kriegsbeginn rund 2.000 Beschäftige in Ihrem Unternehmen. Im letzten Herbst waren es 400 weniger. Wie ist der Stand jetzt?
Momentan sind es 1.500, also noch mal 100 weniger. Der Hauptgrund ist, dass weiterhin viele Männer auch aus der Landwirtschaft in die Armee einberufen werden. Da können wir leider nichts tun.

Wie halten Sie die Landwirtschaft mit immer weniger Arbeitskräften am Laufen?

Zuletzt haben wir junge Leute unter 18 Jahren angeworben und sie für einfache Tätigkeiten geschult, etwa Treckerfahren. Unsere Hoffnung ist, dass wir sie im Laufe des Jahres ab und zu einsetzen können. Parallel bemühen wir uns die Männer, die mal bei uns gearbeitet haben und jetzt in Rente sind. Schließlich führen wir zusammen mit der Agraruniversität in Sumy eine Ausbildung für Frauen durch, die in der Landwirtschaft tätig sein wollen. Das ist nicht einfach, weil viele Frauen mit ihren Kindern das Land verlassen haben und niemand weiß, ob sie zurückkehren werden. Sumy liegt im Nordosten der Ukraine und damit nah dran am Kriegsgeschehen.

Wie schwierig ist dort Landwirtschaft?

Ziemlich. Das sehen Sie allein daran, dass Lohnunternehmen nicht unbedingt in diese Region kommen wollen. Gerade heute habe ich erfahren, dass es zuletzt an einem Tag in dieser Region 200 Beschüsse von russischer Seite gegeben hat. Praktisch alle Dörfer an der Grenze sind beschossen worden. Bei einem benachbarten Agrarunternehmen wurden der komplette Maschinenpark und die Siloanlage zerstört.

Ist die Landwirtschaft ein Ziel der russischen Angriffe?

Ich denke mittlerweile, dass die Russen eigentlich gar kein festes Ziel haben oder das Ziel besteht einfach darin, so viel Schaden wie möglich anzurichten. Die haben über vier Monate lang die kritische Infrastruktur bombardiert in der Hoffnung, dass das ganze Land einfriert. Das ist Gott sei Dank nicht passiert. Viele Betriebe haben es in den letzten Monaten geschafft, Dieselgeneratoren zu kaufen. Das hat irgendwie funktioniert, auch weil der Winter einigermaßen mild war. Aber bedenken Sie: Die ukrainische Landwirtschaft sorgt für bis zu 70 % der Exporteinnahmen des Landes. Da ist ganz klar, dass es die Russen auch bewusst auf bestimmte landwirtschaftliche Betriebe abgesehen haben, um die Wirtschaft zu treffen.

Wie viele landwirtschaftliche Flächen sind nicht nutzbar, weil sie vermint sind oder anderweitig etwa durch Raketeneinschlag in Mitleidenschaft gezogen worden sind?

Wir sprechen gegenwärtig von rund 2 Mio. ha, die aus Kriegsgründen nicht bewirtschaftet werden. Wenn dort eine Frontlinie war, sind diese Flächen in der Regel vermint. Auf den anderen liegen meistens Reste von Raketen, Granaten und so weiter. In unserer Firma haben wir während der vergangenen Monate etwa 33.000 ha zusammen mit ukrainischen Spezialisten beräumt. Die Spezialisten erkennen, ob eine Bombe explodiert ist oder nicht. Alles andere wird einfach abtransportiert. Auf diese Weise haben wir 40 t aus Bomben- und Raketenresten von unseren Feldern geholt. Noch immer haben wir 5.600 ha, die an der Grenze zu Belarus und Russland liegen und die wir nicht nutzen können. Letztes Jahr haben wir mit Mühe russische Minen von einem größeren Schlag beseitigen können, als das Feld kurze Zeit später auf einmal erneut vermint wurde, diesmal von unserer Seite, weil man eine Offensive von Belarus aus erwartet hatte. Wir haben das nicht gewusst. Einer unserer Traktoren, ein neuer Fendt-Schlepper, ist in die Luft geflogen. Unser Fahrer hat Gott sei Dank überlebt. Oder nehmen wir ein anderes Beispiel. Wir wollten auf einigen Feldern an der Grenze zu Russland Mais aussäen. Die Militärverwaltung hat das untersagt, weil sich der Feind in Mais- und Sonnenblumenbeständen gut verstecken kann.

Welche Auswirkungen hat das alles auf die Aussaat für dieses Jahr?

Schon im Herbst haben wir gesehen, dass die Ukrainer die Flächen für Winterkulturen um 45 % reduziert haben, weil die Betriebe kein Geld hatten. Wir hatten die Hoffnung, vor allem durch das Getreideabkommen zusätzliche Mengen zu verkaufen und die Einnahmen in diesem Frühjahr für den Anbau zu nutzen. Aber das benötigte Kapital ist nicht da, auch weil das Getreideabkommen nicht so funktioniert, wie wir dachten. Im März gab es nur wenige Exporte durch das Schwarze Meer. Insofern werden die Auswirkungen ziemlich brutal sein.

Was bedeutet das?

Ich gehe davon aus, dass Mais nicht mehr auf 5 Mio. ha angebaut wird, sondern lediglich auf bis zu 3 Mio. ha. Die Ukraine wird zwar nicht komplett vom globalen Maismarkt verschwinden, aber deutlich weniger exportieren als bislang. Beim Weizen ist schon klar, dass wir im besten Fall etwa 15 Mio. t ernten werden. Ob die Qualität noch stimmt, wissen wir nicht, weil die Betriebe beim Dünger sparen müssen. Ich glaube nicht, dass die Ukraine in diesem Jahr überhaupt noch in der Lage sein wird, Brotweizen zu exportieren. Das heißt, die Landwirte werden auf Ölsaaten umsteigen, konkret werden dies Sonnenblumen sein. Ich denke, wir werden in diesem Jahr eine Rekordernte an Sonnenblumen haben. Wir schätzen die betreffende Anbaufläche auf 6,5 Mio. ha bis 7 Mio. ha. Insbesondere in der Westukraine steigen Landwirte jetzt massiv auf Sojabohnen um, eventuell auch auf Sommerraps. Vielleicht gibt es Zuwächse beim Sommergetreide, vor allem bei der Sommergerste. Trotzdem, nach meiner Auffassung werden uns die Zahlen Ende Mai, wenn die Aussaat vorbei ist, negativ überraschen.

Wie sicher sind Sie, dass die Ukraine in diesem Jahr als Exporteur von Brotweizen ausfällt?

Die ukrainische Weizenernte wird – wie bereits gesagt – bestenfalls um die 15 Mio. t liegen. Vor dem Krieg betrug der Binnenverbrauch von Weizen etwa 8 Mio. t. Das Problem ist vor allem die Weizenqualität. Wenn die Landwirte gerade jetzt zu wenig Dünger streuen und am Pflanzenschutz sparen, kriegen wir wahrscheinlich nicht die normale Verteilung von 70 % Brotweizen und 30 % Futterweizen. Stattdessen werden es eher 30 % Brotweizen und 70 % Futterweizen sein. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe, die in der Ukraine zur kritischen Infrastruktur zählen, haben Verträge mit der lokalen Verwaltung geschlossen. Das gilt auch für uns. In einer Vereinbarung mit der lokalen Verwaltung in Tschernihiw verpflichten wir uns, eine bestimmte Menge an Brotweizen zur Verfügung zu stellen. Wir werden diesen Weizen also nicht exportieren können, solange die Verträge mit der lokalen Verwaltung bestehen. Meine Befürchtung ist, Brotweizen wird die Ukraine gar nicht mehr exportieren können.

Wie sieht’s beim Mais aus?

Ähnlich! In den besten Jahren hat die Ukraine im Durchschnitt 5 t Mais pro Hektar geerntet. Wir hatten 10 t/ha, aber das ist die Ausnahme. In diesem Jahr werden wir 4 t/ha ernten. Dann kommen wir landesweit auf eine Gesamtmenge von 12 Mio. t oder 13 Mio. t Mais. Der Binnenverbrauch liegt bei 2 Mio. t. Das heißt 11 Mio. t stehen für den Export zur Verfügung. Normalerweise exportiert die Ukraine um die 35 Mio. t Mais. Bei Gerste wird die Ukraine die Position halten und vermutlich bis zu 5 Mio. t exportieren; das hängt aber sehr stark ab vom Wetter im Süden. Ich bin aber absolut überzeugt, dass wir unsere Position beim Sonnenblumenöl halten werden. Bei Sojabohnen werden wir vielleicht etwas zulegen, aber da spielen wir ohnehin keine große Rolle.

Ist überhaupt genügend Saatgut, Pflanzenschutz und Dünger für die Frühjahrsbestellung da?

Physisch ist alles vorhanden. Was fehlt, ist das Geld. Überhaupt kein Problem gibt es bei der Verfügbarkeit von Saatgut. Auch Pflanzenschutzmittel sind da. Beim Dünger können wir sowohl auf heimische Ware als auch auf Importware zurückgreifen. Probleme bereiten die zeitaufwändigen Zollkontrollen, um die Einfuhr von Düngemitteln aus Russland zu verhindern. Dünger ist teuer und deswegen werden ihn die Betriebe nur sehr sparsam einsetzen.

Das Getreideabkommen mit Russland ist kürzlich verlängert worden. Welche Bedeutung hat das für die ukrainische Landwirtschaft?

Es ist unglaublich wichtig. Die Ukraine exportiert derzeit monatlich rund 6 Mio t, vor allem Getreide und andere Agrargüter, die Hälfte davon auf dem Seeweg über Odessa und das Schwarze Meer. Vor dem Krieg lag dieser Anteil bei 99 %. Die andere Hälfte wird auf dem Landweg per Eisenbahn und Lkw transportiert sowie per Schiff über die Donau.

Wie hoch sind die Transportkosten?

Sehr unterschiedlich. Das Getreideabkommen hilft uns, die Logistikkosten zu reduzieren. Wenn wir in unserem Betrieb ausschließlich über die ungarische oder polnische Grenze exportieren würden, lägen die Logistikkosten für uns zwischen etwa 65 € und 75 € pro Tonne. Wenn wir über Odessa verschiffen, ist es die Hälfte. Das Abkommen erlaubt es uns, die Logistikkosten einigermaßen im Griff zu behalten.

Bleibt derzeit was übrig beim Verschiffen über das Schwarze Meer?

Die Logistikkosten sind im Vergleich zum letzten Jahr spürbar gesunken. Für Mais nach China erzielen wir momentan in Odessa einen Preis von umgerechnet 193 € pro Tonne; in alle anderen Regionen liegen die Erlöse um 9 Euro bis 14 € pro Tonne niedriger. Damit verdienen wir etwa 18 €bis 28 €. Das entspricht einer Marge von 10 %. Damit sind wir zufrieden. Letztes Jahr waren wir bei null.

Bringt die Verlängerung des Getreideabkommens die erhoffte Stabilität?

Nein! Nach Unterzeichnung des Abkommens dauert es in der Regel zwei Wochen, bis der Transport anläuft. In der Zeit müssen Verträge abgeschlossen und die Fracht organisiert werden; der Versicherungsschutz muss wirksam werden. Zwei Wochen vor Abschluss des Abkommens passiert genau das Gleiche. Das bedeutet, wenn wir ein Abkommen für 60 Tage haben, haben wir effektiv nur einen Monat Zeit, um zu exportieren. Dann kommen anstelle von 6 Mio. t nur 3 Mio. t durch die Häfen. Läuft das Abkommen vier Monate, wie die ukrainische Regierung sagt, wäre das deutlich besser, weil wir dann drei Monate Zeit haben. Die Ukraine hat ihr Abkommen mit den Vereinten Nationen (UN) und der Türkei unterzeichnet. Darin stehen 120 Tage. Wir wissen aber nicht, was in dem Abkommen steht, das Russland mit der UN und der Türkei abgeschlossen hat. Die Russen verknüpfen ihre Bereitschaft für ein längerfristig geltendes Abkommen unter anderem mit Lockerungen bei den gegen das Land verhängten Sanktionen. Dahinter steckt auch, dass Russland nach einer Rekordgetreideernte 2022 und des Diebstahls von 10 Mio. t aus der Ukraine gezwungen ist, Getreide zu exportieren. Derzeit sind die russischen Läger voll und die Getreidepreise niedrig. Die Russen wollen zuerst ihr Getreide auf den Markt bringen, und dann kommt die Ukraine. Das ist der Hintergrund für die gegenwärtigen Schikanen wie zweiwöchige Kontrollen der Schiffe und die Drohungen, eine erneute Verlängerung über 60 Tage nicht zu akzeptieren.

In Polen und Rumänien gibt es erheblichen Ärger, weil ukrainisches Getreide den dortigen Erzeugern die Preise verdirbt. Befürchten Sie Gegenmaßnahmen?

Nein! Die Kritik ist aus meiner Sicht nicht berechtigt. Nach Ausbruch des Krieges sind die Getreidepreise weltweit um 20 % bis 30 % gestiegen, auch in Polen. Einige Monate später ist die Ukraine auf den Markt zurückgekehrt und die Preise sind wieder gesunken. Das ist eine normale Entwicklung. Dazwischen haben die polnischen und rumänischen Landwirt gut verdient. Das darf man nicht vergessen. Zurzeit sind auch die Preise in Polen ziemlich niedrig. Das wird sich wieder ändern, wenn die Ukraine im kommenden Herbst vom Weltmarkt wieder verschwindet. Angesichts des Auf-und-Ab ergibt es Sinn, die Preise abzusichern. Das ist jedenfalls sinnvoller, als die Marktentwicklung zu beklagen.

Was erwarten Sie in der gegenwärtigen Lage von der deutschen Agrarwirtschaft?

Das Interesse an der Ukraine ist hoch. Wir arbeiten mit vielen deutschen Partnern zusammen. Im nächsten Jahr werden es zwei Jahre sein, in denen wir nicht in die Landtechnik investiert haben. Ich denke, dann wird es einen Boom bei der Landtechnik geben, aber auch im Hinblick auf Saatgut und Pflanzenschutz. Wir haben auf unserem Betrieb normalerweise 20 eigene Mähdrescher im Einsatz und zusätzlich bis zu 50 von Lohnunternehmen. Dieses Jahr hatten wir so gut wie keine Maschinen von Lohnunternehmen, weil die nicht zu uns wollten. Wir haben bis Anfang März Mais gedroschen. Die Leistung der Mähdrescher lag bei jeweils über 4.000 ha. Das heißt, wir müssen diese spätestens 2024 ersetzen. Dann brauchen wir erstens Mähdrescher und zweitens Geld. Das Gleiche gilt für Sämaschinen und Traktoren. Für die deutsche Agrarwirtschaft und speziell für deutsche Landtechnikhersteller kommen gute Zeiten.

Wird die ukrainische Landwirtschaft den Krieg überstehen?

Einige Betriebe werden es nicht schaffen. In meiner Region im Norden und Nordosten geben derzeit für ukrainische Verhältnisse mittlere Betriebe mit 2.000 ha bis 3.000 ha vermehrt auf. Die haben jetzt kein Geld mehr, die Verpächter zu bezahlen und Betriebsmittel zu kaufen. Zwei Termine werden für Klarheit sorgen: Ende Mai werden wir sehen, wie viel Hektar in der Ukraine ausgesät wurden und Ende August wissen wir, wie viel Weizen wir geerntet haben. Wenn die Wetterverhältnisse nicht gut sein sollten und wir zu wenig Weizen ernten, wird es für viele ziemlich schlecht aussehen.

Wie wird der Krieg enden?

Das hängt sehr von der Gegenoffensive der Ukraine ab. Wir erwarten, dass diese in den nächsten Wochen und Monaten startet. Wenn wir da erfolgreich sind, und davon gehe ich aus, wird unsere Armee bis zum Asowschen Meer vorstoßen. Dann bekämen wir bis Ende des Jahres eine gute Ausgangsbasis für die Kommunikation mit den Partnern und Verhandlungen mit den Russen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, die Ukraine wird den Krieg gewinnen. Allerdings wird am Schluss ein Kompromiss stehen müssen und ein Friedensvertrag ausgehandelt werden. Vielleicht gelingt das bis Anfang nächsten Jahres.

Was wird aus Sicht der Landwirtschaft beim Wiederaufbau das Wichtigste sein?

Wir müssen für uns die Frage beantworten, ob wir in die EU wollen oder nicht. Wenn wir dann in einigen Jahren der EU beitreten wollen, muss wir uns in der Ukraine bewusst sein, dass wir im Land die Voraussetzungen dafür schaffen müssen. Das ist vielen bislang nicht klar.

Was bedeutet das für die ukrainische Landwirtschaft?

Wir müssen unsere Landwirtschaft komplett reformieren. Das erfordern allein die Anforderungen, die in der EU an Umwelt-, Klima- und Tierschutz gestellt werden. Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass wir mit unseren großen Flächen und den Digitalisierungsmöglichkeiten gute Chancen hätten, uns einzubringen in die europäische Landwirtschaft. In welchen Strukturen das dann möglich ist, auch darüber müssen wir uns Gedanken machen.

Im vergangenen Jahr waren Sie zeitweise frustriert, überlegten sogar, den Betrieb einzustellen. Jetzt wirken Sie zumindest verhalten optimistisch. Überwiegt jetzt der Wille, diesen Krieg zu überstehen und danach die Landwirtschaft wieder aufzubauen?

Bei mir ja. Ich hatte einen Tiefpunkt im Sommer 2022, als wir nicht exportieren konnten und keine Perspektiven sahen. Aber dann habe ich für mich begriffen, dass eine längerfristige Zeitplanung so gut wie gar nicht möglich ist. Ich habe auch verstanden, dass alles, was wir vor dem Krieg mit Digitalisierung erreicht hatten, nicht mehr läuft. Man muss sich an die Kriegszustände anpassen. Ich investiere inzwischen viel mehr Zeit in meine Mitarbeiter. Ich rede sehr viel mit ihnen und merke, dass viele traumatisiert sind. Das sieht man dann auch am Output. Ich nenne ein Beispiel: Wir haben sechs Dieselgeneratoren im Deutschland gekauft, 184.000 € pro Stück. Wir haben die installiert und zwei Tage später war einer verbrannt, aufgrund von Bedienungsfehlern. Vor dem Krieg wäre der Mitarbeiter wahrscheinlich gefeuert worden. Aber jetzt habe ich erfahren, dass sein Sohn gerade erst an der Front gestorben ist. Vor diesem Hintergrund ist ein kaputter Dieselgenerator nicht mehr so wichtig.

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Ich bin nicht euphorisch. Aber ich bin optimistisch, dass wir den Krieg gewinnen werden, damit wir eine vernünftige Zukunft haben. Aber dafür müssen wir noch viel tun. Jetzt ist auch die Zeit für jeden Ukrainer, in die Zukunft zu investieren. Wir sollten uns beispielsweise auch Gedanken machen, wie wir das ukrainische Dorf in Zukunft sehen. Wollen wir es genauso wie in Sowjetzeiten oder wollen wir, dass die Kinder in dem Dorf glücklich sind und die jungen Leute dort leben wollen? Ich denke, die Entscheidung müsste klar sein.

Dr. Alex Lissitsa. Foto: UCAB