Am 8. November fand der Schweinetag Schleswig-Holstein abermals als Videokonferenz statt. Etwa 100 Personen nahmen daran teil. Die Organisatoren der Veranstaltung, die Schweinespezialberatung (SSB) und die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zusammen mit dem Netzwerk Fokus Tierwohl, konnten Referenten aus Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein begrüßen, die von ihren praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen mit mehr Tierwohl beziehungsweise vom Stand der Digitalisierung in der Schweinehaltung berichteten.
Karin Müller, Geschäftsführerin der SSB, eröffnete die Vorträge mit ausgewählten Ergebnissen aus dem aktuellen Schweinereport, der alljährlich von der SSB und der Landwirtschaftskammer gemeinsam ausgewertet wird. Dieser wird in einer späteren Ausgabe des Bauernblattes im Detail veröffentlicht.
Ferkelerzeuger Martin Dittmar aus dem Rhein-Lahn-Kreis, Rheinland-Pfalz, gewährte einen Einblick in seinen Stall mit 240 Sauen und gut 1.300 Ferkelaufzuchtplätzen. Er hat in den vergangenen fünf Jahren gleich mehrere Stallungen umgebaut. Es sind ein Deckzentrum nach den neuen gesetzlichen Vorgaben, ein Außenklima-Wartestall, eine Abferkelung mit Bewegungsbuchten und ein Ferkelaufzuchtstall mit Außenklima entstanden.
Dittmar berichtete, dass im Wartestall durch den Tiefstreubereich große Mengen an Stroh verbraucht würden, 400 Ballen pro Jahr müsse er einplanen. Die Strohliegefläche sorge im Winter für die nötige Wärme im Stall. Er betonte, dass das Stroh als Futtermittel zu behandeln und eine trockene Lagerung extrem wichtig sei. Die Sauen gelangen im Wartestall über eine Treppe zum Fressbereich. Dittmar hat sich bewusst für die Treppen und gegen schräge Flächen entschieden, da bei schrägen Flächen das Risiko erhöht sei, dass Sauen sich an den Zugängen ablegten und den Weg versperrten. Der Betrieb hält Langschwanztiere und bietet ihnen in der Ferkelaufzucht 47 % mehr Platz. Die Langschwanzhaltung funktioniere gut, die Vermarktung der Langschwanztiere sei allerdings noch schwieriger. Der Landwirt wies zum Abschluss auf die Gefahr hin, dass weitere Sauenhalter in Deutschland aussteigen würden und vermehrt Tiere aus dem Ausland kämen.
Intelligenz der Tiere nutzen
Christoph Becker aus dem Heidekreis in Niedersachsen appellierte dazu, die Intelligenz des Schweines besser zu nutzen. Das Schwein als intelligentestes Nutztier könne gut konditioniert werden, dies könne man sich beispielsweise bei der Fütterung und Beschäftigung zunutze machen. Becker arbeitet in seinem Stall mit 1.000 Mastplätzen immer wieder an der Umsetzung solcher Ideen. Der von ihm entwickelte Schweine-Buzzer ist ein Beispiel dafür. Hier können die Schweine frei entscheiden, ob und wann sie eine Dusche erhalten möchten.
In der Mast von Langschwanztieren setzt Becker auf eine Buchtenstrukturierung, unter anderem durch feste Flächen und Kontaktgitter zu den Nachbarbuchten. Er gab allerdings zu bedenken, dass eine Strukturierung erst ab einer Buchtenfläche von 20 bis 25 m2 sinnvoll sei. Das Futter werde in einer zugluftfreien Zone angeboten. Bei ihm funktioniere die Ringelschwanzhaltung insgesamt ebenfalls gut und sei in den betrieblichen Abläufen kein großes Thema mehr.
Der Schweinehalter betonte allerdings auch die Wichtigkeit von Beschäftigungsmaterial, der Zucht und des Ferkelerzeugers. Dieser leiste im Nadelöhr Ferkelaufzucht den wichtigsten Beitrag zu einem guten Gelingen der Ringelschwanzhaltung in der Mast. Auch in die Vermarktung gab Becker einen Einblick. Er sieht diese zunehmend als ein eigenes Arbeitsfeld, der direkte Kontakt zu den Schlachtern sei ihm dabei wichtig.
Beide Betriebe sind Impulsbetriebe im Netzwerk Fokus Tierwohl und auf der Internetseite des Netzwerks mit weiteren Informationen zu finden.
Digitalisierung in der Schweinehaltung
Prof. Dr. Joachim Krieter, Leiter der AG Tierhaltung und Produktqualität an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, hielt den abschließenden Vortag zum Stand der Digitalisierung in der Schweinehaltung. Er räumte ein, dass diese beim Schwein bisher eher stiefmütterlich behandelt worden und deshalb hinter den Entwicklungen in der Rinderhaltung zurückgeblieben sei. Inzwischen gebe es aber vielversprechende Ansätze und Entwicklungen. Prof. Krieter stellte verschiedene Forschungsarbeiten vor. So fanden beispielsweise im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp Projekte zur Lahmheits- und Brunsterkennung statt. Die Brunsterkennung werde unter den zukünftig veränderten Haltungsbedingungen mit kurzer Fixierungsdauer noch an Bedeutung gewinnen. Über einen Sensor am Ohr könne man beispielsweise die Bewegung durch den Stall, aber auch die Häufigkeit und Dauer der Kontaktaufnahme an der Eberbucht detektieren. Auch die Erkennung des Geburtsbeginns sei über Aktivitätsmessungen bereits möglich.
Krieter stellte außerdem aktuelle Ergebnisse aus dem Konsortialprojekt zum Verzicht auf das Schwänzekupieren beim Schwein vor. Hier zeigten sich durch die Auswertung von Kamera- und Sensormaterial vielversprechende Ergebnisse für eine Früherkennung von Schwanzbeißgeschehen. Der Forschung im Bereich Schwanzbeißen attestierte er auch für die Zukunft einen hohen Stellenwert.
Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
Termin:
Sachkundelehrgang zur Ferkelkastration mittels Isofluran
Am 13. und 14. Dezember findet ein Sachkundelehrgang zur Ferkelkastration mittels Isofluran im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp statt. Der zweitägige Kurs schließt mit einer mündlichen und schriftlichen Theorieprüfung ab und ist neben einer durch den Hoftierarzt begleiteten Praxisphase inklusive Praxisprüfung auf den landwirtschaftlichen Betrieben Voraussetzung zur Erlangung des Sachkundenachweises. Weitere Informationen und Anmeldung sind über das LVZ Futterkamp bei Bettina Bioly (bbioly@lksh.de) möglich.




