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Anregungen aus Wissenschaft und Praxis

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Am 8. November fand der Schweinetag Schleswig-Holstein abermals als Videokonferenz statt. Etwa 100 Personen nahmen daran teil. Die Organisatoren der Veranstaltung, die Schweinespezialberatung (SSB) und die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zusammen mit dem Netzwerk Fokus Tierwohl, konnten Referenten aus Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein begrüßen, die von ihren praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen mit mehr Tierwohl beziehungsweise vom Stand der Digitalisierung in der Schweinehaltung berichteten.

Karin Müller, Geschäftsführerin der SSB, eröffnete die Vorträge mit ausgewählten Ergebnissen aus dem aktuellen Schweinereport, der alljährlich von der SSB und der Landwirtschaftskammer gemeinsam ausgewertet wird. Dieser wird in einer späteren Ausgabe des Bauernblattes im Detail veröffentlicht.

Ferkelerzeuger Martin Dittmar aus dem Rhein-Lahn-Kreis, Rheinland-Pfalz, gewährte einen Einblick in seinen Stall mit 240 Sauen und gut 1.300 Ferkelaufzuchtplätzen. Er hat in den vergangenen fünf Jahren gleich mehrere Stallungen umgebaut. Es sind ein Deckzentrum nach den neuen gesetzlichen Vorgaben, ein Außenklima-Wartestall, eine Abferkelung mit Bewegungsbuchten und ein Ferkelaufzuchtstall mit Außenklima entstanden.

Dittmar berichtete, dass im Wartestall durch den Tiefstreubereich große Mengen an Stroh verbraucht würden, 400 Ballen pro Jahr müsse er einplanen. Die Strohliegefläche sorge im Winter für die nötige Wärme im Stall. Er betonte, dass das Stroh als Futtermittel zu behandeln und eine trockene Lagerung extrem wichtig sei. Die Sauen gelangen im Wartestall über eine Treppe zum Fressbereich. Dittmar hat sich bewusst für die Treppen und gegen schräge Flächen entschieden, da bei schrägen Flächen das Risiko erhöht sei, dass Sauen sich an den Zugängen ablegten und den Weg versperrten. Der Betrieb hält Langschwanztiere und bietet ihnen in der Ferkelaufzucht 47 % mehr Platz. Die Langschwanzhaltung funktioniere gut, die Vermarktung der Langschwanztiere sei allerdings noch schwieriger. Der Landwirt wies zum Abschluss auf die Gefahr hin, dass weitere Sauenhalter in Deutschland aussteigen würden und vermehrt Tiere aus dem Ausland kämen.

Intelligenz der Tiere nutzen

Christoph Becker aus dem Heidekreis in Niedersachsen appellierte dazu, die Intelligenz des Schweines besser zu nutzen. Das Schwein als intelligentestes Nutztier könne gut konditioniert werden, dies könne man sich beispielsweise bei der Fütterung und Beschäftigung zunutze machen. Becker arbeitet in seinem Stall mit 1.000 Mastplätzen immer wieder an der Umsetzung solcher Ideen. Der von ihm entwickelte Schweine-Buzzer ist ein Beispiel dafür. Hier können die Schweine frei entscheiden, ob und wann sie eine Dusche erhalten möchten.

In der Mast von Langschwanztieren setzt Becker auf eine Buchtenstrukturierung, unter anderem durch feste Flächen und Kontaktgitter zu den Nachbarbuchten. Er gab allerdings zu bedenken, dass eine Strukturierung erst ab einer Buchtenfläche von 20 bis 25 m2 sinnvoll sei. Das Futter werde in einer zugluftfreien Zone angeboten. Bei ihm funktioniere die Ringelschwanzhaltung insgesamt ebenfalls gut und sei in den betrieblichen Abläufen kein großes Thema mehr.

Der Schweinehalter betonte allerdings auch die Wichtigkeit von Beschäftigungsmaterial, der Zucht und des Ferkelerzeugers. Dieser leiste im Nadelöhr Ferkelaufzucht den wichtigsten Beitrag zu einem guten Gelingen der Ringelschwanzhaltung in der Mast. Auch in die Vermarktung gab Becker einen Einblick. Er sieht diese zunehmend als ein eigenes Arbeitsfeld, der direkte Kontakt zu den Schlachtern sei ihm dabei wichtig.

Beide Betriebe sind Impulsbetriebe im Netzwerk Fokus Tierwohl und auf der Internetseite des Netzwerks mit weiteren Informationen zu finden.

Digitalisierung in der Schweinehaltung

Prof. Dr. Joachim Krieter, Leiter der AG Tierhaltung und Produktqualität an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, hielt den abschließenden Vortag zum Stand der Digitalisierung in der Schweinehaltung. Er räumte ein, dass diese beim Schwein bisher eher stiefmütterlich behandelt worden und deshalb hinter den Entwicklungen in der Rinderhaltung zurückgeblieben sei. Inzwischen gebe es aber vielversprechende Ansätze und Entwicklungen. Prof. Krieter stellte verschiedene Forschungsarbeiten vor. So fanden beispielsweise im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp Projekte zur Lahmheits- und Brunsterkennung statt. Die Brunsterkennung werde unter den zukünftig veränderten Haltungsbedingungen mit kurzer Fixierungsdauer noch an Bedeutung gewinnen. Über einen Sensor am Ohr könne man beispielsweise die Bewegung durch den Stall, aber auch die Häufigkeit und Dauer der Kontaktaufnahme an der Eberbucht detektieren. Auch die Erkennung des Geburtsbeginns sei über Aktivitätsmessungen bereits möglich.

Krieter stellte außerdem aktuelle Ergebnisse aus dem Konsortialprojekt zum Verzicht auf das Schwänzekupieren beim Schwein vor. Hier zeigten sich durch die Auswertung von Kamera- und Sensormaterial vielversprechende Ergebnisse für eine Früherkennung von Schwanzbeißgeschehen. Der Forschung im Bereich Schwanzbeißen attestierte er auch für die Zukunft einen hohen Stellenwert.

Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.


Termin:

Sachkundelehrgang zur Ferkelkastration mittels Isofluran

Am 13. und 14. Dezember findet ein Sachkundelehrgang zur Ferkelkastration mittels Isofluran im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp statt. Der zweitägige Kurs schließt mit einer mündlichen und schriftlichen Theorieprüfung ab und ist neben einer durch den Hoftierarzt begleiteten Praxisphase inklusive Praxisprüfung auf den landwirtschaftlichen Betrieben Voraussetzung zur Erlangung des Sachkundenachweises. Weitere Informationen und Anmeldung sind über das LVZ Futterkamp bei Bettina Bioly (bbioly@lksh.de) möglich.

Winterrapsanbau auf dem Weg zu alter Größe

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Der Winterrapsanbau in Deutschland wurde für 2023 erneut ausgedehnt. Mit 1,1 bis 1,13 Mio. ha liegt die Aussaatfläche um 50.000 ha über der Erntefläche 2022.

Der steile Anstieg der Rapserzeugerpreise im Frühjahr/Sommer nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine dürfte den Experten der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) zufolge viele Landwirte dazu bewogen haben, ihren Anbau auszudehnen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die bis Ende August in vielen Regionen Deutschlands herrschende Dürre dazu geführt hat, dass nicht alle Aussaatplanungen realisiert wurden. Die Bestände präsentieren sich derzeit überwiegend in einem guten und der Jahreszeit angemessen entwickelten Zustand. Mit der zur Ernte 2023 prognostizierten Fläche nähert sich der Rapsanbau nach dem dürrebedingten Einbruch im Anbaujahr 2018/19 weiter dem langjährigen Niveau von 1,2 Mio. ha und mehr an.

Diese Prognose stützt sich auf Experten der in der Ufop vertretenen Rapszüchterhäuser und auf externe Fachleute aus Offizialberatung und Landhandel. Sie liegt im Ergebnis der Experteneinschätzungen bei einer bundesweiten Fläche von 1,1 bis 1,13 Mio. ha, also rund 50.000 ha über der Erntefläche 2022.

Spätsaattermine realisiert

Gemäß den Meldungen haben die Rapserzeuger in der Regel den Beginn der Niederschläge abgewartet, bevor der größte Teil der Flächen bestellt wurde. Daher wurden auch Spätsaattermine Anfang September realisiert. In Fällen von früheren Saaten, in die Trockenheit hinein oder direkt vor Starkregenereignissen, kam es vereinzelt auch zu Umbrüchen infolge von unzureichendem Auflauf oder Verschlämmung und es erfolgte eine wiederholte Aussaat. Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es in diesem Jahr kaum Berichte zu einem sehr starken Auftreten von Rapsschädlingen. Aufgrund der attraktiven Erzeugerpreise haben die Landwirte insbesondere bei späteren Saatterminen aber eher verhalten mit Umbrüchen reagiert, sodass auch schwach gestartete Bestände weitergeführt wurden. Durch den warmen Oktober konnten diese Bestände in Verbindung mit den Niederschlägen im September meist die Entwicklungsverzögerung wettmachen.

Üppige Bestände im Norden

Demgegenüber haben sich insbesondere im Norden gut gestartete Rapsbestände teilweise sehr üppig entwickelt, sodass eine Einkürzung bereits im September notwendig war. Die Ufop-Experten vertreten die Auffassung, dass die derzeitige Bestandesentwicklung keine großen Auswinterungen befürchten lasse. Anbauausdehnungen sind in erster Linie im Norden (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen) und in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg) beobachtet worden.

Positiv auf die Anbauausdehnung haben sich sicherlich die Rapserträge 2022 ausgewirkt. Diese sind angesichts der Trockenheit und Hitzewellen seit Juni im Bundesmittel mit 39,6 dt/ha in Kombination mit hohen bis sehr hohen Ölgehalten deutlich besser als erwartet ausgefallen. Der Anstieg der Erzeugerpreise für Rapssaat ab Frühjahr wurde begleitet von ebenfalls stark steigenden Weizenpreisen.

Im Zuge der Freigabe des Stoppel­weizenanbaus im ersten Jahr der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik 2023 stand so eine weitere ökonomisch interessante Winterung ohne Einschränkungen zur Verfügung. pm

Deutschland versorgt die EU mit Rapsöl

Die deutschen Rapsöllieferungen sind im Wirtschaftsjahr 2021/22 erstmals zurückgegangen, nachdem sie zuvor drei Jahre in Folge deutlich zulegten.

Mit knapp 1,1 Mio. t führte die Bundesrepublik 2021/22 knapp 22 % weniger Rapsöl aus als noch in der vergangenen Saison. Das Volumen des Wirtschaftsjahres 2019/20 wurde allerdings um 13 % übertroffen.

Mit Abstand größter Empfänger von Rapsöl aus Deutschland waren auch 2021/22 mit knapp 600.000 t die Niederlande, die als zentrale Drehscheibe für den Welthandel mit Rohstoffen fungieren. In der vorangegangenen Saison war es allerdings ein Viertel mehr. Platz zwei belegt Belgien mit 86.500 t, rund 17 % weniger als 2020/21. Danach folgen Frankreich, Dänemark und Polen als wichtige Destinationen. Diese Länder haben deutlich mehr Rapsöl erhalten als im Vorjahr. Frankreich kaufte rund 65.000 t (+18%) und blieb damit ein wichtiger Absatzmarkt, nach Dänemark gingen rund 64.600 t (+12 %). Das deutlichste Plus verzeichneten jedoch die Lieferungen nach Polen: Mit 58.000 t hat sich das Volumen des Vorjahres mehr als verdoppelt. Auch die Schweiz, Österreich, Litauen, Griechenland und Tschechien erhielten deutlich mehr als 2020/21, während nach Italien, Portugal und Irland weniger geliefert wurde.

Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (Ufop) führt den Rückgang der Rapsölexporte auf einen gestiegenen Bedarf in der heimischen Biodieselverarbeitung zurück. Der Verband erwartet für das Wirtschaftsjahr 2022/2023 eine Verstetigung dieser Entwicklung, weil ab 2023 aus Palmöl hergestellte Biokraftstoffe hierzulande nicht mehr auf die THG-Quotenverpflichtung angerechnet werden können. pm

Rapsölexporte; Foto/Grafik: UFOP

Wald ist mehr als die Summe seiner Festmeter

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Dr. Gerrit Friedrich Bub ist seit diesem Monat neuer Leiter der Forstabteilung in Bad Segeberg. Isa-Maria Kuhn, Landwirtschaftskammer, sprach mit dem Diplom-Forstwirt und Doktor der Naturwissenschaften über den Waldbau im nördlichsten Bundesland.

Dr. Bub, Sie haben sich regional stark verändert. Sie kommen aus Nordrhein-Westfalen, haben in Freiburg, Bonn und Koblenz studiert, und Ihre letzte Wirkungsstätte war die Leitung eines großen Kommunalwaldes im Sauerland. Was reizt Sie am Waldbau in Schleswig-Holstein?

Dr. Gerrit Bub: Schleswig-Holstein ist das Land des Privat- und Kommunalwaldes. Das Land zwischen den Meeren bildet die Spitze der deutschen Bundesländer. Von Lauenburg bis Angeln finden sich interessante Waldstandorte und viele unterschiedliche Waldbestände. Der Waldbau in Schleswig-Holstein ist geprägt durch das jahrhundertealte Waldeigentum und die sich daraus entwickelnde einzigartige Kulturlandschaft. Es ist für mich eine Herausforderung, mit unserer Abteilung die Waldwirtschaft der unterschiedlichen Forstbetriebsgemeinschaften zu betreuen, zu fördern, zu beraten und durch den Wandel des Klimas zu führen. Ich freue mich, diese großartige Verantwortung übernehmen zu dürfen.

Der Wald hat Klimastress, und in vielen Regionen in Deutschland ist sein Anblick nach Borkenkäferbefall und Windbruch ein Trauerspiel. Kommen wir hier im Land zwischen den Meeren noch vergleichsweise gut weg?

Die Folgen des Klimawandels sind in der Tat in vielen Bundesländern für den Wald erschreckend. Die „Jahrhundertkata­-
strophe“ 2018 bis 2022 in den deutschen Mittelgebirgen ist für uns im Norden ein mahnender Aufruf. Unser Wirtschaftswald und das Waldeigentum sind langfristig auch in Schleswig-Holstein durch die Klimaveränderung bedroht.

Also ausruhen können auch wir uns nicht?

Leider nein, im Gegenteil. Wir müssen jetzt handeln, um den Folgen des Klimawandels im Wald zu begegnen. Ich bringe aus Nordrhein-Westfalen nach Schleswig-Holstein viel praktische waldbauliche und forstbetriebliche Erfahrung mit, die dazu beitragen soll, den Wirtschaftswald in Schleswig-Holstein langfristig klimaresilient umzubauen und zu fördern. Nach dem Gesetz des Örtlichen geht es mir darum, die Wirtschaftskraft unserer Wälder zu erhalten und auszubauen, damit die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer die vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes auch zukünftig nachhaltig erfüllen können.

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe in den kommenden Jahren?

Ich möchte als Abteilungsleiter und forstlicher Praktiker nah an den Menschen und den Forstbetrieben in Schleswig-Holstein sein. Unsere Forstabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein steht als einfühlsamer Partner den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern mit Rat und Tat zur Seite, um ihren wirtschaftlichen Erfolg langfristig zu sichern. Dafür bedarf es eines gut durchdachten, mit den Eigentümern und den Forstexperten abgestimmten, innovativen Waldbaukonzeptes, das den Herausforderungen des Klimawandels, aber auch den vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes gerecht wird. Es bedarf der Aus- und Weiterbildung junger Forstwirtinnen und Forstwirte und der Information unserer Forstbetriebsgemeinschaften und aller am Wald interessierten Bürgerinnen und Bürger. Unsere Bezirksförster stehen nahe an der Seite der Forstbetriebsgemeinschaften. Sie sind unsere vertrauenswürdigen Ansprechpartner für die Waldeigentümer vor Ort. Wir möchten mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ein Dienstleister für das Waldeigentum in Schleswig-Holstein sein. Dazu besetzen wir auch innovative Geschäftsfelder, denn Wald ist mehr als die Summe seiner Festmeter.

Ist der Privatmensch Dr. Bub, der Ehemann und Familienvater, in seiner Freizeit auch im Wald unterwegs und, wenn ja, welche Regionen gefallen ihm bei uns im Norden und wo möchte er unbedingt einmal hin?

Selbstverständlich gehe ich auch in meiner Freizeit sehr gern in den Wald – alleine oder mit meiner Familie, immer ist unser Rauhaardackel Moritz mit dabei. Beim Wandern durch unsere Wälder kann ich Fachliches erkennen und Privates erleben. Als Forstmann und Jäger freue ich mich, die vielfältigen Waldgebiete und die Eigentümerinnen und Eigentümer im Land zwischen den Meeren noch besser kennenzulernen. Als forstlicher Praktiker weiß ich: Nur wer die Borke der Bäume vor Ort erfasst hat, kann mit den Eigentümern über den Werdegang des Waldbestandes verantwortlich befinden. Man wird mich im Wald treffen und kann mich jederzeit auf den Wald ansprechen.

Fotoshooting mit 75 LandFrauen

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Ein Fotoshooting für LandFrauen! Als der Vorstand des OV Malente diese Idee beim Neujahrsempfang zu Beginn dieses Jahres den Vereinsmitgliedern vorstellte, gab es durchaus skeptische Stimmen. Der Vorstand schaffte es, dass am Ende 75 LandFrauen viel Spaß und ein gutes Gefühl bei den Shootings mit der jungen Fotografin Anne Weise hatten. Entstanden sind wunderbare Charakterbilder, die bei einer einwöchigen Ausstellung in der Liegehalle im Kurpark Eutin ein begeistertes Publikum fanden.

Die Malenter Vereinsvorsitzende Katrin Dehn-Schumacher (M.) mit den Ausstellungsbesucherinnen Wiebke Weilandt (li.) und Anke Marquardt vom OV Fehmarn. Die Frauen kennen sich aus dem Kreisverband Ostholstein, dessen Vorsitzende Jutta Fahr war. Sie ist auf dem Ausstellungsfoto (M.) zu sehen. Das linke Ausstellungsfoto zeigt Erika Lenz. 

Mit dieser Ausstellung betrat der Malenter Vorstand nicht nur völliges Neuland. „Wir wollten uns mit der Ausstellung an den 75 Aktionen zum 75-jährigen Bestehen des LandFrauenverbandes beteiligen und zeigen, aus welch breitem Spektrum die LandFrauen heute kommen“, erläutert die Vereinsvorsitzende Katrin Dehn-Schumacher. Der Start beim Neujahrsempfang sei nicht leicht gewesen. „Was sollen wir mit Model-Bildern?“, fragten die Mitglieder. Doch der Vorstand konnte nach und nach Frauen für die Idee gewinnen. Für eine Spende von 30 € machten sie bei den drei Shootings mit. Eine ältere Dame wurde sogar von ihrer Tochter geschickt: „Mutti, du machst einfach mit. Dann hast du Weihnachten ein Geschenk für mich.“

„Für die Shootings hatten wir vorsorglich Sekt mitgebracht. Den brauchten wir am Ende gar nicht. Die Atmosphäre war auch so sehr locker“, erinnert sich die Vorsitzende. Dazu trug auch die Fotografin bei, der es gelang, die Frauen natürlich und stolz abzulichten.

Als alle 75 Bilder aufgehängt, das Café vorbereitet und mit Strohballen Sitzecken eingerichtet waren, stieg die Spannung. Würden Besucher kommen? Sie kamen, und das nicht nur zur Eröffnung der Exposition. In der gesamten Ausstellungswoche wurde oft die ganze Familie bis hin zu den Enkeln mitgebracht. Für die LandFrauen, die die Ausstellung betreuten, waren es sehr kommunikative Tage, sie lernten viele neue Leute kennen und gewannen auch neue Mitglieder.

So manche LandFrau bedauerte am Ende, nicht mitgemacht zu haben. Für viele war das Abhängen der Bilder nach dieser Woche mit Wehmut verbunden. Die Fotos sind nun alle in Privatbesitz. Vielleicht aber kehren sie noch einmal zurück in eine Ausstellung. Erika Lenz, Ehrenvorsitzende der Malenter LandFrauen, ist auf jeden Fall überzeugt: „Diese Ausstellung gehört auch mal ins Landeshaus in Kiel.“

Angelika Ens ist Vorstandsmitglied des OV Malente und Physiotherapeutin. Zum Fototermin brachte sie Utensilien mit, die sie für ihre Arbeit braucht. Fotos (2): Anne Weise
Susanne Papke, Vorstandsmitglied des OV Malente, betreibt einen Ferienhof und hat in ihrem Traumgarten ein großes Biotop, in dem sie Schildkröten hält.

Mit Handy und Tablet zum Stammtisch für Senioren

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Mehr als 60 digitale Patinnen hat der LandFrauenverband Schleswig-Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Breitband-Kompetenzzentrum Schleswig-Holstein (BKZ-SZ) seit 2020 ausgebildet. An zwei Seminar­tagen wurden die LandFrauen nun fit gemacht, um Seniorinnen beim Gebrauch ihrer mobilen Endgeräte zu unterstützen. So kamen ­kürzlich mehr als 20 Patinnen zu einem Netzwerktreffen in Rendsburg zusammen.

Durch krankheitsbedingte Ausfälle von gleich zwei Referentinnen stand dabei der Praxisaustausch im Mittelpunkt. Schnell wurde deutlich, dass ausgebildete digitale Patinnen in der Praxis unterschiedliche Wege gehen, um ihre Dienstleistung an die Kundinnen und vereinzelt auch an die Kunden zu bringen. Renate M. Jacobshagen (76) und Inge Schneekloth-Plöger (67) aus dem Kreisverband Probsteierhagen sind als Team und auf eigene Rechnung unterwegs. Die frühere Apothekerin und die ehemalige Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle schätzen die wechselseitige Ergänzung, nutzen sie doch selbst unterschiedliche Betriebssysteme. Dadurch können sie kompetent auf die Fragen von Nutzerinnen beider gängiger Betriebssysteme eingehen. Über mangelnde Nachfrage können sich die beiden LandFrauen nicht beklagen. Nach einem ersten Aufruf in der Zeitung meldeten sich auf Anhieb gut 50 Interessenten. Auch ein paar Männer waren dabei. Die Schulungen knüpfen an die Fragen der Teilnehmerinnen an. Zehn Schulungen haben sie bereits im Gemeindehaus Passade durchgeführt, immer mit Kaffee und selbst gebackenen LandFrauenkuchen, wie sie mit einem Lächeln ergänzen. Für die Schulungen nehmen sie einen kleinen Teilnehmerbeitrag. Ihr Angebot spricht sich inzwischen herum. So haben sich zum Beispiel die LandFrauen der Ortsvereine Hessenstein und Wankendorf bei den Patinnen gemeldet.

Inge Schneekloth-Plöger hat eine Erklärung für die große Resonanz. „Wir haben Zeit und Ruhe und sagen den Seniorinnen nicht wie die Enkelkinder: ‚Das habe ich dir doch schon zehnmal erklärt.‘“ Renate Jacobshagen ergänzt: „Wir sind im gleichen Alter wie die Teilnehmerinnen. Das führt dazu, dass sich diese sagen: ‚Wenn die das können, lerne ich das auch.‘“

Für die Zukunft haben die beiden digitalen Patinnen einen Stammtisch geplant, zu dem dann die Senioren eingeladen werden sollen, die sie bereits geschult haben. „Beim Stammtisch können dann neu aufgekommene Fragen geklärt werden“, sind sich die beiden einig.

Jutta Schuhmacher (59) vom OV Mittlere Treene ist voll berufstätig im Qualitätsmanagement einer Bank und kann ihre Schulungsangebote deshalb nicht so breit anbieten wie die beiden Kolleginnen vom Kreisverband Probsteierhagen. Sie hat sich selbst als Richtwert eine Schulung pro Monat gegeben, um alle Verpflichtungen unter einen Hut bringen zu können. Sie bietet ihre Schulung innerhalb ihres Ortsvereins an. Als langjährige frühere Personalentwicklerin hat sie ihr Projekt systematisch an den Bedarfen ihrer Kunden orientiert, die sie bei einem Infoabend mit den Mitgliedern erfragte. Daraus hat sie Themen entwickelt und monatliche Treffen in den Jahresplan der LandFrauen integriert. Die LandFrauen können einzelnen Termine buchen. Im Dezember findet das erste Treffen statt.

Fragen aus der Praxis brachten Laura Kremeike und Erich Moder von der Amtsverwaltung Hüttener Berge mit. Die Teilnehmerinnen des Netzwerktreffens hatten jetzt die Aufgabe, diese Fragen zu beantworten und so voneinander zu lernen. Laura Kremeike hat selbst die Ausbildung zur digitalen Patin bei den LandFrauen gemacht. Erich Moder ist ein früherer Ehrenamtler, der Senioren im Umgang mit Smartphone und Tablet geschult hat und dies jetzt hauptberuflich tut. „Er war so gut, dass wir ihn angestellt haben“, erklärte Laura Kremeike.

Das Projekt der digitalen Patinnen sei eher durch Zufall entstanden, als das BKZ Multiplikatoren für die Ausbildung suchte, erinnert sich Ninette Lüneberg, Geschäftsführerin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein. Die Seminare für die digitalen Patinnen werden vom LandFrauenverband organisiert. Das BKZ gestaltet die Seminare inhaltlich. Zwei Nachmittage müssen die zukünftigen Patinnen dafür investieren und 50 € Teilnahmegebühr. Die Seminare finden dezentral statt. Interessentinnen können sich in der Geschäftsstelle der LandFrauen melden unter Tel.: 0 43 31-33 59-200. Sigrid Querhammer

Laura Kremeike und Erich Moder von der Amtsverwaltung Hüttener Berge brachten Fragen aus der Praxis mit. Fotos (2): Sigrid Querhammer
Weiterbildung und Netzwerktreffen der digitalen Patinnen im Hohen Arsenal in Rendsburg. Foto: Ninette Lüneberg, lfv

Mit wasserfestem Schuhwerk durchs Revier

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Neben dem Schutz von Wild und Natur sei die Jagd ein verantwortungsvolles Handwerk, um gemeinsam Beute zu machen und ein hochwertiges Lebensmittel bereitzustellen. Diese Definition des Jagdverbandes war der Kerninhalt des Jagdseminars, zu dem die Landjugend zusammen mit der Kreisjägerschaft Rendsburg-Ost eingeladen hatte. Die Stunden im Revier machten verständlich, was die Jagd heute zwischen Tradition und Moderne ausmacht.

Begonnen wurde mit einem kurzen Vortrag über die Jagd von der Zeit der Großeltern bis in die Gegenwart. Wurde damals beispielsweise das Jagdhorn noch zum Verständigen bei einer Gesellschaftsjagd verwendet, werde es heute eher in der jagdlichen Bläsergruppe genutzt, berichteten die Jäger. Auch die Art der Kleidung habe sich geändert. Heutzutage trage man auf Jagden nicht mehr nur den klassischen Grünton, sondern zusätzlich auch Warnfarben wie Orange, um sich untereinander besser zu sehen. Des Weiteren wurde die Wichtigkeit der Jagd für die Landwirtschaft beleuchtet. Fraßschäden beispielsweise von Gans und Wildschwein könne nur durch gezielte Vergrämung oder Beschuss minimiert werden.

Jagdhunde auf der Fährte

Warm angezogen und mit wasserfestem Schuhwerk ging es dann auf einen Rundgang durchs Revier. Neben den Jägerinnen und Jägern begleiteten uns drei Jagdhunde: ein Deutsch Kurzhaar, ein Terrier und ein Münsterländer. Bei dem Spaziergang über die Felder lernten die Lajus, dass Münsterländer und Deutsch Kurzhaar Vorstehhunde sind und den sogenannten Vollgebrauchshund repräsentieren. Sie sind für alle anfallenden Arbeiten zu gebrauchen und können daher sowohl auf dem Feld als auch in Wald und Wasser eingesetzt werden. Der Name Vorstehhund geht darauf zurück, dass die Hunde, wenn sie die Witterung des Wildes aufnehmen, ihre Suche unterbrechen und ruckartig stehen bleiben. Am bekanntesten ist hierbei die Vorstehphase, wobei der Hund seinen Vorderlauf anhebt und mit dem Kopf in Richtung des Wildes zeigt.

Der Terrier hingegen ist ein klassischer Erdhund. Diese werden aufgrund ihrer Körpergröße und ihres Arbeitswillens für die Arbeit in einem Fuchs- oder Dachsbau ausgebildet. Diese Art der Jagd nennt man Bautenjagd. Zudem wurde eine Hasenfährte gezogen und der Münsterländer auf die Spur des Hasen angesetzt. Schnell folgte er der gelegten Spur, fand den Hasen und wurde zum Apportieren zurückgepfiffen. Nach getaner Arbeit gab es dann gebührendes Lob für den Hund.

Einsatz mit der Drohne

Wieder am Startpunkt angekommen, zeigten die Jäger, wie sie mit einer Drohne mit integrierter Wärmebildkamera bei der Kitzrettung arbeiten. Die Rettungsaktion beginne immer in den frühen Morgenstunden, damit das Kitz auf der Wärmebildkamera von der restlichen Umgebung zu unterscheiden sei, erklärten die Jäger. Sei ein Kitz gefunden, werde es für die Zeit der Mahd in einem Karton oder Wäschekorb versteckt und anschließend wieder freigelassen.

Nach dem umfangreichen Input gab es eine Pause, in der sehr leckere Wildschweinbratwurst gegrillt wurde und Zeit war, miteinander ins Gespräch zu kommen. An den vielen Fragen war zu merken, wie fasziniert alle von der Arbeit der Jägerinnen und Jäger waren.

Doch dann hieß es aufzubrechen zum letzten Highlight des Tages, dem Schießstand in Warder. dort wurden die Lajus vom Schießobmann zum Jungjägerstand begleitet. Bevor es mit dem Schießen losging, wurde der Daumentest gemacht, um bei jedem das sogenannte Schießauge festzulegen. Auf dem Trapstand konnten sich alle beim Tontaubenschießen probieren.

Am Schluss gab es viele zufriedene und glückliche Gesichter, denn die Kreisjägerschaft Rendsburg-Ost hat allen die Jagd praktisch und theoretisch sehr interessant nähergebracht. Außerdem konnten die Jäger eindrucksvoll zeigen, wie wichtig die Jagd für die heutige Kulturlandschaft ist.

Therese Thamsen

Die Futterstation für Fasane wird so aufgestellt, dass das Niederwild geschützt vor dem Habicht fressen kann.
In einer Lebendfalle werden Raubtiere wie Marder gefangen. Geht ein Tier in die Falle, wird der Jäger über sein Handy informiert.

Zu üppige Grünlandbestände vor dem Winter

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Die Temperaturen im Oktober und November waren in diesem Jahr ungewöhnlich hoch und ließen das Gras weiterwachsen. Vielerorts sind daher recht üppige Grasbestände vorhanden, die durch eine Herbst-Gülledüngung gefördert wurden und aktuell die Zielbestandshöhe von 10 cm vor dem Winter deutlich überschreiten.

Zu hohe Grasbestände sollten vermieden werden, weil für den Fall eines kalten Winters mit Schneedecke für den Bestand die Gefahr von Pilzkrankheiten besteht (Schneeschimmel, Typhula-Fäule). Zudem sind Blätter mit einer langen Verweildauer über den Winter im Frühjahr photosynthetisch weniger aktiv als junge, frisch nachgewachsene Blätter. Die Bildung junger Blätter mit hoher photosynthetischer Leistung wird gefördert durch kurze Bestände zu Vegetationsbeginn, die das Eindringen von Licht in tiefere Vegetationsschichten und die Blattneubildung begünstigen.

Was ist also zu tun mit den üppigen Grasbeständen? Ein Silageschnitt kommt witterungsbedingt nicht mehr infrage und generell rechtfertigt die relativ geringe Qualität des Aufwuchses nicht den kostenintensiven maschinellen Aufwand einer Silageproduktion. Möglich wären das Mähen (Schnitthöhe 8 bis 10 cm) und Einfahren des frischen Ernteguts zur direkten Verfütterung im Stall („Eingrasen“). Auch das Mulchen ist möglich, sofern die Mulchschicht nicht zu dick ist, denn diese kann den Pilzbefall des darunter liegenden Pflanzenbestands fördern.

Am ratsamsten ist schließlich die kostengünstigste Variante der Beweidung. Jeder Tag auf der Weide reduziert die Fütterungskosten und wirkt sich bei richtigem Management positiv auf die Grasnarbe aus. Bei einer Milchviehherde im Hochleistungsbereich kommt eine Beweidung mit Tieren im späten Laktationsstadium am ehesten infrage, da diese Kühe einen geringeren Anspruch haben. Bei einer Milchviehherde im geringeren Leistungsspektrum kann auch weiterhin beweidet werden, sofern die Trittbelastbarkeit der Flächen es zulässt. Vorzugsweise sollte mit Jungtieren oder Schafen beweidet werden, da diese aufgrund ihres geringeren Gewichts weniger Trittschäden verursachen. Auf nasseren Standorten kann über eine kurze Dauer mit hoher Besatzdichte beweidet werden, um tiefgreifende Narben- und Trittschäden sowie Klauenkrankheiten zu vermeiden. 

„Es ist wichtig, die Pferde das Tempo vorgeben zu lassen“

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Das seit Jahrzehnten ­etablierte System der ­Junghengstkörung hat ausgedient. Aufgrund der Leitlinie Tierschutz im Pferdesport erfolgt eine ­Reform des deutschen Körsystems. Der Verband der Züchter des ­Holsteiner Pferdes hat unter anderem mit der Verlegung der Junghengstkörung in den Februar ­reagiert. Um alle Beteiligten in den Austausch zu bringen, lud der Holsteiner Verband zu einem Praxistag zum Thema „Körvor­bereitung für Junghengste“ ein.

Auf dem Betrieb von Familie Horns in Bredenbekshorst, Kreis Segeberg, kamen rund 30 Vertreter des Holsteiner Verbandes, der Politik und der Kreisveterinärämter sowie Ausbilder von Junghengsten aus Schleswig-Holstein zusammen. „Es ist uns ein bedeutendes Anliegen, mit den entsprechenden Funktionären eine praxistaugliche Umsetzung der Leitlinie zu ermöglichen“, sagte Stephan Haarhoff, Zuchtleiter des Holsteiner Verbandes, und fügte hinzu: „Der Fokus liegt darauf, den Alltag in der Junghengstausbildung insbesondere den Amtsveterinären näherzubringen, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

Marc Horns (li.) und seine Lebensgefährtin Pia Peters sowie Thomas und Ute Horns waren die Gastgeber des Praxistages. Foto: Johanna Voth

Wie werden junge Hengstanwärter eigentlich auf die Körung vorbereitet? Diese Frage beantwortete Stephan Haarhoff am Praxistag gemeinsam mit den Gastgebern, Marc Horns und seiner Lebensgefährtin Pia Peters. Horns führt den landwirtschaftlichen Betrieb mit Deckstation in Bredenbekshorst bereits in vierter Generation gemeinsam mit seinen Eltern Thomas und Ute. Im kommenden Jahr feiert die Deckstation ihr 60-jähriges Bestehen. Zirka 50 Pferde und 30 Mutterkühe sind hier beheimatet, außerdem wird Ackerbau betrieben. Neben der Hengstvorbereitung gehören Abfohlservice, Jungpferdeaufzucht, Zuchtberatung und Zuchtstutenpension zum Angebot.

Individuelle Ausbildung Schritt für Schritt

Momentan hat Familie Horns vier Hengste in Vorbereitung zur Vorauswahl Ende November. Mit zweien von ihnen demonstrierte Marc Horns die Ausbildung auf dem Weg zur Körung. Den Anfang machte ein Sohn des Zuccero aus einer Cash-and-Carry-Mutter. Pia Peters erläuterte, wie die Jungpferde an erste Aufgaben herangeführt werden: „Wenn sie zu uns kommen, sind die Hengste noch ganz roh, meistens erst halfterführig. Wir gewöhnen sie dann an das Freilaufen mit Halfter – zunächst in der ganzen Halle und dann auf einem abgetrennten Stück.“

Wenn sie dies ruhig und gelassen absolvierten, werde das Longieren am Halfter, später mit Trense und darüber verschnalltem Halfter und anschließend ausschließlich mit Trense dazugenommen. „Bis wir das erste Mal einen Gurt verwenden, dauert es etwa vier Wochen“, so Peters weiter. „Bei wenigen geht es schneller, bei anderen dauert es länger. Es ist wichtig, die Pferde das Tempo vorgeben zu lassen.“

Der Zuccero-Sohn zeigte sich trotz der ungewohnt großen Zuschauerzahl bereits abgeklärt und routiniert. Er kennt schon den nächsten Schritt der Ausbildung, das Verschnallen der Dreieckszügel. Zwei bis drei Mal pro Woche laufen sich die Hengste zunächst im Schritt in der Führmaschine warm und werden dann frei laufen gelassen beziehungsweise erst ohne und dann mit Dreieckszügel longiert. Eine Trainingseinheit dauere in der Regel etwa 20 min.

Standardisierung nicht automatisch förderlich

Mit dem zweiten Hengst von Keaton-Casalito zeigte Horns, wie er die Pferde an das Freispringen gewöhnt. Nach dem Aufwärmen im Schritt und dem Freilaufen werden die Hengste zunächst an Stangen auf dem Boden, dann an Cavaletti und schließlich das Springen einer Reihe herangeführt. „Einige Pferde finden schnell eigenständig ihren Weg, andere brauchen häufigere Wiederholung und wir warten mit dem nächsten Schritt länger“, berichtet der Ausbilder. Einmal pro Woche werde das Freispringen trainiert. Jeden Tag geht es für die jungen Hengste auf einen Paddock – unabhängig vom Trainingsplan.

Marc Horns verdeutlichte anhand verschiedener Junghengste, wie er die Vorbereitung aufbaut. Foto: Johanna Voth

Das Interesse an den Ausführungen von Marc Horns und seiner Familie war insbesondere seitens der Amtsveterinäre groß, sodass ein reger Austausch entstand. Dabei wurde unter anderem diskutiert, inwiefern eine vereinheitlichte Ausbildung der Junghengste ­realisierbar und sinnvoll sei. Für die amtlichen Funktionäre gehe es dabei um Standards, die das Tierwohl während der gesamten Ausbildung garantieren sollten und nachprüfbar sein müssten.

Stephan Haarhoff wies auf die im vergangenen Jahr eingeführten Trainingstagebücher hin, die Hengstausbilder im Vorfeld der Körveranstaltung für ihre Schützlinge ausfüllen müssten. Dr. Thomas Nissen, Tierwohlbeauftragter des Holsteiner Verbandes, fügte ergänzend hinzu, dass standardisierte Ausbildungen bei „Tieren mit individuellen Persönlichkeiten, Stärken und Schwächen“ nur bedingt förderlich für eine tiergerechte Ausbildung seien. „Wenn das Training fundiert erfolgt, werden die Pferde nicht überfordert“, ist sich Nissen sicher. „Die Körkommission ist dabei in der Verantwortung zu erkennen, welche Hengste aufgrund ihrer Veranlagung und nicht aufgrund ihrer Vorbereitung als Vererber infrage kommen.“

Im regelmäßigen Austausch bleiben

Dr. Kristina Hein, Amtsleiterin im Kreis Dithmarschen, argumentierte: „Wir sind uns einig, wie wichtig es ist, die besten Hengste für den Zuchtfortschritt auszuwählen. Und es ist eine gute Sache, dass wir uns im Vorfeld hierzu austauschen. Aber ich habe an den Verband die Erwartung, dass eine klare Positionierung darüber erfolgt, wie im Hinblick auf die Leitlinie für alle Beteiligten geltende Standards entwickelt werden können.“ Die Veterinärin sagte weiter: „Das ist ein Prozess, der nicht innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen sein kann. Der Spagat zwischen aktueller Rechtslage und wirtschaftlichen Interessen muss gelingen.“

Die Anwesenden stimmten insofern überein, dass regelmäßiger und nach Möglichkeit unbürokratischer Austausch, möglicherweise auch in Form einer Arbeitsgruppe, künftig förderlich für die Zusammenarbeit sei. Zuchtleiter Stephan Haarhoff dankte Familie Horns für die Durchführung des Praxistags und resümierte: „Der Praxistag war eine rundum gelungene Veranstaltung. Der rege Austausch mit den zuständigen Behörden hat gezeigt, dass es durchaus unterschiedliche Auslegungsformen und Ansichten zur Junghengstausbildung geben kann. Auch zukünftig muss sich der Zuchtverband intensiv mit den Inhalten der Leitlinien auseinandersetzen. Bei diesem Prozess sollte man zwingend die Erfahrung unserer Ausbildungsbetriebe mit einbeziehen, um einen tiergerechten und praxisorientierten Weg einzuschlagen.“

Leitlinie Tierschutz im Pferdesport

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat die „Leitlinien zu Umgang mit und Nutzung von Pferden unter Tierschutzgesichtspunkten“ veröffentlicht. Diese sollen nicht nur den Behörden als Auslegungshilfe bei der Anwendung der allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetzes dienen. Sie sollen insbesondere auch denjenigen Personen Orientierung bieten, die häufig mit Pferden umgehen.

Um neuen Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis über Grundbedürfnisse und essenzielle Verhaltensmuster von Pferden Rechnung zu tragen, hat das BMEL die seit 1992 bestehenden Leitlinien 2020 umfassend überarbeitet und entsprechend angepasst. Die geltenden Leitlinien wurden dabei insbesondere in folgenden Bereichen aktualisiert: Haltungsbedingungen für Jungpferde im Rahmen der Ausbildung, Mindestalter beim Ausbildungsbeginn, Mindestalter beim Ersteinsatz in Wettbewerben oder ähnlichen Veranstaltungen, Haltungsbedingungen im Rahmen von Wettbewerben oder ähnlichen Veranstaltungen, Verbot der „Rollkur“ (Überbeugung des Genicks oder Halses).

Abwehrmechanismen im Pflanzenreich

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Da Pflanzen standortgebunden sind, müssen sie gegenüber Fressfeinden spezielle Strategien entwickeln. Zimperlich sind sie dabei nicht, denn sie produzieren tödliche Gifte, setzen Dornen oder Stacheln ein, tarnen sich oder täuschen gar einen Schädlingsbefall vor. Sie schrecken nicht einmal davor zurück, einzelne Teile gezielt absterben zu lassen, damit die übrige Pflanze überlebt.

Dieser „programmierte Zelltod“ tritt als natürlicher Entwicklungsprozess in Mehrzellern auf, kommt also nicht nur bei Pflanzen, sondern auch bei Mensch und Tier vor. So können Pflanzen die von Pilzen, Bakterien oder Viren befallenen Teile abkapseln und sie so von der Versorgung abschneiden. In der Folge sterben diese Pflanzenteile ab und mit ihnen die Erreger. Vergreiste oder nutzlos gewordene Pflanzenteile ereilt häufig das gleiche Schicksal.

Eine häufig verwendete Verteidigungsstrategie ist die Tarnung. Wer mit seiner Umwelt verschmilzt (Mimese), fällt nicht weiter auf und wird übersehen. Nahezu perfekt beherrschen das zwei Dickblattgewächse aus der Steinwüste von Namibia, die bei uns als Zimmerpflanzen erhältlich sind. Crassula deceptor sieht aus wie die kleinen weißen Quarzsteinchen in ihrer Umgebung. Die Lebenden Steine, oft nach der Gattung als Lithops bezeichnet, unterscheiden sich optisch kaum von den echten Steinen ihrer Heimat. Eine andere Form des Versteckspiels ist das vereinzelte und verstreute Auftreten einjähriger Pflanzen. Dank der weitverteilten Bestände gelingt immer einigen Exemplaren die Ausbildung von Samen und damit die Erhaltung der Art.

An das saftige Innere von Kakteen kommt man nicht so leicht heran.
Foto: Karin Stern
Der Stechapfel schützt seine Samenkapsel konsequent. Foto: Karin Stern
Die oberirdischen Teile der Kartoffel enthalten giftige Inhaltsstoffe.
Foto: Karin Stern

Sehr guten Schutz bieten Stacheln und Dornen. Beide werden häufig miteinander verwechselt. Für Fressfeinde spielt es jedoch keine Rolle, ob es sich um Auswüchse der Stängel und Blätter handelt (Stacheln) oder um umgebildete Blattorgane, die fest an der Pflanze sitzen (Dornen). Typische Dornenpflanzen sind Kakteen, Feuerdorn, Weißdorn und Stechginster. Rosen, Disteln, Stechpalme, Himbeere und Brombeere hingegen weisen Stacheln auf. Der Stechapfel schützt sogar seine Früchte mit Stacheln.

Ebenso schmerzhaft kann der Kontakt mit Brennhaaren und Blattklingen ausfallen. So sondern die Haare des Waldziests einen Klebestoff ab, der kleine Fressfeinde im wahrsten Sinne des Wortes leimt. Werden die Haare auf Brennnesselblättern verletzt, geben sie einen brennenden Cocktail ab, der unter anderem Ameisensäure enthält. Die Brennnessel stellt damit sicher, dass sie freiwillig kein weiteres Mal berührt wird. Besonders trickreich geht die Königskerze vor. Krabbelt ein Insekt auf ihren Blättern, stößt die Pflanze die Blattbehaarung ab. So verheddert sich das kleine Tierchen heillos in dem mikroskopisch kleinen Gestrüpp. Unter sogenannten Blattklingen versteht man scharfkantige Blätter, die der Abwehr von Fressfeinden dienen, indem sie schmerzhafte Schnittwunden zufügen können. Auf diese Weise verleiden Pampasgras und Chinaschilf hungrigen Pflanzenfressern den Appetit.

Recht wirkungsvoll schützen sich manche Pflanzen durch Bitterstoffe und Gift. Während die Bitterstoffe nur den Appetit gründlich verderben, wird es bei giftigen Inhaltsstoffen schnell tödlich. Als gefährliche Beispiele sind Fingerhut, Tollkirsche, Goldregen, Tabak und Schierling zu nennen. Auch der Verzehr von Blättern und Stängeln der Kartoffelpflanze kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Der in unseren Wäldern weitverbreitete Adlerfarn schützt seine jungen Wedel mit einem hohen Gehalt an Blausäure. Insekten meiden die Wedel daher. Ausgewachsen enthalten die Blätter einen Giftcocktail, der zur Erblindung führen kann. Tabak enthält das Nervengift Nikotin. Bereits geringste Mengen davon wirken tödlich, wenn frische Blätter verzehrt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt dringend davor, Tabak in jedweder Form zu essen. Tomaten bilden beim ersten Raupenbiss eine gummiartige Substanz, die deren Verdauungsapparat verklebt.

Als gute Abwehrwaffe hat sich unangenehmer Geruch erwiesen. Manche Stoffe, Repellents genannt, schrecken hungrige Mäuler lediglich ab. So produzieren einige Wildkartoffelarten den Wirkstoff Demissin und werden deshalb nicht von den sonst so unersättlichen Larven des Kartoffelkäfers befallen. Raps erzeugt zu seinem Schutz den „Stinkstoff“ Sinigrin.

Wenn die Haare der Brennnessel bei Berührung abbrechen, setzen sie Ameisensäure frei. Foto: Karin Stern

Manche Tiere haben jedoch gelernt, mit den Tricks der Pflanzen umzugehen. Die Raupen einiger Schmetterlingsarten reagieren nicht auf den Reizstoff der Brennnesselhaare, vielmehr nutzen sie Brennnesseln als ausschließliche Nahrungsquelle. Besonders schlau stellt es auch die Raupe des Jakobskrautbärs, eines Nachtfalters, an. Sie futtert an dem Jakobsgreiskraut, das wegen seiner Inhaltsstoffe von Pferdehaltern gefürchtet ist. Und nun der Trick: Die Raupe reichert das Gift in ihrem Körper unbeschadet an und ist als wandelndes „Giftfass“ für ihre Feinde ungenießbar.

Stabile bis höhere Auszahlungspreise

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Die Milchauszahlungspreise der hiesigen Meiereien lagen im Schnitt um 0,36 ct höher als im September. Insgesamt ergibt sich ein Monatsdurchschnitt von 60,24 ct/kg ECM. Viele Meiereien zahlen den Milchpreis des Vormonats aus, einige erhöhen um 1 bis 2 ct. Im restlichen Bundesgebiet werden vornehmlich unter 60 ct/kg ausgezahlt.

Im westlichen Bundesgebiet wurden im Oktober 51,57 bis 58,50 ct/ kg registriert, im östlichen Bundesgebiet bis zu 58 ct/ kg. Im Süden der Bundesrepublik rangierten die Milchauszahlungspreise zwischen 54,36 und 64,46 ct/kg ECM. In der Tendenz gehen Marktteilnehmer von vorerst stabilen Milchpreisen aus.

Das deutsche Milchaufkommen entwickelte sich zuletzt stabil, die Talsohle dürfte jedoch noch nicht erreicht worden sein. Die Vorjahreslinie wird mit 2,1 % überschritten, die Milchmenge von 2020 zu diesem Zeitpunkt im Jahr jedoch noch unterschritten. In Frankreich fehlen 1,4 % Milchanlieferungsmenge gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Aus Neuseeland werden ein Minus von 5 % und aus den USA von 0,1 % gemeldet. Auch Irlands Milcherzeugung liegt hinter dem Vorjahreszeitraum zurück (–0,3 %). In Australien fehlen sogar 5,8 % Milchmenge im Vergleich Juli bis September 2022 gegenüber 2021.

Für die KW 43 wurde im Bundesgebiet ein weiterer Preisanstieg für den Rohstoff Milch, insbesondere Industrierahm und Magermilchkonzentrat, verzeichnet. Am Spotmarkt für Milch in den Niederlanden werden nach einem Rückgang um 3 ct auf 55 ct/ kg nun wieder 55,5 ct/kg notiert. Am italienischen Spotmarkt kommt es zu einem Preisrückgang um 0,5 ct/kg auf 67,5 ct/kg.

Die Global-Dairy-Trade-Auktion in Neuseeland erzielte in der letzten Runde ein positives Ergebnis, nachdem die drei Runden zuvor jeweils mit einem negativen Index geendet haben. Das Ergebnis am 15. November von 2,4 % wird maßgeblich vom Voll- und Magermilchpulver gestützt. Dagegen haben Käse und Butter auf der letzten Auktion jeweils nachgegeben. Der Kieler Rohstoffwert Milch ab Hof wurde im Vergleich zum Vormonat abgesenkt. Mit 58 ct/kg liegt er 1,7 ct/ kg unter dem Septemberwert. Der Fettwert ging um 0,2 ct/kg zurück, der Nichtfettwert um 1,5 ct/kg. Weiterhin ist eine Energiekomponente von 2,5 ct im Wert enthalten.

Geformte Butter fließt auch in diesem Monat gut in den Markt. Die 250-g-Abpackung wird aufgrund des gutes Vorweihnachtsgeschäfts an der Kemptener Börse mit einem Plus von 10 ct gegenüber dem Vormonat und damit mit 7,60 bis 7,80 €/ kg notiert. Lose Butter gibt im Preis nach, was das Kaufinteresse dem Vernehmen nach stärkt. Die aktuelle Notierung rangiert zwischen 6,00 und 6,25 €/kg. Seit Anfang März ist dies der geringste Kurs. Für das erste Quartal sind noch nicht alle ausreichend eingedeckt. Unterschiedliche Preisvorstellungen zwischen Hersteller und Einkäufer führen zur Zurückhaltung bei den Einkäufern.

Im Monatsvergleich zeichnen stabile bis leicht rückläufige Preise den Käsemarkt. Vorverpackter Käse ist im LEH sehr gefragt, und das, obwohl die Preise erhöht worden sind. Der LEH ordert daher stetig Ware. Für den Export ist die Kaufkraft des importierenden Landes entscheidend. Es kommt immer öfter zu Preisdiskussionen. Die Verfügbarkeit des Angebots ist uneinheitlich. Zum Teil wird von einer Steigerung der Angebotsmengen berichtet. Es kommt aber auch immer wieder zu einer eingeschränkten Lieferfähigkeit. Sowohl Verpackungsmaterial als auch Arbeitskräfte sind knappe Güter.

Die Pulverpreise haben weiter nachgegeben. Marktteilnehmer berichten zwar von einem belebteren Handelsgeschäft mit einer höheren Nachfrage, speziell aus dem Fernen Osten. Insgesamt wird der Magermilchpulverbedarf jedoch als ruhig eingestuft. Produktionsunsicherheiten aufgrund der hohen Energiekosten hängen an deren Preisentwicklung. Man erwartet zudem eine Nachfragebelebung aus Nordafrika. Für Vollmilchpulver wird von einem ruhigen Handelsgeschehen berichtet.