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Bäuerinnentag ist jeden Tag 

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In Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern war am Mittwoch ein gesetzlicher Feiertag. Jedes Jahr am 8. März wird der Internationale Frauentag begangen. Was gibt es da zu feiern? Erst einen Tag zuvor, am 7. März, war in diesem Jahr Equal Pay Day, der Tag, bis zu dem Frauen seit Jahresbeginn rechnerisch im Durchschnitt ohne Bezahlung gearbeitet haben und von dem an sie jetzt bis zum Jahresende gleich viel verdienen würden wie ihre männlichen Kollegen. Dabei geht es symbolisch um die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. 

Im Jahr 2009 lag der Equal Pay Day noch am 20. März. Es hat sich also ein ganz klein wenig bewegt. Aber es müsste in vielen Bereichen noch viel mehr sein. Die Frauenbewegung begeht den Internationalen Frauentag bereits seit 112 Jahren. Als Begründerin gilt die Sozialistin Clara Zetkin. Auf ihre Anregung hin versammelten sich im März 1911 Frauen in Deutschland, Dänemark, Österreich, Schweden und der Schweiz. Sie kämpften für das Frauenwahlrecht, forderten politische Mitbestimmung, gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen sowie um mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Der Frauentag wurde in seiner Geschichte geliebt, belächelt, benutzt und vergessen. Während der Nazi-Diktatur war er verboten, stattdessen wurde der Muttertag benutzt, um die Ideale der „arischen Frau“ zu propagieren. In der DDR ließ die Staatspartei SED den Tag mit Pomp feiern. In Westdeutschland wurde die Tradition erst von der 68er Generation wiederentdeckt. Am 8. März 1977 wurde der Internationale Frauentag von den Vereinten Nationen (UN) offiziell zum Feiertag erklärt. Heute geht es um Themen wie Gleichstellung im Arbeitsleben, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Gewalt gegen Frauen.

Frauentag ist selbstverständlich auch in der Landwirtschaft ein Thema und zwar jeden Tag. Die Frauen sind nicht nur der Kitt, sondern das Rückgrat aller Aktivitäten zwischen Hof, Stall, Familie, Schule, Kindergarten, Altenteiler, Pflege, Büroorganisation, Ämtern und allem, was zusammenhält. Es hat lange gedauert, bis die Frauen in der Landwirtschaft in den politischen Gremien der Entscheider angekommen sind. Am 10. Mai 2022 wurde der Fachausschuss „Unternehmerinnen in der Landwirtschaft“ vom Deutschen Bauernverband (DBV) eingesetzt. Da bestand der DBV seit fast 75 Jahren. Beim Bauerntag im Juni 2022 wurde die Satzungsänderung beschlossen, die den schnellsten Weg frei machte für eine Frau im Präsidium. 

Das ist ein positives Startsignal für die Frauen in der Landwirtschaft, auch in den berufsständischen Gremien sichtbarer und lauter zu werden. Mittlerweile zeigt sich auch beim Bauernverband auf der regionalen Ebene Bewegung. Es gehen mehr landwirtschaftliche Unternehmerinnen auch im Landesverband und in den Kreisverbänden gemeinsam nach vorne. Das zeigen neu gegründete Unternehmerinnenausschüsse und das Unternehmerinnen-Netzwerk in Schleswig-Holstein. Sie repräsentierten die wachsende Zahl der Frauen in der Landwirtschaft. In Schleswig-Holstein werden 12 % der Betriebe von Frauen geleitet, an der Spitze der Kreis Plön mit 15 %. Über 20 % der Auszubildenden in landwirtschaftlichen Berufen sind weiblich, rund 50 % der Studierenden. 

Es ist also Zeit, dass die Frauen auch in den Entscheidungsgremien ihre Plätze einnehmen. Auf dem Hof ist schließlich schon jetzt jeder Tag Bäuerinnentag. 

Menschen und Milchkühe

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Drei verschiedene weltweite Entwicklungen führen dazu, dass immer häufiger die Frage gestellt wird, wie die Ernährungssicherheit gewährleistet werden kann, ohne negative Auswirkungen auf die Umwelt hervorzurufen oder zu verstärken. Zu diesen Ursachen gehören das rasante Bevölkerungswachstum, der jährliche Verlust von landwirtschaftlicher Nutzfläche zum Beispiel aufgrund der Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen und zusätzlich der Klimawandel.

Diese drei Faktoren sorgen dafür, dass die Nachfrage nach Lebensmitteln, vor allem auch nach tierischen, weiter ansteigt, während die Seite der Lebensmittelproduktion durch Flächenverluste und Produktionsunsicherheiten eingeschränkt wird , was die Ernährungssicherheit negativ beeinflusst. Diskussionen über die Konkurrenz zwischen menschlichen Nahrungsmitteln und tierischen Futtermitteln führen zunehmend zu Forderungen nach Veränderung der Tierhaltung. Nachfolgend soll daher die Nahrungskonkurrenz zwischen Menschen und Milchkühen näher betrachtet werden.

Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen

Von der 16,6 Mio. ha großen landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland wurden im Jahr 2019 zirka 60 % für den Anbau von Futtermitteln, 22 % für Nahrungsmittel, 14 % für Energiepflanzen, 2 % für Industriepflanzen und 2 % für Brache und Stilllegung genutzt. Auch die Renaturierung, der Naturschutz, Windparks, Solarenergie, Straßen und Häuser konkurrieren miteinander um Fläche (Abbildung 1).

Die Ernährung beziehungsweise Fütterung von Menschen und Milchkühen ist nicht identisch und konkurriert deshalb nur um einen Teilbereich der verfügbaren Biomasse, da Wiederkäuer Futtermittel mit hohem Zelluloseanteil deutlich besser verdauen können als der Mensch. Mit derartigem Futter (zellulosereiches Grundfutter) lassen sich Jahresmilchmengen je Kuh von 5.000 kg und mehr erzielen. Mit steigenden Leistungen aber müssen zur Bedarfsdeckung zusätzlich energie- und eiweißreichere Komponenten eingesetzt werden, die mit der Humanernährung konkurrieren.

Die Nahrungsmittelkonkurrenz tritt auf, wenn Tiere mit Produkten gefüttert werden, die ebenfalls direkt in der menschlichen Ernährung eingesetzt werden könnten wie zum Beispiel bei der Verfütterung von Getreide. Um die Wirkung der Verfütterung beurteilen zu können, wird der Anteil des in einem Futtermittel enthaltenen menschlich verwertbaren Proteins beziehungsweise der Energie ins Verhältnis zum Protein-/Energieoutput in Form von Milch und Fleisch gesetzt (siehe Kasten).

Die Konkurrenz hängt sehr von der Höhe des Grundfuttereinsatzes, dem Anteil an Nebenprodukten und der Milchleistung ab.

Die Möglichkeit des Anbaus von Nahrungs- und Futtermitteln auf Ackerland kann eine direkte Konkurrenz um landwirtschaftliche Nutzfläche und um die Versorgung von Menschen und Tieren verursachen. Die klimatischen Bedingungen und die Bodenqualität entscheiden darüber, was auf den Flächen angebaut werden kann und ob damit eine Konkurrenz entsteht. Die Flächenkonkurrenz betrachtet somit die Bodennutzung und vergleicht das direkte pflanzliche Produktionspotenzial der Fläche (für die Produktion von menschlich nutzbarem Protein/Energie) mit der Protein-/Energiebereitstellung von Milchkühen, die mit Anbauprodukten der identischen Fläche erzeugt werden könnten (siehe Kasten).

Die Nahrungskonkurrenz von Milchkühen ist häufig geringer als deren Flächenkonkurrenz, da ein Teil der Futterration veredelt wird, der sonst nicht für den Menschen nutzbar wäre.

Insgesamt sind dabei der Flächenbedarf, die Ackerfähigkeit und die Effizienz der Milchproduktion in Bezug auf Futterverwertung und Remontierung von Bedeutung.

Beide Indikatoren geben ein Verhältnis an. Ein Wert größer als 1 würde bei der Nahrungsmittelkonkurrenz bedeuten, dass das Produkt mehr Protein/Energie für die Humanernährung bereitstellen würde, wenn es direkt von Menschen konsumiert würde. Ein Wert von unter 1 verdeutlicht, dass über die Nutzung in der Milchproduktion in Summe mehr Protein/Energie für die Humanernährung bereitgestellt werden kann.

Bei der Flächenkonkurrenz bedeuten Werte über 1, dass das ackerbauliche Potenzial der Fläche mehr Protein/Energie bereitstellen kann, als es über die Nutzung für die Milchproduktion möglich wäre. Ein Wert unter 1 entspricht demgegenüber einem positiven Beitrag der Milchproduktion zur Bereitstellung von Protein/Energie für den Menschen.

Beispielhafte Berechnungen zeigen, dass die Nahrungskonkurrenz von Milchkuhrationen häufig geringer ausfällt als die Flächenkonkurrenz, da ein Teil der Ration veredelt wird, der sonst nicht für den Menschen nutzbar wäre, wodurch eine positive Bilanz der für den Menschen verfügbaren Energie-/Proteinmenge entsteht.

Ausmaß der Nahrungskonkurrenz

Die Nutzung von Biomasse als Futtermittel sorgt nicht zwangsläufig für eine Nahrungs- oder Flächenkonkurrenz, denn bei der Produktion von 1 kg veganem Lebensmittel entstehen als Nebenprodukte mindestens zirka 4 kg nicht essbare Biomasse (Abbildung 2). Koppelprodukte, Zwischenkulturen, Grünland und Nebenprodukte aus der industriellen Verarbeitung gehören zu der nicht essbaren Biomasse und sind nicht für die Humanernährung geeignet.

Zirka 86 % der von Nutztieren verbrauchten Futtermittel sind Produkte, die aktuell nicht in der menschlichen Ernährung eingesetzt werden. Die Neben- und Beiprodukte der industriellen Verarbeitung machen davon einen Anteil von rund 30 % aus.

Zukünftige Anpassungsmöglichkeiten

Die Rolle von Nutztieren in Bezug auf die Erreichung eines umweltverträglichen und nachhaltigen Nahrungsproduktionssystems wird zunehmend hinterfragt und muss vor dem Hintergrund des Bevölkerungswachstums und der Erreichung der Ernährungssicherheit betrachtet werden. Von Fachleuten werden drei Anpassungsmöglichkeiten vorgestellt:

Erhöhung der Tierproduktion mit Reduktion der Umweltauswirkungen pro Tier

Verzicht beziehungsweise die massive Reduktion der Tierproduktion und des Konsums tierischer Produkte

Kombination von Reduktion des Konsums tierischer Produkte sowie die Beschränkung der Nahrungskonkurrenz mittels gezielter Nutzung von Nebenprodukten

Ein grundsätzlicher Verzicht auf Milchkühe würde dazu führen, dass die gesamte nicht essbare Biomasse für die Humanernährung ungenutzt bliebe und tierische Nahrungsmittel durch eine Ausweitung des Ackerbaus kompensiert werden müssten.

Mit weniger, aber leistungsstärkeren Tieren lassen sich verfügbare Ressourcen besser nutzen. Eine Erhöhung der Effizienz der pflanzlichen Produktion sowie Verbesserung der Flächenerträge, optimale Rationsgestaltung, Erhöhung der Leistungsfähigkeit (siehe Tabelle) der Herde, Erhöhung der durchschnittlichen Laktationszahl, Verringerung von Krankheiten, Verbesserung der Fruchtbarkeit und eine Optimierung der Futternutzung können zur Reduktion der Konkurrenz beitragen.

Ein Verzicht beziehungsweise eine starke Reduktion von tierischen Nahrungsmitteln würde die Umweltauswirkungen im Vergleich zu einer Ernährung mit hohem Anteil tierischer Nahrungsmittel reduzieren. Die Nahrungskonkurrenz würde aufgrund des Wegfalls anderer Konsumenten der pflanzlichen Produkte reduziert, und es würde Ackerfläche für die Produktion weiterer Lebensmittel freigegeben werden.

Würden alle Menschen zu einer veganen Ernährung übergehen, könnten aber auch keine Nebenprodukte von Nutztieren mehr in das Ernährungssystem zurückgebracht werden. Die Umweltvorteile von Futtermitteln mit geringen Opportunitätskosten könnten deshalb nicht mehr genutzt werden. Auch würde der Beitrag der tierischen Nahrungsmittel zur Versorgung der Weltbevölkerung, die aus nicht essbaren Produkten gewonnen werden können, entfallen.

Die Kombination der ersten beiden Varianten würde die Nutztierhaltung auf ein Niveau reduzieren, bei dem Nahrungskonkurrenzen verhindert werden könnten. Tiere sollten demnach vor allem Biomasse nutzen, die der Mensch nicht verdauen kann, und diese in nährstoffreiche Nahrungsmittel umwandeln. Hierdurch könnte die Ernährung von Menschen mit dem minimalen Einsatz von Ackerflächen erfolgen. Der Bedarf an Ackerland würde damit geringer ausfallen als bei einer rein veganen Ernährung beziehungsweise im Vergleich zur aktuellen Ernährung in Ländern mit hohen Einkommen. Zusätzlich würde ein wichtiger Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung geleistet werden.

Fazit

Ein Verzicht auf alle Nutztiere würde dazu führen, dass die gesamte nicht essbare Biomasse für die Humanernährung ungenutzt bliebe und tierische Nahrungsmittel durch eine Ausweitung des Ackerbaus kompensiert werden müssten. Da 30 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche von Deutschland Grünlandbestände sind, würde ein großer Teil der Fläche ungenutzt bleiben oder müsste zur ackerbaulichen Nutzung umgebrochen werden, woraus die Freisetzung von Kohlenstoff und negative Effekte für die Biodiversität resultieren würden. Die Bereiche der Effizienz, der Emissionen und der Nahrungskonkurrenz stehen miteinander in Konflikt. Für die Entwicklung zukünftiger Produktionssysteme muss ein Kompromiss gefunden werden.

SUR geht in die nächste heiße Runde

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Das EU-Parlament wird voraussichtlich nach der Sommerpause zum Vorschlag der Kommission zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) Stellung nehmen. Darauf hat sich die Berichterstatterin im federführenden Umweltausschuss, ­Sarah Wiener (Grüne), mit den Schattenberichterstattern der ­anderen Fraktionen verständigt. Die Skepsis ist groß und im EU-Parlament wird heiß diskutiert.

Die Grünen-Politikerin Wiener hat am 2. März im Umweltausschuss ihren Bericht vorgestellt. Laut Wiener sollen die Änderungsanträge Ende März vorgelegt werden. Die Abstimmung im Umweltausschuss soll im Mai erfolgen. Neben dem Parlament muss auch der für die Mitgliedstaaten federführende Agrarrat seine Position festlegen. Danach können die Trilog-Gespräche mit der Kommission beginnen. Ob bis zur Europawahl im Frühjahr 2024 eine politische Einigung steht, ist fraglich.

Der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses, Norbert Lins (CDU), wies darauf hin, dass dieser Zeitplan lediglich der Vorschlag des Umweltausschusses sei. Ein gemeinsamer Fahrplan des Parlaments sei noch auszuarbeiten.

Bei vielen Agrarpolitikern stößt der Kommissionsvorschlag auf Ablehnung. Die SUR-Berichterstatterin Wiener fordert, den Einsatz gefährlicher Pestizide bis zum Jahr 2030 um 80 % zu reduzieren, und hält am Kommissionsziel einer Halbierung aller Wirkstoffe bis Ende dieses Jahrzehnts fest. Lockerungen kann sich Wiener bei dem von der Kommission vorgeschlagenen Totalverbot des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in sensiblen Gebieten vorstellen.

Zuvor hatten sich die Fraktionen im Umweltausschuss erstmals zum SUR-Bericht der Grünen-Politikerin positioniert. Der Schattenberichterstatter der EVP, Alexander Bernhuber, betonte, dass man sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges mehr auf die europäische Ernährungssicherheit konzentrieren müsse. Der Kommissionsvorschlag sei nicht realistisch. Lins bezeichnete die Vorlage Wieners als nicht „wirklich tauglich“. Die Chance, den Streitpunkt sensible Gebiete vom Tisch zu nehmen, werde nicht genutzt. Für Jan Huitema von der liberalen Fraktion Renew Europe (RE) muss sichergestellt werden, dass die Landwirte Ernteausfälle verhindern können. Maria Arena von der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D) begrüßte den Kommissionsvorschlag und den Berichtsentwurf. Ein wesentlicher Aspekt sei der Schutz der Wasserressourcen. In Trinkwassergebieten dürften keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Der Leiter des Referats für Pflanzen und ökologische Erzeugung in der EU-Generaldirektion Gesundheit (DG Sante), Andrew Owen-Griffiths, zeigte sich mit Wieners Vorschlag zufrieden. Man habe zur Kenntnis genommen, dass die Zielsetzungen der Kommission beibehalten und in einigen Fällen sogar erweitert worden seien. age

Genaue Standortplanung ist essenziell

Langfristig sollten bei der Umsetzung der Energiewende die Erneuerbaren Wärmeenergien in den Fokus rücken – jedenfalls aus Sicht der Organisatoren des Seminars „Flächenkonkurrenz bei der Energiewende: Solarwärmenutzung braucht eine Planung des zukünftigen Flächenbedarfs“, das am Donnerstag voriger Woche im Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) in Flintbek angeboten wurde. Deutlich wurde in den Fachvorträgen eine breite Vielfalt an Lösungsansätzen für solarthermische Großanlagen. Allerdings gibt es aus planerischer Sicht Konfliktpotenziale, die eine genaue Standortplanung notwendig machen.

Die Organisatoren Jörg Wortmann aus Kiel, Unternehmer für Ingenieurberatungen zu Energie und Klimaschutz, und Bernhard Weyres-Borchert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie, stellten zum Seminarauftakt die Rahmenbedingungen sowie die Potenziale und Einsatzbereiche einer solarthermischen Wärmewende vor. Das Konzept der Solarthermie gibt es seit den 1970er Jahren. Es sei technisch ausgereift, robust und langlebig, erläuterte Weyres-Borchert vor rund einem Dutzend Zuhörern. Die Speicherung von Wärme ist vergleichsweise preiswert, die Wärmegestehungskosten beziffert der Diplom-Meteorologe auf weniger als 50 €/MWh. Neben der hohen Grundlastfähigkeit seien solarthermische Anlagen kombinierbar mit anderen Wärmeerzeugern – und zudem zu 100 % recyclingfähig.

Dr. Götz Warnke Foto: Sven Tietgen

Anlagenausbau hinkt Solarenergie hinterher

Der Ausbau solarthermischer Anlagen hinkt allerdings dem Photovoltaikboom deutlich hinterher. Während Solaranlagen mittlerweile 42 % der Stromproduktion in Deutschland ausmachen, dümpelt die Solarthermie bei einem Anteil um 16 %. „Da ist noch viel Luft nach oben. Beim Thema Erneuerbare Energien geht es sehr oft um Solarstrom, da ist eine Schieflage entstanden“, führte Weyres-Borchert weiter aus.

Bernhard Weyres-Borchert Foto: Sven Tietgen

Für einen verstärkten Einsatz der Solarthermie spreche auch die hohe Effizienz. Je nach Kollektortyp sind etwa beim Trinkwarmwasser Erträge bis zu 450 kWh/m² Kollektorfläche und Jahr möglich. Deutlich steigern lassen sich diese Werte durch Kombination mit Wärmepumpen, Eis- oder Erdspeichern sowie Niedertemperaturanwendungen, etwa in kalten Nahwärmenetzen. Wortmann sprach von einer „Riesenherausforderung“ beim Ausbau der Solarthermie – räumte aber auch freimütig die Vorteile der Photovoltaik ein. „Mit Sonnenstrom kann man alles machen, mit solarthermischer Energie kann man allerdings keinen PC antreiben“, so der Diplom-Ingenieur.

Spannende Konzepte präsentierten Vertreter zweier Fachfirmen. Die Ingenieurgesellschaft get­2energy aus Kiel konzipiert solarthermische Anlagen, stellt aber auch Heizpellets aus Grasschnitt und Grünabfall her. Die damit betriebenen Liegenschaften mit einem Heizbedarf ab 300 kW erhalten auch Fördermittel für die Nutzung Erneuerbarer Energien von verschiedenen Trägern. Großflächige Solarthermieanlagen weltweit baut die Firma Savosolar. Ihre Flachkollektoranlagen amortisierten sich energetisch bereits nach weniger als einem Jahr, die Lebensdauer gibt das Unternehmen mit mehr als 25 Jahren an. Eine Flächenkonkurrenz müsse es nicht geben: Nutzbar wären nach Angaben von Savosolar beispielsweise Industriebrachen, Klärbecken von Abwasseranlagen oder auch eine Überbauung kontaminierter Böden.

Jörg Wortmann Foto: Sven Tietgen

Dass auch ungewöhnliche Areale für solarthermische Großanlagen infrage kommen, machte der Journalist und Verleger Dr. Götz Warnke in seinem Vortrag deutlich. So gibt es Überlegungen, den sogenannten Rissener Canyon zu überbauen. Dabei handelt es sich um eine vierspurige Straße mit einer eingleisigen S-Bahn-Strecke, die schnurgerade durch Hamburg-Rissen verläuft. Zudem könnten Solarthermieanlagen vertikal etwa an Zäunen installiert werden. Warnke hob weiterhin die Doppelnutzungen wie Agroforst- oder Agrisolarsysteme hervor: „Agroforst-Nutzungen wurden bereits im Jahr 1929 erstmals diskutiert“, berichtete er. Zudem profitieren Nutzpflanzen teilweise mehrfach von aufgeständerten Solaranlagen. Heidelbeeren etwa lieben den Schatten, zudem schützen Solardächer die empfindlichen Obstkulturen vor Hagelschlag.

Eine einfachere Bauleitplanung für großflächige Solarthermie- oder Solarparks gibt es aktuell nur in bestimmten Gebieten. So gelten viele Flächen entlang von Autobahnen und Schienenwegen bis zu einer Tiefe von 200 m als privilegiert. Ansonsten sind für diese Vorhaben nach den Worten von Camilla Grätsch vom Planungsbüro GR Zwo Bebauungspläne erforderlich, auch Flächennutzungspläne müssten geändert werden – Solaranlagen gelten dort dann als Sondergebiete. „Unter einem Jahr Planungsdauer ist man nicht dabei, dann sollte auch der fertige Projektplan vorliegen“, erklärte die Planerin aus Flensburg.

Camilla Grätsch Foto: Sven Tietgen

Belange abwägen – Konflikten vorbeugen

Es kann außerdem zu Nutzungskonflikten kommen, mit Naturschutzarealen ebenso wie mit Ackerbauflächen. Viele Belange müssten geprüft und abgewogen werden, der Landesentwicklungsplan für Solaranlagen fordert unter anderem eine räumliche Nähe zu Verbrauchern, zudem sollen „längere bandartige Strukturen“ vermieden werden. Tabu sind Naturschutz- und Waldgebiete, Überschwemmungs- und Siedlungsflächen. Konfliktpotenzial haben naturschutzfachlich hochwertige Böden wie Wertgrünland oder alte Ackerbrachen sowie landwirtschaftlich genutzte Areale. Grätsch fasste zusammen: „Je höher die Ertragsfähigkeit der Böden ist, desto stärker werden diese Flächen gewichtet.“

Schweinehalter rüsten deutlich ab

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Die jetzt veröffentlichten Viehzählungsergebnisse für Dezember 2022 zeigen, dass der Schweinebestand in der EU um rund 6 % gegenüber dem Vorjahr abgebaut wurde. Das Statistik­büro der Europäischen Union spricht von der kleinsten Schweineherde in diesem Jahrhundert. Deutschland und Dänemark verlieren überdurchschnittlich stark. Weniger Sauen in der EU werden zu einem fortgesetzt knappen Lebend­angebot führen.

Die Schweinebestände in der EU sind Ende 2022 auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gesunken. Dies bestätigen die jetzt veröffentlichten Viehzählungsergebnisse des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat). Bei den teilweise noch vorläufigen Daten fehlen nur die Angaben für Malta; die Ergebnisse für Italien sind aufgrund einer neuen Erhebungsmethodik nicht mit den Vorjahren zu vergleichen. In den verbleibenden 25 Mitgliedstaaten wurden im Dezember 2022 noch 125,5 Millionen Schweine gehalten; das waren 7,68 Millionen oder 5,8 % weniger als zwölf Monate zuvor. Solch einen starken Rückgang hat es in diesem Jahrhundert noch nicht gegeben. In absoluten Zahlen haben die deutschen Schweinehalter ihre Bestände am deutlichsten abgestockt, und zwar um 2,43 Millionen Tiere oder 10,2 % auf 21,33 Millionen Stück. Jeweils gut ein Zehntel weniger Schweine wurden im Vorjahresvergleich auch in Dänemark, Tschechien und Litauen gehalten. Für Bulgarien wird sogar ein Bestandsminus von 26,4 % auf 511.560 Schweine gemeldet.

Spanien baute ab

Die wirtschaftlichen Einbußen der Schweinehalter durch die höheren Produktionskosten machten sich auch bei Europas Schweineprimus Spanien bemerkbar. Erstmals seit 2011 nahm der Bestand dort wieder ab, und zwar um 1,1 % auf 34,08 Millionen Tiere. Auch aufgrund von Tiergesundheitsproblemen im Sauenbestand wurden im vergangenen Jahr 2,5 % weniger Schweine in Spanien geschlachtet als 2021. Etwa im Bereich des EU-Durchschnittes wurden die Schweineherden gegenüber der Vorjahreserhebung in Belgien, Frankreich, Österreich, Rumänien und Polen um 4,8 % bis 6 % verkleinert. Nur moderat nahm der Bestand in den Niederlanden mit 1,5 % auf 10,71 Millionen Schweine ab. Für Italien wurde ein Zuwachs von 3,9 % auf 8,74 Millionen Tiere ausgewiesen, doch lag dies an der dort geänderten statistischen Erfassung. Schweden war das einzige Land mit einem tatsächlich größeren Schweinebestand als im Dezember 2021; dieser legte um 3,2 % auf 1,42 Millionen Tiere zu.

Weniger Sauen

Aufgrund des gesunkenen Lebendangebotes sind die Schlachtschweinepreise in der EU im Februar auf Rekordhöhen gestiegen. Die Viehzählungsergebnisse legen den Schluss nahe, dass Schlachttiere weiter knapp bleiben werden. Der Sauenbestand in den 25 Mitgliedstaaten ist nämlich im Vergleich zu Dezember 2021 um 642.800 beziehungsweise 6,2 % auf 9,69 Millionen Tiere gesunken. Teilweise wurden dabei regelrechte Einbrüche in der Haltung von Zuchtsauen an Eurostat gemeldet. In den kleineren Erzeugungsländern Bulgarien, Kroatien und Luxemburg verringerten sich die Herden jeweils um rund ein Fünftel. Bei den größeren Produzenten stockten die Halter in Polen, Dänemark und Deutschland ihre Bestände überdurchschnittlich ab, nämlich zwischen 9,4 % und 11,9 %. Vergleichsweise moderat fiel das Minus mit 2,4 % in den Niederlanden und mit 1,0 % in Spanien aus. Für Italien wurde mit der neuen Erfassungsmethodik ein kaum nachvollziehbarer Anstieg von 25,8 % auf 654.000 Sauen ausgewiesen. Dieser wurde im Gesamtergebnis der EU nicht berücksichtigt.

Geringere EU-Erzeugung

Aus vielen EU-Ländern wird aktuell ein Rückgang des Schlachtviehaufkommens von etwa 10 % oder sogar mehr im Vorjahresvergleich gemeldet. Aufgrund des deutlichen Rückgangs der Sauenbestände dürfte der Nachschub an Ferkeln für die Mast in den nächsten Monaten weiter geringer als im Vorjahr ausfallen. Im Dezember 2022 gab es laut Eurostat im Vorjahresvergleich 5,9 % weniger Ferkel bis 20 kg und 6,3 % weniger Läufer bis 50 kg in der EU. Analysten sehen die EU-Schweinefleischerzeugung im ersten Halbjahr 2023 gegenüber der Vorjahresperiode um mehr als 5 % abnehmen; in der zweiten Jahreshälfte könnte der Rückgang etwas gemäßigter ausfallen. age

Kirche kann Landwirtschaft unterstützen

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Als Landesbischöfin ist Kristina Kühnbaum-Schmidt die Vorsitzende der Kirchenleitung in der Nordkirche. Seit einem Jahr ist sie daneben die Sonderbeauftragte für Schöpfungsverantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Am Dienstag (7. März) kam sie einer Einladung von Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht nach und besuchte die Betriebe Burmester in Siebenbäumen und Grell in Duvensee, beide Kreis Herzogtum Lauenburg.

Trotz einer durchaus bäuerlichen Herkunft müsse sie sich die Landwirtschaft noch mehr erschließen, gab die Landesbischöfin aus Schwerin zu. Auf die bischöfliche Frage, was sich Schweinehalterin Inken Burmester sowie Milchviehhalter Knud Grell wünschten, antworteten beide: mehr Planungssicherheit und verlässliche Partner.

Dass damit auch die Kirche gemeint ist, machte Lucht deutlich. Die Landwirtschaft mache Gesellschaft und Politik Angebote – er nannte die Zukunftskommission Landwirtschaft und den Borchert-Plan –, diese müssten auch angenommen werden. Hier sieht Lucht Defizite in der Politik der Bundesregierung. Das politische Nichtumsetzen dieser Angebote führe dazu, dass die Betriebe nicht weiterkämen, und verursache die Unsicherheit unter Hofnachfolgern. Auch die Kirche könne diese Anliegen in die Gesellschaft tragen und ein Wohlwollen gegenüber der Landwirtschaft unterstützen.

Kühnbaum-Schmidt zeigte sich beindruckt von den Betrieben. Sie betonte, der Kirche sei sehr daran gelegen, die Landwirtschaft zu stärken. Dazu sei der Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung wichtig. „Man muss von der Arbeit leben können“, machte sie deutlich.

Kirche könne ein wichtiger Gesprächspartner vor Ort sein, weil diese selbst im ländlichen Raum beheimatet sei. Eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit sieht die Landesbischöfin in der Zukunftsgestaltung des ländlichen Raumes. Transparenz und Kommunikation seien wichtig, um die Gesellschaft mitzunehmen in der Entwicklung der modernen Landwirtschaft.

Mit Knud Grell (Mitte) im Melkstand: Bischöfin Kühnbaum-Schmidt (r.) zeigte sich beeindruckt von der modernen Landwirtschaft.

Weideprämie auch für Milchvieh

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Über die mögliche Einführung einer Weidetierprämie diskutierte am Mittwoch (8. März) der Umwelt- und Agrarausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags. SSW, SPD und FDP wollen eine solche Prämie in der neuen EU-Förderperiode auch für die Haltung von Milchkühen, Mastrindern und Jungtieren verankern. Die Weidetierhaltung stärke die Biodiversität und den Artenschutz und leiste zudem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Für diese Gemeinwohlleistungen erhalte die Landwirtschaft bisher keine finanzielle Honorierung. Insbesondere die kleineren und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe, die kleinflächiges und strukturreiches Grünland bewirtschafteten, würden damit gestärkt.

Auch CDU und Grüne halten eine Weideprämie für sinnvoll. Angestrebt werden sollte die Realisierung – auch für Milchvieh – bei der Evaluierung und Überarbeitung der Eco-Schemes 2024. Alternativ sollte die Möglichkeit der Finanzierung aus den Mitteln der Zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik geprüft werden. Die Einführung sollte zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens aber zur nächsten GAP-Förderperiode erfolgen. Zwischenzeitlich sollten bürokratische Hürden abgebaut werden. Es sei beispielsweise eine Vereinfachung der Meldepflichten zu prüfen. Weidewirtschaft bedeute einen nicht unerheblichen monetären und arbeitswirtschaftlichen Mehraufwand für die Betriebe. Diese Art der Bewirtschaftung sei zudem in einem erhöhten Maße landschaftsbildprägend und daher besonders zu fördern.

Einem entsprechenden Antrag von CDU und Grünen stimmte der Umwelt- und Agrarausschuss zu. Die Abgeordnete Rixa Kleinschmitt, die den Antrag für die CDU-Fraktion gezeichnet hatte, erklärte im Anschluss: „Jetzt schauen wir, wo und wie wir die Weideprämie am ehesten und schnellsten realisiert bekommen. Am besten wäre eine bundeseinheitliche Lösung.“

Worauf besonders achten?

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Der Anbau von Sommergetreide hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, erfordert aber aufgrund schwieriger Frühjahrswitterungen Fingerspitzengefühl. Der Grundstein für ein Gelingen liegt bereits in der richtigen Strategie bei Boden­bearbeitung und Aussaat, aber auch das richtige Vorgehen bei der Düngung besitzt einen großen Stellenwert und muss je nach Art und​ Qualitätsziel entsprechend justiert werden.

Hinsichtlich ihrer Ansprüche an Boden und Düngung unterscheiden sich die verschiedenen Kulturen. Die höchsten Ansprüche, auch an die Saatzeit, stellt der Sommerweizen. Sommergerste ist hierbei deutlich flexibler und kann sowohl auf leichten als auch auf schwereren Standorten angebaut werden. Hafer belohnt bessere Bodengüten ab 40 Bodenpunkten und stellt hohe Anforderungen an eine gleichmäßige und ausreichende Wasserversorgung, kann aber durch sein starkes Wurzelsystem gut mit leichteren Böden umgehen. Dies ermöglicht neben der Erschließung von Wasserreserven auch eine sehr gute Nährstoffaneignung.

Düngebedarfsermittlung ist Pflicht

Die schriftliche Düngebedarfsermittlung (DBE) für Stickstoff und Phosphat nach Vorgabe der Düngeverordnung (DÜV) muss vor Beginn der ersten Düngemaßnahme vorliegen. Wichtig hierbei ist die korrekte Annahme des betrieblichen Durchschnittsertrages für die jeweilige Kultur, der sich unter schleswig-holsteinischen Bedingungen deutlich vom für Deutschland erhobenen Mittelwert unterscheiden kann.

Weil bei den kleinen Kulturen der Sommergetreide oftmals keine betriebseigenen Daten vorliegen, kann hier auf Daten aus den Landessortenversuchen in den jeweiligen Naturräumen zurückgegriffen werden. Für Flächen innerhalb der N-Kulisse ist für die DBE das Ertragsniveau der Jahre 2015 bis 2019 heranzuziehen. Informationen hierzu sind abzurufen unter: www.lksh.de/landwirtschaft/duengung

Für die Kulturen Sommerweizen, Sommergerste und Hafer sind absteigend nach ihrer Reihenfolge unterschiedliche N-Bedarfswerte bei den jeweiligen Ertragsniveaus definiert (siehe Tabelle). Unter Berücksichtigung der aktuellen Nmin-Werte beziehungsweise der Richtwerte des aktuellen Nitratmessdienstes, der Korrektur auf das betriebliche Ertragsniveau, der Anrechnung organischer Düngung aus dem Vorjahr, des Humusgehaltes und der Vorfrucht ergibt sich der aktuelle Düngebedarf der Kultur. Im Falle, dass es sich um eine Fläche innerhalb der N-Kulisse (Rotes Gebiet) handelt, ist hiervon ein verpflichtender Abschlag in Höhe von 20 % anzusetzen.

Zwischenfrüchte korrekt berücksichtigen

Da Winterzwischenfrüchte mittlerweile häufig vor Sommergetreide angebaut werden, muss hier laut DÜV (siehe Düngeverordung, Anlage 4, Tabelle 7) klar unterschieden werden. Für nichtleguminose Zwischenfrüchte, über Winter abgefroren, muss kein Abschlag angesetzt werden. Ist eine nichtleguminose Zwischenfrucht über Winter nicht abgefroren, muss ein Abschlag von 20 kg N/ha angesetzt werden. Wurde die Zwischenfrucht bereits im Herbst eingearbeitet, entfällt ein Abschlag.

Als Nichtleguminose definiert sich aktuell laut Landesrecht eine Mischung, deren Saat einen Anteil von weniger als 50 Gewichtsprozent Leguminosen aufweist. Sind mehr als 50 Gewichtsprozent der Zwischenfruchtmischung Leguminosen, muss auch eine abgefrorene Zwischenfrucht einen Abschlag von 10 kg N/ha erhalten. Bei einer nicht abgefrorenen leguminosen Zwischenfrucht, die im Frühjahr eingearbeitet wird, sind 40 kg N/ha als Abschlag anzusetzen.

Wurde eine leguminose Zwischenfrucht vor Winter eingearbeitet, entfällt auch hier ein Abschlag. Jedoch ist gerade dieses Vorgehen aus Sicht des N-Verlustrisikos und des Gewässerschutzes fraglich. Zielführend ist hingegen, Winterzwischenfruchtmischungen sicher zum Abfrieren zu bringen, da dies in der Regel auch zu einer früheren und flacheren Bodenbearbeitung im Frühjahr führen kann. Hier hat es sich bewährt, Zwischenfruchtbestände vor oder während Frostphasen mit einer Cambridgewalze oder Messerwalze zu bearbeiten, da die mechanisch verletzten Pflanzen dann sicherer ab­frieren.

Ist Gabenaufteilung notwendig?

Da Sommergetreide wesentlich schneller die ­Entwicklungsphasen durchläuft als Wintergetreide, wird grundsätzlich die Steuerung über die N-Düngung schwieriger. Außerdem ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass die N-Verfügbarkeit nach der Düngung oftmals kritisch ist, wenn die Oberböden austrocknen und gleichzeitig die jungen Pflanzen noch kein so starkes Wurzelsystem ausgebildet haben. Daher empfiehlt es sich grundsätzlich, einen ausreichend hohen Teil der N-Dünger über eine frühe Gabe zur Saat (mindestens 50 bis 70 %, optimalerweise vor Saatbettbereitung, bei feuchten Bedingungen nach Saat) zu applizieren.

Wird mit stabilisierten N-Formen gearbeitet (Nitrifikationsinhibitoren), kann bereits die gesamte N-Menge früh appliziert werden. Dieses Vorgehen eignet sich für Sommergerste und Hafer. Lediglich bei Sommerweizen hat eine Gabenaufteilung Sinn, da hier üblicherweise größere N-Mengen gedüngt werden und das Produktionsziel Proteinkonzentration besteht. Dennoch ist es auch hier zielführend, früh rund zwei Drittel der Gesamt-N-Menge bereitzustellen (entspricht einem Zusammenlegen der ersten und zweiten Gabe) und zu EC 37/39 eine abschließende Qualitätsgabe durchzuführen.

Wird mit organischer Düngung (Gülle, Mist und Gärreste) gearbeitet, sollte dies nach Möglichkeit vor der Saat mit anschließender Einarbeitung geschehen. Allgemein können Sommerungen den Stickstoff aus organischen Düngegaben besser nutzen, da sie eine bessere Überschneidung mit der Hauptmineralisation als Wintergetreide aufweisen. Für eine gute N-Verwertung und Aufnahme des Stickstoffs ist es grundsätzlich nötig, zu Beginn 15 bis 25 kg S/ha zu düngen.

Eine weitere Besonderheit ist die Düngung zu Sommerbrau­gerste. Hier sollte keine Organik eingesetzt werden. Zudem ist für die meisten Standorte eine N-Menge von 80 bis 100 kg N/ha ausreichend, damit die geforderten Proteinkonzentrationen von 9,5 bis 11,5 % eingehalten werden. Daher bietet sich der Braugerstenanbau in Roten Gebieten an.

Grundnährstoffbedarf und Besonderheiten

Der Bedarf an Grundnährstoffen richtet sich in erster Linie nach der Kultur und deren Ertragsniveau, was wiederum den Entzug bestimmt. Bei standortangepassten pH-Werten des Bodens und mittlerer Nährstoffversorgung in Gehaltsklasse C für die jeweiligen Nährstoffe (Boden der Bodenartgruppe 2, Sl) werden für ein mittleres Ertragsniveau bei Sommergerste und Hafer (60 dt/ha) etwa 40 kg P2O5 , 110 kg K2O und 30 kg MgO zur Deckung des Bedarfs benötigt. Bei Sommerweizen mit einem Ertragsniveau von 70 dt/ha benötigt der Bestand rund 50 kg P2O5, 130 kg K2O und 35 kg Mg zur Deckung des Bedarfs. Dabei können die Nachlieferungen aus Vor- und Zwischenfrüchten abgezogen werden. Im Falle einer organischen Düngung können die Grundnährstoffe voll angerechnet werden und decken je nach Düngehöhe oft schon einen wesentlichen Teil des Bedarfes.

Zur Düngung mit Mikronährstoffen sollte grundsätzlich, aber insbesondere auf Standorten mit häufigem Auftreten von Mangelsymptomen (organische und puffige Böden) in der Phase des Bestockens bis Schossens über eine Blattspritzung die Versorgung mit Mangan, Kupfer und Zink abgesichert werden. Besonders Hafer zeigt hier oft Manganmangel. Zudem verträgt Hafer eine Kalkung zur Saat nicht gut, während Sommergersten bei niedrigen pH-Werten des Bodens positiv auf eine Kalkgabe reagieren.

Fazit

Sommergetreide unterscheidet sich zwar nur geringfügig von den jeweiligen Winterformen, muss aber im Vergleich in kurzer Zeit viel Entwicklung und Wachstum aufholen. Daher steht eine sichere Nährstoffbereitstellung für die Pflanzen unbedingt im Fokus.

„Jetzt nur keinen Stress!“

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Zum Thema Stressbewältigung hatte die KreisLandFrauen Schleswig-Flensburg, Kreisteil Schleswig, zum Wochenendseminar eingeladen. Die Kreisvorsitzende Sylke Messer-Radtke begrüßte 22 LandFrauen und Gäste (nur Frauen) in den Räumen der Akademie am Sankelmarker See.

„Jetzt nur keinen Stress – den Lasten des Alltags begegnen“ – Studienleiter Klaus-Uwe Nommensen hatte fünf Referentinnen aus den Bereichen Psychologie, Resilienz, Ernährung, Entspannen durch Atmen und Yoga eingeladen. Was ist Stress, und wie wirkt er sich auf den Menschen aus? Was sollte ich essen? Was bedeutet die richtige Atmung für mich? Wie kann ich mit Bewegung Entspannung erreichen? Diese Aspekte wurde beleuchtet und zum Teil mit praktischen Übungen, zum Beispiel beim Atmen und Yoga, unterlegt.

„Eigentlich hat man das alles schon mal gehört“, sagte Meike Andersen, LandFrau und Landwirtin aus Dörpstedt. Ein solches Seminar helfe, sich dieses Wissen bewusst zu machen und in sich hineinzuhorchen, auf sich selbst zu achten. Bewusst atmen – es sei ihr nicht klar gewesen, wie gut das tue. „Die Übungen kann ich gut im Alltag einbauen, beim Kochen oder bei der Arbeit draußen, eigentlich ganz einfach“, findet Meike Andersen, und weiter: „Man sollte viel öfter solche Seminare besuchen. Sie sind kein Allheilmittel, aber sie helfen bei Stress, wenn man sich die Grundlagen immer wieder vor Augen führt und es so schafft, nicht in alte Muster zurückzufallen.“

„Wir sind Meister darin, uns selbst immer hintanzustellen“, hatte Referentin Carola Hellwig den LandFrauen vor Augen geführt. Und: „Lachen ist eine Kraftquelle!“ Wir seien immer viel zu streng mit uns selbst. Alles müsse immer perfekt sein, dabei gehöre es zum Leben, auch mal zu scheitern, um dann im nächsten Anlauf erfolgreich zu sein, sagte Hellwig.

Bei den Frauen kam dieses Seminar gut an. Beim abendlichen gemütlichen Beisammensein und in den Pausen wurde das Gehörte und Erlebte besprochen und vertieft. Sich gegenseitig zuhören und achten, sich selbst wahrnehmen und sein soziales Netzwerk nutzen – das alles ist wichtig im Alltag! 

Aus der Kuh kommt kein Kakao

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Gerade in der heutigen Zeit findet es die Landjugend wichtig zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. Nicht jedes Kind hat das Glück, auf einem Hof aufzuwachsen oder einen Hof in der Nähe zu haben. Ein neues Projekt der Landjugend Elsdorf und Umgebung will deshalb Kindern die Landwirtschaft näherbringen.

Im Kindergarten auf dem Hof der Familie Smith-Sievers in Elsdorf-Westermühlen sind einige der Erzieherinnen selbst Mitglied der Landjugend. Als wir ihnen von der Idee erzählten, waren sie spontan dafür. Die Landjugend stellte Kontakt zu dem Hof der Familie Smith-Sievers her und übernahm nach Absprache mit der Familie die Planung und den Ablauf. Im Vorwege wurde das Thema durch die Erzieherinnen mit den Kindern anhand von Bilderbüchern thematisiert. Sie fragten sich zum Beispiel, wo aus der Kuh der Kakao komme.

Am betreffenden Tag liefen die 20 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren mit ihren vier Erzieherinnen 2 km zu dem Hof der Familie Smith-Sievers, was etwa 45 min dauerte. Bei der Ankunft frühstückten die Kinder auf den Strohballen und spielten dort, was für sie ein Highlight war.

Als der „Juniorchef“ Wayne (der Landwirtssohn) dann die Frage stellte: „Wollen wir Kühe gucken?“, strömten die Kinder sofort in die Ställe. Sie „muhten“ die Kühe an, darauf folgte natürlich eine neugierige Antwort von diesen – und die Kinder bekamen viel Respekt vor den großen Tieren.

Der Hofrundgang begann bei den vor drei Jahren angeschafften Melkrobotern. Dort konnten die Kinder das Saubermachen der Zitzen mit automatischen Bürsten und das Ansetzen der Melkmaschine an die Zitzen einer „Kakaokuh“ (einer Schwarzbunten) beobachten. Die Kinder fragten viel: „Was ist dies? Und wofür ist das?“ Wayne erklärte, wofür die Bürste gut ist, und erzählte, wie das früher im Melkstand gemacht wurde. Die Kinder wollten auch wissen, wozu das Display am Roboter diene und was dieses anzeige. Wayne erklärte, dass man darauf sehen könne, welche Kuh sich grade im Melkroboter befinde und wie viel Milch zu erwarten sei. Beim Abnehmen der Zitzenbecher konnten die Kinder beobachten, wie sich die Farbe des Displays änderte.

Die nächste Frage war: „Wo kommt die Milch hin?“ Der Landwirtssohn zeigte den Verlauf der Milch durch die durchsichtigen Schläuche bis in den Glassammelbehälter, und die Kinder konnten erkennen, dass dort nicht etwa der fertige Kakao landet, sondern die weiße Milch. Von den Melkrobotern ging es dann zum Milchtank. Alle hatten die Möglichkeit, dort hineinzugucken.

Die Kinder trauten sich, die Kühe zu streicheln – allerdings mit Respekt.  Foto: Anneke Früchtenicht

Die Kinder trauten sich und streichelten im Anschluss die Kühe und Kälber. Sie waren fasziniert von den großen Tieren und deren langen Zungen. „Diese Kuh hat Flecken, die nennen wir Flecky“, sagte eines. Die Kinder waren voller Freude bei den Tieren, ihre Augen strahlten, und sie lernten, Respekt vor den Tieren zu haben.

Nach dem Hofrundgang sammelten sich alle wieder bei den Strohballen, sie spielten dort und hatten Spaß. Zum Abschluss gab es Kakao und Pizzabrötchen. Schließlich liefen sie gemeinsam zurück zum Kindergarten. Eine der Erzieherinnen berichtete später, dass die Kinder völlig k.o. gewesen seien, aber glücklich über einen schönen Tag.

Es folgten zwei weitere Termine mit dem Kindergarten und der Krippe in Elsdorf-Westermühlen.Wir Landjugendlichen ziehen daraus viel Positives und befinden uns bereits in Kontakt mit dem nächsten Kindergarten.