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Klimawandel macht Waldumbau notwendig

Mitgliederversammlung des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes
Von Jens Fickendey-Engels, Waldbesitzerverband
Im Herbst tagen traditionell die schleswig-holsteinischen Waldbesitzer. Fotos: Isa-Maria Kuhn

Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes in der Kammerhalle in Rendsburg standen vor dem Hintergrund des Klimawandels und damit zunehmender Extremwet­tereignisse Fragen der zukünftigen Baumartenwahl und der waldbaulichen Strategien.

MdL Heiner Rickers (CDU), der Vorsitzende des Umwelt- und Agrarausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtages, betonte in seinem Grußwort die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes als wesentliche Säule der Nachhaltigkeit.

Die forstpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Sandra Redmann, erklärte, in der laufenden Legislaturperiode würden die Weichen dafür gestellt, welche Mittel zukünftig im Wald zur Verfügung stehen. Sie kündigte an, zum Jahresende ihren Platz im Verwaltungsrat der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten zu verlassen; sie bleibe aber forstpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, MdL Lasse Petersdotter, betonte die besondere Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz. 60 % des Waldes in Schleswig-Holstein, nämlich sowohl der Anteil an Fichte als auch der Buchenanteil, seien stark gefährdet.

Der forstpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Oliver Kumbartzky, übte Kritik an der neuen Regierungskoalition. Diese setze zu stark auf „Naturwald“ und zu wenig auf die aktive Holznutzung. Gerade diese verhindere nicht nur Importe aus Regionen, in denen nicht nachhaltig gewirtschaftet werde. Auch liege die wesentliche Klimaschutzleistung des Waldes in der Substitution klimaschädlicher, weil CO2-intensiver Bau- und Rohstoffe durch heimisches Holz.

Als neugewählter Präsident des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes betonte Klaus-Peter Lucht die besondere Lage Schleswig-Holsteins als Gunststandort sowohl für die Land- als auch für die Forstwirtschaft. Die Vorgabe einer Nullnutzung laufe dem aber ebenso zuwider wie widersinnige europarechtliche Vorgaben. Wer Nutzungseinschränkungen fordere, so Lucht, müsse die Frage beantworten, wo die benötigten Ressourcen an anderer Stelle ebenso nachhaltig erzeugt werden könnten.

Vorstand und Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes (v. li.): Dietrich Ebeling (2. Vorsitzender), Klaus Rühmann, Hans-Caspar Graf zu Rantzau (Vorsitzender), Christian Magnus Petersen, Conrad Hinrich von Donner, Hans-Joachim Harder und Jens Fickendey-Engels (Geschäftsführer)

„Wohlleben-Ideen sind wenig hilfreich“

Das neu gebildete Landwirtschafts- und Forstministerium (MLLEV) sehe sich auch als Ministerium der Urproduktion, erklärte dessen neue Staatssekretärin Anne Benett-Sturies. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müsse man sich von romantisierenden Bildern lösen. Ein „Bullerbü-Bild“ der Landwirtschaft sei ebenso wenig hilfreich wie die „Wohlleben-Ideen“ für die Forstwirtschaft. Es sei die Verantwortung der Waldpolitik, dies zu kommunizieren.

Die Staatssekretärin formulierte das Ziel, die Wälder in Schleswig-Holstein für die Zukunft widerstandsfähig und klimaresilient aufzustellen. Mit einem Privatwaldanteil von über 51 % sei die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) dafür das wesentliche Instrument der Förderung. Weiter solle auch das Instrument der Waldpflegeverträge in Schleswig-Holstein etabliert werden.

Konstruktiver Dialog statt Ideologie

Hans-Caspar Graf zu Rantzau, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes

Der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes, Hans-Caspar Graf zu Rantzau, äußerte die Sorge vor einem zunehmenden Demokratieproblem in Deutschland. Die Freiheit jedes Einzelnen sei ein wertvolles Gut und nicht selbstverständlich. Es brauche Mut, sich für die Freiheit einzusetzen. Freiheit lebe auch von konstruktiver Kritik und Kontroverse. Ideologische Vorbehalte stünden aber vielfach einem konstruktiven Dialog entgegen. Weil zunehmend Ideologie und Wunschvorstellungen die öffentliche Meinung und Diskussion bestimmten, habe der Waldbesitzerverband mit der Publikation „Waldblatt“ ein Gegenwicht gesetzt. In diesem Jahr sind bereits drei Ausgaben erschienen.

Graf Rantzau sprach ausdrücklich die Entscheidung des Europaparlaments zur Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) III zur Definition von forstlicher Biomasse, ihrer Förderfähigkeit und der Anrechenbarkeit als Erneuerbare Energiequelle an. Ideologie wolle verhindern, dass Holz den Wald verlässt. Stattdessen werde sogenannten Naturwaldmodellen das Wort geredet, obwohl wissenschaftlich nachgewiesen sei, dass nachhaltig bewirtschaftete Wälder in der Biodiversität überlegen seien. Großflächige Nutzungseinschränkungen im Wald widersprächen auch dem Generationenvertrag. Der Wald könne mit seinen vielfältigen Leistungen dauerhaft nur bestehen, wenn er wirtschaftlich auf soliden Füßen stehe.

Brennholz zur Verfügung stellen

Dabei betonte Graf Rantzau auch die besonderen Klimaleistungen des Waldes, die vor allem auf dem Substitutionseffekt der Holzverwendung beruhten. Die Verwendung heimischen Holzes als Baustoff diene auch der Sicherung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und müsse daher in jeder Hinsicht intensiviert und gefördert werden. Zum Thema Brennholz äußerte der Vorsitzende deutliche Kritik an Forstbetrieben wie dem Stadtwald Lübeck, die ihrer Verpflichtung zur Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger mit dem Rohstoff Holz als Brennholz nicht nachkämen. Die Brennholzversorgung sei auch eine soziale Leistung des Waldes. In diesem Sinne appellierte Graf Rantzau an alle Waldbesitzer, gerade in diesen Zeiten das in schleswig-holsteinischen Wäldern ökologisch und nachhaltig erzeuge Holz auch als Brennholz zur Verfügung zu stellen.

Die aktuell größte Herausforderung, so Graf Rantzau, zeige sich in den enormen Waldschäden der vergangenen Jahre mit bundesweiten Waldverlusten von inzwischen rund 500.000 ha. Gerade die für Schleswig-Holstein bestimmende Buche sei in zunehmender Gefahr. Bei der Suche nach geeigneten weiteren Baumarten für die zukünftige Stabilisierung unserer Wälder dürfe es keine ideologischen Vorbehalte geben. Die willkürliche Einengung des Begriffs der standortheimischen Baumarten auf die nacheiszeitlich in Schleswig-Holstein vorkommenden Spezies sei angesichts der Natur- und Klimageschichte des Landes wissenschaftlich nicht haltbar und überholt.

Waldumbau und Baumartenwahl

Dr. Thomas Böckmann, Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt

Im Mittelpunkt der folgenden Fachvorträge standen Fragen des weiteren Waldumbaus und der Baumartenwahl. Der Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen, Dr. Thomas Böckmann, verwies auf die durch die Dürreextreme der vergangenen Jahre entstandenen Freiflächen. Bei dem zu erwartenden Anstieg der Durchschnittstemperaturen für Schleswig-Holstein von mindestens 2 bis möglicherweise bis zu 4 oder 6 K bis zum Jahr 2100 bestehe die größte Herausforderung in der veränderten Niederschlagsverteilung und der Verfügbarkeit von Wasser während der Vegetationsperiode.

Der Klimawandel, so Böckmann, werde zu veränderten Produktionsgrundlagen, Produktionsrisiken und Ertragsaussichten führen und die Anpassungsfähigkeit der Baumarten vielerorts überfordern. Angesichts der Langfristigkeit der forstlichen Produktion und der Unsicherheiten der Klimaprojektionen verbiete sich allerdings jegliche Form von Aktionismus und Panikmache. Allerdings werde ein „Weiter-wie-bisher“ vielerorts nicht funktionieren. Den Schlüssel sieht die Versuchsanstalt in einer aktiven Anpassung des standortgemäßen Waldumbaus an den Klimawandel durch die Stabilisierung der vorhandenen Waldbestände, die Senkung und Verteilung der Risiken sowie den weiteren standortgerechten Waldumbau.

Holz als Rohstoff, so Böckmann, werde durch CO2-Wende, Energiekrise, Holz als Baustoff et cetera weiterhin an Bedeutung gewinnen und müsse auch zukünftig in ausreichender Menge national bereitgestellt werden. Dabei stehen mit Douglasie, Küstentanne und Roteiche schon jetzt Baumarten zur Verfügung, die die Fichte zukünftig ersetzen können, weil sie auf gleichen Standorten trockenheitsunempfindlicher sind und trotzdem gutes Wachstum versprechen. Vertiefende Forschungen im Bereich der Herkünfte und der Genetik bei alternativen Baumarten, die für den Klimawandel geeignet sein könnten, seien dabei dringend erforderlich.

Bei der Walderneuerung auf Freiflächen müsse „Qualität vor Quantität“ gelten. Dafür, so Böckmann, stünden außer Buche und Tanne viele heimische, eingeführte und auch bewährte alternative Baumarten zur Verfügung. Der Wald substituiert auch rund 15 % der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Wichtiger als die Anpassung des Waldes an den Klimawandel sei daher eine weiterhin konsequente Reduktion der Treibhausgasemissionen. Dies sei aber eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft und nicht nur für die Waldbesitzer. Dabei spricht sich die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt auch für einen Ausgleich von Ökosystemleistungen aus. Diese seien keine Almosen oder Spenden zur Krisenbewältigung, sondern eine längst überfällige Honorierung von Leistungen der Waldbesitzenden.

Bedeutung der Forstbaumschulen

Armin Vogt, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Forstbaumschulen

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Forstbaumschulen, Armin Vogt, verwies auf die besondere Bedeutung der Forstbaumschulen. Diese seien der Garant für die Versorgung aller Forstbetriebe mit qualitativ hochwertigem Pflanzmaterial. Ohne dieses seien der notwendige Waldumbau und der Wiederaufbau nicht zu schaffen. Dabei, so Vogt, hätten die Forstbaumschulen ausreichende Produktionskapazität, um den Waldumbau und die Wiederbewaldung zu unterstützen. Probleme ergäben sich aber aus der Unberechenbarkeit der Planung für die Zukunft. Weiter forderte Vogt eine ausreichende Verfügbarkeit von sicherem forstlichen Saatgut für die Zukunft. Dies gelte sowohl für die heimischen Baumarten wie auch für die bewährten Gastbaumarten. Es bestehe, so Vogt abschließend, eine verstärkte Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass das gewünschte und passende sowie gleichfalls ökologische, wirtschaftliche und legale Vermehrungsgut in den Wald gelange.

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