Neben ordentlicher Flächenvorbereitung und guten Saatbettbedingungen zur Aussaat bilden Sortenwahl, Saattermin und standortangepasste Pflanzenzahl pro Quadratmeter die Basis für eine erfolgreiche Silomaisernte. In diesem Jahr sind zusätzlich die Anforderungen GAP 2023 mit dreijährigem Kulturenwechsel auf den Ackerflächen zu beachten, siehe Text unten.
Für die Vorbereitungen der Ackerflächen zur Maisaussaat ist es ratsam, die Böden gut abtrocknen zu lassen. Boden- und Strukturschäden können somit bei Gülle- und Gärrestausbringung mit anschließender Bodenbearbeitung vermieden werden.
Dem Bodenabtrag durch Winderosion oder der Verschlämmung durch Starkniederschläge zur und nach der Aussaat kann entgegengewirkt werden, wenn das Saatbett nicht zu fein hergerichtet wird. Liegen gute Durchlüftung, Wasserführung, Erwärmung und keine Verdichtungen im Boden vor, sind optimale Voraussetzungen zur Aussaat, Keimung und zum Auflaufen des Maises geschaffen.
Aussaatstärke nicht gleich Bestandesdichte
Auch wenn zur Maisaussaat optimale Saatbett- und Witterungsbedingungen vorliegen, ist nicht mit 100%igem Feldaufgang zu rechnen. In Abhängigkeit von der Keimfähigkeit ist ein Aufschlag zur Aussaatstärke notwendig. Nicht immer ist die Keimfähigkeit des Saatguts auf den Etiketten am Saatgutsack aufgeführt, die Mindestanforderung für zertifiziertes Maissaatgut liegt bei 90 % Keimfähigkeit. Also sollte ein Saatgutzuschlag von mindestens 5 % immer gegeben werden. Werden schwierige Bedingungen für den Feldaufgang erwartet oder liegt die Keimfähigkeit des Saatgutes bei unter 95 %, sind Zuschläge von 10 bis 15 % anzusetzen. Jedoch können Mängel in der Triebkraft oder mangelhafte Saatbettbereitung mit den genannten Saatgutzuschlägen nicht bereinigt werden.
Standort und Sortentyp entscheidend
Für die Entscheidung über die standortangepasste Pflanzenzahl/m2 sind langjährige Erfahrungen zu Erwärmung des Bodens am Standort im Frühjahr und Niederschlagsmenge während der Vegetation von Vorteil. Letztlich ist eine optimale Bestandesdichte immer nur ein Kompromiss zwischen dem Ertragsrisiko in Trockenjahren und dem Erlangen von optimalen Erträgen und Qualitäten bei guter Wasserversorgung. Je dichter die Pflanzen stehen, desto weniger Wasser steht der einzelnen Pflanze zur Verfügung und desto eher ist mit Trockenstresssymptomen zu rechnen. Während des Streckungswachstums führt Trockenstress zu einem gestauchten Längenwachstum. Fehlt das Wasser zur Maisblüte, sind Ertragseinbußen nicht ausgeschlossen. Hält der Trockenstress nach der Blüte an, werden befruchtete Kornanlagen und im weiteren Verlauf das Einzelkorngewicht reduziert.
Langjährige Versuche zur Bestandesdichte mit sieben, neun, elf und 13 Pflanzen/m² (70.000 bis 130.000 Pflanzen/ha) zeigen, dass mit zunehmender Bestandesdichte die Maispflanzen ins Längenwachstum gehen können, die Stängel oftmals dünner sind und der Kolbenansatz höher ist. Das Risiko der Lagerneigung wächst mit höheren Bestandesdichten, da die Stabilität der Bestände nachlässt. Tabelle 1 zeigt, dass die gemittelten Ertragszuwächse nicht mit den höheren Pflanzenzahlen ansteigen. Auch Einbußen in der Qualität sind auszumachen.
Bei der Maisaussaat sollte die anzustrebende Pflanzenzahl auch auf den Sortentyp abgestimmt werden. Je massenwüchsiger die anzubauende Maissorte und je schlechter die Wasserversorgung der Böden, desto niedriger ist die anzustrebende Pflanzenzahl bei der Maisaussaat zu wählen. Als massenwüchsige Sorten sind überwiegend mittelfrühe Silomaissorten mit Siloreifezahlen S 230 bis S 250 einzustufen. Auf besseren Böden mit guter Wasserversorgung werden mit Blick auf Trockenzeiten nicht mehr als zehn Pflanzen/m² empfohlen. Bei schlechter Wasserversorgung mit langjährig häufiger beobachteten Trockenschäden im Mais liegt die Empfehlung bei sieben bis maximal acht Pflanzen/m². Auf den letztgenannten Standorten ist das Risiko einer unzureichenden Ernte bei sehr dichten Beständen besonders hoch.
Den Saattermin optimal wählen
Auf dem Versuchsstandort Schuby (SL) werden seit 2014 Versuche zum „optimalen“ Aussaattermin des Silomaises von der Landwirtschaftskammer durchgeführt. Die Aussaat wird ein bis zwei Wochen um den optimalen Termin (letzte April-, erste Maitage) vorgezogen beziehungsweise nach hinten verschoben. Auf die jeweiligen Bestellbedingungen der Jahre wurde im April/Mai in Abhängigkeit von Boden- und Witterungsbedingungen flexibel reagiert. Um den Einfluss des Aussaattermins aufzuzeigen, erfolgte die Ernte jeweils am selben Tag.
Bei einer späteren Aussaat im Mai ist die Zeit zwischen Aussaat und Feldaufgang in der Regel verringert, dem Mais können durch das spätere Auflaufen dabei wichtige Tage für die Entwicklung verloren gehen. Mais ist eine Kurztagspflanze. Das heißt, das Pflanzenwachstum wird über die Tageslänge gesteuert. Generatives Wachstum beginnt, wenn eine bestimmte Tageslänge unterschritten, beziehungsweise eine bestimmte Nachtlänge überschritten wird. Zu diesem Zeitpunkt beginnt die Blüte mit anschließender Kolbenfüllung. Um die Bedingungen des Kurztages zu erfüllen, ist es wichtig, Mais nicht zu spät zu säen.
Je nach vorherrschender Witterung nach der Aussaat variiert der Zeitraum zum Auflaufen von zwei bis vier Wochen zwischen den Saatterminen. Im vergangenen Jahr lief der Mais innerhalb von neun bis 16 Tagen je nach Aussaattermin auf, 2021 hingegen wurden 15 bis 30 Tage bis zum Feldaufgang benötigt.
Bei guten Witterungsbedingungen während der Vegetation schrumpft der Blühtermin zwischen frühem und spätem Aussaattermin meistens auf maximal zehn Tage zusammen. 2022 hingegen lagen 18 Blühtage zwischen erstem und letztem Aussaattermin, trockene und heiße Witterung hat die Blüte des letzten Aussaattermins deutlich verzögert. Die Blüte des optimalen Termins lag im Jahr 2021 lediglich vier Tage hinter dem frühen Saattermin.
Zu frühe wie auch zu späte Saaten haben in den Versuchsjahren 2014 bis 2017 und 2019 bis 2022 im Mittel zu Ertragsverlusten geführt (siehe Tabelle 2). Die Stärkegehalte können in Einzeljahren sehr unterschiedlich auf den Aussaattermin reagieren, erreichen jedoch im Mittel der Jahre beim frühen Aussaattermin und bei hohen Abreifeergebnissen wie erwartet auch hohe Werte. Gerade in Jahren mit langen Feldaufgangszeiten ist eine gute Jugendentwicklung des Maises wichtig für die entsprechende Ertragsleistung. Bei einer noch späteren Aussaat als in diesem Versuch angestrebt sind dünnere Stängel mit oftmals höherem Kolbenansatz und niedrigen Kolbenanteilen keine Seltenheit.
Saattiefe an Boden und Wetter anpassen
Bodengegebenheiten und Wetterbedingungen geben die Saattiefe vor. Je feuchter und wärmer der Boden, desto flacher kann der Mais gelegt werden. Als mittlere Aussaattiefe werden 5 cm angenommen. Erwärmt sich der Boden schwer, kann 1 cm flacher gedrillt werden, ist der Boden sehr leicht, kann das Saatkorn 1 cm tiefer abgelegt werden. Liegt zum Auflaufen des Maises dauerhaft eine günstige und warme Witterung bei guten und warmen Bodenbedingungen vor, kann das Saatkorn ebenfalls flacher abgelegt werden. Wichtig ist, dass die Ablage in den feuchten Bodenhorizont erfolgt. Ergebnisse aus Schuby (SL) zur Saattiefe von 4 bis 6 cm aus den vergangenen zwei Jahren zeigen lediglich, dass sich der Feldaufgang pro Zentimeter tieferer Ablage um einen Tag verzögert.
Erntetermin auf Saattermin abstimmen
Sehr hohe Silomaisqualitäten können erzielt werden, wenn der Erntezeitpunkt an den Saattermin angepasst wird, wie Tabelle 3 zeigt. Dreijährige Ergebnisse zeigen, dass ein spät gewählter Erntetermin wie erwartet zu Steigerungen in der Abreife und im Stärkegehalt führt. Ein Einfluss auf Ertrag, Energiegehalt, Rohfasergehalt und enzymlösliche organische Substanz (EloS) ist mit einem späteren, noch angepassten Erntetermin nicht zu erkennen. Zur Silierung von Mais ist ein Trockensubstanzgehalt von 32 bis 35 % anzustreben. Ein angepasster Erntetermin hat den Vorteil, dass Maissilagen mit ausgereifter Stärke und hohen Energiegehalten produziert, dabei höchste Erträge erreicht und die Bildung von Sickersaft vermieden werden. Es können eine optimale Verdichtung der Maissilage erzielt und Silierverluste verringert werden.
Silomais als Haupt- oder Zweitfrucht anbauen?
Auf Standorten mit ausreichendem Wasserangebot kann Silomais als Zweitfrucht angebaut werden. Dreijährige Versuchsergebnisse vom Versuchsstandort Schuby (SL) zu Mais als Hauptfrucht und nach Ackergras als Zweitfrucht zeigen Unterschiede bei rein ertraglicher Betrachtung (siehe Tabelle 4). Zwischen den Aussaatterminen lagen etwa vier Wochen, wobei keine Vornutzung des Ackerlandes bei Silomais als Hauptfrucht gegeben war.
Als Zweitfrucht wurde Silomais nach der Ackergrasernte gesät. Es zeigte sich, dass mit der Zweitfrucht Silomais im Mittel der letzten drei Versuchsjahre die Silomaisreife fast erreicht wurde. Auch wurden noch stabile Erträge eingefahren. In den Versuchen wurde eine frühe Maissorte mit Siloreife von zirka 200 und Körnerreife von zirka 180 gewählt.
Die Sortenwahl ist neben den sich einstellenden Witterungsbedingungen entscheidend für den Zweitfruchtanbau, um maximal zu profitieren. Das gilt auch für das Ackergras. Hier fiel die Wahl auf die Grasmischung A1, Welsches Weidelgras mit überjähriger Nutzung. Allerdings sollte eine ökonomische Bewertung vor dem Zweitfruchtanbau von Mais nicht außer Acht gelassen werden.
Leistungen von Maisgemengen/Maismischkulturen
GAP 2023 mit Blick auf 2024
Futterbaubetriebe mit einem hohen Flächenanteil an Mais haben bei der Umsetzung der GAP 2023 die Möglichkeit, Maisgemenge (Maismischkulturen) als Hauptkultur anzubauen, um die Anforderungen des Fruchtwechsels zu erfüllen. Es ist zu beachten, dass der dreijährige Kulturenwechsel auf den Ackerflächen mit dem Antrag für Agrarförderung 2024 seine Gültigkeit bekommt und die Anbaujahre 2022 und 2023 als Basis gelten.
Hat man bereits jetzt das Anbaujahr 2024 im Blick, ist wichtig zu wissen, dass
• alle drei Jahre auf einer Fläche eine andere Kultur angebaut werden muss,
• als Hauptkulturen sowohl Mais als auch Maisgemenge (Maismischkulturen) zählen; Silo- und Körnermais hingegen gelten nur als eine Kultur,
• auf 33 % der Flächen im Folgejahr Mais nach Mais angebaut werden darf,
• auf 33 % der Flächen die Möglichkeit des Fruchtwechsels (Mais nach Mais) besteht, wenn vom 14. Oktober des Vorjahres bis zum 15. Februar des Antragjahres Untersaaten als Begrünung oder Zwischenfrüchte angebaut werden,
• auf insgesamt 66 % der Flächen Mais nach Mais angebaut werden darf, wenn auf 33 % eine Begrünung stattfindet (Untersaat oder Zwischenfrucht bis 14. Oktober ausgesät wird).
Als Maisgemenge zählen zum Beispiel Mais/Stangenbohnen oder Mais/Sorghum und auch Mais/Sonnenblumen. Beim Anbau ist darauf zu achten, dass beim Feldaufgang mindestens 25 % des Mischungspartners im Feld stehen.
Zweijährige Ergebnisse zu Silomais im Vergleich zu Maisgemenge (70/30) auf dem Versuchsstandort Schuby (SL) der Landwirtschaftskammer zeigen, dass die Erträge der Maismischkulturen nicht mit reinem Silomais mithalten können (Tabelle 5), auch wenn die Pflanzenzahl/m² beim Maisgemenge erhöht wird. Im aufgezeigten Versuch wurden neun Pflanzen Silomais/m² als Standard gewählt. Silomais wie auch Maisgemenge wurden sowohl nur im Vorauflauf als auch im Vor- und Nachauflauf mit Herbiziden behandelt.
Dr. Elke Grimme, Landwirtschaftskammer SH




