Die aktuelle Situation der Böden und Bestände stellt komplexe Ansprüche an die Frühjahrsdüngung. Es ist abzusehen, dass zum Ende der Sperrfrist die Böden noch nicht ausreichend tragfähig sind, um Mineral- und insbesondere Wirtschaftsdünger auszubringen. Wie der Düngebedarf korrekt zu ermitteln ist und wie mit einer späten Düngegabe umgegangen werden muss, darüber gibt der folgende Artikel Aufschluss.
Am gesetzlichen Rahmen zur Bestimmung des Düngebedarfs im Raps hat sich nichts geändert. Die Düngebedarfsermittlung (DBE) wird ausführlich in der Broschüre „Richtwerte für die Düngung 2022“ der Landwirtschaftskammer im Kapitel 6 ab Seite 104 erläutert. Die „Richtwerte für die Düngung 2023“ werden erst nach Redaktionsschluss dieses Artikels als Ausgabe für 2024 erscheinen.
Zur betriebsindividuell angepassten Stickstoffversorgung von Raps kann zudem die Frischmassemethode zum Vegetationsende herangezogen werden. Mit dieser Methodik werden anhand des Aufwuchses mögliche Zu- und Abschläge zum Düngebedarf ermittelt. In sehr gut entwickelten Beständen kann die Frischmassemethode auch aufzeigen, dass das N-Optimum unterhalb des Düngebedarfes nach der DBE liegt. Dazu werden zwei Beispiele in Tabelle 1 gegeben. Ein Excel-Tool zur Ermittlung der Zu- und Abschläge nach Frischmasse ist auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer unter https://t1p.de/0ekfw bereitgestellt.
Bei der Ausbringung von N-Dünger ist zu beachten, dass Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff einer Sperrfrist unterliegen. Diese endet im Regelfall am 31. Januar.
Ermittlung der Düngemenge
Oftmals besteht Unsicherheit darüber, wie der Durchschnittsertrag zur Berechnung der Düngemenge zu ermitteln ist und wie Missernten dabei zu beachten sind.
Grundsätzlich kann im Betrieb der Ertrag schlagspezifisch oder kulturspezifisch ermittelt werden. Eine Gruppenbildung der Schläge nach zum Beispiel leichten und schweren Standorten oder wenn der Betrieb sich auf zwei Naturräume aufteilt, ist möglich. Sie muss aber schlüssig sein und gut dokumentiert werden. Sollte eine Kultur das erste Mal angebaut werden, sind regionale Ergebnisse, zum Beispiel aus den Landessortenversuchen oder der Ernteerhebung, heranzuziehen. Die Ertragsermittlung muss nachvollziehbar und schlüssig sein.
Für die Ermittlung der Düngemenge ist laut Düngeverordnung (DÜV) der Durchschnittsertrag der vergangenen fünf Jahre zugrunde zu legen. Weicht der tatsächliche Ertrag in einem der fünf Jahre um mehr als 20 % vom Vorjahreswert nach unten ab, kann statt des abweichenden Ertrags der Vorjahreswert des Fünfjahreszeitraums verwendet werden. Dies ist aber nur einmal im Fünfjahreszeitraum zulässig. Hierzu gibt es drei Beispiele in Tabelle 2.
Beispiel 1 zeigt die echten Durchschnittswerte der Ernteerhebung 2018 bis 2023. Für die Frühjahrsdüngung 2024 wird also der Mittelwert aus den Jahren 2019 bis 2023 (hellgrün hinterlegt) gebildet. Weicht jetzt ein Jahr – wie im Beispiel 2 – 2023 um mehr als 20 % nach unten vom Vorjahr ab, kann dieser Wert – wie im Beispiel 3 – ersetzt werden. Für die DBE 2024 ist das der Wert von 2018. Das ist jedoch nicht von Vorteil und auch kein Muss. Andersherum darf für die DBE 2028 ein Wert im Betrachtungszeitraum von 2023 bis 2027 mit dem Wert von 2022 ersetzt werden, falls in den kommenden Jahren eine unterdurchschnittliche Ernte eingefahren wird.
Schwefelversorgung ist wichtig
Das Rapskorn enthält außer zirka 43 % Öl rund 17 % Eiweiß, welches einen hohen Anteil der essenziellen schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein enthält. Daher ist für die Umsetzung von Stickstoff in diese Eiweißverbindungen eine adäquate Schwefelmenge in der Düngung notwendig. Raps benötigt jeweils 1 kg Schwefel, um 5 kg Stickstoff umzusetzen. Der Schwefelbedarf liegt bei einem Ertrag von 40 dt/ ha bei 40 kg S, wobei der im Boden mineralisierte Schwefel in der Frühjahrsdüngung berücksichtigt wird. Für die Frühjahrsdüngung im Raps stehen seitens des Handels schwefelhaltige N-Dünger wie Sulfan, ASS oder SSA zur Verfügung. Die versauernde Wirkung der Schwefeldünger muss bei der Kalkung, die in der Fruchtfolge am besten zu Raps erfolgt, berücksichtigt werden.
Die mineralischen Grundnährstoffe
Zumeist wird ein Teil der Kaliumgabe ins Frühjahr verschoben. Der Kaliumentzug bei einem Ertrag von 40 dt/ha beträgt 251 kg K2O/ha. Die Höhe der Düngegabe richtet sich nach der Gehaltsklasse im Boden und ist in der Übersicht 25 der „Richtwerte für die Düngung“ aufgeführt. Ebenso ist es in der Praxis üblich, die Magnesiumdüngung für die Fruchtfolge zusammen mit kohlensaurem Kalk und Mg zu bringen. Außerdem sind kombinierte K2O/MgO-Dünger erhältlich. Alle notwendigen Werte für die Höhe der Grunddüngung können den Tabellen im Kapitel 5 der „Richtwerte für die Düngung“ entnommen werden.
Verteilung Stickstoff- und Schwefeldüngung
Mit dem Vegetationsbeginn steigt der N-Bedarf des Rapses schlagartig. Die Aufnahme ist mit dem Blühbeginn ab Mitte April bereits zu mehr als 90 % vorüber. So nimmt der Raps zwischen Mitte März und Ende April täglich 6 kg/ha Stickstoff auf. Dementsprechend sollte die Düngung bis zum Schossbeginn Anfang April abgeschlossen sein, um von den Rapspflanzen bedarfsgerecht aufgenommen zu werden. Raps nimmt insgesamt bis zum Blühende 250 bis 280 kg Stickstoff auf.
Die frühe erste Düngergabe
Die erste Gabe sollte daher schnellstmöglich nach dem Ende der Sperrfrist erfolgen, der Zeitpunkt richtet sich jedoch immer nach der Befahrbarkeit des Bodens. Waren Januar und Februar warm und sind die Bestände kräftig entwickelt, sollten bereits 60 bis 70 % der Gesamtmenge in der ersten Gabe appliziert werden. Hier sollte auch die Schwefelgabe erfolgen. Praxisüblich sind bis zu 2 dt/ha SSA, womit bereits 48 kg S und 42 kg N gefallen sind. Die zweite Hälfte der N1 kann dann bedarfsgerecht mit 1 bis 2 dt/ha stabilisiertem Harnstoff erfolgen.
Alternativ können 40 kg S in Form von 3 dt/ha ASS gegeben werden. Somit braucht die erste Gabe nicht geteilt zu werden, und in der N1 fallen etwa 80 kg Stickstoff an. Diese Maßnahme wird für normal entwickelte Bestände empfohlen. Weitere Alternativen und Empfehlungen, wie die Gaben je nach Bestandesentwicklung und Vegetationsbeginn verteilt werden, können Tabelle 3 entnommen werden.
Die zweite Düngergabe vor Schossbeginn
Die zweite Düngegabe „macht den Deckel zu“, und ihre Höhe wird am verbleibenden Düngebedarf ausgerichtet. Die Wahl des Düngers richtet sich auch bei der zweiten Gabe nach dem Wetter und sollte zirka eine Woche vor Schossbeginn erfolgen. Gut erkennbar ist dieser Zeitpunkt am in der Regel einige Tage zeitigeren Austrieb des Ausfallrapses, welcher leuchtturmartig später mit den frühesten Blüten im Bestand heraussticht. Ist das Frühjahr trocken oder wird mit Trockenheit gerechnet, ist Harnstoff die falsche Wahl. Der Stickstoff im Harnstoff ist zwar günstiger als der im Kalkammonsalpeter, wird aber unter trockenen Bedingungen langsamer freigesetzt und weniger schnell im Boden in die Wurzelzone verlagert. Hier ist Kalkammonsalpeter oft die bessere Wahl.
Alternativ können beide Gaben mit einem Rapsdünger wie Sulfan, der ein N-S-Verhältnis von 5 zu 1 aufweist, gegeben werden. Dies ist auch die optimale Wahl, wenn das Frühjahr erst zu nass und im schnellen Wechsel sehr trocken ist und daher die gesamte N-Menge in einer Gabe ab Mitte März gegeben werden muss. Hat der Raps bereits reduziert, sollte die Gesamt-N-Menge angepasst werden.
In Tabelle 4 sind Rechenbeispiele für die gängigsten Stickstoff- und Schwefeldünger nach dem Verteilungsschema aus Tabelle 3 gezeigt. Diese sind beispielhaft für einen N-Bedarf von 165 kg N im Frühjahr und geben in etwa die Empfehlung für die Düngung der Raps-Wertprüfungen wieder. Raps stellt mit der Blüte auch seine N- Aufnahme ein. Ein Großteil davon kommt aus dem Bodenvorrat und verbleibt nach der Ernte im Stroh und den Wurzelresten gebunden auf dem Feld. Dennoch sollte die N-Menge maßvoll reduziert werden, wenn der Raps im Frühjahr, zum Beispiel durch Spätfröste oder dürre Ertragsanlagen, reduziert oder die Düngung erst kurz vor Ende der N-Aufnahme erfolgen kann.
Bedeutung von Wirtschaftsdünger
Der berechnete N-Düngebedarf kann sowohl über Mineraldünger als auch über organische Düngemittel gedeckt werden. Die Obergrenze für den Einsatz von organischen Düngemitteln wie Gülle liegt dabei bei 170 kg N/ha. Allerdings wird die Höhe der N-Gabe durch die P-Versorgung bestimmt. Eine Standard-Schweinegülle weist gemäß den Richtwerten folgende Nährstoffgehalte pro Kubikmeter auf: 3,6 kg Gesamt-N; 2,9 kg NH4-N; 1,6 kg P2O5; 2,3 kg K2O; 0,7 kg MgO und 1,5 kg CaO. Der in der Gülle enthaltene Phosphor ist zu 100 % anzurechnen. Somit werden über eine Güllegabe von 20 m³ bereits 32 kg P2O5 und 46 kg K2O geliefert.
Grundsätzlich ist nach Düngeverordnung auch der Bedarf an P nachzuweisen. Dieser orientiert sich an der P-Bodenversorgung sowie den zu erwartenden Erträgen und Qualitäten. Es ist darauf zu achten, dass ab einer P-Bodenversorgung von mehr als 25 mg P2O5 (DL-Methode) die Güllemenge auf die P-Menge begrenzt werden muss, die durch die Ernteprodukte abgefahren wird. Im Rahmen einer Fruchtfolgedüngung mit P kann die voraussichtliche Phosphatabfuhr für einen Zeitraum von höchstens drei Jahren zugrunde gelegt werden. Die P-Abfuhr läge im gewählten Beispiel von 40 dt/ha Rapsertrag bei 70 kg P2O5. Im Jahr der Aufbringung ist jedoch nur der anrechenbare Stickstoffanteil der Gülledüngung entsprechend Übersicht 71 der „Richtwerte für die Düngung“ in der Bedarfsermittlung anzusetzen. Dadurch kann bei gut und langjährig organisch versorgten Böden die nötige Stickstoffmenge für Raps nicht durch organische Düngung erreicht werden, sodass oftmals mineralisch nachgedüngt werden muss.
Mikronährstoffe nicht vergessen
Nicht zu vergessen ist bei der Düngung der hohe Bedarf an Mangan, Bor und Molybdän. Die Entzüge für Raps belaufen sich pro Hektar auf 298 g Bor, 58 g Cu, 1.250 g Mn, 410 g Zn und 13 g Mo. Mikronährstoffe werden als Blattdünger mit dem Einsetzen des Schossens und dem Sichtbarwerden der ersten Knospen zum BBCH-Stadium 39/51 gegeben. Eine Ergänzung um Stickstoff in der Blattdüngung hat sich in früheren Versuchen als nicht wirksam erwiesen. Die Hinweise der Hersteller sind bei der Mikronährstoffdüngung unbedingt zu beachten. Dies gilt im Besonderen für die Mischbarkeit der Produkte mit Pflanzenschutzmitteln.
Besonderheiten für das Frühjahr 2024
Zum Redaktionsschluss dieses Artikels spitzte sich die Hochwasserlage durch Dauerregen und Schneefall im Bundesgebiet weiter zu. Auch in Schleswig-Holstein sind alle Gräben, Bäche und Flüsse bis zur Oberkante gefüllt, und in allen Senken und Löchern steht Wasser. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Flächen wird voraussichtlich zum Ende der Sperrfrist und auch noch einige Zeit danach nicht befahrbar sein. Entsprechend wird die erste Gabe nicht zum optimalen Zeitpunkt stattfinden können. Gerade für Raps kommt eine späte Düngegabe mit Gülle zu spät, da die Nährstoffe auch noch Zeit brauchen, um mineralisiert zu werden. Raps stellt mit dem Ende der Blüte seine N-Aufnahme ein. Das ist bereits Anfang Mai der Fall.




