Der Landjugendverband (LJV) Schleswig-Holstein begleitet die Bildungsoffensive Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BiLEV) bereits seit ihrer Entstehung. Vertreter des Landesvorstandes und des Agrarausschusses brachten sich gemeinsam mit weiteren Akteuren aus Landwirtschaft, Bildung und Politik in die Entwicklung des Projektes ein. Die Bildungsoffensive verfolgt Ziele, die eng mit den Anliegen des LJV verbunden sind: junge Menschen für Landwirtschaft, Ernährung und den ländlichen Raum zu sensibilisieren und zu begeistern.
Beim BiLEV-Mitmachtag Anfang Juni auf dem Milchviehbetrieb von Annika und Christoph Jacobsen in Osterrönfeld machte sich Bundesjugendreferent Thore Groth erneut ein Bild davon, wie die Bildungsangebote in der Praxis funktionieren. Rund 60 Lehrkräfte aus ganz Schleswig-Holstein waren der Einladung gefolgt.
Nach der Begrüßung durch Ina Abel vom Landwirtschaftsministerium durchliefen die Teilnehmenden sechs Praxisstationen entlang der Wertschöpfungsketten „Vom Korn zum Brot“ und „Von der Milch zum Käse“. Die Angebote wurden von verschiedenen Betrieben und Partnern aus dem BiLEV-Netzwerk gestaltet und zeigten, wie sich Themen aus Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz fächerübergreifend in den Unterricht integrieren lassen.
Für Dr. Vera Plähn von der Europa-Universität Flensburg ist ein solcher Tag weit mehr als ein Hofbesuch. „Das ist kein Ausflug, das ist Unterricht“, machte sie deutlich. Die Angebote seien eng an die Lehrpläne angebunden und würden bewusst vor- und nachbereitet. Gleichzeitig sollen die teilnehmenden Lehrkräfte ihre Erfahrungen in die Schulen tragen und dort als Multiplikatoren wirken.
Gastgeber Christoph Jacobsen stellte für die Veranstaltung seinen Milchviehbetrieb mit rund 180 Kühen zur Verfügung und führte die Teilnehmenden in der Mittagspause über den Hof. Aus seiner Sicht leisten solche Besuche einen wichtigen Beitrag dazu, Landwirtschaft transparent zu machen und das Verständnis für die tägliche Arbeit auf den Betrieben zu stärken. Gerade Kinder und Jugendliche aus städtischen Regionen hätten häufig nur bruchstückhafte Vorstellungen von Landwirtschaft. Umso wichtiger seien direkte Einblicke in die Praxis.
Weitere Betriebe im Land gesucht
Für den LJV Schleswig-Holstein passt die BiLEV hervorragend zu den eigenen Zielen: Landwirtschaft sichtbar machen, Verständnis fördern und junge Menschen für den ländlichen Raum begeistern. Gleichzeitig möchte der Verband insbesondere junge Landwirtinnen und Landwirte für eine Beteiligung an der Bildungsoffensive gewinnen. Als junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter können sie Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe vermitteln, wie moderne Landwirtschaft heute funktioniert und welche Perspektiven der ländliche Raum bietet.
Der aktuelle BiLEV-Katalog umfasst inzwischen 204 Bildungsangebote von 133 Betrieben in ganz Schleswig-Holstein. Entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette können sich weitere Höfe und agrarische Unternehmen als außerschulische Lernorte einbringen. Für jede durchgeführte Veranstaltung erhalten die beteiligten Betriebe eine Aufwandsentschädigung von 400 €. Die Angebote werden gemeinsam mit der Europa-Universität Flensburg entwickelt und begleitet. Zudem werden interessierte Betriebe durch Qualifizierungsangebote auf ihre Rolle als außerschulischer Lernort vorbereitet. Niemand muss also als fertige „Lehrkraft“ starten; gefragt sind vor allem die Erfahrungen und Einblicke aus der Praxis.
Realistische Einblickein die Landwirtschaft
Die Angebote sind eng an die Lehrpläne angebunden und zeigen, dass Landwirtschaft weit mehr Anknüpfungspunkte bietet als nur für den Biologieunterricht. Auch Mathematik, Wirtschaft, Politik, Geografie oder Ernährungsbildung lassen sich unmittelbar mit den Themen verbinden. Noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung sei jedoch die Möglichkeit, jungen Menschen einen realistischen Einblick in die moderne Landwirtschaft zu geben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Über den Agrarausschuss und die zahlreichen Kontakte in die landwirtschaftliche Praxis möchte der LJV auch künftig als Multiplikator wirken und interessierte Betriebe mit den Verantwortlichen der BiLEV vernetzen. Denn wer Verständnis für Landwirtschaft schaffen möchte, muss Landwirtschaft erlebbar machen – am besten direkt dort, wo Lebensmittel entstehen.




