Wasser ist für die meisten Menschen hierzulande einfach da. Es kommt aus dem Wasserhahn. Wie viel Arbeit, Technik und Vorausschau dafür nötig ist, ist weitgehend unsichtbar. Nicht mehr jedoch für die Teilnehmer am Praxistag „Vom Grundwasser zum Trinkwasser“, zu dem die Allianz für den Gewässerschutz in das Wasserwerk für Süderdithmarschen in Odderade eingeladen hatte. Rund 30 Teilnehmer waren gekommen, davon zehn Landwirte und Landwirtinnen.
An dem großen Schaltbild an der Wand lassen sich der Verlauf des Wassers und seine Behandlung gut demonstrieren. Es leuchten Lämpchen und zeigen die gegenwärtigen Prozesse an. Wenn etwas nicht stimmt, würde Alarm geschlagen. „Was Sie auf dem Schaltbild sehen, ist alles real, es funktioniert noch“, sagt Wassermeister Thomas Meyer. Allerdings ist heute parallel eine moderne digitale Schaltzentrale im selben Raum in Betrieb.
Zwölf Brunnen hat das Wasserwerk in seinem gut 3.200 ha großen Wasserschutzgebiet, davon acht auf dem eigenen Gelände, das auf 23 m über NN liegt, die anderen noch etwas höher. Die Brunnen reichen etwa 100 bis 130 m tief und fördern je 80 bis 100 m3 pro Stunde.
Die Sammelleitung des geförderten Grundwassers führen zunächst in einen Verdüsungsturm, der mit Sauerstoff aus der Luft beschickt wird, das lässt Eisen und Mangan oxydieren. In einem Reaktionsbecken verweilt das Wasser, um diesen Prozess ausagieren zu lassen. Schließlich fließt es durch Becken, die mit einer 2 m hohen Schicht aus speziellem Kies als Filter ausgestattet sind. Hier wird das Eisen- und Manganoxyd ausgefiltert. Der Eisenschlamm wird in die regionalen Kläranlagen verbracht, „den brauchen sie für ihre Prozesse“, erklärt Wassermeister Dennis Zinser. „Wir haben super Rohwasser und kein Nitratproblem, Chloreinsatz war nie nötig.“ BAC-Proben werden regelmäßig im gesamten Versorgungsgebiet entnommen.
Schließlich verteilen vier Pumpen in der großen Halle das Wasser an die örtlichen Versorgungstürme – 600 m3 pro Stunde. Sind sie gefüllt, sperrt ein Schieber weitere Zufuhr. So wird etwa der 3.000 m3 fassende Hochbehälter in St. Michaelisdonn über Nacht aufgefüllt, „das reicht in der Regel bis abends, doch in einem heißen Sommer geht der Schieber gleich wieder auf, weil alles Wasser abgenommen wird“, erklärt Wassermeister Thomas Meyer. Wie viel ausgeklügelte Steuerung für all das nötig ist, kann der Laie nur erahnen – die Wassermeister müssen in Schicht rund um die Uhr präsent sein.
Zum Versorgungsgebiet des Wasserverbandes Süderdithmarschen gehören 60 Gemeinden, „jede, ob groß oder klein, hat genau eine Stimme im Verband“, betont Henning Stahl, Geschäftsführer des Wasserverbandes Süderdithmarschen. Für 28 Gemeinden wird zusätzlich die Abwasserbeseitigung geleistet. Im Wasserschutzgebiet sind etwa zwei Drittel landwirtschaftliche Nutzfläche, den Betrieben dort bietet das Ingenieurbüro Ingus Beratung an, etwa zum Pflanzenschutz, das 27 Betriebe wahrnehmen. Auch die übrigen werden durch Flyer regelmäßig aktuell informiert.
Der Klimawandel, wie kann es anders sein, ist auch bei den Wasserversorgern angekommen. Im sehr trockenen Jahr erreichte der Wasserverbrauch in Süderdithmarschen rund 7 Mio. m3 – vorher waren es im Schnitt 6 Mio. m3. Der personenbezogene Verbrauch sank auf einen Niedrigstand in den Jahren 2010 bis 2013, seitdem steigt er wieder. „Wir brauchen zusätzliche Speicher für Trinkwasser, aber auch Vorfluter für die Landwirtschaft, um die Trinkwasservorräte nicht zu belasten“, blickt Geschäftsführer Stahl nach vorne. Er denkt an die Gründung einer Brauchwassergesellschaft.
Der größte Bedarf besteht jedoch bei der Industrie. Für die Kühlung, namentlich zur Herstellung von Batterien oder Wasserstoffzellen, werden immense Mengen benötigt. Entsprechende Anfragen wurden bereits an den Wasserverband gestellt. „Die wollen so viel, wie für ganz Süderdithmarschen rausgeben“, sagt Henning Stahl und betont: „Trinkwasser bekommen sie dafür nicht!“
Die Entnahme von Grundwasser könne man nämlich nicht beliebig steigern, so der Geschäftsführer. „Der Heider Trog, in dem wir uns befinden, ist wie eine Badewanne. Der speist vier Wasserwerke. Bei zu viel Entnahme drängt das Meerwasser rein, und wenn du einmal Salz drin hast, kriegst du es nie wieder raus.“ Und einfach tiefer bohren? Tiefer als 200 m gibt es kein Wasser hier. Stahl: „Vom Kampf ums Wasser sind wir nicht weit weg, und das in unserer Gegend!“




