Das vergangene Jahr hat es wieder gezeigt: Konnte der Große Rapsstängelrüssler nicht rechtzeitig bekämpft werden, hatte das Auswirkungen auf die Rapsbestände. Verdrehte Pflanzen und Larven in den Stängeln waren die Folge. Besonders der frühe Zuflug birgt Gefahren. Um diesen richtig einzuschätzen, reicht nicht nur „Bauchgefühl“, sondern es wird als Hilfsmittel die Gelbschale auf dem Acker benötigt.
Auch wenn es die Gelbschale mittlerweile schon als elektronische Variante gibt, eines bleibt: die Eigenverantwortung für das Aufstellen, die regelmäßige Kontrolle und das Wechseln des Wassers.
Der Große Rapsstängelrüssler erwacht bereits bei Bodentemperaturen von zirka 5 °C auf den vorjährigen Rapsflächen. Das ist in jedem Jahr zu einem anderen Zeitpunkt der Fall. Im Frühjahr 2023 trat es am Wochenende des 18. und 19. März ein. Leider blieb nur ein kurzes Zeitfenster für eine notwendige Behandlung, da am 20. März Regen einsetzte. Wer zu diesem Zeitpunkt seine Gelbschalen nicht auf dem Acker hatte, verpasste dieses wichtige Ereignis.
Da der Große Rapsstängelrüssler auf den vorjährigen Rapsflächen überwintert und folglich auch dort erwacht, ist es ratsam, auf Befallsflächen des vorigen Jahres ebenfalls eine Schale aufzustellen. Gehört die Vorjahresbefallsfläche einem Berufskollegen, sollte die Schale im eigenen Raps, wo der Zuflug dann überwacht wird, zu dieser Seite hin ausgerichtet werden. Somit wird der Weg kurz gehalten.
Über die Frage, wie viele Gelbschalen im Raps stehen sollen, wird häufig diskutiert. Mehrere Schalen bieten sich besonders auf großen Flächen an. Diese spiegeln dann eher die tatsächlichen Gegebenheiten wider. Begrenzen Knicks oder Waldränder einen aktuellen Rapsschlag, sollten auch dort Schalen stehen, denn dort überwintern Gefleckter Kohltriebrüssler und Rapsglanzkäfer. Sind die Gelbschalen gut platziert, ist die Fängigkeit deutlich höher. Regelmäße Kontrollen mit Wasserwechsel verstehen sich von selbst.
Der Große Rapsstängelrüssler
Der Große Rapsstängelrüssler sucht nach dem Erwachen sofort die nächstgelegenen Rapsschläge zur Eiablage auf. Die Weibchen sind sofort geschlechtsreif und beginnen nach der Paarung, ihre Eier abzulegen. Somit verbleibt nicht viel Zeit für eine Behandlung, denn mit dem Vollzug der Eiablage beginnt auch schon die Schädigung des Rapses.
Das Weibchen scheidet bei der Herstellung der Einischen Wuchsstoffe aus, die für die typischen Verdrehungen der Stängel verantwortlich sind. Diese sind sehr auffällig und nicht zu verkennen. Die Bekämpfung muss demzufolge innerhalb von drei Tagen mit dem Zuflug (Bekämpfungsschwellen!) und vor der Eiablage erfolgen. Resistenztechnisch ist die Welt beim Großen Rapsstängelrüssler noch in Ordnung. Der Resistenzfaktor ist über die Jahre hinweg stabil geblieben.
Der Gefleckte Kohltriebrüssler
Der Gefleckte Kohltriebrüssler benötigt normalerweise etwas höhere Temperaturen. Ihn erkennt man an dem weißen Fleck auf dem Rücken und den roten Füßchen. Nach dem Erwachen im Winterquartier und dem Einflug in die Rapsbestände vollzieht er erst einen ausgiebigen Reifungsfraß, bevor er mit der Eiablage startet. Somit stehen für eine eventuelle Bekämpfung je nach Witterung zirka fünf bis 14 Tage zur Verfügung. Nach erfolgter Eiablage wachsen die Rapsstängel gerade weiter, sodass die Larven äußerlich oft unentdeckt bleiben. In Resistenztests des Julius-Kühn-Instituts (JKI) konnte eine beginnende Resistenz gegen Pyrethroide festgestellt werden.
Bekämpfung und Bekämpfungsschwellen
Um die Insektizidmaßnahme richtig zu terminieren, ist es von großer Bedeutung, die Schädlinge zu unterscheiden. Es gilt, vor allem den Großen Rapsstängelrüssler sicher zu erkennen. Seine höhere Schadwirkung wird auch in der niedrigeren Bekämpfungsschwelle im Vergleich zum Gefleckten Kohltriebrüssler von nur fünf Käfern pro Gelbschale innerhalb von drei Tagen sichtbar. Der Große Rapsstängelrüssler ist komplett schwarz gefärbt, wobei er durch seine dichte Behaarung eher grau wirkt. Dagegen hat der Gefleckte Kohltriebrüssler, wie der Name es schon verrät, einen weißen Fleck auf dem Rücken sowie rotbraune, feingliedrige Füße. Der Populationsanstieg der vergangenen Jahre könnte bei günstigem Frühjahrswetter auch in diesem Jahr zu einem stärkeren Zuflug führen.
Stängel- und Triebrüssler ohne Rapsglanzkäfer können mit Pyrethroiden der Klasse II, zum Beispiel Karate Zeon oder anderen, in Schach gehalten werden. Treten allerdings neben den Stängelschädlingen gleichzeitig in bekämpfungswürdiger Zahl Rapsglanzkäfer auf, sollte Trebon 30 EC (B2) (Pyrethroid Klasse I) zum Einsatz kommen. Mavrik Vita/Evure (B4) hat gegen die Stängelschädlinge keine Zulassung. Das Produkt Carnadine 200 mit dem Wirkstoff Acetamiprid hat eine Zulassung gegen Stängelschädlinge von 0,25 l/ha erhalten. Allerdings hat das Produkt die Auflage NG405, das bedeutet: kein Einsatz auf drainierten Flächen. Eigene Versuchsergebnisse liegen nicht vor.
Fazit
Um den Zuflug besonders des Großen Rapsstängelrüsslers rechtzeitig festzustellen, führt kein Weg an der Gelbschale vorbei. Bei keinem anderen Rapsschädling hängen Zuflug und Bekämpfung zeitlich so nahe zusammen. Hier gilt es, die Prioritäten richtig zu setzen.
Eine Behandlung sollte nur nach Überschreitung von Bekämpfungsschwellen erfolgen. Die Resistenzsituation der Pyrethroide ist inzwischen bei einigen Rapsschädlingen sehr angespannt. Hier gilt es, im System zu denken. Ein Pyrethroideinsatz, beispielsweise gegen den Rapsglanzkäfer, betrifft auch späte Kohltriebrüssler und zusätzlich frühe Kohlschotenrüssler. Zudem befinden sich fast ganzjährig Rapserdflöhe im System. Diese Tiere sind dann alle als Nebeneffekt von der eigentlichen Maßnahme betroffen. Und das sind im Übrigen auch die Rapsschädlinge, die am stärksten von der Pyrethroidresistenz betroffen sind. So schließt sich der Kreis.




