Die mannigfaltige Welt der Stauden lädt Gärtner immer wieder zum Ausprobieren und Entdecken ein. Mit Pflanzen, die kerzen- oder fackelförmige Blütenstände hervorbringen, lassen sich außergewöhnliche Gartenbilder malen.
Für romantische Beete im klassischen Bauerngarten empfehlen sich besonders Fingerhut (Digitalis), Balkan-Bärenklau (Acanthus) und die Lupine (Lupinus). Alle drei fallen mit ihrem opulenten Flor ins Auge. Vor allem die sogenannten Russel-Hybriden der Lupine (Lupinus polyphyllus) und die Westcountry-Lupinen-Serie empfehlen sich für den Staudengarten. Letztere brillieren mit einer unglaublichen Leuchtkraft, die mit der stimmungsvollen Begleitung durch farblich passende Bartiris noch gesteigert wird. Mit Westcountry-Sorten wie ‚Red Rum‘ und ‚Beefeater‘ (rot), ‚Polar Princess‘ (weiß) oder ‚Gladiator‘ (rot-gelb) holt man sich auffallende, monumentale Stauden ins Beet. Tipp: Dezente Begleiter wie Storchschnabel oder Frauenmantel stehlen den Lupinen nicht die Schau.
Eher selten anzutreffen ist Diptam (Dictamnus albus), der auch als Brennender Busch bezeichnet wird. Schon Goethe pflegte diese besondere Pflanze in seinem Garten in Weimar. An heißen, sonnigen Tagen verströmt Diptam ein intensives Zitronenaroma. Doch Vorsicht, die ätherischen Dämpfe können sich tatsächlich selbst entzünden. Auch der Blut-Weiderich ‚Zigeunerblut‘ (Lythrum salicaria) passt als unkomplizierte und blühfreudige Staude mit Wildcharakter perfekt in den Bauerngarten. Die unzähligen Blütenkerzen von Ruten-Weiderich ‚Dropmore Purple‘ (Lythrum virgatum) bringen von Juni bis August ein kräftiges Purpurrot ins Beet. Wichtig ist jedoch ein ausreichend feuchter Standort, am besten am Teichufer.
Für die naturhafte Steppen- oder Präriepflanzung empfiehlt sich der Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum virgatum). Er trägt bis zu 30 cm lange Blütenstände, die je nach Sorte blau, weiß oder rosa gefärbt sind. Auch die mannshohen Steppenkerzen (Eremurus) sorgen mit ihren langen Blütenlanzen für attraktive Blickfänge. Sie blühen von unten nach oben auf. Die Pflanzzeit der fleischigen Wurzelknollen zieht sich von Mitte August bis Mitte Oktober. Wer diesen Termin verpasst hat, wartet besser bis zum nächsten Jahr. Ansonsten kommen die Stauden aus ihrem Rhythmus und kümmern vor sich hin. Tipp: In schwerem Boden faulen die Wurzelknollen im Winter sehr leicht. Daher unbedingt eine 20 cm hohe Drainageschicht am Boden des Pflanzlochs einbauen.
Als Pflanzpartner im Steppenbeet machen sich Prachtscharte (Liatris), Duftnessel (Agastache) und Fackellilie (Kniphofia) sehr gut. Der Handel bietet zahlreiche Hybriden der Fackellilie mit teils zweifarbigen Blütenständen in unterschiedlichen Wuchshöhen an. Die Frostempfindlichkeit variiert von Sorte zu Sorte, daher lohnt sich genaues Nachfragen beim Kauf. Fackellilien wirken einzeln oder in kleinen Gruppen, geben aber auch in Begleitung von Gräsern eine gute Figur ab. Die Neupflanzung ist im Frühjahr an einem warmen Standort mit durchlässigem, nährstoffreichem und frischem Boden empfehlenswert. Wer in der Wachstumsphase auf eine gute Wasserversorgung achtet, wird mit einer besonders reichen Blüte belohnt.
Die Duftnessel wirkt in der Gruppenpflanzung am schönsten. Die verschiedenen Sorten von Duftnessel, Prachtscharte und Fackellilie erlauben abwechslungsreiche, höhengestaffelte Gestaltungen. Steppenkerze und Fackellilie werden zudem gerne verwendet, wenn moderne Akzente gesetzt werden sollen.
Als echtes Schmuckstück für sandig-kiesigen Untergrund entpuppt sich der Rote Natternkopf (Echium amoenum). Die Sorte ‚Red Feathers‘ blüht in einem intensiven Pinkrot von Mai bis August. Die Staude ist nicht sehr langlebig, gleicht dies aber über eine moderate Selbstaussaat aus. Auch die Junkerlilie (Asphodeline lutea) passt als Trockenkünstler aus dem Mittelmeerraum perfekt in ein Steppenbeet. Auf durchlässigen Böden ist sie sicher winterhart. Die gelbe Blüte von Mai bis Juni zieht viele Bienen magisch an. Die wintergrünen, lauchartigen Blätter der Junkerlilie zieren auch noch lange in der kalten Jahreszeit.
Die malerischen, schlanken Blütenformen lassen sich mit geschickter Pflanzung noch besser zur Geltung bringen. Wer kontrastreiche Beete liebt, kombiniert die Blütenkerzen mit Gegenspielern, die runde Kugelformen aufweisen. Dazu gehören beispielsweise Zierlauch (Allium) oder die Kugeldistel (Echinops). Hübsch wirken auch die flachen, horizontalen Blütenschirme von Doldenblütlern wie Schafgarbe (Achillea) oder Fetthenne (Sedum). Sie mögen allesamt durchlässigen, etwas mageren Boden an sonnigen Standorten.
Die Blütenwolken von Schleierkraut (Gypsophila) gibt’s dank unterschiedlicher Sorten auf verschiedenen Höhen. ‚Rosenschleier‘ wächst 30 bis 40 cm hoch, ‚Bristol Fairy‘ und ‚Schneeflocke‘ verzaubern mit luftig-leichtem Flor in 70 bis 100 cm Höhe. Die locker verzweigten, schleierartigen Blütenrispen des Blauen Strandflieders (Limonium latifolium) eignen sich auch prima als Schnitt- oder Trockenblume. Für filigrane Blütenrispen im lichten Schatten hingegen sorgt die hochwüchsige China-Wiesenraute. Wer ihr keinen feuchten, hellen Standort bietet kann, sollte sie etwas abstützen. Nur an optimalen Plätzen ist sie wirklich standfest.




