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Vernässung für Fortgeschrittene

Unikat im Einsatz: Stiftung Naturschutz nutzt lenkbaren Dichtbahnpflug im Nienwohlder Moor
Von Klaus J. Harm/pm
Mit langem Ausleger werden die Dämme zur Vernässung des Nienwohlder Moores aufgesetzt. Foto: Klaus J. Harm

Bei der Vernässung des Nienwohlder Moores müssen Höhenunterschiede von bis zu 5 m ausgeglichen werden, die aus der Abtorfung der Vergangenheit resultieren. Um den Wasserstand zukünftig möglichst auf Bodenhöhe anzuheben, verwendet die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ein spezielles Gerät zur Moorvernässung: einen Dichtbahnpflug.

Direkt auf der Grenze zwischen den Kreisen Segeberg und Stormarn liegt das Naturschutzgebiet Nienwohlder Moor. Hier hatte Graf Reventlow zu Jersbek 1804 von den damaligen Torfstechern einen „Torftaler“ als Steuer für den nach Hamburg über die Alster verschifften Torf verlangt. Heute kaum noch vorstellbar, war Torf damals ein beliebtes Heizmittel und fand in der Großstadt regen Absatz. Rund 150 Jahre lang wurden die Torfsoden händisch mit Torfspaten gestochen, in Ringeltürmchen über Sommer getrocknet und im Herbst dann verkauft. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1951, zog auch hier die industrielle Förderung ein. Auf 84 ha wurde der oben liegende Weißtorf beiseitegeschoben, rund 2 m Schwarztorfschicht wurden maschinell abgebaut und mit einer Lorenbahn aus dem Moor hinausgeschafft.

Erst nachdem 1973 das Landesnaturschutzgesetz novelliert und damit der maschinelle Torfabbau verboten wurde, stellte das Torfwerk 1977 endgültig die Arbeit ein und hinterließ einen Bereich, der wie eine Industriebrache anmutete. Steile Torfwandabbrüche, Höhenunterschiede von mehr als 5 m , durchzogen von Entwässerungskanälen, boten einen traurigen Anblick. Trotzdem wurde das gesamte Gelände 1982 als Naturschutzgebiet deklariert. Zunächst schloss man die Entwässerungsgräben und unterbrach die alten Tonrohrdrainagen, um langsam eine Wiedervernässung des Moores zu erreichen. Auch einzelne Hochflächen wurden schon eingeebnet. Doch das alles reichte nicht aus, Regenwasser floss immer noch im obersten Grundwasserleiter aus dem Gebiet heraus, es musste etwas Besonderes geschehen.

Selbst entwickelte Technik

So gab Janis Ahrens, Projektleiter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Anfang Dezember 2025 den Startschuss zur weiteren Vernässung von 111 ha der ehemaligen industriellen Abbaufläche. Finanziert mit Landesmitteln, fuhren riesige Longfront-Bagger mit breiten Raupenketten auf, um die Fläche in verschiedene Abschnitte einzuteilen, mit Dämmen von einander zu trennen und darin neue Polder – eine Art Badewannenteich – zu bauen. Um zu verhindern, dass aus diesen Einzelabschnitten Regenwasser abfließt, wendet man hier eine ganz besondere Technik an, die Ahrens Anfang Februar der Öffentlichkeit vorstellte. „Da wir hier rund 2,3 Kilometer Folie etwa zwei Meter senkrecht in den Boden kurvenreich einbauen müssen, haben wir selbst ein Unikat entwickelt, einen lenkbaren Dichtbahnpflug“, erzählt er.

Selbst gebaut hat man dieses Unikat, den Dichtbahnpflug. Foto: Klaus J. Harm
2 m tief reicht die PE-Folie senkrecht in den Moorboden. Foto: Klaus J. Harm
Mit einer Zeichnung erläutert Projektleiter Janis Ahrens den Aufbau der Dämme. Foto: Klaus J. Harm


Dieser Pflug wird von einem Bagger gezogen und hinterlässt einen schmalen, 2 m tiefen Graben, in den eine schadstoffreie Polyethylen (PE)-Folie eingelegt und sofort von beiden Seiten stabilisiert wird. Darauf kommt dann das Restholz der „entkusselten“ Birken als Formgeber des Damms, der schließlich mit Erdaushub überdeckt wird.

Minimalinvasive Methode

„Wir wenden diese Methode hier an, weil sie minimalinvasiv ist und wir damit eine geringere Anzahl von Wällen aufschütten müssen“, erklärt Janis Ahrens. „Der Dichtbahnpflug macht ja nur einen kleinen Schlitz in den Torfboden, der gleich hinter ihm wieder zugeht. Das schont die wertvolle Vegetation rechts und links der Dichtbahn.“ Den ersten Abschnitt hofft er noch in diesem Jahr fertigzustellen, wobei in der Setz- und Brutzeit die Maschinen selbstverständlich ruhen. Dann können auch die Hunderte von breiten Stahlplatten, die man auf den Moorwegen verlegt hat, damit die Bagger überhaupt hier arbeiten können, wieder geborgen werden und Torfmoose und andere moorspezifische Pflanzen und Tiere hier wieder eine Heimat finden, gut geschützt von den umliegenden intakten Mooren und Wäldern. Und das ist gut so, denn Torfmoose können große Mengen an CO2 aufnehmen und einlagern. Weltweit speichern sie mehr davon als alle Wälder unserer Erde zusammengenommen.

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