Janne Friederike Meyer-Zimmermann und Christoph Zimmermann hatten zum CSI Hof Waterkant nach Pinneberg geladen. Es war das erste Viersterne-CSI in Schleswig-Holstein überhaupt und das höchstdotierte Turnier in Europa an diesem Wochenende. Das Preisgeld belief sich auf 300.000 €, allein im Großen Preis gab es 100.000 € zu verdienen. Kein Wunder also, dass die Weltelite im Parcours auf Hof Waterkant zu Gast war.
Doch auf dem Turnier waren nicht nur Prüfungen der ganz schweren Klasse im Angebot: Auch der zwei- und vierbeinige Nachwuchs hatte die Chance, sich über den Stangen zu messen, ebenso wie die Amateure. Und dazu gab es das passende Ambiente mit vielen besonderen Extras. „Wir wollen ein großes Fest veranstalten, bei dem sich die ganze Familie wohlfühlt“, erklärte Janne Friederike Meyer-Zimmermann ihre Veranstalterambitionen.
Am ersten von fünf Turniertagen strahlte die Sonne vom Himmel und drei Prüfungen standen auf dem Programm. Als Erstes ging es in eine Springprüfung nach Fehlern und Zeit in der CSI**-Tour. Der seit 2005 in Deutschland lebende Italiener Emanuele Gaudiano pilotierte seinen belgischen Wallach O’Malley Van De Bucxtale von Coriano am schnellsten und tadellos über die Hindernisse.
Patrick Stühlmeyer, Gewinner der Riders Tour 2021/2022 und Bereiter im Stall von Paul Schockemöhle, dominierte die zweite CSI**-Prüfung. Für seine fehlerfreien 62,95 s mit dem Oldenburger Wallach Conblue wurde der 32-Jährige verdient mit der goldenen Schleife geehrt.
Ein sportlicher Hochkaräter des ersten Turniertags war die erste Prüfung der internationalen Viersternetour. Die 95 Starter kamen aus 16 Nationen. Fehlerfrei und mit der besten Zeit gewann Felix Hassmann aus Nordrhein-Westfalen mit seinem Oldenburger GSI Pit Perigueux. Und Hausherrin Janne Friederike Meyer-Zimmermann, die auf der eigenen Anlage natürlich stark ins Veranstaltungsgeschehen eingebunden war, erklärte: „Sportlich möchte ich aber schon gerne etwas mitmischen.“ Und das tat sie: Mit dem Hannoveraner Büttner’s Minimax platzierte sie sich auf Rang fünf.
Schreckmoment im Großen Preis
Am nächsten Tag lief es noch besser. In der Youngstertour für sieben- und achtjährige Nachwuchspferde kam sie mit Eyecatcher BB Z von Emerald van’t Ruytershof am schnellsten ins Ziel. „Eyecatcher ist erst seit einem halben Jahr bei uns und wir zwei sind gerade noch in der Kennenlernphase“, berichtet die Springreiterin gut gelaunt von ihrem Newcomer.
Die Jugend im Sattel betrat am Morgen des zweiten Turniertags als Erstes die Bühne. In der U25-Tour ritt der Fehmaraner Sven Gero Hünicke mit seinem elfjährigen Cedric zum Sieg. Mehr als 2 s Vorsprung nahmen der 25-Jährige und sein Holsteiner Wallach der Konkurrenz ab. Für das Turnier hatte sich Hünicke extra Urlaub genommen: „Eigentlich sind wir in der Ernte und ich müsste jetzt auf dem Trecker sitzen. Aber das Turnier von Janne und Christoph ist sicher das schönste, das ich je besucht habe.“ Krönender Abschluss des Donnerstags war der große Liveauftritt von Popstar Johannes Oerding, den Hunderte Besucher bei endlich gesunkenen Temperaturen sichtlich genossen.
An Tag drei stand unter anderem die zweite Qualifikation zum Großen Preis an. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner Philip Rüping, Bereiter im Stall von Paul Schockemöhle, flog mit seinem Holsteiner Hengst Casallco von Casall pfeilschnell über die Hindernisse des Stechparcours und machte mit seinem fokussierten Ritt den Sieg fest. Er wurde als erfolgreichster Reiter des Turniers ausgezeichnet, doch am Sonntag lief es für das Paar nicht gut. Sie sorgten im Stechen des Großen Preises für einen Schreckmoment, als sie stürzten. Der Tierarzt gab anschließend vorsichtig Entwarnung. Casallco gehe es wieder gut, zur Sicherheit werde er aber zur endgültigen Diagnose in die nächstliegende Klinik gebracht.
Rüpings Kollege im Stall Schockemöhle, Patrick Stühlmeyer, machte es in der Springprüfung für sieben- und achtjährige Nachwuchspferde am besten. Sportlicher Partner des 32-Jährigen war Ograndos PS, siebenjähriger Wallach von Ogano Sitte. Das Paar gewann auch das Finale der Youngstertour am Sonntag.
Zwei goldene Reitabzeichen
Höhepunkt am Abend war die Auktion der Holsteiner Fohlen, bei der 14 Fohlen und drei hochkarätige Embryonen verkauft wurden. Gleich drei Fohlen wurden für mehr als 30.000 € verauktioniert. Zur Preisspitze avancierte Pina Tobaga von Emerald van’t Ruytershof-Mr.Blue. Für 35.000 € sicherten sich belgische Mäzene die Halbschwester zu Daniel Deußers Tobago Z. Im Schnitt kostete ein Fohlen 20.071 € und die drei Embryonen 35.600 €.
Auch die Versteigerung einer von Sänger Udo Lindenberg künstlerisch gestalteten Pferdeplastik, die für 100.000 € einen neuen Besitzer fand, interessierte viele Zuschauer. Das Geld kommt Kindern in der Ukraine und der Welthungerhilfe zugute.
Am vierten Tag bekamen in der CSI-U25-Tour die Nachwuchsstars ihre Bühne. Es traten fast alle an, die in dem Alter in der Republik Rang und Namen haben. Mit Johanna Beckmann, Henrike Ostermann und Hannes Ahlmann waren immerhin drei Mitglieder der deutschen Equipe dabei, die erst vor wenigen Wochen bei den Europameisterschaften im spanischen Oliva die Mannschaftssilbermedaille gewonnen hat. Den Pokal sicherte sich allerdings ein Reiter, der bereits am Donnerstag eine Prüfung der U25-Tour für sich entschieden hatte: Sven Gero Hünicke mit seinem Holsteiner Wallach Cedric. Nach der letzten Prüfung im Parcours wurden zwei besondere Auszeichnungen an Henrike Ostermann, die momentan ihre Ausbildung auf Hof Waterkant absolviert, und die für Schleswig-Holstein reitende Johanna Beckmann verliehen. Beide erhielten für ihre Erfolge im Parcours das goldene Reitabzeichen.
„Das Ganze erst mal sacken lassen“
Am Sonntag standen dann verschiedene Finale an. So starteten die Amateure zum letzten Mal in ihrer Tour. Lea Paulinski vom Reit- und Fahrverein Gettorf/Eckernförde/Dänischer Wohld wurde mit Baloufino Beste in der Small Tour, Victoria Schumacher aus Bayern setzte sich in der Medium Tour an die Spitze und Emmy Pauline Kröger vom Norddeutschen und Flottbeker Reiterverein siegte mit Dacento H in der Large Tour.
Doch nun fieberten Reiter und Besucher dem sportlichen Höhepunkt entgegen. Für den Großen Preis hatten sich 50 Teilnehmer qualifiziert, zehn schafften es mit tadellosen Darbietungen in das Stechen. Und einer von ihnen flog kurz nach seinem finalen Ritt Gastgeberin Janne Friederike Meyer-Zimmermann noch auf dem Abreiteplatz um den Hals und jubelte: „Janne, das ist der Hammer, ich habe den Großen Preis bei deinem Turnier gewonnen!“ Das war Patrick Stühlmeyer. Mit dem Selle-Français-Hengst Drako de Maugre von Kannan unterbot er die Topzeit des Italieners Emanuele Gaudiano mit dem Wallach Chalou um sieben Hundertstel. „Null Fehler in 39,21 s” war auf der Anzeigetafel zu lesen. Hinter dem Zweitplatzierten Emanuele Gaudiano reihte sich die Deutsche Meisterin der Springreiterinnen, Katrin Eckermann aus Nordrhein-Westfalen, mit ihrer neunjährigen Rheinländer Stute Chao Lee von Comme il faut ein.
„Jetzt werden wir das Ganze erst mal sacken lassen. Vom vergangenen zu diesem Jahr haben wir einen Stern mehr gemacht. Das ist schon viel. Wir haben einiges vergrößert, aber wie wir es im nächsten Jahr organisieren, werden wir sehen“, sagte Janne Friederike Meyer-Zimmermann abschließend. Nach einem Fehler im Stechen war die Gastgeberin mit Büttner‘s Minimax auf den sechsten Platz gekommen. pm




