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Kind oder Betrieb?

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In vielen landwirtschaftlichen Familien herrschten nach wie vor unausgesprochene Rollenerwartungen.  In der Aufteilung der Care-Arbeit liegen, das zeige die aktuelle Studie „Frauen.Leben.Landwirtschaft“ , Hausarbeit sowie die Versorgung von Kindern oder Senioren noch immer zu etwa 80 % bei den Frauen. Unter Landwirtschaftsstudenten ist der Frauenanteil sehr hoch, bei den Betriebsleitern beträgt er lediglich 11 %. Diese Zahlen boten viel Gesprächsstoff auf dem Bäuerinnenforum im Rahmen der Grünen Woche in Berlin.

„Es ist fatal, dass sich eine Frau auch heute noch aus Vereinbarkeitsgründen gegen die Betriebsleitung oder gegen Kinder entscheidet“, erklärte Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) in ihrer Einleitung. „Hier gilt es, individuelle Lösungen in den Familien zu finden. Neben einer frühzeitigen Planung braucht es aber auch entsprechende politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.“

„Kind oder Kuh?“, brachte Anne Dirksen, sozioökonomische Beraterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf eine drastische Formel. Angesichts der Ergebnisse der Frauen-Studie mahnte sie an, zunächst Aufgaben in der Familie anders zu verteilen, „um ein individuelles, echtes Wahlrecht für alle zu erreichen“. In vielen landwirtschaftlichen Familien herrschten nach wie vor unausgesprochene Rollenerwartungen. Wenn ein Mann einheirate, sei es zumeist selbstverständlich, dass er die Betriebsleitung auf dem Hof übernehme, umgekehrt aber nach wie vor unwahrscheinlich. In der Aufteilung der Care-Arbeit lägen, auch das zeige die Studie, Hausarbeit sowie die Versorgung von Kindern oder Senioren noch immer zu etwa 80 % bei den Frauen. „Hofprinzen werden übrigens von Müttern erzogen“, merkte Dierksen an. Eine wiederkehrende Erfahrung in ihrer sozioökonomischen Beratungstätigkeit sei zudem, dass Familiensysteme, in denen die gleichberechtigte Mitarbeit der Frau auf dem Hof gut organisiert sei, mit der Geburt des ersten Kindes kippten. Dierksen benannte das Delegieren von Aufgaben, die frühzeitige Suche nach einer Ersatzkraft für den Betrieb, eine Vorabregelung der Kinderbetreuung und die Übernahme unternehmerischer Verantwortung auch für die eigenen Belange als Handlungsfelder der Betriebsleiterinnen. Unter diesen Voraussetzungen laute die Antwort auf ihre Eingangsfrage „Kind und Kuh“, so die Referentin.

Cecilia Abel berichtete als Betriebsleiterin und junge Mutter über ihre persönlichen Erfahrungen. Sie habe ihrer Schwangerschaft mit dem Gefühl, gut vorbereitet zu sein, entgegengesehen. Mit ihrem Co-Betriebsleiter, der bereits drei kleine Kinder habe, seien die Aufgaben auf dem Ziegenhof mit 80 Tieren und Käserei gleichberechtigt aufgeteilt gewesen. Das habe sich nach der Geburt ihres Sohnes extrem geändert. Mit Kind rutsche man trotz aller guten Vorhaben schnell in alte Rollenbilder. Die studierte Landwirtin aus dem Spreewald forderte eine Erweiterung der Betriebs- und Haushaltshilfe der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG): „Eine Betriebshilfe für 40 Stunden in der Woche ist ein guter Anfang.“ Angesichts der körperlich schweren Arbeit auf dem Hof sei diese Gewährleistung sechs Wochen vor der Geburt und acht Wochen danach aber zu kurz.

Claudia Lex, Geschäftsführerin der SVLFG, betonte in der anschließenden Podiumsdiskussion, dass 2022 40.000 Einsatztage von Betriebs- oder Haushaltshilfen für werdende Mütter gewährt worden seien. Dass sei angesichts des Fachkräftemangels nicht immer einfach. Sie riet daher, sich rechtzeitig über die Leistungen der SVLFG zu informieren und diese zu beantragen. Die Diskrepanz zwischen der Fülle an bestehenden Informationsangeboten und deren Verbreitung war ebenfalls ein Thema der Debatte. Mara Walz, Winzerin und Hofnachfolgerin aus Baden-Württemberg, forderte, dass das Thema Care-Arbeit und damit verbundene Ungleichgewichte bereits verpflichtend in Berufs-, Fach- und Hochschulen etabliert werden sollte. Die junge Mutter ermutigte junge Unternehmerinnen zudem, Dinge zu verändern. „Der Betrieb muss so aufgestellt werden, dass er für mich passt“, so ihre Maxime.

Die Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen-Geis (SPD) bezeichnete die Studie „Frauen.Leben.Landwirtschaft“ als Meilenstein und wichtige Datengrundlage, um als Politikerin für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in der Landwirtschaft zu arbeiten. Dass die Studie auf der IGW beim Empfang des Deutschen Bauernverbandes erwähnt wurde, sei doch schon mal ein Zeichen, so die Rheinland-Pfälzerin. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe zu ermöglichen, dass beide, Väter und Mütter, arbeiten könnten. Dafür brauche es aber auch Vorbilder auf dem Dorf, Frauen und Männer, betonte sie.

Johanna Röh, gelernte Landwirtin und heute Tischlermeisterin aus Niedersachsen, sagte, sie habe als junge Mutter gelernt, Beratungsangebote zu nutzen und Dinge einzufordern, um ihre Arbeit weitermachen zu können. Inzwischen ist sie deutschlandweit vernetzt und kämpft für eine Reform des Mutterschutzes.

Aus dem Publikum meldete sich zu diesem Thema auch ein Mann: Jan Hägerling, Geschäftsführer des Bundes der Deutschen Landjugend. Seine Erkenntnis aus dem Bäuerinnenforum 2023: „Dieses Thema muss unbedingt an die Männer auf dem Land herangetragen werden.“

Einig waren sich die Teilnehmerinnen der Diskussion, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht allein auf den Schultern der Familien lasten dürfe. Hier seien die Politik, aber auch der Deutsche LandFrauenverband gefragt. Es seien 72 Impulse nötig, bis sich etwas ändere, hatte Anna Dierksen in ihrem Vortrag zum langen Atem ermutigt, denn Frauen, die nicht forderten, würden beim Wort genommen.

Vollgepackter Kalender für den Agrarausschuss

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Das neue Team der Sprecher des Agrarausschusses mit Laura Stolley, Christoph Stange, John Gosch und Malte Blöcker traf sich zu seiner ersten Klausurtagung. Bei der Jahresplanung für 2023 waren auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und Mirco Engelbrecht als Vertreter des Landesvorstandes mit in der Runde.

Bevor es an die Planung ging, wurde ein Austausch darüber geführt, welche Rolle der Agrarausschuss künftig spielen soll und welche Erwartungen die Mitglieder an den Agrarausschuss haben. Das Ergebnis war eindeutig: Die Mitglieder erwarten, dass das Team den Agrarbereich und den ländlichen Raum repräsentiert und Agrarausschusstreffen zu spannenden und aktuellen Themen anbietet.

Anschließend wurden in der Runde die Aufgabenverteilung und Zuständigkeiten für bevorstehende Veranstaltungen besprochen. An diesem Punkt wurde allen Beteiligten klar, wie viele Termine im angelaufenen Jahr zu berücksichtigen und zu planen sind. Darunter das Grüne Sofa, die Agrarexkursion im Herbst nach Holland, die Sommeragrarexkursion und vor allem der Berufswettbewerb der Deutschen Landjugend, der Anfang Februar mit dem Kreisentscheid startet und anschließend in den Landesentscheid übergeht. Des Weiteren gehören der Arbeitskreis Agrar des Bundes der Deutschen Landjugend dazu, der drei Mal im Jahr tagt, und die Übergaben der Erntekronen, die gemeinsam mit den Kreislandjugendverbänden vorbereitet werden. Insgesamt waren 46 Aufgabenbereiche zu vergeben. Diese wurden im Sprecherteam so verteilt, dass jeder für Aufgaben zuständig ist, die ihm Freude bereiten.

Nachdem die Zuständigkeiten geklärt waren, galt es, im bereits ziemlich prall gefüllten Landjugendkalender Termine für die kommenden Treffen zu datieren. Zudem wurden erste Überlegungen zu Themen und Exkursionen angestellt. Die geplanten Agrarausschusstreffen lassen auf ein spannendes Jahr hoffen.

Abschließend konnten alle Teilnehmenden bestätigen, dass dieser Tag in Form einer Klausurtagung sehr wichtig für die Arbeit des Agrarausschusses und absolut nicht mehr wegzudenken ist. Zudem schaute das Team sehr positiv auf das vergangene Jahr des Agrarausschusses zurück mit vielen interessanten und sehr gut besuchten Agrarausschusstreffen. Dabei galt besonderer Dank den ausgeschiedenen Mitgliedern Wiebke Wendt und Matthis Reimer für ihre hervorragende Mitgestaltung und Unterstützung.Laura Stolley

Großer Dank an Matthis und Wiebke

Zwei Mitglieder des Sprecherteams verabschiedet

Wiebke Wendt und Matthis Reimer waren in den zurückliegenden Jahren Teil des Agrarausschusssprecherteams. Bei den Wahlen auf der Landesversammlung stellten sie sich nicht zur Wahl und wurden mit großem Dank verabschiedet. Beide haben im Team immer mit tatkräftiger Unterstützung die Aufgaben mit umgesetzt und die Arbeit mit tollen Ideen bereichert.

Egal ob auf Agrarexkursion, in Arbeitskreisen des Bundes der Deutschen Landjugend oder bei den eigenen Veranstaltungen, waren beide immer mit Elan und vollem Einsatz dabei.

Der Ausschuss sagt vielen Dank für die tolle Zeit, das Engagement und die neugierige, offene und hinterfragende Haltung. Er wünscht beiden für den weiteren Lebensweg alles Gute und hofft Wiebke und Matthis als Teilnehmer bei einem der nächsten Agrarausschusstreffen begrüßen zu dürfen.

Übergewinnsteuer für Lebensmittelunternehmen?

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Rufe nach einer Übergewinnsteuer für Lebensmittelunternehmen sind jetzt sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene laut geworden. Die Entwicklungsorganisation Oxfam macht in ihrem Bericht „Survival oft he Richest“, der vergangene Woche zum Start des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt wurde, krisenbedingte Übergewinne auch bei Lebensmittelkonzernen aus.

Ebenso wie Energieanbieter hätten manche Lebensmittelhersteller ihre Gewinne im Jahr 2022 mehr als verdoppelt. Konkreter wird Oxfam nicht, fordert aber gezielte Gegenmaßnahmen. Unerwartete Gewinne müssten besteuert werden, „um die Profitmacherei in der Krise zu beenden“.

In Deutschland äußerte sich die Vorsitzende des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Ramona Pop, in der „Bild am Sonntag“ zu einer Übergewinnsteuer auch für Lebensmittelunternehmen. Angesichts des starken Anstiegs der Verbraucherpreise sei zu prüfen, inwieweit sich die Unternehmen an der Krise bereicherten. Bei Energiekonzernen würden krisenbedingten Übergewinne zumindest teilweise abgeschöpft und an die Verbraucher zurückgegeben. Dieses Modell könne auch auf andere Wirtschaftsbereiche übertragen werden. Gesunde Ernährung dürfe keine Frage des Geldbeutels sein, so Pop.

In der Wirtschaft reagierte man mit Kritik auf die Stellungnahmen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie wies den Vorwurf, die Ernährungsindustrie nutze die aktuelle Krisensituation für die Durchsetzung überhöhter Preisvorstellungen aus, entschieden zurück. Die Krise produziere keine Gewinner. Angesichts der stark gestiegenen Kosten und der rückläufigen Erträge entbehre dieser Vorwurf jeder Grundlage. Der Handelsverband Deutschland verwies auf den starken Wettbewerb zwischen den Unternehmen des Lebensmittelhandels. Dadurch komme es zu einer klaren Preisdämpfung. AgE

„Ein bisschen Borchert“ hilft nicht weiter

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Die Borchert-Kommission hält die vom Bundeslandwirtschaftsministerium geplanten Gesetzesvorhaben und Programme zum Umbau der Nutztierhaltung für unzureichend und unzulänglich. Die vorgeschlagenen Maßnahmen seien „in ihrer jeweiligen Ausgestaltung und im Zusammenwirken nicht in der Lage, den Umbau des gesamten Sektors zu bewerkstelligen“, heißt es in einer Stellungnahme des Kompetenznetzwerks.

Das Expertengremium macht eine fortgesetzte Mitarbeit bei der Weiterentwicklung einer Gesamtstrategie für die Tierhaltung und der Vorbereitung einzelner Gesetzesvorhaben davon abhängig, dass die Bundesregierung eine umfassende Transformation des Nutztiersektors anstrebt und die Einführung „langfristiger, verlässlicher und ausreichend bemessener staatlicher Tierwohlprämien“ beschließt. Bereits zuvor hatte der Vorsitzende Jochen Borchert die bisherigen Vorhaben als unzureichend kritisiert. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) bescheinigte der Borchert-Kommission gute Argumente, die man sorgfältig prüfen werde.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Matthias Miersch, kündigte eine Verabschiedung des notwendigen Gesetzespakets zum Umbau der Tierhaltung für das erste Halbjahr 2023 an. „Wir werden das hinbekommen“, gab sich Miersch beim Agrarpolitischen Jahresauftakt des Deutschen Bauernverbandes zuversichtlich.

Laufzeit von 20 Jahren

Nach Auffassung der Borchert-Kommission sollte die geplante Tierwohlprämie auf 80 % bis 90 % der laufenden Kosten angehoben werden. Bislang sind 65 % vorgesehen. Die Laufzeit der Verträge sei von zehn auf 20 Jahre auszudehnen. Eventuelle Obergrenzen bei der Förderung seien so zu bemessen, dass der Großteil der Schweinebestände einbezogen werde. Die Investitionsförderung solle über die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) anstatt über das Bundesprogramm durchgeführt werden, um den finanziellen Spielraum zu erhöhen. Nachbesserungen mahnen die Fachleute auch bei der geplanten Anpassung des Baurechts an. Kontraproduktiv ist ihrer Ansicht zufolge beispielsweise die Vorgabe, Neubauten an der gleichen Stelle wie eine alte Stallanlage zu errichten. Hier müsse es räumliche Flexibilität geben. Zwingend notwendig sei, deckungsgleiche Anpassungen im Baurecht auch in weiteren Rechtsbereichen vorzunehmen.

Kompromiss anstreben

Darüber hinaus führt die Borchert-Kommission die vielfach diskutierten Mängel im Entwurf für ein Tierhaltungskennzeichnungsgesetz auf. Die Kennzeichnung decke den Nutztiersektor vorerst nur zu einem kleinen Teil ab, verzichte auf eine farblich-interpretative Einordnung sowie die Einbeziehung von tierbezogenen Kriterien und auf wichtige Anforderungen an eine tiergerechtere Haltung wie Einstreu in den anspruchsvolleren Haltungsformen. Die Probleme resultierten aus der politischen Vorgabe einer verpflichtenden nationalen Haltungskennzeichnung. Dabei gebe es keine einfache Lösung, sondern nur die Empfehlung, „sich mit größtem Nachdruck für eine EU-weite Regelung analog der deutschen Regelung einzusetzen und bis dahin auf nationaler Ebene den verträglichsten Kompromiss anzustreben“. Für unerlässlich hält es die Borchert-Kommission, eine Koexistenz mit bestehenden privatwirtschaftlichen Kennzeichnungssystemen zu gewährleisten.

Nach Angaben von Fraktionsvize Miersch ist auch die SPD unzufrieden mit dem vorgelegten Tierhaltungskennzeichnungsgesetz. „Bei dem vorgelegten Gesetzentwurf besteht noch Luft nach oben“, sagte Miersch. „Als selbstbewusste Parlamentarier wollen wir den Gesetzentwurf deshalb noch besser machen“, kündigte der Abgeordnete an. Orientieren wollen sich die Sozialdemokraten dabei an der Borchert-Kommission. Der bescheinigte Miersch, gute Vorschläge für eine tierwohlgerechte Tierhaltung vorgelegt zu haben. Konkret gehe es seiner Fraktion darum, das gesamte Leben eines Schweines in die Haltungskennzeichnung einzubeziehen, also auch Ferkel und Muttersauen, nicht nur die Phase der Mast. Darüber hinaus fordere die SPD einen klaren Zeitplan für die Einbeziehung weiterer Tierarten. Entscheidend seien letztlich die notwendigen Voraussetzungen im Baugesetzbuch, um Um- und Neubauten von Ställen zu ermöglichen, sowie eine angemessene Finanzierung, zu der es nach wie unterschiedliche Positionen in der Ampel gebe.

FDP baut auf den Markt

Für die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Britta Haßelmann, ist ein langfristiges Finanzkonzept die entscheidende Voraussetzung, das Tierwohlniveau in der deutschen Landwirtschaft insgesamt anzuheben. „Die Anschubfinanzierung reicht nicht“, betonte Haßelmann mit Blick auf die im Bundeshaushalt verankerten 1 Mrd. € für vier Jahre.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr warnte indes vor übertriebenen Erwartungen an eine Umsetzung des Borchert-Konzepts. „Der Staat kann nicht dauerhaft alles regeln“, sagte Dürr. „Am Ende“ müsse eine Refinanzierung von mehr Tierwohl über den Markt erfolgen. Für seine Fraktion sei entscheidend, dass bei einer Finanzierung auch der nachgelagerte Bereich der Lebensmittelverarbeitung und insbesondere der Lebendmitteleinzelhandel mit ins Boot kämen, so der Liberale.

Der Vorsitzende der Unionsfraktion, Friedrich Merz (CDU), warf der Ampel vor, mit ihren Vorschlägen zur Haltungskennzeichnung das Aus vieler Familienbetriebe in Kauf zu nehmen. Er sprach sich für eine Finanzierung über eine Tierwohlabgabe aus, wie sie die Borchert-Kommission vorgeschlagen hat.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bezeichnete die bislang bereitgestellte Summe von 1 Mrd. € für vier Jahre als viel zu niedrig. „Offenbar hat die Ampel die Zahlen verwechselt, nachdem Wissenschaftler den Finanzbedarf auf vier Milliarden Euro pro Jahr veranschlagt haben“, so Dobrindt. Er kündigte an, dass die CSU weiterhin kleine und mittlere Betriebe in den Mittelpunkt ihrer Agrarpolitik stellen werde.

Die Co-Vorsitzende der Linken im Bundestag, Amira Mohamed Ali, beklagte ein „eklatantes Kräfteungleichgewicht“ entlang der Lebensmittelkette, das zulasten der Landwirtschaftsbetriebe gehe und eine wesentliche Ursache für die Einkommensprobleme in der Tierhaltung seien.

Kritisch zur EU-Agrarpolitik äußerte sich die Co-Vorsitzende der AfD-Fraktion, Dr. Alice Weidel. Die im Rahmen des Green Deal vorgesehene Unterschutzstellung von 30 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche komme gemeinsam mit einem 10-%-Stilllegungsziel einer staatlich erwirkten Verknappung des Nahrungsmittelangebots in Europa gleich.

Gesamtkonzept angemahnt

Die Länder bekräftigten unterdessen vergangene Woche ihre Forderung nach rechtlicher und finanzieller Planungssicherheit für die Tierhalter in Deutschland. Die Amtschefkonferenz (ACK) mahnte erneut ein verbindliches Gesamtkonzept zum Umbau der Tierhaltung an. Elemente seien die angekündigte Erweiterung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes um weitere Tierarten, die Gastronomie und verarbeitete Produkte, die Etablierung einer Herkunftskennzeichnung, die Anpassung des Bau- und Genehmigungsrechts einschließlich des Emissionsschutzes sowie das erforderliche Finanzierungskonzept.

Die ACK-Vorsitzende, Schleswig-Holsteins Agrarstaatssekretärin Anne Benett-Sturies, verwies angesichts des Wegbrechens der Tierbestände und -haltungen auf den unverzüglichen Handlungsbedarf.

Ziel müsse sein, den gesellschaftlichen Anforderungen nach regionalen und tierwohlgerecht erzeugten Produkten in geeigneter Weise gerecht zu werden und gleichzeitig ein ausreichendes Einkommen in der Tierhaltung zu ermöglichen. Wichtig sei, dass die Länder bei der Entwicklung des Gesamtkonzeptes und seiner Teilelemente eng eingebunden würden, betonte Benett-Sturies.

Im Zusammenhang mit der Düngeverordnung erwarten die Agrarressorts der Länder vom Bund, dass er ein Konzept zur verursachergerechten Maßnahmendifferenzierung und Befreiung landwirtschaftlicher Betriebe von Verpflichtungen in den sogenannten Roten Gebieten gemeinsam mit den Ländern erarbeitet. Dieses Konzept soll laut ACK zügig auf den Weg gebracht werden. Benett-Sturies nannte es bedauerlich, dass es noch kein Verfahren gebe, das Betriebe entlaste, die nachweislich gewässerschonend wirtschafteten. Die Arbeiten zum Wirkungsmonitoring im Rahmen der Düngeverordnung könnten dabei als Diskussionsgrundlage in die Konzeptentwicklung einbezogen werden. AgE

Farbenlehre für Gärtner

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Farben sind ein unentbehrliches Werkzeug in der Gartengestaltung. Auch wenn Standort und Boden die Auswahl der Pflanzen maßgeblich beeinflussen, übt die Wirkung der verwendeten Farben den wohl unmittelbarsten Einfluss auf den Betrachter aus.

Gezielt eingesetzt, erhellen Farben dunklere Gartenbereiche oder beruhigen lichtdurchflutete Standorte. Ebenso sind sie in der Lage, optisch Räume zu vergrößern oder zu verkleinern. Wie auch in Wohnräumen beeinflussen Farben die Stimmung. Manche sorgen für Ruhe und Ausgeglichenheit, andere wirken fröhlich und anregend. Dies kann man geschickt nutzen, um die Stimmung der jeweiligen Jahreszeit farblich aufzugreifen.

Die gelben Blüten der Walzenwolfsmilch und die blauen Traubenhyazinthen bringen Farbe in den Frühling. Foto: Karin Stern

Passend zum Frühjahr, wenn das Auge jeden Farbfleck freudig wahrnimmt, darf es knallig bunt zugehen. Gelb, Orange, Rot und Pink versprühen Lebensfreude nach dem blassen Winter. Welche Farben im Laufe des Sommers die Gartengestaltung dominieren, hängt von der gewünschten Wirkung ab. Warme Farbtöne drängen sich optisch in den Vordergrund. Gelb und Orange gehören in dieses Farbspektrum. Sie verfügen über eine enorme Strahlkraft und werden daher gern auf kleineren Flächen eingesetzt. Wer für ein solches Beet blau oder violett blühende Pflanzen wählt, rückt es damit optisch etwas in die Ferne. Beide Farbtöne dämpfen zudem die Wirkung anderer Farben. Das dominante Rot dagegen zieht selbst die hinterste Gartenecke weiter nach vorne und lässt sich zudem perfekt mit grünlaubigen Blattschmuckpflanzen kombinieren. Rot und Grün liegen einander im Farbkreis gegenüber. Als Komplementärfarben bringen sie sich gegenseitig zum Leuchten. Nutzen lässt sich dieser Effekt auch mit den Kombinationen Gelb/Blau, Gelb/Violett oder Orange/Blau. Als „farbtonvariabel“ werden drei auf dem Farbkreis nebeneinanderliegende Farben bezeichnet, beispielsweise Gelb, Orange und Rot oder Violett, Blau-Violett und Blau – allesamt spannende und gestaltungsreiche Farbkombinationen.

Farbgestaltung ist ein Spiel mit kalten und warmen Tönen sowie dem Kontrast von Hell und Dunkel. Foto: Karin Stern

Nicht auf Gegensätze, sondern auf Harmonie setzen Ton in Ton gehaltene Beete. Sie bleiben in einer Farbe, lediglich deren verschiedene Helligkeitsstufen variieren. Daher wirken sie besonders harmonisch. Je nach gewählter Farbgruppe verbreiten sie in Gelb und Orange eine sehr lebhafte Atmosphäre, während blaue und violette Farbtöne eher beruhigend wirken. Ein farbiges Highlight setzt auch ein mit rot blühenden Pflanzen bestückter Balkonkasten. Wenn rote Pelargonien, Petunien und Hängeverbenen nebeneinander um Aufmerksamkeit ringen, fallen die erstaunlichen Abstufungen innerhalb eines einzigen Farbtons erst so richtig auf. Variationen ergeben sich zudem durch die Wahl zwischen satten und aufgehellten Farbtönen einer Grundfarbe, beispielsweise bei Geranien vom knalligen Pink bis hin zum zarten Rosa oder von dem Hellblau der Fächerblume ‚Saphira‘ bis hin zum faszinierenden Violettblau der Hängepetunie ‚Wonderwave Blue‘.

Weiße Blüten werden bevorzugt eingesetzt, um starke Farbkontraste abzumildern. Sie wirken besonders in der Nachbarschaft von blauen oder violetten Blüten frisch, kühl und elegant. Eine beliebte frühjährliche Kombination sind blaue und weiße Hyazinthe. Weiße (Zwiebel-)Blüten wirken vor den dunklen Nadeln einer Eibenhecke oder in der Nachbarschaft Immergrüner wie Buchsbaum oder Ilex sehr elegant.

Auch an schattigeren Stellen überzeugt die Fernwirkung von Rosa. Foto: Karin Stern

Rosafarbene Blüten fallen schon von Weitem auf. Rosa ist die Blütenfarbe mit der stärksten Fernwirkung. Gemeinsam mit hellem Lila und Blau sowie einigen silbergrauen Blattschmuckpflanzen ergeben sich romantisch-verspielte Kompositionen. Die edle Zurückhaltung silbriger Grautöne ist ohnehin gut geeignet, um pastellige Rosa-, Violett- und Lilatöne hervorzuheben. Die Natur stellt dafür mit Lavendel, Ehrenpreis und Woll-Ziest attraktive Anschauungsobjekte zur Verfügung.

Neben der Zusammenstellung der verschiedenen Farben, ihrer Kontrastwirkung und der Abstufungen innerhalb der einzelnen Farben gilt es zudem die Form der Blüten zu beachten. Kompakte Blüten wie die einer Dahlie wirken deutlich stärker als die filigranen, hoch am Stängel schwebenden Blüten der Schleier-Verbene. Unterschiedliche Blatt-, Blüten- und Wuchsformen können ein farblich zurückhaltend gestaltetes Beet beleben, umgekehrt allerdings auch ein farbenfrohes Beet beunruhigen. Daraus leitet sich die Faustregel ab, bei einer lebhaft wirkenden Farbauswahl eher sparsam mit den Formen umzugehen. Umgekehrt verhält es sich bei formenreichen Pflanzungen mit Gräsern oder Blattschmuckpflanzen. Hier gilt die Empfehlung, sich auf maximal drei Farbtöne zu beschränken. Tipp: Bei der Farbzusammenstellung unbedingt die Umgebung einbeziehen. Helle Blüten fallen vor hellen Hauswänden kaum auf. Vor einer immergrünen Eibenhecke hingegen entfalten sie ihre volle Wirkung. Dieser Effekt lässt sich auch auf dunklere Blütenfarben übertragen, deren Wirkung von einem hellen Hintergrund oder weißen Begleitpflanzen hervorgehoben wird. 

Quelle: Karin Stern

Laju Schleswig-Holstein räumt ab

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Gleich zwei Projekte aus Schleswig-Holstein wurden auf der Internationalen Grünen Woche als nachahmenswert ausgezeichnet.  So ging der mit 2.000 € dotierte zweite Platz des Ernst-Engelbrecht-Greve-Preises an das Grüne Sofa. Mit dem Ledermöbelstück besucht die Laju Schleswig-Holstein Menschen in der Landwirtschaft auf dem Feld und im Stall. Die lockeren Kurzinterviews sollen auf Social-Media diejenigen, die fürs Essen sorgen, verbinden mit denen, die essen. Die Jury befand, dass die „gut verdaulichen Augenhöhe-Gespräche Verständnis schaffen und den Dialog von Landwirtschaft und Gesellschaft befeuern“.

Einen von drei Ernst-Engelbrecht-Greve-Achtungspreisen holte sich die Landjugend Hohenhorst für ihre Recycling-Idee, aus nicht mehr benötigten Liegeboxenbügeln Fahrradständer zu bauen. Dafür bekommt die Laju Hohenhorst 1.000 €. (Siehe auch Bauernblatt Ausgaben 24 und 35/2022)

Insgesamt vergab der größte Jugendverband im ländlichen Raum, der Bund der deutschen Landjugend, in Berlin, gemeinsam mit der R+V Versicherung 10.000 € . Der erste Preis ging an die die Landjugend Sachsen-Anhalt für eine LaJu-Entdeckertour. Ein weiterer zweiter Platz an die Landjugend Geithain (Sachsen) für die Kulturwerkstatt, ein soziokulturelles Zentrum mit Freizeittreff. Die Jury war so beeindruckt von Fülle, Vielfalt, Qualität und Einfallsreichtum der eingereichten Bewerbungen, dass neben den drei Hauptpreisen drei Achtungspreise vergeben wurden. Neben der Laju Hohenhorst wurde die Badische Landjugend geehrt, weil sie es mit VR-Brillen Schülern ermöglichte, den Bauernhof visuell zu erleben sowie die  Landjugend Bischoffingen für ihr Open-Air-Konzert .

Alle Projekte wurden von der Jury ausdrücklich  zur Nachahmung empfohlen.

Zur Nachahmung empfohlen: die Fahrradständer aus Liegeboxenbügeln der Laju Hohenhorst. Foto: Stefan Hülsen
Interview auf dem Grünen Sofa der Laju Schleswig-Holstein. Foto: Jennifer Müller

Poststreik: Digitales Bauernblatt frei verfügbar

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Aufgrund eines Poststreiks wird das Bauernblatt in dieser Woche großflächig nicht ausgeliefert. Damit auch Printabonnenten zeitnah die Inhalte lesen können, steht die aktuelle Ausgabe als kostenloser Download zur Verfügung.

Sie können die Ausgabe HIER herunterladen.

Trendwende bei Erzeugerpreisen kündigt sich an

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Die Stimmung am Milchmarkt dreht sich und die Milchauszahlungspreise der hiesigen Meiereien sind im Mittel rückläufig. Erstmals seit 23 Monaten liegt die Differenz zwischen dem Rechnungsmonat Dezember und dem Vormonat im negativen Bereich. Um durchschnittlich 0,3 ct wurden die Auszahlungspreise durch die Meiereien reduziert. Es ergibt sich ein Mittel von 59,05 ct/ kg ECM für den Dezember. Teilweise kam es zu Nachzahlungen für einige Monate des Jahres 2022.

Das Milchaufkommen ist im Dezember aufgrund der ungewöhnlich kalten Witterung zeitweise zurückgegangen. In den letzten zwei Wochen des Jahres wurde der saisonübliche Anstieg dann wieder fortgesetzt. Zum Jahresende standen den deutschen Meiereien 3,6 % mehr Milch zur Verfügung als im Vorjahr. In dem sehr sensiblen Milchmarkt trägt diese Mehrproduktion zum Stimmungswandel bei und drückt auf das Preisgefüge. So wie eine eher kleine Fehlmenge zu enormen Preisanstiegen führt, 2022 waren es überwiegend weniger als 2 % Defizit zum Vorjahr, so wirkt sich nun das Plus aus. Im Nachbarland Frankreich bleibt es wie in den Vormonaten bei einer kleineren Produktion als im Vorjahr. Europaweit liegt die Milcherzeugung nach EU-Daten auf dem Niveau des Vorjahres, bis Oktober bei –0,2 %. Und auch auf globaler Ebene bleiben die Vorzeichen wie länger schon bestehen, Australien und Neuseeland melken nach wie vor weniger, die USA bleibt stabil. Dennoch drehen die Preise, für die Erzeugerpreise hierzulande sind ab Januar deutliche Rücknahmen angekündigt. Der ife-Rohstoffwert Milch ab Hof wird im Dezember bei 47,9 ct/kg gesehen, das sind 4,0 ct weniger als im November. Der Fettwert wurde um 1,9 auf 29,2 ct/ kg zurückgesetzt, der Nichtfettwert um 2,1 auf 20,3 ct/kg. Der zugrunde liegende Kurs für Magermilchpulver liegt jetzt wieder unter dem Höchststand von 2014 und nähert sich dem Gipfel von Januar 2020. Der Butterpreis ist ebenfalls gesunken, bleibt aber weiter hoch. Der Kieler Börsenmilchwert für den Januar-Termin ist mit 41 ct am Freitag, 13. Januar, deutlich abgeschwächt. Nachdem zur Jahresmitte 2022 Höchstwerte notiert wurden, begann im September der Abstieg. Im Oktober wurden die 55-ct-Marke gerissen, Ende November die 45-ct-Marke. Am Spotmarkt in den Niederlanden ist der Milchkurs abgestürzt, dort wurden im neuen Jahr 33,5 ct notiert.

Im Bereich der Käseproduktion wurden im Dezember noch feste Kurse notiert. Die Kemptener Butter- und Käsebörse berichtet auch im Januar weiter von einer guten Nachfrage, es besteht aber kaum noch Spielraum für weitere Preissteigerungen. Für Käse tendieren die Preise seitwärts, Butter schwächelt auf hohem Niveau, weil sich die Nachfrage nach dem Ende der Feiertage normalisiert und das Angebot am Markt gut ausreicht. In der Hannoveraner Notierung für Schnittkäse sieht man ein ähnliches Bild. Deutschlandweit hatten sich die Meiereien zum Jahresende hin auf Butter und Käse konzentriert sowie auf Magermilchpulver. Im Schnitt des ganzen Jahres 2022 sticht vor allem die Ausweitung der Produktion von Vollmilchpulver heraus.

Die Preistendenz im Bereich der Milchpulver ist schwächer. Vollmilchpulver steht im Januar mit 3.900 bis 4.050 €/t im Kurs. Dieses Niveau ist vergleichbar mit dem Jahresende 2021. Aufgrund der saisonal immer besseren Rohstoffverfügbarkeit steigt das Angebot am EU-Binnenmarkt, sodass die langsam anziehende Nachfrage gut bedient werden kann. Im Bereich der Magermilchpulver ist es noch ruhig, so wie für den Jahresbeginn üblich. Im Exportgeschäft wirkt sich der steigende Euro-Wechselkurs hindernd aus und schmälert die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich. Magermilchpulver in Lebensmittelqualität notiert mit 2.650 bis 2.890 €/t in einer großen Spanne schwächer, Futtermittelqualität tendiert mit 2.440 bis 2.470 €/t leicht schwächer. Das Kaufinteresse am Weltmarkt sollte jahreszeitlich bald an Schwung gewinnen.

Erfahrungen aus zwei Jahren in Futterkamp

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Luzerne wurde von der 2020 angelegten 4,5 ha großen Fläche durch die Landwirtschaftskammer am Standort Futterkamp im ersten und zweiten Jahr jeweils dreimal geerntet mit dem Ziel, die Milchviehherde des Versuchsgutes mit hochwertiger Silage zu versorgen. Die Ergebnisse dieser Anbauerfahrungen in Futterkamp beschreibt der folgende Artikel.

Anbau und Ertrag konnten überzeugen, sodass die Kammer mit der Neuansaat von Luzerne 2022 auch künftig auf die Futterpflanze setzen wird. Die Silierung erfolgte in Rundballen.

Der erste Aufwuchs 2020 offenbarte kurz vor dem ersten Schnitt einen starken Befall mit der Giftpflanze Schwarzer Nachtschatten. Die langsame Jugendentwicklung der Luzerne ermöglichte das Keimen der Samen, die bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben.

Die im April 2020 in Reinsaat gesäte Luzerne hielt gerade im ersten Anbaujahr einige Überraschungen parat. Bedingt durch die langsame Jugendentwicklung präsentierte sich der Bestand zunächst ziemlich durchwachsen mit verschiedenen Beikräutern und Ausfallraps, erst ab Mitte Juni dominierte die Luzerne.

Kurz vor der ersten Ernte Ende Juli trat bei einer Flächenbegehung ein größeres Problem zutage: Im Vorgewende und in den Fahrgassen hatte sich die Giftpflanze Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) ausgebreitet, deren Samen bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben. Insofern war eine Nutzung als Futter nicht möglich, der Aufwuchs konnte jedoch als Substrat für eine Biogasanlage dienen, da die Pflanzen erst im Blühstadium waren. Ein Monitoring der folgenden Luzerneaufwüchse ergab, dass der Nachtschatten nach der ersten Mahd einerseits nicht wieder ausgetrieben und andererseits die gute Bodenbedeckung der Luzerne einen weiteren Samenaufgang verhindert hatte, wodurch auch das Wachstum der anderen Beikräuter wirksam unterdrückt worden ist.

Nach der Etablierung waren keine Pflegemaßnahmen erforderlich, es erfolgte lediglich Anfang Februar 2021 eine Düngung mit 4 dt/ha 40er Kornkali. Damit ist der Anbau deutlich weniger arbeitsintensiv als die Bewirtschaftung von Dauergrünland oder Ackergras.

Mahd und Ernte mit der Rundballenpresse

Für die Mahd hat es sich in Futterkamp bewährt, diese morgens noch im Tau durchzuführen und das Erntegut direkt danach gleichmäßig zu verteilen. Um Schmutzeintrag ins Erntegut zu vermeiden und die Nachwuchskraft des Bestandes zu sichern, wurde eine Schnitthöhe von 10 cm angestrebt, aufgrund der technischen Möglichkeiten des verwendeten Kuhn-Mähwerks jedoch etwas unterschritten.

Zum zweiten Schnitt 2021 war der Luzernebestand in der Vollblüte.

Nach etwa 24 Stunden Anwelkzeit, kurz vor dem Pressen der Ballen, wurde langsam und vorsichtig geschwadet, dadurch konnten die Bröckelverluste weitgehend minimiert werden. Für das Pressen der Rundballen wurde zunächst eine Press-Wickel-Kombination verwendet. Zur Vermeidung von Fehlgärungen wurden oberhalb der Pick-up mittels zweier Düsen ein geeignetes biologisches Siliermittel in den Gutstrom appliziert, das Erntegut unter Einsatz aller Messer so kurz wie möglich geschnitten und ein hoher Pressdruck eingestellt. Da es jedoch beim Absetzen der achtlagig gewickelten Ballen zur Perforation der Stretchfolie durch die harten Luzernestoppeln kam, wurde ab der nächsten Ernte auf ein absätziges Verfahren umgestellt. Das Wickeln der Rundballen erfolgte etwa eine Stunde nach dem Pressen auf dem Hofplatz, die anschließende Lagerung auf befestigtem Boden unter Vogelschutznetzen.

Einsatz eines Strangballenwicklers

Zum dritten Schnitt 2021 kam ein Strangwickelgerät der Firma Anderson zum Einsatz, um die Rundballen in Form eines Ballenstranges mit Folie zu umwickeln und somit die Eignung dieses wenig verbreiteten Verfahrens zu testen. Der jeweils erste und letzte Ballen des Stranges wurden manuell mit normaler PE-Silofolie umspannt, die mithilfe des Netzes fixiert wurde. Die Ballen wurden dann mittels Frontlader auf den Wickeltisch gelegt und dem Strang hinzugefügt. Dabei sorgt ein Stempel für das Aufeinanderpressen der Ballen, zwei rotierende Arme übernehmen das Einwickeln mit acht Folienlagen. Der fertige Strang gleitet über Rollen auf den Boden, während des Wickelns bewegt sich das Gerät nach vorne.

Bereits kurz nach der Fertigstellung des Stranges war an beiden Seiten die Ausbildung einer Gasblase zu beobachten – ein sichtbares Zeichen für die erreichte Gasdichtigkeit. Das Verfahren ermöglicht eine Reduzierung des Folienverbrauchs um etwa 40 % im Vergleich zu einzeln gewickelten Rundballen. Eine Lagerung auf unbefestigtem Boden ist möglich, da sich bei der Entnahme eines Ballens die verbleibende überstehende Stretchfolie leicht zusammenzieht.

Für das Strangwickelverfahren werden der erste und der letzte Ballen des Stranges manuell mit normaler Silofolie eingeschlagen, bevor der Strangwickler acht Lagen Stretchfolie darumwickelt. Die Ballen werden mit einem Stempel an den bestehenden Strang gepresst. Lohnunternehmer Pieter Manke überzeugt sich von der korrekten Fertigstellung des Ballenstranges. 

Erträge und Futterwertparameter

Die Ernte der Luzerne erfolgte im Stadium der Knospe mit Ausnahme des zweiten Schnitts 2021, bei dem der Bestand zur Gewährleistung der Ausdauerfähigkeit in voller Blüte stand. Im zweiten Nutzungsjahr konnten aufgrund der Etablierung des Bestandes und der geschlossenen Narbe höhere Erträge erzielt werden (Tabelle 1). Verglichen mit den Flächenerträgen 2021 des Dauergrünlandes schnitt die Luzerne etwas besser ab, insbesondere wurden trotz geringerer Nutzungsintensität und ohne N-Düngung höhere Jahres-Rohproteinerträge erzielt.

Da es sich bei Luzerne aufgrund der hohen Rohproteingehalte und der damit verbundenen hohen Pufferkapazität um eine schwer silierbare Futterpflanze handelt, wurde besonderes Augenmerk auf den Anwelkprozess gelegt. Bei allen Ernten war ein Anwelken über 30 % Trockenmasse (TM) möglich, bei guter Witterung sogar auf 40 bis 45 % TM. In Kombination mit dem Einsatz biologischer Siliermittel (rein homofermentative oder homo- und heterofermentative Milchsäurebakterien) konnten die pH-Werte tief genug abgesenkt und Fehlgärungen wirksam vermieden werden.

Zwei Erntetermine wurden hinsichtlich der Silagequalität und des Futterwertes genauer unter die Lupe genommen. Hierzu wurden je zehn Ballen des zweiten Schnitts 2020 und des ersten Schnitts 2021 auf Paletten gelagert, um zur Bestimmung der Silierverluste Wiegungen zu ermöglichen. Vor dem Öffnen zur Verfütterung wurden diese Ballen beprobt. Die Ergebnisse finden sich in Tabelle 2.

Kurze Zeit nach dem Fertigstellen und Ablegen des Ballenstranges war als sichtbares Zeichen für die Gasdichtigkeit des Systems die Ausbildung einer Gasblase an den Enden zu beobachten.

Die Silagen des zweiten Schnitts 2020 zeichneten sich durch höhere Rohasche- und Proteingehalte aus, wofür einerseits die noch lückige Narbe, andererseits der höhere Blattanteil am Gesamtbestand verantwortlich war. Im zweiten Nutzungsjahr war die Narbe dichter und der Anteil der faserreichen groben Stängel gegenüber dem Vorjahr höher, was auch am höheren Rohfasergehalt erkennbar ist. Der im Ausgangsmaterial nur begrenzt verfügbare Zucker wurde fast vollständig zu Milch- und Essigsäure umgesetzt.

Der Besatz mit Hefen und Schimmelpilzen lag in den meisten Silagen unterhalb der Nachweisgrenze. Die Silagen waren im Labor über sieben bis zehn Tage aerob stabil, wobei die Tests jeweils nach dieser Zeitspanne abgebrochen wurden. Die hohe aerobe Stabilität bestätigte sich auch während der Verfütterung der Ballen, Nacherwärmung oder Schimmel wurden an den „Versuchsballen“ nicht beobachtet. Schimmelbefall trat nur dann in einzelnen Ballen auf, wenn diese Beschädigungen der Folie aufwiesen oder aufgrund eines zu geringen Vorschubs zu lange im Ballenstrang der Luft ausgesetzt waren.

Parallel zu den „Versuchsballen“ wurden Laborsilierversuche mit verschiedenen TM-Stufen und Siliermitteln angelegt, die Ergebnisse dazu werden in der nächsten Ausgabe veröffentlicht.

Grobstängeligkeit, Schnittqualität und Steine

Besonders auffällig an den Luzernesilagen waren die teilweise noch langen, groben Stängel. Vermutlich wurden diese längs in die Presse gezogen und deshalb nicht geschnitten. Gerade bei den in Vollblüte befindlichen Pflanzen, die zur Ernte bereits ins Lager gegangen waren, trat dieses Problem häufiger auf.

Die Silierung der Luzerne war erfolgreich, es traten keine Fehlgärungen auf. Auffällig waren die groben und teilweise ungeschnittenen Stängel, die von „verwöhnten“ Milchkühen gerne aussortiert wurden.

Bei den im Strang gewickelten Ballen wurde an den Rändern bewusst ohne Messer gearbeitet, damit die Ballen beim Transport und Auflegen auf das Wickelgerät formstabil blieben. Die groben, langen Stängel verblieben bei den Fütterungsversuchen häufig im Trog. Um dieses Aussortieren zu vermeiden, ist dieses Jahr geplant, die Luzerneernte mittels Feldhäcksler durchzuführen und die einzelnen Schnitte übereinander im Fahrsilo zu silieren. Andere Landwirte berichteten beim jüngsten Luzerne-Praktikertreffen von ihren guten Erfahrungen mit Häcksel- und Sandwichsilagen.

Des Weiteren wurden regelmäßig Steine aus den Wiegetrögen entfernt, die anscheinend über den Schwader/die Pick-up mit in die Ballen gelangten. Mit voranschreitender Etablierung des Bestandes nahm die Kontamination mit Steinen ab. Ein Lösungsansatz wäre hier das manuelle Absammeln auch kleiner Steine, was sicherlich aus arbeitswirtschaftlicher Sicht kritisch zu sehen ist. Weitere Lösungen bestehen etwa in der Erhöhung der Schnitt- und Arbeitshöheneinstellungen oder der Verringerung der Fahrgeschwindigkeit beim ­Schwaden.

Fazit

Trotz der Einstufung der Luzerne als schwer silierbare Futterpflanze gelang die Silierung sowohl in einzelnen Rundballen sowie im Ballenstrang gewickelt fehlgärungsfrei. Die Silagen zeichneten sich dabei durch hohe Rohprotein- und auch Fasergehalte aus. Die Herausforderungen bezüglich Steinbesatz und Schnittqualität sollen in den nächsten Nutzungsjahren gelöst werden. Mehr zum Thema Luzerne in der kommenden Ausgabe im Bauernblatt.

Bewertung von Ferkelaufzuchtfutter I und II

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Von Juli bis September 2022 wurden in Schleswig-Holstein zwei Ferkelaufzuchtfutter vom Verein Futtermitteltest (VFT) beprobt, überprüft und bewertet.

Durch Mitarbeiter der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wurden die Proben direkt bei Anlieferung des Futters auf den Betrieben gezogen. Nach Untersuchung im Labor der Agrolab Lufa Kiel erfolgte die Bewertung beim VFT. Sobald hier eine Abweichung von der Deklaration oder den Vorgaben und Richtwerten festgestellt wird, wird das Futter durch ein zweites Labor überprüft. Dadurch wird die Gefahr von Analysefehlern minimiert und tatsächliche Abweichungen werden abgesichert.

Hinweise zur Vorgehensweise des VFT bei der Bewertung der Futtermittel, zu Anforderungen und fachlichen Vorgaben sind im Internet unter futtermitteltest.de zu finden. Über diese Seite ist ebenfalls ein Zugriff auf die Ergebnisse verschiedener Futtertypen in den einzelnen Regionen möglich.

Ferkelfutter aus Schleswig-Holstein

Es wurden insgesamt sechs Futter aus fünf Mischfutterwerken untersucht. Es handelt sich um fünf Ferkelaufzuchtfutter I (FAZ I) und ein Ferkelaufzuchtfutter II (FAZ II). Für das FAZ I werden je nach Hersteller und Produkt unterschiedliche Einsatzzeiträume benannt. Für das FAZ II ist ein Einsatzzeitraum ab 20 kg bis acht Wochen nach dem Absetzen angegeben.

Fünf der sechs getesteten Aufzuchtfutter enthielten einen Phytasezusatz. Die deklarierten Energie- und Proteingehalte der FAZ I lagen zwischen 13,5 und 15,6 MJ ME/kg beziehungsweise 17,0 und 18,8 % Rohprotein. Das FAZ II war mit einem Energiegehalt von 13,6 MJ ME/kg und einem Rohproteingehalt von 17,5 % deklariert. Die in der Schweinefütterung zuerst limitierend wirkenden Aminosäuren Lysin und Methionin wurden im FAZ I je nach Futter mit 1,30 bis 1,49 % Lysin und 0,36 bis 0,62 % Methionin angegeben. Für das FAZ II waren Gehalte von 1,23 % Lysin und 0,39 % Methionin mit dem Zusatz von Methi­onin-Hydroxy-Analog (MHA) angegeben. Die Kalzium- und Phosphorgehalte sind ebenfalls der Tabelle 1 zu entnehmen.

Kommentierung der Ferkelaufzuchtfutter

Bei Überprüfung der Deklarationen nach futtermittelrechtlichen Vorgaben durch die Laboranalysen konnten fünf der sechs Futter die deklarierten Werte im Rahmen der Toleranzen einhalten.

Das FAZ I der Firma BAT wies einen Energie-Untergehalt auf und wurde daher mit der Note „3“ bewertet (Tabelle 2). Eine ausreichende Versorgung mit Energie und allen wichtigen Aminosäuren ist für eine gute Gesundheit und Zunahme wichtig.

Da die Bezeichnung FAZ I beziehungsweise II nicht eindeutig ist, sind generell Hinweise auf den Einsatzbeginn (x kg Lebendgewicht) notwendig. Ein Einsatzbeginn mit entsprechender Gewichtsangabe wird leider nur von einigen Herstellern mit aufgeführt.

Die vorliegenden Testergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die geprüften Futterchargen und dürfen nicht generell für die Beurteilung der Futtertypen herangezogen werden. Sie lassen ebenfalls keine Rückschlüsse auf die übrigen Produkte der beteiligten Mischfutterhersteller zu.

Die Prüfung von Mischfutter durch den VFT wird insbesondere durch Zuschüsse des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.