Inmitten des Naturparks Westensee liegt etwa auf halber Strecke zwischen Rendsburg und Kiel das Gut Emkendorf mit seinem eindrucksvollen Herrenhaus. Zusammen mit den unweit gelegenen Gütern von Deutsch-Nienhof und Schierensee spricht man auch von den drei Schlössern am Westensee, wenngleich die drei Herrenhäuser niemals Residenzen oder Nebenresidenzen eines Landesherren gewesen sind.
Den Park des Emkendorfer Anwesens kann man frei erkunden, und das Herrenhaus ist zu Führungen, Veranstaltungen und Festen zu besichtigen. Die Anlagen von Schierensee und Deutsch-Nienhof sind privat genutzt, aber Letzteres erweitert aktuell sein touristisches Angebot.
Historische Anfahrtsallee
Eindrucksvoll ist bereits die Anfahrt nach Emkendorf: Die alte Allee mit eindrucksvollen Baumgestalten führt seit etwa 250 Jahren in Richtung der Gutsanlage. Über eine Länge von 4 km erstrecken sich die alten Holländischen Linden, Rosskastanien und Bergahorne an der Kreisstraße. Es handelt sich um eine gemischte Allee verschiedener Baumarten, die seit 1936 als Naturdenkmal unter Schutz steht. Eine besondere Ehrung erfuhr sie 2022, als ihr in einem vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB) und dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) veranstalteten landesweiten Alleenwettbewerb der erste Preis zuerkannt wurde. Da einige der älteren Bäume im Laufe der Jahre aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt werden mussten, konnten mittlerweile Nachpflanzungen durchgeführt werden. Dabei kamen neben den bewährten Arten Holländische Linde, Eiche und Bergahorn auch Hainbuche, Resista-Ulme (resistent gegen die Ulmenkrankheit), Rotblättriger Spitzahorn und Robinie zum Einsatz. Bei den jüngsten Nachpflanzungen wurde auf Rosskastanien und Eschen wegen der Krankheitsanfälligkeit verzichtet. Insgesamt prägen derzeit neben den über 340 Altbäumen fast 200 nachgepflanzte Bäume die Anfahrt zum Gut Emkendorf.
Herrenhaus und Blütezeit
Die erste Erwähnung Emkendorfs datiert aus dem Jahre 1190, als es zu einem System von Burganlagen des Rittergeschlechts derer vom Westensee gehörte. Als Adelssitz späterer Jahrhunderte, zunächst als Wasserburg und später als Gutsanlage mit Herrenhaus, wechselten die Eigentümer mehrfach, etwa Baudissin, Ahlefeld, Rantzau und Reventlow. Das ab 1730 zunächst im spätbarocken Stil erbaute Herrenhaus wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts klassizistisch überformt. Seither ist der zweigeschossige, verputzte Backsteinbau äußerlich nicht mehr wesentlich verändert worden.
Nachdem Detlev von Reventlow 1765 das Emkendorfer Gut erwarb und es 1783 an seinen Sohn Friedrich Graf Reventlow, genannt Fritz, vererbte, erlebte das Herrenhaus seine größte Blütezeit. Fritz war verheiratet mit Julia, geborene von Schimmelmann, und zusammen machten sie das Herrenhaus zu einem wichtigen geistigen und kulturellen Zentrum. Viele Persönlichkeiten der Zeit waren zu Gast im „Weimar des Nordens“, wie Emkendorf bisweilen bezeichnet wurde. Dem sogenannten Emkendorfer Kreis gehörten Persönlichkeiten wie die Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, Heinrich Voß und Matthias Claudius, der Theologe Johann Caspar Lavater, der Reichsgraf Friedrich Leopold zu Stollberg, der Philosoph Friedrich Jacobi und weitere an. Mit dem Tode Julias endete 1816 die etwa 30-jährige Blütezeit.
Seit 1929 befindet sich Emkendorf im Besitz der Familie Heinrich. Der Verleger der „Kieler Nachrichten“, Christian Tobias Heinrich, und seine Tochter Christiane Carlson entscheiden aktuell über die Geschicke des Herrenhauses und der angeschlossenen, 1.110 ha umfassenden Land- und Forstwirtschaft. Das ganzjährige Veranstaltungsprogramm kann sich sehen lassen, und der jährliche Oster-, Herbst- und Adventsmarkt ist weit über die Region hinaus bekannt. Ebenso beliebt sind die Konzerte und Garten-Events, die im Rahmen des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals (SHMF) dort stattfinden. Auch herrschaftliche Übernachtungen in der Julia-Suite, im Rittmeister- oder Claudiuszimmer mit ihrem originalgetreu erhaltenen Ambiente können gebucht werden.
Die Gartenanlage in Emkendorf
Reste alter Gartenstrukturen im Rokokostil mit geometrischen Beeten, einem Wasserbecken mit Springbrunnen, geschnittenen Buchsbaumpflanzen und Rhododendren befinden sich auf der Südseite des Herrenhauses. Dieser Bereich ist allerdings nicht öffentlich zugänglich. Ab 1789 wurde der bis dahin formale Garten unter den Reventlows in vielen Bereichen in einen romantischen Landschaftsgarten umgewandelt. Die Gestaltung wurde von dem Bau- und Landschaftsarchitekten Carl Gottlob Horn vorgenommen, der auch die Umbauarbeiten am Herrenhaus und Neubauten in Emkendorf zu verantworten hatte. Er war ein Vertreter des klassizistischen Baustiles. Neben offenen Flächen und Waldarealen gab es geometrisch angeordnete Beete, ebenso Teiche, einen Bachlauf und skulpturengesäumte Beete sowie Aussichtspunkte, die in die hügelige Wiesen- und Waldlandschaft eingebettet waren. Einen Teil dieser parkartigen Anlagen kann man auf der westlichen Seite im rückwärtigen Herrenhausbereich besichtigen.
Hier liegt auch der idyllische Hasensee, den man in einer kleinen Wanderung von 2 km umrunden kann. Die etwas schnellere Rückkehr über die lange Brücke ist derzeit wegen deren Baufälligkeit nicht möglich. Bei der Umrundung kommt man vorbei an der kleinen, verwilderten Insel, auf der in früheren Zeiten wohl ein Garten mit Obst, Gemüse und Zierblumen angelegt war. Entlang der Mauer des ehemaligen Gärtnereiareals geht es an einigen zum Gut gehörigen Gebäuden vorbei wie dem Matthias-Claudius-Haus, einem von Horn errichteten Gartenhaus, in dem Claudius zeitweilig wohnte. Bei der Alten Meierei, die heute auch für Wohnzwecke genutzt wird, biegt man wieder in Richtung Parkplatz mit dem Ensemble aus Wirtschaftgebäuden, Pferdeställen, dem Kuhhaus und der großen Kornscheune ein.
Zwei weitere Schlösser am Westensee
Zu den eingangs erwähnten drei Schlössern gehört das wenige Kilometer von Emkendorf entfernte Gut Deutsch-Nienhof, das 1472 erstmalig als adeliges Landgut erwähnt wird. Das heutige Herrenhaus wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Zu ihm gehört ein 12 ha großer Landschaftspark. Wichtige Betriebszweige des Gutes sind neben der Forstwirtschaft die Imkerei, Regenerative Energiegewinnung und der Schutz und die Haltung alter und gefährdeter Haustierrassen wie des Weißen Parkrinds oder des Shropshire-Schafs. Zudem betreibt die Besitzerfamilie Hedemann-Hespen auf dem Areal den nördlichsten Bioweinanbau Deutschlands. Die hofeigenen Produkte, darunter das Fleisch der extensiv gehaltenen Tiere und der Wein Kroon 54° 15‘, können im Onlineshop oder im Hofladen erworben werden. Außerdem bietet das Gut moderne Übernachtungsmöglichkeiten, und in dem neu eingerichteten Café „Galerie Gut Deutsch-Nienhof“ gibt es in gemütlichem Ambiente an Wochenenden Kaffee und selbst gebackenen Kuchen.
Die noch ein paar Kilometer weiter von Emkendorf entfernte dritte Gutsanlage ist die von Schierensee, deren Herrenhaus 1776 bis 1782 mit barocken und klassizistischen Elementen erbaut wurde. Das Gelände ist öffentlich nicht zugänglich. Das Gut befindet sich heute im Besitz der Günther-Fielmann-Stiftung. Neben der Forstwirtschaft und der biologischen Landwirtschaft werden Holsteiner Warmblutpferde, Limousin-Rinder und Kärntner Brillenschafe gezüchtet. Besonders beliebt ist der jährlich stattfindende Adventsgottesdienst im Rinderstall.
Der Ort Westensee mit Badestelle am gleichnamigen See, Einkehrmöglichkeit im dortigen Gasthaus und in der St. Catharinenkirche aus dem 13. Jahrhundert ist von Emkendorf aus ein ebenso interessantes Ausflugsziel wie eine Wanderung durch das nahe gelegene Naturschutzgebiet „Methorstteich und Rümlandteich“, deren Startpunkt sich etwa 4 km von Emkendorf in Richtung Haßmoor befindet.




