Aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen zu Silvester sind in Sachsen schon erste Gefleckte Kohltriebrüssler in den Gelbschalen gefangen worden. Auch Bienen waren intensiv unterwegs. Das war in Schleswig-Holstein zum Glück nicht der Fall, zeigt aber wieder einmal, dass Insekten sich nicht an die Lehrbuchmeinung beziehungsweise den Kalender halten. Um einen so frühen Zuflug von Stängelrüsslern mitzubekommen, gehört neben einem „Bauchgefühl“ auch die Gelbschale auf den Acker.
Auch wenn es Gelbschalen mittlerweile schon als elektronische Variante gibt, eines bleibt: die Eigenverantwortung für das Aufstellen, die regelmäßige Kontrolle und das Wechseln des Wassers. Denn die Schaderregerüberwachung im Frühjahr 2022 des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer zeigt, dass der Große Rapsstängelrüssler inzwischen in Schleswig-Holstein weitverbreitet ist. Auch an der Westküste wurde die Bekämpfungsschwelle an einigen Standorten überschritten.
Nicht den richtigen Zeitpunkt verpassen!
Der Große Rapsstängelrüssler erwacht schon bei Bodentemperaturen von zirka 5 °C auf den vorjährigen Rapsflächen. Das kann, wie 2021, schon Ende Februar sein. In dem Jahr führte die plötzliche Erwärmung zu einem plötzlichen Zuflug der Stängelschädlinge. Wer zu diesem Zeitpunkt seine Gelbschalen nicht auf dem Acker hatte, verpasste dieses wichtige Ereignis.
Da der Große Rapsstängelrüssler auf den vorjährigen Rapsflächen überwintert und folglich auch dort erwacht, ist es ratsam, eine Schale dort aufzustellen. Dadurch wird das Erwachen der Käfer festgestellt. Gehört die Vorjahresbefallsfläche einem Berufskollegen, sollte die Schale im eigenen Raps, wo der Zuflug dann überwacht wird, zu dieser Seite hin ausgerichtet werden. Somit wird der Weg kurz gehalten.
Über die Frage, wie viele Gelbschalen im Raps stehen sollen, wird häufig diskutiert. Mehrere Schalen bieten sich besonders auf großen Flächen an. Diese spiegeln dann eher die tatsächlichen Gegebenheiten wider. Begrenzen Knicks oder Waldränder einen aktuellen Rapsschlag, sollten auch dort Schalen stehen, denn dort überwintern Gefleckter Kohltriebrüssler und Rapsglanzkäfer. Sind die Gelbschalen gut platziert, ist die Fängigkeit deutlich höher. Regelmäße Kontrollen mit Wasserwechsel verstehen sich von selbst.
Die verschiedenen Schädlingsarten
Der Große Rapsstängelrüssler sucht nach dem Erwachen sogleich die nächstgelegenen Rapsschläge zur Eiablage auf. Die Weibchen sind sofort geschlechtsreif und beginnen nach der Paarung, ihre Eier abzulegen. Mit dem Vollzug der Eiablage erfolgt auch schon die Schädigung des Rapses. Das Weibchen scheidet bei der Herstellung der Ei-Nischen Wuchsstoffe aus, die für die typischen Verdrehungen der Stängel verantwortlich sind. Diese Verdrehungen sind sehr auffällig und nicht zu verkennen. Die Bekämpfung muss demzufolge zeitnah (innerhalb von drei Tagen) mit dem Zuflug (Bekämpfungsschwellen!) vor der Eiablage erfolgen. Resistenztechnisch ist die Welt beim Großen Rapsstängelrüssler noch in Ordnung.
Der Gefleckte Kohltriebrüssler benötigt normalerweise etwas höhere Temperaturen. Ihn erkennt man an dem weißen Fleck auf dem Rücken. Nach dem Erwachen im Winterquartier und dem Einflug in die Rapsbestände vollzieht er erst einen ausgiebigen Reifungsfraß, bevor er mit der Eiablage startet. Somit stehen für eine eventuelle Bekämpfung je nach Witterung sieben bis zehn Tage zur Verfügung. Nach erfolgter Eiablage wachsen die Rapsstängel gerade weiter, sodass die Larven äußerlich oft unentdeckt bleiben. In Resistenztests des Julius-Kühn-Instituts (JKI) konnte beginnende Resistenz gegen Pyrethroide festgestellt werden.
Um die Insektizidmaßnahme richtig zu terminieren, ist es von großer Bedeutung, die Schädlinge zu unterscheiden. Es gilt vor allem, den Großen Rapsstängelrüssler sicher zu erkennen. Seine höhere Schadwirkung wird auch an der niedrigen Bekämpfungsschwelle von nur fünf Käfern pro Gelbschale innerhalb von drei Tagen sichtbar. Der Große Rapsstängelrüssler ist komplett schwarz gefärbt, wobei er durch seine dichte Behaarung eher grau wirkt. Hingegen hat der Gefleckte Kohltriebrüssler, wie der Name verrät, einen weißen Fleck auf dem Rücken, außerdem rotbraune, feingliedrige Füße.
Geeignete Mittel zur Bekämpfung
Der Populationsanstieg der vergangenen Jahre könnte bei günstigem Frühjahrswetter auch dieses Jahr zu einem stärkeren Zuflug führen. Stängel- und Triebrüssler ohne Rapsglanzkäfer können mit Pyrethroiden der Klasse II (zum Beispiel Karate Zeon) in Schach gehalten werden. Treten allerdings neben den Stängelschädlingen auch gleichzeitig bekämpfungswürdige Rapsglanzkäfer auf, sollte Trebon 30 EC (B2, Pyrethroid-Klasse I) zum Einsatz kommen. Mavrik Vita/Evure (B4) hat gegen Stängelschädlinge keine Zulassung.
Fazit
Eine Behandlung gegen Rapsschädlinge sollte nur nach Überschreitung von Bekämpfungsschwellen erfolgen. Die Resistenzsituation gegen Pyrethroide ist inzwischen bei einigen Schädlingen sehr angespannt. Da mit Ausnahme des Produktes Mospilan SG (Indikation Rapsglanzkäfer) keine anderen Wirkstoffe zur Verfügung stehen, kann nur mithilfe der verringerten Anwendungshäufigkeit Einfluss auf die weitere Resistenzentwicklung genommen werden. Hierbei müssen alle Schädlinge betrachtet werden. Ein Pyrethroideinsatz, beispielsweise gegen den Rapsglanzkäfer, betrifft auch späte Kohltriebrüssler und zusätzlich frühe Kohlschotenrüssler. Zusätzlich befinden sich fast ganzjährig Rapserdflöhe im System. Diese Tiere sind dann alle als Nebeneffekt von der eigentlichen Maßnahme betroffen. Und das sind im Übrigen auch die Rapsschädlinge, die die stärkste Pyrethroidresistenz aufweisen. So schließt sich der Kreis.
Ermittlung des Schädlingsaufkommens mittels Gelbschalen
Landesweit gesehen ist das Auftreten der Schadinsekten sehr unterschiedlich. Neben Einflussgrößen wie Rapsanbaudichte, Schlaggröße und Lage zu Nachbarflächen (Wald, Knicks) ist von Nordwesten in Richtung Südosten häufig ein höheres Auftreten zu beobachten. Gelbschalen geben Orientierung über Zuflug und Behandlungszeitpunkt. Das Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion (Isip) bietet Hilfestellung, ersetzt aber keine eigene Gelbschale.
• Gelbschale an ersten sonnigen Tagen bei Temperaturen über 10 °C in der Rapsfläche aufstellen
• Gelbschale mit Wasser und Spülmittel befüllen und zum Schutz von Bestäuberinsekten mit einem Gitter bedecken
• Gelbschale nicht am Feldrand aufstellen, da der höhere Randbefall nicht die tatsächliche Situation darstellt
• Große Schläge erfordern mehrere Gelbschalen.
• Die Gelbschale muss mit dem Bestand mitwachsen.
• Je nach Wetterlage regelmäßige Kontrolle und Wasserwechsel (je wärmer, desto häufiger)
• Die Gelbschale ist nicht geeignet zur Ermittlung der Bekämpfungsschwelle des Rapsglanzkäfers. Sie zeigt nur den ersten Zuflug an.
Die digitale Gelbschale ist nicht in der Lage, Große Rapsstängelrüssler und Gefleckte Kohltriebrüssler zu unterscheiden. Das wäre aber wichtig, da das entscheidenden Einfluss auf den Behandlungstermin hat.




