Im Zentrum der Landeshauptstadt prägen neben dem Schrevenpark der am Kleinen Kiel befindliche Hiroshimapark, der sich anschließende Ratsdienergarten und der Schlossgarten das innerstädtische Grün. Während der zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegte Schrevenpark als bedeutender Landschaftspark der Kaiserzeit in Schleswig-Holstein gilt, ist der im 16. Jahrhundert angelegte Schlossgarten historisch gesehen die wohl älteste Grünanlage der Stadt.
Mit der boomenden Werft- und Hafenindustrie und der Ausweisung als Reichskriegshafen 1871 erfuhr die Stadt Kiel nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch die Bevölkerungszahlen stiegen rapide an. Es bedurfte also im Laufe der Zeit neuer Wohngebiete.
Der Schrevenpark
Für den lange als eines der Trinkwasserreservoire der Stadt genutzten Schreventeich gab es ab 1897 die Ideen zu einer Parkentwicklung. Angelegt wurde die Grünanlage 1900 bis 1902 nach Entwürfen des Gartenbauinspektors Ferdinand Hurtzig. Um den repräsentativen Park wurde ein großbürgerliches Wohnviertel geschaffen, wobei Ideen der Bürger Berücksichtigung fanden. Der Park wurde die grüne Mitte des neuen Wohngebietes zur Erholung, aber auch für Spiel und Sport.
Teile des Gebietes waren im Besitz des ortsansässigen Grafen, weshalb das Areal im Volksmund als des Grafen Teich (plattdeutsch „‘s Greven Diek“) bezeichnet wurde, woraus sich die Bezeichnung Schreventeich entwickelte. Dieser Name fand allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg Verwendung. Eröffnet wurde die Parkanlage 1902 zu Ehren der preußischen Herrscher unter dem Namen Hohenzollernpark. Der Schrevenpark, der heute als bedeutenster Landschaftspark der Kaiserzeit in Schleswig-Holstein gilt, war von vornherein als Grünanlage für die Bürger der umliegenden Stadtteile mit Zugängen aus allen Richtungen konzipiert, wie es der Planer Hurtzig formulierte: „Wege sollen in den Park führen und auch durch ihn; der Park soll nicht Stadtteile trennen, sondern sie verbinden.“
Der gemischte Gestaltungsstil führte zu einem Landschaftspark mit eingefügten geometrischen Schmuckgärten und bunten Blumenbeeten. In der zentralen Teichanlage befand sich eine Insel mit Brücke, und am Ufer gab es Promenaden und eine Gastwirtschaft mit Bootshaus für Ruderbootpartien auf dem Kleingewässer.
In den 1920er Jahren wurde ein Sommerblumenbeet in einen Rosengarten umgewandelt, in dem 1926 die Skulptur „Schlummernde“ aufgestellt wurde, die im Jahre 1911 von Richard Engelmann, der später Kunstprofessor in Weimar war, geschaffen wurde. Zwar wurde die Skulptur wegen Vandalismusproblemen 1950 in den nahe gelegenen Hiroshimapark umgesetzt, gelangte allerdings 2002 nach Wiederherstellung des Rosengartens in den Schrevenpark zurück.
Im Zweiten Weltkrieg gab es erhebliche Zerstörungen im Park, und alle Gebäude wurden vernichtet. Nach dem etwas reduzierten Wiederaufbau hat sich das Parkareal aber zu einem beliebten Treffpunkt und Erholungsgebiet entwickelt. Neben den Blumenbeeten mit Bergenie, Veronica, Goldrute, Chinaschilf, Buchsbaum, Hartriegel und anderen gibt es Kinderspielmöglichkeiten, ein Planschbecken, eine Hundeauslaufzone, eine Boule-Spielfläche, ausgedehnte Rasenfreiflächen und natürlich den großen Teich im Zentrum mit Uferpromenaden, Laufstegen, eine Insel am Südufer mit einer weißen Brücke und Sitzplätzen und eine kleine Wasserkaskade.
Die Stege am Wasser eignen sich nicht nur für naturnahen Erholungsgenuss, sondern auch für die Beobachtung von Klein- und Wasservögeln. Der Schreventeich gilt als einer der größten Freigehege für Wasservögel in Deutschland.
Interessant ist der über 100-jährige Baumbestand, wozu Eichen, Platanen, Erlen, Birken, Linden, Eschen, Trompetenbäume, Walnüsse, Kastanien, Tulpenbäume, Ess- und Rosskastanien, Eiben, Schlitzblättrige Buche, Magnolien und andere gehören. Prächtige Trauerweiden säumen die Ufer des Teiches. Viele Gartenbesitzer spendeten 1901 nach einem Appell Gehölze für die Bepflanzung und Entwicklung der Parkanlage. Früher trennte ein Silberahornring um den Park die Grünanlage von der umliegenden Bebauung. Reste davon sind noch erhalten. Schön ist auch die Blüte der Rhododendren im Mai.
Der Hiroshimapark
Wenige Gehminuten vom Schrevenpark in Richtung Altstadt befindet sich an dem innerstädtischen Kleingewässer Kleiner Kiel der Hiroshimapark. Die 1934 als Bismarckanlagen eingerichtete Grünanlage, die an den Reichskanzler erinnerte, zeigt auch ein überlebensgroßes Denkmal Otto von Bismarcks von Harro Magnussen. Im Jahr 1987 erfolgte die Umbenennung in Hiroshimapark in Erinnerung an den Atombombenabwurf auf die japanische Stadt. Seit 1986 findet immer am Jahrestag des Bombenabwurfs am 6. August 1945 eine Gedenkfeier im Park statt.
Neben einigen alten Bäumen wie Ess- und Rosskastanien, Silber- und Trauerweiden sowie Spitzahorn sind die Felder blau blühender Krokusse eindrucksvoll. Die Wasserinstallation „Changing Invisibility“ des dänischen Künstlers Jeppe Hein besteht aus einer quadratischen Fläche, die von einer Springbrunnen-Wasserwand umgeben ist, die sich schließt und wieder öffnet, indem die Wasserstrahlen plötzlich aufhören, in die Höhe zu schießen. Im Nordteil des Parks befindet sich ein Gedenkstein für die 334 schleswig-holsteinischen Sinti und Roma, die dem Völkermord der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind.
Der sogenannte Kleine Kiel ist ein ursprünglicher Meeresarm der Ostsee, dessen Meereszugang ab 1862 zugeschüttet wurde (heute zum Teil wieder geöffnet). Über das Gewässer mit einem 75 m langen, bogenförmigen Schwimmsteg eröffnen sich schöne Stadtansichten mit dem Opernhaus, dem Rathausturm und der Parkanlage.
Was wie in der Ferne auf dem Wasser treibende Segel auf dem Kleinen Kiel aussieht, ist das aus 24 Aluminium-Tetraedern bestehende Kunstwerk „Schwimmobjekt“ von Ulrich Behl, das aus dem Jahre 1987 stammt. Es gibt einen Hinweis auf die Bedeutung, die der Segelsport für die Stadt Kiel besitzt.
Der Ratsdienergarten
Der Verlauf des Kleinen Kiels setzt sich ringförmig um die Altstadt weiter fort in den Ratsdienergarten. In der seit 1938 als Ratsdienergarten bezeichneten öffentlichen Grünanlage besaßen früher die im Umfeld wohnenden Ratsdiener von ihnen bewirtschaftete Gärten. Neben Rasenfreiflächen und einigen alten Bäumen wie Silberahorn, Platanen, Flügelnuss, Roteiche und Blutbuchen finden sich hier vor allem einige Kunstwerke und Besonderheiten, beispielsweise der Klaus-Groth-Brunnen, der 1912 zu Ehren des in Heide geborenen und in Kiel verstorbenen Dichters errichtet wurde. Neben einer Statue Groths sind bekannte Szenen und Verse aus seinen Gedichten dargestellt.
Das Kunstwerk „Granitsäulen in Stahl“ mit dem Namen „Wik“ von dem Bildhauer Hans-Jürgen Breuste erinnert an den Kieler Matrosenaufstand vom November 1918. Interessant sind auch die sechs Büsten von Kieler Nobelpreisträgern, die von dem Bildhauer Jörg Plickat aus dem Jahre 2015 stammen. So finden wir neben den drei als Professoren in Kiel tätigen Chemie-Nobelpreisträgern Eduard Buchner, Kurt Alder und Otto Diels auch den Kieler Professor Otto Fritz Meyerhof als Medizin-Nobelpreisträger. Der Historiker und Altertumsforscher Theodor Mommsen, der in Kiel studiert hat, ist mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden und ebenfalls mit einer Büste vertreten. Hinzu kommt der bekannte, in Kiel geborene Physiker Max Planck, der 1919 den Nobelpreis für Physik erhielt und auch Ehrenbürger der Stadt Kiel ist.
Der Schlossgarten
Vorbei am Kieler Schloss folgt als weitere Grünanlage der Schlossgarten, der sich fördeparallel in Richtung Norden erstreckt. Das im Krieg stark zerstörte Kieler Schloss wurde 1961 bis 1965 als Neubau wiedererrichtet. Lediglich der Rantzaubau (ab 1697) ist vom alten Ensemble erhalten geblieben. Der Schlossgarten ist das erste Gartenkunstwerk Kiels, das unter Herzog Adolf im Zusammenhang mit dem Schlossneubau 1558 bis 1568 errichtet wurde.
Im Zuge der Universitätsgründung durch Herzog Christian Albrecht wurde hier auch der Botanische Garten „hortus botanicus“ angelegt. Es war der erste von fünf Standorten in Kiel, an denen der Botanische Garten der Universität im Laufe seiner über 350-jährigen Geschichte angelegt worden ist. Der zunächst als Renaissancegarten entwickelte Grünbereich wurde in der Folgezeit als Barockanlage, dann als französischer Garten und ab 1839/40 als Landschaftsgarten, später dann kaiserlicher Volksgarten entwickelt und ist heute öffentlicher Park.
Der im Krieg zerstörte und in der Folgezeit vernachlässigte Gartenbereich wurde inzwischen wieder neu gestaltet und reichhaltig bepflanzt. Die im Frühjahr blühenden Nickenden Milchsterne gelten noch als Reste früherer Gartenzeiten. Neben den alten Bäumen nahe dem Schloss finden sich in der 300 m langen Gartenanlage seitlich einige alte Bäume und eine Lindenallee. Der nördliche Gartenteil mit Aussichtsplateau wurde mit vielen Beeten und reicher Blütenbepflanzung 2010 wiederhergestellt.
Die Beete rund um das Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I., das 1896 von Adolf Bütt gefertigt worden ist, sind nach historischen Plänen angelegt. Neben einem Denkmal für die Gefallenen von 1870/71 von Heinrich Moldenschardt gibt es auch ein Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Studenten und Dozenten der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Lohnend ist ein Abstecher in den nördlich gelegenen Skulpturengarten der nahen Kieler Kunsthalle.
Wer sich entlang der Förde weiter in Richtung Norden hält, kann nicht nur den Ausblick auf die Ostsee genießen, sondern auch einen Abstecher in den Alten Botanischen Garten gegenüber dem Aquarium machen oder auch der Krusenkoppel, dem Düsternbrooker Gehölz, dem Diederichsenpark oder der Forstbaumschule einen Besuch abstatten und den Tag bei einem Bad in der Seebadeanstalt Düsternbrook oder mit einem Drink in der dortigen Seebar ausklingen lassen.




