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Duroc-Schweine rationiert füttern?

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Duroc-Mastschweine sind vor allem durch ihre Robustheit und sehr hohe Fresslust ­bekannt. Wegen ihres ruhigen Sozialverhaltens werden sie auch zunehmend in ­Betrieben gehalten, die unkupierte ­Schweine mästen. Ob die Tiere ad libitum oder doch besser rationiert gefüttert werden sollen, ­darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LK NI) ist in einem zweiten Mastversuch mit Duroc-Kreuzungen dieser Frage ­nachgegangen.

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück (LPA) wurden 112 Duroc-Kreuzungsferkel (Danbred Top Duroc x Danbred-Hybridsau) nach Gewicht und Geschlecht (weibliche Tiere und Kastraten) auf zwei Futtergruppen verteilt und in Zweiergruppen gehalten. Alle Tiere wurden dreiphasig gefüttert. Die Kontrollgruppe erhielt das Trockenfutter ad libitum, die Versuchsgruppe wurde ab 90 kg Lebendmasse (LM) rationiert gefüttert, indem die Tagesgabe auf 40 MJ ME begrenzt wurde. Es war ein Gewichtsbereich von 28 bis 122 kg geplant. Die zusätzliche Gabe von Strohpellets diente nicht nur zur Beschäftigung, sondern sollte auch die Fresslust etwas dämpfen. Zwischenwägungen wurden bei jedem Futterwechsel vorgenommen.

Die Futteranalysen bestätigten mit zwei Ausnahmen die Planungswerte: Der Rohprotein- und Phosphorgehalt des Mittelmastfutters lag außerhalb des Analysenspielraums.

Enorm hohe Mastleistungen

Die Mastleistungen der Duroc-Endprodukte waren extrem hoch. Die durchgehend ad libitum gefütterten Kontrolltiere erzielten 1.242 g und die Versuchstiere mit Rationierung ab 90 kg LM 1.134 g Tageszunahmen. Der Futteraufwand je Kilogramm Zuwachs lag bei 2,41 beziehungsweise 2,42 kg. Die Tiere in den Zweiergruppen nahmen täglich 2,98 kg (Kontrollgruppe) beziehungsweise 2,74 kg (Versuchsgruppe) auf.

Die Unterschiede in den Tageszunahmen und in der Futteraufnahme konnten statistisch abgesichert werden. Schon in der Anfangsmast starteten die Ferkel mit mehr als 1.000 g Tageszunahmen und erreichten in der Endmast 1.450 g (Kontrollgruppe) beziehungsweise 1.059 g (Versuchsgruppe). In dieser Phase fraßen die ad libitum gefütterten Schweine mit 4,18 kg pro Tag fast 1 kg mehr als die Tiere mit Rationierung und benötigten signifikant weniger Futter je Kilogramm Zuwachs (2,91 versus 3,09). Die geplante Rationierung auf 40 MJ ME am Tag ab 90 kg LM konnte realisiert werden.

Die AutoFOM-Klassifizierung ergab akzeptable Indexpunkte je Kilogramm Schlachtkörpergewicht von 0,992 (Kontrollgruppe) und 0,994 (Versuchsgruppe). In der gesamten Schlachtkörperbewertung gab es nur einen gesicherten Unterschied: Die ab 90 kg rationiert gefütterten Tiere wiesen mit 76,8 % eine höhere Schlachtausbeute auf als die ad libitum versorgten Tiere.

Sattfütterung in der LPA.

Reaktion der Geschlechter

Die Kastraten erzielten bei Sattfütterung 0,983 und die weiblichen Tiere 1,002 Indexpunkte je Kilo. Der Gesamtverbrauch pro Tier an Strohpellets lag bei 2.130 g (Kontrollgruppe) und 2.336 g (Versuchsgruppe), wobei sich interessanterweise auch in diesem Versuch ein höherer Verbrauch der weiblichen Tiere ergab.

Im Gegensatz zu den weiblichen Tieren führt die Rationierung bei den Kastraten zu einem geringeren Speck- und Fleischmaß.

Die Berechnung der Futterkosten beruhte auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen in der Kontrollgruppe bei 101,68 € und in der Versuchsgruppe bei 101,79 €.

Ausscheidungen der Nährstoffe

Die Nährstoffausscheidungen errechnen sich aus der Nährstoffzufuhr über das Futter abzüglich der Nährstoffmenge im Zuwachs. Dabei wurden die deklarierten Nährstoffgehalte der Mischfutter unterstellt, wenn sie durch Analysen bestätigt wurden, ansonsten wurde mit den Analysenwerten kalkuliert.

Je Tier wurden folgende Stickstoff- und Phosphat-Ausscheidungen ermittelt:

Kontrollgruppe: 3,22 kg N und 1,29 kg P2O5

Versuchsgruppe: 3,12 kg N und 1,25 kg P2O5

Somit schieden die Schweine der in der Endmast rationiert gefütterten Gruppe je 3 % weniger N und P2O5 aus.

Ob die höhere Schlachtausbeute rationiert gefütterter Tiere in der hier festgestellten Größenordnung repräsentativ ist, sollte in weiteren Versuchen geprüft werden.

Fazit

Duroc-Kreuzungstiere wurden durchgehend ad libitum oder ab 90 kg rationiert auf 40 MJ ME pro Tag gefüttert. Die ad libitum gefütterten Kontrolltiere erzielten 1.242 und die Versuchstiere 1.134 g Tageszunahmen. Der Futteraufwand je Kilo Zuwachs lag bei 2,41 beziehungsweise 2,42 kg, der tägliche Futterverbrauch betrug 2,98 kg (Kontrollgruppe) beziehungsweise 2,74 kg (Versuchsgruppe). Die Unterschiede in den Tageszunahmen und im Futterverbrauch waren signifikant. In der Endmast fraßen die ad libitum gefütterten Schweine mit 4,18 kg pro Tag fast 1 kg mehr als die Tiere mit Rationierung und benötigten signifikant weniger Futter je Kilo Zuwachs. Bis auf eine höhere Schlachtausbeute der Versuchstiere gab es keine gesicherten Unterschiede in der Schlachtkörperbewertung. Die Versuchsgruppe verursachte um 11 ct höhere Futterkosten je 100 kg Zuwachs und um 3 % geringere Nährstoffausscheidungen.

In die Zukunft mit neuen „drei K“

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Am 18. Februar 2023 konnte auf den Tag genau der LandFrauenverein Nahe und Umgebung sein 70-jähriges Bestehen feiern: Am 18. Februar 1953 gründeten 20 Frauen aus den Dörfern Itzstedt, Nahe, Oering, Seth, Sülfeld, Tönningstedt und Borstel den LandFrauenverein Nahe-Sülfeld.

Aufgrund wachsender Mitgliederzahlen musste der Verein geteilt werden. Die Gemeinden Oering und Seth gründeten ihren eigenen LandFrauenverein. Die Gemeinde Kayhude schloss sich nun Nahe-Sülfeld an. 2012 beschloss der Verein eine neue Satzung sowie die Eintragung ins Vereinsregister und benannte sich gleichzeitig um in „LandFrauenverein Nahe und Umgebung“.

Zurzeit gibt es 268 Mitglieder, und es sind Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen vertreten. Die Gründerinnen waren Bäuerinnen, und standen ihre drei K für Kinder, Küche und Kirche, so stehen sie heute für Kommunikation, Kompetenz und Karriere.

Unter dem Motto „Miteinander und füreinander“ hatte der Vorstand ein schönes Programm für die Jubiläumsfeier organisiert. Im Gasthof „Goldener Hahn“ in Stuvenborn wurde kräftig gefeiert. Präsidentin Ulrike Röhr vom Landesverband und Petra Fahje vom Kreisverband Segeberg überbrachten Glückwünsche und berichteten von der LandFrauenarbeit im Land und Kreis. Der Kayhuder Bürgermeister Bernhard Dwenger übergab stellvertretend für die Bürgermeister von Nahe und Sülfeld ein Geldgeschenk der Gemeinden. Pastor Ekkehard Wulf würdigte die gute Zusammenarbeit mit den LandFrauen.

Die Line Dance Gruppe „Wild Boots“ begeisterte die Gäste.

Den Mitgliedern und Gästen wurde neben einem köstlichen Buffet ein tolles Unterhaltungsprogramm geboten. Die Waldspitzbuben aus Ziegenrück in Thüringen unterhielten mit Musik und Sketchen. 2021 ging dort die Herbstreise hin, und dabei hatten die Frauen so viel Spaß mit den Waldspitzbuben, dass sie sie für die Jubiläumsveranstaltung engagierte. In der Pause trat die Line Dance Gruppe „Wild Boots“ auf. Seit Anfang Februar gibt es wieder eine Anfängergruppe, die großen Zuspruch hat. Ein Buffet mit selbst gebackenen Torten und Kuchen rundete die Feier ab. 

Moorschutz kontra Vogelschutz?

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Die Bauern in in der Sorge-Niederung wirtschaften seit jeher auf tendenziell feuchten Flächen und kommen damit zurecht. Wie sehen sie die umfangreiche Wiedervernässung von Moorflächen, die das Land und die Stiftung Naturschutz im Sinne des Klimaschutzes anstreben? Und verträgt sie sich mit dem Wiesenvogelschutz, für den sich die örtlichen Bauern engagieren? Ein Besuch in Meggerdorf im südwestlichen Kreis Schleswig-Flensburg.

Wenn man Landwirt Jan Koll zuhört, könnte man den Eindruck gewinnen, man spreche mit einem Naturschützer. Es geht ihm um das Wohlergehen von Wiesenvögeln, von Zwergschwänen. Er engagiert sich im Verein Kuno (siehe Kasten), nahm teil an einem vierjährigen Pilotprojekt des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL) zur Dokumentation von Weidewirtschaft. Da wundert es nicht, dass Koll Umsteller auf Bio im zweiten Jahr ist. Im Oktober 2021 hat er mit dem Melken aufgehört, hält 250 Mutterkühe plus Mast. 250 von insgesamt 315 ha bewirtschaftet er extensiv auf Flächen der Stiftung Naturschutz.

Ein typischer „Öko“ also? Das nun auch nicht! Extensive und intensive Bewirtschaften hätten beide ihre Berechtigung und ergänzten einander, ist seine Überzeugung – und das nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch für den Naturschutz. Wiesenvögel etwa bräuchten relativ kurzrasige Flächen, wie sie bei sehr nassen Böden nicht zu halten seien, wie sie sie aber auf intensiv bewirtschafteten Betrieben finden.

Jan Koll bewirtschaftet extensiv Flächen der Stiftung Naturschutz im inneren Randgebiet der Sorge-Schleife.  Fotos: Tonio Keller

„Das Problem ist die Verbinsung, sie verträgt sich nicht mit dem Wiesenvogel“, erklärt Koll. Am Rand der Sorge-Schleife bewirtschaftet er Pachtflächen der Stiftung extensiv. „Anfang Mai beginnt der Austrieb, zunächst mit wenigen Tieren, aber auch nicht zu spät, sonst kommen sie gegen den Aufwuchs nicht mehr an. Wenn es trockener wird, kann ich mehr Tiere zugeben. Ab dem 21. Juni ist dann Pflegeschnitt möglich – und sofort wieder Vieh drauf. Junge Binse wird von den Rindern gefressen, höhere nicht.“

Auszug aus dem Paradies

Als Beispiel führt Koll die Flurbereinigung ab den 1980er Jahren an. Damals habe die Stiftung Naturschutz viel Land in der alten Sorge-Schleife gekauft, und Prof. Bernd Heydemann, parteiloser Umweltminister von 1988 bis 1993, habe dafür gesorgt, dass im Kolzraker Moor im Zentrum der Schleife nur noch nach seinen Regeln sehr begrenzte Bewirtschaftung stattfand. „In den 1970 Jahren war das ein Hotspot für Wiesenvögel. Heute ist man froh, wenn dort ein paar Kiebitze Erfolg mit Brut und Aufzucht haben. Heydemann hat ein Paradies plattgemacht!“ Die Wiesenvögel, so Koll, seien jetzt nebenan im Meggerkoog, wo intensiv gewirtschaftet wird. Dort hätten sie noch die Chance auf eine spätere Brut, wenn die Erst- und Zweitbrut ausgeräubert würden.

Auch die Zwergschwäne lassen sich dort nieder zur Nahrungssuche – viele sind an diesem Nachmittag zu sehen. Als Nacht- und Schlafplätze hingegen suchen sie sich die Flachwasserzonen aus, „weil dort die Raubsäuger nicht hinkommen“. Probleme mit den Großvögeln hat er, der auch ein paar Hektar intensiv bewirtschaftet, nicht. „Das ist nicht wie mit der Nonnengans an der Westküste, mit den Schwänen kommen wir klar.“

„Wie ein Loch“

Wasserwirtschaft in den Niederungen sei ein diffiziles, komplizertes Gebiet, so Koll, und nur mit einer funktionierenden Wasserwirtschaft funktioniere auch der Vogelschutz. Es gebe bisher eine informelle Vereinbarung, dass die Stiftung Naturschutz im Meggerkoog keine Flächen zur Renaturierung kaufe, doch ob das so bleibe, wenn Moorvernässung aus Klimaschutzgründen großflächig verfolgt werde? „Etwa die Hälfte der Flächen im Meggerkoog gehört Nichtlandwirten, vielleicht verkaufen sie, wenn ihnen das Angebot zusagt.“ Aber das habe Auswirkungen auch auf die Nachbarflächen dort, bei Vernässung würden die in Mitleidenschaft gezogen werden. „Dämme können das nicht verhindern“, ist Koll überzeugt, denn der Meggerkoog sei „wie ein Loch“. Er glaubt nicht, dass es keine Nachteile für Nachbarflächen geben werde.

Der Meggerkoog liegt 3 m unter NN, war ein See, durch den ursprünglich die Sorge floss, bevor die Holländer ihn vor 400 Jahren begannen trockenzulegen, was nach und nach immer bessere Bewirtschaftung ermöglichte, vor allem durch die Eiderabdämmung Nordfeld in den 1930er Jahren. „In den Nachkriegsjahren konnten die Meggerdorfer im Winter mit Schlittschuhen zum Konfirmandenunterricht nach Bergenhusen fahren. Erst mit dem Eidersperrwerk in den 1970er Jahren kam keine Sturmflut mehr bis hierher!“

Anstatt hier und da den Wasserspiegel anzuheben, plädiert Koll dafür, den Wasserstand über den gesamten Koog maßvoll und behutsam zu regeln, anstatt ihn hier und da höherzulegen. „Von solchen Maßnahmen ist der ganze Niederungsbereich betroffen.“ Fehlentscheidungen, wie er sie in der Heydemann-Zeit sieht, seien unbedingt zu vermeiden, denn „danach kann man da gar nichts mehr machen“.

„Wir sind schon vernässt!“

Ralf Clasen und sein 25-jähriger Sohn Magnus sehen das ähnlich, auch wenn sie anders als Koll mehr Flächen intensiv als extensiv bewirtschaften, rund 185 ha in eben diesem Meggerkoog. „Um 2020 wollten wir mit dem Melken aufhören, hatten etwa 300 Rinder“, sagt Vater Ralf. Als Magnus von einem Auslandsaufenthalt zurückkam, hatte er sich entschieden, den Hof zu übernehmen. Sie schafften zwei Melkroboter an und melkten weiter, heute melken sie 120 Kühe, halten mit Aufzucht und Mast 420 bis 430 Tiere.

Auch Clasens sind nicht grundsätzlich gegen neue Moorvernässungen, „für manche Gebiete ist es sinnvoll“. Doch andererseits sei der Meggerkoog im Grunde schon vernässt: „Wir haben im Schnitt schon zehn bis 20 Zentimeter unter Flur – und können wirtschaften, es funktioniert!“ In trockenen Sommern habe das sogar Vorteile, und düngen müsse man im Meggerkoog auch weniger. Und ob bei dieser Bewirtschaftung mehr CO2 aus dem Boden entweiche als auf vergleichbaren extensiven Flächen, sei gar nicht hinreichend untersucht. Auch ob sich das Kolzraker Moor in der Sorge-Schleife nicht genauso stark oder gar mehr setze  – ein Indiz für CO2-Ausstoß – ist für die Clasens zweifelhaft. Auch bei ihnen also das starke Plädoyer für Behutsamkeit und Augenmaß!

Denken in Generationen

„Wie es weitergeht, muss die nächste Generation entscheiden“, sagt Ralf Clasen. Und Magnus wäre bereit, weiterzuinvestieren, nach Abschluss der Schule in ein paar Jahren neue Außenställe zu bauen. Doch dafür braucht er Planungssicherheit, und da stellen sich ähnliche Fragen wie bei Kollege Koll: Wie sind in Zukunft die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in den Niederungen? Politische Entscheidungen könnten sich mit jeder Regierung – und jedem Wahlkampf – ändern. Pachten laufen aus und werden unter neuen Bedingungen vielleicht nicht verlängert. „Wir denken in Generationen, nicht in Legislaturperioden“, betont Vater Ralf.

Im Land verwurzelt

Magnus Clasen ist in der sechsten Generation auf dem Hof. Gegründet wurde der um 1860 von seinem Ahnen Åke Persson, einem Schweden. Bis er 30 ist, will sich Magnus entscheiden, ob er weiterinvestiert, reduziert oder abwickelt. „Es geht alles, aber ich muss es wissen“, sagt er. „Wir können auch jederzeit aus der Landwirtschaft raus. Die bisherigen Investitionen sind überschaubar, und Technik kann man mitnehmen.“ In Paludikultur sieht er jedenfalls keine Alternative: Abgabe von Flächen zur Wiedervernässung wäre für ihn Teil einer Abwicklung.

Doch lässt er keinen Zweifel daran, dass er am liebsten an diesem Standort bleiben und Landwirtschaft betreiben würde. „Das ist ein Heimatgefühl. Die Landwirtschaft hat gerade hier ihre Bedeutung, auch wenn es kein Gunststandort ist. Hier wurde so viel Herzblut hineingesteckt!“

Flächenkonkurrenz

Jochen Thiemann kann da im Grunde nur ins gleiche Horn stoßen. „Wir sitzen viel zusammen in der Eider-Treene-Sorge-Region und sprechen“, sagt er. Er hält 250 Kühe und bewirtschaftet 115 ha Grünland, dazu 70 ha, die er mit einem Nachbarn getauscht hat, der aus der Milchwirtschaft ausgestiegen ist und die Tauschflächen nun ins Vernässungsprogramm eingeben konnte – „eine Win-win-Situation“, so Thiemann.

Einen weiteren Aspekt gibt er zu bedenken: „Wenn schlechte Flächen vernässt werden, werden die guten Flächen knapper und treten stärker in Konkurrenz.“ Er versuche jetzt, Flächen in höheren Lagen auf der anderen Seite des Dorfes zu bekommen.

Auch von ihm kommt der Appell, nicht im großen Stil Veränderungen vom Zaun zu brechen: „Es geht alles so schnell!“

Flächenfraß ungebremst

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Ungeachtet politischer ­Ziele zeichnet sich beim Flächenverbrauch kein Trend zum Besseren ab. Im vierjährigen Mittel der Jahre 2018 bis 2021 wuchs die Siedlungs- und Verkehrsfläche laut Statistischem Bundesamt (Destatis) um durchschnittlich 55 ha pro Tag.

Der tägliche Anstieg des Flächenverbrauchs nahm damit gegenüber dem Wert des Vorjahres sogar leicht zu, der 54 ha pro Tag in den Jahren 2017 bis 2020 betragen hatte.

Erklärtes Ziel der Bundesregierung in der Nachhaltigkeitsstrategie ist es, den mittleren täglichen Flächenverbrauch bis 2030 auf weniger als 30 ha zu begrenzen. Angesichts des jüngsten Bevölkerungszuwachses auf 84,3 Millionen Menschen und dem damit verbundenen Bedarf an zusätzlichen Wohnungen stellt sich dieses Ziel allerdings noch ehrgeiziger dar. Bis 2050 wird eine Flächenkreislaufwirtschaft angestrebt. Das heißt, es sollen dann netto keine weiteren Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke erschlossen werden.

Innerhalb der Siedlungsfläche wuchsen 2020 und 2021 laut Destatis vor allem die Flächen für Wohnbau, Industrie und Gewerbe sowie öffentliche Einrichtungen stärker als in den Vorjahren. AgE

Laju-Themen – gut „verpackt“

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Anders als in den vergangenen Jahren fand die Landesausschusssitzung (LAS) I dieses Jahr als zweitägige Veranstaltung statt, und zwar in Borgwedel im Kreis Schleswig-Flensburg. Das Nachmittags- und Abendprogramm wurde dabei vom KLV Schleswig-Flensburg organisiert.

„Wie hieß deine Kindergartengruppe?“, lautete die Frage bei der Vorstellungsrunde, und da mussten einige doch mal kurz überlegen. Danach berichtete der Landesvorsitzende Tajo Lass von Neuigkeiten aus dem Landesverband.

Um zu schauen, wie es den Kreislandjugendverbänden (KLV) aktuell so geht, wurden Flipcharts aufgestellt, und jeder konnte darauf zu diversen Themen seine Meinung kundtun. Das aktuellste war der Berufswettbewerb (BWB), welcher von den KLV organisiert und durchgeführt wird. Außerdem wurden die neusten Termine der KLV gesammelt. Die Frage „Was läuft gut bei euch im Kreis und was schlecht?“ wurde vorwiegend positiv beantwortet.

Nach dem Mittagessen klärte Karen Stender von der Laju Service GmbH über das neue Verpackungsgesetz auf, welches wir bei der Durchführung von Veranstaltungen beachten müssen. Auch weitere News von der Laju Service GmbH wurden uns mitgeteilt, damit alle Kreise auf dem neusten Stand sind.

Im Nachmittagsprogramm ging es zu den Schleswiger Asphaltsplitt-Werken (SAW) nach Jagel. Hier wurde uns nähergebracht, wie Asphalt früher und heutzutage hergestellt wird und wie er in die Straßen eingebaut wird. Auch wurde der Unterschied von Asphalt für Autobahnen, Landstraßen und Bundesstraßen erläutert. „Straßen werden heutzutage nicht mehr geteert, sondern asphaltiert“ und „Die Kosten für das Einfärben von Asphalt für eine rosa Hofauffahrt sind enorm“ waren wichtige Erkenntnisse des Tages.

Bis in den Abend hinein gab es drei verschiedene Workshops. Hierbei ging es um Förderungsmöglichkeiten für die Kreise, Öffentlichkeitsarbeit oder darum, weitere Fragen zur Laju Service GmbH zu stellen. Die Mitglieder waren so sehr in die Workshops vertieft, dass kaum jemand merkte, wie die Zeit voranschritt. Der KLV SL machte sich dann auf den Weg in die Küche, um das Abendbrot zuzubereiten, was sehr gut gelang. Anschließend klang der Tag mit einem netten Abendprogramm aus.

Am Sonntag wurde nach dem Frühstück ein kleines Spiel gespielt, um alle endgültig wach zu bekommen. Weiter ging es dann im Programm: Von internationalen Landjugendthemen über News aus dem Agrarausschuss (AAS) bis hin zu Terminen und Projekten des Landesverbandes oder dem aktuellen Stand in Sachen Berufswettbewerb wurde den Landjugendlichen alles berichtet. Malte Blöcker vom AAS warb für das Treffen mit dem Bauernverbandspräsidenten Klaus-Peter Lucht.

Abschließend wurde in großer Runde diskutiert, ob die zweitägige LAS im nächsten Jahr wieder im Februar oder doch, wie vorher, im Mai stattfinden solle. Die Mehrheit war sich einig, dass die zweitägige Veranstaltung zu Jahresbeginn deutlich sinnvoller ist, um die neuen Vorstandsmitglieder besser und schneller kennenzulernen.

Nach elf Jahren wieder in Schleswig-Holstein

Dressur, Springen, Schwimmen und Laufen – für den Vierkampf reicht gutes Reiten nicht, die Teilnehmer müssen dazu noch fit sein. In diesem Jahr finden die Deutsche Meisterschaft und der Bundesnachwuchsvierkampf am Wochenende, 14. bis 16. April, in Elmshorn statt. Die Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren.

„Der Bundesvergleichswettkampf wird in diesem Jahr erstmals als Deutsche Meisterschaft ausgetragen“, berichtet Matthias Karstens. Der Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein (PSH) und sein Team sind die diesjährigen Veranstalter und freuen sich über die Aufwertung des Vierkampfes. Der Wettbewerb aus Dressur, Springen, Laufen und Schwimmen zählt zu den ältesten Bundesveranstaltungen im Jugendsport. Seit 2010 findet parallel zum Bundesvierkampf auch ein Bundesnachwuchsvierkampf statt.

Beide Veranstaltungen waren zuletzt 2012 zu Gast in Schleswig-Holstein, damals in Norderstedt. „Jeder ist mal dran“, erklärt Karstens die Vergabe nach Elmshorn. Nun hofft er, dass die Mannschaften aus Schleswig-Holstein mit um die Medaillen kämpfen können. „Als Gastgeber dürfen wir jeweils zwei Mannschaften stellen. Das ist natürlich ein Vorteil“, erklärt er. Die erste Sichtung für die Teilnehmer hat im Spätherbst im Rahmen des Landesvierkampfes stattgefunden.

„Dort haben wir 15 Kinder pro Tour ausgesucht“, berichtet Dörte Kühl. Die stellvertretende Landesjugendwartin des PSH ist für die Disziplin Vierkampf zuständig. Am Ende können je zehn Kinder in der Deutschen Meisterschaft und im Bundesnachwuchsvierkampf starten. Für die Meisterschaft gilt es, eine A-Dressur und ein A-Springen, 3.000 m Geländelauf und 50 m Schwimmen im Freistil zu absolvieren. Die „Kleinen“ reiten auf E-Niveau, laufen 2.000 m und schwimmen ebenfalls 50 m.

Seit dem Landesvierkampf haben sich die nominierten Kinder und Jugendlichen schon zum Reiten und Schwimmen getroffen. „Nun können sie noch am Stützpunktturnier in Großenwiehe teilnehmen. Falls es dann noch Wackelkandidaten gibt, treffen wir uns vor der finalen Auswahl noch einmal“, berichtet Kühl. Auch sie würde sich sehr über einen Platz auf dem Treppchen freuen, weiß aber, dass es auch davon abhängt, welche Pferde ihren Teams zugelost werden. Denn jede Mannschaft bringt zwei Pferde mit und bekommt zwei weitere durch Losentscheidung. Die eigenen beiden Pferde starten somit auch noch mit den anderen Mannschaften.

Matthias Karstens sieht keine Vergleichbarkeit zum Modernen Fünfkampf und der Diskussion um zugeloste Pferde, die dadurch angestoßen wurde, dass eine deutsche Olympiateilnehmerin bei ihrem Pferd massiv Sporen und Gerte eingesetzt hatte. „Beim Modernen Fünfkampf liegt der Schwerpunkt der Sportler nicht auf dem Reiten, beim Vierkampf hingegen schon. Es sind Reiter, die zusätzlich das Schwimmen und Laufen trainieren sowie mit dem eigenen Pferd ebenfalls an den Start gehen“, erklärt er die Unterschiede.

Das schlägt sich auch in der Bewertung nieder: Die Dressur zählt dreifach, das Springen zweifach und die übrigen Disziplinen einfach. Auch dass ein Stilspringen geritten wird, zeigt deutlich, dass der Fokus auf schönes Reiten und gute reiterliche Grundausbildung gelegt wird. Es gibt noch weitere Vorteile: „Durch den Pferdewechsel werden die Landesverbände finanziell entlastet, weil weniger Boxen bezahlt werden müssen. Und wir können auch Kinder ohne eigenes Pferd mitmachen lassen“, erklärt Dörte Kühl.

Sie findet es „schade, dass keine Einzelmedaillen vergeben werden“, denn das hätte die Chancen auf einen Platz auf dem Treppchen erhöht. „Es wird mitgezählt und auch bekannt gegeben, aber es gibt keine Platzierung“, erklärt Kühl das Prozedere. Doch bevor es so weit ist, muss das Vierkampfteam erst einmal seine Mannschaften zusammenstellen. Dies wird bis Mitte März abgeschlossen sein und dann kann noch einmal kräftig trainiert werden, bevor es losgeht. Übrigens freuen sich alle Teams über Zuschauer. „Die Veranstaltung lebt auch von der Stimmung, dem Anfeuern und der Gemeinsamkeit“, meint Dörte Kühl und lädt auch zum Länderabend am Sonnabend, 15. April, ein.

ASP bei Hausschweinen in Brandenburg festgestellt

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Seit Wochen häufen sich die Nachweise der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße und im Stadtgebiet von Cottbus. Wie das zuständige Verbraucherschutzministerium Dienstag (28. Februar) mitteilte, ist nun auch eine Einschleppung in einen Hausschweinebestand erfolgt. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigte den Verdacht auf ASP in einer Kleinsthaltung mit elf Tieren im Kreis Spree-Neiße. Der Betrieb sei sofort durch das zuständige Veterinäramt gesperrt und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden, erklärte das Ministerium.

Die Eintragsursache des Erregers in die Haltung ist noch unklar, diesbezügliche Ermittlungen haben laut Ministerium begonnen. Das Veterinäramt wird dabei vom Tierseuchenbekämpfungsdienst des Landes unterstützt. Der Bestand liegt im Kerngebiet 6, das sich im Süden des Landkreises in unmittelbarer Nähe zur sächsischen Grenze befindet. Die Schweine des Bestandes wurden bereits getötet und unschädlich beseitigt. Die Staatssekretärin im Verbraucherschutzministerium, Dr. Antje Töpfer, appellierte erneut an alle Schweine haltenden Betriebe und insbesondere auch an alle Kleinsthaltungen, die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen strikt einzuhalten. So könnten weitere Ausbrüche bei Hausschweinen verhindert werden.

Erstmals wurde in Brandenburg im Juli 2021 die ASP in Hausschweinbeständen festgestellt. Es handelte sich um drei Haltungen in den Landkreisen Spree-Neiße und Märkisch-Oderland. Im Juli 2022 gab es einen weiteren ASP-Ausbruch in einem Schweinemastbetrieb im Landkreis Uckermark. In Brandenburg gab es dem Ministerium zufolge bislang 3.007 Nachweise der Tierseuche bei Wildschweinen, davon laut Tierseucheninformationssystem des FLI 160 in diesem Jahr. AgE

Winterruhe löst Blütenbildung aus

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Als eigenwillige und pflegeleichte Zimmerpflanzen entfalten Kakteen während der Blütezeit einen ganz besonderen Zauber. Doch auch ohne Blüten begeistern sie mit verschiedensten Formen und Größen.

Kakteen gehören zur großen Familie der Sukkulenten. Die runden oder säulenförmigen Körper sind häufig mit einer wachsartigen Schicht überzogen oder behaart. In ihrer Heimat, den trockenen Gegenden Mexikos und Argentiniens, bietet dies einen wichtigen Schutz vor Verdunstung und Sonneneinstrahlung. Die mehr oder weniger vorhandenen Stacheln dienen zum Schutz vor Fressfeinden. Nicht nur die teils skurrilen Gestalten machen Kakteen für die Fensterbank interessant, sie bringen auch überraschend bunte Blüten hervor, wenn die Bedingungen stimmen. Als beste Standorte für Kakteen eignen sich alle hell gelegenen Fenster des Hauses. Hier sollten sie jedoch keine Zugluft abbekommen. Nordfenster sind meist wegen des fehlenden Sonnenlichtes nicht optimal.

Die Wachstumsperiode dauert allgemein von März bis Ende September. In diesem Zeitraum ist der Bedarf an Wasser, Dünger und Licht erhöht. Beim Gießen ist Fingerspitzengefühl angebracht. Das Substrat sollte vor der nächsten Wassergabe immer gründlich abtrocknen. Frischen Dünger mögen Kakteen gar nicht. Es empfiehlt sich ein spezieller Kakteendünger mit einem sehr niedrigen Stickstoffgehalt und ausreichend Mineralstoffen. Während der Wachstumsphase wird er alle zwei bis drei Wochen nach Dosierungsanleitung gegeben. Umtopfen erfolgt nach Bedarf im März oder April entweder in Kakteenerde oder ein Gemisch aus Blumenerde, Sand und Blähton. Anstelle von Blähton kann man auch Lava-Urgesteinsmehl verwenden. Beide Varianten stellen die notwendige Durchlässigkeit des Substrates sicher. Tipp: Beim Umpflanzen (Handschuhe tragen!) sehr vorsichtig mit den Wurzeln umgehen und den Kaktus auf gleicher Höhe wie im alten Topf einpflanzen. Kakteen verbringen den Sommer gerne an einem warmen Platz im Freien, am besten unter Dach. Dies schützt vor Vernässung. Trockenheit ist für die genügsamen Kakteen kein Problem, Nässe dagegen schon. Zu wenig Licht vertragen die Sonnenkinder ebenfalls nicht. Als Faustregel leitet sich daraus ab, Kakteen einen möglichst hellen Standort zu geben und große Gießabstände einzuhalten.

Wegen der großen, aber weichen Zähne am Blattrand wird Faucaria tigrina als „Tigerrachen“ bezeichnet. Foto: Karin Stern

Von Oktober bis März dauert die Winterruhe. Sie ist für die Blütenbildung notwendig. Kakteen aus den Gattungen Melocactus, Gymnocalycium und Parodia erhalten während dieser Zeit nur wenige Tropfen Wasser alle drei bis vier Wochen und keinen Dünger. Der beste Platz für die Winterpause ist hell und kühl, keinesfalls direkt über einem Heizkörper. Die meisten anderen Gattungen nehmen mit Temperaturen zwischen 8 und 15 °C vorlieb. Im März beginnt dann erneut die Wachstumsphase. Dann gewöhnt man die Kakteen wieder an höhere Temperaturen und etwas mehr Feuchtigkeit. Dennoch zeigt sich nicht bei jedem Zögling in den folgenden Wochen eine Blüte. Manche Kakteen bilden nach zwei Jahren erstmalig Blüten, andere lassen sich zehn Jahre und länger Zeit.

Die Schönheit der Kakteenblüte offenbart sich bei genauem Hinsehen. Foto: Karin Stern

Kakteen selbst auszusäen, ist gar nicht so schwierig. Am Samenständer finden sich geeignete Arten. Die Aussaat erfolgt in Kakteenerde nach den Anweisungen auf der Rückseite der Samentüte. Auch hier ist etwas Geduld bis zur ersten Blüte notwendig. Mit zwei bis vier Jahren sollte man etwa rechnen. Alternativ zur Aussaat vermehrt man Kakteen über Stecklinge. Dies funktioniert bei Arten, die Seitentriebe bilden, besonders leicht und sicher. Mit einem scharfen Messer trennt man einfach ein Segment ab. Nachdem die Schnittstelle ein paar Stunden lang abgetrocknet ist, steckt man das Kaktusstück etwa 2 cm tief in Anzuchterde. Diese sollte immer leicht feucht gehalten werden. Hilfreich kann es sein, die Stecklinge eine Zeit lang in ein Zimmergewächshaus zu stellen. Dies sorgt für die notwendige Luftfeuchtigkeit. Kakteen erweisen sich meist als sehr langlebige Hausgenossen. Mit Krankheiten und Schädlingen gibt es bei guter Pflege kaum Probleme. Dennoch kann es hin und wieder zu einem Befall mit Schild- und Wollläusen sowie Spinnmilben kommen.

Ein Jahr Krieg: Wegsehen geht schon lange nicht mehr

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Am 24. Februar jährt sich der Überfall Russlands auf die Ukraine. Seit zwölf Monaten wissen wir, dass es auch in Europa keine gesicherte Friedensordnung gibt. Die ukrainische Armee und die Zivilgesellschaft haben bislang mit ihrem tapferen Widerstand die Zerschlagung der Ukraine verhindert. Der Westen ist in einen Wirtschaftskrieg eingetreten, Sanktionen sollen der russischen Wirtschaft auf längere Sicht schaden und Russland im besten Falle zum Einlenken bewegen, so der Plan der Politiker. Die Sanktionen haben einen Preis, und den bezahlt jeder im Westen mit. Denn die Lieferungen von Öl und Gas laufen selbstverständlich nicht mehr wie vor 2022. Von dieser Seite gesehen, hat sich der Krieg für Russland gelohnt. Die Preise sind so stark gestiegen, dass Geld verdient wird.

Die Folgen des Krieges sind vor allem auch in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft zu spüren. Russland und die Ukraine sind global relevante Produzenten und Exporteure von Getreide. Sie standen vor dem Krieg zusammen für nahezu ein Drittel der Weizenexporte, die zu einem großen Teil für Programme der Welternährungsorganisation gekauft wurden. Der Krieg führt zu Ernteausfällen, Handelsbeschränkungen, Logistikproblemen und so massiven Preissteigerungen, dass Allzeithochs für nahezu sämtliche Agrarrohstoffe erreicht wurden. Zu Kriegsbeginn wurden hierzulande kurzfristig die Preisnotierungen für Getreide, Raps und Düngemittel ausgesetzt, um das Risiko einzuschränken und die Entwicklung abzuwarten. Die weltweite Versorgungslage hat sich durch Russlands Angriffskrieg dramatisch verschlechtert, die Hungerkrisen verschärften sich. Im Laufe dieses Kriegsjahres wurde offensichtlich, wie Russland Getreide und Düngemittel als geopolitisches Machtinstrument einsetzt.

Deutschland sei wirtschaftlich stärker von der Krise betroffen, sagte der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, „weil es eine höhere Abhängigkeit von russischer Energie hatte, einen hohen Anteil an energieintensiver Industrie hat und extrem abhängig von Exporten und globalen Lieferketten ist“. So würden höhere Energiepreise in den kommenden zehn Jahren ein deutlicher Wettbewerbsnachteil bleiben, dass Politik und Unternehmen dies durch höhere Innovation und Produktivität kompensieren müssten. Gleichzeitig verbinden sich Erwartungen mit dieser Situation. Viele hoffen, dass die drohende Energiekrise die Gelegenheit bietet, die grüne Transformation und den Abschied von fossilen Energieträgern zu beschleunigen.

„Da der Krieg für die Ukrainer nicht in Tagen gemessen wird, sondern in durch den Krieg zerstörten Leben, ist es für die Ukrainer schwer zu hören, wie europäische Politiker den Krieg in Euro, Prozentsätzen, dem Bruttoinlandsprodukt, Barrel Öl und Kubikmetern Gas messen“, formulierte der ukrainische Historiker Petro Brukovskyi in einem Kommentar. Die Ukrainer verteidigen gerade die Freiheit Europas und kämpfen für ihre und unsere Demokratie.

LU-Mitgliederversammlung: Effizienz wichtiger als Schlagkraft

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An der Spitze der Berufsvertretung der Lohnunternehmer (LU) in Schleswig-Holstein zu stehen ist für Hans-Jürgen Kock Verantwortung und Ehre zugleich. Vor einem Jahr hat er das Präsidentenamt von Hans-Jürgen Plöhn übernommen. Die Herausforderungen sind seitdem nicht kleiner geworden, wie auf der Mitgliederversammlung des Verbandes am Donnerstag (23. Februar) in Rendsburg deutlich wurde.

„Wir hatten in den vergangenen Jahren mit der Pandemie bereits eine große Herausforderung zu meistern“, erklärte Kock vor rund 120 Besuchern im vollbesetzten Saal des Detlef-Struve-Hauses. Jetzt komme die Inflation dazu, ausgelöst durch den schrecklichen Krieg in der Ukraine, der sich nicht ausweiten dürfe.

Von guter fachlicher Praxis entfernt

„Bei Angeboten für neue Schlepper bekomme ich graue Haare“, beschrieb der LU-Präsident die jüngste Preisspirale. Das ändere aber nichts daran, dass Lohnunternehmer grundsätzlich Optimisten seien. „Wir sind Problemlöser. Wenn irgendwas ist, dann regeln wir das“, unterstrich Kock.

Aus seiner Sicht hat auch das Investitionsprogramm Landwirtschaft – die sogenannte Bauernmilliarde – zur Erhöhung der Preise beigetragen. Eine Folge des Programms sei eine stärkere Eigenmechanisierung der Landwirte, was auch kritisch bewerte werden müsse.

Koch thematisierte das Ausbringverbot für Wirtschaftsdünger auf gefrorenem Boden, auch wenn dieser tagsüber auftaue. Die Vorteile lägen auf der Hand: wenig Bodendruck, pflanzennahe Ausbringung, geringe Emissionen und kaum Straßenverschmutzung. „Vermutlich ist das Thema politisch gegessen“, konstatierte Kock. Von guter fachlicher Praxis habe man sich so aber ein Stück weit entfernt.

Von Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) forderte der LU-Präsident fachgerechte und praxistaugliche Regelungen bei der Knickpflege. „Ideologie darf hier keine Rolle spielen“, so Kock. Kritisch sieht er zudem die drohende Belastung der Lohnunternehmen und Landwirte durch die mögliche Einbeziehung bei der Kfz-Steuer. Auf die Branche kämen zusätzliche Kosten in Höhe von jährlich 500 Mio. € zu. Das konterkariere den Sinn der Bauernmilliarde.

Hauptaufgabe bleiben hohe Erträge in guter Qualität

Schwarz erklärte, dass am Thema „Güllefahren auf Frost“ politisch nicht mehr gerüttelt werde, auch wenn er persönlich anderer Meinung sei. Der Minister erinnerte daran, dass das Investitionsprogramm ein Versprechen zur Unterstützung der Branche war, das 2018 aus der Situation der Bauernproteste gemacht worden sei. „Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das Geld da angekommen ist, wo es hinsollte“, so Schwarz.

Er erklärte, dass er die aktuelle Regelung zur Befreiung der landwirtschaftlichen Fahrzeuge von der Kfz-Steuer für richtig halte. Wenn Fahrzeuge im kommunalen Bereich eingesetzt würden, seien sie bereits steuerpflichtig. Er unterstütze die Forderung des Verbandes, dass Lohnunternehmen und landwirtschaftliche Betriebe gleichbehandelt werden sollten, falls es hier zu Änderungen komme.

Werben um gesellschaftliche Akzeptanz

Zur Knickthematik verwies Schwarz auf die Zuständigkeit des Umweltministeriums (MEKUN). Bisher habe Schleswig-Holstein bei der Knickpflege von vielen Sonderregelungen auf Landesebene profitiert. Offensichtlich sei das in dieser Form nicht mehr gewollt. „Wir müssen sehen, wie wir damit umgehen“, so der Minister. Er stehe fachlich dazu im Austausch mit dem MEKUN, dem es besonders um Fragen der Biodiversität und des Umweltschutzes gehe.

Schwarz begrüßt die Entwicklung der Lohnunternehmen in Richtung Spezialisierung. „Sie haben dazu beigetragen, dass landwirtschaftliche Arbeiten schnell, effizienter und umweltschonender geworden sind“, wandte sich der Minister an die Gäste. Dies sei eine gute Möglichkeit, der Gesellschaft zu zeigen, dass sich die Landwirtschaft um Effizienz und Umweltschonung bemühe. Heute sei nämlich nicht mehr nur Schlagkraft gefragt, sondern vor allem Effizienz. Dabei bleibe es die Aufgabe der Branche, hohe Erträge in guter Qualität zu erzeugen. Schwarz betonte die Bedeutung Schleswig-Holsteins dafür, als landwirtschaftlicher Gunststandort.

Lieber Photovoltaik als Windkraft

Für noch mehr Nachhaltigkeit auf den Betrieben kämen neben den Hauptaufgaben – wie effizentes Güllemanagement – andere Sachen dazu. Ein Beispiel sei die Vermeidung von Müll. Schwarz fragte: „Wie gehen wir mit Verpackungen um? Was machen wir mit unserer Silofolie?“ Das seien zunehmend wichtige Themen für die gesellschaftliche Akzeptanz.

Mit Blick auf den Zubau an Erneuerbaren Energien erklärte der Minister: „Mir persönlich ist Photovoltaik lieber als Windkraft, weil der Rückbau viel leichter möglich ist.“ Schwarz nehme aktuell eine sehr lebhafte Diskussion darüber wahr, auf welchen Flächen PV-Anlagen errichtet werden sollen, von Hochertragsstandorten bis zum Moor. 

In der Kammerhalle am Grünen Kamp präsentierten die Fördermitglieder des Verbandes ihre Produkte. Fotos: rq