Auf dem DBV-Ackerbauforum am 23. März kritisierten Pflanzenzüchter die Orientierung des Handels am Proteingehalt von Weizen. Wissenschaftler machten auf die Baustelle Datenkompetenz aufmerksam und eröffneten Perspektiven für einen lukrativen Körnermaisanbau im Norden.
Deutliche Kritik am Festhalten des Handels und der Bäckereien am Proteingehalt bei der Auswahl des Weizens hat Dr. Stefan Streng von der Saatzucht Streng-Engelen GmbH & Co. KG geübt. Auf dem DBV-Ackerbaufourm in südbadischen Lahr-Kippenheimweiler sagte er, dass der Proteingehalt längst nicht mehr das wertbestimmende Merkmal für die Eingruppierung im Qualitätssegment sei. Zwar gebe es bei Neuzulassungen im A-Segment einen Ertragssprung, der Handel bezahle jedoch nach dem Proteingehalt des Winterweizens. Der ertragsstärkere A-Weizen schaffe aber aufgrund der Limitierung der Stickstoffdüngung den gewünschten Proteingehalt nicht. Dabei wäre seine Backqualität für den Bäcker ausreichend. „Hier wird Züchtungspotenzial verschenkt“, beklagte Streng. Einen ersten Schritt habe das Bundessortenamt (BSA) getan, indem der Rohproteingehalt nicht mehr entscheidend für die Qualitätseinstufung sei. Jetzt müssen laut dem Pflanzenzüchter die Abnehmer nachziehen. Streng berichtete, dass die Pflanzenzuchtunternehmen nun nach und nach neue Weizensorten auf den Markt brächten. Aus diesem Grund sei ein rechtssicheres System notwendig. „A-Weizen mit zwölf Prozent Proteingehalt bringt die Qualität“, so Streng.
Patente sind keine Lösung für Pflanzenzüchter
Nach seinen Worten beschäftigen die neuen Methoden der Pflanzenzüchtung die Branche sehr. Zugleich stehe diese angesichts der Transformation der Landwirtschaft vor sehr großen Herausforderungen. „Neue Züchtungsmethoden helfen für punktuelle Verbesserungen der Pflanzen. CrispR/Cas allein macht uns aber nicht glücklich“, sagte Streng. Die klassische Züchtung sei ebenso notwendig, wiewohl es dann sehr viel länger dauere, bis neue Sorten zur Verfügung stünden. Mit Blick auf den Sortenschutz und die neuen Züchtungsmethoden sprach sich Streng klar gegen ein Patent auf die Eigenschaften der Pflanzen aus. Die mit den neuen Methoden gezüchteten Sorten dürften nicht über das Patentrecht reguliert werden. Dies würde dem bisherigen Open-Source-Gedanken des Sortenschutzrechts widersprechen. Mittel- und langfristig würde es die züchterische Freiheit stark einschränken und hätte damit negative Folgen für die Vielfalt in der Pflanzenzüchtung. „Wir brauchen einen neuen Weg, der uns möglichst viel Freiheit gibt“, unterstrich der Pflanzenzüchter. Es werde eine Lösung für die Branche gebraucht. Da müsse auch der Bauernverband seinen Weg finden. Die Politik, insbesondere die Grünen, ermahnte Streng, dass Deutschland hier innerhalb der EU keinen Alleingang machen dürfe.
Nachholbedarf bei digitalen Systemen
Fortschritte bei der Entwicklung digitaler Systeme für die Landwirtschaft stellte Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück vor. Der Wissenschaftler, der schwerpunktmäßig im Bereich innovativer Technologien in der Landwirtschaft forscht, forderte, die Systeme sollten in engerer Zusammenarbeit mit dem Berufsstand entwickelt werden. Zudem hält der Physiker eine massive Förderung digitaler Systeme für erforderlich. Eine große Baustelle sieht Ruckelshausen in der Datenkompetenz gerade junger Menschen. Diese könnten zwar mit dem Smartphone umgehen und Dateien verschicken, die Daten an sich aber nicht einordnen. Der Hochschullehrer sprach in dem Zusammenhang von einem „Bildungs-GAU“ und plädierte dafür, diese Thematik stärker in die Lehrinhalte zu integrieren.
Körnermaisanbau wird in den Norden wandern
Über die Ausdehnung des Körnermaisanbaus Richtung Norden sprach Dr. Hubert Sprich von der Cornexo GmbH. Er sieht Chancen für den Körnermaisanbau in Zukunft auch weiter im Norden und in höher gelegenen Regionen. Höhere Temperaturen durch den Klimawandel sowie die Entwicklung neuer Sorten machten das möglich. Sprich zufolge dürfte ein regional angebauter Körnermais aufgrund der zu erwartenden steigenden Transportkosten an Wirtschaftlichkeit gegenüber Importmais gewinnen. Er geht davon aus, dass die Nachfrage nach Mais in der Lebensmittelverarbeitung steigt, das mache einen höheren Erzeugerpreis möglich. Gleichzeitig stiegen die Qualitätsanforderungen hinsichtlich Glutenfreiheit und Mykotoxingehalt, gab Sprich zu bedenken. Einen Vorteil sieht der Experte in der Auflockerung der Halmgetreidefruchtfolge. Zudem würden Unkrautprobleme, etwa mit Ackerfuchsschwanz, verringert und Arbeitsspitzen gesenkt. Deutschlandweit liege der Körnermaisanteil bei 18,5 % und der von Silomais bei 81,5 %, so Sprich. age




