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Der Landesbeirat Forst- und Holzwirtschaft verbindet die beiden Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg und wird im Folgenden vorgestellt.
Der Landesbeirat Forst- und Holzwirtschaft wurde im Jahr 1996 vom damaligen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein als ein an das Ministerium angegliedertes Gremium ins Leben gerufen. Seit 2012 nimmt er die Aufgaben gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg wahr. Diese länderübergreifende Konstellation ist einmalig in Deutschland und seit Beginn des Jahres 2018 in dieser Form bereits in der zweiten Amtsperiode.
Der Holzbaupreis 2020. Foto: Holzbauzentrum
Der Landesbeirat wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit der Forst- und Holzwirtschaft zu verbessern und weitere Absatz- und Verwendungsmöglichkeiten insbesondere für das heimische Holz zu erschließen. Der neue Landesbeirat besteht nun aus 28 ehrenamtlichen Mitgliedern beider Länder aus unterschiedlichen Bereichen des Wirtschaftsclusters Forst und Holz. Es sind verschiedene Ministerien, die Forstwirtschaft, die Holz be- und verarbeitende Industrie, das Holzhandwerk, der Holzhandel, mehrere einschlägige Verbände der Branche sowie Holzsachverständige vertreten.
Nun sind die beiden Bundesländer nicht die waldreichsten, aber dennoch gibt es gesellschaftliche Anforderungen an die Wälder hier im Norden, an ihre Pflege, die Mehrung und Stabilisierung vor allem unter der Knute des Klimawandels, der Stürme und Orkane. Auch die Häfen spielen in beiden Bundesländern eine große Rolle bei Import und Export von Holz, Holzprodukten und letztendlich auch für das Wirtschaftsgut Papier oder Zellstoff.
Der Wald und seine Pflege, die Steigerung seiner Stabilität und die Biodiversität sind unter den ökologischen Ansprüchen und Notwendigkeiten einerseits ein wichtiges Anliegen, aber die Versorgung des Marktes mit Holz und Holzprodukten – die aktive Bewerbung der Holzverwendung im Bauwesen – ist ein wichtiger weiterer Fokus des Beirates. Letzteres ist ein Themenfeld der „Verwendung von Holz im Bauwesen“, deren Normen und der anzupassenden Verwendungsvorschriften.
Die Mitglieder des derzeitigen Beirates – darunter sind unter anderem Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, des Waldbesitzerverbandes und der Forstabteilung der Kammer. Foto: Jacob Schumacher
Ein fast schon traditionelles Kind des Landesbeirates Forst und Holz ist der Holzbaupreis, welcher unregelmäßig ausgelobt und vergeben wird. Sogar unter Corona-Bedingungen wurde er im September 2020 in Neumünster an Holzbauwerke aus Schleswig-Holstein und Hamburg in den Kategorien Neubau und Sanierung überreicht. Hauptsächlich die Holzbauwirtschaft, die Verbände, Architekten und das Holzbauzentrum Nord sind dabei die treibenden Kräfte.
Im Wald- und Holzbereich wurden in der Vergangenheit die Wald- und Holztage ausgerichtet. Diese lockten beim vorigen Mal viele Besucher aus den Bundesländern und der Metropolregion an.
Im Projekt „PowerLand 4.2“ entwickelten die Universität Hohenheim, die Hochschule Reutlingen und die Firma Novatech die Steuerung für eine vollständig automatisierte Biogasanlage, die Erneuerbaren Strom und Wärme bedarfsgerecht insbesondere in den Produktionslücken von Sonne und Wind liefert. Die Steuerung wurde erfolgreich in einem Reallabor getestet. Dank Energiebedarfsprognosen und einer angepassten, flexiblen Fütterung können Biogasanlagenbetreiber mit diesem Ansatz Investitionen in größere Gasspeicher einsparen.
Mit Strom aus flexibilisierten Biogasanlagen lassen sich Lücken zwischen der wetterabhängigen Stromerzeugung aus Wind und Sonne und dem tatsächlichen Bedarf (auch als Residuallast bezeichnet) gezielt schließen. Der Biogasbetreiber orientiert sich dabei üblicherweise an den Preisen der Strombörse. Im Projekt „PowerLand 4.2“ wollten die Forscher einen Schritt weiter gehen und mit einer Biogasanlage den Bedarf einer konkreten Ansiedlung im Zusammenspiel mit Sonnenenergie decken. Dabei sollte dieser Ausgleich möglichst vollständig für Strom und Wärme und außerdem automatisiert erfolgen.
Sinnvolle Fahrpläne nicht nur durch Börsenstrompreis
Dafür reichen Börsenstrompreise als Signale nicht aus. Stattdessen braucht es eine intelligente Steuerung für das Blockheizkraftwerk (BHKW) der Biogasanlage. Diese muss Informationen über den lokalen Strom- und Wärmebedarf, Füllstände der Biogas- und Wärmespeicher und die Erzeugung aller sonstigen Erneuerbaren-Anlagen vor Ort für die nächsten Tage kennen, verarbeiten und daraus sinnvolle Fahrpläne für das BHKW und vorausschauende Fütterungspläne für die Fermenter ableiten. In Süddeutschland sind bei den sonstigen Erneuerbaren-Anlagen vor allem Photovoltaik (PV)-Anlagen relevant, Windenergie spielt nur eine geringe Rolle.
Projektleiter PD Dr. Andreas Lemmer Foto: Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie
Eine der Zielgrößen im Projekt war eine netzdienliche, stromoptimierte Fahrweise, bei der die Aufgabe der Wärmebereitstellung als „Leitplanke“ fungierte. Das bedeutet, dass das BHKW zwingend einschalten musste, sobald ein Wärmebedarf vorlag und der Wärmespeicher leer war, auch wenn gerade keine Residuallast benötigt wurde. In allen anderen Fällen aber sollte das BHKW die „Stromlücke“ schließen. Außerdem galt es, die Biogasanlage so „smart“ zu füttern, dass mit dem trägen Biogasprozess zur richtigen Zeit die richtige Menge Gas für die BHKW-Fahrpläne bereitstand.
Im Ergebnis steht nun ein praxistaugliches Vorhersagemodell der Biogasproduktion bei gegebener Fütterung zur Verfügung sowie eine darauf basierende Methode, um zum Gasbedarf passende Fütterungspläne zu entwerfen. In einem mehrwöchigen, realen Testlauf an der Forschungsstation Unterer Lindenhof der Uni Hohenheim stellte das System schließlich seine Praxistauglichkeit unter Beweis. Die Station verfügt über eine Biogasanlage, ein Wärmenetz und einen Energieverbrauch, der etwa dem eines 130-Einwohner-Dorfes entspricht. Eigens für den Testlauf wurde zusätzlich eine PV-Anlage installiert, deren Produktion in die Vorhersagemodelle mit einfloss. Es zeigte sich, dass die Prognosedaten nahe an der Realität lagen und das BHKW die entsprechenden Fahrpläne gut umsetzte.
Dr. Johannes Krümpel Foto: Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie
Insgesamt lag die Abweichung zwischen berechnetem und tatsächlichem Strombedarf bei 4,4 %, beim Wärmebedarf zwischen 7 und 9 %. Es stellte sich zudem heraus, dass das BHKW die Netze entlastete, ohne dabei seine Aufgabe als Wärmelieferant zu vernachlässigen: Es wurde deutlich weniger überschüssiger Strom in das umliegende Netz abgeben und bei Engpässen deutlich weniger Strom daraus importiert.
Weniger Speichervolumen und höhere Erlöse
Die in „PowerLand 4.2“ entwickelte BHKW- und Biogasanlagensteuerung lässt sich auch an anderen Standorten einsetzen und bietet sich insbesondere für Anlagen an, die Wärmeabnehmer versorgen. Benötigt werden lediglich die Betriebsdaten, die man in der Regel ohnehin erfasst. „Der wesentliche Vorteil unseres Ansatzes gegenüber einer klassisch flexibilisierten Anlage besteht darin, mithilfe der bedarfsgerechten Fütterung teure Investitionen in größere Gasspeicher einzusparen. Im Vergleich zur nichtflexibilisierten, im Dauerbetrieb laufenden Biogasanlage erzielen die Betreiber auch höhere Stromerlöse“, erläutert Projektleiter Privatdozent Dr. Andreas Lemmer von der Uni Hohenheim. „Der Rechenaufwand zum Berechnen der Fütterungspläne ist erstaunlich gering und die Genauigkeit des Systems richtig gut. Ein großer Vorteil ist, dass der Betreiber fortlaufend Informationen über die Relation zwischen Fütterung und resultierender Gasproduktion erhält. Ändert sich diese Relation, kann das ein Hinweis auf eine beginnende Prozessstörung sein.“ Dr. Johannes Krümpel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Hohenheim, ergänzt: „Das Vorhalten von schnell verdaulichen Substraten oder eine Substrataufbereitung sind nicht notwendig. Die Modellierungen orientieren sich an dem zuvor eingesetzten Substratmix.“
Das Vorhaben wurde im Rahmen des Förderaufrufs „Systemintegration von Bioenergie“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt. Ziel war es, die besonderen Stärken der Bioenergie noch mehr und „smarter“ für die Energiewende zu nutzen. Insgesamt wurden 19 Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, teilweise mit Reallaboren, gefördert.
Der Abschlussbericht steht auf fnr.de unter den Förderkennzeichen 22404717, 22404618 und 22404718 zur Verfügung. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)
Auf eine Reise durch die Geschichte der Schallplatte begaben sich die Landfrauen des Amtes Nortorfer Land. Sie trafen sich für eine Führung durch das Deutsche Schallplattenmuseum im Kesselhaus der ehemaligen Teldec-Fabrik in Nortorf, um mehr über die Erfolgsgeschichte der Schallplatte zu hören.
Der Leiter des Museums, Lutz Bertram, begrüßte die Damen herzlich und mit launigen Worten. Diese revanchierten sich mit einem Geburtstagsständchen, denn der Museumsleiter wurde an diesem Tag 60 Jahre.
Anschließend begann die Führung im Kellergeschoss des Museums, um dort unter sachkundiger Führung in die Welt der Abspielgeräte abzutauchen. Vom ersten Grammofon bis hin zur neuesten Elektroakustik, von Abspieltechnik bis zur Schallplattenpresse – das Museum besticht durch Vielfalt und Lebendigkeit, so viel ist zu sehen, vor allem aber zu hören.
Die Begeisterung, mit der die Ehrenamtler durch die Ausstellung begleiten, ist ansteckend und macht Lust auf einen weiteren Besuch, da einer bei Weitem nicht ausreicht, um alles zu entdecken. Das Museum war an diesem Tag gut besucht, unter anderem trafen die Nortorferinnen ihre LandFrauenkolleginnen aus Bordesholm, die ebenfalls einen Museumsbesuch unternahmen.
Bestimmt kommen auch sie noch einmal, um dann in aller Ruhe Platz zu nehmen in einem der kleinen Sessel, die zum Verweilen einladen, um sich eine Schallplatte aufzulegen und zu alten Aufnahmen in Erinnerungen zu schwelgen.
Dynacord-Discothek aus Hamburger Privatbesitz: ein Mischpult mit Studioplattenspieler, Mikrofon und anderen Extras wie Getränkehalter und Aschenbecher aus dem Jahr 1971. Der Wert damals: 10.000 DM
Mit einer Premiere war die Journalistin, Bloggerin und Autorin Teresa Bücker am vergangenen Donnerstag in Nordfriesland zu Gast. Vor gut 100 Zuhörerinnen und Zuhörern gab sie ihre erste digitale Lesung. Dabei stellte sie ihr im Oktober 2022 erschienenes Buch „Alle Zeit. Eine Frage von Macht und Freiheit“ vor. Die Kernbotschaft auf 400 Seiten lautet: Nicht Geld, sondern Zeit sei die zentrale Ressource der Gesellschaft. In sieben Kapiteln beleuchtet sie das Thema aus vielen Perspektiven und stellt fest, dass die Gesellschaft eine radikal neue Zeitkultur brauche.
Begrüßt wurde die Autorin von Claudia Hansen von der Evangelischen Frauenarbeit Nordfriesland. Diese hatte in Kooperation mit dem KreisLandFrauenverband Nordfriesland und Gleichstellungsbeauftragten der Ämter Südtondern und Mittleres Nordfriesland sowie der Stadt Husum zu diesem Zoom-Abend eingeladen. Dass das von Teresa Bücker aus feministischer Sicht beleuchtete Thema nicht nur Frauen interessiert, zeigte sich daran, dass auch Männer im Publikum waren.
Für Bücker, selbst Mutter von zwei Kindern im Alter von acht und drei Jahren, bleiben digitale Treffen auch nach der Corona-Pandemie weiterhin wichtig, „weil sie Teilhabe schaffen auch für Menschen, die nicht live zu Veranstaltungen gehen können, die an Orten leben, die nicht in der Nähe von Großstädten liegen, oder Care-Aufgaben haben“. Damit war die Autorin schon mittendrin im Thema Zeitkultur.
Auf dieses sei sie gekommen, weil sie sich als Journalistin schon lange damit beschäftige, „wie wir arbeiten, uns umeinander kümmern und engagieren“. Dabei habe sie festgestellt, dass Zeit an Gesellschaftsstrukturen hänge und eine wichtige Dimension von Gerechtigkeit sei, wenn es zum Beispiel darum gehe, selbstbestimmt über Zeit zu verfügen.
Oft gehe es in gesellschaftlichen Diskussionen um Geld und die gerechtere Gestaltung von ökonomische Möglichkeiten sowie Repräsentation und Teilhabe. Zeit sei eine Gerechtigkeitsdimension, die als dritter Faktor dazutrete, und das sowohl für Frauen als auch für Männer.
Im Buch von Bücker geht es dabei keinesfalls um Zeit als Luxusproblem. Sie wolle den Begriff weiter fassen und neben den Alten auch die ganz Jungen einbeziehen, betonte die Autorin in der digitalen Lesung. Fakt sei, dass in der aktuellen Zeitkultur vor allem die Interessen des mittleren Lebensalters berücksichtigt seien. Es fehle dagegen eine kindgerechte Zeitkultur, kritisierte die Autorin und nannte als Beispiel den frühen Schulbeginn, der sich nach den Interessen der Erwachsen richte, obwohl es für das Lernvermögen nachweislich positiv sei, später zu starten. Ein weiteres Thema sprach die Autorin in der Lesung mit der haushaltsnahen Dienstleistung an. Es sei ein Fehler der derzeitigen Zeitkultur, dass das tägliche Zeitbudget nur für die Arbeit berechnet sei, aber nie für andere Bereiche des Lebens.Kathrin Iselt-Segert
„Ein gutes Leben kann nur gelingen, wenn wir verstehen, wie drängend Zeitgerechtigkeit ist, und endlich die Debatte darüber beginnen, wie wir Zeit neu verteilen.“
Für die Mitglieder des Kreislandjugendverbandes Rendsburg-Eckernförde war in der vergangenen Woche in Osterrönfeld jede Menge Arbeit angesagt – es galt, erstmals seit 2019 wieder einen Kreisentscheid des Berufswettbewerbs Landwirtschaft zu organisieren. Das Kräftemessen mit theoretischen und praktischen Aufgaben, das alle zwei Jahre auf die Beine gestellt wird, musste wegen der Corona-Pandemie 2021 ausfallen. Die Neuauflage war stark nachgefragt: Rund 200 angehende Landwirte sowie Fachschülerinnen und Fachschüler traten in der Landwirtschaftsschule im Berufsbildungszentrum (BBZ) am Nord-Ostsee-Kanal und in den Deula-Hallen an.
Siegerehrung. Foto: Lena Hagge
Die Organisatoren um die beiden ersten Vorsitzenden des Kreislandjugendverbands, Cindy Winter und Momme Dau, mussten am Wettbewerbstag früh aufstehen: Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Prüfer wurden Brötchen geschmiert und viel Kaffee gekocht. Der guten Laune tat dies keinen Abbruch. „Wir sind es gewöhnt, früh aufzustehen“, erklärte Momme Dau mit einem Augenzwinkern. Bereits Monate vorher kümmerte sich das Organisationsteam, verstärkt durch das frühere Vorstandsmitglied Tim Behrens, in Baumärkten und im Fachhandel erfolgreich um attraktive Sachspenden und Gutscheine für die Sieger.
Die Teilnehmer bekamen wie in den Vorjahren Aufgaben, die vom Bundesverband der Landjugend ausgetüftelt worden waren. Dabei ging es im theoretischen Teil des Wettbewerbs auch um Medienkompetenz: Die Auszubildenden und Fachschüler erstellten mit dem Laptop unter anderem eine Präsentation, mit der sie zehnjährigen Kindern altersgerecht die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und deren Hintergründe näherbringen sollten. Für den praktischen Abschnitt fuhren die Organisatoren mehrere Schlepper auf den Parkplatz vor der Landwirtschaftsschule. Die teilweise mit Anhängern bestückten Trecker mussten einer Abfahrprüfung unterzogen werden. Viele angehende Landwirte entdeckten aber schnell die von den Juroren eingebauten Fallstricke wie gelockerte Stecker oder geöffnete Schieber. „Es ist schon echt wichtig, vor dem Losfahren alles zu überprüfen, gerade wenn wir mit Anhängern unterwegs sind“, meinte Hagen Büller aus Brux.
In den Deula-Hallen wurde kräftig geschraubt: Die Azubis und Fachschüler mussten innerhalb von 30 min einen siebenpoligen Stecker zusammenbauen. „Das ist schon eine anspruchsvolle Aufgabe“, betonte der angehende Agrarbetriebswirt Finn Ulrich, der als Prüfer agierte. Im Raum nebenan waren gute Augen und Nasen gefragt – es galt, bis zu 20 einzelne Getreide- und Futterkornsorten sowie Mischungen zu identifizieren. Viele Teilnehmer sahen den Wettbewerb als gute Vorbereitung für die Zwischen- oder Abschlussprüfungen in den kommenden Monaten. „Man weiß dann besser, wo man steht. Und Spaß macht es auch“, erklärte Stine Bossmann aus Ostholstein.
Die Siegerinnen und Sieger der Kreisentscheide aus ganz Schleswig-Holstein werden am Landesentscheid und je nach Erfolg auch am Bundesentscheid teilnehmen. Vertreter des Bauernverbandes, des BBZ sowie Kreispräsidentin Juliane Rumpf (CDU) freuten sich über die starke Nachfrage im Wettbewerb für den Kreis Rendsburg-Eckernförde. Nachwuchssorgen in der Landwirtschaft gibt es mit Blick auf die Schülerzahlen am BBZ übrigens nicht. „Wir haben in den vergangenen zehn Jahren konstante Schülerzahlen“, berichtete der Abteilungsleiter Agrarwirtschaft, Sebastian Wulff.
Malte Langholz aus Friedrichsdorf hatte den von der Jury gelockerten Stecker schnell entdeckt. Foto: Sven TietgenStine Bossmann und Jannes Köpcke guckten sich die Schüsseln mit Getreidekörnern oder Futtermischungen genau an – und machten auch Schnupperproben. Foto: Sven TietgenDr. Tobias Wulf, Lehrer für Pflanzenbau, blickte den Teilnehmern bei der Ausarbeitung einer Präsentation über die Schulter. Foto: Sven TietgenJesko Langmaack aus Lütjenwestedt konzentriert sich auf den Zusammenbau eines siebenpoligen Steckers. Foto: Sven Tietgen
Nachdem die Wintergetreidekulturen überwiegend sehr stark entwickelt in den Winter gegangen sind, stellt sich nun die Frage nach der richtigen Strategie für die Stickstoffdüngung.
Starke Niederschläge haben zwischen Dezember und Januar den mineralisch vorliegenden Stickstoff an vielen Standorten, insbesondere auf leichteren Böden, in nennenswertem Umfang in tiefere Schichten verlagert. Wie sollte man nun die N-Düngung der Kulturen planen, um einerseits die Bestände zu einem hohen Ertrags- und Qualitätsniveau zu führen und andererseits die Effizienz des umweltsensiblen und auch kostbaren Gutes Stickstoffdünger optimal zu gestalten?
Stickstoff wird bezüglich des Gewässerschutzes in der Landwirtschaft derzeit politisch wieder verstärkt kritisch diskutiert. Zudem hat sich mit zurückliegender Änderung in der landesweiten Ausweisung der Nitratkulisse mit einer verpflichtenden Reduktion der N-Düngung um 20 % unterhalb des ermittelten Bedarfs eine Ausweitung dieser sogenannten Roten Gebiete ergeben. N-Düngemittel sind trotz deutlich gefallener Preise immer noch kostenintensiv, sodass sowohl aus Umweltsicht als auch aus pflanzenphysiologischer und ökonomischer Sicht eine optimale Ausnutzung der Nährstoffe angestrebt werden muss.
Aus rechtlicher Sicht ist darauf hinzuweisen, dass wie gehabt die Düngebedarfsermittlung (DBE) für Stickstoff und Phosphat düngeverordnungskonform vor der ersten Düngemaßnahme schriftlich dokumentiert vorliegen muss. Auf die weiteren Rechtsgrundlagen zur Düngung wurde im Bauernblatt zuvor bereits hingewiesen. Auf sie kann auch online auf der Homepage der Landwirtschaftskammer unter lksh.de/landwirtschaft/duengung zurückgegriffen werden.
Wie den Stickstoff effizient nutzen?
Grundsätzlich muss beim Düngen auf günstige Randbedingungen geachtet werden, die eine hohe Nährstoffaneignung und -umsetzung zulassen. Im Frühjahr nicht mehr beeinflusst werden kann eine gute Bodenstruktur, die sich in Teilen aus günstigen Vorfrüchten ergibt. Jedoch kann mittels der Grundnährstoff- und Mikronährstoffversorgung reagiert werden sowie mit einem standortbedingt optimalen pH-Wert des Bodens. Insbesondere Schwefel muss dabei wie üblich in allen Kulturen mit der ersten Stickstoffgabe kombiniert werden, da nur so mit ausreichender Schwefelmenge die Stickstoffaufnahme und -umwandlung in der Pflanze gewährleistet werden können.
Bei organisch langjährig gut versorgten Böden können zwar die Werte im Frühjahr etwas höher sein, jedoch sollte auch hier mineralischer Schwefel ergänzt werden. Auch in Güllen und Gärresten liegen vorhandene Schwefelmengen überwiegend organisch gebunden vor und müssen erst mineralisiert werden. Aufgrund der noch niedrigen Bodentemperaturen geschieht dies jedoch in den Wintergetreidebeständen zu langsam. Für Sommergetreide kann hier aufgrund der wesentlich später stattfindenden Haupt-N-Aufnahme ein höherer Anteil des Schwefels aus der Organik vorausgesetzt und angerechnet werden.
Düngemengen noch in Gaben aufteilen?
Ein klassischer Bestandteil der Bestandesführung war immer die jahres- und entwicklungsangepasste Gabenaufteilung. Hier gilt grundsätzlich das Prinzip des Förderns oder des moderaten Reduzierens. Dies ist über das zeitpunktgerechte Bereitstellen von Nährstoffen zu erreichen, setzt jedoch entsprechende Bodenfeuchten und damit Nährstoffmobilität voraus.
Aufgrund der in den vergangenen Jahren häufiger werdenden Phasen von Trockenheit im Frühjahr und auch im Frühsommer kommt diese Vorgehensweise an ihre Grenzen. Deswegen war oftmals das Bereitstellen hoher N-Mengen bereits in der frühen Vegetationsphase ein Weg, die Bestände zuverlässig zu versorgen. Hierbei ist jedoch insbesondere das Risiko von Nährstoffverlusten zu berücksichtigen und kritisch zu beurteilen.
Gleichzeitig verliert sich insbesondere die Möglichkeit, dichte Bestände nicht zu überziehen. Zu hohe Bestandesdichten sind krankheits- und lageranfälliger und weisen einen kritisch großen Blattapparat auf, welcher unter Umständen in der Photosynthese nicht effizient ist. Der Aspekt zu hoher Wasserverluste über Transpiration in trockenheißen Phasen tritt auf den besseren Standorten in Schleswig-Holstein zwar seltener als in anderen Regionen auf, sei aber auch erwähnt.
Diese stark bestockte Wintergerste kann durchaus reduziert mit rund 50 bis 60 kg N/ha angedüngt werden.
Wie in diesem Frühjahr verfahren?
Mit Blick auf die Situation in diesem Jahr ist festzustellen, dass die meisten Wintergetreidebestände gut bis üppig entwickelt sind, insbesondere zeitig bestellte Wintergerstenbestände. Da gleichzeitig die Nmin-Werte laut Nitratmessdienst der Landwirtschaftskammer (siehe Ausgabe 6, Seite 30) auf einem durchschnittlichen Niveau, aber überwiegend in tieferen Schichten als Nitrat vorliegen und dabei nach regional teils weiteren hohen Niederschlagssummen weiter abgesunken sein dürften, sollten nach Möglichkeit eigene Messwerte herangezogen werden, die zeitnah vor dem anvisierten Düngetermin liegen.
Auch mit Blick auf die mineralischen Schwefelgehalte (Smin) kann festgestellt werden, dass zwar in der Marsch und im Östlichen Hügelland noch relativ hohe Werte vorzufinden sind, diese sich jedoch ausschließlich auf die tieferen Bodenschichten konzentrieren. Daher muss definitiv eine ausreichend hohe Schwefelmenge (20 bis 30 kg S/ha) in der ersten Gabe appliziert werden. Dabei kann in gut entwickelten Beständen die erste N-Gabe (Bestockungsgabe) geteilt werden in eine 1a- und eine 1b-Gabe (siehe beispielhafte Düngebedarfsermittlung, Tabelle 1, und exemplarische N-Gabenaufteilung in verschiedenen Kulturen in Tabelle 2).
Es sollte hier bei Wintergersten eine Düngemenge von insgesamt 60 bis 70 kg N/ha ausreichend sein. In schwachen Beständen sollten 20 bis 30 kg N/ha zusätzlich aufgewendet werden, um eine weitere Ausbildung angelegter Triebe zu unterstützen. Die zweite N-Gabe (Schossergabe) sollte für die Wintergerste auch als Abschlussgabe ausreichen. Hier ist die restliche N-Menge nach der Düngebedarfsermittlung (DBE) zu streuen. Die Zwei-Gaben-Strategie hat sich in der Vergangenheit bereits bewährt und wird auch in den Landessortenversuchen bei Wintergerste angewendet.
Bestandesdichte berücksichtigen
Für Winterweizen sollte auch die aktuelle Bestandesdichte berücksichtigt werden. Üppige Bestände auf leichteren Standorten sind mit etwa 60 bis 80 kg N/ha anzudüngen, für weniger weit entwickelte Bestände, insbesondere auch auf den kalten Marschstandorten, ist eine höhere Menge bis zu 100 kg N/ha anzusetzen. Hier bietet sich ebenso ein Splitting der ersten Gabe an. Speziell beim Winterweizen ist sowohl hinsichtlich der N-Effizienz als auch für die Proteinqualität eine ausreichend hohe Schwefelversorgung sicherzustellen. Gerade auf humusarmen Ackerbaustandorten mit geringerem Nachlieferungspotenzial sollte daher der Schwefelbedarf mit 30 kg S/ha abgesichert werden.
Für die Schossergabe (N2) sollte je nach Ertragserwartung mit 60 bis 80 kg N/ha gedüngt werden, wobei hier nicht zu sehr reduziert werden sollte, um nicht in der Ährenausdifferenzierung negative Auswirkungen zu produzieren. Die restliche N-Menge nach DBE sollte als Ährengabe kurz vor dem Ährenschieben zwischen EC 39 und EC 49 appliziert werden. Hierbei ist auf eine mögliche Bodentrockenheit zu reagieren und der Düngezeitpunkt auf EC 37 vorzuverlegen.
Für Winterroggen und Wintertriticale ist analog zur Wintergerste zu verfahren. Für Roggen empfiehlt es sich, startbetont zu düngen, da hier früh eine hohe N-Aufnahme besteht. Mit der Schossergabe wird auch hier die N-Düngung abgeschlossen. Für den sich etwas langsamer entwickelnde Triticale kann zwar eine Drei-Gaben-Strategie analog zum Winterweizen verfolgt werden, jedoch empfiehlt es sich auch hier, den Fokus weniger auf die Proteinkonzentration als mehr auf den Ertrag zu legen, was dann auch in einer Aufteilung in zwei Düngegaben resultiert.
Grundsätzlich bietet es sich in allen Kulturen an, in der ersten N-Gabe sogenannte Düngefenster anzulegen, die durch schnelleres Fahren eine um 20 bis 30 % geringere Düngung erfahren. Dabei sollten diese Bereiche beobachtet werden und bei beginnendem Aufhellen der Pflanzen in diesem Bereich die Anschlussdüngung der Schossgabe erfolgen.
Organische Düngung einplanen
Da die Preise für Stickstoffdünger bereits im vergangenen Jahr auf einem sehr hohen Preisniveau lagen, ist die Attraktivität der Verwendung organischer Düngung gestiegen, und viele Betriebe haben sich wieder intensiver hiermit beschäftigt. Um im Getreideanbau eine hohe Effizienz des organisch gebundenen Stickstoffs zu erreichen, sollte die Ausbringtechnik ammoniakemissionsarm sein. Aber auch der Einsatzzeitpunkt ist hier entscheidend.
Bei kühlfeuchter, windarmer Witterung treten geringere gasförmige N-Verluste auf als bei warm-windiger Witterung. Hier sind die frühen Düngetermine (soweit rechtlich zulässig bei gegebener Befahrbarkeit) zumeist begünstigt. Außerdem kann bei frühen Applikationsterminen der Anteil des organisch gebundenen Stickstoffs besser ausgenutzt werden. Da aber in Güllen oder Gärresten nur das enthaltene Ammonium für die kurzfristige Wirkung einzuplanen ist, sollte neben der obligatorisch notwendigen mineralischen Schwefeldüngung auch gegebenenfalls mineralischer Stickstoff in einer zweiten Teilgabe Anwendung finden.
Wahl der geeigneten Stickstoffform
Welcher Stickstoffdünger am besten einzusetzen ist, wird dieses Jahr nicht mehr durch die Verfügbarkeit bestimmt, hingegen vielmehr durch das, was bereits eingekauft worden ist oder welcher Dünger kostengünstig ist. Bei Mehrnährstoffdüngern sollte dabei der Wert der weiteren Nährstoffe berücksichtigt werden, ebenso wie eventuell gesparte Überfahrten.
Bezüglich der Ertrags- und Qualitätswirkung sind zwischen den verschiedenen N-Düngern nur geringe Unterschiede zu verzeichnen. Auch hinsichtlich der Effizienz ergeben sich in normalen Jahren kaum mehr Unterschiede, da Harnstoffe mittlerweile nur noch mit Ureaseinhibitoren auf dem Markt sind. Lediglich hinsichtlich der kurzfristigen Wirkung in Boden und Pflanze muss zwischen Nitrat- und Ammonium- (oder harnstoffbasierten) Düngern unterschieden werden. Dabei gilt die Faustregel, dass nitrathaltige Düngemittel die schnellste Wirkung zeigen. In der Situation von feuchten Böden und weiter folgenden starken Niederschlägen sind sie aber auch am meisten gefährdet, verlagert zu werden.
Fazit
Die Stickstoffdüngung von Wintergetreide bleibt eine große Stellschraube in der Bestandesführung im Wintergetreideanbau, ist aber aufgrund immer häufiger auftretender Trockenphasen im Frühjahr schwieriger zu gestalten. Da die zulässigen N-Düngemengen unter günstigen Bedingungen in Jahren mit hohem Ertragspotenzial eher knapp bemessen sind, um noch hohe Proteinkonzentrationen zu generieren, sollte gezielt das Produktionsziel Ertrag in den Fokus rücken. Dabei sollte zudem die Proteineinstufung der angebauten Sorte berücksichtigt werden. Stickstoffgaben ab dem Zeitpunkt der Blüte empfehlen sich in der Regel nicht mehr.
Der Bagger schachtet Gräben aus. Er sucht nach alten Dränagen und zerstört sie. Aber auch uralte Mooreichen kommen zum Vorschein: Das Ellerortsmoor in Erfde-Ekel wird wiedervernässt – als ein erstes, 25 ha großes Teilstück von rund 300 ha in den nächsten zehn Jahren. Dr. Elena Zydek, Leiterin der Klimafarm, und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erklärten vor Ort die Maßnahmen und die Aufgaben der Klimafarm.
Blickt man über das weite Feld, so sieht man ein paar Pfützen, beim Darübergehen quietscht es bisweilen unter den Schuhen, aber eine Wasserfläche, gar einen See sucht man vergebens. „Bei einem vernässten Niedermoor liegt der Wasserspiegel im Jahresmittel zehn bis 20 Zentimeter unter der Geländeoberkante“, erklärt Projektleiterin Dr. Wiebke Schuster. Immerhin liegt man hier 1 m unter dem Meeresspiegel. Im Zuge der Wiedervernässung werden alte Dränagen entfernt, zugleich werden regulierbare Überläufe installiert, damit Wasser nicht ungewollt auf Nachbarflächen anderer Besitzer übertritt.
Eines der Dränagerohre, die entfernt wurden – v. li.: Projektleiterin Dr. Wiebke Schuster, Dr. Elena Zydek, Leiterin der Klimafarm, Thomas Klömmer, Bürgermeister von Erfde.
Die CAU forscht mit
Thomas Klömmer, Bürgermeister von Erfde, begrüßt das Klimaschutzprojekt in seiner Gemeinde. Zugleich ist es ihm wichtig, dass auch die Sorgen der örtlichen Landwirtschaft berücksichtigt werden. „Es ist gut angelaufen, alle werden mitgenommen“, sagt er. Er ist froh, dass die Christian-Albrechts-Universität (CAU) mit an Bord ist. Unter ihrer Betreuung werden an verschiedenen Punkten Emissionen von Treibhausgasen zusammen mit dem Wasserstand gemessen, um herauszufinden, unter welchen Verhältnissen wie viel CO2 gebunden wird oder austritt. „Wir sind auf die Ergebnisse gespannt, was Wiedervernässung bewirken kann“, so Klömmer.
Die Klimafarm ist ein Pilotprojekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und wird von der Bundesregierung mit über 12 Mio. € gefördert. Sie hat rund 400 ha zur Verfügung – nicht arrondiert und im Umkreis bis zu 16 km um den Hof in der Erfder Außenlage Ekel –, von denen 100 ha bereits vernässt sind und die übrigen 300 ha innerhalb von zehn Jahren sukzessive vernässt werden sollen.
Eine Tüftlerwerkstatt
Zugleich will die Klimafarm, ohne unter wirtschaftlichem Druck zu stehen, ausprobieren, wie vernässte Moore extensiv genutzt werden können, sprich, was aus dem „nassen Gras“ gewonnen werden kann – Stichwort Paludikultur: „Sumpfkultur“. Verschiedene Trocknungssysteme, verschiedene Inhaltsstoffe und Qualitäten des Grases von verschiedenen Flächen sollen getestet werden. Dafür wurden bereits Stachelwalzgeräte für die Mahd angeschafft – möglichst CO2-arm im Verbrauch.
„Wir sind im Kontakt mit der Industrie. Sie gibt Materialanforderungen vor – roh oder fein, als Pellets oder als Ballen, Trockenheitsgrad“, sagt Klimafarm-Leiterin Zydek. Daraus könnte dann Verpackung entstehen, Dämmstoff, Papier, vielleicht sogar Spielzeug. „Es soll eine Tüftlerwerkstatt werden“, sagt Mitarbeiter Arndt Behrendt.
Dass Paludikulturen jetzt noch nicht wirtschaftlich tragbar sind, ist Zydek bewusst. „Wir sind dazu da, diese Vorarbeiten zu leisten und in zehn Jahren ein wirtschaftlich belastbares Ergebnis vorzuweisen.“ Dazu gehöre auch die Anbahnung von Handelswegen und Patenten. „Es gibt Firmen, die auf Reststoffen herumdenken, das ist im Markt schon Thema“, ergänzt Behrendt.
Auch alte Mooreichen wurden bei den Maßnahmen gefunden – Alter bisher noch unbestimmt. Der Flurname „Ekel“ bedeutet Eiche.
Kein Anbau, nur Ernte
Ein Anbau von Paludikulturen mit Aussaat, Düngung oder Pflanzenschutz ist auf den Flächen der Stiftung allerdings nicht erlaubt. Die Nutzung ist auf die Ernte des Vorgefundenen begrenzt, es gibt aus Vogelschutzgründen nur einen Schnitt nach dem 21. Juni. Die Stiftung legt ihren Zweck mit dem Land Schleswig-Holstein fest, und der erlaubt keine aufbaufördernden Maßnahmen. Die Vorgaben gelten auch für die Flächen, die verpachtet werden. Das Landesprogramm folgt dem Konzept des biologischen Klimaschutzes, das heißt einer bewusst natürlichen Entwicklung. „Da können wir Flächen nicht einfach wieder herausnehmen“, so Zydek.
Dessen ungeachtet könne sie, da sie selbst Milchbäuerin sei, die Sorgen von Landwirten verstehen und bemühe sich, auf Landwirte zuzugehen. „Wir wollen zusammen Lösungen finden, wir sind über jedes Gespräch froh, das wir mit Landwirten führen.“ Sie sei überzeugt, dass es auch in der ETS-Region weiter Flächen geben werde, wo Milchwirtschaft möglich sei. Dabei müsse man aber ehrlich bleiben: „Wer auf Niedermoorflächen Landwirtschaft betreibt, muss sich über die Verhältnisse im Klaren sein.“ Und schließlich: „Wir sind alle betroffen. Für Klimaschutz müssen auch Landwirte mitziehen.“
Moore binden CO2. Aus Klimaschutzgründen sollen deshalb so viele einst trockengelegte Moore wie möglich wiedervernässt werden. Anknüpfungspunkt bildet der Strategieprozess Niederungen 2100, in dem es an verschiedenen Stellen um die Nutzungsoptionen von Moorböden geht. Er soll vom Umweltministerium mit Betroffenen in diesem Jahr erstellt werden. Was bedeutet das für die örtlichen Bauern? Ein Besuch bei Klaus-Peter Dau in Tetenhusen.
Die Eider-Treene-Sorge (ETS)-Region ist reich an solchen Flächen, sowohl an nassen wie – noch – relativ trockenen. Für die Gewässerunterhaltung in dieser Region ist der Deich- und Hauptsielverband Eider-Treene mit einer Gesamtgröße von 113.000 ha zuständig. Davon sind zirka 48.000 ha Niederungsflächen. Soll dies alles ein Sumpf werden? Das ist das Horrorszenario vieler Bauern dort.
Nein, auch in dieser Region soll die Landwirtschaft erhalten bleiben, ist das Anliegen von Klaus-Peter Dau, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Schleswig und Mitglied im Landesvorstand sowie Verbandsvorsteher im Sielverband Mittlere Sorge, zuständig für die Gewässerunterhaltung in seiner Region.
Bewirtschaftung schwierig
Dau ist nicht gegen Wiedervernässung an sich, weiß sehr wohl um deren klimapolitische Bedeutung. Er und andere Kollegen würden durchaus Flächen dafür hergeben, die sehr niedrig gelegen sind. Aber dafür brauchten die Bauern Ersatz. „Manche nassen Schläge sind jetzt schon nur unter schwierigen Bedingungen zu bewirtschaften, sind kaum mehr mit Maschinen befahrbar.“ Zudem sacke der Boden dort allmählich immer weiter ab, um bis zu einen halben Zentimeter im Jahr – im Gelände ist das deutlich zu sehen. Das Moor ist degradiert, in einen ursprünglichen Zustand wird es nicht mehr kommen.
Da ist ein intelligentes Wassermanagement gefragt. Es genügt jedenfalls nicht, „den Hahn aufzudrehen“, es muss ein gewisser Wasserstand gehalten werden. Das erfordert Kontrollen, Investitionen in Pumptechnik und Infrastruktur. In Regenperioden geraten die 50 bis 60 Jahre alten Schöpfwerke an ihre Grenzen – und wenn der Meeresspiegel steigt, gegen den sie aus den Niederungen anarbeiten müssen, allemal. Hingegen komme es in einem trockenen Sommer sogar vor, dass in der Wachstumsphase wieder bewässert werden müsse. „Wenn das Moor bei 40 Grad trocknet, emittiert es sogar wieder CO2!“
Zum Teil muss die Technik restauriert oder aufgerüstet werden. Das verursacht zusätzliche Kosten, an denen sich alle Anlieger unter 2,50 m über NN beteiligen müssen – derzeit mit 40 €/ha im Jahr. Höhere Beiträge an die Wasser- und Bodenverbände werden künftig nicht zu vermeiden sein. Das Resümee von Klaus-Peter Dau: „Manche Flächen werden wir sowieso verlieren.“
Ersatz in höheren Lagen
Die Bauern brauchten Ersatz dafür, wenn sie weiter Landwirtschaft betreiben wollten, am liebsten in Form von Tausch gegen Flächen in höheren Lagen. Die gebe es durchaus. „Warum nicht ein paar Kilometer weiter fahren, wenn man dort besser wirtschaften kann“, meint Dau. Selbst die Verlegung eines ganzen Betriebes, etwa nach Angeln, schließt er als Möglichkeit nicht aus. Dort und anderswo gebe es frei werdende Höfe aufgrund von Betriebsaufgaben.
Die Stiftung Naturschutz lässt jedoch einen Tausch mit eigenen Flächen nicht zu. Bisher jedenfalls. Auch wäre ein Moorkataster hilfreich, um Eigentümer von „Lücken“ ausfindig zu machen, sogenannten Weißflächen, die ohnehin nicht bewirtschaftet und statt bewirtschafteter Flächen wiedervernässt werden könnten.
Ohne Ersatz gehe es nicht, so Dau, wenn man die Landwirtschaft in der Region halten wolle. „Wir brauchen ein gewisses Maß an Fläche.“ Allein für die Viehhaltung – und die ETS-Region ist ein dezidiertes Milchviehland – müssen aufgrund der Düngeverordnung entsprechende Flächen vorgehalten werden. Und für ihre Investitionen brauchen die Bauern Planungssicherheit, dass sie 30 oder 40 Jahre weiterwirtschaften könnten.
Ausverkauf wäre fatal
Warum überhaupt bleiben? „Wir Landwirte sind für ländliche Kultur und Leben allgemein wichtig. Wir stellen Arbeitsplätze zur Verfügung, auch im nachgeordneten Bereich, etwa im örtlichen Handwerk.“ Und dass er und seine Kollegen über ihre Flächen in hohem Maße die Wasserwirtschaft finanzieren, komme auch der örtlichen Bevölkerung zugute: „Aus Siedlungsgebieten kommen schon Befürchtungen, dass künftig Keller unter Wasser stehen.“
Das spricht auch für Dr. Lennart Schmitt, Leiter der Umweltabteilung im Bauernverband Schleswig-Holstein, gegen einen „Ausverkauf“ der ETS-Region zum Zwecke der Wiedervernässung. Zwar kauft die Stiftung Naturschutz fortlaufend Flächen, kann gute Preise zahlen, und verhindern kann man es nicht, wenn beispielweise Erben verkaufen wollen. Die Befürchtung liegt nahe, dass die Stiftung abwartet, bis den Bauern aus oben genannten Gründen nichts anderes übrig bleibt als zu verkaufen. „Für den einzelnen Betrieb mag das eine Lösung sein, aber aus verbandspolitischer Sicht führt es für die Agrarstruktur und damit die weiterwirtschaftenden Betriebe zu erheblichen Verwerfungen“, sagt Schmitt.
Dass zum Zwecke der Wiedervernässung künftig Land enteignet werde, glaubt Dau allerdings nicht. „Die Regierung hat zugesagt, dass das nicht der Fall sein wird. Wir sind alle interessiert an einer langfristigen Strategie.“ Dazu gehört der Erhalt der Landwirtschaft in der Region. Dazu gehören gezielte Förderungen, Anreize, Vertragsnaturschutz. „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, sagt Schmitt, „ein Weg dorthin wird jedoch bisher nicht aufgezeigt.“
Die Landschaft Angeln – eine Region, wie geschaffen für entspannten Urlaub. Blühende Rapsfelder, Steilküsten und Strände, idyllische Schleihäfen begeistern die Touristen. Doch Angeln ist auch ein Lebensraum, und der braucht eine gesunde wirtschaftliche Grundlage. Dafür steht, was für Besucher vielleicht nur pittoresk den Wegesrand ziert: das Angler Rind. Dessen Entwicklung, Probleme und mögliche Zukunft sind jetzt in einem Film dokumentiert: „Quo vadis, Angeln?“ – auf Deutsch: „Wohin gehst du?“.
Die Tiere kommen noch vor den Menschen ins Bild: Kühe in Großaufnahme, Kühe am Futtertisch, Kühe auf der Weide. Die Menschen kommen danach zu Wort: Halter des Angler Rindes in allen Altersstufen von der engagierten Jungbäuerin über den erfahrenen Betriebsleiter, der alle Aspekte des Strukturwandels gemeistert hat, bis zum Altenteiler, der sich immer noch darauf freut, den Lehrling beim Melken vertreten zu können. 33 Menschen in Angeln zwischen 22 und 94 Jahren wurden befragt. Ihre Erzählungen, in kurze Sequenzen verteilt, machen die Authentizität des Filmes aus und berühren den Zuschauer.
Sieben Jahre haben sich die Initiatoren Zeit genommen. Dies sind Christina Paulsen-Schlüter aus Tolk, Claus-Peter Tordsen aus Süderbrarup und Johannes Tams aus Ausacker – alle drei Halter von Angler Rindern. Für ihr Projekt haben sie den Filmemacher Steffen König von Shortcut in Hannover als Produzenten gewonnen. Das Werk feierte Uraufführung im Schleswiger Captol-Kino vor rund 200 geladenen Gästen. Die Gewährsleute konnten sich da erstmals selbst im Fim sehen.
Die Filmemacher (v. li.:) Steffen König, Christina Paulsen-Schlüter, Johannes Tams, Claus-Peter Tordsen. Foto: Tonio Keller
Es kommen Arnis an der Schlei ins Bild, die Kappelner Heringszäune, Angler Sattelschweine wuseln zwei, drei Mal durch die Szene, doch bevor es zu nostalgisch wird, treten wieder die Stars auf, die Angler Rinder.
In deren Entwicklung hat sich viel getan. Aus robusten Rassen der Wikinger wurde durch Zucht eine Kuh mit hoher Milchleistung und besonders hohem Fettanteil – eine „Butterkuh“. „Die Leistung ist heute höher, aber das Futter ist auch besser“, weiß ein Seniorlandwirt. „Die höhere Leistung sollen sie aber auch gesund erbringen“, wendet er sich gegen Überzüchtung. Und ein anderer: „Wir fühlen uns mit den roten Kühen wie Asterix und Obelix – die Schwarzbunten ringsherum sind die Römer.“ Da ist er wieder, der Stolz auf die Angler Rinder! Sie werden weltweit gehandelt, wurden schon auf einer Hochzeitsreise in Neuseeland gesichtet. Die Italiener lieben sie für die Herstellung von Parmesankäse. Bis 1982 war Süderbrarup der Auktionsplatz für Angler Rinder, später wurde die Veranstaltung den Auktionen der Rinderzucht Schleswig-Holstein in Neumünster angegliedert, heute in Dätgen. Und natürlich werden nicht nur Weidemelken und Kaltblüter am historischen Eisenpflug gezeigt, sondern auch moderne Mähdrescher mit GPS, Melkkarusselle und Herdenmanagement am Computer.
Doch der Titel „Quo vadis“ deutet schon an, dass die Zukunft Sorgen bereitet. Mag das Angler Rind durch Zucht immer besser, immer angepasster an die Anforderungen geworden sein: Die Bestandszahlen gingen immer mehr nach unten. Liefen auf Angler Weiden früher rund 25.000 dieser Tiere, so sind es jetzt etwa 10.000. „Noch mehr Weniger geht nicht!“, klagt ein Bauer.
Die Milchkrise um 2015 war für viele der „Todesstoß“ – und die Initialzündung für die Entstehung des Filmprojektes. Bis 2018 gaben 80 % der Betriebe auf. „Wenn das zehn Jahre so weitergeht, kennen unsere Kinder nicht mehr, wie es einmal hier war“, befürchtet Paulsen-Schlüter. In Rüllschau etwa gab es früher sieben landwirtschaftliche Betriebe, heute nur noch einen. Fast jedes Dorf hatte eine eigene Meierei, heute findet sich die nächste in Kappeln.
Christina Paulsen-Schlüter (li.) im Interview mit Giesela Lorenzen vom Hof Lücke. Foto: Claus-Peter Tordsen
Es wird gezeigt, wie sich die Landwirte arrangieren – mit weiteren Standbeinen oder mit komplettem Wechsel zu neuen Betriebszweigen: Hühnermobile in Freiland, Sonderkulturen wie Beerenobst, Direktvermarktung, Ferienwohnungen. Aber natürlich wollen viele von ihnen weitermachen, sind motiviert und engagiert. Was aus ihnen allen spricht, ist die Freude am Bauer-Sein, die Liebe zum Tier, der lebenserfüllende Inhalt des Berufes. Was die Zukunft anbetrifft: Die Frage „Quo vadis?“ muss offen im Raum stehen bleiben.
Wer sich nicht für Rinder interessiert, mag vielleicht nicht auf seine Kosten kommen. Oder er findet gerade durch den Film sein Interesse.
Er wird weiterhin im Capitol-Kino in Schleswig gezeigt (Spielzeiten unter www.quo-vadis-angeln.de), später auch in Rendsburg, Flensburg, Kappeln und an anderen Orten.
Die Feststellung der Güte von Rohmilch hat in Deutschland eine bald 100-jährige Tradition, jedoch wurde sie nie überall in Deutschland nach gleichen Regeln gehandhabt. Es war erklärtes Ziel, mit der Einführung der Rohmilchgüteverordnung (RohmilchGütV) am 1. Juli 2021 bundeseinheitliche Regelungen zu schaffen. Die wichtigsten Inhalte im folgenden Beitrag.
Schon im Milchgesetz von 1930 und auch im heutzutage in überarbeiteter Form immer noch gültigen Milch- und Fettgesetz von 1951 wurde geregelt, dass Güteanforderungen durch Rechtsverordnungen umzusetzen sind. Einen Versuch, die Anforderungen dabei bundesweit zu vereinheitlichen, stellte allerdings erst 1980 die Einführung der Milchgüteverordnung dar. Jedoch war die Umsetzung in den einzelnen Bundesländern durchaus etwas unterschiedlich.
Die RohmilchGütV führt die bisherigen Elemente des bewährten Güterechts weiter, indem sie die Güteprüfung der Rohmilch und damit einhergehend die Berechnung des Kaufpreises für die Rohmilch regelt. In der Verordnung werden, neben der Definition von Rohmilch, die Vorgaben zur Probenahme am Milchsammelwagen, die Vorgaben zur Güteuntersuchung und zur Berechnung des Kaufpreises für Rohmilch geregelt.
Für jedes der nach RohmilchGütV vorgeschriebenen Gütemerkmale gibt die Verordnung die Untersuchungs- und Berechnungskriterien sowie die Konsequenzen bei Nichteinhaltung vor (siehe Tabelle). Abnehmer und Erzeuger können allerdings auf privatrechtlicher Ebene die Liste der Gütemerkmale in der Milch erweitern.
Bezahlparameter der Güteprüfung
Der Fett- und der Eiweißgehalt wirken sich über Zu- und Abschläge direkt auf den Auszahlungspreis der Milch aus. Um eine gleichmäßige Grundlage zu bekommen, müssen hier mindestens drei Untersuchungen pro Monat erfolgen. In Schleswig-Holstein gehen die Meiereien mit mindestens vier bis maximal acht Untersuchungen über die Vorgabe hinaus. Im Mittel über alle Milcherzeuger sind die Fett- und Eiweißgehalte der Anlieferungsmilch in Schleswig-Holstein in den vergangenen zehn Jahren nahezu stabil mit durchschnittlich 4,25 % Fett und 3,4 % Eiweiß.
Da die Bestimmung des Gefrierpunktes als Maß für Abweichungen in der Zusammensetzung der Milch – zum Beispiel durch Wasserzusatz – mit der Untersuchung auf Fett und Eiweiß einhergeht, wird bei diesem Parameter die vorgeschriebene Untersuchungshäufigkeit von einem Mal pro Monat noch deutlicher überschritten. Abweichungen beim Gefrierpunkt sind selten, kommen aber dennoch bei durchschnittlich 2 % der Milcherzeuger monatlich vor. Milchgeldabzüge für Gefrierpunktüberschreitungen werden über die Milchlieferordnungen der Meiereien privatwirtschaftlich geregelt.
Keimzahl – ein Maß für die Hygiene
Die Keimzahl ist ein Parameter für die hygienische Gewinnung und Lagerung der Anlieferungsmilch. Im Durchschnitt aller Milcherzeuger lag der Wert im vergangenen Jahr ähnlich wie in den Vorjahren bei 19.000 Keimen je Milliliter. Eine Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes von 100.000 Keimen je Milliliter (Mittelwert aus zwei Monaten) führt zu einem Milchgeldabzug von mindestens 2 ct/kg Milch. Die meisten Ergebnisse der Keimzahluntersuchung liegen im Bereich unterhalb von 30.000 Keimen, viele Betriebe haben dauerhaft Werte unter 20.000. Dennoch überschritt 2022 jeden Monat etwa 1 % der Lieferanten den Grenzwert.
Bereits eine geringe Erhöhung der Keimzahl im Vergleich zu den vorigen Werten muss hier als Warnung verstanden werden und sollte zur Überprüfung der Reinigung und Lagerung führen. Wenn sich hier ein Problem manifestiert, kann das, bedingt durch das exponentielle Keimwachstum, schnell zu sehr hohen Werten bei der Keimzahluntersuchung und damit zu einem großen Einfluss auf den Mittelwert führen.
Zellzahl – Maß für die Eutergesundheit
Die Zellzahl ist der wichtigste Indikator zur Überwachung der Eutergesundheit und gibt auf Tankmilchebene einen guten Überblick über den Eutergesundheitszustand der Herde. Der Grenzwert für einen Milchgeldabzug liegt bei 400.000 Zellen je Milliliter (Mittelwert aus drei Monaten) und damit in einem Bereich, in dem von erheblichen Problemen in der Eutergesundheit, verbunden mit Einbußen in Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit, auszugehen ist. Die Entwicklung der Zellzahlwerte in der Anlieferungsmilch der vergangenen Jahre zeigt einen erfreulichen Rückgang von knapp über 200.000 Zellen auf unter 180.000 Zellen in diesem Jahr. Das weist auf eine Verbesserung der Eutergesundheit insgesamt hin. Dennoch überschritt 2022 monatlich ebenfalls etwa 1 % der Lieferanten den Grenzwert, sodass auf diesen Betrieben von deutlichen Problemen im Bereich der Eutergesundheit ausgegangen werden muss.
Verbindung zum Lebensmittelhygienerecht
Mit der Bestimmung der Gütemerkmale Keim- und Zellzahl stellt die RohmilchGütV gleichzeitig eine Kontrollregelung im Sinne des tierischen Lebensmittelhygienerechts dar. Überschreitungen des Grenzwertes bei Keim- und Zellzahl führen zur Auslösung des sogenannten Notifizierungsverfahrens. Werden die Grenzwerte über einen längeren Zeitraum nicht eingehalten, führt das zur Aussetzung der Milchlieferung. Die Einhaltung der Milchqualität muss erst durch die Entnahme und Untersuchung von zwei repräsentativen Proben der Anlieferungsmilch nachgewiesen werden. Die Anzahl der Betriebe, die die Milchlieferung aufgrund einer anhaltenden Überschreitung der Keim- und Zellgehalte aussetzen müssen, ist seit Jahren rückläufig. 2022 gab es in Schleswig-Holstein insgesamt 24 Wiederzulassungsverfahren, davon sechs im Bereich Keimzahl und 18 im Bereich Zellzahl. Sie bedeuten aber für die betroffenen Betriebe erheblichen wirtschaftlichen Schaden.
Gefürchtet – Hemmstoffe in der Milch
Ein weiteres wichtiges Gütemerkmal mit großen Auswirkungen auf den Auszahlungspreis ist der Nachweis von Hemmstoffen in der Anlieferungsmilch. Hemmstoffe in der Anlieferungsmilch sind überwiegend Folge einer Behandlung von Kühen mit Antibiotika, deren Milch eigentlich nicht in den Tank gelangen darf. Mit der Einführung der RohmilchGütV gingen verschärfte Anforderungen der Untersuchung auf Hemmstoffe einher, um auch hier die Regelungen an das Lebensmittelhygienerecht anzupassen.
Vorgeschrieben sind nun sensitivere Testsysteme bei einer höheren vorgeschriebenen Untersuchungshäufigkeit von viermal pro Monat. Mit bis zu sieben Untersuchungen pro Monat gehen einige Meiereien in Schleswig-Holstein deutlich über die geforderte Mindestuntersuchungszahl hinaus.
Eine Eingangsuntersuchung vor Übernahme der Anlieferungsmilch in der Meierei mit einem Schnelltest auf mindestens Beta-Lactam-Antibiotika ist ebenfalls verpflichtend vorgegeben. Hierbei handelt es sich um Penicilline und Cephalosporine und damit um die Wirkstoffgruppen, die bei Milchkühen am häufigsten zum Einsatz kommen. Auch diese Befunde gehen nach Bestätigung in der Untersuchungsstelle in die Gütebewertung mit ein. Als weitere Wirkstoffgruppe müssen Chinolone, die als sogenannte Reserveantibiotika gelten, zweimal pro Jahr gesondert untersucht werden.
Wie die Abbildung zeigt, sind mit Einführung der RohmilchGütV häufiger Hemmstoffe in der Anlieferungsmilch nachgewiesen worden als in den Jahren zuvor. Jedoch bleibt ein positiver Hemmstoffbefund relativ selten. Bei 218.000 in Schleswig-Holstein untersuchten Proben 2022 wiesen nur 0,05 % einen positiven Befund auf. Chinolone wurden bisher sogar überhaupt nicht in der Anlieferungsmilch der schleswig-holsteinischen Meiereien nachgewiesen.
Fazit
Das Milchgüterecht und damit die Feststellung der Güte von Rohmilch als Grundlage zur Berechnung des Kaufpreises haben in Deutschland eine lange Tradition. Bereits seit fast 100 Jahren gibt es Anforderungen an die Qualität der Rohmilch, die Milchproduzenten erfüllen müssen. Mit der Einführung der RohmilchGütV im Juli 2021 ist es erstmalig gelungen, diese Anforderungen bundesweit einheitlich zu gestalten. Für Milcherzeuger bedeutet die regelmäßige Kontrolle der Qualität ihrer abgelieferten Rohmilch nicht nur eine Überwachung, sondern auch ein regelmäßiges Feedback, das für viele Managemententscheidungen genutzt werden kann.