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Leguminosen als proteinreiches Grundfutter nutzen

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Um die Rohprotein-Produktion auf den eigenen Flächen zu steigern, spielen sowohl Rot- und Weißklee als auch Luzerne eine wichtige Rolle, denn sie liefern hochwertiges, schmackhaftes und proteinreiches Grundfutter, das sich gut silieren lässt – sofern einige Aspekte beachtet werden.

Es gibt viele Gründe, den Proteinbedarf eines Betriebes zu möglichst großen Teilen aus dem eigenen Grundfutter zu decken. Hohe Kosten für Kraftfutter und Stickstoffdünger können gespart werden, die Grundfutterqualität und -leistung erhöht sowie angespannte N-Bilanzen entzerrt werden. Klee und Luzerne liefern schmackhaftes Grundfutter mit einem hohen Anteil an hochwertigem Protein. So beträgt der Rohproteingehalt beispielsweise im ersten Aufwuchs bei Rotklee-Gras-Gemenge zirka 17,8 % und bei Luzerne 21,9 % (Ernte im Knospenstadium). Bei der Silierung sind allerdings einige Aspekte zu beachten.

Leguminosen können mithilfe ihrer Symbiose mit Knöllchenbakterien große Mengen an Luftstickstoff fixieren und diesen im Falle von Mischanbau mit Gras auch ihrem Gemengepartner zur Verfügung stellen.

Die Wurzeln der Luzerne können bis zu 4 m in den Boden reichen und damit Wasserreserven aus tieferen Bodenschichten nutzen. An den feinen Haarwurzeln (Markierung links) sind deutlich die Knöllchen (Markierung im Bild rechts) zu erkennen, in denen die Stickstofffixierung stattfindet. Fotos: Dr. Susanne Ohl

Einfluss auf die Silierbarkeit

Generell sind Leguminosen schwerer silierbar als reine Grasbestände. Ursächlich hierfür sind die hohen Rohproteingehalte, die gemeinsam mit den mineralischen Bestandteilen eine hohe Pufferkapazität (PK) bedingen. Dadurch wird im Silierprozess mehr Milchsäure benötigt, um den pH-Wert tief genug zu senken und Fehlgärungen zu vermeiden. Damit die Milchsäurebakterien richtig arbeiten und genügend Milchsäure produzieren können, muss ausreichend Zucker (Z) vorhanden sein. Der Zuckergehalt in Leguminosen ist deutlich geringer im Vergleich zu Gras, wobei Klee etwa doppelt so viel Zucker enthält wie Luzerne (Tabelle 1). Das Verhältnis zwischen dem Zucker und der Pufferkapazität wird durch den Z/PK-Quotienten ausgedrückt. Siliergüter mit einem Z/PK-Quotienten von weniger als 2 gelten als schwer silierbar, dies ist sowohl bei Klee als auch bei Luzerne der Fall. Der Z/PK-Quotient schwankt im Jahresverlauf, wird aber auch vom Vegetationsstadium zum Erntezeitpunkt, der Witterung vor der Ernte und der Feldliegezeit beeinflusst.

Ein weiteres Maß zur Bestimmung der Silierbarkeit ist der Vergärbarkeitskoeffizient (VK), dieser berücksichtigt neben dem Z/PK-Koeffizienten auch den Trockenmassegehalt (TM). Ab einem VK von 45 ist eine gute Vergärbarkeit zu erwarten. Wie Tabelle 1 zu entnehmen ist, erhöht sich der Vergärbarkeitskoeffizient mit dem Anwelkgrad. So hat angewelkter Rotklee einen VK von 49, Luzerne erreicht auch angewelkt nur einen VK von 41.

Ballensilage reduziert die Gefahr der Nacherwärmung. Foto: Beeke Ehlers

Bei der Ernte zu beachten

Die Ausgangslage für die Silierung von Leguminosen ist folglich erschwert, deshalb ist ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der guten fachlichen Praxis während der Ernte, Silobereitung und Silageentnahme notwendig. Schmutzeinträge können minimiert werden, indem die Schnitthöhe hochgesetzt wird und alle Arbeitsgeräte so eingestellt werden, dass sie nicht in den Boden greifen.

Bröckelverluste können durch schonendes Zetten, Wenden und Schwaden reduziert werden, möglichst im Morgentau bei einer maximalen Geschwindigkeit von 12 km/h und niedriger Drehzahl. Bei guter Sonneneinstrahlung reicht einmaliges Wenden aus. Vor allem bei der Luzerne können die Bröckelverluste hoch sein und es ist Vorsicht geboten. Ein TM-Gehalt von 35 bis 40 % empfiehlt sich einerseits zur Vermeidung von Fehlgärungen, andererseits entsteht bei zu nassem Erntegut Sickersaft, über den Nährstoffe ausgetragen werden. Bei zu hohen Anwelkgraden (über 45 % TM) wird häufig keine ausreichende Verdichtung im Silo erreicht. Eine gute Siloverdichtung und eine schnelle gasdichte Siloabdeckung sind jedoch essenziell. Zum Abdecken eignen sich eine Kombination aus Unterziehfolie und Silofolie oder eine mehrlagige Sauerstoffbarrierefolie. Nach dem Abdecken ist auf eine ausreichende Beschwerung der Folie zu achten.

Alternativ kann das Erntegut auch in Siloballen gepresst werden, wodurch in der Verfütterung ein schneller Verbrauch gewährleistet wird. Dabei ist besonders bei Luzerne darauf zu achten, dass die Ballen mindestens achtlagig gewickelt werden, damit die Folie aufgrund der Härte der Stängel nicht beschädigt wird. Um Folienperforationen beim Aufkommen gewickelter Ballen auf der Narbe zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, in einem absätzigen Verfahren zu pressen und zu wickeln.

Nach sechs Wochen Lagerdauer ist davon auszugehen, dass der Silierprozess abgeschlossen ist. Wenn das Silo vorher geöffnet wird, besteht ein erhöhtes Nacherwärmungs- und Verderbrisiko. Abgesehen von einer hohen Verdichtung und einer gasdichten Abdeckung lässt sich die Gefahr des aeroben Verderbs durch einen ausreichenden, möglichst hohen Vorschub (2,5 m je Woche) reduzieren.

Verbesserung der Siliereignung

Um die Siliereignung von Leguminosen zu verbessern, können sie im Gemenge mit zuckerreichen Gräsern angebaut werden. Der optimale Schnittzeitpunkt von Gräsern unterscheidet sich von dem der Leguminosenarten, bei einem Gemengeanbau empfiehlt es sich, den Schnittzeitpunkt am Hauptgemengepartner festzumachen. Besonders geeignet ist das zuckerreiche Deutsche Weidelgras (Lolium perenne), da es den Milchsäurebakterien eine gute Energiequelle bietet.

Bei einem Leguminosenanteil von etwa 50 % oder mehr in der Mischung empfehlen sich der Einsatz von zuckerhaltigen Co-Sub­straten (Melasse) und ein gezielter Siliermitteleinsatz, um den Siliererfolg zu erhöhen. Die passenden, unabhängig geprüften Siliermittel können über siliermittel.dlg.org gefunden werden.

Fazit

Leguminosen haben großes Potenzial, die Proteinversorgung über die eigenen Futterflächen zu steigern. Sowohl Klee als auch Luzerne lassen sich mit Zugabe von Siliermitteln gut silieren. Aufgrund des niedrigen Vergärbarkeitskoeffizienten ist der Siliermitteleinsatz ratsam, besonders wenn ein optimaler Anwelkgrad nicht gewährleistet werden kann. Bei Klee empfiehlt sich ein Gemengeanbau, um die Silierfähigkeit zu verbessern und die Stickstofffixierung optimal auszunutzen.

Kampf gegen den Krebs: Bauern geben weiter Vollgas

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„Wir wollen und dürfen beim Kampf gegen den Krebs nicht nachlassen“, betont Schweinehalter Dietrich Pritschau im Vorfeld der Big-Challenge-Radtour, die am 4. Juni auf dem Gestüt Tasdorf, Kreis Plön, stattfindet. Trotz vieler anderer Krisen hofft der Mitinitiator darauf, dass die Teilnehmer und Gäste motiviert sind, die Krebsforschung und -therapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) mit ihren Spenden weiter zu unterstützen.

Pritschau würde sich freuen, am 4. Juni möglichst viele Teilnehmer auf Gestüt Tasdorf begrüßen zu können. Die parallel stattfindenden Tasdorfer Turniertage böten ein ausgezeichnetes Rahmenprogramm, um der eigenen Veranstaltung einen zusätzlichen Reiz zu verleihen. Das zeigten auch die positiven Rückmeldungen aus dem vergangenen Jahr, als die Big Challenge ebenfalls in Tasdorf startete.

Laut Pritschau kann wieder jeder teilnehmen, der regelmäßig das Rad bewegt und einfach Spaß hat, durch die schöne schleswig-holsteinische Natur zu fahren. Für jeden Mitfahrer über 16 Jahre beträgt die Mindestspende 30 €. Fahrer in einem Team (Betrieb oder Familie) zahlen 20 € pro Starter. Darüber hinausgehende Spenden sind laut der Organisatoren herzlich willkommen, selbstverständlich auch von Nichtstartern. Die Organisation der Veranstaltung erfolgt ehrenamtlich, sodass 100 % der gesammelten Spenden in die Projekte am UKSH fließen.

„Ziel ist es, dieses Jahr die 100.000-Euro-Marke deutlich zu überspringen“, so Pritschau. Insgesamt beträgt die Spendensumme der Big Challenge Schleswig-Holstein, die 2016 zum ersten Mal stattfand, rund 94.000 €. Im vergangenen Jahr lag der gesammelte Betrag bei 11.111 €. Pritschau überreichte kürzlich einen symbolischen Scheck über diese Summe an Pit Horst, Geschäftsführer des Fördervereins am UKSH.

Horst zeigte sich abermals begeistert vom Engagement der Landwirte und betonte, dass insbesondere die Bewegungstherapie für Krebspatienten in der aktuellen Form ohne die Spenden nicht angeboten werden könnte. 

Die Rundtour beginnt am 4. Juni um 11 Uhr auf dem Gestüt Tasdorf. Die Teilnehmenden und Gäste können im Anschluss nachmittags das in Tasdorf stattfindende Reitturnier besuchen.

Anmeldung und ausführliche Informationen zur Route sowie zum Spendenkonto

Voller Motivation traten die Teilnehmenden bei der Big Challenge Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr in die Pedale. Die Veranstalter hoffen in diesem Jahr auf mindestens genauso viele Starter. Foto: Big Challenge

Makroporen sind biologische Hotspots

Eine kombinierte Vortrags- und Praxisveranstaltung zum Thema „Bodenstruktur: erkennen – beurteilen – fördern“ hat am 20. April am Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel stattgefunden. Vor zirka 100 Besuchern aus Praxis und Beratung wurden Ergebnisse eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und dem damaligen schleswig-holsteinischen Land- und Umweltministerium (Melund) geförderten Forschungsvorhaben vorgestellt und diskutiert.

Im Mittelpunkt standen hierbei verschiedene Aspekte der Bodenfruchtbarkeit im Kontext von zukünftigen, resilienten Landnutzungssystemen und geeignete Möglichkeiten zu ihrer Förderung.

Bodenstruktur verbessert Ressourcennutzung

Im Einführungsreferat skizzierte Prof. Conrad Wiermann (Fachhochschule Kiel) zunächst die Herausforderungen, die zukünftige Ackerbausysteme besonders im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels bewältigen müssen. Ein wesentlicher Baustein ist seiner Auffassung nach eine funktionsfähige Bodenstruktur: Nur so werde es möglich sein, einerseits die Auswirkungen von Extremwettereinflüssen (unter anderem Dürreperioden und Starkregenereignisse) langfristig zu kompensieren, andererseits aber auch Treibhausgasemissionen zu minimieren. Der Bodenstruktur kommt insofern hohe Bedeutung zu, als sie agronomische Inputs transformiert und so die Ertragsleistung maßgeblich beeinflusst wird (vergleiche Abbildung). Gute Strukturzustände fördern dieses Transformationsvermögen des Bodens und erhöhen somit die Ressourceneffizienz insgesamt.

Makroporen fördern Nutzung des Unterbodens

In ihrem Vortrag konnte Prof. Miriam Athmann von der Universität Kassel anhand von Untersuchungen zeigen, wie bedeutsam ein weitverzweigtes und bis in den Unterboden reichendes, durch biologische Aktivität entstandenes Makroporensystem ist. Diese „Hauptverkehrsadern“ des Bodens stellen ihrer Meinung nach bedeutsame „Hotspots“ als Lebensraum für Wurzeln und Regenwürmer, aber auch als Ort mikrobieller Umsetzungsprozesse dar. Sie sind somit von wesentlicher Bedeutung für die Nutzung von Wasser- und Nährstoffspeichern des Unterbodens durch Kulturpflanzenbestände. Mit atemberaubenden endoskopischen Videosequenzen demonstrierte Prof. Athmann sehr anschaulich die enge Verknüpfung von Wurzelhaaren und Porenwandungen.

Wurzeln nutzen Makroporensystem

Prof. Stephan Peth von der Universität Hannover unterstrich in seinem Vortrag die Bedeutung der Makroporen für die Nutzung von Nährstoff- und Wasserressourcen des Unterbodens. Mit seinen Untersuchungen konnte er zeigen, dass besonders die Wiederbesiedlung von biogen generierten Makroporen durch Wurzeln von Kulturpflanzenbeständen zu einer weiteren Verzweigung des Porensystems und damit zu einer besseren Erreichbarkeit von Austauscheroberflächen des Bodens führen. Sämtliche Bewirtschaftungsmaßnahmen müssten deshalb darauf abzielen, dieses weitverzweigte Porensystem zu stabilisieren, zu erhalten und weiterzuentwickeln, um langfristig die Ressource Boden effizienter und nachhaltiger nutzen zu können.

Zwischenfrüchte: Wurzelmasse oft überschätzt

Dem Zwischenfruchtanbau wird in zukünftigen Ackerbausystemen eine hohe Bedeutung beigemessen. Umfangreiche Untersuchungen zur Wirkung von Zwischenfrüchten auf Bodenfruchtbarkeitsparameter und die Ertragsleistung der nachfolgenden Hauptfrüchte im ökologischen Landbau wurden von Roman Kemper, Universität Bonn, vorgestellt. Seine Ergebnisse zeigen, dass Rettich, Rübsen und Phacelia vorhandene Bioporen nutzen und damit stabilisieren. Einen zusätzlichen Beitrag dieser Zwischenfrüchte zur weiteren Genese von Bioporen konnte er allerdings nicht feststellen. Überraschenderweise zeigten die Ergebnisse von Kemper je nach Zwischenfrucht und Mischung nur ein Wurzel-Spross-Verhältnis zwischen 0,11 und 0,32, also eine nur geringe Wurzeltrockenmasseentwicklung im Vergleich zur oberirdisch sichtbaren Sprossentwicklung. Nach seinen Erfahrungen werden Wurzel-Spross-Verhältnisse nahe 1 nur bei mehrjährigem Anbau von beispielsweise Luzerne erreicht. Damit werden auch in der Wurzel im Vergleich zum Spross nur geringe Nährstoffmengen gespeichert.

Mehr als 100 Besucher folgten den Fachvorträgen im Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel. Foto: Peter Wesseler

Zusammenhang zwischen Ertrag und Bodenzustand

Im Schlussreferat stellte Gerrit Müller die Struktur- und Ertragsuntersuchungen der Fachhochschule Kiel auf 45 repräsentativen Ackerstandorten in Schleswig-Holstein vor. Besonders im Übergang zwischen den regelmäßig bearbeiteten Bodenhorizonten und dem Unterboden, der Krumenbasis, konnten an zahlreichen Standorten Strukturschäden nachgewiesen werden. Anhand von Wasserleitfähigkeitsuntersuchungen konnte er zeigen, dass in diesem Bereich sogenannte Plattenstrukturen vorliegen, die Infiltrations- und Wassernachlieferungsprozesse aus dem Unterboden verlangsamen können. Dies hat offensichtlich auch Auswirkungen auf die Ertragsleistung einzelner Standorte, denn parallel durchgeführte Ertragserhebungen ließen einen engen Zusammenhang zwischen Bodenfruchtbarkeitszustand (quantifiziert über den Müncheberger Bodenqualitätsindex) und Ertragsleistung erkennen.

Demonstration von Feldmethoden

Im Anschluss an die Vortragsveranstaltung wurden auf dem Lindenhof, dem Versuchsstandort des Fachbereichs Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel, Methoden zur Beurteilung der Bodenstruktureigenschaften demonstriert. Neben der bekannten Spatendiagnose wurden weitere Methoden wie die VESS (Visual Estimation of Soil Structure) und die Mini-Profil-Methode vorgestellt und mit den Besuchern diskutiert. Gerade die Mini-Profil-Methode fand reges Interesse. Bei ihr wird mithilfe einer Palettengabel, die in einem Winkel von zirka 45° in den Boden eingeführt wird, ein Bodenmonolith gewonnen, der auch eine Beurteilung der Krumenbasis erlaubt. An einem fachgerecht angelegten Bodenprofil, das von Bernd Burbaum (Landesamt für Umwelt SH) vorgestellt wurde, konnten weitere Merkmale der Bodengenese und der -eigenschaften für den Standort diskutiert beziehungsweise beurteilt werden.

Fazit

Das große Interesse an der kombinierten Vortrags- und Praxisveranstaltung hat gezeigt, dass in der landwirtschaftlichen Praxis ein zunehmendes Interesse an einer Verbesserung von Bodenfruchtbarkeitseigenschaften, zu denen die Bodenstruktur maßgeblich beiträgt, besteht. Die Fachvorträge lieferten wichtige Hinweise für die nachhaltige Entwicklung und Unterstützung eines funktionalen, durch biogen entstandene Makroporen geprägtes, den Ober- und Unterboden kontinuierlich verbindendes Porensystems.

Zu Hause bleiben bis zum Ende

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Der Tiertransport zur Schlachtung, manchmal über weite Strecken, ist hinsichtlich des Tierschutzes ein strittiges Thema. Manche Betriebe haben sich deshalb für „mobile Schlachtung“ entschieden. Die Bunde Wischen eG im Norden der Stadt Schleswig hält ihre Robustrinder nicht nur ganzjährig auf der Weide, sie lässt sie auch dort ihr Leben beenden: durch Weideschuss.

Der Schießstand sieht aus wie ein Hochstand für Jäger, und so etwas Ähnliches ist er auch. Vier vierjährige Galloway-Ochsen sind von der nahen Weide in das Abschussgehege getrieben worden. Gerd Kämmer legt das Gewehr an und schießt. Es ploppt, da mit Schalldämpfer. Einer der Ochsen fällt um. Kämmer geht hinunter und prüft, ob er wirklich tot ist, zur Sicherheit gibt er noch einen Schuss aus nächster Nähe ab. Die drei anderen Tiere sind nicht beunruhigt, sie kümmern sich nicht um das Geschehen.

Zwei Versprechen

„Wir geben den Tieren, die bei uns geboren wurden, zwei Versprechen“, sagt Gerd Kämmer, Vorstandsvorsitzender der Bunde Wischen eG: „Zum einen, dass sie den Betrieb nicht lebend verlassen. Das klingt fies, doch es bedeutet, dass sie ihr ganzes Leben in vertrauter Umgebung verbringen. Das zweite Versprechen ist, dass sie lebend kein Schlachthaus von innen sehen werden.“ Bunde Wischen steht auf Plattdeutsch für bunte Wiesen, und das ist und bleibt das Zuhause der Rinder.

Nun werden die drei lebenden Galloways aus dem Gehege geschickt, der Frontlader kommt und transportiert den toten Körper hinaus auf eine Betonfläche zum Ausbluten, denn dies muss sofort nach der Tötung geschehen. Ein weiterer Ochse wird anschließend geschlachtet. 

Ein amtlicher Tierarzt begleitet standardmäßig den Prozess, an diesem Tag ist es der Kreisveterinär Schleswig-Flensburg selbst, Dr. Markus Sekulla. Schon vorher hat er die Lebend­untersuchung an den Tieren vorgenommen.

Gerd Kämmer im Schießstand

Die ausgebluteten Tierkörper werden verladen und in die 10 km entfernte Schlachterei von Roland Lausen in Silberstedt gefahren, dem Landesinnungsmeister des Fleischerhandwerks (siehe Ausgabe 3/23 vom 21. Januar). Das muss innerhalb von zwei Stunden geschehen, aber bei Bunde Wischen bleibt man mit zwei Schlachtungen stets locker unter einer Stunde, die reine Fahrzeit etwa 10 min, und Lausen ist vorbereitet.

Tierschutzgerechtes Töten

Kreisveterinär Sekulla unterstützt die Methode des Weideschusses zur Schlachtung. „Es ist ein tierschutzgerechtes Töten im Herkunftsbetrieb in gewohnter Umgebung für die Tiere, es entsteht kein Transportstress. Und ohne Stress ist auch die Fleischqualität besser.“ Für Wasserbüffel lässt er in seinem Zuständigkeitsbereich überhaupt nur den Weideschuss zu: Nur die Kugel könne deren mächtigen Schädel auch sicher durchdringen. 

Bunde Wischen hält rund 1.000 Robustrinder, hauptsächlich Galloways, dazu Highlander und White Parks. Geschlachtet werden über 200 pro Jahr, in der Regel vier in der Woche, und das ausschließlich durch Weideschuss. Damit ist der Betrieb der größte bundesweit, der mit dieser Methode arbeitet, und zwar seit 2010. Das wurde begleitet durch ein Forschungsprojekt der Universität Kassel-Witzenhausen. Es wurde untersucht und umgesetzt, welche technischen Voraussetzungen erforderlich sind – die Anlage des Schließstandes und des Abschussgeheges, des Ausbluteplatzes, der Transportmaschinen und -hänger. 

Abtransport zum Verladewagen

Befähigungsnachweise

Und natürlich sind rechtliche Voraussetzungen erforderlich. In einer Gesetzesänderung von 2021 wurde die Möglichkeiten für mobile Schlachtung ausgeweitet. Demnach besteht die Möglichkeit, dass auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb die teilmobile Schlachtung durchgeführt werden kann, sofern sie von der zuständigen Veterinärbehörde zugelassen wird. Gekoppelt ist die Schlachtung an einen zugelassenen Schlachtbetrieb, in diesem Fall an den von Roland Lausen. Auch eine waffenrechtliche Genehmigung ist erforderlich. Zusätzlich muss der Ausführende über einen Befähigungsnachweis verfügen.

Die teilmobile Schlachtung kann durch Bolzenschuss oder Kugelschuss erfolgen. Der Bolzenschuss betäubt das Tier allerdings nur, die Tötung erfolgt durch das Ausbluten. Bereits für die Durchführung des Bolzenschusses bedarf es eines Befähigungsnachweises. Für den Kugelschuss, der das Tier direkt tötet, ist ein eigener Befähigungsnachweis erforderlich, der den für den Bolzenschuss einschließt, denn ein funktionsfähiges Bolzenschussgerät muss griffbereit sein, falls etwa das Gewehr bei einem nötigen Nachschuss versagt – das Notfallset. Kämmer hält sogar ein zweites Gewehr bereit. Der Kugelschuss ist zudem an die ganzjährige Freilandhaltung gebunden. Ein Jagdschein reicht als Befähigungsnachweis nicht aus, denn Nutzvieh ist kein jagdbares Wild, er ist umgekehrt aber auch nicht erforderlich. 

Die nächsten Lehrgänge für die Befähigungsnachweise werden im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angeboten – Prüfung in Theorie dort, in Praxis auf dem Heimatbetrieb des Teilnehmers. Kämmer ist seit fünf Jahren selbst Ausbilder in Echem, zudem hat er jüngst im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein eine Fortbildung durchgeführt. 

Kreisveterinär Dr. Markus Sekulla (li.) und Gerd Kämmer

Teilmobil und vollmobil

Was auf Bunde Wischen geschieht, nennt sich teilmobile Schlachtung, sprich: Das Tier wird auf dem Betrieb getötet und ausgeblutet und zur weiteren Verarbeitung in einen Schlachtbetrieb transportiert. Wie viele Betriebe in Schleswig-Holstein dies bereits durchführen, darüber hat die Innung keine Kenntnis. Im Kreis Schleswig-Flensburg sind es laut Aussage von Sekulla immerhin drei, die dies dauerhaft praktizieren, doch die Kreise handhabten das sehr unterschiedlich, sagt er. 

Neben der teilmobilen ist auch eine vollmobile Schlachtung möglich. Da kommt der Schlachter mit dem gesamten Equipment auf den Betrieb und vollzieht die komplette Schlachtung bis zur kühlhausfertigen Tierhälfte. Ein Lkw und eine Art Zelt seien da erforderlich. So etwas werde in Schleswig-Holstein seiner Kenntnis nach nicht durchgeführt, sagt Sekulla, und es sei auch nicht sinnvoll bei eher kurzen Wegen zur nächsten Schlachterei, rund ein Dutzend allein in seinem Kreisgebiet. Anders könne das in Bundesländern mit weiten Wegen sein. Es sei immerhin auch eine Kostenfrage: Auch die teilmobile Schlachtung koste mehr als die konventionelle, geschweige denn die vollmobile. Wer den Weideschuss wählt, tut dies also um der Tiere willen.

­Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat Anfang des Jahres bekundet, die hofnahe Schlachtung zu fördern. „Im Grunde gibt es die Voraussetzungen schon“, sagt Gerd Kämmer, „es müsste nur mehr umgesetzt werden.“

Streit um riesigen Solarpark in den Alpen

Die größte Photovoltaikanlage der Schweiz soll auf einem Bergrücken auf mehr als 2.000 m Höhe entstehen. Laut der Interessengemeinschaft (IG) Saflischtal würde das Projekt das Aus für die dortige Alpwirtschaft bedeuten.

Ulrike Steingräber kommt an sich aus Magdeburg. Ihre Wahlheimat ist aber das Saflischtal in der Schweiz. In der im Walis liegenden Region hat sie ihren Mann kennengelernt. In der Ortschaft Grengiols betreiben beide mit dem Bruder des Mannes eine landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft. In den Sommermonaten steht das Vieh auf der Alpe Furggen. Dort arbeiten vier Saisonkräfte, ein Senn, ein Zusenn und zwei Hirten. Sie erledigen die Arbeit auf der Alpe, während im Tal die Bauern das Heu und das Emd (schweizerdeutsch für das Heu ab dem zweiten Schnitt) für den Winter in die Scheune bringen.

Jähes Ende der Alpe droht

Der geplante Solarpark Grengiols Solar hat eine immense Größe. Die Gesamtdimension beläuft sich auf rund 5 km2. Das sind in etwa 700 Fußballfelder. Die Module sollen zwar auf Ständern stehen, dennoch gehen die Älpler davon aus, dass eine Bewirtschaftung in der bisherigen Form nicht mehr möglich sein werde. Allein die baulichen Maßnahmen dürften enorme Schäden mit sich bringen. Betonstützen, Baumaschinen, Verankerungen werden den Weiden und der Grasnarbe stark zusetzen. Hinzu kommen zahlreiche Baustelleneinrichtungen und Infrastrukturen, wie Container und Materiallager. Auch das wäre mit einem funktionierenden Alpbetrieb nicht mehr vereinbar.

Für Ulrike Steingräber steht deshalb fest, dass „wir die Tiere über den Sommer nicht mehr nach Furggen bringen könnten“. Sie müsste dann auf andere Alpbetriebe ausweichen. Das wäre aber nicht ganz einfach, denn die entfallende Fläche ist erheblich. Die Alpe umfasst fünf Stationen zwischen 1.900 und 2.500 m Höhe und verfügt über etwa 500 ha. Sie gehört der sogenannten Burgergemeinde von Grengiols. Die Betriebsgemeinschaft ist Pächter.

Viel Geld in Alphütte investiert

Hinzu kommt, dass die Betriebsgemeinschaft viel Geld in die Alphütte investiert und sie in einen Topzustand versetzt hat. Insgesamt floss zirka eine halbe Million Franken in die Sanierung der Alphütten sowie in den Neubau von zwei Käsereien an zwei Stationen. Das Geld stammt vorwiegend aus privaten Mitteln, ganz zu schweigen von mehreren Hundert Arbeitsstunden, die die Familien dort oben im Rahmen dieser Sanierung geleistet haben. Ob es Entschädigungen für die Investitionen gibt, ist unklar. Da ein weiterer Betrieb die Alpe nutzt, wäre das ein herber Verlust für insgesamt drei Bauernfamilien.

Eine Visualisierung des Projekt mit einer etwas breiteren Perspektive macht den Gesamtumfang noch etwas besser sichtbar.  Visualisierung: IG Saflischtal
In den Sommermonaten sind rund 110 Rinder auf der Alpe. In einer eigenen Käserei wird die Milch weiterverarbeitet. Foto: Ulrike Steingräber
Das Saflischtal ist ein weitgehend unberührtes Refugium der Natur. Foto: Ulrike Steingräber
„Im Falle eines Baus des geplanten Solarparks in der genannten Dimension wäre es unserer Meinung nach unmöglich, dort weiter zu alpen“, sagt Ulrike Steingräber. Foto: privat
Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören könnte. In den Sommermonaten von Mitte Juni bis Mitte September weiden die Rinder auf der Alpe Furggen. Foto: Ulrike Steingräber
Die Betriebsgemeinschaft hat in den vergangenen fünf Jahren rund eine halbe Million Franken in die Sanierung der Alphütten sowie in den Neubau von zwei Käsereien an zwei Stationen investiert. Foto: Ulrike Steingräber
Die Interessengemeinschaft Saflischtal hat die geplante Maßnahme visualisiert und die Varianten mit und ohne Modulen einander gegenübergestellt. Visualisierung: IG Saflischtal


Unberührte Natur geht verloren

Das Gebiet Saflischtal gehört zum Landschaftspark Binntal und ist weitgehend frei von menschlichem Einfluss, bis auf eine schmale, holprige Naturstraße, die die fünf Alphütten miteinander verbindet. Zudem findet man im Saflischtal zahlreiche floristische und faunistische Raritäten. Es gibt keine Stromleitungen, keine Restaurants, wenig Tourismus. „Das Tal wird lediglich von uns Bauern extensiv bewirtschaftet und gepflegt“, betont Steingräber und ergänzt: „Wenn man bedenkt, wie viele Parkhäuser, Bahnhöfe, Industriehallen oder Skigebiete bereits existieren, deren Gebäude man mit Photovoltaik bestücken könnte, ist es nahezu eine Schande, unberührte Naturlandschaft derart zu verschandeln.“

Fläche für Investoren interessant

Die Schweiz will den Ausbau der Solarenergie massiv vorantreiben. Dafür hat sie zum einen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um Großprojekte zu ermöglichen und schneller zu genehmigen. Zum anderen stellt das Land erhebliche Mittel bereit. Sie werden nach dem Windhundverfahren vergeben. Wenn das Budget aufgebraucht ist, ist zunächst einmal Schluss.

Der Südhang der Alpe Furggen liegt auf mehr als 2.000 m. Die Sonneneinstrahlung in hohen Lagen ist deutlich stärker als im Mittelland. Hinzu kommt, dass sie im Wallis 15 bis 20 % über dem Schweizer Durchschnitt liegt. Außerdem soll eine höhere Ertragssicherheit gewährleistet sein, weil die übliche Hochnebelgrenze überschritten wird. Wenn es im Tal duster ist, soll dann auf dem Berg immer noch Strom produziert werden können.

In der Summe verspricht das den Investoren einen guten Return on Invest. Die Gemeinden hoffen auf Erträge aus dem Solarzins, sodass auch sie häufig mit im Befürworter-Boot sitzen.

Interessengemeinschaft hält dagegen

„Unser Berg ist nicht zu verkaufen“, unter diesem gemeinsamen Motto hat sich eine Interessengemeinschaft für den Schutz und gegen den Bau von Grengiols Solar gegründet. Die Mitglieder wollen das Gebiet in seiner ursprünglichen Form erhalten und befürchten erhebliche Eingriff in die Natur.

So ist die Alpe Furggen kaum erschlossen. Für den Transport müssen neue Straßen und Bahnen gebaut werden. Aufgrund der kritischen geologischen Lage könnte es zu Erdrutschen kommen und bei Starkniederschlägen zur Erosion. Und die meteorologischen Risiken seien aufgrund hoher Schneemengen, Kälte, Wind und heftiger Gewitter kaum kalkulierbar.

Ob sie mit ihrem Anliegen Erfolg haben, steht noch nicht fest.  Nachdem es ein Wettrennen um die staatlichen Mittel gibt und der Zubau an Solarenergie bereits anläuft, könnte das Projekt am Faktor Zeit scheitern. Aber gewiss ist dies nicht. Bei ihren Unterstützern bauen sie auf eine bekannte Person: Buzz Aldrin war der zweite Mann auf dem Mond. Zur Alpe Furggen sagte er: „This is the most amazing landscape that I have ever seen!“ Also: „Das ist die einmaligste Landschaft, die ich je gesehen habe!“ Ob es sie in Zukunft noch geben wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Neuaufstellung der Regionalpläne

Die Landesplanung Schleswig-Holstein stellt die Regionalpläne für die Planungsräume I, II und III neu auf. Das Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport (MIKWS) teilte nun die Termine der in diesem Zuge geplanten Regionalkonferenzen Anfang Juli mit.

Zum Start des Beteiligungsverfahrens soll in sieben Abendveranstaltungen in den ersten beiden Juliwochen jeweils zwischen 18 und 20 Uhr über die Inhalte der Regionalpläne sowie den Beteiligungsprozess informiert werden.

Die Regionalkonferenzen finden an nachfolgenden Terminen statt:

– 3. Juli, Itzehoe (Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie, Hörsaal), Planungsraum III

– 4. Juli, Rendsburg (Hohes Arsenal, Bürgersaal), Planungsraum II

– 5. Juli, Flensburg (Rathaus), Planungsraum I

– 10. Juli, Plön (Berufsbildungszentrum), Planungsraum II

– 11. Juli, Norderstedt (Kulturwerk am See), Planungsraum III

– 12. Juli, Husum (Kreistagssitzungssaal), Planungsraum I

– 13. Juli, Lübeck (Handwerkskammer), Planungsraum III

Laut MIKWS richteten sich die Regionalkonferenzen in erster Linie an Vertreter aus Städten, Gemeinden und Kreisen in Schleswig-Holstein, das heißt an die Kommunalpolitiker wie an die Kommunalverwaltungen. Darüber hinaus sind Kammern, Verbände sowie die weitere interessierte Öffentlichkeit im Land eingeladen.

Der Planungsraum I umfasst die Kreise Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und die kreisfreie Stadt Flensburg, der Planungsraum II die Kreise Rendsburg-Eckernförde, Plön sowie die kreisfreien Städte Kiel und Neumünster, der Planungsraum III die Kreise Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg, Segeberg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg, Ostholstein und die kreisfreie Stadt Lübeck.

Mit 24 in den Gemeinderat

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John Gosch dürfte mit seinen 24 Jahren das Durchschnittsalter in der zukünftigen Gemeindevertretung von Jübek deutlich senken. Der Youngster, der zum ersten Mal bei den Kommunalwahlen antrat, wurde am Wochenende gewählt. Er ist nun einer von sieben Gemeindevertretern der CDU. Haushohe Gewinnerin war in Jübek allerdings die Freie Wählergemeinschaft, die zehn Sitze gewann. Mehr darüber, warum der  langjährige erste Vorsitzende des Kreislandjugendverbandes Schleswig-Flensburg in der Dorfpolitik mitmischen will, im aktuellen Bauernblatt.

Bereit für fast 2.400 Gäste

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Knapp 2.400 Gäste erwartet das Organisationsteam des zehnköpfigen Landjugendvorstands der LJG Flintbek diesen Sonnabend zur Scheunenfete auf dem Hofgelände von Familie Sellmer in Reesdorf. Die Party zählt zu den größten Scheunenfeten in Schleswig-Holstein. Der Aufwand dafür ist enorm . Das Bauernblatt schaute bei den Vorbereitungen hinter die Kulissen.

Knapp 2.400 Gäste feiern auf dem Hofgelände und in der zum Tanztempel umfunktionierten Maschinenhalle.

Auch die mobilen Pferdeboxen von Sylvie Sellmer müssen aus der Maschinenhalle verschwinden. Foto: Sven Tietgen

Viergängemenü ohne Gluten

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Viele Menschen haben mit Unverträglichkeiten zu kämpfen. Um zu probieren, ein Viergängemenü ohne Gluten und Weizen zuzubereiten, trafen sich LandFrauen des OV Bordesholm zu einem Kochevent mit Maria Perna. Sie gründete nach langen Versuchen in der heimischen Küche in Wacken eine Firma, die weizen- und glutenfreie Mehlmischungen anbietet.

Lehr- und Versuchszentrum für Milchwirtschaft (LVZM)

Der Vorstand der Landwirtschaftskammer besuchte ­kürzlich die Traditionseinrichtung der Landwirtschaftskammer im ­ostholsteinischen Malente. ­Gemeinsam mit Präsidentin Ute Volquardsen erfuhr der Besuch von der Leiterin Meike von ­Bergen viel über den Standort.

Dort ist seit 1946 die Landesberufsschule für Molkereifachleute untergebracht. Das Ehrenamt musste sich zuerst „vermummen“. In der Lehrmeierei ist Hygiene oberstes Gebot. Dort findet sich alles, was auch in einer großen Meierei zu finden ist, nur eben in kleinerer Ausgabe: die Erhitzungsanlage für Milch und Sahne, ein Joghurtbereiter und die Buttermaschine. Dort sind die Auszubildenden zur Milchtechnologin/zum Milchtechnologen etwa damit beschäftigt, Süßrahmbutter oder Käse zu produzieren.

In der Käserei steht auch die Membranfiltrationsanlage. Dahinter verbirgt sich eine Technik für bessere Wertschöpfung, wie es sie in jeder modernen Meierei gibt. Daher ist die Ausbildung daran so wichtig. Die Maschine kann vielseitig eingesetzt werden. In der Be- und Verarbeitung von Milch- und Milchprodukten dient sie der Aufkonzentrierung oder Trennung zuvor definierter Inhaltsstoffe eines Rohmaterials. Abhängig von der Größe und den Eigenschaften der vorhandenen Moleküle werden entsprechende Filtereinheiten verwendet. Ziel ist es, durch diese Bearbeitung eine verbesserte Wertschöpfung einzelner Produkte zu erreichen. So können aus Milch beispielsweise Laktose oder Kasein aufkonzentriert werden, die dann als Einzelkomponenten zu Konzentraten weiterverarbeitet werden. Die Filtration löst die Inhaltsstoffe heraus und kann zugleich das Volumen verringern, was sich natürlich bei eventuellen Transporten wirtschaftlich auswirkt. Weitere Anwendungsmöglichkeiten liegen in der Standardisierung von Käsereimilch oder Milch mit verlängerter Haltbarkeit, in der Bearbeitung von Molke sowie bei der Joghurt- und Speisequarkproduktion. In der modernen Molkereitechnik ist diese Anlage unverzichtbar: gut, dass die Auszubildenden auch in Malente daran arbeiten können.

Die Milch für die Arbeit in Malente kommt von den Kammerkühen. Mehrere 100 l pro Woche kommen von der Herde aus dem Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp im Kreis Plön.

Über der Meierei liegen moderne und helle Labore. Eines wurde erst vor wenigen Jahren saniert, und Meike von Bergen freut sich noch immer, dass sie den Auszubildenden dieses moderne und arbeitsfreundliche Umfeld bieten kann. Alle Laborarbeitsplätze der Mikrobiologie haben hellblaue Kreamikarbeitsplatten. Sie sind so zu reinigen, dass dort nahezu keimfrei gearbeitet werden kann. Im Labor können die Milcherzeugnisse von den milchwirtschaftlichen Laboranten und Laborantinnen mikrobiologisch untersucht werden.

Neben der Lehrmeierei und Unterrichtsräumen verfügt der Komplex auch über einen Speisesaal und ein Internat. Die meisten Jugendlichen reisen zum Montag an und bleiben bis freitags. Auszubildende Milchtechnolog/-innen durchlaufen die überbetriebliche Ausbildung während elf Wochen innerhalb ihrer dreijährigen Ausbildungszeit.