Um die Rohprotein-Produktion auf den eigenen Flächen zu steigern, spielen sowohl Rot- und Weißklee als auch Luzerne eine wichtige Rolle, denn sie liefern hochwertiges, schmackhaftes und proteinreiches Grundfutter, das sich gut silieren lässt – sofern einige Aspekte beachtet werden.
Es gibt viele Gründe, den Proteinbedarf eines Betriebes zu möglichst großen Teilen aus dem eigenen Grundfutter zu decken. Hohe Kosten für Kraftfutter und Stickstoffdünger können gespart werden, die Grundfutterqualität und -leistung erhöht sowie angespannte N-Bilanzen entzerrt werden. Klee und Luzerne liefern schmackhaftes Grundfutter mit einem hohen Anteil an hochwertigem Protein. So beträgt der Rohproteingehalt beispielsweise im ersten Aufwuchs bei Rotklee-Gras-Gemenge zirka 17,8 % und bei Luzerne 21,9 % (Ernte im Knospenstadium). Bei der Silierung sind allerdings einige Aspekte zu beachten.
Leguminosen können mithilfe ihrer Symbiose mit Knöllchenbakterien große Mengen an Luftstickstoff fixieren und diesen im Falle von Mischanbau mit Gras auch ihrem Gemengepartner zur Verfügung stellen.
Einfluss auf die Silierbarkeit
Generell sind Leguminosen schwerer silierbar als reine Grasbestände. Ursächlich hierfür sind die hohen Rohproteingehalte, die gemeinsam mit den mineralischen Bestandteilen eine hohe Pufferkapazität (PK) bedingen. Dadurch wird im Silierprozess mehr Milchsäure benötigt, um den pH-Wert tief genug zu senken und Fehlgärungen zu vermeiden. Damit die Milchsäurebakterien richtig arbeiten und genügend Milchsäure produzieren können, muss ausreichend Zucker (Z) vorhanden sein. Der Zuckergehalt in Leguminosen ist deutlich geringer im Vergleich zu Gras, wobei Klee etwa doppelt so viel Zucker enthält wie Luzerne (Tabelle 1). Das Verhältnis zwischen dem Zucker und der Pufferkapazität wird durch den Z/PK-Quotienten ausgedrückt. Siliergüter mit einem Z/PK-Quotienten von weniger als 2 gelten als schwer silierbar, dies ist sowohl bei Klee als auch bei Luzerne der Fall. Der Z/PK-Quotient schwankt im Jahresverlauf, wird aber auch vom Vegetationsstadium zum Erntezeitpunkt, der Witterung vor der Ernte und der Feldliegezeit beeinflusst.
Ein weiteres Maß zur Bestimmung der Silierbarkeit ist der Vergärbarkeitskoeffizient (VK), dieser berücksichtigt neben dem Z/PK-Koeffizienten auch den Trockenmassegehalt (TM). Ab einem VK von 45 ist eine gute Vergärbarkeit zu erwarten. Wie Tabelle 1 zu entnehmen ist, erhöht sich der Vergärbarkeitskoeffizient mit dem Anwelkgrad. So hat angewelkter Rotklee einen VK von 49, Luzerne erreicht auch angewelkt nur einen VK von 41.
Bei der Ernte zu beachten
Die Ausgangslage für die Silierung von Leguminosen ist folglich erschwert, deshalb ist ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der guten fachlichen Praxis während der Ernte, Silobereitung und Silageentnahme notwendig. Schmutzeinträge können minimiert werden, indem die Schnitthöhe hochgesetzt wird und alle Arbeitsgeräte so eingestellt werden, dass sie nicht in den Boden greifen.
Bröckelverluste können durch schonendes Zetten, Wenden und Schwaden reduziert werden, möglichst im Morgentau bei einer maximalen Geschwindigkeit von 12 km/h und niedriger Drehzahl. Bei guter Sonneneinstrahlung reicht einmaliges Wenden aus. Vor allem bei der Luzerne können die Bröckelverluste hoch sein und es ist Vorsicht geboten. Ein TM-Gehalt von 35 bis 40 % empfiehlt sich einerseits zur Vermeidung von Fehlgärungen, andererseits entsteht bei zu nassem Erntegut Sickersaft, über den Nährstoffe ausgetragen werden. Bei zu hohen Anwelkgraden (über 45 % TM) wird häufig keine ausreichende Verdichtung im Silo erreicht. Eine gute Siloverdichtung und eine schnelle gasdichte Siloabdeckung sind jedoch essenziell. Zum Abdecken eignen sich eine Kombination aus Unterziehfolie und Silofolie oder eine mehrlagige Sauerstoffbarrierefolie. Nach dem Abdecken ist auf eine ausreichende Beschwerung der Folie zu achten.
Alternativ kann das Erntegut auch in Siloballen gepresst werden, wodurch in der Verfütterung ein schneller Verbrauch gewährleistet wird. Dabei ist besonders bei Luzerne darauf zu achten, dass die Ballen mindestens achtlagig gewickelt werden, damit die Folie aufgrund der Härte der Stängel nicht beschädigt wird. Um Folienperforationen beim Aufkommen gewickelter Ballen auf der Narbe zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, in einem absätzigen Verfahren zu pressen und zu wickeln.
Nach sechs Wochen Lagerdauer ist davon auszugehen, dass der Silierprozess abgeschlossen ist. Wenn das Silo vorher geöffnet wird, besteht ein erhöhtes Nacherwärmungs- und Verderbrisiko. Abgesehen von einer hohen Verdichtung und einer gasdichten Abdeckung lässt sich die Gefahr des aeroben Verderbs durch einen ausreichenden, möglichst hohen Vorschub (2,5 m je Woche) reduzieren.
Verbesserung der Siliereignung
Um die Siliereignung von Leguminosen zu verbessern, können sie im Gemenge mit zuckerreichen Gräsern angebaut werden. Der optimale Schnittzeitpunkt von Gräsern unterscheidet sich von dem der Leguminosenarten, bei einem Gemengeanbau empfiehlt es sich, den Schnittzeitpunkt am Hauptgemengepartner festzumachen. Besonders geeignet ist das zuckerreiche Deutsche Weidelgras (Lolium perenne), da es den Milchsäurebakterien eine gute Energiequelle bietet.
Bei einem Leguminosenanteil von etwa 50 % oder mehr in der Mischung empfehlen sich der Einsatz von zuckerhaltigen Co-Substraten (Melasse) und ein gezielter Siliermitteleinsatz, um den Siliererfolg zu erhöhen. Die passenden, unabhängig geprüften Siliermittel können über siliermittel.dlg.org gefunden werden.
Fazit
Leguminosen haben großes Potenzial, die Proteinversorgung über die eigenen Futterflächen zu steigern. Sowohl Klee als auch Luzerne lassen sich mit Zugabe von Siliermitteln gut silieren. Aufgrund des niedrigen Vergärbarkeitskoeffizienten ist der Siliermitteleinsatz ratsam, besonders wenn ein optimaler Anwelkgrad nicht gewährleistet werden kann. Bei Klee empfiehlt sich ein Gemengeanbau, um die Silierfähigkeit zu verbessern und die Stickstofffixierung optimal auszunutzen.




