Auf der Suche nach der optimalen Schnittstelle zwischen Leistungspotenzial und Ressourceneinsatz in der Legehennenhaltung konnte nun in einem Versuch am Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse (VBZL) der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gezeigt werden: Eine N- und P-reduzierte Fütterung von Legehennen kann durchaus empfohlen werden.
Eine Reduktion der Stickstoff (N)- und Phosphor (P)-Emissionen bringt viele Vorteile mit sich. Neben den bekannten Folgen für die Umwelt wirkt sich die Reduktion auch vorteilhaft auf die Tiergesundheit aus, denn eine Aufnahme von überschüssigem Stickstoff führt beispielsweise zu einer vermehrten N-Ausscheidung in Form von energiereicher Harnsäure – ein Energieverlust über die Exkremente.
Dieser Vorgang belastet den Stoffwechsel der Tiere unnötigerweise und erhöht gleichzeitig ihren Energiebedarf bei gleichbleibender Leistung. Gerade Legehennen kommt eine Entlastung des Stoffwechsels entgegen. Allerdings spielt eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen eine zentrale Rolle, um die Leistung und Gesundheit der Tiere zu erhalten. Aminosäuren (AS) beeinflussen etwa die Eigröße, Kalzium und Phosphor sind wichtig für die Eischalenstabilität und Knochengesundheit. Vor allem im Hinblick auf eine längere Nutzungsdauer der Tiere, die aufgrund der gestiegenen Junghennenpreise vermehrt in den Fokus rückt, wird eine N- und P-reduzierte Fütterung oft mit Skepsis betrachtet.
Bereits in den Jahren 2020/2021 wurde ein Versuch zur N- und P-reduzierten Fütterung bei Legehennen am Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse durchgeführt. Hintergrund des Versuchs war es herauszufinden, ob eine Absenkung von N und P im Futter unter die Werte der DLG für eine N- und P-reduzierte Fütterung möglich ist, ohne die Leistung negativ zu beeinflussen. Durch die Absenkung der N- und P-Gehalte im Futter sollten sich die N- und P-Ausscheidungen über die Exkremente reduzieren.
Die N- und P-reduzierte Fütterung nach DLG wurde dabei als Kontrollgruppe angenommen, da mit diesen Nährstoffgehalten eine stabile Leistung erzielt werden kann und unterschiedliche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein Reduktionspotenzial der N- und P-Gehalte vorhanden ist. Es galt also in dem Versuch herauszufinden, ob und inwieweit Absenkungen möglich sind und welche Legehennenrationen in der Praxis umgesetzt werden können.
Die Tiere der Kontrollgruppe, Variante (V) 1, erhielten somit N- und P-reduziertes Futter nach DLG. V2 wurde weiter N-und P-reduziert gefüttert, und V3 erhielt nochmals umfangreicher N- und P-reduziertes Futter. Alle Fütterungsvarianten wurden an Weiß- und an Braunlegern geprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass es keinen Einfluss der Nährstoffreduktion in Bezug auf die Genetik zu geben scheint. Die umfangreichste Absenkung der N- und P-Konzentration (V1 versus V3) hatte trotz eines Ausgleichs an Aminosäuren (Lys, Met+Cys, Thr, Trp) eine signifikante Reduktion der Eizahl, Eimasse, des Eigewichts und der Legeleistung je Durchschnittshenne zur Folge.
Noch mehr Optimierung möglich?
Nachdem der Vorversuch gezeigt hatte, dass ein gewisses Reduktionspotenzial gegenüber den von der DLG beschriebenen Verfahren möglich ist, folgte ein weiterer Versuch, um die Ergebnisse abzusichern und zu untersuchen, inwieweit eine weitere Optimierung hinsichtlich N und P gegenüber den DLG-Werten möglich sei. Aufgrund des Leistungsabfalls in V3 wurde diese im gegenwärtigen Versuch nicht noch einmal angewendet.
Am VBZL Haus Düsse stand zur Durchführung des Versuchs eine Kleingruppenanlage mit insgesamt 28 Wiederholungen zur Verfügung. Eingestallt wurden Legehennen der Genetiken Lohmann Brown (LB) und Dekalb White (DW), die jeweils zwei verschiedenen Futterstrategien zugeteilt wurden. Je Genetik und Fütterungsvariante gab es sieben Wiederholungen mit jeweils 36 Tieren. Eine Übersicht über die Konzentration ausgewählter Nährstoffe der zwei Fütterungsvarianten ist der Tabelle 1 zu entnehmen.
Die Reduktion der N- und P-Konzentration des Futters wurde im letzten Legeabschnitt vorgenommen. Hier wurde die Rohproteinkonzentration (N x 6,25) um zirka einen Prozentpunkt, die Phosphorkonzentration um zirka 0,5 Prozentpunkte abgesenkt. Um dies zu erreichen, wurde der Anteil von Weizen an der Ration zulasten von Soja- und Rapsextraktionsschrot erhöht. Alle Rationen enthielten Weizen, Gerste, Mais sowie Sonnenblumen- und Rapsextraktionsschrot in verschiedenen Mengenanteilen.
Variante 1
DW mit N- und P-reduziertem Futter nach DLG-Standard
LB mit N- und P-reduziertem Futter nach DLG-Standard
Variante 2
DW mit N- und P-reduziertem Futter unter DLG-Standard
LB mit N- und P-reduziertem Futter unter DLG-Standard
Das waren die Leistungsparameter
Während des Durchgangs wurden die Parameter der Legeleistung, die Verluste, die Kenngrößen der Eiqualität und die Eigewichtsverteilung erfasst. Tabelle 2 zeigt die durchschnittlichen Leistungsparameter über die 13 erhobenen Legeabschnitte. Die dargestellten Werte beziehen sich dabei auf den Parameter „je Durchschnittshenne“ (DH, Anzahl der durchschnittlich eingestallten Tiere, korrigiert um Verluste).
Die Ergebnisse zeigen, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Legeleistung zwischen den Futtervarianten gab. Sie zeigen lediglich, dass die Tiere der Genetik Lohmann Brown einen signifikant höheren Futterverbrauch, eine größere Eimasse und ein höheres Eigewicht aufwiesen als die Tiere der Genetik Dekalb White.
Verteilung der Eigewichtsklassen
Die Ergebnisse der durchschnittlichen Verteilung der Eigewichtsklassen (S, M, L und XL), gemittelt über 13 Legeabschnitte in Abhängigkeit von der Genetik, zeigen, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Futtervarianten gab. Durch die unterschiedliche Fütterung kam es demnach nicht zu einer Verschiebung der Eigewichtsklassen.
Lediglich die Genetik der Hennen beeinflusste die Legeleistung. Die Hennen der Genetik LB wiesen signifikant mehr Eier in den Gewichtsklassen XL (+3 %-Punkte) und L (+10 %-Punkte) auf, während die Hennen der Genetik DW signifikant mehr Eier der Gewichtsklasse M (52 % versus 46 %) und S (4 % versus 2 %) legten (Abbildung). Diese Ergebnisse bestätigten die bereits bekannten Unterschiede der beiden Genetiken. Generell hatten die DW-Hennen signifikant mehr Knick- und Brucheier (4,4 % zu 2,8 %) als die LB-Hennen (nicht in der Abbildung dargestellt).
Die Kenngrößen der Eiqualität
Bei der Frage, ob und wie eine N- und P-reduzierte Fütterung in der Legehennenhaltung umsetzbar ist, spielen neben den biologischen Aspekten auch die Kenngrößen der Eiqualität eine übergeordnete Rolle.
Die Kenngrößen der Eiqualität am Ende des 13. Legeabschnittes sind in Tabelle 3 dargestellt. Die Futtervarianten hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Eiqualität. Demnach hatte eine Absenkung der N- und P-Gehalte unter die DLG-Vorgaben keinen Einfluss auf diese Merkmale. Allerdings zeigen sich hier, wie auch bei den Leistungsparametern, Unterschiede in Bezug auf die Genetik. Die Eier der LB-Hennen wiesen eine signifikant höhere Bruchfestigkeit auf. Die DW-Hennen wiesen hingegen signifikant höhere Werte bei der Eiklarhöhe und der Eiklarkonsistenz auf.
Berechnung der Nährstoffbilanz
Um mögliche Effekte einer N- und P-reduzierten Fütterung auf die Umweltwirkung der Legehennenhaltung beurteilen zu können, wurde basierend auf den Daten zum Futterverbrauch und der Gewichtszunahme eine Stickstoff- und Phosphorbilanz berechnet. Zur Bilanzierung wurde dabei auf die Annahmen zur Ganzkörperzusammensetzung von Legehennen nach DLG-Band 199 (2014) zurückgegriffen.
Tabelle 4 zeigt die aus den Leistungsdaten berechneten sowie die durch Exkrementanalysen bestimmten N- und P-Ausscheidungen. Die berechneten Werte zur N-Ausscheidung zeigen, dass bei den Weißlegern keine Unterschiede in der relativen Ausscheidung je Stallplatz und Jahr durch die nährstoffabgesenkte Fütterung erreicht werden konnten. Bei den Braunlegern konnte für N ebenfalls kein Effekt festgestellt werden. Allerdings konnte die P-Ausscheidung um 14 % abgesenkt werden.
Die teilweise unveränderten Werte sind darauf zurückzuführen, dass die Tiere unter Fütterungsvariante 2 numerisch mehr Futter fraßen. Die aus den Leistungsdaten berechnete N- und P-Ausscheidung je Kilogramm Eimasse für V1 konnte bereits veröffentlichte Werte bestätigen (vergleichbar mit der N- und P-reduzierten Fütterung nach DLG-Band 199).
Fazit
Die Ergebnisse aus dem VBZL Haus Düsse zeigen deutlich: Eine N- und P-reduzierte Fütterung von Legehennen ist möglich. Der hier aufgezeigte Versuch bestätigt die Ergebnisse aus dem Vorversuch (2020/2021).
Auch wenn die Hennen nochmals unter den derzeit von der DLG vorgegebenen Werten zur N- und P-reduzierten Fütterung gefüttert werden, weisen sie keinerlei Einbußen auf – weder in den Leistungsparametern noch in den Kenngrößen in Bezug auf die Eiqualität sowohl bei Braun- als auch bei Weißlegern. Ein Einfluss auf Eigröße und die Schalenstabilität konnte ebenfalls nicht festgestellt werden.
Ein Vergleich von Weiß- und Braunlegern zeigt hingegen ein typisches Bild. Die Hennen der Genetik LB hatten einen signifikant höheren Futterverbrauch, aber auch signifikant höhere Eigewichte. Auch bei den Eigewichtsklassen konnten die LB-Hennen mehr Eier in den höheren Gewichtsklassen generieren als die DW-Hennen. Bei den Kenngrößen der Eiqualität wiesen die Eier der LB-Hennen eine signifikant höhere Bruchfestigkeit der Schale auf, während die Eier der DW-Hennen höhere Werte bei der Eiklarqualität aufweisen konnten.
In Bezug auf die Ausscheidungswerte konnte allerdings kein positiver Effekt der Nährstoffreduktion festgestellt werden, weder über die berechneten Leistungsdaten noch über die Analysen. Da das Leistungsniveau bei gleichzeitig reduzierten Ausscheidungen erhalten bleibt, kann eine N- und P-reduzierte Fütterung durchaus empfohlen werden.



