Auf den ersten Blick haben Rapserdfloh und Ackerfuchsschwanz nichts gemeinsam. Bei genauerer Betrachtung wird man aber ganz schnell feststellen, dass dem nicht so ist. Beide machen dem Raps das Leben schwer, und beide sind inzwischen so resistenzbehaftet, dass eine Bekämpfung immer schwieriger wird. Der Artikel beschreibt, worauf zu achten ist.
Auch im Hinblick auf die so wichtige Jugendentwicklung des Rapses besteht zwischen Schadtier und Ungras ein Zusammenhang. In den vergangenen Jahren hatte es der Raps in seiner empfindlichen Startphase besonders schwer. Ausgeprägte Trockenheit und regional sehr starker und vor allem früher Rapserdflohzuflug brachten einige Rapsbestände fast dahin, dass sie umgebrochen werden mussten.
Kamen zusätzlich noch Bodenherbizide mit dem Wirkstoff Metazachlor zum Einsatz, verschärfte sich die Lage. Zum einen wurde der Raps noch zusätzlich gestresst, zum anderen führte örtlicher Starkregen zu Wuchshemmungen und bot zusätzliche Angriffsfläche für den Rapserdfloh. Die Pflanzen konnten so dem Blattfraß buchstäblich nicht mehr davonwachsen. Bei vorzeitigem Umbruch kam zudem die Frage des Nachbaus von geeigneten Kulturen auf.
Die logische Schlussfolgerung wäre also eigentlich eine sukzessive Verlagerung auf Nachauflaufherbizide wie den Belkar Power Pack, denn man kann so gezielt auf das jeweilige Unkrautspektrum eingehen. Doch die Sache hat einen Haken, der Belkar Power Pack hat keinerlei Gräserwirkung. Und das ist in Ackerfuchsschwanzregionen durchaus problematisch, da die Anfangswirkung des Wirkstoffs Metazachlor auf Ackerfuchsschwanz – je nach Aufwandmenge, Bodenfeuchtigkeit und nachfolgenden Niederschlägen – durchaus in Richtung 80 % gehen kann.
So gesehen kommt man in Regionen mit stärkerem Auftreten dieses Ungrases und gleichzeitiger Resistenzentwicklung gegen Aryloxyphenoxypropionate (FOP) und Cyclohexanedione (DIM) am Wirkstoff Metazachlor nicht vorbei. Hier befindet man sich also in einer Zwickmühle, denn ein hoher Wirkungsgrad gegen Ackerfuchsschwanz ist nahezu Pflicht, damit der Druck auf die stark resistenzgefährdeten Blattherbizide Focus Ultra und Select 240 EC nicht weiter in der Dynamik verstärkt wird. Wo diese beiden Herbizide schon nicht mehr ausreichend wirken, ist der Einsatz von Metazachlor umso bedeutender, um überhaupt den Kerb-Flo-Termin zu erreichen.
Bekämpfung von Ausfallgetreide
Je nach Bodenbearbeitung, Gräserdruck und jahresbedingtem Auflaufverhalten sind ein bis zwei Anwendungen notwendig. Dabei werden Gräser, die frühzeitig auflaufen, durch die eigentliche Vorauflaufbehandlung mit Bodenherbiziden, wie Metazachlor beziehungsweise Metazachlor plus Dimethenamid-P gegen Unkräuter, zum Teil miterfasst.
Werden diese Wirkstoffe nicht eingesetzt und/oder ist es im Vorwege zu trocken, sodass vor der Rapsbestellung kein Ausfallgetreide aufgelaufen ist, kann früher Gräserauflauf im kritischen Entwicklungsstadium für den Raps schnell zum Problem werden. Im Herbst 2022 war dies der Fall. Durch die Bestellung wurde die Keimung des Ausfallgetreides angeregt, was dann dem jungen Raps sehr schnell eine beachtliche Konkurrenz bereitete. Somit musste schon sehr früh mit einem FOP (zum Beispiel Agil S, Targa Super et cetera) gegengesteuert werden, da der Raps sonst sehr schnell unterdrückt worden wäre.
Die eigentlichen Applikationen gegen Ausfallgetreide erfolgen, wenn das Getreide bereits ein bis zwei Blätter hat. Wurde im Vorauflauf mit Clomazone gearbeitet, muss das Durchgrünen abgewartet werden. Für die Ausfallgetreide-Bekämpfung steht eine Vielzahl von Produkten aus der Gruppe der FOP zur Verfügung.
Eine notwendige zweite Behandlung (Drei- bis Vierblattstadium) kann mit einem Wachstumsregler und/oder Insektizideinsatz gegen Rapserdfloh kombiniert werden. Die Wachstumsregler wirken wie Öle und verbessern die Wirkstoffaufnahme. Gelistete Zusatzstoffe bringen nur bei Soloanwendungen von Graminiziden Wirkungsverbesserungen. Bei geringem Gräserdruck ist eine spätere Einmalanwendung ausreichend.
Speziell gegen Ausfallgerste und nur bei günstigen Bedingungen (hohe Luftfeuchtigkeit) kann die Aufwandmenge auf 30 bis 50 % reduziert werden. Roggen und Weizen sind etwas hartnäckiger, hier sollten schon zwei Drittel der vollen Aufwandmenge angewendet werden.
Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz
Bei Ackerfuchsschwanz gestaltet sich die Bekämpfung etwas komplizierter. Besonders in der getreidelastigen Fruchtfolge sollte Raps zur konsequenten Bekämpfung dieses Ungrases genutzt werden. Gelingt das nicht, wird aus der eigentlichen Gesundungsfrucht sehr schnell ein Problem.
Da Agil und Co. (FOP) gegen Ackerfuchsschwanz vielerorts kaum noch Erfolge erzielen, kommen immer häufiger ab dem Zwei- bis Dreiblattstadium beim Ackerfuchsschwanz Focus Ultra oder Select 240 EC aus der Gruppe der DIM zum Einsatz. Zeigen auch diese Produkte keine ausreichende Wirkung auf Ackerfuchsschwanz mehr, liegt eine Wirkort-Resistenz (Ile1781-Leu-Target-Site-Resistenz gegen ACCase-Inhibitoren) vor.
Hier gibt es Unterschiede zwischen beiden Wirkstoffen. So zeigte sich in genetischen Untersuchungen Clethodim (Select 240 EC) robuster als Cycloxydim (Focus Ultra). Man spricht hier von einer quantitativen Wirkort-Resistenz der DIM. Vereinfacht ausgedrückt, werden von Select 240 EC noch Ackerfuchsschwanzpflanzen erfasst, die von Focus Ultra nicht mehr bekämpft werden.
Dieser Prozess funktioniert aber nicht unbegrenzt. Auch hier schreitet die Resistenzentwicklung voran. In dessen Folge nimmt auch der Anteil resistenter Individuen gegenüber Select 240 EC zu, bis hin zum möglichen völligen Wirkungsverlust der gesamten DIM. Somit muss das Ziel sein, die Anwendungshäufigkeit von Focus Ultra und Select 240 EC zu minimieren. Diese Anwendung einzusparen, setzt aber voraus, dass bis zur gesetzten Propyzamid-Behandlung (Kerb Flo und Co.) die Ackerfuchsschwanzpflanzen nicht zu groß geworden sind.
Die Frage ist nicht ob, sondern wann
Vor einigen Jahren wurde in der Praxis noch sehr kontrovers über den Einsatz von Kerb Flo diskutiert. Der späte Einsatztermin wirkte vielerorts abschreckend. Inzwischen steht das Ob nicht mehr infrage, sondern nur noch das Wann. Das zeigt auch, wie stark sich die Lage inzwischen verschärft hat. Auch an der Aufwandmenge zu sparen, ist kein Diskussionspunkt mehr. Ein möglichst hoher Wirkungsgrad mit dieser einen Anwendung ist das oberste Ziel.
Kerb Flo und alle Propyzamid-Produkte müssen mit voller Aufwandmenge eingesetzt werden. Bodenfeuchtigkeit und/oder nachfolgender Regen sind zwingend notwendig, da gerade bei frohwüchsigen Rapsbeständen der Bodenwirkstoff von den Blättern abgefangen wird. Der Wirkstoff muss in die oberste Bodenschicht vordringen.
Der Einsatzzeitpunkt ist zusätzlich temperaturabhängig. Für eine gute Wirkung sind niedrige Temperaturen (Bodentemperaturen unter 10 °C) erforderlich. Bei höheren Temperaturen wird der Wirkstoff zu schnell abgebaut und die Wirkung ist nicht zufriedenstellend. Warmes Herbstwetter ist somit kontraproduktiv. Gut entwickelte Pflanzen treffen dann auf ungünstige Anwendungsbedingungen.
Da die Wirkung von Propyzamid im Boden in den obersten 3 bis 5 cm am stärksten ist, können bei großen, zum Teil schon bestockten Ackerfuchsschwanzpflanzen mit tieferen Wurzeln Probleme in der Bekämpfung auftreten. Somit ist es teilweise eine Herausforderung, den richtigen Anwendungstermin zu finden, nachfolgender Regen ist dabei Pflicht.
Die sichtbare Wirkung von Propyzamid-Produkten lässt mitunter lange auf sich warten. Die ersten Anzeichen sind, dass die Ackerfuchsschwanzpflanzen nicht mehr weiterwachsen. Der eigentliche Absterbeprozess kann sich aber weit ins Frühjahr hineinziehen.
Schlechtere Wirkungsgrade werden besonders bei großen, schon bestockten Pflanzen beobachtet. Das hat in dem Moment nichts mit eventuell beginnenden Resistenzen von Kerb Flo und Co. zu tun, sondern ist der Wirkungsweise von Propyzamid geschuldet. In diesen Ausnahmefällen kann dann Focus Ultra blattaktiv unterstützen. Aber auch für diese Situation muss der Anwendungstermin am Wirkstoff Propyzamid ausgerichtet sein.
Empfehlung:
• Ausfallgetreide:
FOP (Agil S et cetera)
• Quecke:
2,0 l/ha Targa Super/GramFix
• Ackerfuchsschwanz:
2,5 l/ha Focus Ultra + 1,0 l/ha Dash (Wirkstoff Cycloxidim)
0,5 l/ha Select 240 EC + 1,0 l/ha Radiamix (Wirkstoff Clethodim)
0,5 l/ha VextaDim + 0,5 l/ha VexZone
1,875 l/ha Kerb Flo: Ackerfuchsschwanz, Einjährige Rispe, Trespen-Arten, Weidelgräser, Windhalm, (Ausfallgetreide nicht immer sicher), zuzüglich Vogelmiere und Ehrenpreis
1,5 l/ha Milestone (wie Kerb Flo + kleine Pflanzen: Kamille, Kornblume, Klatschmohn, Ausfallackerbohne)
Anwendungsbedingungen
clethodimhaltiger Produkte
• Temperaturen über 10 °C bei der Anwendung
• weitere Vegetation notwendig
• Anwendung bis 30. September abschließen, sonst sind Schäden
möglich, die aber erst im Frühjahr sichtbar werden.
• Anwendung möglichst solo durchführen (Insektizid ist möglich, auf Fungizide sollte verzichtet werden).
Wie passen die Gräserherbizide
ins Belkar-Power-System?
Als Kombinationspartner sind die FOP Panarex (1,25 l/ha) und Flua Power (0,8 l/ha) (Balista Super) sowie die DIM Focus Ultra + Dash (2,5 l/ha + 1,0 l/ha), Select 240 EC + Radiamix (0,5 l/ha + 1,0 l/ha) und VextaDim + VexZone (0,5 l/ha + 0,5 l/ha) freigegeben. Dies gilt allerdings nur für die erste Splittingmaßnahme ab ES 12 bis 14. Wichtig ist, dass der Raps flächig zwei Laubblätter ausgebildet hat, das heißt man orientiert sich an den schwächsten Pflanzen.
Eine Besonderheit muss beim Einsatz der beiden clethodimhaltigen Produkte Select und VextaDim beachtet werden. Hier muss die Behandlung bis zum 30. September erfolgen. Zu späte Anwendungen können je nach Jahr zu Schäden beim Raps führen, wie es teilweise im Frühjahr 2023 zu beobachten war.




