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Dreifache Überzeichnung zeigt Dilemma

Die Bundesnetzagentur veröffentlichte vergangene Woche die aktuellen Ausschreibungsergebnisse für Biomasseanlagen. Auf den ersten Blick wirkt die Ausschreibung wie ein Erfolg, da die Gebote die angebotene Menge von 288 MW installierter Leistung um ein Dreifaches übertrafen. Jedoch verdeutlicht genau diese Überzeichnung die Zukunftsangst der Branche.

Die Ergebnisse der Ausschreibung Biomasseanlagen zum 1. Oktober zeigen ein interessantes Bild. Auf die ausgeschriebene Menge gingen 892 Gebote über 910 MW installierte Leistung ein, darunter waren acht Gebote für Neuanlagen und 884 Gebote mit 896 MW für Bestandsanlagen. Davon wurden 270 Gebote bezuschlagt, alle Gebote für Neuanlagen sowie 262 Zuschläge für Bestandsanlagen über 274 MW. Der zulässige Höchstwert bei Neuanlagen lag bei 17,67 ct/kWh und bei 19,83 ct/kWh bei Bestandsanlagen. Im Ländervergleich gingen die meisten Zuschläge nach Bayern (99 Zuschläge für 93 MW), gefolgt von Baden-Württemberg (49 Zuschläge für 50 MW). An dritter Stelle folgt Schleswig-Holstein mit 34 Zuschlägen für 44 MW (gut 8 % der aktuell installierten Leistung von 511 MW in SH).

Südquote und endogene Mengensteuerung

Marcus Hrach, Geschäftsführer des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE SH), betont: „Der LEE freut sich für die schleswig-holsteinischen Betriebe, die nun zumindest eine zehnjährige Planungssicherheit für ihre Anlagen besitzen. Dennoch hätten wir uns im Norden mehr Zuschläge gewünscht, dagegen wirken jedoch die von uns kritisierte Südquote sowie die endogene Mengensteuerung. Beides muss dringend abgeschafft werden“. Bei den Ausschreibungen für Biomasse werden Gebote in der Südregion bevorzugt bezuschlagt, die in etwa den Gebieten südlich der Main-Linie entspricht. Beim aktuellen Gebotstermin wurde die Hälfte der ausgeschriebenen Menge an dortige Projekte vergeben.

Verlust von gesicherter Leistung

Laut Bundesnetzagentur konnte diese bevorzugte Zuschlagsmenge erneut vollständig ausgeschöpft werden. Dieser Mechanismus verzerrt nicht nur den Wettbewerb. Zudem sorgt er für einen Verlust von gesicherter Leistung in weiten Teilen der Bundesrepublik. Denn Hunderte von Bestandsanlagen, die auf Basis dieser Ausschreibung einen zweiten Betriebszeitraum von zehn weiteren Jahren anstrebten, stehen weiter ohne Anschlussperspektive dar.

Die allermeisten Anlagen werden zudem mit den konkurrenzbedingt viel zu niedrigen Zuschlagswerten keinen langfristigen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb aufrechterhalten können. Hintergrund sind die stark gestiegenen Kosten für die nötigen Rohstoffe.  So wurde in der Oktoberrunde nur ein durchschnittlicher Zuschlagswert von 18,28 ct / kWh erreicht, in der Vorrunde lag dieser noch bei 18,92 ct/kWh. Es zeichnet sich daher ab, dass viele Betriebe ernsthaft eine Stilllegung in Betracht ziehen werden.

Hrach warnt: „Die dreifache Überzeichnung muss ein Weckruf für die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur sein. Die aktuellen Rahmenbedingungen der Biomasseausschreibungen setzen die falschen Anreize. Wir brauchen sichere und flexibel steuerbare Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse – sowohl in der Kraftwerksstrategie als auch bei der kommunalen Wärmewende. Und das Ganze zu einem angemessenen Preis, der die aktuelle Marktsituation widerspiegelt. Wir vermissen dazu Impulse seitens der Bundesregierung. Wir brauchen eine neue Strategie, die Wärmeauskopplung, flexible Leistung und Biomethanerzeugung gleichermaßen anreizt.“

Neuausrichtung durch Osterpaket verfehlt

Die Ausschreibungsergebnisse dieses Jahres zeigen in der Gesamtbetrachtung, dass die mit dem Osterpaket 2022 vorgenommene Neuausrichtung der EEG-Vergütung für Biomasse weder den tatsächlichen langfristigen Zielen der Bundesregierung entsprechen noch von der Branche angenommen wird. Denn in dieser Ausschreibungsrunde gab es keine Gebote für Biomethanerzeugung und nur wenige Gebote für flexible Strom- und Wärmeerzeugung.

Zum Vergleich: In der Frühjahrsausschreibung wurden lediglich vier Zuschläge mit 3 MW für Schleswig-Holstein bewilligt.

2023 zeigt sich ein knappes Schlachtviehangebot

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Die Schlachtkapazitäten in der EU können in diesem Jahr nicht ausgelastet werden. Jetzt zeigt sich, wie die Tierbestände abgenommen haben. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Schlachttieren. Offenbar wird sowohl die Schweine- als auch die Rindfleischerzeugung 2023 auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren sinken. Das zeigen die vorläufigen Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat), vor allem für den Schweinemarkt.

In den ersten drei Quartalen 2023 wurden in den 27 Mitgliedstaaten insgesamt nur noch 162,5 Millionen Schweine geschlachtet; das waren 14,5 Millionen Stück oder 8,2 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei war die Schweinefleischerzeugung um 7,7 % auf 15,24 Mio. t rückläufig. Auch wenn sich das Minus bis Jahresende noch etwas abschwächen könnte, dürfte die Produktion die Marke von 21 Mio. t unterschreiten, was zuletzt 2009 der Fall war.

Dem kleineren Angebot stand 2023 bisher auch eine spürbar rückläufige Schweinefleischnachfrage in der EU, aber auch bei den Kunden am Weltmarkt gegenüber.

Käufer reagieren auf höheres Preisniveau

Der Schweinefleischexport in Drittstaaten verringerte sich von Januar bis September gegenüber der Vorjahresperiode um mehr als 800.000 t Schlachtgewicht beziehungsweise 20%. Großkunden wie China, Japan, Südkorea oder die Philippinen bestellten spürbar weniger Ware in der Gemeinschaft. Gleichzeitig hielten sich die Verbraucher in der EU aufgrund hoher Preise und Kaufkraftverlusten beim Schweinefleischverzehr zurück. Laut jüngster Schätzung der EU-Kommission dürfte der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch gegenüber 2022 um 1,7 kg auf den neuen Tiefstwert von 30,4 kg sinken.

In keinem der 27 Mitgliedstaaten ist im bisherigen Jahresverlauf mehr Schweinefleisch produziert worden als 2022. Am geringsten fielen nach den vorläufigen Daten die Erzeugungsrückgänge mit 3 % bis 4 % in einigen osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Ungarn und Polen aus.

Für die Schweinehochburg Spanien war es das erste Mal seit Langem, dass weniger Tiere an die Schlachthaken kamen; mit gut 39 Mio. t wurden dort 7,2 % weniger Schweine verarbeitet als in den ersten drei Quartalen 2022. Allerdings wurden die Tiere bei hohen Erzeugerpreisen und wieder sinkenden Futterkosten schwerer an die Schlachtstätten geliefert, weshalb das Schweinefleischaufkommen „nur“ um 4,6 % sank.

In Deutschland lag das Minus bei den Schlachtungen und der Fleischerzeugung mit 8 % und 7,9 % im Bereich des EU-Durchschnitts. Das Schlusslicht in der Gemeinschaft bildete Dänemark mit einem Einbruch der Schweinefleischproduktion um rund 20 %.

Weniger Rindfleisch im Angebot

Etwas moderater als bei den Schweinen fiel der Erzeugungsrückgang bei den Rindern aus. Laut Eurostat wurden in der EU in den ersten neun Monaten 16,14 Millionen Tiere geschlachtet; das waren 723.000 Stück oder 4,3 % weniger als in der Vorjahresperiode.

Die Rindfleischerzeugung ging dabei um 5 % auf 4,70 Mio. t zurück. Das ist deutlich mehr, als die EU-Kommission im Herbst für das Gesamtjahr mit einem Minus von 3 % prognostiziert hat. Nicht bewahrheitet haben sich zudem Erwartungen, das Schlachtkuhangebot werde infolge fallender Rohmilchpreise zunehmen.

Von Januar bis September wurden den Statistikern zufolge 4,48 Millionen Kühe ins Schlachthaus geliefert; das waren rund 220.000 Tiere oder 4,7 % weniger als im Vorjahreszeitraum.

Vor allem in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Polen wurden in den ersten drei Quartalen 2023 weniger Kühe geschlachtet; in den Niederlanden, Tschechien, Schweden oder Litauen waren es hingegen mehr. In Deutschland lag das Aufkommen nur knapp unter dem Vorjahresniveau, die gesamte Rindfleischerzeugung sogar mit 0,2 % im Plus.

Laut der Herbstprognose der EU-Kommission wird die Rindfleischerzeugung in der Gemeinschaft auch 2024 abnehmen, wenn auch nicht so stark wie in diesem Jahr. Bei rückläufigen Rinderbeständen erwarten die Analysten aus Brüssel ein Produktionsminus von 1 %. Dies könnte bei einer Stabilisierung des Rindfleischverbrauchs im Bereich von durchschnittlich 9,8 kg pro Kopf zu höheren Rindfleischimporten führen. Vorausgesagt wird, dass diese um 5 % auf 363.000 t zunehmen.

Schweinefleischkonsum hat Luft nach oben

Für Schweinefleisch wird sogar von einem Anstieg des mittleren Pro-Kopf-Verbrauchs um 200 g auf 30,6 kg ausgegangen. Dafür soll eine bessere Verfügbarkeit durch einen moderaten Produktionsanstieg von 1,5 % ebenso sorgen, wie nachgebende Verbraucherpreise im Vergleich zum Inflationsjahr 2023. Ob die EU-Schweinefleischerzeugung 2024 wieder wächst, ist aber offen. Derzeit auskömmliche Erzeugerpreise bei gesunkenen Futterkosten sprechen dafür. Doch müsste auch der Schweine- und insbesondere der Sauenbestand wachsen, was zuletzt mit Ausnahme von Spanien und Irland in keinem Mitgliedsland zu beobachten war. Zunehmend bremsen nämlich auch schärfere Tierhaltungs- und Umweltstandards.
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Weltweite Weizenvorräte schrumpfen 2023/24 deutlich

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Aufgrund einer weltweit geringeren Weizenerzeugung bei einem steigenden Verbrauch werden die Vorräte schrumpfen.

Der Internationale Getreiderat erwartet für die Saison 2023/24 eine globale Weizenerzeugung von rund 787 Mio. t (USDA nur 782 Mio. t). Das ist gegenüber der Vorsaison ein deutlicher Rückgang um 17 Mio. t. Zuletzt wurden die Schätzungen für die Ukraine mit 28,7 Mio. t und Russland mit 90 Mio. t nach oben korrigiert, dagegen für Argentinien auf 14,7 Mio. t nach unten.

Höherer Verbrauch

Der weltweite Verbrauch wird auf 804 Mio. t geschätzt, was 8,4 Mio. t mehr wären als 2022/23. Die Kürzungen bei der Verwendung für Lebens- und Futtermittel werden durch einen Anstieg der industriellen Nutzung ausgeglichen. Dabei fällt die Prognose für den Futtermittelverbrauch mit 155 Mio. t im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig niedriger aus (–0,3 Mio. t). Das Überangebot an Mais dürfte in der laufenden Saison die Nachfrage nach Weizen für Futterzwecke einschränken.

Fünfjahrestief bei Vorräten

Die weltweiten Endbestände schätzt der Rat auf 264 Mio. t, dies wären die geringsten Vorräte seit fünf Jahren. 2022/23 lagen die Endbestände noch bei 281 Mio. t.

Potenziell geringere Lieferungen nach Europa und nach Asien könnten dazu führen, dass der Welthandel mit Weizen 2023/24 mit erwarteten 195,7 Mio. t hinter dem Spitzenwert des Vorjahres von 208 Mio. t zurückbleibt. Für Argentinien werden mit 10 Mio. t geringere Exporte (–0,9 Mio. t) gegenüber dem Vormonat erwartet. Auch die EU dürfte mit 34,8 Mio. t deutlich weniger exportieren als noch vor einem Monat prognostiziert (–1,3 Mio. t). Russland hingegen wird wohl aufgrund der größeren Verfügbarkeit (und Niedrigpreisen) mit 50,1 Mio. t etwa 1 Mio. t Weizen mehr ausführen. Die Verlagerung von Land- und Flussrouten auf Seehäfen führte im Oktober 2023 zu einer Beschleunigung der Verschiffungen aus der Ukraine, die zuletzt insgesamt 4,6 Mio. t erreichten. In jüngster Zeit gingen die Mengen aufgrund der veränderten Sicherheitslage zurück. Im gesamten Wirtschaftsjahr dürfte das Land rund 13 Mio. t Weizen exportieren, das wären 0,5 Mio. t mehr als im Oktober erwartet. Dies stellt aber immer noch ein Neunjahrestief dar.

Trotzdem sinkende Preise

Nach den Gesetzen des Marktes müssten die Preise für ein knapper werdendes Gut steigen. An der Matif schloss am 29. November der Fronttermin aber bei 219,75 €/t, dem tiefsten Stand seit Ende September 2021.

Für Kursdruck sorgte weiterhin vor allem die dominante russische und ukrainische Konkurrenz am Weltmarkt, die Weizen bei ohnehin geringem Kaufinteresse großer Importeure zu unschlagbaren Preisen anbietet. Das schmälert die EU-Exportaussichten deutlich. Auch der feste Eurokurs gegenüber dem US-Dollar verringert die Attraktivität des EU-Getreides. Die russischen Weizenexporte lagen bei über 1 Mio. t pro Woche. Allerdings zieht Russland in Erwägung, seine Weizenexporte zu stoppen, falls die inländischen Vorräte unter die Grenze von 10 Mio. t sinken sollten. Dass dies in naher Zukunft geschieht, ist eher unwahrscheinlich. Für das nächste Jahr hat Russland seine Weizenanbaufläche um 9 % ausgeweitet, darin sind auch besetzte ukrainische Flächen enthalten. Diese russischen Flächen sind anscheinend in einem Topzustand in den Winter gegangen.

Versuchsergebnisse mit wenigen Klicks finden

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Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein stellt die neue Versuchsdatenbank vor. Nach ­einer umfangreichen Livetestphase ­arbeiten die Suchfunktionen jetzt ­einwandfrei.

Aktuelle Fachinformationen der Kammer aus dem Versuchswesen in den Bereichen Pflanzenbau, Pflanzenschutz, Umwelt, Tierhaltung und Gartenbau können über verschiedene Kategorien schnell gefunden werden. Es ist zudem möglich, Versuchsergebnisse durch die Eingabe eines Zeitraumes oder Suchbegriffs herauszufiltern.

Durch die Datenbankabfragen anhand des Datums, der Kategorie, der Produktionsrichtung, der Kultur und des Versuchsbereichs findet der User genau das, was er sucht. Wer will, kommt zudem durch die Eingabe des Autorennamens zum Ziel.

Die Versuchsergebnisse sind darüber hinaus in einem einheitlichen Layout erstellt, inklusive spezifischer Quellenangaben. Weitere Ergebnisse vorangegangener Jahre sollen ebenfalls zeitnah in die Datenbank eingespeist werden. Zunächst werden dort aber die aktuellen Ergebnisse 2023 und 2022 zu finden sein, wie zum Beispiel die Landessortenversuche zu den Sommergetreidearten und zum Silo­mais.

Des Weiteren wird über aktuelle Versuchsergebnisse im Bauernblatt Schleswig-Holstein und auf Instagram informiert:  instagram.com/land​wirtschaftskammersh/

Nord-Süd-Gefälle bestätigt Gunststandort Schleswig-Holstein

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Spitzenmäßige Betriebsergebnisse – insbesondere in Schleswig-Holstein – weist der jüngste Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) aus. Ausschlaggebend dafür sind die guten Ernten im vergangenen Jahr sowie hohe Markterlöse für Ackererzeugnisse, Milch und Fleisch. Faktoren für das erkennbare Nord-Süd-Gefälle waren laut DBV-Präsident Joachim Rukwied die größeren Betriebsstrukturen im Norden und der höhere Anteil an Sonderkulturbetrieben und deren vergleichsweise schlechte Jahresergebnisse in den südlichen Bundesländern.

In nackten Zahlen: Im Wirtschaftsjahr 2022/2023 erreichten die Unternehmens­ergebnisse in Schleswig-Holstein ein durchschnittliches Niveau von 180.000 €; in Baden-Württemberg waren es nur knapp 80.000 €, in Bayern knapp 90.000 €. Selbst in den von größeren Betriebsstrukturen geprägten ostdeutschen Ländern wurden mit durchschnittlich knapp 170.000 € schwächere Ergebnisse als in Schleswig-Holstein erzielt. Das unterstreicht, dass Schleswig-Holstein für die landwirtschaftliche Produktion ein absoluter Gunststandort ist – nicht nur im globalen, sondern auch im nationalen Vergleich.

Extensivierungsvorhaben verursachen dadurch im nördlichsten Bundesland vergleichsweise hohe Wertschöpfungsverluste, was zum Beispiel den geringen Anteil an Ökobetrieben in Schleswig-Holstein von rund 8 % erklärt; in Bayern und Baden-Württemberg sind es jeweils knapp 15 %. Zu hinterfragen ist in diesem Zusammenhang auch, ob die Prämienhöhen für die Ökoregelungen im Rahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik nicht regionalisiert werden müssten, damit die Maßnahmen von schleswig-holsteinischen Betrieben in gleichem Maße durchgeführt werden wie von Betrieben im Süden der Republik. Der Situationsbericht belegt: Die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein ist robust und erfolgreich. Als Wirtschaftsmotor im ländlichen Raum trägt sie zudem erheblich zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land bei.

Und obwohl der Anteil von Landwirten an der Gesamtbevölkerung in Deutschland nur noch gut 1 % beträgt, rücken landwirtschaftliche Themen wieder verstärkt in den Fokus des allgemeinen Interesses: Neben der Ernährungssicherheit gehören dazu Energiewende, Klimawandel, Tierwohl und Artenvielfalt. Entsprechend bringt sich die konservative Europäische Volkspartei (EVP) bereits für die im Juni stattfindende Europawahl als „Bauernpartei“ in Stellung. Auch die CDU buhlt mit ihrem neuen Grundsatzprogramm um die Gunst der Bäuerinnen und Bauern und betont die wachsende Bedeutung der Ernährungssicherheit. Schließlich geht aus dem Situationsbericht auch hervor, dass der Selbstversorgungsgrad an Nahrungsmitteln in Deutschland nur 86 % beträgt (inklusive importierter Futtermittel).

Fest steht: Um die Rolle des Lösungsanbieters bei den Herausforderungen der Ernährungssicherheit sowie im Klima-, Umwelt- und Artenschutz erfolgreich auszufüllen, muss Landwirtschaft wettbewerbsfähig sein. In Schleswig-Holstein ist das – zumindest im Wirtschaftsjahr 2022/2023 – so gewesen.

Dr. Robert Quakernack. Foto: bb

Wir bringen euch zum Strahlen!

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Wie kann man kranken Kindern vor Weihnachten eine Freude machen? Vielleicht mit einer Parade bunt beleuchteter Trecker. Seit Jahren wird die Aktion „Wir bringen euch zum Strahlen“ von Landwirten unternommen, so auch dieses Mal.

Aufstellung zur Abfahrt in Eichede

Am vorigen Sonnabend sammelten sich 35 geschmückte Trecker in Eichede, Ortsteil der Gemeinde Steinburg im Kreis Stormarn. Der Treck zog über Hammoor und Glinde zum Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) in Hamburg. Diesmal hatte die Hamburger Polizei die Tour durch die Mönckebergstraße und über den Jungfernstieg geführt. So viele beleuchtete Trecker hat der Wagenmeister vor dem Hotel „Vier Jahreszeiten“ sicher noch nie gesehen. Am UKE konnte ein Spendenscheck der Landwirte in Höhe von 1.570,72 € überreicht werden.

Die Aktion wird diesen Sonnabend am Universitätskrankenhaus (UKSH) in Lübeck wiederholt. Spendenkonto: Empfänger WBEZS, IBAN: DE13 2019 0109 0055 0822 30kel

Über den Jungfernstieg an der Binnenalster
1.570,72 € Spenden kamen zusammen. Fotos: Steinburger Agraraction

Scheck an die Pferdeklappe überreicht

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Knapp neun Monate lang wurde daran gearbeitet, nun ist die Erstausgabe von „Pferdeklappe – das Magazin“ erschienen. Die Hälfte des Nettoverkaufserlöses geht an die Pferdeklappe in Norderbrarup, Kreis Schleswig-Flensburg. Peter Rathmann, Chef des RathmannVerlags, und Projektleiterin Mali­na Blunck überreichten Petra Teegen, Gründerin der Pferdeklappe, einen Scheck über 12.000 €.

Die 70-Jährige ist glücklich: „Diese Summe ist natürlich eine große Hilfe und kommt genau zur richtigen, spendenärmeren Zeit. Dass sich die Nachfrage nach dem Magazin so immens entwickelt, dass wir sogar Bestellungen aus Lettland, Schweden, den USA und Kanada haben – damit hätte wohl niemand gerechnet.“

Nun steht auch fest, dass das Magazin keine einmalige Aktion war: Im Dezember 2024 erscheint die zweite Auflage. pm

Dekorative Vergänglichkeit

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Viele Gärtner greifen gleich nach der Blüte zur Schere und entfernen die verblichene Pracht. Dafür gibt es ja auch gute Gründe. Die Blühfreudigkeit von Rosen etwa kann leiden, wenn sie ihre geballte Energie in die Ausbildung der Hagebutten stecken. Bei Funkien sprechen hingegen eher optische Gründe dafür, den traurigen, vertrockneten Blütenstängel wegzuschneiden. So ruinieren sie nicht länger den schmuckvollen Gesamteindruck der grünen Blattschöpfe.

Doch es gibt auch Pflanzen mit derart fotogenen Samenständen, dass man hier gar nicht zur Schere greifen mag. Die Zeichen der Vergänglichkeit verleihen diesen Samenständen einen ganz besonderen Charme.

Im Abblühen nimmt diese Hortensie eine beeindruckende rote Farbe an. Foto: Karin Stern

Schon der Potsdamer Staudenzüchter Karl Foerster sinnierte über den morbiden Zauber verblühender Hortensien und kam zu dem Schluss, dass „keine Blume schöner stirbt“. Wer schon einmal das Werden und Vergehen der kugelförmigen Blüten beobachtet hat, weiß um den Übergang der oft knalligen Farben, die nach und nach vergrünen und schließlich gänzlich verblassen. In Beige, Karamellbraun oder einem Hellgrau wirken sie immer noch wie kleine Kunstwerke und eignen sich sehr gut für herbstliche Kränze oder Trockengestecke. Doch für diesen Zweck muss man nicht warten, bis die Blüten komplett eingetrocknet sind. Wer farbige Blütenstände trocknen möchte, schneidet sie zum Höhepunkt der Blüte etwa 15 bis 20 cm unterhalb des Blütenansatzes ab. Kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort aufgehängt, behalten sie auch in trockenem Zustand ihre Farbe. Tipp: Das Verblühte dient Hortensien als Schutz gegen den Frost, daher mit Beginn der kalten Jahreszeit keine Blütendolden mehr abschneiden.

Doch auch andere Pflanzen haben noch einiges zu bieten, wenn das Farbspektakel der Blüten längst vergangen ist. Bis weit in den Herbst, ja manchmal sogar bis in den Winter hinein bleibt die dekorative Wirkung bizarrer Fruchtkörper und Samenstände erhalten – im wahrsten Wortsinn „bis zum Umfallen“. So beweist der Samenstand des Riesen-Zierlauchs (Allium giganteum) auch in vertrocknetem Zustand noch eine erstaunliche Standfestigkeit, die der Pflanze einen zusätzlichen Zierwert verleiht. Die eigentliche Blütezeit dauert von Juni bis Juli und kann sich je nach Witterung auch bis in den August hineinziehen. Der Wärme liebende Zierlauch braucht einen vollsonnigen Platz mit gut durchlässigem, lockerem und nährstoffreichem Boden. Auch die Samenstände des Sternkugel-Lauchs (Allium christophii) sind überaus dekorativ. Mit 40 cm Höhe bleibt er niedriger als der Riesen-Zierlauch und blüht auch etwas früher von Mai bis Juni.

Die verblühten Kugelblüten des Zierlauchs harmonieren perfekt mit Schafgarbe, Lilie und Reitgras. Foto: Karin Stern

Das Reich der Stauden bietet auch in Sachen Fruchtstände Sehenswertes, das von der Schere verschont bleiben sollte. Der Aronstab (Arum) punktet mit dekorativen Blättern, interessanten Blüten und leuchtenden Beeren. Die Blätter ziehen schon bald nach der zeitigen Blüte von April bis Mai ein. Nur der Fruchtstand mit seinen dekorativen, roten Beeren ist dann noch bis in den Oktober hinein zu bewundern. Sie sind jedoch wie alle Teile der Pflanze giftig. Der Saft kann Haut und Augen reizen und die Beeren dürfen keinesfalls verzehrt werden. Die attraktiven Fruchtstände der Gräser fallen ebenfalls erst zum Saisonausklang so richtig ins Auge. Die fedrigen Blütenstände des Lampenputzergrases (Pennisetum alopecuroides) setzen bis in den Winter hinein an sonnigen Standorten Akzente. Die attraktiven, reichlich verzweigten Blütenstände der Rutenhirse (Panicum virgatum) werden durch den kompakten Blattschopf schön zur Geltung gebracht. Die vielen Sorten variieren in ihrer Höhe von 60 cm bis 2 m. Sehr beliebt ist die Rutenhirse auch wegen ihrer spektakulären Herbstfärbung.

Lampenputzer- und Federborstengras treiben im Frühjahr erst spät aus, bleiben dafür aber noch bis weit in den Winter hinein standfest. Dies gilt auch für das Chinaschilf ‚Ferner Osten‘ (Miscanthus sinensis). Diese wertvolle Auslese punktet zudem mit zweifarbigen Blüten und einer orangeroten Herbstfärbung. Die halbhoch wachsende Sorte wird gern als Solitär gepflanzt, eignet sich in größeren Gärten in der Gruppe zudem gut als strukturgebendes Element.

Chinaschilf ,Ferner Osten‘ zeichnet sich durch rosarote Blüten mit silbrig-weißen Blütenspitzen aus. Foto: Karin Stern

Unter den Stauden, die auch nach dem Samenansatz noch ausgesprochen attraktiv aussehen, sind Mannstreu (Eryngium), Purpursonnenhut (Echinacea), Schafgarbe (Alchemilla), Sonnenhut ‚Goldsturm‘ (Rudbeckia fulgida var. sullivantii), Silberkerze (Cimicifuga), Fetthenne (Sedum) und das Brandkraut (Phlomis tuberosa) unbedingt zu nennen. Doch das Stehenlassen der Samenstände bringt natürlich auch den einen oder anderen Sämling mit sich, der sich aus den herausgefallenen Samen entwickelt. Bei den bisher genannten Arten spielt dies eher eine untergeordnete Rolle. Unerwünschte Keimlinge lassen sich leicht jäten. Bei manchen Arten ist allerdings etwas Fingerspitzengefühl angesagt, damit sie nicht überhandnehmen. Der Balkan-Bärenklau (Acanthus hungaricus) ist im Beet eine sehr auffällige Erscheinung und sorgt auch noch nach der Blüte mit aparten Fruchtständen für Aufsehen. Er schleudert seine Samen daraus jedoch explosionsartig hervor, sodass sie sich bis in den letzten Gartenwinkel verteilen. Wer das nicht möchte, schneidet entweder rechtzeitig zurück oder zupft im nächsten Frühjahr die überflüssigen Sämlinge einfach aus.

„Das Schwulsein ist unsere kleinste Rolle“

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Dass ein schwuler Mann Landwirt ist, und das mit ganzem Herzen, darauf würden viele Menschen erst mal nicht kommen, auch nicht in der schwulen Szene selbst, und viele sind es auch nicht, auf die das zutrifft. Aber es gibt sie, und um sich unter Ihresgleichen auszutauschen, wurde 1999 „Gayfarmer“ gegründet. Das Männerpaar Christian Jacobsen und Markus Panna aus Holtsee im Kreis Rendsburg-Eckernförde und Sven Kasten aus Lammershagen bei Selent engagieren sich dort – und haben dieses Jahr eine WhatsApp-Gruppe für den Norden aufgebaut.

Die drei Männer treffen sich zum Gespräch mit dem Bauernblatt auf dem Jacobsen-Hof in Holtsee. Die Runde ist fröhlich und redselig. „Nicht alle haben es so leicht wie wir“, betont Markus Panna. „Wir sind hier in unserer Familie, und wir sind so, wie wir sind“, sagt Christian Jacobsen, und Sven Kasten ergänzt: „Wir sind ins Dorfleben eingebunden, bringen uns in die Gemeinde ein. Das Schwulsein ist die kleinste Rolle dabei.“

So werde ihnen das auch in der Nachbarschaft und von Berufskollegen, etwa von Lieferanten widergespiegelt. „Alle wissen, dass wir schwul sind, und es ist kein Thema. Wir hören keine Sprüche.“ Man habe kein Geheimnis daraus gemacht, und die Leute hätten sich daran gewöhnt. „Wenn man sich entschieden hat, sich zu outen, sollte man nicht zu lange warten, sonst wissen es schon alle, und dann wird geredet. Deshalb sagt man es lieber gleich“, ist die Erfahrung von Christian. Allerdings: „Man muss der Familie und Freunden auch Zeit geben und sie mitnehmen. Man hat ja selber Jahre gebraucht, bis man zu seiner Identität gefunden hat“, meint er.

Christian (37) und Markus (43) sind seit zehn Jahren ein Paar. Kennengelernt haben sie sich über eine Kontaktplattform. Vor einem Jahr haben sie in der Mühle Wittensee geheiratet. „Die Besitzerin hat irritiert gefragt, wo denn die Braut bleibe“, erzählt Markus und lacht. Christian ist Agrar-Betriebswirt. Der Hof wird seinen Eltern betrieben. Sie halten 60 Stück Angler Rotvieh, bewirtschaften 75 ha, davon 50 ha Grünland. Markus stammt aus Oeversee bei Flensburg, ist Energieelektroniker, arbeitet auswärts und hilft auf dem Betrieb „mit eigenem Schlepper“. „Wenn man Freizeit miteinander haben will, muss man eben auch mithelfen“, meint er.

Sven (35) ist Account Manager für einen holländischen Gartencenter-Konzern, nebenbei Hobbylandwirt – vier Dexter-Fleischrinder, Gänse, Hühner, 4 ha Land. Vor zwei Jahren ist er von Hamburg in den nördlichen Kreis Plön gezogen. „Ich musste aus der Stadt raus!“ Er ist bei Wankendorf groß geworden, hat als Kind zusammen mit seinem Opa auf einem Gut gearbeitet. „Die Landwirtschaft ist mein Traum!“

Schwierige Kontaktsuche

Sven hat keinen Partner, und da scheint dann doch eine Problematik auf. „Es ist schwierig, jemanden zu finden, der für die Landwirtschaft Interesse hat. Landbegeistert, tierbegeistert, Liebe zur Natur – das ist eine seltene Sparte. Man denkt nicht, dass ein Schwuler solche Interessen haben kann.“ In der Szene sei man sehr städtisch orientiert, habe andere Themen: Mode, Kultur. Und wenn man Tiere hält, könne man nicht ständig weg. Da ist Christian gut dran, weil er Unterstützung von seinen Eltern hat.

Und so kommt die „Berufsgruppenvereinigung Gayfarmer“ ins Spiel. Es sind „homosexuelle Männer und Frauen, die in den Grünen Berufen arbeiten oder einen direkten Bezug dazu haben“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt. Bundesweit sind es inzwischen rund 400 Aktive, Lesben allerdings in der Minderzahl, „keine zehn“. Eine entsprechende Lesbenorganisation ist den Männern nicht bekannt.

Das Altersspektrum reicht von 20 bis 80. Auch Familienmitglieder und Freunde von Homosexuellen sind willkommen, insbesondere die der Gastgeber. Einmal im Jahr gibt es ein Treffen an wechselnden Orten in Deutschland. Da kämen so 60 bis 80 Leute zusammen, die Hälfte von ihnen entsprechend der Anfahrtstrecke wechselnd, die andere Hälfte der „harte Kern“. Nicht nötig zu erwähnen, zu welcher Hälfte die drei Männer gehören, die hier sitzen.

Bei den Treffen gibt es immer ein Fachprogramm zu den Grünen Berufen – Betriebsführungen, Exkursionen, Vorträge, auch mal ein Freilichtmuseum. Zwar sind die wenigsten Vollerwerbslandwirte, es gibt Hobbylandwirte, Ziegen-, Schaf-, Hühnerhalter, auch Gärtner sind dabei, Leute ohne eigenen Hof, „aber mit viel Fachwissen“. Viele machen Direktvermarktung, bieten Übernachtungen an. Schwule Themen spielten eher am Rande eine Rolle, beim Schnacken am Abend und Zwischendurch. Aber natürlich sind sie wichtig, und sei es als Hintergrund. „Man ist unter Seinesgleichen, wird anders aufgenommen“, sagt Markus.

WhatsApp-Gruppe Nord

Bei Gayfarmer gibt es grob gesagt fünf regionale Gruppen. Im März dieses Jahres haben die drei Männer eine WhatsApp-Gruppe für den Norden gegründet – Schleswig-Holstein, Hamburg, nördliches Niedersachsen und westliches Mecklenburg, „Bremer haben wir noch nicht“. Schon jetzt seien 40 bis 50 dabei, und „es ist im Wachstum“. Drei Mal im Jahr wollen sie ein Nordtreffen veranstalten, ohne Programm, mit Grillen oder Punschen.

Bei aller Geselligkeit: Natürlich erhalten Kollegen Hilfe, die es nicht so leicht haben, die unter Anfeindungen leiden, die mit dem Outing zögern. Wenn Fotos gemacht werden, wird darauf besonders sensibel geachtet. „In der Landwirtschaft herrscht manchmal schon ein rauer Ton“, weiß Sven. „Viele Bauern haben gar keine Berührungspunkte mit Schwulen.“ Die Mutter eines Gastgebers, die wohl große Probleme damit hatte, war für die ganze Zeit des Treffens verschwunden. Mit der härteste Spruch, der gehört wurde, war: „Wenn der mit ‘nem Jungen im Bett ist, jag ich ihn vom Hof!“ Es könne sein, meint Christian, dass Gayfarmer den einen oder anderen vor dem Selbstmord bewahrt hat.

Dabei setzen die Männer auf die Zukunft. Die junge Generation sei viel offener und entspannter. Christian hat einen sehr viel jüngeren Bruder von 17 Jahren. „Für ihn ist das Schwulsein seines Bruders normal, er kennt es gar nicht anders.“

Informationen und Kontakt unter: www.gayfarmer.de

Grünlandpflege ist wichtig

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Ein warmer und sehr nasser August und ein ebenfalls warmer, aber trockener September boten gute Entwicklungsmöglichkeiten für die Larven der Wiesenschnake. Ein erster Befall ist an Weißklee und jungen Gräsern sichtbar. Die Ergebnisse des Monitorings der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein geben einen Überblick über die aktuelle Situation. Der Befall ist zwar im Schnitt gestiegen, aber Schadschwellen werden nicht überschritten.

Die Wiesenschnake (Tipula paludosa) gehört zur Gruppe der Zweiflügler (Diptera) und dort zu den Schnaken (Tipulidae). Die adulten Tiere sind auffallend langbeinig und sehr schlank. Ihr Körper hat eine graue Färbung, und sie besitzen 14-gliedrige Fühler. Die Vorderflügel sind braungelb, während die Hinterflügel stark reduziert sind. Die Tipula-Larven haben einen 30 bis 40 mm langen, walzenförmigen Körper. Die Haut ist grau gefärbt mit kurzen Borsten. Am Hinterteil befinden sich sechs arttypische Fortsätze, die sogenannte Teufelsfratze.

Lebenszyklus des Insektes

Im Juni verpuppen sich die Tipula-Larven zirka 10 cm tief im Boden. Aus der bräunlichen, lang gestreckten Puppe schlüpft nach zwei bis drei Wochen eine junge Wiesenschnake. Diese hat ihren Hauptzuflug im August und September und nur eine begrenzte Lebensdauer von zehn Tagen. Ein Weibchen legt durchschnittlich etwa 300 Eier auf die Grünlandoberfläche. Die Weibchen können nur zirka 5 m am Stück fliegen und sind daher standorttreu.

Aus den länglichen, schwarz glänzenden Eiern schlüpfen bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit nach zwei bis drei Wochen die Larven. Die ersten drei Stadien verbringen die Tipula-Larven in der obersten Bodenschicht. Oberirdischer Fraß kann nachts und an regnerischen Tagen erfolgen. Nach der dritten Häutung verziehen sich die Larven in tiefere Bodenschichten, um sich im Anschluss zu verpuppen. Insbesondere in den letzten Larvenstadien erfolgt ein intensiver Reifungsfraß.

Die Grünlandnarbe ist durch Kahlstellen der Tipula-Larven beschädigt. Foto: M. Popp

Witterungseinflüsse auf die Population

Für die Eiablage bevorzugen die Weibchen der Wiesenschnake höhere und dichte Grasnarben. Die Wasseraufnahme der Eier erfolgt sowohl durch Regen- als auch durch Tautropfen. Bei trockener Witterung mit hohen Temperaturen im August und September können die Eier austrocknen. Nach dem Schlupf der Larven sind Moore, aber auch Feuchtgebiete präferierte Lagen. Eine feuchtwarme Witterung ist förderlich für die Entwicklung der Tiere.

Tipula-Monitoring 2023

Auch in diesem Jahr wurde die Larvenanzahl pro Quadratmeter an zahlreichen Monitoringstandorten von der Landwirtschaftskammer erhoben. Die Erhebung erfolgt mithilfe der Salzwassermethode. Von jedem Standort werden dafür vier Grassoden (25 x 25 x 5 cm) entnommen. Diese werden einzeln in eine Salzwasserlösung (2 kg Salz auf 10 l Wasser) gelegt. Die Wassertemperatur sollte idealerweise 35 °C betragen. Nach zirka 30 min können die an der Wasseroberfläche schwimmenden Tipula-Larven dann gezählt werden. Die Zahl der Larven muss mit dem Faktor 16 multipliziert werden, um die Anzahl der Larven je Quadratmeter zu erhalten. Die Schadschwelle liegt im Herbst bei 300 Larven und im Frühjahr bei 100 Larven je Quadratmeter.

In der Tabelle sind die diesjährigen Ergebnisse dargestellt. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren hat der durchschnittliche Befall leicht zugenommen. An keinem der Standorte konnte aber eine Schadschwellenüberschreitung festgestellt werden. Jedoch lag der Befall teilweise deutlich über dem Landesdurchschnitt. Der Einfluss der Witterung auf die Larvenentwicklung war hier entscheidend.

Vorbeugende Maßnahmen treffen

Die Narben sollten besonders während der Eiablage im August und September kurz gehalten werden, auch das Mähen von Geilstellen hat einen Effekt auf die Eiablage der Wiesenschnake. Der Einsatz von Kalkstickstoff kann unter günstigen Bedingungen die Mortalität der Larven erhöhen. Es sollten 2 bis 3 dt/ha Kalkstickstoff ausgebracht werden. Feuchtigkeit nach der Anwendung ist für einen Erfolg wichtig. Wirkungsgrade von 40 bis 50 % gegen die Eier und das L1-Stadium der Larven können unter guten Voraussetzungen erzielt werden. Es gibt in Deutschland keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Tipula-Larven.

Fazit

Trotz eines überdurchschnittlich nassen Augusts konnte sich die Larvenpopulation in diesem Jahr nicht zu einem flächendeckenden Problem entwickeln. An einigen Standorten konnte starker Befall festgestellt werden, jedoch hatte der trockene September zur Folge, dass es zu keiner Schadschwellenüberschreitung im Herbst kam. Eine gepflegte Grünlandnarbe und eine regelmäßige Nachsaat wirken sich positiv auf das Befallsgeschehen aus.