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Witterung und Unkräutern trotzen

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Hohe Niederschläge im Winter und Frühjahr lassen trotz hoher Bodentemperaturen die Maisaussaatvorbereitungen nur langsam voranschreiten. Die Witterung bietet ideale Bedingungen für eine erfolgreiche Entwicklung der Unkräuter und Ungräser. Herbizidanwendungen im Mais sollten daher sorgfältig geplant sein.

Entsprechend der GAP-Reform darf Mais nach Mais nur eingeschränkt angebaut werden. Im dritten Jahr muss ein echter Fruchtwechsel erfolgen. Der Anbau einer Mais-Mischkultur erfüllt den Fruchtwechsel. Um Mais im zweiten Anbaujahr hintereinander anbauen zu dürfen, muss auf einem Drittel der Flächen eine Zwischenfrucht ausgedrillt oder eine Grasuntersaat etabliert werden.

Aus solchen Pflanzen können sich viele Ähren mit Samen entwickeln, die sich im Bodenhorizont anreichern. Foto: Manja Landschreiber

Grundsätzlich sollten bei der Planung der Herbizidanwendung einige Faktoren berücksichtigt werden, damit die ausgewählten Herbizide auf ein notwendiges Maß beschränkt werden können, aber auch eine Ertragsabsicherung erfolgen kann. Folgende Fragen sollten vor der Herbizidanwendung beantwortet sein:

Darf ich Terbuthylazin einsetzen (nur einmal innerhalb eines Dreijahreszeitraumes)?

Muss ich aufgrund des Unkraut- und Ungrasbesatzes eine Spritzfolge planen?

Reicht eine Einmalbehandlung aus?

Möchte ich eine Grasuntersaat einbringen?

Habe ich Probleme mit Schadgräsern (Hirsearten oder Ackerfuchsschwanz)?

Möchte ich eine mechanische Maßnahme wie beispielsweise Striegeln oder Hacken durchführen?

Rechtliche Anpassungen beachten

Seit einigen Jahren darf der Wirkstoff Terbuthylazin nur noch einmal innerhalb eines Dreijahreszeitraumes eingesetzt werden, somit ist eine Anwendung in den folgenden zwei Jahren unzulässig. Ebenso dürfen Produkte mit diesem Wirkstoff nur einmal eingesetzt werden. Das heißt, dass ein Splitting oder eine Spritzfolge nicht erlaubt sind.

Am 22. Januar hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Zulassung für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff S-Metola­chlor zum 23. April widerrufen. Somit dürfen Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff (etwa Gardo Gold, Dual Gold) nur noch bis zum Ende der Abverkaufs- und Aufbrauchsfrist am 23. Juli eingesetzt werden. Danach sind Restmengen entsorgungspflichtig. Es gilt auch die NG 300 zu beachten, diese untersagt die Anwendung von s-metolachlorhaltigen Pflanzenschutzmitteln in Wasserschutz- und Heilquellenschutzgebieten.

Wofür brauchen wir Herbizide?

Mais hat insbesondere bei niedrigen Temperaturen eine langsame Jugendentwicklung und ist bis zum Achtblattstadium sehr konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern und Ungräsern. Daher zielen die ersten Herbizidmaßnahmen darauf ab, der Maispflanze in ihrer Entwicklung zu fördern. Ein hoher Anteil von Mais in der Fruchtfolge hat sehr häufig die Konsequenz, dass eine Spritzfolge durchgeführt werden sollte. Wird hingegen Mais in einer weiten Fruchtfolge mit Sommer- und Winterkulturen angebaut, kann eine Einmalbehandlung angestrebt werden. Bei erhöhter Ackerfuchsschwanz-Problematik mit sollte wiederum eine Spritzfolge in Betracht gezogen werden.

Maisherbizide in einer Spritzfolge

Erfolgt ein intensiver Maisanbau, ergibt sich häufig eine verstärkte Verunkrautung mit beispielsweise Hirsearten, Windenknöterich, Schwarzem Nachtschatten oder Storchschnabel. Auf derartigen Flächen sollte eine Spritzfolge mit einer Vorlage durch ein Bodenherbizid angestrebt werden. In Abbildung 1 sind verschiedene Bodenwirkstoffe dargestellt.

Quelle: LKSH

Eine Kombination mit einem blattaktiven Partner sollte angestrebt werden, mit Ausnahme des Produktes Adengo, da dieses bereits im Vorauflauf eingesetzt werden sollte. Der Anwendungstermin für die weiteren Produkte sollte im Ein- bis Zweiblattstadium der Unkräuter erfolgen. So können auch Unkräuter und Ungräser im Keimblattstadium erfasst werden.

Neben einer ausgeprägten Wachsschicht der Maispflanzen ist ausreichende Bodenfeuchtigkeit für eine gute Wirkung essenziell. Eine Empfehlung für den Herbizideinsatz in einer weiten Fruchtfolge folgt Anfang Mai in Ausgabe 18.

Der Maisbestand muss bis zum Achtblattstadium frei von Unkräutern gehalten werden, damit er konkurrenzfähig bleibt. Foto: Nils Bols

Ackerfuchsschwanz – Bedeutung wächst

Auch im Mais spielt Ackerfuchsschwanz – vielleicht mit Ausnahme der sehr leichten Flächen – inzwischen eine bedeutende Rolle. Ein Grund dafür ist, dass die Kultur Mais bewusst auf diesen Flächen Einzug gehalten hat, um die winterkulturlastigen Fruchtfolgen aufzulockern und so den Faktor Sommerung bewusst zur Ackerfuchsschwanzreduzierung zu nutzen. Der Vorteil liegt sicherlich im späten Aussaattermin und dem damit verbundenen reduzierten Auflauf des Ackerfuchsschwanzes. Aber ist erst einmal genügend Samenpotenzial im Boden, reicht das allein nicht aus, sondern die eingesetzten Herbizide müssen dafür sorgen, dass kein neuer Ungrassamen in die Bodenkrume gelangt.

Wie im Getreide oder Winterraps liegt auch im Mais der Schlüssel einer erfolgreichen Ackerfuchsschwanzbekämpfung im Einsatz der Bodenherbizide. Ausreichende Bodenfeuchtigkeit vorausgesetzt, erreichen 3,0 bis 4,0 l/ha Gardo Gold Wirkungsgrade um die 40 %. Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, aber jeder im Vorauflauf bekämpfte Ackerfuchsschwanz nimmt Druck von den nachfolgend eingesetzten ALS-Hemmern. Denn je geringer die Ackerfuchsschwanzpopulation bei dieser Anwendung ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für die Ausbildung von Resistenzen.

In puncto Wirksamkeit der ALS-Hemmer hat sich in zweijährigen Versuchen der Landwirtschaftskammer eine klare Rangfolge herauskristallisiert (Abbildung 2). Sicherlich liegt es nahe, sofort und immer das leistungsstärkste Produkt – hier MaisTer Power – einzusetzen. Allerdings birgt das auch Gefahren, denn die Anwendungshäufigkeit ist der Motor der Resistenzentwicklung. Jede Anwendung übt auf den Ackerfuchsschwanz Selektionsdruck aus. Das bedeutet: Überleben Ackerfuchsschwanzpflanzen das derzeit stärkste Produkt mit den Wirkstoffen Foramsulfuron und Thiencarbazone, geben sie diese Information weiter. Je nach Fruchtfolge und Anwendungshäufigkeit kann sich somit aus Einzelpflanzen ein Problem entwickeln.

Quelle: LKSH

Erschwerend kommt hinzu, dass in Resistenzuntersuchungen von Ackerfuchsschwanzsamen Minderwirkungen festgestellt wurden, obwohl dort noch kein Mais angebaut und somit auch kein MaisTer Power eingesetzt wurde.

Mais als Mischkultur

Ein echter Fruchtwechsel muss alle zwei Jahre erfolgen, wobei Mais als Mischkultur eine gute Möglichkeit darstellt. Der Anbau sollte insbesondere im Hinblick auf die nur eingeschränkt zur Verfügung stehenden Herbizide sorgfältig geplant werden. Es dürfen nur Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, welche in beiden Mischkulturen zugelassen sind. Weitere Informationen zu den Mais-Mischkulturen gab es im Artikel „Steigerung der Artenvielfalt durch Maisgemenge“ vom 23. März (Ausgabe 12).

Das Anhäufeln von Erde an die Maisreihe kurz vor Reihenschluss kann zu groß gewordene Unkräuter nicht mehr verschütten. Foto: Nils Bols

Mais mit Grasuntersaaten

Grasuntersaaten im Maisanbau können Erosionen über die Wintermonate reduzieren und fixieren nicht genutzten Stickstoff im Boden nach der Ernte. Im Hinblick auf die GAP-Reform können die Untersaaten eine Möglichkeit sein, einen höheren Anteil von Mais in der Fruchtfolge anzubauen. Weitere Informationen hierzu im Artikel „Fruchtfolgen mit hohem Maisanteil“ vom 6. April (Ausgabe 14).

Hacken und Striegeln im Mais

Mechanische Geräte zur Unkraut- und Ungrasbekämpfung können vielfältig zum Einsatz kommen. Neben Striegeln können auch Reihenhacken eingesetzt werden. Ein Zinkenstriegel kann sehr gut im Vorauflauf eingesetzt werden. Beim Blindstriegeln sollten die Keimlinge im Fädchenstadium bis maximal im Keimblattstadium erfasst werden. Trockene, sonnige Witterung ist dringend erforderlich.

Mit dem Keimen und Auflaufen nimmt die Empfindlichkeit der Maispflanzen zu, sodass die Geschwindigkeit und Aggressivität des Striegels reduziert werden sollten. Ab dem Zweiblattstadium des Maises kann wieder gestriegelt werden, wenn die Kulturverträglichkeit es zulässt. In den Versuchen der vergangenen Jahre wurden mit diesen beiden Striegelterminen und einer folgenden chemischen Herbizidanwendung gute Ergebnisse erzielt.

Eine Reihenhacke lässt sich zu jedem Zeitpunkt einsetzen, jedoch sollte darauf geachtet werden, dass die Maispflanzen groß genug sind, damit sie nicht verschüttet werden. Auch zu große Unkräuter und Ungräser können nicht mehr sicher erfasst werden. Insbesondere bei einer unzureichenden Herbizidwirkung in den Mischkulturen kann eine mechanische Unkrautregulierung den Ertrag absichern. Die Tabelle 1 zeigt eine Übersicht über mögliche Anwendungstermine mechanischer Geräte im Mais.

Quelle: LKSH

Fazit

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere von Herbiziden, sichert den Ertrag ab. Auf Standorten mit einem hohen Maisanteil in der Fruchtfolge können vermehrt schwer bekämpfbare Unkräuter auftreten. Auf diesen Flächen empfiehlt sich eine Spritzfolge. In Mais-Mischkulturen oder wenn die Herbizidanwendungen nicht ausreichend gewirkt haben, kann ein Striegel oder eine Hacke einen sehr guten Effekt haben. Möglichkeiten zur Nachbehandlung des Maises erscheinen in Ausgabe 18 Anfang Mai:„Herbizideinsatz im Mais – Teil 2: Nachauflauf“.

Tabelle 2: Wirksamkeit ausgewählter Herbizide im Mais:
https://www.bauernblatt.com/wp-content/uploads/2024/04/1624-Bols-Tab.2-scaled.jpg

Auflagen der Herbizide im Mais: https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Landwirtschaft/Pflanzenschutz/Pflanzenschutzmittel_Ackerkulturen/Herbizide/Mais_Herbizide_Abstandsauflagen.pdf

Diskussionsgrundlage sorgt schon für Verärgerung

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Noch bedeckt halten sich sowohl der Deutsche Bauernverband (DBV) als auch der Industrieverband Agrar (IVA) im Hinblick auf das vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) für den Sommer angekündigte „Zukunftsprogramm Pflanzenschutz“. Die Diskussionsgrundlage dazu befindet sich in der Verbändeanhörung. DBV und IVA wollen ihren Stellungnahmen nicht vorgreifen.

Auf Anfrage stellten die Pressesprecher beider Verbände fest, dass noch daran gearbeitet werde. Der DBV will seine Stellungnahme bis zum 19. April fertig haben. Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) hatte bereits zum Start des Beteiligungsprozesses vor einer pauschalen Reduktion um 50 % bei allen Pflanzenschutzmitteln bis 2030 gewarnt. Das würde den Gartenbau vor nicht bewältigbare Probleme stellen. Die Frist für die Abgabe der Stellungnahmen läuft bis zum 3. Mai. Bis Ende Juni sollen diese dann laut BMEL ausgewertet und das Programm erarbeitet werden.

An der landwirtschaftlichen Basis zeigt man sich indes über das „Ideenpapier“ des Agrarressorts verärgert. Den Anlass dazu bildet insbesondere der schon vom ZVG angeprangerte Passus „Ziel ist es – in Anlehnung an die Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission –, bis 2030 die Verwendung und das Risiko von chemischen Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent zu verringern“. Bekanntlich ist der Verordnungsvorschlag der Kommission zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR), der dieses Ziel verfolgte, gescheitert.

Dreiklang der Maßnahmen

Das BMEL spricht in dem Papier von einem „Dreiklang“ an Maßnahmen: Erstens soll der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln auf allen Flächen ambitioniert reduziert, zweitens sollen Rückzugsräume für die Biodiversität in der Agrarlandschaft geschaffen und drittens der Biodiversitätsschutz in Schutzgebieten wirksam ausgestaltet werden. Als mögliche Stellschrauben werden die Stärkung des Integrierten Pflanzenschutzes, der Ausbau des Ökolandbaus und die Fokussierung der Forschungsförderung auf alternative Pflanzenschutzverfahren genannt, außerdem die Prüfung weiterer Anreize für den Verzicht auf die Anwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln gemeinsam mit den Ländern, die Schaffung von Refugial­flächen, eine Wertschätzungsoffensive für Obst und Gemüse sowie die Stärkung von regionalen Wertschöpfungsketten.

Weiter heißt es, dass es auch wichtig sei, die externen Kosten des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln weiter zu internalisieren. Angestrebt wird ein verbessertes Monitoring auf der Basis weiterentwickelter Indikatoren, die ein Nachjustieren ermöglichen. Hierbei sollen die im Rahmen verschiedener Volksbegehren für Artenvielfalt bereits erarbeiteten Pestizidreduktionsprogramme der Bundesländer, wie etwa Baden-Württembergs und Niedersachsens, berücksichtigt werden. „Wo immer möglich, nutzen wir Synergien“, so das BMEL.

Auf Glyphosat verzichten

Hinsichtlich des gewollten Ausbaus des Ökolandbaus nennt das Ministerium weiterhin das Flächenziel von 30 % bis zum Jahr 2030, da dieser ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel auskomme und Herbizide komplett verboten seien. Auf die Anwendung von Glyphosat soll die deutsche Landwirtschaft ungeachtet der EU-Neuzulassung verzichten. Zum betreffenden Kommissionsbeschluss heißt es: „Wir halten diese Entscheidung für falsch, denn es gibt nach wie vor Datenlücken bei der Bewertung der Auswirkungen auf die Biodiversität. Zudem fehlt es nach wie vor an einer EU-weiten, harmonisierten Bewertungsmethode für Biodiversität, um die Auswirkungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln durch die Mitgliedstaaten zu berücksichtigen.“ Die in der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung bestehenden Einschränkungen für glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel würden weitergeführt, so das BMEL. Gefördert werden soll die Entwicklung praxisnaher Strategien zur konservierenden, erosionsmindernden Bodenbearbeitung sowie für Mulch- und Direktsaatverfahren mit verringerter Herbizidanwendung.

GAP als wichtiger Hebel

Als wichtigen Hebel, um den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel signifikant zu reduzieren, sieht das BMEL die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Verwiesen wird darauf, dass deren Anwendung bei den meisten der 2023 eingeführten Ökoregelungen verboten sei. Zur Förderung des Verzichts sei die Ökoregelung 6 eingeführt worden, für die die Prämienhöhe auf 150 € angehoben worden sei. Erklärt wird ferner, dass die Agrarförderung nach 2027 konsequent nach dem Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Güter“ erfolgen solle. Der Fördergrundsatz „Erschwernisausgleich Pflanzenschutz“ in der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) soll auf Flächen außerhalb der Natura-2000-Gebiete ausgeweitet, der Verzicht auf Pestizide in Trinkwasserschutzgebieten analog gefördert werden.

Weiterhin kündigt das BMEL an, darauf hinwirken zu wollen, dass die Themen Integrierter Pflanzenschutz, biologische Vielfalt und ökologischer Landbau wesentliche Inhalte in der Aus-, Fort- und Weiterbildung und in der Beratung bilden. Auch die unabhängige Beratung soll in diesem Sinn gemeinsam mit den Ländern gestärkt werden. Auf der Nachfrageseite sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher für das „weniger perfekte Aussehen“ von Gemüse und Obst sensibilisiert werden. Kooperationen zwischen Erzeugern und Handel, die auf eine Reduktion von Pflanzenschutzmitteln abzielen, will das BMEL ebenfalls stärken. Mit Blick auf die Erfassung der eingesetzten Mengen heißt es: „Wir werden eine Datenbank für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sowie ein Monitoring luftverfrachteter Pflanzenschutzmittel, das Kleingewässermonitoring und das Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften (MonViA) auf- und ausbauen.“ age

Rinder aktuell: Energie sparen bei der Milchgewinnung

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Ein zu hoher Stromverbrauch in der Milchviehhaltung liegt häufig dann vor, wenn pro Kuh und Jahr mehr als 400 kWh elektrischer Energie benötigt werden. Etwa 60 % der Stromabnahme in rindviehhaltenden Betrieben werden für die Milcherzeugung (Melken, Reinigen, Kühlen) benötigt. Viele Betriebe haben hier ein hohes Einsparpotenzial. Dabei geht es in der Praxis sehr oft um Verbesserungen und Optimierungen beim Einsatz von bereits vorhandener Technik wie beispielsweise dem Milchvorkühler.

Durch den Einsatz drehzahlgesteuerter Vakuumpumpen kann der Stromverbrauch beim Melken gesenkt werden. Dies geschieht, indem die Pumpen den Stromverbrauch nach dem tatsächlichen Bedarf ausrichten. Wird beispielsweise beim Melken zeitweise ein geringeres Vakuum benötigt, verringert die Pumpe ihre Drehzahl und reduziert somit auch die Stromabnahme.

Die mittlere mögliche Stromeinsparung gegenüber der bisherigen Technik liegt für drehzahlgesteuerte Lamellenpumpen bei zirka 40 % und für drehzahlgesteuerte Drehkolbenpumpen bei rund 50 %. Drehzahlgesteuerte Vakuumpumpen sind jedoch in der Anschaffung durch den zusätzlichen Frequenzumrichter um zirka 3.500 € teurer. Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit gilt, dass sich die höhere Investition bei Melkzeiten von über drei Stunden pro Tag lohnt.

Milchkühlung per Vorkühlung

Vorkühler senken die Temperatur der Milch vor dem Eintritt in den Milchtank ab. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen und Modellen als Rohr- oder Plattenkühler. Der Wärmeentzug geschieht, indem im Vorkühler kaltes Brunnen- beziehungsweise Stadtwasser entgegen der Flussrichtung an der warmen Milch vorbeigeführt wird.

Die Investition in eine Drehzahlsteuerung für die Vakuumpumpe ist umso interessanter, je länger gemolken wird.

Plattenkühler bestehen aus Plattenpaketen und haben häufig eine größere Oberfläche und damit mehr Wärmetauschfläche als Rohrkühler. Dafür sind aber die Durchgänge für die Milch und das Wasser beim Plattenkühler enger. Deshalb ist es beim Plattenkühler sinnvoll, vor dem Milchzulauf einen Filter zu schalten, um Verstopfungen durch Fremdkörper (zum Beispiel Stroh, Schmutz) vorzubeugen. Der Filter sollte auch während der Anlagenreinigung verwendet werden, weil auch dann Schmutzteilchen zu Verstopfungen führen können.

Bei Fremdkörpern im Wasser ist es zusätzlich sinnvoll, vor dem Wasserzulauf einen Schmutzfilter einzubauen. Die Reinigung der Vorkühler erfolgt zusammen mit der Melkanlage. Auf eine ausreichende Leistungskapazität der Reinigungsanlage ist hierbei zu achten.

Vorkühler werden in der Milchleitung zwischen dem Milchabscheider und dem Milchtank installiert. In der Regel werden sie in der Milchkammer frostfrei platziert. Bei einer Wandmontage ist auf eine ausreichende Tragfähigkeit zu achten.

Die Vorkühlergröße (l/h) sollte bei Plattenkühlern auf die Leistung der Milchförderpumpe (l/h) bei der Milchausschleusung abgestimmt werden. Nur so lässt sich eine ausreichende Kühlarbeit gewährleisten. Die Größe und damit Leistung des Plattenkühlers kann durch die Plattenanzahl verändert werden. Rohrkühler werden nur in einer Baugröße angeboten. Wenn die Leistung eines Rohrkühlers nicht ausreicht, ist ein zweiter parallel zu installieren.

Der Abkühleffekt der Milch durch Vorkühler hängt von der Wassertemperatur und -menge, von der Milcheinlauftemperatur und -menge sowie von der Vorkühlergröße beziehungsweise -anzahl ab. Beispielsweise kann die Milch bei einer Wassertemperatur von zirka 11 °C und einer Milchtemperatur von rund 33 °C auf etwa 15 °C abgekühlt werden.

Die Kühlwirkung der Vorkühler ist umso besser, je kälter das Wasser ist. Erwärmtes Wasser sollte zur Viehtränke genutzt werden, indem es den Kühen unmittelbar nach dem Melken in einem großen Tränkebecken angeboten oder, wie bei Melkroboterbetrieben vielfach zu sehen, der Vorkühler in den Tränkekreislauf eingebunden wird. Eine Zwischenlagerung, beispielsweise in einem Pufferbehälter, sollte, wenn überhaupt, nur von kurzer Dauer sein, um eine Keimvermehrung zu unterbinden.

Das Energieeinsparpotenzial einer Milchvorkühlung liegt bei etwa 1 kWh pro 100 l Milch, daraus resultiert je nach Herdenleistung schnell ein Einsparpotenzial von 100 kWh pro Kuh und Jahr. Dies entspricht in etwa 25 % des Strombedarfs für die Milchgewinnung und ist damit die größte Stellschraube zur Energieeinsparung. Aus diesem Grund ist unter Berücksichtigung der jährlichen Kosten ein Vorkühlereinsatz in der Regel betriebswirtschaftlich interessant.

Um zu überprüfen, ob der Vorkühler noch richtig arbeitet, ist es wichtig, in regelmäßigen Abständen die Milcheinlauftemperatur am Milchtank zu kontrollieren.

Vorkühlung: Begrenzende Faktoren

Liegt die Milcheinlauftemperatur am Milchtank mehr als 4 K über der Wassertemperatur, können beispielsweise ein zu kleiner Vorkühler (häufig der Fall), ein verstopfter Vorkühler oder auch eine zu geringe Wassermenge (l/h) des Wasseranschlusses ursächlich sein. Wasserseitig bedingen vielfach ein zu kleiner Leitungsquerschnitt, ein zu geringer Wasserdruck oder auch verstopfte Wasserdurchgänge eine verminderte Effektivität des Vorkühlers.

Welche Maßnahmen zur Optimierung des Vorkühlereinsatzes sinnvoll sind, muss einzelbetrieblich abgeprüft werden. Grundsätzlich sollte zuerst der Vorkühlereinsatz verbessert und erst dann durch eine drehzahlgesteuerte Milchförderpumpe die Effektivität des Vorkühlers erhöht werden. Diese regelt die Fördermenge der Milchpumpe entsprechend dem Füllstand im Milchabscheider. Ziel ist es, die Milch möglichst gleichmäßig und ohne Pause durch den Vorkühler zu schicken, wodurch sich die Milchtemperatur um zirka weitere 1 bis 2 K senken lässt.

Jedoch liegt der Anschaffungspreis für die Steuerung bei etwa 3.000 €, sodass ein Einsatz vielfach ab einer Milchmenge von 1 Mio. kg pro Jahr wirtschaftlich interessant wird. Ebenso muss bedacht werden, dass der Wasseranfall sich erhöht, da pausenlos Milch durch den Vorkühler gefördert wird.

Mangelhaft arbeitende Vorkühler verringern den Nutzen zum Teil erheblich. Dies bedeutet für viele Betriebe trotz eines vorhandenen Vorkühlers noch großes Stromeinsparpotenzial. Vielfach erreichen Vorkühler in der Praxis nur Milchtemperaturen von über 20 °C. Gelingt es einem Betrieb mit etwa 1,5 Mio. kg abgelieferter Milchmenge pro Jahr, die Abkühlung der Milch mit dem Vorkühler um 5 K zu verbessern, werden etwa 4.500 kWh Strom pro Jahr eingespart. Bei einem Strompreis von 0,35 €/kWh sind das über 1.500 € Einsparung pro Jahr.

Um die Effektivität des Vorkühlers einschätzen zu können, ist es ratsam, die Temperaturen des Wassers (vor dem Vorkühler) und der Milch (hinter dem Vorkühler) zu messen und bei Abweichung vom Zielwert systematisch zu schauen, ob die Vorkühlung optimiert werden kann.

Bei schlecht arbeitenden Vorkühlern besteht zudem die Gefahr, dass bei Milchtanks, für die die erforderliche Kältemaschinengröße unter Berücksichtigung eines funktionierenden Vorkühlers berechnet wurde, die Kühlleistung an sehr warmen Sommertagen nicht ausreicht. Dies hat zur Folge, dass die Milch nicht zügig genug auf Lagertemperatur abgekühlt wird, die Kältemaschine sehr lange läuft und damit den Stromverbrauch erhöht.

Milchkühlung im Lagertank

Für Kühlung von Milch im Lagertank gibt es mit der Eiswasser- oder Direktkühlung zwei bewährte Möglichkeiten. Bei der Eiswasserkühlung liegt der Stromverbrauch aufgrund des geringeren Wirkungsgrades etwas höher als bei der Direktkühlung. Dafür hat die Eiswasserkühlung einen geringeren Anschlusswert (kW).

Die Milchtankgröße ist nach den betrieblichen Bedingungen auszuwählen. Bei ganzjähriger Abkalbung und zweitägiger Milchabholung sind für das Milchtankvolumen etwa 70 l pro Kuh ausreichend.

Wichtig ist, das Kälteaggregat an einen kühlen Ort mit einer guten Luftzirkulation aufzustellen. Ebenso sollte das Kälteaggregat regelmäßig gereinigt werden. Staub und Spinnenweben reduzieren den Wirkungsgrad. Auf eine ausreichende Kältemittelmenge im Kühlkreislauf ist zu achten und durch regelmäßige Wartungen die Leistungsfähigkeit der Geräte zu erhalten.

Das Kälteaggregat sollte an einem kühlen Ort mit einer guten Luftzirkulation aufgestellt werden, dies reduziert den Strombedarf.

Bedarf an Warmwasser

Der einzelbetriebliche Warmwasserbedarf und die erforderliche Wassertemperatur richten sich nach dem Aufwand für die Melkanlagen- und Milchtankreinigung, für die Kälbertränke und den Bedarf fürs Händewaschen. Der größte Anteil wird in der Regel für die Melkanlagenreinigung benötigt. Hier sind die Zirkulations- und die Kochendwasserreinigung geeignete Verfahren. Die benötigte Energiemenge (kWh) für die Warmwasserbereitung ist bei beiden Verfahren in etwa gleich. Für die Hauptreinigung wird bei der Zirkulationsreinigung eine größere Wassermenge auf etwa 70 °C und bei der Kochendwasserreinigung eine geringere Wassermenge auf über 90 °C erwärmt.

Für die meisten Betriebe ist der Einsatz einer Wärmerückgewinnungsanlage sinnvoll.

Auf den meisten Betrieben ist es sinnvoll, eine Wärmerückgewinnungsanlage einzusetzen. Sie entzieht auf der einen Seite der Milch die Wärme, kühlt sie dabei ab und erwärmt auf der anderen Seite das Wasser. Wassertemperaturen um die 45 °C sind dabei ohne zusätzlichen Aufwand möglich.

Wie viel Abwärme aus der Milchkühlung für die Wärmerückgewinnung zur Verfügung steht, hängt in erster Linie von der Milchmenge und davon ab, ob die Milch vorgekühlt worden ist. Der Einsatz eines Vorkühlers hat zur Folge, dass weniger Abwärme für die Wärmerückgewinnung zur Verfügung steht. Wird mit einem Vorkühler die Milch auf zirka 15 °C abgekühlt, liegt die erwärmbare Wassermenge bei rund 0,25 l je Liter Milch. Bei einer Milchmenge von zum Beispiel 2.000 l pro Tag lassen sich zirka 500 l Wasser von 10 °C auf 45 °C erwärmen. Trotz der geringeren Abwärme für die Wärmerückgewinnung sollte nicht auf den Einsatz eines Vorkühlers verzichtet werden, denn er führt zu deutlichen Stromeinsparungen bei der Milchkühlung.

Da das zirka 45 °C warme Wasser aus der Wärmerückgewinnung für die Reinigung der Melkanlage oder des Milchtanks nicht heiß genug ist, ist eine weitere Erwärmung erforderlich. Wird das Wasser mit der Wärmerückgewinnungsanlage auf etwa 60 °C erwärmt, verursacht das einen um 15 bis 20 % höheren Stromverbrauch der Milchkühlung und sollte daher vermieden werden. Sinnvoll ist eine Wassertemperaturbegrenzung bei der Wärmerückgewinnung auf maximal 50 °C.

Um das Wasser auf die für die Zirkulationsreinigung angestrebte Eingangstemperatur von etwa 70 °C zu erwärmen, sind Durchlauferhitzer oder Standspeicher besser geeignet. Diese können mit Strom, Flüssiggas oder Erdgas betrieben werden. Die für die Kochendwasserreinigung erforderlichen Wassertemperaturen von über 90 °C sind nur mit Strom zu erreichen.

Die benötigte Warmwassermenge für die Reinigung der Milchkühltanks hängt von dem Milchtankvolumen ab. Es werden etwa 1,5 l warmes Wasser je 100 l Tankinhalt benötigt. Somit verursachen besonders Milchtanks, die deutlich zu groß sind, höhere Reinigungskosten.

Stromverbrauch richtig einschätzen

Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren Techniken installiert, die den Stromverbrauch zusätzlich erhöhen, beispielsweise Ventilatoren zur Verringerung der Wärmebelastung für die Tiere. Da bei Kühen ein Abkühleffekt erst ab Luftgeschwindigkeiten von 2,0 m/s und ausreichender Anzahl an Ventilatoren erreicht wird, liegt der Strombedarf schnell im Bereich von 80 kWh pro Kuh und Jahr. Vielfach sind die anfallenden Kosten deutlich geringer als der Nutzen, allein durch die höhere (nicht abgefallene) Milchleistung.

In etwa gleicher Größenordnung kann der Stromverbrauch zunehmen, wenn das eigene Brunnenwasser mit einer Wasseraufbereitungsanlage (Enteisenung) aufbereitet wird. Auch das Arbeiten mit einem Beleuchtungsprogramm führt zu höheren Stromverbräuchen, hier ist aber ebenfalls ein Nutzen gegenüberzustellen.

Der Strombedarf für Kuhbürsten, Güllerührwerke, -pumpen und -schieber, Beleuchtung oder die Warmwasserbereitung für die Kälbertränke fällt beim Gesamtstromverbrauch weniger ins Gewicht und bietet in der Regel keine großen Einsparpotenziale. Um den Stromverbrauch einzelbetrieblich einordnen zu können, sollte zunächst der Jahresstromverbrauch durch den Gesamtkuhbestand geteilt werden (Kilowattstunden pro Kuh und Jahr), dann kann das Ergebnis unter Berücksichtigung der einzelbetrieblichen Bedingungen (technische Ausstattung) beurteilt werden.

Fazit

Der richtige Einsatz von Vorkühlern bringt die größte Energieeinsparung im Milchviehbereich. Sie sind unter Berücksichtigung von Kosten und Nutzen in der Regel sehr lohnenswert. Auch der Einsatz von Wärmerückgewinnungsanlagen und frequenzgesteuerten Vakuumpumpen führt zu Energieeinsparungen.