Zur Frühjahrs-Düngebedarfsermittlung von Ackerkulturen liegen die Ergebnisse der ersten Messung des Nitratmessdienstes vor. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die gemessenen Nmin-Werte auf einem niedrigeren Niveau. Dies war nach den ergiebigen Niederschlägen zu erwarten. Liegen keine betriebseigenen Analyseergebnisse vor, können diese Werte für die rechtskonforme N-Bedarfsermittlung nach Düngeverordnung (DÜV) herangezogen werden.
Im Januar wurden von der Landwirtschaftskammer Ackerflächen in ganz Schleswig-Holstein – wieder über die verschiedenen Naturräume und für diverse Fruchtfolgekombinationen – zur Ermittlung der Nmin-Bodengehalte beprobt. Neben Praxisflächen, die zum größten Teil bereits etliche Jahre durch zuverlässige Probenehmer untersucht werden, zählen auch Flächen der Versuchsstationen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein sowie des Versuchsfeldes Lindenhof der Fachhochschule Kiel dazu. Auch in diesem Jahr wurden erneut Flächen des Gemüsebaus und ebenfalls eine Vielzahl von ökologisch bewirtschafteten Flächen beprobt. Die Vielfalt aller beprobten Flächen repräsentiert recht gut die unterschiedlichen Naturräume und deren standorttypische Fruchtfolgekombinationen.
Bedarfsermittlung vor Düngebeginn
Vor der ersten Düngemaßnahme ist nach DÜV der Stickstoff- und Phosphatbedarf je Schlag oder Bewirtschaftungseinheit zu ermitteln und schriftlich zu dokumentieren (siehe auch Ausgabe 1 ab Seite 30). In die Düngebedarfsermittlung (DBE) von Stickstoff fließen unter anderem die Nmin-Bodengehalte aus einer Bodentiefe von 0 bis 90 cm (0 bis 30 cm, 30 bis 60 cm, 60 bis 90 cm) ein. Dieser Wert ist als pflanzenverfügbarer Stickstoff zu Vegetationsbeginn zu verstehen und in der Bedarfsermittlung dann in Abzug zu bringen.
Werden auf dem Betrieb keine eigenen Proben genommen, können die hier veröffentlichten Werte für die DBE der derzeit zu düngenden Winterkulturen (beispielsweise Wintergetreide oder Winterraps) herangezogen werden. In einer zweiten Beprobung der Flächen Ende Februar werden dann wiederum die Nmin-Werte für die DBE der Sommerkulturen wie Sommergerste, Silomais und Ähnliches erhoben. Dafür werden die jetzt beprobten Bereiche der Flächen bei der N-Düngemaßnahme ausgespart, sodass ausschließlich die N-Mineralisation in der weiteren Beprobung gemessen wird.
Für den passenden Nmin-Wert zu den einzelnen Flächen sind die jeweiligen Kombinationen des Naturraumes und der Fruchtfolge zu wählen, die am ehesten mit den Bedingungen der jeweiligen Betriebsflächen übereinstimmen. Bei deutlich abweichender Bodenart können im Einzelfall treffendere Ersatzwerte aus angrenzenden Naturräumen verwendet werden. Die Ergebnisse sind in den Tabellen 1 bis 5 nach den für Schleswig-Holstein typischen Naturräumen aufgeteilt dargestellt, wobei der Landschaftsraum Östliches Hügelland zusätzlich in einen nördlichen, mittleren und südlichen Landesteil unterteilt wurde.
Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in kg Nmin/ha (Summe aus Nitrat und Ammonium) je untersuchter Bodenschicht und in Summe der drei Bodenschichten von 0 bis 90 cm. Neben den Analyseergebnissen des Nitratmessdienstes können auch Nmin-Analysewerte der zuständigen Wasserschutzgebietsberatung sowie der vor Ort tätigen Grundwasserschutzberatung zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie herangezogen werden.
Überdurchschnittlich viel Niederschlag
Die Bodentemperatur und die niederschlagsabhängige Bodenfeuchte haben grundsätzlich einen erheblichen Einfluss auf den Stickstoffkreislauf des Bodens. Für einen Eindruck von diesen Parametern des vergangenen Jahres sind die entsprechenden Daten im schleswig-holsteinischen Durchschnitt in Übersicht 1 dargestellt. Die sieben Wetterstationen in Itzehoe, Elpersbüttel, Leck, Schleswig, Kiel, Quickborn und Lübeck bilden hierfür die Datengrundlage. Es sind sowohl die Mittelwerte für den Niederschlag und die Bodentemperatur im Jahresverlauf 2023 als auch die jeweils langjährigen Durchschnittswerte aus den Jahren abgebildet. Zur Darstellung der Schwankungen über die Werte der verschiedenen Stationen sind der jeweils höchste und niedrigste Niederschlag der sieben Messpunkte dargestellt.
Der Gesamtniederschlag des vergangenen Jahres lag mit 963 mm um gut 140 mm höher als im langjährigen Mittel. Das Frühjahr war geprägt von den trockenen Monaten Mai und Juni. Im Juli jedoch gab es dann die außergewöhnlich hohen Niederschlagsmengen, die mit gut 150 mm nahezu die doppelte Menge im Vergleich zum langjährigen Mittel erreichten.
Auf einen relativ trockenen September folgte wiederum ein sehr verregneter Oktober, der mit 180 mm knapp 100 mm über dem langjährigen Durchschnitt lag. Die Aussaatzeitpunkte der Winterungen mussten hierdurch häufig sehr spät ins Jahr geschoben werden, oder aber die geplanten Aussaaten konnten nicht durchgeführt werden. Besonders in den ersten Monaten der Sickerwasserperiode lagen die Niederschläge deutlich über dem langjährigen Mittel. Danach war zu erwarten, dass die Nmin-Gehalte über die Verlagerung des Nitratanteils durchaus niedriger als in den Vorjahren ausfallen.
Ein Trend, der das ganze Jahr über zu beobachten war: Auf sehr trockene Monate folgten in der Regel wiederum extrem nasse Monate. Die kritischen Monate zur Ertragsbildung waren besonders von Trockenheit geprägt. Die Monate Mai und Juni erreichten nicht einmal die Hälfte der Niederschlagsmengen des langjährigen Mittels. Der regionale Vergleich zeigt ebenfalls deutliche Unterschiede. So wurden im Mai an der Wetterstation Schleswig knapp 50 mm gemessen, wohingegen in Quickborn nur knapp 10 mm fielen. Ebenso deutliche Unterschiede waren im August zwischen den Wetterstationen in Lübeck (46 mm) und Kiel (115 mm) zu sehen.
Nmin niedriger als in den Vorjahren
Im Vergleich zum langjährigen Mittel liegen die durchschnittlichen Nmin-Werte in allen Naturräumen in diesem Frühjahr etwas niedriger (Tabelle 6 auf S. 39). Die Werte auf der Geest, die typischerweise im Vergleich zu den Werten weiterer Naturräume geringer sind, liegen in diesem Jahr jedoch lediglich um 2 kg Nmin/ha unterhalb des Durchschnitts der vergangenen Jahre. Für das Östliche Hügelland sind die Werte über dem für den Naturraum zusammengefassten Mittel von 30 kg Nmin/ha ausgefallen, was etwa 9 kg weniger sind als der langjährige Durchschnitt. Wie aus vergangenen Jahren bekannt, sind die Werte in der Marsch am höchsten. In diesem Jahr liegt der Wert mit 43 kg Nmin/ha auch mit etwa 10 kg unter dem langjährigen Mittel. Typischerweise sind die Anteile der Ammoniumgehalte am Nmin-Wert eher gering und befinden sich in einem Bereich von 3 bis 7 kg/ha. Das gilt auch dieses Jahr.
Vorfruchteffekte ergeben sich besonders bei Vorkulturen wie beispielsweise Gemüsearten, die intensiv mit Stickstoff versorgt werden. Aber auch Flächen mit Vorfrüchten wie Winterweizen und Winterraps können, wie in den Tabellen zu erkennen ist, erhebliche Stickstoffmengen nachliefern.
Diese deutlichen Unterschiede innerhalb gleicher Fruchtfolgekombinationen, Naturräume und Bodenarten verdeutlichen noch einmal, wie bedeutsam eine betriebsindividuelle Beprobung der Flächen ist.
Vorläufige N-Bedarfsermittlungen, welche bereits mit den auf der Homepage der Landwirtschaftskammer veröffentlichten langjährigen Mittelwerten erstellt wurden, sind mit den jetzigen Werten zu aktualisieren, sofern der gemessene Wert mindestens um +/–10 kg Nmin abweicht. Betrachtet man die diesjährigen Daten, kann dies vermehrt in den Naturräumen Marsch und Östliches Hügelland vorkommen.
Smin-Werte auf durchschnittlichem Niveau
Im Rahmen der Bodenanalysen des ersten Nitratmessdienstes werden neben den düngungsrelevanten Nmin-Werten auch die Schwefelgehalte (Smin) in Form von Sulfat in den verschiedenen Bodenschichten ermittelt. In Übersicht 2 sind die Durchschnittswerte der Naturräume im Vergleich zu den Vorjahren aufgeführt. Die Schwefelgehalte liegen in diesem Jahr auf einem vergleichbaren Niveau wie in den vergangenen drei Jahren. Schwefel ist wie Nitrat ein sehr mobiler Nährstoff mit einem hohen Auswaschungspotenzial. Aus diesem Grund sind häufig in tieferen Bodenschichten eher höhere Werte zu finden, weshalb im Rahmen der Andüngung neben Stickstoff auch besonders auf den Schwefel geachtet werden sollte.
Nach den Richtwerten für die Düngung der Landwirtschaftskammer werden zu Raps 30 bis 50 kg S/ha empfohlen und zu Getreide 20 bis 30 kg S/ha. Schwefelmangel führt zu einer gehemmten Stickstoffaufnahme der Pflanzen, weshalb es umso wichtiger ist, die Schwefeldüngung vorrangig in der ersten Gabe zu platzieren. Das sorgt auch dafür, dass die Pflanzen den Schwefel in tieferen Bodenschichten erschließen können.
Was beachten bei der Bodenprobenahme?
Die Bodenprobe sollte den Durchschnitt der zu untersuchenden Fläche repräsentieren. Je nach Heterogenität des Schlages werden dabei eine oder mehrere Proben entnommen, die aus jeweils 15 bis 30 Einstichen bestehen. Feldteile mit unterschiedlicher Vorfrucht, wechselnden Bodeneigenschaften (Sand- und Lehmkuppen, Senken) oder unterschiedlicher Herkunft (Flurneuordnung) sind gesondert zu beproben und zu untersuchen. Für abweichende Teilstücke ist eine neue Bewirtschaftungseinheit zu bilden. Randstreifen, Vorgewende, Mietenplätze et cetera sind für eine repräsentative Bodenuntersuchung ungeeignet.
Die Entnahme der Proben kann im Feld beispielsweise mit dem Pürckhauer Bohrstab erfolgen, wobei die Bohrkerne jeweils in drei Schichten (0 bis 30 cm, 30 bis 60 cm, 60 bis 90 cm) aufgeteilt und nach Bodenschicht getrennt in Eimer und später eindeutig beschriftet in Probenahmetüten abgefüllt werden. Nach der Entnahme der Nmin-Proben müssen diese unverzüglich gekühlt beziehungsweise eingefroren ans Labor geschickt werden.
Nmin-Messungen erfolgen bei Winterungen vor der ersten N-Gabe im Frühjahr. Bei Sommerungen sollte die Nmin-Bestimmung etwa zwei Wochen vor der Aussaat auf ungedüngten Flächen vorgenommen werden. In der Regel fallen diese Nmin-Werte aufgrund fortschreitender Bodenerwärmung höher aus als bei den Probenahmen zu Beginn des Jahres. Bei Gemüsekulturen unterscheidet sich die notwendige Beprobungstiefe nach DÜV zwischen den Kulturen.
Fazit
Die Nmin-Werte sind als verpflichtender Abschlag in einer rechtskonformen Düngebedarfsermittlung zu berücksichtigen. Werden keine betriebseigenen Proben gezogen, können die Werte aus den Naturräumen mit vergleichbaren Bodenarten und Fruchtfolgen gewählt werden. Aufgrund der im Vergleich zum langjährigen Mittel deutlich höher ausgefallenen Niederschläge über die Sickerwasserperiode sind die diesjährigen Nmin-Werte größtenteils niedriger.




