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Werte größtenteils auf niedrigerem Niveau

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Zur Frühjahrs-Düngebedarfsermittlung von Ackerkulturen liegen die Ergebnisse der ersten Messung des Nitratmessdienstes vor. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die gemessenen Nmin-Werte auf einem niedrigeren Niveau. Dies war nach den ergiebigen Niederschlägen zu erwarten. Liegen keine betriebseigenen Analyseergebnisse vor, können diese Werte für die rechtskonforme N-Bedarfsermittlung nach Düngeverordnung (DÜV) herangezogen werden.

Im Januar wurden von der Landwirtschaftskammer Ackerflächen in ganz Schleswig-Holstein – wieder über die verschiedenen Naturräume und für diverse Fruchtfolgekombinationen – zur Ermittlung der Nmin-Bodengehalte beprobt. Neben Praxisflächen, die zum größten Teil bereits etliche Jahre durch zuverlässige Probenehmer untersucht werden, zählen auch Flächen der Versuchsstationen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein sowie des Versuchsfeldes Lindenhof der Fachhochschule Kiel dazu. Auch in diesem Jahr wurden erneut Flächen des Gemüsebaus und ebenfalls eine Vielzahl von ökologisch bewirtschafteten Flächen beprobt. Die Vielfalt aller beprobten Flächen repräsentiert recht gut die unterschiedlichen Naturräume und deren standorttypische Fruchtfolgekombinationen.

Bedarfsermittlung vor Düngebeginn

Vor der ersten Düngemaßnahme ist nach DÜV der Stickstoff- und Phosphatbedarf je Schlag oder Bewirtschaftungseinheit zu ermitteln und schriftlich zu dokumentieren (siehe auch Ausgabe 1 ab Seite 30). In die Düngebedarfsermittlung (DBE) von Stickstoff fließen unter anderem die Nmin-Bodengehalte aus einer Bodentiefe von 0 bis 90 cm (0 bis 30 cm, 30 bis 60 cm, 60 bis 90 cm) ein. Dieser Wert ist als pflanzenverfügbarer Stickstoff zu Vegetationsbeginn zu verstehen und in der Bedarfsermittlung dann in Abzug zu bringen.

Werden auf dem Betrieb keine eigenen Proben genommen, können die hier veröffentlichten Werte für die DBE der derzeit zu düngenden Winterkulturen (beispielsweise Wintergetreide oder Winterraps) herangezogen werden. In einer zweiten Beprobung der Flächen Ende Februar werden dann wiederum die Nmin-Werte für die DBE der Sommerkulturen wie Sommergerste, Silomais und Ähnliches erhoben. Dafür werden die jetzt beprobten Bereiche der Flächen bei der N-Düngemaßnahme ausgespart, sodass ausschließlich die N-Mineralisation in der weiteren Beprobung gemessen wird.

Für den passenden Nmin-Wert zu den einzelnen Flächen sind die jeweiligen Kombinationen des Naturraumes und der Fruchtfolge zu wählen, die am ehesten mit den Bedingungen der jeweiligen Betriebsflächen übereinstimmen. Bei deutlich abweichender Bodenart können im Einzelfall treffendere Ersatzwerte aus angrenzenden Naturräumen verwendet werden. Die Ergebnisse sind in den Tabellen 1 bis 5 nach den für Schleswig-Holstein typischen Naturräumen aufgeteilt dargestellt, wobei der Landschaftsraum Östliches Hügelland zusätzlich in einen nördlichen, mittleren und südlichen Landesteil unterteilt wurde.

Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in kg Nmin/ha (Summe aus Nitrat und Ammonium) je untersuchter Bodenschicht und in Summe der drei Bodenschichten von 0 bis 90 cm. Neben den Analyseergebnissen des Nitratmessdienstes können auch Nmin-Analysewerte der zuständigen Wasserschutzgebietsberatung sowie der vor Ort tätigen Grundwasserschutzberatung zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie herangezogen werden.

Überdurchschnittlich viel Niederschlag

Die Bodentemperatur und die niederschlagsabhängige Bodenfeuchte haben grundsätzlich einen erheblichen Einfluss auf den Stickstoffkreislauf des Bodens. Für einen Eindruck von diesen Parametern des vergangenen Jahres sind die entsprechenden Daten im schleswig-holsteinischen Durchschnitt in Übersicht 1 dargestellt. Die sieben Wetterstationen in Itzehoe, Elpersbüttel, Leck, Schleswig, Kiel, Quickborn und Lübeck bilden hierfür die Datengrundlage. Es sind sowohl die Mittelwerte für den Niederschlag und die Bodentemperatur im Jahresverlauf 2023 als auch die jeweils langjährigen Durchschnittswerte aus den Jahren abgebildet. Zur Darstellung der Schwankungen über die Werte der verschiedenen Stationen sind der jeweils höchste und niedrigste Niederschlag der sieben Messpunkte dargestellt.

Der Gesamtniederschlag des vergangenen Jahres lag mit 963 mm um gut 140 mm höher als im langjährigen Mittel. Das Frühjahr war geprägt von den trockenen Monaten Mai und Juni. Im Juli jedoch gab es dann die außergewöhnlich hohen Niederschlagsmengen, die mit gut 150 mm nahezu die doppelte Menge im Vergleich zum langjährigen Mittel erreichten.

Auf einen relativ trockenen September folgte wiederum ein sehr verregneter Oktober, der mit 180 mm knapp 100 mm über dem langjährigen Durchschnitt lag. Die Aussaatzeitpunkte der Winterungen mussten hierdurch häufig sehr spät ins Jahr geschoben werden, oder aber die geplanten Aussaaten konnten nicht durchgeführt werden. Besonders in den ersten Monaten der Sickerwasserperiode lagen die Niederschläge deutlich über dem langjährigen Mittel. Danach war zu erwarten, dass die Nmin-Gehalte über die Verlagerung des Nitratanteils durchaus niedriger als in den Vorjahren ausfallen.

Ein Trend, der das ganze Jahr über zu beobachten war: Auf sehr trockene Monate folgten in der Regel wiederum extrem nasse Monate. Die kritischen Monate zur Ertragsbildung waren besonders von Trockenheit geprägt. Die Monate Mai und Juni erreichten nicht einmal die Hälfte der Niederschlagsmengen des langjährigen Mittels. Der regionale Vergleich zeigt ebenfalls deutliche Unterschiede. So wurden im Mai an der Wetterstation Schleswig knapp 50 mm gemessen, wohingegen in Quickborn nur knapp 10 mm fielen. Ebenso deutliche Unterschiede waren im August zwischen den Wetterstationen in Lübeck (46 mm) und Kiel (115 mm) zu sehen.

Nmin-Proben aus den drei Bodenschichten müssen getrennt gesammelt und anschließend zügig und gekühlt oder eingefroren ins Labor gesandt werden.

Nmin niedriger als in den Vorjahren

Im Vergleich zum langjährigen Mittel liegen die durchschnittlichen Nmin-Werte in allen Naturräumen in diesem Frühjahr etwas niedriger (Tabelle 6 auf S. 39). Die Werte auf der Geest, die typischerweise im Vergleich zu den Werten weiterer Naturräume geringer sind, liegen in diesem Jahr jedoch lediglich um 2 kg Nmin/ha unterhalb des Durchschnitts der vergangenen Jahre. Für das Östliche Hügelland sind die Werte über dem für den Naturraum zusammengefassten Mittel von 30 kg Nmin/ha ausgefallen, was etwa 9 kg weniger sind als der langjährige Durchschnitt. Wie aus vergangenen Jahren bekannt, sind die Werte in der Marsch am höchsten. In diesem Jahr liegt der Wert mit 43 kg Nmin/ha auch mit etwa 10 kg unter dem langjährigen Mittel. Typischerweise sind die Anteile der Ammoniumgehalte am Nmin-Wert eher gering und befinden sich in einem Bereich von 3 bis 7 kg/ha. Das gilt auch dieses Jahr.

Vorfruchteffekte ergeben sich besonders bei Vorkulturen wie beispielsweise Gemüsearten, die intensiv mit Stickstoff versorgt werden. Aber auch Flächen mit Vorfrüchten wie Winterweizen und Winterraps können, wie in den Tabellen zu erkennen ist, erhebliche Stickstoffmengen nachliefern.

Diese deutlichen Unterschiede innerhalb gleicher Fruchtfolgekombinationen, Naturräume und Bodenarten verdeutlichen noch einmal, wie bedeutsam eine betriebsindividuelle Beprobung der Flächen ist.

Vorläufige N-Bedarfsermittlungen, welche bereits mit den auf der Homepage der Landwirtschaftskammer veröffentlichten langjährigen Mittelwerten erstellt wurden, sind mit den jetzigen Werten zu aktualisieren, sofern der gemessene Wert mindestens um +/–10 kg Nmin abweicht. Betrachtet man die diesjährigen Daten, kann dies vermehrt in den Naturräumen Marsch und Östliches Hügelland vorkommen.

Smin-Werte auf durchschnittlichem Niveau

Im Rahmen der Bodenanalysen des ersten Nitratmessdienstes werden neben den düngungsrelevanten Nmin-Werten auch die Schwefelgehalte (Smin) in Form von Sulfat in den verschiedenen Bodenschichten ermittelt. In Übersicht 2 sind die Durchschnittswerte der Naturräume im Vergleich zu den Vorjahren aufgeführt. Die Schwefelgehalte liegen in diesem Jahr auf einem vergleichbaren Niveau wie in den vergangenen drei Jahren. Schwefel ist wie Nitrat ein sehr mobiler Nährstoff mit einem hohen Auswaschungspotenzial. Aus diesem Grund sind häufig in tieferen Bodenschichten eher höhere Werte zu finden, weshalb im Rahmen der Andüngung neben Stickstoff auch besonders auf den Schwefel geachtet werden sollte.

Nach den Richtwerten für die Düngung der Landwirtschaftskammer werden zu Raps 30 bis 50 kg S/ha empfohlen und zu Getreide 20 bis 30 kg S/ha. Schwefelmangel führt zu einer gehemmten Stickstoffaufnahme der Pflanzen, weshalb es umso wichtiger ist, die Schwefeldüngung vorrangig in der ersten Gabe zu platzieren. Das sorgt auch dafür, dass die Pflanzen den Schwefel in tieferen Bodenschichten erschließen können.

Was beachten bei der Bodenprobenahme?

Die Bodenprobe sollte den Durchschnitt der zu untersuchenden Fläche repräsentieren. Je nach Heterogenität des Schlages werden dabei eine oder mehrere Proben entnommen, die aus jeweils 15 bis 30 Einstichen bestehen. Feldteile mit unterschiedlicher Vorfrucht, wechselnden Bodeneigenschaften (Sand- und Lehmkuppen, Senken) oder unterschiedlicher Herkunft (Flurneuordnung) sind gesondert zu beproben und zu untersuchen. Für abweichende Teilstücke ist eine neue Bewirtschaftungseinheit zu bilden. Randstreifen, Vorgewende, Mietenplätze et cetera sind für eine repräsentative Bodenuntersuchung ungeeignet.

Die Entnahme der Proben kann im Feld beispielsweise mit dem Pürckhauer Bohrstab erfolgen, wobei die Bohrkerne jeweils in drei Schichten (0 bis 30 cm, 30 bis 60 cm, 60 bis 90 cm) aufgeteilt und nach Bodenschicht getrennt in Eimer und später eindeutig beschriftet in Probenahmetüten abgefüllt werden. Nach der Entnahme der Nmin-Proben müssen diese unverzüglich gekühlt beziehungsweise eingefroren ans Labor geschickt werden.

Vor den Düngemaßnahmen ist stets die Bedarfsermittlung der Nährstoffe Stickstoff und Phosphor zu erledigen. Der Nmin-Wert ist hier zu berücksichtigen. Er gibt den im Boden verfügbaren Stickstoff wieder.Foto: Lea-Sophie Steffensen

Nmin-Messungen erfolgen bei Winterungen vor der ersten N-Gabe im Frühjahr. Bei Sommerungen sollte die Nmin-Bestimmung etwa zwei Wochen vor der Aussaat auf ungedüngten Flächen vorgenommen werden. In der Regel fallen diese Nmin-Werte aufgrund fortschreitender Bodenerwärmung höher aus als bei den Probenahmen zu Beginn des Jahres. Bei Gemüsekulturen unterscheidet sich die notwendige Beprobungstiefe nach DÜV zwischen den Kulturen.

Fazit

Die Nmin-Werte sind als verpflichtender Abschlag in einer rechtskonformen Düngebedarfsermittlung zu berücksichtigen. Werden keine betriebseigenen Proben gezogen, können die Werte aus den Naturräumen mit vergleichbaren Bodenarten und Fruchtfolgen gewählt werden. Aufgrund der im Vergleich zum langjährigen Mittel deutlich höher ausgefallenen Niederschläge über die Sickerwasserperiode sind die diesjährigen Nmin-Werte größtenteils niedriger.

Bessere Qualität zum gleichen Preis?

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Die Fleischnachfrage geht tendenziell zurück. Viele Verbraucher kaufen kleinere Mengen, achten dafür aber mehr auf Qualität. Gefragt ist daher Ware aus der Fleischtheke. Um die Kunden über die Herkunft dieser meist unverpackten Ware zu informieren, sind ab dem ersten Februar neue Bestimmungen in Kraft getreten. Bislang galt ein Herkunftsnachweis nur für frisches Rindfleisch. Jetzt soll man auch bei Schweine-, Schaf- und Geflügelfleisch sehen können, wo die Tiere aufgezogen und geschlachtet wurden. Bei verpacktem frischen Fleisch galt dies schon vorher. Dies soll die Nachfrage nach heimischen Produkten stärken und wird von Landwirten und Verbrauchern begrüßt.

Neben der Information über das Herkunftsland ist für den Verbraucher auch die Haltungsform von Interesse. Einzelne Handelsketten verschaffen sich Vorteile, wenn sie strengere Kriterien für die Herkunft aufstellen als die Konkurrenz. Viele verabschieden sich bei ihren Eigenmarken bereits von den Haltungsstufen 1 und 2. Bei Rindfleisch wird Haltungsform 3 bevorzugt. Im Fleischgroßhandel wird bereits darüber diskutiert, dass Rindfleisch aus niedrigen Haltungsformen Absatzprobleme bekommen kann.

Wasser predigen …

Bereits in der Vergangenheit hat die Landwirtschaft Änderungsbereitschaft bewiesen. Die Parole „Alles soll so bleiben wie es war“ zählt heute nicht mehr. Wie in anderen Wirtschaftsbereichen sind laufend Anpassungen nötig. Eine Umstellung der Tierhaltung auf eine neue Haltungsstufe ist jedoch nicht in jedem Fall möglich. Wie es scheint, bleibt der hiesige Lebensmittelhandel auf Kurs. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Handelsketten sich mir Regionalprogramm rühmen, das Fleisch jedoch im Ausland einkaufen. Ein weiteres Problem entsteht, wenn die höheren Haltungsformen zum Standard werden. Statt Aufschlägen für die höheren gibt es dann Abschläge für die niedrigeren Haltungsformen. So verkauft eine große Handelskette Käse mit dem Label der Haltungsform 3 ohne einen Preisaufschlag für die Verbraucher. Die Milch für den Käse stammt aus den Niederlanden. Dabei wechseln gerade viele der hiesigen Milchviehbetriebe in die höhere Haltungsform 3. Im Bereich des Schweinefleischs konnte man zuletzt beobachten, dass Zuschläge für Haltung und Herkunft schnell wieder gekürzt werden, sobald die Nachfrage schwächelt.

Der Kunde entscheidet

Zuletzt konnte man beobachten, dass die Politik oftmals dem Lebensmittelhandel hinterherhinkt. Obwohl bereits Haltungskennzeichnungssysteme existieren, soll ein neues staatliches System eingeführt werden. Aus Marktsicht sind Eingriffe der Politik in den Handel kritisch zu sehen. Man kann einem Unternehmen nicht diktieren, wo es seine Ware einkauft, noch kann man dem Verbraucher vorschreiben, was er zu essen hat. Letztlich entscheidet der Kunde. Trotz aller Qualitätskriterien bleibt aber auch günstige Ware gefragt, vor allem in Verarbeitungsprodukten. Auch diese Nachfrage muss künftig bedient werden.

Somit bleibt die Hoffnung, dass die Landwirte etwas mehr Planungssicherheit bekommen und die Verbraucher im Dschungel der vielen Haltungs-, Herkunfts- und Qualitätssiegel den Überblick behalten.

Das Verhalten der Schweine digital bewerten

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Vorschriften für die ökologische Schweinehaltung wie auch höhere Haltungsformen der gesetzlichen Tierhaltungskennzeichnung sehen eine strukturierte Mehrflächenbucht mit Auslauf für die Schweinemast vor. Das Verhalten der Schweine dort in Abhängigkeit von den klimatischen Bedingungen mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu bewerten, ist Ziel des EIP-Projektes „ProcessPig“.

Die Transformation der Haltungsbedingungen erfordert von Schweine haltenden Betrieben, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Gesetzesänderungen und Initiativen schreiben größere, in verschiedene Funktionsbereiche unterteilte Flächen vor, während nationale Verwaltungsvorschriften die Reduktion von Ammoniakemissionen fordern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Entwicklung innovativer Haltungssysteme wie strukturierter Mehrflächenbuchten in frei belüfteten Ställen, die spezifisches Verhalten fördern sollen, um die Tierbedürfnisse besser zu erfüllen.

Das artspezifische Verhalten der Schweine in den verschiedenen Funktionsbereichen spielt eine entscheidende Rolle für Tierwohl, Tiergesundheit und Umweltauswirkungen. Es hat Effekte auf das Wohlbefinden der Tiere, verhindert im positiven Fall zusätzliche Arbeitsbelastungen und reduziert Ammoniakemissionen. Eine Herausforderung besteht jedoch darin, diese Verhaltensmuster kontinuierlich zu überwachen und Abweichungen frühzeitig zu erkennen, um darauf basierend die Haltungsbedingungen wie die Steuerung der klimatischen Bedingungen zu optimieren.

Die Erkennung von verschiedenen Aktivitäten der Schweine in Videodaten mithilfe von künstlicher Intelligenz ist ein zentraler Baustein, um Verhaltensabfolgen zu identifizieren. Foto: Dr. Andreas Melfsen

Der interdisziplinäre Entwick­lungs- und Forschungsansatz des EIP-Projektes „ProcessPig“ wird durch Fachpersonen aus der landwirtschaftlichen Praxis, der Industrie – vertreten durch die Firma Lock GmbH – sowie der Forschung aus dem Institut für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik (ILV) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Professur für Wirtschaftsinformatik und Process Analytics der Universität Bayreuth unterstützt.

Durch die Kombination aus Sensoren, Videodaten und KI-Algorithmen strebt das Projekt an, das Verhalten der Schweine in Echtzeit zu analysieren. Abweichungen von den erwarteten Verhaltensmustern werden als Schlüsselindikatoren visualisiert, um Landwirten Hinweise auf potenzielle Probleme im Stall zu liefern. Dadurch können sie entsprechende Anpassungen durch klimatische Aktoren vornehmen. Die Untersuchungen hierzu laufen in sechs frei belüfteten Schweineställen in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg.

Der Ansatz von „ProcessPig“ integriert Methoden des Process-Mining, die normalerweise im Geschäftsprozessmanagement Verwendung finden. Statt Geschäftsprozesse zu analysieren, betrachtet „ProcessPig“ Verhaltensweisen von Schweinen als Prozessabläufe. Diese Herangehensweise ermöglicht es, Verhaltensabläufe und -muster neuartig zu betrachten und Anomalien sowie externe Einflüsse zu identifizieren.

Das Projekt „ProcessPig“ entwickelt einen wegweisenden Ansatz, der es ermöglicht, komplexe Verhaltenszusammenhänge zu analysieren und durch Process-Mining-Verfahren neue Einsichten zu gewinnen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in praxisorientierte Monitoringsysteme überführt, die landwirtschaftlichen Betrieben helfen, die Bedürfnisse der Tiere zu erfüllen und gleichzeitig Umweltauflagen zu berücksichtigen.

ZukunftsBauer: Viel mehr als nur Ernährer

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„Ohne uns kein Essen“, „Landwirtschaft  macht alle satt, auch die Gegner, die sie hat“ oder „Support statt Import“ – viele der Plakate und Schilder, die auf den Bauerndemonstrationen zu sehen sind, betonen die Bedeutung der heimischen Lebensmittelproduktion. Aber wie passen solche Aussagen mit den Erkenntnissen der ZukunftsBauer-Studie zusammen? Schließlich haben die Autoren herausgearbeitet, dass die Landwirtschaft mit dem Thema Ernährungssicherheit beim Verbraucher kaum noch punktet.

Für Landwirt Jörg Struve, Mitglied der ZukunftsBauer-Arbeitsgruppen auf Bundes- und Landesebene, lassen sich die Proteste mit den ZukunftsBauer-Zielen vereinbaren. „Wir wünschen uns Kommunikation, die in der Gesellschaft ankommt“, erklärte er auf einem Forum im Rahmen der Grünen Woche. Dazu hätten die Proteste beigetragen. Durch den intensiven Austausch mit der Bevölkerung habe man Verständnis füreinander gewonnen. Zum Start der Artikel-Serie „ZukunftsBauer in Schleswig-Holstein“ erklärt Struve, was für ihn einen ZukunftsBauer ausmacht.

Neben friedlichen Kolonnenfahrten, Kundgebungen, Mahnfeuern und kreativen Leuchtaktionen häuften sich zuletzt auch Blockadeaktionen, zum Beispiel an Häfen oder Logistikzentren des Lebensmitteleinzelhandels. Diese Aktionen haben Sympathiepunkte verspielt, sowohl bei der Stadtbevölkerung als auch in der Logistikbranche und beim Handel, deren Vertreter jüngst deutliche Kritik äußerten.

Klar ist: Die Politik muss jetzt liefern. Die Nichtentscheidung des Bundesrates zur Agrardieselrückvergütung hat etwas Zeit verschafft, um die Rahmenbedingungen für die Branche zu verbessern, sei es durch die Beibehaltung der Agrardieselbeihilfe oder zumindest einen längeren Übergangszeitraum, steuerliche Entlastungen an anderer Stelle, einen echten Bürokratieabbau oder die Umsetzung der Empfehlungen der Borchert-Kommission für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung.

Die ZukunftsBauer-Studie hat Tierwohl als Megatrend herausgearbeitet. Doch ein Landwirt, der mehr Tierwohl produziert, aber Wettbewerbsfähigkeit verliert, hat eben keine Zukunft. Eine gesamte Branche lässt sich nicht in eine Nische stecken. Deswegen müssen der Umbau der Ställe und die höheren laufenden Kosten kompensiert werden.

Weitere Megatrends mit Chancen für die Landwirtschaft sind Artenvielfalt, Umwelt-und Klimaschutz sowie Erneuerbare Energien. Vieles davon setzen die Bäuerinnen und Bauern schon um – sie sind Lösungsanbieter. Und durch das gestiegene öffentliche Interesse an Landwirtschaft lassen sich die Zukunftsthemen aktuell erfolgreich kommunizieren.

Letztlich – das sagt auch Jörg Struve – wird die Rolle der Landwirtschaft immer auch die der Ernährerin bleiben. Aber die Rollen erweitern sich. Damit Bäuerinnen und Bauern die neuen Rollen annehmen und Megatrends verwirklichen können, braucht es Perspektiven.

Ernährungssicherheit ist ein Hauptthema der Schriftzüge auf den Schildern und Plakaten bei den Bauernprotesten. Fotos: rq
Ernährungssicherheit ist ein Hauptthema der Schriftzüge auf den Schildern und Plakaten bei den Bauernprotesten. Fotos: rq
Ernährungssicherheit ist ein Hauptthema der Schriftzüge auf den Schildern und Plakaten bei den Bauernprotesten. Fotos: rq


Dr. Robert Quakernack

Das große Ziel: Festival-Feeling in Jübek

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Es sind noch fast genau vier Monate, dann kommen in Jübek gut 1.000 Landjugendliche zusammen. Der schleswig-holsteinische Verband richtet dort den Deutschen Landjugendtag aus. Eine Riesenaufgabe! Die Vorbereitungen laufen längst auf Hochtouren. Am Wochenende trafen sich erneut alle Projektgruppen im Detlef-Struve-Haus in Rendsburg, um die weitere Planung zu besprechen.

Bei den Mitgliedern der Projektgruppen laufen alle Fäden zusammen. Aber es ist auch klar, dass im Sommer noch viele helfende Hände gefragt sind, die mitanpacken und etwas bewegen wollen, damit der große Plan, auf der Rennbahn in Jübek Festival-Feeling zu verbreiten, verwirklicht werden kann. Deshalb heißt es spätestens jetzt „Save the Date“ für das Wochenende vom 14. bis 16. Juni, aber auch für die Wochen davor und danach. Die Mitarbeit in den Projektgruppen fordert nicht nur Einsatz, sie bietet allen, die dabei sind, auch die Möglichkeit, eigene kreative Ideen einzubringen, Teilaufgaben zu übernehmen und eigenverantwortlich zu organisieren, die Landjugend besser kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen. Zudem erfährt man viel über die Organisation einer Großveranstaltung.

Die Gäste kommen am Freitag mit einem Sonderzug in Jübek an. Am Sonnabend folgt eine offizielle Veranstaltung mit einem Theaterstück der Landjugend. Am Sonnabendnachmittag sind eine Menge Exkursionen in die verschiedensten Ecken Schleswig-Holsteins in Planung, damit die Gäste den Norden erkunden können. Die Themen reichen dabei von der Besichtigung landwirtschaftlicher Betriebe und Einrichtungen über Wattwandern bis zum Festival-Yoga, um den Lajus aus ganz Deutschland Schleswig-Holstein so nah wie möglich zu bringen. Am Sonntag werden die Gäste bereits wieder verabschiedet. Natürlich wird auch gefeiert: Die zwei Landjugendpartys steigen am Freitagabend und abends am Sonnabend. Es legen jeweils zwei DJs auf. Die Gastgeber wollen den Gästen auf jeden Fall zeigen, wie man hier im Norden feiert.

Landjugendliche, die helfen, werden aber nicht nur beim Ausschank für die beiden Landjugendpartys gebraucht, sondern auch über das ganze Wochenende und natürlich zum Aufbau und Abbau in den Wochen vorher und nachher. Das Feiern wird an diesem Wochenende jedoch auch für die Helfer nicht zu kurz kommen.

Weitere Infos zum Stand der Vorbereitung postet der Landjugendverband auf der Instagramseite des Deutschen Landjugendtages oder unter www.helfer.dlt2024.de

Am vergangenen Wochenende trafen sich die Projektgruppen in Rendsburg..Foto: Lisa Tödter

Stürmisches Treffen am „Utroper“

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Die Hohenweststedter Vorstandsdamen sind nicht aus Zucker. Das bewiesen sie beim jüngsten Fototermin. Für die Webseite des Vereins wurde eine aktuelle Aufnahme vom neuen Vorstand gebraucht. Also trotzten die Damen Sturm und Regen, radelten zum Rathaus, zückten die LandFrauentücher und winkten gut gelaunt in die Kamera. Der Herr in Bronze hinter ihnen ist übrigens der einstige „Utroper“ Johannes Kruse, der durch den Ort ging und Neuigkeiten ausrief, sozusagen ein Vorläufer des Bauernblatts. Mehr über den „Ausrufer“ auf der Homepage des Heimatmuseums Hohenwestedt unter https://t1p.de/32h5p kis

Preissignale, Flächen und Fachkräfte notwendig

Auf der Energiewendekonferenz Power Net 2024 kamen am Dienstag mehr als 500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Kommunen, Verwaltung und Wissenschaft in Neumünster zusammen, um sich über die Herausforderungen auf dem Weg zum ersten klimaneutralen Industrieland auszutauschen. Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) berichtete von Netzanschlussanfragen im Bereich Wasserstoff mit einem Volumen von etwa 1 GW.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien sei das Fundament für alles weitere, erklärte Goldschmidt und verwies auf die hohen Zubauzahlen im Bereich Windkraft in Schleswig-Holstein. Ein Drittel der bundesweit genehmigten und gebauten Windenergieanlagen sei 2023 hierzulande umgesetzt worden. Zur Reformierung der Verteilnetze erklärte der Grünen-Politiker, dass der nun vorliegende Vorschlag der Bundesnetzagentur die Ungerechtigkeit beenden werde, durch die im Norden höhere Netzentgelte als in anderen Regionen gezahlt werden. Die Ersparnis könne bei 4 bis 5 ct liegen, so der Minister.

Nachgefragte Anschlüsse

Die Fülle der Erneuerbaren müsse dazu führen, dass sich neue Stromverbraucher ansiedelten – Northvolt sei das prominenteste Beispiel. „Im Bereich der Wasserstoffwirtschaft haben wir Netzanschlussanfragen von rund einem Gigawatt allein in Schleswig-Holstein vorliegen“, so Goldschmidt. Die Bundeszielsetzung bis 2030 liege bei 10 GW. Der Minister geht davon aus, noch in dieser Legislaturperiode 3 % der Landesfläche für die Windkraft an Land auszuweisen. Entscheidend für die Sektorkopplung und die Ansiedlung von Unternehmen sind laut Goldschmidt regionale und zeitliche Preissignale. Diese seien notwendig, damit Elektrolyseure und Wasserstoffanlagen, die entstehen sollen, „über den Markt in die Realität kommen“ und nicht massiv mit Steuermitteln subventioniert werden müssten. „Wir müssen im Strommarkt mehr Markt erreichen“, stellte Goldschmidt klar. Dazu gehöre auch die Frage, ob die einheitliche Gebotszone das richtige Instrument für die Energiewende sei. Zu klären sei zudem die Frage der Flächenverfügbarkeiten für die Ansiedlung von Unternehmen, Anlagen und Infrastruktur. „Wir gehen heute davon aus, dass wir in den nächsten Jahren etwa 20 neue Umspannwerke in Schleswig-Holstein benötigen werden, um die Erneuerbaren ans Netz zu bekommen und die Unternehmen anzuschließen“ – auch wenn diese „weder schön noch flächensparsam“ seien.

Wasserstoff benötigt

„Ein hohes Wertschöpfungspotenzial gab es schon immer dort, wo Energien in großem Umfang zur Verfügung stehen“, hielt die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm von der Universität Erlangen-Nürnberg fest. Neben dem eigentlichen Ausbau der Erneuerbaren seien auch die Infrastruktur und die Verfügbarkeit von Fachkräften entscheidend, um das Wertschöpfungspotenzial zu heben. Die Produktion von Wasserstoff werde ein wichtiger Bestandteil der Energiewende, nicht alles sei elektrifizierbar. „Wir brauchen Wasserstoff als Energieträger, aber auch als Grundstoff in der Industrie in sehr großen Mengen.“ Neben der Produktion müsse man sich um den Import kümmern, bei dem der Norden durch seine Anlandepunkte eine wichtige Rolle spiele.

Uta Bielfeldt (SPD), Bürgermeisterin der Stadt Meldorf in Dithmarschen, stellte das Konzept der Wärme-Infrastruktur Meldorf vor. Über die Abwärme einer Druckerei und einer Biogasanlage sowie einen 43.000 m3 fassenden Erdbeckenspeicher werden öffentliche Liegenschaften mit Fernwärme versorgt, in weiteren Ausbauschritten sollen Wohngebäude dazukommen. Bis 2035 soll so ein Großteil der Stadt mit Fernwärme versorgt werden.

Als einen starken Impuls für die Wirtschaft bezeichnete Marcus Hrach, Geschäftsführer des Landesverbands Erneuerbare Energien SH, die Energiewende im Land. Diese sorge insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen für einen Wirtschaftsboom. Die Windenergieanlagen, die sich aktuell im Genehmigungsprozess befänden, lösten Investitionen von 2,8 Mrd. € aus, so Hrach.

Fährtaufe in Brodersby an der Schlei

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Eine neue Generation Schlei-Fähre – das ist die „Missunde III“, die künftig für eine sichere und planbare Querung der Schlei zwischen Kosel (Schwansen) und Brodersby (Angeln) sorgen soll. Vergangene Woche fand die Taufe der neuen Fähre statt, aber aufgrund von Nachbesserungsarbeiten an den Anlegern nimmt sie voraussichtlich erst Mitte März ihren Betrieb auf.

Deutlich größer, leistungsfähiger und dank Elektroantrieb auch umweltfreundlicher als ihre Vorgängerin, soll laut dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) als Fährbetreiber mit der „Missunde III“ ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen werden. Denn mit einer Länge von 34 m, einer Breite von 9,28 m und einer Höhe von 4 m sowie einer maximalen Traglast von 45 t kann sie nicht nur acht bis zehn Pkw plus Fußgänger und Fahrradfahrer über die Schlei befördern: „Sie kann darüber hinaus auch Lkw, Busse und landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge bis maximal 40 Tonnen Gesamtgewicht transportieren, was eine Neuerung gegenüber ihrer Vorgängerin darstellt“, erklärte die LKN.SH-Direktorin Birgit Matelski bei der Taufveranstaltung vergangene Woche.

Im zweiten Anlauf klappte es – Staatssekretärin Julia Carstens taufte zusammen mit LKN.SH-Direktorin Birgit Matelski die neue Fähre.

Die ersten Testfahrten verliefen zwar reibungslos, „aber dadurch, dass sie eben nicht bei bestem Wetter, sondern bei Sturm und starken Strömungen durchgeführt wurden, hat sich gezeigt, dass die Anleger an beiden Ufern verbreitert werden müssen, um ein sicheres Anlanden auch bei Starkwind und Wasserstandsschwankungen zu gewährleisten“, so Matelski weiter. Um den Nutzern künftig eine sichere und planbare Querung der Schlei zu ermöglichen, sei es besser, jetzt die Sperrzeit zu verlängern, als später den Betrieb aufgrund von wetter- oder strömungsbedingten Widrigkeiten immer wider zu unterbrechen.

„Die Schlei ist wie eine Badewanne, wenn die Wasserstände zu stark schwanken und starker Wind hinzukommt, ist ein sicheres Anlanden mit der neuen Fähre so derzeit nicht möglich“, bestätigt auch Fährpächter Rüdiger Jöns. Dennoch stelle die zusätzliche Verzögerung für ihn und seine Angestellten ein Ärgernis dar, zumal Pendler und Nutzer der Fähre durch die zusätzliche Sperrung in Lindaunis seit Längerem weite Umwege in Kauf nehmen müssten. Die Zeit werde jetzt unter anderem für Einweisungen des Personals in den neuen Fährbetrieb genutzt.

Werft-Geschäftsführer Hermann Barthel (li.) und Fährpächter Rüdiger Jöns (r.)

„Damit die Fähre lagestabil ist, setzen wir zusätzliche Poller. Die gibt es nicht von der Stange, sondern die müssen extra hergestellt werden“, erklärte LKN.SH-Geschäftsbereichsleiter Fabian Lücht.Die zusätzlichen Kosten bezifferte er auf 100.000 €. Der Neubau der Fähre kostete 3,3 Mio. € und wurde notwendig, da das Fährzeugnis der „Missunde II“, Baujahr 2003, aufgrund von Gesetzesänderungen auslief. „Wir standen vor der Frage: Umbau oder Neubau? Dazu beauftragten wir eine Machbarkeitsstudie und kamen zu dem Schluss, dass ein Neubau wirtschaftlicher wäre, wenn zudem eine emissionsfreie Lösung gebaut würde. Da die Wasserstofftechnik noch nicht ausgereift ist, wurde entschieden, die neue Fähre als strombetriebene Solarfähre zu konzipieren“, erzählte Matelski und lobte die alte „Missunde“, die trotz schwacher Hydraulik und gebrochener Klappen tapfer ihren Dienst verrichtete.

Die neue Fähre, gebaut in der Schiffswerft Hermann Barthel GmbH in Derben (Sachsen-Anhalt), verfügt über zwei 58-Hochvolt-Batteriemodule mit einer Gesamtkapazität von 560 kWh und einer Solaranlage mit einer Leistung bis 46 kWp.

„Wir lieben das Schwein“

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„Strohschweinehalter“ Jörg Struve ist schleswig-holsteinischer Vertreter der AG ZukunftsBauer des Deutschen Bauernverbandes und Mitglied der entsprechenden AG auf Landesebene. Was einen ZukunftsBauer für ihn ausmacht, erklärt er im Interview mit dem Bauernblatt.

Was macht Sie zu einem ZukunftsBauer?

Jörg Struve: Ich bin ZukunftsBauer, weil ich die veränderten Anforderungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft als Chance für unseren Betrieb sehe. Dazu gehört, veränderte Betriebsmodelle zu entdecken, zu entwickeln, aufzubauen und zu vermarkten. Jede Generation hat die Möglichkeit, den Betrieb den eigenen Vorstellungen entsprechend innovativ zu gestalten.

Ist die Größe eines Betriebes dafür relevant?

Nein. Das spielt aus meiner Sicht keine Rolle. Ich glaube, dass es auf den Betriebsleiter ankommt und auf die Region, wo er aktiv ist. Entsprechend der Faktorausstattung vor Ort muss jeder individuell seine Chancen einschätzen.

Wie sind Sie zum ersten Mal mit der Initiative ZukunftsBauer in Berührung gekommen?

Wir haben einen für die Region innovativen Stall gebaut, der im Rahmen unserer Möglichkeiten möglichst viel Tierwohl bieten sollte. Der Bundesverband Rind und Schwein hat mich dann gefragt, ob ich 2021 auf der Jahrestagung des Verbandes in Neumünster einen Vortrag über den neuen Stall halten könne. Das habe ich getan, und in der Folge wurde ich vom Bauernverband auf den ZukunftsBauer angesprochen und ob ich dort auf Bundesebene mitarbeiten wolle.

Sie vermarkten Ihre Tiere heute im Rahmen der Strohschwein-Initiative von Edeka (bauernblatt.com/gutes-von-edeka-im-bereich-tierwohl/). Woher kam damals die Motivation, mehr für das Tierwohl zu machen?

Edeka Nord vermarktet die Tiere von Familie Struve als „Strohschweine“. Fotos: Dr. Robert Quakernack

Meine Frau und ich lieben das Schwein, finden das ganze Wesen sehr schön und wollten unseren Betrieb zukunftsfähig ausbauen. Wir haben vier Kinder, und unser Traum ist natürlich, dass eines unserer Kinder den Betrieb weiterführt. Das geht am besten, wenn man in die Zukunft gerichtet ist. Nach unserer Auffassung gehört dazu, möglichst viel Tierwohl zu bieten.

Die ZukunftsBauer-Initiative basiert auf der sogenannten Rheingold-Studie (bauernblatt.com/vom-opfer-zum-problemloeser/. Gibt es darin Erkenntnisse, die Sie besonders motiviert haben?

Die Studie habe ich erst kennengelernt, nachdem ich beim ZukunftsBauer zugesagt hatte. Die Studie beinhaltet logische Erklärungen für das, was ich in der Vergangenheit erlebt habe. Zum Beispiel dafür, dass sich Menschen am Verkaufstresen anders verhalten als in Umfragen. Das ist eines der Themen, auf die ich mich in der Arbeitsgruppe auf Bundesebene fokussiere.

Die Studie empfiehlt Veränderungen und setzt dabei drei Schwerpunkte: das Selbstverständnis, das Rollenverständnis und die Kommunikation. Hat sich Ihr Selbstverständnis geändert?

Veränderung beginnt im Kopf. Um das Selbstverständnis zu verändern, muss man Erfahrungen dazu sammeln, wie die Gesellschaft auf uns Landwirte blickt. Wir sind zu Recht stolz auf unsere Produktion und wissen, dass es unseren Tieren gut geht. Wir sind schließlich mit den Haltungsverfahren aufgewachsen. Um aber ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie es für einen Städter ist, der in unseren Stall hineinkommt, war es für mich sehr zielführend, selbst Großanlagen in Ostdeutschland zu besichtigen, in denen es den Tieren zwar überhaupt nicht schlechter geht, was einem aber trotzdem etwas fremd ist. Wenn ich vom Verbraucher Verständnis für mich erwarte, brauche ich auch Verständnis für ihn.

Lautet also Ihre Empfehlung, sich viele andere Betriebe anzugucken und sich auszutauschen?

Der Austausch sollte nicht nur mit anderen Betrieben, sondern letztendlich mit der ganzen Gesellschaft erfolgen, sei es im Fußballverein oder bei sonstigem gesellschaftlichen Engagement. Wichtig ist, dass man respektvoll miteinander spricht und dann ehrliche Meinungen erfährt. Auf diese Weise kann man Verständnis füreinander fördern.

Laut der Studie sollten sich Landwirte als Problemlöser sehen und nicht als Problemverursacher. Können Sie das ein bisschen konkreter fassen?

Letztendlich wird unsere Rolle immer auch die des Ernährers bleiben. Aber unsere Rollen erweitern sich. Wir werden zusätzliche Rollen übernehmen. Wenn ich zum Beispiel an gesellschaftliche Aufgaben wie Artenvielfalt, Klima- und Umweltschutz denke, dann kommt die Lösung über die Fläche. Und die Fläche haben wir. Somit muss man den gesellschaftlichen Wandel als Chance erkennen. Es liegt an jedem selbst, diese veränderte Rolle anzunehmen oder nicht.

Führen Sie auf Ihrem Betrieb Maßnahmen durch, um dieses veränderte Rollenverständnis zu stärken?

Wir haben betrieblich einen Großteil unserer Mastplätze in eine höhere Haltungsstufe genommen, für das Edeka-Strohschwein-Programm. Dann sind wir bei den Regenerativen Energien tätig in den Bereichen Biogas, Windkraft und auch Photovoltaik (PV). Ackerbaulich haben wir unsere Fruchtfolge erweitert. Wir füttern unsere Tiere GVO-frei und fast ausschließlich mit heimischen Eiweißmitteln. Des Weiteren führen wir regelmäßig Besuchergruppen aus unterschiedlichsten Branchen über den Hof. Ehrenamtlich bin ich im Bauausschuss der Gemeinde tätig und stellvertretender Vorsitzender unseres Kreisbauernverbandes Schleswig.

Sie sprechen die Megatrends Erneuerbare Energien, Tierwohl, Klima- und Biodiversitätsschutz an. Viele Landwirte setzen das bereits auf ihren Betrieben um. Hapert es an der Kommunikation?

Es ist immer die Frage, wie ein Thema wahrgenommen wird. Bei einer Biogasanlage kann auch schnell der Maisanbau in den Fokus rücken, der in der Öffentlichkeit kritisch gesehen wird. Auch von Windrädern sind viele nicht begeistert, vor allem wenn sie vor der eigenen Tür stehen. Freiflächen-PV konkurriert mit der Lebensmittelerzeugung. Aber am Ende haben wir die Ressourcen, die für die Veränderung benötigt werden. Wir müssen in den Blick rücken, dass wir bereit sind, gesamtgesellschaftliche Probleme als Problemlöser anzugehen, sodass wir nicht weiterhin als deren Verursacher dastehen.

Haben Sie Tipps für die Kommunikation mit Verbrauchern?

Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, authentisch zu sein und zu zeigen, dass einem die Arbeit Spaß macht. Wenn ich mit Überzeugung hinter meiner Arbeit stehe und gut begründen kann, was mich antreibt, gelingt die Kommunikation. Dabei ist es immer gut, die gesamtgesellschaftlichen Aufgaben im Blick zu haben und nicht die betriebliche Gewinnmaximierung in den Vordergrund zu stellen.

Fehlte zuletzt das Einfühlungsvermögen in die Wünsche des Verbrauchers?

Wir haben die Kundenorientierung völlig verloren. Es war lange die gesellschaftliche und politische Aufgabe der Landwirte, einheitliche Produkte zu schaffen beim Getreide, bei der Milch, beim Fleisch. Diesen Aufgaben sind unsere Vorfahren sehr erfolgreich nachgekommen und haben die Preisführerschaft erreicht. Sie sollten eben zu Weltmarktpreisen Produkte an den Markt bringen. Ich kann mir gut vorstellen, dass in Zukunft der Kunde wieder mehr in den Fokus rückt und wir dann über die Produktführerschaft etwas erreichen können.

Seit 2021 arbeiten Sie auf Bundes- und Landesebene in der ZukunftsBauer-AG mit. Wie sieht die Arbeit im Detail aus?

Wir hangeln uns an den drei Säulen Selbstverständnis, Rollenverständnis und Kommunikation entlang, arbeiten viel in Kleingruppen und auch online, um in den Themen weiterzukommen und um Ergebnisse nach außen zu transportieren. Das Grundproblem beim ZukunftsBauer ist, dass es keine Schablonenlösung gibt. Es ist ein Werkzeugkoffer, aus dem sich jeder ein Stück weit bedienen kann. Darin finden sich Ideen, die sich vielleicht übertragen lassen. Am Ende ist der ZukunftsBauer ein Unternehmer, der auf seinem Betrieb das umsetzt, was für ihn passt.

Gibt es in den Arbeitsgruppen Diskussionen zum Begriff ZukunftsBauer? Fühlen sich die Bäuerinnen mitgenommen?

Diese Diskussion ist ganz am Rande mal erfolgt. Die Arbeitsgruppe ist paritätisch besetzt. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass das ein größeres Thema war. Wir sollten uns mehr über Inhalte unterhalten.

Wie ist aus Ihrer Sicht die Durchdringung der Themen des ZukunftsBauers in der Branche?

Bei den ZukunftsBauern ist es aktuell noch so, dass es eine hohe Eigeninitiative erfordert, darauf zuzugehen. Es gibt keine pauschale Lösung von außen, sondern es beruht auf Eigeninitiative. Vielen ist das Thema ganz egal, und auch das ist ja vollkommen in Ordnung. Niemand soll zu etwas gezwungen werden. Mir persönlich hat die Beschäftigung mit dem ZukunftsBauer viel Orientierung im Betrieblichen und im Privaten gegeben.

Wenn Sie unterwegs sind, um Vorträge zu halten, wie nehmen Sie die Diskussionen im Anschluss wahr?

Die Diskussionen danach sind völlig unterschiedlich – von völligem Unverständnis bis hin zu viel Verständnis. Häufig kommt die Aufforderung, dass ich Beispiele nennen solle. Dann kann ich immer von unserem Betrieb berichten. Ich habe das Gefühl, dass Beispiele helfen.

Welche Beispiele nennen Sie neben dem Tierwohl?

Bei uns gibt es auch das Thema Moorvernässung. Wir sind mit der Gemeinde im Austausch, bei Vernässung womöglich PV oder auch PVT (PV-Thermie) zur Wärmegewinnung zu installieren, wodurch die Gemeinde mit Wärme versorgt werden könnte. So versuchen wir, uns neben der Rolle des Ernährers auch mit der Rolle des Tierwohl­erhöhers, Klimaschützers und Lieferanten von Strom und Wärme auseinanderzusetzen. 

Vom Opfer zum Problemlöser

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Bauern-Bashing hängt den Bauern zum Halse heraus. Sie fühlen sich in der Öffentlichkeit vielfach unverstanden und als Sündenböcke für echte oder vermeintliche Missstände in der Gesellschaft angeprangert. Doch wie kann eine Veränderung bewirkt werden? Hier soll das Konzept „ZukunftsBauer“ eingreifen, das der DBV initiiert hat. Im folgenden Beitrag wird das Konzept dargestellt.

Wie alles begann: Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat das Institut Rheingold Salon mit einer Studie zu Analyse und Gestaltung des öffentlichen Vertrauens in die Landwirtschaft beauftragt. In diesem Zuge wurden 275 Landwirte und 1.033 nichtlandwirtschaftliche Verbraucher befragt und die Ergebnisse ausgewertet. Als wegweisend hat sich im Zuge der Studie das Konzept „ZukunftsBauer“ herausgeschält, das der DBV nun verfolgt. Der Begriff wurde nicht als „ZukunftsBäuerin“ gegendert, weil dadurch der Doppelsinn verloren ginge: der Bauer, der zugleich die Zukunft „baut“. Selbstverständlich sind die Bäuerinnen einbezogen.

Jens Lönneker, Hauptautor der Rheingold-Studie, im Detlef-Struve-Haus in Rendsburg.   Foto: rq

Positives Selbstbild

Das Konzept soll ein positives, zukunftsweisendes Bild der Landwirtschaft in die Gesellschaft ausstrahlen. Zugleich soll es nach innen in den Berufsstand wirken und ihn nach vorn blicken lassen. Landwirte sollen in ihrem Selbstverständnis gestärkt werden und sich nicht als Opfer einer missgünstigen Gesellschaft und Politik verstehen, sondern als Protagonisten, die dazu beitragen, Zukunftsprobleme zu lösen, die daran arbeiten, Diskrepanzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu überwinden, und als Brückenbauer zur Gesellschaft wirken, anstatt in Verteidigungshaltung, Rechtfertigung und Schuldverschiebung zu verharren.

Das Konzept ZukunftsBauer ruht auf drei Säulen: Selbstverständnis, Rollenverständnis und Kommunikation. Wie sehe ich mich selbst? Wie sieht mich die Gesellschaft? Wie kommuniziere ich nach außen, was ich vermitteln will? Das gilt es, sich bewusst zu machen und gegebenenfalls daran zu arbeiten.

Schlüsselbegriff Narrativ

Der Begriff „Narrativ“ ist ein Schlüsselbegriff der Studie und findet sich auf fast allen Seiten, oft mehrfach. Er kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „Erzählung“. Gemeint sind damit „Kurzgeschichten“ über Angelegenheiten in der realen Welt, die sich weit verbreiten und die Öffentlichkeit stark prägen. Sie reduzieren die Wirklichkeit auf einfache Beschreibungen und stellen sie eingängig und verständlich, manchmal auch zugespitzt, aber möglicherweise einseitig oder verbogen dar.

Der Vorteil von Narrativen: Sie machen die Welt begreifbar. Der Nachteil: Sie können in Vorurteile, Verallgemeinerungen oder Falschdarstellungen münden. Narrative können sowohl positive wie negative Botschaften beinhalten. Ein negatives Beispiel wäre: „Konventionelle Landwirte ruinieren die Natur“, ein positiv formuliertes: „Wir machen euch satt“.

Bei aller kritischen Betrachtung: Wir kommen als Menschen nicht ohne Narrative aus. Außerdem sind sie notwendig, wenn man die Öffentlichkeit für eine gewünschte Zukunft begeistern und sie dabei mitnehmen will.

Ernährerrolle in der Kritik

Als nicht hilfreich stellte die Studie fest, wenn vonseiten der Landwirte ihre Rolle als Ernährer und Versorger der Bevölkerung betont wird. Dies stoße zwar bei Berufskollegen auf Beifall, aber nicht so sehr bei Verbrauchern. Viele andere Berufe, allen voran im Gesundheitswesen, würden schließlich in der Bevölkerung auch als wichtig empfunden, sodass sie den Bauern keine Sonderrolle zubilligt.

Angesichts der Globalisierung werde die Versorgung durch heimische Bauern auch als weniger elementar eingeschätzt. Was die Verbraucher mehr interessiere, sei weniger der Umstand, dass die deutsche Landwirtschaft sie versorgt, als vielmehr, wie sie sie versorgt – und hier kommt wieder die Zukunftsperspektive ins Spiel.

Bei den jüngsten Großdemonstrationen mit Treckerkonvois gegen die geplanten Sparmaßnahmen der Bundesregierung griff diese Sichtweise eher nicht. Zahlreich waren Schilder mit der Botschaft zu sehen „Ohne Bauern kein Essen“. Es wird sich die Frage stellen, wie künftig die Anliegen der Landwirtschaft wirkungsvoll kommuniziert werden können. „Letztendlich wird unsere Rolle immer auch der Ernährer bleiben, aber unsere Rollen erweitern sich“, sagt ZukunftsBauer Jörg Struve im Interview. Die Landwirtin und Agrar-Podcasterin Maja Mokwitz drückt es schärfer aus: „Von der Parole ,Wir machen euch satt‘ sollten wir wegkommen. Das wirkt von oben herab und bietet keine Diskussionsgrundlage.“ https://www.bauernblatt.com/raus-aus-der-blase/

Für Tierwohl und Natur

Als wichtigste Themenfelder für die Selbstdarstellung des ZukunftsBauers stellten sich in der Befragung der Studie Tierwohl und Schutz der Artenvielfalt heraus. Hier könnten Verbesserungen und Innovationen in der Landwirtschaft, die zum Teil wenig bekannt sind, mehr herausgestellt werden. Bei technischen Neuerungen erwartet die Öffentlichkeit allerdings, dass diese im Sinne der Natur erfolgen und diese nicht schädigen. Rein ökonomische Zweckdienlichkeit wird in der Öffentlichkeit kritisch hinterfragt.

Es geht also vor allem darum, den nachhaltigen Wert neuer Technik zu betonen. Insofern sie Arbeit einspart, setzt sie Zeit frei – zum Beispiel für mehr Fürsorge für die Nutztiere. Drohnen helfen beim Schutz von Rehkitzen bei der Ernte. Precision-Farming macht den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln effektiver und verringert ihn aufs Notwendige. Außerdem wäre die Einsicht zu vermitteln, dass auch natürliche Prozesse zerstörerisch wirken können, etwa durch Schädlinge wie Pilze oder Käfer oder durch natürliche Gifte in Lebensmitteln.

Besonders im Bereich der Züchtung verfügen Verbraucher über wenige Kenntnisse. Vor allem Gentechnik ersticke jede Diskussion im Keim, wurde festgestellt. Wenig bekannt sei, dass zum Beispiel Resistenzzüchtung dabei hilft, Pflanzenschutz zu reduzieren.

Ein großes Problem bleibt die ökonomische Seite von wünschenswerten Entwicklungen. Der Preis auf dem Markt ist immer der letztgültige Realitätscheck für eine gewünschte Entwicklung. In der Öffentlichkeit herrscht die Ansicht vor, dass vor allem Lebensmittel für alle Menschen erschwinglich sein müssen. Zugleich werden an die Landwirte Forderungen gestellt, die deren Kosten erhöhen. Die Studie hat festgestellt, dass 51 % der Personen, die günstig einkaufen, die sogenannte Massentierhaltung ablehnen. Hier wie anderswo sei eine Spaltung im Denken zu beobachten: Man nimmt eine bestimmte Haltung ein, deren Konsequenzen man ausblendet.

Handel ins Boot holen

Der Markt reagiert darauf, indem er sich bemüht, konventionelle Produkte nachhaltiger und ökologische Produkte preiswerter zu machen (oder sich den Anschein dessen zu geben). Da der Handel eine mächtige Rolle in der Wertschöpfungskette innehat, sei auch dieser – neben Landwirten und Verbrauchern – in den Prozess ZukunftsBauer einzubeziehen.

Direktvermarktung wie etwa in Form von Hofläden wird von der Studie als gute, aber insgesamt nicht ausreichende Möglichkeit gesehen. Sie schafft wertvolle direkte Beziehungen zwischen Bauern und Kunden und stellt im Sinne regionalen Handels einen wichtigen Baustein im Konzept ZukunftsBauer dar. Doch Direktvermarktung wäre allein mit der Versorgung der Bevölkerung überfordert, schon wegen der Logistik und der Auswahl der Produktpalette (https://www.bauernblatt.com/regionalitaet-braucht-gute-logistik/). Außerdem ist die zusätzliche Arbeitsbelastung durch einen Hofladen für viele Betriebe nicht tragbar.

Der Schwarze Peter

Um ins Handeln zu kommen, lautet eine der wichtigsten Empfehlungen der Studie, aus dem „Schwarzer-Peter-Spiel“ auszusteigen, bei dem Landwirte und Verbraucher sich gegenseitig die Schuld an Missständen zuschieben. Vereinfacht gesagt: Die Bevölkerung wirft der Landwirtschaft Ausbeutung und Zerstörung der Natur vor, die Landwirte der Bevölkerung Naivität und ein „Bullerbü-Ideal“. Eigenes Fehlverhalten wird von beiden Seiten nur selten eingestanden. Auch hieran gelte es ehrlich zu arbeiten.