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Jedes Jahr starten rund 350 junge Menschen ihre Ausbildung im Beruf Landwirt/Landwirtin. Die Zahlen sind stabil, aber die Erwartungen der jungen Menschen ändern sich. Friedrich Klose, Ausbilder aus Trittau und Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses bei der Landwirtschaftskammer, schildert im Interview, wie sich dies auf seinen betrieblichen Alltag auswirkt. Martina Johannes, Fachbereichsleiterin Bildung der Landwirtschaftskammer, sprach mit ihm.
Herr Klose, rund jeder zweite Auszubildende ist heute nicht mehr auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Welche Auswirkungen hat dies auf den betrieblichen Ausbildungsablauf?
Friedrich Klose: Wenn Berufsstarter keine praktischen Vorkenntnisse in der Maschinenführung oder im Umgang mit Tieren mitbringen, müssen wir ihnen dieses „kleine Einmaleins“ vermitteln. Hierfür ist in der Betriebsorganisation Zeit einzuplanen, für Erläuterungen und Übungsmöglichkeiten, und es braucht Geduld. Aber genau das ist ja die Aufgabe der Berufsausbildung.
Für die Schulabgänger sind die ersten vier Wochen nach dem Ausbildungsstart eine deutliche Veränderung gegenüber dem Schulbetrieb. Gleichzeitig ist Erntezeit: Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Auszubildende gut in das betriebliche Arbeitsgeschehen einbezogen wird. Das ist besonders wichtig, wenn der Wohnort des Auszubildenden weit vom Ausbildungsbetrieb entfernt ist. Hier versuchen wir, Brücken für neue persönliche Kontakte zu bauen, zum Beispiel zur Landjugend oder zur Feuerwehr.
Nicht vom Betrieb zu kommen heißt nach meiner Erfahrung nicht, dass immer mehr Zeit für Wissensvermittlung benötigt wird. Es gibt viele Beispiele von jungen Menschen mit großer Lust auf Landwirtschaft und hoher Lernbereitschaft, die nicht aus der Landwirtschaft kommen und sehr erfolgreich durchstarten.
Besonders wichtig erscheint mir, dass die jungen Menschen nicht mit einem falschen Bild von der Landwirtschaft in die Ausbildung starten. Zwei oder drei Schnuppertage auf dem Betrieb vor der Vertragsunterzeichnung fördern das persönliche Kennenlernen und vermitteln ein realistisches Alltagsbild.
Die sogenannte Generation Z der zwischen 1997 und 2012 Geborenen hat teilweise andere Bedürfnisse und Haltungen als die Jahrgänge davor. Wie reagieren Sie darauf?
Bei Jugendlichen ist das Bedürfnis nach sinnstiftender Arbeit, Feedback und guter Balance von Arbeit und Familie/Freunden heute deutlich stärker ausgeprägt. Wir besprechen daher die Arbeitsabläufe auf dem Betrieb vor der Arbeitsdurchführung intensiver und nutzen die erstellten Arbeitsanweisungen als Fahrplan. Dabei steht das zu erreichende Ziel im Vordergrund. Das Hinterfragen und Einbringen von Vorschlägen zur Verbesserung der Arbeitsqualität versuche ich zu fördern.
Wenn der Wunsch nach Eigenständigkeit besteht, gebe ich mehr Raum dafür, zum Beispiel durch Zusammenstellung eines Pools von Arbeiten, die die Auszubildenden als Team mit selbstständiger Zeiteinteilung unter sich aufteilen.
Unser Miteinander findet auf Augenhöhe statt, und die Kommunikation ist viel offener. Mit manchen direkten Reaktionen musste ich als Chef auch erst umzugehen lernen. Bei der Arbeitszeitverteilung gehen wir stärker auf persönliche Anliegen und Bedürfnisse ein, sofern dies betrieblich möglich ist.
Ich halte es für wichtig, nicht gegen gesellschaftliche Veränderungen anzuarbeiten, sondern Anpassungen vorzunehmen und die Chancen zu nutzen.
Arbeitsprozesse sollten vor der Durchführung gründlich besprochen werden, hier Lutz Volbert bei der Ladungssicherung.
Die Landwirtschaft steht bei der Nachwuchsgewinnung im Wettbewerb mit anderen Branchen. Wie können sich die Ausbildungsbetriebe erfolgreich präsentieren?
Unsere besondere Stärke liegt aus meiner Sicht in unseren persönlichen Netzwerken vor Ort, im Dorf, im Bekanntenkreis und zu den örtlichen Schulen. Aber wir sollten uns sehr viel intensiver in den digitalen Medien attraktiv präsentieren – auf der Ausbildungsplattform der Landwirtschaftskammer, durch eine betriebliche Internetseite mit Videoclip und in den Sozialen Medien. Nach meinen Erfahrungen nehmen die telefonischen Anfragen interessierter junger Menschen ab und die Mailanfragen zu.
Für sehr wichtig halte ich, dass jede Anfrage auch beantwortet wird. Es darf nicht sein, dass junge Menschen, die ihren ganzen Mut für eine Anfrage zusammengenommen haben, keine Rückmeldung erhalten. Wenn die Ausbildungsplätze bei mir besetzt sind, gebe ich nach Möglichkeit einen Hinweis auf einen Berufskollegen mit freiem Ausbildungsplatz oder schaue, ob ich ein Angebot für das nächste Jahr machen kann.
Die Präsentation des Betriebes auf den verschiedenen Kanälen muss fortlaufend aktuell gehalten werden. Hierfür haben sich bei uns festgelegte Verantwortlichkeiten und regelmäßige Terminvorlagen bewährt.
Für die Ausbildung im Beruf Landwirt/Landwirtin wurde 2020 ein Leitbild für Ausbilderinnen und Ausbilder entwickelt. Wie konnten Sie diesen „Kompass“ in Ihrem Ausbildungsalltag nutzen?
Ich war als Ausbilder am Erstellungsprozess beteiligt und habe viele Denkanstöße mitgenommen. Die dort formulierten Werte und persönlichen Fähigkeiten behandele ich im Ausbildungsalltag. Wir haben vor Kurzem auch für unseren Betrieb ein kurzes Leitbild erstellt. Hierbei hat uns eine externe Kraft unterstützt. Durch diesen Prozess haben wir genauer hingeschaut, was unsere wichtigsten Erfolgsfaktoren sind. Mit den Auszubildenden bespreche ich nach den ersten vier Wochen im Betrieb das Leitbild. Als Abschluss setzen wir gemeinsam unsere Unterschriften darunter, das erhöht die Verbindlichkeit. Wir betrachten unser betriebliches Leitbild nicht als fix, sondern werden es bei Bedarf gemeinsam weiterentwickeln.
Sie wurden im Jahr 2022 vom Deutschen Bauernverband bundesweit als Ausbildungsbetrieb des Jahres ausgezeichnet. Was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig in der betrieblichen Ausbildung?
Ausbildung ist eine Zukunftsinvestition: Wir müssen uns ausreichend Zeit nehmen für die Erläuterung der Arbeitsabläufe und Gelegenheiten für eine fachliche Vertiefung der Ausbildungsinhalte intensiv nutzen, zum Beispiel durch Bestandsbeurteilungen oder Tierbeobachtungen. Ich halte es für sehr wichtig, das Auge unserer Nachwuchskräfte gezielt zu schulen und besondere Begabungen zu fördern.
Ein Lob in direkter Verbindung mit der Tätigkeit stärkt die Motivation und gibt Sicherheit. Mit der gezielten Vorbereitung auf die Prüfungen starten wir bereits im Frühjahr des Prüfungsjahres. Unser Ziel ist ein vertrauensvoller Umgang, daher investieren wir in ein gutes Miteinander.
Plattradio wurde der Stecker gezogen. Grund dafür ist laut der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) ein Verstoß gegen den Grundsatz der Staatsferne des Rundfunks aufgrund der Finanzierung von Plattradio durch das Ministerium für Allgemeine Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein (MBWFK). Der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB) reagierte sofort und stellte unverzüglich alle Aktivitäten ein. Plattradio ist jetzt offline.
Für den SHHB bleibt das Projekt dennoch eine Erfolgsgeschichte: „Unser Auftrag mit Plattradio war der Sprachausbau des Niederdeutschen über den Kanal des Journalismus. Und das ist uns mit diesem einzigartigen plattdeutschen Medienangebot gelungen“, zieht Redaktionsleiter Jan Graf nach der endgültigen Abschaltung von Plattradio Resümee. „Eine inhaltliche Einmischung seitens unserer Förderer war zu jeder Zeit weder gewollt noch ist sie in der Praxis vorgekommen,“ sagt Graf, der auf viele Jahre Erfahrung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zurückblicken kann. „Durch die Befristung der Förderung war ein vorzeitiges Ende immer ein mögliches Szenario. Nichtsdestotrotz betrachten wir Plattradio als Erfolg für den Sprachausbau des Niederdeutschen und als einen Teilerfolg für unseren Sprachenplan“, sagt auch SHHB-Geschäftsführer Benjamin Abel. Das darin festgelegte Ziel für die niederdeutsche Sprache lautet: • De Spraak stütten, woneem se noch snackt warrt. (Die Sprache fördern, wo sie noch gesprochen wird.) • De Spraak torüchhalen, woneem se mal snackt worrn is. (Die Sprache zurückholen, wo sie mal gesprochen wurde.) Die in der Satzung und im Sprachenplan des SHHB festgelegten Ziele sind von der Landesregierung unabhängig, was auch für das Plattradio gilt. Der SHHB und das Plattradio danken ihren Kooperationspartnern für die stets sehr gute Zusammenarbeit, allen voran dem Norddeutschen Rundfunk (NDR), der die Nachrichten bereitgestellt hat, sowie dem Offenen Kanal Schleswig-Holstein (OKSH) für die Sendefläche und die Produktionstechnik. „Wir hoffen, dass das Plattradio nicht nur als Pilotprojekt für den Erhalt und den Ausbau von Minderheitensprachen in Erinnerung bleiben wird, sondern langfristig Einfluss auf den Umgang mit Minderheitensprachen in den Medien haben wird“, sagt Abel abschließend.
Statement zum „Aus“ von Plattradio von Redaktionsleiter Jan Graf
„Das Konzept für Plattradio kam aus der Sprechergruppe und fand Fürsprecher in allen demokratischen Landtagsfraktionen. Sechs Monate lang hat Plattradio gearbeitet. Von September bis Mitte Dezember 2023 war die Redaktion täglich auf Sendung. Ein solches Medienangebot hatte es für das Plattdeutsche zuvor nicht gegeben. Natürlich sind wir traurig, dass jetzt Schluss ist. Doch als Redaktion sind wir stolz, dass wir zeigen konnten, was unsere Sprache kann. Unser Anliegen war: Auf Plattdeutsch über Welt und Region berichten und die Sprache ausbauen, wo es dafür nötig ist. Wir sind all unseren Partnern dankbar für die Unterstützung, die wir bei dieser Arbeit bekommen haben. Unser größter Dank gilt unseren Hörerinnen und Hörern, die uns wunderbar begleitet haben.“
Ein früher Zugang von Kälbern zum Festfutter stimuliert die Kautätigkeit, die Entwicklung der Pansenschleimhaut, das anatomische Wachstum des Pansen-Hauben-Komplexes und damit die Fähigkeit zur Aufnahme von Nährstoffen. Darüber hinaus geht von Festfutter – Grobfutter und Konzentrat – auch ein positiver antinutritiver Effekt aus.
Gerstenstroh und Luzerneheu sind die am häufigsten untersuchten Futtermittel für Tränkekälber, aber sie werden in der Wissenschaft unterschiedlich stark präferiert. Daher sollten in einer aktuellen Studie die potenziellen Auswirkungen dieser beiden verschiedenen Grundfuttermittel auf die Futteraufnahme, Leistung, das Verhalten, das ruminale Mikrobiom und die Entwicklung des Pansenepithels von Kälbern während des Zeitraumes vor und nach dem Absetzen von der Milch untersucht werden.
In der Vergangenheit wurde, besonders international, dem Konzentrat nicht nur eine größere Bedeutung zugemessen als dem Grobfutter, sondern oftmals sogar Grobfutter als Festfutter für Tränkekälber abgelehnt. Mittlerweile aber wird die ausschließliche Zufütterung von Konzentrat als Festfutter für Kälber vor dem Absetzen auch von internationalen Wissenschaftlern eher infrage gestellt, begründet durch die potenziell negativen Auswirkungen von Konzentrat auf den Pansen-pH-Wert.
Studie von Antúnez-Tort
In eine von Wissenschaftlern aus Uruguay und Spanien durchgeführte Untersuchung wurden 45 Holsteinkälber (zu Beginn: 44 ± 5,7 kg Gewicht und 3 ± 1,5 Tage alt) einbezogen, die alle innerhalb der ersten sechs Stunden nach der Geburt 3,5 l aufgetautes Kolostrum erhalten hatten. Die Haltung während der Tränkephase erfolgte in mit Sägespänen eingestreuten Einzelboxen.
Jeweils 15 Kälber wurden anhand ihrer Lebendmasse vergleichend auf drei Versuchsvarianten aufgeteilt. In der Versuchsvariante 1 erhielten die Kälber sowohl in der Zeit der Milchtränke als auch nach dem Absetzen von der Milch Gerstenstroh. In der Variante 2 wurden den Kälbern während der Tränkephase Gerstenstroh und nach dem Absetzen Luzerneheu zugefüttert. Die Kälber der Variante 3 bekamen sowohl in der Tränkephase als auch nach dem Absetzen Luzerneheu.
Der Milchaustauscher und die veranschlagten Tränkemengen waren für alle Kälber der drei Versuchsgruppen stets gleich. Sie erhielten in den ersten drei Tagen 4 l pro Tag, vom vierten bis siebten Tag 5 l pro Tag, vom achten bis 14. Tag 6 l pro Tag (jeweils mit 12,5 % TM) und vom 15. bis 49. Tag dieser Studie 6 l pro Tag mit 15 % TM. Die Verabreichung der Tränke erfolgte zweimal täglich.
Ab dem 50. Tag der Studie bestand die Tränke nur noch aus 3 l Milch mit 15,0 % TM, die morgens verabreicht wurden. Am 57. Tag wurden alle Kälber von der Milch abgesetzt. Neben der Milchaustauschertränke erhielten alle Kälber der drei Versuchsgruppen gleichermaßen dasselbe Konzentratfutter, welches sowohl vor als auch nach dem Absetzen von der Milch ad libitum und in pelletierter Form angeboten wurde. In der Tabelle 1 sind die Nährstoffangaben des Milchaustauschers sowie sämtlicher Festfutter enthalten.
Luzerneheu beziehungsweise Gerstenstroh, beide gehäckselt, wurden jeweils in einer separaten Schüssel neben dem Konzentratfutter angeboten, und zwar in Höhe von 7,5 % (vor dem Absetzen) und 15 % (nach dem Absetzen) der Gesamtfutteraufnahme des Vortages.
Die Verfügbarkeit von Stroh vor und nach dem Absetzen von der Milch erwies sich als vorteilhaft für die Entwicklung der Kälber.
Die Erfassung der Daten
Von jedem Kalb wurden täglich die aufgenommene Menge an Milchaustauscher, Konzentratfutter und Grobfutter sowie wöchentlich Körpergewicht und Widerristhöhe erfasst. Die Berechnung der wöchentlichen Futtereffizienz erfolgte auf Basis der aufgenommenen Milch und des Festfutters und der in der jeweiligen Woche zugenommenen Lebendmasse.
Dabei wurde die Füllung des Magens nach Jahn und Chandler (1976) entsprechend folgender Gleichung berücksichtigt:
Füllung des Magens (% des Lebensgewichts) = 10,4 – [0,39 × XP % aus festen Futtermitteln] + [0,41 × ADF % aus festen Futtermitteln]
Wöchentlich erfolgte die Ermittlung der Partikelgrößenverteilung des jedem Kalb vorgelegten Futters sowie des Restfutters (siehe Tabelle 1).
Untersuchungen zum Fressverhalten fanden jeweils an einem Tag in der siebten, neunten und 13. Woche der Studie statt, indem die Festfutteraufnahme bei allen Kälbern stündlich zwischen 5 und 21 Uhr erfasst wurde. Darüber hinaus registrierten die Wissenschaftler wöchentlich von der sechsten bis zur 13. Woche dieser Studie bei je sechs Kälbern pro Variante täglich das Selektionsverhalten beim Festfutter.
Begleitet wurden diese Untersuchungen durch direkte Beobachtungen des Fress- und Wiederkauverhaltens sowie des Liege- und Stehverhaltens von zehn Tieren pro Variante. Dafür wurden diese Kälber während vier aufeinanderfolgender Stunden ab dem morgendlichen Festfutterangebot im Abstand von 5 min beobachtet.
Weiterhin erfolgte bei jedem Kalb am 53., 66. und 87. Tag eine Pansensaftentnahme zur Bestimmung der Zusammensetzung des Mikrobioms. Darüber hinaus wurden von jeweils fünf zufällig ausgewählten Kälbern je Versuchsvariante Biopsien des Pansenepithels durch Endoskopie, etwa zwei Stunden nach der morgendlichen Fütterung am 90. Tag des Experiments, vorgenommen.
Futteraufnahme und Leistung
Während der Wochen vor dem Absetzen von der Milch ergaben sich keine Unterschiede zwischen den Kälbern aller drei Versuchsvarianten in Bezug auf die Aufnahme von Milch, Konzentratfutter und Gesamt-Trockenmasse (Tabelle 2). Gleiches galt demnach auch für die Protein-, NDF- und Energieaufnahmen.
Nach dem Absetzen jedoch nahmen die Kälber der Versuchsvarianten 2 und 3 weniger Konzentrat und Gesamtfutter auf als Kälber der Versuchsgruppe 1, die stets Zugang zu Stroh hatten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bereitstellung von Stroh während der Zeit nach dem Absetzen vorteilhafter war als die Bereitstellung von Luzerneheu, was ebenfalls mit früheren Studien (Movahedi, 2017) übereinstimmt.
In besagter Untersuchung wiesen Kälber im Alter von etwa acht bis zehn Wochen eine geringere Aufnahme von Konzentratfutter und geringere Lebendmassezunahmen auf, wenn sie statt Weizenstroh Luzerneheu gefüttert bekamen.
Während sich in der Studie von Antúnez-Tort et alii im Wachstum der Kälber vor dem Absetzen von der Milch kein Unterschied zwischen den drei Varianten zeigte, wiesen die Kälber, welche stets Stroh als Grobfutter erhielten (Versuchsgruppe 1), nach dem Absetzen tendenziell ein höheres Gewicht auf (Tabelle 3).
Futteraufnahme- und Selektionsverhalten
In der Woche 7, also eine Woche vor dem Absetzen, wurde bei den Kälbern aller drei Versuchsvarianten weder ein unterschiedliches Aufnahmeverhalten (bezogen auf die aufgenommene Futtermenge je Stunde) beim Grobfutter, noch beim Konzentratfutter registriert. Auch die Tagesrhythmik bei der Futteraufnahme war weitgehend gleich. Bezüglich der Grobfutteraufnahme war ein nahezu deckungsgleicher Tagesrhythmus bei den Kälbern aller drei Versuchsgruppen erkennbar.
Die höchste Grobfutteraufnahme erfolgte um 10 Uhr, während diese in allen anderen Stunden wesentlich niedriger war. Konzentrat hingegen wurde vermehrt am Morgen (8 Uhr) und am Nachmittag (16 Uhr) während der Milchtränke und darüber hinaus noch um 21 Uhr aufgenommen. Die aufgenommene Futtermenge war jedoch zwei Stunden nach der morgendlichen Tränke in allen Versuchsvarianten am größten.
In der neunten und 13. Woche, also nach dem Absetzen von der Milch, zeigte sich grundsätzlich ein ähnliches Fressverhalten der Kälber beim Grobfutter wie vor dem Absetzen (in der siebten Woche).
In der neunten Woche (nach dem Absetzen) war die Rate der Konzentratfutteraufnahme bei den Kälbern der Versuchsgruppe 1, die stets Gerstenstroh erhielten, signifikant größer als bei denen der Versuchsgruppe 3, die stets Luzerneheu bekamen. Diese Unterschiede wurden hauptsächlich auf die größere Futteraufnahmerate zwei Stunden nach dem morgendlichen Angebot von festem Futter zurückgeführt.
Die Futteraufnahmerate folgte bei den Tieren aller Versuchsvarianten einem ähnlichen Muster im Tagesverlauf.
In der 13. Woche wiesen die Stroh-Heu-Kälber (Versuchsvariante 2) eine größere Futteraufnahmerate auf als die Kälber der anderen beiden Versuchsvarianten. Die Konzentratfutteraufnahmerate der stets mit Stroh gefütterten Kälber der Gruppe 1 war signifikant größer im Vergleich zu den Kälbern der anderen beiden Gruppen.
Stündliche Unterschiede in der Konzentratfutteraufnahme zwischen Kälbern, die mit Stroh oder Luzerneheu gefüttert wurden, traten während dieser zwei Hauptspitzen der Futteraufnahme auf. Dies könnte darauf hinweisen, dass Sättigungssignale, die durch die Futteraufnahme ausgelöst wurden, bei Kälbern, die mit Stroh gefüttert wurden, später auftraten als bei solchen, die Luzerneheu erhielten. Ersteren ermöglichte dies, während der bevorzugten Fresszeiten mehr Futter zu konsumieren.
Sowohl vor als auch nach dem Absetzen nahmen die Kälber aller drei Versuchsvarianten die langen Futterpartikel gleichermaßen verstärkt auf und ließen die kurzen Futterpartikel vermehrt liegen.
Die in dieser Studie ermittelten Pansen-pH-Werte unterhalb von 6 könnten diese bevorzugte Wahl langer Partikel beeinflusst haben. Vergleichbare Reaktionen fand Maulfair bei Milchkühen, bei denen der pH-Wert im Pansen von 6,02 auf 5,77 abgesenkt wurde. Auf die „erzwungene“ Pansen-pH-Absenkung reagierten die Tiere ebenfalls mit einer Vorliebe für lange Futterpartikel.
Die Fütterung von Gerstenstroh vor und nach dem Absetzen hatte in der Studie einen günstigeren Einfluss auf die Pansenschleimhautentwicklung der Kälber als die Fütterung von Luzerneheu.
Das Verhalten der Tiere
Während einer Zeitdauer von drei Wochen fanden Beobachtungen zum allgemeinen Tierverhalten statt. Dabei zeigten sich während der morgendlichen Fütterung unterschiedliche Verhaltensmuster bei den Kälbern der drei Versuchsgruppen. So kauten tendenziell die Kälber der Versuchsgruppe 1 (Stroh vor und nach dem Absetzen) in den ersten vier Stunden nach der morgendlichen Tränke mehr wieder (Tabelle 4). Womöglich liegt ein Grund hierfür in den beim Gerstenstroh gefundenen längeren Partikeln im Vergleich zu Luzerneheu, obwohl beide Futtermittel mit derselben Maschine und der theoretisch identischen Schnittlänge gehäckselt wurden.
Diese längere Wiederkauzeit in Kombination mit der größeren Partikellänge mag Einfluss auf den pH-Wert im Pansen genommen und letztendlich das Muster der Konzentratfutteraufnahme beeinflusst haben, was den Kälbern der Versuchsgruppe 1 eine größere Konzentratfutteraufnahme zu den Spitzenzeiten ermöglicht haben könnte.
Hingegen verbrachten die Kälber in der Versuchsgruppe 3 (vor und nach dem Absetzen Luzerneheu) signifikant mehr Zeit mit Liegen.
Kälber der Versuchsvarianten 1 und 2 verbrachten in den drei Beobachtungswochen signifikant mehr Zeit mit der Wasseraufnahme als diejenigen der Versuchsvariante 3.
Wie reagiert der Pansen?
Der Pansen-pH-Wert, der in der siebten, neunten und 13. Versuchswoche ermittelt wurde, unterschied sich jeweils zwischen den Kälbern der drei verschiedenen Behandlungsgruppen nicht. Jedoch war der pH-Wert in der 13. Woche mit 6,01 signifikant höher als in den beiden vorhergehenden Beobachtungswochen (siebte Woche: 5,74, neunte Woche der Studie: 5,76).
Im Laufe der Probenahmewochen zeigte sich auch eine Veränderung im Pansenmikrobiom. Zwischen den Kälbern der drei Versuchsgruppen aber gab es diesbezüglich keine Unterschiede, was ebenfalls zu den nicht verschiedenen Pansen-pH-Werten, sowohl vor als auch nach dem Absetzen, passt. Dies könnte durch das gleiche Verhältnis von Grobfutter zu Konzentrat sowie durch die gleichen Gehalte an Rohprotein und Nichtfaser-Kohlenhydraten im Futter aller drei Versuchsgruppen begründet sein.
Fazit
Ziel der vorgestellten Studie war es, die potenziellen Auswirkungen von gehäckseltem Gerstenstroh beziehungsweise Luzerneheu während der Zeit vor und nach dem Absetzen von der Milchtränke auf die Futteraufnahme, Leistung, das Verhalten sowie auf Pansenparameter von Kälbern zu untersuchen.
Die Studienergebnisse bestätigen die Vorteile der Bereitstellung begrenzter Mengen an Stroh vor und nach dem Absetzen der Milch. Zwar hatte die Art des zugeführten Grobfutters (ob Gerstenstroh oder Luzerneheu) keinen Einfluss auf die Aufnahme von Konzentrat- beziehungsweise Grobfutter und Gesamttrockenmasse vor dem Absetzen, aber Gerstenstroh als bereitgestelltes Grobfutter verbesserte im Vergleich zur Gabe von Luzerneheu die Futteraufnahme und die Leistung der Kälber in der Zeit nach dem Absetzen, ohne negative Auswirkungen auf die Futtereffizienz.
Abschließend kommen die Autoren dieser Studie zu der Aussage, dass die Fütterung von Gerstenstroh vor und nach dem Absetzen effektiver war als die Fütterung von Luzerneheu, um die Aufnahme von Konzentratfutter nach dem Absetzen sowie die Entwicklung der Pansenschleimhaut bei den Kälbern zu fördern.
Für den gebürtigen Nordfriesen und Wahlhamburger Ove Thomsen war das ein aufregendes und trubeliges Jahr: Der Musiker und Songwriter veröffentlichte im März zusammen mit seinem langjährigen Freund und Illustrator, Melf Petersen, mit „Regen in‘n Kopp“ (Regen im Kopf) ein erstes Kinderbuch auf Platt- und Hochdeutsch. Prompt gab es im November dafür den Preis „Plattdeutsches Buch des Jahres“ der Carl-Toepfer-Stiftung in Hamburg. In einem Gespräch mit dem Bauernblatt erzählt er von seinen Eindrücken, aber auch weiteren Plänen.
Auftritte mit seiner aktuellen Band „Deniz & Ove“, die seit 2020 mit Kinderliedern im coolen Indie-Pop-Sound die Kinder- und Familienwelt erobert, dazu seit Herbst noch zahlreiche Lesungen samt der feierlichen Preisübergabe im Rahmen der Plattdeutschen Buchmesse in Hamburg – „das war schon viel dieses Jahr, was zusammen gekommen ist, und ich vergesse immer, auch mal zurückzublicken. Das macht man sonst ja meistens erst zu Silvester“, sagt er.
Nun habe er Zeit zum Innehalten, Erfolggenießen und zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob er kommendes Jahr mehr oder weniger machen möchte. „Ich bin zu dem Entschluss gekommen, ich muss mal auf die Pause-Taste drücken“, gibt er sich selbst die Antwort. Das meint aber nicht, dass er gar nichts mehr macht, sondern nur gezielter. „Ich freue mich immer so sehr, wenn die Leute etwas von mir sehen oder hören wollen, und sage dann zu, ohne viel darüber nachzudenken.“ Doch anstatt kreuz und quer durch die Republik zu fahren, nimmt er sich vor, die Veranstaltungen besser miteinander zu verknüpfen oder, wenn es gar nicht passt, auch mal Nein zu sagen. „Denn es ist gut, wenn ich da nicht meine eigene Parodie werde, ohne irgendwann mal die Pause-Taste gedrückt zu haben“, so Ove Thomsen.
Buchcover
P.A.U.S.E. – darum geht es auch in dem Buch „Regen in‘n Kopp“. Ameisenbär Gunnelt lebt zusammen mit Gürteltier Guschi in einem Reetdachhäuschen im Regenwald. Gunnelt ist als Hausmeister sehr gefragt und an sich macht ihm die viele Arbeit auch nichts aus. Er hilft gerne allen Tieren. Doch eines Tage merkt er, dass es ihm zunehmend schwererfällt, aufzustehen, sich zu motivieren. Alles, was ihm sonst Freude bereitet hat, macht ihm iregndwie nicht mehr so richtig Spaß. Es fühlt sich für ihn an, als habe er Regen im Kopf. Seine beste Freundin Guschi rät ihm, zu entspannen und einen Spaziergang durch den Regenwald zu machen. Dort trifft er auf Faultier Malie, das ihm den Tipp gibt, doch einmal Doktor Willi aufzusuchen. Doktor Willi ist ein Affe und hat einen einfachen Rat für Gunnelt: P.A.U.S.E. – Probier‘s Aus Und Sei Entspannt. Ob am Ende wieder die Sonne für Gunnnelt scheint, erfahren die Leser am Ende des 40-seitigen Buches, das es sowohl in einer rein hochdeutschen als auch in der zweisprachigen Variante mit Platt- und Hochdeutsch gibt.
Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, depressive Phasen, Überforderung – keine einfache Kost für Kinder ab fünf Jahren. Und doch schaffen Ove Thomsen und Melf Petersen es auf ihre ganz eigene, behutsame, spielerische Art, den Kindern das näherzubringen und sie durch die Geschichte zu führen. Es ist okay, dass nicht immer die Sonne scheint, dass man auch mal traurig sein darf und dass Pausen und Spazierengehen helfen können, die Dinge wieder aus einer neuen Sicht zu sehen. „Kinder verstehen das schon in dem Alter und auch wenn es ein schweres Thema ist, denke ich, je früher man damit in den Kontakt kommt, desto eher kann man so etwas wie eine Resilienz aufbauen oder Taktiken erwerben. Lehrer können das schon im Unterricht mit integrieren“, erklärt der Wahlhamburger. Und es verstehen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, was das Buch zu einem generationenübergreifenden Werk werden lässt.
Ameisenbär Gunnelt hat Regen im Kopf, selbst auf seine Lieblingsspeise Ameisen hat er keinen Appetit. Illustration: Melf Petersen
„Das Plattdeutsche in dem Buch war mir dabei sehr wichtig und ich werde nicht müde zu betonen, dass man auch schwere Themen im Plattdeutschen ansprechen kann, denn diese Sprache ist nicht immer nur komisch oder lustig. Außerdem möchte ich zum Erhalt der Sprache beitragen“, erklärt Ove Thomsen, der mit Platt groß geworden ist. Zu Hause werde nur Platt gesprochen, da mussten schon zu Schulzeiten Oves Freunde durch, wenn sie bei den Thomsens zu Besuch kamen. Das Plattdeutsche wurde gnadenlos durchgezogen, ob man es verstand oder nicht, „da wurde jeder sprachlich in die Mangel genommen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Ein Fakt, der später dann auch in der Abi-Zeitung Erwähnung fand.
Die niederdeutsche Sprache und Literatur zu fördern sowie bei zeitgemäßen Projekten für das Plattdeutsche zu helfen, das sind auch Maßgaben, die sich die Carl-Toepfer-Stiftung in Hamburg auf die Fahnen geschrieben hat. Die Jury wählte „Regen in‘n Kopp“ zum Plattdeutschen Buch des Jahres, weil „in dem Bilderbuch die hervorragende Leistung gesehen wird, die die Satzung des Preises fordert. Das aus Sicht der Jury überragende Buch kombiniert anspruchsvolle haptisch-ästhetische Gestaltung mit zeitgemäßen inhaltlichen Aspekten“, lautet ein Auszug aus der Begründung. Dass Ove mit dem Buch darüber hinaus zum Erhalt seiner Muttersprache beitragen möchte, war ein weiterer Aspekt.
Aber auch die Illustrationen von Melf Petersen wurden dezidiert herausgehoben: „Das im Hamburger Jumbo-Verlag herausgegebene zweisprachige Bilderbuch ist sorgfältig lektoriert, durch ein Hörbuch zum Download und die Komposition eines Songs multimedial rezipierbar und überrascht durch die Illustrationen des Grafikdesigners und Musikers Melf Petersen. Der langjährige Weggefährte des Autors verbindet Aquarelltechnik und Federstrich und ermöglicht es den Lesern und Leserinnen, durch die Kombination vertrauter und exotischer Elemente Distanz und Nähe zum Inhalt zu entdecken.“
„Die Nachricht von dem Preis kam überraschend. Die Übergabe selbst war so wertschätzend. Und es war spannend für mich zu hören, wie das Buch aus einem anderen Blickwinkel bewertet wurde. Die Zeichnungen von Melf sind nicht kinderbuchtypisch. Aber als wir uns zu dem Projekt entschieden haben, war klar, dass wir es so machen wollen, wie wir es uns denken. Wir sind da völlig unbefangen herangegangen und hatten nicht den Anspruch an uns, sofort den großen Wurf hinzulegen. Ich mochte es, dass Melf sich beim Zeichnen nicht eins zu eins an den Text gehalten hat. Um seine Gedankenwelt mit teilhaben zu lassen, habe ich dann irgendwann noch mal meine Texte geändert“, berichtet Ove vom Werdegang des Buches.
Bei der plattdeutschen Übersetzung hatte er Hilfe von Peter Nissen, denn Plattsprechen sei das eine, Plattschreiben das andere. „Ich musste lernen, dass man nicht so schreibt wie man spricht, sondern mich an eine allgemein vereinbarte Schreibweise zu halten, sodass die Texte auch in Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern gelesen werden können.“
Seite aus dem Buch Foto: Jumbo Verlag Hamburg
Auch die Kommunikation mit einem Verlag sei eine andere als mit einer Plattenfirma, ebenso die Abläufe. „Es sind andere Zyklen beim Herausgeben einer Platte im Gegensatz zu einem Buch. Aber ich habe nun Blut geleckt und bereits Ideen für weitere Kinderbücher, eventuell auch wieder in Kombination mit einem Lied. Aber da will ich mich nicht so festlegen. Manchmal kann ich mich besser in Liedform ausdrücken, manchmal in Textform.“ Und ansonsten hält er sich an die Lieblingsredewendung seiner Oma: „Jümmers mit de Roh un allens nah de Reeg“ (Immer mit der Ruhe und alles der Reihe nach). Was, das gibt er lachend zu, bisweilen noch nicht immer ganz geklappt habe. Aber dafür gibt es ja die Pause-Taste.
Ein wirkliches Kleinod – das ist das Schülper Moor zwischen Nortorf und Neumünster. Selbst am Wochenende kann der Spaziergänger hier noch einsam durch die Landschaft stapfen. Und nicht nur das Moor selbst ist ein Kleinod, sondern auch das ehemalige Torfwerk dort mit seinen Gleisen durch das Schülper Moor. An die Zeiten der Feldbahn erinnern noch letzte Loren, die 15 Jahre ungenutzt zwischen Birken und Moorgräsern lagen und nun von Freiwilligen der Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor aus Quickborn geborgen wurden.
Am Parkplatz für den Wanderer erblickt man gleich die Vergangenheit, denn dort steht das architektonisch anspruchsvolle Torfwerk, das seine besten Jahre aber deutlich hinter sich hat. Ein Andreaskreuz deutet auf eine Schmalspurbahn hin. Die Gleise liegen jedoch in einem Dornröschenschlaf. Im Jahr 2008 stellte das Torfwerk Anton-Günther Meiners seine Torfernte in Schülp bei Nortorf ein. Das Moor wurde vernässt und befindet sich seitdem in der Renaturierung, zudem wurde die Feldbahn aus den 1920er Jahren entbehrlich.
Das Schülper Torfwerk
Das Torfwerk wurde nach dem Torfabbauende an einen örtlichen Hotelbetreiber verkauft. Der Besitzer versuchte vergeblich, die Bahn für eine sanfte Besuchernutzung zu etablieren. Die Gleise und das Gebäude blieben jedoch unangetastet vor Ort. Mit geschultem Blick kann man die Gleisverläufe unter einer mittlerweile 5 bis 10 cm dicken Erdschicht erkennen. Zirka 300 m hinter dem Torfwerk erreicht man den Moorkörper. Genau ab dort sind seit 15 Jahren einige Loren abgestellt. Sie warteten vergeblich auf Einsätze. Im Verlauf der vergangenen anderthalb Jahrzehnte eroberten Birken den Bahndamm und die Loren. Aus der Lorenmitte ragten schon 3 bis 4 m hohe Exemplare. „Schon lange wussten wir von der Existenz der Loren und wünschten uns eigentlich eine bessere Zukunft für die Gefährte im Schülper Moor“, erzählt Dan Zelck, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. Als sich nun endgültig abzeichnete, dass die Loren in Schülp keine Zukunft mehr haben, wurde mit dem Besitzer verhandelt und man wurde sich einig. Nun galt es, die Loren aus dem Moor zu holen. „Dazu rückten wir mit drei Personen an. Es wurde drei Tage lang der alte Torfbahndamm auf 800 Metern Länge freigelegt. Nach reichlicher Überlegung hatten wir uns dazu entschlossen, die Loren mit einer Lok herauszuziehen, dazu kam unsere Wilde 13, eine Diema DL 6 zum Einsatz“, berichtet Zelck von dem Vorhaben. Kurzerhand habe man die Lok mit nach Schülp genommen. Stück für Stück konnten die Loren dann aus dem Moor herausgezogen werden. „Stellenweise waren die Loren aber so morsch, dass wir sie vor Ort mit der Kettensäge zerlegen mussten, um sie transportfähig zu machen.“
Abgestellte Loren von jungen Birken umwachsen
Das Bergen und Verladen von acht Loren dauerte dann nochmals zwei Tage, „dazu bekamen wir Hilfe von Freunden aus dem Feldbahnmuseum Herrenleite bei Dresden“, so Zelck. Ein letztes Mal tuckerte ein Torfzug durch das Schülper Moor, die Gelegenheit wollte man nicht ungenutzt lassen. Sehr zur Freude der Anwohner, die die Aktivitäten mitbekamen und staunenderweise vorbeikamen, um sich über das kurze Revival der Bahn zu freuen. „Dabei kam es zu vielen netten Gesprächen mit alten Anekdoten rund um die kleine Bahn.“ Anschließend wurden die Loren verladen und mit verschiedenen Anhängergespannen nach Quickborn gefahren.
Für das Schülper Moor und die Loren war diese Bergung eine Win-win-Situation. Das Moor wurde von Fremdkörpern befreit und die Loren sind nun nicht mehr dem weiteren Verfall preisgegeben. Sie sollen mittelfristig aufgearbeitet werden und den Besuchern im Himmelmoor einen weiteren typischen Torfzug zeigen. „Alle Beteiligten waren sich einig – einen schöneren Abschied von der Torfbahn im Schülper Moor hätte es nicht geben können“, so Dan Zelck.
Weitere Informationen unter torfbahn-himmelmoor.de
Such nach den alten GleisenFreilegen der GleiseNach 15 Jahren wird die Lore wieder aufgegleistBeim Bergen gab es die ein oder andere EntgleisungNach langer Zeit wieder ein Zug am BahnübergangVerladen der Loren für den Transport ins HimmelmoorDie allerletzte Fahrt im Schülper Moor
In der Saison sind Thomas Kaiser und Dirk Rose als Strandwärter im Kreis Plön am Schönberger Strand unterwegs. Im Winter machen sie die Strandkörbe, die dort monatelang dem Besucheransturm und Wetter trotzten, wieder flott. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, welch ausgeklügelte Logistik und wie viel traditionelles Handwerk und Herzblut hinter ihrer Arbeit stecken.
Zum Glück waren die rund 800 Strandkörbe schon im sicheren Winterquartier, als die Sturmflut am 20. und 21. Oktober über den Schönberger Strand hinwegfegte und enorme Schäden verursachte. Lars Widder, Werkleiter des Eigenbetriebs Tourist-Service Ostseebad Schönberg, ist zuversichtlich, dass sie nach der Schadensbeseitigung zur nächsten Tourismus-Saison wieder an gewohnter Stelle stehen können. „Mehr als 30.000 Kubikmeter Sand wurden am Schönberger Strand weggespült. Die müssen nun erst einmal wieder aufgefüllt werden“, informiert er.
Beide Strandwärter vor den Strandkörben im Winterquartier
Mit den Mitarbeitern Thomas Kaiser und Dirk Rose führt er durch das Winterlager der Strandkörbe im Schönberger Bauhof. Dicht an dicht, in Reih und Glied, werden sie hier auf einer Fläche von 800 m² eingelagert. Gleich vorn am Eingang der großen Werkhalle steht schon der Nachschub bereit. „Gerade haben wir 60 neue Körbe bekommen, 30 werden noch geliefert“, berichtet der Werkleiter.Rund 50 bis 70 Körbe pro Jahr würden nach der Saison aussortiert,150 bis 180 kämen mit deutlichen Gebrauchsspuren oder kleinen Macken vom Strand zurück und würden sorgfältig wieder aufgemöbelt, die ausgemusterten im Frühjahr versteigert. „Unsere Saison geht vom 1. Mai bis zum 30. September. Um die Körbe zum Strand hin- und wieder zurückzubringen, brauchen wir jeweils 14 Tage. Da packen dann unsere Kollegen vom Bauhof alle tatkräftig mit an“, erzählt Dirk Rose. Mit Traktor, Maschinenunterstützung und Hilfsgeräten transportierten sie die 100 kg schweren Kolosse. „Ohne Muskelkraft geht da nichts“, meint Thomas Kaiser, der Schlosser ist und hier seit 26 Jahren arbeitet.
Damit alle Körbe nach dem Ausladen an der richtigen Stelle stehen und von den Mietern auf den Übersichtsplänen auch gefunden werden können, gibt es ein ausgeklügeltes System. „Unser Strand reicht von Buhne 18 bis Buhne 42. Wir haben ihn in die Abschnitte links, mittig und rechts eingeteilt. Jedes Buhnenfeld hat dabei noch eine eigene Farbe. Damit wir wissen, welche Körbe wo hingehören, haben wir auf den Dachhauben entsprechend der Position schwarze Kabelbinder angebracht. Mit weißen Kabelbindern markieren wir später Exemplare, die im Winter eine Reparatur benötigen“, erläutert Dirk Rose das Prozedere.
Thomas Kaiser zeigt auf eine schadhafte Stelle.
Jetzt geht der Betrachterin auch ein Licht auf, warum an jedem Strandkorb oben eine kleine „GPS-Antenne“ zu sehen ist, wie Rose sie witzelnd bezeichnet. Der Tischler ist seit 15 Jahren beim Bauhof und findet an seinem Job die Mischung der Aufgaben gut. „Im Sommer bin ich draußen an der frischen Luft, habe viel Kontakt mit Urlaubsgästen, im Winter bin ich in der ruhigeren Reparaturwerkstatt“, erklärt der 51-Jährige. Thomas Kaiser (61) mag das Arbeiten draußen am liebsten. „Wir fangen frühmorgens an. Wenn die Sonne über dem Meer aufgeht und es noch herrlich ruhig ist, ist das mein Highlight des Tages.“ Ob sie selbst morgens oder nach Dienstschluss schnell mal in die Meeresfluten springen? Beide schütteln den Kopf. Kaiser bringt es so auf den Punkt: „Wir baden nicht, für den einen ist es Freizeit, für den anderen Beruf.“
Mit einem Kontrollgang um 7 Uhr beginnt der bis 16 Uhr dauernde Sommerdienst der Strandwärter, die während der Saison von Swantje Bäumer unterstützt werden. Die Männer und ihre Kollegin sind für einen 5 km langen Strandabschnitt von Kalifornien bis vor die Fischerhütten in Stakendorf zuständig. Etwa 450 Strandkörbe stehen dort für Dauermieter bereit. Tagesgäste können über die App „Beach Now“ weitere 350 anmieten. „Wir schauen morgens als Erstes, wie es am Strand aussieht. Wie hoch ist das Müllaufkommen? Müssen wir Scherben im Sand absammeln? Wie viel Seegras liegt am Wassersaum? Auch checken wir die Strandkörbe, gucken, ob etwas defekt ist.“ Gegen 10 Uhr wird es in ihrem „Revier“ langsam geschäftig. Nun sind die Strandwärter für die Besucher da, helfen hier bei einem Problem, geben da eine Auskunft, kontrollieren die Strandkarten und achten auf die Einhaltung der Leinenpflicht für Hunde. Zudem unterstützen sie ihre Bauhof-Kollegen beim Auf- und Abbau von Veranstaltungen. Geduldig beantworten sie daneben jede Menge Fragen der Touristen.
Die Strandkörbe am Schöneberger Strand
Eine kleine Kostprobe gefällig? Dirk Rose plaudert aus dem Nähkästchen: „Wann gibt es die nächste Wattwanderung? Wo bekomme ich den Ebbe-&-Flut-Kalender? Könnt ihr helfen, ich kriege das Strandkorbschloss nicht auf? Oder: Hilfe, ich finde meinen Strandkorb nicht wieder.“ Sogar falls ihre Fahrräder einen Platten haben, wenden sich Urlauber für einen Rat an die Strandwärter-Crew, die am flotten Käppi und blauer Dienstkleidung zu erkennen ist. Mit den Stammgästen ergeben sich oft nette Klönschnacks oder intensivere Gespräche. Dirk Rose denkt dabei an eine ältere Dame, die über 25 Jahre mit ihrem Mann alljährlich einen Strandkorb mietete. Als er gestorben war, kehrte sie allein zu dem Strandkorb zurück. Ein schwerer Moment, den der Strandwärter ihr erleichterte, indem er sich Zeit für ihre Geschichte nahm und zuhörte. „Wir haben aber auch schon romantische Heiratsanträge am hübsch geschmückten Strandkorb erlebt“, meint er schmunzelnd. Und dann seien da noch die Dinge, die ständig am Strand verloren gingen. Immer wieder würden Ringe, Handys, Sonnenbrillen, Portemonnaies oder Schlüssel verzweifelt vermisst. Diese würden beim Wiederauffinden zum Fundbüro oder in das Büro des Tourist-Services gebracht. Ob es etwas gibt, das die Strandwärter ärgert? Zunächst betonen sie, dass sich die große Mehrheit der Leute am Strand rücksichtsvoll und verantwortungsbewusst gegenüber Mitmenschen und Natur verhalte. Kummer machten ihnen diejenigen, die achtlos Zigarettenstummel im Sand entsorgten und so die Umwelt verschmutzten. „Wir haben an jeder Ecke Mülleimer zu stehen, verteilen kostenlose Strandaschenbecher, das muss doch nicht sein.“ Zudem würden manchmal Körbe beschmiert oder der Stoff mutwillig beschädigt.
Während wir uns weiter über das sommerliche Strandleben austauschen, erreichen wir beim Gang durch die Halle nun den wichtigsten Einsatzort der Strandwärter im Winter, die Reparaturwerkstatt. Es schließt sich ein Ersatzteillager mit wandhohen, voll bepackten Regalen an. „Alle Reparaturen und dafür benötigte Teile machen wir selbst“, betont Thomas Kaiser stolz. Flechten, sägen, hobeln, nähen, polstern: Die Männer beherrschen alles aus dem Effeff. Ob eine Fußablage klemmt, ein Stück Stoff abgerissen ist oder der Korbrahmen durch Feuchtigkeit und Belastung gelitten hat – mit Herzblut, handwerklichem Geschick und Erfahrung beheben die beiden Routiniers die Schäden an den ihnen anvertrauten „Sehnsuchtsmöbeln“.
Eines wird deutlich: Nur dank des Einsatzes der Strandwärter und ihrer Bauhof-Kollegen werden die Strandkörbe frisch gereinigt und picobello herausgeputzt pünktlich zum Saisonstart wieder am Schönberger Strand stehen – zur Freude von Einheimischen und Gästen.
Dirk Rose repariert eine der Fußablagen Fotos: Silke Bromm-KriegerErsatzteillager für StrandkörbeMaterial für die StrandkörbeRahmen, Unterkonstruktion oder abschließbares Strandkorbgatter Thomas Kaiser beim NähenThomas Kaiser beim Ausmessen von neuem Bezugsstoff
Welche Folgen die Abschaffung der Agrardieselrückerstattung und der Kfz-Steuerbefreiung für die Landwirtschaft hätte, erläutert Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), im Interview.
Wie konnte ein Beschluss der Ampel-Regierung in kürzester Zeit rund 8.000 Bauern mit 2.000 Schleppern nach Berlin treiben?
Klaus-Peter Lucht: Wir lehnen diesen Beschluss ab. Er ist ein Angriff auf die Landwirtschaft und den gesamten ländlichen Raum.
Wie hoch wären die zusätzlichen Kosten für die Betriebe?
Auf unserem Futterbaubetrieb mit 200 Kühen verbrauchen wir zirka 30.000 l Diesel im Jahr. Das bedeutet einen finanziellen Verlust von 6.000 €. Wenn meine Schlepper auch noch eine schwarze Nummer haben müssten, dann wären das noch einmal 3.000 €, die ich mehr verlieren würde, und mein Lohnunternehmer hätte dann auch keine grünen Nummernschilder mehr, was noch einmal mit mindestens 6.000 € zu Buche schlagen würde.
Sind alle Betriebe gleichermaßen betroffen?
Ökobetriebe brauchen ungefähr 20 bis 30 % mehr Diesel, weil sie mit der Hacke übers Feld fahren müssen. Klar ist: Als landwirtschaftlicher Sektor haben wir unsere Klimaziele erreicht. Wir arbeiten schon sehr effizient auf unseren Flächen und in unseren Ställen. Wir wollen und müssen dafür sorgen, dass unsere Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln versorgt wird. Das geht nur mit einer funktionierenden Landwirtschaft.
Wie groß ist Ihre Hoffnung, noch Änderungen zu erwirken?
Das ist keine Frage der Hoffnung, sondern wir erwarten einfach, dass diese Beschlüsse zurückgenommen werden. Und wenn das nicht passiert, werden wir auch in Schleswig-Holstein ab dem 8. Januar massiv demonstrieren.
Stimmen aus Schleswig-Holstein
Joachim Becker
Joachim Becker: Wir haben bei der Besteuerung des Agrardiesels schon ein Ungleichgewicht in Europa, das nun verstärkt werden soll. Wenn die Ampel ihre Pläne nicht zurückzieht, gibt es einen heißen Winter.
Jan-Hinrich Behnk
Jan-Hinrich Behnk: Die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern wird wieder einmal eingeschränkt, und das nimmt gerade mir als jungem Betriebsleiter Perspektiven. Auf unserem Milchviehbetrieb würde der Wegfall der Agrardieselrückerstattung sowie der Kfz-Steuerbefreiung etwa einen Cent je Kilo Milch ausmachen, was voll auf den Gewinn durchschlägt.
Birte Niemeyer
Birte Niemeyer: In der Familie waren wir uns alle einig, dass wir auf jeden Fall dabei sind, unseren Unmut darzulegen. Wir haben schon zu viele Einschränkungen und Kürzungen hinnehmen müssen. Zu viel ist zu viel. Einsparungen wären für alle nur möglich, wenn wir unsere Schlepper mit Heizöl fahren dürften.
Marven Böttcher
Marven Böttcher: Wir fahren mit einem mulmigen Gefühl nach Hause, denn aktuell macht es den Eindruck, dass wir gegen eine Wand reden. Wir Landwirte sparen schon. Und durch den Wegfall von diversen Pflanzenschutzmitteln läuft es natürlich darauf hinaus, das mehr mechanische Arbeiten durchgeführt werden müssen. Das belastet die Betriebe schon mit zusätzlichen Dieselkosten und Personalstunden.
Jörn Höper
Jörn Höper: Ich erwarte mir momentan nichts von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. Er wäre allerdings derjenige, der Wirtschaftsminister Robert Habeck zum Einleken bewegen müsste. Da wir zuletzt schon genug an Kürzungen hinnehmen mussten, gibt es aus meiner Sicht keinen Verhandlungsspielraum.
Die Nachricht hatte es in sich: Um das Haushaltsloch zu stopfen, das duch verfassungswidrige Schattenhaushalte der Ampel-Koalition entstanden ist, will die Bundesregierung unter anderem die Agrardieselvergünstigung und die Kfz-Steuerbefreiung für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge streichen. Nach Bekanntwerden dieser Pläne vergangene Woche Mittwoch formierte sich binnen kürzester Zeit massiver Widerstand in der Agrarbranche, der seinen bisherigen Höhepunkt in einer Protestkundgebung am Montag am Brandenburger Tor in Berlin fand.
„Wenn die Bundesregierung ihre Pläne nicht ändert, sorgen wir dafür, dass es einen heißen Januar gibt“, kündigte Joachim Rukwied weitere Protestaktionen an – und zwar in einer Art, „die das Land zuvor noch nicht gesehen hat“. Nach den Worten des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV) ist die Branche bereits durch Kürzungen bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) mit rund 1 Mrd. € belastet.
Joachim Rukwied
Fundamentale Kritik
Die zusätzliche Milliarde, die der Branche nun abverlangt werden solle, schlage dem Fass den Boden aus. Rukwied verlangt, dass Steuergeld vorrangig dafür verwendet werden müsse, dass Steuerzahler eine Zukunft hätten. Falls sich die Ausrichtung der Regierung nicht ändere, brauche es einen Regierungswechsel. Die Liste kritischer Punkte werde immer länger. Beispiele:
Cem Özdemir
– Die Gemeinsame EU-Agrarpolitik hat mit praktikabler Landwirtschaft nicht mehr zu tun.
– Die Finanzierung des Tierhaltungsumbaus lässt immer noch auf sich warten.
– Beim Konflikt zwischen Wolf und Weidetierhaltung ist keine Lösung in Sicht.
– Der hohe Mindestlohn gefährdet die Existenz insbesondere der Sonderkulturbetriebe.
Dabei hat die deutsche Landwirtschaft laut Rukwied „geliefert“. Europaweit legten die Bauern hierzulande die meisten Blühstreifen an. Hier gebe es den höchsten Anteil an Direktsaatverfahren. Zudem sei die Landwirtschaft der einzige Sektor, der seine Klimaschutzziele erreicht habe. Der DBV-Präsident warnte die Regierung, sich von der sicheren Versorgung mit heimischen Lebensmitteln zu verabschieden und den ländlichen Raum insgesamt zu vernachlässigen. Das sei nicht hinzunehmen. Er stellte klar: „Wir werden jetzt kämpfen.“
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) verteidigte die Pläne der Bundesregierung. Er erklärte: „Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist klar, dass wir sparen müssen.“ Er räumte allerdings ein, dass die gleichzeitige Streichung der Agrardieselvergünstigung und der Kfz-Steuerbefreiung zu einer überproportionalen Belastung der Landwirtschaft führe. Er wolle sich „mit aller Kraft dafür einsetzen, dass das so nicht kommt“. Die Demonstranten konnte der Minister mit seinen Worten kaum befrieden. Neben zahlreichen Buhrufen in Richtung Özdemir waren mehrfach Sprechchöre mit der Forderung nach Neuwahlen zu hören.
Petition gestartet
Klaus Pentzlin, Vorsitzender des Bundesverbandes Lohnunternehmen, hofft, dass die Politik aus ihren Fehlern lernt. Er kritisierte, dass andere um eine Vier-Tage-Woche und 10 % mehr Lohn stritten, während in der Agrarbranche die Einkommen beschnitten würden. Aus seiner Sicht könnte das Herunterfahren des Bürokratismus eine Menge Geld sparen. Pentzlins klare Forderung: „Keine schwarzen Nummernschilder an Traktoren.“
Klaus Pentzlin
Claus Hochrein, Sprecher des Vorstandes von Land schafft Verbindung Deutschland (LsV), erklärte: „Die Zeit der Verhandlungen und faulen Kompromisse ist vorbei.“ Die Bundesregierung verspiele die Ernährungssouveränität in Deutschland und ziehe die Motivation der Bäuerinnen und Bauern „immer weiter runter“.
Max Freiherr von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, betonte: „Wir wollen auf unseren Betrieben vernünftig wirtschaften.“ Die Pläne der Bundesregierung seien kein Subventionsabbau, sondern eine Steuererhöhung. Die Biobetriebe, „die wir voranbringen wollen“, würden aufgrund ihres höheren Treibstoffverbrauchs am meisten bestraft. Auch die Waldbauern seien durch die zunehmende Arbeit aufgrund von Schädlingen und der Folgen des Klimawandels betroffen. Von Elverfeldt wies auf eine Online-Petition „Gegen die Streichungen der Agrardieselrückvergütung & Kfz-Steuerbefreiung (Landwirtschaft)“ auf „change.org“ hin, die bereits von knapp 1 Million Personen unterschrieben wurde. Eine weitere ePetition läuft mittlerweile auf der Internetseite des Deutschen Bundestages.
Claus HochreinMax Freiherr von Elverfeldt
Eindrücke aus Berlin. Fotos: rqEindrücke aus Berlin. Fotos: rqEindrücke aus Berlin. Fotos: rqEindrücke aus Berlin. Fotos: rqEindrücke aus Berlin. Fotos: rqEindrücke aus Berlin. Fotos: rq
Die Landesregierung hat am Dienstag Eckpunkte zur zukünftigen Planung der Windenergie in Schleswig-Holstein beschlossen. Anhand der vorgestellten Leitlinien sollen der Landesentwicklungsplan (LEP Wind) und die Regionalpläne Windenergie fortgeschrieben werden. Ziel ist es, die installierte Leistung durch Windenergie an Land bis 2030 auf 15 GW zu erhöhen. Mit den bestehenden Regionalplänen wurden 10 GW angestrebt, die in absehbarer Zeit erreicht sein werden.
Um dieses Energieziel zu erreichen, sollen die Windenergie-Vorranggebiete von derzeit rund 2 % der Landesfläche auf rund 3 % ausgeweitet werden. Dazu erklärte Innenministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack (CDU): „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir deutlich stärker als bisher in Schutzbelange eingreifen, um zusätzliche Vorranggebiete auszuweisen. Dafür haben wir den bisherigen Kriterienkatalog zur Auswahl der Vorrangflächen überarbeitet. Ich bin den beteiligten Ministerien sehr dankbar, dass sie in den letzten Monaten zu vielen Zugeständnissen bereit waren. Wir haben für die Energiewende in Schleswig-Holstein einen Meilenstein erreicht.“
Innenministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack Foto: jh
Schutzabstände zur Wohnbebauung bleiben unverändert, wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Im Außenbereich müssen Vorranggebiete 400 m Abstand zur Wohnbebauung halten, zu Dörfern und Städten 800 beziehungsweise 1.000 m. Landesschutz- und Regionaldeiche sollen mit einem pauschalen Abstand von 100 m binnenseits der Deichkrone berücksichtigt werden. Wegen etwaiger zukünftiger Deichverstärkungsmaßnahmen besteht ein Bauverbotsstreifen von 50 m Abstand zu Landesschutzdeichen und 25 m bei Regionaldeichen.
„Windplanung flexibler als bisher“
Einige Kriterien des Landschafts- und Artenschutzes und des Denkmalschutzes sollen dagegen geringer gewichtet, weitere Belange auf die Genehmigungsebene verlagert werden. „Mit den beschlossenen Eckpunkten setzen wir auch die geänderten Anforderungen des Bundesrechts um. Zukünftig weisen wir landesseitig Vorranggebiete in einer Positivplanung aus, die Ausschlusswirkung außerhalb dieser Gebiete fällt weg. Darüber hinaus können Gemeinden im Wege von Bauleitplanungen Windenergiegebiete dort festlegen, wo Ziele der Raumordnung dem nicht entgegenstehen. Damit wird die Windplanung deutlich flexibler als bisher“, so die Innenministerin.
Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) erläuterte: „Mit den Grundsatzbeschlüssen setzen wir die Erfolgsgeschichte der Windenergie in Schleswig-Holstein nahtlos fort. Windenergie an Land wird auch weiterhin den größten Beitrag zur Energiewende leisten. Windkraft aus Schleswig-Holstein senkt die Stromkosten, sichert die Versorgung mit Energie und ist ein Standortfaktor für Schleswig-Holstein. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien steht im überragenden öffentlichen Interesse.“ Goldschmidt betonte: „Wir haben Kompromisse in der Abwägung der Schutzgüter zugunsten des Klimaschutzes gemacht. Dabei ist es gelungen, die für den Naturschutz besonders bedeutsamen Bereiche weiterhin von Windkraftanlagen frei zu halten und damit auch den Schutz der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein sicherzustellen. Klima- und Naturschutz sind zwei Seiten derselben Medaille.“
Neue Regionalpläne bis spätestens 2027
Der bestehende Landesentwicklungsplan und die Regionalpläne Windenergie werden schnellstmöglich erneut fortgeschrieben. Dies erfolgt unter Beteiligung der allgemeinen Öffentlichkeit sowie der Kommunen und weiterer Träger öffentlicher Belange. Im LEP Wind setzt das Land die geänderten Anforderungen des Bundesrechts um. Mit den Regionalplänen werden in der Folge genügend Vorranggebiete ausgewiesen, um das Energieziel des Koalitionsvertrages (15 GW aus Wind an Land) und die Flächenvorgabe des WindBG (auf Schleswig-Holstein übertragen rund 3 % der Landesfläche) zu erfüllen. Ziel ist die Aufstellung der neuen Regionalpläne bis spätestens 2027. Die Vorgaben des Bundes würden damit bereits fünf Jahre früher erreicht als notwendig. Am Vorrang einer landesseitigen Steuerung und dem Grundgedanken einer räumlichen Konzentration von Windparks wird festgehalten.
Energiewendeminister Tobias Goldschmidt Foto: jh
Für das Energie- und Flächenziel wird der Kriterienkatalog zur Ermittlung der Vorranggebiete teilweise geändert. Abstände zu Siedlungen und Wohngebäuden im Außenbereich werden unverändert beibehalten. Landschaftsschutzgebiete werden nicht mehr pauschal von Windkraftanlagen frei gehalten. Abstände zu Wäldern sollen abhängig von deren ökologischer Wertigkeit angepasst werden. Die Schutzbereiche um Brutplätze von windkraftsensiblen Großvögeln werden teilweise reduziert.
Auch bei Naturschutzgebieten soll der Abstand künftig vom Schutzziel des Gebietes abhängig sein. Abwägungskriterien wie zum Beispiel die Umfassung von Ortslagen, Migrationskorridore zu den Grünbrücken, Naturparke, der Denkmalschutz oder regionale Grünzüge werden zugunsten der Windenergienutzung geringer gewichtet. Im Küstenmeer wird es keine Ausweisung von Vorranggebieten geben und im Bereich der Deiche wird auf künftige Deichverstärkungsmaßnahmen Rücksicht genommen. Die Berücksichtigung linienhafter Strukturen wie beispielsweise Straßen oder Hochspannungsleitungen wird nach Möglichkeit auf die Genehmigungsebene verlagert. Der ausformulierte Kriterienkatalog wird mit dem Entwurf der Teilfortschreibung des LEP Wind veröffentlicht, voraussichtlich im zweiten Quartal 2024. Grundsätzlich sollen alle bereits in den geltenden Regionalplänen ausgewiesenen Vorranggebiete beibehalten werden.
Schleswig-Holstein hält an einer Rotor-in-Planung fest. Das bedeutet, dass Windenergieanlagen vollständig in den Vorranggebieten errichtet und betrieben werden müssen und mit ihrem Rotor nicht über die Grenze des Gebietes hinausragen dürfen.
Rund drei Prozent der Landesfläche nötig
Weil vom Bund eine Umrechnung der Flächenbeitragswerte nach Rotor-out verlangt wird, muss Schleswig-Holstein etwa 3 % der Landesfläche zur Erreichung seines Beitragswertes erbringen. Das Plankonzept wird auf eine Positivplanung ohne Ausschlusswirkung umgestellt. Mit Erreichen der Flächenbeitragswerte nach WindBG, die mit den neuen Regionalplänen Windenergie voraussichtlich 2026/27 festgestellt werden, verlieren WEA ihre Privilegierung im Außenbereich. Sie können zukünftig grundsätzlich auch außerhalb von Vorranggebieten genehmigt werden, allerdings nur, wenn dadurch öffentliche Belange nicht beeinträchtigt werden.
Die bestehende 3H-/5H-Regelung, wonach WEA im Außenbereich die dreifache Höhe zur Wohnbebauung einhalten müssen und zu Siedlungsbereichen die fünffache Höhe, entfällt. Höhenbegrenzungen für WEA werden sowohl für die landesseitigen Vorranggebiete als auch für Bauleitplanungen der Gemeinden ausgeschlossen.
Auf die Ausweisung von gesonderten Vorranggebieten für Repowering wird zukünftig verzichtet. An ihre Stelle tritt die Möglichkeit, WEA auch außerhalb von Vorranggebieten zu repowern, wenn Ziele der Raumordnung eingehalten und öffentliche Belange nicht beeinträchtigt werden.
Über eine Mindestgröße für Vorranggebiete von 15 ha wird auch weiterhin eine Konzentrationswirkung der Regionalpläne Windenergie sichergestellt. Auf die Ausweisung von Vorranggebieten im Küstenmeer (Küstenlinie bis zur 12-sm (Seemeilen)-Zone) soll weiterhin verzichtet werden. Auf eine Berücksichtigung der Windhöffigkeit und der Leitungsnetzinfrastruktur wird bei der Ermittlung der Vorranggebiete ebenfalls verzichtet.
Für ausführliche Erläuterungen steht ein Hintergrundpapier auf der Internetseite der Landesregierung zur Verfügung unter schleswig-holstein.de/windenergie
Nach Jahren mit ruinösen Preisen konnten die Schweinehalter im abgelaufenen Jahr 2023 endlich wieder kostendeckende Erlöse erzielen. Der Bestandsabbau hat das Angebot deutlich reduziert. Der Bedarf der Schlachtbetriebe konnte meist nicht bedient werden. Der Basispreis stieg bis Juli dieses Jahres auf 2,50 €/kg SG und erreichte damit ein Allzeithoch. Nach der Grillsaison gab die Notierung wieder nach und lag im Oktober bei 2,10 €/kg SG. Auf diesem Niveau konnte sich der Kurs bis Jahresende behaupten. Auch die Ferkel waren in diesem Jahr knapp und gesucht. Teilweise stiegen die Basispreise hier über die Marke von 100 € je 28-kg-Ferkel. Bis zum Herbst gaben die Notierungen jedoch wieder nach. In den letzten Wochen vor dem Jahreswechsel zeigte sich eine wieder steigende Preisentwicklung für Ferkel, während die Schlachtschweinekurse unverändert geblieben sind. Für die Mäster wird die Kalkulation somit wieder knapp. Bei den aktuellen Ferkelkosten sind eigentlich höhere Erlöse für Mastschweine notwendig. Die Erzeugerseite hat sich jedoch mit höheren Preisforderungen zum Jahresende zurückgehalten in der Hoffnung, dass nach dem Jahreswechsel kein Preisrutsch einsetzt. Ferkel waren zuletzt auch in Polen sehr gefragt und erzielten Preisaufschläge. Dies betrifft vor allem die Importferkel aus Dänemark. Deutschlandweit ist die Zahl der Zuchtsauen zuletzt nochmals um 8 % gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Ferkelimporte aus Dänemark und den Niederlanden können diesen Rückgang nur zum Teil ersetzen.
Weniger Schweine
Nach Angaben des Statistischen Landesamtes hat sich die Zahl der Schweine haltenden Betriebe in Schleswig-Holstein im vorigen Jahr nicht verringert. Während sich die Zahl der im Land gehaltenen Mastschweine wieder etwas erholt hat, ist die Anzahl der Zuchtsauen jedoch weitergesunken. Bundes- und auch EU-weit ist dagegen das Mastschweineaufkommen in diesem Jahr weiter zurückgegangen. Obwohl schon einige Schlachthöfe den Betrieb eingestellt haben, bleibt ein Überhang an Schlachthaken. Wurden vor einigen Jahren zu dieser Jahreszeit noch über eine Million Schweine pro Woche in Deutschland geschlachtet, ist die Zahl aktuell auf etwa 740.000 gesunken. Mittelfristig geht man davon aus, dass sich dies auf etwa 650.000 Schweine pro Woche verringern wird. Für diese Entwicklung gibt es neben dem geringen Schweinebestand auch noch andere Gründe: So geht der Pro-Kopf-Verzehr immer weiter zurück; seit Anfang der 1990er Jahre um 10 kg. Gleichzeitig machen die gestiegenen Kosten der Branche zu schaffen, beispielsweise für Energie, und ebenso der akute Fachkräftemangel.
Weniger Nachfrage
Vor Weihnachten zeigt sich ein belebter Schlachtschweinehandel. Die Schlacht- und Zerlegebetriebe arbeiten auf Hochtouren, um den Bedarf für das Weihnachtsgeschäft zu decken. Die Mäster liefern ihre Schweine zügig ab. Die rückläufigen Schlachtgewichte zeigen dies. Somit sollten sich Angebotsüberhänge im neuen Jahr in Grenzen halten. Dennoch wird von zu großer Euphorie gewarnt. Die Mengenumsätze im Fleischhandel bleiben hinter dem zurück, was in den Vorjahren abgesetzt wurde. Trotz der inzwischen erfolgten wirtschaftlichen Erholung bleibt die Stimmung in der hiesigen Schweinefleischerzeugung eher getrübt. Es mangelt an Rechts- und Planungssicherheit. Dies bremst Um- und Neubauinvestitionen. Die Schweinebestände befinden sich in Deutschland auf dem tiefsten Stand seit 25 Jahren.