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Bewertung von Ferkelfutter und Alleinfutter für Sauen

Schweine aktuell: Vergleichender Mischfuttertest 11/2022
Von Dr. Sophie Diers, Landwirtschaftskammer SH; Dr. Karl-Hermann Grünewald, Verein Futtermitteltest
Eine bedarfsgerechte Energieversorgung ist für die Sauen in der Laktation essenziell. Foto: Dr. Sophie Diers

Von Januar bis März 2022 wurden in Schleswig-Holstein Alleinfutter für tragende und säugende Sauen und Ferkelaufzuchtfutter vom Verein Futtermitteltest (VFT) beprobt, überprüft und bewertet. Die Ergebnisse im Folgenden.

Durch Mitarbeiter der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wurden die Proben direkt bei Anlieferung des Futters auf den Betrieben gezogen. Nach Untersuchung im Labor der Agrolab Lufa Kiel erfolgte die Bewertung beim VFT. Sobald hier eine Abweichung von der Deklaration oder den Vorgaben und Richtwerten festgestellt wird, wird das Futter durch ein zweites Labor überprüft. Dadurch wird die Gefahr von Analysefehlern minimiert und tatsächliche Abweichungen werden abgesichert.

Hinweise zur Vorgehensweise des VFT bei der Bewertung der Futtermittel, zu Anforderungen und fachlichen Vorgaben sind im Internet unter www.futtermitteltest.de zu finden. Über diese Seite ist ebenfalls ein Zugriff auf die Ergebnisse verschiedener Futtertypen in den einzelnen Regionen möglich.

Alleinfutter für Sauen aus Schleswig-Holstein

Untersucht wurden vier Alleinfutter (AF), zwei für tragende Sauen und zwei für säugende Sauen, von drei verschiedenen Herstellern.

Die AF für tragende Sauen waren mit 12,0 MJ ME/kg beziehungsweise 11,8 MJ ME/kg bei 14,0 % und 13,5 % Rohprotein mit 0,60 % und 0,70 % Lysin, 0,24 % Methioninäquivalent beziehungsweise 0,21 % Methionin, jeweils 0,70 % Kalzium und 0,50 % Phosphor deklariert.

Die AF für säugende Sauen waren mit 13,2 MJ ME/kg und 13,0 MJ ME/kg bei 17,0 % und 16,5 % Rohprotein mit jeweils 0,95 % Lysin, 0,31 % Methioninäquivalent beziehungsweise 0,28 % Methionin, 0,85 % und 0,80 % Kalzium sowie 0,55 % beziehungsweise 0,58 % Phosphor deklariert.

Kommentierung der Alleinfutter für Sauen

Bezüglich der Genauigkeit der Nährstoffangaben der Hersteller (Deklarationseinhaltung) wurden die angegebenen Gehalte an Energie und den wesentlichen Nährstoffen mit den Laborbefunden verglichen (Tabelle 1). Dabei gab es drei Futter mit Unterschreitung des Energiegehaltes. Die anderen Deklarationswerte wurden bestätigt.

Lediglich das AF für tragende Sauen von der Firma Stöfen hielt die Vorgaben im Rahmen der engen Toleranzen des VFT ein und erreichte eine sehr gute Bewertung – Note 1.

Die drei weiteren untersuchten AF mussten wegen der oben genannten Energieuntergehalte mit der Note 3 bewertet werden. Niedrigere Energiegehalte im Futter führen bei fester Zuteilung zu einer unzureichenden Energiezufuhr, die vor allem in der Laktation wegen des hohen Energiebedarfs bei der Milchbildung zu verstärktem Substanzabbau führt, was nachteilig für die folgenden Reproduktionszyklen sein kann. Bei Ad-libitum-Fütterung und gegebenenfalls Anpassung der Futteraufnahme wäre das Energiedefizit kleiner, es resultierte aber ein höherer Futteraufwand.

Bei der fachlichen Bewertung (Tabelle 2) wird die Übereinstimmung der tatsächlichen Gehalte mit fachlich abgeleiteten Richtwerten bezüglich des Energieniveaus und der Aminosäuren- sowie Mineralstoffversorgung unter Berücksichtigung des vorgesehenen Einsatzzweckes beurteilt. Dieser wird dabei dem Fütterungshinweis beziehungsweise der Bezeichnung des Futters entnommen. Die Aussagefähigkeit des Fütterungshinweises wird mit beurteilt.

Alle beprobten Futter enthielten einen Phytasezusatz, was die Verdaulichkeit von Phosphor und Kalzium erhöht und eine Reduzierung der Mineralergänzung ermöglicht – so sind bei entsprechendem Zusatz die Richtwerte für Kalzium und Phosphor um 0,08 g/MJ ME niedriger.

Ferkelfutter aus Schleswig- Holstein

Die untersuchten Ferkelfutter stammten aus einem Mischfutterwerk. Es handelt sich um ein Ferkel­aufzuchtfutter I (FAZ I) für früh abgesetzte Ferkel bis 20 kg Lebendmasse (LM), bis vier Wochen nach dem Absetzen. Zwei Futter wurden als Ferkelaufzuchtfutter II (FAZ II) bis 35 kg LM erfasst. Zusätzlich wurde ein Ergänzungsfutter für Ferkel bis vier Wochen nach dem Absetzen untersucht.

Alle getesteten Aufzuchtfutter enthielten einen Phytasezusatz. Die deklarierten Energie- und Proteingehalte der Futter lagen bei 14,4 MJ ME/kg für das FAZ I und 13,4 MJ ME/kg beziehungsweise 13,6 MJ ME/kg für die FAZ II, bei Rohproteingehalten von 16,8 % für das FAZ I und 17,0 % beziehungsweise 17,5 % für die FAZ II. Die in der Schweinefütterung zuerst limitierend wirkenden Aminosäuren wurden mit 1,35 % Lysin für das FAZ I beziehungsweise 1,20 % und 1,30 % Lysin für die FAZ II angegeben und mit 0,42 % Methionin (FAZ I) beziehungsweise 0,35 % und 0,39 % Methionin (FAZ II). Die deklarierten Kalziumgehalte lagen bei 0,55 % für das FAZ I beziehungsweise 0,70 % und 0,65 % Kalzium für die FAZ II. Das FAZ I wies einen Phosphorgehalt von 0,50 % auf. Die FAZ II zeigten Gehalte von 0,50 % und 0,55 % (Tabelle 1).

Das Ergänzungsfutter (EF) hat­te einen Energiegehalt von 14,3 MJ ME/kg, 17,0 % Rohprotein, 1,35 % Lysin, 0,40 % Methionin, 0,60 % Kalzium und 0,46 % Phosphor.

Kommentierung der Ferkelaufzuchtfutter

Bei der Überprüfung der Deklarationen nach futtermittelrechtlichen Vorgaben konnten durch die Laboranalysen nur zwei Futter (ein FAZ II und das EF) die deklarierten Werte im Rahmen der Toleranzen einhalten.

Das FAZ I und das zweite FAZ II wiesen Energieuntergehalte auf und wurden daher mit der Note 3 bewertet (Tabelle 2). Das erste FAZ II der Firma Stöfen enthielt einen Threoninuntergehalt und wird daher mit der Note 2 bewertet. Eine ausreichende Versorgung mit Energie und allen wichtigen Aminosäuren ist für eine gute Gesundheit und Zunahme wichtig.
Nur das Ergänzungsfutter hielt alle Vorgaben ein und wurde daher mit der Note 1 bewertet.

Da die Bezeichnung FAZ I beziehungsweise II nicht eindeutig ist, sind generell Hinweise auf den Einsatzbeginn (x kg Lebendgewicht) notwendig. Ein Einsatzbeginn mit entsprechender Gewichtsangabe wird leider von keinem Hersteller mit aufgeführt.

Die vorliegenden Testergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die geprüften Futterchargen und dürfen nicht generell für die Beurteilung der Futtertypen herangezogen werden. Sie lassen ebenfalls keine Rückschlüsse auf die übrigen Produkte der beteiligten Mischfutterhersteller zu.

Die Prüfung von Mischfutter durch den VFT wird insbesondere durch Zuschüsse des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

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