StartNachrichtenPflanzeDurchschnittliche Ernte bei hoher Qualität

Durchschnittliche Ernte bei hoher Qualität

Ergebnisse der Landessortenversuche Wintergerste
Von Achim Seidel, Landwirtschaftskammer SH
Der Landessortenversuch Wintergerste am Standort Barlt hatte Ende Mai den nassen Herbst und das späte kühle Frühjahr mit relativ guter Entwicklung kompensiert. Fotos: Achim Seidel

Die Wintergerste ist auf den Ackerbaubetrieben in Schleswig-Holstein weiterhin fest etabliert. Auf einer Fläche von rund 72.800 ha wurde die Frucht in diesem Jahr laut Schätzung des Statistikamtes Nord angebaut. Damit bleibt sie in den Ackerbaubetrieben nach dem Winterweizen die zweite große Marktfrucht. Der Grund dafür liegt vor allem in ihrer stabilen Ertragsleistung im Durchschnitt der vergangenen Jahre, auch wenn der inländische Futtermarkt in den vergangenen Jahren eher geschrumpft ist. In den Landessortenversuchen wurden in allen Naturräumen verschiedene Sorten geprüft, um regionalspezifisch Anbauempfehlungen geben zu können.

Nachdem die Wintergerste im Herbst 2025 unter vergleichsweise warmen und relativ trockenen Bedingungen überwiegend gut bestellt werden konnte, ausgenommen spätere Saaten mit bereits feuchteren Böden, setzte ab Oktober landesweit eine ausgeprägte Regenphase mit hohen Niederschlagssummen ein. Dadurch kam es teilweise zu verschlämmten Bedingungen an der Bodenoberfläche sowie häufiger auftretendem Herbizidstress auf Ackerfuchsschwanzstandorten. Durch die im Dezember eintretende Vegetationsruhe fand bis Mitte März keine weitere Entwicklung statt, sodass im Vergleich zu anderen Jahren einige Flächen mit geringerer Bestockung ins Frühjahr gestartet sind. Insbesondere auf den ausgedünnten Flächen kam es in der Andüngung auf eine startbetonte Düngestrategie an, die in aller Regel die erforderliche Bestandesdichte gesichert hat.

Durch einsetzende Trockenheit ab April war auch die anfangsbetonte Düngung überwiegend von Vorteil. Neben Trockenheit war das Frühjahr auch gekennzeichnet durch eine starke Schwankung der Temperaturen zwischen Tag und Nacht, die südlich des Kanals häufig auch in den Minusbereich fielen. Gleichzeitig war das Frühjahr insgesamt geprägt durch einen geringen Krankheitsdruck, selbst in der Kornfüllung spielte Zwergrost nur eine untergeordnete Rolle. Dabei fiel aber an einigen Standorten ein später Befall von Ramularia auf, der einerseits schwer von vorhandenen Blattflecken zu differenzieren war, andererseits aufgrund des Auftretens zum Ende der Kornfüllung ertraglich vermutlich nur geringfügig ins Gewicht gefallen sein dürfte. Zudem spielte die Trockenheit in Verbindung mit der Hitze und regional oftmals nur wenigen Niederschlägen eine bedeutende und kritische Rolle in der Pflanzenentwicklung.

Am Standort Loit kam der Landessortenversuch Wintergerste verhältnismäßig dünn und schwach bestockt aus dem Winter.

Landessortenversuche in den Regionen

Die Landessortenversuche (LSV) Wintergerste wurden in allen Naturräumen mit jeweils zwei beziehungsweise drei Standorten angelegt. Wie gehabt erfolgte die Anlage jeweils zweistufig, wobei in der unbehandelten Stufe 1 auf Fungizide verzichtet wird, um Krankheitsbonituren zu ermöglichen, und der Wachstumsregler weggelassen oder deutlich reduziert wird, um die Lageranfälligkeit einer Sorte charakterisieren zu können, ohne aber die Beerntbarkeit des Versuchs durch Lager zu gefährden. In der behandelten Stufe 2 (ortsübliche Behandlungsintensität) werden nach einem vereinheitlichten Behandlungsplan Fungizid und auch Wachstumsregler appliziert, wobei aber insbesondere Wachstumsreglermengen an die jeweilige Situation angepasst werden. Der LSV am Standort Sönke-Nissen-Koog musste bereits im Frühjahr abgebrochen werden, nachdem Staunässe den Versuch über Winter geschädigt hatte. In Futterkamp führte ein technischer Defekt während der Ernte dazu, dass der LSV nicht in die Wertung miteinbezogen werden konnte. Somit liegen insgesamt LSV-Ergebnisse von fünf Standorten zur Auswertung vor.

Erträge in den Landessortenversuchen

Von den Marschstandorten stand der Standort Barlt für die Auswertung zur Verfügung. Hier wurde ein Ertragsniveau von 105,3 dt/ha im Mittel über die Bezugssorten gefunden (Tabelle 1). Angesichts der verschlämmten Bedingungen aus dem nassen Winterhalbjahr ist dieses Ergebnis zufriedenstellend. Auf der Geest war mit 75,0 dt/ha in Schuby und 100,7 dt/ha am etwas besseren Standort Groß Offenseth ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis erreicht, insbesondere in Anbetracht der trockenen Bedingungen mit Beginn der Kornfüllung (Tabelle 2). Im Östlichen Hügelland lag das Ertragsniveau auf dem südlichen Standort Kastorf bei 108,4 dt/ ha, was in Teilen auch auf die Trockenheit und Hitze in der Kornfüllung zurückgeführt werden kann (Tabelle 3). Am Standort Loit, der weniger durch Trockenstress wie auch durch Hitze geprägt war, lag das Ertragsniveau mit 117,6 dt/ha am höchsten.

Qualitäten in den Versuchen

Das für die Vermarktung wesentliche Merkmal Hektolitergewicht konnte an allen Standorten ermittelt werden und ist in Tabelle 4 dargestellt. Insgesamt befanden sich die Werte auf einem hohen bis sehr hohen Niveau. Die höchsten Werte im Mittel über alle am Standort Barlt geprüften Sorten lagen bei 72,6 kg/hl. Das entspricht bereits einem guten Zweizeiler-Niveau. Mit 67,2 und 67,7 kg/hl wurde in Schuby und in Groß Offenseth ebenso ein sehr gutes Niveau für sandige Standorte erreicht. In Kastorf lag das Hektolitergewicht mit 66,8 kg/ hl im Vergleich am niedrigsten, was in etwa auch Beobachtungen aus der Praxis entspricht, wonach im Südosten von Schleswig-Holstein teilweise die Qualität der geernteten Partien knapp war. In Loit lag bei besserer Wasserversorgung die Qualität mit 70,1 kg/hl ebenso auf einem sehr hohen Niveau. Hinsichtlich des Erreichung der für die Vermarktung kritischen Schwelle von 63 kg/hl waren alle Sorten erfolgreich. Allerdings liegen einzelne Sorten im Vergleich etwas schwächer. So hat in den vergangenen Jahren im Östlichen Hügelland die Sorte ‚SU Majella‘ trotz besserer Einstufung Schwächen gezeigt. Auch die neue Sorte ‚SU Lenoria‘ zeigt im ersten Prüfjahr tendenziell Schwächen.

Empfohlene Sorten für den Anbau

Für den Anbau empfehlen sich nach wie vor Sorten, die in die jeweilige betriebliche und Anbausituation passen sowie hinsichtlich ihrer Vermarktbarkeit sicher sind. Vorausgesetzt, es soll eine Eigenverwertung über den Futtertrog stattfinden, spielt das Hekto­litergewicht eine geringere Rolle. Grundsätzlich sollten Sorten, mit denen gute Erfahrungen gemacht worden sind, weiterhin ihre Anbauberechtigung im Betrieb behalten. Von den aktuell in den Landessortenversuchen geprüften Sorten erhalten die in den Tabellen 5 bis 7 dargestellten eine Empfehlung für den Anbau in den jeweiligen Naturräumen.

Die Kornqualität war in diesem Jahr in den Versuchen durchweg auf einem sehr hohen Niveau.

Die Sorte ‚Esprit‘ erhält mittlerweile aufgrund nachlassender Leistung noch eine auslaufende Empfehlung in allen Naturräumen. Punkten kann sie neben ihren Schwächen bei Zwergrost und einem leichten Rückstand im Ertrag aber mit einer sicheren Kornqualität.

Auch für alle Standorte empfohlen ist ‚Julia‘ aufgrund ihrer konstant hohen Ertragsleistung bei guter Agronomie und guter Gesundheit. Mit leichten Schwächen bei Rhynchosporium und manchmal knappem Hektolitergewicht hat sie jedoch die Resistenz gegen das Gelbmosaikvirus Typ 2 und bietet sich damit einschränkungslos für alle Standorte an.

Auch auf allen Standorten empfohlen ist die neue Sorte ‚KWS Chilis‘, die mit einer Gelbmosaikvirus-Doppelresistenz und der Toleranz gegenüber dem Gelbverzwergungsvirus punktet. Dabei hat sie ein vergleichsweise hohes Ertragspotenzial für einen solchen Sortentyp, zeigt hierfür jedoch ganz klar Schwächen in der Lager- und Strohstabilität, was entsprechend berücksichtigt werden muss. Zudem hat sie ein sicheres Hektolitergewicht.

Auch auf allen Standorten voll empfohlen sind die Hybriden ‚SY Dakoota‘ und ‚SY Loona‘, die über Jahre hinweg konstant hohe Leistung neben der nicht mehr geprüften ‚SY Galileoo‘ gezeigt haben. Gerade ‚SY Loona‘ ist jedoch durch ihre positive Leistung der Trieberhaltung unter Stressbedingungen eher in der Situation, recht dichte Bestände zu erzeugen, was einerseits das Lagerrisiko erhöhen kann und andererseits auf das Hektolitergewicht drückt. Hier sollte die Saatstärke angepasst werden.

Neu in der Empfehlung ist die Sorte ‚SY Colyseoo‘, da sie mit leichten Verbesserungen dem bisherigen Sortentyp der ‚SY Galileoo‘ entspricht, dabei aber mit leicht höherem Leistungsniveau, insbesondere auf der Geest, aber auch in der Marsch.

Weiterhin hat noch die Sorte ‚Goldmarie‘ auf der Geest eine Empfehlung, da sie mit sehr starker Leistung im Ertrag und im Hektolitergewicht überzeugt hat. Dabei muss die höhere Lageranfälligkeit der zweizeiligen Sorte berücksichtigt werden, die gleichzeitig auch weniger empfindlich als andere Zweizeiler auf Wachstumsreglermaßnahmen reagiert.

Die Sorte ‚Charmant‘ hat im Hügelland mit sehr guter Leistung im Ertrag bei akzeptabler Qualität und guter Gesundheit eine Empfehlung, sollte aber trotz mittlerer Standfestigkeit gut mit Wachstumsregler gegen Lager und Strohinstabilität abgesichert werden.

Weiterhin für das Hügelland empfohlen, ist die Sorte ‚RGT Mela‘, die ertraglich sehr interessant ist, aber als längere Sorte auch eher lageranfällig.

Nicht ausdrücklich empfohlen, aber über Jahre hinweg ertragsstabil und trotz ihrer größeren Pflanzenlänge vergleichsweise standfest, ist die Sorte ‚Winnie‘ eine sinnvolle Option für den Anbau im Hügelland.

Von den neu in die Landessortenversuche aufgenommenen Sorten hat bereits im ersten Jahr die Sorte ‚Agathe‘ auf den Geest- und Marschstandorten überzeugt. Insbesondere in der Marsch können die bessere Standfestigkeit und Strohstabilität ein entscheidender Aspekt sein, neben den guten Erträgen und der Kornqualität. Die Sorte bietet sich hier für den Probeanbau an.

Wintergerste ist nach wie vor eine sichere und starke Marktfrucht.

Fazit

Wintergerste bleibt in den Betrieben eine wichtige Kultur und sorgt weiterhin für eine Entzerrung des Erntezeitfensters, ermöglicht durch den frühen Erntezeitpunkt Optionen für einen folgenden Winterraps oder den Zwischenfruchtanbau. Gleichzeitig ist sie über die vergangenen Jahre hinweg vergleichsweise ertragsstabil auf einem hohen Niveau, was ihr die Stellung in den Betrieben sichert. Neben der wirtschaftlichen Anforderung, in Zeiten von schwächelnden Futtermärkten einen guten Absatz zu finden, besteht ein weiteres Problem. Auf vielen schweren Ackerstandorten mit Fokus auf den Marktfruchtanbau und Winterungen könnte der Anbau von Wintergerste ohne den herbiziden Wirkstoff Flufenacet in Zukunft herausfordernder werden. Hier sind Fruchtfolgeanpassungen und alternative Integrierte Konzepte nötig, um bei bestehenden Ungrasproblemen weiterwirtschaften zu können. Hier können auch frohwüchsige, bestockungsstärkere Sorten gegebenenfalls zu späteren Saatterminen einen positiven Beitrag leisten.

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