Aktuell können die hohen Kaufpreise für eiweißreiche Importfuttermittel und Mineraldüngerpreise durch hohe Auszahlungspreise für Milch noch kompensiert werden. Um jedoch langfristig krisenfest eiweißreiches Futter zu produzieren, sollte eine möglichst hohe Eiweißproduktion von den eigenen Flächen angestrebt werden. Die Grünlandbewirtschaftung mit nennenswerten Anteilen an Leguminosen wie Weißklee oder Rotklee bietet hier großes Potenzial.
Für Milchviehbetriebe hat das Grünland eine große Bedeutung für die Eiweißbereitstellung der Kühe. Hierbei wird die Stickstoffdüngung (N-Düngung) häufig als maßgebende Steuerungsgröße gesehen. Doch ähnlich wie für Raps- oder Sojaschrot bleiben die Kaufpreise auch für N-Dünger aktuell auf hohem Niveau und sind zudem stark volatil, sodass keine langfristige Planungssicherheit gegeben ist. Vor diesem Hintergrund sollte über Alternativen nachgedacht werden. Im Vergleich zu anderen Pflanzenbausystemen, wie zum Beispiel der Qualitätsweizenerzeugung, ist es in der grünlandbasierten Futterwirtschaft vergleichsweise einfach, einen reduzierten N-Mineraldüngereinsatz zu kompensieren.
Leguminosen rücken in den Fokus
Der Anbau kleinkörniger Leguminosen wie Klee oder Luzerne rückt also zunehmend in den Fokus. Leguminosen gelten im Futterbau dabei als Alleskönner: Sie haben nicht nur hohe Proteingehalte (über 20 %), sondern sie leisten durch eine hohe Trockenheitstoleranz und ihrer Fähigkeit atmosphärischen Stickstoff zu binden auch einen wertvollen ökologischen Beitrag. Wissenschaftliche Arbeiten aus Deutschland konnten zeigen, dass je % Ertragsanteil Weißklee im Bestand zwischen 3 und 6 kg N/ ha fixiert werden (Benke, 2004). In der Schweiz konnte ermittelt werden, dass Gras-Leguminosen-Gemenge (Rot- oder Weißklee) bei einer Düngung mit 150 kg N/ ha und einem Leguminosenanteil ab 30 % im Bestand einen identischen Ertrag produzierten wie ein mit 450 kg N/ha gedüngter Grasbestand (Nyfeler, 2009) – siehe die Abbildung. Entsprechend der Düngebedarfsermittlung (DüV) müssen zum Beispiel bei einem 20%igen Leguminosen-Anteil 60 kg N/ha vom N-Bedarf des Bestands abgezogen werden. Im Vergleich zu einem Bestand ohne Leguminosenanteil kann so der Einsatz von mineralischem N um bis zu 40 % reduziert und Kosten gespart werden (siehe Beispiel in der Tabelle).
Nachsaat von Leguminosen bevorzugen
In vielen Studien ließ sich eine hohe Streuung der Menge an fixiertem N in Leguminosen nachweisen, da die Fixierungsleistung stark abhängig ist von Faktoren wie der Witterung, der Bodenart oder dem Nutzungs- und Düngungsmanagement. Besonders den letzten beiden Punkten sollte Beachtung geschenkt werden, um im Leguminosenanbau erfolgreich zu sein. Ein Umbruch der Grünlandflächen mit Neuansaat sollte möglichst vermieden werden, da dieser mit hohen Kosten verbunden ist und die Umwelt durch klimaschädliche Treibhausgase sowie durch die schnelle Mineralisierung das Grundwasser mit Nitrat belastet. Eine Nachsaat von Leguminosen im Dauergrünland sollte daher bevorzugt werden.
Die richtige Leguminosenwahl
Perserklee (Trifolium resupinatum), Alexandrinerklee (Trifolium alexandrinum) oder Inkarnatklee (Trifolium incarnatum) weisen sehr gute Futterqualitätseigenschaften auf, haben jedoch aufgrund einer teilweise geringen Winterhärte eine geringe Ausdauer und sind ein- oder überjährige Leguminosen, die hauptsächlich im Ackerfutterbau oder als Zwischenfrucht angebaut werden. Rotklee (Trifolium pratense) und Weißklee (Trifolium repens) sind die geläufigsten Leguminosen im Futterbau, wobei sich Rotklee aufgrund der schnelleren Jugendentwicklung und der stärkeren Konkurrenzkraft leichter etablieren lässt als Weißklee. Auch im Hinblick auf die Trockenheitstoleranz (kräftige Pfahlwurzel) und die Trockenmasseerträge ist Rotklee im Vorteil.
Ein Nachteil des Rotklees ist, dass er im Gegensatz zum Weißklee, nicht ausdauernd ist, da er sich nicht vegetativ vermehren kann und somit in der Regel nach drei Jahren schon aus dem Bestand verschwindet. Eine erneute Rotkleenachsaat empfiehlt sich in diesem Falle nicht, da dadurch Krankheiten wie Kleekrebs übertragen werden können. Der Anbau von Mattenklee kann die Ausdauer jedoch im Dauergrünland deutlich erhöhen. Somit empfiehlt sich der Rotkleeanbau als mittelfristige Maßnahme, um den Eiweißertrag vom Dauergrünland zu erhöhen – langfristig sollte jedoch auf den ausdauernden Weißklee gesetzt werden.
Weißklee hat eine hohe Nutzungselastizität, ist mineralstoffreich und gut verdaulich, wodurch die Futteraufnahme gesteigert werden kann. Wegen seiner geringen Wuchshöhe weist Weißklee aber eine geringe Lichtkonkurrenz auf und kann durch das Gras so verdrängt werden. Höhere Ertragsanteile des Klees sind vorrangig in der zweiten Hälfte der Vegetationsperiode zu erwarten, wenn die Konkurrenzkraft des Grases vermindert ist.
Vor Nachsaat auf Lücken kontrollieren
Vor der Nachsaat sollte kontrolliert werden, ob der Grasbestand ausreichend Lücken aufweist, um es den Leguminosen möglich zu machen, sich zu etablieren. Ist dies nicht der Fall, sollte zwei- bis dreimaliges Striegeln der Fläche bei trockenem Boden in Erwägung gezogen werden. Auch die Nachsaat über Schlitztechnik sowie enge Reihenabstände und ein gutes Saatbeet für die empfindlichen Kleesamen anlegen, können genutzt werden.
Richtigen Nachsaattermin wählen
Der Nachsaattermin muss gut abgepasst werden. Dieser ist in der Regel nach dem Ersten Schnitt oder im Spätsommer. Vor dem Ersten Schnitt sind die Gräser zu konkurrenzstark und könnten den Klee verdrängen. Außerdem fördert die Wärme des Frühsommers die Symbiose mit den bodenbürtigen Knöllchenbakterien. Hat über viele Jahre hinweg kein Leguminosenanbau stattgefunden, lohnt sich eine Impfung des Saatguts.
Wird im Spätsommer nachgesät, besteht der Vorteil darin, dass die Altnarbe konkurrenzschwächer ist und der Klee sich so besser etablieren kann. Weiterhin ist zu diesem Zeitpunkt in der Regel eine Wasserversorgung gesichert. Die Nachsaat sollte bis Mitte September durchgeführt werden. Die Kleenachsaat kann mit 2 bis 4 kg /ha im Gemenge mit Gräsern erfolgen. Im Hinblick auf die Intensität der Nachsaat des Gras-Klee-Gemenges empfiehlt sich eine Nachsaatstärke von 15 bis 20 kg/ha zur erstmaligen Verbesserung der Bestandeszusammensetzung, bei regelmäßiger Nachsaat in den Folgejahren verringert sich entsprechend die empfohlene Nachsaatintensität auf zirka 10 kg/ ha. Zur Sortenauswahl sollte immer die Empfehlung der Länderdienststellen, wie in Schleswig-Holstein der Landwirtschaftskammer, berücksichtigt werden, denn auch bei den Kleesorten gibt es große Unterschiede hinsichtlich Krankheitsresistenz, Winterhärte, Ausdauer oder Blühbeginn.
Düngung: Weniger ist mehr!
Von besonderer Bedeutung für eine erfolgreiche Etablierung ist die N-Düngung des nachgesäten Bestandes, denn hier heißt es: „Weniger ist mehr“. Zwar schadet die Zugabe von Stickstoff den Leguminosen an sich nicht, sie sorgt jedoch dafür, dass die Gräser die Leguminosen im frühen Stadium verdrängen könnten. Zusätzlich kann sich der Anteil der Rhizobien verringern, sodass die N-Fixierung eingeschränkt ist. Auch die Phosphat- und Kaliumgehalte im Boden sollten bei der Nachsaat von Leguminosen im Auge behalten werden, denn diese sind wichtig für die Wurzelentwicklung und den Energiehaushalt der Pflanze. Weiterhin führt Phosphormangel, genauso wie ein Schwefel- oder Mangan-Mangel bei Leguminosen zu einer verringerten Stickstoffbindung der Rhizobien.
Generell sind Leguminosen auf einen angepassten pH-Wert von mindestens 5,5 bis 6 angewiesen, da sonst Feldaufgang und Ertragsleistung unbefriedigend sind, wie anhand von Versuchen an der Luzerne gezeigt wurde (Herrmann, 2015). Um vor allem auf leichten Böden mit geringem pH-Wert eine erfolgreiche Etablierung zu gewährleisten, ist einer Einarbeitung des Kalkes vor der Aussaat die größte Wirksamkeit zuzusprechen.
Fazit
In der vergangenen Dekade wurden in Deutschland jährlich durchschnittlich 26 % des Futteraufkommens an verdaulichem Eiweiß aus dem Ausland importiert. Es besteht also ein erheblicher Bedarf an Eiweiß, der aktuell nicht aus der inländischen Produktion gedeckt werden kann. Diese Eiweißlücke konnte zwar durch den vermehrten Anbau von heimischen Leguminosen im letzten Wirtschaftsjahr auf 18 % deutlich reduziert werden, doch nach wie vor besteht, vor allem für die Fütterung von Milchkühen im Hochleistungsbereich, eine hohe Abhängigkeit von importierten Futtermitteln. Die Preise für eiweißreiche Futtermittel sowie für mineralische N-Dünger sind hoch, stark volatil und erschweren eine langfristige Kostenplanung. Mit Hilfe des Einsatzes von Rot- und Weißklee im Grünland kann kostengünstig und krisensicher Eiweiß produziert und diesem Problem langfristig entgegengewirkt werden.



