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Alle Themen des Lebens

Die Brahmkampsgärten bei Albersdorf
Von Hans-Dieter Reinke
Brahmkampsgärten Foto: Hans-Dieter Reinke

Nahe dem Ort Albersdorf in Dithmarschen ist auf einer ehemaligen Schutt- und Abraumfläche eine besondere Gartenanlage entstanden: die Brahmkampsgärten, in denen sich 23 individuell gestaltete Einzelgärten mit den wesentlichen Themen des Lebens befassen.

Die philosophische Gartenanlage beschäftigt sich mit Aspekten wie Liebe, Zeit, Kindheit, Frieden, Begegnung, Trauer, Tod, Freude, Wahrheit und Alter und präsentiert die Themen mit charakteristischen Bepflanzungen, aber auch Skulpturen, Modellen, Gestaltungselementen und Sinnsprüchen. Im ruhigen Hinterland der Nordsee wurde hier eine Gartenanlage der Anregungen und zum Nachdenken und Erinnern entwickelt, aber auch mit der Möglichkeit für die Besucher, Ruhe, Besinnung und Kontemplation zu erfahren.

Über eine schattige Linden­allee von 1850 erreicht man den großen Platz, um den sich einige Hofgebäude, eine riesige Blutbuche, große Eschen und das Hauptgebäude im mecklenburgischen Landhausstil gruppieren. Das Haupthaus stammt in seiner heutigen Form ebenfalls aus dem Jahr 1850, allerdings ist die Hofanlage bereits 1700 urkundlich erstmalig erwähnt und existiert vermutlich bereits seit dem 15. Jahrhundert. Das ganze Gebiet war aber schon seit 4000 vor Christus besiedelt, wie Ausgrabungen und Reliktfunde belegen.

Die Brahmkampsgärten wurden von der Paderborner Allgemeinärztin Dr. Marianne Ortner, die auch promovierte Physikerin, Philosophin und Buchautorin ist, initiiert und mit viel Engagement entwickelt. Aus einer ehemaligen Schuttkuhle ist seit 2006/2007 mit den ersten Entwicklungs-, Gestaltungs- und Pflanzungsmaßnahmen so auf einer Fläche von 7.000 m² ein Garten des Lebens entstanden, wie ihn die Gründerin selbst gern bezeichnet.

Garten der Stille

Eine Birkenallee führt zum Ausstellungsareal, das man an einem kleinen Wetterunterstand erreicht und von einer bankbestandenen Anhöhe aus über eine Teichanlage durch die Säulen eines Tempelnachbaus erblickt.

Über einen Heckengang kann man direkt das Ende des Parks ansteuern und erreicht die Hofkapelle Brahmkamp „Maria in den Gärten“, wo sich der Garten der Stille befindet. Das 2017 errichtete Gebäude hat die Form eines Fisches als Symbol der Stille. Schweigen und Stille bewirken eine besondere Stimmung und öffnen den Geist für eine andere Welt, so wie es auch in allen Religionen bei Meditation und Gebet oder Trauerschweigen ein wichtiges Element ist. Bisweilen finden in der Kapelle Gottesdienste statt.

Garten der Ordnung

Sodann durchschreitet man den Garten der Ordnung, der durch eine rechteckige, mit Betonkanten gesäumte Rasenfläche und Reihen von Kugelakazienbäumen gekennzeichnet ist. „Ordnung ist das halbe Leben“ heißt es. Auch Gärten gelten als ein Stück geordneter und gebändigter Natur. Regeln, Gesetze, aber auch Harmonie sind Begriffe, die mit Ordnung zusammenhängen.

Geburt und Kindheit

Von der Kapelle kann man sich zum Gartenzimmer ​„Abrahams Schoß” oder „Garten vor der Zeit der Geburt” begeben. Dort geht es um die alte philosophische Frage des Anfangs, die bereits ein Kind bewegt, wenn es überlegt: „Wo war ich eigentlich vor der Geburt?“ Ein kleiner steinerner Durchgang aus Anröchter Dolomit führt in das Gartenzimmer der Kindheit mit vielen insektenfreundlichen Blumen, an denen sich Kinder so sehr erfreuen. Ein großer Ball, Märchenfiguren, die Marmorbüste eines kleinen Mädchens mit Puppe im Arm, eine Hüpfspielfläche erinnern an Elemente der Kindheit. Ein Frosch mit Fernglas symbolisiert den Entdeckergeist der Kinder. Schmetterlingssträucher locken im Sommer zahlreiche Falter an.

Der Frosch mit Fernglas im Gartenzimmer der Kindheit steht für den Entdeckergeist der Kinder. Foto: Hans-Dieter Reinke

Garten der Liebe

Es folgt der Garten der Liebe, die ein besonders bedeutsames Element ist, mit dem sich viele Philosophen, Dichter, Denker und Künstler auseinandergesetzt haben. Dort wachsen Rosen, die Blumen der Liebe, überragt von einer Frauen­skulptur, und anliegend findet sich ein Liebesknoten aus sternförmigen Buchsbaumhecken, wobei die Strahlen den Rahmen durchbrechen. Eine Bandeisenskulptur aus drei Herzen überragt die niedrigen Buchsbaumhecken.

Es folgen der Labyrinthgarten aus Hainbuchenhecken, die Irrwege und Orientierungsmöglichkeiten im Leben darstellen, und der Garten der Muße aus Eibenhecken, wo sich der Besucher etwas ausruhen und nachdenken kann.

Weitere Gartenzimmer beschäftigen sich mit besonderen Ereignissen, die das Leben der Menschen prägen. So gibt es die Gärten der Not und Angst, des Todes, der Fülle, des Maßhaltens, der Trennung, des Chaos und der Trauer.

Frauenskulptur über Rosensträuchern im Garten der Liebe. Foto: Hans-Dieter Reinke

Im Paradies

Im Paradiesgarten, der von einem Zaun aus gebogenen Eisen umgeben ist, wachsen besonders schöne Blumen wie Lilien, Rosen, Dahlien und Sommerblumen. Im Zentrum steht ein nachgebildetes Taufbecken, aus dem überquellendes Wasser in die vier Himmelsrichtungen abfließen kann. Anklänge an das für den Menschen verloren gegangene Paradies kann man in irdischen Gärten vielleicht ein wenig finden, so wie auch das Paradies selbst als Garten Eden dargestellt wird.

Der Paradiesgarten mit Taufstein und schönen Blumen ist durch gebogene Eisen abgetrennt und  nicht betretbar. Foto: Hans-Dieter Reinke

Die enge Lindenallee gehört zum nachfolgenden Garten der Begegnung und des Gespräches. Begegnungen prägen das Leben – im Guten wie im Schlechten. Fehlende Begegnung, mangelnde Kommunikation und Vereinsamung sind ein zunehmendes Problem unserer Zeit, ungeachtet der ausgefeilten modernen Kommunikationstechniken. Die Allee führt auf einen Platz, auf dem dreieckige Holzschemel zu Gesprächen individuell zusammengestellt werden können.

Im Alter muss man bereit sein Hilfe anzunehmen, hier durch eine helfende Hand im Garten des Alters symbolisiert. Foto: Hans-Dieter Reinke

Themen wie Freude, Frieden, Zeit, Alter und Weisheit werden in den nachfolgenden Gartenzimmern abgehandelt. Schließlich führt dieser Weg wieder zu dem kleinen, in einen Hang eingelassenen Theater sowie zum Tempelgarten. Die oberhalb der Theateranlage mit rankenden Weinreben bestandenen, aus Quadersteinen geformten Sitzreihen und die kleine zentrale Bühne dienen als Veranstaltungsort für Lesungen oder kleine Aufführungen. Durch die Säulen des kleinen Tempels kann man nochmals einen nachdenklichen Blick über die ruhige Wasserfläche des Weihers schweifen lassen, bevor es über die Birkenallee zurück zum Hofplatz geht.

Hofcafé Sophienlust

Hier kann man im Hofcafé Sophienlust in den gemütlichen Innenräumen oder bei geeignetem Wetter auf der Gartenterrasse bei selbst gemachten Kuchen und Torten und einer Tasse Kaffee nochmals die Eindrücke des Gartenbesuches Revue passieren lassen und verarbeiten. Wer noch weitere Hintergrundinformationen wünscht, kann die beiden Bücher von Marianne Ortner im Café erwerben. Die Brahmkampsgärten sind an Sonntagen vom Frühjahr bis zum Herbst geöffnet, Gruppen können sich auch außerhalb dieser Öffnungszeiten ­anmelden.



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