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Doppelte Haltungsdauer gleich doppelter Platzbedarf?

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In vielen Milchviehbetrieben verlässt ein großer Teil der Kälber im Alter von rund 14 Tagen den Erzeugerbetrieb. Die Änderung der Tierschutztransport-Verordnung § 10 (4) zum 1. Januar 2023 sieht vor, dass Kälber zukünftig erst mit 28 Tagen den Betrieb verlassen dürfen, auf dem sie geboren wurden. Damit kommt auf die Milchviehhalter ein Mehrbedarf an Kälberplätzen zu. Auf den ersten Blick scheint bei einer Verdopplung der Haltungsdauer die Verdopplung der Kälberplätze die zwingende Konsequenz. Um den eigenen betrieblichen Mehrbedarf an Kälberplätzen richtig zu kalkulieren und rechtzeitig die notwendigen Vorkehrungen treffen zu können, lohnt sich ein detaillierterer Blick.

Als Grundlage für die Berechnung sollte zunächst festgestellt werden, welche und wie viele Kälber im Betrieb über das Jahr geboren werden. Wie ist die Geschlechterverteilung und wie viel Prozent der Kälber verlassen aktuell den Betrieb mit 14 Tagen? Bereits bei dieser ersten Überlegung wird deutlich, dass der zusätzliche Platzbedarf nur für die Kälber entsteht, welche bisher den Betrieb mit 14 Tagen verlassen haben, die Abbildung verdeutlicht dies. Für alle anderen Kälber müssen auch jetzt bereits ausreichend Plätze vorgehalten werden.

Bei einer gleichmäßigen Geschlechterverteilung und in der Annahme, dass alle weiblichen Tiere zur Remontierung behalten werden, verursacht dann die Hälfte der Kälber den Mehrbedarf. Betriebe, die bisher auch weibliche Kälber oder Kreuzungskälber mit 14 Tagen verkaufen, sind daher von der Regelung mehr betroffen als Betriebe, die unter den derzeitigen Bedingungen bereits viele ihrer Kälber behalten (zur Mast oder zur Zucht).

Mehrbedarf richtig kalkulieren

Als Faustregel lässt sich festhalten: Für einen Betrieb mit 100 Kühen werden ab dem 1. Januar vier zusätzliche Kälberplätze notwendig sein. Dieser Mehrbedarf verhält sich linear zur Herdengröße und ist in der Tabelle gut ersichtlich. So muss der Betrieb mit 300 Kühen zukünftig rund 13 zusätzliche Plätze vorhalten, hat damit aber genauso wie der Betrieb mit 100 Kühen einen Mehrbedarf von etwa 50 %. Diese Berechnung beruht auf der Annahme einer ausgeglichenen Geschlechterverteilung sowie einer Remontierung (32 %) und Zwischenkalbezeit (410 Tage), welche dem Durchschnitt der Betriebe in Schleswig-Holstein entsprechen. In alle Berechnungen ist bereits ein Sicherheitszuschlag einkalkuliert.

Die Berechnung der bereits vorhandenen Kälberplätze basiert auf den gleichen Grundannahmen und stellt den rechnerischen Bedarf an Kälberplätzen dar. Die eigene Betriebssituation kann davon abweichen. Sind auf dem Betrieb bereits deutlich mehr als die angenommenen Plätze vorhanden, muss vielleicht gar nicht oder in weniger neue Plätze investiert werden. Bei einer deutlichen geringeren Ausstattung mit Kälberplätzen wird die verlängerte Haltungsdauer diese Situation in besonderem Maße verschärfen.

Eine zu geringe Ausstattung mit Kälberplätzen geht häufig zulasten der Zeiten für Reinigung und Leerstand der Plätze und wirkt sich langfristig negativ auf die Kälbergesundheit, die Arbeitsbelastung und letztendlich die Wirtschaftlichkeit der Kälberaufzucht aus. Die Beurteilung der eigenen Ausstattung und die Schaffung ausreichender Haltungsplätze ist langfristig die kosteneffizientere Investition.

Einflussfaktoren Herdenmanagement

Auf die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen werden sich die Milchviehhalter einstellen müssen. Gleichzeitig gibt es einzelbetrieblich Ansatzpunkte, die mehr oder weniger großen Einfluss auf den Platzbedarf nehmen. Aus Sicht des Herdenmanagements ließe sich über eine Senkung der Remontierungsrate oder eine Verlängerung der Zwischenkalbezeit (ZKZ) die Gesamtzahl der Kälber über das Jahr gesehen reduzieren.

Während die absolute Zahl der Kälber durch diese beiden Kennzahlen gesenkt wird und sich aus ökonomischer Sicht positiv auswirken kann, ist der Einfluss auf die Anzahl der Kälberplätze vergleichsweise gering. Selbst bei einer Reduktion der Remontierungsrate um 10 % oder einer Verlängerung der ZKZ um durchschnittlich 50 Tage lassen sich nur 0,3 bis 0,8 Plätze einsparen. Für die Frage nach dem Investitionsbedarf zum 1. Januar 2023 ist dieser Effekt zu vernachlässigen und steht in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen auf das Herdenmanagement.

Größere Bedeutung kommt hingegen der Vermeidung von Abkalbespitzen zu. Während Betriebe mit saisonaler Abkalbung zwangsläufig stärker betroffen sind, sollten Betriebe mit einer kontinuierlichen Abkalbung darauf achten, dass alle theoretischen Berechnungen immer eine Kontinuität unterstellen. Diese rechnerisch optimale Verteilung wird sich in der Praxis so kaum umsetzen lassen. Betriebe sollten daher auch einen angemessenen Puffer einrechnen. Wie groß die Abweichung zwischen Theorie und Praxis im Betrieb ist, lässt sich schätzen, wenn man die theoretische Verteilung der Kalbungen im Jahr vergleicht mit den Tagen oder Wochen, an denen wirklich Kalbungen stattgefunden haben. Die Differenz kann als Puffer einkalkuliert werden, ein zusätzlicher Puffer von 20 % sollte dann mit einem zusätzlichen Platz ausgeglichen werden.

Reinigungs- und Leerstandzeiten sind die Grundlage für eine hygienische und gesunde Kälberaufzucht. Mit einem Reinigungsmanagement und dem Einhalten von Arbeitsroutinen lassen sich unnötige Standzeiten vermeiden, und es muss kein teurer Puffer eingeplant werden.

Kreuzungskälber als Lösung?

Als zusätzliche Möglichkeit zur Reduktion der Zahl geborener Kälber bietet sich an, die Qualität der Verkaufskälber zu verbessern, und auf diese Weise nicht die Kosten, sondern die Erlösseite zu optimieren. Eine bereits gut etablierte Möglichkeit in diesem Zusammenhang bietet die vermehrte Erzeugung von Kreuzungskälbern. Auf diesem Wege können einerseits Kälber zu einem höheren Verkaufspreis vermarktet werden, gleichzeitig müssen weniger Kälber über die vier Wochen hinaus gehalten werden, wenn weniger weibliche Kälber für die eigene Nachzucht produziert und behalten werden. Zwar ist hier ein gewisses Einsparpotenzial in Quadratmetern gegeben, allerdings ist dieses ähnlich gering wie bei den zuvor genannten Faktoren. Dem positiven Einfluss auf die Erlösseite kann hingegen eine deutlich größere Bedeutung zugemessen werden.

Einflussfaktoren Betriebsablauf

Vergleichsweise kostengünstig, und damit nachhaltiger zu beeinflussen, sind hingegen Optimierungsmöglichkeiten im Betriebsablauf. Die Optimierung von Reinigungs- und Leerstandszeiten ist dabei eine Möglichkeit, die Auslastung der vorhandenen Kälberplätze zu verbessern und gleichzeitig die Hygiene in der Kälberhaltung zu steigern. Sinnvoll ist es, dafür Arbeitspläne zu erstellen, an welchen Tagen und in welchen Abständen Arbeiten zur Reinigung und Desinfektion der Kälberplätze durchgeführt werden können. Dies bewahrt davor, erst mal eine gewisse Anzahl „zu sammeln“, um dann bei kurzfristigen Ereignissen vielleicht nicht ausreichend Plätze zur Verfügung zu haben.

Auch eine technische Verbesserung der Kälberhaltung kann die Auslastung der vorhandenen Plätze optimieren. Moderne Kälberhaltungssysteme sind leichter zu reinigen und ermöglichen eher eine maschinelle Entmistung als ältere Provisorien in Form von Kunststoffcontainern. Dabei spielt auch die Verfügbarkeit der notwendigen Arbeitsgeräte eine wichtige Rolle. Ein ordentlich eingerichteter Waschplatz mit Hochdruckreiniger erleichtert maßgeblich die Arbeit und es können Kälberplätze in kleineren Einheiten gereinigt werden, als wenn man für jede Reinigung erst alle Gerätschaften auf dem ganzen Betrieb zusammentragen muss. Je leichter die Durchführung, desto eher wird sie auch gemacht.

Fazit

Die betriebliche Ausgangslage hat großen Einfluss auf die Berechnung der zusätzlichen Kälberplätze. Im Durchschnitt der Betriebe kann von einem Mehrbedarf von vier Kälberplätzen pro 100 Kühen ausgegangen werden. Dabei hilft eine vorausschauende Planung der zukünftig benötigten Plätze, das Niveau der derzeitigen Kälberhaltung zu halten oder auch die Chance zu nutzen und aktuelle Schwachstellen zu überdenken, um die Kälberhaltung zu verbessern. Einflussfaktoren aus dem Herdenmanagement haben dabei zwar einen positiven ökonomischen Einfluss, aber nur einen vergleichsweise geringen Einfluss auf den Bedarf an Kälberplätzen. Erfolgversprechender scheinen hier eine Reduktion unnötiger Leerzeiten der vorhandenen Kapazitäten, eine Verbesserung der technischen Ausstattung und die Optimierung von Arbeitsabläufen zu sein.

Herbizidmaßnahmen im Winterraps

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Nach wie vor ist Ackerfuchsschwanz auf vielen Flächen ein Problem. Besonders im Winterraps müssen die vorhandenen Mittel zur konsequenten Bekämpfung dieses Ungrases genutzt werden.

Speziell gegen den zunehmend schwer bekämpfbaren Ackerfuchsschwanz (Resistenzen) muss der Wirkstoff Propyzamid (beispielsweise Kerb Flo, Groove, Setanta Flo und Milestone) in der Vegetationsruhe eingesetzt werden. Da der Wirkstoff Propyzamid aus einer anderen Wirkstoffklasse kommt und somit einen anderen Wirkort im Vergleich zu den DIM und FOP besitzt, ist er ein unersetzlicher Baustein in der Ackerfuchsschwanzbekämpfung.

Hier macht die Ausfallgerste schon sehr früh dem kleinen Raps Konkurrenz. Die Behandlung sollte schnellstmöglich durchgeführt werden.
Erfolgt auf Ackerfuchsschwanzstandorten kein Metazachloreinsatz, entwickeln sich schon sehr zeitig Ackerfuchsschwanzpflanzen. In so einer Situation müssen die DIM zum Einsatz kommen, bis zum Kerb-Flo-Termin wären die Pflanzen sonst zu groß.
Der Ackerfuchsschwanz beginnt den Raps zu verdrängen. Für Kerb Flo sind die Pflanzen inzwischen viel zu groß.

FOP wie zum Beispiel Agil-S, Targa Super oder Fusilade Max haben flächig keine Wirkung mehr auf Ackerfuchsschwanz. Grund hierfür sind Resistenzen gegen diese Wirkstoffgruppe. Ihre Einsatzberechtigung haben diese Produkte aber nach wie vor zur Bekämpfung des Ausfallgetreides beziehungsweise speziell Targa Super zur Bekämpfung der Quecke. Folglich kommen gegen Ackerfuchsschwanz ab dem Zwei- bis Dreiblattstadium vermehrt DIM wie Focus Ultra (Cycloxidim) oder Select 240 EC beziehunsgweise VextaDim 240 EC (beide Clethiodim) zum Einsatz.

Zeigen auch diese Produkte keine ausreichende Wirkung auf Ackerfuchsschwanz mehr, liegt eine Wirkortresistenz (Ile1781-Leu-Target-Site-Resistenz gegen ACCase-Inhibitoren) vor. Aber es gibt Unterschiede zwischen beiden Wirkstoffen. So erwies sich in genetischen Untersuchungen Cle­thiodim (Select 240 EC, VextaDim 240 EC) als robuster gegenüber Cycloxidim (Focus Ultra). Man spricht hier von einer quantitativen Wirkortresistenz der DIM. Vereinfacht ausgedrückt werden von Select 240 EC noch Ackerfuchsschwanzpflanzen erfasst, die von Focus Ultra nicht mehr bekämpft werden.

Dieser Prozess funktioniert aber nicht unbegrenzt. Auch hier schreitet die Resistenzentwicklung voran. In der Folge nimmt auch der Anteil resistenter Individuen gegenüber Select 240 EC zu, bis hin zum völligen Wirkungsverlust der gesamten DIM. Somit muss das Ziel sein, die Anwendungshäufigkeit der DIM zu minimieren. Diese Anwendung einzusparen setzt aber voraus, dass für die gesetzte Propyzamidbehandlung (Kerb Flo und Co.) die Ackerfuchsschwanzpflanzen nicht zu groß werden.

Kerb Flo und alle Propyzamidprodukte müssen mit voller Aufwandmenge eingesetzt werden. Der Kostenfaktor darf bei dieser Maßnahme keine vordergründige Rolle spielen. Bodenfeuchtigkeit und/oder nachfolgender Regen sind zwingend notwendig, da gerade bei frohwüchsigen Rapsbeständen der Bodenwirkstoff von den Blättern abgefangen wird.

Der Einsatzzeitpunkt ist temperaturabhängig. Für eine gute Wirkung sind niedrige Temperaturen (Bodentemperaturen unter 10 °C) erforderlich. Das gilt auch für das Produkt Mile­stone. Denn trotz der zusätzlichen Unkrautwirkung durch den Wirkstoff Aminopyralid steht die Ackerfuchsschwanzbekämpfung im Vordergrund. Bei höheren Temperaturen wird der Wirkstoff zu schnell abgebaut, und die Wirkung ist nicht zufriedenstellend. Warmes Herbstwetter ist somit kontraproduktiv. Gut entwickelte Pflanzen treffen dann auf ungünstige Anwendungsbedingungen.

Da die Wirkung von Propyzamid im Boden in den obersten 3 bis 5 cm am stärksten ist, können bei großen, zum Teil schon bestockten Ackerfuchsschwanzpflanzen mit tieferen Wurzeln Probleme in der Bekämpfung auftreten. Das hat in dem Moment nichts mit eventuell beginnenden Resistenzen gegen Kerb Flo und Co. zu tun, sondern ist der Wirkungsweise von Propyzamid geschuldet. In diesen Ausnahmefällen kann dann Focus Ultra blattaktiv unterstützen. Aber auch für diese Situation muss der Anwendungstermin am Wirkstoff Propyzamid ausgerichtet sein.

Fazit

Die Ackerfuchsschwanzbekämpfung mit Kerb Flo ist ein extra Termin, ausgerichtet an der Witterung. Ausfallgetreide muss vorher bekämpft werden. Über die Gesamtfruchtfolge gesehen, besteht im Winterraps noch die Möglichkeit, durch den Einsatz von Propyzamid den Eintrag von weiteren Ackerfuchsschwanzsamen in den Boden zu verhindern.


Empfehlung:

Quecke:
2,0 l/ha Targa Super/GramFix

Ackerfuchsschwanz:
2,5 l/ha Focus Ultra + 1,0* l/ha Dash ­(Wirkstoff Cycloxidim)
0,5 l/ha Select 240 EC + 1,0 l/ha Radiamix (Wirkstoff Clethodim)
0,5 l/ha Vextadim + 0,5 l/ha Vexzone

* neu: Die Aufwandmenge von Dash ist auf 1,0 l/ha begrenzt.


Anwendungsbedingungen clethodimhaltiger Produkte:

• Temperaturen deutlich über 10 °C bei der Anwendung

• keine harte Wachsschicht der Blätter (Luftfeuchtigkeit bei der Anwendung)

• weiteres wüchsiges Vegetationswetter notwendig

• Anwendung Ende September/Anfang Oktober abschließen, sonst sind Schäden möglich, die aber erst im Frühjahr sichtbar werden

• Anwendung möglichst solo durchführen

Zweite Filmpremiere für Meggy Hussong aus Gettorf

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Eine aufregende Woche liegt hinter der 15-jährigen Schülerin Meggy Hussong aus Gettorf. Die Hauptdarstellerin von „Mein Lotta-Leben 2 – Alles Tschaka mit Alpaka“ eilte von Höhepunkt zu Höhepunkt. 13. August: Deutschlandpremiere in Köln, 14. August: Premiere in Hamburg, 17. August: Vorpremiere in Kiel, 18. August: offizieller bundesweiter Kinostart, 19. August: Open-Air-Inselpremiere auf Amrum. Dabei war es lange unsicher, ob der Teil 2 von „Mein Lotta-Leben“ überhaupt produziert werden kann.

2019 war der Kinostart von „Mein Lotta-Leben 1 – Alles Bingo mit Flamingo“, indem die damals elfjährige Meggy bereits die Hauptrolle der Lotta spielte. Im Frühjahr 2020 sollten eigentlich die Dreharbeiten für den zweiten Teil beginnen. Dann kam Corona und die Dreharbeiten waren nicht möglich. Aber Kinderdarsteller werden nicht nur älter. Sie verändern sich schnell. Irgendwann ist es dann einfach zu spät für eine Fortsetzungsgeschichte. Das hat jetzt gerade noch geklappt. Meggy bekam dafür wieder einen Pony geschnitten, sodass die Teenagerin noch wie ein Kind aussieht. In den 2021er Sommerferien wurden die Dreharbeiten abgeschlossen. Doch die Sommerferien reichten dafür nicht. So wurde unter anderem der Teil des Films, der auf Amrum spielt, während der Schulzeit gedreht. Hier war Lotta auf Klassenfahrt und erlebte dort jede Menge spannende Abenteuer. Insgesamt schlug der Film mit dreieinhalb Wochen Schulbefreiung zu Buche. Den Stoff musste sie nachholen, da gab es keine Abstriche.

„Mein Lotta-Leben – Alles Tschaka mit Alpaka!“ mit Levi Kazmaier (r.), Yola Streese (li.) und Meggy Hussong

Die Szenen, die im Watt vor Amrum gedreht wurden, und alle Szenen mit Tieren haben Meggy am meisten Spaß gemacht. Die Tiere sind ebenso wie die jungen Schauspieler größer geworden. Waren es im ersten Lotta-Film noch kleine weiße Kaninchen der Rasse Belgische Riesen, spielten auf Amrum zwei Alpakas und mehrere Pferde mit. „Eigentlich sollte nur eine Alpaka­stute mitspielen – Ilsebilse –, aber sie und ihre beste Freundin waren so unzertrennlich, dass dann beide mitspielen durften. 

In Gettorf mit seinen 7.500 Einwohnern hat sich nicht sehr viel für Meggy verändert, „denn hier kennt man sich ja ohnehin“. Hier lebt die 15-jährige Hauptdarstellerin von inzwischen zwei Kinofilmen relativ normal das Leben einer Teenagerin, abgesehen davon, dass es vorkommt, dass Lehrer die Lotta-Bücher ihrer Kinder von ihr signieren lassen. Ansonsten wird sie von den Lehrern behandelt wie die anderen auch. „Ich bekomme deswegen keine besseren, aber auch keine schlechteren Noten. Auf Amrum sei sie aber schon auf der Straße angesprochen worden. „Auf der kleinen Insel hatte sich sehr schnell herum gesprochen, dass wir drehen.“

Meggy hat längst das nächste Projekt am Laufen. „Wir haben bereits zwei Wochen in München gedreht.“ Um welchen Film es sich handele, sei noch nicht spruchreif. Nur so viel verrät sie: „Es handelt sich nicht um ,Mein Lotta-Leben 3‘.“

Für die Fortsetzungsgeschichte bekam Meggy wieder einen Pony geschnitten, damit die Teenagerin der Rolle entsprechend aussieht wie ein Kind.

Mir ihren gleichaltrigen Schauspielerkollegen ist sie längst sehr gut befreundet. „Wir verstehen uns sehr gut. Wir haben einfach sehr viele schöne Momente gemeinsam erlebt. Das hat uns zusammengeschweißt. Die letzten Osterferien haben wir gemeinsam in Bayern verbracht.“

Die Drehzeiten waren für Meggy die schönsten Zeiten ihres Lebens. Klar sei die Doppelbelastung von Film und Schule auch manchmal anstrengend gewesen, „aber es hat einfach unheimlich viel Spaß gemacht.“

Nach dem Abitur will Meggy Schauspielerin werden beim Film oder Theater oder einen anderen kreativen Beruf ergreifen. „Ich habe ein Praktikum in einem Tonstudio gemacht. Das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht.“ Auch wenn Meggy noch nicht genau weiß, welchen beruflichen Weg sie einmal einschlagen wird, oder sie es einfach noch nicht verraten will – eines ist ziemlich sicher: Man wird noch öfter von Meggy sehen und hören.

Musik und Freude in schwierigen Zeiten

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Schleswig-Holstein-Musikfestival (SHMF) – das bedeutet Konzerte an ganz unterschiedlichen, manchmal ungewöhnlichen Orten. Nach einem Sommer der Möglichkeiten im vergangenen Jahr mit Musik vom Festivaltrecker und vielen Konzerten unter freiem Himmel, mit Abstand und coronakonform, fanden in diesem Jahr wieder 204 Konzerte an 65 Orten und in 123 Spielstätten in ganz Schleswig-Holstein statt.

„Wir wollen Musik zu den Menschen transportieren und in diesen schwierigen Zeiten Freude bereiten“, sagte SHMF-Intendant ­Dr. Christian Kuhnt.

Das schaffte das Cuarteto SolTango mit dem Programm „Misión Tango“ im Elbeforum in Brunsbüttel. Das Publikum genoss die verschiedenen Tangostile, die von den vier Musikern präsentiert wurden. Die Ansage „Wir spielen alles außer Piazzolla“ konnte nicht eingehalten werden. Als letzte Zugabe gab es „Oblivión“ vom Tangovater Astor Piazzolla.

Als Spielstätte gehört die Historische Reithalle in Elmshorn zum SHMF. In diesem Jahr sorgte unter anderem Max Raabe dort für gute Unterhaltung. Lieder der 1920er und -30er Jahre, von Rotter, Kreisler und Holländer, sorgten für Heiterkeit, aber auch Melancholie. Raabe erklärte den Unterschied zwischen Eintänzer und Gigolo (der eine tanzt nur, der andere auch), lud zu Kaffee und Kuchen ein und berichtete von der Erfindung des Boeuf Stroganoff.

Das Duo Bartolomey & Bittmann spielte in Büsum ausschließlich Eigenkompositionen aus zehn Jahren seines Schaffens. Dabei hatten sie den Blick auf die einsetzende Flut im Wattenmeer, was beide so noch nicht erlebt hatten. Sie entlockten ihren Instrumenten erstaunliche Laute, die zu Tonfolgen aller Musikgenres verschmolzen.

Klemens Bittmann (li.) und Matthias Bartolomey faszinierten mit Mandolo und am Violoncello. Foto: Sabine Kolz

Zum Finale des Schleswig-Holstein-Musikfestivals dankte Ministerpräsident Daniel ­Günther (CDU) allen Beteiligten für einen großartigen Musiksommer. „Das Prädikat ,Echter Sommer‘ haben die vergangenen zwei Monate in Schleswig-Holstein in diesem Jahr allemal verdient.

Trotz der Trauer

So viel Traurigkeit mit so viel Licht! „Selig sind, die da Leid tragen“ beginnt das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms in der Rendsburger Christkirche. Trost und Traurigkeit transportiert überzeugend der fast 90-köpfige Schleswig-Holstein-Festival-Chor unter Leitung von Nicolas Fink, begleitet lediglich von zwei Klavieren und einer Pauke. Deren Schläge verwandeln die Sequenz „Alles Fleisch, es ist wie Gras“ in einen Marsch von Zombies. „Freude, ewige Freude“ wird als trotziges Dennoch entgegengesetzt.

Der Gläubige bemüht die ewige Seligkeit. Allein, es fehlt der Glaube. Dass die Toten „ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach“ ist da vielleicht der glaubwürdigste Trost. 

Gundermann wiedererweckt

Gerhard Gundermann war ein genialer Liedermacher in der DDR, Baggerfahrer im Tagebau, überzeugter Kommunist und unerschrockener Kritiker der Zustände. Nach dem Mauerfall stellte sich heraus, dass er für die Stasi gearbeitet hatte. Früh starb er 1998 mit 43 Jahren an einer Hirnblutung.

Andreas Dresen als Regisseur und Alexander Scheer in der Titelrolle haben das Leben dieser schillernden und widersprüchlichen Person 2018 verfilmt und so auch einem breiten Westpublikum bekannt gemacht. Heute touren sie in einer sechsköpfigen Band mit Gundermann-Musik, so auch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival in der fast ausverkauften Robbe & Berking-Werft am Flensburger Ostufer.

„Die haben harte Hände und ein hartes Herz. Die streiten ohne Ende, und die sterben früh. Die suchen ein Vergnügen und finden nur den Schmerz. Die können lügen, aber leben können die nie.“ Scheer als Gundermann hyperaktiv auf der Bühne, nahe am Durchdrehen, immer fröhlich, immer verzweifelt. Dresen der traurige Ruhepol, die Seele, die weiß, wie es gemeint ist. „Und willst du reich sein, dann liebe dir ein Kind. Doch lass es weich sein, so butterweich sein, wie deine Alten nie gewesen sind.“ 

Gundermann-Darsteller Alexander Scheer (li.) und Regisseur Andreas Dresen ließen den DDR-Liedermacher wiederauferstehen.  Foto: Tonio Keller

Gutes vom Hof.SH auf dem Norden-Festival

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Auf den Schleswiger Königswiesen kommen jedes Jahr im Spätsommer zahlreiche Künstler, Designer und Kreative aus dem nordischen Raum zusammen.

Von Stand-up-Paddling am Strand und Bogenschießen bis Kunstmarkt, Live-Siebdruck oder Open-Air-Ausstellungen bietet das Norden-Festival vom 25. August bis 11. September, jeweils von Donnerstag bis Sonntag, ein vielseitiges kulturelles Angebot für die ganze Familie.

Über 40.000 Besucher werden in diesem Jahr an der malerischen Atmosphäre an der Schlei erwartet. Am ersten Wochenende war erstmalig das Direktvermarkterportal der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Gutes vom Hof.SH, mit dabei und sorgte mit Käse- und Kabanossispießen für die kulinarische Abwechslung auf dem Festival. Beim Gewinnspiel wurde ein Käsepaket verlost und die Besucher konnten sich über das Portal, die heimische Landwirtschaft und regionale Lebensmittelherstellung informieren. Das traf nicht nur bei den Besuchern auf große Zustimmung. Auch Veranstalter Manfred Pakusius stellt fest: „Das Norden-Festival wurde in den vergangenen Jahren erfolgreich aufgebaut, jetzt wollen wir die Präsenz regionaler Produkte ausweiten.“ Dies könnte zukünftig auch für die Gutes-vom-Hof.SH-Betriebe interessant werden. Im kommenden Jahr besteht für sie die Möglichkeit, eine der Hütten zu bespielen. Interessierte Betriebe können sich direkt im Fachbereich Gütezeichen der Landwirtschaftskammer melden.

Andrea Arns und Anke Mehrens, Botschafterinnen für heimische Produkte, freuten sich über das große Interesse der Besucher an der Direktvermarkterplattform Gutes vom Hof.SH. Veranstalter Manfred Pakusius will regionale Produkte aus Schleswig-Holstein zukünftig noch stärker in das Festival-Konzept integrieren (v. li.). Foto: Sandra van Hoorn

Saugferkelbeifütterung mit der Lax Milk Bar

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Durch die Entwicklung der Fruchtbarkeitsleistung bei den Sauen ist die Anzahl der lebend geborenen Ferkel je Sau immer weiter gestiegen und liegt momentan im Mittel bei 14 bis 16 Ferkeln, auf einzelnen Betrieben sogar bei 18 Ferkeln und mehr. Allerdings führt diese hohe Reproduktionsleistung auch zu Problemen, denn je größer der Wurf ist, desto geringer sind die Geburtsgewichte der Ferkel, und die ausreichende Versorgung mit Milch ist nicht mehr gewährleistet, da nicht mehr genügend Zitzen für die Ferkel zur Verfügung stehen. Auch die Milchleistung der Muttersauen ist begrenzt. Wie das zu managen ist, schildert der folgende Beitrag.

Kompensiert werden kann dies durch Ammensauen. Stehen Schlachtsauen zur Verfügung, können diese dazu genutzt werden – ist dies nicht der Fall, müssen Sauen aus dem Bestand dazugenommen werden, welche dann aus der bestehenden Sauengruppe ausscheiden und in die nachfolgende Gruppe integriert werden müssen. Ein weiteres Problem dabei ist die Blockierung der Abferkelplätze, wenn keine zusätzlichen Abferkelbuchten dafür zur Verfügung stehen.

Aufgrund dieser Problematik kommt dem Verfahren einer zusätzlichen Beifütterung der Saugferkel eine immer größere Bedeutung zu. Ziel ist es, dadurch Ferkelverluste zu vermindern, die Gewichtszunahme zu steigern und zur gleichen Zeit die Sau zu entlasten.

Aktuell bestehen die folgenden Möglichkeiten einer Beifütterung der Saugferkel (Auszüge aus dem DLG-Merkblatt zur Saugferkelbeifütterung; im Druck):

• stationäre Systeme zur Beifütterung von Ferkeln auf Ventilbasis
• stationäre Systeme zur Beifütterung von Ferkeln auf Cup-Basis
• separate stationäre Beifütterungssysteme ohne Sau
• mobile Beifütterungssysteme mit Sau
• mobile Transportbehälter zur manuellen Beifütterung

Im Rahmen der Untersuchungen wurde das Konzept der Lax Milk Bar analysiert. Fragestellungen:

• mögliche Ferkelanzahl bei Sau plus Lax Milk Bar
• Gewichtsentwicklung der Ferkel (einzeltierbezogen und wurfbezogen)
• Milch- beziehungsweise Milchaustauscherverbrauch
• Prestarterverbauch

Idee der Lax Milk Bar

Die Idee der Lax Milk Bar ist es, in einer Abferkelbucht mehr Ferkel aufzustallen, als die Sau Zitzen hat. Durch die zusätzliche Fütterung soll es gelingen, diese Ferkel alle ausreichend zu versorgen. Die Zusammenstellung der Tiere sollte erst am dritten Lebenstag erfolgen, da mit zu jungen Ferkeln ansonsten die Erdrückungsgefahr zu groß wäre. Zur Auswahl kommen nur möglichst große Ferkel infrage.

Bei der Lax Milk Bar wird das Milchpulver täglich frisch mit warmem Wasser (50 °C) von Hand angerührt. Eingesetzt wurde dabei das vom Hersteller der Lax Milk Bar empfohlene Milchpulver Lax Piggy Gold Ferkelmilch. Dieses Milchpulver ist extra für die Anlage konzipiert worden und zeichnet sich dadurch aus, dass es sich auch nach längerer Standzeit nicht absetzt. Das Anmischverhältnis lag bei 1 l Wasser und 150 g Milchpulver. Über Schläuche wird die Milch in Ferkelschalen gepumpt, die in der Abferkelbucht außerhalb der Reichweite der Sau befestigt ­wurden.

Im Rahmen der Untersuchungen wurde eine Lax Milk Bar auf der Buchtentrennwand zwischen zwei Abferkelbuchten montiert und mit 220 V angeschlossen.

Insgesamt verfügte die Anlage zur Dosierung der Milch über zwei einstellbare Timer. Der erste Timer steuerte das Dosierintervall der Milch beziehungsweise die Menge der zu dosierenden Milch und der zweite Timer steuerte den Zeitpunkt des Ausdosierens.

Das Dosierintervall wurde auf stündlich einmaliges Ausdosieren eingestellt. Eine Ausdosierphase von bis zu 10 s war hierbei möglich. Diese Einstellung wird mit zunehmendem Alter der Ferkel täglich angepasst. Der voreingestellte Milchtimer stand auf 2 s.

Die Anlage besaß einen Schalter für zwei verschiedene Modi. Der erste Modus war der Dauerbetrieb. Hierbei pumpte die Pumpe durchgehend Milch aus dem Vorratseimer in die Schalen. Beim zweiten Modus war der Automatikmodus eingeschaltet. Dieser ist der Standardmodus, welcher im Versuchszeitraum über den ganzen Tag lief.

Die Milchmenge wurde in den Versuchen kontinuierlich gesteigert und ab Tag acht ein trockener Prestarter angeboten. Für eine zusätzliche Einstellung zur Regulierung der Milchmenge war die Anlage mit zwei Kugelhähnen ausgestattet. Durch diese ist es möglich, bei unterschiedlich starkem Milchbedarf der beiden Würfe einem Wurf weniger Milch zukommen zu lassen.

Im Rahmen der zu untersuchenden Thematik der Praxistauglichkeit der Lax Milk Bar als Ferkelbeifütterungssystem wurden Feldversuche auf drei konventionellen Ferkelerzeugerbetrieben durchgeführt. Insgesamt wurden auf jedem Betrieb zwei Durchgänge untersucht. Das heißt, es wurden zwei Lax Milk Bars auf den jeweiligen Betrieben aufgesetzt, sodass auf jedem Betrieb vier Würfe untersucht werden konnten. Die Größe der Stichprobe liegt somit bei insgesamt zwölf Würfen.

Grundvoraussetzung bei der Auswahl der Betriebe war, dass die Landwirte selbst die Lax Milk Bar nutzten, da ihnen so die Anwendung des Gerätes schon vertraut war und die Milchbar für den Versuch auf den jeweiligen Betrieben vorhanden war. Letzteres ist vor allem aus hygienischen Gründen sehr wichtig.

Gewichtsbestimmung

Im Verlauf des Versuchs wurden die Saugferkel der jeweiligen Würfe zweimal gewogen – einmal am dritten Lebenstag und einmal am 23. Lebenstag und somit am Tag des Absetzens. Dementsprechend wurden die Gewichtszunahme und die Tageszunahme insgesamt von 20 Tagen ermittelt.

Vor der Gewichtsbestimmung wurden die Würfe, die für den Versuch verwendet wurden, neu sortiert. Das heißt, dass die größten Ferkel aus der abgeferkelten Gruppe zu den Sauen mit der Lax Milk Bar gesetzt wurden.

Insgesamt wurden 25 ­vitale, schwere Ferkel zusammengestellt und an eine Sau mit Beifütterungssystem gesetzt. Im Mittel konnten 23,08 Ferkel an der Lax Milk Bar abgesetzt werden. Zudem konnte die Hälfte der untersuchten Würfe alle 25 Ferkel absetzen, sodass die Saugverluste bei knapp 8 % lagen. Hiervon waren 4 % Abgänge (in erster Linie Erdrückungsverluste), und 4 % waren sehr schwache Ferkel, die aus Tierschutzgründen frühzeitig versetzt werden mussten.

Die biologischen Leistungen der Ferkel mit durchschnittlich 190 g Tageszunahmen lagen auf dem unteren Niveau, das in der Literatur beschrieben wird. Dies ist auf die große Ferkelanzahl je Wurf zurückzuführen. Dennoch haben die Ferkel im Durchschnitt ein Absetzgewicht von 5,68 kg erreicht.

Aufgrund der Auswertungen der Ergebnisse ist der Einsatz der Lax Milk Bar eine gute Alternative zu anderen Ammensystemen. Sie zeichnet sich durch ihre geringen Investitionskosten und die Möglichkeit aus, bis zu 25 Ferkel in einer Abferkelbucht aufzuziehen.

Fazit

Es konnten durchschnittlich 23 Ferkel abgesetzt werden, bei insgesamt 25 Ferkeln zu Beginn. Die Verluste waren sehr gering, Vorversuch 8 % (vom dritten Lebenstag bis zum Absetzen), im Hauptversuch 4 % Verluste und 4 % „schwache Ferkel“ wurden versetzt. Die Tageszunahmen lagen bei den Gruppen zwischen 160 und 230 g (ab dem dritten Lebenstag bis zum Absetzen). Der Milchaustauscherverbrauch lag zwischen 0,7 und 1,3 kg je abgesetztem Ferkel. Die Auswahl der Sau ist entscheidend. Ideal sind „gute“ Sauen mit dem zweiten oder dritten Wurf.

Gesichertes Einkommen mit Bioschweinen

Mit Bioschweinen lässt sich auch derzeit noch Geld verdienen. Im folgenden Bericht geht es um zwei Betriebe, die von ihren ­Erfahrungen berichten.

Den heutigen Bioschweinmast­stall in der Nähe von Würzburg hat Heiko Reinhardt 2003 für 1.200 Tiere neu gebaut. Damals war pro Tier 1 m2 vorgesehen, und die Schweine wurden auch damals schon auf Stroh gehalten. „Daher haben wir bei der Umstellung im Jahr 2016 innen nur wenig ändern und nur die Tierzahl an die neuen Vorgaben anpassen müssen“, betonte Reinhardt, sodass aktuell etwa 800 Schweine gehalten werden können.

Bei der Überdachung des Auslaufs hat sich Reinhardt bewusst für eine freitragende und damit gut durchlüftete Konstruktion entschieden. Sonnenbrand im Auslauf beobachtet er nur selten. „Die Tiere meiden die starke Sonneneinstrahlung und gehen mit der Sonne mit, sodass sie bei großer Wärme meistens im Schatten liegen“, berichtete der Landwirt. Mit 3 m2 insgesamt bietet er den Schweinen mehr Platz als die EU-Bio-Verordnung und die Bioland-Richtlinien es vorschreiben.

Obgleich die Gruppengröße mit 200 Mastschweinen groß ist, koten die Tiere zu 99 % draußen. Nur zu Beginn der Vormast, wenn den Schweinen innen sehr viel Platz zur Verfügung steht, kommt es auch schon mal drinnen zu Verschmutzungen. Da die Luft im Stall gut ist, kann auf mechanische Be- und Entlüftung verzichtet werden und die klassische Trauf-First-Lüftung erweist sich als ausreichend. Nebenbei werden so 7.000 € Stromkosten gespart.

Höhere Kosten sind herausfordernd

Die Fütterung löst alle drei Stunden aus. Durch die Breifütterung werden die Tiere zusätzlich zum Fressen angeregt. Aktuell kostet Vormastfutter etwa 70 €/dt und besteht aus zahlreichen Komponenten, um den Bedarf der Tiere zu decken. Neben Erbsen und getoasteten Sojabohnen dienen auch Luzernecobs und Bierhefe als Eiweißträger. Die Anpassung an die wachstumsbedingt veränderten Bedürfnisse der Schweine erfolgt wöchentlich.

Heiko Reinhardt erzielt gute Preise, wenngleich die Futterkosten die Marge schmälern. Dabei kommt es ihm zugute, dass er im vergangenen Jahr einen Teil der Sojabohnen noch zu deutlich günstigeren Preisen bekommen konnte. Auf die 4,23 €/kg Schlachtgewicht bei 55 % Muskelfleischanteil gibt es momentan über den Erzeugerzusammenschluss noch einen befristeten Aufschlag. Trotz der guten Ausgangslage ist sich aber auch Reinhardt bewusst: „Wir werden unsere Vollkosten neu kalkulieren müssen, um damit die Preise für das zweite Halbjahr zu verhandeln.“

Da die Schweine schon vor der Umstellung auf Stroh gehalten wurden, musste für die ökologische Haltung im Innenbereich nur die Tierzahl reduziert werden. Foto: Christian Wucherpfennig

Erfolgreich mit 70 Sauen nach Demeter

Der Umstellung des im baden-württembergischen Rückertsbronn gelegenen Betriebes der Familie Lober im Jahr 2015 ging eine längere Phase des Herantastens voraus. 1988 überredete der heutige Betriebsleiter Dietmar Lober seinen Vater, einen Unkrautstriegel zu kaufen. Seit 2002 werden auf dem Acker keine Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger mehr eingesetzt. Nach der Umstellung wurden die Ställe über mehrere Jahre weitestgehend in Eigenleistung umgebaut.

„Parallel wurden weiter 35 Sauen gehalten, um sich nicht daran zu gewöhnen, keine Sauen mehr zu haben“, erklärte Dietmar Lober seine Vorgehensweise. Zuvor waren 110 Sauen im Bestand. Da vielfach auf gebrauchtes oder vorhandenes Baumaterial zurückgegriffen wurde, konnte und wollte Lober schließlich keine Investitionsförderung mehr in Anspruch nehmen.

Mit heute gerade einmal 70 Sauen ist der Betrieb der größte Demeter-Sauenbetrieb in Deutschland. Etwa 70 % der erzeugten Ferkel gehen an einen etwas größeren Mäster in der Region, der Rest wird an viele kleinere Betriebe verkauft, denn bei Demeter halten viele Betriebe eine kleine Anzahl von Schweinen für die Direktvermarktung und Hofmolkereien finden so einen guten Absatz für die bei der Käseherstellung anfallende Molke.

Die Durchstiege in den Auslaufgittern erleichtern es dem Betreuungspersonal, von einer Bucht zur anderen zu gelangen.

„Man darf den Sauen etwas zutrauen“

Die vorhandenen Gebäude ließen sich gut nutzen, weil durch Auflagen des Brandschutzes bei den in den 1970er Jahren errichteten Stallungen ausreichend Abstand zwischen den Gebäuden bestand, sodass die in der ökologischen Schweinehaltung obligatorischen Ausläufe gut eingerichtet werden konnten. Dabei wird der Auslauf von den Ferkel führenden Sauen insbesondere bei wärmerer Witterung gerne auch zum Säugen genutzt.

Nach dreieinhalb Wochen werden drei bis vier Sauen gemeinsam mit ihren Ferkeln ins Gruppensäugen umgestallt, was es auch ermöglichte, mit einer größeren Buchtentiefe das gesamte vorhandene Gebäude zu nutzen. Das Gruppensäugen funktioniert gut, denn „man darf seinen Sauen auch mal etwas zutrauen“. Die tragenden Sauen werden in mehreren nicht fest zusammengesetzten Gruppen gehalten und kurz vor dem Abferkeln in die Abferkelbuchten umgestallt. Das Ferkelnest in der Abferkelbucht ist bewusst klein gehalten, hat eine Fußbodenheizung und wird daher von den Ferkeln sehr gut angenommen, was unter anderem sehr geringe Erdrückungsverluste zur Folge hat. Nach dem Umstallen ins Gruppensäugen steht den Ferkeln dann ein deutlich größeres Ferkelnest zur Verfügung.

Vor allem im Sommerhalbjahr säugen die Sauen ihren Nachwuchs gern im Auslauf. Fotos (3): Dietmar Lober

Fütterung in einem Demeter-Betrieb

Als Demeter-Betrieb verzichtet Lober auf die sonst noch bei ökologischer Bewirtschaftung zulässigen kleinen Mengen von konventionellem Kartoffeleiweiß. „Mit Kartoffeleiweiß wären die Leistungen vermutlich etwas besser“, merkte Lober aber auch an. Eine Besonderheit im Betrieb ist das großzügige Angebot an Raufutter. Etwa 3 bis 4 ha Klee fressen die Sauen und die Ferkel jährlich. Zwei Drittel des Jahres wird es frisch angeboten, im Winterhalbjahr in Form von Silage oder Heu.

„Durch das viele Raufutter mögen die Ferkel etwas langsamer wachsen, aber sie bleiben dafür während der Aufzucht gesund“, erklärte Lober seine Strategie. Dabei muss das Futter aber früh geschnitten werden, denn überständiger Klee wird von den Schweinen nicht so gut angenommen und hat dann auch nur noch einen geringen Futterwert. Das übrige Kleegras und auch einen Teil des Strohs bekommen ein Schaf- und ein Milchviehbetrieb, Gülle und Festmist gehen im Gegenzug zurück. Somit ist die bei Demeter vorgeschriebene Haltung von mindestens 0,2 Großvieheinheiten Raufutterfresser über die Kooperation erfüllt. Mit Weizen, Triticale, Winter- und Sommergerste, Hafer und Körnermais sowie Soja, Erbsen und Ackerbohnen baut Lober möglichst alles Futter auf seinen 45 ha Flächen selbst an.

Die Altgebäude ließen sich für die Ferkelaufzucht gut nutzen.

Fazit

Sechs Jahre nach der Umstellung sieht sich Heiko Reinhardt in seiner betrieblichen Entscheidung bestätigt. „Außerdem ist ökologische Landwirtschaft viel spannender. Nicht nur die Schweinehaltung, sondern auch der Ackerbau machen Freude“, erklärt er abschließend. Während vor der Umstellung nur fünf unterschiedliche Kulturen angebaut wurden, sind es aktuell 17. Dem zweiten Betriebsleiter Dietmar Lober ist es wichtig zu zeigen, dass ein neues Haltungskonzept auch dann umgesetzt werden kann, wenn nicht alles Alte gleich weggeworfen wird, man sich Zeit lässt beim (Um-)Bauen und der Betrieb nicht unbedingt vergrößert werden soll.

Von der Polizeiarbeit zum Freizeitvergnügen

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Nahe Bad Schwartau startete im August die Schleppjagdsaison in Schleswig-Holstein. Hinter der Meute des Masters Joachim Martens aus Lübeck sammelten sich die Reiter, die teilweise auch aus Mecklenburg-Vorpommern gekommen waren, zum Stelldichein in Groß Parin.

Zwei Stunden lang ging es bei sommerlich warmem Wetter über die Stoppelfelder zwischen Bad Schwartau und Lübeck. Ein herrliches Bild für die zahlreichen Zuschauer, die zu den Sammelpunkten kamen, um das Jagdfeld zu beobachten. Nachdem der Halalisprung geritten, die Hunde mit ihrer Belohnung, dem Curée, versorgt und das Halali geblasen war, endete die Jagd mit einem leckeren Essen in der großen Scheune des Gutshofs in Groß Parin.

Veranstaltet wird diese Jagd seit mehr als 20 Jahren von dem pensionierten Polizeibeamten Jörg Wischnewski. Die Idee kam dem ehemaligen Mitglied der inzwischen aufgelösten Reiterstaffel Schleswig-Holstein bei einer Verfolgungsjagd. Der Autobahnpolizei war ein Pkw-Fahrer zu Fuß durch die Felder entkommen. Wischnewski war mit einem Kollegen im Auto unterwegs, als sie zwei Reiterinnen trafen, die den Flüchtenden gesehen hatten. Kurzerhand lieh sich Wischnewski ein Pferd und stellte den Übeltäter.

Jörg Wischnewski organisiert die Jagd, auch mit der Hilfe seiner Nichte. Mit ihren Trakehnern reiten die beiden auch mit. Foto: Sigrun Wiecha

Danach setzte er seine Idee in die Tat um und zusammen mit seiner Familie, Freunden und unter Mithilfe des ganzen Dorfes richtet er nun jedes Jahr die erste Jagd mit der Beaglemeute von Joachim Martens aus. „Wer einmal mitgeritten ist, kommt immer wieder“, sagt Wischnewski.

Bedingt durch die Arbeit der Landwirte und die immer kürzere Zeit, die den Jagdreitern auf den Feldern zur Verfügung steht, fand die Jagd in den vergangenen Jahren immer am dritten Wochenende im August statt. Wer Lust hat, mitzureiten oder Reiter und Hunde zu beobachten, kann sich bei Jörg Wischnewski unter wischimobil@aol.com anmelden

Alleskönner Holunder

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Die Holunderfamilie zeigt sich erstaunlich vielseitig. Einige Mitglieder zieren mit auffälligem Laub, rosafarbener Blüte und schwarzen Fruchtdolden, andere hingegen haben sich auf die ertragreiche Blüten- und Beerenproduktion spezialisiert. Und die Exoten der Familie punkten mit auffällig roten Früchten oder heilkräftigen Inhaltsstoffen.

Für unsere Gärten sind drei Holunderarten interessant: Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Traubenholunder (Sambucus racemosa) und Zwergholunder (Sambucus ebulus). Der Schwarze Holunder, manchmal auch als Holler- oder Fliederbusch bezeichnet, tritt als Wildform in freier Natur bei uns sehr häufig auf. Die weiße Blüte erscheint von Mai bis Juli als große, flache Schirmrispe mit vielen Einzelblüten. Deren frischer, fruchtiger Duft lässt sich in Sirup, Limonade, Gelee oder Sekt konservieren. Beliebt ist außerdem auch das Ausbacken der Blüten in Pfannkuchenteig.

Die bunten und geschlitzten Blätter der verschiedenen Holunderselektionen sorgen mit den Beeren für einen hohen Nutz- und Zierwert.
Foto: Karin Stern

Von Mitte August bis Mitte September reifen die schwarzen Beeren. Botanisch handelt es sich um Steinfrüchte. Sie enthalten viel Vitamin C und Kalium. Für Menschen sind sie jedoch nur nach dem Erhitzen genießbar. Dieser Vorgang zerstört den Inhaltsstoff Sambunigrin, der Erbrechen, Magenkrämpfe und Durchfall verursachen kann. Holunder ist sehr frosthart. Nur sein früher Austrieb kann durch Spätfröste Schaden nehmen. Besonders wohl fühlt sich der Strauch im Halbschatten auf stickstoffreichem, feuchtem Lehmboden. Neben der Wildform bieten Baumschulen interessante Selektionen an, die gern als Ziergehölze gepflanzt werden. So überzeugt die Sorte ‚Aurea‘ mit auffallend gelbem Laub und ‚Black Beauty‘ mit purpurrotem Laub und rosafarbenen Blüten. Fehlt der Platz für die gewöhnliche Strauchform, fügen sich die säulenförmig wachsenden Sorten ‚Black Tower‘ und ‚Yellow Tower‘ in schmale Lücken ein.

,Black Lace‘ überzeugt mit einer wunderschönen Blüte. Foto: Karin Stern

Wer Holunderbeeren ernten möchte, pflanzt die sehr empfehlenswerte selbstfruchtbare Kultursorte ‚Haschberg‘. Ihre Beeren sind deutlich größer und saftiger als die von Wildsträuchern. ‚Riese aus Voßloch‘ wird gern für die Ernte der Blüten angebaut, da sich diese Sorte durch besonders große Dolden auszeichnet. Ihr Beerenertrag bleibt jedoch meist hinter den Erwartungen zurück, da bei kühler Witterung die Blüten häufig verrieseln. Die manchmal während der Blüte auftretende Schwarze Holunderblattlaus lässt sich gut mit Hausmitteln wie Seifenlauge oder Brenn­nesselbrühe bekämpfen. Der Saft aus den Beeren und der Tee aus den getrockneten Blüten lindern Erkältungskrankheiten. Insbesondere der Tee wirkt schweißtreibend, fiebersenkend und schleimlösend.

Sambucus racemosa, der Traubenholunder, schmückt sich im Herbst mit auffallend roten Beeren. Foto: Karin Stern

Der Traubenholunder, auch als Roter Holunder bekannt, wird wegen seiner schmückenden roten Beeren gerne in naturnahen Hecken verwendet. Das hübsche Wildgehölz ist in Mitteleuropa verbreitet, wenn auch nicht so häufig anzutreffen wie der Schwarze Holunder. Die nektarreichen Blüten locken Bienen und Insekten an. Die Beeren hingegen sind bei Gartenvögeln sehr beliebt. Traubenholunder mag einen frischen, humosen Boden an einem sonnigen bis halbschattigen Standort. Der Strauch erreicht eine Höhe von 2 bis 4 m. Die Zweige hängen malerisch über. Die gelblichweißen Blütendolden erscheinen von April bis Ende Mai, die Beeren reifen von Juli bis September. Einige der für den Garten interessanten Zierformen sind in der Tabelle zu finden.

Die rosa-weiße Blütendolde des Zwergholunders. Foto: Karin Stern

Der Zwergholunder (Sambucus ebulus), manchmal auch als Attich bezeichnet, ist botanisch gesehen kein Strauch, sondern eine Staude. Die Pflanze wächst etwa 1,5 m hoch und bringt aufrecht stehende Blütendolden hervor. Dies sind wichtige Merkmale zur Unterscheidung vom Schwarzen Holunder. Die Beeren sehen sich sehr ähnlich. Da sie jedoch als giftig gelten, sollten sie nicht verwendet werden, auch nicht nach dem Erhitzen. Trotz oder gerade wegen der giftigen Inhaltsstoffe findet die Wurzel des Zwergholunders teilweise noch medizinische Verwendung.

Quelle: Karin Stern

Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 3422

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Die Getreideernte ist wie immer: plötzlich schon vorbei. Die allermeisten Landwirte erleben die fünfte Jahreszeit als schönste des Jahres und konnten sich in diesem Jahr über gute Erträge freuen. Auch im Handel freut man sich mit den Erzeugern und staunte über die zeitweise unendlichen Anlieferungen in der Getreideannahme. Die Erntelogistik ist in diesem Jahr besonders herausfordernd. Zu Beginn der Ernte wurden Gerste und Raps aus Ungeduld eher zu feucht geerntet und verursachten hohen Trocknungsaufwand. Angesichts guter Ernteergebnisse in der Gerste und dann auch im Raps und im Weizen galt es schließlich, Massen zu bewältigen. Der Abtransport der neuen Ernte vom Ort der Erfassung in Richtung der Käufer und Verarbeiter gestaltet sich allerdings nicht so einfach, es gibt einige Hürden.

Transportprobleme

Im Güterkraftverkehr mangelte es laut Bundesverband BGL schon vor dem Ukraine-Krieg an 60.000 bis 80.000 Fahrern in Deutschland. Strukturell würde nur die Hälfte der in Rente gehenden Berufskraftfahrer durch Berufseinsteiger ersetzt. Das Fehlen ukrainischer Fahrer verschärft die Situation im europäischen Raum, im Schwerpunkt bei polnischen und litauischen Unternehmen. Der Dieselpreis ist im März explodiert und seither zwar etwas zurückgegangen, liegt aber noch immer 56 % über dem Schnitt der vergangenen drei Jahre. Zusammen mit erhöhten Kosten für AdBlue, Fahrpersonal und Technik ist die Lage für Transportunternehmer oftmals existenzbedrohend. In der Binnenschifffahrt klagt man ebenso wie in der Landwirtschaft über die Dürre. Auf dem Rhein können viele Schiffe wegen Niedrigwasser weniger als ein Drittel ihrer Kapazität auslasten, auf der Donau können bei rekordtiefem Pegel abschnittsweise keine Güterschiffe mehr verkehren. Die Niederschläge der vorigen Woche heben den Pegel in beiden Flüssen nur vorübergehend an. Zudem konkurriert der Getreidetransport mit dem von Kohle. 2018 waren die Pegelstände im Rhein ähnlich niedrig, da gab es jedoch weniger Transportbedarf für Kohle und es waren insgesamt mehr Schiffe vorhanden. Die Ausweichmöglichkeiten für den Transport von Agrargütern sind begrenzt, im Exporthafen Hamburg kommt Getreide vermehrt per Schiene an. Die Lösungsansätze der Branchenverbände für mehr Warenbewegung per Lkw reichen von einer Aussetzung des Wochenendfahrverbots bis zu einer Erhöhung der Lkw-Nutzlast.

Marktlage

Neben den logistischen Schwierigkeiten beim Umschlag der neuen Ernte gibt es auch marktseitig Unklarheiten. Das turbulente Frühjahr hat zu Preiskapriolen geführt, die auf Erzeugerebene den Verkaufswillen förderten. Auf der Abnehmerseite sorgte die Rekord-Hausse für Zurückhaltung, doch mit der Erfahrung aus dem Vorjahr im Nacken entschieden sich vor allem Käufer aus dem Ausland zu Vorkäufen. Jetzt, wo die Ernte eingefahren ist und die Preise weit von den Höchstständen entfernt sind, steht das Geschäft still. Bei immer niedrigeren Terminkursen versuchen Marktteilnehmer, eine Position zu finden. Am internationalen Markt werden sinkende Preise immer wieder mit den Ausfuhren aus der Ukraine begründet, doch 25 bisher beladene Schiffe stehen nicht in Relation mit der scheinbaren Entspannung. Die Ernte ist hierzulande gut ausgefallen, beim Weizen ist die Frage nach den Qualitäten in Klärung. Brauchbare Zahlen werden auch auf globaler Ebene gesucht. Der sonst aussagekräftige USDA-Bericht hatte zuletzt zu Unverständnis geführt. Die Ernteprognose Russlands wurde mit 88 Mio. t Weizen so hoch angesetzt, dass man sie infrage stellt. Das Land selbst gibt noch größere Mengen an und will mit Abstand Spitzenreiter im Weizenexport werden. Die Glaubwürdigkeit Russlands ist seit dem Einmarsch in die Ukraine auf dem Tiefstand und trotzdem hängt der Weltmarktpreis maßgeblich vom russischen Getreideangebot ab. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Markteinschätzung ist die unter Trockenheit leidende Maisernte in Europa. Wie sagt man so schön – bald wissen wir mehr.

Marktlage für die Woche vom 22. bis 28.8.2022

Getreide: Weizenexporte aus Russland und der Ukraine haben zuletzt die Terminkurse für Weizen unter Druck gebracht.

Raps: Die Matif-Rapskurse haben weiter nachgegeben und liegen jetzt wieder auf Vorjahresniveau.

Futtermittel: Die US-Sojakurse gaben zuletzt nach, da ausreichende Niederschläge fallen. Futtergetreide wird günstiger.

Kartoffeln: Die Haupternte hat begonnen. Der Markt ist ausreichend versorgt. Die Preise stehen unter Druck.

Schlachtrinder: Jungbullen- und Färsenpreise blieben stabil, die Preise für Schlachtkühe haben nachgegeben.

Schlachtschweine/-sauen: Der Preisanstieg hat sich in der Vorwoche fortgesetzt. Die Mäster liefern nur zögernd ab.

Ferkel: Die erhöhten Schlachtschweinekurse beleben die Ferkelnachfrage. Die Kurse steigen wöchentlich an.

Milch: Die Anlieferungsmengen bleiben weiter auf dem Vorjahresniveau. Die Kurse für Spotmilch bleiben vorerst recht hoch.

Schlachtlämmer/-schafe: Die zuletzt erhöhten Kurse können sich behaupten. Die Nachfrage bleibt rege.

Markttendenz für die Woche vom 29.8. bis 4.9.2022

Getreide: Weiterhin wird mit einer nervösen Marktlage gerechnet. Die Kurse reagieren auf jede Nachricht mit Ausschlägen.

Raps: Die gute EU-Ernte sorgt für Angebotsdruck, auch die schwachen Sojakurse drücken auf die Rapsnotierungen.

Futtermittel: Aus Nord- und Südamerika wird mit einem ausreichenden Sojaschrotangebot gerechnet.

Kartoffeln: In vielen Regionen erschwert die Trockenheit die Erntearbeiten. Die Qualitäten leiden.

Schlachtrinder: Trockenheit und Futtermangel sorgen vor allem bei Schlachtkühen für ein erhöhtes Angebot und Preisdruck.

Schlachtschweine/-sauen: Die hohen Temperaturen sorgen für eine belebte Grillfleischnachfrage und reduzierte Zunahmen in der Schweinemast.

Ferkel: Die reduzierten Sauenbestände können die belebte Ferkelnachfrage kaum bedienen.

Milch: Die Kurse für MMP stehen weiter unter Druck. Die Käse- und Butternachfrage bleibt stabil, die Kurse fest.

Schlachtlämmer/-schafe: Die überregionale Nachfrage sorgt für einen stetigen Absatz zu stabilen Kursen.