Es stehen Wahlen an im Bauernverband Schleswig-Holstein – von der Orts- über die Bezirks- und Kreisebene bis zum Landesvorstand. Viele Amtsinhaber treten nicht mehr an. Deshalb werden vor allem junge Landwirtinnen und Landwirte gesucht, die bereit sind, sich im Ehrenamt des Verbandes zu engagieren. Das Bauernblatt hat die Kreisvorsitzenden nach ihren Erfahrungen befragt – und warum sich das Ehrenamt auch für einen selbt lohnt.
Klaus-Peter Lucht (61) hält in Mörel im südlichen Kreis Rendsburg-Eckernförde in einer Familien-GbR 200 Kühe mit weiblicher Nachzucht. Bewirtschaftet werden 65 ha Grünland. Ortsvertrauensmann im Verband wurde er schon 1985 nach der Lehre. Seit 15 Jahren ist er Kreisvorsitzender und tritt auch gerne wieder an. Er ist Vizepräsident im Landesverband und kandidiert bei der Wahl des Präsidenten. 20 Jahre lang war er Bürgermeister von Mörel, das gab er ab, sitzt aber noch im Gemeinderat. „Die kommunalpolitische Arbeit hat mich geprägt, ich weiß, wie Verwaltung funktioniert“, sagt er.
Eine Initialzündung für sein Engagement sei für ihn damals die BSE-Krise gewesen. „Das Keulen der Tiere ohne wissenschaftliche Erkenntnisse hat mich auf die Palme gebracht.“ Seine Schlussfolgerung: „Ich kann zwar demonstrieren, aber nur was verändern, wenn ich auf Verbandsebene aktiv werde.“ Und da habe er immer wieder etwas erreichen können, etwa dass die Baugenehmigungen für Folientunnel nicht verschärft wurden oder bei der Abschaffung der Milchquote. Durch den Verband sei er gut vernetzt in alle politischen Parteien und Amtsverwaltungen. „Ich brenne für die politische Arbeit“, sagt er. Die Wertschätzung, die er von Menschen erfahre, für die er etwas tue, sei für ihn der größte Lohn. „Das spornt mich an!“
Die Leute müssten aber auch wissen, was der Bauernverband tut. Transparenz sei da immens wichtig. Bei den Versammlungen der zehn Bezirke im Kreis sei er immer dabei. Das sei nur möglich, weil sein Sohn zu Hause die Betriebsleitung hat. „Ich melke morgens und mache die Dokumentation.“ Man brauche für das Amt den Rückhalt der Familie, das könne man nicht nebenbei machen.
Der Kreis Rendsburg-Eckernförde ist der größte im Land und zentral gelegen, „dadurch haben wir in der Landwirtschaft alles“. Das zusammenzubinden, verlange Teamplay. Die digitalen Medien machen das zwar leichter, es werden aber auch schnellere Entscheidungen erwartet. Manchmal sei nicht die Zeit, Themen ordentlich abzuarbeiten. Auch die Politik werde dadurch getrieben. „Es muss wieder sachlicher werden, das ist die größte Herausforderung.“
Was braucht man als junger Mensch im Ehrenamt des Verbandes? „Ein gesundes Selbstvertrauen. Lust auf Politik, Lust auf Menschen und Auseinandersetzung. Wir sind eine offene Gesellschaft. Ich gehe auch dahin, wo die Leute anders denken“, sagt Lucht.
„Den Nerv der Zuhörer treffen, das setzt Energie frei“
Jens-Walter Bohnenkamp, KBV Segeberg
Jens-Walter Bohnenkamp (64) hält am südwestlichen Stadtrand von Norderstedt im Kreis Segeberg 80 Sauen im geschlossenen System mit Mast der eigenen Ferkel. Das Ackerland beträgt 35 ha. Seit gut 20 Jahren ist er im Bauernverband aktiv. Das Amt des Kreisvorsitzenden hat er vor zehn Jahren übernommen. Davor war er zwölf Jahre lang auch im vlf Segeberg aktiv. Noch einmal zur Wahl antreten darf er wegen der Altersschranke nicht.
„Schon bei der Landjugend habe ich festgestellt, dass man als Vorsitzender eine Menge gestalten kann“, erzählt Bohnenkamp. In die Posten sei er aber meist überraschend „reingeholt“ worden, auch damals als KBV-Vorsitzender. Die Familie gab ihm dann grünes Licht. „Es ist ein großes Gut, aus dem Berufsstand heraus für den Berufsstand Fortbildung anzubieten“, findet er. „Man kann Wege aufzeigen, die von den Landwirten im Alltag umgesetzt werden können.“
Wenn er dann etwa bei einer Veranstaltung merke, dass er den Nerv der Zuhörer treffe, dann setze das bei ihm viel Energie frei. „Man hat das Ohr am Puls der Zeit, das bringt auch Vorteile für den eigenen Betrieb. Man ist dichter dran.“ Besonderheiten im Kreis Segeberg: Er ist der geflügelreichste Kreis im Land, und es gibt ein starkes Strukturgefälle zum Hamburger Speckgürtel.
Was hat sich im Laufe der Zeit verändert? Die Zeittakte, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen, seien viel kürzer geworden, die Neuerungen viel umfangreicher. Dafür habe man mit den neuen Medien ganz andere Kommunikationsmöglichkeiten.
Um ins Ehrenamt gut hineinzukommen, rät Bohnenkamp jungen Landwirtinnen und Landwirten, sich objektiv mit der anstehenden Arbeit zu beschäftigen, auch mal mitzulaufen und zuzuschauen. „Wir Alten müssen die Neuen da abholen, wo sie stehen und ehrlich sagen, wie viel Zeit das Amt erfordert.“ Auf Orts- und Bezirksebene sei das noch nicht so wild. Als Kreisvorsitzender habe es etwa eineinhalb Tage die Woche erfordert. Mehr als zwei Ehrenämter zur selben Zeit würde er nicht empfehlen. kel
Nicht alles alleine machen
Thies Hadenfeldt, KBV Dithmarschen
Thies Hadenfeldt (59) hat in Altenfähre, zur Gemeinde Wrohm im östlichen Kreis Dithmarschen gehörig, 250 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht und bewirtschaftet 200 ha, davon zwei Drittel Grünland und ein Drittel Acker. Vor zwei Jahren hat er den Betriebs an seine Tochter und den Schwiegersohn abgegeben. Hadenfeldt ist seit etwa 25 Jahren im Bauernverband aktiv, seit 15 Jahren im Kreisvorstand und seit fünf Jahren Kreisvorsitzender. Zur nächsten Wahl wird er nicht mehr antreten. Außerdem ist er Delegierter im Landwirtschaftlichen Buchführungsverband.
„Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, und ich habe persönlich viel profitiert“, blickt Hadenfeldt auf sein Ehrenamt im Verband zurück. „Ich habe viele Leute kennengelernt und Beziehungen knüpfen können, die mir auch bei meiner Betriebsführung geholfen haben. Man kennt sich jetzt, das ist ein großer Vorteil!“ Durch das Netzwerk im Verband bekomme man einen Blick über den Tellerrand hinaus, könne vorausschauend agieren und bessere Entscheidungen treffen. Auch in der Rhetorik habe ihn das Amt weitergebracht.
Der Kreis Dithmarschen teilt sich etwa zur Hälfte in Marsch und Geest, in der Marsch habe der Verband leider nicht so viele Mitglieder. Auf der Geest sei der Kohlanbau prägend. Viele Betriebe hätten aktuell keine Nachfolger. „Im Ort gibt es noch vier Bauern, von denen wahrscheinlich noch zwei aufhalten. Es waren mal über 20.“
„Es ist immer ratsam, sich zu beteiligen“, rät Hadenfeldt jungen Leuten. Schon auf Bezirksebene bekomme man viel mit, erst recht auf Kreis- und Landesebene. Man müsse gut planen, wie sich die Arbeit auf dem Betrieb und im Ehrenamt gestalten kann, im Ehrenamt die Aufgaben teilen, nicht alles alleine machen wollen.kel
Eine Initialzündung für sein Engagement sei für ihn damals die BSE-Krise gewesen. „Das Keulen der Tiere ohne wissenschaftliche Erkenntnisse hat mich auf die Palme gebracht.“ Seine Schlussfolgerung: „Ich kann zwar demonstrieren, aber nur was verändern, wenn ich auf Verbandsebene aktiv werde.“ Und da habe er immer wieder etwas erreichen können, etwa dass die Baugenehmigungen für Folientunnel nicht verschärft wurden oder bei der Abschaffung der Milchquote. Durch den Verband sei er gut vernetzt in alle politischen Parteien und Amtsverwaltungen. „Ich brenne für die politische Arbeit“, sagt er. Die Wertschätzung, die er von Menschen erfahre, für die er etwas tue, sei für ihn der größte Lohn. „Das spornt mich an!“
Die Leute müssten aber auch wissen, was der Bauernverband tut. Transparenz sei da immens wichtig. Bei den Versammlungen der zehn Bezirke im Kreis sei er immer dabei. Das sei nur möglich, weil sein Sohn zu Hause die Betriebsleitung hat. „Ich melke morgens und mache die Dokumentation.“ Man brauche für das Amt den Rückhalt der Familie, das könne man nicht nebenbei machen.
Der Kreis Rendsburg-Eckernförde ist der größte im Land und zentral gelegen, „dadurch haben wir in der Landwirtschaft alles“. Das zusammenzubinden, verlange Teamplay. Die digitalen Medien machen das zwar leichter, es werden aber auch schnellere Entscheidungen erwartet. Manchmal sei nicht die Zeit, Themen ordentlich abzuarbeiten. Auch die Politik werde dadurch getrieben. „Es muss wieder sachlicher werden, das ist die größte Herausforderung.“
Was braucht man als junger Mensch im Ehrenamt des Verbandes? „Ein gesundes Selbstvertrauen. Lust auf Politik, Lust auf Menschen und Auseinandersetzung. Wir sind eine offene Gesellschaft. Ich gehe auch dahin, wo die Leute anders denken“, sagt Lucht. kel
Mitgestalten, statt sich gestalten zu lassen
Georg Kleinwort, KBV Pinneberg
Georg Kleinwort (66) führt das Obstgut Deekenhörn in Haselau im Kreis Pinneberg mit 80 ha, davon 65 ha Obstanbau: Kirschen, Birnen, Äpfel, die er selbst vermarktet bis ins Rheinland. Ehenamtlich tätig ist er „sein Leben lang“, seit 20 Jahren im Kreisvorstand, seit acht Jahren Kreisvorsitzender nach dem Rücktritt seines Vorgängers – antreten darf er nun nicht mehr. Rund 50 Jahre ist Kleinwort in der Feuerwehr. 20 Jahre war er engagiert im Obstbauberatungsring.
„Es hat mir immer Spaß gemacht, etwas zu organisieren“, sagt Kleinwort. „So kann ich Dinge mitgestalten, anstatt sie durch andere gestalten zu lassen.“ Er habe viele Menschen und Betriebe und alle Arten von Landwirtschaft kennengelernt. „Man ist immer einen Sprung voraus und bekommt Tipps für den eigenen Betrieb, zum Beispiel zu geeigneter Förderung oder Krediten“, sagt er. Und es gebe immer wieder schöne Momente bei den Treffen.
Der Kreis Pinneberg beherbergt mit 350 ha mehr als die Hälfte des Obstbaus in Schleswig-Holstein, aber es waren schon mal 2.000 ha. Prägend im Kreis sind auch die Baumschulen und Pferdehaltung. Der Kreis ist klein strukturiert, besonders im Südkreis gibt es viele Flächen unter 1 ha, die oft gar nicht mehr bewirtschaftet werden. „Wir haben viel Deichfläche mit Vorland als Naturschutzgebiet, zum Beispiel Ausgleichsflächen für den Elbeaushub“, erklärt Kleinwort. „Das sind die besten Böden, die werden extensiviert, während man auf den leichten Böden der Holmer Sandberge für Getreideanbau bewässern muss.“
Die Landwirtschaft habe einen riesigen Strukturwandel erfahren. „Ich habe noch miterlebt, dass mit dem Pferd gearbeitet wurde“, erinnert er sich. Einen solchen Wandel in diesem Tempo habe noch keine Generation vorher mitgemacht. Die neue Kommunikationstechnik habe viele Vorteile, aber auch Nachteile – „WhatsApp statt Stammtisch“ habe Einzug gehalten. „Wir Landwirte müssen wieder mehr persönlich miteinander reden. Wie sollten umdenken in Richtung mehr Lebensqualität und etwas weniger Masse.“
Jungen Leuten rät er: „Gestaltet mit im Verband! Trotz Arbeit und Zeitaufwand lohnt es sich!“kel




