StartNachrichtenMarktHöchstpreise für Milch: Meiereien zahlen bis zu 58 Cent

Höchstpreise für Milch: Meiereien zahlen bis zu 58 Cent

Milchpreisvergleich
Von Caroline Hertell, LK-Markt
Foto: Pixabay

Trotz einer geschwächten Preisentwicklung bei Milchprodukten setzt sich die Preisrallye auf Erzeugerebene fort. Gegenüber dem Vormonat Mai haben sich die Auszahlungspreise der Meiereien in Schleswig-Holstein erneut erhöht. Rund 2,8 ct mehr wurden an die Landwirte ausgezahlt, der landesweite Durchschnittspreis steigt um 5 % auf 55,7 ct/kg ECM. Ein derart hohes Preisniveau wurde noch nie registriert.

Die Milchanlieferung ist saisontypisch rückläufig, sommerheiße Tage drücken die Produktion zusätzlich. Von KW 25 auf 26 verringerte sich das Milchaufkommen um 0,8 %, der Abstand zur Vorjahreslinie vergrößerte sich damit von 0,3 auf 1,3 %. Mit den steigenden Erzeugerpreisen erhöhen sich auf den Betrieben die Erlöse der Milchproduktion, jedoch steigen auch die Kosten weiter an. Betriebe, die den Großteil ihres Futterbedarfs selbst decken können, sind jetzt im Vorteil. Kraftfutter ist zwar preislich im Rückwärtsgang, kostet aber noch immer ein Drittel mehr als im Vorjahr und rund 60 % mehr als vor zwei Jahren. Die Milchauszahlungspreise im Norden heben sich deutlich vom restlichen Bundesgebiet ab. In den östlichen Bundesländern wurden in der Spitze 51,50 ct/kg Grundpreis ausgezahlt, im Westen der Republik waren es bis zu 53,04 ct/ kg, die Meiereien im Süden zahlten bis zu 53 ct/ kg aus. Für den weiteren Preisverlauf ist noch Luft nach oben, die 60 ct-Marke wird als realistisch eingeschätzt. Das IG-Milchbarometer steht Ende Juni bei 61,1 ct/ kg, der Kieler Rohstoffwert Milch bei 65,8 ct/ kg. Beide Indikatoren haben im Spannungsfeld von schwächeren Kursen für Butter- und Magermilchkontrakte sowie der fortschreitenden Inflation zuletzt nachgegeben. Stützende Argumente sind die Unsicherheit bezüglich der Gasversorgung und die dauerhaft geringeren Produktionsmengen in wichtigen Exportregionen der Welt. Der Kieler Index liegt derzeit um 75 % höher als im Juni 2021.

Nachfrage nach Käse
reißt nicht ab

Die Nachfrage nach Butter und Käse ist weiterhin gut. Vor allem Käse wird im Inland wie auch aus den touristisch starken EU-Nachbarländern nachgefragt. Die Notierungen in Kempten und Hannover liegen dicht zusammen, die Hannoveraner Preise haben aufgeholt, nachdem sie in den letzten Jahren immer ein Drittel niedriger lagen. Viereckhartkäse liegt in Kempten preislich bei 5,40 bis 6,20 €/kg, Schnittkäse wird in Hannover mit 5,40 bis 5,80 €/ kg beziehungsweise 5,20 bis 5,50 €/kg für Blockware notiert. Hierzulande ist die Nachfrage der Verbraucher trotz der historisch hohen Inflation weiterhin gut bis sehr gut. Standardkäse gehen weiter gut in den Markt, teilweise sind die Bestände knapp. Bei Markenware ist jedoch eine größer werdende Zurückhaltung der Verbraucher zu beobachten, zudem fällt die Entscheidung vermehrt auf kleine Packungsgrößen. Industrielle Abnehmer ordern auf normalem Niveau, haben jedoch weniger Bedarf an Milchprodukten für den Convenience-Bereich, der während der beiden Corona-Sommer 2020 und 2021 stärker gefragt war. Der Buttermarkt tendiert weniger einheitlich, Päckchenbutter war bis zuletzt gut gefragt, während es bei Blockbutter ruhig zugeht. Die Geschäftsabschlüsse bewegen sich auf den vorderen Terminen. Bei Milchdauerwaren hingegen geht es um das letzte Quartal 2022 und den Jahresbeginn 2023.

Pulverpreise
geben nach

Am Markt für Milchpulver fehlt es an Impulsen von der Nachfrageseite. Das geringe Kaufinteresse steht in Zusammenhang mit der unklaren wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort wie auch in den Importländern. Die Auftragslage bei den Meiereien ist trotzdem gut, sie wickeln Altkontrakte ab. Für spätere Liefertermine werden aufgrund der Unsicherheiten in den Bereichen Energie und Transport Aufschläge verlangt, dies sorgt für Zurückhaltung bei den Käufern im In- und Ausland, vor allem bei Magermilchpulver. Preislich lagen Voll- und Magermilchpulver an der Kemptener Börse im Juni im Bereich des Vormonats, teilweise schwächer. Die aktuellen Preise liegen darunter, ebenso bei Molkenpulver. Im europäischen Vergleich tendieren die Notierungen uneinheitlich, der Markt sucht Orientierung.

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