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StartNachrichtenMarktMarktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 29

Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 29

Von Karsten Hoeck, LK-Markt
Foto: Pixabay

Der Ende Juni auf 1,85 €/IP erhöhte Schlachtschweinekurs kann sich seit drei Wochen behaupten. Statt einer weiteren Preisentwicklung nach oben ist jetzt eine Korrektur nach unten möglich. Die Schlachtbranche hat ihre Drohungen wahr gemacht und rechnet fast flächendeckend die freien Schweine zu einem Hauspreis ab, der überwiegend bei 1,75 €/ kg SG liegt. Damit deutet sich auch für die laufende Woche eine lebhafte Diskussion über die weitere Entwicklung des Vereinigungspreises an. Begründet wird der Preisdruck mit den ferienbedingt ruhigen Fleischgeschäften. Eine erhöhte Nachfrage nach Grillartikeln vom Schwein kann die insgesamt ruhige Fleischnachfrage nicht ausgleichen. Die Schweinefleischnachfrage insgesamt geht seit Jahren zurück und Exporte nach China und in viele andere Länder sind nicht möglich, obwohl der günstige Eurokurs die Ausfuhren erleichtern würde. In den letzten Wochen sorgten zudem der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen und die Preisrücknahmen für Fleischartikel im Discountgeschäft für Unsicherheit in der Branche.

Hoher Kostendruck

Neben den schleppenden Fleischgeschäften berichten die Schlachtereien von einem hohen Kostendruck in der Produktion. Die Erzeugerseite verweist dagegen auf einen geräumten Lebendmarkt. Der Absatz der Schlachtschweine läuft bislang problemlos. Die wöchentlichen Schlachtzahlen liegen bundesweit auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Im Jahresverlauf wurden bislang 7 % weniger Schweine als im Vorjahreszeitraum geschlachtet. Die von den Schlachtbetrieben angekündigte weitere Reduktion der Schlachtungen kann somit nur bedingt Wirkung zeigen. Günstige Angebote an lebenden Schweinen aus den EU-Nachbarländern liegen ebenfalls nicht vor. Die hohen Temperaturen haben die Zunahmen in der Schweinemast europaweit verringert. Somit hat die Erzeugerseite derzeit wenig Gründe, auf die reduzierten Gebote der Abnehmer einzugehen. Denn auch die Schweinemast läuft weiterhin nicht rund. Obwohl die Kosten für Schweinemischfutter zuletzt etwas reduziert wurden, ist man von einer Wirtschaftlichkeit immer noch weit entfernt. Die Schlachtbetriebe ziehen jedoch die Daumenschrauben an anderer Stelle weiter an. So werden für die vertraglich gebundenen Schweine die Zuschläge gekürzt beziehungsweise die Auflagen dafür erhöht (5xD).

Unkontrollierter Einbruch

Immer mehr Schweinebetriebe werfen das Handtuch. Nach der Auswertung der Mai-Viehzählung nahm die Zahl der gehaltenen Schweine in Schleswig-Holstein binnen Jahresfrist um 12,1 % ab. Die Bestände an Zuchtsauen sanken um 11.000 Tiere beziehungsweise 14,1 %. Zum Stichtag 3. Mai 2022 hielten hier nur noch 600 Betriebe Schweine, was einer Abnahme im Vergleich zum Vorjahr um 16,4 % entspricht. Auch andere Bundesländer nennen Bestandsrückgänge, die im zweistelligen Prozentbereich liegen. Und auch europaweit geht man von einem rückläufigen Schweinebestand aus. Aufgrund der bereits im Vorjahr um 3,6 % verringerten Sauenherde erwartet die EU-Kommission einen um 3 % geringeren Schweinebestand in diesem Jahr. Besonders sollen sich die Zahlen in Deutschland, Polen und in den Niederlanden verringern. In Spanien werden sich die Schweinezahlen nochmals etwas erhöhen. Es gibt jedoch auch Stimmen, die durch den hohen Kostendruck von einem noch deutlicheren Rückgang der EU-Bestände ausgehen.

Man hat oft den Eindruck, dass der Regierung die aktuelle Krise in der Schweinehaltung gerade recht kommt. Der Markt sorgt für den gewünschten Rückgang der Viehzahlen. Während in den Niederlanden mehr als 24 Mrd. € bereitgestellt werden, um die betroffenen Betriebe zu unterstützen, hat der hiesige Bundesfinanzminister gerade 1 Mrd. € für den Umbau der Tierhaltung in Aussicht gestellt. Die Regierung geht demnach davon aus, dass der Markt die Strukturbereinigung selbst regelt. Schon derzeit können die Schlachtkapazitäten in Deutschland nicht mehr ausgeschöpft werden. Dies stützt vorerst noch etwas die Erzeugerpreise, mittelfristig wird es jedoch auch in der Schlachtbranche Anpassungen geben. Die Schlachtschweinebranche steht vor einem unkontrollierten Einbruch. Am Ende ist man von Importen abhängig, bei denen man die Haltungsbedingungen nicht kennt.

Marktlage für die Woche vom 18. bis 24.7.2022

Getreide: Die Ernte ist durch die sommerliche Witterung gut vorrangekommen. Die Preise sind spürbar gefallen.

Raps: Die Pflanzenölmärkte verzeichneten einen Kurseinbruch, da auch die Rohölpreise deutlich gefallen sind.

Futtermittel: Nach dem deutlichen Sojapreiseinbruch konnten sich die Kurse zum Wochenbeginn leicht erholen.

Kartoffeln: Die Nachfrage ist ferien- und witterungsbedingt zurückgegangen. Der Handel hat auf heimische Frühware umgestellt.

Schlachtrinder: Ein knappes Angebot sorgte in der Vorwoche für wieder steigende Jungbullenkurse.

Schlachtschweine/-sauen: Während der Basispreis unverändert blieb, werden freie Schweine zu reduzierten Hauspreisen abgerechnet.

Ferkel: Während die offiziellen Basispreise unverändert blieben, werden freie Ferkel mit Preisabschlägen angeboten.

Milch: Die Auszahlungspreise erreichen laufend neue Rekordwerte. Die Produktpreise bleiben auf hohem Niveau.

Schlachtlämmer/-schafe: Auch nach dem Opferfest bleibt die Nachfrage rege. Bei kleinem Angebot ziehen die Kurse etwas an.

Markttendenz für die Woche vom 25. bis 31.7.2022

Getreide: Im Erntedruck schwanken die Kurse auf dem erreichten reduzierten Preisniveau. Wichtig bleibt die Entwicklung am Schwarzen Meer.

Raps: Die Rapsernte ist in SH angelaufen. Die Kurse bleiben auf dem Niveau vom Jahresbeginn, da auch der Sojapreis kaum steigt.

Futtermittel: Trotz der reduzierten US-Sojakurse bleibt Schrot hierzulande durch die Euroschwäche recht teuer.

Kartoffeln: Die Kurse tendieren schwächer, auch wenn das Niveau vergleichsweise hoch ist. Die Hitze schadet den späten Sorten.

Schlachtrinder: Bei geringer Fleischnachfrage sollten sich die Kurse behaupten, da das Angebot überschaubar bleibt.

Schlachtschweine/-sauen: Die Hitze bremst die Zunahmen, das Angebot ist knapp. Dennoch sind Preisrücknahmen möglich.

Ferkel: Auch durch die laufende Ernte ist die Nachfrage überschaubar. Immer mehr Mäster werfen das Handtuch.

Milch: Obwohl im Großhandel und im Export die Kurse nicht weiter steigen, haben die Auszahlungspreise noch Luft nach oben.

Schlachtlämmer/-schafe: Das reduzierte Inlandsangebot zeigt sich durch die bundesweit um 16 % geringeren Schlachtzahlen in diesem Jahr.

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