Nachdem die Wintergetreidekulturen überwiegend sehr stark entwickelt in den Winter gegangen sind, stellt sich nun die Frage nach der richtigen Strategie für die Stickstoffdüngung.
Starke Niederschläge haben zwischen Dezember und Januar den mineralisch vorliegenden Stickstoff an vielen Standorten, insbesondere auf leichteren Böden, in nennenswertem Umfang in tiefere Schichten verlagert. Wie sollte man nun die N-Düngung der Kulturen planen, um einerseits die Bestände zu einem hohen Ertrags- und Qualitätsniveau zu führen und andererseits die Effizienz des umweltsensiblen und auch kostbaren Gutes Stickstoffdünger optimal zu gestalten?
Stickstoff wird bezüglich des Gewässerschutzes in der Landwirtschaft derzeit politisch wieder verstärkt kritisch diskutiert. Zudem hat sich mit zurückliegender Änderung in der landesweiten Ausweisung der Nitratkulisse mit einer verpflichtenden Reduktion der N-Düngung um 20 % unterhalb des ermittelten Bedarfs eine Ausweitung dieser sogenannten Roten Gebiete ergeben. N-Düngemittel sind trotz deutlich gefallener Preise immer noch kostenintensiv, sodass sowohl aus Umweltsicht als auch aus pflanzenphysiologischer und ökonomischer Sicht eine optimale Ausnutzung der Nährstoffe angestrebt werden muss.
Aus rechtlicher Sicht ist darauf hinzuweisen, dass wie gehabt die Düngebedarfsermittlung (DBE) für Stickstoff und Phosphat düngeverordnungskonform vor der ersten Düngemaßnahme schriftlich dokumentiert vorliegen muss. Auf die weiteren Rechtsgrundlagen zur Düngung wurde im Bauernblatt zuvor bereits hingewiesen. Auf sie kann auch online auf der Homepage der Landwirtschaftskammer unter lksh.de/landwirtschaft/duengung zurückgegriffen werden.
Wie den Stickstoff effizient nutzen?
Grundsätzlich muss beim Düngen auf günstige Randbedingungen geachtet werden, die eine hohe Nährstoffaneignung und -umsetzung zulassen. Im Frühjahr nicht mehr beeinflusst werden kann eine gute Bodenstruktur, die sich in Teilen aus günstigen Vorfrüchten ergibt. Jedoch kann mittels der Grundnährstoff- und Mikronährstoffversorgung reagiert werden sowie mit einem standortbedingt optimalen pH-Wert des Bodens. Insbesondere Schwefel muss dabei wie üblich in allen Kulturen mit der ersten Stickstoffgabe kombiniert werden, da nur so mit ausreichender Schwefelmenge die Stickstoffaufnahme und -umwandlung in der Pflanze gewährleistet werden können.
Bei organisch langjährig gut versorgten Böden können zwar die Werte im Frühjahr etwas höher sein, jedoch sollte auch hier mineralischer Schwefel ergänzt werden. Auch in Güllen und Gärresten liegen vorhandene Schwefelmengen überwiegend organisch gebunden vor und müssen erst mineralisiert werden. Aufgrund der noch niedrigen Bodentemperaturen geschieht dies jedoch in den Wintergetreidebeständen zu langsam. Für Sommergetreide kann hier aufgrund der wesentlich später stattfindenden Haupt-N-Aufnahme ein höherer Anteil des Schwefels aus der Organik vorausgesetzt und angerechnet werden.
Düngemengen noch in Gaben aufteilen?
Ein klassischer Bestandteil der Bestandesführung war immer die jahres- und entwicklungsangepasste Gabenaufteilung. Hier gilt grundsätzlich das Prinzip des Förderns oder des moderaten Reduzierens. Dies ist über das zeitpunktgerechte Bereitstellen von Nährstoffen zu erreichen, setzt jedoch entsprechende Bodenfeuchten und damit Nährstoffmobilität voraus.
Aufgrund der in den vergangenen Jahren häufiger werdenden Phasen von Trockenheit im Frühjahr und auch im Frühsommer kommt diese Vorgehensweise an ihre Grenzen. Deswegen war oftmals das Bereitstellen hoher N-Mengen bereits in der frühen Vegetationsphase ein Weg, die Bestände zuverlässig zu versorgen. Hierbei ist jedoch insbesondere das Risiko von Nährstoffverlusten zu berücksichtigen und kritisch zu beurteilen.
Gleichzeitig verliert sich insbesondere die Möglichkeit, dichte Bestände nicht zu überziehen. Zu hohe Bestandesdichten sind krankheits- und lageranfälliger und weisen einen kritisch großen Blattapparat auf, welcher unter Umständen in der Photosynthese nicht effizient ist. Der Aspekt zu hoher Wasserverluste über Transpiration in trockenheißen Phasen tritt auf den besseren Standorten in Schleswig-Holstein zwar seltener als in anderen Regionen auf, sei aber auch erwähnt.
Wie in diesem Frühjahr verfahren?
Mit Blick auf die Situation in diesem Jahr ist festzustellen, dass die meisten Wintergetreidebestände gut bis üppig entwickelt sind, insbesondere zeitig bestellte Wintergerstenbestände. Da gleichzeitig die Nmin-Werte laut Nitratmessdienst der Landwirtschaftskammer (siehe Ausgabe 6, Seite 30) auf einem durchschnittlichen Niveau, aber überwiegend in tieferen Schichten als Nitrat vorliegen und dabei nach regional teils weiteren hohen Niederschlagssummen weiter abgesunken sein dürften, sollten nach Möglichkeit eigene Messwerte herangezogen werden, die zeitnah vor dem anvisierten Düngetermin liegen.
Auch mit Blick auf die mineralischen Schwefelgehalte (Smin) kann festgestellt werden, dass zwar in der Marsch und im Östlichen Hügelland noch relativ hohe Werte vorzufinden sind, diese sich jedoch ausschließlich auf die tieferen Bodenschichten konzentrieren. Daher muss definitiv eine ausreichend hohe Schwefelmenge (20 bis 30 kg S/ha) in der ersten Gabe appliziert werden. Dabei kann in gut entwickelten Beständen die erste N-Gabe (Bestockungsgabe) geteilt werden in eine 1a- und eine 1b-Gabe (siehe beispielhafte Düngebedarfsermittlung, Tabelle 1, und exemplarische N-Gabenaufteilung in verschiedenen Kulturen in Tabelle 2).
Es sollte hier bei Wintergersten eine Düngemenge von insgesamt 60 bis 70 kg N/ha ausreichend sein. In schwachen Beständen sollten 20 bis 30 kg N/ha zusätzlich aufgewendet werden, um eine weitere Ausbildung angelegter Triebe zu unterstützen. Die zweite N-Gabe (Schossergabe) sollte für die Wintergerste auch als Abschlussgabe ausreichen. Hier ist die restliche N-Menge nach der Düngebedarfsermittlung (DBE) zu streuen. Die Zwei-Gaben-Strategie hat sich in der Vergangenheit bereits bewährt und wird auch in den Landessortenversuchen bei Wintergerste angewendet.
Bestandesdichte berücksichtigen
Für Winterweizen sollte auch die aktuelle Bestandesdichte berücksichtigt werden. Üppige Bestände auf leichteren Standorten sind mit etwa 60 bis 80 kg N/ha anzudüngen, für weniger weit entwickelte Bestände, insbesondere auch auf den kalten Marschstandorten, ist eine höhere Menge bis zu 100 kg N/ha anzusetzen. Hier bietet sich ebenso ein Splitting der ersten Gabe an. Speziell beim Winterweizen ist sowohl hinsichtlich der N-Effizienz als auch für die Proteinqualität eine ausreichend hohe Schwefelversorgung sicherzustellen. Gerade auf humusarmen Ackerbaustandorten mit geringerem Nachlieferungspotenzial sollte daher der Schwefelbedarf mit 30 kg S/ha abgesichert werden.
Für die Schossergabe (N2) sollte je nach Ertragserwartung mit 60 bis 80 kg N/ha gedüngt werden, wobei hier nicht zu sehr reduziert werden sollte, um nicht in der Ährenausdifferenzierung negative Auswirkungen zu produzieren. Die restliche N-Menge nach DBE sollte als Ährengabe kurz vor dem Ährenschieben zwischen EC 39 und EC 49 appliziert werden. Hierbei ist auf eine mögliche Bodentrockenheit zu reagieren und der Düngezeitpunkt auf EC 37 vorzuverlegen.
Für Winterroggen und Wintertriticale ist analog zur Wintergerste zu verfahren. Für Roggen empfiehlt es sich, startbetont zu düngen, da hier früh eine hohe N-Aufnahme besteht. Mit der Schossergabe wird auch hier die N-Düngung abgeschlossen. Für den sich etwas langsamer entwickelnde Triticale kann zwar eine Drei-Gaben-Strategie analog zum Winterweizen verfolgt werden, jedoch empfiehlt es sich auch hier, den Fokus weniger auf die Proteinkonzentration als mehr auf den Ertrag zu legen, was dann auch in einer Aufteilung in zwei Düngegaben resultiert.
Grundsätzlich bietet es sich in allen Kulturen an, in der ersten N-Gabe sogenannte Düngefenster anzulegen, die durch schnelleres Fahren eine um 20 bis 30 % geringere Düngung erfahren. Dabei sollten diese Bereiche beobachtet werden und bei beginnendem Aufhellen der Pflanzen in diesem Bereich die Anschlussdüngung der Schossgabe erfolgen.
Organische Düngung einplanen
Da die Preise für Stickstoffdünger bereits im vergangenen Jahr auf einem sehr hohen Preisniveau lagen, ist die Attraktivität der Verwendung organischer Düngung gestiegen, und viele Betriebe haben sich wieder intensiver hiermit beschäftigt. Um im Getreideanbau eine hohe Effizienz des organisch gebundenen Stickstoffs zu erreichen, sollte die Ausbringtechnik ammoniakemissionsarm sein. Aber auch der Einsatzzeitpunkt ist hier entscheidend.
Bei kühlfeuchter, windarmer Witterung treten geringere gasförmige N-Verluste auf als bei warm-windiger Witterung. Hier sind die frühen Düngetermine (soweit rechtlich zulässig bei gegebener Befahrbarkeit) zumeist begünstigt. Außerdem kann bei frühen Applikationsterminen der Anteil des organisch gebundenen Stickstoffs besser ausgenutzt werden. Da aber in Güllen oder Gärresten nur das enthaltene Ammonium für die kurzfristige Wirkung einzuplanen ist, sollte neben der obligatorisch notwendigen mineralischen Schwefeldüngung auch gegebenenfalls mineralischer Stickstoff in einer zweiten Teilgabe Anwendung finden.
Wahl der geeigneten Stickstoffform
Welcher Stickstoffdünger am besten einzusetzen ist, wird dieses Jahr nicht mehr durch die Verfügbarkeit bestimmt, hingegen vielmehr durch das, was bereits eingekauft worden ist oder welcher Dünger kostengünstig ist. Bei Mehrnährstoffdüngern sollte dabei der Wert der weiteren Nährstoffe berücksichtigt werden, ebenso wie eventuell gesparte Überfahrten.
Bezüglich der Ertrags- und Qualitätswirkung sind zwischen den verschiedenen N-Düngern nur geringe Unterschiede zu verzeichnen. Auch hinsichtlich der Effizienz ergeben sich in normalen Jahren kaum mehr Unterschiede, da Harnstoffe mittlerweile nur noch mit Ureaseinhibitoren auf dem Markt sind. Lediglich hinsichtlich der kurzfristigen Wirkung in Boden und Pflanze muss zwischen Nitrat- und Ammonium- (oder harnstoffbasierten) Düngern unterschieden werden. Dabei gilt die Faustregel, dass nitrathaltige Düngemittel die schnellste Wirkung zeigen. In der Situation von feuchten Böden und weiter folgenden starken Niederschlägen sind sie aber auch am meisten gefährdet, verlagert zu werden.
Fazit
Die Stickstoffdüngung von Wintergetreide bleibt eine große Stellschraube in der Bestandesführung im Wintergetreideanbau, ist aber aufgrund immer häufiger auftretender Trockenphasen im Frühjahr schwieriger zu gestalten. Da die zulässigen N-Düngemengen unter günstigen Bedingungen in Jahren mit hohem Ertragspotenzial eher knapp bemessen sind, um noch hohe Proteinkonzentrationen zu generieren, sollte gezielt das Produktionsziel Ertrag in den Fokus rücken. Dabei sollte zudem die Proteineinstufung der angebauten Sorte berücksichtigt werden. Stickstoffgaben ab dem Zeitpunkt der Blüte empfehlen sich in der Regel nicht mehr.




