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Bedienung hochkomplexer Forstmaschinen

Lehranstalt für Forstwirtschaft in Bad Segeberg hat jetzt Simulatoren für die Arbeit mit Harvestern
Von Dr. Jörg Hittenbeck, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
Harvester bei der hochmechanisierten Holzernte in einem Fichtenbestand

Die Arbeit mit modernen Forstmaschinen ist hochkomplex. Um die Einarbeit zu erleichtern, hat die Lehranstalt für Forstwirtschaft in Bad Segeberg jetzt zwei Simulatoren für die Bedienung von Harvestern und Forwardern angeschafft.

Holzernte in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein wird mittlerweile zu deutlich mehr als der Hälfte mit hochmechanisierter Erntetechnik erledigt. Harvester und Forwarder haben sich seit Ende der 1980er Jahre in Deutschland etabliert und werden heute selbstverständlich sowohl im Nadelholz als auch im Laubholz eingesetzt. Für junge Forstwirte eröffnet sich durch Harvester und Forwarder ein interessantes Arbeitsfeld, welches zudem deutlich weniger körperlich belastend ist. Angesichts teurer Maschinen und des riskanten Arbeitsumfeldes ist der Einsatz von Simulatoren für verschiedene Lernschritte ein vielversprechendes Bildungswerkzeug.

Ende der 1980er Jahre kamen erste Harvester aus Skandinavien nach Deutschland und arbeiteten vorrangig jüngere Nadelholzbestände auf. Harvester sind selbstfahrende Arbeitsmaschinen, die mit einem am Kran befestigten Aggregat Bäume greifen und fällen können sowie die Stämme anschließend direkt entasten und in Sortimente einteilen. Im Laufe der Jahre hat sich das Einsatzfeld deutlich erweitert, sodass heute Nadelholz bis zur Endnutzung und häufig auch Laubholz mit hochmechanisierter Technik geerntet wird.

So gab es im Jahr 2007 zirka 1.400 Harvester und rund 2.100 Forwarder in Deutschland. In den zurückliegenden 15 Jahren dürften die Zahlen noch einmal leicht angestiegen sein. Nimmt man für einen Teil dieser Maschinen einen Zweischichtbetrieb an, so geht man von insgesamt 6.000 Forstmaschinenführenden in Deutschland aus. Bei einer optimistischen Arbeitszeit im Beruf von 25 Jahren bräuchte es also jährlich 240 neue Forstmaschinenbediener. Die Zahl erscheint auf den ersten Blick relativ gering. Vergleicht man sie jedoch mit der Anzahl von 650 bis vielleicht 800 jährlich freigesprochenen Forstwirten und Forstwirtinnen, so wird ein erhebliches Beschäftigungspotenzial deutlich.

Arbeit mit Forstmaschinen ist etwas Besonderes

Nun ist die abgeschlossene forstliche Ausbildung keine Voraussetzung für die Arbeit auf Forstmaschinen, eine gute Basis ist sie jedoch allemal. So ist es kein Wunder, dass Forstunternehmer versuchen, junge Forstwirte für die Maschinenarbeit zu begeistern. Forstmaschinen sind heute vollklimatisiert, komfortabel und zuverlässig. Die körperliche Belastung ist also deutlich niedriger als in der klassischen Holzernte, und auch die Witterung spielt viel weniger eine Rolle als bei den klassischen Tätigkeiten in der Waldarbeit. Natürlich muss man auch als Maschinenbediener mal bei schlechtem Wetter aus dem Harvester steigen und eine Kette wechseln oder kleinere Reparaturen durchführen, aber das eben nur gelegentlich.

Dafür spielt der Umgang mit Computertechnik, Daten und elektrischen Steuerungen eine sehr viel größere Rolle. Über weite Teile des Arbeitstages handelt es sich um eine sitzende Tätigkeit mit allen daraus bekannten Nachteilen. Und was man nicht außer Acht lassen sollte: Forstmaschinenführer sind viel allein und auf sich allein gestellt. Sie müssen häufig vieles rund um die Arbeit organisieren und haben selten einen Ansprechpartner, der ihnen die Entscheidungen abnimmt. Die Arbeit als Bediener einer Forstmaschine ist daher durchaus etwas Besonders und längst nicht für jeden geeignet.

Zudem ist die Bedienung sehr komplex, wie ein Blick auf die Bedienelemente verdeutlicht. Jeder Knopf hat eine eigene Bedeutung, die sich teilweise je nach Arbeitssituation verändert. Während der Arbeit mit dem Harvester schaut der Bediener auf Bäume, die gerade bearbeitet werden, und plant im Idealfall bereits die nächsten Arbeitsschritte und Eingriffe in den Bestand. Die Bedienung aller Knöpfe muss daher ohne Nachsehen und Überlegen funktionieren, wenn auch nur annähernd eine vertretbare Arbeitsleistung erbracht werden soll.

Es wird also schnell deutlich, dass die Bedienung einer modernen Forstmaschine nicht mal eben nebenbei erlernt werden kann. Das Fahren ist dabei vielleicht noch der einfachste Teil, der dennoch viele bereits im ersten Schritt überfordert, denn ein klassisches Lenkrad gibt es dafür nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass viele die erforderliche Zeit zum Erlernen der Bedienung mit 1.000 Stunden angeben. Dann kann man die Maschine so bedienen, wie man vielleicht nach dem erlangten Führerschein Auto fahren kann. Die individuelle Perfektion wird erst nach mehreren Tausend Stunden erreicht.

Kostenintensive Lernphase

Harvestersimulator der Lehranstalt für Forstwirtschaft Fotos: Dr. Jörg Hittenbeck

Selbst ohne eine genaue Vorstellung, was eine Maschinenarbeitsstunde eines Harvesters kostet, ist klar, dass es sich um eine vergleichsweise kostenintensive Lernphase handelt. Wie für Flugzeuge, andere Maschinen und Fahrzeuge gibt es auch für Forstmaschinen mittlerweile gute Simulatorentechnik. So können einzelne Lernschritte ohne echte Maschinen umgesetzt werden, und die Ausbildung wird dadurch günstiger und effizienter. Einzelne Situation lassen sich immer wieder üben, bis das Lernziel erreicht ist.

Seit Kurzem verfügt auch die Lehranstalt für Forstwirtschaft in Bad Segeberg über zwei Simulatoren für Forstmaschinen. Diese wurden mit finanzieller Unterstützung aus dem Förderprogramm Digitalisierung für überbetriebliche Ausbildungsstätten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) beschafft. Es handelt sich um Simulatoren der Firma John Deere, die sowohl die Arbeit mit Harvestern als auch mit Forwardern simulieren können. Neben einem größeren Standgerät mit Sitz und vollständiger Bedienkonsole gibt es auch ein mobiles Gerät auf Basis eines Laptops. Die Bedienelemente werden bei der mobilen Lösung an einen Stuhl montiert und über eine Digitalisierungsbox mit dem Rechner verbunden. Die Simulationsumgebungen und Übungsaufgaben werden bei beiden Simulatoren von einem Server in Finnland geladen. Dieser beherbergt zahlreiche Übungen und wird regelmäßig von Bildungszentren auf der ganzen Welt mit neuen Übungen erweitert.

Durch die neue Technik wird sich die überbetriebliche Ausbildung der Forstwirtauszubildenden nicht grundlegend ändern, sondern um einen Baustein ergänzt beziehungsweise ersetzt. Bei üblicherweise 15 bis 20 Auszubildenden und lediglich wenigen Tagen Zeit an den Simulatoren kann es sich dabei für den Einzelnen nur um eine grundlegende Einführung handeln, die, was die Kranbedienung anbelangt, dann noch einmal auf dem Forstschlepper der Lehranstalt ergänzt wird. An der Lehranstalt werden daher auch in Zukunft Forstwirte ausgebildet und keine Forstmaschinenführer.

Maschinenführerkurs in Schweden

Die Bedienung eines Harvester ist nicht einfach, wie ein Blick auf die vielen Bedienelemente verdeutlicht.

Auszubildende, denen der Einblick in das angrenzende Berufsfeld Geschmack auf mehr gemacht hat, können sich für den Austausch mit der schwedischen Partnerschule in Svenljunga bewerben. Jedes Jahr bekommen so bis zu fünf Auszubildende die Möglichkeit, an einem vierwöchigen Maschinenführerkurs teilzunehmen und das Land Schweden und seine Bewohner im Rahmen von Exkursionen und Betriebsbesichtigungen etwas näher kennenzulernen.

Für Interessierte gibt es auf der diesjährigen Norla vom 1. bis 4. September in Rendsburg die Möglichkeit, selbst einen kleinen Einblick in den Arbeitsplatz Harvester zu bekommen. Der Standsimulator wird in der Halle der Landwirtschaftskammer zu sehen sein und den Besuchern die Möglichkeit bieten, es selber einmal auszuprobieren. Vielleicht ist es ja der Einstieg in einen neuen Traumberuf.

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