Die Frage, ob Hainbuche oder Rotbuche, hat sicher nicht die Tragweite von Hamlets Frage nach dem Sein oder Nichtsein. Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf die Gemeinsamkeiten und vor allem die Unterschiede der beiden beliebten Heckenpflanzen zu werfen, um eine gute Entscheidung zu treffen. Denn schnellen und günstigen Sichtschutz sowie absolute Schnittverträglichkeit bieten beide.
Betrachten wir also zunächst die Unterschiede. Sie liegen vor allem darin begründet, dass Hain- und Rotbuche trotz des gleichlautenden deutschen Namens und des von Weitem ähnlichen Aussehens nicht miteinander verwandt sind. Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist ein Buchengewächs, die Hainbuche (Carpinus betulus) ein Birkengewächs. Daraus ergeben sich unterschiedliche Standortansprüche.
Die Rotbuche kommt auf sonnigen bis schattigen Plätzen zurecht und ist schattenverträglicher als die Hainbuche. Rotbuchen bevorzugen einen durchlässigen, frischen bis feuchten und nährstoffreichen Boden mit einem hohen Lehmanteil. Auf saure oder sehr sandige Böden oder bei Dauerfeuchtigkeit reagieren Rotbuchen jedoch ebenso empfindlich wie auf längere Trockenheit. Der Name Rotbuche leitet sich vom rötlichen Holz der Bäume ab. Je älter der Baum, desto ausgeprägter die Farbe. Als Heckenpflanze kommt nicht nur die grünblättrige Ursprungsart Fagus sylvatica infrage, sondern auch die rotlaubige Blutbuche Fagus sylvatica ‚Purpurea‘. Das Blattgrün wird bei dieser Mutation von einem roten Farbstoff überdeckt. Hübsch wirkt es, beide Varianten zu mischen und zusammen in eine Hecke zu pflanzen. Das Erscheinungsbild ist dann abwechselnd grün und rot. Im Herbst färbt sich das Laub orangegelb. Rotbuchen behalten ihr altes Laub bis zum neuen Austrieb im April oder Mai. Dies bietet auch im Winter noch ein wenig Sichtschutz. Doch nicht jedem gefällt der Anblick vertrockneter Blätter.
Die Hainbuche kommt wie die Rotbuche mit sonnigen bis schattigen Verhältnissen zurecht. Sie zeigt sich aber deutlich toleranter hinsichtlich der Bodenverhältnisse. Sie verträgt mäßig trockene bis feuchte und saure bis kalkreiche Sand- und Tonböden. Und damit nicht genug, denn Hainbuchen überstehen auch Trockenzeiten und sogar kurzzeitige Überschwemmungen unbeschadet. Im Herbst nehmen die Blätter der Hainbuche eine gelbe Farbe an. Sie bleiben wie bei der Rotbuche teilweise bis zum Frühjahr an den Zweigen haften. Hainbuchen eignen sich besonders gut für das Formen von Heckenbögen oder Lauben.
Doch Rot- und Hainbuchen haben auch viele Gemeinsamkeiten, die Pflanzung, Pflege und Schnitt betreffen. Baumschulen bieten die Sträucher mit Ballen, im Container oder wurzelnackt an. Letztere Variante ist die preisgünstigste und empfiehlt sich daher besonders für die Neuanlage von Hecken. Wurzelnackte Pflanzen werden jedoch meist nur von September bis März angeboten. Die Heister (zweimal verpflanzte Jungpflanzen, 125 bis 150 cm hoch, mit verzweigten Seitentrieben ohne Krone) wurzeln schnell ein und starten im Frühjahr gleich durch. Der Herbst gilt für wurzelnackte Pflanzen als beste Pflanzzeit. In einem milden Spätherbst zieht sich die Pflanzsaison bis Dezember. Containerpflanzen dürfen ganzjährig in den Boden, nur nicht bei Frost oder großer Hitze. Pro laufendem Meter Hecke rechnet man etwa vier Pflanzen. Wer einen schnellen Sichtschutz bevorzugt, nimmt ein oder zwei Pflanzen mehr. Für die Anlage einer längeren Hecke ist das Ausheben und tiefgründige Lockern eines Pflanzgrabens ratsam. Das geht schneller, als für jede Pflanze ein einzelnes Loch zu graben. Tipp: Wurzelnackte Ware ein paar Stunden vor der Pflanzung in einen Eimer mit Wasser stellen. Vorher beschädigte Wurzeln abschneiden und bleistiftdicke Wurzeln um ein Drittel zurückschneiden. Dies fördert die Bildung neuer Faserwurzeln. Eine Richtschnur ist als Orientierungshilfe sehr nützlich. Setzen Sie die Hain- oder Rotbuchen so tief in den Boden, wie sie vorher gestanden haben. Bei Wurzelware ist dies meist an Verfärbungen am Wurzelhals erkennbar. Ist das nicht der Fall, pflanzen Sie so tief, dass alle Wurzeln gerade so mit Erde bedeckt sind.
Die Pflege der neuen Hecke fällt ganz unkompliziert aus. In den ersten beiden Standjahren achtet man auf ausreichende Feuchtigkeit. Dies fördert die Entwicklung der Pflanzen und sorgt für ein schnelles, optisch ansehnliches Ergebnis. Nach der Pflanzung im Herbst erfolgt ein erster Schnitt gegen Ende Juni. Dabei kürzt man den Jahreszuwachs um die Hälfte ein. Ab dem darauffolgenden Jahr schneidet man kräftiger zurück. Der Neuaustrieb wird um zwei Drittel zurückgenommen. Zwei Schnitte pro Jahr sind nur dann erforderlich, wenn die Hecke besonders blickdicht oder akkurat geschnitten ausfallen soll. Dieser Formschnitt erfolgt vor dem Neuaustrieb im Februar. Tipp: Die Hecke oben unbedingt schmaler schneiden als unten, am besten trapezförmig. So erhalten auch die Zweige im unteren Bereich ausreichend Licht. Rot- und Hainbuchen sind sehr schnittverträglich und vertragen selbst radikale Schnitte bis ins alte Holz. Eine aus der Form geratene ältere Hecke kann also ganz einfach heruntergeschnitten und wieder neu aufgebaut werden. Dies erledigt man am besten im Februar.




