Der Rapsglanzkäfer mag strenge Winter mit Schnee und Frost. Diese bieten ihm beste Bedingungen, möglichst unbeschadet durch diese Zeit zu kommen. Bei starker Nässe im Winterquartier (Knicks und/oder Laubstreu von Wäldern) steigt die Tendenz des Verpilzens des Käfers enorm. So gesehen läuft es in diesen Wintermonaten nicht gut für ihn. Eine kurze Phase mit Schnee und Frost und danach deutlich zu warme Temperaturen mit jeder Menge Regen lassen unter Umständen nicht auf ein starkes Rapsglanzkäferjahr schließen.
Rapsglanzkäfer werden ab 8 °C im Winterquartier aktiv. Bei Temperaturen ab zirka 12 °C verlassen sie dieses. Im Gegensatz zu den Männchen, die sofort geschlechtsreif sind, führen die Weibchen erst einen notwendigen Reifungsfraß an Frühlingsblumen durch. Bei Temperaturen ab 15 °C beginnt die Besiedlung der Rapsfelder. Aus Sicht des Landwirts ist eine einmalige Zuflugphase wünschenswert. Das macht die Terminierung einer eventuell notwendigen Bekämpfung einfacher.
Bei wechselhafter Witterung mit kühlen Abschnitten oder starken Winden kann sich der Zuflug aber auch über einen längeren Zeitraum erstrecken. Dann gilt es, die Nerven zu bewahren. „Alles voller schwarzer Käfer“ ist kein Spritzargument. Erst das Auszählen der Käfer pro Pflanze, auch in der Fläche und nicht nur am Vorgewende, entscheidet über eine Maßnahme. Somit heißt es, Bekämpfungsschwellen zu ermitteln, den Zustand des Rapses einzuschätzen und vor allem die Folgewitterung in die Entscheidung einzubeziehen.
Entwicklungsstadium der Knospe entscheidend
Der Rapsglanzkäfer fällt optisch ins Auge, sodass der Käfer in der Wahrnehmung häufig überbewertet wird. Das Entwicklungsstadium der Knospe spielt zusätzlich eine wichtige Rolle für das Ausmaß des Schadens. Das Ziel des Käfers ist der Pollen. Somit ist der Schaden umso größer, je kleiner die Knospen sind. Sind hingegen die Knospen geöffnet, kann der Käfer sich frei am Blütenpollen bedienen, und die Schadwirkung ist gering. Nur bei wirklich sehr starkem Rapsglanzkäferdruck mit mehreren Zuflugwellen verursachen auch die geschlüpften Larven in der Blüte noch Schäden.
Herrscht nach dem Zuflug der Käfer eine Ostwetterlage mit kaltem Wind vor, so wie im vergangenen Jahr, dann wandern die Käfer in die tiefer gelegenen Seitenknospen ab, wo es geschützter und somit wärmer ist. Tritt dann witterungsbedingt abiotische Knospenwelke an den Haupttrieben auf, können die Rapsglanzkäfer an den Seitenknospen doch Schadpotenzial entwickeln. Hier sollten die Bestände genau kontrolliert werden.
Beim Rapsglanzkäfer hat die metabolische Resistenz gegen Pyrethroide in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Zusätzlich muss man inzwischen auch von einer beginnenden Resistenz gegen den Wirkstoff Acetamiprid (Mospilan SG, Danjiri) sprechen.
Schlupfwespen als Nützlinge
Nützliche Insekten tragen ebenfalls zur Bekämpfung von Rapsschädlingen bei. Bodenräuber wie räuberische Laufkäfer, Kurzflügler und Spinnen ernähren sich von zur Verpuppung abwandernden Larven. In der Blüte sind Schlupfwespenarten (Tersilochus ssp., Phradis ssp.) aktiv, die die Larven des Rapsglanzkäfers besiedeln und dort ihrerseits ihre Eier ablegen. Somit beeinflusst ein Insektizideinsatz nicht nur das eigentliche Zielobjekt.
Bei der geringen Anzahl von verfügbaren Wirkstoffen/Produkten kann man nicht wirklich von einer Bekämpfungsstrategie sprechen (siehe Übersicht).
Erfolgt noch bekämpfungsrelevanter Zuflug der Stängelschädlinge und treten gleichzeitig Rapsglanzkäfer in bekämpfungswürdigem Umfang auf, sollte Trebon 30 EC (B2; Pyrethroid Typ I) zum Einsatz kommen. Mavrik Vita/Evure (B4; Typ I) hat gegen die Stängelschädlinge keine Zulassung. Hier ist das Zielobjekt der Rapsglanzkäfer. Die Produkte Mospilan SG/Danjiri (B4; Neonicotinoid) als Möglichkeit zum Wirkstoffwechsel dürfen nur bis ES 59 (erste Blütenblätter sind im Bestand sichtbar, Blüten sind noch geschlossen) zum Einsatz kommen.
Tipps zum Pflanzenschutzeinsatz
Grundvoraussetzung ist die Ermittlung der Bekämpfungsschwelle durch Auszählen der Käfer auf der Pflanze. Eine Vielzahl von schwarzen Käfern erzeugt oft Irritationen und suggeriert sofort nötiges Handeln. Bei genauer Auszählung relativiert sich dies häufig. Befall in Knicknähe ist deutlich höher als im Schlag. Eventuell reicht dann auch eine Randbehandlung.
Bei der Wahl des Behandlungszeitpunkts ist die anschließende Folgewitterung einzubeziehen. Der Spritzzeitpunkt entscheidet besonders bei den Pyrethroiden über Erfolg oder Misserfolg. Hier gilt es, die Nerven zu behalten. Der Zuflug muss erst zugelassen werden. Wenn drei Tage warmes Wetter angekündigt sind und danach kühle Witterung einsetzt, ist die Spritzung zum Ende des dritten Tages zu terminieren. Die nachfolgenden niedrigeren Temperaturen sorgen dafür, dass kein neuer Zuflug von Käfern in den Bestand erfolgt.
Die als Kontaktinsektizide fungierenden Pyrethroide Trebon 30 EC und Mavrik Vita/Evure bekämpfen die aktuell im Raps befindlichen Rapsglanzkäfer. Mit neuem Zuflug, besonders bei warmem Wetter, tun sich beide schwer. Hinzu kommt, dass niedrigere Temperaturen den Abbau der Pyrethroide auf der Pflanze verlangsamen, die Wirkungsdauer verlängert sich also.
Fazit
Ein Wirkstoffwechsel ist kaum noch möglich, somit verschärft sich die Resistenzsituation bei den Pyrethroiden immer mehr. Je nach Auftreten sind die einzelnen Schädlinge unterschiedlich betroffen. Ein Pyrethroideinsatz gegen den Rapsglanzkäfer betrifft einerseits auch spät zufliegende Kohltriebrüssler und andererseits früh auftretende Kohlschotenrüssler. Zusätzlich befinden sich ganzjährig Rapserdflöhe im System. Diese Tiere sind dann alle als Nebeneffekt von der eigentlichen Maßnahme betroffen. Das fördert aufgrund der Selektion Resistenzen. Die Anwendungshäufigkeit ist der Motor der Resistenzgeschwindigkeit.
Bekämpfungsschwelle
• Die Bekämpfungsschwelle beim Auftreten von Rapsglanzkäfern richtet sich nach dem Entwicklungsstand des Rapses. Je kleiner die Knospe, umso größer der Schaden. Vorschädigung des Rapses sollten in die Beurteilung mit einfließen.
• Ermittlung der Bekämpfungsschwelle durch Abklopfen des Haupttriebes (ab Knospenbildung bis Blühbeginn)
• Behandlung bei mehr als zehn Käfern pro Haupttrieb (bei schwachen Beständen mehr als fünf Käfer pro Haupttrieb)
Bienengefährlichkeit
• B1: kein Einsatz bei blühenden oder von Bienen beflogenen Pflanzen
• B2: bei blühenden oder von Bienen beflogenen Pflanzen Einsatz nur nach dem täglichen Bienenflug bis 23 Uhr möglich
• Bei Kombination mit Ergosterol-Biosynthese-Hemmern kommt es zur Veränderung der Bienengefährlichkeit (B2 oder B1!).
• Nach guter fachlicher Praxis sollte die Kombination zweier B4-Insektizide unterbleiben, da diese in puncto Bienengefährlichkeit als B1 betrachtet werden.
• NN410 bedeutet: Zum Schutz von Bestäuberinsekten sollte ein Einsatz von B4-Insektiziden in den Abendstunden erfolgen, der Einsatz ist die ganze Nacht möglich.
Anmerkung: Nach der PflSchutzAnwVO dürfen in Naturschutzgebieten keine Insektizide (B1, B2 und NN410) ausgebracht werden.




