Start Blog Seite 194

Eine neue Landwirtschaft ohne Landwirte?

0

Die jüngsten Erfolge der Künstliche-Intelligenz-Forschung können beeindrucken. So ist es zum Beispiel möglich, fotorealistische Bilder und ganze Aufsätze wie von Zauberhand zu erzeugen oder sogar menschliches Verhalten vorherzusagen. In der Landwirtschaft haben die großen Landtechnikhersteller bereits Melk- und Feldroboter sowie autonome Schlepper im Angebot. Sensoren erfassen an 365 Tagen im Jahr den Zustand der Kuh. Die entsprechende Software ermittelt abschnittsgenau Fahrtrouten und den erwarteten Ertrag, berechnet den optimalen Brunstzeitpunkt oder überwacht das Verhalten einzelner Kühe. Und das alles soll erst der Anfang sein.

Man mag den Eindruck bekommen, als könnte künstliche Intelligenz (KI) schon bald den Landwirt ersetzen. Diese zugegebenermaßen etwas provokante Zuspitzung soll verdeutlichen, wie hoch die Erwartungen an die neuen Technologien sind. Nein, so schnell werden Rinderhalter nicht abgeschafft, aber natürlich macht die Entwicklung auch vor der Landwirtschaft nicht halt: KI, Big Data und Co. werden in einem Atemzug mit Schlagworten wie Digital Farming, Klimawandel und Tierwohl genannt. Die Politik ist sich des Potenzials und der öffentlichen Wahrnehmung dieses Themas bewusst in der Hoffnung, zukünftigen Herausforderungen besser begegnen zu können.

Wie sieht der Status quo aus?

KI hat im Ackerbau bereits für Aufsehen gesorgt, der Acker wandelt sich aktuell immer mehr in Richtung voll automatisierter Produktionsstraße. Im Vergleich dazu gibt es in der Milchviehhaltung zwar bereits zahlreiche Sensoren; praxisreife Assistenzfunktionen beschränken sich bisher jedoch noch auf einige wenige Anwendungsbereiche wie die automatische Erkennung von Fress- und Wiederkäuzeiten oder die Berechnung des Brunstzeitpunktes. Ein echter Mehrwert für den Landwirt, zum Beispiel durch das automatische Erkennen von chronischem Stress oder (subklinischen) Erkrankungen, lässt bisher noch auf sich warten. Aber warum ist das so?

Eine KI-basierte Analyse ermöglicht dem Landwirt, per Smartphone oder Tablet, Risikotiere in seiner Herde ohne weitere Hilfsmittel zu identifizieren.

Im Maschinenraum einer KI

Die grundlegende Funktionsweise einer KI ist gar nicht so kompliziert: Stark vereinfacht dreht es sich um das Erlernen von relevanten Datenmustern. Man kann sich diesen Prozess so vorstellen, dass zunächst durch ausgiebiges Probieren ein Netzwerk vieler kleiner Schablonen erstellt wird, ähnlich einem Mobile. Der Clou ist, dass ein solches Netzwerk hochkomplizierte Datenmuster in kleine „Häppchen“ aufteilen kann. Leitet man nun neue Daten durch dieses Netzwerk, werden jeweils passende Schablonen aktiviert. In der Summe all dieser aktivierten Schablonen ergibt sich dann am Ende die gewünschte Funktion des Netzwerks, also die „Intelligenz“ der KI. Herausfordernd dabei ist die anfängliche Schablonenerzeugung. Diese basiert auf mathematischer Optimierung, Know-how und Rechenleistung. Spielt aber alles richtig zusammen, hat die KI die relevanten Muster gelernt.

Am Beispiel der Milchuntersuchung stellt es sich folgendermaßen dar: Im Rahmen der monatlichen Milchleistungsprüfung werden die Milchinhaltsstoffe per Infrarotspektroskopie ermittelt. Das bedeutet, Milchproben werden mit für den Menschen unsichtbarem Licht bestrahlt und das reflektierte Licht im selben Moment analysiert. Für jede Wellenlänge wird dabei ein Wert gespeichert, und das daraus resultierende Spektrum der Milchprobe ermöglicht die automatische Ermittlung der Standard-Milchinhaltsstoffe. Es bietet darüber hinaus die Möglichkeit, anhand dieser Spektraldaten weitere Parameter und Zusammenhänge zu entwickeln. Durch den kausalen Zusammenhang zwischen einer beginnenden Ketose und den Milchinhaltsstoffen ist die KI so in der Lage, ein spezifisches Muster in einer Milchprobe zu erkennen und den Landwirt per Alarm in einer Smartphone-App darüber zu informieren. Auf Basis der Milchuntersuchung können somit bereits vor dem Auftreten klassischer Krankheitsanzeichen betroffene Kühe identifiziert werden.

Rinderhaltung stellt extra Herausforderungen

Ein wichtiger Aspekt bei der Konstruktion einer KI wurde bisher noch unterschlagen: KI-Verfahren sind per se zunächst „dumm“. Das bedeutet, dass erst ein „Trainieren“ der Netzwerke das Zerlegen komplexer Muster in einfache Schablonen ermöglicht. Dazu wird der sogenannte Trainingsdatensatz benötigt, welcher Ursache (Ketose) und Wirkung (Milchinhaltsstoffe) in Verbindung setzt.

Im Gegensatz zum Ackerbau ist es im Stall häufig aufwendiger und damit teurer, Trainingsdaten zu sammeln. Im Falle von Ketose ist während der KI-Entwicklung beispielsweise eine manuelle Begutachtung einzelner Tiere erforderlich. Hinzu kommt, dass die biologischen Zusammenhänge unscharf umrissen und komplex sind, sodass die Merkmale oftmals nur indirekt und ungenau gemessen und meist nur vergleichsweise wenige Tiere erfasst werden können.

Auch die Betriebsumwelt stellt aufgrund der variablen Betriebsstrukturen eine Herausforderung dar: Selbst wenn auf einem Betrieb viele Tiere bewertet wurden, ist nicht garantiert, dass die Ergebnisse auch auf andere Betriebe übertragbar sind. Dies würde vor allem Daten von vielen verschiedenen Betrieben benötigen. Es gibt zwar grundsätzlich Auswege aus der Situation, wie zum Beispiel vortrainierte KI, welche quasi „unfertig“ ausgeliefert werden und erst durch den Landwirt „angelernt“ werden müssten. Bis zur Praxisreife wird es aber noch dauern.

Assistenzsystemen gehört die Zukunft

Der Betriebsleiter wird auch in Zukunft die entscheidende Instanz auf dem Betrieb bleiben, aber immer mehr von KI-gestützten Assistenzsystemen profitieren. KI wird also maßgeblich die Zukunft der Tierhaltung bestimmen. Neue Systeme sind dabei ebenso zu erwarten wie die Weiterentwicklung bestehender – sei es beim Thema Tierwohl, um den Zeitaufwand zu reduzieren, um Leistungseinbußen durch subklinische Erkrankungen zu vermeiden oder um den Einsatz von Ressourcen zu optimieren. KI kann und wird die Produktivität an vielen Stellen deutlich erhöhen.

Jetzt ist also der richtige Zeitpunkt, das Thema KI bei neuen Investitionen mit zu berücksichtigen. Kompatibilität der unterschiedlichen Systeme ist dabei ein wichtiges Thema und erfordert viel Weitsicht, damit die Technik sinnvoll miteinander kombiniert werden kann und nichts doppelt auf dem Betrieb angeschafft werden muss. Auch ein gewisses Grundverständnis für die KI-Technologie kann hilfreich sein, um zukunftssichere Entscheidungen für oder gegen den Einsatz bestimmter Techniken auf dem eigenen Betrieb zu treffen.

Fallstricke gibt es genug: Ist die Technik praxistauglich? Bringt die KI einen echten Mehrwert? Wann wird ein Akkutausch notwendig? Wem gehören die Daten? Die Rinderhaltung steht erst am Anfang der Entwicklung. Klar ist jedoch schon heute: Innovationen auf Basis von KI werden dazu beitragen, dass die Landwirtschaft zukünftigen Herausforderungen gut gerüstet ins Auge schauen kann.

Fazit

Verglichen mit dem Ackerbau gibt es in der Rinderhaltung bisher wenig praxisreife KI-Systeme am Markt. Gründe für diesen Verzug sind das aufwendige und teure Sammeln von qualitativen Merkmalen im Stall und die fehlende Kompatibilität zwischen den Herstellern. Die Entwicklung der KI-Technologie schreitet jedoch schnell voran. Bestehende und zukünftige Systeme können viele Möglichkeiten bieten, das Herdenmanagement effektiv zu unterstützen.

Bohnen: Vielfalt in Farbe und Form

0

Spätestens nach den Eisheiligen wird es Zeit, Bohnen zu „legen“, also die Samen in die Erde zu bringen. Doch vorher steht noch die Entscheidung an, ob Busch-, Stangen- oder Prunkbohnen angebaut werden. Experimentierfreudige wählen einfach von jeder Variante eine Samentüte und können so direkt vergleichen.

Unsere feinen Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris) stammen aus Mittel- und Südamerika. Sie sind sehr kälteempfindlich und vertragen keinen Frost. Die Aussaat erfolgt im Freiland von Mitte Mai bis etwa Mitte Juli. Die Vorkultur im Topf ab dem letzten Aprildrittel verfrüht die Ernte. Wir unterscheiden zwei verschiedene Wuchsformen: die Buschbohne und die Stangenbohne.

Buschbohnen (Phaseolus vulgaris var. nanus) zählen zu den Schmetterlingsblütlern. Als solche stellen sie keine allzu hohen Ansprüche an den Boden. Optimal sind kalkhaltige und tiefgründige Böden in sonniger Lage. Wie bei den anderen Bohnenarten gibt es eine breite Auswahl an frühen, mittleren und späten Sorten mit grünen, gelben oder blauen Hülsen.

Buschbohnen häufelt man regelmäßig an, um die Standfestigkeit zu erhöhen. Foto: Karin Stern

Wer die Bohnen in Töpfen vorzieht, vermeidet Probleme mit der Bohnenfliege. Ihre Larven fressen sich im schlimmsten Fall bereits zwei Tage nach der Eiablage durch die Bohnenkerne, die in der Folge entweder gar nicht auflaufen oder nur deformierte Keimlinge hervorbringen. Bohnenfliegen entwickeln sich bei feuchter, kühler Witterung besonders gut. In solchen Frühjahren ist erfahrungsgemäß die Vorkultur der Bohnen die bessere Wahl. Dafür legt man vier bis fünf Samen 2 cm tief in mit Aussaaterde gefüllte Töpfe. Bei etwa 20 °C aufgestellt und gleichmäßig feucht gehalten, keimen die Samen innerhalb einer Woche. Nach dem Auflaufen stellte man die jungen Bohnen etwas kühler, gewöhnt sie ans Freiland und kann sie je nach Witterung um die Eisheiligen herum auspflanzen.

Die Direktsaat im Freiland erfolgt bis Mitte Juli entweder im Horst (jeweils fünf Samen im Abstand von 40 cm) oder in der Reihe (alle 5 bis 10 cm einen Samen, Reihenabstand 40 bis 50 cm). Manche Gärtner geben der Horstsaat den Vorzug, weil sie die Standfestigkeit der 30 bis 50 cm hohen Pflanzen insbesondere auf schwereren Böden erhöht. Tipp: Regelmäßiges Anhäufeln verbessert ebenfalls die Standfestigkeit und regt das Wurzelwachstum an. Von der Blüte bis zum Fruchtansatz ist der Wasserbedarf der Pflanzen am höchsten. Auf Düngergaben kann verzichtet werden. Wie bei allen Leguminosen wachsen auch an den Wurzeln der Bohnen sogenannte Knöllchenbakterien. Sie machen den Stickstoff aus der Luft für die Pflanzen verfügbar. Wichtig ist, die Bohnen regelmäßig zu ernten, bevor sie dicke Körner ausbilden. Dies regt die Blütenbildung an und erhöht den Ertrag. In der Regel reicht es aus, alle drei Tage durchzupflücken.

Wer keine runden Bohnenstangen zur Hand hat, kann sich mit Dachlatten helfen. Foto: Karin Stern

Stangenbohnen (Phaseolus vulgaris var. vulgaris) können bis Ende Juni ausgesät werden. Bei guter Pflege und ausreichender Wasserversorgung erzielen sie höhere Erträge als Buschbohnen. Je nach Sorte werden die grünen, gelben oder violetten Hülsen zwischen 10 und 30 cm lang. Die Hülsen sind entweder platt oder eher rundlich geformt. Achten Sie auf das Foto auf der Vorderseite der Samentüte oder auf entsprechende Hinweise in der Beschreibung. Als Kletterpflanzen, die eine Höhe von bis zu 3 m erreichen, sind Stangenbohnen auf eine Rankhilfe angewiesen. Am besten errichtet man diese noch vor der Aussaat. Tipp: Tief genug im Boden verankern oder stützen, um ein Umkippen zu vermeiden. Die Sprossen finden gleich nach der Keimung Halt an der Rankhilfe. Geeignet sind zeltartig zusammengebundene Bambusstäbe, ebenso wie einzelne, etwa 2 m lange Stangen im Abstand von 60 x 60 cm. Als Rankgerüst eignen sich auch Baustahlmatten oder das klassische Stangengerüst. Anstelle von runden Bohnenstangen übernehmen auch einfache Dachlatten die gleiche Funktion. Stangenbohnen können ebenfalls wie oben beschrieben vorgezogen oder direkt ausgesät werden. Je höher die Bodentemperatur, desto schneller keimen die Samen. Um jede Stange legt man sechs bis zehn Samen in den Boden oder setzt die vorgezogenen Jungpflanzen. Die Pflege erfolgt analog zu Buschbohnen: Anhäufeln, gute Wasserversorgung ab der Blüte, keine Düngergaben. Etwa zehn Wochen nach der Aussaat beginnt die Ernte. Auch bei Stangenbohnen empfiehlt sich regelmäßiges Durchpflücken alle drei Tage.

Die Blüten der Feuerbohnen haben einen hohen Zierwert. Foto: Karin Stern

Prunk- oder Feuerbohnen (Phaseolus coccineus) bieten neben den leckeren Hülsen auch hübsche Blüten. Sie werden nicht nur als Nutzpflanze eingesetzt, sondern dienen auch als Zierpflanze. Je nach Sorte wachsen Prunkbohnen 2 bis 4 m hoch. Sie zählen zu den Langtagspflanzen. Die Bildung der leuchtend roten Blüten setzt daher erst bei über zwölf Stunden Tageslicht ein. Die Hülsen der Prunkbohnen werden je nach Sorte bis zu 30 cm lang. Tipp: jung ernten und wie Busch- oder Stangenbohnen zubereiten. Aussaat und Pflege erfolgen wie oben bei den Stangenbohnen beschrieben. Wer die Pflanzen zu Zierzwecken kultiviert, putzt regelmäßig Verblühtes aus, um eine Nachblüte zu fördern. Bei heißer Witterung brauchen Prunkbohnen viel Wasser. Eine Düngung ist wie bei Stangen- und Buschbohnen nicht nötig. 

Feuerbohnen erntet man möglichst jung. Sie lassen sich wie Busch- oder Stangenbohne zubereiten. Foto: Karin Stern

Sortentipps

Buschbohnen (Auswahl):
grüne Hülsen: ‚Delinel‘, ‚Domino‘, ‚Maxi‘ 
sehr früh: ‚Maja‘, ‚Marona‘
Gluckentyp: (Hülsen sitzen in Büscheln oberhalb der Blätter): ‚Cropper Teepee‘
gelbe Hülsen: ‚Voletta Wachs‘, ‚Dior‘, ‚Dorado‘
blaue Hülsen: ‚Bluevetta‘

Stangenbohnen (Auswahl):
grüne Hülsen: ‚Algarve‘, ‚Matilda‘, ‚Neckarkönigin‘, ‚Cobra‘
gelbe Hülsen: ‚Neckargold‘
blaue Hülsen: ‚Blauhilde‘ (färbt sich beim Kochen grün) 

Prunkbohnen (Auswahl):
‚Hestia‘: niedriger, buschiger Wuchs, ideal für Ampel oder Balkonkasten
‚Butler‘: kräftiger Wuchs auch bei kühler und feuchter Witterung
‚Rotblühende‘: sehr starkwüchsig, hoher Zier- und Nutzwert
‚Lady Di‘: 30 cm lange Hülsen, sehr ertragreich

Zuckerwirtschaft spürt Krieg in der Ukraine

0

Die Rübenkampagne 2022/23 barg für die deutsche Zuckerwirtschaft zahlreiche Herausforderungen. Das zeigt die Bilanz, die von der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) vorgelegt wurde. Großen Einfluss hatte der Krieg in der Ukraine. Laut WVZ erforderte der drohende Gasmangel hohe Investitionen in die standortspezifische Energieversorgung der Fabriken.

Den Landwirten haben der WVZ zufolge eine lang anhaltende Trockenheit, ein erhöhter Schädlingsdruck und früher Frost am Jahresende zu schaffen gemacht. Unter dem Strich der Kampagne 2022/23 stehen nach Angaben des Branchenverbandes rund 3,87 Mio. t Zucker, die aus 25,36 Mio. t Rüben erzeugt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zuckerproduktion damit um 14,9 % zurückgegangen. Das Rübenaufkommen fiel trotz größerer Fläche um 13,4 % kleiner aus. Dabei sank der Ertrag im Mittel von 82,4 t/ha Rüben auf nur 70,3 t/ha. Die Anbaufläche war um 5.527 ha oder 1,6 % auf 360.691 ha ausgeweitet worden.

Die zu bewältigenden Herausforderungen dürften in absehbarer Zeit auch nicht weniger werden. Sorgen bereiten der WVZ besonders politische Vorhaben wie die Brüsseler Pläne zur Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und das Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten. Laut dem Vorsitzenden der Vereinigung, Dr. Stefan Streng, sollte in Sachen Pflanzenschutz auf Innovationen statt Verbote gesetzt werden. „Einsatzmengen lassen sich mit intelligenten Technologien reduzieren, solange uns ein Spektrum von Wirkstoffen erhalten bleibt“, so Streng. Bemühungen für mehr Umweltschutz und höhere Nachhaltigkeitsziele seien jedoch vergeblich, wenn europäischer Rübenzucker durch Importzucker verdrängt werde.

Angesichts der gestiegenen Produktions- und Betriebskosten seien die aktuellen Preisentwicklungen auf dem EU-Zuckermarkt und die stabile Nachfrage eine gute Grundlage für die kommende Rübenkampagne, so die WVZ. age

Produktion von Biozucker in der EU erheblich ausgeweitet

Die Produktion von Biozucker in der EU ist in der Kampagne 2021/22 deutlich angestiegen. Foto: Imago

Die europäischen Zuckererzeuger haben die Produktion von Biozucker zuletzt deutlich gesteigert. Das geht aus dem Statistischen Bericht 2021/22 hervor, den der Verband der Europäischen Zuckerindustrie (CEFS) vorgelegt hat. Demnach wurden im Rahmen der Kampagne 2021/22 in der EU-27 insgesamt 59.898 t Biozucker hergestellt; 2020/21 waren es erst 35.790 t gewesen. Spürbar ausgeweitet wurde auch die Anbaufläche. Laut Bericht wurde die nach ökologischen Kriterien bewirtschaftete Rübenfläche um 2.517 ha auf 9.251 ha ausgedehnt. Deutlich verbessert hat sich der Ertrag der Biolandwirte, der 2021/22 um fast 20 % auf 6,3 t Zucker pro Hektar zulegen konnte. Im Vergleich zum fünfjährigen EU-Mittel von 11,6 t/ ha im konventionellen Anbau fällt der Ertrag im Ökolandbau allerdings immer noch mager aus. Insgesamt wurden in der EU im Berichtsjahr rund 16,28 Mio. t Zucker erzeugt; das waren 14,2 % mehr als in der vorangegangenen Kampagne. Die dafür genutzte Fläche blieb mit 1,41 Mio. ha weitgehend stabil. 

Betrachtet man den Zuckerrübenanbau in der EU insgesamt, führen Frankreich und Deutschland, dort wurden laut CEFS 356.000 ha beziehungsweise 355.000 ha angebaut. An dritter Stelle folgte Polen mit 251.000 ha Zuckerrübenfläche. In Frankreich und Deutschland wurden im Rahmen der Kampagne 2021/22 insgesamt jeweils rund 4,55 Mio. t Zucker erzeugt, in Polen waren es 2,31 Mio. t. Westlich des Rheins wurden dafür 21 Fabriken betrieben; bundesweit waren es 18 und in Polen 17. Bezogen auf die gesamte EU wurde an 89 Standorten Zucker erzeugt. 2020/21 waren es noch 91 Fabriken gewesen, dem Bericht zufolge wurde jeweils ein Standort in Kroatien und Rumänien geschlossen. Die jüngste Kampagne nahm laut CEFS durchschnittlich 119 Tage in Anspruch und dauerte damit neun Tage länger als die vorangegangene.  age

„Das Programm seid ihr!“

0

„Was für ein Start! Wir haben gewettet, wie viele von euch unsere Einladung annehmen würden, aber mit diesem Zuspruch hat keine von uns gerechnet“, verriet Hannah Kluvetasch angesichts der gut 100 Frauen, die vergangenen Donnerstagabend zum ersten Treffen der Jungen LandFrauen Ostholstein nach Schönwalde am Bungsberg gekommen waren.

Die Erzieherin gehört zum Orga-Team, das das Angebot der Ostholsteiner LandFrauen um ein junges Angebot erweitern will. Wobei „jung“, wie sich im Verlauf der Veranstaltung zeigte, keineswegs ausschließlich als Frage des Geburtsjahrgangs verstanden werden soll. Worum geht es dann? Es geht um neue Ideen, frischen Schwung, um ein Miteinander der Generationen.

Dass die Jungen LandFrauen genau dabei eine gewichtige Rolle spielen können, hat Ingrid Schumacher in Flensburg erfahren. Zwei Jahre hat sie beruflich dort verbracht und die Initiative während dieser Zeit kennengelernt. Jetzt hat die Kundenbetreuerin in einem Saatgutunternehmen ihren Lebensmittelpunkt in Langenhagen gefunden und Bewegung in den Kreisverband der Ostholsteiner LandFrauen gebracht. Ohne Mitstreiterinnen gehe das naturgemäß nicht, weiß die junge Frau, aber Gleichgesinnte waren bald gefunden: Neben Hannah Kluvetasch gehört Bauingenieurin Lisa Meier zum Initiativteam, das sich Anfang des Jahres zusammengetan und gleich an die Arbeit gemacht hat.

Dabei stehen die Jungen LandFrauen nicht allein da. „Ihr seid von selbst auf uns zugekommen und wir werden euch jede Unterstützung bieten“, sicherte die Vorsitzende der Ostholsteiner LandFrauen, Kathrin Dehn-Schumacher, in ihrer kurzen Ansprache zu. Die Zusammenarbeit ist längst angelaufen. Die Jungen LandFrauen waren bereits bei Sitzungen und Zusammenkünften dabei. Für alle sei gleich klar gewesen: „Die Chemie stimmt, weil es nicht um Konkurrenz geht, sondern um Bereicherung und eine erweiterte Perspektive, für alle“, so die Jungen LandFrauen. Und so wurden fröhlich Blümchen und Eierlikör getauscht, ehe es ans Arbeiten ging.

„Das Programm seid ihr“, mit diesen Worten, die gleichermaßen Ermunterung wie Anspruch bedeuten, schickte Hannah Kluvetasch die anwesenden Frauen in einen angeregten ersten Austausch. Zentrale Frage an den symbolischen Ortsschildern der sieben Ostholsteiner Ortsvereine: Was interessiert euch? Was soll bei den Jungen LandFrauen stattfinden? Peinliche Stille kam da nicht auf, der Saal rauschte von angeregten Gesprächen: „Ich war schon bei den Tagesseminaren der LandFrauen, das sind Einblicke, die man woanders nicht bekommt“, sagte Karina Dohse aus der Gemeinde Ahrensbök. Kristina Balfanz war aus Gießelrade gekommen, neugierig auf die Jungen LandFrauen. Sie könnte sich einen Erste-Hilfe-Kurs mit dem Fokus auf Kinder ebenso gut vorstellen wie einen Cocktailabend in netter Runde, denn Austausch sei wichtig.

Das war auch ein Schlüsselbegriff an diesem Abend und zugleich der rote Faden, der die Ergebnisse des Brainstormings verwob, die vom Vortrag zu Sprache und Konfliktlösung über Spieleabende bis zur Eisverkostung reichten. Reichlich Input, aus dem das Orga-Team etwas wachsen lassen will. Ganz ohne Plan waren die drei natürlich nicht angetreten. Am 19. Mai bittet Hannah Kluvetasch zu einem Lagerfeuerabend, für den 17. Juni bereitet Ingrid Schumacher Kreativ-Motiv-Bretter vor. Dass es bei allen Aktivitäten um weit mehr geht als unbeschwerte Freizeitgestaltung, machte Claudia Jürgensen deutlich. Seit 1. April ist sie die neue Präsidentin der LandFrauen in Schleswig-Holstein: „Es ist meine zweite Veranstaltung im Amt und ich freue mich sehr, dass die bei den Jungen LandFrauen stattfindet“, betonte sie und unterstrich die gesellschaftspolitische Dimension dieser Arbeit: „Wenn es um Frauen im ländlichen Raum geht, werden wir gefragt.“ Eines von vielen guten Argumenten, sich an diesem sprudelnd lebendigen Abend den Jungen LandFrauen anzuschließen oder bei einer ihrer künftigen Veranstaltungen dabei zu sein. Informationen gibt es unter anderem auf Insta­gram unter jungelandfrauen.oh

Am Ortsschild Bosau versammelten sich junge Frauen, die wie Kristina Balfanz (2. v. r.) aus Gießelrade, neugierig waren, was ihnen die Jungen LandFrauen zu bieten haben.
Lauter gute Ideen: Auf der Auftaktveranstaltung in Schönwalde brachten Meike John, Svea Dressel, Karina Dohse und Rika Kleingarn aus der Gemeinde Ahrensbök (v. li.) ihre Erwartungen an künftige Treffen der Jungen LandFrauen zu Papier.Fotos: Astrid Jabs
Sie haben die Jungen LandFrauen in Ostholstein ins Leben gerufen: Ingrid Schumacher, Hannah Kluvetasch und Lisa Meier (v. li.).

Alleinfutter für tragende und säugende Sauen

0

Im November und Dezember vergangenen Jahres wurden in Schleswig-Holstein Alleinfutter für tragende und säugende Sauen vom Verein Futtermitteltest (VFT) beprobt, überprüft und bewertet.

Durch Mitarbeiter der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wurden die Proben direkt bei Anlieferung des Futters auf den Betrieben gezogen. Nach Untersuchung im Labor der Agrolab Lufa Kiel erfolgte die Bewertung beim VFT. Sobald hier eine Abweichung von der Deklaration oder den Vorgaben und Richtwerten festgestellt wird, wird das Futter durch ein zweites Labor überprüft. Dadurch wird die Gefahr von Analysefehlern minimiert und tatsächliche Abweichungen werden abgesichert.

Hinweise zur Vorgehensweise des VFT bei der Bewertung der Futtermittel, zu Anforderungen und fachlichen Vorgaben sind im Internet unter www.futtermitteltest.de zu finden. Über diese Seite ist ebenfalls ein Zugriff auf die Ergebnisse verschiedener Futtertypen in den einzelnen Regionen möglich.

Alleinfutter für Sauen aus Schleswig-Holstein

Im Test 88/2022 wurden vier ­Alleinfutter (AF), zwei für tragende Sauen und zwei für säugende Sauen, von zwei verschiedenen Herstellern untersucht.

Die AF für tragende Sauen waren mit 12 MJ ME/kg beziehungsweise 11,5 MJ ME/kg bei 14 % und 12,5 % Rohprotein mit 0,6 % und 0,62 % Lysin, 0,7 % und 0,76 % Kalzium und 0,51 % beziehungsweise 0,53 % Phosphor deklariert.

Die AF für säugende Sauen waren mit 13 MJ ME/kg und 12,8 MJ ME/kg bei 17 % und 16 % Rohprotein mit 0,95 % beziehungsweise 0,98 % Lysin, 0,85 % und 0,86 % Kalzium sowie 0,48 % beziehungsweise 0,55 % Phosphor deklariert.

Kommentierung der Alleinfutter für Sauen

Bezüglich der Genauigkeit der Nährstoffangaben der Hersteller (Deklarationseinhaltung) wurden die angegebenen Gehalte an Energie und den wesentlichen Nährstoffen mit den Laborbefunden verglichen (Tabelle 1). Alle Deklarationswerte wurden bestätigt.

Bei der fachlichen Bewertung (Tabelle 2) wird die Übereinstimmung der tatsächlichen Gehalte mit fachlich abgeleiteten Richtwerten bezüglich des Energieniveaus und der Aminosäuren- sowie Mineralstoffversorgung unter Berücksichtigung des vorgesehenen Einsatzzweckes beurteilt. Dieser wird dabei dem Fütterungshinweis beziehungsweise der Bezeichnung des Futters entnommen. Die Aussagefähigkeit des Fütterungshinweises wird mit beurteilt. Die vier untersuchten Futter hielten die Vorgaben im Rahmen der engen Toleranzen des VFT ein und erreichten nach Überprüfung der Deklaration und Bewertung des Einsatzzweckes eine sehr gute Bewertung – Note 1.

Alle beprobten Futter enthielten einen Phytasezusatz, was die Verdaulichkeit von Phosphor und Kalzium erhöht und eine Reduzierung der Mineralergänzung ermöglicht – so sind bei entsprechendem Zusatz die Richtwerte für Kalzium und Phosphor um 0,08 g/MJ ME niedriger.

Die vorliegenden Testergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die geprüften Futterchargen und dürfen nicht generell für die Beurteilung der Futtertypen herangezogen werden. Sie lassen ebenfalls keine Rückschlüsse auf die übrigen Produkte der beteiligten Mischfutterhersteller zu.

Die Prüfung von Mischfutter durch den VFT wird durch Zuschüsse des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

Mo Trac – Landmaschinen in Modellformat

0

4.800 Modelltraktoren nennt Roman Molt aus Quarnbek sein Eigen. „Das geht über normale Sammelleidenschaft hinaus. Man kann sagen, ich bin total verrückt nach Treckern“, erklärt er. Eine Verrücktheit, die er mit unzähligen weiteren Sammlern europaweit und in den USA teilt. Mit der Modelltraktorenmesse „Mo Trac“, die vergangenen Sonntag in Bollingstedt zum zweiten Mal nach 2019 stattfand, verwirklichte sich Roman Molt seinen Traum von einer eigenen Messe.

Die Aussteller präsentierten eine Vielzahl an Modellen und Sonderanfertigungen

Die großen Schlepper und Anhänger der Firma Hand Landmaschinen mussten ausnahmsweise mal für einen Tag aus den Hallen weichen und für die unzähligen kleineren Modellvarianten der Aussteller Platz machen, die mit Teilnehmern aus Dänemark und Holland zudem für internationales Flair bei der Messe sorgten. Neben den Modellen in verschiedenen Größen und Ausführungen konnten die Besucher auch Dioramen bewundern, also detailgetreue Nachbauten von Landschaften oder Höfen in unterschiedlichen Maßstäben. Oder auch selber mittels Fernbedienung Baumaschinen, Bagger, Lkw oder Treckergespanne lenken, was viele der männlichen Besucher wieder zu Kindern werden ließ. Über 1.011 Besucher konnten sich Initiator Roman Molt und seine Tochter Rena Kemski freuen, ein voller Erfolg. „Wir wussten nicht, womit wir rechnen können, aber dass die Resonanz so groß ist, freut uns riesig“, erklärt Rena Kemski, die ihren Vater bei der Organisation und Durchführung der Messe unterstützt. Der zeigte sich ebenfalls überwältigt und dankbar. Mit den Hallen und dem Gelände der Firma Hand Landmaschinen habe er einen idealen Veranstaltungsort finden können und gleichzeitig einen Familienbetrieb, der voll hinter seiner Messeidee stehe, „das ist nicht selbstverständlich“, weiß Roman Molt, der im ganzen Land nach Ausstellungsmöglichkeiten gesucht hatte.

Mo-Trac-Initiator Roman Molt mit Tochter und Mitorganisatorin Rena Kemski

Seine Leidenschaft für Traktoren und Landwirtschaft begann bereits in seiner Kindheit. „Als ich anderthalb Jahre alt war, sind wir in das Torhaus des Gutes Quarnbek gezogen“, erzählt er. Dort begeisterte er sich schnell für die Trecker und Maschinen sowie für die Tiere des Hofes. Die Treckerbegeisterung hielt an und mündete in sein erstes Modell, einen kleinen, nicht lenkbaren Porsche. Daraus entwickelte sich über die Jahrzehnte seine Sammelleidenschaft. Dabei profitierte er auch von seinem Cousin, der einen Spielzeugladen betrieb und ihm jeden Freitag ein neues Modell mitbrachte. Inzwischen sind es 4.800 Stück, plus die, die zum Verkauf stehen. Bestimmte Marken oder Hersteller favorisiert er nicht: „Wenn es einzigartige Stücke mit speziellen Besonderheiten sind, ist mir die Marke egal“, so der Sammler. Von seinen Modellen einige auszustellen oder zu verkaufen, kam ihm dabei zunächst gar nicht in den Sinn.

Rena Kemski sammelt pinkfarbene Treckermodelle.

Erst der 2018 verstorbene Betreiber der Husumer Traktorado-Messe und gute Freund von Roman Molt, Jens Heine, brachte ihn auf die Idee, sich auch mal von dem einen oder anderen Modell zu trennen. „Mit einem eigenen Stand auf der Messe zu stehen, hat mir so viel Spaß gemacht“, erzählt Roman Molt. Es folgten Messebesuche in ganz Deutschland, Dänemark, Holland, Frankreich und sogar in den USA. Irgendwann reifte in ihm der Wunsch nach einer eigenen Messe. „Die Traktorado fand bis auf die Pause in den vergangenen Jahren immer im Spätherbst statt, ich wollte als Ergänzung dazu etwas im Frühjahr veranstalten“, so Molt. 2019 war es so weit und Roman Molt konnte mit der ersten Mo Trac seinen Traum von einer Messe für Modelltraktoren und -baumaschinen verwirklichen. „Und das auch nur, weil meine Familie hinter mir steht und mich bei allem unterstützt. Sonst könnte ich meine Treckerverrücktheit so nicht leben“, so Roman Molt. Tochter Rena sieht sich selbst mehr als die „Orga-Tante“ denn als Sammlerin. Doch auch ihre gut 15 Modelle sind besonders: „Sie müssen pink sein.“

Viele Besucher kamen zur Mo Trac
Sand schaufeln machte besonders den männlichen Besuchern Spaß. 
Wenn Männer wieder zu Kinder werden …
Kaj und Aage Jessen aus Dänemark haben sich auf das Drucken von Teilen und Fahrzeugen mit dem 3D-Drucker spezialisiert. 
Modelle aus dem 3D-Drucker
Aussteller kamen auch aus Holland und Dänemark
Es sind diese Details, die die Modelle so besonders machen.
Nicht nur Fahrzeuge im Modellformat gab es zu bestaunen und kaufen, sondern auch Anbaugeräte. 
Mo Trac, Modelltraktoren, Messe, Bollingstedt, Roman Molt und Rena Kemski
Fotos: Iris Jaeger und Privat
Moderne Ausbringtechnik gibt es ebenfalls schon im Modellformat.
Diorama von Trino Klingenberg
Detailgetreue Nachbildung eines landwirtschaftlichen Betriebes


Diesel- und Heizölpreise unter Druck

0

Die Spritpreise sind aktuell so günstig wie zuletzt Ende 2021. Die Dieselpreise sind an den Tankstellen deutlich unter 1,60 €/l gefallen. Für Heizöl werden weniger als 90 ct/l verlangt. Grund für den Preissturz sind die weiter stark fallenden Rohölpreise und der scharfe Rückgang der Preise beim wichtigen Vorprodukt Gasöl. Die günstigen Kurse haben die Nachfrage belebt. Viele Heizölkunden füllen die im Winter verbrauchten Vorräte wieder auf. Auch Landwirte schließen Kontrakte über Diesel für das laufende Jahr ab. Dabei ist nicht sicher, ob die Kurse nicht noch weiter fallen.

Ein Grund für diese Entwicklung sind die reduzierten Rohölpreise. In New York ist die Notierung für WTI-Öl vom Höchststand 125 ­US-$/ bbl vom März des Vorjahres auf 67 US-$/bbl Mitte März dieses Jahres gefallen. Seitdem sind die Rohölpreise wieder etwas gestiegen und lagen Ende letzter Woche bei 77 US-$/bbl. Aktuell sorgen weltweit schwache Wirtschaftsdaten, die Angst vor steigenden Zinsen und hohe Öl- und Benzinvorräte für eine eher schwächere Preisprognose. Ein Parameter ist die Dieselnachfrage für den Lkw-Verkehr, der sowohl in den USA als auch in China erhoben wird. In beiden Ländern zeigen sich deutlich reduzierte Umsatzmengen für den Schwerlastverkehr. Viele Wirtschaftsberichte erwarten eine Verlangsamung der Konjunktur, was auf eine rückläufige Energienachfrage und nachgebende Rohölpreise hindeutet. In den USA steigen bereits jetzt die Arbeitslosenzahlen spürbar an. Mit großem Interesse werden die nächste Zinsentscheidungen der europäischen und der amerikanischen Zentralbank erwartet. Diese werden Anfang Mai veröffentlich. Für China gibt es jedoch auch Prognosen, die eine baldige Erholung der Wirtschaft vorhersagen. Diese könnte die Ölnachfrage wiederbeleben. Auf der anderen Seite nimmt die Gefahr von geopolitischen Spannungen zu. Dabei stehen Russland und China dem Westen mit den USA gegenüber.

Umfangreiche russische Ölexporte

Während die Opec-Plus-Länder eine Förderbegrenzung beschlossen haben, um das Angebot an die reduzierte Nachfrage anzupassen, verkauft Russland so viel Öl und Ölprodukte wie seit Jahren nicht. Die russischen Öllieferungen in das Ausland lagen im März auf dem Niveau vom April 2020 – trotz der westlichen Sanktionen gegen russisches Erdöl. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt die russischen Einnahmen aus dem Ölgeschäft im März auf 12,7 Mrd. US-$. Damit seien die Exporteinkünfte im Monatsvergleich zwar um etwa 1 Mrd. US-$ höher ausgefallen, allerdings seien die Einnahmen im Jahresvergleich um 43 % eingebrochen. Russland bietet Rohöl derzeit deutlich günstiger an. In den vergangenen Monaten richteten sich die russischen Ölexporte nach Medienberichten verstärkt in Richtung China, Indien und Türkei. Die Lieferungen werden dabei mit Tankern über den Seeweg abgewickelt. Diese Mengen gelangen über Umwege auch nach Europa. So soll aktuell viel Diesel aus Indien in die EU eingeführt werden. Hier sieht man den Ursprung in Russland.

Diesel wieder günstiger als Benzin

An den hiesigen Tankstellen ist Diesel mittlerweile wieder günstiger als Benzin. Erstmals nach neun Monaten war Diesel im März 2023 billiger als Super E10. Durch die jüngsten Preisabschläge für Diesel sollte sich diese Schere weiter öffnen. Rein steuerlich müsste 1 l Diesel an der Zapfsäule etwa 20 ct günstiger sein als 1 l Super E10. Aktuell liegt der Preisabstand bei zirka 14 ct. Die fehlenden Öl- und Diesellieferungen aus Russland haben dafür gesorgt, dass Diesel im vorigen Jahr teurer als Benzin verkauft wurde. Der Kriegsbeginn sorgte für eine dauerhaft hohe Nachfrage. Zudem griff die Industrie verstärkt auf Diesel als Gasersatz zurück.

Rund ein Jahr nach ihrem drastischen Anstieg zu Beginn des Ukraine-Krieges haben sich die Spritpreise wieder normalisiert. Im Verhältnis zu den aktuellen Rohölpreisen sind Spritpreise hierzulande eigentlich noch zu teuer. Doch die Mineralölkonzerne haben offenbar auch die Gelegenheit genutzt, die eigenen Gewinne zu erhöhen.

Mehr Wölfe im Revier

0

Das vermehrte Vorkommen von Wölfen auch in den Revieren des Hochwildringes Segeberger
Heide, die schwankenden Jagdstrecken beim Schwarzwild, die relativ geringen Erfolge auf den Gemeinschaftsjagden und den genetischen Austausch beim Rotwild nahm Vorsitzender
Walter Mahnert besonders ins Visier. Über 130 Mitglieder, Vertreter der Jagdgenossenschaften, der Kreisjagdbehörde und Ehrengäste versammelten sich bei der Jahreshauptversammlung im Summerby-Saloon in Hartenholm, Kreis Segeberg.

„Ob wir wollen oder nicht – der Wolf ist für den Jäger ein Nahrungskonkurrent in dem vom Menschen geschaffenen Lebensraum“, befand Vorsitzender Mahnert. Die Anpassungsfähigkeit, das Verhalten und die sozialen Strukturen dieser Wildart sollten erkannt und genutzt werden. „Der Wolf hat unsere Wertschätzung, Achtung und unseren Respekt genauso verdient wie jede andere Wildart.“

Die großen, revierübergreifenden Drückjagden waren in der Vergangenheit zum Teil von der Anwesenheit „Isegrims“ geprägt gewesen. Das Wild stand in Revierteilen, wo es sonst nicht anzutreffen war, und fehlte daher in den Teilen, wo es normalerweise erwartet wurde. Das schlug sich in den Streckenergebnissen negativ nieder.

Im Kerngebiet des Hochwildringes, im Segeberger Forst, ist inzwischen ein Wolfspaar nachgewiesen worden. Der Jagdpächter der Eigenjagd Gut Hülsenberg bei Wahlstedt, Carl-Wilhelm Ohrt, hat das Wolfspaar mit der Wildkamera fotografiert. Ob es in der Ranzzeit (Februar/März) für Nachwuchs gesorgt hat und sich möglicherweise ein Wolfsrudel in den Segeberger Landesforsten ansiedelt, wird sich voraussichtlich erst in den nächsten Monaten feststellen lassen.

Zum genetischen Austausch beim Wild machte Mahnert deutlich, dass Jäger verpflichtet seien, den Austausch zu fördern, um der zu Missbildungen führenden Inzucht zu begegnen. Wanderkorridore des Wildes müssten aufrechterhalten werden. „Wir müssen aufmerksam bleiben, wenn es um Baumaßnahmen an oder auf den bekannten Wildwechseln geht.“ Gemeindevertreter und Abgeordnete sowie die Kreisplanung sollten dann angesprochen werden. „Wir brauchen eine Dokumentation, eine schnelle Reaktion und vor allem das Verständnis dafür, dass wir, wenn wir einen wandernden Hirsch und seine ,Adjutanten‘ nicht erlegen, für den Erhalt der gesamten Rotwildpopulation in Schleswig-Holstein auf Jagd waren.“

Auf den Korridoren verbreite sich, so Mahnert weiter, natürlich auch das Schwarzwild. Im vergangenen Jagdjahr konnten nur 185 Wildschweine erlegt werden. Die Strecke sei deutlich geringer als im Vorjahr, registrierte Geschäftsführer Klaus Heinrich Laß. In den Jagdjahren davor seien es 342, 570 und sogar fast 800 Wildschweine gewesen. Auch Mahnert wies auf das veränderte Verhalten des Schwarzwildes und auf die Schwankungen der Bestände hin, „worauf wir angemessen reagieren müssen“.

Wenn es in einem Revier keine Wildschweine mehr gebe, heiße das nicht automatisch, dass sie generell weg seien. Im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) dürfe mit der Bejagung des Schwarzwildes jedoch nicht nachgelassen werden, forderte der Vorsitzende. Dabei habe sich der für die Bejagung von Wildschweinen erlaubte Einsatz von Nachtsichttechnik hervorragend bewährt. Diese dürfe aber nicht zum Freifahrtschein werden. Bei mehr Technik und Digitalisierung in der Jagdausübung müsse man auch mehr Raum und Zeit für das Natürliche in den Alltag einbringen, um nicht die Verbindung zur Natur und sich selbst zu verlieren.

So wenig Kahlwild (weibliches Rotwild und der Nachwuchs) wie nie sei bei den Drückjagden erlegt worden, berichtete Geschäftsführer Laß. Auch hier bedeute das nicht, dass weniger Wild da sei. Die Bilanz: 157 Tiere einschließlich Fallwild. Das Gleiche sei beim Damwild festgestellt worden. Statt 300 – wie freigegeben – wurden nur 259 erlegte Tiere registriert.

Rund 130 Mitglieder und Gäste versammelten sich in Hartenholm zur Jahreshauptversammlung des Hochwildringes Segeberger Heide.

Hegemedaillen für die besten Abschüsse im Jagdjahr 2022/23 gingen beim Rotwild an Dr. Christian Schadendorf (Eigenjagd Hamann, Gönnebek), beim Damwild an Hans-Jörg Faden (Hasenmoor I) und beim Schwarzwild an Evy Weddern (Eigenjagd Markmann, Klein Kummerfeld).

Scharfe Kritik an geplanter Regelung zum Holz

Mit großem Unmut haben insbesondere die Waldbesitzer auf den am vergangenen Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf zur Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) reagiert. Demnach soll ab 2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 % mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Gleichzeitig sollen künftig aber Holzheizungen im Neubau verboten werden und Auflagen für Bestandsgebäude kommen.

Demzufolge müssten neue Holzheizungen mit einer Solar- oder Photovoltaikanlage und einem Pufferspeicher kombiniert werden. Nach wie vor gilt das Gesetz nicht für Betriebsgebäude, die überwiegend zur Aufzucht oder zur Haltung von Tieren genutzt werden, sowie Unterglasanlagen und Kulturräume für die Aufzucht, Vermehrung und den Verkauf von Pflanzen.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) – Die Waldeigentümer sieht in dem Kabinettsbeschluss nichtsdestoweniger einen „massiven Angriff auf die Holzenergie und damit auf die Zukunft der regionalen Energieversorgung im ländlichen Raum“. Völlig überraschend – auch gegenüber dem bei der Verbändeanhörung vorlegten Entwurf – sei nun eine Staubfilterpflicht vorgeschrieben, beklagte AGDW-Geschäftsführerin Irene Seling mit Blick auf die Auflagen für Anlagen in Bestandsbauten. Diese seien teuer und machten eine Holzheizung in der Regel unattraktiv. „Mit der Diskriminierung der Erneuerbaren Holzenergie gefährdet die Bundesregierung die nachhaltige Waldpflege in Deutschland“, warnte Seling und wies darauf hin, dass derzeit hierzulande zwei Drittel der Erneuerbaren Wärme aus Holz stammten. Für die Waldeigentümer sei die Vermarktung von nicht höherwertig verwendbarem Restholz als Brennholz eine wichtige Einnahmequelle, um den klimaresilienten Waldumbau zu finanzieren.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) begrüßte den Gesetzentwurf. Es sei für den Klimaschutz und für die sichere, langfristige Energie- und Wärmeversorgung in Deutschland unabdingbar, in eine dezentrale, nachhaltige Infrastruktur für das Heizen mit Erneuerbaren Energien zu investieren. „Dabei werden wir auf zielgerichtete Förderung und die Sozialverträglichkeit der Maßnahmen im ländlichen Raum setzen“, so der Ressortchef.

Özdemir zufolge hat das Bundeslandwirtschaftsministerium als das für ländliche Räume zuständige Bundesministerium während der Ressortabstimmungen „die Besonderheiten der ländlichen Räume“ eingebracht. Unterschiede zwischen Land und Stadt lägen laut Özdemir in der Siedlungs- und Gebäudestruktur, aber auch in der Einkommens- und Vermögensstruktur. Er sei zufrieden, dass die Besonderheiten der ländlichen Strukturen in dem Gesetzentwurf hätten verankert werden können. Die dafür nötige Unterstützung wird laut Özdemir über die Härtefallregelungen gewährleistet sowie über die vorgesehene Förderung und die Offenheit für den umweltbewussten und maßvollen Einsatz von Biomasse zum Heizen.

Tieflandböden vermehrt aus Produktion genommen

Die Landwirte in Dänemark sind offenbar verstärkt dazu bereit, aus Klimaschutzgründen ihre Tieflandböden aus der Produktion zu nehmen. Das zeigen aktuelle Zahlen, die das Kopenhagener Landwirtschaftsministerium vergangene Woche vorgelegt hat.

Demnach hat sich die beantragte Fläche binnen eines halben Jahres fast verdoppelt. Laut Ministerium waren im September 2022 auf rund 16.300 ha Stilllegungsverfahren eingeleitet; mittlerweile ist auf etwa 30.400 ha eine Stilllegung „im Gange“. Dies heißt jedoch nur, dass die Landwirte einen Antrag gestellt haben und eine Durchführbarkeitsstudie begonnen wurde. Tatsächlich stillgelegt sind bislang erst rund 4.000 ha. Da die diesjährige Antragsrunde für die Extensivierung von Flachlandböden noch offen ist, hofft das Ministerium auf weitere Fortschritte. Ressortchef Jacob Jensen bezeichnete die Stilllegung von Tieflandböden als einen der „Schlüssel zur Verwirklichung des wichtigen grünen Übergangs der dänischen Landwirtschaft“.

Zielgröße von 100.000 Hektar angestrebt

Im Oktober 2021 war mit der betreffenden Vereinbarung eine deutliche Verringerung der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen beschlossen worden; diese sollen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 55 % bis 65 % gesenkt werden. Ein großer Teil davon soll unter anderem durch die Stilllegung von Flachlandböden und Randgebieten erreicht werden. Als Zielgröße wurden im Rahmen des Landwirtschaftsabkommens 88.500 ha festgelegt, wobei angestrebt wird, einschließlich der Randgebiete 100.000 ha zu erreichen.

Die dänischen Tieflandböden waren früher Feuchtgebiete, die für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert wurden. Im Rahmen der Stilllegung sollen Abflüsse geschlossen, Gräben abgedeckt und Wasserläufe rekultiviert werden, um die Entwässerung der Niederungsböden zu stoppen und den Wasserspiegel anzuheben. Dadurch soll die Freisetzung von Kohlenstoff gestoppt werden. Auch eine Verringerung der Stickstoffemissionen wird angestrebt.

Einheitlicher Entschädigungssatz

Ende vergangener Woche konnte nach mehr als einem Jahr der Ungewissheit in Dänemark auch die sogenannte Paragraph-3-Frage geklärt werden, die zuvor viele Stilllegungsprojekte blockiert hatte. Künftig werden sogenannte Paragraph-3-Gebiete, also geschützte Lebensräume wie Heiden und Wiesen, bei einer Stilllegung gleichberechtigt mit anderen Grünlandflächen entschädigt. Landwirte erhalten eine einmalige Zahlung von bis zu 35.500 dkr, umgerechnet 4.764 €/ha. In Dänemark gibt es etwa 446.000 ha Paragraph-3-Gebiete, von denen einige auch für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden.

Im Jahr 2020 hatte das dänische Parlament mit Wirkung zum 1. Juli 2022 die Düngung und den Pflanzenschutz auf solchen Flächen verboten, ebenso die Umwandlung. Danach war dem Landwirtschaftsministerium allerdings bewusst geworden, dass die angebotenen Ausgleichssätze möglicherweise zu hoch sind. Dies hatte zu einer Verunsicherung über den Umfang der Entschädigung geführt, wenn Paragraph-3-Gebiete der Landwirte dauerhaft aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen werden. Infolgedessen waren Projekte zur Flächenstilllegung auf Eis gelegt worden. Die nun gefundene Lösung basiert auf einer langwierigen Untersuchung, die vom Landwirtschaftsministerium und dem Umweltministerium mit Unterstützung der Anwaltskammer und der Universität Kopenhagen durchgeführt wurde.