Bestimmt hat schon jedes Mitglied im Bauernverband mit seiner Kreisgeschäftsstelle zu tun gehabt, und sicherlich ist ihm oder ihr dort bei dem Anliegen geholfen worden. Doch was umfasst eigentlich das gesamte Spektrum einer Kreisgeschäftsstelle, und wie sieht ihr Alltag aus? Das Bauernblatt hat sie besucht, heute: die Kreisgeschäftsstellen für Stormarn und für das Herzogtum Lauenburg.
Es sind Nachbarkreise, und das Besondere: Sie haben einen Kreisgeschäftsführer für beide Kreisbauernverbände (KBV), aber zwei Geschäftsstellen: für den KBV Stormarn in Bad Oldesloe und für den KBV Herzogtum Lauenburg in Mölln. Das ist etwa 35 km oder eine Dreiviertel-Autostunde auseinander.
Peter Koll ist Kreisgeschäftsführer seit März 2001 und von Anfang an für beide Stellen. Das war schon bei seinem Vorgänger Detleff Rießen so, und es wird auch so bleiben, wenn demnächst Anwärter Marcel Lienau weiterer Geschäftsführer wird: Sie werden sich beide die Aufgaben in beiden Kreisen teilen. Auch die Assistentinnen sind für beide Kreise aktiv, auch wenn Gesa Tams-Koll und Manuela Sprunk hauptsächlich in Bad Oldesloe und Kirsten Harenberg in Mölln ihren Arbeitsplatz haben. „Das Einzige, was nicht zusammengeführt ist, sind die Papierakten“, sagt Peter Koll.
Er selbst pendelt regelmäßig, hat in Mölln den Mittwoch als festen Tag und in Bad Oldesloe Montag und Freitag fest. „Wir vergeben aber immer Termine. Die Dinge, um die es geht, kann man nicht in ein paar Minuten abhandeln. Das wird von den Mitgliedern über Jahre gut angenommen und akzeptiert“, so Koll. Zehn bis 15 Termine pro Woche an beiden Stellen zusammen sind üblich, in der Hochantragszeit auch 25 bis 30 täglich. Da braucht es Unterstützung, etwa durch die Anwärter Marcel Lienau oder kürzlich Beeke Ehlers sowie durch eine studentische Aushilfe.
Wäschekorb mit Akten
„Trotz der digitalen Medien haben wir sehr viel direkten Mitgliederkontakt“, erklärt Koll. „Manche kommen mit einem Wäschekorb voll Unterlagen.“ Aber sie kommen bisweilen auch mit selbst gebackenen Keksen, eigenen Äpfeln oder Leckerlis für Bürohund Paula.
Die Geschäftsstellen sind auch beratende Außenstellen für die Sozialversicherung. Selbst Steuerberatung kann Koll anbieten, wenn auch nur für einfache Fälle der Einnahme-Überschuss-Rechnung und in gewissen Grenzen, die vor der Bilanzpflicht liegen. „Es wird nicht weniger, Steuerberatungskapazitäten sind in der freien Wirtschaft oft ausgelastet.“ Kolls Fazit, das auch Lienau bereits teilt: „Es gibt wohl kaum eine andere Institution, die so umfangreich im Spektrum des Agrarrechts berät.“
Trost und Beistand
Das Beratungsspektrum dreht sich um alles, was rund um den Hof und die landwirtschaftliche Familie anfällt. Die Redewendung lautet „von der Wiege bis zur Bahre“ – Koll drückt es lieber so aus: „vom Elterngeld bis zur Witwenrente“. Und dabei geht es um weit mehr als um „Formulare, Formulare“. Da kommen Schicksalsschläge vor, Krankheiten, Todesfälle. Koll: „Wenn das Leben glattläuft, braucht man den Bauernverband ja nicht. Wir sind froh, wenn wir Trost und Hilfe spenden können. Und so geht der Beistand für Betroffene oft über reinen Rechtsbeistand hinaus.“ Da stehen Taschentücher ganz selbstverständlich bereit. Der Kreisgeschäftsführer weiß jedoch: Es braucht auch eine entsprechende Distanz. „Ein wichtiges Arbeitsgerät ist der Büroschlüssel. Die Themen müssen drinnen bleiben.“
Druck der Städte
Was zeichnet die Kreise landwirtschaftlich aus? Beide sind sie „an den Enden“ geprägt durch die Nähe der Großstädte Hamburg und Lübeck. Stormarn ist dazu neben Pinneberg der wirtschaftlich stärkste Kreis im Land und der mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Daraus resultieren ein geringer Anteil der Landwirte an der Gesamtwirtschaft (unter 1 % des BIP) sowie ein starker Druck auf die Flächen – für Siedlungsprojekte, Gewerbegebiete, Infrastrukturmaßnahmen. Die Bodenpreise treibt das natürlich nach oben. „Allein in meiner Geschäftsführerzeit haben wir rund 5.000 Hektar Fläche verloren, das sind in 23 Jahren zehn Prozent“, weiß Koll.
Straßen, Gleise, Leitungen
Dazu kommen die starken Verkehrswege und ihre Reparatur- und Ausbaumaßnahmen – die Autobahnen, Bahnlinien und Wasserstraßen und die neuen Stromfernleitungen (das Bauernblatt berichtete). Neue Projekte hierbei sind die Anbindung an die Fehmarnbeltquerung und der Ausbau der Hamburger S-Bahn-Linie 4 bis Bad Oldesloe. Bei Flächenbedarf der Projektbetreiber, der nicht abgewendet werden kann, bemüht sich der Verband um Ersatzflächen, damit der Landwirt weiter gut wirtschaften kann, aber häufig gebe es nur einen finanziellen Ausgleich. Koll: „Das betrifft zwar nur wenige Bauern, aber oft dieselben.“
Die Betriebsstruktur ist heterogen, aber in beiden Kreisen ähnlich: im Süden kleiner strukturierte Betriebe am Hamnburger Rand mit leichten, sandigen Böden, im Norden beginnendes Hügelland mit eiszeitlich geprägten lehmigen Böden. In beiden Kreisen gibt es Pensionspferdehaltung mit zum Teil über 100 Tieren sowie Sonderkulturen mit Spargel, Erdbeeren und Obst. Die Tierhaltung nimmt ab.
Historische Domänen
Das Herzogtum Lauenburg beherbergt traditionell größere Betriebe. Eine Besonderheit sind die 13 Domänen, die in preußischer Zeit den Kreisen übereignet wurden. Vor längerer Zeit war die Absicht, sie in Biobetriebe umzuwandeln, was aber bisher nur mit einer Domäne geschah. Durch die Lage an der innerdeutschen Grenze ergab sich nach der Öffnung die Möglichkeit, im nahen Mecklenburg Flächen zu erwerben oder zu pachten, was Lauenburger Landwirte nutzten, sich zu erweitern, ohne ihren Stammsitz aufzugeben.
Ansonsten beherbergt das Herzogtum Lauenburg die größten Waldgebiete in Schleswig-Holstein. Aber das ist eine andere Geschichte.
Viel Veränderung in kurzer Zeit
Auf dem Hof der Familie Holz in Koberg bei Mölln standen in den vergangenen zehn, zwölf Jahren eine Menge Veränderungen an. 2008 wurde der damals noch kleinere Betrieb (gut 60 ha, 35 Kühe), den Vater Wolfgang Holz zusammen mit seiner Frau im Nebenerwerb führte, auf Bio umgestellt, ein neuer Stall gebaut. 2019 übernahm Sohn Sebastian den Betrieb und stieg direkt in den Vollerwerb ein. Die Fläche wurde ständig erweitert auf heute 180 ha, der Milchviehbestand auf 80 Tiere. Vor Kurzem hat Sebastian Holz geheiratet. „Der Kreisbauernverband hat uns über Jahre erfolgreich beraten“, sagt Sebastian Holz. „Die Übergabe, die Umstellung, die Erweiterung, Pachtverträge – das brachte einen großen Strauß an bürokratischen Vorgaben mit sich. Und im Zuge der Heirat habe ich meine Ehefrau angestellt. Dazu haben wir jetzt zwei Angestellte.“
Die Bahn kommt – und damit Probleme
Eine Fläche der Familie Ruge in Delingsdorf, Kreis Stormarn, liegt direkt an der Bahnlinie Hamburg-Lübeck, und die wird ständig erweitert (Bild oben). Im Zuge der Elektrifizierung wollte die Bahn als Ausgleichsfläche einen 6 bis 8 m breiten Baumbestand entlang der Gleise pflanzen. Dann hätte die ganze Drainage des Feldes umgebaut werden müssen. Die Kreisgeschäftsstelle erreichte, dass stattdessen ein dreieckiges Flächenstück am Rand bewaldet wurde. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir das hinkriegen!“, sagt Heinz-Joachim Ruge. Nun steht im Zuge der Erweiterung der S-Bahn-Strecke 4 der Bau einer Abstellfläche mit drei Gleisen für bis zu 30 Züge an. Ruge würde dadurch seine Zuwegung zum Feld vom Dorf aus verlieren. „Kreisgeschäftsführer Peter Koll hat für uns Eingaben gemacht, es gibt einen Termin. Noch haben wir keine Ergebnisse“, sagt Ruge.



