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Die „Blaue Göttin“ von Barkelsby wird 50

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Im Sommer feiert Thorsten Belvedere mit seiner Frau Petra Bendixen aus Barkelsby ein besonderes Jubiläum: Ihr Citroën DS hat dann 50 Jahre auf den Achsen – und wird seit zehn Jahren vermietet.

Was für viele Besitzerinnen und Besitzer von Oldtimern undenkbar wäre, ist für das Paar mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Bereits beim Kauf der französischen Design-Ikone im Jahr 2014 planten sie ein Vermietungsangebot für die 1974 gebaute Limousine. In Kiel stieß Thorsten Belvedere damals auf die Citroën DS in der Farbe Delta Bleu Metallic und einer roten Polsterung. Den Wagen gab es in der Ausstattungsvariante D Super 5, die Ziffer weist auf die Fünfgangschaltung hin – bereits damals war die Einsparung von Benzin Thema beim Hersteller.

Einspeichen-Lenkrad mit Fünfgang-Handschaltung, vor 50 Jahren war das modern.
Foto: Sven Tietgen

Nach dem Kauf arbeitete der Radio- und Fernsehtechnikermeister den Wagen auf und absolvierte dafür auch eine Fortbildung zur „Fachkraft für die Aufarbeitung und Restaurierung historischer Fahrzeuge“ bei der Handwerkskammer Cottbus. „Vieles an Technik habe ich mir aber auch selbst beigebracht“, erzählt der 56-jährige Barkelsbyer. Ein Fan der Citroën-D-Serie, die zwischen 1955 und 1975 in einer Auflage von knapp 1,5 Millionen Fahrzeugen gebaut wurde, ist Thorsten Belvedere schon lange. „Schuld“ am Kauf der „Göttin“, wie sie wegen der französischen Aussprache der beiden Buchstaben DS als „déesse“ – die Göttin – auch genannt wird, ist Petra Bendixen. Die selbstständige Bauingenieurin schenkte ihrem Liebsten einen Gutschein für die Ausleihe eines solchen Oldtimers in Berlin. Der Beschenkte schwärmt noch heute von dem Erlebnis: „Wir waren in einer goldenen DS mit braunen Ledersitzen in der Märkischen Schweiz unterwegs, das war ein wunderbarer Tag!“

Gleich nach dem Ausflug wurde der Plan für Kauf und Verleih einer Citroën DS gefasst. Seit fast zehn Jahren bietet das Paar die „Blaue Göttin“ zur Vermietung an. Bei den ersten Kunden war ihm schon etwas bange, erinnert sich der Besitzer. „Aber ich fand es zu schade, den Wagen allein in der Garage zu lassen. Ich wollte meine Begeisterung über diese Fahrzeuge und ihre Technik gerne teilen“, erklärt der Selbstständige mit einem Reparaturbetrieb für Kaffeevollautomaten. Als großartige Erfindung gilt für ihn besonders die Hydropneumatik. Dieses mit einer Hydraulikflüssigkeit betriebene Dämpfungs- und Federungssystem wurde bei Citroën statt mechanischer Federn und Stoßdämpfer verbaut. Deshalb heißt es nach dem Anlassen des Wagens, zunächst etwas zu warten – bis die Karosserie der DS auf Fahrtniveau angestiegen ist.

Unter der Motorhaube steckt neben dem Reserverad auch der Behälter für die hydropneumatische Flüssigkeit.
Foto: Sven Tietgen

Bei der Einweisung verbindet Belvedere die kurze Wartezeit mit einem Hinweis auf den Gründer der Automarke, André ­Citroën. „Ich sage den Kunden in diesen Momenten immer: So, jetzt legen wir die André-Citroën-Gedenkminute ein.“ Überwiegend ältere Semester leihen sich die „Blaue Göttin“ für eine Tagestour aus, bei Bedarf bietet sich Thorsten Belvedere auch als Chauffeur an. Wenn die Kunden selbst in früheren Jahren eine DS gefahren haben, erlebt er auch emotionale Momente. „Da setzen sich dann gestandene Männer in die Polsterung, greifen in das Einspeichen-Lenkrad und haben Tränen in den Augen.“ Der bald 50 Jahre alte Citroën ist mittlerweile auch zum TV-Star aufgestiegen: Er wurde nicht nur für zwei Großstadtrevier-Folgen gebucht – und nicht nur das!

Auf Mallorca wird die DS in der Vox-Fernsehsendung First Dates-Hotel eingesetzt.
Foto: privat

In der Kennenlern-Show „First Dates-Hotel“ des Senders Vox ist die „Blaue Göttin“ mittlerweile Stammgast. In verschiedenen Folgen kurvt der betagte Vierzylinder mit 104 PS über die Straßen Mallorcas. Die bereits erschienenen Folgen sind in der Mediathek abrufbar. Im September stehen erneut Drehtage auf Mallorca an. Wie bei den ersten Dreharbeiten fahren Thorsten Belvedere und Petra Bendixen ihren Liebling selbst nach Barcelona und setzen dort mit der Fähre auf die Mittelmehrinsel über. Für die Drehtage geben sie den Oldtimer vertrauensvoll ab und bleiben entspannt – denn ein richtiges Malheur ist bei rund 300 Ausleihvorgängen bislang nicht passiert.

Ab sofort kann in Barkelsby auch eine Ente ausgeliehen werden.
Foto: privat

Wegen der guten Verleiherfahrungen wird das Programm erweitert. Ab sofort kann auch eine „Ente“ gebucht werden – die Citroën 2 CV 6 Club mit aufrollbarem Dach lief 1989 vom Band. Die Ente stand über viele Jahre in einer Tiefgarage und befand sich in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand, als Thorsten Belvedere den Wagen kaufte. Über eine Kooperation wird in Kürze auch ein Mercedes Cabrio erlebbar sein. Der 280 SL Pagode der Baureihe W 113 aus dem Baujahr 1970 verfügt über einen Sechszylinder-Motor mit beeindruckenden 170 PS.
„Dem Eigentümer geht es wie mir, das Cabrio soll nicht allein in einer Garage verstauben“, erklärt Thorsten Belvedere. Weitere Informationen unter Tel.: 0 43 51-8 80 55 90 sowie im Internet: blaue-goettin.de

Citroën DS, Baujahr 1974, Ausstattungsvariante D Super 5, Delta Bleu metallic
Foto: privat
Im Glasgehäuse mit den mitlenkenden Scheinwerfern ist Platz genug für eine Modellversion der DS.
Foto: Sven Tietgen
Bereits in den 1950er-Jahren waren die im Dach integrierten Blinker ein Hingucker.
Foto: Sven Tietgen
Thorsten Belvedere bietet sich auch als Chauffeur für Hochzeiten oder andere Events an.
Foto: Sven Tietgen


Sicherheit für Investitionen in Wärmenetze

Für Investitionen in Wärmenetze übernimmt das Land Bürgschaften und Garantien von bis zu 2 Mrd. €. Dies ergibt sich aus der Richtlinie des „Bürgschaftsprogramms Wärmenetze Schleswig-Holstein“, die Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) vorigen Donnerstag anlässlich des Spitzengesprächs Wärmenetze angekündigt hat. Am 15. April wird die Richtlinie im Amtsblatt veröffentlicht.

„Um in Schleswig-Holstein 2040 vollständig klimaneutral heizen zu können, ist eine große Kraftanstrengung vieler Akteure erforderlich“, sagte Goldschmidt. „Mit dem Bürgschaftsprogramm versorgen wir die Investitionen in den Ausbau der Wärmenetze mit den nötigen Garantien. Es soll die Kreditwürdigkeit von Investoren verbessern, die damit mehr in Wärmenetze investieren können.“

Für den Aus- und Umbau der Wärmenetze wird in den kommenden Jahren ein erheblicher Investitionsbedarf in den Kommunen Schleswig-Holsteins erwartet. Für die dafür nötigen Kredite und Beteiligungen fehlten bislang Bürgschaften. Mit den 2 Mrd. € aus dem neuen Bürgschaftsprogramm schließt das Land eine Lücke. „Nah- und Fernwärme, die aus Erneuerbaren Energien oder Abwärme erzeugt wird, hat viele Vorteile und kann einer der Grundpfeiler der klimaneutralen Wärmeversorgung werden“, erklärte Goldschmidt.

Neubau, Erweiterung und Umbau gefördert

Gefördert wird sowohl der Neubau von Wärmenetzen als auch die Erweiterung und der Umbau bestehender Wärmenetze, sofern diese aus Erneuerbaren Energien oder durch unvermeidbare Abwärme gespeist werden. Die angesprochenen Investoren sind neben Kommunen, Kommunalunternehmen, Zweckverbänden und Genossenschaften auch private Unternehmen, darunter Stadtwerke.

Zum Bürgschaftsprogramm sagt Carsten Müller, Geschäftsführer der mit der Abwicklung beauftragten Bürgschaftsbank: „Unser Haus freut sich, auf diese Weise einen Beitrag zur Klima- und Wärmewende leisten zu dürfen. Auf Grundlage eines validen Businessplans und eines positiven Votums der Hausbank werden wir einen schlanken Antrags- und Bewilligungsprozess darstellen.“ Auf der Homepage der Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein sind ab dem 15. April die notwendigen Informationen und das Antragsformular zu finden. Ab diesem Tag ist bei der Bürgschaftsbank eine Antragstellung durch die jeweils finanzierenden Kreditinstitute möglich.

Auf dem Spitzengespräch Wärmenetze, an dem auch Vertreter von Stadtwerken, Verbänden, Verbraucherschutz und dem Finanzsektor teilnahmen, waren die Übernahme der Vorgaben aus dem Wärmeplanungsgesetz des Bundes in das Energiewende- und Klimaschutzgesetz (EWKG) Schleswig-Holsteins ein weiteres Thema. Dieses wird derzeit überarbeitet.

Goldschmidt: „Schleswig-Holstein ist früher als andere Länder mit der kommunalen Wärmeplanung gestartet. Wir wollen diese Vorreiterrolle im Klimaschutz behalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass Bundes- und Landesrecht pragmatisch miteinander verzahnt werden. Das ist unser Anspruch bei der Novelle des Landesklimaschutzgesetzes.“

Umsetzung in Landesrecht

Mit dem EWKG, dessen Entwurf in den kommenden Wochen im Kabinett der Landesregierung beraten wird, setzt Schleswig-Holstein als eines der ersten Länder nicht nur das Wärmeplanungsgesetz, sondern auch das Gebäudeenergiegesetz, das Klimaanpassungsgesetz und das Energieeffizienzgesetz in Landesrecht um und treibt so die Wärmewende voran. „Um bei der komplexen Umsetzung der neuen Bundesgesetze besonders im Wärmebereich zu helfen, stellen wir zur Unterstützung der Kommunen derzeit ein Wärmekompetenzzentrum auf die Beine“, sagte Goldschmidt.

Erfrischender Auftakt

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Schon der Blick auf die Webseite des KreisLandFrauenverbandes Pinneberg zeigt, dass dort frischer Wind weht. Ein großer neuer Terminkalender gibt schnell einen Überblick über alle Veranstaltungen des Kreisverbandes, der Ortsvereine und der Jungen LandFrauen.

Der Kalender trägt die Handschrift des neuen Vorstandes, der angeführt wird von Ulrike Kühl und Frauke Krohn. Zum Kreis gehören sechs Ortsvereine mit zirka 1.100 Mitgliedern. Es sind viele Berufssparten vertreten: Landwirtschaft, aber auch Handwerk, Einzelhandel, Pflegeberufe, Labormitarbeiter, Büropersonal und Hauswirtschafterinnen. Das Motto der Arbeit lautet „Auf starken Wurzeln gut vernetzt! – Weiblich – Ländlich – Innovativ – Lernen, ein Leben lang“.

Der Start des neuen Vorstandes wurde gleich bei der Auftaktveranstaltung des Kreisverbandes gefeiert. Gut 120 Frauen kamen zur Lesung mit Romy Fölck. Zehn Tage später lud der Kreisvorstand zum Vortrag „Gesund trotz Frau“ mit Dr. Gisa Andresen ein. 90 Frauen nahmen teil.

Ulrike Kühl freut sich über diesen geglückten Start. Ziel der Arbeit des Kreisverbandes sei es, mitzureden, mitzuentscheiden und mitzugestalten für die Zukunft des ländlichen Raumes – „und das mit Intuition, Elan, vielfältigen Ideen und weiblichem Sachverstand, denn Männer und Frauen haben da oft einen unterschiedlichen Blickwinkel“, so die Kauffrau für Groß- und Außenhandel und Industrie-Fachwirtin.

„Neben dieser Aufgabe, sind mir vorrangig unsere Mitglieder wichtig. Neue Themen interessieren mich und erweitern meinen Blickwinkel“, so die neue Kreisvorsitzende. Kathrin Iselt-Segert

Ulrike Kühl aus Groß Nordende ist stellvertretende Bürgermeisterin und neue Vorsitzende der KreisLandFrauen Pinneberg Foto: kis

Startplätze in 25 Sekunden vergeben

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Bei Kaiserwetter fand über Ostern die inzwischen siebente Osterrallye der Landjugend Reußenköge statt. Bei 18 °C, Sonnenschein und guter Laune wurde der Tag mit 75 teilnehmenden Teams zu einem rundum gelungenen Event.

Zum ersten Mal lag der Start- und Zielpunkt der alljährlichen Osterrallye nicht mehr im Sophien-Magdalenen-Koog in einem Zelt hinter der Koogshalle, sondern im Louisenkoog in einer Pultdachhalle der Familie Thamsen. Der Aufbau startete am Sonntag eine Woche vor dem Wettbewerb. Aufgrund des Standortwechsels wurden die Organisatoren vor neue Herausforderungen gestellt. Dank der guten Teamarbeit konnte die Halle zu einer schönen Fetenlocation für die Party nach der Rallye gestaltet werden.

Die 75 Startplätze wurden bereits Anfang März vergeben. Hierfür nutzte die Landjugend Reußenköge erstmalig das Anmeldeformular der Laju Service GmbH. Vor Anmeldungsstart wurde das Kontaktformular über die Social-Media-Kanäle erklärt. Die Plätze wurden per Windhundverfahren vergeben, weshalb einige sehr motivierte Leute vorab geübt hatten, so schnell wie möglich ihren Namen, die Handynummer und die E-Mail-Adresse zu schreiben. Innerhalb von 25 s waren bereits die ersten 75 Plätze vergeben. Nach wenigen Minuten lagen insgesamt 460 Anmeldungen vor. Wahnsinn! Damit hatte keiner gerechnet. Die Laju Reußenköge war überwältigt von dem großen Interesse.

Dann kam der Ostersonnabend. Mit der gesamten Landjugend wurde der Tag mit einem Frühstück begonnen. Anschließend fuhren die Landjugendmitglieder zu ihren Stationen oder blieben bei der Anmeldung. Die Rallyeteilnehmer bekamen ihre Startnummer, den Fragebogen und eine Landkarte mit eingezeichnetem Streckenverlauf. Die diesjährige Osterrallye führte mit einer Strecke von 65 km durch Nordfriesland, durch die Dörfer Hattstedt, Horstedt, Bohmstedt und Bordelum.

Und dann ging es los. Pünktlich um 12.30 Uhr startete das erste Auto. Der Fragebogen bestand aus 20 Fragen zur Strecke und zehn allgemeineren Fragen. Zusätzlich mussten die Teilnehmer ihr Geschick an fünf Stationen unter Beweis stellen. Hier wurden Schraubenmuttern gestapelt, mit einer Poolnudel ein Geschicklichkeitsparcours absolviert oder auf verschiedene Gefäße gezielt. Zudem musste ein ausgedrucktes Bild mit allen Gruppenmitgliedern mit ins Ziel gebracht werden.

Die Rallye ist nicht nur für junge Leute, sondern für jedermann. So entsteht jedes Jahr aufs Neue eine bunte Gemeinschaft. Viele kommen verkleidet oder mit besonderen Autos – ob besonders alt, groß oder laut, man will auffallen. Eines verbindet dennoch alle: Sie sind heiß auf den Sieg und das große Ei, den Pokal.

Zirka vier Stunden waren die Rallyeteilnehmer unterwegs und gaben sich größte Mühe, alle Fragen richtig zu beantworten und ihr Können an den Stationen zu beweisen. Schlussendlich belegte das Team „The flying Cows of Evershop“ den ersten Platz. Die Crew nahm nicht nur das Ei mit nach Hause, sondern sicherte sich auch einen Startplatz im nächsten.

Im Anschluss an die Siegerehrung feierten die Rallyeteilnehmer und Fetengäste ausgelassen und bei bester Stimmung zur Musik von Team DJ Sound Village. Traditionell endete die Osterrallye 2024 mit dem Tresentanz der Landjugend Reußenköge.

Und im nächsten Jahr heißt es dann wieder, sich superschnell anzumelden, um am 19. April mit am Start zu sein.

Das Team „Die Taffen Giraffen“ auf dem Weg ins Ziel
Fotos: Jan-Leo Braschoß
Das Team der Landjugend Reußenköge

Die Gelassenheit der großen Betriebe

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Die Zukunft bauen – das wollen die ZukunftsBauer! Henrik Loop aus Bönebüttel im Kreis Plön bei Neumünster engagiert sich in diesem Projekt des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Was für ihn dabei im Fokus steht, schildert er im Gespräch mit dem Bauernblatt.

Man soll nicht mit einer trockenen Zahl beginnen, aber 23.500 ha – das ist schon eine Nummer! 650 ha allein jeder Schlag im Durchschnitt. Da wurde gedroschen und gedroschen mit neun Dreschern, fast jeden Tag von Früh bis spät – auf einem von ihnen Henrik Loop, Jungbauer aus Bönebüttel im Kreis Plön bei Neumünster. Ein halbes Jahr war er in Übersee, zuerst in Australien, dann in Chile – „nach der Höla noch mal Erfahrungen sammeln, bevor ich in den Betrieb einsteige“.

Henrik Loop wird Hofnachfolger in 16. Generation. Der Vorfahre Hindrich Loop ist 1594 nachgewiesen.

Zu Hause

„Fast konnten wir ihn nicht fortlassen, weil vier Wochen vorher ein langjähriger Mitarbeiter gekündigt hat“, erzählt Vater Joachim, „aber wir haben noch einen sehr guten Ersatz gefunden.“ Der Betrieb in Bönebüttel ist natürlich nicht mit dem oben genannten in Australien zu vergleichen, bewirtschaftet aber immerhin rund 500 ha. Er ist vielseitig aufgestellt. Neben dem Hauptstandbein des Ackerbaus gibt es als Nebenzweige Tannenbäume in Direktvermarktung und die Pensionswirtschaft für 50 Pferde, vor allem aber die Energiewirtschaft: Drei Gärbehälter liefern nicht nur Strom für den Hof samt der Trocknungsanlage, sondern auch Nahwärme für 90 Häuser im Neubaugebiet. Die PV-Anlage leistet 150 kWpeak.

Die Biogasanlage leistet 1,1 MW, auch für Nahwärme der Neubausiedlung. Fotos (2): Tonio Keller

Nach dem Sommer auf der Südhalbkugel ist der 23-Jährige jetzt wieder da – frisch und unternehmungsfreudig, wie es passt für einen ZukunftsBauer. Auf Treffen mit den Kollegen in dieser Arbeitsgruppe, an denen er natürlich noch nicht teilnehmen konnte, freut er sich. „Jeder, der zukunftsorientiert ist, ist ZukunftsBauer“, sagt er: „Die Welt wird sich ändern, da ist es gut, sich mit anderen auszutauschen, da muss nicht jeder alleine vorwärtsgehen.“

Beim Tannenbaumverkauf bei Wurst und Glühwein komme man gut ins Gespräch mit Kunden. Der Demeter-Landwirt Dirk Kock-Rohwer, Landtagsmitglied für die Grünen, ist Hof- und Feldnachbar. Man lebe in gutem Einvernehmen, habe ein freundliches, entspanntes Verhältnis und helfe einander aus, sagt Henrik. Jeder solle so wirtschaften, wie er es für richtig halte. „Man muss die Augen offenhalten und links und rechts gucken.“

In Australien

Henrik Loop auf dem Drescher

Da kommt ihm die Erfahrung im Ausland zugute – ein Blick nicht nur über den sprichwörtlichen Tellerrand, sondern sogar über das Meer! Die Arbeit in Australien mit 15 anderen Erntehelfern – alles junge deutsche Landwirte – war wie eine Klausur. In die nächstgrößere Stadt brauchte man für 60 km eineinhalb Stunden, da fuhr man gerade mal am Sonnabend zum Einkaufen hin und für ein Bier im Pub.

Die Kontakte und Beziehungen, die entstanden, sind für ihn eine wertvolle Bereicherung. Über solche Kontakte hatte er auch den Aufenthalt vermittelt bekommen. „Ein deutscher Kollege, der zwei Jahre dort gearbeitet hat, hat mir den Betrieb empfohlen.“ Nun hat er bereits selbst Kollegen vermittelt. „Es werden immer gute Leute gesucht.“

Die Bestände in Australien seien sehr dünn gewesen, auch der Trockenheit geschuldet – in dieser Saison 150 mm/Jahr – das ist auch für dort sehr wenig. Dazu unglaublich viele Steine auf dem Feld. Es sei eine Herausforderung gewesen, mit den großen Maschinen sauber zu dreschen – bei satten 10 bis 12 km/h.

In Chile

Die Gruppe der Erntehelfer in Chile mit Chefs und Seniorchefin, r. Henrik Loop. Fotos (2): privat

In Chile sah es etwa anders aus: Mit 1.600 ha Druschfläche war die Fläche immer noch riesig. Der Betrieb lag in dem schmalen Küstenstreifen vor den Anden auf nur 68 m über NN. Die Bestände seien besser gewesen als in Australien und auch als hier: 13,5 t/ha Ernte im Flächenschnitt. Auch gab es genügend Niederschlag mit 1.500 mm/Jahr. Der wichtigste Wirtschaftszweig aber waren 400 ha Kartoffeln, „mit ihnen wurde das Geld verdient“, und zwar in Form von Chipskartoffeln für den Export – „die bekommt man auch hier im Supermarkt“. Für die Kartoffeln wurden 75 bis 80 Mitarbeiter beschäftigt – Sortieren, Waschen et cetera – in der Landwirtschaft etwa zehn. Chefs waren Nachkommen von ausgewanderten Deutschen in fünfter Generation, die in der Familie Deutsch sprachen, die Angestellten und Erntehelfer aber Spanisch –„Google-Übersetzer war der beste Freund“.

Wieder zu Hause

Was nimmt Henrik mit aus seinem Auslandseinsatz? Die Kontakte und das Netzwerk mit den Erntehelfern natürlich. Vor allem aber die Gelassenheit auf den riesigen Betrieben, und das inmitten der Hochsaison der Ernte. „Das strahlen die Chefs aus, das ist mit wenig deutschen Betrieben zu vergleichen. Wenn da was kaputt ist und nicht gleich ein Ersatzteil kommt, dann ist das so. Dann steht der Drescher eben übers Wochenende oder auch zwei Wochen.“

Zwischen Australien und Chile hat sich Henrik Loop dann doch noch ein paar Wochen Urlaub gegönnt, zum Teil in Neuseeland. „Die Landschaft dort, auch die in Chile, die erloschenen Vulkane in den Anden. Auch das ist etwas, das ich mitnehme nach Hause. „Das habe ich immer im Hinterkopf.“

Weizenernte in Chile

Saisonstart mit Sellerie-Jungpflanzen

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Auch wenn die Sortenvielfalt von Knollen- und Stangensellerie am Pflanzentisch etwas beschränkt ausfällt, sind die Setzlinge eine gute Alternative zum Samenkauf. Denn die Aussaat auf der Fensterbank ist wegen der benötigten konstanten 20 °C während der dreiwöchigen Keimphase recht heikel. Sellerie ist in der Jugend sehr temperaturempfindlich. Hinzu kommt die lange Anzuchtphase. Die Aussaat muss bereits Ende Februar erfolgen, wenn im Mai kräftige Setzlinge ausgepflanzt werden sollen.

Bei Jungpflanzen ist die richtige Pflanztiefe entscheidend für die gute Entwicklung. Foto: Karin Stern

Wer allerdings besondere Sorten wie den Stangensellerie ‚Giant Red‘ mit seinen rot gefärbten Stielen bevorzugt, nimmt solche Mühen gerne in Kauf – zumal diese Sorte auch noch eine gute Ernte liefert, wenn sie erst Anfang Mai gesät wird. Dann kommen auch die Samen des unkomplizierten Schnittselleries in den Boden.

Stangensellerie pflanzen Sie ebenso hoch wie der Setzling vorher im Topf saß. Foto: Karin Stern

Ein Blick auf die Wettervorhersage ist ein Muss, bevor es ans Pflanzen der Setzlinge geht. Sie dürfen erst ins Freie, wenn keine Nachtfröste mehr drohen. Zu niedrige Temperaturen treibt Stangen- und Knollensellerie in die Blüte. Droht nach der Pflanzung noch eine Kälteperiode, deckt man das Beet mit Gartenvlies ab. Beide Selleriearten kommen im Abstand von 40 x 40 cm aufs Beet. Stangensellerie setzt man nicht tiefer, als dieser vorher im Erdpresstopf stand. Für Knollensellerie empfiehlt sich dagegen eine etwas höhere Pflanzung, damit sich die Knollen gut ausbilden. Hier ist etwas Fingerspitzengefühl angesagt. Bei zu tiefer Pflanzung verformen sich die Wurzeln, bei zu flacher Pflanzung entstehen schnell unerwünschte Nebenwurzeln. Beides mindert die Qualität der Knollen.

Bei Knollensellerie, Stangensellerie und Schnittsellerie gibt es jeweils einige Besonderheiten in der Kulturführung zu beachten. Betrachten wir zunächst die speziellen Wünsche des Knollenselleries. Er bevorzugt einen frischen, eher schweren, humus- und nährstoffreichen Boden mit neutralem bis leicht basischem pH-Wert in vollsonniger Lage. Tipp: Die vorgezogenen Jungpflanzen vorher abhärten, indem sie stundenweise ins Freie gestellt werden. Ein gut mit Kompost versorgtes Beet genügt zu Beginn dem hohen Nährstoffbedarf des Starkzehrers. Im Juli und August verabreicht man der Packungsanweisung entsprechend einen kalireichen Dünger. Er fördert die Knollenbildung und sorgt für die erwünschte helle Ausfärbung der Knolle. Von Anfang August bis zur Ernte im Oktober ist der Wasserbedarf des Knollenselleries am höchsten. Bei Trockenheit empfehlen sich durchdringende, großzügige Wassergaben von 15 bis 20 l/m2. Die Ernte erfolgt fortlaufend bereits ab Ende August. Die Knollen können problemlos bis zum ersten Frost auf dem Beet bleiben. Für die Lagerung erntet man ab Oktober und entfernt dafür die Wurzeln der Knolle sowie alle Blätter bis auf das Herz. In Erde eingeschlagen bleibt Knollensellerie einige Wochen lang frisch. Er würzt nicht nur prima Suppen, sondern schmeckt auch als Schnitzel zubereitet hervorragend.

Stangensellerie erntet man entweder als ganze Pflanze oder schneidet nach Bedarf einzelne Stängel. Foto: Karin Stern
Bei zeitiger Pflanzung braucht Sellerie etwas Schutz durch ein aufgelegtes Vlies. Foto: Karin Stern


Stangensellerie wächst etwa 40 bis 50 cm hoch und bildet daumendicke, kräftige, fleischige Blattstiele mit grünen, gefiederten Blättern. Diese Sellerievariante bevorzugt einen sonnigen Platz. Der optimale Boden weist eine durchlässige, frische, humose und nährstoffreiche, mittelschwere bis schwere Beschaffenheit auf. Die Pflanzzeit zieht sich von Mitte Mai bis Ende Juni. Der Handel bietet vorwiegend „selbstbleichende“ Sorten an. Die Farbe der Stiele schwankt je nach Sorte und Kulturbedingungen zwischen helleren und dunkleren Grünschattierungen. Die Pflanzen setzt man mit 30 x 30 cm Abstand aufs Beet. Sie brauchen besonders im Spätsommer und Herbst reichlich Bodenfeuchtigkeit. Ansonsten beschränkt sich die Pflege auf regelmäßiges Hacken und die mehrmalige Versorgung mit einem kali- und borhaltigen Dünger.

Gießen mit abgekühltem, gesalzenem Kartoffelwasser stillt den erhöhten Natriumbedarf von Sellerie. Foto: Karin Stern

Als ehemalige Küstenpflanze hat Stangensellerie einen relativ hohen Bor- und Natriumbedarf. Dieser wird ganz einfach gedeckt, indem man mit salzhaltigem, abgekühltem Kartoffelwasser gießt. Manche Gärtner streuen alternativ etwas Salz direkt auf den Boden oder geben das Salz ins Gießwasser. Für die Ernte werden ab September entweder einzelne Blattstiele abgeschnitten oder einfach die ganze Pflanze aus dem Boden gezogen. Im Gegensatz zu Knollensellerie ist Stangensellerie frostempfindlich. Er wird daher unbedingt vor dem ersten Nachtfrost geerntet. Bleichsellerie ist übrigens eine Variante des Stangenselleries. Er wird entweder eng nebeneinander angebaut, damit sich die Pflanzen das Licht gegenseitig streitig machen, oder in Gräben gepflanzt und mit fortschreitendem Wachstum weiter angehäufelt.

Schnittsellerie ist der unkomplizierte Vertreter der Sellerie-Familie. Foto: Karin Stern

Beim Schnittsellerie dreht es sich weder um Knollen noch um Stangen: Hier stehen die Blätter im Fokus. Optisch erinnern sie an die der Petersilie. Klein geschnitten würzen sie Suppen, Fleischgerichte und Soßen. Die Samen können ohne Vorkultur ab Ende April, Anfang Mai direkt ins Beet gesät werden. Noch einfacher geht es mit Jungpflanzen aus dem Gartenmarkt. Zur Ernte schneidet man einfach frische Blätter nach Bedarf ab. Das Kraut lässt sich in kleine Sträuße gebunden auch prima, kopfüber an einem luftigen, warmen Platz aufgehängt, für den Wintervorrat trocknen.

Septoria-tritici-Prognose im Winterweizen

Aktuell ist sortenabhängig unterschiedlich starker Ausgangsbefall von Septoria tritici im Winterweizen zu finden. Dieser Ausgangsbefall wurde bereits seit November aufgrund der Niederschläge ab dem Herbst gesetzt beziehungsweise weiter gehalten. Wie sich dieser Befall in den kommenden Wochen weiter entwickeln beziehungsweise auf die ­kommenden neuen Blattetagen ausbreiten wird, hängt von der weiteren Witterung ab.

Das Prognosemodell Septri auf isip.de bietet einen Überblick über mögliche Septoria-tritici-Infek­tionsereignisse und dient damit als Unterstützung für mögliche Behandlungsentscheidungen oder die optimale Terminierung der entsprechenden Pflanzenschutzmaßnahme. Septri berechnet, ob die Witterungsbedingungen (Temperatur, Niederschlag, relative Luftfeuchtigkeit, Blattnässe) für Neuinfektionen durch Septoria/Zymoseptoria tritici günstig waren und ob eine Erstinfektion auf den oberen drei Blattetagen (F bis F-2) stattgefunden hat, was sich sonst ertragswirksam auswirken könnte. Eine Pflanzenschutzbehandlung muss dann vor dem Erstauftreten der Symptome dieser entsprechenden Infektion beziehungsweise infektionsnah erfolgen.

Optimale Septoria-Infektionsbedingungen sind gegeben:

ab dem Entwicklungsstadium 31/32
(F-2 als das drittletzte, aber bereits ertragsrelevante Blatt ist zu 20 % vorhanden),
Ausgangsbefall im Bestand vorhanden,
nach mindestens 3 mm Niederschlag,
anhaltende Blattnässedauer,
Temperaturoptimum bei 19 °C.

Wurde eine Neuinfektion prognostiziert, berechnet das Modell den Ablauf der Inkubationszeit auf Basis der Temperatur. Diese abgelaufene Inkubationszeit wird als relativer Wert ausgegeben und eine Behandlung empfohlen, wenn auf der drittoberen Blattetage (F-2) 30 % der Inkubationszeit abgelaufen sind. Bei der Berechnung wird die Sortenanfälligkeit aus der aktuellen Liste des Bundessortenamtes berücksichtigt. Es handelt sich um ein Modell, mit dem sich schlagspezifische Prognosen berechnen lassen. Für jeden Schlag wird das Datum der Neuinfektion auf F-2, die abgelaufene Inkubationszeit und das Datum des simulierten Erstauftretens von Septoria tritici angezeigt und damit die Entscheidung der optimalen Terminierung der Fungizidmaßnahme unterstützt. Das Septri-Modell steht auf isip.de zur Verfügung. Um eigene Schläge für die Prognose darin anzulegen und berechnen zu lassen, können sich Interessierte auf isip.de in Schleswig-Holstein kostenlos anmelden. Bei weiteren Fragen zu Pflanzenschutz-Prognosemodellen erteilt die Autorin gern Auskunft unter shagen@lksh.de

Frühjahrsvielseitigkeit auf dem Landesturnierplatz in Bad Segeberg

Das Wetter war in den vergangenen Jahren immer ein großes Thema für die Veranstalter der Frühjahrsvielseitigkeit auf dem Landesturnierplatz in Bad Segeberg: Sturm und Hagel, Regen und eisige ­Winde hatten es Reitern, Pferden, ­Helfern und Zuschauern schwer gemacht. In diesem Jahr wurden alle mit sommerlichem Wetter und einer traumhaften Geländestrecke belohnt.

Matthias Karstens hatte am Donnerstag und Freitag mit dem Helferteam noch wie gewohnt im strömenden Regen den Parcours aufgebaut und abgenommen. Doch nichts war nichts aufgeweicht, „und die Pferde mochten am Sonntag so richtig galoppieren“ befand der Geschäftsführer des ausrichtenden Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein (PSH).

Start auf dem Landesturnierplatz

Traditionell ging es mit der Dressur auf dem Landesturnierplatz los. Denn auch wenn die Veranstalter jedes Jahr überlegen, was im nächsten Jahr besser laufen kann: Der Ablauf gehört nicht zu den Dingen, an denen gerüttelt wird. „Wir haben jedes Jahr sehr viele Nennungen, vor allem in der Prüfung der Klasse A“, sagte Karstens. Da der Platz für die Dressur und das Springen von der Geländestrecke im Ihlwald räumlich getrennt ist, könnten mehr Teilnehmer mitmachen, als wenn alles an einem Tag stattfände. Daher hält der PSH an der für die Vielseitigkeit eher ungewöhnlichen Zeiteinteilung mit Dressur und Springen am Sonnabend und Gelände am Sonntag fest.

Die Reiterinnen und Reiter der Vielseitigkeitsprüfung der Klasse L* mit den Leistungsklassen 1 bis 3 machten den Anfang. Diese Prüfung war zugleich eine Sichtung für die Deutschen Jugendmeisterschaften (DJM) der Junioren. Die Niedersächsin Anna Siemer setzte sich hier an die Spitze, gefolgt von dem Fehmaraner Mathies Rüder und Jan Matthias, der bei Peter Thomsen in Großenwiehe, Kreis Schleswig-Flensburg, reitet. Alle drei blieben auch im anschließenden Springen fehlerfrei und starteten mit nur wenigen Punkten Abstand am Sonntag ins Gelände.

Louise Romeike kam bei der Frühjahrsvielseitigkeit mit dem Holsteiner Wallach Rocket (hier mit Intention) auf den zweiten Platz. Foto: Photorocket

Hier griff die vorher viertplatzierte Louise Romeike ins Geschehen ein. Durch einen guten Geländeritt konnte die gebürtige Schwedin ihren Springfehler ausgleichen und schob sich vor Siemer mit 33,4 Punkten auf den zweiten Platz. Romeike lebt mit ihrem Mann Claas auf Hof Moholz in Nübbel, Kreis Rendsburg-Eckernförde, und hatte den Holsteiner Wallach Rocket aus dem Besitz ihres Schwiegervaters Hinrich Romeike gesattelt. Mit ihrem zweiten Pferd, der Hannoveraner Stute Perseverance Extravagance, kam sie außerdem auf den fünften Platz.

Jan Matthias siegt in Klasse L

Siemer und ihre Holsteiner Stute Kiss Me hatten im Gelände Fehler und landeten mit 35,7 Punkten auf dem dritten Platz. Sieger wurden Jan Matthias und die Holsteiner Stute Kimberly mit 31,4 Punkten. Matthias ist gebürtiger Baden-Württemberger und lebt seit sechs Jahren in Schleswig-Holstein. „Kimberly ist eine siebenjährige Holsteiner Stute, die wir vierjährig gekauft haben. Sie ging als Fünf- und Sechsjährige Bundeschampionate und hat schon mehrfach L-Vielseitigkeiten gewonnen. Ende des Jahres war sie in Bad Segeberg auch in der Zweisterneprüfung platziert“, berichtete Matthias über seine Sportpartnerin. „Das Turnier war super organisiert. Es ging alles reibungslos und hat gut gepasst. Wir hatten einen top Boden, und der Parcours wars schön und flüssig zu reiten“, schwärmte er weiter.

Rüder, der gut ins Turnier gestartet war, landete mit Bon Ton am Ende auf Platz 24. Das Paar hatte im Gelände Differenzen und kam mit vielen Zeitfehlern ins Ziel.

Die zweite Abteilung der L*-Prüfung konnte Neeke Rothe für sich entscheiden. Mit ihrem Deutschen Sportpferdwallach Leon kam sie auf 57,5 Zähler. Rothe wohnt in Bad Schwartau, Kreis Ostholstein, und ist selbst auch als Parcourschefin unterwegs. Mit 59,7 Punkten folgte ihr Philippa Charlotta Inken, ebenfalls im Sattel eines Deutschen Sportpferdes, auf dem zweiten Platz. Dritte wurde Mia Müller-Ruchholtz (60,20) mit Kilbunny Vito. Die Irische Sportpferdstute führt über ihren Vater Ars Vivendi Holsteiner Blut in den Adern.

Die Vielseitigkeitsprüfung der Klasse A** wurde in drei Abteilungen geritten. Die Niedersächsin Friedericke Stock (28,5), die amtierende Schleswig-Holstein Nachwuchschampionesse Mathilde Roskothen (33) aus Satrup, Kreis Schleswig-Flensburg, und die Berlinerin Janette Hacker (24,4) siegten jeweils in ihrer Abteilung. Hinter Hacker platzierte sich Malin Petersen, die auch Vierte in Klasse L geworden war.

„Wir hatten in jeder Prüfung einen Sturz, aber sowohl die Zwei- als auch die Vierbeiner konnten ohne Verletzungen die Bahn verlassen. Ich bin sehr zufrieden“, sagte Karstens.

Schweinehaltung am stärksten abgebaut

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In Deutschland gab es zum Stichtag 3. März 2023 noch 161.700 landwirtschaftliche Betriebe mit Viehhaltung. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) Ende März mitteilte, ist laut den endgültigen Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung die Zahl der Tierhalter gegenüber der vorherigen Erhebung im Jahr 2020 um rund 7.100 Betriebe oder 4 % gesunken.

Von den insgesamt 255.000 landwirtschaftlichen Betrieben hatten damit noch 63 % Vieh auf dem Hof. Am verbreitetsten war die Rinderhaltung; im Frühjahr 2023 gab es hierzulande 100.700 Betriebe mit 10,9 Millionen Rindern. Im Vergleich zum vorherigen Termin hat die Zahl der Halter innerhalb von drei Jahren um 7 % und beim Tierbestand um 4 % abgenommen. Die durchschnittliche Größe einer Rinderhaltung stieg dabei von 104 auf 108 Tiere pro Betrieb.

Besonders häufig haben im Betrachtungszeitraum Milchvieherzeuger ihre Produktion eingestellt; deren Zahl sank um 14 % auf 46.600 Betriebe. Weil der Milchkuhbestand nur um 4 % auf 3,8 Millionen Stück rückläufig war, wuchs die Durchschnittherde von 72 auf 81 Tiere. Mit einem Anteil von 26 % an der gesamten Rinderherde wurden die meisten Rinder in Bayern gehalten, gefolgt von Niedersachsen mit 22 %.

Die stärksten Einbußen im Betrachtungszeitraum verzeichnete den Statistikern zufolge die Schweinehaltung. Von 2020 bis 2023 ging die Zahl der Schweine haltenden Betriebe um 4.300 oder 13 % auf 27.600 zurück. Der Schweinebestand verringerte sich um 15 % auf 22,4 Millionen Stück. Im Gegensatz zu den Rindern bedeutet dies, dass der Durchschnittsbestand pro Betrieb von 826 auf 810 Tiere abnahm. Die meisten Schweine wurden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehalten; deren Anteil am gesamten deutschen Schweinebestand lag zusammen bei 62 %.

Beim Geflügel eignen sich laut Destatis die Tierbestände wegen kurzer Produktionszyklen und Schwankungen nur eingeschränkt für die Darstellung von Entwicklungen im Zeitverlauf. Besser dafür geeignet ist die Zahl der Haltungsplätze, die bei Legehennen von 2020 bis 2023 um 5 % auf 63,3 Millionen zulegte. Gleichzeitig ging aber die Zahl der Hennenhalter um ein Zehntel auf 42.400 Betriebe zurück. Bei Puten sanken sowohl der Tierbestand um 14 % als auch die Zahl der Halter um 11 %. age

Ufop: Einfuhrbedarf deutlich erhöht

Deutsche Rapssaatimporte

Deutschland hat in der ersten Hälfte der Vermarktungssaison 2023/24 spürbar mehr Raps im Ausland bezogen als im Vorjahreszeitraum. Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) taxierte die betreffende Menge für den Zeitraum Juli bis Dezember 2023 mit Verweis auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) auf 3,48 Mio. t Raps, nach nur 2,58 Mio. t in der Vorjahresperiode.

Deutschland ist im EU-Ländervergleich der größte Nettoimporteur von Raps. Für das gesamte Jahr gesehen beläuft sich die Einfuhrmenge auf durchschnittlich 5,6 Mio. t. Foto: Landpixel

Das mit Abstand größte Volumen lieferte die Ukraine mit 995.600 t; das waren 476.100 t mehr als im Vorjahr. Dagegen gingen die Bezüge aus Australien nach der dort flächenbedingt kleineren Ernte um 164.600 t auf 165.800 t Raps zurück.

Die Rapslieferungen aus anderen EU-Ländern geben die Wiesbadener Statistiker für das erste Halbjahr 2023/24 mit insgesamt etwa 2,2 Mio. t an. Der Großteil davon wurde mit 696.600 t aus Rumänien importiert, was einem Plus von 482.600 t entsprach. An zweiter und dritter Stelle der EU-Lieferländer rangierten Polen mit 523.200 t Raps und Frankreich mit 303.900 t, was einem Zuwachs um 284.900 t beziehungsweise einem Minus von 105.600 t entsprach. Aus dem bisher traditionellen Lieferland Kanada kamen erstmals seit fünf Jahren keine nennenswerten Mengen.

Unterdessen waren die deutschen Rapsausfuhren in der ersten Hälfte des laufenden Wirtschaftsjahres im Vergleich zur Vorjahresperiode auf niedrigem Niveau deutlich rückläufig, und zwar um 9.300 t auf 30.300 t. age

Rindfleischmarkt im Umbruch

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Unter den Rinderhaltern herrscht erhebliche Verunsicherung. Nach deutlichen Ansagen der Schlachtunternehmen befürchten so manches Vermarktungsunternehmen wie auch viele Bullenmäster, dass ihnen zukünftig der normale QS-Bulle nicht mehr oder mit Preisabschlägen abgenommen wird.

Der Druck des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) auf die Rinderschlachtunternehmen zur Lieferung von Rindfleisch aus der Haltungsstufe 3 (HF 3) nimmt deutlich zu. Bei den Schlachtkühen ist dies noch nicht ganz so deutlich zu spüren, weil die Anerkennung vieler Milchviehbetriebe durch die Meiereien hin zu QM++, zumindest in verschiedenen Regionen Deutschlands, zu einem deutlichen Anstieg der Lieferung von Schlachtkühen der Haltungsform 3 geführt hat.

Der Markt ist mit Verarbeitungsware aus der HF 3 offenbar besser versorgt. Da wird zwar weiterhin gesucht, aber nicht mit der Vehemenz wie nach Jungbullen. Beim Rindfleisch in der Frischvermarktung an der Theke macht der LEH jetzt richtig Druck. Aldi will schon nach Ostern bei den Eigenmarken hier nur noch Rindfleisch der Haltungsstufe 3 anbieten, Lidl will in Kürze folgen. Auch Edeka erweitert das Programm mit Rasting.

Wenn die Marktführer den Taktstock schwingen

Es ließen sich weitere nennen, es reicht aber schon: Wenn die Marktführer den Taktstock schwingen, müssen oder werden die anderen folgen. In Sachen Qualitätsfleischprogramme für Jungbullen ist im Nordwesten die Westfleisch SCE vorgeprescht. Sie hat verschiedene Programme initiiert. Am schnellsten ging dies noch mit den Strohbetrieben, die im Hinblick auf die gewährte öffentliche Förderung ohnehin die Besatzdichte abstocken mussten, um die Förderung zu erhalten. Entsprechend mussten hier auch keine hohen Preisaufschläge bezahlt werden, um solche Bullen in die Programme zu bringen.

Dieser erste, relativ geräuschlose Angang hat vielleicht sowohl Schlachtunternehmen als auch den LEH zu der Annahme veranlasst, dass der Rest der Bullenmäster schon noch folgen werde. Betriebe, die Anforderung der Haltungsform 3 ohnehin erfüllen, gibt es aber im Nordwesten sowie in Bayern regional nur zwischen 10 und 20 %. Der Anteil wächst zwar stetig, aber für die meisten konventionellen Bullenmastbetriebe bedeutet die Umstellung, dass ein bis zwei Jungbullen weniger in der Bucht gehalten werden können, was bekanntlich erst nach Neuein­stallung in die Bucht am besten passt. Und dann kommen die Umbauten – mit je nach Betrieb sehr unterschiedlichen Kosten.

Wenn aber allein zwei Jungbullen aus der Bucht genommen werden müssen, wäre im Grunde ein finanzieller Zuschlag von zirka 40 ct/ kg Schlachtgewicht zum Ausgleich der Kosten erforderlich. Zurzeit liegen die Zuschläge aber nur bei 20 bis 25 ct/kg.

Auditierung ohne Vertrag möglich

Was vielen Jungbullenmästern missfällt, ist der Umstand, dass die bisherigen Auditierungen für Haltungsform 3 automatisch zu einem Liefervertrag führen. Schlachtbetriebe signalisieren jetzt, dass sie auch Haltungsform-3-Bullen aus Betrieben ohne Vermarktungsvertrag übernehmen. Der Jungbullenmäster muss dann aber sein Audit selbst bezahlen. Das sollte jedoch kein Hemmnis sein.

Haltungsform 3 auch bei Färsen

Färsen der Handelsklasse R3 werden häufig wie Jungbullen bezahlt. Kurzbratstücke sind unter Kennern sehr begehrt. Aktuell zeichnet sich ab, dass auch im Sektor Färsenmast zunehmend die Haltungsform 3 gefragt wird. Bei den oft extensiveren Haltungsformen in der Färsenaufzucht dürfte eine HF-3-Auditierung oftmals leichter sein. Dies spricht dafür, die Prämien ohne großen Aufwand mitzunehmen, zumal der Preisaufschlag ähnlich hoch ist wie in der Jungbullenmast.

Lohnt die Umstellung?

Neben hoch spezialisierten, großen Bullenmastbetrieben, vor allen Dingen im Westmünsterland und im Emsland, findet Bullenmast oft in kleineren landwirtschaftlichen Betrieben in älteren Ställen im Nebenerwerb statt. Ökonomisch macht es wenig Sinn, die Bestandsdichte herunterzufahren und bei hohen Baukosten noch zu investieren. In diesen Betrieben wird sich die Umstellung auf Haltungsform 3 nicht mehr rechnen.

Nicht unerheblich ist die Anzahl von Betrieben, in denen die Bullenmast aktuell in durchaus unterschiedlichen Haltungsformen stattfindet. Da finden sich konventionelle Bullenmastställe, oft noch aus den 1980er und -90er Jahren, neben umgebauten Tieflaufställen und ehemaligen Milchviehställen. Da muss man seriös durchkalkulieren, ob bei gewünschter Fortsetzung dieses Betriebszweiges die relativ geringen Umstellungskosten in einigen Teilbereichen größere Investitionen im letzten Stallbereich nicht doch zum guten Teil mitfinanzieren. Hier ist eine betriebsindividuelle gute Beratung erforderlich.

Haltungsform 3 beim Neubau unabdingbar

In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind vielfach neue Bullenmastställe in der Planung. Hier sollen Treibmistställe auf Stroh mit einer Biogasanlage kombiniert werden. Angeblich liegen allein für das Westmünsterland über 40 Bauanträge zur Genehmigung vor. Ob die im Hinblick auf die rasant steigenden Baukosten noch alle realisiert werden, sei einmal dahingestellt. Sicher ist aber: Wer für die Zukunft baut, kommt an der Haltungsform 3 nicht vorbei.

Der Standard-QS-Jungbulle

Auch in Zukunft wird der normale QS-Bulle der Haltungsform 1 weiter zu vermarkten sein. Aber es könnte schwieriger werden, denn seine edlen Teilstücke werden nicht mehr vollständig über die großen Konzerne des LEH abfließen. Das Verarbeitungsfleisch wie die Vorderviertel werden wohl auf längere Zeit nicht in Vermarktungswege mit Haltungsform 3 abfließen. Auch der Lebendexport von Rindern mit guten Schlachtkörpereigenschaften in Nachbarländer wie die Niederlande könnte eine größere Bedeutung bei der Vermarktung von QS-Standardtieren haben.

Fazit

Der LEH drängt für Rinder massiv auf die Umstellung auf Haltungsform 3 beim Frischfleisch für die Theke. Wenn er das Standard-QS-Fleisch gar nicht mehr anbietet, erübrigt sich auch die Frage, ob der Kunde nicht doch lieber das preiswerte kauft. Bei der Initiative Tierwohl – Schwein erlebt man ja bereits die Umstellung. Zuweilen ist normales QS-Fleisch auch nicht mehr zu bekommen. Ob der Konsument doch mit etwas größerer Kaufzurückhaltung reagiert, wird man dann sehen. Aber nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Tierschutzorganisationen auf den LEH, in Sachen Tierwohl voranzukommen. Dann werden, zum Teil auch bewusst, niedrigere Umsatzzahlen in gewissen Produktbereichen in Kauf genommen.


Kommentar: Werden Haltungsform 1 + 2 ausgelistet?

Vor drei Jahren kündigten LEH-Größen an, in Zukunft nur noch Fleisch aus den Haltungsformen (HF) 3 und höher anzubieten. In breit angelegten Marketingkampagnen zeigte man sich entschlossen, ab dem Jahr 2030 bei allen Fleischarten (Rind, Schwein und Geflügel) die HF 1 + 2 (Initiative Tierwohl) nicht mehr im Sortiment führen zu wollen. Ob die deutschen Erzeuger diese hochgesteckten Ziele in einem so kurzen Zeitraum erreichen würden, wurde nicht geprüft. Nun ist jedem klar, dass man bezüglich der Änderung der Haltungsverfahren nicht alle Nutztierarten über einen Kamm scheren kann.

Man muss genauer hinsehen: In der Milchviehhaltung ist in den Grünlandregionen die Weidehaltung bei einem vergleichsweise geringen Mehraufwand durchaus möglich. Meiereien honorieren dies häufig mit einem Weidemilchpreisaufschlag. Die Altkühe von der Weide entsprechen dann der Haltungsform 3 und werden in der Regel mit einem Preisaufschlag von 15 ct/kg Schlachtgewicht (SG) vergütet.

Bei den Jungbullen ist das schon komplizierter und kostenaufwendiger. Die Umstellung auf HF 3 können längst nicht alle Betriebe umsetzen. Nimmt man die Strohbetriebe heraus, liegt das Potenzial schnell umzustellender konventioneller Betriebe bei 10 bis 20 %. Und wenn es nicht flott genug geht – das Beispiel Rewe Nord zeigt es –, wird französische Ware gekauft und intensiv beworben.

In der ­Geflügelfleischerzeugung kann man die Luisianaställe – zum Beispiel bei der Pute – in HF 3 als eine Haltung mit Außenklimareizen definieren, wenngleich die seuchenhygienischen Risiken für die Tiere zunehmen. In jedem Fall steigen die Produktionskosten in einer auf Kostenminimierung ausgelegten EU-Fleischwirtschaft deutlich an. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Weißfleischerzeugung würde in der EU-27 stark abnehmen. Marktanteile werden verloren gehen.

Im Schweinefleischsektor sprechen gleich mehrere Fakten dafür, dass die vom LEH gesteckten Ziele völlig unrealistisch sind. Der Marktanteil der HF 3 + 4 liegt augenblicklich bei maximal 3 %. Selbst wenn die Schweinehalter haltungskonform auf HF 3 + 4 umbauen wollen, scheitern sie aufgrund der Genehmigungspraxis und finanzieller Gründe. Ob und wie viel der Verbraucher am Ende von dem deutlich höherpreisigen Fleisch kaufen wird, ist fraglich.

Der LEH muss erkennen, dass man die Nutztierhaltung nicht mit der Brechstange auf alternative Haltungssystem umstellen kann. Es gibt gute Gründe, warum Generationen von Landwirten landwirtschaftlichen Nutztiere in Ställen untergebracht haben, die im Hinblick auf Tierkomfort und Tiergesundheit immer besser geworden sind. Schließlich darf der gesundheitliche Verbraucherschutz bei der Lebensmittelerzeugung nicht aus dem Auge verloren werden. Dort bestehen Zielkonflikte, die der LEH offensichtlich nicht hinreichend durchdacht hat.

Dr. Frank Greshake, Dr. Albert Hortmann-Scholten
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