Wie lässt sich mit der Biomasse wiedervernässter Moorflächen Wertschöpfung generieren? Über die aktuelle Ernte, ein Fahrsilo aus Paludi-Kulturen und dessen Verwertung in einer Biogasanlage informierten die Projektbeteiligten der Klimafarm am vergangenen Donnerstag in Erfde. Rund 30 Landwirte und Interessierte waren dazu zum Feldtag in die Eider-Treene-Sorge-Region gekommen.
Einen Rückblick auf die Paludi-Ernte ab dem 21. Juni gab Marie Bajohr, Projektmanagerin Landwirtschaft und Produktentwicklung auf der Klimafarm. Der heterogene Pflanzenmix ist auf den Klimafarm-Flächen mit verschiedenen Verfahren als Heu, in Form von Rund- und Quaderballen sowie in einem Fahrsilo geerntet worden. Einige Quaderballen werden zum Beispiel zu Pellets für die weitere Nutzung in einer Papierfabrik verarbeitet. Der Großteil der Heuernte erfolgte im Ellerortsmoor: Auf 14,7 ha wurden 163 Ballen mit 1,25 m Durchmesser geerntet. „Da hier vor allem Binsen vorherrschen, fiel der Ertrag vergleichsweise gering aus“, erläuterte Bajohr.
Biomasse sinnvoll einsetzen
„Die Wiedervernässung wird auf unseren Moorböden vermutlich die am weitesten verbreitete Art der Moorkörperkonservierung bleiben“, erklärte Jasper Metzger-Petersen von der BaBa Gump GbR in Oster-Ohrstedt, die zwei Biogasanlagen und ein Lohnunternehmen betreibt. „Die Biomasse werden wir nur los, wenn wir sie sinnvoll einsetzen – meiner Meinung nach ist das die Biogasanlage“, unterstrich Metzger-Petersen. Für ihn ist die Paludi-Biomasse „kein Rinderfutter, aber auch kein Müll“, sondern vielmehr „weit davon weg, irgendein Abfall zu sein“. Das Material bringe eine besondere Güte, aber auch besondere Probleme mit sich: „Es gibt noch keine Häckseltechnik, die im Moor herumtoben kann. Entsprechend muss man mit Ladetechnik arbeiten und hat lange Strukturen.“
Um die energetische Verwertung der Biomasse werde man bei einer großflächigen Vernässung nicht herumkommen. Eine ausschließliche stoffliche Verwertung wäre zwar zu begrüßen, für eine Transformationszeit sei aber auch die energetische, direkte Nutzung notwendig. Die aus der Biomasse erzeugte Wärme könne auch zum Trocknen des stofflich genutzten Paludi-Materials verwendet werden. Für die probeweise energetische Verwertung in der Biogasanlage war das Einholen einer Genehmigung beim Fördergeldgeber, dem Bundesumweltministerium, notwendig.
„Wir müssen wegkommen von der Anbaubiomasse“, betonte Metzger-Petersen. Die vergangenen 20 Jahre seien Biogasanlagen über die Anbaubiomasse gedacht worden. Künftig werde es jedoch nur sinnvoll sein, Anlagen mit Nichtanbaubiomasse oder Energien zu versorgen, die von Menschen übrig gelassen werden.
Trotz schwieriger Erntebedingungen im November 2023 war Metzger-Petersen von den verwendeten Silagen, die genau analysiert wurden, positiv überrascht. Diese hätten einen TS-Gehalt zwischen 19 und 25 % aufgewiesen. Das Paludi-Material sei der Anlage mit 10 % beigemischt worden, die Ergebnisse dabei vielversprechend. „Wir reden über ein Potenzial von 80 bis 120 Normkubikmeter Gas pro Tonne“, so Metzger-Petersen über den ersten Versuch. „Wenn wir mit zwei bis drei Tonnen Paludimaterial eine Tonne Silomais ersetzen können, dann haben wir etwas erreicht.“ Flächen würden so für andere Anbausysteme frei und nach dem Gang durch die Biogasanlage stehe der Gärrest für eine weitere Aufbereitung, etwa zu Pflanzenkohle, zur Verfügung.
Für den Landwirt und Biogasanlagenbetreiber wird der Bereich der Biomethanaufbereitung statt einer Kraft-Wärme-Kopplung immer interessanter: So könne künftig Biomasse in gasbetriebenen Schleppern genutzt und eine CO2-Neutralität im Antriebsbereich erlangt werden. Auch Fuhr- oder Busunternehmen, deren Fahrzeuge mit Gas aus wiedervernässten Mooren unterwegs sind, seien denkbar. Mehrwerte könnten über geänderte Nährstoffkreisläufe und eine verringerte CO2-Abgabe entstehen. Den Wert wiedervernässter Moore als Ökosystemdienstleistung unterstrich auch Dr. Elena Zydek, Projektleiterin der Klimafarm. Würden Fragen der Vernässungskosten, der Abpufferung von Ertragseinbußen in der Milcherzeugung oder von Anpassungen der Gemeinsamen Agrarpolitik geklärt, seien wiedervernässte Moore Gold wert, bekräftigte Zydek.
Siliertes Material gefragt
Eine stoffliche Verwertung erprobt die Klimafarm mit ihren Partnern etwa in Form von Paludi-Papier, Verpackungsmaterial, Dämmplatten, Erosionsschutzmatten, als Torfersatz, für Textilien oder Faserwerkstoffe. Die Tendenz gehe bei der industriellen Verwertung und den dortigen großen Bedarfen hin zu siliertem Material, etwa beim Umbau von Verpackungsmaterialien von Altpapier auf Moorpflanzen, erklärte Zydek. „Wir müssen es als Landwirte aber erst einmal schaffen, diese Mengen zu ernten und qualitativ so hochwertigen Rohstoff hinzubekommen.“ Das Projekt Klimafarm läuft noch bis zum Jahr 2031.




