Eine gute Bekämpfung des Rapserdflohs ist mittlerweile zu einer großen Herausforderung im Rapsanbau geworden. Die schlecht vorhersehbare Populationsdynamik, Wettergegebenheiten und die Lage der jeweiligen Rapsflächen sind nur einige Punkte, die den Zuflug beeinflussen. Somit ist das A und O einer guten Bekämpfungsstrategie eine intensive und vor allem regelmäßige Bestandes- und Gelbschalenkontrolle. Bereits ab dem Auflaufen sind die Kontrollen erforderlich, um keine unliebsamen Überraschungen im Frühjahr zu erleben.
Besonders die milden Wintermonate werden nach wie vor unterschätzt, da die Weibchen, die die vorherigen Insektizid-Maßnahmen überlebt haben, bis ins Frühjahr weiterhin Eier ablegen können.
Das Rapserdfloh-Jahr 2023/24 wurde bereits in der Ausgabe 30 vom 27. Juli ausführlich im Bauernblatt beschrieben und diskutiert. Nach der diesjährigen Ernte konnten auf einigen Schlägen im ersten Auflaufraps Fraßschäden beobachtet werden, Käfer dagegen wurden kaum gesichtet. Es spricht somit einiges dafür, dass die Rapserdflöhe für die diesjährige Sommerruhe den Raps bereits verlassen und nahe gelegene Knicks, Sträucher oder Waldränder aufgesucht haben. Dennoch sollten umliegende, angrenzende abgeerntete Rapsflächen im Auge behalten werden, damit nach der Bearbeitung des Ausfallrapses nicht auf einmal die eigenen frisch gedrillten Rapsflächen eine stärkere Besiedelung mit Rapserdflöhen erfahren, da diese Flächen auch einen Rückzugsraum darstellen können.
Kontrollen regelmäßig durchführen
Die neuen Rapsflächen werden, je nach Wetterlage, zwischen Mitte August und Anfang September bevorzugt bei Temperaturen von 16 bis 20 °C von den Rapserdflöhen angeflogen. Das heißt aber nicht, dass ein Zuflug nicht auch bei niedrigeren oder höheren Temperaturen stattfinden kann. Der angegebene Bereich ist das Optimum.
Ab dem Auflaufen des Rapses bis zirka Vierblatt-Stadium gilt es, den Raps regelmäßig auf Blattfraß zu kontrollieren. Dieser wird immer dann kritisch, wenn Käfer auf einen sich schlecht entwickelnden Raps (Staunässe, Trockenheit, Strohstreifen, Herbizid-Stress und so weiter) treffen. Die Pflanzen können in dem Fall den Fraßschäden quasi nicht davonwachsen und verlieren innerhalb kurzer Zeit viel Blattmasse. Das ist umso kritischer, je kleiner der Raps ist. Hier sind manchmal Tage für die rechtzeitige Behandlung entscheidend. Bei gut entwickeltem Raps ist der Reifungs- beziehungsweise Blattfraß der Erdflöhe selten kritisch und darf nicht überbewertet werden. Anfangs kleine Fraßlöcher wachsen mit, sodass sie zu einem späteren Zeitpunkt dramatischer wirken als sie sind. Die Bekämpfungsschwelle bis zum vierten Blatt des Rapses liegt bei mehr als 10 % Blattmasseverlust. Gleichzeitig geben Gelbschalen einen guten Eindruck von der Intensität des Käferzuflugs. Die Rapserdflöhe hüpfen dabei eher zufällig in die Schale und fliegen nicht explizit auf die Farbe Gelb. Ein leichtes Eingraben erhöht zwar die Fängigkeit der Schalen, allerdings verschmutzen diese so auch sehr schnell.
Auf größeren Schlägen bieten sich immer mehrere Gelbschalen an verschiedenen Stellen an. Besonderes Augenmerk gilt den Neuaussaaten, die nun in der Nähe zu Altrapsflächen liegen und im vergangenen Frühjahr einen stärkeren Befall mit Rapserdflohlarven aufwiesen. Die Gelbschalen müssen dann in der Nachbarschaft zu diesen Altrapsflächen beziehungsweise speziell in der Nähe der möglichen Sommerquartiere (Knicks, Waldsäume und so weiter) aufgestellt (eingegraben) werden. Bei stärkerem Zuflug innerhalb eines kurzen Zeitraums sollten die Gelbschalen täglich kontrolliert und das Wasser (plus Spüli) gewechselt werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt nach dem Vierblatt-Stadium bei mehr als 50 Käfern innerhalb von drei Wochen. Aber auch hier gilt es, ein gewisses Händchen für die optimale Bekämpfung zu haben.
Zusammenhang zwischen Biologie und Bekämpfung
Mit dem Einflug der Käfer in den frischen Raps vollziehen diese erst einen Reifungsfraß an den Blättern und schreiten in Normaljahren ab zirka Ende September/Anfang Oktober zur Eiablage. Mit Beginn des Reifungsfraßes setzt bei den Käfern eine Lichtempfindlichkeit ein, die sich durch Praxisbeobachtungen bestätigen lässt, wonach tagsüber keine Rapserdflöhe im Bestand gesichtet wurden und trotzdem die Gelbschale dann morgens gut gefüllt waren.
Das bedeutet, in der Dämmerung und nach Sonnenuntergang sind die Käfer in dieser Phase besonders aktiv und in diesem Zeitraum sollte auch eine notwendige Behandlung (Bekämpfungsschwelle: 10 % Lochfraß plus Zustand der Pflanzen) erfolgen. Später, im Zuge der Eiablage, schwächt sich diese Lichtempfindlichkeit ab oder verschwindet ganz, sodass die Käferaktivität tagsüber für die erfolgreiche Behandlung förderlich ist.
Für den Reifungsfraß werden auch bevorzugt gestresste Rapspflanzen angeflogen (Anreiz durch Duftstoffe). Somit haben günstige Aussaatbedingungen (optimale Verteilung und Einmischung des Strohs der Vorfrucht, gut abgesetztes, feinkrümliges Saatbett, Walzen des Saatbetts, um Kluten als Versteck des Rapserdflohs zu minimieren) und eine ungestörte Jugendentwicklung auch dahingehend positive Effekte. 
Die Eiablage der Weibchen ist temperaturabhängig und kann bei günstigen Temperaturen schubweise (drei bis sechs Stück pro Tag) bis ins neue Frühjahr hinein mit durchschnittlich 500 bis 1.500 Eiern pro Weibchen in den Boden erfolgen. Aus den Eiern entwickeln sich die Larven, die sich in die Blattstiele einbohren und diese minieren. Sind die Larven einmal in den Blattstielen, ist deren Bekämpfung deutlich schwieriger. Mit Pyrethroiden, die als Kontaktinsektizide fungieren, werden Effekte nur während des Ein- und Ausbohrens und bei der Fortbewegung der Larven auf den Blattstielen erzielt. Aufgrund der deutlich niedrigeren Temperaturen im Verlauf des späteren Herbstes hält das Pyrethroid im Vergleich zum Zeitpunkt des Reifungsfraßes allerdings länger durch. Der Schwerpunkt der Pyrethroid-Einsätze sollte damit, neben dem Reduzieren des Blattfraßes, in der Verhinderung der Eiablage liegen. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei mehr als 50 Käfern pro Gelbschale innerhalb von drei Wochen. Allerdings sind 50 Käfer keine alleinige fixe Größe. Begleitumstände, wie Zustand des Rapses, eventuelle Lichtempfindlichkeit und das Wetter, sind weitere wichtige Einflussfaktoren. Ist beispielsweise die Bekämpfungsschwelle von 50 Käfern überschritten, der Wetterbericht verkündet aber ein Ende der warmen Phase in ein paar Tagen, so kann man durchaus, wenn es der Rapsbestand erlaubt, weiteren Zuflug zulassen und erst danach behandeln.
Unter den pyrethroiden Wirkstoffen gibt es Wirkungsunterschiede. Lambda-Cyhalothrin ist aktuell der stärkste Wirkstoff gegen den Rapserdfloh. Innerhalb der Lambda-Cyhalothrine gibt es wiederum Abstufungen, basierend auf der Formulierung. Die Unterschiede äußern sich in der Wirkungsschnelligkeit und -dauer.
Alternativen zu den Pyrethroiden
Die hohe Einsatzhäufigkeit der Pyrethroide (nicht nur gezielt gegen den Rapserdfloh, sondern gegen alle Rapsschädlinge über eine Saison) der letzten Jahre blieb nicht ohne Folgen. Die Pyrethroid-Resistenz ist in der Praxis angekommen und hat mittlerweile einen entscheidenden Einfluss auf den Bekämpfungserfolg. Somit ist es besonders wichtig, die Anzahl der Pyrethroid-Maßnahmen zu begrenzen und alternative Wirkstoffe zu nutzen. Der Wirkstoff Acetamiprid hat mit dem Produkt Carnadine die Zulassung gegen Rapserdfloh erhalten (Achtung: NG405, kein Einsatz auf drainierten Flächen). Allerdings ist die Wirkung auf die Larven im Vergleich zu den cyantraniliprolehaltigen Produkten Minecto Gold und Exirel deutlich schlechter zu bewerten. Für diese beiden teilsystemischen Produkte wurden vom BVL auch in diesem Herbst erneut die Notfallzulassung für einen Teil der Rapsfläche in Deutschland erteilt. Somit besteht die Möglichkeit, die Larven mit einem Wirkstoff aus einer anderen Wirkstoffklasse wirkungsvoll zu bekämpfen. Es ist mit einem der Produkte insgesamt nur eine Anwendung genehmigt (also entweder Minecto Gold oder Exirel), sodass der Termin gut gewählt sein muss. Im frühen Entwicklungsstadium des Rapses, wenn der Blattfraß im Fokus steht, haben beide Produkte nichts verloren. Hier müssen, wie oben beschrieben, nach wie vor die Pyrethroide zum Einsatz kommen. Das Einsatzfenster für Minecto Gold und Exirel öffnet sich mit der beginnenden Einwanderung der Larven in die Blattstiele und Überschreiten der Bekämpfungsschwelle (Anzahl Larven je Pflanze). Es ist dabei vom Termin her eine Herausforderung, einerseits den überwiegenden Teil der bereits eingebohrten Larven zu erreichen (ohne dass diese inzwischen schon zu groß geworden sind) und andererseits nicht zu früh zu applizieren, weil möglicherweise ein noch größerer Teil der Larven über die weitere Eiablage und Larvenschlupf aus dem Boden kommen könnte.
Einsatztipps für Minecto Gold und Exirel
• Produkte erst einsetzen, wenn Larvenbesatz in den Blattstielen festgestellt wurde und oberhalb der Bekämpfungsschwelle liegt (Pflanzenstiele auf Vernarbungen kontrollieren, Blattstiele aufschneiden oder die Austreibungsmethode durchführen)
• Die Produkte müssen die Blattstiele erreichen, das heißt bei üppigen Beständen mit aufrecht stehenden Blattstielen besteht die Gefahr des Ablaufens der Spritzbrühe.
• Die Einsatztermine von Minecto Gold/Exirel und Kerb Flo und Co. passen nicht zusammen, da unterschiedliche Ziele verfolgt werden (Insektizid in die Blattstiele versus Herbizide in die oberste Bodenschicht bei möglichst feuchten Bedingungen).
• Es ist nur ein Anwendungstermin genehmigt, somit auch keine Reduzierung der Aufwandmenge.
Fazit
Auch wenn jahresbedingt einmal andere Herbstschädlinge in den Fokus rücken können, so ist es doch der Rapserdfloh, dem aktuell die Hauptaufmerksamkeit im Rapsanbau gilt. Die Pyrethroide weisen resistenzbedingt erste Probleme auf, sind aber aus der Bekämpfungsstrategie trotzdem nicht wegzudenken, da zurzeit keine Behandlungsalternativen bei sehr frühem und vor allem starkem Auftreten des Käfers zur Reduzierung des Blattfraßes und zur Verhinderung der Eiablage vorhanden/zugelassen sind. Zum späteren Zeitpunkt sollten dagegen zur Bekämpfung der Larven die cyantraniliprolehaltigen Produkte Minecto Gold und Exirel zum Einsatz kommen. Der Zusatz des genehmigten Additivs Hasten kann die Wirkung noch einmal verbessern.
Kleine Kohlfliege
Wichtiges kurz und knapp
• Der Zuflug ist starken Populationsschwankungen und Wettereinflüssen unterworfen.
• Die Eiablage erfolgt am Wurzelhals der jungen Pflanzen.
• Die Larven fressen an den Wurzeln. Befallene Wurzelfläche und Folgewitterung entscheiden über das Überleben der Pflanzen.
• Raps kann bei wüchsigen Bedingungen neue Seitenwurzeln bilden. Häufig aber Folgeprobleme wie Trockenstress und verminderte Standfestigkeit
• oft notwendiger Kompromiss zwischen nicht zu frühem Drillen (erste aufgelaufene Bestände werden angeflogen) und der gleichzeitigen Etablierung von starken Einzelpflanzen, auch als Schutz vor dem kritischen Blattfraß des Rapserdflohs
• Zugelassene Beize Lumiposa vermindert Starkbefall; Beize Buteo Start hat keinen Einfluss.
Rapserdfloh
Wichtiges kurz und knapp
Bekämpfungsschwelle:
• mehr als 10 % Blattfraß des Rapses, besonders kritisch im Keimblattstadium bis ES 14
• mehr als 50 Käfer innerhalb von drei Wochen pro Gelbschale ab ES 14
• mehr als fünf bis sechs Larven pro Pflanze (vitaler Raps) beziehungsweise drei bis vier Larven pro Pflanze (schwacher Raps)
• Einfluss insektizider Beizen besteht nur, wenn der Rapserdfloh schon in der Auflaufphase des Rapses zufliegt. Buteo Start kann gegenüber Lumiposa leichte Vorteile haben, die sich in einem Entwicklungsvorsprung äußern und besonders bei späteren Saatterminen von Vorteil sind.
Behandlung:
• Blattfraß und zur Reduzierung der Käfer bei der Eiablage: mit zugelassenem Pyrethroid, Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin hat die höchste intrinsische Wirkung. Anwendungshäufigkeit der einzelnen Produkte beachten!
• Larven-Bekämpfung: Mit dem Einbohren der Larven in den Blattstielen oberhalb der Bekämpfungsschwelle (siehe oben) und wenn aufgrund starken Zuflugs schon Pyrethroid-Behandlungen erfolgten, sind die teilsystemischen Produkte Minecto Gold oder Exirel zu bevorzugen und einzusetzen.
Hinweise zur Behandlung:
• In der Phase des Reifungsfraßes besteht eine Lichtempfindlichkeit der Käfer. Pyrethroide nachts einsetzen!
• Im Zeitraum der Eiablage geht die Lichtempfindlichkeit verloren. Produkte tagsüber zum Zeitpunkt der höchsten Aktivität applizieren!
• mildes Winterwetter beachten. Bei starker Aktivität (Eiablage und weitere Larveneinwanderung) können Behandlungen im November oder Dezember notwendig werden.
Blattläuse
Wichtiges kurz und knapp
• Blattläuse (Grüne Pfirsichblattlaus, Mehlige Kohlblattlaus) sind einerseits Saugschädlinge und andererseits Überträger des Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV).
• Eine vermehrte Blattlaus-Aktivität ist bei höheren Temperaturen im Herbst sowie in milden Wintern zu erwarten.
• Starkes Auftreten kann über die Saugschäden bis zu Pflanzenverlusten führen, vor allem bei schwachen Rapsbeständen.
• Blattläuse sitzen hauptsächlich an der Blattunterseite. Eine Bekämpfung mit Pyrethroiden als reinen Kontaktprodukten ist deshalb nicht wirksam!
• Es gibt keine Bekämpfungsschwellen. Für die Behandlungsentscheidung sind Befallsstärke, Wüchsigkeit des Rapses und die Folgewitterung maßgebend.
• zugelassen gegen Grüne Pfirsichblattlaus: 100 g/ha Teppeki/Afinto (BBCH 12-18). Teppeki/Afinto hat keine Wirkung gegen Rapserdfloh.
• Anbau von TuYV-resistenten Sorten, um die Auswirkungen des TuYV-Virus zu minimieren




